image
image
1
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Kurzfassung MaP 156 „Waldteiche bei Mistschänke und Ziegenbusch“
1. GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das SCI „Waldteiche bei Mistschänke und Ziegenbusch“ befindet sich nördlich von Dres-
den im Landkreis Meißen. Das Gebiet gehört zur Gemeinde Niederau und besteht aus
zwei Teilflächen mit einer Flächengröße von insgesamt etwa 112 ha.
Das SCI umfasst mehrere, in einem größeren Waldgebiet gelegene Teiche entlang eines
teilweise naturnahen Fließgewässers mit Auwaldresten, naturnahen Stillgewässern und
verschiedenen Waldgesellschaften sowie Halbtrockenrasen, Grünland und Streuobstbe-
stände.
Aufgrund des bewegten Reliefs und für die Landwirtschaft weniger gut geeigneter Böden
erfolgt im Bereich der Teilfläche 2 fast ausschließlich forstliche Nutzung. Im Gebiet der
Teilfläche 1 wird diese durch landwirtschaftliche Nutzung ergänzt. Die Teiche sind künst-
lich angelegt und werden zur Fischzucht genutzt.
Das SCI liegt im Bereich der Hochfläche des Meißener Massivs, das durch glaziale Ab-
tragung im Pleistozän freigelegt wurde und heute ein welliges bis hügeliges Relief auf-
weist. Der Gesteinsuntergrund im Bereich der Teilfläche 1 besteht überwiegend aus Plä-
nermergel. Im Gebiet der Teilfläche 2 dominiert großflächig Granitit (Hauptgranit des
Meißner Massives), durchbrochen von lehmig-sandigen Ausfüllungsmassen, die entlang
der Wasserläufe und Seen vor allem im Westen der Fläche durch Moos und Torf ergänzt
werden.
Die Böden im Bereich der Teilfläche 1 werden überwiegend durch Pseudogley gebildet, in
den Randbereichen ergänzt durch Parabraunerden. Im nördlichen Bereich der Teilfläche
2 bis etwa nördlich des Großteichs ist Vega-Gley anzutreffen, nach Süden schließt
Braunerde an. Nördlich des Neuteichs findet sich vor allem Pseudogley.
Ungefähr 64 % des Gebietes sind von Wald bedeckt. Auf Laubwaldbestände entfallen
dabei etwa 27 %, auf Nadelwald 13,5 % und auf Mischwälder 23,5 % der Fläche des SCI.
Sonstige Gehölze wie Feldgehölze und Gebüsche nehmen etwa 3,2 % des Gebietes ein.
Die Teiche und ihre gewässerbegleitende Vegetation nehmen 19 % der Gesamtfläche
ein. Niedermoore und Sümpfe bedecken ca. 1 % der Fläche. Wirtschaftsgrünland (inkl.
Ruderalfluren) hat einen Anteil von etwa 9 %, während nur etwa 2 % der Fläche acker-
baulich bewirtschaftet werden.

image
image
2
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
2.
ERSTERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Insgesamt wurden im SCI acht Lebensraumtypen (LRT) mit einer Flächengröße von 36,1
ha erfasst (vgl. Tabelle 1). Das entspricht einem Anteil von 37,4 % der Gesamtfläche des
Gebiets. Hinzu kommt eine 0,9 ha (ca. 0,8 % der Gebietsfläche) große Entwicklungsflä-
che für den LRT 6510 (Flachland-Mähwiesen).
