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Jahresbericht 2010
STAATSMINISTERIUM
FÜR SOZIALES UND
VERBRAUCHERSCHUTZ
der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen (LUA)

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
mit dem Jahresbericht für das Jahr 2010 legt die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen (LUA) wiederum
einen Arbeitsbericht über die Erfüllung der zugewiesenen Aufgaben im öffentlichen Gesundheitsdienst vor.
Schwerpunktmäßig werden ausgewählte Untersuchungs- und Leistungsbereiche der Humanmedizin, der amtlichen Lebensmitteluntersuchungen
und der Veterinärmedizin anschaulich dargestellt.
Die bisherige Trennung in Textteil und Tabellenteil wurde dabei zugunsten einer gezielten Informationsauswahl erläuternder Ergebnisdarstellun-
gen zur besseren Vermittlung aufgegeben. Das komplette, umfassende Untersuchungsspektrum ist jedoch über die Internetpräsentation der LUA
unter
www.lua.sachsen.de
abrufbar.
Dieser Bericht soll neben der Darstellung des Leistungsumfanges und der Entwicklungstendenzen insbesondere auf herausragende Ergebnisse
aufmerksam machen.
Die LUA ist mit ihrer Untersuchungs- und Gutachtertätigkeit Spiegelbild der stetig sich im Fluss befindlichen Anforderungen an Infektionsdiag-
nostik, Lebensmittelsicherheit, Hygienestandards, Tiergesundheit, Kennzeichnungsvorgaben, Verbraucherinformationsbegehren etc., was jeweilig
ein Reagieren durch spezielle Ausrichtung der Untersuchungsschwerpunkte, Einführung neuer Untersuchungsmethoden/-techniken und konti-
nuierliche Weiterbildung des akademischen und technischen Personal erfordert.
Auf humanmedizinischem Gebiet sind im Jahr 2010 besonders die Leistungen der virologischen und serologischen Diagnostik, aber auch die
Trinkwasseruntersuchungen, der Input in das Netzwerk Multiresistente Erreger und die Badegewässerhygiene hervorzuheben.
Untersuchte Proben von Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, Kosmetik und Arzneimitteln von insgesamt ca. 25.000 Stück weisen zu den Vor-
jahren mit 11 % eine annähernd gleich gebliebene Beanstandungsquote auf.
Im Berichtsjahr wurden zur Verbesserung der Tiergesundheit und der Tierseuchenprophylaxe als Basis für unbedenkliche Lebensmittel und tieri-
sche Produkte aber auch zum Schutz des Menschen als Halter von Nutz- und Heimtieren weit über 1 Mio. Proben untersucht. Besondere Befunde
sind auch hier herausgestellt.
In Umsetzung des LUA-Strukturkonzeptes wurden Umstrukturierungsmaßnahmen 2010 fortgeführt, die weitere Konzentration von Untersu-
chungsbereichen an bestimmten Standorten erforderte dabei auch Personal-umsetzungen, Umzüge und eine Neuorganisation des LUA-Kuriers.
Als Meilenstein ist die Fertigstellung und der Bezug des neuen Laborgebäudetrakts in Chemnitz nach feierlicher Übergabe am 29.10.2010 zu
nennen. Die dort tätigen Mitarbeiter verfügen jetzt ebenfalls über angemessene optimale Arbeitsbedingungen.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fachabteilungen und der Verwaltung haben sich auch im vergangenen Jahr als beständige Partner des
öffentlichen Gesundheitsdienstes erwiesen, wofür in Anerkennung der Leistungen, der Einsatzbereitschaft und der Flexibilität ein besonderer
Dank auszusprechen ist. Den Partnern und Auftraggebern in Gesundheitsämtern, Lebensmittelüberwachungs- und Veterinärämtern und allen
anderen Einrichtungen sei für das stetige und gute Zusammenwirken gedankt, das es aus Sicht der LUA fortzuführen gilt.
Im Namen aller Beteiligten bei der Abfassung dieses Berichtes wünsche ich Ihnen eine interessante und aufschlussreiche Lektüre.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin m. d. W. b.
Vorwort

Inhaltsverzeichnis
Sachberichte über wichtige Ereignisse, Untersuchungsschwerpunkte
und Untersuchungsergebnisse
Humanmedizinische Infektions-, hygiene- und umweltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
Aufgaben der Humanmedizin ..................................................................................................................................................................................................................................................1
Netzwerk Multiresistenter Erreger im Freistaat Sachsen ..............................................................................................................................................................................................2
Erreger infektiöser Durchfallerkrankungen im Untersuchungsgut der LUA .........................................................................................................................................................
3
Mykobakterien-Diagnostik an der LUA – essentieller Baustein im Rahmen der Tuberkulose-Prävention ................................................................................................ 5
Schwerpunkte der humanmedizinischen virologischen und molekularbiologischen Diagnostik ................................................................................................................ 7
Serologie – eine wichtige Untersuchungsstrecke in der Humanmedizin ............................................................................................................................................................... 8
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthygiene .................................................................................................................................................... 9
Infektionsepidemiologische Erfassung, Berichts- und Beratungstätigkeit ......................................................................................................................................................... 11
Zwei besondere Projekte aus dem Bereich Humanmedizinische Informationssysteme ................................................................................................................................12
Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersuchungs- und Beratungstätigkeit.............................................................................................................................13
Anhang: Auszug aus der tabellarischen Darstellung der Untersuchungsleistungen ......................................................................................................................................16
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen und Pharmazie
Leistungsspektrum bei den Lebensmitteluntersuchungen und der Pharmazie .................................................................................................................................................22
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene ..................................................................................................................................................................................................23
Getreide/ Getreideerzeugnisse/ Süßwaren/ Tee/ Kaffee/ Kakao/ Fette/ Öle/ Feinkosterzeugnisse/ Speiseeis ........................................................................................26
Obst/ Obsterzeugnisse/ Gemüse/ Gemüseerzeugnisse/ Gewürze/ Fertiggerichte .............................................................................................................................................28
Getränke ..........................................................................................................................................................................................................................................................................................30
Nahrungsergänzungsmittel/ Diätetische Lebensmittel ................................................................................................................................................................................................33
Arzneimitteluntersuchungen ..................................................................................................................................................................................................................................................35
Kosmetische Mittel .....................................................................................................................................................................................................................................................................37
Bedarfsgegenstände ...................................................................................................................................................................................................................................................................39
Tabakerzeugnisse..........................................................................................................................................................................................................................................................................42
Pharmakologisch wirksame Stoffe .......................................................................................................................................................................................................................................42
Veterinärmediznische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
Überblick über die veterinärmedizinische Diagnostik...................................................................................................................................................................................................44
Pathologische Diagnostik .........................................................................................................................................................................................................................................................45
Stoffwechseldiagnostik .............................................................................................................................................................................................................................................................47
Parasitologische Diagnostik ....................................................................................................................................................................................................................................................47
Spezielle Mikrobiologie und Mykologie ..............................................................................................................................................................................................................................48
Milchhygienische Untersuchungen/ Mastitisdiagnostik .............................................................................................................................................................................................50
Serologische/ Virologische/ Molekularbiologische Diagnostik..................................................................................................................................................................................50
Elektronenmikroskopie ..............................................................................................................................................................................................................................................................53
Tätigkeiten der maschinentechnischen Sachverständigen (MTS) ............................................................................................................................................................................53
Anhang: Auszug aus der tabellarischen Darstellung der Untersuchungsleistungen ......................................................................................................................................54
Verwaltung, Organisation und Qualitätsmanagement
Überblick über die Umsetzung des LUA-Konzeptes und die damit verbundene Neuorganisation der Landesuntersuchungsanstalt .......................................58
Qualitätsmanagement/ Akkreditierung ..............................................................................................................................................................................................................................59
Öffentlichkeitsarbeit ...................................................................................................................................................................................................................................................................60
Abkürzungsverzeichnis ..............................................................................................................................................................................................................................................................61

│1
In der
Abteilung Medizinische Mikrobio-
logie
wurde vorwiegend im Auftrag der
Gesundheitsämter des Freistaates Sachsen
die mikrobiologische Labordiagnostik auf
bakterielle, virale, parasitäre und/oder Pilz-
Infektionserreger aus menschlichen Unter-
suchungsmaterialien sowie aus Trink- und
Badewasserproben durchgeführt. Die Was-
serproben wurden darüber hinaus festgeleg-
ten chemischen Analysen unterworfen. Auf-
grund des Vorhandenseins eines modernen
Labors der Schutzstufe 3 konnte auch mit
Krankheitserregern, die ein erhöhtes Gefähr-
dungspotenzial besitzen, also mit Keimen der
sog. Risikogruppe 3, gearbeitet werden.
Schwerpunktmäßig wurden somit folgende
Untersuchungsaufgaben wahrgenommen:
]
Diagnostik zum Nachweis und zur Abklä-
rung von (Infektions-)Erregern
]
beim Auftreten bevölkerungsmedizi-
nisch relevanter übertragbarer Krank-
heiten (z.
B. bei Häufungen, Ausbrüchen,
in Gemeinschaftseinrichtungen etc.)
]
mit bevölkerungsmedizinischer Rele-
vanz bei Asylbewerbern
]
sexuell übertragbarer Krankheiten
]
nosokomialer Infektionen sowie mit
speziellen und Multi-Resistenzen (z.
B.
MRSA, VRE, ESBL-Bildner etc.)
]
im Rahmen von Sentinels (z.
B. Infl uen-
za-Sentinel, Enterovirus-Surveillance)
]
mit bevölkerungsmedizinischer Rele-
vanz bei derem neuen Auftreten oder
bei deren schneller Verbreitung (emer-
ging infectious diseases)
]
mit erhöhtem Gefährdungspotenzial
(z.
B. Erreger der Risikogruppe 3 wie
Mycobacterium tuberculosis
)
]
Diagnostik von Schädlingen (z. B. Läuse,
Krätzemilben etc.)
]
Hoheitliche Untersuchung und Kontrolle
von Trinkwasser aus zentralen Wasserver-
sorgungsanlagen hinsichtlich bakteriolo-
gischer und chemischer Indikatorparame-
ter
]
Kontrolle von EU-Badegewässern und
„wilden Badestellen“ hinsichtlich bakte-
riologischer Indikatorparameter, ggf. ein-
schließlich Blaualgen.
Bei den Probenmaterialien, die im Rahmen
von Häufungen und Ausbrüchen von Infek-
Durch ihre Untersuchungstätigkeit unter-
stützte die Abteilung Medizinische Mikrobio-
logie die Gesundheitsämter des Freistaates
Sachsen in ihrer Aufgabe, die im Infektions-
schutzgesetz verankerte und im öffentlichen
Interesse liegende Verhütung und Bekämp-
fung von Infektionskrankheiten umzusetzen.
Aber auch intensive Beratungs-, Vortrags-,
Fortbildungs- und Schulungstätigkeit (u. a.
im Bereich Hygiene für Medizinische/Zahn-
medizinische Fachangestellte) sowie die
Erstellung verschiedenster Informationsma-
terialien, Empfehlungen und Stellungnah-
men, die neben der Labordiagnostik geleistet
wurden, bildeten einen weiteren Aufgaben-
Schwerpunkt in der Abteilung Medizinische
Mikrobiologie.
Arbeitsgebiete der
Abteilung Hygiene und
Umweltmedizin, Infektionsepidemiologie,
Gesundheitsberichterstattung
waren um-
weltbedingte Erkrankungen, Kommunalhygi-
ene, Badegewässerhygiene, Hygiene von Ge-
sundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen,
Kurorthygiene sowie Infektionsepidemiologie
einschließlich Gesundheitsberichterstattung.
Die Tätigkeit der in den Bereichen
Umwelt-
medizin, Kommunalhygiene, Hygiene der
Gesundheitseinrichtungen, Hygiene der
Gemeinschaftseinrichtungen und Kurort-
hygiene
arbeitenden Fachgebiete war auf
folgende Schwerpunkte ausgerichtet:
]
Stellungnahmen zu umwelthygienischen
Problemen
]
Umweltmedizinische Expositions- und Ge-
fährdungsabschätzung, Immissionspro-
bleme
]
Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen im
Rahmen von Planungs- und Genehmi-
gungsverfahren
]
Umsetzung der Sächsischen Badegewäs-
ser-Verordnung, Berichterstattung zu
Trinkwasser und Badegewässern gemäß
EU-Richtlinien und Weiterleitung über das
Umweltbundesamt an die Kommission der
Europäischen Gemeinschaft
]
Untersuchungen, Stellungnahmen und
Beratungen zur Umsetzung hygienischer
Anforderungen in Gesundheits- und Ge-
meinschaftseinrichtungen
]
Länderübergreifende Mitarbeit an der Er-
tionskrankheiten sowie von infektiösen Er-
krankungen in Gemeinschaftseinrichtungen
wie Kindergärten, Schulen, Alten- und Pfl e-
geheimen etc. entnommen wurden, stand
2010 wiederum v. a. die Abklärung infektiöser
Durchfallerkrankungen im Vordergrund.
Im Berichtsjahr wurden in der Abteilung Me-
dizinische Mikrobiologie insgesamt 46.131
Untersuchungen auf Bakterien, Viren und
Parasiten in Stuhlproben durchgeführt. Bei
7,3 % der Untersuchungen gelang ein Erre-
gernachweis.
Clostridium difficile
– nach-
weisbar im Untersuchungsgut der LUA in
7,6 % der entsprechend untersuchten Stuhl-
proben – ist sachsenweit seit 2008 die zweit-
häufi gste bakterielle Ursache infektiöser
Darmerkrankungen, die Salmonellen sind da-
mit an die dritte Stelle gerückt.
Der Unterstützung der Präventionsarbeit
der AIDS/STD-Beratungsstellen der Gesund-
heitsämter diente die bakteriologische/se-
rologische/molekularbiologische Diagnostik
sexuell übertragbarer Infektionen (STI). Die in
diesem Zusammenhang u. a. durchgeführten
knapp 4.000 Screening-Teste auf Syphilis-
Antikörper sowie die insgesamt etwa 6.700
Untersuchungen zum Nachweis von
Neisse-
ria gonorrhoeae
- und
Chlamydia trachoma-
tis
-Nukleinsäure verdeutlichen die weiterhin
bestehende Problematik bzgl. hoher bzw. zu-
nehmender Infektionszahlen im Bereich der
STI.
Neben Infektionen mit multi-resistenten Er-
regern wie z. B. MRSA (Methicillin-resistenter
Staphylococcus aureus), VRE (Vancomycin-
resistente Enterokokken), ESBL- (Extended-
Spectrum-Beta-Lactamase-)Bildner und Car-
bapenemase-Bildner gewinnen weltweit auch
Infektionen mit resistenten Tuberkulose-
Erregern zunehmende Bedeutung. Daher ge-
hörte auch die Empfi ndlichkeitsbestimmung
angezüchteter
Mycobacterium tuberculosis
-
Komplex-Stämme zum Standard-Diagnostik-
Programm der Abteilung Medizinische Mikro-
biologie. Der Anteil von MDR-TB (multi-drug
resistant Tuberkulose-Erreger) in Deutschland
beträgt derzeit ca. 2 %. Extensiv resistente
Tuberkulose-Erreger (XDR-TB), die mit den
noch verfügbaren Antibiotika oft kaum wirk-
sam therapiert werden können, fanden sich in
Deutschland bislang nur in Einzelfällen.
Humanmedizinische Infektions-, hygiene- und
umweltbezogene Diagnostik und Beratungs-
tätigkeit
Aufgaben der Humanmedizin 2010

2 │
arbeitung von Empfehlungen und Richtli-
nien zum Thema Hygiene
]
Beurteilung von Anträgen zur staatlichen
Anerkennung als Erholungsort aus hygie-
nischer Sicht
]
Pollenmessstelle für den Deutschen Pol len-
informationsdienst und den Deutschen
Wetterdienst.
An die Fachgebiete herangetragen wurden
verschiedene hygienische Fragestellungen, die
oft engen Zusammenhang mit mikrobiologi-
schen Problemen aufwiesen. Auch Anfragen
zur Bau- und Siedlungshygiene und Baupro-
jekte zu verschiedenartigen Gemeinschafts-
einrichtungen waren zu bearbeiten.
Auf der Grundlage des Gesetzes über den
Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat
Sachsen war im Jahre 2010 eine ausgedehnte
Beratungs- und Untersuchungstätigkeit zu
verzeichnen.
Zusammenfassung der Meldedaten zu Infek-
tionskrankheiten aus den Gesundheitsäm-
tern, Überprüfung und Weiterleitung dieser
Daten und von in Sachsen erhobenen Daten
zum Impfstatus von Kindern an das Robert
Koch-Institut ist Aufgabe des Fachgebietes
„Infektionsepidemiologie, Gesundheitsbe-
richterstattung, humanmedizinische Infor-
mationssysteme“
. Auf dem neuesten wissen-
schaftlichen Stand gehaltene Empfehlungen
zur Verhütung und Bekämpfung bestimmter
epidemiologisch bedeutsamer übertragbarer
Krankheiten (Herdbekämpfungsprogramme),
die von beiden humanmedizinischen Abtei-
lungen der LUA verfasst werden, zu Schutz-
impfungen und anderen Maßnahmen der
spezifi schen Prophylaxe geben dem SMS, Ge-
sundheitsämtern, Krankenhäusern und Ärzten
vor Ort ein wichtiges Instrument bei ihren An-
strengungen zur Prävention in die Hand. Um-
fangreiche Beratungstätigkeit, insbesondere
beim Auftreten von Infektionskrankheiten
und im Rahmen von Erkrankungshäufungen,
ist hiermit verbunden. Krankheitsbezogene
Analysen, epidemiologische Einschätzungen
und Trendbeurteilungen sowie die Weiter-
gabe wissenschaftlicher Informationen in
Vorträgen und Veröffentlichungen ergänzten
diese Tätigkeiten.
Die humanmedizinischen Abteilungen der
LUA übernehmen gemäß der Gemeinsamen
Verwaltungsvorschrift des SMS und des SMI
für eine Bereitschafts- und Reaktionsplanung
zur Bekämpfung außergewöhnlicher Gefah-
ren und Schadenslagen durch Bedrohungen
von Menschen mit Infektionserregern die
epidemiologische Schlüsselfunktion für den
Ansatz des Managements und der Kontrolle
auf dem Gebiet der Humanmedizin. Dazu ge-
hören die
]
Interpretierung der Untersuchungsergeb-
nisse und Erarbeitung entsprechender
Schlussfolgerungen
]
Erarbeitung von speziellen Maßnahmeplä-
nen zur Verhütung und Bekämpfung über-
tragbarer Krankheiten
]
wissenschaftliche Beratung der Krisen-
stäbe Infektionsschutz der Behörden des
öffentlichen Gesundheitsdienstes.
Netzwerke Multiresistenter Erreger im Freistaat
Sachsen
Seit dem Inkrafttreten des Infektionsschutz-
gesetzes im Jahre 2001 besteht nach § 23 für
Krankenhäuser und ambulant operierende
Einrichtungen die Pfl icht zur Aufzeichnung
und Bewertung nosokomialer Infektionen
und von Krankheitserregern mit speziellen
Resistenzen und Multiresistenzen. Insbe-
sondere in Krankenhäusern und stationären
Pfl egeeinrichtungen stellen multiresistente
Erreger (MRE) ein zunehmendes Problem dar.
Die Resistenzraten der wichtigsten Erreger
bzw. Erregergruppen wie MRSA (Methicillin-
resistente Staphylococcus aureus) oder ESBL
(Extended Spectrum Beta-Lactamase)-Bildner
sind in Deutschland in den letzten Jahren
nicht rückläufi g, sondern, wie z. B. bei ESBL,
weiter zunehmend. Auch gramnegative Er-
reger, die die Fähigkeit besitzen, Carbapene-
masen zu produzieren, treten vermehrt in den
Blickpunkt.
Nach Einschätzung des Europäischen Zen-
trums für die Prävention und Kontrolle von
Krankheiten (ECDC) sind Antibiotika-Resis-
tenzen als schwerwiegende Gesundheits-
bedrohung in Europa anzusehen. Sie stellen
eine ernsthafte Bedrohung der Patienten-
sicherheit dar, indem sie die Behandlungs-
möglichkeiten reduzieren und die Dauer von
Krankenhausaufenthalten sowie die Morbidi-
tät und Mortalität der Patienten erhöhen.
Diesem Problem wirksam zu begegnen, ist da-
her eine der dringendsten aktuellen Aufgaben
im Gesundheitswesen. Die Erfahrungen eini-
ger europäischer Länder wie der Niederlande
oder einiger skandinavischer Staaten, in de-
nen Probleme mit MRE eine vergleichsweise
geringe Rolle spielen, zeigen, dass die konse-
quente Umsetzung von Hygienemaßnahmen
in den Gesundheits- und Pfl egeeinrichtungen,
der effektive und kalkulierte Einsatz von An-
tibiotika, das Vorhandensein von ausreichend
Hygiene- und Mikrobiologie-Fachpersonal so-
wie das gezielte Screening nach MRE in der
Summe zum Erfolg führen können.
Der Freistaat Sachsen hat bereits im Jahre
1998 mit der Sächsischen Krankenhaushy-
gienerahmenverordnung sowohl Vorgaben
für Hygiene-Fachpersonal in den Kranken-
häusern als auch die Verpfl ichtung zur Erfas-
sung nosokomialer Infektionen festgeschrie-
ben. Durch Abfragen der Gesundheitsämter
über die LUA sind die Voraussetzungen in den
Häusern seitdem gut bekannt und auf einem,
verglichen mit anderen Bundesländern, guten
Stand. Dennoch sind auch in Sachsen weitere
Schritte zur Verbesserung notwendig.
Die Gesundheitsministerkonferenz der Länder
hat im Jahre 2006 beschlossen, angesichts
der Situation des Auftretens von MRE in
Deutschland die Verbesserung der Umset-
zung bereits vorhandener Empfehlungen zu
unterstützen und die Etablierung regionaler,
in der Summe fl ächendeckender Netzwerke,
koordiniert durch den Öffentlichen Gesund-
heitsdienst (ÖGD), zu initiieren.
Im August 2010 fand im Sächsischen Minis-
terium für Soziales und Verbraucherschutz
(SMS) die Auftaktveranstaltung zur Grün-
dung regionaler Netzwerke gegen multiresis-
tente Erreger im Freistaat Sachsen - eröffnet
durch Frau Staatsministerin Christine Clauß -
statt. In dieser Veranstaltung, an der die LUA
mit 2 Fachvorträgen beteiligt war, wurde die
Situation hinsichtlich MRE erläutert und das
Konzept des Freistaates Sachsen vorgestellt.
Die Veranstaltung diente dazu, entscheidende
Akteure für die Arbeit in den MRE-Netzwer-
ken zusammenzubringen und zu motivieren.
In Fortsetzung dessen wurde im September
2010 in Meißen eine Fachtagung für Gesund-
heitsämter, Krankenhäuser, stationäre und
ambulante Pfl egeeinrichtungen, Rehaklini-
ken, Rettungsdienste, Krankentransport und

│3
Erreger infektiöser Durchfallerkrankungen im
Untersuchungsgut der LUA
Darminfektionen gehören neben den akuten
respiratorischen Infekten zu den häufi gsten
Infektionskrankheiten überhaupt und rufen
nicht selten eine große öffentliche Resonanz
hervor. Die Labordiagnostik von Gastroente-
ritis-Erregern im Rahmen der Aufklärung und
Überwachung dieser Infektionen ist deshalb
eine wichtige Dienstaufgabe der LUA.
Als Erreger infektiöser Durchfallerkrankungen
kommen sowohl Bakterien als auch Viren und
Darmparasiten in Frage. Die von den Gesund-
heitsämtern, der Zentralen Ausländerbehörde
Sachsen und aus einem Trainingskranken-
haus eingesandten humanmedizinischen
Proben – in der Regel Stuhlproben – können
je nach Anforderung einem breiten Untersu-
chungsspektrum unterworfen werden. Dabei
spielt der Nachweis von infektionsrelevanten
Erregern, die laut IfSG meldepfl ichtig sind, die
wichtigste Rolle (s. Tab. 1).
Bakteriologische Diagnostik
Im Berichtsjahr wurden 11.064 Proben zur
bakteriologischen Diagnostik eingesandt.
Diese umfasst die Anzucht auf speziellen
Nährmedien mit anschließender biochemi-
scher und serologischer Identifi zierung der
Erreger sowie den Nachweis spezieller Stoff-
wechselprodukte wie z. B. Toxine bei Entero-
hämorrhagischen
Escherichia coli
(EHEC) und
Clostridium difficile
.
Unter den nachgewiesenen darmpathoge-
nen Bakterien standen im Einsendegut der
LUA nach wie vor
Salmonella
spp.
an erster
Stelle der Häufi gkeit (s. Tab. 2). Mit 50,6 %
bezogen auf die Erstisolierungen dominierte
unter den 22 nachgewiesenen Serovaren der
Serovar
Salmonella Typhimurium
deutlich
(s. Homepage LUA, Tab. 11). Nachdem in den
letzten Jahren
S. Typhimurium
Lysotyp DT 104
im Vordergrund stand, gab es im Berichts-
jahr vermehrt Isolate, die einer monophasi-
schen Variante des Serovars Typhimurium
(4,[5],12:i:-) zuzuordnen sind. Sie exprimie-
ren nicht mehr die zweite H-Antigen-Phase,
besitzen aber sonst die Antigenformel des
Serovars Typhimurium und gehören dem
mikrobiologische Laboratorien abgehalten.
Die LUA war auf dieser Tagung wiederum
mit einem Fachvortrag zu den Ergebnissen
einer Fragebogenauswertung zur Situation in
den Krankenhäusern des Freistaates Sachsen
vertreten. Weiterhin wurde die Informations-
broschüre „Multiresistente Erreger“ des SMS
vorgestellt und ausgegeben, in der alle bisher
von der LUA erarbeiteten Empfehlungen zu
MRE zusammengefasst sind. Diese ist auch
über die LUA-Hompage
(www.lua.sachsen.de)
verfügbar.
Die regionalen Netzwerke im Freistaat
Sachsen sollen durch die zuständigen Ge-
sundheitsämter organisiert und koordiniert
werden. Unterstützt wird die Arbeit der Ge-
sundheitsämter durch eine Landesarbeitsge-
meinschaft MRE, in der wichtige Akteure des
Gesundheitswesens wie Landesverband Sach-
sen der Ärzte und Zahnärzte des Öffentlichen
Gesundheitsdienstes, Sächsische Landesärz-
tekammer, Kassenärztliche Vereingung Sach-
sen, Krankenhausgesellschaft Sachsen, Kran-
kenkassen, LUA etc. zusammenarbeiten. Des
Weiteren wurden zwei Arbeitsgemeinschaf-
ten auf fachlicher Ebene (AG Surveillance und
Antibiotikastrategie und AG Hygienemaßnah-
men/Kommunikation) gebildet, in denen Mit-
arbeiter der LUA jeweils die fachliche Leitung
innehaben. Ebenso liegt die Koordination des
Fortbildungsbereiches in der Verantwortung
der LUA, wobei entsprechende Fortbildungen
zu MRE im Wesentlichen durch LUA-Mitar-
beiter bestritten werden. Weitere Aktivitäten
der LUA im Vorfeld der Netzwerkgründung
betrafen u. a. die Teilnahme am 2. MRE-Mo-
deratorentreffen des Robert Koch-Instituts
und in Auswertung desselben das Erstellen
eines ersten Konzeptes für das Sächsische
MRE-Netzwerk, Mitarbeit in der Planungs-
Arbeitsgruppe sowie die Ausgestaltung einer
Veranstaltung für die Gesundheitsämter zur
Netzwerkgründung im SMS.
Die fachlichen Arbeitsgemeinschaften trafen
sich Ende des Jahres 2010 zu ersten Sitzun-
gen, in denen bestehende Probleme erfasst
und das weitere Vorgehen vereinbart wurden.
Die AG Hygienemaßnahmen/Kommunika-
tion bearbeitet alle Fragen zum hygienischen
Management von MRE in verschiedenen Ein-
richtungen, einschließlich Screening und Sa-
nierung.
Die AG Surveillance und Antibiotika-Strate-
gie, in der vorwiegend Kliniker, Mitarbeiter
aus mikrobiologischen Laboratorien und der
LUA sowie Krankenhaus-Apotheker vertre-
ten sind, verfolgt folgende langfristige Ziele:
]
Feststellung des Ist-Zustandes in Sachsen
durch eine möglichst fl ächendeckende Er-
hebung von Daten
]
zum Auftreten von Resistenzen bei
ausgewählten Erregern
]
zum Antibiotikaverbrauch im Kranken-
haus und im ambulanten Bereich
]
Zugänglichmachen der Resistenzdaten für
im Krankenhaus und ambulant tätige Ärz-
te als Entscheidungshilfe zum rationalen
Einsatz von Antibiotika
]
Korrelation der Daten zum Auftreten von
Resistenzen mit denen zum Antibiotika-
verbrauch
]
Vermittlung von Strategien für einen
rationalen Einsatz von Antibiotika, ein-
schließlich Fortbildungsmaßnahmen für
verschreibende Ärzte.
Als erster Schritt zur Erfassung des Ist-Zu-
standes in Sachsen wurden von der Arbeits-
gruppe zwei Fragebögen erarbeitet, die an
alle mikrobiologischen Labore bzw. die Kran-
kenhäuser/Krankenhausapotheken Sachsens
versandt werden sollen. Durch sie soll die
grundsätzliche Bereitschaft festgestellt wer-
den, eigene Daten zur Auswertung zu Verfü-
gung zu stellen. Zudem soll im Sinne einer
Machbarkeitsstudie erfragt werden, Daten
welchen Umfangs, welcher Qualität und Ver-
gleichbarkeit bei den verschiedenen Einrich-
tungen erhoben werden können.
Die Hauptaufgaben der LUA liegen damit in-
nerhalb der MRE-Netzwerke in der Koordina-
tion der beiden Fach-Arbeitsgruppen sowie
des Fortbildungsbereiches, ergänzt durch
das weitere Erarbeiten und Aktualisieren von
Fachdokumenten zu MRE (Hygieneempfeh-
lungen, Erhebungsbögen usw.).
Ein essentieller Baustein im Rahmen der Ein-
dämmung von MRE ist auch die mikrobiolo-
gische Labordiagnostik, die selbstverständlich
hinsichtlich der bakteriologischen und PCR-
Diagnostik von MRE in der LUA stets auf dem
neuesten wissenschaftlichen Stand gehalten
wird. Den Gesundheitsämtern stehen für ho-
heitliche Aufgaben innerhalb der MRE-Netz-
werke die Untersuchungsmöglichkeiten der
Laborbereiche der Medizinischen Mikrobiolo-
gie und der Krankenhaushygiene der LUA zur
Verfügung (s. Anhang, Tab. 1.4 und 1.5).

