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Radon – Vorkommen, Wirkung, Schutz
Eigenschaften und Vorkommen
Als Zwischenprodukt der Zerfallsreihe von Uran ent-
steht aus Radium das radioaktive Edelgas Radon in
Böden und Gesteinen. Über Poren im Erdboden ge-
langt es in die Atmosphäre, wo es sich schnell mit
der Atmosphärenluft vermischt. Radon ist überall. Es
ist unsichtbar, geruch- und geschmacklos.
Abhängig von den geologischen Verhältnissen und
möglicher Bergbaunutzung tritt Radon im Boden mit
Konzentrationen von einigen tausend bis zu einigen
hunderttausend Becquerel pro Kubikmeter Bodenluft
(Bq/m³) - aber kleinräumig sehr variabel - auf. Beim
Austritt aus dem Boden wird es in der Bundesrepub-
lik Deutschland im Jahresmittel auf Werte zwischen
3 Bq/m³ und 40 Bq/m³ verdünnt.
Im Vergleich der Bundesländer ist Sachsen beson-
ders von dieser Thematik betroffen.
Gesundheitsrisiko
Die Belastung durch Radon und seine radioaktiven
Zerfallsprodukte in Gebäuden kann Lungenkrebs
verursachen und ist deshalb von der WHO als kan-
zerogen eingestuft. Nach dem Rauchen ist Radon
die zweithäufigste Ursache für diese Erkrankung weit
vor Asbest und Dieselruß. Es gibt keinen Schwel-
lenwert unterhalb dem Radon ungefährlich ist. Mit
der Höhe der Radonkonzentration in der Raumluft
steigt die Wahrscheinlichkeit einer Lungenkrebser-
krankung. Die Kombination von Rauchen und Ra-
donbelastung verstärkt das Risiko.
Eintrittspfade in Gebäude
Weil Radon im Boden entsteht, sind potentielle Ein-
trittsstellen ins Gebäude in Bereichen mit Bodenkon-
takt also Fundamenten, Hauswänden und Kellern zu
suchen. Auch Baumaterialien, z. B. Granit, können
zur Radonkonzentration in der Raumluft beitragen:
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0221-
201210099810
.
Da sich die Raumluft nur langsam verdünnt, ist die
Konzentration in Gebäuden im Vergleich zum Freien
deutlich erhöht. Raumluftkonzentrationen können
von einigen zehn Bq/m³ bis zu Extremwerten von ei-
nigen tausend Bq/m³ reichen.
Zur Information über Regionen mit einem erhöhten
Radonpotenzial im Boden wurden Radonkarten er-
arbeitet, außerdem regionale Karten für Sachsen mit
einer Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit, dass be-
stimmte Radonwerte überschritten werden. Genaue
Angaben zu einem bestimmten Baustandort sind
nicht ableitbar. Die Karten mit Erläuterungen sind
verfügbar über:
http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlenschutz
/28756.htm.
Radonquellen
Einflussfaktoren
mögliche Maßnahmen
Radonaktivität der Bodenluft
Abdichten von Eintrittsstellen
wie Kabel- und Rohrdurchfüh-
rungen
Boden/Gestein im
Gebäudeuntergrund
Bodeneigenschaften, die die
Transportprozesse der Boden-
luft bestimmen
Dränagen im Gebäudeunter-
grund, Entlüften von Hohlbö-
den
Dichtheit der Gebäudehülle
Radonbrunnen im Gebäude
Druckverhältnisse zwischen
Bodenluft und Innenräumen
des Gebäudes
Erhöhen der Luftwechselrate
zwischen Innenräumen und
Außenluft (z. B. Lüften, Ventila-
toren)
Baumaterial
Druckverhältnisse innerhalb
des Gebäudes
Abdichtungen innerhalb des
Gebäudes zum Unterbinden
des Radontransportes
Druckverhältnisse zwischen
Gebäude und Außenluft
Verringern der Aufenthaltszeit
in betroffenen Räumen durch
Änderung der Raumnutzung
Luftwechselrate
Austausch oder Versiegelung
von Baumaterialien
Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten – Daten und Fakten

Referenzwert
Der Referenzwert für die Radonaktivitätskonzentrati-
on in Innenräumen (Wohnungen, Arbeitsplätze, öf-
fentlich zugängliche Gebäude) beträgt im Jahresmit-
tel 300 Bq/m³.
Zukünftig sind Messungen der Radonaktivitätskon-
zentration in öffentlichen Gebäuden und an Arbeits-
plätzen im Erd- und Kellergeschoss vorgeschrieben,
sofern sie im Radonvorsorgegebieten liegen (Gebie-
te, für die erwartet wird, dass die Radonaktivitäts-
konzentration im Jahresmittel in einer beträchtlichen
Zahl von Gebäuden den Referenzwert überschrei-
tet). Die Ausweisung erfolgt bis 31.12.2020.
Bei Überschreiten des Referenzwertes sind Maß-
nahmen zur Reduzierung durchzuführen. Sofern die-
se nicht erfolgreich sind, werden die Arbeitnehmer
der Überwachung durch den Strahlenschutz unter-
stellt.