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 156
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflä-
chen
Fläche
[ha]
Flächenan-
teil im SCI
3150
Eutrophe Stillgewässer
3
20,0
17,8 %
6210 Kalk-Trockenrasen
1 <0,1 0,1 %
6510 Flachland-Mähwiesen
10
6,4 5,7 %
7140
Übergangs- und Schwingrasenmoore
1
0,1
0,1 %
9110 Hainsimsen-Buchenwälder
2
2,4 2,1 %
9160 Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder 1
0,8 0,7 %
9170 Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder
1
5,0 4,5 %
91E0* Erlen-Eschen- und Weichholzauenwäl-
der
3 1,4 1,3 %
gesamt: 47 36,1 32,3 %
*prioritärer Lebensraumtyp
Bezeichnend für das Gebiet sind die Eutrophen Stillgewässer des Lebensraumtyps 3150
mit insgesamt 20,0 ha und 3 kartierten Flächen. Daneben treten noch Flachland-
Mähwiesen (6,4 ha), Hainsimsen-Buchenwälder (2,4 ha) und Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder (5,0 ha) großflächig auf. Alle anderen Lebensraumtypen sind jeweils
nur kleinflächig vertreten.
Der LRT 3150 (Eutrophe Stillgewässer) ist in der Ausbildung als Teich auf drei Teilflächen
im SCI vorhanden und besitzt eine regionale Bedeutung.
Erfasst als Lebensraumtyp 6210 (Kalk-Trockenrasen) wurde eine Wiese am Waldrand im
NSG „Ziegenbuschhänge bei Oberau“ (Teilgebiet 1) nachgewiesen. In Verbindung mit
den mageren Flachland-Mähwiesen im Wiesen-Komplex der Teilfläche 1, die teilweise
eine Tendenz zu Halbtrockenrasen aufweisen sowie der Artenausstattung kommt der Flä-
che eine regionale Bedeutung zu.

image
image
3
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) befinden sich ausschließlich im Gebiet der Teilfläche 1.
Dabei handelt es sich um einen artenreichen Grünlandkomplex aus alten Streuobstbe-
ständen und Wiesen, die zum Teil mit Rindern extensiv beweidet werden. Aufgrund des
Orchideenvorkommens und des in Sachsen selten vorkommenden basenreichen Stand-
orts besitzen die Flachland-Mähwiesen im SCI eine überregionale Bedeutung.
Der LRT 7140 (Übergangs- und Schwingrasenmoore) nimmt nur eine untergeordnete
Rolle im SCI ein. Es konnte lediglich eine sehr kleine Fläche im westlichen Verlandungs-
bereich des Neuteichs diesem LRT zugeordnet werden. Aufgrund der Kleinflächigkeit und
Isoliertheit hat die Fläche nur eine lokale Bedeutung.
Die im SCI als LRT 9110 (Hainsimsen-Buchenwälder) an den Hängen um die Buschmüh-
le erfassten Bestände besitzen lokale Bedeutung als Ausgangspunkt der natürlichen Bu-
chenverjüngung zum Einwandern in die angrenzenden Kiefernbestände.
Der LRT 9160 (Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwald) weist im SCI eine lokale Bedeu-
tung. Die Fläche befindet sich im Teilbereich 1 als mesophile Eichenwaldgesellschaft im
sonst von ärmeren Waldgesellschaften dominierten Umland.
Der LRT 9170 (Labkraut-Eichen-Hainbuchenwald) besitzt im FFH-Gebiet eine lokale Be-
deutung als mesophiler Restwald und Biotopverbund für im Wald lebende Tier- und Pflan-
zenarten in der sonst landwirtschaftlich genutzten Landschaft. Überregionale Bedeutung
hat der Bestand aufgrund seines Elsbeerenanteils. Es handelt sich hierbei um den einzi-
gen Saatgutbestand der Elsbeere in Sachsen.
Erlen-Eschen-Wälder (LRT 91E0*) treten im FFH-Gebiet nur kleinflächig an Bachläufen
und zwischen den Teichen auf. Aufgrund ihrer gut ausgebildeten Struktur und reichen
Arteninventars besitzen die LRT-Flächen im SCI eine regionale Bedeutung.