image
4 │
Phagentyp DT 193 an. Dieser Subtyp hat
sich in den letzten Jahren bei Rindern und
Schweinen verbreitet und verursacht nun mit
geringer zeitlicher Verzögerung immer häufi -
ger Salmonellosen beim Menschen. Von den
155 der Lysotypie unterzogenen
S. Typhimu-
rium
-Stämmen gehörten im Jahr 2010 bereits
80 Stämme (51,6 %) diesem Subtyp an, wäh-
rend nur noch 12 Isolate des Lysotyps DT 104
(7,7 %) nachgewiesen wurden.
Der zweithäufi gste Serovar
Salmonella En-
teritidis
konnte bei Einzelerkrankungen, bei
Erkrankungshäufungen nach Familienfeiern
sowie bei Umgebungsuntersuchungen in ei-
ner Bäckerei und einer Fleischerei nach der
Erkrankung von Kunden nachgewiesen wer-
den.
Abb. 1:
Campylobacter jejuni
auf Spezialmedium
Campylobacter
spp.
nahmen bei einer Posi-
tivrate von 6,9 % der untersuchten Stuhlpro-
ben den 2. Platz auf der Häufi gkeitsskala der
isolierten bakteriellen Erreger ein, wobei die
Spezies
Campylobacter jejuni
(s. Abb. 1) mit
94,6 % dominierte (s. Homepage LUA, Tab. 13).
Neben Einzelerkrankungen traten einige fa-
miliäre Häufungen auf. Wie in den letzten
Jahren ist zu verzeichnen, dass der Erreger bei
einzelnen Patienten bis zu 6 Monate im Stuhl
nachgewiesen werden konnte. Dies ist insbe-
sondere für Personen im Lebensmittelverkehr
oder aus Gemeinschaftseinrichtungen ein
großes Problem.
Aus 10,1 % (279/2.771) der auf
Entero-
hämorrhagische
Escherichia coli
(EHEC)
untersuchten Materialien gelang der Nach-
weis der Shigatoxin (Stx)-Produktion mittels
Enzym-Immuno-Assay. Zusätzlich wurden
die Toxin-Gene molekularbiologisch nachge-
wiesen.
Die Bestimmung weiterer Pathogenitätsfak-
toren und die serologische Differenzierung
seltener Stämme erfolgte am NRZ für Salmo-
nellen und andere Enteritiserreger, RKI Wer-
nigerode.
Im Berichtszeitraum war wie in den letzten
Jahren die Tendenz festzustellen, dass non-
O157
E. coli
-Stämme unter den isolierten
EHEC-Stämmen dominierten. Es konnten 31
verschiedene Serovare mit den unterschied-
lichsten Kombinationen von Virulenzmarkern
isoliert werden (s. Homepage LUA, Tab. 15).
EHEC-Stämme seltener Serovare wurden in
der Mehrzahl in Proben von Migranten nach-
gewiesen. Die meisten EHEC-Isolate stamm-
ten aus Stuhlproben von Kindern zwischen
1 und 6 Jahren. Sie zeigten häufi g leichte
gastroenteritische Symptome, extraintesti-
nale Komplikationen wie z. B. Hämolytisch-
urämisches Syndrom (HUS) wurden nicht
registriert.
Umgebungsuntersuchungen von Erkrankten
in Kindereinrichtungen und im familiären Be-
reich erbrachten verschiedentlich den EHEC-
Nachweis bei symptomlosen Ausscheidern,
Untersuchte Parameter
Anzahl der Untersuchungen
Salmonellen
8.206
Shigellen
8.193
Campylobacter spp.
5.642
Enterohämorrhagische E. coli (EHEC )
2.771
Yersinia enterocolitica
2.651
Intestinale E. coli-Pathovare (außer EHEC)
1.641
Clostridium diffi cile (Toxine A+B)
1.337
Vibrionen
619
fakultativ enteropathogene Keime
139
Bakterienstämme zur Differenzierung
34
Noroviren
3.399
Rotaviren
2.186
Adenoviren
2.143
Astroviren
2.043
Giardia lamblia
1.804
Entamoeba histolytica
1.662
Helminthen
1.539
Cryptosporidien
122
Summe
46.131
Tab.1: Untersuchungen auf darmpathogene Erreger (Bakterien/Viren/Parasiten) im Jahr 2010
Tab. 2: Spektrum der nachgewiesenen darmpathogenen Erreger im Jahr 2010
Erreger
Anzahl der Nach-
weise
Nachweise in
Prozent
zur Anzahl der
durchgeführten
Untersuchungen
Nachweise in
Prozent
zur Gesamtzahl der
nachgewiesenen
darmpathogenen
Erreger
Salmonellen
681
8,3
20,3
Campylobacter spp.
387
6,9
11,5
EHEC (Toxin-Nachweis)
279
10,1
8,3
C. difficile (Toxine A+B)
101
7,6
3,0
Intestinale E. coli-Pathovare (außer EHEC)
60
3,7
1,8
Yersinia enterocolitica
20
0,8
0,6
Shigellen
19
0,2
0,6
Noroviren
1.328
39,1
39,6
Rotaviren
111
5,1
3,3
Adenoviren
54
2,5
1,6
Astroviren
33
1,6
1,0
Helminthen
96
6,2
2,9
Giardia lamblia
169
9,4
5,0
Entamoeba histolytica
6
0,4
0,2
Cryptosporidien
11
9,0
0,3
Gesamtzahl der nachgewiesenen
darmpathogenen Erreger
3.355
7,3
100,0

│5
Abb. 2: Jahreszeitliche Verteilung der eingegangenen Untersuchungsmaterialien und der Norovirus- und Rotavirus-Nachweise 2010
wobei oft ältere Geschwister sowie die Eltern
betroffen waren. Hier war eine zum Teil mo-
natelange Ausscheidungsdauer der Erreger
im Stuhl auffällig.
Parasitologische Diagnostik
Von den im Jahr 2010 auf Parasiten unter-
suchten 1.957 Stuhlproben stammten 1.421
von Asylbewerbern der Zentralen Ausländer-
behörde Sachsen. Insgesamt konnten Hel-
minthen in 6,2 %,
Giardia lamblia
in 9,4 %
und
Entamoeba histolytica
in 0,4 % der
Stühle nachgewiesen werden (s. Homepage
LUA, Tab. 18-20). Bei den helminthologischen
Untersuchungen gelang am häufi gsten der
mikroskopische Nachweis von Vertretern der
Fadenwürmer (Nematoda). So wurden in 34
Proben Eier von
Trichuris trichiura
und in 29
Proben von
Ancylostoma duodenale
gefun-
den.
Die relativ geringe Zahl der Einsendungen auf
Parasiten aus der einheimischen Bevölkerung
erlaubt keine Aussagen über die diesbezüg-
liche tatsächliche epidemiologische Situation
in Sachsen. Bei unklaren Durchfällen sollte
immer auch an Wurmbefall und an Protozo-
en wie
Giardia lamblia
sowie Cryptosporidien
gedacht werden.
Virologische Diagnostik
Ein Aufgabenschwerpunkt ist die Erregersuche
bei Erkrankungshäufungen mit gastrointesti-
naler Symptomatik unklarer Genese in Gemein-
schaftseinrichtungen.
Wie bereits in den zurückliegenden Jahren, do-
minierten auch 2010 die
Noroviren
. Sowohl bei
der Zahl der durchgeführten Untersuchungen
auf virale Erreger als auch bei den Nachweisen
(absolut und in Prozent zur Gesamtzahl der
nachgewiesenen Erreger) rangierten sie mit gro-
ßem Abstand an erster Stelle (s. Tab. 1 und 2).
Aus den Probeneinsendungen von 157 Erkran-
kungshäufungen, bei denen gastrointestinale
Symptome als Anlass der Diagnostik ange-
geben wurden, konnten Viren als pathogenes
Agens nachgewiesen werden - davon bei 148
Häufungen ausschließlich Noroviren. Auf Ro-
taviren waren fünf Gruppenerkrankungen, auf
Adenoviren zwei sowie auf eine Mischinfektion
aus Noro- und Rotaviren zwei weitere Ausbrü-
che zurückzuführen.
Die Auswertung der positiven Befunde hin-
sichtlich einer saisonalen Häufung ergab wie
in den Vorjahren eine deutlich höhere Nach-
weisquote in der kälteren Jahreszeit. Noroviren
wurden besonders in den Monaten Oktober bis
April nachgewiesen, der Gipfel der Rotavirus-
Nachweise lag zwischen Februar und Juni
(s. Abb. 2).
Mykobakterien-Diagnostik an der LUA –
essentieller Baustein im Rahmen der Tuberkulose-
Prävention
Im mykobakteriologischen Labor der Abtei-
lung Medizinische Mikrobiologie erfolgt eine
umfassende Diagnostik zum Nachweis von
Tuberkulose-Erregern. Das labordiagnostische
Spektrum zum direkten Erregernachweis aus
Originalmaterialien umfasst die Mikroskopie
(s. Abb. 1), Kultur, Artbestimmung von My-
kobakterien-Isolaten sowie die Resistenzbe-
stimmung bei Tuberkulose-Erregern. Zusätz-
lich zur klassischen Bakteriologie können im
PCR-Labor auch der Nachweis von Erregern
des
Mycobacterium tuberculosis
-Komplexes
aus Originalmaterial sowie die Identifi zierung
der Mykobakterien-Spezies und die Untersu-
chung auf Resistenzgene hinsichtlich Isoni-
azid und Rifampicin aus Kulturmaterial mit-
tels Nukleinsäure-Amplifi kationstechniken
durchgeführt werden. Der seit 2007 in der
LUA eingesetzte Interferon-Gamma-Release
Assay (IGRA) ist ein wichtiges Hilfsmittel zur
Diagnostik latenter Tuberkulose-Infektionen.
0
100
200
300
400
500
600
1 2 3 4 5 6 78 9 10 11 12
Monat
Anzahl
Noroviren Untersuchungen
Noroviren Nachweise
Rotaviren Untersuchungen
Rotaviren Nachweise

image
image
6 │
Abb. 1: Mikroskopische Originalpräparate zum
Nachweis von Mykobakterien (rot gefärbte
Stäbchen, modifi z. Ziehl-Neelsen-Färbung)
Im Jahr 2010 wurden 2.127 Untersuchungs-
materialien zum
kulturellen Erregernach-
weis
eingesandt (Humanmedizin: 2.111 Pro-
ben; Veterinärmedizin: 16 Proben; s. Anhang,
Tab. 1.6 und 1.7). Die aus Proben humanmedi-
zinischer Herkunft angezüchteten 79 Myko-
bakterien-Isolate konnten 15 verschiedenen
Spezies zugeordnet werden (s. Homepage
LUA, Tab. 1.8).
Mycobacterium tuberculosis
wurde aus 46
Proben von 33 Personen isoliert. Das Durch-
schnittsalter aller Tuberkulose-Patienten lag
bei 48,3 Jahren. Wie bereits in früheren Jah-
ren kann konstatiert werden, dass die in der
LUA diagnostizierten Tuberkulosefälle kei-
neswegs vordergründig auf Ausländer oder
ältere Menschen zurückzuführen sind. Neun
der Erkrankten waren ausländischer Herkunft.
Ein Drittel der Patienten (11) waren zum Er-
krankungszeitpunkt über 60 (65-86) Jahre, 8
Personen zwischen 41 und 60 (45-59) Jahren
alt (s. Abb. 2).
Einige
Fallbeispiele
der unter 40-jährigen
Patienten sind im Folgenden dargestellt:
Eine 20-jährige an offener Lungentuberkulo-
se erkrankte Teilnehmerin an einer Physiothe-
rapie-Ausbildung hatte sich vermutlich bei
einem ihrer Klassenkameraden angesteckt.
Der anläßlich der Umgebungsuntersuchung
Mycobacterium tuberculosis
nicht-tuberkulöse Mykobakterien
Abb. 2: Altersgruppenverteilung der in der LUA diagnostizierten Tuberkulose-Patienten 2010
durchgeführte Tuberkulintest (bekannte BCG-
Impfung im Jahre 1990) war am 20.04.2010
hoch positiv, der daraufhin veranlasste
Interferon-Gamma-Test war ebenfalls ein-
deutig positiv. Obwohl das Röntgenbild vom
22.04.10 keine Hinweise auf tuberkulöse
Veränderungen gab, erfolgte eine Sputum-
kontrolle. Dieses Sputum vom 21.05.10 war
mikroskopisch negativ, ergab jedoch nach 2
Wochen den kulturellen Nachweis von
M. tu-
berculosis
. Dies verdeutlicht, wie wichtig die
Sputumuntersuchung auch bei unauffälligem
Röntgenbild ist.
Bei einer ebenfalls durch die Umgebungsun-
tersuchung entdeckten offenen Lungentu-
berkulose einer 22-Jährigen war nach posi-
tivem Interferon-Gamma-Test (bei ebenfalls
unauffälligem Röntgenbefund) eine offene
Tuberkulose durch den Nachweis von
M. tu-
berculosis
in mehreren daraufhin eingesand-
ten Sputen festgestellt worden. Als Infekti-
onsquelle ist mit hoher Wahrscheinlichkeit
ihre Mutter anzusehen, die über drei Jahre
vorher, im Januar 2007, als Mitarbeiterin in
einem Pfl egeheim an Tuberkulose erkrankt
war. Damit setzt sich die dort aufgetretene
Infektkette von über 10 Erkrankten in zweiter
Reihe fort.
Bei einem 2-jährigen Mädchen, dessen Vater
an einer Lungentuberkulose erkrankt war,
wurde im Rahmen der Umgebungsuntersu-
chung schrittweise der Verdacht auf eine ei-
gene Erkrankung erhärtet. Bei drei in monat-
lichen Abständen entnommenen Blutproben
steigerte sich der Interferon-Gamma-Wert
kontinuierlich. Bei mittlerweile verdächtigem
Röntgenbefund wurde das Kind stationär
aufgenommen und mehrere Magensaft-Pro-
ben gewonnen. Aus einer solchen Probe ge-
lang schließlich nach mehreren Wochen der
Nachweis von
M. tuberculosis
, wodurch die
Erkrankung bestätigt werden konnte.
Um frühzeitig auf Resistenzen reagieren zu
können, muss beim Nachweis von Tuberkulo-
se-Erregern unbedingt sofort die
Empfi nd-
lichkeitstestung
gegenüber allen Erstrang-
Medikamenten durchgeführt werden.
Unter den 46
M. tuberculosis
-Isolaten, die
2010 im Tuberkulose-Labor der LUA ange-
züchtet wurden, fand sich ein Stamm mit
Resistenz gegenüber Streptomycin und Iso-
niazid (38-Jährige aus Russland) sowie ein
Stamm mit Resistenz gegenüber Streptomy-
cin, Isoniazid und Ethambutol (45-Jähriger
aus Russland). Ein Isolat erwies sich als mul-
tiresistent gegenüber allen Erstrang-Medika-
menten. Insgesamt zeigte dieses Isolat keine
Empfi ndlichkeit gegenüber 8 Medikamenten.
Der betroffene 73-jährige Umsiedler reiste
aus der Ukraine bereits mit einer Krankenakte
ein, die eine Mehrfach-Resistenz sehr wahr-
scheinlich machte.
Alle anderen
M. tuberculosis
-Isolate waren
gegenüber allen Erstrang-Antibiotika sensi-
bel.
Im Rahmen der Routinekontrollen durch die
Gesundheitsämter spielt die Untersuchung
von Blutproben mittels
Interferon-Gamma-
Release Assay
inzwischen eine wichtige Rol-
le. Seit Beginn des Einsatzes dieser Methodik
im Tuberkulose-Labor der LUA hat sich die
Zahl der jährlich zur Untersuchung einge-
schickten Blutproben fast verdreifacht (2007:
577, 2010: 1.563). Der Anteil von Blutproben
mit positivem Ergebnis lag in diesen 4 Jahren
relativ konstant bei ca. 20 % (19,7-26,0 %).
Der Test wird genutzt bei der Durchführung
von Umgebungsuntersuchungen, aber auch
als Screening zur Ermittlung des Infektions-
status (z. B. bei Ausländern mit Herkunft aus
Tuberkulose-Hochprävalenzländern). Das Er-
gebnis des IGRA dient der Erkennung einer
stattgefundenen Infektion nach Kontakt mit
einer an Tuberkulose erkrankten Person. Wie
die oben geschilderten Fallbeispiele zeigen,
kann der Einsatz dieses Tests aber auch un-
terstützend zur schnelleren Erkennung einer
bereits erkrankten Kontaktperson beitragen.
0
2
4
6
8
10
12
0-20
21-40
41-60
>60
Altersgruppe
Anzahl

image
│7
Schwerpunkte der humanmedizinischen virologi-
schen und molekularbiologischen Diagnostik
Die Zusammenstellung der diagnostischen
Möglichkeiten in den Laborbereichen Virolo-
gie und Molekularbiologie/PCR mit den 2010
durchgeführten Untersuchungen einschließ-
lich der positiven Ergebnisse sind im Anhang
und auf der LUA-homepage veröffentlicht
(s. Tab. 1.22 und Tab. 1.27). Im Folgenden wird
nur auf einige ausgewählte Untersuchun-
gen eingegangen, die aus unterschiedlichen
Gründen besonders ins Blickfeld gerückt sind.
Molekularbiologische Nachweise mittels
PCR
Abb. 1: Pipettieren von Ansätzen für die real-time
PCR in der UV-Werkbank
Infl uenzaviren
Nachdem 2009 Infl uenzaviren (Infl uenzavirus
A (H1N1) 2009) das infektiologische Gesche-
hen maßgeblich bestimmt hatten, folgte 2010
ein in dieser Hinsicht ruhiges Jahr. Nach den
hohen Einsendezahlen (2.168 Materialien, da-
von 41,7% positiv) während der ersten Hälfte
des Sentinels 2009/2010 (Oktober bis Dezem-
ber 2009) kamen in der zweiten Hälfte (Janu-
ar bis April 2010) nur noch 196 Proben zur
Untersuchung, wobei 17-mal der Nachweis
von Infl uenzaviren gelang. Das letzte posi-
tive PCR-Ergebnis des Sentinels 2009/2010
stammt von Anfang März. Während des Infl u-
enza-Sentinels 2010/2011 (Oktober 2010 bis
April 2011) gingen bis Ende 2010 sporadisch
Proben (insgesamt 110) ein. Der erste Nach-
weis von Infl uenzaviren (Infl uenzavirus A
(H1N1) 2009) mittels PCR und Kultur stammt
von Mitte Dezember 2010. Damit deutet sich
eine ähnliche Dynamik der Verbreitung von
Infl uenzaviren wie in den Jahren vor 2009 an.
Hepatitis E-Virus (HEV)
HEV ist in Asien, Afrika, im Mittleren Osten
und in Mittelamerika endemisch. Die Über-
tragung erfolgt zumeist fäkal-oral, wobei
kontaminiertes Trinkwasser die häufi gste
Ansteckungsquelle darstellt. Seltener sind
Schmierinfektionen direkt von Mensch zu
Mensch. In Industrienationen treten Hepatitis
E-Infektionen sporadisch auf und waren zu-
meist importiert.
Die Erkrankung, die klinisch einer Erkrankung
mit dem Hepatitis A-Virus ähnelt, verläuft
i.d.R. akut und selbstlimitierend. Die Inkubati-
onszeit beträgt im Mittel 40 Tage (3 bis 8 Wo-
chen). Bereits in der späten Inkubationsphase
(ca. zwei Wochen nach der Infektion) ist HEV-
RNA im Stuhl und im Serum nachweisbar.
In Deutschland sind HEV-Infektionen seit
2001 nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG)
meldepfl ichtig. Seit diesem Zeitpunkt ist ein
kontinuierlicher Anstieg der übermittelten
HEV-Fälle zu erkennen. Während 2001 insge-
samt 31 Hepatitis-E-Erkrankungen gemeldet
wurden, waren es 2009 bereits 108 Fälle. Die-
ser kontinuierliche Anstieg der Meldezahlen
ist allerdings nicht auf importierte, sondern
auf autochthone (im Land erworbene) Fäl-
le, d.h. ohne Reiseanamnese, zurückzufüh-
ren (RKI: Epidemiologisches Bulletin Nr. 34,
2010).
An der LUA Sachsen werden sowohl der mo-
lekularbiologische Nachweis mittels Reverser
Transkriptase (RT)-PCR als auch die sero-
logische HEV-Diagnostik durchgeführt. Als
Untersuchungsmaterial für die PCR eignen
sich Serum, Plasma sowie Stuhl. Für die mo-
lekularbiologische Diagnostik ist es wichtig,
dass die Abtrennung von Plasma oder Serum
mittels Zentrifugation zeitnah zur Blutabnah-
me (maximal bis 6 Stunden danach) erfolgt.
Deshalb sollten die Blutproben (Vollblut oder
EDTA-Blut) innerhalb von 6 Stunden an der
LUA sein. Der Transport von Stuhlproben zum
Labor sollte innerhalb von 24 Stunden erfol-
gen. Ist dies nicht möglich, sind die Proben
bei 4 °C bis 8 °C zu lagern.
Die HEV-Untersuchungsanforderungen mit-
tels PCR sind gegenüber dem Vorjahr be-
trächtlich angestiegen, von 136 im Jahr 2009
auf 295 im Jahr 2010. Zwei Patienten (56
Jahre, weiblich; 58 Jahre, männlich) wurden
im Berichtsjahr positiv auf HEV-RNA getestet,
wobei die HEV-Infektion bei mindestens ei-
nem der Erkrankten als autochthon erworben
anzusehen ist.
Bordetella pertussis
Die Untersuchungen im Rahmen des Säch-
sischen Herdbekämpfungsprogramms „Per-
tussis“ sind seit Jahren ein Schwerpunkt der
molekularbiologischen Diagnostik in der hu-
manmedizinischen Abteilung der LUA. Der
Nachweis des Genoms von
B. pertussis
- als
hauptsächlicher Erreger des Keuchhustens -
aus Nasopharyngealabstrichen mittels PCR
ist die Diagnostik-Methode der Wahl. Die PCR
zeigt eine deutlich höhere Sensitivität als die
Erregeranzucht (Kultur) und ist im Gegensatz
zur Serodiagnostik auch zur Frühdiagnostik
geeignet. Darüber hinaus erfordert die PCR-
Untersuchung keine spezifi schen Lager- und
Transportbedingungen für einen erfolgrei-
chen Erregernachweis.
Im Berichtsjahr wurden an der LUA 2.013
Nasopharyngealabstriche auf
B. pertussis
untersucht. In 130 (6,5 %) Proben konnte
B. pertussis
-DNA nachgewiesen werden.
Toxin-Gen von
Corynebacterium diphthe-
riae
Im November 2010 wurde eine Gewebepro-
be (Pseudomembran aus dem Rachen) einer
86-jährigen Patientin aus einer HNO-Ab-
teilung und ein bereits aus diesem Material
isolierter Bakterienstamm mit dem Verdacht
auf
C. diphtheriae
zur weiterführenden Diag-
nostik an die LUA eingesandt.
Die biochemische Identifi zierung des Bakte-
rienstammes ergab
Corynebacterium ulce-
rans.
Zum Nachweis des Toxin-Gens wurde
in der LUA eine spezifi sche real-time PCR
durchgeführt. Das Diphtherietoxin-Gen (A-
Untereinheit) konnte sowohl im Patientenge-
webe als auch im Isolat detektiert werden. Bei
dem isolierten Bakterienstamm handelte es
sich also um einen toxin-bildenden
C. ulce-
rans
-Stamm. Im Konsiliarlabor für Diphthe-
rie konnte zusätzlich mit dem Elek-Test die
Fähigkeit dieses Stammes zur Toxinbildung
nachgewiesen werden. Die asymptomatische
Katze der Patientin war im Nasen-Rachen-
Raum ebenfalls mit einem
C. ulcerans
-Stamm
besiedelt, bei dem das Toxin-Gen nachweis-
bar, der Elek-Test jedoch negativ war.
Einige Biovare von
C. diphtheriae
, dem klassi-
schen Diphtherie-Erreger, produzieren Diph-
therietoxin als wichtigsten Virulenzfaktor.
Neben
C. diphtheriae
können aber auch
C. ul-
cerans
und
Corynebacterium pseudotubercu-
losis
ein Diphtherietoxin bilden.
In wissenschaftlichen Untersuchungen stellte
man erhebliche Unterschiede zwischen dem
Toxin-Gen von
C. diphtheriae
und demjeni-
gen von
C. ulcerans
fest, wobei die Wirkung
des Diphtherietoxins der analysierten toxige-
nen
C. ulcerans
-Stämme ca. 100fach gerin-
ger war als die der toxigenen
C. diphtheriae
-
Stämme (Sing, A. et. al., Journal of Clinical

image
8 │
Microbiology 2003; 41: 4848-4851). In den
letzten Jahren haben toxigene
C. ulcerans
-
Stämme als Erreger der klassischen Rachen-
und der Hautdiphtherie zugenommen und
toxigene
C. diphtheriae
-Stämme als häufi gste
Ursache verdrängt (RKI: Epidemiologisches
Bulletin Nr. 3, 2008).
Virologische Untersuchungsmethode Neu-
tralisationstest
Antikörper gegen Diphtherietoxin und Po-
lioviren
Ein weiterer diagnostischer Auftrag seitens
der Gesundheitsämter betrifft die Bestim-
mung von Antikörpern gegen die impfprä-
ventablen Erkrankungen Poliomyelitis und
Diphtherie bei unklarem Immunstatus einhei-
mischer und einreisender Bürger (s. Anhang,
Tab. 1.22). Die international anerkannte Re-
ferenzmethode für diese Bestimmungen ist
der Neutralisationstest unter Verwendung
von Zellkulturen. Diese klassische Methode
ist zwar aufwendig, arbeits- und zeitinten-
siv, der entscheidende und ausschlaggebende
Vorteil liegt aber in der Aussagekraft der auf
diese Weise nachgewiesenen Antikörper. Sie
neutralisieren auch
in vivo
den viralen Erreger
der Poliomyelitis (Poliovirus Typ 1, 2 und 3)
bzw. das von
C. diphtheriae
gebildete Toxin.
Nachgewiesene Antikörper (in IU/ml) ab einer
defi nierten Menge schützen vor einer Infekti-
on (protektive = schützende Antikörper). Im
Berichtsjahr wurden ca. 2.000 Neutralisati-
onsteste zur Bestimmung von Antikörpern
gegen Enteroviren (einschließlich Polioviren)
und Diphtherietoxin durchgeführt.
Die letzte große Diphtherie-Epidemie in
Deutschland ereignete sich während des
2. Weltkrieges und zog sich bis in die Nach-
kriegsjahre hin. Konsequent durchgeführte
Polioimpfungen haben dazu geführt, dass
1990 der letzte autochthone Poliofall in
Deutschland zu verzeichnen war. Nach wie
vor kommen Diphtherie und Polimyelitis aber
in anderen Regionen noch endemisch vor
(Diphtherie u. a. in der Russischen Föderation,
Indien, Indonesien; Poliomyelitis in Nigeria,
Indien, Afghanistan, Pakistan). Somit ist die
Gefahr der Einschleppung (Wirtschaftskon-
takte, Reisetätigkeit, Tourismus, Migranten)
dieser Infektionserreger nicht gebannt. Ein
hoher Immunisierungsgrad der Bevölkerung
ist der beste Schutz vor einer möglichen
Ausbreitung. Bei Reisen in Endemiegebiete
gilt besondere Vorsicht, ggf. ist eine Auffri-
schungsimpfung erforderlich.
Serologie – eine wichtige Untersuchungsstrecke
in der Humanmedizin
Zu den Schwerpunktaufgaben des serologi-
schen Laboratoriums gehören die Hepatitis-
Serologie, die Untersuchungen zur Abklärung
von sexuell übertragbaren Infektionen (STI)
einschließlich HIV-Infektionen sowie Immun-
statusbestimmungen bzgl. impfpräventabler
Erkrankungen (s. Anhang Tab. 1.23 und 1.24
und Homepage LUA, Tab. 1.23-1.26).
Als Einrichtung des öffentlichen Gesund-
heitsdienstes führte die LUA Sachsen im
Berichtszeitraum 54.187 serologische Be-
stimmungen von Einzelparametern in hu-
manmedizinischen Proben durch. 76,2 % der
Einsendungen stammten aus Gesundheits-
ämtern, 11,6 % aus Justizvollzugsanstalten
und Krankenhäusern. Der Anteil der Untersu-
chungen für die Zentrale Ausländerbehörde
(ZAB) lag bei 12,2 %.
Impfungen stellen die wirksamste Maßnahme
zur Prävention von Infektionserkrankungen
dar.
Nach der Grundimmunisierung ist i. d. R.
durch regelmäßige Auffrischimpfungen si-
cherzustellen, dass der Immunschutz erhalten
bleibt. Zur Abklärung der Frage
Immunität
nach Infektion oder Impfung wurden 2010
u. a. 4.403 Untersuchungen auf Antikörper
gegen Masern-, Mumps-, Röteln-, Varizel-
la-Zoster- und FSME-Virus durchgeführt
(s. Abb. 1).
Die Bestimmung der Gesamt-Antikörper ge-
gen das
Hepatitis A-Virus (HAV)
, z. B. im
Rahmen von Hepatitis A-Impfungen oder bei
Abb.1: Antikörper-Bestimmungen mittels EIA (ELISA)
Verdacht auf Neuinfektion, ergab 53,3 %
positive Ergebnisse (2.799/5.255). Ein Hin-
weis auf eine akute oder kürzlich abgelau-
fene Hepatitis A wurde durch den Nachweis
von IgM-Antikörpern in vier Fällen gegeben.
Beim Auftreten einer Hepatitis A leitet der
öffentliche Gesundheitsdienst entsprechende
Maßnahmen ein wie z. B. das Aussprechen
von Beschäftigungs- und Besuchsverboten
für Erkrankte, Krankheitsverdächtige und
Kontaktpersonen sowie das Durchführen
postexpositioneller Impfungen oder ggf. ei-
ner Simultanprophylaxe bei empfänglichen
Kontaktpersonen.
Zur Diagnostik einer Hepatitis B mit ihrem
breiten Spektrum von Erscheinungsformen
werden serologisch sowohl der Nachweis von
Bestandteilen des
Hepatitis B-Virus (HBV)
(HBsAg, HBeAg) als auch der Nachweis von
Antikörpern gegen die Virusbestandteile (An-
ti-HBc, Anti-HBc-IgM, Anti-HBs, Anti-HBe)
herangezogen. Es stehen demnach 6 diag-
nostische Marker, die aus dem Serum des zu
Untersuchenden bestimmt werden können,
zur Verfügung, um eine Differenzierung zwi-
schen den verschiedenen Verlaufsformen der
Hepatitis B sowie Aussagen zur Infektiosität,
Immunität und Prognose treffen zu können.
Das Screening auf HBsAg (Hepatitis-B-sur-
face-Antigen) erbrachte 106 (1,8 %) bestä-
tigt positive Ergebnisse. Patienten, bei denen
HBsAg nachgewiesen wird, sind potentiell in-
fektiös und können somit als Überträger einer
Hepatitis B fungieren. Bei 4,7 % (76/1.629)
der Migranten wurde ein chronischer HBsAg-
Carrier-Status nachgewiesen. Hierbei waren
deutliche regionale Unterschiede zu beob-
achten: Für Untersuchungsproben von Per-
sonen aus Ländern Osteuropas wurde eine
Positivrate von 7,0 %, von Personen aus asia-
tischen Ländern von 2,9 % ermittelt.
Von 4.496 Serumproben wurden 346 (7,7 %)
als Anti-HBc-positiv ermittelt. Dieser Anti-
körper persistiert lebenslang und gilt daher
als Durchseuchungsmarker. Bei 9 Personen
fanden sich HBc-IgM-Antikörper, was auf
eine akute, postakute oder chronisch aktive
Hepatitis B hinweist.
Der Nachweis
Hepatitis C-Virus (HCV)
-spe-
zifi scher Antikörper erfolgt im Screening-Test
mittels Mikropartikel-Enzym-Immuno-Assay
(MEIA). Der Immunoblot dient als Ergän-
zungstest im Falle eines positiven Screening-
Tests. Mit den serologischen Verfahren kann
keine Aussage über die Infektionsphase (akut,
chronisch), über die Infektiosität und die Vi-

