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26.06.2020 10:06 Uhr,
https://www.saechsische.de/alles-neu-am-forststeig-elbsandstein5215089-html-5215089.html
16.06.2020 19:06 Uhr
Mehr Schlafplätze am Forststeig
Die Trekkingroute durch die Sächsisch-Böhmische Schweiz wird immer beliebter -
auch wegen Corona. Der Forst reagiert mit einer neuen Route und mehr.
Immer mehr Besucher sind auf dem "Forststeig Elbsandstein" unterwegs. © Norbert Millauer
Von Katarina Gust
5 Min. Lesedauer
Die Corona-Zwangspause auf dem
"Forststeig
Elbsandstein"
ist beendet. Seit dem vergangenen Wochenende können Wanderer die
rund 110 Kilometer lange Trekkingroute nicht mehr nur auf deutscher, sondern auch wieder auf tschechischer Seite nutzen. Auch
Mehrtagestouren sind auf Deutschlands erstem grenzüberschreitendem Trekkingweg jetzt wieder möglich. Die vier Biwakplätze, an
denen Wanderer ein eigenes Zelt aufschlagen können, wurden bereits Ende Mai geöffnet. Am vergangenen Wochenende wurden
auch die fünf Trekkinghütten zum Übernachten freigegeben.
Neue Route am Schneeberg eröffnet
Zum Start in die neue Wandersaison hat der Sachsenforst in dieser Woche einen neuen Routenabschnitt eingeweiht. Dieser
befindet sich auf tschechischer Seite, in der Nationalparkregion der Böhmischen Schweiz. Konkret geht es um den Abschnitt von
Kristin Hrádek zum südlichen Schneeberg (Děčínský Sněžník). Rund zwei Kilometer lang ist dieses Teilstück, das bislang über eine
asphaltierte Straße führte. Für den Forststeig ist das eher untypisch. Denn diese anspruchsvolle Trekkingroute führt meist durch

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siedlungsferne Wälder - quasi über Stock und Stein. Manchmal gleicht der Weg eher einem Trampelpfad, der mit bloßem Auge
schwer zu erkennen ist. So naturnah ist der Forststeig.
"Die Asphaltstraße Richtung Schneeberg gefiel vielen Forststeigwanderern deshalb gar nicht", sagt Kerstin Rödiger, Sprecherin
beim Forstbezirk Neustadt, der mit dem Sachsenforst für den Forststeig zuständig ist. Gemeinsam mit der tschechischen
Landesforstverwaltung „Lesy České republiky, s. p.“ als Partner wurde deshalb an einem Ausweich gefeilt. Mehrere Monate dauerte
es, bis ein geeigneter Weg parallel zur Asphaltstraße gefunden, getestet und abgenickt wurde. Denn normalerweise verläuft der
Forststeig in Tschechien nur auf bereits vorhandenen, ausgeschilderten Wegen. Eine komplett neue Route, die noch niemand
begangen hat, wie jetzt südlich am Schneeberg, ist ein absolutes Novum - und eine Ausnahme. Rund 3,2 Kilometer lang ist der neue
Abschnitt abseits von Asphalt.
Zwischen Kristin Hradek (Mitte) und dem südlichen Schneeberg gibt es eine neue Route. ©
Norbert Millauer
Eingeweiht wurde er am Montag von Uwe Borrmeister, dem Leiter des Forstbezirkes Neustadt und seinem tschechischen Kollegen
Ludvík Řičář, dem Leiter der Forstdirektion Liberec. Das grenzüberschreitende Projekt ist für beide Nachbarländer ein Erfolg. Etwa 20
Prozent der Wanderer auf dem Forststeig stammen aus Tschechien.

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Hier geht´s lang: Forstbeziksleiter Uwe Borrmeister (l.) sein tschechischer Amtskollege Ludvík Řičář
eröffnen den neuen Routenabschnitt bei Kristin Hrádek. © Norbert Millauer
Neues Rekordjahr erwartet - wegen Corona
In der letzten Saison 2019, die von April bis Oktober dauerte, gab es einen neuen Besucherrekord. Damals wurden rund 5.800
übernachtende Wanderer gezählt. 2018 waren es mit 2.800 noch weniger als die Hälfte. Ob die Zahl in diesem Jahr erneut getoppt
wird? "Das ist gut möglich", sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Neustädter Forstbezirkes. Die Corona-Krise hätte zwar für eine kürzere
Saison gesorgt. Dem gegenüber stehe jedoch die Sehnsucht nach der Nähe zur Natur, nach Ruhe und Abgeschiedenheit. "Nach
Corona zieht es mehr Leute denn je hinaus in die Natur", sagt Borrmeister. Davon profitiere auch der Forststeig.

