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Pirna
02.04.2020 05:00 Uhr
Im Alleingang am Forststeig
Wegen der Corona-Krise war die Eröffnung der neuen Trekkingsaison in der Sächsisch-
Böhmischen Schweiz in Gefahr. Doch nun gibt es Rettung.
Sorgt als "Forststeig-Ranger"
für Ordnung: Wolfram Claus. © Daniel Schäfer
Von Katarina Gust 4 Min. Lesedauer
Um genügend Abstand zu anderen Menschen muss sich Wolfram Claus in Zeiten von Corona
keine Sorgen machen. Denn dorthin, wo er arbeitet, verirrt sich derzeit kaum jemand. Claus
ist als Mitarbeiter vom Forstbezirk Neustadt auf dem
Forststeig
Elbsandstein
im Einsatz.
Zusammen mit einer Helferin im Bundesfreiwilligendienst sorgt er dafür, dass die
Trekkingroute bis zum Saisonstart am 3. April wieder begehbar ist.
Insgesamt 110 Kilometer müssen dafür im linkselbischen Teil der Sächsisch-Böhmischen
Schweiz kontrolliert und abgelaufen werden. Abgelegene Pfade, die nichts mit breiten
Wanderwegen zu tun haben. So wie hier am Elbleitenweg oberhalb vom Bad Schandauer
Bahnhof. Urwüchsig ist die Route. Im wahrsten Sinne des Wortes. Wolfram Claus muss an
manchen Stellen zu Messer und Axt greifen. Die Brombeeren haben sich über den Winter
ausgebreitet. Claus nimmt den Freischneider, um den Weg vor ihm freizulegen. Brombeeren
sind gefürchtet unter Wanderern - wegen ihrer Zweige, die wie Stolperfallen funktionieren.
Auch sperrige Äste, die Stürme heruntergeweht haben, räumt der Forststeig-Ranger beiseite.
Nicht alle, aber viele. Denn auf dem Forststeig gilt die Faustregel. "Wo man problemlos
darüber steigen kann, das bleibt liegen", erklärt Wolfram Claus.
An einer stattlichen Lärche bleibt er kurz stehen. Blick nach hinten, Blick nach vorn. "Gute
Stelle", ruft Claus und packt eine Spraydose mit gelber Farbe. Genau in Augenhöhe sprüht er
einen senkrechten gelben Strich auf den Stamm. Es ist die Markierung für den Forststeig. Wer
hier entlang wandert, orientiert sich daran. Zweigt die Route ab, wird rechts oder links ein
weiterer kleinerer Strich gesetzt. Die Sprache, die dahinter steckt, ist international. "Die
verstehen die Trekkingfans", sagt Wolfram Claus.

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Trekkingroute wird verlängert
Hier am Elbleitenweg oberhalb des Nationalparkbahnhofs muss er viele Markierungen
aufbringen. Nicht nur, weil sie in den vergangenen zwölf Monaten verblasst sind. Auf dem
Abschnitt zwischen Gohrisch und Bad Schandau kommt ein ganz neuer Teil hinzu. Hier wird
der Forststeig ab sofort verlängert. Bislang führte die Route vom Kleinhennersdorfer Stein
über die Hölle, den Nagelsweg und Täppichtsteig hinunter zur Bad Schandauer Fähre und
weiter zum Bahnhof. Künftig zweigt der Weg am Nagelsweg ab und führt über alte
Steinbrecherpfade um das "Rietzsch Hörnel" herum. Von dort laufen die Wanderer dann
parallel zur Elbe bis zur Fähre und dem Bahnhof. Etwa 30 Minuten brauchen Wanderer für
die wild-romantische Etappe, die Revierförster Olav Spengler ausgewählt hat.
Wolfram Claus und seine Helferin brauchen zwei bis drei Tage, bis der neue Bereich
begehbar ist. In einer größeren Gruppe wäre das Pensum schneller geschafft. Wegen der
Corona-Krise sind Gruppeneinsätze aber nicht mehr möglich. "Jetzt sind wir Einzelkämpfer",
sagt Claus. Unterstützung bekam er dennoch. Zum Beispiel von den Ortwegewarten der
Forststeig-Gemeinde, die ebenfalls Markierungen erneuert haben.
Hütten bleiben bis 20. April geschlossen
Bis zum Saisonstart am 3. April soll alles fertig sein. Trotz verhängter Ausgangssperre des
Freistaates will der Sachsenforst die Trekkingroute an diesem Freitag für Wanderer frei geben
- jedoch mit Einschränkungen. Die Trekkinghütten und Biwakplätze bleiben vorerst bis 20.
April geschlossen, damit Wanderer, die sich mit dem neuartigen
Coronavirus
angesteckt
haben, niemanden gefährden. Dadurch sind nur Tageswanderungen möglich.
Die Übernachtungsstellen, wie hier die Haselmausbaude bei Cunnersdorf, bleiben bis vorerst
20. April geschlossen. © Norbert Millauer

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Mit Farbe aus der Sprühdose trägt Wolfram Claus neue Markierungen auf. Ein senkrechter
gelber Strich weist den Forststeig-Wanderern den Weg. © Daniel Schäfer
Die insgesamt 110 Kilometer lange Route ist nur etwas für geübte Wanderer. Auf dem Pfad
ist Trittsicherheit gefragt. © Daniel Schäfer

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Faustregel am Forststeig: Wo man problemlos darüber steigen kann, das bleibt liegen.
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Oberhalb des Nationalparkbahnhofes in Bad Schandau macht der Trekkingpfad einen neuen
Schlenker - über alte Steinbrecherwege. © Sachsenforst
Am 3. April wird die neue Saison eröffnet - wegen der Corona-Krise allerdings mit
Einschränkungen. © Marko Förster
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Mit Einschränkungen müssen die Wanderer auch rechnen, die den Forststeig auf böhmischem
Gebiet nutzen wollen. Sie könnten beim Grenzübertritt nach Tschechien Probleme
bekommen. Denn die Grenzen zum Nachbarland sind mit wenigen Ausnahmen dicht - das gilt
auch für die "grüne Grenze".
Und noch etwas müssen die Forststeig-Abenteurer beachten. Sie werden sich den Wald auch
in dieser Saison mit den Mitarbeitern vom Sachsenforst und dem Forstbezirk Neustadt teilen.
Sie sind noch immer mit der Aufarbeitung der Sturmschäden aus dem letzten Winter
beschäftigt. Tausende Bäume wurden durch Okanböen umgeworfen. das Holz muss jetzt so
schnell wie möglich raus aus dem Wald. Ansonsten könnte sich der Borkenkäfer darin
einnisten und für weitere Schäden in den Waldgebieten der Sächsischen Schweiz sorgen.
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