│9
rusaktivität gemacht werden. Hier müssen
molekularbiologische Verfahren hinzugezo-
gen werden.
Im Screening-Test auf HCV-Antikörper re-
agierten 3,3 % (181/5.452) der untersuchten
Seren positiv. Im Immunoblot, mit dem An-
tikörper gegen einzelne HCV-Antigene de-
tektiert werden können, wurden 1,2 % (67/
5.452) als positive Erstbefunde erkannt. Die
meisten Personen mit erstmaligen HCV-An-
tikörper-Nachweis waren Inhaftierte der Jus-
tizvollzugsanstalten (34) und Asylbewerber
(18). Eine Doppelinfektion mit HCV und HIV
konnte in einem Fall nachgewiesen werden.
Die Zahl der Untersuchungsanforderungen
auf Antikörper gegen das
Hepatitis E-Virus
(HEV)
haben, ebenso wie die entsprechenden
molekularbiologischen Untersuchungen, im
Berichtsjahr stark zugenommen (2010: 411,
2009: 183).
Die Infektion mit dem
Humanen Immun-
schwäche-Virus (HIV)
wird durch die Be-
stimmung von Antikörpern gegen HIV im
Serum objektiviert. Bei 7.678 durchgeführ-
ten Untersuchungen auf HIV-Antikörper im
Screeningtest konnte bei 41 Personen mit-
tels Immunoblot eine HIV-Infektion bestätigt
werden (Ersteinsendung). Dies entspricht ei-
ner Positivrate von 0,5 %. Die Untersuchun-
gen für die Zentrale Ausländerbehörde er-
brachten eine Positivrate von 0,1 % (2/1.629).
Bei der Untersuchungsanforderung Syphilis
(Lues)-Serologie wird eine Stufendiagnostik
durchgeführt. Die Infektion mit dem Erreger
Treponema pallidum
führt zur Bildung zwei-
er unterschiedlicher Antikörpergruppen, den
unspezifi schen (Cardiolipin-Antikörper) und
den treponemen-spezifi schen Antikörpern.
Tests zum Nachweis spezifi scher Antikörper
werden als Such- und Bestätigungstests ein-
gesetzt. Zur Beurteilung der Aktivität und ge-
gebenenfalls Behandlungsbedürftigkeit einer
Syphilis werden Nachweise unspezifi scher
Lipoid-Antikörper (z. B. CMT-Test) wie auch
spezifi scher IgM-Antikörper herangezogen.
Die Suche nach Antikörpern gegen
T. palli-
dum
ergab bei insgesamt 258 Serumproben
(6,7 %) positive Nachweise. Bei 23 Personen
(0,6%) ergaben sich aufgrund des Vorhan-
denseins von IgM-Antikörpern Hinweise auf
ein akutes/aktives Syphilis-Geschehen mit
Gefahr einer übertragbaren Infektion. In ei-
nem Fall wurde eine Doppelinfektion mit HIV
detektiert. Die Untersuchungen für die Zent-
rale Ausländerbehörde in Sachsen zeigten bei
10 Personen positive
T. pallidum
-Antikörper-
Nachweise. Bei einem Migranten trat eine
Antikörperkonstellation auf, die für ein akute,
behandlungsbedürftige Infektion sprach.
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschafts-
einrichtungen, Kurorthygiene
Beratungs- und Untersuchungstätigkeit
Dominierend war 2010 sowohl im Bereich der
Krankenhaushygiene als auch der stationären
und ambulanten Altenpfl ege die Thematik des
Auftretens sogenannter „Problemkeime“, d. h.
multiresistenter bakterieller Erreger (MRE)
wie MRSA oder ESBL bzw. Clostridium diffi cile
und der sich daraus ergebenden hygienischen
Maßnahmen.
Ein entscheidender Schritt zum besseren Um-
gang mit diesem Problem war die Initiierung
der Gründung von Netzwerken multiresis-
tenter Erreger im Freistaat Sachsen (s. Artikel
S. 2).
Viele Anfragen der Gesundheitsämter hatten
neben der Betreuung von Kindern in Kinder-
tagesstätten auch die Betreuung in Kinderta-
gespfl ege zum Inhalt. Da diese Betreuungs-
form immer mehr an Bedeutung gewinnt und
auch politisch gewinnen soll (z. B. „Aktions-
programm Kindertagespfl ege“
der Bundesre-
gierung), stellt sich die Thematik zunehmend
auch den Gesundheitsämtern, wobei die
Rechtsgrundlagen für diese leider noch nicht
befriedigend sind. Für mehr Klarheit sorgte
hierzu ein Schreiben von SMK und SMS an
die Leiter der Jugendämter/ Leiter der Ge-
sundheitsämter zur Anwendung der §§
33-
35 und 42-43 Infektionsschutzgesetz in der
Kindertagespfl ege und bei Erzieherinnen in
Kindertageseinrichtungen. Die LUA nahm
sich ebenfalls der Thematik an und präsen-
tierte hierzu u. a. einen Übersichtsvortrag
im Rahmen der Fortbildung der Leiter der
Abteilung Hygiene der Gesundheitsämter in
Meißen.
Breiten Raum in der Tätigkeit im Bereich
der Hygiene der Gesundheits- und Gemein-
schaftseinrichtungen nahmen wiederum
operative Tätigkeiten ein. Dies betraf sowohl
die fachliche Unterstützung im Rahmen von
Begehungen als auch verschiedenste Pro-
benahmen und Messungen im Auftrag der
Gesundheitsämter (s. Tabelle 1 und Kapitel
Öffentlichkeitsarbeit).
Tab. 1: Ausgewählte Hygienische Untersuchungen im Jahr 2010
Art der Untersuchung
Anzahl
Überprüfung von Desinfektionsverfahren
]
RDG für chir. Instrumente, Anästhesiematerial, OP-Schuhe usw.
]
desinfi zierende Waschverfahren
]
Steckbecken-RDG
]
Geschirrspülautomaten
]
Dampfdesinfektionsgeräte
]
sonstige
Mikrobiologische Überprüfung von Sterilisatoren
]
Dampf
]
Heißluft
]
Gas
Überprüfung von RLT-Anlagen (Anzahl Haupt-/Nebenräume)
]
Luftkeimkonzentrationsbestimmungen
]
Luftpartikelmessungen
]
Messungen von Luftströmungsrichtungen
]
Messung klimaphysiologischer Parameter
Kontaktkulturen bzw. Abstriche zur Kontrolle von Desinfektions- und Reini-
gungsmaßnahmen
Überprüfung aufbereiteter Endoskope (Anzahl Endoskope)
]
Spülfl üssigkeiten
]
Abstriche
Untersuchung von Wasserproben aus medizinischen Geräten
599
100
163
270
40
11
15
195
100
94
1
139/132
1.221
1.228
287
198
4.546
295
1.035
769
14

image
10 │
Von Fachärzten der LUA werden in fünf Kli-
niken des Freistaates Funktionen als exter-
ne Krankenhaushygieniker wahrgenommen.
Die Tätigkeiten umfassen u. a. die fachliche
Beratung der ärztlichen Leiter, hygienebe-
auftragten Ärzte und Hygienefachkräfte, die
Mitwirkung bei der Erfassung und Bewertung
nosokomialer Infektionen und von Erregern
mit besonderen Resistenzen, die Entnahme
und Untersuchung von krankenhaushygieni-
schen Proben, die Teilnahme an Begehungen
und Hygienekommissionen sowie die Durch-
führung von Fortbildungen für Ärzte und
Pfl egepersonal der Krankenhäuser.
Im Berichtsjahr 2010 wurde wiederum eine
Reihe von Bauprojekten zu verschiedenarti-
gen Gemeinschaftseinrichtungen im Auftrag
der Gesundheitsämter fachspezifi sch beur-
teilt. Die Palette der Einrichtungsart reichte
von Krankenhäusern, ambulant operierenden
Arztpraxen, Altenpfl egeheimen, Tagespfl e-
geeinrichtungen bis zu Kindertagesstätten,
Schulen und Sporthallen. Dabei handelte es
sich vorrangig um Neu- und Erweiterungs-
bauten, Umnutzungen bisher anderweitig ge-
nutzter Gebäude sowie Lüftungsprojekte für
OP-Einheiten.
Neben schriftlichen Anfragen nutzten die
Gesundheitsämter vielfach die Möglichkeit
der telefonischen Beratung zu den unter-
schiedlichsten hygienischen Problemen. Die
Themen reichten von der Anwendung von
Hygieneempfehlungen in verschiedenartigen
Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtun-
gen sowie Piercing-, Tattoo-, Fußpfl ege- und
Kosmetikstudios, bis hin zu spezifi schen Fra-
gestellungen zu Reinigung und Desinfektion,
Aufbereitung von Medizinprodukten, Sani-
tärhygiene, behindertengerechtem Bauen,
Raumgrößen und -ausstattung, Tierhaltung
in Altenheimen bzw. Kindereinrichtungen
und Empfehlungen für Waldkindergärten und
Wasserspiel- und Erlebnisbereiche in Kinder-
tagesstätten.
Eine gute fachliche Zusammenarbeit der LUA
mit anderen Bundesländern besteht inner-
halb des Länderarbeitskreises zur Erstellung
von Rahmenhygieneplänen nach § 36 IfSG.
Für alle im Gesetz erwähnten Gemeinschafts-
einrichtungen und einige zusätzliche Einrich-
tungen (z. B. Ambulante Pfl ege, Sportstät-
ten, Medizinische Fußpfl ege/Podologie oder
Piercing-/Tattoo-/Kosmetik-Studios) konnten
seit 2001 Rahmenhygienepläne erarbeitet
werden. Im Jahr 2010 wurde an einem Rah-
menhygieneplan für Rettungs- und Kranken-
transportdienste gearbeitet, der Anfang 2011
erschienen ist.
Die bisher erstellten Rahmenhygienepläne
sind auf der LUA-Homepage oder unter
www.
uminfo.de verfügbar und sollen als Vorla-
gen für die Einrichtungen dienen, die vom
Gesetzgeber geforderten innerbetrieblichen
Hygienepläne zu erstellen. Gleichzeitig sol-
len die Pläne auch den Gesundheitsämtern
als eine einheitliche Bewertungsgrundlage
im Rahmen der infektionshygienischen Über-
wachung der Gemeinschaftseinrichtungen
dienen.
Abb. 1: Endoskopüberprüfung/ Abstriche
Laboruntersuchungen
Durch den Neubau eines Laborgebäudes am
Standort Chemnitz steht auch für die kran-
kenhaushygienischen Laboruntersuchungen
ein moderner Laborbereich innerhalb dieses
Gebäudes zur Verfügung, der im November
2010 bezogen werden konnte.
Die Labortätigkeiten beinhalten die gesam-
te Palette der hygienisch-mikrobiologischen
Untersuchungen (z. B. Testung aufbereite-
ter Endoskope, von Reinigungs- und Des-
infektionsgeräten (RDG) und Sterilisatoren
zur Aufbereitung von Medizinprodukten,
Abklatschuntersuchungen, Luftkeimbestim-
mungen, Testung desinfi zierender Waschver-
fahren). Diese hygienisch-mikrobiologischen
Untersuchungen werden ergänzt durch
physikalische Untersuchungsmethoden wie
Luftpartikelzählungen, Einsatz von Tempe-
raturdatenloggern, Raumklima-, Luftströ-
mungs- und Schallmessungen.
Die Untersuchungen im Jahr 2010 wurden
zum größten Teil im Auftrag der Gesundheits-
ämter durchgeführt und betrafen hauptsäch-
lich Krankenhäuser und Altenpfl egeheime.
Daneben sind auch Proben direkt aus anderen
Landesinstitutionen (z. B. Justizvollzugsan-
stalten) sowie den krankenhaushygienisch
betreuten Kliniken untersucht worden.
Die Tabelle 1 gibt eine Übersicht ausgewähl-
ter hygienischer Untersuchungen in Gesund-
heits- und Gemeinschaftseinrichtungen im
Berichtsjahr.
Mitwirkung bei der staatlichen Anerken-
nung von Kur- und Erholungsorten
Als Mitglied des Landesbeirates für Kur- und
Erholungsorte am Sächsischen Staatsminis-
terium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
obliegt der LUA die Beurteilung der Voraus-
setzungen im Bereich Hygiene der Antrag auf
staatliche Anerkennung stellenden Orte. Dies
betrifft eine breite Palette kommunal- und
umwelthygienischer Fragen bis hin zur hygi-
enischen Situation von Kureinrichtungen so-
wie im Bereich der Lebensmittelhygiene. Ne-
ben dem Gutachten des jeweils zuständigen
Gesundheitsamtes sowie des Lebensmittel-
überwachungs- und Veterinäramtes werden
weitere Fachgutachten und Erhebungsbögen
eingesehen und bewertet. Der LUA kommt
die Aufgabe zu, nach Sichtung aller Gutach-
ten und Unterlagen sowie nach Teilnahme an
einer Ortsbegehung zu jedem Verfahren eine
schriftliche Hygienebewertung abzufassen,
in die alle hygienerelevanten Gesichtspunkte
einfl ießen.
Im Berichtsjahr 2010 konnten die Verfahren
zur staatlichen Anerkennung als Kur- bzw.
Erholungsort gemäß Sächsischem Kuror-
tegesetz (SächsKurG) für folgende Städte,
Gemeinden bzw. Ortsteile innerhalb des Lan-
desbeirates abgeschlossen und nach Abstim-
mung gegenüber dem SMWA zur Prädikati-
sierung empfohlen werden:
]
Bad Gottleuba-Berggießhübel
(Moor-
heilbad und Kneipp-Kurort, Kreis Sächsi-
sche Schweiz-Osterzgebirge)
]
Bad Lausick
(Heilbad, Kreis Leipzig)
]
Bad Schandau
mit weiteren Ortsteilen
(Kneippkurort, Kreis Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge)
]
Erlbach
mit weiteren Ortsteilen (Luftkur-
ort, Vogtlandkreis)
]
Kurort Hartha
und weitere Ortsteile (Er-
holungsort, Stadt Tharandt, Kreis Sächsi-
sche Schweiz-Osterzgebirge)
]
Hetzdorf
(Erholungsort, Gemeinde Hals-
brücke, Kreis Mittelsachsen)
]
Hinterhermsdorf
(Erholungsort, Stadt
Sebnitz, Kreis Sächsische Schweiz-Osterz-
gebirge).
Die vergleichsweise hohe Anzahl von Aner-
kennungsverfahren im Berichtsjahr hängt
mit einer Änderung der zu Grunde liegenden
Verordnung (ANVO SächsKurG) zusammen,
nach der staatlich anerkannten Kur- oder Er-
holungsorten, die direkt oder indirekt von den
Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe
im August 2002 betroffen waren, eine Ver-
längerung ihres noch aus der DDR bestehen-

│11
den Prädikates um weitere 5 Jahre gewährt
wurde. Diese Frist lief im Mai 2010 ab.
In den meisten prädikatisierten Orten bildete
wie in den Vorjahren die Problematik Stra-
europa wird
C. ulcerans
mittlerweile häufi ger
bei klinischen Diphtheriefällen isoliert als
C. diphtheriae
. Als Reservoir von
C. ulcerans
gelten Haustiere: Katzen und Hunde, aber
auch Schweine und Rinder. So hat eine an
Wunddiphtherie erkrankte Patientin aus
Sachsen die Infektion mutmaßlich während
ihrer Tätigkeit als Tierpfl egerin in einem
Schweinestall erworben. Bei dem anderen
Patienten mit Wunddiphtherie standen Haus-
katze und Kaninchen als Infektionsquellen
zur Disposition. Die an Rachendiphtherie
erkrankte Seniorin besitzt eine Katze. Die
Untersuchungen je eines Nasen- bzw. Ra-
chenabstriches der Katze im Labor der LUA
ergaben auch bei dem Tier den Nachweis von
C. ulcerans
. Es stellt sich die Frage, ob bei
entsprechenden menschlichen Erkrankungs-
fällen die Umgebungsuntersuchungen prinzi-
piell auf Haustiere ausgeweitet werden soll-
ten. Die Infektion mit
C. ulcerans
ist bei Tieren
jedoch keine anzeigepfl ichtige Tierseuche.
Demzufolge ergeben sich Probleme hinsicht-
lich Kostenübernahme und Konsequenzen
(Therapieindikation, Sanierungsmaßnahmen).
Im Fall der infi zierten Hauskatze erfolgte die
Entnahme der Abstriche auf Veranlassung des
Veterinäramtes. Nach Erstellung eines Anti-
biogramms wurde die Katze auf Kosten der
Eigentümer behandelt.
Während in Deutschland und vor allem in an-
deren europäischen Ländern 2010 wie auch
schon in den vergangenen Jahren immer
wieder Ausbrüche von
Masern
erkrankun-
gen beobachtet wurden, kamen im Freistaat
Sachsen nur einige wenige Fälle zur Meldung.
Die bundesweite Inzidenz lag in den letzten
Jahren jeweils bei knapp einer Erkrankung
pro 100.000 Einwohner. In Sachsen hinge-
gen errechnete sich für das Jahr 2010 eine
Neuerkrankungsrate von nur 0,1/100.000
Einwohner. Dies ist sicherlich den im Ver-
gleich besseren – wenn auch nicht optima-
len – Durchimpfungsraten im Freistaat wie
auch der konsequenten Vorgehensweise der
Gesundheitsämter beim Auftreten von Ma-
sernfällen (u. a. Ermittlungen von Kontakt-
personen, Riegelungsimpfungen, Festlegung
von Absonderungsmaßnahmen gemäß den
sächsischen Empfehlungen zur Verhütung
und Bekämpfung von Masern) zu verdanken.
Im Jahr 2010 wurden den sächsischen Ge-
sundheitsämtern insgesamt vier Erkrankun-
gen gemeldet. Bei drei dieser Fälle erfolgte die
Ansteckung in einer Kinderarztpraxis (Stadt
Chemnitz). Es handelte sich um zwei sechs
Jahre bzw. neun Monate alte Jungen sowie
die Mutter des letzteren. Der Indexfall, ein
fast einjähriger Knabe aus Nordrhein-West-
falen, der während eines Besuchs in Sachsen
erkrankte, war am gleichen Tag in dieser Pra-
xis behandelt worden, an dem sich auch die
Betroffenen dort aufhielten.
Die vierte Erkrankung betraf einen elfjährigen
Jungen, der sich möglicherweise in Thüringen
infi ziert haben könnte. Alle Patienten waren
nicht gegen Masern geimpft. In diesem Zu-
sammenhang soll noch einmal betont werden,
dass es in Sachsen keine Altersbegrenzung
für die Masernimpfung gibt. Als empfänglich
gelten laut der Sächsischen Impfkommission
(SIKO) alle ungeimpften nach 1958 Gebore-
nen ohne immunologischen Nachweis einer
Erkrankung. Ein vollständiger Schutz ist erst
nach zweimaliger Impfung (bzw. einer Imp-
fung mit Immunitätsnachweis) gegeben.
Am 1. Juli 2009 wurde bundesweit die Labor-
meldepfl icht für den Nachweis von
MRSA
(Methicillin-resistenter
Staphylococcus au-
reus
) aus Blut oder Liquor eingeführt. Ziele
dieser Neuerung sind die Erfassung von schwe-
ren, lebensbedrohlichen invasiven Erkran-
kungen durch MRSA, die als Indikator für das
Gesamtaufkommen an MRSA-Infektionen
dienen sollen, die Beurteilung von Trends, die
Erfassung von Häufungen sowie die Evaluati-
on von Interventionsmaßnahmen.
Im Jahr 2010 wurden in Sachsen 247 inva-
sive MRSA-Erkrankungen erfasst. Die durch-
schnittliche Inzidenz betrug 6 Erkrankungen
pro 100.000 Einwohner. (Zum Vergleich: mit
den derzeit zur Verfügung stehenden Zahlen
errechnet sich eine bundesweite Inzidenz von
4 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner). Die
Erkrankungsrate stieg mit zunehmendem Al-
ter deutlich an. So lag das Durchschnittsalter
bei 70 Jahren. Auffällig war der geschlechts-
spezifi sche Unterschied; 63 % aller Betroffe-
Infektionsepidemiologische Erfassung, Berichts-
und Beratungstätigkeit
ßenverkehrslärm einen Schwerpunkt in der
Hygienebeurteilung. Die festgestellten Schal-
limmissionen waren jedoch aus umwelthy-
gienischer Sicht unbedeutend bzw. noch
tolerierbar, oder es lagen überzeugende Ver-
kehrskonzeptionen für die Zukunft vor, die zu
einer Verbesserung beitragen werden.
Zu ausgewählten Infektionskrankheiten:
Diphtherie, Masern, MRSA, Tularämie
Verglichen mit dem Vorjahr, in dem das
Hauptaugenmerk des öffentlichen Gesund-
heitsdienstes und so auch der Landesunter-
suchungsanstalt auf die Infl uenzapandemie
gerichtet war, verlief das Jahr 2010 aus in-
fektionsepidemiologischer Sicht deutlich ru-
higer.
Eine Aufstellung der an die LUA übermittel-
ten Meldetatbestände liefert die Tabelle 1.33
i. d. Anlage „Erfasste Infektionskrankheiten
im Freistaat Sachsen, Jahresvergleich 2010
zu 2009“.
Im Folgenden soll über einige aus verschie-
denen Gründen interessante bzw. bemerkens-
werte meldepfl ichtige Erkrankungen im Jahr
2010 berichtet werden.
Seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes
(IfSG) im Jahr 2001 wurde in Sachsen kein
Fall von
Diphtherie
registriert. Ende des Jah-
res 2010 kamen jedoch zwei Erkrankungen an
Wunddiphtherie sowie eine Rachendiphtherie
(
Corynebacterium ulcerans
, toxinbildend) zur
Meldung. Obwohl alle Erkrankungen im Land-
kreis Meißen auftraten, bestand zwischen ih-
nen trotz zeitlicher und territorialer Nähe kein
epidemiologischer Zusammenhang. Die Pati-
enten waren durch Vorerkrankungen (Dia-
betes, Mammakarzinom, Sensibilitätsstö-
rungen) bzw. hohes Alter belastet und dem-
entsprechend disponiert. Alle verfügten
über einen aktuellen Diphtherie-Impfschutz.
Allerdings ist die Frage, ob die gegen das
C.-diphtheriae
-Diphtherietoxin gerichtete
Impfung auch gegen das
C.-ulcerans
-Diph-
therietoxin, das nur eine 95 %ige Homologie
zum
C.-diphtheriae
-Diphtherietoxin auf-
weist, ausreichend wirkt, durch Fallberichte
bzw. Studien noch nicht ausreichend geklärt.
Auch der Wert einer Antitoxingabe bei
C.-ul-
cerans
-Diphtherie ist unsicher. Dennoch wird
die Antitoxingabe bei Diphtherieverdacht als
notfalltherapeutische Maßnahme weiterhin
empfohlen.
Infektionen mit Diphtherietoxin-produzie-
rendem
Corynebacterium ulcerans
und deren
zoonotisches Potenzial geraten zunehmend
in den Fokus der Aufmerksamkeit. In West-

12 │
nen waren Männer (s. Abb. 1).
Die Ermittlungen von Angaben zum klini-
schen Bild gestalteten sich zum Teil schwie-
rig, da sich einige behandelnde Ärzte auf die
Labormeldepfl icht beriefen und somit ihrer
Auskunftspfl icht nicht nachkommen wollten.
Somit lagen nur für 84 % aller Fälle Informa-
tionen zum klinischen Bild vor. Am häufi gsten
wurden die Symptome Fieber und Sepsis ge-
nannt. Mit großem Abstand folgten Pneumo-
nie, Wund- sowie Harnwegsinfektionen. Da
im Berichtsjahr nur ein Todesfall übermittelt
wurde, muss von einer erheblichen Unterer-
fassung ausgegangen werden. Verschiedene
Studien belegen andere Werte, z. B. wird die
Letalität bei MRSA-Pneumonie und MRSA-
Sepsis jeweils mit knapp 17 % angegeben.
Die
Tularämie
ist eine in Deutschland bisher
sehr seltene Infektionskrankheit. Bei der auch
„Hasenpest“ genannten Erkrankung handelt
es sich um eine Zoonose. Die Infektion erfolgt
über kleine Säugetiere, blutsaugende Ektopa-
rasiten, Wasser, Stäube oder Aerosole. Eine
Übertragung von Mensch zu Mensch ist nicht
bekannt. Endemiegebiete in Europa liegen
in der Türkei, den Balkanländern, Westruss-
land, Skandinavien, Österreich, Tschechien
und der Slowakei. Der Erreger, das Bakterium
Francisella tularensis
, ist hoch ansteckend,
kälteresistent und kann unter feuchten und
kühlen Umweltbedingungen (Boden, Wasser)
monatelang, in gefrorenem Hasenfl eisch so-
gar bis zu drei Jahre persistieren. Er gilt als
mögliches bioterroristisches Agens.
Das Krankheitsbild zeichnet sich durch zu-
nächst uncharakteristische Symptome wie
Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und
Lymphadenopathie aus. Hinzu kommen - je
nach Eintrittspforte und Virulenz des Erregers
- Entzündungen der Haut, der Schleimhäute,
des Rachens, der Bindehaut des Auges oder
der Lunge. Wenn sich der Erreger über den
Blutweg weiter ausbreitet, können andere
lebenswichtige Organe betroffen werden und
versagen. Ohne antibiotische Therapie kann
die Sterblichkeit an so einer invasiven Form
der Erkrankung bis zu 30 % betragen, auch
behandelt versterben noch bis zu 5 % der Er-
krankten.
Durchschnittlich wurden pro Jahr um die drei
Fälle bundesweit gemeldet, wobei von ei-
ner relativ hohen Dunkelziffer ausgegangen
werden muss, da Seroprävalenzstudien eine
Durchseuchung von 2 % belegen.
In den vergangenen Jahren ist nun aber eine
Zunahme von Tularämieerkrankungen zu be-
obachten. Wurden im Jahr 2009 in Gesamt-
deutschland noch 10 Fälle (darunter kein Fall
aus Sachsen) übermittelt, so waren es 2010
bereits 31 Erkrankungen, von denen fünf
Patienten aus Sachsen betrafen. Außer zwei
Fällen im Jahr 2008 waren in Sachsen seit
2001 bis 2009 keine weiteren Fälle registriert
worden. Die fünf Tularämieerkrankungen
2010 betrafen einen 33-jährigen Tierarzt und
Hasenhalter, ein achtjähriges auf dem Land
lebendes Mädchen, eine 40-Jährige nach
Insektenstich (Infektionsort wahrscheinlich
Ungarn), einen 68-jährigen Hundebesitzer
(häufi ge Waldspaziergänge) und eine 48-jäh-
rige Frau, in deren Wohngebiet Wildhasen
beobachtet wurden.
Abb. 1: Verteilung der invasiven MRSA-Erkrankungen nach Alter und Geschlecht
Zwei besondere Projekte aus dem Bereich
Humanmedizinische Informationssysteme
0
5
10
15
20
25
30
35
40
45
50
0 - 15
15 - 30
30 - 45
45 - 60
60 - 75
> 75
Altersgruppen
Infektionen/100.000 der Altersgruppe
männlich
weiblich
Die Projektgruppe E-Government im ÖGD
Sachsen besteht aus Vertretern des Bereiches
Gesundheitsberichterstattung/DV-Fachad-
ministration jedes sächsischen Gesundheits-
amtes, des SMS und der LUA sowie der Firma
easy-soft GmbH Dresden. Sie begleitet das
SAKD Förderprojekt „XÖGD Datenaustausch-
und Schnittstellenstandard für die sächsi-
schen Gesundheitsämter unter Nutzung der
E-Government-Komponenten des Freistaates
Sachsen“.
Eine Komponente des Förderprojektes ist die
Einführung einer elektronischen Labordaten-
kopplung für Untersuchungsaufträge zum
Erregernachweis und serologischen Nach-
weis von Infektionskrankheiten zwischen den
sächsischen Gesundheitsämtern und der LUA.
Diese Ergänzung zur bisherigen ausschließ-
lich papiergebundenen Auftragsdatenüber-
mittlung wurde 2010 sukzessive in allen 13
Gesundheitsämtern in Gestalt eines elektro-
nischen Formulars bereitgestellt. Zur Lösung
gehört auch der Rücktransport der Befundda-
ten. Im Jahr der Inbetriebnahme wurden die
Auftragsdaten zu mehr als 8.300 Einsendun-
gen aus den Ämtern in die LUA übertragen.
Wesentlicher Baustein für die Datenübertra-
gung ist der OSCI-Intermediär des Freistaates
Sachsen als E-Government Komponente. Mit
dem OSCI-Intermediär konnte schon 2007
eine Labordatenschnittstelle zur EDV des
Trainingskrankenhauses in Betrieb genom-
men werden.
Das BMG veröffentlichte im Bundesge-
sundheitsblatt 9/2008 das Format für die
Trinkwasser-Berichterstattung an das Bun-
desministerium für Gesundheit gemäß der
Richtlinie 98/83/EG. Sie regelt die Bericht-
erstattung beginnend mit dem Berichtsjahr
2010. In der Veröffentlichung wurde auch
festgelegt, dass im Jahr 2010 für das Be-
richtsjahr 2009 ein nationaler Testlauf des
Berichtes zu erfolgen hat. Dazu waren mit
den Gesundheitsämtern eine Reihe von Ab-
stimmungen über Versorgungsgebiete und
deren Beprobungsstellen nötig. Diese wurden
2009 absolviert. Da der Bericht mit elektro-
nisch übermittelten Labordaten erzeugt wird,
musste die vollständige elektronische Ver-
fügbarkeit der Labordaten von den Betreibern

│13
sichergestellt werden. Zwischen Januar und
März 2010 wurden dann 8.300 Analysen mit
189.000 Messwerten an die LUA übertragen,
fachlich bewertet und in das geforderte Be-
richtsformat umgewandelt. In die Organi-
sation und Vorbereitung der elektronischen
Strukturen und Abläufe wurde von der LUA
einmalig ein erheblicher Aufwand investiert,
der sich bei den zukünftigen Berichten be-
zahlt machen wird.
Umweltmedizinische und umwelthygienische Un-
tersuchungs- und Beratungstätigkeit
Das Fachgebiet „Umweltmedizin/Kommunal-
hygiene“ der Landesuntersuchungsanstalt
richtet den Fokus seiner Aktivitäten auf die
Schnittstelle zwischen Umwelt- und Gesund-
heitsschutz.
Seine wesentliche Aufgabe besteht darin, die
im Freistaat Sachsen tätigen Gesundheitsbe-
hörden sowie andere öffentliche Stellen und
Fachbehörden im Bezugsbereich Umwelt und
Gesundheit zu beraten und gegebenenfalls
mit Untersuchungen und Stellungnahmen
zu unterstützen. Entsprechend seiner inter-
disziplinären Ausrichtung steht hier neben
der Vermittlung aktueller Erkenntnisse in den
Fächern Umweltmedizin und Umwelt- bzw.
Kommunalhygiene ein breites Spektrum kon-
kreter praxisbezogener Fragestellungen zu
umweltbezogenen Gesundheitsrisiken auf der
Tagesordnung.
Das diesbezügliche Anforderungsprofi l um-
fasst sowohl fernmündliche Beratungs-
anliegen zu potenziellen oder vermuteten
Schadstoffexpositionen bis hin zu komplexen
umweltmedizinischen Stellungnahmen und
Expositionsanalysen, einschließlich der hierzu
notwendigen Probenahmen und Ortsbesich-
tigungen (im Sinne einer Gesundheitsver-
träglichkeitsprüfung). Das Gros der Anfragen
stammt aus den kommunalen Gesundheits-
ämtern, welche als bürgernahe Basiseinrich-
tungen des ÖGD oft die ersten Anlaufstellen
für entsprechende Probleme sind.
Insgesamt wurden im Berichtsjahr 2010 an
das Fachgebiet
586
Anfragen um Unterstüt-
zung bei hygienischen bzw. umweltmedizini-
schen Fragestellungen aus den kommunalen
Gesundheitsämtern herangetragen. Hiervon
waren
172
Amtshilfeersuchen in Form einer
ausführlichen schriftlichen Stellungnahme,
einschließlich der dazugehörigen Ortsbesich-
tigung und einer Probenahme für spezielle
Umfelduntersuchungen, abzufassen.
Der Schwerpunkt der Aktivitäten lag im Be-
reich der Raumlufthygiene (z. B. Gesund-
heitsrisiken durch Innenraumchemikalien
und Schimmelpilze, Feinstaubbelastungen
in Schulen, Lüftungsprobleme besonders in
Schulen, Hygieneaspekte von RLT-Anlagen,
umweltmedizinische Aspekte in Passiv- und
Niedrigenergiehäusern). Weitere hervorzu-
hebende Aktivitäten im Berichtsjahr 2010
bezogen sich auf die Umsetzung von neuen
Bestimmungen in der seit 2008 geltenden,
novellierten sächsischen Badegewässerver-
ordnung. Insbesondere bei der Erstellung der
sog. „Badegewässerprofi le“, einer umfassen-
den Erhebung und Beschreibung des Umfel-
des der 32 EU-Badegewässer in Sachsen, wa-
ren noch zahlreiche Abstimmungen zwischen
den Umwelt- und Gesundheitsressorts sowie
zwischen der LUA und den Gesundheitsäm-
tern erforderlich. Die Erstellung der Profi le
musste spätestens bis zum 24.03.2011 abge-
schlossen sein.
Nicht zuletzt wurden auch im Berichtsjahr
2010 wieder zahlreiche (41) Fachberatungen
und Stellungnahmen zu speziellen gesund-
heitlichen Fragen der Bau-, Siedlungs- und
Kommunalhygiene für die Gesundheitsämter
und andere Behörden bearbeitet, die wegen
ihrer Komplexität und des erheblichen Ar-
beitsaufwandes stets eine besondere Her-
ausforderung darstellten (beispielsweise ist
bei einigen Anlagentypen bzw. Planungs-
vorhaben oft zunächst die Durchsicht von
mehreren Ordnern mit Planungsunterlagen
erforderlich). Hier bildeten Biogasanlagen,
Tierhaltungsanlagen und Windkraftanlagen
den Schwerpunkt.
Der zum Fachgebiet gehörende Analytik- bzw.
Laborbereich besitzt eine moderne Ausstat-
tung und dient der Unterstützung der kom-
munalen Gesundheitsämter und staatlichen
Behörden bei ihren Hygieneinspektionen (z. B.
in Gemeinschaftseinrichtungen, Gesund-
heitsdiensteinrichtungen usw.). Gemäß § 8
SächsGDG unterliegen solche Einrichtungen
wegen ihrer gemeinschaftlichen Nutzung
und der damit verbundenen besonderen Ge-
sundheitsrisiken der Hygieneaufsichtspfl icht
durch den ÖGD.
Mit der vorhandenen Ausrüstung kann so-
wohl die Untersuchung von Schadstoffbelas-
tungen (sog. „
f
lüchtige
o
rganische
V
erbin-
dungen“, FOV) in der Innenraumluft als auch
das Erfassen bzw. Aufspüren von Schimmel-
pilzproblemen im Innenraumbereich abge-
deckt werden.
Das Niveau der Inanspruchnahme solcher
Leistungen durch die Gesundheitsämter ist
seit Jahren – bedingt durch energiesparende,
immer dichtere Bauweisen sowie Lüftungs-
defi zite und eine breite Palette verwendeter
Baumaterialien und chemischer Produkte –
unverändert hoch. Die Untersuchungstätig-
keit im Berichtsjahr umfasste insgesamt
129
komplexe Innenraumanalysen auf Schadstof-
fe und/oder Schimmelpilzbefall (einschließ-
lich Ortsbesichtigung und Probenahme) so-
wie zusätzlich 4.869 Laboreinsendungen zur
Schimmelpilzbestimmung aus den Kommu-
nen.
Ein weiterer zum Fachgebiet gehörender ana-
lytischer Bereich, die sog. Pollenmessstelle,
befasst sich mit der Bestimmung von luftge-
tragenen Pollen in der Außenluft. Sie ist eine
von nur zwei Messstellen in Sachsen, die wie-
derum Teil des deutschen Pollenmessnetzes
sind.
Das Fachgebiet praktiziert und fördert mit
einem Großteil seiner Tätigkeiten eine ver-
ständliche Risikokommunikation, die sehr
nah an den kommunalen Problemen ausge-
richtet ist. Die Öffentlichkeitsarbeit nimmt
deshalb im Fachgebiet einen breiten Raum
ein. So initiiert das Fachgebiet u. a. Fortbil-
dungsveranstaltungen, erstellt Informations-
schriften zu aktuellen umwelthygienischen
und umweltmedizinischen Themen, ist betei-
ligt an der Berichterstattung und arbeitet in
verschiedenen Fachgremien bzw. speziellen
Arbeitsgruppen mit. Das handlungsleitende
Motiv für diese vom Gesetzgeber zugewie-
senen Aufgaben ist es, letztlich auf die Ver-
besserung der Umweltverhältnisse im Sinne
einer positiven Gesundheitsförderung und
umfassenden Gesundheitsvorsorge hinzuwir-
ken.
Die Luftpollenmessstation an der LUA
Sachsen, Standort Chemnitz
Seit 1993 ist am Standort Chemnitz eine Luft-
pollenmessstelle in Betrieb. Hier wird der Pol-
lengehalt in der Luft, wie an weiteren 41 Mes-
spunkten im gesamten Bundesgebiet, rund
um die Uhr erfasst und an den Deutschen
Polleninformationsdienst (PID) sowie an den
Deutschen Wetterdienst (DWD) gemeldet.