Von den 47 LRT-Flächen befinden sich bereits 45 in einem günstigen Erhaltungszustand
(A oder B). Zu einem ungünstigen Erhaltungszustand (C) für die beiden Einzelflächen der
Übergangs- und Schwingrasenmoore führen vor allem das vermehrte Auftreten von Nähr-
stoffzeigern (vor allem Binsen) und die schlechter Ausprägung der lebensraumtypischen
Strukturen.

image
image
4
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 156
Erhaltungszustand
A B C
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
3150 Eutrophe Stillgewässer - - 2 19,3 1 0,7
6210 Kalk-Trockenrasen - - 1 <0,1 - -
6510 Flachland-Mähwiesen 1 0,4 9 6,0
7140
Übergangs- und Schwing-
rasenmoore
- - 1 0,1 - -
9110 Hainsimsen-Buchenwälder 1 1,8 1 0,7 - -
9160 Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
- - 1 0,8 - -
9170 Labkraut-Eichen-
Hainbuchenwälder
1 5,0 - - - -
91E0* Erlen-Eschen- und Weich-
holzauenwälder
- - 3 1,4 - -
*prioritärer Lebensraumtyp
Aufgrund der Lage des SCI "Waldteiche bei Mistschänke und Ziegenbusch" zwischen
Elbe und Großer Röder besitzt das Gebiet eine bedeutende Trittsteinfunktion für alle
Schutzgüter innerhalb und außerhalb des SCI. Unmittelbare Kohärenzfunktionen sind vor
allem zu den benachbarten FFH-Gebieten zu beschreiben. Dabei sind folgende SCI zu
nennen: "Hopfenbachtal" (153), „Moritzburger Teiche und Wälder“ (154) sowie "Teiche
und Gründe im Friedewald" (158). Auch für die im Gebiet die erfassten Anhang II-Arten
besteht Kohärenzfunktion zu benachbarten FFH-Gebieten besonders für Fischotter, Gro-
ßes Mausohr und Mopsfledermaus (siehe auch Kapitel 2.2). Für den Kammmolch ist auf-
grund der Entfernungen zu bekannten Vorkommen und seinem Ausbreitungsvermögen
kaum eine Kohärenzfunktion gegeben.
2.2.
ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SCI wurden 4 Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie nachgewiesen (vgl. Tabelle 3).

image
image
5
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II - Arten im SCI 156
Anhang II - Art
Name
Wissenschaftli-
cher Name
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Fischotter
Lutra lutra
1 47,5 42,4 %
Mopsfledermaus
Barbastella bar-
bastellus
1 80,7 72,1 %
Großes Mausohr
Myotis myotis
1 76,6 68,4 %
Kammmolch
Triturus cristatus
1 87,7 78,3 %
Im FFH-Gebiet wurde ein Fischotterhabitat im Teilbereich 2 ausgewiesen. Es umfasst die
Teiche und deren verbindenden Fließgewässer sowie die dazugehörigen Landhabitate.
Der Erhaltungszustand des Habitats ist in einem guten Zustand (B-Bewertung). Die Nah-
rungsbedingungen sind aufgrund der fischereilich genutzten Teiche als sehr gut einzustu-
fen. Eine verkehrsbedingte Gefährdung besteht innerhalb des SCI nicht. Störungen durch
freizeitliche Aktivitäten sind gering und treten nur entlang der Wanderwege auf. Die Ufer-
bereiche der Gewässer sind weitestgehend als störungsarm einzustufen.
Die Waldflächen im SCI wurden als Habitatflächen des Großen Mausohrs ausgewiesen.
Unterwuchsarme Bereiche sind meist nur relativ kleinflächig im Bereich dichterer Stiel-
oder Roteichenbestände nachzuweisen. Die großflächig vorhandenen Kiefernbestände
weisen meist einen starken Unterbau mit Laubbaumarten auf, die die Bodenzugänglich-
keit für das Große Mausohr stark beeinträchtigen. Aktuell sind jedoch keine Beeinträchti-
gungen in der forstlichen Nutzung zu erkennen. Insgesamt befindet sich die Habitatfläche
in einem günstigen Erhaltungszustand (B-Bewertung).
