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Faktensammlung Hochschulen, Berufsakademien und Studentenwerke | 1
Studieren mit Behinderung
In
Sachsen
gibt
es
21
Hochschulen,
davon
vier
Universitäten,
fünf
Kunsthochschulen,
fünf
Fachhochschulen
und
sieben
Standorte
der
Berufsakademie. Im Wintersemester 2012/13 studierten an den Hochschulen in
Sachsen insgesamt 112.191 Personen, davon 61.843 männliche und 50.348
weibliche Studierende (Frauenanteil 45 %). Die genaue Zahl der Studierenden mit
Behinderungen ist nicht bekannt; das Deutsche Studentenwerk geht davon aus, dass
etwa 8 % aller Studierenden eine Behinderung haben, das entspricht in Sachsen
rund 9.000 Studierenden. Darüber hinaus ermöglicht das Berufsbildungswerk
Sachsen mit dem Studienzentrum Dresden der SRH FernHochschule Riedlingen
Studierenden mit Behinderungen ein berufs- und ausbildungsbegleitendes Studium
mit mehreren Bachelorstudiengängen.
In der Erhebung „beeinträchtigt studieren“ wurden im Jahr 2011 bundesweit
Studierende im Hinblick auf Beeinträchtigungen befragt. Diese Datenerhebung zur
Situation Studierender mit Behinderung und chronischer Krankheit 2011 wurde für
den Freistaat Sachsen gesondert ausgewertet. Unter den Studierenden waren 8 %
Studierende mit Schwerbehinderung (GdB 50 oder mehr). Unter den Studierenden in
Sachsen sind die ermittelten Beeinträchtigungen folgendermaßen verteilt (Tabelle
19):
Tabelle 1: Studierende mit Beeinträchtigungen: Art der Beeinträchtigung, Sachsen 2011,
Anteile in %
Art der Beeinträchtigung
Frauen
Männer
Insgesamt
Psychische Beeinträchtigung
38,9
35,1
36,8
Andere chronische Krankheit
20,5
15,0
17,6
Sehbeeinträchtigung
9,9
11,2
10,6
Andere Mehrfachbeeinträchtigung
11,5
9,7
10,5
Teilleistungsstörung
3,5
7,5
5,6
Hör-/Sprechbeeinträchtigung
4,7
5,4
5,1
Sonstige Beeinträchtigung
5,1
4,9
5,0
Bewegungs-/Mobilitätsbeeinträchtigung
3,4
6,4
5,0
Mehrfach: Psychische u. andere chron. Erkrankung
2,4
4,9
3,7
Quelle: Zaussinger (2012): beeinträchtigt studieren, Sonderauswertung Sachsen
Psychische
Beeinträchtigungen
weisen
37 %
der
Studierenden
mit
Beeinträchtigungen auf (39 % der Frauen und 35 % der Männer). An zweiter Stelle
liegen andere chronische Krankheiten, von denen 18 % der Studenten mit
Beeinträchtigungen betroffen sind (21 % der Frauen und 15 % der Männer). An
dritter Stelle stehen Sehbeeinträchtigungen und andere Mehrfachbeeinträchtigungen,
von denen jeweils rund ein Zehntel der Studierenden mit Beeinträchtigungen
betroffen ist. Bei 3,4 % der weiblichen und 6,4 % der männlichen Studierenden mit

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Beeinträchtigungen
handelt
es
sich
um
Bewegungs-
und
Mobilitätsbeeinträchtigungen. Schon daraus wird erkennbar, wie vielfältig die
Behinderungen sind und dass ein „barrierefreies Studium“ mehr umfasst als
rollstuhlgerechte Zugänge allein.
Unter
den
Studienrichtungen
der
Männer
mit
Beeinträchtigungen
stehen
Ingenieurwissenschaften (35 %) und Mathematik/Naturwissenschaften (27 %) an
erster Stelle, während die Frauen mit Beeinträchtigungen vor allem in den Bereichen
Jura/Wirtschaftswissenschaften (19 %) und Sprach-/Kulturwissenschaften (18 %)
studieren.
Tabelle 2: Studierende mit Beeinträchtigungen: Studienfach, Sachsen 2011, Anteil in %
Fächergruppe
Frauen
Männer
Insgesamt
Ingenieurwissenschaften
12,5
35,3
24,8
Mathematik, Naturwiss. (inkl. Agrarwiss.)
17,2
27,0
22,5
Jura, Wirtschaftswissenschaften
18,8
16,0
17,3
Sprach-, Kulturwiss. (inkl. Kunst, Musik, Sport)
18,0
7,1
12,1
Pädagogik, Erziehungswissenschaften
12,6
5,4
8,7
Sozialwissenschaften, Sozialwesen
12,5
5,2
8,6
Psychologie
4,8
2,3
3,5
Medizin und Gesundheitswissenschaften
3,6
1,7
2,6
Quelle: Zaussinger (2012): beeinträchtigt studieren, Sonderauswertung Sachsen
Nach dem Sächsischen Hochschulrecht gehört es zu den Aufgaben der
Hochschulen, dafür zu sorgen, „dass Studenten mit Behinderung oder chronischer
Krankheit in ihrem Studium nicht benachteiligt werden und die Angebote der
Hochschule möglichst ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen können“ (§ 5 Abs. 2
Nr.
12
Sächsisches
Hochschulfreiheitsgesetz
SächsHSFG).
Die
Prüfungsordnungen müssen „der Chancengleichheit für behinderte und chronisch
kranke Studenten dienende Regelungen treffen“ (§ 34 Abs. 3 SächsHSFG). Das
Bewusstsein für die Belange von Studierenden mit Beeinträchtigungen ist bei allen
Hochschulen und deren Lehrkräften vorhanden.
Grundsätzlich sind die sozialen Belange der Studierenden ein zentrales
Aufgabenfeld der Studentenwerke. Die vier Studentenwerke in Chemnitz-Zwickau,
Dresden, Freiberg und Leipzig informieren, beraten und unterstützen gezielt auch
Studierende mit Behinderungen. So werden z. B. Studierende mit Handicap oder in
anderen belastenden Lebenslagen bei der Bewältigung der Anforderungen des
Studiums
unterstützt.
Die
Studierenden
wenden
sich
meist
an
die
Beratungsangebote der Studentenwerke, die dann versuchen, Lösungen für die
individuellen Probleme zu finden – das kann z. B. die Durchsetzung bestimmter
Rechte auf Anpassungen von Prüfungsleistungen sein. Auch Wohnheimplätze
werden bevorzugt an Studierende mit Beeinträchtigungen vergeben.

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Ebenfalls bieten die Studierendenvertretungen bzw. Studentenräte den Studierenden
mit Behinderung Unterstützung und Beratung an. So hat z. B. der Studentenrat der
Technischen Universität Dresden (TU Dresden) einen Geschäftsbereich zur
Integration behinderter und chronisch kranker Studierender (IbS) eingerichtet, der
folgende Aufgaben wahrnimmt:
Kontaktpflege zu lokalen und überregionalen Interessenvertretungen für
behinderte und chronisch kranke Menschen,
Durchführung von Beratungen,
Vertretung der Interessen behinderter und chronisch kranker Studierender
(Leitung der Hochschule, Prüfungsämter, Dozenten),
Ständiger Kontakt zu allen anderen Beratungsstellen der TU Dresden,
insbesondere zum Behindertenbeauftragten für Studierende der TU Dresden und
zu den Beratungsstellen des Studentenwerkes Dresden,
Ansprechpartner in allen Fragen der Studienbedingungen behinderter und
chronisch kranker Studierender,
Aufbau und Pflege eines Informationsnetzwerkes,
Individuelle Betreuung der behinderten und chronisch kranken Studierenden,
Konzeptionelle Arbeit mit dem Fernziel einer barrierefreien Universität,
Bindeglied zwischen allen zuständigen Stellen und dem Geschäftsfeld Soziales
des Studentenrates der TU Dresden,
Zusammenarbeit mit der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS).
Auch die anderen Universitäten und Hochschulen im Freistaat Sachsen stellen sich
zunehmend auf Studierende mit Behinderungen ein.
Ein Positivbeispiel ist der Neubau der Hochschulbibliothek mit Medienzentrum an der
Hochschule für Technik Wirtschaft und Kultur (HTWK) Leipzig. Sowohl die Bibliothek
als auch das Medienzentrum wurden barrierefrei gebaut, alle Etagen sind per Aufzug
erreichbar und die Toiletten sind ebenfalls barrierefrei. Die Regal- und
Magazinbereiche sind auch für Rollstuhlfahrer ausreichend breit gestaltet. Für
sehbehinderte Menschen bietet die Hochschule den Service der Fernleihe von
Büchern
in
Blindenschrift
an.
In
der
Hochschulbibliothek
wurde
ein
medientechnischer Arbeitsraum mit speziellen Headsets geschaffen, die eine
Nutzung durch hörbehinderte Menschen besonders unterstützen.
In Freiberg wurde das Projekt „Barrierefreies Studium an der TU Bergakademie
Freiberg“ initiiert, das für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung
eine persönliche Assistenz durch Kommilitonen organisiert. Die Assistenz kann sich
je nach Bedarf auf das Vorlesen von Texten, Unterstützung bei Recherchearbeiten

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oder Mobilitätshilfe auf dem Campusgelände beziehen. Darüber hinaus bietet die TU
Bergakademie Freiberg für Studierende mit Behinderung oder chronischer
Erkrankung einen individuell abgestimmten Nachteilsausgleich im Studium und bei
Prüfungen an.