14 │
Die Ergebnisse der Luftpollenanalyse fl ießen
in die fortlaufend vom DWD aktualisierte
Pollenfl ugvorhersage und die Erstellung des
gültigen Pollenfl ugkalenders ein.
Zum Einfangen der Pollen wird die sog. „Bur-
kard – Pollenfalle“ verwendet. Die Luftpollen
werden hierbei durch eine Pumpe angesaugt
und auf einem rotierenden Folienband aufge-
fangen. Die hieraus gefertigten Präparate
werden lichtmikroskopisch qualitativ und
quantitativ ausgewertet und der Luftpollen-
gehalt in einem m
3
Luft pro Tag berechnet.
Insgesamt bilden die Pollen windbestäubter
Pfl anzen die wichtigste Gruppe von Allergen-
trägern in der Außenluft. Die pollenassoziier-
ten allergischen Erkrankungen, wie z. B. die
allergische Rhinokonjunktivitis (Heuschnup-
fen), repräsentieren mit Häufi gkeiten von 13-
24 % (Erwachsene, Deutschland) den größten
Anteil an der Gesamtprävalenz der Atem-
wegsallergien. Allein wegen dieser enormen
Erkrankungszahlen und wegen ihrer weiten
Verbreitung besitzen die Pollen unter den
zahlreichen natürlichen und anthropogenen
Umweltfaktoren eine Sonderstellung. Aus
diesem Grunde gehört die Dauerbeobachtung
der Pollensituation zum festen Repertoire des
Außenluftmonitorings von gesundheitsbezo-
genen Umweltdaten.
Neben den 6 für pollenallergische Erkrankun-
gen wichtigsten Luftpollen (Gräser, Hasel-
nuss, Erle, Birke, Getreide und Beifuß) werden
an der Pollenmessstation Chemnitz noch 35
weitere Luftpollenarten differenziert.
Insgesamt war die Gesamtpollenmenge der
allergieauslösenden Pollen im Jahr 2010 et-
was größer als im Jahr 2009. Dies war vor al-
lem auf den überdurchschnittlich starken Er-
lenpollenfl ug im März und den stark erhöhten
Birkenpollenfl ug im Monat April zurückzu-
führen. Das Jahr 2010 war nach Einschätzung
des PID ein sog. „Mastjahr“ für die Birken, da-
runter sind Perioden mit einer außerordent-
lich starken biologischen Pollenproduktion zu
verstehen. Die Stärke des Haselpollenfl ugs ist
hingegen in den vergangenen beiden Jahren
nahezu gleich geblieben.
Bei den Gräserpollen mit Hauptfl ugzeit in den
Monaten Juni und Juli und bei den Beifußpol-
len mit Hauptfl ugzeit im September war im
Jahr 2010 eine unter dem Durchschnitt lie-
gende Konzentration in der Luft festzustellen,
was auch schon in den beiden Jahren zuvor
der Fall war. Hierfür sind sehr wahrscheinlich
spezielle wetter- bzw. witterungsbedingte
Einfl üsse verantwortlich, wie z. B. länger an-
dauernde Regenperioden in den Monaten Au-
gust und September im Jahr 2010.
Insgesamt stimmen die an der Messstation
Chemnitz gefundenen Ergebnisse sehr gut
mit der Einschätzung und den Trends der Stif-
tung Deutscher Pollenfl uginformationsdienst
überein, wobei selbstverständlich moderate
regionale Abweichungen bzw. Schwankungen
in Abhängigkeit von der Lage und dem loka-
len Klima auftreten können.
Von besonders großem Interesse ist das
frühzeitige Erkennen neuer luftgetragener
Allergene, wie zum Beispiel die gerade statt-
fi ndende zunehmende Verbreitung der hoch-
allergenen Pfl anze
Ambrosia artemisiifolia
(Traubenkraut).
Im Einzugsbereich der Pollenmessstelle
Chemnitz wurden aber seit der systemati-
schen Erfassung von Ambrosiapollen im Jahr
2006 noch keine derartigen Pollen gefunden.
Im Internet kann unter
www.dwd.de
oder
www.wetter.com
der aktuelle regionale Pol-
lenfl ug abgerufen werden.
Schimmelpilze in Innenräumen
Feuchte- und Schimmelschäden in Innen-
raumbereichen stellten auch im Berichtsjahr
2010 wiederum eines der häufi gsten hygie-
nischen Probleme dar, mit denen das Fachge-
biet seitens der Gesundheitsämter konfron-
tiert wurde.
Da das Wachstum von Schimmel in Innen-
räumen nicht nur eine Hygienewidrigkeit dar-
stellt sondern auch Gesundheitsrisiken birgt,
sollte es aus Vorsorgegründen vermieden
werden. Eine Besserung der gegenwärtigen
Situation ist jedoch angesichts neuerer Zah-
len zur Häufi gkeit von Feuchte- und Schim-
melschäden in Innenräumen eher nicht zu
erwarten. Beispielweise haben die Ergebnisse
des bundesweiten Kinder- und Jugendge-
sundheitssurveys (KUS 2003-2006) gezeigt,
dass 14 % der untersuchten Haushalte von
Schimmelpilzbefall und 33 % der Haushalte
von Feuchteschäden betroffen sind. Diesem
hohen Schadensniveau entsprechend wiesen
ca. 10 % der untersuchten Kinder und Ju-
gendlichen eine Sensibilisierung gegenüber
mindestens einem der untersuchten Schim-
melpilze auf (Sensibilisierung bedeutet Vor-
stufe bzw. immunologische Bereitschaft zur
Allergieerkrankung).
Neben den Probeneinsendungen durch die
Gesundheitsämter (4.869) ist das Fachgebiet
an Hygieneinspektionen in Einrichtungen
beteiligt, die der Hygieneaufsicht durch den
öffentlichen Gesundheitsdienst unterliegen
(Grundlage: § 8 des Gesetzes über den Öf-
fentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat
Sachsen). Im Berichtsjahr war das der Fall bei
30 Objekten mit insgesamt 66 Räumen. Der
Untersuchungsumfang beinhaltete Ortsbe-
gehungen, Messungen und Bestimmungen
keimungsfähiger Schimmelpilzsporen in der
Raumluft entsprechend dem neuesten Stand
der Untersuchungstechnik (Grundlage: VDI-
Richtlinien 6022, 4252, 4253, 4300) sowie die
Erarbeitung von Stellungnahmen mit einer
umweltmedizinischen Bewertung der Ergeb-
nisse.
Gesundheitsbezogene Expositionsabschät-
zungen waren besonders dann relevant, wenn
Kindereinrichtungen von massivem Schim-
melpilzbefall betroffen waren. Im Berichts-
jahr war das der Fall bei 4 Kindertagesstätten,
2 Jugendeinrichtungen und 2 Schulen.
In 64 % der an die LUA herangetrage-
nen Sachverhalte wurden deutlich erhöhte
Schimmelpilzbelastungen der Innenraumluft
nachgewiesen, die das Belastungsniveau der
zum Vergleich herangezogenen Außenluft
erheblich überschritten hatten. In den meis-
ten Fällen konnten bauphysikalische Mängel
als Ursachen für die Schimmel- und Feuch-
teschäden wahrscheinlich gemacht werden.
Resultierend aus den Untersuchungsergeb-
nissen erfolgten entsprechende Empfeh-
lungen bzw. Hinweise zur Reduzierung der
Schimmelpilzexposition auf ein hygienisch
und gesundheitlich zuträgliches Niveau an
die Gesundheitsämter. Bei 4 Kindertagesstät-
ten musste eine umgehende Ermittlung von
Ursachen der Feuchte- und Schimmelpilz-
probleme durch einen Bausachverständigen
sowie eine grundlegende Sanierung dringend
angeraten werden.
Im Berichtszeitraum gingen zum Thema
Feuchtigkeit, Schimmel und damit verbunde-
nen Gesundheitsproblemen in Innenräumen
132 fernmündliche Anfragen ein, die eine
umfassende fachliche Beratung erforderten.
Die Schimmelpilzbestimmung setzt aufgrund
ihrer Komplexität ein hohes Maß an analyti-
schem Know-how und spezifi sche fachliche
Erfahrungen voraus. Das umweltmykologi-
sche Labor der LUA stellte diesbezüglich er-
neut seine fachliche Kompetenz durch die er-
folgreiche Teilnahme an zwei Ringversuchen
unter Beweis.
Überwachung der EU-Badegewässer
Das Baden in natürlichen Gewässern im Freien
ist gesund und gehört bei Alt und Jung zu den
beliebtesten Freizeitaktivitäten. Im Berichts-
jahr verfügte der Freistaat Sachsen über 32
Seen und Talsperren, die bei der Europäischen
Kommission als überwachungspfl ichtige Ge-
wässer - sogenannte „EU-Badegewässer“ -
gemeldet sind. Während der Badesaison wird
der Hygienezustand dieser Gewässer durch
die Gesundheitsbehörden entsprechend den
Vorgaben der Sächsischen Badegewässer-
verordnung (SächsBadegewVO vom 15. April
2008) überwacht. Im Rahmen der jährli-
chen Berichtspfl icht übermittelt die LUA alle
Überwachungsdaten anhand vorgegebener
Kriterien an das Umweltbundesamt zur Wei-
terleitung an die EU, wo eine abschließende
Qualitätseinstufung der EU-Badegewässer

│15
erfolgt. Der aktuelle Bericht zum Zustand
der europäischen Badegewässer kann auf der
EU-Internetseite http//ec.europa.eu/environ-
ment/water/water-bathing/report_2010.html
eingesehen werden.
Im Berichtsjahr richtete sich die hygienische
Überwachung der EU-Badegewässer schwer-
punktmäßig auf die vorgeschriebenen Vor-
Ort-Begehungen und Beprobungen durch
die Gesundheitsämter sowie auf die Untersu-
chungen der Wasserproben in der LUA auf die
mikrobiologischen Parameter „Intestinale En-
terokokken“ und „Escherichia coli“. Diese In-
dikatorbakterien dienen der Feststellung von
fäkalen Verunreinigungen der Badegewässer
und weisen enge Korrelationen mit potentiel-
len Gesundheitsrisiken für die Badegäste auf.
Die Überwachungsergebnisse der Badesaison
2010 bescheinigen den sächsischen Gewäs-
sern insgesamt eine gute mikrobiologische
Wasserqualität. Es wurden bei keinem Ge-
wässer gesundheitlich kritische Konzentrati-
onen der Indikatorbakterien (für Escherichia
coli >1.800 KBE/100ml, für Intestinale Ente-
rokokken >700 KBE/100ml) festgestellt.
Wie jedes Jahr, neigten allerdings auch im
Sommer 2010 einige Badegewässer wieder
zur Massenentwicklung von Cyanobakterien
(Blaualgen). So wurden in der Uferzone von
zwei Talsperren starke Trübungen des Was-
sers mit deutlichen Sichttiefenbeeinträchti-
gungen (z. T. nur 20 cm Sichttiefe) sowie den
typischen Wasserverfärbungen festgestellt,
die bei einer der Talsperren auf Grund des
erhöhten Sicherheitsrisikos begrenztes Bade-
verbot erforderlich machten. Die in der LUA
durchgeführten mikroskopischen Untersu-
chungen der Wasserproben bestätigten dort
eine starke Vermehrung von Cyanobakterien.
Hinzuweisen wäre außerdem auf zwei Beson-
derheiten, die sich in der Badesaison 2010 in
Sachsen ereigneten. Zum einen kam es im
August/September 2010 lokal zu extremen
Hochwasserereignissen, was zum Ende der
Badesaison an zwei Badegewässern wegen
zahlreicher Anschwemmungen bzw. wegen
des Überlaufs einer Kläranlage zu Einschrän-
kungen des Badebetriebs und zu erhöhten
Überwachungsaktivitäten führte. Die zweite
Besonderheit war die vorsorgliche Teilsper-
rung eines als Badesee genutzten Tagebau-
restgewässers, weil dessen Untergrund An-
zeichen von Instabilität aufwies.
Gemäß dem § 11 der SächsBadegewVO ist die
LUA verpfl ichtet, die Öffentlichkeit über den
Zustand der sächsischen EU-Badegewässer
ausführlich zu unterrichten. Die in der Bade-
saison wöchentlich aktualisierten Informati-
onen zur Badewasserqualität sind auf der In-
ternetseite der LUA unter
www.lua.sachsen.
de abrufbar. Außerdem ist dort auch die end-
gültige Einstufung der Sächsischen Badege-
wässer durch die EU in der Badesaison 2010
in Form einer Tabelle einsehbar.

16 │
Tabelle 1.4:
Gezielte Anforderungen zum Nachweis von MRSA und ESBL im Jahr 2010
Gesundheitsämter
Sonstige Einrichtungen
Summe
MRSA
701
428
1.129
ESBL
194
76
270
Summe
895
504
1.399
Tabelle 1.5:
Untersuchte Humanproben mit Nachweis von MRSA und ESBL im Jahr 2010
Probenmaterial
Gesundheitsämter
Sonstige Einrichtungen
MRSA / caMRSA
ESBL
MRSA
ESBL
Nasen- / Rachenabstriche
85 / 3
6
19
1
Sonstige Abstriche
51 / 0
14
10
36
Respiratorische Materialien
8 / 0
19
1
7
Punktate, Blutkulturen
0 / 0
0
6
18
Urine
0 / 0
16
8
52
Stuhlproben
0 / 0
47
0
0
Summe
144 / 3
102
44
114
Tabelle 1.6:
Mykobakteriologie - Einsendungen humanmedizinischer Materialien im Jahr
2010
Probenmaterialien
Probenzahl
davon positiv
Blutproben (Interferon-Gamma-Release Assay)
1.563
380
Respiratorische Materialien
2.040
53
Sonstige (Abstriche, Urine, Gewebeproben etc.)
72
26
Liquores
2
0
Summe
3.677
459
Tabelle 1.7:
Mykobakteriologie - durchgeführte Untersuchungen im Jahr 2010
Untersuchung
Humanmedizinische
Proben
Veterinärmedizinische
Proben
Interferon-Gamma-Release Assay
1.550
0
kultureller Nachweis von Mykobakterien
2.111
16
mikroskopischer Nachweis auf säurefeste Stäbchen
2.013
33
PCR / Nachweis von M. tuberculosis-Komplex
364
1
Empfi ndlichkeitstestung von Tuberkuloseerregern
34
0
Summe
6.072
50
Tabelle 1.22: Virusanzucht / Virustypisierung und Neutralisationsteste im Jahr 2010
Untersuchungsparameter
Probenzahl
Zahl der Untersuchungen
Gesamtnachweis
Virusanzucht auf Zellkulturen
144
386
88
Enteroviren
121
363
75
Infl uenza-Viren
23
23
13
Sonstige
0
0
0
Nachweis von Antikörpern mittels
Neutralisationstest
986
2.009
Enteroviren (einschließlich Polioviren)
509
1.532
Diphtherietoxin
477
477
Anhang
Auszug aus der tabellarischen Darstellung der Untersuchungsleistungen
komplette Übersicht siehe Homepage:
www.lua.sachsen.de
> Veröffentlichungen > Jahresberichte

│17
Tabelle 1.23: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Virus-Antikörper und
-Antigene im Jahr 2010
Parameter
Methode
Anzahl der Untersuchungen
Adenovirus-Ak
KBR / EIA
2
Cytomegalievirus-IgG / IgM-Ak
EIA
108
Epstein-Barr-Virus-Ak
EIA / Aggl.
248
FSME-Virus-IgG / IgM-Ak
EIA
90
Hantavirus-Ak
EIA
6
Hepatitisserologie:
Hepatitis-A-Virus-Ak
MEIA
5.255
Hepatitis-A-Virus-IgM-Ak
MEIA
3.626
Hepatitis-C-Virus-Ak
MEIA
5.452
Hepatitis-C-Ak-Ergänzungstest
Immunoblot
181
Hepatitis-D-Virus-Ak
EIA
12
Hepatitis-E-Virus-IgG / IgM-Ak
EIA / Immunoblot
411
Hepatitis-B-Virus-Ak / Ag:
HBs-Ak
MEIA
6.674
HBs-Ag
MEIA
6.053
HBs-Ag-Bestätigungstest
MEIA
110
HBc-Ak
MEIA
4.496
HBc-IgM-Ak
MEIA
353
HBe-Ak
MEIA
114
HBe-Ag
MEIA
115
Enzyme zur Hepatitisdiagnostik:
ALAT / ASAT / Gamma-GT
1.247
Herpes-simplex-Virus 1 / 2-IgG / IgM-Ak
EIA
56
HIV-1 / 2-Ag / Ak
MEIA
7.678
HIV-1-Ak-Bestätigungstest
Immunoblot
99
HIV-2-Ak-Bestätigungstest
Immunoblot
99
Humanes Herpesvirus 6-IgG / IgM-Ak
IFT
10
Infl uenza-Ak
KBR / EIA
16
Masernvirus-IgG / IgM-Ak
EIA
850
Mumpsvirus-IgG-Ak
EIA
865
Parainfl uenzavirus 1,2,3-Ak
KBR / EIA
2
Parvovirus B 19-IgG / IgM-Ak
EIA
44
Rötelnvirus-Ak
HAHT / EIA
2.002
RS-Virus-Ak
KBR / EIA
2
Varizella-Zoster-Virus-IgG / IgM-Ak
EIA
596
Summe
46.872
Tabelle 1.24: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Bakterien-Antikörper und
-Antigene im Jahr 2010
Parameter
Methode
Anzahl der Untersuchungen
Bartonella henselae-IgG / IgM-Ak
IFT
22
Bordetella pertussis-IgG / IgM / IgA-Ak
EIA
186
Borrelia burgdorferi-IgG / IgM-Ak
EIA
152
Borrelia burgdorferi-IgG / IgM-Ak
Immunoblot
58
Brucella spp.-Ak
KBR / EIA
90
Campylobacter spp.-Ak
KBR
10
Chlamydia pneumoniae-IgG / IgM / IgA-Ak
EIA / MIF
198
Chlamydia trachomatis-IgG / IgA-Ak
EIA
318
Coxiella burnetii-Ak
KBR / EIA
24
Ehrlichia-IgG / IgM-Ak
IFT
6
Francisella tularensis-Ak
EIA
12
Haemophilus infl uenzae Typ b-IgG-Ak
EIA
15

18 │
Parameter
Methode
Anzahl der Untersuchungen
Helicobacter pylori-Ak
Aggl. / EIA
27
Legionella pneumoniae-Ak
EIA
16
Legionella-Ag
EIA
31
Leptospira spp.-Ak
KBR / EIA
77
Listeria monocytogenes-Ak
Widal / KBR
15
Mycoplasma pneumoniae-Ak
KBR / EIA
24
Mycoplasma- / Ureaplasma- / Neisseria-Ak
NT / KBR
15
Neisseria meningitidis SG A / SG C-IgG-Ak
EIA
72
Pneumokokken-IgG-Ak
EIA
10
Rickettsia-IgG / IgM-Ak
IFT
10
Salmonella spp.-Ak
Widal / EIA
12
Shigella spp.-Ak
KBR
4
Streptolysin O-Ak
Aggl.
2
Tetanustoxoid-IgG-Ak
EIA
453
Yersinia spp.-Ak
EIA / Immunoblot
69
Syphilisserologie:
Treponema pallidum-Ak
TPPA
3.849
Treponema pallidum-Ak
CMT
271
Treponema pallidum-Ak
FTA-Abs.
271
Treponema pallidum-IgM-Ak
EIA
270
Treponema pallidum-IgG-Ak
Immunoblot
272
Treponema pallidum-IgM-Ak
Immunoblot
272
Summe
7.133
Tabelle 1.27: Nukleinsäurenachweise mit PCR im Jahr 2010
Untersuchungen
Erreger
Anzahl
positiv
Anzahl
in %
Adenovirus
116
35
30,2
Bordetella pertussis
2.013
130
6,5
Chlamydia pneumoniae
1
0
0,0
Chlamydia trachomatis
3.282
108
3,3
Cytomegalievirus (CMV)
13
3
23,1
Cytomegalievirus quantitativ
8
--
--
Corynebacterium diphtheriae (Toxin-Gen)
4
4
100,0
EHEC / Shigatoxin 1
211
101
47,9
EHEC / Shigatoxin 2
211
71
33,6
Enterovirus
386
106
27,5
Epstein-Barr-Virus (EBV)
2
0
0,0
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)-Virus
8
0
0,0
Haemophilus infl uenzae Typ b (Hib)
6
0
0,0
Hepatitis-A-Virus (HAV)
108
10
9,3
Hepatitis-B-Virus (HBV)
41
8
19,5
Hepatitis-B-Virus quantitativ
3
--
--
Hepatitis-C-Virus (HCV)
156
59
37,8
Hepatitis-E-Virus (HEV)
295
2
0,7
Herpes simplex-Virus 1 (HSV 1)
39
3
7,7
Herpes simplex-Virus 2 (HSV 2)
39
7
17,9
Humanes Herpesvirus 6 (HHV 6)
3
2
66,7
Humanes Papillomavirus (HPV)
10
4
40,0
Legionella pneumophila
4
0
0,0
Listeria monocytogenes
34
3
8,8
Masernvirus
39
5
12,8

│19
Untersuchungen
Erreger
Anzahl
positiv
Anzahl
in %
MRSA (aus Kulturproben - mecA-Gen)
101
57
56,4
caMRSA (aus Kulturproben - PVL-Gen)
20
10
50,0
Mumpsvirus
6
0
0,0
Mycobacterium tuberculosis-Komplex
365
10
2,7
Mycoplasma pneumoniae
4
0
0,0
Mycoplasmen in Zellkultur
21
0
0,0
Infl uenza A-Virus (H1N1) 2009
332
23
6,9
Infl uenza-A-Virus (andere Subtypen)
313
0
0,0
Infl uenza-B-Virus
313
0
0,0
Neisseria gonorrhoeae
3.390
92
2,7
Neisseria meningitidis
70
8
11,4
Norovirus in Stuhlproben
3.398
1.327
39,1
Norovirus in nichthumanen Proben (von Geräten, in Lebensmitteln
nach Ausbruch)
128
0
0,0
Parvovirus B19
2
0
0,0
Respiratory Syncytial-Virus (RSV)
55
34
61,8
Rotavirus (im Zusammenhang mit Genotypisierung)
12
--
--
Rötelnvirus
3
0
0,0
Staphylococcus aureus (aus Kulturproben)
101
100
99,0
Streptococcus agalactiae (SGB)
3
0
0,0
Streptococcus pneumoniae
50
8
16,0
Varizella-Zoster-Virus (VZV)
6
1
16,7
Gesamt
15.726
2.331
14,8
Rotavirus-Genotypisierungen
55
--
--
Sequenzierungen
454
--
--
Differenzierung von atypischen Mykobakterien (aus Kulturproben)
53
--
--
Differenzierung innerhalb des Mycobacterium tuberculosis-Komplexes
(aus Kulturproben)
64
--
--
Resistenzgene (für Rifampicin und Isoniazid) von Erregern des Myco-
bacterium tuberculosis-Komplexes (aus Kulturproben)
35
--
--
Differenzierung von Enterokokken sowie Nachweis der Vancomycin-
Resistenzgene vanA, vanB, vanC1 und vanC2/C3
70
--
--
Gesamt
16.457
Tabelle 1.33: Erfasste Infektionskrankheiten im Freistaat Sachsen
Jahresvergleich 2010 zu 2009 (Datenstand: 28.02.2011, 2009 - Stand 28.02.2010)
Jahr 2010
Jahr 2009
Krankheit
Erkrankungen
lab. diagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
Erkrankungen
lab. diagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
Adenoviruskonjunktivitis
20
0,5
7
0,2
Borreliose
1.353
32,3
1.790
42,4
Brucellose
3
0,1
Chikungunyafieber
1
< 0,1
2
< 0,1
Denguefieber
15
0,4
9
0,2
Diphtherie
3
0,1
Echinokokkose
1
1
< 0,1
1
< 0,1
Enteritis infectiosa
44.895
362
22
1.070,8
45.607
375
4
1.080,7
Adenovirus
2.954
5
70,5
2.658
4
63,0
Astrovirus
1.320
10
31,5
1.108
3
26,3
Campylobacter
5.638
65
134,5
4.905
29
116,2
Clostridium difficile
4.737
15
113,0
3.499
3
82,9
Cryptosporidium
124
2
3,0
149
3,5
Entamoeba histolytica
31
5
0,7
32
9
0,8
Escherichia coli
736
34
17,6
859
36
20,4

20 │
Jahr 2010
Jahr 2009
Krankheit
Erkrankungen
lab. diagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
Erkrankungen
lab. diagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
EHEC
1)
75
45
1,8
73
25
1,7
Giardia lamblia
349
36
8,3
257
27
6,1
Norovirus
21.083
43
3
502,8
21.173
60
1
501,7
Rotavirus
5.331
17
3
127,1
8.016
14
189,9
Salmonella spp.
1.954
95
1
46,6
2.146
159
50,9
Yersinia enterocolitica
433
4
10,3
541
9
12,8
übrige Erreger
130
1
3,1
191
4,5
Enterovirus-Infektionen
2)
128
1
109
FSME
3)
6
0,1
4
0,1
Gasbrand
8
3
0,2
5
2
0,1
Geschlechtskrankheiten
5.212
5.454
Neisseria gonorrhoeae
598
531
Treponema pallidum
123
136
Chlamydia trachomatis
3.926
4.252
Mycoplasma hominis
565
535
GBS-Infektionen
4)
1.887
1.711
dar. Neugeborene
22
24
Hantavirus-Erkrankungen
3
0,1
H. influenzae-Erkrankungen
6
2
1
0,1
8
1
1
0,2
HSE (CJK)
5)
7
6
0,2
7
4
0,2
HUS
6)
3
0,1
Influenza
304
9
2
7,3
13.784
19
7
326,6
Infl uenza A-Virus
296
9
2
7,1
13.051
17
6
309,3
Infl uenza B-Virus
7
0,2
598
2
1
14,2
Infl uenza A/B-Virus
1
< 0,1
135
3,2
Legionellose
34
1
2
0,8
16
2
0,4
Lepra
1
< 0,1
Leptospirose
3
0,1
2
< 0,1
Listeriose
25
2
3
0,6
23
1
5
0,5
Malaria
10
0,2
8
0,2
Masern
4
0,1
2
< 0,1
Meningoenzephalitis, viral
46
1,1
56
1,3
Meningokokken-Erkr. (invasiv)
23
2
0,5
19
2
0,5
MRSA
7)
-Erkrankungen (invasiv)
228
19
1
5,9
88
7
2,1
Mumps
31
2
0,7
42
1
1,0
Ornithose
2
< 0,1
Paratyphus 1 < 0,1 2
Parvovirus B19-Infektionen
154
147
Pertussis
796
47
19,0
1.554
176
36,8
Pneumokokken-Erkr. (invasiv)
120
3
2
2,9
112
5
8
2,7
Q-Fieber
1
Respiratorische Infektionen
975
877
Adenovirus
52
35
Mycoplasma pneumoniae
457
258
Parainfl uenza-Virus
41
44
RS-Virus
425
540
Röteln
2
2
< 0,1
1
< 0,1
Scharlach
1.892
45,1
1.776
42,1
Shigellose
54
2
1,3
51
1,2
Tetanus
1
< 0,1
Toxoplasmose
51
10
1,2
51
6
1,2
dar. angeborene Infektion
1
< 0,1
Trichinellose
1
< 0,1
1
< 0,1

│21
Jahr 2010
Jahr 2009
Krankheit
Erkrankungen
lab. diagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
Erkrankungen
lab. diagn.
Nachweis*
T
Inzidenz**
Tuberkulose
158
5
3,8
196
3
6
4,6
Tularämie
5
0,1
Typhus
1
1
< 0,1
2
< 0,1
Virushepatitiden
103
443
5
2,5
137
421
4
3,2
Hepatitis A-Virus
8
1
0,2
22
9
0,5
Hepatitis B-Virus
40
203
2
1,0
68
183
2
1,6
Hepatitis C-Virus
43
235
3
1,0
34
227
2
0,8
Hepatitis D-Virus
3
1
Hepatitis E-Virus
12
1
0,3
13
1
0,3
Windpocken
638
15,2
1.004
23,8
Zytomegalievirus-Infektionen
48
26
dar. angeborene Infektion
3
1) Enterohämorrhagische Escherichia coli
T
Todesfälle
2) ohne Meningitiden
*
labordiagnostischer Nachweis bei nicht erfülltem bzw. unbekanntem klinischen Bild
3) Frühsommmer-Meningo-Enzephalitis
**
Erkrankungen pro 100.000 Einwohner
4) Gruppe B-Streptokokken
5) Humane Spongiforme Enzephalopathie
(Creutzfeldt-Jakob-Krankheit)
6) Hämolytisch-urämisches Syndrom
7) Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus

22 │
In den beiden Abteilungen „Amtliche Lebens-
mitteluntersuchungen“ der Landesunter-
suchungsanstalt für das Gesundheits- und
Veterinärwesen (LUA) sind 2010 auf der
Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen
24.998 Proben untersucht und beurteilt wor-
den. Trotz des risikoorientierten Ansatzes bei
der Probenplanung ist die Beanstandungs-
quote bei Lebensmitteln, Bedarfsgegenstän-
den, kosmetischen Mitteln und Tabakerzeug-
nissen mit 10,8 % die niedrigste seit Bestehen
der LUA. Die detaillierte Aufl istung, welche
Beanstandungen bei den untersuchten Pro-
ben ausgesprochen werden mussten, kön-
nen in den Tabellen 2.2 bis 2.7 (s. Homepage
LUA) nachgelesen werden. Der Tabellenteil zu
diesem Jahresbericht wird ausschließlich auf
der Homepage der LUA unter dem Stichwort
„Veröffentlichungen“ eingestellt
(http://www.
lua.sachsen.de/).
Auffällig ist die große Spannweite der Bean-
standungsquoten in den untersuchten Pro-
duktgruppen. Wie in den vergangenen Jah-
ren wurden bei Nahrungsergänzungsmitteln
am häufi gsten Abweichungen von der Norm
festgestellt. Dagegen sind bei der Waren-
gruppe Milch kaum noch Beanstandungen
zu verzeichnen (s. Abb. 1). In der nachfolgen-
den Grafi k sind diejenigen Produktgruppen
dargestellt, deren Beanstandungsquote über
20 % lag.
Werden bei den Lebensmitteln die Bean-
standungsgründe „irreführend“, „unzulässige
gesundheitsbezogene Angaben“, „Verstöße
gegen Kennzeichnungsvorschriften“ und
„fehlende Kenntlichmachung von Zusatz-
stoffen“ unter dem Oberbegriff „fehlerhaf-
te Kennzeichnung“ zusammengefasst, sind
88 % aller untersuchten Proben betroffen.
Nur 2,4 % der Lebensmittelproben wurden
- hauptsächlich wegen des Nachweises pa-
thogener Keime - als gesundheitsschädlich
bewertet.
Verschiedene, vorwiegend über das Schnell-
warnsystem bekannt gewordene Unregelmä-
ßigkeiten waren mit der Einarbeitung neuer
Analysenverfahren verbunden.
Eine analytisch anspruchsvolle Aufgabe wur-
de durch den Nachweis von sogenannten
nicht relevanten Metaboliten in sächsischen
Mineralwässern im Untersuchungsjahr in An-
griff genommen. In Sachsen handelt es sich
vorwiegend um Abbauprodukte des im Raps-
anbau eingesetzten Herbizides Metazachlor,
insbesondere um den Stoff Metazachlorsul-
fonsäure. Beim Nachweis dieser Chemikalie
in Mineralwasser steht die Frage nach der
ursprünglichen Reinheit im Focus. Wie hoch
die anthropogene Verunreinigung in einem
Mineralwasser sein darf, wird derzeit im Co-
dex-Alimentarius-Komitee für Kontaminan-
ten beraten. Die bisher in Sachsen erhobenen
Befunde übersteigen die dort vorgeschlage-
nen maximalen Gehalte deutlich.
Mittlerweile wurde eine LC-MS-MS-Methode
validiert, die den Nachweis von 128 trink-
wasserrelevanten Wirkstoffen aus Pfl anzen-
schutzmitteln und deren Abbauprodukten
ermöglicht.
Durch die Mitarbeit an zwei von der Bundes-
anstalt für Landwirtschaft und Ernährung
vergebenen Forschungsaufträgen zu Stoff-
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen und
Pharmazie
Übersicht über das Leistungsspektrum
übergängen aus Lebensmittelkontaktmateri-
alien wurden bei 57 % der als nicht rechts-
konform erkannten Proben Stoffübergänge
auf Lebensmittel festgestellt, die in vielen
Fällen ein nicht klassifi zierbares Risiko dar-
stellen. Ausdruck dafür sind die zahlreichen
Empfehlungen der LUA für die Einstellung
der erhobenen Befunde in das europäische
Schnellwarnsystem.
Ein Schwerpunkt der Vorhaben ist die Er-
arbeitung von Analysenverfahren, die den
Nachweis von Stoffübergängen aus Lebens-
mittelkontaktmaterialien auf Lebensmittel
ermöglichen.
In diesem Sinne wurden beispielsweise Sub-
stanzen in einer Datenbank erfasst, die als
Druckfarbenbestandteile Verwendung fi nden.
Dadurch ist ein chromatographischer Nach-
weis einer Vielzahl von Substanzen möglich
über deren Toxizität keine Daten vorliegen.
Die Zusammenarbeit im Rahmen der mittel-
deutschen Kooperation (Thüringen, Sachsen-
Anhalt, Sachsen) wurde auch im Jahr 2010
erfolgreich fortgesetzt. Hier ist insbesondere
der Austausch von Untersuchungsleistungen
auf dem Gebiet der pharmakologisch wirk-
samen Stoffe hervorzuheben, der seit Jahren
sehr effektiv gestaltet wird. Analyten, die nur
in kleineren Untersuchungsserien zu bestim-
men sind, werden jeweils nur von einem La-
bor der drei Länder bearbeitet.
Vom wissenschaftlichen Personal der beiden
Abteilungen wurden im Berichtsjahr 165
Stellungnahmen vorwiegend für die Fachab-
teilung im Sächsischen Staatsministerium für
Soziales und Verbraucherschutz erarbeitet.
Das nahm einen Zeitfond von 506 Stunden in
Anspruch (63 Arbeitstage).
Auch im Jahr 2010 wurde ein nicht unbe-
trächtlicher Arbeitszeitanteil durch Aus-
und Fortbildungsmaßnahmen gebunden.
Zu nennen sind hier die Ausbildung der
Lebensmittelchemiker im Rahmen des 3.
Prüfungsabschnittes, die Ausbildung von
Lebensmittelkontrolleuren und Chemiela-
boranten und die Vielzahl von Praktika, die
Studierenden an Hoch- und Fachschulen er-
möglicht wurden. Aber auch kleinere Prakti-
kumseinsätze, wie sie im Rahmen der Berufs-
ausbildung oder der Gymnasien üblich sind,
wurden von den Mitarbeitern betreut.
Abb. 1: Beanstandungsquoten ausgewählter Erzeugnisgruppen
0 10 20 30 40 50 60
Nahrungsergänzungsmittel
Honig/Brotaufstriche
Bedarfsgegenstände
weinähnliche Getränke
Spirituosen
Süßwaren
Konfitüren/Marmeladen/Gelees
kosmetische Mittel
Gewürze
Butter
Milch
Erzeugnisgruppen
Prozent

│23
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittel-
hygiene
Entsprechend der risikoorientierten Probe-
nahme blieben die Einsendungen 2010 im
Vergleich zu 2009 fast gleich. Die Beanstan-
dungsrate bei den Erzeugnissen Milch und
Milchprodukte, Käse, Fleisch und Fleisch-
erzeugnisse, Fisch und Fischerzeugnisse
veränderte sich nur geringfügig. Bei Wurst-
waren sank die Beanstandungsrate auf 11,7 %
(2009 - 16 %).
Die Untersuchungen von tierischen und
nichttierischen Lebensmitteln erfolgen mit-
tels sensorischer, mikrobiologischer, immu-
nologischer, chemischer, molekularbiologi-
scher sowie rückstandsanalytischer Verfah-
ren. Sie dienen im Wesentlichen der Prüfung
der Verkehrsfähigkeit sowie dem Schutz
des Verbrauchers vor Irreführung und Täu-
schung und der gesundheitlichen Unbe-
denklichkeit.
Milch
Milch ist ein vollwertiges und gesundes Le-
bensmittel, das dem Menschen bereits seit
über 5.000 Jahren als Nahrung dient. Nicht
ohne Grund, denn die Milch versorgt den
menschlichen Körper mit fast allen lebens-
wichtigen Nährstoffen und gehört im Regel-
fall für Menschen aller Altersstufen zu einer
gesunden Ernährung. Strenge Vorschriften
legen die Hygiene und Qualität der Milch fest,
so dass sie heute zu einem der am besten
kontrollierten Lebensmittel zählt.
Von den 745 untersuchten Proben waren
lediglich 9 Proben zu beanstanden, das ent-
spricht einer Beanstandungsquote von 1,2 %.
Bei diesen Beanstandungen handelte es sich
in 6 Fällen um sensorische Abweichungen in
Verbindung mit erhöhten mikrobiologischen
Keimzahlen. In 3 Fällen wurden Kennzeich-
nungsmängel festgestellt.
Milcherzeugnisse
Milcherzeugnisse stellen heutzutage eine
breite Produktpalette dar, zu denen Sauer-
milch-, Joghurt-, Kefi r-, Buttermilch-, Kon-
dens- und Trockenmilch-, Sahne-, Molken-,
Milchzucker-, Milcheiweiß- und Milch-
mischerzeugnisse zählen. Neue Produktent-
wicklungen sowie Tendenzen sind gerade bei
den Milcherzeugnissen zu beobachten und
treffen auf eine breite Akzeptanz der Ver-
braucher.
Im Berichtszeitraum 2010 wurden insgesamt
556 Proben untersucht von denen sich 11
Proben als verdorben sowie 10 Proben als
falsch gekennzeichnet erwiesen bzw. irrefüh-
rende Angaben bezüglich einiger Inhaltsstof-
fe enthielten.
Käse
Ab etwa 5.000 v. Chr. ist sicher davon aus-
zugehen, dass die Käserei in Mesopotamien,
im Schwarzmeerraum, in Kleinasien, Ägypten
und Nordafrika bekannt war und eingehend
erforscht und weiterentwickelt wurde. Die
ältesten bildlichen und schriftlichen Darstel-
lungen und Nachweise einer Käseherstellung
stammen aus Mesopotamien, der Gegend
des heutigen Irak, aus einer Zeit etwa 3.000
v. Chr..
Es gibt insgesamt mehr als 3.000
Sorten Käse – vom Frischkäse über den Al-
tenburger Ziegenkäse bis hin zum Gouda und
Ricotta. Besondere Käsespezialitäten von den
unterschiedlichen Tierarten sind oft wichtiger
Teil regionaler Kultur in fast allen Ländern der
Welt.
Von den insgesamt 955 untersuchten Pro-
ben wurden 7,2 % beanstandet. Auf Grund
fehlender Kennzeichnungselemente bzw.
fehlerhafter Angaben wurden überwiegend
Kennzeichnungsmängel sowie Irreführungs-
tatbestände festgestellt. 8 Proben wiesen
sensorische und mikrobiologische Abwei-
chungen auf. Lediglich sensorische Abwei-
chungen konnten in 3 Proben beobachtet
werden und eine Probe wurde aufgrund des
Nachweises von
Listeria monocytogenes
in
einer Anzahl von 195 KbE/g Weichkäse als
gesundheitsschädlich beurteilt (s. Homepage
LUA, Tab. 2.32: Nachweise von
Listeria mono-
cytogenes
in Lebensmitteln).
Hühnereier
Großen Einfl uss auf den „Eiermarkt“ haben
die Verbraucher und der Handel. Insbeson-
dere der mündige Verbraucher will über die
Herkunft der Eier, sowie die Haltungsform der
Hennen Informationen haben. Deshalb wer-
den auch hier regelmäßig Proben entnommen
und hinsichtlich Kennzeichnung, Größe und
Qualität sowie mikrobiologischer Beschaffen-
heit untersucht. Alle Eier, die erzeugt wer-
den, müssen den strengen Vorschriften der
EU-Normen entsprechen. Grundlage für die
Handelsklassenüberwachung im Bereich der
Erzeugung und Vermarktung von Hühner-
eiern sind EG-Vermarktungsnormen. Die Ver-
ordnungen (EG) Nr. 1028/2006 und Nr. 557/
2007 gelten für Eier auf allen Stufen der Ver-
marktung. Bestimmte Formen des Direkthan-
dels wie z. B. der Ab-Hof-Verkauf oder der
Verkauf an der Tür in kleinen Mengen beim
Endverbraucher werden von dieser Regelung
nicht betroffen. Für den Verbraucher ist es
wichtig zu wissen, dass Eier, die der Erzeu-
ger dem Endverbraucher auf einem örtlichen
Markt verkauft, mit einem Erzeugercode ge-
kennzeichnet sein müssen. Von den unter-
suchten Hühnereiern wurden 10 Proben hin-
sichtlich der Überschreitung der Luftkam-
merhöhe, drei auf Grund des Nachweises von
Salmonellen und 11 auf Grund von Mängeln
in der Kennzeichnung beanstandet.
Fisch und Fischerzeugnisse
Gegenwärtig werden in Deutschland pro
Kopf etwa 14,8 kg Fisch verzehrt. Damit liegt
Deutschland über dem mittleren Pro-Kopf-
Verbrauch in der Welt (12,1 kg), bleibt je-
doch hinter den klassischen Fischereiländern
zurück. Generell liegt Fisch beim deutschen
Verbraucher mehr und mehr im Trend. Fisch
und Fischwaren zählen zu den Gewinnern
in der Lebensmittelbranche. Hauptanteil am
Pro-Kopf-Verbrauch haben in Deutschland
die Seefi sche. Aber auch Süßwasserfi sche ge-
winnen in Deutschland eine immer größere
Marktbedeutung. Allerdings ist der Verbrauch
im Vergleich zu Seefi sch immer noch schwin-
dend gering. So wurden bundesweit lediglich
0,6 kg Forellen und 0,2 kg Karpfen verzehrt.
In Sachsen mit den traditionellen Erzeugerge-
bieten und den daraus entstandenen Verbrau-
chergewohnheiten liegt der Karpfenverbrauch
mit etwa 0,43 kg deutlich über dem Bun-
desdurchschnitt (Quelle:
http://www.land-
wirtschaft.sachsen.de).
Von 242 Proben Seefi sch (tief gefroren oder
frisch) wurden 10 als verdorben beurteilt
(erheblichen sensorische Abweichungen, ver-
bunden mit hohen Keimgehalten).
Von den 163 Proben Süßwasserfi sch war le-
diglich eine Probe Karpfen zu beanstanden.
Die Einsendungen umfassten im Einzelnen
90 Proben Forelle (frisch oder tief gefroren,
tafelfertig zubereitet), 48 Proben Karpfen,
10 Proben Schleie, 7 Proben Zander, 6 Pro-
ben Wels sowie 2 Proben Hecht. Aber auch
7 Proben Viktoriabarschfi let und 57 Proben
Pangasiusfi let entsprachen der sensorischen
und mikrobiologischen Norm.
Fischerzeugnisse können mit
Listeria mono-
cytogenes
kontaminiert sein, besonders sind
den letzten Jahren immer wieder Räucher-
fi scherzeugnisse in die Kritik geraten. Erfreu-
licherweise konnten bei 363 Erzeugnissen
(u. a. geräucherter Bückling, Sprotte oder Ma-

24 │
krele sowie Räucherlachs) nur in 24 Proben
Listeria monocytogenes
nachgewiesen wer-
den, der Keimgehalt lag bei diesen Produkten
unter 100 KbE/g Material (s. Homepage LUA,
Tab. 2.32: Nachweise von
Listeria monocyto-
genes
in Lebensmitteln).
Krusten-, Schalen- und Weichtiere gelangen
in der Regel tiefgefroren und zubereitet in
den Handel. Von ausgewählten 121 Proben
wurden 10 hinsichtlich ihrer Kennzeichnung
(fehlerhaftes Zutatenverzeichnis, Lesbarkeit)
beanstandet. Bei einer Probe Meeresfrüchte-
mischung verlief der Bestrahlungsnachweis
positiv.
Wildfl eisch
Wildfl eisch ist als Nahrungsmittel sehr be-
liebt, weil es extensiv erzeugt und häufi g über
kurze Wege frisch auf den Tisch gelangt. Es ist
ein wohlschmeckendes und ernährungsphy-
siologisch wertvolles Erzeugnis. Rohes Wild-
fl eisch kann sehr leicht verderben. Wichtig ist
daher, eine Lagerung bei Kühltemperaturen
unter 7 °C, (empfohlen 2-4 °C) einzuhalten.
Dann können sich Bakterien, die sich auf
der Fleischoberfl äche befi nden, nicht oder
nur langsam vermehren. Das gilt auch nach
dem Auftauen tief gefrorener Produkte. Ein
wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Qua-
lität des Wildbrets und seiner Eignung zum
Verzehr stellt die sensorische Untersuchung
dar. Damit lassen sich Aussagen in Hinblick
auf eine sogenannte Stickigkeit des Fleisches,
auf Fäulnis, auf das Beschlagen von Fleisch,
auf Geruchsabweichungen, mangelhafte
Ausblutung, Wässrigkeit, Farbabweichungen,
Verunreinigungen und Fettverderb treffen.
Verdorbenes Fleisch ist daran zu erkennen,
dass es sein Aussehen, seine Konsistenz, sei-
nen Geruch und seinen Geschmack verändert.
Neben der Entwicklung einer Verderbnis-
fl ora kann es auch zur Kontamination mit
krankmachenden Bakterien kommen, was in
der Regel ohne sensorischen Abweichungen
bleibt. Sie verursachen bei küchentechni-
schen Fehlern klassische Symptome der Le-
bensmittelvergiftung, wie Übelkeit, Durchfall
und Erbrechen.
Im Untersuchungszeitraum 2010 wurden 55
Proben Wildfl eisch untersucht. Dabei han-
delte es sich vornehmlich um Schwarzwild,
Rehwild und Hirsch (Rotwild, Damwild), aber
auch Hasen-, Fasan- oder Straußenfl eisch
wurde eingesandt. Sensorische Abweichun-
gen waren lediglich in 2 Fällen (Wildschwein)
feststellbar. Bei einer Probe Rehblatt wurde
die Kennzeichnung beanstandet. Pathogene
Mikroorganismen wurden in keiner Probe
nachgewiesen. Insgesamt sprechen die Er-
gebnisse für eine gute hygienische Qualität
des Wildbrets.
Wurstwaren
Diese Rubrik ist sehr vielfältig und umfasst
Roh-, Brüh- und Kochwürste. Das Angebot
reicht von loser Ware über Wurstaufschnitt
in Fertigpackungen bis hin zu hochwertigen
Wurstkonserven. Als gesundheitsschädlich
und zum Verzehr nicht geeignet wurden acht
Rohwürste (Zwiebelmettwurst, Rohe Polni-
sche, Teewurst, geräucherte Knacker) beur-
teilt (s. Homepage LUA, Tab. 2.31: Salmonel-
lenfunde und nachgewiesene Serovare in Le-
bensmitteln).
Wie auch in den Vorjahren waren Kenn-
zeichnungsmängel einer der Beanstandungs-
schwerpunkte. Dies betraf sowohl fehlende
Kennzeichnungselemente als auch fehler-
hafte Angaben. Oft wurden dabei falsche
Mengenangaben zu Zutaten (Quid) oder Ab-
weichungen in der Nährwertkennzeichnung
festgestellt.
Lebensmittelhistologie
Histologisch wurden im Jahr 2010 insge-
samt 122 Lebensmittelproben untersucht.
Diese setzten sich aus 41 Proben Brühwurst,
34 Proben Kochwurst, 17 Proben Schinken,
10 Proben Hackfl eisch, 6 Proben Bouletten
und 14 sonstigen Proben (Fischerzeugnisse,
Fleischsalat, Bratenfl eisch) zusammen.
Beanstandet wurden 14 Proben (11,4 %).
Bei 6 Proben Schinken sowie bei jeweils einer
Probe Putenfi letbraten- und Hähnchenfi let-
bratenstreifen entsprach der histologische
Befund nicht dem Befund eines Erzeugnisses
aus gewachsenen Muskelstücken, sondern
viel mehr dem Bild eines aus kleineren Mus-
kelstücken mit brätartigen Anteilen zusam-
mengesetzten Erzeugnisses. Bei 2 Schinken
wurden histologisch lose Strukturen mit
Vakuolen und kohlenhydrathaltigen Binde-
mitteln ermittelt. Es handelte sich hierbei um
Aliuds, d. h., um Erzeugnisse eigener Art. Die
Verkehrbezeichnung dieser Proben ist unzu-
treffend und als irreführend im Sinne von
§ 11 Abs. 1 Nr. 1 LFGB zu beurteilen. Darüber
hinaus wurden nach § 11 Abs. 2 Nr. 2 b LFGB
eine Leberwurstkonserve mit Wiederverwen-
dung von Wurstbrät mit anhaftender Hülle,
eine Hausmacher Leberwurst mit einer Ver-
arbeitung von Nieren und Lungen ohne ent-
sprechende Angaben im Zutatenverzeichnis
sowie eine Jagdwurst mit einer Verwendung
von Separatorenfl eisch ohne Kenntlichma-
chung als wertgemindert beurteilt.
Spezielle Mikrobiologie
]
Salmonellen
Die Bakterien der Gattung Salmonella sind
in der Natur weit verbreitet. Sie sind heute
in vielen Ländern der Welt die wichtigsten
bakteriellen Durchfallerreger bei Menschen.
Da sie meist von Tieren, besonders durch das
Essen tierischer Lebensmittel, auf Menschen
übertragen werden, zählen Salmonellen zu
den Zoonosen. In Deutschland tritt die Sal-
monellose endemisch auf und gehört neben
den akuten Atemwegserkrankungen zu den
häufi gsten Infektionskrankheiten überhaupt.
Besonders begünstigt wird die Verbreitung
der Salmonellen durch eine mangelhafte
Kühlung von Lebensmitteln. Dadurch kann
speziell im Sommer durch rapide Vermehrung
der Bakterien rasch eine kritische Infektions-
dosis erreicht werden.
Nachgewiesen wurden Salmonellen über-
wiegend bei Fleisch und Fleischerzeugnissen
sowie Wurstwaren (s. Homepage LUA, Tab.
2.31: Salmonellenfunde und nachgewiesene
Serovare in Lebensmitteln).
Der Nachweis von Salmonellen in Lebensmit-
teln führt nicht automatisch zu einer Bean-
standung. Bezüglich der Beurteilung sind der
bestimmungsgemäße Verzehr und bei Fertig-
packungen die entsprechenden Verbraucher-
hinweise zu beachten.
]
EHEC
Über Erkrankungen durch
Enterohämorrhagi-
sche Escherichia Coli (EHEC)
beim Menschen
wurde erstmals Anfang der achtziger Jahre
berichtet, die Tendenz ist seither steigend.
EHEC-Bakterien können beim Menschen
Krankheiten hervorrufen, die von leichtem
Durchfall bis hin zur hämorrhagischen Coli-
tis (HC) mit schweren blutigen Durchfällen,
oft verbunden mit Bauchkrämpfen, Übelkeit,
Erbrechen und Fieber, reichen. EHEC-Infekti-
onen können durch Lebensmittel tierischen
Ursprungs ausgelöst werden. Vor allem rohe
bzw. nicht durchgegarte Rindfl eischprodukte
und Rohmilch sowie daraus hergestellte Pro-
dukte (Rohmilchkäse) können mit EHEC kon-
taminiert sein. Durch Schmierinfektion kann
der Keim auf andere Lebensmittel übertragen
werden.
Bei allen untersuchten Proben verlief der
Nachweis auf EHEC negativ.
Erzeugnis
Anzahl
Ergebnis
Rohmilch
36
negativ
Käse
49
negativ
Schabefl eisch
44
negativ
Wildfl eisch
4
negativ
]
Campylobacter
Die Campylobacteriose ist eine bakterielle In-
fektionskrankheit, die vom Tier auf den Men-
schen übertragen werden kann und damit zur
Krankheitsgruppe der „Zoonosen” gehört. Die
Übertragung auf den Menschen erfolgt vor
allem über kontaminierte Lebensmittel, wobei
schon sehr geringe Keimmengen eine Infek-

│25
tion auslösen können. Da Campylobacter
nicht zum Verderb der Lebensmittel führen,
kann man ihr Vorkommen weder am Aus-
sehen noch am Geruch der Waren erkennen.
Campylobacter-Erreger werden daher vor
allem in rohen bzw. unzureichend erhitzten,
vom Tier stammenden Lebensmitteln nach-
gewiesen (insbesondere Gefl ügelfl eisch), in
Rohmilch und in geringerem Maße in Roh-
fl eischerzeugnissen (z. B. Hackepeter).
In den vorliegenden Untersuchungen wur-
de Campylobacter ausschließlich bei rohem
Gefl ügel und Gefl ügelfl eischerzeugnissen
wie Hähnchenbrustfi let, Putenschnitzel oder
Hähnchenleber isoliert (s. Homepage LUA,
Tab. 2.33: Nachweise von Campylobacter in
Lebensmitteln).
]
Listeri
a
monocytogenes
Um eine gesundheitliche Gefährdung der Ver-
braucher auszuschließen, dürfen in Verkehr
gebrachte verzehrfertige Lebensmittel wäh-
rend der gesamten Haltbarkeitsdauer nicht
mehr als 100 KbE/g
Listeria monocytogenes
enthalten. Die Lebensmittelunternehmer in
Deutschland und in anderen EU-Staaten sind
verpfl ichtet, ihre Produkte regelmäßig nach
einem Stichprobenplan auf das Vorkommen
von
Listeria monocytogenes
zu untersuchen
und den Grenzwert einzuhalten. Im Rahmen
von amtlichen Kontrollen und Lebensmittel-
untersuchungen wird die Einhaltung dieser
Anforderungen regelmäßig überprüft.
Im Jahr 2010 wurde
Listeria monocytogenes
hauptsächlich in Fleisch, Fleischerzeugnissen
und Wurstwaren isoliert, hier lag bei 25 Pro-
ben der Keimgehalt über 100 KbE/g Material
(s. Homepage LUA, Tab. 2.32: Nachweise von
Listeria monocytogenes
in Lebensmitteln).
In Fischerzeugnissen (auch Räucherlachs)
verlief der Nachweis auf
Listeria monocyto-
genes
bei 24 Proben positiv, der Grenzwert
von 100 KbE/g wurde jedoch bei keiner Probe
überschritten.
]
Erkrankungen nach Verzehr von
Lebensmitteln
Lebensmittelbedingte Infektionen und Ver-
giftungen (Intoxikationen) des Menschen
können von einer Vielzahl bakterieller, viraler
und parasitärer Erreger bzw. durch sie gebil-
dete Gifte verursacht werden. Solche Erreger
können sowohl in pfl anzlichen Lebensmit-
teln, als auch in Lebensmitteln, die vom Tier
stammen vorkommen. Meistens verursachen
sie Magen-Darm-Beschwerden, die oft einen
milden, selbstlimitierenden Verlauf nehmen;
sie können aber auch schwere, mitunter le-
bensbedrohliche Syndrome verursachen.
Im Jahr 2010 wurden insgesamt 155 Proben
mit dem Hintergrund einer Lebensmittelver-
giftung eingeschickt (41 x fertig zubereitete
Speisen, 13 x Speiseeis, 18 x unterschiedliche
Salate, 14 x Fischerzeugnisse, 15 x Wurstwa-
ren, 26 x Fleisch und Fleischerzeugnisse, 7 x
Eier, 11 x verschiedener Käse sowie 10 x sons-
tige Lebensmittel).
Als zum Verzehr nicht geeignet wurden acht
Proben beurteilt. Hierbei handelte es sich ein-
mal um Butterfi sch mit einem Histamingehalt
von 5.239 mg/kg, eine Probe Thunfi sch in Öl
mit einem Histamingehalt von 3.384 mg/kg,
verbunden mit sensorischen und mikrobio-
logischen Abweichungen. Beide Proben er-
füllten nicht die Kriterien gemäß Anhang I
in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1b) der VO
2073/2005 bezüglich des Histamingrenz-
wertes für Fischereierzeugnisse von Fischar-
ten, bei denen ein hoher Gehalt an Histidin
auftritt. Der unter Punkt 1.26 aufgeführte
Grenzwert M von 200 mg/kg wurde um ein
Vielfaches überschritten.
Bei einer Probe Austern wurden Vibrionen, bei
einer Probe Eier
Salm. enteritidis
und bei einer
Probe Ente, gegart,
Listeria monocytogenes
in
einer Höhe von 36.000 KbE/g bestimmt. Die
restlichen Proben wurden hinsichtlich ihrer
Sensorik, verbunden mit erhöhtem Keimge-
halten beanstandet.
Chemie tierischer Lebensmittel
Bei der chemischen Untersuchung tierischer
Lebensmittel wurden die meisten Beanstan-
dungen wegen nicht korrekter Kennzeich-
nung oder fehlender Kenntlichmachung, z. B.
von Zusatzstoffen ausgesprochen. Wie in den
Vorjahren erfolgten die meisten Beanstan-
dungen bei Fleisch- und Wursterzeugnissen.
Häufi g stimmten hier Angaben aus dem Zuta-
tenverzeichnis oder die mengenmäßigen An-
gaben von Zutaten nicht mit den Analysener-
gebnissen überein. Auffällig war auch im Jahr
2010 die oft fehlende Aufführung von ver-
arbeitetem Bindegewebe bzw. Gefl ügelhaut
im Zutatenverzeichnis von Gefl ügelwürsten.
Ein weiterer Beanstandungsschwerpunkt lag
in nicht deklarierten Wasserzusätzen ggf. in
Verbindung mit fehlender Fleischmengenan-
gabe bei Kochschinken und anderen Koch-
pökelwaren. Drei als gekochte „Schinken“ im
Verkehr befi ndliche Proben wurden als irre-
führend bzw. Aliud beanstandet, weil neben
hohen Wasserzusätzen der Fleischeiweißge-
halt im fettfreien Anteil unter 16 % analysiert
wurde.
Beanstandungen im Zusammenhang mit er-
höhten Fettgehalten bzw. zu niedrigen Gehal-
ten an BEFFE oder BEFFEF erfolgten vorrangig
bei Schabefl eisch, streichfähigen Rohwürsten
und Leberwürsten. Erhöhte Wasser zu Eiweiß-
Verhältnisse wurden in Leberwürsten ermit-
telt. Ein Fleischerzeugnis enthielt einen unzu-
lässigen Zusatz von dem Süßstoff Cyclamat.
Auffällig bei Fischerzeugnissen waren nicht
korrekte bzw. nicht eindeutige Nährwert-
angaben bei Fischerzeugnissen in Öl. Eine
Höchstwertüberschreitung an Süßstoff Sac-
charin wurde bei einer Probe Rollmops bean-
standet.
Bei Milch, Milcherzeugnissen und Käse lag
der Beanstandungsschwerpunkt bei Käse. Bei
einem Milcherzeugnis fehlte die Kenntlich-
machung von Süßungsmitteln, einmal wurde
die Abbildung von Früchten beanstandet, weil
nur Saft zugesetzt war. Drei als „Käse“ im Ver-
kehr befi ndliche Erzeugnissen wurden wegen
Pfl anzenfettanteilen bzw. eines zu geringen
Milchfettanteils als Imitate beanstandet. Ein
geriebener Käse enthielt mehr Stärke als zu-
lässig. Weitere Beanstandungen erfolgten im
Zusammenhang mit Fettgehaltsbestimmun-
gen in der Trockenmasse, der wasserfreien
Käsemasse und mit der Einhaltung von Min-
destgehalten bei Standarderzeugnissen.
In drei Feinkostsalaten wurden unzulässige
Zusätze des Süßstoffes Cyclamat beanstan-
det.
Chemische Untersuchungen von Eiprodukten
erbrachte keine Beanstandung.
Dioxin
Im Jahr 2010 wurden 160 Proben tierischer
Herkunft (sowie 7 Proben nichttierischer
Herkunft) auf Dioxine und dioxinähnliche
polychlorierte Biphenyle (PCB) untersucht.
Bei den in Tabelle 2.16 (s. Homepage LUA)
dargestellten Untersuchungsergebnissen sind
besonders die hohen Dioxin- und dioxinähn-
lichen PCB-Konzentrationen in Schaf- und
Dorschleber hervorzuheben. Es musste wie
bereits im letzten Jahr festgestellt werden,
dass die Schaf- und Dorschlebern sehr stark
belastet waren. Die Schafl ebern wurden über-
wiegend als nicht verkehrsfähig beurteilt.
Die Überschreitungen der Höchstgehalte und
Auslösewerte für Dioxine in Gefl ügel sind
neben der erhöhten Belastung von zwei En-
tenfl eischproben, vornehmlich in Zusammen-
hang mit einer Futtermittelkontamination zu
sehen. Über das Europäische Schnellwarnsys-
tem wurde Ende April/Anfang Mai bekannt,
dass Bio-Mais aus der Ukraine, welcher zur
Herstellung von Futtermitteln eingesetzt
wurde, erhöhte Dioxinwerte aufwies. Der
Mais wurde sowohl für Futtermittel für Le-
gehennen als auch für Mastgefl ügelbetriebe
und Schweinemastbetriebe verwendet. Nach
Identifi zierung der Warenströme wurde fest-
gestellt, dass kontaminiertes Mischfuttermit-
tel über einen Betrieb in Sachsen-Anhalt auch
nach Sachsen gelangt und an einen Mast-