Die Wald- und Gehölzflächen des SCI wurden als Habitatfläche der Mopsfledermaus aus-
gewiesen. Nahrungshabitate in Form von Laub- und Laubmischwaldbeständen kommen
lediglich in geringem Umfang vor. Dagegen ist der Vorrat an quartierhöffigen Waldbestän-
den mit 44 % der Waldfläche als sehr gut einzustufen. Aktuell sind Beeinträchtigungen in
der forstlichen Nutzung in dem sehr geringen Laubbaumanteil zu erkennen. Insgesamt
befindet sich die Habitatfläche in einem günstigen Erhaltungszustand (B-Bewertung).
Im SCI wurde eine Habitatfläche des Kammmolchs kartiert. Obwohl nur im Merzteich
Nachweise gelangen, wurden Neu- und Großteich ebenfalls in die Habitatfläche integriert.
Aufgrund der schlechten Wasserqualität von den (potenziellen) Laichgewässer und dem
schlechten Zustand der Population konnte nur eine schlechte Bewertung vergeben wer-
den (C-Bewertung).

image
image
6
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Darüber hinaus wurden Neu- und Großteich sowie deren angrenzenden Strukturen als
Entwicklungsfläche des Bibers abgegrenzt. Ältere Biberschnitte konnten nachgewiesen
werden. Das Vorkommen scheint jedoch gegenwärtig erloschen zu sein.
Tabelle 4: Erhaltungszustand der Habitatfläche im SCI 156
Erhaltungszustand
Anhang II - Art
A B C
Name
Wissenschaftli-
cher Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Fischotter
Lutra lutra
1 47,5
Mopsfledermaus
Barbastella bar-
bastellus
1 80,7
Großes Mausohr
Myotis myotis
1 76,6
Kammmolch
Triturus cristatus
1 87,7
3. MAßNAHMEN
3.1. NOTWENDIGE ERHALTUNGSMAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Für das SCI „Moritzburger Wälder und Teiche“ sind keine Maßnahmen auf Gebietsebene
geplant.
3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Für den LRT 3150 wurden hauptsächlich Behandlungsgrundsätze formuliert, die der bis-
herigen Bewirtschaftung weitestgehend entsprechen. Dazu gehören zum Beispiel die Si-
cherung der Wasserzuführung und der Erhalt der offenen Wasserfläche durch Schilf-
schnitt. Darüber hinaus sind im Merzteich Pflanzungen von Zierpflanzen zu unterlassen.
Der LRT 6210 (Kalk-Trockenrasen) ist einmal im Jahr ab Ende August zu mähen. Das
Mähgut ist nach einer Liegezeit abzutransportieren.
Die Flachland-Mähwiesen (LRT 6510) im SCI sind durch unterschiedliche Nutzungen ent-
standen, die weitestgehend zu erhalten sind. Bei zweischürig genutzten Wiesen soll der
erste Schnitt nicht vor dem 15. Juni erfolgen. Flächen, auf denen eine einschürige Mahd
vorgesehen ist, sollen nicht vor dem 1. Juli gepflegt werden. Der Abtransport des Mahd-

image
image
7
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
guts wäre optimal. Eine extensive Beweidung mit Rindern kann auf einigen Flächen bei-
behalten werden.
Wichtige Voraussetzung zur Erhaltung des Lebensraumtyps 7140 (Übergangs- und
Schwingrasenmoore) ist die Sicherung eines günstigen Wasserhaushaltes im Neuteich.
Darüber hinaus sind sich ausbreitende Gehölze und eindringendes Röhricht zu entfernen.
Zur Sicherung der Erhaltungszustände der Einzelflächen des LRT 9110 (Hainsimsen-
Buchenwälder) sollen lebensraumtypische Behandlungsgrundsätze beachtet werden.