Radonmessungen und Schutzmaßnahmen
Seit einigen Jahren gibt es in Sachsen kostenlose
Messungen der Radonaktivitätskonzentration in öf-
fentlichen Gebäuden, insbesondere in Schulen und
Kindergärten sowie in Gebäuden nachgeordneter
Behörden des Staatsministeriums für Umwelt und
Landwirtschaft.
Wegen der Vielseitigkeit und Komplexität der Pro-
zesse, welche die Radonsituation bestimmen, ist bei
bestehenden Gebäuden immer eine speziell auf den
Einzelfall abgestimmte Untersuchung und Lösungs-
findung nötig.
Für die Einschätzung der Radonsituation wird i. d. R.
der Langzeitmittelwert der Radonkonzentration in In-
nenräumen durch integrierende Messungen be-
stimmt. Bei üblicher Raumnutzung beträgt die Mess-
dauer ein Jahr; mindestens aber einige Monate wäh-
rend der Heizperiode. Besteht ein Radonrisiko, las-
sen sich durch zeitaufgelöste Messungen Eintritts-
stellen bzw. Ausbreitungswege eingrenzen und unter
Berücksichtigung der baulichen Gegebenheiten Sa-
nierungsoptionen ableiten.
Um- und Ausbauarbeiten an Gebäuden können
maßgebliche Veränderungen der Radonwerte bewir-
ken. Insbesondere Maßnahmen zum Abdichten der
Gebäudehülle und Mindern der Luftwechselrate kön-
nen zu Erhöhungen führen. Deshalb sollte bei der
Planung solcher Baumaßnahmen die Radonthematik
einbezogen werden.
Bei neu zu errichtenden Gebäuden sind in den meis-
ten Fällen die Baumaßnahmen, die nach heutigem
Technikstand angewendet werden, auch für den Ra-
donschutz ausreichend. Dies ist im Wesentlichen die
Isolierung von Boden berührenden Wänden und
Fundament gegenüber der Bodenfeuchtigkeit. Für
Standorte mit hohem Radonpotenzial sind spezielle
zusätzliche Radonschutzmaßnahmen zu empfehlen.
Die Messungen, die Erarbeitung eines gebäudespe-
zifischen Radonschutzkonzepts und das Ausführen
von Radonschutzmaßnahmen setzen eine gute
Fachkenntnis voraus. Es wird empfohlen, mit ge-
werblichen Anbietern Vereinbarungen zu treffen zu
Zielwerten,
Kontrollmessungen,
Nachbesserungen bei Überschreitung der verein-
barten Zielwerte,
Dokumentationen der Maßnahmen und der Mess-
werte und
ggf. Wartung der Radonschutzmaßnahmen.
Radonberatungsstelle des Freistaates Sachsen
Die Aufgaben der Radonberatungsstelle sind:
kostenlose Beratung von Bürgern, Kommunen
und öffentlichen Einrichtungen zu
Vorkommen und Wirkung von Radon
Möglichkeiten zur Verminderung der Radon-
konzentration in Wohnungen
Durchführung von Messprogrammen zur
Aufklärung des Zusammenhangs zwischen
Radonpotenzial bzw. Gebäudeeigenschaften
und der Radonsituation im Gebäude
Erprobung von Messstrategien für komplexe
bauliche Strukturen in öffentlichen Gebäuden
Die Beratung beinhaltet keine Planungen von Schutz-
maßnahmen im Einzelfall. Detaillierte Gutachten und
bauliche Konzepte/Planungen sind von entsprechen-
den Fachfirmen einzuholen.
Radonberatungsstellen:
Bad Schlema (Tel./Fax: 03772/38 04 27)
Chemnitz (Tel.: 0371/46124220, Fax: 0371/46124299)
E-Mail:
radonberatung@smul.sachsen.de
Internet:
www.smul.sachsen.de/bful/15123.htm
Öffnungszeiten:
Dienstag 9:30-11:30 Uhr und 12:30-16:30 Uhr
Informationen
Radon-CD des Sächsischen Staatsministeriums
für Umwelt und Landwirtschaft (Bezug:
info@smul.sachsen.de
,
Tel.: 0351/564-6814,
FAX: 0351/564-6817)
Radonschutzmaßnahmen
Planungshilfe für Neu-
und Bestandsbauten
Radon-Handbuch Deutschland des Bundesamtes
für Strahlenschutz (BfS): (Bezug:
info@bfs.de
)
WHO, 2009: Handbook On Indoor Radon
gewerbliche Anbieter
Liste der Radon-Fachpersonen in Sachsen und
Bayern
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlens
chutz/1751.htm
Messstellen
http://www.bfs.de/DE/themen/ion/umwelt/radon/sc
hutz/schutz.html
Industrie- und Handelskammer:
http://www.umfis.de/index.html
IHK-Sachverständige
http://svv.ihk.de/svv/content/home/home.asp?cid=
6020
Abteilung: Klima, Luft, Lärm, Strahlen
Telefon: 0351/2612-5413
E-Mail: Andrea.Kaltz@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Stand: 18.02.2019