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Bereit für die neue Saison: Die Trekkinghütte "Willys Ruh". © Norbert Millauer
Wie viele Wanderer täglich auf den 110 Kilometern unterwegs sind, lässt sich nur schwer kalkulieren. Rückschluss auf die
Besucherzahlen geben allein die verkauften Trekkingtickets. Wer mehrere Tage am Forststeig unterwegs ist, kann in
Trekkinghütten oder auf Biwakplätzen direkt am Wegesrand nächtigen. Dafür ist ein Obolus von fünf beziehungsweise zehn Euro
pro Person und Nacht zu zahlen - in Form von Trekkingtickets. Bis jetzt konnten rund 100 Personen gleichzeitig am Forststeig
schlafen: in vier Trekkinghütten und an den fünf Biwakplätzen.
Zwei neue Biwakplätze geplant
Um dem Ansturm gerecht zu werden, plant der Sachsenforst bereits an neuen Übernachtungsmöglichkeiten. "Unsere Besucher
sollen nicht irgendwo wild im Wald campieren, sondern nur an Stellen, die dafür angelegt sind", erklärt Uwe Borrmeister. Neue
Trekkinghütten können in der Nationalparkregion nicht gebaut werden - dafür Biwakplätze.
Am Taubenteich, Zschirnstein, Spitzstein und nahe Nikolsdorf gibt es bereits Stellen, an denen offiziell gezeltet werden darf. Jetzt
sind zwei neue Biwaks geplant. Ein Biwak soll südlich vom Quirl bei Pfaffendorf entstehen, ein zweites im Bielatal, unterhalb der
Grenzplatte. "Zehrborn-Biwak" soll Letzteres einmal heißen, benannt nach einer Quelle, die hier entspringt. Der Platz befindet sich
wenige Meter oberhalb der Biela. Auf der Lichtung können die Wanderer zelten. Für die Notdurft wird gerade eine Komposttoilette
aufgebaut. Zudem soll an jedem Biwak eine Schutzhütte für vier Personen aufgestellt werden - ein festes Dach für die Wanderer,
sollte das Wetter einmal ungemütlich werden.

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Forststeig-Ranger Wolfram Claus am neuen Biwakplatz im Bielatal unterhalb der Grenzplatte. ©
Norbert Millauer
Wie diese Schutzhütten einmal aussehen sollen, damit beschäftigen sich Architekturstudenten der TU Dresden. Unter dem Titel
"Orte schaffen - Biwak für den Forststeig" wird im kommenden Wintersemester ein entsprechendes Seminar angeboten. Wer daran
teilnimmt, bekommt die Aufgabe, eine Schutzhütte zu entwerfen. Eine Fachjury wird aus den Vorschlägen später zwei Gewinner
küren. Deren Entwürfe sollen tatsächlich gebaut und am Quirl und im Bielatal aufgestellt werden.
Die Stellen hat der Sachsenforst ganz bewusst ausgewählt. Die neuen Biwakplätze befinden sich auf zwei längeren Etappen des
Forststeiges. Etwa 20 Kilometer müssen Wanderer in diesem Gebiet normalerweise zurücklegen, um von einer Übernachtung zur
nächsten zu gelangen. "Das ist eine ambitionierte Distanz", erklärt Borrmeister. Wer der Forststeig an einem Stück meistern will,
braucht für die 110 Kilometer im Durchschnitt sechs oder sieben Tage. Um den Wanderern entgegenzukommen, kann an dem
geplanten Biwak im Bielatal schon jetzt gezeltet werden. Maximal fünf Zwei-Mann-Zelte sind erlaubt.
Trekkinghütten sind fit für neue Saison
Die Winterpause, die durch die Corona-Pandemie verlängert wurde, hat der Forst genutzt, um die vier Trekkinghütten fit für die
neue Saison zu machen. Viel hatten die Mitarbeiter und freiwilligen Helfer nicht zu tun. Die Wanderer würden sehr pfleglich mit der
Einrichtung umgehen. In "Willys Ruh", einer Trekkinghütte zwischen Tauben- und Fuchsbach, musste der Schornstein repariert
werden. Auch Feuerholz wurde aufgefüllt und die Komposttoilette wieder in Gang gesetzt.

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Einfach, aber funktional: Ein Schlafraum in "Willys Ruh". © Norbert Millauer
Wegen der Corona-Situation gelten in den Hütten derzeit besondere Hygiene- und Abstandsvorschriften. Wanderer sollten eigene
Utensilien zum hygienischen Händewaschen wie Wasser, Seife und Handtücher mitbringen. Auch eine Mund-Nasen-Schutzmaske
und Desinfektionsmittel sollten ins Gepäck. Bei einer Begegnung mit anderen Personen sind generell 1,50 Meter Abstand
einzuhalten. In den Trekkinghütten dürfen maximal zehn Personen gleichzeitig einen der Räume betreten. Der Sachsenforst weist
noch einmal darauf hin, dass die Waldübernachtungsstellen für Gruppen mit mehr als vier Personen aufgrund der geringen
Platzkapazität nicht geeignet sind.
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