Dazu gehören zum Beispiel die lebensraumtypischen Haupt- und Nebenbaumarten zu
fördern sowie Totholz und Biotopbäume zu belassen. Die Erntenutzung soll über mehrere
Jahrzehnte ausgedehnt werden. Eine Beimischung von Pionierbaumarten ist zu tolerie-
ren. Die Befahrung ist nur auf permanenten Rückegassen unter Einsatz bodenschonen-
der Technik erlaubt. Der Neubau von Wegen soll vermieden werden. Die Verbissbelas-
tung ist auf geringem Niveau zu halten.
Zur Sicherung der Erhaltungszustände der LRT 9160 (Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-
wälder) und LRT 9170 (Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder) sind neben den unter LRT
9110 genannten Behandlungsgrundsätzen bei ausbleibender Eichennaturverjüngung ein
Anbau der Eiche zu erwägen. Zudem ist auf potenziellen Buchenstandorten gegebenen-
falls langfristig die Entwicklung zu LRT 9110 zu zulassen.
Die Behandlungsgrundsätze welche beim LRT 9110 genannt werden, führen auch beim
LRT 91E0* (Erlen-Eschen- und Weichholzauenwälder) zur Sicherung des günstigen Er-
haltungszustands. Zudem ist bei ausbleibender Naturverjüngung der Anbau der Haupt-
baumarten zu erwägen. Entwässerungsmaßnahmen sind zu unterlassen und Verbin-
dungsgräben nicht zu vertiefen.
3.3.
MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Für den Fischotter sind innerhalb des SCI keine Erhaltungsmaßnahmen notwendig. Au-
ßerhalb des Gebiets sind Konflikte mit dem Straßenverkehr zu entschärfen. Bei einer Er-
neuerung der Straße sind die Fließgewässer mit fischottergerechten Brückenbauwerken
zu überspannen.
Zur Wahrung des günstigen Erhaltungszustandes der Habitatfläche des Großen Maus-
ohrs sind der Anteil unterwuchsarmer Bestände auf ca. 6 % der Habitatfläche sowie der
Anteil quartierhöffigen Altbaumbeständen >100 Jahre auf mindestens 5 % der gesamten
Habitatfläche zu sichern. Der Kroneschluss von straßenbegleitenden Bäumen soll als
Querungshilfe zum gefahrlosen Passieren der Straße erhalten bleiben bzw. gefördert
werden. Der Einsatz von Insektiziden soll in der Habitatfläche unterbleiben oder höchs-
tens gelegentlich auf kleineren Teilflächen erfolgen.
Zur Wahrung des günstigen Erhaltungszustandes der Habitatfläche der Mopsfledermaus
müssen Bäume mit abstehender Rinde erhalten bleiben. Insgesamt sollte sichergestellt

image
image
8
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
werden, dass auf mindestens 20 % der Habitatfläche quartierhöffige Altholzbestände >80
Jahre mit mindestens 5 potenziellen Quartierbäumen/ha dauerhaft vorhanden sind. Zu-
dem ist der aktuelle Anteil von Laub- und Laubmischwaldbeständen auf 10 % der Habitat-
fläche zu erhalten. Der Einsatz von Insektiziden soll in der Habitatfläche unterbleiben oder
höchstens gelegentlich auf kleineren Teilflächen erfolgen.
Zur Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustands des Kammmolchhabitats ist die
Erhöhung der Vitalität der Biotopkomplexe mit der Herstellung zusätzlicher Laichgewässer
im SCI notwendig. Dabei sind der Steinteich (außerhalb des SCI) und das Steinbruchge-
wässer östlich vom Merzteich als Kammmolchhabitate wiederherzustellen. Zudem soll im
Verlandungsbereich des Neuteichs ein fischfreies Kleingewässer angelegt werden.

image
image
9
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de
.