image
image
image
26 │
gefl ügelbetrieb geliefert worden war. Die Tier-
bestände dieses Betriebes wurden gesperrt
und eine Beprobung durchgeführt. Auf Grund
der örtlichen Gegebenheiten wurden die Tie-
re (Bestand: ca. 43.000 Tiere) in drei Partien
(je ein Stall) aufgeteilt. Die Untersuchungen
an der LUA waren durch eine sehr enge Zeit-
vorgabe geprägt, denn die betroffenen Mast-
partien standen kurz vor der Ausstallung. Die
Untersuchungen der drei Partien ergaben,
dass zwei Partien Dioxingehalte oberhalb
bzw. im Bereich des Höchstgehaltes und eine
Partie Dioxingehalte im Bereich des Auslöse-
wertes aufwiesen. Auf Grund der vorliegen-
den Ergebnisse wurde auch bei der nächsten
Mastcharge eine Probenahme veranlasst, da
auch dort nicht vollständig ausgeschlossen
werden konnte, dass diesen Tieren als Küken
kontaminiertes Starterfutter verabreicht wur-
de. Die Untersuchungsergebnisse dieser Tiere
waren unauffällig.
Getreide/ Getreideerzeugnisse/ Süßwaren/ Tee/
Kaffee/ Kakao/ Fette/ Öle/ Feinkosterzeugnisse/
Speiseeis
Vornweg kann gestellt werden, dass bei allen
Produktgruppen stets die mangelhafte oder
fehlende Kennzeichnung bzw. Kenntlichma-
chung obligatorischer Elemente die Haupt-
beanstandungsursache bilden (s. Homepage
LUA, Tab. 2.2). Die größten Schwierigkeiten
zeigen sich hier im handwerklichen bzw. Im-
kerei-Bereich. Demgegenüber stehen irrefüh-
rende Auslobungen und Werbeversprechen,
welche weder belegt, noch eingehalten oder
gar erlaubt sind. Daher werden diese Über-
prüfungen in allen Warengruppen stets in-
tensiv durchgeführt.
Im Untersuchungsbereich
Getreide, Getrei-
deerzeugnisse und Teigwaren
bewegen sich
die Beanstandungsquoten stets im unteren
Viertel. Das Hauptaugenmerk liegt bei den
Untersuchungen in der Regel bei den Über-
prüfungen auf Kontaminanten, Rückstände
und gentechnisch veränderte Organismen.
Dabei wurden jedoch nur jeweils eine Bean-
standung aufgrund einer Pfl anzenschutz-
mittelhöchstgehaltsüberschreitung bei Wei-
zenkörnern und einer Überschreitung des
Ochratoxin A-Höchstgehaltes bei Roggenkör-
nern ausgesprochen (s. Homepage LUA, Tab.
2.17 bzw. 2.21). Eine Probe Bio-Weizenkörner
war aufgrund eines Schädlingsbefalls als
nicht zum Verzehr geeignet zu beurteilen.
Bei
Getreideerzeugnissen
wurden gehäuft
angegebene Mehltypen als irreführend be-
wertet (s. Abb. 1).
Drei Proben fi elen im Bereich der
Teigwaren
aufgrund nicht zugelassener Zusatzstoffe,
wie Farbstoffe bzw. Bindemittel auf. Auch die
Öko-Kennzeichnung wies bei Erzeugnissen
auf Getreidebasis gehäuft Mängel auf.
Milchbackwaren gaben neben allgemeinen
Kennzeichnungsmängeln bei
Brot/Kleinge-
bäck
am häufi gsten Grund zur Beanstandung,
da sie nach allgemeiner Verkehrsauffassung
zu niedrige Milchgehalte aufwiesen. Zudem
wurde Laugengebäck auf seinen Alumini-
umgehalt hin untersucht. Diese Problematik
ist bereits seit langem bekannt, da die Lau-
ge aluminiumhaltige Backgutträger angreift
und damit Aluminium ins Backgut übergehen
kann. Dies wird auch weiterhin gezielt unter-
sucht werden.
Mit kenntlichmachungspfl ichtigen Zusatz-
stoffen (Farbstoffe, Konservierungsstoffe)
wird oft bei
Feinen Backwaren
gearbeitet,
deren Verwendung den Kunden allerdings so
nicht immer deutlich mitgeteilt wird. Seit Juli
2010 müssen sechs weit verbreitete Azofarb-
stoffe zusätzlich mit einem Hinweis kenntlich
gemacht werden, was auch bei loser Ware
verpfl ichtend ist. Dies ist noch nicht bei allen
Herstellern angekommen. Bei Backwaren mit
relativ niedrigem Feuchtigkeitsgehalt gibt es
eine Reihe von Produkten, welche dazu nei-
gen, erhöhte Acrylamidgehalte aufzuweisen.
Vor allem in der Weihnachtsbäckerei sind
Spekulatius und Lebkuchen interessant. Hier
zeigte sich jedoch ein erfreulicher Trend nach
unten. Die Acrylamidgehalte konnten mit
Hilfe des Minimierungskonzeptes über die
Jahre deutlich abgesenkt werden (s. Abb. 2).
Mikrobiologisch sind lediglich offensichtlich
verschimmelte Backwaren in Einzelfällen auf-
gefallen. Prekärer waren Proben, welche nach
einer Verwechslung von Puderzucker mit
Geschirrspülermittel dekoriert wurden oder
Kuchen, bei welchem Rollsplitt und Streusalz
(s. Abb. 3) in den Vertiefungen gefunden wur-
den und dadurch zu gesundheitlichen Beein-
trächtigungen bei Verbrauchern führten.
Abb. 3: Rollsplitt und Streusalz im Kuchen gefunden
Bei
Speiseeis
liegt des Weiteren das Haupt-
augenmerk vordergründig auf nicht der all-
gemeinen Verkehrsauffassung genügenden
Milchfettanteilen und der fehlenden Kennt-
lichmachung von Farbstoffen und Fettgla-
suren. Auffällig erwiesen sich zudem Einzel-
hersteller, welche mit Rohstoffen hantieren,
deren Mindesthaltbarkeitsdaten bereits seit
mehreren Jahren überschritten waren. Der-
artige Mängel gehen in der Regel auch mit
weiteren Hygienemängeln einher. Aus mikro-
biologischer Sicht gab es keinerlei konkrete
Abb. 1: Mehltypenangaben häufi g als irreführend zu
beanstanden
Abb. 2: Acrylamisgehalte in Lebkuchen deutlich
zurück gegangen

image
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│27
beschwerden aufgrund abweichender Sen-
sorik oder Fremdkörper sind in dieser Gruppe
nicht selten.
Diskutiert werden häufi g Candy-Sprays (Flüs-
sige Süßwaren zum Sprühen) (s. Abb. 7) be-
züglich einer möglichen Gesundheitsgefähr-
dung durch Sprühen in die Augen (s. Abb. 8).
Eine derartige Gesundheitsgefährdung wurde
von unserer Seite nicht gesehen.
Abb. 7/8: Candy-Sprays werden kontrovers diskutiert
Bei der Beurteilung von schwarzem und
grünem
Tee
spielt regelmäßig die Analyse
von Pfl anzenschutzmittelrückständen eine
entscheidende Rolle (s. Homepage LUA, Tab.
2.20). Allerdings wurden im Berichtszeitraum
nur drei Proben diesbezüglich beanstandet.
Ebenso viele Proben teeähnliche Erzeugnisse
wurden als nicht zugelassene Arzneimittel
beurteilt. Auch aufgrund nicht zugelassener
neuartiger Lebensmittel – meist
Stevia re-
baudiana
– mussten Beanstandungen aus-
gesprochen werden. Schwierig ist oftmals die
Abgrenzung zu nicht zugelassenen Zusatz-
stoffen, wohingegen diese Beurteilung durch
allgemeine Rechtsprechung mehr und mehr
zurückgedrängt wird.
Bei den Untersuchungen von
Fetten, Ölen,
pfl anzlicher Feinkost und Zusatzstoffen
(s.
Abb. 10) musste etwa bei 15 % aller Proben
eine Beanstandung ausgesprochen werden.
Damit ist die Beanstandungsquote gegenüber
dem Vorjahr leicht rückläufi g (s. Abb. 9).
Abb. 9: Beanstandungsquoten
Beanstandungen. Auch bei Puddingen und
süßen Desserts waren lediglich allgemeine
Kennzeichnungselemente zu bemängeln.
Irreführende Auslobungen wie „Guter
Honig
wird mit der Zeit fest“ (s. Abb. 4) bzw. „ohne
Wärmeschädigung“ sind vor allem bei Honi-
gen regionaler Imker weit verbreitet.
Abb. 4: irreführende Auslobung von Honig
Den Verbrauchern werden dadurch Selbst-
verständlichkeiten oder auch Halbwahrheiten
vorgegaukelt, die manche Produkte besser
dastehen lassen sollen als andere (s. Abb. 5).
Abb. 5:
Werbung mit Selbstverständlichkeit
Auffällig wurde ein Imker, welcher seine Bie-
nenvölker mit Sulfonamiden behandelte. Die-
se konnten in signifi kanten Mengen (die maxi-
mal nachgewiesene Menge betrug 2.953 μ/kg)
im Honig wiedergefunden werden. Daher ist
die Prüfung auf pharmakologisch wirksame
Stoffe ein Schwerpunkt der Analytik (s. Home-
page LUA, Tab. 2.25). Bei Honig, honigähnli-
chen bzw. Honig enthaltenden Aufstrichen
werden auch gerne gesundheits- bzw. auch
krankheitsbezogene Auslobungen getroffen,
welche weder erlaubt noch belegt sind.
Im
Schokoladen- und Süßwaren
bereich
sind es meist überzogene Auslobungen und
nicht rechtskonforme Kenntlichmachungen
von Zusatzstoffen, welche eine stetige Über-
wachung erforderlich machen. Vor allem mit
Vitaminen angereicherte Lebensmittel wer-
den hier gern an die Zielgruppe „Kinder“ ver-
trieben. Dabei bleiben oftmals auch die damit
verbundenen zusätzlichen Kennzeichnungs-
elemente auf der Strecke. Produkte aus Bil-
ligmarktketten fallen durch nicht zugelassene
(s. Abb. 6)
oder Höchstmengen überschreiten-
de Zusatzstoffe
ins Auge. Auch Verbraucher-
Abb. 6: unzulässige Zusatzstoffe in Flüssigsüßwaren
Abb. 10: Erzeugnisse im Fachbereich Fette, Öle, Fein
kost, Zusatzstoffe
Fette und Öle
Zu dieser Erzeugnisgruppe gehören vor allem
reine Fette bzw. Öle sowie Streichfette wie
Butter und Margarine. Dominant waren – wie
auch in den Vorjahren – Abweichungen von
geltenden Kennzeichnungsvorschriften. Dies
betrifft vor allem horizontale Regelungen
wie LMKV, ZZulV und NKV aber auch spezielle
Anforderungen bei der Kennzeichnung von
Streichfetten.
Im Rahmen des BÜP wurden 2010 pfl anzliche
Öle verstärkt auf ihre Belastung mit polyaro-
matischen Kohlenwasserstoffen (PAK) unter-
sucht. Erfreulicher Weise konnten in keiner
Probe relevante Gehalte festgestellt werden.
Gleiches gilt für die gezielt untersuchte Kon-
tamination mit Dioxinen in nativen Speise-
ölen aus sächsischen Ölmühlen und Butter
von kleinen, regionalen Herstellern. Bei letz-
teren gibt es, verglichen mit Butter aus indus-
trieller Produktion, eine erhöhte Anzahl von
sensorischen und mikrobiologischen Abwei-
chungen. Nicht eingehaltene EG-Grenzwerte
für Fett, Wasser und fettfreie Trockenmasse
sind jedoch bei Butter von kleinen und gro-
ßen Herstellern nach wie vor zu verzeichnen.
Auffällig war 2010 eine Häufung von Distel-
ölen mit abweichender Fettsäurezusammen-
setzung.
Feinkost
Bei der Untersuchung von Feinkosterzeug-
nissen waren 2010 Mayonnaisen eines säch-
sischen Herstellers wegen ihres zu geringen
Eigehaltes auffällig. Auch werden Salate aus
handwerklicher Produktion (lose Ware) noch
immer ohne ausreichende Kenntlichmachung
der verwendeten Zusatzstoffe in Verkehr ge-
bracht. Auf den Etiketten pfl anzlicher Fein-
kostsalate (Fertigpackungen) wird häufi g eine
Nährwertkennzeichnung angegeben. Hier fal-
len regelmäßig Abweichungen bei den ausge-
wiesenen Fettgehalten auf.
Zusatzstoffe
Dank neuer Regelungen auf europäischer
Ebene (VO 1333/2008) hat die Anzahl von un-
zureichend deklarierten „reinen“ Zusatzstoff-
proben merklich abgenommen. 2008 betrug
die Beanstandungsquote noch beachtliche
0,0%
2,0%
4,0%
6,0%
8,0%
10,0%
12,0%
14,0%
16,0%
18,0%
20,0%
2007
2008
2009
2010
Beanstandungen

image
image
28 │
Obst/ Obsterzeugnisse/ Gemüse/ Gemüseerzeug-
nisse/ Gewürze/ Fertiggerichte
Im Jahr 2010 wurden im Fachgebiet 3.860 Pro-
ben aus den Produktgruppen Suppen, Soßen
Hülsenfrüchte, Schalenobst, Ölsamen, Kartof-
feln und Kartoffelerzeugnisse, Frischgemüse,
Gemüseerzeugnisse, Pilze, Pilzerzeugnisse,
Frischobst, Obsterzeugnisse, Konfi türen, Mar-
meladen und Gelees sowie Fertiggerichte und
zubereitete Speisen untersucht. 437 Proben
(11,3 %) entsprachen nicht den gesetzlichen
Vorgaben und mussten beanstandet werden.
Der häufi gste Beanstandungsgrund war der
Verstoß gegen Kennzeichnungsvorschriften
(265 Proben = 6,9 %). Die detaillierten Anga-
ben zu den Beanstandungen in den einzelnen
Erzeugnisgruppen können der Tabelle 2.2 ent-
nommen werden (s. Homepage LUA).
Auf Grund der großen Produktpalette wur-
den verschiedene Servicebereiche (Pestizide,
Mykotoxine, Metallanalytik, Lebensmittelmi-
krobiologie) mit der ergänzenden Probenun-
tersuchung beauftragt.
Hülsenfrüchte, Schalenobst, Ölsamen
Schalenobst wurde schwerpunktmäßig auf
Mykotoxine untersucht. Es wurden keine
Auffälligkeiten festgestellt. Die für eine Be-
lastung mit Afl atoxinen als typische Vertreter
angesehenen Pistazien zeigten sogar keine
nachweisbaren Gehalte der Mykotoxine. Un-
gefähr die Hälfte der untersuchten Proben
zerkleinerter Haselnüsse enthielten dagegen
Spuren an Afl atoxin B
1
.
Die weiteren Abweichungen betrafen über-
wiegend Kennzeichnungsprobleme.
Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse
Kartoffel und Kartoffelerzeugnisse wurden
schwerpunktmäßig auf Schwefeldioxid (SO
2
)
geprüft, da Schwefeldioxid und Sulfi te häu-
fi g zur Verhinderung von unerwünschten
Braunfärbungen eingesetzt werden. In zwei
Proben geschälte Speisekartoffeln überschritt
der festgestellte SO
2
-Gehalt die zulässige
Höchstmenge und führte zur Beanstandung
der Proben. Weitere 5 Proben Kartoffeler-
zeugnisse wurden aufgrund fehlender Kennt-
lichmachung von Schwefeldioxid bzw. Sulfi t-
en beanstandet.
Insgesamt wurden 29 Kartoffelproben – 20
Proben von sächsischen Erzeugern – auf
Rückstände aus Pfl anzenschutzmitteln un-
tersucht. Davon waren 16 (55,2 %) Proben
rückstandsfrei, 2 (6,9 %) Proben enthielten
Rückstände von zwei Wirkstoffen. Insgesamt
wurden lediglich zwei Wirkstoffe identifi ziert:
Chlorpropham (hemmt die Keimbildung) und
Propamocarb (bekämpft die Kraut- und Knol-
lenfäule).
Der Gesetzgeber schreibt u. a. vor, dass die
Behandlung von Kartoffeln nach der Ernte
zum Zwecke der Haltbarmachung bei Abgabe
an den Verbraucher durch die Angabe „nach
der Ernte behandelt“ kenntlich gemacht
werden muss. Das Fehlen der geforderten
Kenntlichmachung bei einer Kartoffelprobe
eines sächsischen Erzeugers, in der ein Chlor-
propham-Gehalt von 0,053 mg/kg bestimmt
wurde, führte zur Beanstandung.
Frischgemüse
Bei Frischgemüse ergaben sich im Jahr 2010
folgende drei Beanstandungsschwerpunkte:
]
Häufi ges Fehlen der Angabe des Ur-
sprungslandes, einer Loskennzeichnung
oder auch der Adresse des Herstellers/
Inverkehrbringers bei Gemüse, das in Fer-
tigpackungen in den Verkehr gebracht
wurde.
]
Unzureichende/fehlende Kennzeichnung
von küchenfertig zerkleinerten Mischsa-
laten und Gemüsevormischungen für Sa-
lat, die in Fertigpackungen im Handel/in
Selbstbedienung angeboten wurden.
]
Deutliche sensorische Abweichungen, wie
z. B. faulig, Krankheitsbefall, Verfärbun-
gen, Welke, Schimmel, artfremder Geruch
und Geschmack.
Eine Probe Kopfsalat aus Holland wurde
aufgrund der Überschreitung des zulässigen
Höchstgehaltes an Nitrat beanstandet.
Abb. 1: Rettichschwärze
56 %! Nach 39 % im Vorjahr ist nunmehr
mit 18 % eine wesentliche Besserung zu
beobachten, wenngleich bei den meisten Le-
bensmittelgruppen die Zahlen noch deutlich
niedriger sind.
Im Fachbereich erfolgt nicht nur die Unter-
suchung der Zusatzstoffe der Warencodes
56/57 (Zusatzstoffe als solche oder in Mi-
schungen), sondern ist auch die Bestimmung
ausgewählter Zusatzstoffgruppen (Konser-
vierungs-, Süß-, und Farbstoffe) als Zutaten
in Lebensmitteln konzentriert (s. Abb. 11).
Alle Untersuchungsergebnisse werden mit
den Anforderungen der Zusatzstoff-Zu-
lassungsverordnung verglichen. Es wurden
3.151 Proben analysiert. Dabei wurden in 25
Fällen Höchstmengenüberschreitungen bzw.
die Verwendung nicht zugelassener Zusatz-
stoffe und bei 172 Lebensmitteln Mängel bei
der Kenntlichmachung festgestellt. Eine aus-
führlichere Aufstellung der wichtigsten Zu-
satzstoffuntersuchungen an der LUA insge-
samt befi ndet sich im tabellarischen Anhang
auf der Homepage LUA, Tab. 2.9.
Darüber hinaus werden im Fachgebiet für alle
Standorte die Fettsäureanalytik und die Be-
stimmung von Cholesterin durchgeführt. Mit
dieser Analytik können z. B. die Identität von
Ölen bzw. Fetten, Angaben im Rahmen der
Nährwertkennzeichnung und Transfettsäure-
gehalte überprüft werden. Zudem lassen sich
die Gehalte von wertgebenden Zutaten wie
Milchfett und Ei berechnen.
Im Jahr 2009 erfolgte in 402 Proben eine
gaschromatographische Bestimmung des
Fettsäureprofi ls. In weiteren 261 Proben wur-
de der Gehalt an Buttersäure bestimmt und
139-mal der Cholesteringehalt ermittelt. Die
Untersuchungen führten in 30 Fällen zu Be-
anstandungen.
Einen Überblick zu den Gehalten an Trans-
fettsäuren (TFA) in sächsischen Erzeugnissen
gibt Tabelle 2.8 (s. Hompage LUA). In 3 Proben
wurden TFA von mehr als 2 % gefunden.
Abb. 11: dünnschichtchromatografi sche Untersu-
chung von Farbstoffen

│29
Insbesondere bei Litchis sorgt eine Behand-
lung mit SO
2
dafür, dass die Farbe der Schale
erhalten bleibt.
Ein Großteil der Produkte wurde wegen ver-
schiedenster Kennzeichnungsmängel bean-
standet. So wurden beispielsweise Zitrus-
früchte mit dem Hinweis „unbehandelt“ in
den Verkehr gebracht, obwohl Schalenbe-
handlungsmittel nachgewiesen wurden.
Insgesamt 370 Proben Frischobst in- und
ausländischer Erzeuger wurden auf Rück-
stände aus Pfl anzenschutzmitteln unter-
sucht. Davon waren 96 (25,9 %) Proben rück-
standsfrei, 190 (51,4 %) Proben enthielten
Mehrfachrückstände (s. Homepage LUA, Tab.
2.20). Der mittlere Rückstandsgehalt pro Pro-
be von 0,73 mg/kg in Zitrusfrüchten war am
höchsten, der von 0,12 mg/kg in Kernobst am
niedrigsten. Insgesamt wurden 84 verschie-
dene Wirkstoffe bestimmt. Am Häufi gsten, in
55 (14,9 %) Proben, wurden Rückstände des
Fungizids Boscalid gefunden.
Rückstände oberhalb der in der Verordnung
(EG) festgesetzten Höchstgehalte wurden in
zwei (0,5 %) Proben festgestellt (s. Home-
page LUA, Tab. 2.21).
Obsterzeugnisse
Auch in dieser Warengruppe war die Unter-
suchung auf Mykotoxine, speziell bei Trok-
kenfrüchten, ein Schwerpunkt. Die in diesem
Rahmen u. a. untersuchten Rosinen erwiesen
sich dabei – wie auch schon in den Vorjahren
– fast immer als mit Ochratoxin A belastet.
Trockenfrüchte waren allerdings in anderer
Hinsicht auffällig: Bei sieben Proben (Feigen,
Datteln, Pfl aumen, Rosinen) wurden tote oder
lebende Maden, Schimmel, Exkremente von
Maden oder Fraßstellen vorgefunden.
Da die Haltbarkeit der Trockenfrüchte in ent-
scheidendem Maße von deren Wassergehalt
abhängt, wird dieser routinemäßig bestimmt.
In vier Proben wichen diese Gehalte stark
von der in den Leitsätzen für Obsterzeugnis-
se jeweils beschriebenen Verkehrsauffassung
ab. Die entsprechende, laut Leitsätzen dafür
vorgesehene, Kennzeichnung wie „soft“ oder
„essfertig“ war allerdings nicht vorhanden.
Drei Proben Trockenfrüchte in Fertigpackun-
gen, die auf dem Striezelmarkt Dresden ent-
nommen wurden, mussten wegen komplett
fehlender Kennzeichnung beanstandet wer-
den. Zwei Proben in Fertigpackungen wurden
als irreführend gekennzeichnet beurteilt, da
ihre Füllmenge bzw. ihr Abtropfgewicht deut-
lich von der jeweiligen Deklaration abwich.
Konfi türen, Gelees, Marmeladen
Auch im Berichtsjahr setzte sich - wie in den
Vorjahren - der Trend fort, dass überwie-
gend kleingewerblich hergestellte Konfi türen,
rückstandsfrei, Mehrfachrückstände enthiel-
ten lediglich 6 (10,5 %) Proben. Der mittlere
Gehalt pro Probe betrug 0,020 mg/kg. Ins-
gesamt wurden vier verschiedene Wirkstof-
fe bestimmt, von denen drei in Deutschland
nicht für Kulturpilze zugelassen sind. Ver-
mutlich aber handelte es sich in diesen Fällen
nicht um unerlaubte Anwendungen, da die
Wirkstoffe Chlormequat und Mepiquat zur
Halmfestigung und der Wirkstoff Prochloraz
gegen Pilzkrankheiten im Getreideanbau ein-
gesetzt werden und mit hoher Wahrschein-
lichkeit über das zur Pilzzucht verwendete
Stroh in die Pilze gelangten.
Des weiteren wurden 14 Proben Wildpilze aus
dem osteuropäischen Raum auf radioaktive
Kontamination untersucht. In keiner Probe
überstieg die kumulierte Radioaktivität von
Cäsium-134 und Cäsium-137 den zulässigen
Höchstwert von 600 Bq/kg Frischmasse. In
neun Proben betrug die Radioaktivität weni-
ger als 100 Bq/kg, in den übrigen Proben lag
sie zwischen 100 und 200 Bq/kg.
Im Rahmen des Landesüberwachungspro-
gramms (LÜP) 2010 wurden Wildpilze auf die
Umweltschadstoffe PAK untersucht. In den
fünf untersuchten Proben (Pfi fferlinge, Ma-
ronen, Steinpilze, Mischpilze) wurden keine
erhöhten Gehalte gefunden.
Auf Rückstände des Biozids DEET wurden
insgesamt neun Proben frische Pfi fferlin-
ge geprüft. Die in drei Proben festgestellten
Gehalte von 0,012-0,05 mg/kg stellen nach
Aussagen des Bundesinstitutes für Risikobe-
wertung (BfR) keine gesundheitliche Gefahr
dar
(http://www.bfr.bund.de/cm/343/deet_
rueckstaende_in_pfi fferlingen_aus_osteuro-
pa_sind_kein_gesundheitsrisiko.pdf).
Pilzerzeugnisse
Überwiegend wurden Pilzkonserven sowie
getrocknete und tief gefrorene Pilzerzeug-
nisse untersucht. Von den 40 untersuchten
Proben Pilzkonserven in Dosen wurde in einer
Probe Champignons aus China ein Zinngehalt
ermittelt, der die in der Verordnung (EG) Nr.
1881/2006 festgesetzte Höchstmenge von
200 mg/kg deutlich überschritt. Die weite-
ren Beanstandungen wurden auf Grund von
Verunreinigungen und Kennzeichnungsmän-
geln ausgesprochen. Eine Probe getrocknete
Morcheln aus einem Asia-Imbiss war bereits
verschimmelt.
Frischobst
Zwei Proben Litchi (aus Madagaskar und aus
Südafrika) und eine Probe Trauben aus Itali-
en wurden beanstandet, weil der festgestell-
te Gehalt an Schwefeldioxid (SO
2
) über der
zulässigen Höchstmenge von 10 mg/kg lag.
Insgesamt wurden 305 Proben Frischge-
müse in- und ausländischer Erzeuger auf
Rückstände aus Pfl anzenschutzmitteln un-
tersucht. Davon waren 162 (53,1 %) Proben
rückstandsfrei, 81 (26,6 %) Proben enthielten
Mehrfachrückstände. Die Belastungssituation
aufgeschlüsselt nach Warenobergruppen ist
auf der Homepage LUA, Tabelle 2.20 abgebil-
det.
Der mittlere Rückstandsgehalt pro Probe von
0,57 mg/kg in Blattgemüse lag weit über dem
der übrigen Gemüsekulturen von 0,029 mg/
kg. Insgesamt wurden 52 verschiedene
Wirkstoffe bestimmt, am Häufi gsten, in 45
(14,8 %) Proben, Rückstände des Fungizids
Boscalid gefunden.
Seit Inkrafttreten der neuen gemeinschaft-
lichen Vorschriften über Pestizidrückstände
in Lebensmitteln im September 2008 sinkt
bundesweit die Anzahl der Proben, in denen
Höchstgehaltsüberschreitungen festgestellt
werden. Lediglich in einer (0,3 %) Probe lag
der festgestellte Rückstand oberhalb des fest-
gesetzten Höchstgehaltes (s. Homepage LUA,
Tab. 2.21).
Gemüseerzeugnisse
Eine Beschwerdeprobe Rotkohlkonserve und
die dazugehörige Verdachtsprobe wurden als
nicht sicher beurteilt, da sich etliche braun-
violette, unregelmäßig geformte, fl ache, bis
3 cm
2
große Kunststoffteile im Erzeugnis be-
fanden.
Zwei Proben Gemüse in der Konserve (Blu-
menkohl, Pfefferonen) wurden beanstandet,
da sie Schwefl ige Säure in einer Menge deut-
lich über der zulässigen Höchstmenge von
100 mg/kg enthielten. Bemerkenswert war,
dass die Blumenkohlkonserve mit der Angabe
„Laut Handelsbrauch ohne Konservierungs-
stoffe“ gekennzeichnet war.
Eine Probe Knoblauchgranulat wurde mit der
Angabe „Heilkraft: Gegen alle Arten von Kei-
men, schleimlösend, blutdrucksenkend und
auch gegen Würmer“ beworben. Sie wurde als
irreführend gekennzeichnet beurteilt.
Bei einigen Konserven waren die Schraubdek-
kel nicht dicht, so dass die Ware in Gärung
überging, Gasbildung zu beobachten war und
starke sensorische Abweichungen auftraten.
Eine Probe Nori-Blätter, gerösteter Seetang,
wurde wegen ihres hohen Iodgehaltes als
nicht sicher beurteilt.
Pilze
Überwiegend wurden frische Champignons
aus Deutschland beprobt und auf Schwerme-
talle und Rückstände aus Pfl anzenschutzmit-
teln überprüft. Dabei wurden keine erhöhten
Gehalte festgestellt. Von den 57 Proben, die
auf Pfl anzenschutzmittelrückstände unter-
sucht wurden, waren 34 (59,6 %) Proben

image
30 │
Gelees und Fruchtaufstriche zu beanstan-
den waren. Hier existiert eine gravierende
Unkenntnis über die Beschaffenheits- und
Kennzeichnungsanforderungen für die je-
weiligen Produkte. Des Öfteren wurden Er-
zeugnisse als Marmeladen in den Verkehr
gebracht, obwohl laut Konfi türenverordnung
diese Bezeichnung nur für entsprechende
Produkte aus Zitrusfrüchten vorgesehen ist.
Auch die Zugabe von Zusatzstoffen z. B. Kon-
servierungsstoffe und Geliermittel aus dem
verwendeten Gelierzucker wurde von diesen
Herstellern recht unkritisch gesehen und oft
nicht deklariert.
Fertiggerichte, zubereitete Speisen
Ein Untersuchungsschwerpunkt war die mik-
robiologische Prüfung des Keimstatus ins-
besondere bei losen Essenproben aus dem
Bereich Imbiss, Gaststätten und Gemein-
schaftsverpfl egung. Dabei fi elen vier Proben
durch erhebliche sensorische Abweichungen
in Verbindung mit einer hohen Keimbelas-
tung auf und waren nicht mehr zum Verzehr
geeignet. Eine Fertigpackung Pfannkuchen
schmeckte abweichend säuerlich und alt und
wies eine deutliche Schleimbildung zwischen
den Pfannkuchen auf. In der Probe gelang der
Nachweis des Schleim bildenden Milchsäu-
rebildners
Leuconostoc
spp., der in der Zu-
cker- und Getränkeindustrie als Verderbskeim
bekannt ist, wobei es über die Bildung von
Dextran zur Schleimbildung im Produkt
kommt (s. Abb. 2).
Ein weiterer Schwerpunkt war die Prüfung
auf Zusatzstoffe und deren Kenntlichma-
chung.
Erfreulicherweise wurde im Berichtsjahr nur
eine Höchstmengenüberschreitung beim Ge-
schmacksverstärker Glutaminsäure festge-
stellt (s. Abb. 3). Aber 33 Proben wurden ohne
Abb. 2: Pfannkuchen mit Schleimbildung
Kenntlichmachung von vorhandenen Zusatz-
stoffen (Farb-, Süß-, Konservierungsstoffe,
Geschmacksverstärker) angeboten.
Abb. 3: Anzahl Höchstmengenüberschreitung Gluta-
minsäure
Die im Rahmen des Landesüberwachungspro-
gramms (LÜP) untersuchten Proben auf GVO
und Allergene waren ohne Beanstandung.
Würzmittel
Der überwiegende Teil der Würzmittel wurde
entweder als irreführend gekennzeichnet be-
urteilt oder diese Proben wurden beanstan-
det, weil die Kennzeichnung nicht den gelten-
den Anforderungen entsprach. So wurde z. B.
die Bezeichnung einer mit den Farbstoffen
Tartrazin (E 102) und Brillantblau FCF (E 133)
grün gefärbten Probe Meerrettich als „Wasa-
bi-Paste“ als irreführend beanstandet. Eben-
falls als irreführend gekennzeichnet wurden
verschiedene Salze beanstandet, weil sie mit
nährwertbezogenen Angaben wie z. B. „...
enthält viele Mineralien und Spurenelemen-
te ...“ beworben wurden, ohne dass die dafür
geltenden Anforderungen der Verordnung
(EG) Nr. 1924/2006 eingehalten wurden.
Gewürze
Im Rahmen der Untersuchungen auf Rück-
stände aus Pfl anzenschutzmitteln wurden in
einer Probe Königskümmel Höchstgehalts-
überschreitungen festgestellt (Homepage
LUA, Tab. 2.21). Eine Probe edelsüßer Paprika
wurde beanstandet, weil der Gehalt an Cad-
mium deutlich über dem zulässigen Höchst-
gehalt lag.
Die weiteren Beanstandungen in dieser Wa-
rengruppe konzentrierten sich auf die folgen-
den drei Schwerpunkte:
]
zu hoher Sandgehalt oder zu geringer Ge-
halte an ätherischen Ölen
]
Kennzeichnungsmängel wie fehlende
deutsche Kennzeichnung, unvollständi-
ges oder fehlendes Zutatenverzeichnis,
fehlende Angabe der Nennfüllmenge und
fehlendes Mindesthaltbarkeitsdatum
]
irreführende Verkehrsbezeichnung oder
irreführende Angaben.
Im Rahmen der Schwerpunktuntersuchungen
auf Mykotoxine bestätigte sich der Trend der
vergangenen Jahre, dass Gewürze immer we-
niger durch Afl atoxingehalte auffällig sind,
aber häufi g und auch in höheren Gehalten
Ochratoxin A nachgewiesen wird.
Getränke
Eine reichliche Flüssigkeitszufuhr ist lebens-
notwendig. Getränke liefern jedoch mehr:
Genusswert, ein angenehmes Lebensgefühl
und eine mehr oder weniger ernährungsphy-
siologische Funktionalität. Der Verbraucher
erwartet darüber hinaus ein sicheres und kor-
rekt gekennzeichnetes Getränk. Entsprechend
breit war die Untersuchung der im Berichts-
jahr untersuchten 2.024 Getränkeproben an-
gelegt.
Daneben wurden Schwerpunkte gesetzt, wie
die Untersuchung von Mineralwässern auf
Abbauprodukte von Pfl anzenschutzmitteln,
die Überprüfung nähr- und gesundheitsbe-
zogener Auslobungen bei Fruchtsäften und
Erfrischungsgetränken (konzipiert als Lan-
desüberwachungsprogramm), die Untersu-
chung von ausländischen Weinen auf das
unzulässige Behandlungsmittel Natamycin
oder die Untersuchung von Steinobstbrän-
den auf die prozesstechnische Kontaminante
Ethylcarbamat.
Die Beanstandungsquoten fi elen je nach Wa-
rengruppe sehr unterschiedlich aus, angefan-
gen bei Bier mit einer Beanstandungsquote
von nur 4,6 % bis hin zu weinähnlichen Ge-
tränken mit einer Beanstandungsquote von
28,8 %.
Kennzeichnungsverstöße stellten dabei stets
den Hauptbeanstandungsgrund dar.
Mineral,- Quell und Tafelwasser, Wasser-
spender, Mundeis, Kanisterwasser
Von 432 untersuchten Proben wurden 66
beanstandet. Dies entspricht einer Beanstan-
dungsquote von 15,3 %.
Die Etablierung einer neuen LC-MS/MS-Unter-
suchungsmethode an der LUA schaffte 2010
erstmals die Möglichkeit sächsische Mineral-
wässer systematisch auf so genannte „nicht
relevante Metabolite“ (nrM, siehe Infobox auf
S. 34) zu untersuchen. Von 52 untersuch-
ten Roh- und abgefüllten Flaschenwässern
mussten 21 Proben auf Grund der Gehalte
an nrM beanstandet werden. In den Proben
11
1
12
19
2007
2008
2009
2010
Anzahl

image
│31
wurden Abbauprodukte des Pfl anzenschutz-
mittelwirkstoffs Metazachlorsäure – hier Me-
tazachlorsulfonsäure und Metazachlorsäure
– und Abbauprodukte des Pfl anzenschutzmit-
telwirkstoffs Dimethachlor – hier Dimetha-
chlorsulfonsäure und Dimethachlorsäure –
ermittelt. Beide Wirkstoffe werden vorwie-
gend als Herbizide im Rapsanbau eingesetzt.
Abbildung 1 gibt detaillierte Auskunft über
Häufi gkeit und Höhe der ermittelten Gehalte
an nrM. Danach ist Metazachlorsulfonsäure
der mit Abstand am häufi gsten und in der
höchsten Konzentration gefundene Metabo-
lit. Rein numerisch betrachtet wurden in 28
der insgesamt 52 Proben Gehalte über dem
Orientierungswert von 0,05
μg/l
bestimmt.
Unter Berücksichtigung einer Messunsicher-
heit von 50 % erfolgen Beanstandungen zur
fehlenden ursprünglichen Reinheit jedoch
erst bei Messwerten über 0,1
μg/l,
somit in 21
Fällen. Zwei Proben überschritten zusätzlich
den für Trinkwasser festgelegten gesundheit-
lichen Orientierungswert von 3
μg/l.
Abbauprodukte von Wirkstoffen zugelas-
sener Pfl anzenschutzmittel, die weder eine
pestizide noch eine toxische oder ökotoxi-
sche Wirkung aufweisen, werden als „nicht
relevante Metabolite“ (nrM) bezeichnet.
Im Trinkwasser-Recht sind sie derzeit nicht
reglementiert, werden aber auf Grund ihrer
hohen Mobilität und Persistenz durchaus
als „trinkwasserrelevant“ bewertet. Das
Umweltbundesamt (UBA) /1//2/ empfahl
für diese Stoffe bis auf weiteres (vorerst
dauerhaft) hinnehmbare gesundheitliche
Orientierungswerte (GOW) in einer Höhe
von 1
μg/l
bzw. 3
μg/l
– je nach toxiko-
logischer Bewertbarkeit der vorgelegten
Studien. Eine Überschreitung der GOW’s
ist grundsätzlich nur bis zu einer Höhe von
10
μg/l
und nur vorübergehend hinnehm-
bar.
Zum Vergleich: Für noch pestizidaktive
oder toxische Metabolite gilt der Trinkwas-
ser-Grenzwert für Pfl anzenschutzmittel
von 0,1
μg/l.
Im Mineralwasser stellen nrM
24
48
51
51
7
2
11
13
2
00
6
000
2
000
0
10
20
30
40
50
Metazachlorsulfonsäure
Metazachlorsäure
Dimethachlorsulfonsäure
Dimethachlorsäure
Probenanzahl
</=0,05 μg/l
>0,05 - 0,10 μg/l
>0,10 - 1,0 μg/l
>1,0 - 3,0 μg/l
>3,0 μg/l
Abb. 1: Häufi gkeit und Höhe der ermittelten Gehalte an „nicht relevanten Metaboliten“
die ursprüngliche Reinheit in Frage. Ge-
mäß § 2 der Mineral- und Tafelwasser-
verordnung (MTVO) bzw. Anhang I der
Mineralwasser-Richtlinie 2009/54/EG muss
natürliches Mineralwasser aus einem un-
terirdischen, vor Verunreinigungen ge-
schützten Wasservorkommen stammen
und von ursprünglicher Reinheit sein. Die
ursprüngliche Reinheit ist dann nicht mehr
gegeben, wenn nrM den Orientierungswert
von 0,05
μg/l
überschreiten /3/.
Literatur
/1/ Empfehlung des Umweltbundesamtes:
Trinkwasserhygienische Bewertung
stoffrechtlich “nicht relevanter” Meta-
bolite von Wirkstoffen aus Pfl anzen-
schutzmitteln im Trinkwasser, Bun-
desgesundheitsbl. Gesundheitsforsch –
Gesundheitsschutz 2008, 51, S. 797 -
801
/2/ Umweltbundesamt:
Gesundheitliche
Orientierungswerte (GOW) für nicht
relevante Metabolite (nrM) von Wirk-
stoffen aus Pflanzenbehandlungs- und
Schädlingsbekämpfungsmitteln, Bewer-
tungsstand: 06.11.2009,
http://www.
umweltdaten.de/wasser/themen/trink-
wassertoxikologie/tabelle_gow_nrm.pdf
/3/ ALS-Stellungnahme „Nicht-relevante
Metabolite in natürlichem Mineralwas-
ser“, JVL (2010) 5:473
Weitere erwähnenswerte Beanstandungen
betrafen Grenzwertüberschreitungen für Ar-
sen und Nitrit in Säuglingswässern (je 1x),
eine zu geringe Karbonisierung (2x), Abwei-
chungen vom Analysenauszug (2x) und eine
sensorisch relevante Migration von Acetalde-
hyd aus dem PET-Material der Flasche in das
Füllgut (1x). Darüber hinaus wurden 7 Eis-
proben (vorwiegend Mundeis, das Getränken
zur Kühlung zugesetzt wird) und 6 Kanister-
wässer (Wasser aus Trinkwasserversorgungs-
anlagen in mobilen Verkaufseinrichtungen)
wegen Verunreinigungen mit Fäkalkeimen
oder
Pseudomonas aeruginosa
beanstandet.
Genaue Informationen zu mikrobiologischen
Untersuchungsergebnissen derartiger loser
Wasserproben enthält die Tab. 2.37 „Lose Was-
serproben (WC59)“ auf der Homepage LUA.
Abb. 2: Mineralwasserproben zur Untersuchung auf
nicht relevante Metabolite
Fruchtsäfte, Fruchtnektare, Erfrischungs-
getränke
Insgesamt wurden 554 Proben untersucht,
von denen 97 beanstandet wurden. Die Bean-
standungsquote beträgt 17,5 %.
Diese Warengruppe ist durch funktionelle Zu-
sätze von Vitaminen und Mineralstoffen, von
anregenden, stimulierenden oder antioxidativ
wirkenden Stoffen und Pfl anzenextrakten so-
wie deren z. T. aggressive werbliche Heraus-
stellung charakterisiert. Das bereits oben er-
wähnte Landesüberwachungsprogramm galt
nährwert- und gesundheitsbezogenen Aus-
lobungen, die nach der sogenannten Health-
Claims-Verordnung (VO (EG) Nr. 1924/2006)
zu beurteilen sind. Während die nährwert-
bezogenen Angaben bereits abschließend
geregelt sind (Art. 8 i. V. m. Anhang), gelten
für gesundheitsbezogene Angaben diverse
Übergangsregelungen (Art. 28). Unabhängig
davon müssen auch bei Anwendung dieser
Übergangsregelungen die bereits geltenden
Passagen der Verordnung eingehalten wer-
den. Die betrifft vor allem die allgemeinen

32 │
Bedingungen des Art. 5 (wissenschaftlicher
Nachweis einer positiven ernährungsbezoge-
nen oder physiologischen Wirkung) sowie zu-
sätzliche Kennzeichnungsvorschriften (Art. 7,
Art. 10 Abs. 2).
Im Rahmen des Untersuchungsprogramms
wurden 49 Proben (in Form von Etiketten und
Verpackungen) von zwei sächsischen Herstel-
lern vorgestellt. Es wurden gesundheitliche
Vorteile beworben, die wissenschaftlich nicht
gesichert waren (9x), und nährwertbezoge-
ne Angaben gemacht, für die die genannten
Bedingungen im Anhang der VO nicht er-
füllt wurden (9x). Die zusätzlichen Angaben
nach Art. 10 Abs. 2 (u. a. Hinweis auf eine
abwechslungsreiche Ernährung und eine ge-
sunde Lebensweise; Information zur Menge
des Lebensmittels, die erforderlich ist, um die
positive Wirkung zu erzielen) fehlten bei 18
Proben, eine Nährwertkennzeichnung in der
geforderten Form bei zwei Proben. Darüber
hinaus wurden acht weitere Proben außer-
halb des Landesüberwachungsprogramms
beanstandet, die der Health-Claims-Verord-
nung nicht entsprachen.
Erhöhte Aluminiumgehalte stellen einen
rückläufi gen
Beanstandungsschwerpunkt
dar. Wurden 2009 noch 14 Säfte wegen
überhöhter Aluminiumgehalte durch Stoff-
übergang aus Aluminiumtanks beanstandet,
so waren es 2010 nur noch vier Proben. Of-
fensichtlich wurden Tanks ausgetauscht oder
entsprechend saniert.
Wein, weinhaltige und weinähnliche
Getränke
Bei der Untersuchung von Wein und wein-
haltigen Getränken waren im Berichtsjahr
von 436 eingereichten Proben 48 Proben zu
beanstanden (Beanstandungsquote 11,0 %).
Häufi gster Beanstandungsgrund innerhalb
der Kennzeichnungsbeanstandungen war die
fehlerhafte oder gänzliche fehlende Pfl icht-
Kenntlichmachung der allergenen Zutat
Schwefeldioxid bzw. Sulfi te, obwohl dieses
Antioxidationsmittel nachgewiesen wurde.
Einen analytischen Schwerpunkt stellte die
Untersuchung auf Natamycin dar. Die An-
wendung dieses gesundheitlich nicht unum-
strittenen Anti-Schimmelmittels ist in der EU
kein zugelassenes önologisches Verfahren.
In anderen Untersuchungseinrichtungen
wurden bei Stichproben jedoch natamycin-
belastete Weine, vor allem aus Argentinien
und Südafrika, gefunden. Daraufhin wurde
auch an der LUA Sachsen ein Bestimmungs-
verfahren auf der Grundlage der LC-MS eta-
bliert und 55 Weine auf eine Kontamination
mit Natamycin untersucht. Lediglich bei ei-
nem argentinischen Wein wurden Spuren
dieser Substanz ermittelt, die Konzentration
lag allerdings unter dem vom BfR festgeleg-
ten Eingriffswert von 5
μg/l,
so dass keine
formale Beanstandung gerechtfertigt war.
Bei der Bewertung der Gehalte ist aber zu
berücksichtigen, dass Natamycin sehr instabil
ist und sich schnell abbaut; insofern ist von
einer ursprünglich höheren Konzentration
auszugehen.
In der Warengruppe der weinähnlichen Ge-
tränke liegt die Beanstandungsquote wei-
terhin sehr hoch: mehr als jede vierte Probe
wurde hier beanstandet (28,8 %). Die Bean-
standungsgründe sind sehr heterogen.
Bei einem Apfelwein und einem Quittenwein
wurden jeweils überhöhte Aluminiumgehalte
analysiert. Auch hier kommen, wie bei der
Fruchtsaftherstellung, noch vereinzelt Alu-
miniumtanks zur Lagerung zum Einsatz. An-
dere Erzeugnisse mussten als wertgemindert
beurteilt werden, u. a. überschritt ein Holun-
derbeerwein den Höchstgehalt an fl üchtiger
Säure und ein Apfeltischwein erreichte nicht
den Mindestgehalt an nichtfl üchtiger Säure
gemäß den Leitsätzen für weinähnliche Ge-
tränke. Auch aus sensorischen Gründen, z. B.
aufgrund von Mäuseltönen, mussten Proben
beanstandet werden.
Bei der Prüfung der Kennzeichnung wurden
u. a. abweichende Alkoholgehalte, irreführen-
de Verkehrsbezeichnungen, fehlende Zusatz-
stoff- und Allergenkenntlichmachungen und
unzulässige gesundheitsbezogene Angaben
(z. B. „wohltuend“) festgestellt.
Bier
Beanstandungen bei Flaschenbier erfolgten
nur in wenigen Fällen (Beanstandungsquote
4,6 %).
Drei Exportbiere wurden beanstandet,
da sie nicht den hier erforderlichen Mindest-
Stammwürzegehalt von 12 % aufwiesen. Ein
als „Edel-Pils“ bezeichnetes Erzeugnis wurde
wegen eines extrem bitteren, unharmoni-
schen Geschmacks beanstandet; der unge-
wöhnlich hohe Gehalt an Bittereinheiten
bestätigte analytisch den sensorischen Be-
fund.
Spirituosen
Die Beanstandungsquote bei Spirituosen be-
trug bei 157 untersuchten Proben 27,4 %.
Auffällig viele Kennzeichnungsbeanstan-
dungen wurden wegen unzulässiger nähr-
wert- bzw. gesundheitsbezogener Angaben
(Health Claims VO 1924/2006) ausgespro-
chen. So werden Angaben wie „verdau-
ungsfördernd“ oder „verdauungsanregend“
von den Sachverständigen der Amtlichen
Lebensmittelüberwachung eindeutig als ge-
sundheitsbezogene Angaben angesehen und
als unzulässig beurteilt. Auch Verweise auf
allgemeine, nichtspezifi sche Vorteile für die
Gesundheit im allgemeinen oder das gesund-
heitliche Wohlbefi nden wie „appetitanre-
gend“, „wohltuend“ oder „bekömmlich“ wer-
den bei alkoholhaltigen Getränken abgelehnt.
Spirituosenhersteller und deren Verbände
vertreten hierzu eine konträre Meinung, was
zu bisher drei Gerichtsverfahren führte. Die
Entscheidungen sind unterschiedlich ausge-
fallen und wurden deshalb zur endgültigen
Klärung dem EuGH zugeleitet.
Schwerpunktmäßig wurden 24 Proben, vor-
wiegend Steinobstbrände, auf Ethylcarba-
mat (EC) untersucht. Erfreulicherweise wur-
de bei keiner Probe eine Überschreitung des
neuen Zielwertes von 1,0 mg/L festgestellt.
Dieser neue Zielwert geht auf die Empfeh-
lung 2010/133/EU der Kommission vom
02.03.2010 zur Prävention und Reduzierung
von EC in Steinobstbränden zurück. Diese
Empfehlung beschreibt einen so genannten
„Verhaltenskodex“ für eine bewährte Herstel-
lungspraxis. EC-Gehalte über dem Zielwert
von 1 mg/L stellen eine Kontamination dar,
die nach guter Herstellungspraxis vermeidbar
ist. Spirituosen, die den Zielwert überschrei-
ten, sind für den menschlichen Verzehr nicht
mehr geeignet.
Weitere Schwerpunktuntersuchungen be-
trafen die Überprüfung der Einhaltung von
Aromastoffhöchstmengen bei Kräuterlikören
bzw. Bitteren und die Prüfung auf unzuläs-
sige Verwendung von naturidentischen Aro-
mastoffen in bestimmten Fruchtsaftlikören
(s. Homepage LUA, Tab. 2.38 „Untersuchung
von Lebensmitteln auf Aromastoffe“).
Keiner der 30 untersuchten, vorwiegend aus
Sachsen stammenden Kräuterliköre bzw. Bit-
teren wies bei den überprüften Aromastoffen
α- und β- Thujon, Pulegon, Safrol, Isosafrol,
β-Asaron und Cumarin eine Höchstmengen-
überschreitung auf. Von den 14 im Rahmen
der Enantiomerenanalytik geprüften Frucht-
saftlikören wurde ebenfalls bei keiner Probe
eine unzulässige Aromatisierung festgestellt.
Lediglich ein Vogelbeerlikör musste wegen ir-
reführender Bewerbung (Natürlichkeit wurde
ausgelobt und war nicht gegeben) beanstan-
det werden.
Im Fokus der Untersuchungen standen auch
Eierliköre. Während die mikrobiologischen
und chemischen Untersuchungen keinen
Anlass zur Beanstandung gaben, wurden ge-
häuft sensorische Beeinträchtigungen (Ent-
mischungen mit Fettabsatz) festgestellt.

│33
Nahrungsergänzungsmittel
Seit Jahren weisen Nahrungsergänzungsmit-
tel die mit Abstand höchste Beanstandungs-
quote aller Lebensmittelwarengruppen auf.
Im Berichtsjahr wurden 343 Proben zur Un-
tersuchung eingereicht. Davon entsprachen
180 nicht den rechtlichen Bestimmungen.
Die Beanstandungsquote betrug also 52,5 %
und ist nach einer leichten Entspannung in
den vergangenen Jahren wieder deutlich an-
gestiegen (s. Tab. 1).
Tab. 1: Probenzahlen und Beanstandungen
von Nahrungsergänzungsmitteln
Jahr
Probenzahl
Beanstan-
dungen
Beanstan-
dungsquote
(%)
2005
327
154
47,1
2006
293
153
52,2
2007
365
180
49,3
2008
355
154
43,4
2009
406
169
41,6
2010
343
180
52,5
Dieser Trend ist erstaunlich, da die Recht-
sprechung in den letzten drei Jahren sehr
viel liberaler mit dieser „Problemgruppe“
umgegangen ist und dadurch auch die Beur-
teilungspraxis nachhaltig beeinfl usst hat. Bei
der Abgrenzung von Nahrungsergänzungs-
mitteln und Arzneimitteln ist in aller Regel
eine „pharmakologische Wirkung“ des Pro-
duktes nachzuweisen, um es als Arzneimittel
einstufen zu können. Auch die Einstufung
von Zutaten als „den Zusatzstoffen gleichge-
stellte Stoffe“, die ohne vorherige Zulassung
nicht verwendet werden dürfen, wurde durch
das „OPC-Urteil“ des Bundesverwaltungsge-
richtes erschwert. Das Ende 2010 bekannt
gewordene Urteil des Bundesgerichtshofes, in
dem das nationale Verbotsprinzip mit Erlaub-
nisvorbehalt für derartige Stoffe für nicht
europarechtskonform erklärt wird, dürfte zu-
künftig noch stärkere Auswirkungen auf die
Beurteilung von Nahrungsergänzungsmitteln
haben.
Der weitaus größte Teil der Beanstandungen
(161 Proben = 46,6 %) gründet sich deshalb
auf Aussagen zur Wirkung der Erzeugnisse,
die wissenschaftlich nicht hinreichend gesi-
chert und deshalb irreführend sind. In diesem
Zusammenhang sind die EFSA-Bewertungen
der von den Mitgliedstaaten eingereichten
„gesundheitsbezogenen Angaben“ von he-
rausragender Bedeutung. Wenn die Euro-
päische Behörde für Lebensmittelsicherheit
zum Ergebnis kommt, dass ein Zusammen-
hang zwischen Lebensmittel(bestandteile)n
und der ausgelobten Wirkung des Produktes
nicht nachzuweisen ist, wird die Beurteilung
der Kennzeichung als irreführend nachhaltig
gestützt.
Ungeachtet der oben genannten Probleme
wurden in 17 Fällen die unzulässige Verwen-
dung von den Zusatzstoffen gleichgestellten
Stoffen beanstandet. In 5 Fällen wurden als
Nahrungsergänzungsmittel in den Verkehr ge-
brachte Erzeugnisse als nicht zugelassene Arz-
neimittel bzw. als Medizinprodukte beurteilt.
refl ex® Thermofusion
Die als Beschwerdeprobe eingereichte Probe
wurde aus dem Internet bezogen. Sie bestand
aus diversen Pfl anzenextrakten, Carnitin,
alpha-Liponsäure, Phenylalanin, Chrom und
Koffein. Als Zweckbestimmung wurde eine
gesteigerte Fettverbrennung und eine daraus
resultierende starke Gewichtsreduktion ange-
geben. Sie war mit diversen für Arzneimittel
typischen Warnhinweisen (Einnahme erst
nach Konsultaion eines Arztes, Kontraindi-
kationen, Nebenwirkungen und Wechselwir-
kungen) versehen.
Aufgrund der hohen Koffeinkonzentrati-
on (Tagesdosis 450 mg, Einzeldosen jeweils
150 mg) in Verbindung mit den sonstigen
Bestandteilen sowie der Zweckbestimmung
und Gesamtaufmachung wurde das Erzeug-
nis als Funktionsarzneimittel eingestuft. Die
übliche therapeutische Dosierung von Koffe-
in liegt gemäß Aufbereitungsmonografi e bei
400 mg/d (Einzeldosen 100 bis 200 mg). Bei
der empfohlenen Tagesdosis ist demnach von
einer pharmakologischen Wirkung des Koffe-
ins auszugehen.
Ingwer-Tropfen
Die Verdachtsprobe wurde in einer Apothe-
ke entnommen. Einzig wirksamer Bestandteil
war ein Ingwer-Extrakt. Als Zweckbestim-
mung wurde auf dem Etikett die Steigerung
des allgemeinen Wohlbefi ndens angegeben.
Auf einem zugehörigen Werbefl yer wurde die
Verwendung bei folgenden „Indikationen“ be-
worben: geschwächte Abwehrkräfte, Wetter-
fühligkeit, Reiseübelkeit, Abgeschlagenheit,
Magenbeschwerden, Verdauungsprobleme
und Erkältungsbeschwerden. Dies sind kei-
ne für Nahrungsergänzungsmittel typischen
Anwendungen. Vielmehr ist die Probe dazu
bestimmt, Krankheiten bzw. Beschwerden
zu heilen oder zu lindern. Sie wurde dem-
entsprechend als Präsentationsarzneimittel
eingestuft.
Bezüglich der Indikation „Reiseübelkeit“ ist
ein Ingwerpräparat als zugelassenes Arznei-
mittel auf dem Markt. Dieses enthält 500 mg
Ingwerwurzel in der Einzeldosis. Ob die Pro-
be, die in der Einzeldosis 171 mg „Ingwer-
Extrakt“ enthielt, auch als Funktionsarznei-
mittel anzusehen ist, bleibt dahingestellt.
Nähere Angaben zum Ingwer-Extrakt lagen
nicht vor.
Zeolith/Zeomonthamin
Bei zwei als Beschwerdeproben eingereichten
Produkten handelte es sich um „Gesteins-
mehle“, die durch eine Heilpraktikerin abge-
geben wurden. Die „Naturmineralien“ sollten
einerseits der Entgiftung des Körpers dienen,
zum Anderen durch Siliziummangel her-
vorgerufene Krankheiten heilen bzw. diesen
vorbeugen. Genannt wurden unter anderem
Wachstumsstörungen, Osteoporose, Zahn-
fl eischentzündungen, Neurodermitis, Psoria-
sis, ein gestörtes Säure-Basen-Gleichgewicht
und Arteriosklerose.
Da die vermeintliche Wirkung der Erzeug-
nisse vorwiegend auf physikalische Prozesse
zurückzuführen ist (Adsorption schädlicher
Stoffwechselprodukte) und pharmakologi-
sche, immunologische oder metabolische
Wirkungen der Mineralien hier nicht bekannt
sind, wurden sie wegen der überwiegenden
medizinischen Zweckbestimmung als Medi-
zinprodukte eingestuft. Die weitere Bearbei-
tung obliegt damit der dafür zuständigen
Überwachungsbehörde.
Trinkmoor
Die als Nahrungsergänzungsmittel in den
Verkehr gebrachte Probe „Trinkmoor“ soll
durch Aufnahme von zwei Esslöffeln pro Tag
(ca. 20 g) das allgemeine Wohlbefi nden und
die Verdauung fördern sowie die Abwehr-
kräfte stärken. Die Probe bestand zu etwa
95 Prozent aus Wasser. Die Trockensubstanz
enthielt hauptsächlich Huminsäuren und
geringe Mengen diverser Mineralstoffe und
Spurenelemente. Mit der täglichen Aufnahme
von etwa einem Gramm dieser Trockensub-
stanz werden keinerlei Nährstoffe in ernäh-
rungsphysiologisch relevanten Mengen zu-
geführt. Sowohl die ausgelobte Wirkung als
auch die Verkehrsbezeichnung „Nahrungs-
ergänzungsmittel“ wurden als irreführend
beurteilt.
Hoodia-Kapseln
Auch diese Beschwerdeprobe wurde aus dem
Nahrungsergänzungsmittel/Diätetische Lebens-
mittel

34 │
Internet bezogen. Sie soll das Hungergefühl
dämpfen und den Appetit unterdrücken. Da-
durch sollen Nahrungsaufnahme und Körper-
gewicht reduziert werden. Ob dies die Zweck-
bestimmung einer Nahrungsergänzung ist,
mag dahingestellt bleiben.
Bei
Hoodia Gordonii
handelt es sich um
eine blattlose, bis ca. 50 cm hohe sukkulen-
te Pfl anze aus der Familie der Hundsgiftge-
wächse. Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist die
Kalahari-Wüste Südafrikas. Nach Berichten
von Eingeborenen vermindert das Kauen von
Sprossstücken von Hoodia das Hunger- und
Durstgefühl.
Hoodia Gordonii
-Pulver oder –Extrakte wur-
den vor dem 15. Mai 1997 in der Europäi-
schen Gemeinschaft nicht in nenneswertem
Umfang als Lebensmittel verzehrt und sind
deshalb als neuartige Lebensmittel im Sinne
der Novel Food Verordnung anzusehen. Da
eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel
bisher nicht erfolgt ist, sind derartige Erzeug-
nisse nicht verkehrsfähig.
Bei der Probe wurde außerdem eine unzuläs-
sige Bestrahlung festgestellt.
Capsules
Coleus forskohlii
guggul lipid
Ebenfalls als nicht zugelassene neuartige Le-
bensmittelzutat wurde Guggul, das Harz des
Balsambaums
Commiphora mukul
(falsche
Myrrhe/indische Myrrhe) beurteilt. Diese Zu-
tat war Bestandteil einer weiteren Beschwer-
deprobe aus dem Internet. Dort wurden die
Kapseln als „Fettverbrenner“ beworben, deren
Wirkung auf der Anregung der Schilddrüsen-
funktion beruhen soll.
TestoMaxx
Bei der Planprobe handelte es sich um Ami-
nosäurekapseln mit Vitaminen und Kräutern,
die als besonders geeignet für Kraftsportler
beworben wurden. Die Kapseln enthielten
neben der Aminosäure Arginin verschiede-
ne Pfl anzenextrakte (u. a.
Tribulus terrestris
,
Sägepalme, Bockshornklee mit 4-Hydroxy-
isoleucin, Maca, Potenzholz, Blaue Passions-
blume) sowie diverse Vitamine und Mineral-
stoffe. Im Internet wurde das Erzeugnis als
rein pfl anzliches Mittel zur Steigerung der
körpereigenen Testosteronproduktion ange-
priesen. Es soll bei Bodybuildern den schnel-
len Muskelzuwachs und die „Muskelzeich-
nung“ fördern.
Obwohl für eine Reihe der Zutaten auch eine
arzneiliche Verwendung bekannt ist, wurde
die Probe nicht als Arzneimittel eingestuft.
Eine pharmakologische Wirkung konnte nicht
zweifelsfrei bewiesen werden, da nähere
Kenntnisse über die Zusammensetzung der
Extrakte und ihren Gehalt an bioaktiven Wirk-
stoffen nicht vorlagen. Die Zutaten wurden
jedoch als den Zusatzstoffen gleichgestellte
Stoffe beurteilt, da derartige Extrakte weder
selbst als Lebensmittel verzehrt noch als cha-
rakteristische Lebensmittelzutat verwendet
werden. Diese Stoffe dürfen nur bei Vorliegen
einer entsprechenden Zulassung eingesetzt
werden. Dies trifft im Übrigen auch auf die
Aminosäure Arginin zu. Unabhängig davon
konnte analytisch nur die Hälfte des dekla-
rierten Arginingehaltes bestimmt werden.
Appetite Block
Als letztes Beispiel soll diese Beschwerde-
probe aus dem Internet vorgestellt werden.
Zweckbestimmung ist – ähnlich dem Hoodia-
Präparat – die Unterdrückung des Appetits
und ein verstärktes Sättigungsgefühl. Für
die Wirkung verantwortlich gemacht wird
ein Bestandteil der Hauptzutat Zedernnuss-
öl, die Pinolensäure. Diese soll auf körperei-
gene Hormone einwirken, die daraufhin ein
„Sättigungssignal“ an das Gehirn senden. Ob
diese Wirkung zutrifft, wird derzeit von der
EFSA geprüft. Ein entsprechender Antrag im
Rahmen des Zulassungsverfahrens von ge-
sundheitsbezogenen Angaben gemäß Health
Claims Verordnung liegt vor.
Durch die gesamte Aufmachung erweckte die
Probe den Anschein eines Arzneimittels. So
wurde auf dem Beipackzettel z. B. eine phar-
makologische Klassifi zierung des Produktes
vorgenommen und die Wirkung des Pro-
duktes als pharmakologisch beschrieben. Es
wurden Indikationen und Kontraindikationen
aufgezeigt sowie Nebenwirkungen genannt.
Es ist verboten, Lebensmitteln den Anschein
eines Arzneimittels zu geben.
Diätetische Lebensmittel/ Säuglingsnah-
rung
Untersuchungsziel und Schwerpunkt im Be-
reich der Diätetik ist die Überprüfung der be-
sonderen Eignung der
diätetischen Lebens-
mittel
für den jeweiligen Diätzweck. Dazu
sind umfassende Untersuchungen bezüglich
der Zusammensetzung auch im Zusammen-
hang mit den Bewerbungen erforderlich. Die
Beanstandungsquote lag im vergangenen
Jahr bei 9,5 %. Die Beanstandungen folgen-
der Gruppen diätetischer Lebensmittel waren
dabei maßgebend:
]
Lebensmittel für kalorienarme Ernährung
zur Gewichtsverringerung
]
Lebensmittel für besondere medizinische
Zwecke (Bilanzierte Diäten)
]
Natriumarme Lebensmittel
]
Sportlernahrung.
Eine hohe Beanstandungsquote von 34 %
wurde wie im vergangenen Jahr für die Er-
zeugnisgruppe der
Mahlzeiten und Tagesra-
tionen zur kalorienarmen Ernährung
fest-
gestellt. Sehr häufi g wiesen die deklarierten
Nährstoffgehalte erhebliche Abweichungen
zu unseren Analysenwerten auf. Überwie-
gend betraf es Vitamin- und Mineralstoff-
gehalte. Zahlreiche Proben dieser Erzeugnis-
gruppe entsprachen in ihrer Beschaffenheit
(Brennwert pro Mahlzeit, Eiweißgehalt, Lin-
olsäuregehalt, Mindestgehalte Vitamine und
Mineralstoffe) und Bewerbung nicht den
gesetzlichen Vorgaben. Bei diesen Produkten
werden als Eiweißkomponente häufi g Mais
und Soja eingesetzt. Gentechnisch veränder-
tes Material wurde nur in einem Fall nachge-
wiesen, wobei der Anteil, bezogen auf Soja,
unter 0,9 % lag und damit nicht kennzeich-
nungspfl ichtig war.
Die Beanstandungsquote bei
bilanzierten
Diäten
lag bei 24 %. Derartige Erzeugnisse
müssen nach Diätverordnung beim ersten
Inverkehrbringen beim Bundesamt für Ver-
braucherschutz und Lebensmittelsicherheit
angezeigt werden. Teilweise fehlten diese
Anzeigen. Die Herstellung bilanzierter Diä-
ten hat auf vernünftigen medizinischen und
diätetischen Grundsätzen zu beruhen. Die
Verwendung muss sicher, nutzbringend und
wirksam sein in dem Sinne, dass sie den be-
sonderen Ernährungserfordernissen der Per-
sonen, für die sie bestimmt sind, entsprechen.
Studien zum Wirksamkeitsnachweis der ein-
gesetzten Stoffe, insbesondere auch bei Ver-
wendung von Wirkstoffkombinationen lagen
bei einigen Erzeugnissen nicht vor. Bei Nicht-
vorliegen der Eignungsnachweise werden die
Anforderungen an eine bilanzierte Diät nicht
erfüllt, es handelt sich nicht um diätetische
Lebensmittel.
Bei bilanzierten Diäten eines regionalen Her-
stellers auf der Basis von Glucosaminsul-
fat/Chondroitin/Hyaluronsäure konnten die
Nachweise eines ernährungsmedizinisch be-
dingten Nährstoffbedarfes bei Arthrose und
Gelenkerkrankungen nicht erbracht werden.
Unsere Beurteilung wurde durch EFSA-Stel-
lungnahmen gestützt, die im Zusammenhang
mit der Prüfung gesundheitsbezogener Aus-
sagen keinen Zusammenhang zwischen der
Aufnahme der genannten Stoffe und den aus-
gewiesenen Wirkungen feststellen konnten.
Ein diätetisches Lebensmittel für besonde-
re medizinische Zwecke in Stresssituationen
enthielt als wertgebende Substanz Validol.
Gleichzeitig wurde das Produkt mit Hinwei-
sen beworben, dass das Erzeugnis einer Er-
höhung der Konzentrationsfähigkeit, einer
Aktivierung des Immunsystems sowie einer
positiven Beeinfl ussung des Schlafrhythmus
dienen kann. Ein wissenschaftlicher Nachweis
für die angeführten Wirkungen ist jedoch
nicht bekannt.

│35
Ein Aminosäurepräparat, bezeichnet als bi-
lanzierte Diät zur diätetischen Behandlung
bei intensiven Muskelanstrengungen, enthielt
Arginin und Ornithin. Gleichzeitig wurde
das Produkt eines regionalen Herstellers für
Nichtsportler empfohlen. Für Lebensmittel
des Allgemeinverzehrs dürfen diese Stof-
fe erst bei Vorliegen einer entsprechenden
Zulassung eingesetzt werden. Die Verkehrs-
bezeichnungen und diätetischen Zweck-
bestimmungen des Erzeugnisses waren die
Grundlage für die lebensmittelrechtliche Be-
wertung.
Die rechtliche Einstufung einer bilanzierten
Diät mit Melatonin zur diätetischen Behand-
lung des subjektiven Jet-Lag-Gefühls ergab,
dass es sich nicht um ein Lebensmittel han-
delt. Nach arzneimittelrechtlicher Prüfung
wurde das Erzeugnis als nicht zugelassenes
und damit nicht verkehrsfähiges Arzneimittel
eingestuft.
Die Gruppe der
Lebensmittel für Natrium-
empfi ndliche
war in diesem Jahr auffällig.
Das betraf weniger die Zusammensetzung
hinsichtlich der entscheidenden Mineral-
stoffe Natrium und Kalium. Die Angabe des
Diätzweckes fehlte bzw. war fehlerhaft aus-
gewiesen, so zum Beispiel mit einer unzutref-
fenden Diäteignung für Diabetiker. Die Anga-
be der Fettsäureverteilung war nicht korrekt,
insbesondere im Hinblick auf die Auslobung
der Zufuhr eines hohen Anteils mehrfach un-
gesättigter Fettsäuren.
Diätetische Lebensmittel mit der ausgewiese-
nen Eignung für
intensive Muskelanstren-
gungen, vor allem für Sportler
müssen für
diese Verbrauchergruppe nachweislich nütz-
lich sein. 25 % der untersuchten Sportler-
lebensmittel waren zu beanstanden.
Die ausgewiesenen Wirkungen im Zusam-
menhang mit einer Leistungssteigerung
sind in Bezug auf die wertgebenden Zuta-
ten (Lecithin, Grüntee-Extrakt, Carnitin) als
wissenschaftlich nicht hinreichend erwiesen
anzusehen. Bei Kreatinprodukten fehlten die
Angaben zu den Sportarten, bei denen ein
Nutzen aus der Einnahme möglich ist.
Die laut Deklaration empfohlenen Krea-
tinmengen waren unauffällig und werden
seitens der EFSA „für gut trainierte Athle-
ten“ bei Kurzzeit-Hochleistungssportarten
wie Sprinten, Sprung-Sportarten, Kurzzeit-
Schwimmen als sicher eingestuft. Der Einsatz
gentechnisch veränderter Zutaten bei Prote-
inkonzentraten auf Mais- bzw. Sojabasis wur-
den nicht nachgewiesen.
Die Beurteilung von Sportlernahrung ist ins-
gesamt schwierig, da es bisher für diese Pro-
duktgruppe keine europäischen sowie nationa-
len spezifi schen rechtlichen Regelungen gibt.
Der ebenfalls zu den diätetischen Lebens-
mitteln zählende Lebensmittelbereich der
Säuglings- und Kleinkindernahrung
um-
fasst verschiedene Erzeugnisgruppen – Säug-
lingsanfangsnahrung und Folgenahrung so-
wie Getreidebeikost und andere Beikost. Der
Gesetzgeber hat basierend auf europäischen
Richtlinien die Anforderungen für diese Pro-
dukte aufgrund der besonderen Ernährungs-
bedürfnisse der sensiblen Verbrauchergruppe
sehr streng geregelt. Stichprobenartige Prü-
fungen hinsichtlich Pfl anzenschutzmittel, Ni-
trat, andere Schadstoffe bzw. Kontaminanten
(Mykotoxine) ergaben keine Auffälligkeiten.
Gentechnisch veränderte Zutaten und nicht
deklarierte allergene Bestandteile wurden
nicht nachgewiesen.
Unsere Untersuchungen umfassten die Über-
prüfung der Zusammensetzung der Produk-
te hinsichtlich der Nährstoffgehalte und die
Prüfung der Werbeaussagen. Für die umfas-
sende Beurteilung sind die Untersuchungen
der Grundnährstoffe, Vitamin- und Mineral-
stoffgehalte in jedem Fall erforderlich, da sich
die gesetzlichen Vorgaben auf die Nährstoff-
dichte beziehen.
Nährstoffgehalte sowie nährwertbezogene
und gesundheitsbezogene Aussagen wur-
den bei 15 Erzeugnissen (Beanstandungsrate
8,7 %) als unzutreffend beurteilt. Nur in ei-
nem Fall war die stoffl iche Beschaffenheit zu
beanstanden.
Eine Getreidebeikost war mit dem Label „glu-
tenfrei“ versehen, obwohl glutenhaltige Zuta-
ten eingesetzt wurden. Eine Schnellwarnung
lag dazu vor.
Arzneimitteluntersuchungen
Im Bereich Pharmazie der LUA wurde ein brei-
tes Spektrum unterschiedlicher, nach Arznei-
mittelrecht zu beurteilender Erzeugnisse
aus verschiedenen Stufen des Herstellungs-
prozesses und der Handelskette bearbeitet.
Insgesamt handelte es sich um 420 Proben,
gegenüber dem Vorjahr ist damit ein Anstieg
der Probenzahl um 15 % zu verzeichnen.
Im Berichtszeitraum wurden 2.331 chemi-
sche und physikalische sowie 325 mikrobio-
logische Prüfungen durchgeführt. Weiterhin
wurde - soweit möglich - die Kennzeichnung
und die Packungsbeilage der Proben beurteilt.
In 107 Fällen war der rechtliche Status des
Produktes zu beurteilen.
Die Aufteilung nach Probenarten und weitere
Zahlen sind im Tabellenteil des Jahresberich-
tes dargestellt (s. Homepage LUA, Tab. 2.35
und 2.36).
Die Aufgaben der Untersuchung von Arznei-
mitteln aus der Arzneimittelüberwachung in
Sachsen wurden ab Januar 2011 an das Lan-
deslabor Berlin-Brandenburg übergeben.
Die insgesamt unverändert hohe
Beanstan-
dungsrate
(41 %) ist zu einem großen Teil
auf Proben zurückzuführen, die bereits un-
ter einem bestimmten Verdacht entnommen
wurden (davon waren 83 % zu beanstanden),
auch traten bei ansonsten einwandfreien
Produkten relativ häufi g Kennzeichnungs-
mängel auf.
Bei Produkten aus der planmäßigen Überwa-
chung der sächsischen Pharmaunternehmen
wurden keine Qualitätsmängel festgestellt.
Allerdings entsprach die Kennzeichnung bei
einer Produktreihe nicht dem aktuellen Stand
der (geänderten) Vorgaben – der Hinweis auf
kindersichere Aufbewahrung fehlte.
In der Dokumentation (Prüfverfahren, Spezi-
fi kation) von drei Produkten wurden einzelne
Punkte bzw. Unklarheiten bemängelt.
Bei Arzneimitteln aus der Apothekenherstel-
lung gab es demgegenüber eine relativ hohe
Beanstandungsrate, wobei auch hier der
überwiegende Teil der Beanstandungen auf
Kennzeichnungsmängel zurückzuführen war.
Bei der mikrobiologischen Wertbestimmung
von Antibiotika (9 Proben) ergab sich nur für
zwei Zubereitungen mit Nystatin eine Bean-
standung – hier wurden nur 81 % bzw. 87 %
der angegebenen Aktivität des antibiotischen
Wirkstoffes gefunden. In den 2009 und 2010
insgesamt untersuchten 27 Proben von
Zy-
tostatika-Zubereitungen
, die in spezialisier-
ten Apotheken individuell für Krebspatienten
hergestellt werden, wurden dagegen keine
Qualitätsabweichungen festgestellt.
Ein akutes Gesundheitsrisiko für den Ver-
braucher war bei keiner der Proben aus der
planmäßigen Überwachung der sächsischen
Hersteller (einschl. Apotheken) festzustellen.
Die Bedenklichkeit von Produkten im Sinne
des Arzneimittelgesetzes bzw. ein entspre-
chender Verdacht war allerdings bei den im
Folgenden beschriebenen 12 Verdachtspro-
ben zu beanstanden, die im Zusammenhang

image
36 │
dem Bezug über das Internet kann daher hier
nur gewarnt werden!
Bei 33 Produkten, die in Deutschland als Kos-
metika oder Lebensmittel bzw. Nahrungser-
gänzungsmittel in Verkehr gebracht oder aus
englischsprachigen Ländern als „dietary sup-
plement“ eingeführt wurden, bestätigte sich
der Verdacht, dass es sich um (zulassungs-
pfl ichtige) Arzneimittel handelt, weil
]
die Mittel zu Heilzwecken angeboten
wurden (z.B. „Kolloidales Silber“; „Press
Assure“ Tabletten; „Transpulmin Baby
Balsam“; „Tiroler Pferdewasser“; „Trüber
Wintertag“-Tee gegen Depressionen; Allis
Ginkgo Biloba Kapseln“) und/oder
]
sich aus der Kennzeichnung bzw. den
durchgeführten Untersuchungen ergab,
dass Stoffe mit pharmakologischen und
metabolischen Wirkungen enthalten wa-
ren (z. B. „Penis Power Cream“; „Allis Gink-
go Biloba Kapseln“; „Ultra Man“-Tabletten;
„Osteo Bi-Flex“-Kapseln mit standardisier-
tem Weihrauchextrakt und Glucosamin;
„OSR #1“-Tabletten mit N,N‘-Bis(2-mer-
captoethyl)isophthalamid).
Weitere Beispiele hierzu werden in den Ab-
schnitten Nahrungsergänzungsmittel/Diäte-
tische Lebensmittel des Berichtes beschrie-
ben.
Ein Blister mit Tabletten glich äußerlich auf
den ersten Blick dem bekannten, verschrei-
bungspfl ichtigen Arzneimittel Viagra® und
sollte laut Kennzeichnung 100 mg des be-
treffenden Wirkstoffs (Sildenafi l) enthalten.
Doch bereits das Gewicht und die Abmes-
sungen der Tabletten ergaben Abweichungen
vom Originalpräparat. Auch die Farbe und das
Schriftbild der Prägung erschienen leicht ab-
weichend.
Wie die Gehaltsbestimmung ergab, war nur
etwa die halbe Wirkstoffmenge (56 mg) je
Tablette enthalten. Damit lag eine erhebliche
Qualitätsminderung und eine Irreführung vor,
offenbar handelte es sich zudem um ein ge-
fälschtes Arzneimittel im Sinne von § 8 des
Arzneimittelgesetzes.
Ähnliche Abweichungen zeigten sich bei
Cialis®-Tabletten mit einem Wirkstoffgehalt
von 10 mg anstelle 20 mg Tadalafi l. Der zu-
sätzlich in geringer Menge (ca. 1 mg) enthal-
tene Wirkstoff Sildenafi l war als unzulässige
Verunreinigung zu werten. Das Produkt war
insgesamt analog dem vorher beschriebenen
„Viagra®“ zu beurteilen.
Dies trifft auch auf eine weitere Probe „Cia-
lis®“ mit 41 mg des (dort falschen) Wirkstoffs
Sildenafi l zu, wie auch auf ein Produkt, das
„Levitra® 20 mg Filmtabletten“ ähnelte.
Der im Original „Levitra®“ enthaltene Wirk-
stoff Vardenafi l war bei dieser Probe nicht
nachweisbar, es wurden jedoch 41 mg Silde-
nafi l und Spuren von Tadalafi l gefunden.
Auch bei Produkten aus dieser Gruppe - meist
aus Internet-Angeboten - kommen erfah-
rungsgemäß sehr häufi g Abweichungen der
Zusammensetzung vor. Besonders gefährlich
sind dabei stark überhöhte Wirkstoffgehalte,
auch werden immer wieder falsche, teilwei-
se gefährlichere Wirkstoffe gefunden, die in
manchen Fällen für völlig andere therapeu-
tische Zwecke bestimmt bzw. geeignet sind.
Vor der Bestellung solcher Produkte wie auch
von Arzneimitteln allgemein aus dubiosen
bzw. nicht nachvollziehbaren Quellen und
mit der Einfuhr nach Deutschland (aus Post-
sendungen oder aus dem Reisegepäck) durch
Zollbehörden entnommen wurden.
Sinngemäß sind nach § 5 Abs. 2 des Arznei-
mittelgesetzes solche Mittel bedenklich, bei
denen die schädlichen Wirkungen bei bestim-
mungsgemäßem Gebrauch über ein vertret-
bares Maß (z. B. über den Rahmen der bei
stark wirksamen Mitteln meist zu erwarten-
den Nebenwirkungen) hinausgehen.
Der Inhalt einer Flasche war zur Verwendung
in sogenannten „e-Zigaretten“ bestimmt.
Insgesamt wurde in der Lösung nahezu 1 g
reines Nicotin gefunden.
Nicotin
weist nicht
nur starke pharmakologische Wirkungen auf
(was zu einer Einstufung der Probe als Arz-
neimittel führte), sondern ist auch ein starkes
Gift. Für ungewöhnte Personen können be-
reits 30-40 mg Nicotin tödlich sein.
Auf der vorgelegten Probe waren keinerlei
Hinweise auf die Gefährlichkeit des Inhal-
tes angegeben, der Schraubverschluss besaß
keine „Kindersicherung“. Erschwerend kam
hinzu, dass der unangenehme Nicotingeruch
durch eine starke Aromatisierung (u. a. mit
Vanille) überdeckt war, wodurch – vor allem
bei Kindern - der Eindruck eines Lebensmit-
tels entstehen konnte.
Auch bei 11 von 18 Proben, die aufgrund des
Verdachts auf
Dopingmittel
missbrauch ent-
nommen wurden, musste wegen des hohen
Gehaltes an stark wirksamen Stoffen (ana-
bole Steroidhormone oder Wachstumshor-
mon) vom Risiko unvertretbarer schädlicher
Wirkungen ausgegangen werden. Es handelte
sich überwiegend um Injektionszubereitun-
gen, keines der Produkte ist in Deutschland
als Arzneimittel zugelassen.
Es bestätigte sich die Erfahrung, dass bei
derartigen Produkten häufi g alle denkbaren
Qualitätsabweichungen vorkommen. Im Be-
richtsjahr traten stark abweichende Wirk-
stoffgehalte auf – einmal waren nur Spuren
der drei deklarierten Wirkstoffe enthalten, in
5 anderen Fällen fehlte der Wirkstoff völlig.
Eine Durchstichampulle wies mehrere Ein-
stiche auf, was auf die Herstellung in einer
„Garagenfi rma“ hindeuten könnte.
In acht Fällen wurde die „nicht geringe Men-
ge“ im Sinne der Dopingmittel-Mengenver-
ordnung überschritten, bereits der Besitz sol-
cher Mengen ist nach dem Arzneimittelgesetz
(§ 6a, Abs. 2a) verboten.
Auch bei 10 Proben vom Landeskriminalamt
handelte es sich um Arzneimittel, die nach
Deutschland eingeführt worden waren. Die
zum Teil unverpackten Tabletten und Kapseln
waren bis auf eine Ausnahme zur
Potenzför-
derung
bzw. gegen erektile Dysfunktion be-
stimmt (vgl. Abb. 1 a-d).
Abb.1a/b/c/d: gefälschte Arzneimittel zur Behandlung von Erektionsstörungen
(Bilder Mitte: oben „Cialis®“, unten „Levitra®“

image
│37
Von insgesamt 763 untersuchten Proben wa-
ren 21 % zu beanstanden. Damit bleibt die
Beanstandungsrate auch 2010 im Vergleich
zu den Vorjahren weiterhin hoch.
Der weitaus größte Anteil der Beanstandun-
gen (73 %) beruht auf fehlerhaften Kenn-
zeichnungen der kosmetischen Erzeugnisse.
Irreführende Werbeaussagen und Produkt-
beschreibungen wurden bei 41 Proben regis-
triert, dazu sind spezielle Untersuchungser-
gebnisse bezüglich der Vitamin-Wirkstoffe in
Tab. 2.9.2, s. Homepage LUA, einsehbar.
Proben mit gesundheitlichem Risiko
Im Berichtszeitraum mussten insgesamt
sechs Proben wegen einer möglichen Eig-
nung zur Gesundheitsgefährdung aufgrund
kritischer (verbotener) Inhaltsstoffe, mikro-
biologischer Kontaminationen bzw. der mög-
lichen Verwechselbarkeit mit Lebensmitteln
beanstandet werden.
Unter anderem wurde in einem
Haargel
aus
einem Sonderpostenmarkt ein sehr
hoher
Gehalt an N-Nitrosodiethanolamin (NDE-
LA)
von 2,5 mg/kg bestimmt. NDELA ist ein
Lebercancerogen und besitzt auch genotoxi-
sche Eigenschaften. Nitrosamine dürfen zur
Herstellung von kosmetischen Mitteln nicht
verwendet werden. Das Haargel enthielt Trie-
thanolamin als Konsistenzgeber sowie den
nitrosierend wirkenden Konservierungsstoff
2-Bromo-2-nitro-propane-1,3-diol (Brono-
pol). Die gleichzeitige Verwendung dieser
beiden Rohstoffe ist aufgrund der möglichen
Bildung von NDELA nicht erlaubt. Die Ab-
schätzung des zusätzlichen Krebsrisikos er-
gab, dass bei der normalen Verwendung des
vorliegenden Haargels mit einem NDELA-Ge-
halt von 2,5 mg/kg das Krebsrisiko signifi kant
erhöht wird und daraus ein ernstes Risiko für
die Gesundheit der Verbraucher resultiert.
In mehreren Flaschen eines
Körperpfl egegels
wurde eine
mikrobiologische Kontamina-
tion
mit einem Keim aus dem
Burkholderia
cepacia
-Komplex in der Größenordnung von
105 KbE pro 1 g festgestellt.
Burkholderia
cepacia
kann bei Mukoviszidose-Patienten
lebensbedrohliche Infektionen hervorrufen.
Ebenso gelten diese Keime als Erreger von
Lungenentzündungen bei Patienten mit chro-
nischer Granulomatose sowie als Erreger von
opportunistischen Infektionen.
Burkholderia
cepacia
kann über minimale Hautläsionen bei
vorgeschädigter Haut oder über die Schleim-
häute in den Körper aufgenommen werden.
Die Gefahr von Wund-, Weichteilinfektionen
und Hornhautentzündungen etc. kann somit
nicht ausgeschlossen werden. Eine Eignung
zur Gesundheitsschädigung ist insbesondere
bei empfohlener Anwendung des Pfl egegels
auf geröteter und gereizter Haut nach dem
Sonnenbad gegeben.
Unvermindert häufi g werden kosmetische
Mittel in lebensmitteltypischen Aufmachun-
gen, wie Schaumbad in einer Sektfl asche,
Badegel in einer Joghurtfl asche, Seifenstücke
in Form von Gummibärchen bzw. Konfekt im
Handel angeboten.
Stellen diese Erzeugnisse für den Verbraucher
eine Gesundheitsgefahr dar?
Der Gesetzgeber hat verboten, mit Lebensmit-
teln verwechselbare Produkte für andere her-
zustellen, zu behandeln oder in den Verkehr
zu bringen, wenn aufgrund ihrer Verwechsel-
barkeit mit Lebensmitteln eine Gefährdung
der Gesundheit hervorgerufen werden kann.
Um derartige Erzeugnisse vom Markt nehmen
zu können, müssen zwei Bedingungen erfüllt
sein:
]
Die Verwechselbarkeit mit Lebensmitteln
und die damit vorhersehbare Aufnahme
(lutschen, schlucken) dieser Erzeugnisse
muss gegeben sein und
]
das aufgrund der Verwechselbarkeit
ausgehende Risiko für die menschliche
Gesundheit muss erheblich sein – insbe-
sondere zählen darunter Gefahren wie
Ersticken, Vergiftung, Perforation oder
Verschluss des Verdauungskanals.
Leichtere gesundheitliche Beschwerden wie
z. B. Übelkeit oder Erbrechen reichen für ein
Verkehrsverbot nicht aus.
Vier an der LUA eingereichte Proben, darunter
drei „Duschgele“ mit unterschiedlicher Parfü-
mierung und Färbung aus Italien (s. Abb. 1)
wurden als „mit Lebensmittel verwechselbare
Erzeugnisse“ beanstandet.
Abb.1: Duschgele „Creme Caramel“, „Schokolade“ und
„Walderdbeere“
Die Duschgele in den Ausführungen „Creme
Caramel“, „Schokolade“ und „Walderdbeere“
waren in durchsichtigen Kunststofffl aschen
abgefüllt. Die Flaschenform ist der im Handel
befi ndlichen Flaschen für Trinkjoghurt oder
anderen Milchmischgetränken nachempfun-
den. Die unter dem Schraubverschluss lie-
gende Öffnung hat einen Durchmesser von
3 cm und ist nicht mit einer Dosieröffnung
versehen. Die Konsistenz, die Farbgebung und
der intensive Geruch der enthaltenen Gele
erinnert stark an einen Trinkjoghurt bzw. ein
angedicktes Milchgetränk mit der jeweiligen
Geschmacksrichtung „Caramel“, „Schokolade“
bzw. „Erdbeere“.
Aufgrund der Etikettengestaltung sowie der
gesamten Aufmachung der Erzeugnisse (Aus-
sehen, Form, Verpackung) musste von der
Möglichkeit der Verwechslung der Duschgele
mit einem Joghurt oder einem Milchgetränk
ausgegangen werden.
Welche gesundheitlichen Risiken gehen von
diesen Erzeugnissen aus?
Die Flaschen ließen sich leicht öffnen und
aufgrund des Fehlens einer Dosieröffnung
und der geringen Viskosität der Flüssigkei-
ten war es leicht möglich, dass eine größere
Menge (mehr als ein Schluck) in den Mund
gelangt. Der Geschmack der Produkte war
seifi g, aber nicht so unangenehm und ab-
schreckend, dass die Aufnahme von mehr als
einem Schluck sicher auszuschließen wäre.
Die Produkte enthielten zudem keinen Bit-
terstoff, den viele Hersteller zur Vermeidung
einer versehentlichen Aufnahme von derarti-
gen Erzeugnissen zusetzen.
Die Erzeugnisse wiesen aufgrund des hohen
anionischen Tensidgehaltes eine sehr starke
Schaumbildung auf.
Neben der schleimhautreizenden Wirkung
liegt die gesundheitliche Relevanz von an-
ion-tensid-haltigen Zubereitungen vor al-
lem in der Eigenschaft, stabile Schäume zu
bilden, die beim versehentlichen Verschlu-
cken und nachfolgendem Erbrechen in die
Lunge gelangen können. Bei Zusammentref-
fen ungünstiger Umstände, z. B. schlech-
tem Allgemeinzustand der Betroffenen oder
verspäteter ärztlicher Behandlung, können
die durch Schaumaspiration ausgelösten
Bronchopneumonien einen schweren, in Ein-
zelfällen sogar tödlichen Verlauf nehmen.
Insbesondere Kinder und ältere Menschen
müssen gemäß Rechtsvorgaben vor dem Ri-
siko geschützt werden, dass derartige Ereig-
nisse durch eine mögliche Verwechslung mit
Lebensmitteln eintreten.
Unserer Beanstandung zu diesen Duschgelen
stimmten die Kosmetik-Sachverständigen des
Kosmetische Mittel

image
38 │
standteilliste 37 unterschiedliche Haarfär-
besubstanzen. Mit einem neu eingearbeite-
ten Prüfverfahren (HPLC/DAD) wurden die
Haarfärbemittel dahingehend qualitativ und
quantitativ untersucht. Im Rahmen der Un-
tersuchungen wurden erfreulicherweise kei-
ne Überschreitungen der Grenzwerte für die
zugelassenen Haarfärbesubstanzen oder gar
verbotene Stoffe festgestellt.
Von den 36 untersuchten Proben waren sechs
(16,7 %) zu beanstanden, wobei sich die Be-
anstandungen in vier Fällen direkt auf Ver-
stöße gegen rechtliche Regelungen bezüglich
der Verwendung von Haarfärbesubstanzen
bezogen. Bei drei Proben, wovon eine für den
gewerblichen und zwei für den allgemeinen
Gebrauch bestimmt waren, fehlten die beim
Vorliegen bestimmter Oxidationshaarfarben
obligatorisch vorgeschriebenen Warnhinwei-
se.
Weiterhin wurden drei Haarfärbemittel in
dunklen Farbtönen auf vermeintlich pfl anz-
licher Basis von den Überwachungsbehörden
zur Untersuchung eingesandt. Dabei erwies
sich nur ein Erzeugnis als reine Pfl anzenhaar-
farbe. Bei den anderen beiden Erzeugnissen
ließ sich aus der Gesamtaufmachung jedoch
nicht erkennen, dass es sich um handelsüb-
liche Oxidationshaarfarben handelt. Vielmehr
wurden durch die Verkehrsbezeichnungen
„Phyto Style“ und „Mocha Brown Henna
Plus“ deutlich suggeriert, dass die Färbewir-
kung auf pfl anzlichen Inhaltsstoffen beruht.
Weitere werbende Aussagen wie „Dauerhafte
Färbung mit Pfl anzenextrakten“ und „Für eine
natürliche und gesunde Haarfärbung“ unter-
strichen noch diesen Eindruck. In beiden Pro-
ben waren in der Bestandteilliste Oxidations-
haarfarben angegeben, die auch analytisch
nachgewiesen wurden. Diese zwei vermeint-
lichen Pfl anzenhaarfarben wurden aufgrund
der irreführenden Angaben und Aufmachun-
gen beanstandet.
Abb. 2: Überblick über Haarfarbenerzeugnisse, die im
Jahr 2010 beprobt und untersucht wurden
Kontaminationen auf, darunter immerhin vier
unkonservierte Erzeugnisse.
Um mikrobiologisch stabile Erzeugnisse ohne
Zusatz von in der Kosmetik-VO zugelassenen
Konservierungsstoffen herstellen zu können,
werden oft höhere Anteile von Ethanol oder
desinfi zierend wirkende ätherische Öle oder
andere Pfl anzenextrakte zugesetzt. Außerdem
werden auf dem Rohstoffmarkt „alternative
Konservierungssysteme“ angeboten wie z. B.
eine Mischung aus Anis- und Lävulinsäure.
Bei beiden Substanzen handelt es sich um
multifunktionale Inhaltsstoffe; so wird Lä-
vulinsäure sowohl zur Parfümierung als auch
zur Hautpfl ege eingesetzt und besitzt eine
bakterizide Wirkung. Anissäure wirkt maskie-
rend bzw. aromatisierend und wird auch als
antimikrobieller fungizider Bestandteil einge-
setzt.
Kritisch wird unsererseits jedoch bei Einsatz
dieser multifunktionellen Wirkstoffe mit an-
tibakterieller Wirkung die Auslobung „ohne
Konservierungsstoffe“ gesehen.
„Ob blond, ob rot, ob braun ...“- Haar fär-
ben – aber sicher!
Seit die Ergebnisse epidemiologischer Unter-
suchungen von 2001 Hinweise auf ein erhöh-
tes Risiko von Harnblasenkrebs bei Friseuren
und Verbraucherinnen lieferten, stehen Haar-
farben im besonderen Fokus der Öffentlich-
keit. Diese Untersuchungen beruhten auf Da-
ten insbesondere aus der Zeit vor 1985. Vor
rund 10 Jahren startete die EU-Kommission
eine systematische Sicherheitsbewertung
aller in Haarfärbemitteln verwendeten Sub-
stanzen, die mittlerweile fast abgeschlosse-
nen ist. Ziel ist die Erstellung einer Positivliste
der gesundheitlich unbedenklichen Stoffe
für Haarfärbemittel. Das wichtigste Ergeb-
nis dieser und weiterer Untersuchungen ist,