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
Tabelle 5: Erhaltungsmaßnahmen im SCI 156
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Extensive Teichbewirtschaftung
20,0
Sicherung der günstigen Erhaltungszustände der LRT,
Erhalt und Wiederherstellung des Fortpflanzungs- und
Nahrungshabitats von Fischotter, Biber und Kammmolch
Eutrophe Stillgewässer (3150), Über-
gangs- und Schwingrasenmoore
(7140), Fischotter, Biber, Kammmolch
Selektive Mahd
<0,1
Sicherung der günstigen Erhaltungszustände des LRT
Kalk-Trockenrasen (6210)
Naturschutzgerechte Grünlandbe-
wirtschaftung
6,4
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes des LRT
Flachland-Mähwiesen (6510)
Naturnahe artgerechte Waldbewirt-
schaftung
80,7
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der Habita-
te des Großes Mausohrs und der Mopsfledermaus
Großes Mausohr, Mopsfledermaus
Naturnahe Waldbewirtschaftung
(insb. Totholz, Biotopbäume, Erhalt
der lr-typischen Haupt- und Neben-
baumarten)
9,7
Sicherung der günstigen Erhaltungszustände der LRT
Hainsimsen-Buchenwälder (9110),
Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-
wälder (9160), Labkraut-Eichen-Hain-
buchenwälder (9170), Erlen-Eschen-
und Weichholzauenwälder (91E0*)
Verbesserung der Habitatstrukturen
für den Kammmolch
0,3
Wiederherstellung des günstigen Erhaltungszustandes des
Kammmolches
Kammmolch
*prioritärer Lebensraumtyp

image
image
10
Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie . 01311 Dresden
Bürgerbeauftragte Frau Karin Bernhardt
Fon 0351-2612-9002 . Fax 0351-2612-1099
E-Mail karin.bernhardt@smul.sachsen.de .
http://www.smul.sachsen.de/lfulg
4. FAZIT
Die Maßnahmenplanung wurde mit anderen Fachplanungen abgeglichen und es er-
folgten mehrere Abstimmungen zu den Einzelmaßnahmen mit den Bewirtschaftern und
Nutzern im Gebiet. Momentan nicht lösbare Interessenskonflikte bestehen für keine
Maßnahmenfläche. Es muss jedoch erwähnt werden, dass ein Großteil der Maßnah-
men im Wald nicht abgestimmt werden konnte. Inwieweit es sich bei den nicht abge-
stimmten Waldmaßnahmen um einen Konflikt handelt, kann nicht erörtert werden, weil
die Umsetzungsbereitschaft der Nutzer nicht bekannt ist.
Sowohl Erhaltungs- als auch Entwicklungsmaßnahmen sind weitgehend durch die Nut-
zer der Flächen umzusetzen. Die dadurch entstehenden Ertragseinbußen bzw. der
benötigte Mehraufwand sind auszugleichen. Dies ist überwiegend durch unterschiedli-
che Förderprogramme möglich. Darüber hinaus können Maßnahmen auch als Kom-
pensationsmaßnahmen für Eingriffe im Sinne von §14 BNatSchG, welche innerhalb
bzw. im Umfeld des SCI verursacht werden, umgesetzt werden. Einige Maßnahmen
gehören in der Landwirtschaft zur guten fachlichen Praxis. Auch im Wald können eini-
ge Maßnahmen bereits unter der ordnungsgemäßen Forstwirtschaft umgesetzt wer-
den.
Abschließend werden im vorliegenden Managementplan Vorschläge für Maßnahmen
der Gebietssicherung, der Gebietsbetreuung und Öffentlichkeitsarbeit unterbreitet.
5. QUELLE
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 156 wurde im Original von dem Büro
JESTAEDT, WILD + Partner, Potsdam erstellt und kann bei Interesse beim Sächsi-
schem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Außenstelle Kamenz)
eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten