Ländlicher Raum – Vielfalt leben
Ideenbörsen für den ländlichen Raum

Vorwort
...............................................................................................................................................................................................................................................................05
Einleitung
....................................................................................................................................................................................................................................... 06
Integrierte ländliche Entwicklung
| Rammenau ............................................................................................................................................................08
Stadt und Land – Hand in Hand
| Bad Lausick ..............................................................................................................................................................12
Kultur und Ehrenamt
| Waldheim ........................................................................................................................................................................................16
Lebendige Gewässer – lebendige Regionen
| Waltersdorf .........................................................................................................................................20
Energie, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit
| Steinberg ...............................................................................................................................24
Für die Sicherheit Ihrer Region
| Nossen .........................................................................................................................................................................28
Medizinische Versorgung sichern – überall – jederzeit
| Belgern .........................................................................................................................32
Wertschöpfung, Innovation und Mobilität
|
Langburkersdorf
..................................................................................................................................36
Generationenwechsel gestalten in Schule und Kita vor Ort
| Waldenburg ......................................................................................................40
KULTURLANDSCHAFT (er-) LEBEN
| Thum .......................................................................................................................................................................44
Ideen für den ländlichen Raum
.............................................................................................................................................................................................48
Inhalt
Inhalt | 3

4
Rammenau
16. Januar 2013
Nossen
26. Juni 2013
Steinberg
29. Mai 2013
Waldenburg
9. Oktober 2013
Thum
6. November 2013
Bad Lausick
27. Februar 2013
Waldheim
20. März 2013
Langburkersdorf
2. September 2013
Belgern
3. Juli 2013
Waltersdorf
24. April 2013
Veranstaltungen
Chemnitz
Dresden
Leipzig

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Vorwort | 5
Vorwort
Der demografische Wandel ist auch im Freistaat Sachsen allgegenwärtig. Seine
gesellschaftlichen Auswirkungen bedeuten vor allem für die Menschen in ländlichen
Gebieten eine große Herausforderung. Daher hat die Sächsische Staatsregierung 2012
Leitlinien zur Entwicklung des ländlichen Raumes im Freistaat Sachsen für den Zeit-
raum bis 2020 beschlossen.
Die Leitlinien sollen dazu beitragen, die Beschäftigungs- und Einkommenssitua-
tion sowie die Lebensqualität für die Menschen zu unterstützen, Chancengleichheit,
medizinische Versorgung und Bildungsqualität zu sichern, wirtschaftliche Potenziale
zu stärken, eine Grundversorgung mit Waren und Dienstleistungen zu gewährleis-
ten, Mobilität zu ermöglichen sowie eine moderne und leistungsfähige Verwaltung
aufrechtzuerhalten.
Der ländliche Raum in Sachsen besteht aus Regionen, die sehr unterschiedlich struk-
turiert sind. Ich vertrete die Auffassung, dass die Menschen vor Ort am besten wissen,
was ihre Region voranbringt. Deshalb haben wir 2013 thematische Schwerpunkte
der Leitlinien in zehn Ideenbörsen in allen Landkreisen mit insgesamt über 1.000
interessierten Bürgerinnen und Bürgern diskutiert. Dabei sind viele kreative Ideen
entstanden. Der Tagungsband, den Sie in Ihren Händen halten, fasst wesentliche
Ergebnisse dieser Ideenbörsen zusammen. Sie sollen im Interesse der Zukunftsfähig-
keit des ländlichen Raumes im Freistaat Sachsen die weiteren Diskussionen anregen,
gleichzeitig aber auch als Grundlage politischen Handelns dienen.
Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Teilnehmerinnen und Teil-
nehmern der Ideenbörsen für den erfrischenden und konstruktiven Gedankenaus-
tausch.
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft

6
Ideenbörsen für den ländlichen Raum
Einleitung
Leitlinien
Herausforderungen für den ländlichen Raum
Die ländlichen Regionen sind durch ein dichtes Netz gepflegter
Dörfer und Städte, abwechslungsreiche Landschaften sowie eine
Vielzahl breit aufgestellter klein- und mittelständischer Unter-
nehmen geprägt. Bei einem Flächenanteil von etwa 80 Prozent ist
der ländliche Raum Heimat für etwa die Hälfte der sächsischen
Bevölkerung.
Einige Unterschiede der ländlich geprägten Regionen gibt es
hinsichtlich ihrer Wirtschaftsstruktur, ihrer Erreichbarkeit und ih-
rer Nähe zu großstädtischen Zentren. Eine ausgewogene Aufga-
benteilung zwischen Stadt und Land sichert die Daseinsvorsorge.
Mit der neuen EU-Förderperiode ab 2014 und dem Auslau-
fen des Solidarpaktes 2019 werden die finanziellen Spielräume in
Sachsen deutlich geringer. Die Auswirkungen des demografischen
Wandels stellen eine weitere große Herausforderung insbesondere
für die ländlichen Regionen dar.
Die Bedürfnisse der Menschen stehen im Mittelpunkt der
Politik für den ländlichen Raum. Antworten auf wichtige Fragen
für die Zukunft des ländlichen Raumes müssen gefunden werden:
Wo liegen neue wirtschaftliche Chancen? Wie lassen sich Versor-
gung, Gesundheit, Pflege und Verwaltung zukünftig so organisie-
ren, dass Qualität, Erreichbarkeit und Bezahlbarkeit gewährleistet
sind? Wie sehen tragfähige und moderne Bildungs-, Infrastruktur
und Mobilitätskonzepte in ländlichen Regionen aus? Wie können
ländliche Kommunen bestmöglich kooperieren?
Diese Herausforderungen machen deutlich, dass Politik für
ländliche Regionen verstärkt themenübergreifend erfolgen muss.
Die Staatsregierung hat deshalb gemeinsame Leitlinien für die
Poli tik für Sachsens ländlichen Raum bis 2020 erarbeitet.
„Ländlicher Raum – Vielfalt leben“
Die Leitlinien „Ländlicher Raum – Vielfalt leben“ benennen über
die vier Handlungsfelder
· Einkommen sichern und Beschäftigungschancen eröffnen,
· Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit,
· Erreichbarkeit und Mobilität,
· Daseinsvorsorge und Infrastruktur,
sowie mit den über greifenden Themen
· Lebensqualität und soziales Miteinander (Kultur, Ehrenamt,
Kultur landschaft und Natur) und
· Finanzen
die Zukunftsaufgaben und Herausforderungen im ländlichen Raum.
Die Lösungsansätze werden durch Projekte untersetzt. Sie finden
die Leitlinien auch im Internet unter der Adresse:
http://www.smul.sachsen.de/laendlicher_raum/3797.htm
Zehn Ideenbörsen für den ländlichen Raum
Die Inhalte der Leitlinien wurden unter Federführung des Sächsi-
schen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL)
und mit Beteiligung der Ressorts im Rahmen von Veranstaltungen
einer breiten Öffentlichkeit vor Ort vorgestellt. Diese Ideenbörsen
sind mit dieser Broschüre dokumentiert.
Die Vorbereitungen erfolgten in partnerschaftlicher Koope-
ration mit den Ressorts, den 10 Landkreisen sowie den 35 Lea-
der- und ILE-Regionen. Eingeladen waren alle Bewohner des
ländlichen Raumes. Besonders angesprochen wurden Akteure und
Verantwortliche aus der Region, die sich bereits im und für den
ländlichen Raum an der Basis engagieren, sowie Multiplikatoren
und Verantwortungsträger aus der Mitte der Gesellschaft der
Regionen.
Pro Landkreis fand eine Ideenbörse statt. Für die Veranstal-
tungen wurden größere, gut erreichbare Veranstaltungsräume
im ländlichen Raum ausgewählt. Mit Blick auf eine breite Betei-
ligungsmöglichkeit fanden die Veranstaltungen erst ab 17:00 Uhr
statt.
Die Ideenbörsen waren immer einheitlich aufgebaut: Impuls-
vorträge der Staatsministerinnen und Staatsminister zu den the-
matischen Schwerpunkten leiteten die Veranstaltungen jeweils
ein. Experten setzten dann weitere fachliche Impulse. Insgesamt
26 Träger von erfolgreichen Projekten stellten anschließend gute
Beispiele aus den jeweiligen Regionen zum Thema vor. Die Ideen
aus den Diskussionen sind am Schluss dieser Broschüre als Über-
sicht zusammengefasst.

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Einleitung | 7
Datum
Ort
Thema
Fachressort
16.01.2013
Rammenau
Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE)
Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft
27.02.2013
Bad Lausick
Stadt und Land – Hand in Hand
Staatsministerium des Innern
20.03.2013
Waldheim
Kultur und Ehrenamt
Staatsministerium für
Wissenschaft und Kunst
24.04.2013
Waltersdorf
Lebendige Gewässer – lebendige Regionen
Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft
29.05.2013
Steinberg
Energie, Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit
Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
26.06.2013
Nossen
Für die Sicherheit Ihrer Region
Staatsministerium des Innern
03.07.2013
Belgern
Medizinische Versorgung sichern – überall – jederzeit
Staatsministerium für
Soziales und Verbraucherschutz
02.09.2013
Langburkersdorf
Wertschöpfung, Innovation und Mobilität
Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
09.10.2013
Waldenburg
Generationenwechsel gestalten in Schule und Kita vor
Ort
Staatsministerium für Kultus
06.11.2013
Thum
KULTURLANDSCHAFT (er-)LEBEN
Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft
„Ein immer wieder anregender und spannender Teil waren die abschlie­
ßenden Diskussionen. Die Land räte stellten ihre Sicht und Erfahrung zu
den Themen dar und lieferten so den Bezug zum Landkreis. Unter pro­
fessioneller Moderation hatten alle Teilnehmer Gelegenheit, ihre Fragen
und Ideen einzubringen. Die Diskussionen waren lebendig, überraschend
und immer konstruktiv. Die Menschen nahmen das Angebot der Ideen­
börsen gerne an.“
Frank Kupfer,
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Weitere Informationen finden sie unter:
http://www.smul.sachsen.de/laendlicher_
raum/3797.htm
Übersicht der Themen der Ideenbörsen:

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16. Januar 2013
Barockschloss Rammenau
Ideenbörse in Rammenau
Integrierte Ländliche Entwicklung
Das Land hat in Sachsen eine Zukunft. Staatsminister Frank Kupfer
ließ auf der ersten Ideenbörse Ländlicher Raum im Barockschloss
Rammenau nicht den geringsten Zweifel: „Unsere Staatsregie-
rung will gleichwertige Lebensverhältnisse in der Stadt und in den
ländlichen Gegenden schaffen.“
Die Hälfte aller Sachsen lebt außerhalb der großen Städte.
„Diese Menschen sind das Rückgrat des ländlichen Raumes. Sie
wissen, was sich verändern muss, damit ihre Heimat eine Zukunft
hat, und sie selbst machen das Leben auf dem Land attraktiv.“
Mit der „Ideenbörse für den ländlichen Raum“ suche das Staats-
ministerium für Umwelt und Landwirtschaft zusammen mit allen
Ressorts der Staatsregierung deshalb das direkte Gespräch mit
den Bürgern, mit Projektträgern und mit Kommunalpolitikern
vor Ort. „Wir setzen auf die Ideen, die von den Menschen auf
dem Lande kommen“, so Staatsminister Frank Kupfer. „Wir müs-
sen den ländlichen Raum zu einem Trendthema machen.“ Zwar
würden Hochglanzmagazine seit einigen Jahren das Leben auf
dem Land in bunten Bildern und schönen Geschichten preisen.
Referenten
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ank
K
up
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Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Michael Harig
Landrat Landkreis Bautzen
Hiltrud Snelinski
Bürgermeisterin Gemeinde Rammenau
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r-
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ILE-Gebiet Lausitzer Seenland
Pfarrer Gerd Frey
ILE-Gebiet Bautzner Oberland
Sven-Erik Hitzer
Unternehmer aus Schmilka
Moderation
Frank Oehl
Ort
Barockschloss Rammenau
Teilnehmer
146 Gäste
Die Sachsen sind glücklich auf dem Land

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Ideenbörse Rammenau | 9
Doch in der medialen Wirklichkeit und in der öffentlichen Wahr-
nehmung überwiege eher die These: Keine Zukunft für die Kuh-
zunft.
„Das aber trifft für das Leben im ländlichen Raum nicht zu! Die
Menschen auf dem Land fühlen sich wohl – und sie wollen, dass
das so bleibt!“ Die Menschen auf dem Land leben glücklicher als in
der Stadt. Das belegen Studien. Felder, Wiesen, Wälder, der Garten
vor dem Haus sind dafür ebenso ausschlaggebend wie die frische
Brise Landluft eine „Quelle des Glücks“ sei. Aber auch das im Ver-
gleich zur großstädtischen Metropole intaktere soziale Gefüge auf
dem Land ist ein Plus.
Dennoch kehren immer mehr Menschen dem Land den
Rücken. 2030 wird nur noch ein Drittel der Weltbevölkerung auf
dem Land leben. Die Sachsen folgen dem Trend – bei gleichzeitig
sinkenden Einwohnerzahlen im Freistaat.
Fehlende Kinos, Theater, Gaststätten, Einkaufsmöglichkeiten,
Lücken in der medizinischen Versorgung … – die „Schattenseiten
des Landes“ seien schnell aufgezählt. „Wir sind gefordert, den
ländlichen Raum zukunftsfähig zu entwickeln“, so Frank Kupfer.
Es müsse über Wege zur Arbeit, Schulwege, Wege zum Einkauf
und Wege zum Arzt nachgedacht werden. Die Bevölkerung werde
immer älter, vor allem auf dem Land. Der Durchschnittssachse ist
heute 46 Jahre alt, 2023 wird er 50 Jahre alt sein.
Sinkende Bevölkerungszahlen bedeuten für die Zukunft:
Weniger Einwohner werden künftig finanziell mehr schultern
müssen. Denn die Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt erfol-
gen pro Kopf. Jeder Einwohner weniger koste den Freistaat etwa
2.800 Euro. Bis zum Jahr 2020 sind das rund 200 Millionen Euro.
Auch Europa kürzt die Zuwendungen. In den letzten sechs Jahren
flossen rund fünf Milliarden Euro aus Brüssel nach Sachsen.
Mit diesen Geldern wurden der ländlichen Entwicklung bis-
lang wichtige Impulse gegeben. Bürger investierten in ihren Dör-
fern und Gemeinden, machten sie schöner und lebenswerter.
„In den zwölf Leader- und 23 ILE-Regionen im Land wur-
den für fast 6.000 Vorhaben rund 528 Millionen Euro bewilligt“,
Oben v. l.: Michael Harig, Martina Rohrmoser-
Mueller, Pfarrer Gerd Frey
Unten v. l.: Frank Kupfer, Sven-Erik Hitzer,
Hiltrud Snelinski
„Die Menschen auf dem Land fühlen sich wohl – und
sie wollen, dass das so bleibt!“
Frank Kupfer

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resümierte der Minister. Die Menschen vor Ort konnten selbst
über die Projekte und Maßnahmen entscheiden. Das hat sich aus-
gezahlt. Auch deshalb werde es der Freistaat nicht hinnehmen,
dass Brüssel neben der Zuweisungskürzung genau diese Entschei-
dungsfreiheit ab 2014 einschränken wolle. Die Staatsregierung
werde sich in Brüssel gegen solche Pläne stark machen, ebenso
gegen eine Änderung der Regelsätze, eine Verdopplung der Eigen-
anteile und die Einschränkung des Förderungskataloges durch
Brüssel.
Die Förderung sei aber nur ein Baustein für die Zukunfts-
fähigkeit des ländlichen Raumes. Die Gestaltungsfreiheit dafür,
den ländlichen Raum attraktiver und lebenswerter zu machen,
liege vor allem im Ideenreichtum von Projekten.
In den ländlichen Städten und Kommunen müssten den Men-
schen ein Einkommen gesichert, Beschäftigungschancen eröffnet
und die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit des ländlichen
Raumes gestärkt werden. Fragen nach der Erreichbarkeit, der
Mobi lität seien ebenso zu beantworten wie die der Daseinsvor-
sorge und der Infrastruktur, umriss Frank Kupfer wichtige Aufga-
benfelder. Die Lebensqualität auf dem Land dürfe der in den gro-
ßen Städten nicht zurückstehen. Dazu müssten die Kommunen
finanziell entsprechend ausgestattet werden können.
„Zu den Antworten auf diese Fragen kommen wir, indem
wir über die Ansätze diskutieren, Vorstellungen entwickeln und
Projekte erarbeiten“, motivierte Staatsminister Frank Kupfer die
Bürger, sich in die Ideenbörse mit vielen Vorschlägen einzubrin-
gen. Dann habe das Land eine Zukunft in Sachsen.
„Wir brauchen uns nicht zu verstecken!“
Michael Harig, Landrat des Landkreises Bautzen, brachte es in
Rammenau auf den Punkt: „Wir brauchen uns auf dem Land nicht
zu verstecken!“ Und wie der Landrat plädierten auch Rammenaus
Bürgermeisterin Hiltrud Snelinski, Pfarrer Gerd Frey, die Unterneh-
merin, Künstlerin und Bauherrin Martina Rohrmoser-Mueller so-
wie der Hotelier Sven-Erik Hitzer für das Leben auf dem Land, für
die Schönheit der Dörfer und Ortschaften, für das Lebensgefühl
in den kleinen Städten und für den Enthusiasmus und den Unter-
nehmergeist, mit dem sie ihr Leben im ländlichen Raum gestalten.
Für Landrat Michael Harig habe sein Landkreis kulturell und
naturell so viele Reize; wirtschaftlich sei er stark. Beim Industrie-
umsatz lasse sein Landkreis sogar Dresden hinter sich. „Wir haben
einen außerordentlich starken Mittelstand, einen innovations- und
traditionsreichen Handel, gefestigte Strukturen in der Landwirt-
schaft, einen aufblühenden Tourismus, einen breiten Branchenmix
in der Wirtschaft.“ Nach Jahrzehnten des Substanzverzehrs wurde
der Landkreis Bautzen nach 1990 wieder aufgebaut. Mit Erfolg.
Rammenaus Bürgermeisterin begegnet Land-Untergangs-
Sze na rien mit der 785-jährigen Geschichte ihres Ortes. Die ge-
samte Wissenschaftslehre gäbe es ohne Rammenau nicht, sei
doch deren Gründer hier geboren: Johann Gottlieb Fichte. 1496
Einwohner zählt die Gemeinde. Mit 43 Jahren im Altersschnitt ist
man jünger als der Durchschnittssachse. Fleischereien gibt es in
Rammenau gleich mehrere, Bäcker, Hof- und Lebensmittelläden
ebenso. Darüber hinaus verzichteten die Bürger weder auf Dienst-
Projekte
Oben: Wohnhaus in Großsärchen (Martina Rohrmoser-Mueller)
Unten v. l.: Biohotel Helvetia (Sven-Erik Hitzer), Schulzentrum Gaußig
(Pfarrer Gerd Frey)

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Ideenbörse Rammenau | 11
„Menschen, die auf dem Lande leben, leben vom
Land.“
Sven­Erik Hitzer
leistungen noch auf Freizeitangebote. Ins Landschaftsschutzge-
biet Westlausitz ist man touristisch bestens eingebettet, in den
bewirtschafteten Teichen tummeln sich Fische, auf den landwirt-
schaftlichen Flächen wachse das Getreide und mehr. In den Ställen
geben die Kühe ausreichend Milch und in den sechs Gaststätten
hätten die Wirte ein gutes Auskommen. Das Kleinod, das schönste
Landbarockschloss Sachsens, gehöre zwar dem Freistaat – aber die
Rammenauer wissen es gezielt für ihre Entwicklung zu nutzen.
Pfarrer Gerd Frey ist nun schon seit 33 Jahren Ortspfarrer in
Gaußig. 616 Seelen leben faktisch um die Kirche herum. „Geist-
liches Ortskonzept“ nennt der Pfarrer das und beschreibt poin-
tenreich, wie er dort Leben, Tradition und christlichen Glauben
zusammenführt. Voller Stolz berichtet der Kirchenmann, was er
als Pfarrer dort „erschaffen“ hat. Gaußig hat ein Evangelisches
Schulzentrum mit Grund-, Mittelschule und Gymnasium. 550
Kinder pendeln in den Ort ein, der eigentlich eine alte Gutssied-
lung ist, mit der Bebauung eines Straßendorfes. „Kinder haben ein
Recht auf Tradi tion“, sagt der Pfarrer und meint die dörfliche wie
christliche.
Auf diese setzen ebenso Martina Rohrmoser-Müller mit Mann
und zwei kleinen Töchtern. Aus Österreich kommt sie, ihr Mann
Marcel, stammt aus dem thüringischen Eisfeld. Sie fanden in Groß
Särchen ein Nest für die Familie und einen Ort für ihre Unter-
nehmung: eine Hofanlage mit Wohnhaus, Stall und Innenhof. Ihre
Freunde schüttelten damals den Kopf: Der Drei-Seiten-Hof war
runtergekommen, um 1880 gebaut. Das Krabat-Dorf liegt weit
entfernt von bunten Metropolen. „Es war Liebe auf den ersten
Blick“, gesteht die junge Frau und zeigt, was die kleine Familie seit
2008 dort alles aufbaut. Das Wohnhaus ist schmuck – doch es ist
noch viel zu tun. Als Bildhauer und Steinmetze sind die Zugezoge-
nen angekommen im ländlichen Raum.
Genau wie Sven-Erik Hitzer in Schmilka. Der gebürtige Cottbuser
nennt das 140-Seelen-Dorf vieldeutig einen „Grenzort“. An Grenze
und Schlagbaum endete einst die untergegangene Deutsche De-
mokratische Republik. Hitzer hatte sich einst hier verliebt. Heute
lebt er gemeinsam mit seiner Frau in seinem Refugium. Sein Bio-
hotel ist das erste zertifizierte in Sachsen überhaupt. Seine Betten
sind zu 80 Prozent ausgelastet – an einem Ort, an dem eigent-
lich nichts mehr ist außer Natur. Dieses „Nichts“ macht er gerade
zum Bioresort. Der jüngste Coup dabei ist die alte „Schmilk’sche
Mühle“, die der umtriebige Gastronom und Eventmanager wieder
zum Leben erweckte – mit Biobäckerei in dem Bauwerk, das 1665
errichtet wurde. „Menschen, die auf dem Lande leben, leben vom
Land“, sagt Sven-Erik Hitzer. Und Landrat Michael Harig gibt den
„Ländlern“ mit auf den Weg: „Wir auf dem Land dürfen nicht zur
Stadt werden wollen – und das Land darf man auch nicht mit den
Normen einer städtischen Metropole messen.“ Alles beginne nun
einmal im Kopf und in diesem müsse das Image des Dorfes wieder
mit Werten untersetzt werden.
Impressionen aus der Tagung

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27. Februar 2013
Kurhaus Bad Lausick
Ideenbörse in Bad Lausick
Stadt und Land – Hand in Hand
Zukünftig werden Stadt und Land in Sachsen enger zusammen-
rücken müssen. „Kleinere Orte und Dörfer können nicht mehr alle
Funktionen und Angebote für das tägliche Leben bereitstellen.
Dafür fehlen ihnen die finanziellen und personellen Ressourcen.“
Staatsminister Markus Ulbig plädierte auf der 2. „Ideenbörse für
den ländlichen Raum" im bis auf den letzten Platz besetzten Saal
des Kurhauses Bad Lausick für eine sinnvolle Arbeitsteilung zwi-
schen Stadt und Land. In der Landesentwicklung Sachsens werden
die Städte Ankerpunkte für den ländlichen Raum sein.
„Stadt und Land – Hand in Hand“ – so hatten Staatsminister
für Umwelt und Landwirtschaft Frank Kupfer und Staatsminister
des Innern Markus Ulbig ihren Dialog mit den Bürgern überschrie-
ben. „Eng, vertrauensvoll, sinnvoll und konkret müssen Stadt und
Land ihre Aufgaben untereinander aufteilen“, appellierten die Mi-
nister an die Kommunen. „Konkurrenzdenken und Kirchturmpoli-
tik sind fehl am Platz“, so der Staatsminister des Innern Markus
Ulbig. Jede Stadt und jeder Ort müsse an der Stelle stark agieren,
an der er die meisten Potenziale habe. Nur so könnten in Sachsen
gleichwertige Lebensverhältnisse gesichert werden.
Referenten
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern
Dr. Gerhard Gey
Landrat Landkreis Leipzig
Prof. Dr. Rainer Danielzyk
Leibniz-Universität Hannover und Direktor des Instituts für
Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH, Dortmund
Jörg Röglin
Oberbürgermeister Große Kreisstadt Wurzen
Bettina Fuß
Vereinsvorsitzende des Bürgervereins ZUKUNFT MACHE(R)N e. V.
Moderation
Angela Elis
Veranstaltungsort
Kurhaus Bad Lausick
Teilnehmer
129 Gäste

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Ideenbörse Bad Lausick | 13
Oben v. l.: Jörg Röglin, Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Dr. Gerhard Gey; Unten v. l.: Frank Kupfer, Bettina Fuß, Markus Ulbig
Die Staatsregierung werde den ländlichen Raum in seiner Entwick-
lung nicht allein lassen, bekräftigte Markus Ulbig. Über acht Millio-
nen Euro stehen für die Daseinsvorsorge in kleineren und mittleren
Städten und Dörfern bereit. „Mit dem Leitbild einer kompakten
Stadt fördert die Staatsregierung die Entwicklung der Innenstädte,
damit diese lebendig, attraktiv und funktionsfähig ihren Bürgern
eine Heimstatt geben“, so Minister Ulbig. Wettbewerbe wie „Ab in
die Mitte!”, in den sich 120 Städte und Gemeinden mit 300 Projek-
ten einbrachten, zeigen die Potenziale der Regionen. 75 Prozent der
Projekte wurden realisiert, äußerst kreativ und engagiert.
„Landesentwicklung ist für mich Heimatpflege“, so Minister
Markus Ulbig. Eine lebenswerte Heimat schaffe das Gefühl von
Identität und Verwurzelung. Das lebhafte Vereinswesen unter-
stütze dieses Gefühl. Vor allem die Sportvereine sind dabei eine
„zentrale Stütze“. 600.000 Menschen sind in Sachsens Sportver-
einen organisiert.
In den nächsten zwei Jahren fließen jeweils 18 Millionen Euro
in die Sportvereine. Allein 5,8 Millionen Euro stehen für ehren-
amtliche Übungsleiter zur Verfügung. Nochmals 27 Millionen Euro
pro Jahr für Investitionen. „Für den ländlichen Raum werden diese
Mittel ein wichtiger Baustein sein“, erklärte Minister Ulbig.
Sicherheit in den ländlichen Regionen ist für die Staatsregie-
rung ein wichtiges Thema. Die Bekämpfung diverser Delikte von
Kfz-Diebstahl über Drogen- und Beschaffungskriminalität bis hin
zum Rechtsradikalismus und die Erhöhung der Sicherheit in Grenz-
gebieten zu Polen und Tschechien habe Priorität. Die sächsische
Polizei werde technisch und strukturell fit gemacht für die Zukunft.
Die Freiwilligen Feuerwehren sorgen sich auf dem Land nicht
nur vorbildlich um den Brandschutz. Die Kameraden übernehmen
auch für ein stabiles soziales Gefüge in den ländlichen Regionen
Verantwortung. Mit der landesweiten Kampagne „Helden gesucht”
wurden Jugendliche für die Arbeit in den Jugendwehren begeis-
tert. Mit 11.540 Kameraden haben die Jugendfeuerwehren den
höchsten Mitgliederstand seit 2005.
„Für die Staatsregierung ist das Motto ’Stadt und Land – Hand
in Hand’ keine Parole, sondern eine Strategie “, erklärte Staatsminis-
ter Ulbig. „Wir können die Rahmenbedingungen für das Miteinan-
der liefern. Für die Umsetzung brauchen wir die Menschen vor Ort.“

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14
„Wir sind auf die ehrenamtliche Mitarbeit unserer
Bürger in einem Maße angewiesen wie noch nie.“
Jörg Röglin
Der Dreiklang macht’s:
Kommunale Zusammenarbeit, Ehrenamt
und Förderung
Die Förderung der Regionen und die stärkere Zusammenarbeit der
Städte, Gemeinden und Orte bestimmten die Diskussion im Podi-
um und mit den Gästen im Kurhaus. Im Unterschied zu anderen
Bundesländern geht Sachsen bei der Förderung von Kommunen
mit bis zu 5000 Einwohnern einen besonderen Weg. Diese Orte
sind in Leader- und ILE-Gebiete zusammengefasst. „Wir haben
diesen Regionen Budgets und einen Katalog von Maßnahme-
paketen zur Verfügung gestellt“, so Staatsminister Frank Kupfer.
„Vor Ort wird entschieden, wie diese Mittel entsprechend der Re-
geln eingesetzt werden.“ Dies zeige Erfolg. Der Minister verwies
auf die zahlreichen, erfolgreich realisierten und laufenden Leader-
und ILE-Projekte im Land. Diese und das Programm zum Stadtum-
bau Ost haben in den Regionen Wirkung gezeigt.
Dr. Gerhard Gey stellte seinerseits heraus, dass die Regionen
nur eine Zukunft haben, wenn Ober-, Mittel- und Grundzentren
und die Umlandgemeinden konstruktiv miteinander die Potenziale
nutzen. „Als Landkreis profitieren wir davon, wenn sich Leipzig als
Metropole gut entwickelt. Als intakte Landkommunen haben wir
unsererseits einen großen Wert für die aufstrebenden Metropo-
len.“
Auch die Rolle des Ehrenamts wurde nochmals gewürdigt.
„Wir sind auf die ehrenamtliche Mitarbeit unserer Bürger in einem
Maße angewiesen wie noch nie“, stellte Wurzens Oberbürgermeis-
ter Jörg Röglin heraus.
Der Bogen von vorgestellten Projekten bis zur Diskussion wur-
de weit gespannt. Die Themen reichten vom Breitbandausbau bis
hin zu Fragestellungen der Wasser- und Abwasserversorgung, des
Straßenausbaus, der Schulnetzplanung, zur Denkmalpflege und
zum Wunsch, die Kultur in den ländlichen Räumen ähnlich zu un-
terstützen wie den Sport in Sachsen.
„Durch die enge Vernetzung von Stadt und Land will der
Landkreis Leipzig seine Standortfaktoren noch besser nutzen“,
erklärte Dr. Gerhard Gey, Landrat des Landkreises Leipzig. „Der
Landkreis wird in diesem Zusammenspiel künftig neue Aufgaben
und Funktionen übernehmen. Ein Personalentwicklungskonzept
soll die Verwaltung dafür fit machen. Zugleich sollen Standards
und bürokratische Abläufe vereinfacht werden.“ Mit einem Kreis-
entwicklungskonzept werde sich der Landkreis Leipzig als unter-
nehmer-, familien- und gastfreundlich positionieren. Attraktive
Freizeit- und touristische Ziele im Kohrener Land, dem Leipziger
Neuseenland und im Naturpark Muldenland entwickelten sich in
den letzten Jahren aus der Bergbaulandschaft heraus. Sie wirken
anziehend und erhöhen die Lebensqualität im Leipziger Land.
Für Jörg Röglin, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt
Wurzen, steht indes fest: „Wir haben in den letzten Jahren die
Altstadt aufwändig saniert, um- und neugestaltet. Mit einem pro-
fessionellen Innenstadtmarketing werden wir unsere Innenstadt
weiter aufwerten.“ In Anbindung an die Ringelnatz-Historie der
Stadt wurde ein Stadthafen entwickelt. Dies ist in erster Linie ein
Spielplatz für die Kleinen der Stadt. Bürger nutzten diesen aber
immer mehr als Treffpunkt und kommen dazu selbst aus den
Außenbereichen in die Innenstadt. Initiativen und Aktionen wie
das „Wurzener Stadtshopping”, das Stadt- und Parkfest und das
Vorhaben, den Tag der Sachsen 2015 auszurichten, lenken die
Aufmerksamkeit auf Wurzen. „Im Bereich Wohnen haben wir mit
Rückbauten, architektonischen Veränderungen der Grundrisse
und Modernisierungen unsere Plattenbau-Wohnungen den Be-
dürfnissen der Mieter angepasst. In den Gründerzeitquartieren
der Altstadt binden wir die privaten Eigentümer in unsere Ent-
wicklungsprojekte wie zur energetischen Modernisierung mit ein“,
berichtete der Oberbürgermeister. Mit Tourismusprojekten und
Gedanken zum Kleingartenwesen strahle Wurzen auf sein Umland
aus.
„Unser Ansatz ist: Ein Mittelzentrum ohne den ländlichen
Raum ist kein Mittelzentrum. Geht es dem ländlichen Raum gut,
dann geht es dem Mittelzentrum gut“, fasste Jörg Röglin seine
Erfahrungen zusammen und versprach: „Wir wollen als Mittelzen-
Projekte v. l.: Prof. Dr. Rainer Danielzyk, Schloss Wurzen (Jörg Röglin), Vereinfest 2012 (Bettina Fuß)

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Ideenbörse Bad Lausick | 15
trum für die Umgebung optimale Bedingungen für Wohnen, Bil-
dung, Kultur und Sport schaffen, Arbeitsplätze langfristig sichern
– uns als kulturelles und infrastrukturelles Zentrum für das Um-
land ausbauen.“
Gebraucht werden in den ländlich geprägten Städten und
Gemeinden nicht zuletzt die Visionen und das Engagement der
Bürger. Für Machern fand Bettina Fuß, Vorsitzende des Bürgerver-
eins ZUKUNFT MACHE(R)N e. V. und Initiatorin des Runden Tisches
Vereine in Machern, dafür einen symbolträchtigen Satz: „Wir sind
die Macher von Machern.“ Die Bürger selbst haben ihrer Gemein-
de aus einer schwierigen Situation herausgeholfen und letztlich
maßgeblich mit vor einer Zwangsverwaltung gerettet. „Ohne Vi-
sionen und engagierte Bürger werden wir künftig in den kleinen
Orten und Landkommunen nicht mehr bestehen können“, sagte
Bettina Fuß. Erst als sich die Bürger in den Ortsteilen von Machern
selbst in die Gestaltung ihrer Gemeinde einbrachten und sich in
den Verwaltungen Gehör verschafften, begannen sie sich als Ma-
che(rne)r zu fühlen. „Heute reden wir mit, wenn es um wichtige
verkehrsinfrastrukturelle Entscheidungen geht: Wir organisierten
die Versorgung der Ortsteile mit DSL, wir haben mit einem Runden
Tisch der Vereine neuen Schwung in das Vereinswesen gebracht
und übernehmen als Verein ehrenamtliche Aufgaben.“ Selbst die
Gemeindebibliothek mit 12.000 Medien, mit täglichen Öffnungs-
zeiten, Vorlesepaten und Veranstaltungen haben die Mache(rne)r
in ihre eigenen Hände genommen. Darüber hinaus organisieren
sie den Macherner Neujahrslauf, Vereinsfeste, Wanderungen und
initiierten zusammen mit Bürgerinitiativen einen Runden Tisch
Verkehr. „Es gibt noch viele Ideen und Wünsche. Neben dem wei-
teren Zusammenrücken der Vereine sind das eine Ehrenamtsbör-
se, ein Vereinskatalog für Zugezogene, ein ’virtuelles Bürgerhaus’
oder die Realisierung eines Mehrgenerationenhauses“, blickt die
Vereinschefin voller Tatendrang in die Zukunft.
Impressionen aus der Tagung
„Ohne Visionen und engagierte Bürger werden wir
künftig in den kleinen Orten und Landkommunen
nicht mehr bestehen können.“
Bettina Fuß

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16
20. März 2013
Seminar- und Tagungszentrum Waldheim
Ideenbörse in Waldheim
Kultur und Ehrenamt
Sich bürgerschaftlich zu engagieren ist eine
Chance für alle
„Kultur und Tradition sind die Grundpfeiler der regionalen Iden-
tität, der Heimatverbundenheit und der Werteorientierung der
Menschen im ländlichen Raum. Traditionell bestimmen die Akti-
vitäten der Bürger in zahlreichen Vereinen das kulturelle und
geistige Leben auf dem Lande. Bürgerschaftliches Engagement,
Eigeninitiative und Ehrenamt sind Ausdruck von Solidarität und
Teilhabe.“
Ganz bewusst zitierte Prof. Sabine von Schorlemer, Staats-
minis terin für Wissenschaft und Kunst des Freistaates Sachsen,
auf der 3. Ideenbörse aus den Leitlinien für den ländlichen Raum
in Waldheim. Die Sätze skizzieren eine Ist-Situation des Lebens auf
dem Lande und zeigen zugleich dessen Potenziale und Chancen,
auch perspektivisch ein lebenswerter Raum für seine Menschen
zu sein. Und sie heben heraus, was für die ländlichen Städte und
Kommunen unabdingbar sein wird: das bürgerschaftliche Engage-
ment ihrer Bewohner.
Referenten
Dr. Fritz Jaeckel
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt
und Landwirtschaft
Prof. Sabine von Schorlemer
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
Volker Uhlig
Landrat Landkreis Mittelsachsen
Ulf Großmann
Präsident der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen,
Bürgermeister a. D.
Heiner Stephan
Vorsitzender des Fördervereins Kloster Buch e. V., Bürgermeister a. D.
Heribert Kosfeld
Vereinsvorsitzender des Mittelsächsischen Kultursommers e. V. –
MISKUS
Moderation
Gerd Edler
Veranstaltungsort
Seminar- und Tagungszentrum Waldheim
Teilnehmer
144 Gäste

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Ideenbörse Waldheim | 17
Oben v. l.:
Prof. Sabine von Schorlemer, Volker Uhlig, Heribert Kosfeld
Unten v. l.:
Heiner Stephan, Dr. Fritz Jaeckel, Ulf Großmann
„Bürgerschaftliches Engagement ist eine freiwillige Leistung, wel-
che die Menschen für ihr Lebensumfeld erbringen“, reflektierte
Prof. Sabine von Schorlemer. „Sie tun es materiell unentgeltlich,
gemeinwohlorientiert, selbstermächtigt und selbst organisiert.“
Sehr viel Zeit, Geld, Immobilien, Kreativität, Wissen, Reputation
und Empathie bringen die Bürger in dieses Tun ein und schaffen
einen zivilgesellschaftlichen Mehrwert.
Und doch sei es schwer, bürgerschaftliches Engagement
überhaupt zu messen. Denn mehr als das Geld spiele das zeitliche
Engagement der Menschen eine Rolle. „Kultur und Religion sind
zwei der Themenfelder, in denen sich Menschen in Deutschland
vor allem engagieren“, stellte Prof. Sabine von Schorlemer fest.
„Jeder 20. Bürger ist Mitglied in einem Kulturverein oder widmet
sich in seiner Freizeit kulturellen Dingen.“ Fast 15 Stunden sei-
ner Freizeit bringt jeder Bürger unseres Landes monatlich in die
Kultur ein. Hingegen beläuft sich das Beitragsaufkommen der
62.000 Kulturvereine lediglich auf 700 Millionen Euro – das sind
rund Tausend Euro pro Verein. 2,2 Millionen Menschen spenden
jährlich durchschnittlich je 37 Euro für kulturelle Zwecke. „An Zeit
für Kultur spenden die Menschen gut zehnmal mehr als mit Geld“,
schlussfolgerte die Staatsministerin: „Kultur in Deutschland wird
von deutlich mehr bürgerschaftlichem Engagement getragen als
von Steuermitteln und Geldbeträgen.“
Die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements für die
Gesellschaft wird weiter wachsen. „Die Grenzen zwischen Zivil-
gesellschaft, Staat und Markt verwischen weiter“, prognostizierte
Prof. Sabine von Schorlemer. Bürgerschaftliches Engagement habe
das Bewusstsein von Gesellschaft und Politik verändert. Es hat
Probleme kenntlich gemacht, die staatliche Politik geweckt sowie
aktiviert und die Gesellschaft bewegt. Schließlich wandele sich bür-
gerschaftliches Engagement in seinen Zielen und Motiven selbst.
„Selbstbezogene Ziele treten immer stärker in den Vordergrund bei
den Menschen, die sich engagieren.“ Dies sei insbesondere zu be-
achten, wenn man Bürger für ehrenamtliche Aufgaben gewinnen
wolle.
„Selbstbezogene Ziele treten immer stärker in den
Vordergrund bei den Menschen, die sich engagieren.“
Prof. Sabine von Schorlemer

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18
Staatsministerin Prof. Sabine von Schorlemer resümierte: „Bürger-
schaftliches Engagement ist eine Chance, die wir als Politiker und
als Beamte in den Verwaltungen mit den entsprechenden Rah-
menbedingungen gestalten müssen, und als Bürger sollten wir
bürgerschaftliches Engagement ausüben, damit es sich entfalten
kann.“ Vor allem auf dem Land.
Kultur und Ehrenamt –
aus Wenig Viel machen
„Kultur ist kein Privileg der Städte.“ So steht es in den Leitlinien für
den ländlichen Raum geschrieben. Wie wahr dieser Satz ist, wurde
dem Gast der 3. Ideenbörse schon beim Betreten des Seminar-
und Tagungszentrums in Waldheim vor Augen geführt: Regio nale
Handwerksprodukte, Initiativen mit ihren lokalen Projekten sowie
Kultur- und touristischen Programmen signalisierten: Kultur im
ländlichen Sachsen ist vielgestaltig. Sachsens Land glänzt mit
Burgen, Schlössern, Herrensitzen, mit lebendiger Historie und
mit Heimat in vielen Facetten von Veranstaltungen, neuzeitlichen
Events und mit engagierten Menschen.
Der Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Um-
welt und Landwirtschaft, Dr. Fritz Jaeckel, kam daher nicht von
ungefähr ins Schwärmen über die Kunst- und Kulturschätze des
sächsischen Landes: „Kultur und Ehrenamt – hier im ländlichen
Raum sieht man, wie beides einander bedingt.“
Auf dem Podium entwickelten sich weitere Bilder, die das be-
legen. „Bunte Bildchen“ nannte sie etwa Volker Uhlig. Der Land-
rat des Landkreises Mittelsachsen meinte dies alles andere als
despektierlich. Tradition und Identität seien die Grundlage für
das Leben auf dem Lande und der ländlich geprägten Stadt. Die
Schnappschüsse von den vielen Veranstaltungen, den Bauwerken
und den Menschen in Trachten belegten, wie tief verwurzelt die
Mittelsachsen in ihrem Landstrich seien. „Es geht bei uns auf dem
Land nicht etwa ums ’Bauerntheater’, auch wir haben ’Hochkultur’.
Das macht unseren Raum so lebenswert“, verkündet der Landrat
stolz. Ohne die Menschen im Ehrenamt wären heute selbst man-
che Pflichtaufgaben der Kommune nicht mehr ausführbar. Des-
halb müssen wir dafür sorgen, „dass wir unsere Menschen nicht
verlieren.“ Sie ernst zu nehmen, gehöre ebenso dazu wie Vorsorge
zu treffen, dass das Leben auf dem Lande lebenswert und Kultur-
gut erhalten bleibe. „Mit dem Kulturraumgesetz haben wir seit 20
Jahren eine hervorragende Grundlage, Kultur im ländlichen Raum
zu betreiben“, so der Landrat. „Schließlich ist es das Geld, was die
Menschen in der Region erarbeitet haben. Mit diesem erhalten wir
unsere Kirchenmusik, unterstützen Volkskunstzirkel und leisten
uns Projekte wie das ’Kleine Erzgebirge’.“
Kultur sei eben ein Stück Lebensmittelpunkt für die Menschen
auf dem Lande, pflichtete auch Heribert Kosfeld, Vorstandsvor-
sitzender des Miskus Mittelsächsischen Kultursommers e. V., dem
Landrat bei. „Wir lassen historische Figuren wieder aufleben, tra-
gen Kultur und Historie in einer einmaligen Vielfalt in die Regi-
onen Sachsens und vernetzen Profis, Semiprofis und Laien mit-
einander, um unseren Menschen eine Identität zu geben.“ Fünf
Projekte
Oben: Kultur und Theater MISKUS (Heribert Kosfeld)
Unten v. l.: Fahrbibliothek (Volker Uhlig), Kloster Kräutergarten und Kranken-
kapelle (Heiner Stephan)
„Kultur und Ehrenamt – hier im ländlichen Raum
sieht man, wie beides einander bedingt.“
Dr. Fritz Jaeckel

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Ideenbörse Waldheim | 19
Millionen Besucher erlebten in den letzten 20 Jahren mittelsäch-
sische Miskus-Kultur. „Unsere Akteure bringen das nötige Budget
von jährlich 600.000 Euro inzwischen zu 61 Prozent selbst. Das
zeigt, was die Menschen für die Region leisten“, meint Heribert
Kosfeld.
Für Heiner Stephan, Vorsitzender des Fördervereins Kloster
Buch e. V., ist das Prinzip „Aus Wenig Viel machen” Arbeitsgrundla-
ge. Faktisch wurde so das Kloster wieder aufgebaut, nach und nach.
Der Bürgermeister a. D. zeigt hinter sich die Bilder vom Wachsen des
Projektes, von Rückschlägen wie die der Jahrhundertflut 2002 und
vom unbändigen Willen, einen Ort zu schaffen, an dem Geschichte
erlebt werden kann. Auch er lobt die vielen Ehrenamtlichen, die
mithelfen, wo sie können, selbst wenn es ihnen manchmal schwer
fällt, die Anfahrt zum Projekt aus der eigenen Tasche zu zahlen.
Ehrenamtliche gibt es in allen sozialen Schichten. Aber es sind
längst noch nicht genug, weiß Ulf Großmann, Präsident der Kul-
turstiftung des Freistaates Sachsen, um Kommendes zu schaf-
fen. Schöffentätigkeit, Feuerwehren, Hilfsverbände, Sozialarbeit,
Jugend arbeit, Kultur … – die Liste von Ehrenämtern ist lang und
wird länger. Menschen, die sich bürgerschaftlich engagieren, wer-
den gebraucht. Vor allem auf dem Land. Erwerbstätige Frauen
müssen umworben werden, ältere Menschen zwischen 60 und 69
Jahren sind statistisch für solche Aufgaben sehr zugänglich, Ar-
beitslose und Migranten dürfen nicht außen vor gelassen, Jugend-
liche müssen begeistert werden. Die Formel sei einfach „Heimat
braucht Ehrenamt, Ehrenamt schafft Heimat.“ Es gibt viel zu tun.
Impressionen aus der Tagung

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20
24. April 2013
Naturparkhaus
„Niederkretscham“
Ideenbörse in Waltersdorf
Lebendige Gewässer – lebendige Regionen
Lebendige Gewässer sind der Lebensnerv für
lebendige Regionen
Die Umsetzung der 47 im Freistaat nach der Jahrhundertflut
2002 entwickelten Hochwasserschutz-Konzepte ist eine Genera-
tionenaufgabe. „Wir denken hier an einen Zeitraum von 25 bis
40 Jahren, um die 1.600 priorisierten Einzelmaßnahmen zu reali-
sieren“, sagte der Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
auf der 4. Ideen börse für den ländlichen Raum in Waltersdorf,
Landkreis Görlitz. "Lebendige Gewässer – leben dige Regionen" war
die Ideen börse überschrieben. Das Thema spiegelte eine Besonder-
heit in der Flächenstruktur des Freistaates wider: Eine vielfältige
Gewässerlandschaft prägt Sachsen. Damit verbunden sind zahl-
reiche Aufgaben zum Erhalt und zum Schutz dieser Landschaft.
Diese reichen vom Hochwasserschutz, über die Pflege und den
Erhalt von Fluss- sowie Teichlandschaften, berühren die Renatu-
rierung von Flächen und schließen letztlich auch die Wasserver-
und -entsorgung mit ein. Gerade Letztere habe einen wesentlichen
Einfluss auf den ökologischen Zustand der Gewässer.
Referenten
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Dr. Mathias Deutsch, M. A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut
der Universität Göttingen
Dr. Gerd-Rainer Absch
Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes Oberlausitzer
Berg- und Teichlandschaft e. V.
Corina Fiskal
Projektverantwortliche Vattenfall Europe Mining AG
Dr. Ingo Töws
Tilia Umwelt GmbH
Moderation
Angela Elis
Veranstaltungsort
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Teilnehmer
77 Gäste

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Ideenbörse Waltersdorf | 21
Oben v. l.: Frank Kupfer, Dr. Mathias Deutsch, Dr. Ingo Töws; Unten v. l.: Corina Fiskal, Dr. Gerd-Rainer Absch
Die Historie der Hochwasserereignisse in Sachsen führe immer
wieder das Gefahrenpotenzial vor Augen, das die Gewässerland-
schaft für die Bürger, für Natur und für das gesellschaftliche sowie
wirtschaftliche Leben im Freistaat mit sich bringt. „Vorbeugender
Hochwasserschutz ist wichtig und darf nicht in den Hintergrund
rücken, wenn die Ereignisse einige Zeit hinter uns liegen“, meinte
Frank Kupfer. „Leider wächst der Widerstand in der Bevölkerung
beständig in dem Maße, je länger das letzte Ereignis hinter uns
liegt. Der Freistaat wird weiter in Hochwasserschutzmaßnahmen
investieren und hierbei Hinweise und Kritiken der Bürger einarbei-
ten. Blockadehaltungen gegen solche Maßnahmen seien hingegen
fehl am Platz.
3.000 Kilometer Gewässer I. Ordnung ziehen sich durch Sach-
sen. Für diese ist der Freistaat verantwortlich. „20.000 Kilometer
Gewässer II. Ordnung befinden sich in der Verantwortung der
sächsischen Kommunen. Nehmen Sie die Unterhaltung dieser Ge-
wässer ernst“, appellierte Staatsminister Kupfer in Waltersdorf an
die Kommunen. Dabei versprach er die Unterstützung des Frei-
staates in Fragen des Gewässerausbaus, des Hochwasserschutzes,
der Renaturierung und auch der Nutzung von Fördermöglichkei-
ten. Zugleich empfahl er den Kommunen, künftig in Unterhal-
tungsverbänden zusammenzuarbeiten. Das neue Wassergesetz
bilde dafür einen Rahmen.
Beispielhaft engagiere sich in Sachsen der Landkreis Görlitz
im Hochwasserschutz, so der Minister. Von den 28 nachhaltigen,
kommunalen Wiederaufbauplänen habe dieser Landkreis allein 13
aufgestellt. „Die meisten Maßnahmen werden in Kürze fertig ge-
stellt. Dabei wird nicht nur 1:1 wieder aufgebaut, was einmal war,
sondern Aspekte des modernen Hochwasserschutz-Managements
fließen in diese Projekte mit ein.“
Die Eigenvorsorge werde, trotz aller Schutzkonzepte, für
Kommunen wie für Privatpersonen und Unternehmen eine immer
größere Rolle spielen. Und eines sei sicher: Alle Maßnahmen, die
zum Hochwasserschutz ergriffen werden, können lediglich Schä-
„Vorbeugender Hochwasserschutz ist wichtig und darf
nicht in den Hintergrund rücken, wenn die Ereignisse
einige Zeit hinter uns liegen.“
Frank Kupfer

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22
Projekte
Oben v. l.: Zerstörungen an der Weißeritz in
Dresden-Löbtau/-Cotta nach dem schweren
Hochwasser 1897 (Dr. Mathias Deutsch),
Bauphase Versetzung Weißer Schöps (Corina
Fiskal)
Unten v. l.: Kleinkläranlage „Klärchen“ (Dr. Ingo
Töws), Albrechtsbach (Dr. Gerd-Rainer Absch)
den minimieren. Zu Hundert Prozent lassen sich Extremereignisse
jedoch niemals verhindern.
Maßnahmen zum Hochwasserschutz stehen in direkter Ver-
bindung zum Zustand von Fließgewässern. Staatsminister Kupfer
belegte dies unter anderem mit dem Elbehochwasser in Dresden
im Jahre 1987. Damals flossen die Abwässer der heutigen Lan-
deshauptstadt ungeklärt in die Elbe. „Eine umweltschonende Ab-
wasserreinigung gehört zum vorbeugenden Umweltschutz und
hilft uns, im Schadensfall Gefahren zu minimieren.“ Auch deshalb
habe der Freistaat nach 1990 begonnen, die Bürger an eine mo-
derne Abwasserreinigung anzuschließen. Heute sind 90 Prozent
der sächsischen Bevölkerung an Kläranlagen angeschlossen, die
dem Stand der Technik entsprechen. In den letzten Jahren geschah
das verstärkt im ländlichen Raum. Dass dies hoher Investitionen
bedarf, das wusste jeder. „Jedem Bürger rechtzeitig zu sagen, was
auf ihn zukommt, sei Aufgabe der kommunalen Entsorgungsträ-
ger gewesen“, so der Minister. Doch bei den Investitionen müsse
die demografische Zukunft der jeweiligen Region gesehen wer-
den. „Bei allen Entscheidungen müssen wir die Frage stellen, ob
in 10 oder 15 Jahren eine konzipierte Anlage noch angemessen
und bezahlbar ist.“ Heute seien unterschiedliche Entsorgungssys-
teme möglich. So könnten selbst abflusslose Gruben in entlegenen
Gegenden bewilligt werden, in denen zentrale Anschlüsse wenig
sinnvoll und kostenintensiv seien.
Die Vorträge und die Diskussion der Ideenbörse „Lebendige Ge-
wässer – lebendige Regionen" zeigten letztlich, dass Hochwas-
ser- und Gewässerschutz ineinandergreifende Aufgaben sind, die
auf den Erhalt der vielfältigen Gewässerlandschaft in Sachsen, die
Verbesserung des ökologischen Zustandes der Gewässer und die
Verringerung des Gefährdungspotenzials bei auftretenden Hoch-
wasserereignissen zielen. Für den Gewässerschutz ist das Errei-
chen einer flächendeckenden Abwasserentsorgung im Bereich der
Siedlungswasserwirtschaft maßgeblich für eine Reduzierung von
punktuellen Nähr- und Schadstoffeinträgen in die Gewässer und
ein Beitrag zum Umwelt- und Naturschutz im Freistaat.
Der Schutz der Gewässer hat viele Facetten
Hochwasserschutz und der Schutz sowie die Pflege der Gewässer
sind eng miteinander verzahnt. In den Vorträgen der Ideenbörse
in Waltersdorf wurden diese Facetten besonders deutlich. Dr. rer.
nat. Mathias Deutsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geo-
grafischen Institut der Universität Göttingen, unternahm einen
eindrucksvollen Exkurs in die Hochwassergeschichte in Mittel-
deutschland. Er zeigte, wie über die letzten Jahrhunderte Men-
schen hier Gefahren abwehrten und mit präventiven Maßnahmen
zum Hochwasserschutz folgende Naturkatastrophen in ihren Aus-
wirkungen zu mindern suchten. „Aus diesen Erfahrungen können
wir lernen“, meinte der Wissenschaftler. Aus den Quellen in den
Archiven und Bibliotheken ließen sich genaue Aussagen zu Hoch-
wasserereignissen und zu Schutzmaßnahmen ableiten. Natürliche
wie vom Menschen gemachte Ursachen seien ebenso erkennbar,
wie Verläufe, Häufigkeiten, erfolgreich oder weniger erfolgreich
eingeleitete Maßnahmen zu Aktionen und Reaktionen.
„Bei allen Entscheidungen müssen wir die Frage
stellen, ob in 10 oder 15 Jahren eine konzipierte
Anlage noch angemessen und bezahlbar ist.“
Frank Kupfer

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Ideenbörse Waltersdorf | 23
Impressionen aus der Tagung
Die Pflege und der Schutz des natürlichen Umfeldes der Flüsse
sind so für Dr. Gerd-Rainer Absch unabdingbar. Der Vorsitzende
des Landschaftspflegeverbandes Oberlausitzer Berg- und Teich-
landschaft e. V. skizzierte, wie sich die in dem Verband zusam-
mengeschlossenen 17 Städte und Gemeinden, die neun Landwirt-
schafts- und zwei Fischereibetriebe, der Regionalbauernverband
Bautzen-Kamenz, der Kreisjagdverband, das Biosphärenreservat
und Bürger des Landkreises um die Pflege und Instandhaltung von
Gewässern II. Ordnung in der Oberlausitz sorgen.
Während in Sachsen im Durchschnitt drei Meter Gewässer II.
Ordnung auf jeden Einwohner kämen, wäre das in den Gemeinden
der Oberlausitz oft das Zehnfache. Böschungskrautung, Sohlkrau-
tung, Grundräumung, die Pflege von Ufergehölzen, Hecken und
Feldgehölzen werden vom Verband ausgeführt. Es werden ökolo-
gisch wertvolle Biotope wie Feuchtwiesen erhalten, Gehölze neu
gepflanzt, Windschutzstreifen neu angelegt, Fließgewässer und
Teiche werden renaturiert.
Wenn der Mensch grundlegend in die Natur eingreift, dann
muss er die Folgen weitreichend bedenken und auch für die Na-
tur neue Wege finden. Im Falle des Weißen Schöps führte das zu
dessen neuer Trassierung, damit der Kohle fördernde Tagebau
Reichwalde weiter in Richtung Nord-Osten ziehen kann. „Seit
2009 treibt Vattenfall Europe Mining das Projekt gemeinsam mit
der Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen, Betrieb
Spree/Neiße, sowie der Flurbereinigungsbehörde des Landratsam-
tes Görlitz voran“, berichtete Corina Fiskal, Projektverantwortliche
für die Schöps-Verlegung bei Vattenfall Europe Mining AG. Für die
Umverlegung des Flusses müssen Gehölze gerodet, Landschaften
verändert werden. Der Ersatz- und Neubau von Brücken ist ebenso
erforderlich wie die Verlegung von Ortsverbindungs straßen, paral-
lel zu den Flussbaumaßnahmen. Letztlich werden auch Hochwas-
seranlagen und -deiche gebaut und Wehre zurückgebaut. Darüber
hinaus muss der Schwarze Schöps ertüchtigt werden, um künfti-
gen Hochwassern standzuhalten.
Dem Hochwasser standhalten müssen auch die Abwasser-
anlagen. Staatsminister Kupfer hatte in seiner Rückschau auf die
Hochwassersituationen in Sachsen auf diese Wichtigkeit hinge-
wiesen. Und vieles wurde in den letzten Jahren hier auch schon
getan. Doch die Abwasserentsorgung ist eine investitionsinten-
sive Infrastruktur. „Insbesondere im ländlichen Raum muss man
diese Kosten in den Griff bekommen, um die Abwasserentsorgung
entsprechend der Entwicklung der Landregionen zukunftsfähig zu
gestalten“, meinte Dr. Ingo Töws, Senior Manager der Telia Um-
welt GmbH, Leipzig. Unterschiedliche Entwässerungsarten könn-
ten dabei helfen. Zwischen zentralen, semizentralen oder dezen-
tralen Abwasserbehandlungen müsse entschieden werden, denn
mit unterschiedlichen Entsorgungssystemen können die größten
Effekte erzielt werden, auch um die zukünftigen Kosten bezahlbar
zu machen.
„Insbesondere im ländlichen Raum muss man diese
Kosten in den Griff bekommen, um die Abwasserent­
sorgung entsprechend der Entwicklung der Land­
regionen zukunftsfähig zu gestalten.“
Dr. Ingo Töws

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24
29. Mai 2013
Wernesgrüner Brauerei-Gutshof
Ideenbörse in Steinberg
Energie, Innovations-
und Wettbewerbsfähigkeit
Der ländliche Raum ist innovativ und
wettbewerbsfähig
Ländliche Regionen in Sachsen sind nicht weniger innovativ und
wirtschaftlich potent als urbane Zentren. Mit der Einschätzung
des Sächsischen Staatsministers für Umwelt und Landwirtschaft,
Frank Kupfer, aus der ersten Ideenbörse kann unbesehen die
fünfte Ideenbörse überschrieben werden: Der ländliche Raum ist
besser als sein Ruf. Es lohnt sich, in diesen Regionen Sachsens zu
investieren.
Beste Belege: Netzwerke, mit denen sich Mittelständler aus
Sachsen heraus Türen zum Weltmarkt öffnen. Unternehmen wie
Weidmanns Plastics Technology AG, Treuen, und die Maschinen-
bau Lehmann GmbH, Pöhl, die mit Ideen aus dem Vogtland das
Augenmerk internationaler Konzerne auf ihre Leistungen lenken.
Auf der Ideenbörse zum Thema „Energie, Innovations- und Wett-
bewerbsfähigkeit“ im vogtländischen Steinberg verrieten sie, wie
ihnen das gelingt.
„Sachsen ist ein Mittelstandsland und die ländlichen Regionen
bieten gerade dem innovativen Mittelstand vielfältige Chancen.“
Referenten
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Dr. Dirk Orlamünder
Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Prof. Dr.-Ing. Dieter Weidlich
Fraunhofer IWU, Projektmanager VEMAS, TU Chemnitz
Dipl.-Ing. Thilo Lehmann
Geschäftsführer Maschinenbau Lehmann, Pöhl
Swen Klöden
Vice President Operations
WEIDMANN PLASTICS TECHNOLOGY AG, Treuen
Moderation
Gerd Edler
Veranstaltungsort
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80 Gäste

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Ideenbörse Steinberg | 25
Oben v. l.: Dr. Dirk Orlamünder, Swen Klöden, Thilo Lehmann
Unten v. l.: Frank Kupfer, Prof. Dr. Dieter Weidlich
Dr. Dirk Orlamünder, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsminis-
terium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, sah sich mit Blick auf
das Vogtland in seiner These bestätigt. Der Vogtlandkreis habe eine
über dem sächsischen Durchschnitt liegende Industriedichte und
offeriere den hier ansässigen sowie ansiedelnden Unternehmen
beste Voraussetzungen, um innovativ zu agieren. Die Arbeitslosen-
quote liegt im Vogtland auch deshalb mit 8,1 Prozent unter dem
sächsischen Durchschnittswert. Ein flächendeckendes Breitband-
netz, das der Vogtlandkreis als Erster in Sachsen vorzeigen könne,
sei das berühmte i-Tüpfelchen. Es garantiert Arbeitsplätze mit Per-
spektive für die Wirtschaft und für die Menschen.
Mit Kreativität und Ideen treiben die Unternehmer und die
Menschen in den Regionen die Entwicklung voran. Innovations-
und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen komme wiede-
rum den Regionen zugute. „Als Freistaat schaffen wir dafür die
Rahmenbedingungen für die Unternehmen“, erklärte Dr. Dirk
Orlamünder. Beispielsweise mit der Innovationsstrategie des Frei-
staates Sachsen, die in diesem Jahr verabschiedet werden soll. „Sie
ist ein wichtiges Maßnahmepaket über alle Ressorts der Staats-
regierung hinweg, mit dem wir nicht zuletzt auch den ländlichen
Raum stärken werden.“
Als Innovations-Leader habe Sachsen europaweit einen guten
Ruf, versicherte der Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsmi-
nisterium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr. Die Innovations-
strategie des Freistaates werde diesen weiter festigen. „Wir wer-
den uns in einem breiten Kontext mit Innovationen aufstellen.“
Sozial-ökologische Innovationen, Prozess-, Produkt-, Dienstleis-
tungs- und Organisationsinnovationen werden von Sachsen aus-
gehen. „Der Maßnahmeplan, den wir definieren werden, wird etwa
160 Einzelmaßnahmen über alle Ressorts der Staatsregierung
hinweg enthalten. Alle zwei Jahre werde evaluiert und die Maß-
nahmen gegebenenfalls neu ausgerichtet. Innovationshemmnisse,
wie hohe Investitionskosten oder die Scheu vor wirtschaft lichen
Risiken, sollen bereits im Vorfeld minimiert werden.
„Innovationen kommen in Sachsen aus dem Mittel­
stand.“
Dr. Dirk Orlamünder

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26
Projekte
Oben: WEIDMANN PLASTICS TECHNOLOGy AG
(Swen Klöden)
Unten v. l.: VEMAS (Prof. Dr.-Ing. Dieter
Weidlich), Polarstation (Thilo Lehmann)
„Innovationen kommen in Sachsen aus dem Mittelstand. Kontinu-
ierlich treiben Industriebereiche, wie beispielsweise der Maschi-
nenbau und die Metallverarbeitung, dazu Themen voran. Denn
Innovationen entscheiden nicht zuletzt über ihre Wettbewerbs-
fähigkeit.“ Könne sich die Innovationskraft der sächsischen Un-
ternehmen sehen lassen, so stelle ihre strukturelle Kleinteiligkeit
im Wettbewerb mit den Global Playern indes einen Nachteil dar.
Deshalb müssen interdisziplinäre Zusammenschlüsse, Netzwerke,
Verbundprojekte in Forschung und Entwicklung dazu beitragen,
dieses Hemmnis beim weltweiten Marktauftritt zu verringern. Sol-
che Vernetzungen seien Chancen für die mittelständischen Unter-
nehmen, weltweit mitzuspielen.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist die „Digitale Offensive
Sachsen”. Sie soll die Infrastruktur für das Sachsen von Morgen
schaffen. 40 Millionen Euro werden in die neue Infrastruktur flie-
ßen und urbane wie ländliche Räume mit Breitband vernetzen.
„Lediglich 26 Prozent der sächsischen Haushalte verfügen heute
über einen hochbitratigen Anschluss in die digitale Welt. Wir ha-
ben also großen Nachholbedarf gegenüber anderen Regionen, um
künftig in den ländlich geprägten Städten und Kommunen Dienst-
leistungen und Anwendungen anbieten zu können, um Standor-
te weiter zu entwickeln, Arbeitsplätze in Industrie und ebenso in
freien Berufen zu sichern und zu schaffen sowie ein modernes
digitales Leben auf dem Lande zu ermöglichen“, umriss Dr. Dirk
Orlamünder die Notwendigkeit einer solchen Offensive.
Offensiv werden müsse nach dessen Ansicht der Freistaat
auch in einem weiteren wichtigen Punkt, der die Wettbewerbs-
fähigkeit sächsischer Unternehmen stark beeinflusse: Energie-
preise und Strompreisbremse. Laut Konjunkturbefragung der IHK
Sachsen betrachten inzwischen 60 Prozent der Unternehmen
im Land steigende Energiepreise als Konjunkturrisiko. „Wie kön-
nen wir für Entspannung sorgen? Der Staat ist der Kosten- und
Preistreiber, also müssen wir dafür sorgen, dass der Mittelstand
nicht der Hauptträger der Kosten sein wird“, so der Abteilungslei-
ter im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und
Verkehr. Nicht zuletzt würden auch regionale Energiekonzepte
benötigt, wie sie der Vogtlandkreis erarbeitet, um die Energiewen-
de zu schaffen. „Wir werden im Freistaat die Forschung und Ent-
wicklung im Bereich der Energie vorantreiben“, versprach Dr. Dirk
Orlamünder.
Netzwerke, Kooperationen und Innova-
tionen bestimmen Marktchancen
Netzwerke war das Stichwort, das Prof. Dr.-Ing. Dieter Weidlich
in seinem Vortrag aufgriff. Seit April 2009 ist er Projektmanager
bei der Verbundinitiative Maschinenbau Sachsen VEMAS. Schon
seit 1789 seien Menschen in Netzwerken unterwegs. Heute sind
Netzwerke und Verbundinitiativen probate Einrichtungen der
Wirtschaft: Globalisierung, ständige wechselnde Rahmenbedin-
gungen von der Finanz- bis zur Energiepolitik, immer kürzere Pro-
duktzyklen, sich rasant verändernde Märkte, schwindende Sicher-
heiten, Wissenstransfer, die Dynamik der Prozesse in Gesellschaft,
Wirtschaft, Politik, das Agieren multinationaler Konzerne und sich
damit unaufhörlich ändernde Distributionswege zwingen zu die-
sem gemeinsamen Handeln von mittelständischen Unternehmen.
„Der Maschinenbau ist die zweitstärkste Branche in Sachsen. 376
Betriebe haben über 20 Beschäftigte, 590 nur unter 20“, umriss

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Ideenbörse Steinberg | 27
Prof. Dr.-Ing. Dieter Weidlich, warum der Maschinenbau Sach-
sens auf eine Verbundinitiative setzt. VEMAS kümmert sich um
die Innovationsförderung, stellt Kontakte zu Märkten und mul-
tinationalen Konzernen her, sorgt sich um die Fachkräfte, schiebt
Forschungsthemen mit Universitäten an. „Wir haben über 40 Ko-
operationsprojekte und sind in weit über zehn Netzwerken für den
heimischen Maschinenbau unterwegs.“
Durch die Kooperation mit anderen Unternehmen, mit Part-
nern aus Forschung und Entwicklung und bei der Suche nach Pro-
blemlösungen gemeinsam mit Kunden hat die Lehmann Maschi-
nenbau GmbH Kunden und Märkte auf sich aufmerksam gemacht.
„Wir haben in Zeiten, in denen man hierzulande Ingenieure ent-
ließ, auf diese Ingenieurkunst gesetzt und uns mit unseren säch-
sischen Ingenieuren gemeinsam die Zukunft aufgebaut“, verriet
Dipl.-Ing. Theo Lehmann, Geschäftsführer des mittelständischen
Familienunternehmens das Geheimnis des Firmenerfolges: „Wir
waren stets innovativ und haben dem Markt Lösungen angebo-
ten, die er brauchte.“ Heute könne sich der hundert Mitarbeiter
zählende Sondermaschinen- und Anlagenbauer mit zahlreichen
Referenzprojekten im Sondermaschinenbau, für Polarausrüstun-
gen, für Schwerlasthubtechnik, in der Umwelttechnik und im An-
lagenbau sowie als Kooperationspartner und Zulieferer für andere
Unternehmen um Aufträge bewerben und plane optimistisch in
die Zukunft.
Die Weidmann Plastics Technology AG, Treuen, ließ sich hinge-
gen ihre Zukunftspläne von den Veränderungen am Energiemarkt
nicht durcheinanderbringen. Insbesondere durch die EEG-Zulage
verschlechterte sich der Energiekostenanteil des Mittelständlers
im Verhältnis zum Umsatz merklich. Letztlich lag man selbst im
konzerninternen Vergleich zu den Standorten in der Schweiz, den
USA und Brasilien doppelt so hoch. „Der Kostendruck in der Auto-
mobilindustrie ist extrem hoch, die Margen im Kunststoffbereich
nicht gerade die ergiebigsten“, umriss Swen Klöden die Situation.
Die Kosten konnten nur aufgefangen werden, indem im Unter-
nehmen Energieverluste minimiert und Stromverbräuche durch
Veränderungen in technologischen Abläufen und den Einsatz
energiesparender Technologien gesenkt wurden. Selbst beim Ein-
kauf neuer Aggregate, Module und von Ersatzteilen schaut man
nun genauer hin, hinterfragt Effizienzparameter und investiert
überlegt.
„Wir haben in Zeiten, in denen man hierzulande In­
genieure entließ, auf diese Ingenieurkunst gesetzt und
uns mit unseren sächsischen Ingenieuren gemeinsam
die Zukunft aufgebaut.“
Dipl.­Ing. Theo Lehmann
Impressionen aus der Tagung

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28
26. Juni 2013
Sachsenhof Nossen
Ideenbörse in Nossen
Für die Sicherheit Ihrer Region
Sicherheit erhöht die Attraktivität des
länd lichen
Raumes
Das Resümee vorweg: Die Menschen in den ländlichen Regionen
können sich auch in den nächsten Jahrzehnten sicher fühlen. „Das
gehört einfach dazu, wenn wir den ländlichen Raum attraktiv,
lebenswert und zukunftsfähig gestalten“, erklärte Sachsens Um-
welt- und Landwirtschaftsminister Frank Kupfer auf der 7. Ide-
enbörse für den Ländlichen Raum. Mit Kommunalpolitikern und
Bürgern diskutierte der Innenminister Markus Ulbig im „Sachsen-
hof“ in Nossen, wie dies gelingen werde. Der Kampf der Sachsen
gegen das Juni-Hochwasser machte Sachsens Staatsminister
Markus Ulbig zuversichtlich: „Unser Krisenmanagement während
dieses Ereignisses hat gezeigt, dass unsere Sicherheitskräfte gut
aufgestellt sind. Sie haben hervorragende Arbeit für den Schutz
der Bevölkerung geleistet. Wir verfügen mittlerweile über ein leis-
tungsstarkes und wirtschaftliches Netz von Leitstellen, Rettungs-
wachen, Feuer wehren, Polizeistandorten und Katastrophenschutz-
einheiten.“
Referenten
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern
Dr. André Walter
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)
Dipl.-Ing. Michael Holzweißig
Regionaler Planungsverband Oberes Elbtal/Osterzgebirge
Moderation
Angela Elis
Veranstaltungsort
Sachsenhof Nossen
Teilnehmer
60 Gäste

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Ideenbörse Nossen | 29
Oben v. l.: Markus Ulbig, Frank Kupfer; Unten v. l.: Dipl.-Ing. Michael Holzweißig, Dr. André Walter
Der Anspruch der Staatsregierung sei in puncto Sicherheit klar
formuliert, unterstrich der Innenminister: „Sachsen muss sicher
bleiben und wird sicher bleiben!“ Deshalb habe dieses Thema im
Landesentwicklungsplan des Freistaates einen entsprechenden
Stellenwert erhalten. Trotz sinkender Einwohnerzahlen in den
ländlichen Regionen sollen die Einrichtungen der öffentlichen
Verwaltung, Gerichtsbarkeit, Sicherheit und Ordnung räumlich
so verteilt werden, dass die Aufgaben überall bürgernah erfüllt
werden können. So werde die Polizei an allen Standorten, insbe-
sondere in den Grenzregionen, festhalten und „lageangepasst“
präsent bleiben. Das neue „Polizeikonzept 2020“ bilde dafür die
Grundlage. Mit diesem wurde ein Modernisierungsprozess einge-
leitet, der – trotz notwendiger Einschnitte – Chancen biete. „Wir
werden den Polizeivollzugsdienst stärker auf seine Kernaufgaben
konzentrieren, polizeifremde Aufgaben abbauen sowie die beste-
hende Polizeiorganisation, insbesondere in der Administrative,
weiter straffen“, fasste der Minister das Konzept zusammen. Seit
2009 wurden junge Sachsen an den Polizeischulen ausgebildet,
um jene gut 400 Polizisten zu ersetzen, die in den kommenden
zwei Jahren altersbedingt ihren Dienst quittieren werden. „Pro
Jahr übernehmen wir 100 junge Polizisten in den Polizeidienst“,
beschrieb Markus Ulbig eine Verjüngung der sächsischen Polizei
bis 2020. Derzeit sorgen in Sachsen 13.800 Polizisten für die Si-
cherheit der Bevölkerung. „Wir verschlanken die Verwaltung wei-
ter, werden Polizeidirektionen und Reviere zusammenzulegen,
ohne Standorte aufzugeben“, umriss der Minister das Vorgehen.
Die Anzahl der Streifenpolizisten bleibe bestehen, werde durch
mehr Bürgerpolizisten ergänzt, insbesondere im ländlichen Raum.
Die Bereitschaftspolizei wird an unterschiedlichen Brennpunkten
eingesetzt.
Der ländliche Raum gehöre in Sachsen keineswegs zu den
Problembereichen. „Sorgen machen uns die grenznahen Gebiete.“
Minister Markus Ulbig markierte hier vor allem Drogen- und
KFZ-Delikte. Letztere wurden zwar in den Grenzgebieten zu Tsche-
chien und Polen zurückgedrängt. Um 6,5 und 9,5 Prozent sind die
Fallzahlen geschrumpft, nicht zuletzt, weil die grenzüberschrei-
„Sachsen muss sicher bleiben und wird sicher bleiben!“
Markus Ulbig

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30
tende Zusammenarbeit mit den Polizeidienststellen der Nachbar-
länder immer besser funktioniert. „Dafür machen uns jetzt Städte
wie Leipzig und Dresden Sorgen.“ Hier gibt es nicht nur zuneh-
mend mehr KFZ-Diebstähle. Bei Fahrraddiebstählen sowie bei Ein-
brüchen in Keller und Dachböden gehen die Fallzahlen nach oben.
„Hier ist unbedingt auch mehr private Vorsorge nötig“, mahnte
der Innenminister.
Als eine Angelegenheit, die die gesamte Gesellschaft angehe,
bezeichnete Markus Ulbig den gewachsenen Drogenkonsum. „Kei-
ner von uns kann wegschauen, wenn wir konstatieren müssen,
dass das Einstiegsalter für Drogen in Sachsen bei zwölf Jahren
liegt.“ Längst warnen Ärzte vor den immensen, irreparablen Schä-
den von Designerdrogen wie Crystal, die in den grenznahen Dro-
genküchen hergestellt werden. „Crystal hat längst die klassischen
Drogen abgelöst, die Schäden am Organismus von Heranwach-
senden sind erschreckend“, zeigte sich der Innenminister besorgt.
„Sicherheit lebt von Zusammenarbeit.“ Dieses Zusammenwir-
ken werde zukünftig immer wichtiger und alle Bereiche erfassen:
grenzüberschreitend das Zusammenspiel von Behörden und zwi-
schen den Kommunen, die Fachebenen werden interdisziplinär
kooperieren und die Bürger werden mit einbezogen. Das Ehren-
amt werde auch beim Thema Sicherheit immer bedeutungsvoller.
So zum Beispiel, um Feuerwehrstandorte zu erhalten. Hier sei es
erforderlich, Menschen für die ehrenamtliche Arbeit in den Feuer-
wehren zu gewinnen. „Zugleich müssen wir gemeinsam mit den
Kommunen über neue Wege nachdenken, um die Brandschutz-
sicherheit im ländlichen Raum auf dem heutigen Niveau zu hal-
ten“, verwies Markus Ulbig auf die Bemühungen der Arbeitsgruppe
„Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020“, Strukturen mit Zukunft
zu schaffen. Das 150-jährige System der Freiwilligkeit beim kom-
munalen Brandschutz auf dem Land weiterzuführen, stehe dabei
im Mittelpunkt.
„Wie den Feuerwehren so fällt es auch den Hilfsorganisa-
tionen immer schwerer, ehrenamtliche Helfer zu gewinnen und
die Einsatzbereitschaft rund um die Uhr aufrechtzuerhalten.“ Der
Freistaat unterstütze diese Arbeit finanziell und anerkenne, was
die Kameraden teilweise überdurchschnittlich für das Gemein-
wohl leisten. Jubiläumszuwendungen und der sogenannte Feuer-
wehrschein seien Beispiele dafür. „Trotz knapper Kassen versuchen
wir die hohen Standards zu halten“, verwies Innenminister Markus
Ulbig beispielsweise auf die 7,7 Millionen Euro, die in diesem und
im nächsten Jahr in die technische Ausstattung, das Rettungs-
wesen und in den Katastrophenschutz fließen. „Die Juni-Flut hat
gezeigt, wie wichtig dies ist und künftig sein wird.“
Diese Einschätzung teilte auch Dr. André Walter vom Bun-
desamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Für
Nordsachsen und den Erzgebirgskreis entwickelt das Bundesamt
gemeinsam mit den Kommunen Modellkonzepte, mit denen die
demografischen Veränderungen gemeistert und die zur Verfügung
stehenden Ressourcen an Einsatzkräften, Helfern und Technik so
clever wie möglich für einen effizienten Katastrophenschutz und
beim Rettungsdienst eingesetzt werden können. Ein Risikoma-
nagement, das alle kommunalen Ebenen umfasst, Gefahrenpo-
tenziale genau einschätzt und skizziert, Schadensszenarien entwi-
ckelt, Risiken identifiziert, klassifiziert und priorisiert, soll hierbei
helfen.
Handlungsfeldübergreifende Strategien zu entwickeln ist eine
der Aufgaben, denen sich der Regionale Planungsverband Oberes
Elbtal/Osterzgebirge angenommen hat. Neben der Mobilität, der
Bildung und den Perspektiven für ältere Menschen in den Regio-
nen nimmt der Brandschutz in den ländlichen Städten und Kom-
munen hier einen breiten Raum ein. „Um das hohe Niveau und die
erforderlichen Einsatzzeiten der Rettungskräfte in den nächsten
Jahren sichern zu können, werden wir anders als bisher denken
müssen“, betonte Michael Holzweißig von der Verbandsgeschäfts-
stelle des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzge-
birge. Denn bis 2030 werden in den ländlichen Regionen 30 bis
40 Prozent weniger Menschen als heute leben – und damit auch
weniger potenzielle Einsatzkräfte für Rettungsdienste und Freiwil-
Projekte v. l.: Vorstellung der Projektarbeit in China (Dr. Andrè Walter), Feuerwehr in Graupa (Michael Holzweißig)
„Um das hohe Niveau und die erforderlichen Einsatz­
zeiten der Rettungskräfte in den nächsten Jahren si­
chern zu können, werden wir anders als bisher denken
müssen.“
Michael Holzweißig

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Ideenbörse Nossen | 31
lige Feuerwehren. 7.500 Menschen auf dem Land engagieren sich
in Freiwilligen Feuerwehren ehrenamtlich. „Heute haben wir gut
ausgestattete Freiwillige Feuerwehren mit einem annehmbaren
Personalbestand. Auch die Einsatzzeiten, die 13 Minuten bis zur
Erstrettung vorschreiben, können eingehalten werden.“ Doch stei-
gende Zahlen von Berufspendlern, weniger junge Leute, Wegzug
und Überalterung auf dem Land wirken sich auf die Einsatzbe-
reitschaft der Wehren aus. „Gerade in dünn besiedelten Gebie-
ten Sachsens kann schon heute keine Tageseinsatzbereitschaft
angezeigt werden“, alarmierte Dipl.-Ing. Holzweißig. Bei einem
Drittel der heutigen Bevölkerung werde man 2030 die heutigen
Schutzziele schon gar nicht mehr erreichen können. Für Michael
Holzweißig ist klar: Das Netz der Freiwilligen Feuerwehren müs-
se unbedingt erhalten, aber in manchen Regionen durch Stand-
ortfeuerwehren ergänzt werden. Um einen flächendeckenden
Brandschutz zu sichern, könnten Zweckverbände gebildet werden.
Auch finanzielle Anreize für das Ehrenamt in Feuerwehren und
Rettungsdiensten könnten helfen. Die Brandschutzvorsorge müs-
se stärker ins öffentliche Bewusstsein. Selbst über ein entspre-
chendes Unterrichtsfach an den Schulen könne hier nachgedacht
werden.
Impressionen aus der Tagung

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3. Juli 2013
Waldhotel
Forsthaus
Dröschkau
Ideenbörse in Belgern
Medizinische Versorgung sichern –
überall – jederzeit
Wir müssen den Zusammenhalt fördern und
schützen
Es ist eine Nachricht oder wie es Sozialministerin Christine Clauß
sagte: „Ein Menschheitstraum geht in Erfüllung. Wir werden immer
älter und bei guter Gesundheit noch dazu.“ Die Kehrseite lieferte
sie gleich mit: „Wir Sachsen sind Alterspioniere in Deutschland.“
Damit werde im Freistaat schon heute spürbar, was in anderen
Bundesländern teilweise erst in etwa sieben Jahren akut wird –
sinkende Einwohnerzahlen, dünn besiedelte, meist überalterte
ländliche Regionen, steigende Kosten für Gesundheit und Pflege.
Das Gutachten „Arbeit | Rente | Grundsicherung“, das im Auf-
trag des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Ver-
braucherschutz erstellt wurde, zeigt die Herausforderung in Zah-
len: Noch im Jahr 2009 ist der Altenquotient von Dresden und
Nordsachsen fast gleich. Aber 2050 liegt er in Nordsachsen bei
89. Das heißt, im Jahr 2050 könnten 89 von 100 Menschen über
65 Jahre alt sein. Die Zahl der Pflegefälle wird sich fast verdop-
peln; die der Grundsicherungsempfänger wird um bis zu 30 Pro-
zent steigen. Die Kosten der Hilfen zur Pflege steigen ebenfalls
Referenten
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Christine Clauß
Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz
Erik Bodendieck
Facharzt für Allgemeinmedizin, Wurzen;
Vizepräsident der Sächsischen Landesärztekammer
Dr. med. Hans-Joachim Kolb
Leitender Oberarzt der Abteilung für Innere Medizin der
COLLM KLINIK OSCHATZ
Christophe Holzapfel
Koordinierungsstelle der Alltagsbegleiter
Moderation
Angela Elis
Veranstaltungsort
Wal
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Teilnehmer
145 Gäste

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Ideenbörse Belgern | 33
Oben v. l.: Frank Kupfer, Christophe Holzapfel, Dr. med. Hans-Joachim Kolb; Unten v. l.: Erik Bodendieck, Christine Clauß
um ungefähr 30 Prozent. „Und hinter all diesen Zahlen stehen
Menschen. Menschen, die erwarten, dass die medizinische Versor-
gung gesichert ist – überall – jederzeit“, sagte Staatsministerin
Christine Clauß auf der Ideenbörse für den Ländlichen Raum im
Waldhotel Forsthaus Dröschkau in Belgern (Landkreis Nordsach-
sen). Gesundheit, Gesundheitsvorsorge, ein dichtes Netz von Ärz-
ten, Krankenhäusern und eines Pflegesystems wird in Zukunft mit
darüber entscheiden, wie attraktiv und lebenswert das Wohnen
auf dem Lande ist.
Netzwerke aller Art könnten helfen, dies zu realisieren. In der
Wirtschaft und Wissenschaft sind sie längst ein probates Mittel.
„Auch im Gesundheitswesen können wir gemeinsam Knoten für
Knoten knüpfen, bis diese tragen und halten und unseren schö-
nen Freistaat zukunftsfest gestalten“, meinte die Ministerin. „Wir
müssen den Zusammenhalt fördern und schützen. Das schaffen
wir mit Netzwerken aller Art – technischen Netzwerken, Hilfs-
netzwerken, Finanzierungsnetzwerken … Wir brauchen regional
angepasste Sozialräume vor Ort, die zu den Gegebenheiten, zum
Beispiel hier in der Region Belgern, passen und funktionieren. Wir
brauchen einen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. In der der
Eine auf den Anderen achtet – unabhängig von Verwandtschafts-
verhältnissen.“
Diesbezüglich sei der demografische Wandel eine Chance für
das Gemeinwesen. „Wir werden sie nutzen!“, gab sich Christine
Clauß kämpferisch. Schon heute könnten in Sachsen 208 weitere
Hausärzte zugelassen werden, um den steigenden Bedarf an me-
dizinischen Fachkräften vor allem auf dem Land gerecht zu wer-
den. Dazu habe der Freistaat die Voraussetzungen geschaffen,
biete Stipendien als Anreizsysteme für junge Ärzte, mache die
Kassenärztliche Vereinigung in Sachsen Investitionszulagen bei
Ansiedlungen im ländlichen Raum möglich. „Und wir haben seit
2009 ein funktionierendes Netzwerk ‚Ärzte für Sachsen’, in dem
sich heute 146 Partner engagieren.“ Netzwerke seien die Struktu-
ren der Zukunft, erklärte Sozialministerin Christine Clauß. Schon
heute retten sie in Sachsen Leben, so das Schlaganfall-Netzwerk.
„Wir brauchen diese Solidarmodelle, weil wir
Menschen uns Menschen brauchen.“
Christine Clauß

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34
Projekte
Oben v. l.: Arzt in Sachsen (Erik Bodendieck),
Alltagsbegleiter (Christophe Holzapfel)
Unten: Collm Klinik Oschatz (Dr. Hans- Joachim
Kolb)
Pflegenetzwerke oder Netzwerke wie das der Alltagsbetreuer
sind Modelle, von denen nicht nur die Sachsen profitieren. „Wir
brauchen diese Solidarmodelle, weil wir Menschen uns Menschen
brauchen.“
Das Hausarztprinzip verkörpere nichts anderes. Erik Boden-
dieck, Facharzt für Allgemeinmedizin in Wurzen und Vizepräsi-
dent der Sächsischen Landesärztekammer, beschrieb die Suche
nach dem „Arzt fürs Land", auf die sich das Netzwerk „Ärzte für
Sachsen" begeben hat. Längst habe sich das Bild des rastlosen,
freizeitlosen, vielleicht sogar antiquiert scheinenden Landarztes
gewandelt. „Das Image ist viel moderner, bietet jungen Ärzten ein
interessantes Betätigungsfeld mit vielen sozialen Kontakten und
mit Lebensqualitäten, die gerade junge Arztfamilien schätzen“,
fasste Erik Bodendieck zusammen. Er selbst agiert als Protagonist
für einen Landarzt-Imagefilm des Netzwerkes und ist zusammen
mit anderen Ärzten im Freistaat unterwegs, um in Schulen und
Universitäten Nachwuchs für die Landarztpraxen zu finden, junge
Ärzte zu beraten, ihnen Möglichkeiten des Berufes zu eröffnen.
„Natürlich sind weiche Standortfaktoren wichtig, um junge Ärzte
auf das Land zu bekommen“, erklärte der Mediziner. Das Netzwerk
mache schon mal die Politik auf Hürden aufmerksam, die junge
Ärzte behindere, sich auf dem Land anzusiedeln. Zudem unter-
stütze das Netzwerk mit Stipendien, Promotionsprogrammen,
ständigen Angeboten zur Aus- und Weiterbildung von Ärzten und
werbe auf Messen für ein leistungsfähiges Gesundheitsnetz auf
dem Lande.
Eines der innovativen Zukunfts-Netzwerke, von der Sozial-
ministerin Christine Clauß sprach, ist heute schon Wirklichkeit.
„Wir haben mit den Schlaganfall-Netzwerken telemedizinische
Verbindungen zwischen Kliniken geschaffen, die Patienten das
Leben retten“, lobte die Staatsministerin die Leistungen dieser
Netzwerke. Stellvertretend stellten auf der 8. Ideenbörse Dr. med.
Hans-Joachim Kolb, Leitender Oberarzt der Abteilung für Innere
Medizin der Collm Klinik Oschatz, und Dr. med. Sven Ehrlich
(Fachkrankenhaus Hubertusburg) das Wirken der Einrichtungen
im Schlaganfall-Netzwerk Nordwestsachsen vor. Das Telemedi-
zin-Schlaganfall-Netzwerk befundet Patienten mit Hirninfarkten
und Hirnblutungen in den beteiligten Partnerkrankenhäusern
mit den Mitteln der Telemedizin noch besser und schneller durch
Neurologen der neurologischen Kliniken der St.-Georg-Unter-
nehmensgruppe. In der Akutphase wird per Videokonferenz eine
direkte telemedizinische Mitbehandlung und -untersuchung des
Patienten durch einen auf dem Gebiet der Schlaganfallmedizin
besonders versierten Neurologen aus der neurologischen Klinik
des Klinikums St. Georg gGmbH in Leipzig und der neurologi-
schen Klinik des Fachkrankenhauses Hubertusburg in Wermsdorf
durchgeführt. Hier existieren regional und überregional durch die
deutsche Schlaganfallgesellschaft zertifizierte Schlaganfalleinhei-
ten, sogenannte Stroke Units. Diese verfügen über eine besondere
Expertise auf diesem Gebiet und können die Weichen stellen für
kompliziertere Behandlungsverfahren wie die Thrombolyse (Auf-
lösung eines Gerinnsels in den Hirngefäßen), die Einbringung von
Stents in arteriosklerotisch verengte Hirngefäße oder die Not-
wendigkeit zur neurochirurgischen Entfernung einer Hirnblutung
veranlassen. Die unmittelbare Behandlung erfolgt dabei weiterhin
durch die Ärzte und das Pflegepersonal in den Partnerkranken-

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Ideenbörse Belgern | 35
häusern. Nur besonders schwierige Fälle werden bei Notwendig-
keit in das beratende Zentrum verlegt. Sachsen wird Netzwerke
wie das für Schlaganfall-Patienten weiter ausbauen, versprach
Sozialministerin Clauß. Auch für andere Bereiche könnten sie bei-
spielgebend sein, um flächendeckend die medizinische Versorgung
zu sichern.
Sich über die Fläche Sachsens zu verbreiten ist nicht zuletzt
Ziel des Netzwerkes der Alltagsbetreuer, in denen Senioren von
ehrenamtlich tätigen Bürgern unterstützt werden. „Viele alte
Menschen wünschen sich, dass man ihnen Gesellschaft leistet,
mit ihnen spazieren geht, mit ihnen Karten spielt, sie in die Kir-
che begleitet, ihnen zuhört und sich mit ihnen unterhält“, sprach
Christophe Holzapfel von der sächsischen Koordinierungsstelle
der Alltagsbegleiter von der hohen Akzeptanz, die das System der
Alltagsbegleiter gefunden habe. Die betagten Seniorinnen und Se-
nioren, die betreut werden, erhalten Hilfe und Entlastung in ihrem
Alltag und werden wieder in soziale Systeme integriert. Dies trifft
ebenso für die Begleiter zu. Denn diese sind keine Haushaltshilfen.
Zumeist beziehen die über den Europäischen Sozialfonds in das
Projekt übernommenen Alltagsbegleiter Arbeitslosengeld I oder II,
sind junge Mütter außerhalb des Erwerbslebens, klassische Haus-
frauen und –männer, die keiner traditionellen Erwerbstätigkeit
nachgehen. „Unser Hauptaugenmerk liegt auf einer gemeinsamen
Tätigkeit der Senioren und der Begleiter“, so Christophe Holzapfel.
Nicht dazu gehören medizinisch-pflegerische Versorgung sowie
die Begleitung von Seniorinnen und Senioren in Alten- und Pfle-
geheimen. 40 Alltagsprojekte gibt es aktuell in Sachsen. Auch hier
wird ein flächendeckendes System angestrebt.
„Sachsen hat die Herausforderung des demografischen Wan-
dels ungefähr sieben Jahre eher als die anderen Bundesländer an-
gepackt“, fasste Sozialministerin Christine Clauß zusammen. „Wir
gehen unseren sächsischen Weg, finden Lösungen und bauen
Strukturen im medizinischen Bereich auf, die die anderen Bundes-
länder dann übernehmen können. Wir können den Weg frühzeitig
Schritt für Schritt gehen und damit Schrittmacher sein.“
Impressionen aus der Tagung

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2. September 2013
Kulturscheune des Schlosses Langburkersdorf
Ideenbörse in Langburkersdorf
Wertschöpfung, Innovation und Mobilität
Der ländliche Raum ist weltmarktfähig
„Die sächsische Staatsregierung hat den ländlichen Raum im Blick.
Dieser leistet für die wirtschaftliche Entwicklung des Freistaates
einen großen Beitrag.“ Barbara Meyer, Abteilungsleiterin im Säch-
sischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr,
bilanzierte auf der Ideenbörse für den ländlichen Raum in Lang-
burkersdorf (Neustadt i. Sa.), dass sich 60 Prozent aller erfolgrei-
chen Unternehmen in Sachsen außerhalb der großen Metropolen
befinden. „Der ländliche Raum ist für Weltmarktführer und für
wirtschaftliche Unternehmungen bestens geeignet“, stützte sich
Barbara Meyer auf aktuelle Erhebungen. „In Ostdeutschland kom-
men bei den ab 1989 gegründeten Unternehmen 1,8 junge Welt-
marktführer auf eine Million Einwohner.“ Der Reisemobil- und Ca-
ravan-Hersteller Capron in Neustadt, die Trumpf Sachsen GmbH
und die Uhrenindustrie stehen in der Sächsischen Schweiz und im
Osterzgebirge beispielhaft hinter diesen Zahlen.
Mit „Wertschöpfung, Innovation und Mobilität" hatte das
Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft und
das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Ver-
Referenten
Daniel Gellner
Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft
Barbara Meyer
Abteilungsleiterin im Sächsischen Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Dr. Peter Galiläer
Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium für
Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Peter Feine
Büroleiter / Fachkräfte IMPRO Interessenverband Metall- und
Präzisionstechnik Osterzgebirge e. V.
Tino Richter
Geschäftsführer Tourismusverband Sächsische Schweiz e. V.
Moderation
Angela Elis
Veranstaltungsort
Kulturscheune des Schlosses Langburkersdorf
Teilnehmer
78 Gäste

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Ideenbörse Langburkersdorf | 37
Oben v. l.: Daniel Gellner, Tino Richter, Peter Feine; Unten v. l.: Dr. Peter Galiläer, Barbara Meyer
kehr die Ideen börse in der Kulturscheune Langburkersdorf über-
schrieben. Diese selbst stehe für den Strukturwandel auf dem
Land, erklärte eingangs der Veranstaltung Daniel Gellner, Leiter
der Abteilung Grundsatzfragen, EU-Förderung und ländliche Ent-
wicklung. Einst wurde diese Scheune wie viele andere in der Re-
gion über Jahrhunderte landwirtschaftlich genutzt, heute sei sie
als Bestandteil des Schlosses ein selbstverständlicher kultureller
Mittelpunkt des Ortes. „Arbeitsplätze vor Ort, eine funktionieren-
de, wettbewerbsfähige Wirtschaft und die Erreichbarkeit der Re-
gion mit guten Straßenverbindungen und über den öffentlichen
Nahverkehr sind ein zentrales Thema“, versicherte Daniel Gellner.
Dazu unterstützt das Sächsische Staatsministerium für Wirt-
schaft, Arbeit und Verkehr alle erforderlichen Prozesse. „Koopera-
tionen und Vernetzungen zum Zwecke der Markterschließung und
-festigung werden von uns dazu ebenso seit Jahren erfolgreich
gefördert wie Gewerbe- und Industriegebiete, verkehrliche An-
bindungen der Regionen an Haupttangenten und die touristische
Infrastruktur“, erklärte Barbara Meyer. 253 Millionen Euro flossen
seit 1993 allein ins Osterzgebirge. 83 Prozent der vom Freistaat
zur Verfügung gestellten Mittel seien dabei in Investitionen der
gewerb lichen Wirtschaft geflossen.
Mit der „Digitalen Offensive Sachsen“ sollen im ländlichen
Raum möglichst optimale Telekommunikationsstrukturen mit
einem leistungsfähigen Breitbandnetz geschaffen werden. „Das
Grundversorgungsniveau wird mittelfristig nicht ausreichen,
um die steigenden Bedürfnisse wie Anforderungen bei digitalen
Dienstleistungen zu befriedigen“, sieht Barbara Meyer einen gro-
ßen Nachholbedarf. Der Freistaat wolle mit der „Digitalen Offen-
sive Sachsen" die Voraussetzungen schaffen, Hochgeschwindig-
keitsnetze für das Internet in Gebieten zu ermöglichen, wo es für
Telekommunikationsunternehmen betriebswirtschaftlich nicht
sinnvoll ist. „Damit werden wir als Freistaat die Lebensqualität in
diesen Regionen erhöhen und zugleich wirtschaftliche Ansied-
lungen möglich machen.“
„In Ostdeutschland kommen bei den ab 1989 gegrün­
deten Unternehmen 1,8 junge Weltmarktführer auf
eine Million Einwohner.“
Barbara Meyer

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Ein entscheidender Wirtschaftsfaktor in den ländlichen Regio-
nen ist der Tourismus. Dieser erwirtschafte jährlich einen Brutto-
umsatz von 7,2 Milliarden Euro. „Um unsere Wettbewerbsfähigkeit
im Tourismus weiter auszubauen, müssen wir die städtischen und
die ländlichen Regionen stärker miteinander verknüpfen“, erklärte
Barbara Meyer. Bis 2020 will der Freistaat die sächsischen Reisege-
biete zu „wirtschaftlich tragfähigen und wettbewerbsfähigen Des-
tinationen entwickeln.“ Die Fokussierung der vorhandenen Finan-
zierungsinstrumente und die konsequente Aufgabenteilung unter
den touristischen Partnern sollen dies sichern. So sollen künftig
Förderhöchstsätze für touristische Zielorte nur noch dann ge-
währt werden, wenn ein positives Votum seitens der touristischen
Destination vorliegt. „Das setzt aber voraus, dass jede Gemeinde
Mitglied einer solchen Destination ist“, so die Abteilungsleiterin.
Beispielhaft nannte sie hierfür die Destinationsstrategie der
Sächsischen Schweiz. Hier seien 18 der 20 relevanten Gemein-
den bereits Mitglied des Tourismusverbandes. Die Leistungsträger
würden zudem in einem hohen Maße die touristische Entwick-
lung selbst finanzieren und so eine kontinuierliche Entwicklung im
Marktsegment Natur, Kultur und Wandern gewährleisten.
Die gute infrastrukturelle Erreichbarkeit des ländlichen Rau-
mes ist eine wichtige Brücke sowohl für die wirtschaftliche als
auch für die touristische Zukunft des sächsischen Landes. „De-
mografische wie Verkehrs-Prognosen und Urbanisierungstrends
zeigen uns auf, was die Kommunen im ländlichen Raum zuvor-
derst stemmen, wir seitens der Staatsregierung politisch beglei-
ten müssen.“ Für Dr. Peter Galiläer, den für Mobilität und Verkehr
verantwortlichen Referatsleiter im Sächsischen Staatsministerium
für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, ist die Agenda der Staatsre-
gierung diesbezüglich mit zahlreichen Herausforderungen und
Aufgaben gespickt.
Zu den Herausforderungen: Im Jahr 2025 wird die sächsische
Bevölkerung auf 3,8 Millionen Einwohner geschrumpft sein. Vor
allem davon betroffen ist der ländliche Raum. Hier werden die
Einwohner nicht nur weniger, sondern auch älter als jene in den
Metropolen, die gemäß der Urbanisierungstrends wachsen wer-
den. Lediglich aktuelle Wanderungstendenzen machen ein wenig
Hoffnung darauf, dass nicht alle negativen Prognosen im vollen
Umfang zum Tragen kämen.
Die Aufgaben: Der Landesverkehrsplan muss auf die Progno-
sen reagieren und Maßnahmen ergreifen, die die Verkehrsqualität
in Sachsen trotz der beschriebenen Trends weiter steigern und
zuverlässig sichern können. Deshalb liegt der Schwerpunkt des
bis 2025 ausgerichteten Landesverkehrsplanes auf dem Erhalt der
Infrastruktur. Dringliche Vorhaben werden weiter ausgebaut. Ak-
tuell stehen 45 Maßnahmen in der ersten Prioritätsstufe. Auch
der kommunale Straßenbau wird weiter durch den Freistaat ge-
fördert und die Vorhaben im Bundesverkehrswegeplan, für den
gerade wieder 72 für 2015 angemeldet wurden, mit aller Kraft
vorangetrieben.
Der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) soll auch zu-
künftig zuverlässig und stabil gestaltet werden. Bei den Luft- und
Schienenverkehrsverbindungen ist der Freistaat auf Partner an-
gewiesen. „Beim Schienennetz sind wir weniger zuversichtlich
als bei der Straße“, signalisierte der Referatsleiter im Sächsischen
Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr einen gro-
ßen Verhandlungs- und politischen Druck auf die Deutsche Bahn
AG. Nach deren bisherigen Plänen würden sonst die ländlichen
Regionen, vor allem der westsächsische Raum, immer mehr vom
Fernbahnnetz abgekoppelt. Der Öffentliche Personennahverkehr
ist eine „wichtige Säule in der Mobilitätsverbesserung“ in der Zu-
kunft. Während in den Städten mit einem steigenden Verkehrs-
aufkommen gerechnet wird, fahre der ÖPNV in den ländlichen
Regionen „immer weniger wirtschaftlich.“ Neben der Förderung,
die seitens des Freistaates schon jetzt jährlich eine halbe Milliarde
Euro allein im ländlichen Raum betrage, müssten deshalb „alter-
native Bedienformen gesucht und eine nachfrageorientierte An-
gebotspolitik verfolgt werden.“
Projekte v. l.: Tourismusregion Sächsische Schweiz (Frank Exß), IMPRO (Peter Feine)
„Um unsere Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus weiter
auszubauen, müssen wir die städtischen und die länd­
lichen Regionen stärker miteinander verknüpfen.“
Barbara Meyer

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Ideenbörse Langburkersdorf | 39
Potenziale durch Vernetzungen erschließen
Dass Vernetzungen wirtschaftlicher Potenziale im ländlichen
Raum zu einer erhöhten Marktpräsenz und Wettbewerbsfähigkeit
führen, das belegte auf der Ideenbörse in Langburkersdorf Peter
Feine, Büroleiter / Fachkräfte IMPRO Interessenverband Metall-
und Präzisionstechnik Osterzgebirge e. V. Im IMPRO haben sich 14
Unternehmen des Landkreises Sächsische Schweiz und Osterzge-
birge zusammengeschlossen. Sie beschäftigen 900 Arbeitnehmer
und erwirtschaften einen Umsatz in Höhe von 90 Millionen Euro.
Als Biertisch-Initiative begonnen, erschließt der Interessenver-
band für seine Unternehmen inzwischen Märkte, initiiert Projekte
und wird künftig mit eigenen Produkten wirtschaftlich auf dem
Markt auftreten. „Wir sind Klein- und Kleinstbetriebe, die allein
auf dem internationalen Markt kaum wahrgenommen würden“,
meinte Peter Feine. „Gemeinsam sind wir auf gutem Weg, auf dem
Markt jemand zu sein!“
Ähnliche Parallelen zog Tino Richter, Geschäftsführer des
Tourismusverbandes Sächsische Schweiz e. V. Im Verband sind 20
Kommunen zusammengeschlossen. „Wir vertreten 140.000 Ein-
wohner, 230 gewerbliche Beherbergungsunternehmen ab zehn
Betten, Pensionen, Campingplätze, 4-Sterne-Hotels und Klein-
vermieter und bilanzieren über zwei Millionen Übernachtungen
pro Jahr“, so Tino Richter. Netzwerkbildung, Onlinemarketing und
konsequente Öffentlichkeitsarbeit sowie touristische, konsequent
durchdachte Ideen und Produkte wie die Wanderroute „Maler-
weg“ ziehen die Aufmerksamkeit der Touristen auf die Sächsische
Schweiz. „Ein leistungsfähiges ÖPNV-Netz hilft uns, unseren Gäs-
ten einen weiteren Service zu bieten.“
„Gemeinsam sind wir auf gutem Weg, auf dem Markt
Jemand zu sein!“
Peter
Feine
Impressionen aus der Tagung

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40
9. Oktober 2013
Schloss Waldenburg
Ideenbörse in Waldenburg
Generationenwechsel gestalten
in Schule und Kita vor Ort
Wir müssen den Generationenwechsel in
Schule und Kita gemeinsam meistern
Sachsen wird den Generationenwechsel in der Lehrerschaft bis
2030 zukunftsfähig gestalten. Eltern, Politiker, Ideengeber an den
Universitäten, Hoch- und Fachschulen, Lehramtsstudenten und
vor allem die Kommunal- und die Landesverwaltungen müssen
sich gemeinsam für eine exzellente Bildung im Freistaat einset-
zen. Dieser Appell der Sächsischen Staatsministerin für Kultus,
Brunhild Kurth, fand auf der Ideenbörse für den ländlichen Raum
in Waldenburg einhellige Zustimmung. Die Impulsreferate wie die
angeregte Diskussion im Podium lieferten zahlreiche Ideen, zeig-
ten in gelungenen Praxisbeispielen gangbare Wege und legten
zugleich Streitpunkte offen, die in der Umsetzung von Konzepten
und Vorhaben zu berücksichtigen sind.
Vor welcher immensen Aufgabe hierbei alle Beteiligten ste-
hen, dafür setzte Brunhild Kurth in ihrer Analyse der Situation
manches Achtungszeichen: Im Jahr 2030 werden von den heute
30.000 Lehrerinnen und Lehrern in Sachsen 22.000 nicht mehr in
den Klassen stehen! Drei Viertel der jetzt beschäftigten Pädago-
Referenten
Frank Kupfer
Sächsischer Staatsminister für Umwelt und Landwirtschaft
Brunhild Kurth
Sächsische Staatsministerin für Kultus
Prof. Dr. Gerd Drechsler
Dezernent für Jugend, Soziales und Bildung im Landkreis
Zwickau
Dirk Reelfs
Pressesprecher im Sächsischen Staatsministerium für Kultus
Frank Vogel
Landrat Erzgebirgskreis
Alexander Biedermann
Geschäftsführung des Zentrums für Lehrerbildung und
Schulforschung der Universität Leipzig
Moderation
Angela Elis
Veranstaltungsort
Schloss Waldenburg
Teilnehmer
116 Gäste

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Ideenbörse Waldenburg | 41
Oben v. l.: Alexander Biedermann, Frank Vogel, Frank Kupfer; Unten v. l.: Brunhild Kurth, Prof. Dr. Gerd Drechsler, Dirk Reelfs
gen scheiden bis dahin altersbedingt aus dem Erwerbsleben aus.
Gleichzeitig wird sich die Schülerzahl bis 2020 um etwa 20.000
erhöhen. Diese Schülerinnen und Schüler werden vor allem mehr-
heitlich Schulen in Ballungszentren besuchen, weniger jene auf
dem Land. „Doch wer im ländlichen Raum wohnt und lebt, muss
dieselben Bildungschancen haben wie in Leipzig oder Dresden“,
erklärte die Kultusministerin eindringlich: „Wir brauchen Lehrer,
um den Generationenwechsel zu meistern und um gute Bildung
für alle Schülerinnen und Schüler in Sachsen zu sichern. Wir
brauchen Konzepte, um unsere Schulen auf das Kommende vor-
zubereiten, und wir benötigen engagierte Lehramtsstudenten, die
ihre familiäre, private und berufliche Zukunft im ländlichen Raum
sehen.“
Schulen wie Betreuungsangebote seien unabdingbar für die
ländlichen Regionen, erklärte die Ministerin. Sie entscheiden mit
über deren Attraktivität. Hochwertige Bildungsangebote sind
wirtschaftliche Standortfaktoren. Wenn diese fehlen, hätten auch
Unternehmen im ländlichen Raum keine Chance. „Deshalb brau-
chen wir flexible Antworten, wenn wir die Bildungslandschaft
attraktiv und die ländlichen Regionen für Familien und Unterneh-
men anziehend gestalten wollen.“
Mit einer offenen Diskussion über innovative Konzepte und
einem gemeinsamen Handeln von Kommunen, Schulträgern, Poli-
tikern und Eltern vor Ort muss der Bildungsstandort Sachsen neu
gestaltet werden. „Schulschließungen dürfen in Zukunft nicht die
Antworten auf demografische Entwicklungen sein“, erinnerte die
Kultusministerin an die für Eltern, Kinder und Lehrer schmerzvol-
len, aber notwendigen Einschnitte der letzten Jahre. 1.000 Schul-
schließungen gab es in Sachsen, die Schülerzahlen haben sich bis
zum Schuljahr 2012/2013 auf 375.000 halbiert.
Für die Zukunft hat der Freistaat bereits neue Türen für die
Schul- und Bildungslandschaft geöffnet. So wurde die Zahl der
Studienplätze für das Lehramt von 1.000 auf 1.700 erhöht. Mit
einer Kampagne werden Lehrer für Sachsen geworben und in die-
sem Jahr 1.000 Lehrer neu eingestellt, 400 mehr als im Vorjahr.
„Schulschließungen dürfen in Zukunft nicht die
Antworten auf demografische Entwicklungen sein."
Brunhild Kurth

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42
Die Lehramtsausbildung wurde mehr in der Fläche verteilt und
so eine größere Nähe zu den ländlichen Regionen hergestellt. In
Sachsen wurden zudem die Stellen im pädagogischen Vorberei-
tungsdienst erhöht, Studienplätze neu ausgestaltet, Höhergrup-
pierungen von Grund-, Förder- und Oberschullehrern in die Wege
geleitet.
Auch konzeptionell wird die Basis gelegt, um Sachsens Schu-
len entsprechend den neuen Anforderungen auszurichten. „Der
jahrgangsübergreifende Unterricht an den Grundschulen ist eine
Option, die pädagogische Konzepte und qualifizierte Lehrer vor-
aussetzt“, so die Kultusministerin. „Ob man diese im Schulgesetz
bereits vorgesehene Option zieht, müssen die Lehrer, Elternver-
treter und kommunalen Schulträger vor Ort selbst entscheiden.“
Einer Disqualifizierung als „Zwergenschule" widersprach die
Minis terin wenig später in der Podiumsdiskussion vehement. „Ein
jahrgangsübergreifender Unterricht in der Grundschule ist keine
Bildung in der 2. Liga, die irgendwann in minderqualifizierten Be-
rufen endet. Sie eröffnet den Schülern die gleichen Chancen in
alle Bildungswege und Qualifikationen.“
Sachsen kann heute auf eine bedarfsgerechte Schullandschaft
blicken. Doch es muss darüber nachgedacht werden, wie Schul-
bezirke künftig aussehen. Dazu sind benachbarte Schulträger an-
gehalten, über Zweckvereinbarungen ebenso nachzudenken wie
Gemeinderäte über interkommunale Kooperationen, um Schul-
standorte zu erhalten.
„Ohne funktionierende Oberschulen im ländlichen Raum werden
wir den Bedarf der Wirtschaft vor Ort nicht decken können“,
warb die Ministerin für die Einführung von einzügigen und Tan-
dem-Oberschulen, zu denen sich ein- und zweizügige Einrich-
tungen außerhalb der Ballungsgebiete verbinden könnten. „Dazu
ist jedoch eine Schulgesetznovelle erforderlich. Wir werden die
nächste Legislaturperiode benötigen, um dieses Konzept grund-
legend zu diskutieren.“
Die vordringlichste Aufgabe sei derzeit, den Lehrernach-
wuchs für den Generationenwechsel qualitativ und quantitativ
zu sichern. Vor allem für das Land. „Wir müssen den angehen-
den Lehrern zeigen, dass die ländlichen Räume für sie und ihre
Familien eine neue Heimat sein können. Die Kommunen haben
dazu beste Argumente“, spielte sie den Ball den Bürgermeistern
und Vertretern der Kommunalverwaltungen in Sachsen zu. „Schon
während des Studiums müssen die Lehramtsstudenten den länd-
lichen Raum kennenlernen.“
Vor einer mit den Schulen vergleichbaren Situation stehen
die Erziehungseinrichtungen in Sachsen. Auch hier wird Nach-
wuchs dringend gesucht. „Bei den Jüngsten müssen die Besten
sein“, skizzierte Prof. Dr. Gerd Drechsler, Dezernent für Jugend,
Soziales und Bildung im Landkreis Zwickau, das „Quo vadis?" für
die sächsischen Erzieherinnen und Erzieher. Die Professionalität
in diesem Beruf wird immer wichtiger. Die Erzieherinnen und Er-
zieher müssen die Fähigkeit wie die Bereitschaft haben, „die Un-
gewissheit des Handelns in ihrem Aufgabenfeld kalkulieren und
verantworten zu können.“ Ansprüche und Belastungssituationen
Projekte
Oben v. l.: Lehrernachwuchs für Sachsen
(Dirk Reelfs), Verteilung der Lehramtsanwärter
( Alexander
Biedermann)
Unten: Besuch der Oberschule Eibenstock
(Frank Vogel)
„Ohne funktionierende Oberschulen im ländlichen
Raum werden wir den Bedarf der Wirtschaft vor Ort
nicht decken können."
Brunhild Kurth

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Ideenbörse Waldenburg | 43
sind gewachsen. Deshalb müssten auch für den Beruf des Er-
ziehers die Zugangsvoraussetzungen neu definiert werden. „Der
Erzieherberuf ist keine pädagogische Spielwiese. Wir müssen von
der Mütterlichkeit dieses Berufes wegkommen und davon, dass
dieser Beruf eine akademiefreie Zone ist“, redete der Bildungsde-
zernent einer Fachhochschulausbildung für Erzieher, Kompetenz-
zentren für Fachkräfte und vor allem einem höheres Ansehen des
Erzieherberufes das Wort.
Viele Ideen für mehr Lehrer auf dem Land
Zahlreiche Ansätze, mehr Lehrer, aber ebenso Erzieher für den
ländlichen Raum zu begeistern, zeigten Dirk Reelfs, Pressespre-
cher des Sächsischen Kultusministeriums, Frank Vogel, Landrat
des Erzgebirgskreises, und Alexander Biedermann, Geschäftsfüh-
rung des Zentrums für Lehrerbildung und Schulforschung der
Universität Leipzig, auf.
Das Kultusministerium wirbt derzeit im direkten Dialog per
Internetportal, in Newslettern und im Gespräch junge Lehrer für
das Land. „Wir müssen unseren Lehramtsstudenten, Referendaren
und den jungen Menschen, die sich erst noch für den Lehrerberuf
entscheiden, neue Erfahrungshorizonte für den ländlichen Raum
eröffnen“, meint Dirk Reelfs. Landrat Frank Vogel beschrieb bei-
spielhaft, wie im Erzgebirgskreis Bildungsagentur, Touristiker und
Wirtschaftsförderer in Netzwerken und Partnerschaftsmodellen
gemeinsam Junglehrer unter dem Motto „Meine Zukunft – Mein
Zuhause“ für den ländlichen Raum werben. Sie laden junge Leh-
rer zu Gesprächen ein, stellen ihnen die Schulen vor, betreuen sie
in Praktika, sorgen für kostengünstige Unterkünfte und schnüren
Willkommenspakete. „Eine 'Woche der offenen Schulen' wäre eine
Möglichkeit, Lehramtsstudenten mit unseren Schulen vertraut zu
machen“, erklärte der Landrat.
Mit Unterstützung des Kultusministeriums entwickelte das Zent-
rum für Lehrerbildung und Schulforschung der Universität Leipzig
ein Praktikumsportal Sachsen. Dieses will Studenten animieren,
ihre Blicke aufs Land zu lenken. „Ein Gastzimmerportal und eine
Datenbank, über die sich Studierende und Schulen finden können,
sind das Herzstück des Portals“, umriss Alexander Biedermann das
Projekt.
Dieses findet auch bei den Studierenden Interesse. Lehramts-
student Christoph Genzel jedenfalls gab dem Projekt in der Po-
diumsrunde im Namen der sächsischen Lehramtsstudenten eine
gute Note. Hingegen warnte er davor, „uns junge Menschen in
Zahlen und Statistiken zu pressen“, und bat, bei der Werbung um
die jungen Lehrer „nicht albern“ zu werden. „Wir brauchen keine
Ausstellungen und keine besonderen Konditionen. Wir wollen die
Schulen und Kollegen vor Ort kennenlernen.“ Der Bildungsstand-
ort Sachsen müsse auch für den Lehrerberuf attraktiver gemacht
werden. Geld, Verbeamtung und differenzierte Regelstudienzeiten
seien aus studentischer Sicht hierfür wichtige Kriterien.
Impressionen aus der Tagung
„Wir müssen unseren Lehramtsstudenten, Referen­
daren und den jungen Menschen, die sich erst noch
für den Lehrerberuf entscheiden, neue Erfahrungshori­
zonte für den ländlichen Raum eröffnen."
Dirk Reelfs

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44
6. November 2013
Haus des Gastes „Volkshaus“
Ideenbörse in Thum
KULTURLANDSCHAFT
(er-) LEBEN
Referenten
Dr. Fritz Jaeckel
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft
Thomas Klepel
Geschäftsführer Naturpark Dübener Heide e. V.
Heike Rossa
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Zschopau - Flöhatal e. V.
Gunter Hommel
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Agrargenos
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Theuma - Neuensalz e. G.
Holger Menzer
Projektleiter Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge“
Moderation
Angela Elis
Ort
Haus des Gastes „Volkshaus“
Teilnehmer
70 Gäste
Die Natur gibt der Heimat einen Wert
„KULTURLANDSCHAFT (er-)LEBEN” – Das Motto der zehnten Ideen-
börse für den ländlichen Raum war so vielschichtig wie Sachsens
Kulturlandschaft facettenreich ist. Natur und Umwelt geben un-
serer Heimat einen Wert. „Wir alle in unserem Freistaat sind auf
eine nachhaltig nutzbare und erlebenswerte Landschaft angewie-
sen“, sagte Dr. Fritz Jaeckel, Staatssekretär im Sächsischen Staats-
ministerium für Umwelt und Landwirtschaft, im erzgebirgischen
Thum. „Unsere Wälder, Wiesen, Felder, Flüsse und Seen beherber-
gen eine riesige Anzahl von Tier- und Pflanzenarten. Doch diese
biologische Vielfalt ist bedroht. Sie kann nur gesichert werden,
wenn wir unsere Kulturlandschaften nicht nur als Lebensraum
für uns Menschen, sondern auch für Tiere und Pflanzen erhalten.
Dazu brauchen wir die Mithilfe aller Akteure vor Ort: Bürger, Ver-
eine, Landbewirtschafter und Kommunen.“
Denn nur aus dem Land heraus könnten die Ideen kommen,
meinte Dr. Fritz Jaeckel. „Als Freistaat können wir hier keine Wege
vorschreiben.“ Keiner kenne die regionalen Besonderheiten besser
als die Menschen vor Ort. Diese leben ihre regionale Kulturland-

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Ideenbörse Thum | 45
Oben v. l.: Dr. Fritz Jaeckel, Heike
Rossa, Holger Menzer
Unten v. l.: Gunter Hommel,
Thomas Klepel
schaft und machen sie wiederum erlebbar für andere. „Vor allem
im Erzgebirge sind die Menschen wie kaum andernorts in Sachsen
mit ihrer Heimat so eng verbunden. Sie lieben ihre Landschaft.
Und viele kommen hierher, um eben diese Landschaft und ihre
mannigfaltige Tier- und Pflanzenwelt zu erleben. In der Dübener
Heide schätzen die Menschen wiederum anderes an ihrer Region.
Dieser regionale Facettenreichtum der Vorzüge der Regionen ist
wiederum so wertvoll für uns alle in Sachsen“, meinte der Staats-
sekretär. Beim Gestalten dieser Kulturlandschaften muss „unser
Augenmerk auf Natur und Umwelt liegen. Die Sicherung der
biologischen Vielfalt einerseits und die Kulturlandschaftspflege
und -entwicklung andererseits dürfen dabei nicht voneinander
getrennt werden. Vielmehr müsse beides noch stärker in die länd-
liche Entwicklung integriert werden.“
Natur- und Umweltschutz und eine (er-)lebenswerte Kultur-
landschaft sind ein wichtiger Teil der ländlichen Entwicklung. Der
Freistaat unterstütze deshalb alle Akteure seit Jahren und offe-
riere hierzu Angebote der Förderung und Unterstützung von In-
itiativen, die dieses Ziel verfolgen. So erhielten 2012 rund 3.000
Unternehmen unter anderem für die naturschutz- und umwelt-
gerechte Grünland-, Acker- und Teichbewirtschaftung 38,3 Mil-
lionen Euro Fördermittel. Zusammen mit der Europäischen Union
habe der Freistaat hier die natur- und umweltgerechte Landbe-
wirtschaftung über das Agrarumweltprogramm finanziell un-
terstützt. „Zum Nulltarif kann nun einmal kein Betrieb und kein
Verein natur schutzfachliche Aufgaben erfüllen“, versprach der
Staatssekretär, dass diese Förderung auch in der neuen Förderpe-
riode ab 2014 aufrechterhalten wird. Insgesamt werden aktuell in
Sachsen 4.200 Hektar Ackerland naturschutzgerecht bewirtschaf-
tet. Diese Fläche in den nächsten Jahren zu verdoppeln, erklärte
Dr. Jaeckel zum Ziel.
Mit den Initiativen zur regionalen Vermarktung landwirt-
schaftlicher Produkte wird ebenfalls die sächsische Kulturland-
schaft nachhaltig gesichert. Unter den über 400 Initiativen in
Deutschland sind 60 allein in Sachsen beheimatet. Sie bauen
regio nale Wirtschaftsstrukturen auf und erhalten diese. So haben
sich zum Beispiel in der ILE-Region Dübener Heide 27 landwirt-
schaftliche Unternehmen für den Vertrieb ihrer Produkte unter
dem Motto „Bestes aus der Dübener Heide“ zusammengeschlos-
sen. In der Erzeugergemeinschaft Koberland kooperieren neun

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46
Projekte
Oben v. l.: Landschaftsvielfalt (Holger Menzer),
Naturparkhaus - Verein Dübener Heide e. V.
(Thomas Klepel )
Unten v. l.: Bauernmarkt in Theuma (Gunter
Hommel), Erzgebirgische Kräuterkönigin
Naturmarkt Annaberg-Buchholz (Heike Rossa)
Erzeuger und Verarbeiter beim Verkauf ihrer landwirtschaftlichen
Produkte an Hofläden und Gastronomie in ihrer Region. „Diese
Initiativen bewirtschaften die Kulturlandschaft im eigenen Inter-
esse nachhaltig, machen damit offensiv Werbung und überzeugen
unter anderem die Menschen vor Ort, Produkte aus der Region zu
kaufen“, so der Staatssekretär. Zugleich appellierte er, noch mehr
dafür zu tun, „dass regionale Produkte in unseren Einzelhandels-
und Supermärkten zu finden sind.“ Auch der Freistaat versuche,
Handelsketten auf regionale Produkte aufmerksam zu machen
und zur Listung zu bewegen. Wenn dies auch teilweise mühsam
sei, dürfe man nicht nachlassen. „Wir müssen gemeinsam die
Prozesse umkehren, die uns in unseren Supermärkten Fisch aus
fernöstlichen Aquakulturen eher finden lassen als einheimischen
Biokarpfen aus der Oberlausitz.“
Die kulinarische Vielfalt Sachsens müsse noch stärker erlebbar
werden – für die Sachsen ebenso wie für jene, die in den Frei-
staat als Touristen, Geschäftsreisende und Gäste kommen, so der
Staatsekretär. Dies würde letztlich auch dazu führen, dass sich
die Menschen mit ihrer Heimat identifizieren, die Bedeutung der
Landschaft und biologischen Vielfalt kennen und schätzen lernen.
„Bei der Teilnahme an Veranstaltungen, wie zum Beispiel Wan-
derungen, Exkursionen oder Bildungsangeboten, erfahren sie den
Wert der Natur“, sagte Dr. Jaeckel. „Nur wer weiß, dass der land-
schaftliche Reichtum nicht selbstverständlich ist, wird sich für
dessen Erhalt einsetzen.“
Wir sind Naturpark
In der Dübener Heide unterschreibt man dies sicherlich sofort.
Denn bürgerschaftliches Engagement und Heimatentwicklung
gehen hier seit über 20 Jahren beim Erhalt der Kulturlandschaft
Dübener Heide einher. „Wir sind Naturpark“, überschrieb Thomas
Klepel, Leiter des Naturparks Dübener Heide e. V., seinen Vortrag.
In diesem berichtete er, wie in dem länderübergreifenden Natur-
park eine nachhaltige Regionalentwicklung mit einer Heimatent-
wicklung für künftige Generationen verbunden wird. Auf 75.000
Hektar erstreckt sich der Naturpark nahezu zu gleichen Teilen auf
sächsischem sowie sachsen-anhaltinischem Gebiet. In 293 Orts-
gruppen haben sich die Heidefreunde organisiert. Sie werden von
193 Kooperationspartnern unterstützt. Zu den 380 Mitgliedern
gehören vier Kommunen, lokale Aktionsgruppen und Unterneh-
mernetzwerke. „Heimat ist dort, wo man sich einbringen kann“,
erklärte Thomas Klepel. Daraus entwickelt sich viel Neues für die
Gemeinschaft. In der Dübener Heide werden in den Themen Ge-
sundheit, Bildung, regionale Produkte, Jugend, Abenteuer und
Sport, Natur und Wirtschaft regionale Potenziale gefördert. Unter
dem Titel „Zukunftswege Dübener Heide 2020“ denkt man über
Nahversorgung, junge Familien, Mobilität, lebenswerte Dörfer und
erneuerbare Energien nach.
Jahrhundertelang stand das bäuerliche Wirtschaften im Mit-
telpunkt der Kulturlandschaft des Erzgebirges. Heute zeigen die
Naturmärkte des Erzgebirges wieder, was Landwirtschaft und
„Nur wer weiß, dass der landschaftliche Reichtum
nicht selbstverständlich ist, wird sich für dessen Er­
halt einsetzen."
Dr. Fritz Jaeckel

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Ideenbörse Thum | 47
Impressionen aus der Tagung
Handwerk in dieser Region herstellen. Zugleich informieren sie über
Naturschutz und die Vielfalt der Kulturlandschaft. Heike Rossa, Ge-
schäftsführerin des Landschaftspflegeverbandes Zschopau-Flöha-
tal e. V., begeisterte ihre Zuhörer im „Volkshaus" in Thum für den
Besuch der Naturmärkte. Die Anbieter für diese Märkte werden
gezielt ausgewählt, die Angebote sind nicht nur breit gefächert,
sondern qualitativ hochwertig und stammen aus regionaler, um-
weltgerecht produzierender Land- und Forstwirtschaft sowie aus
traditionellem Handwerk. Der Eventcharakter der Märkte spricht
insbesondere auch Kinder an, die mit diesen Märkten ein Stück
Heimat und Brauchtum vermittelt bekommen. „Mit unseren Na-
turmärkten stärken wir nicht nur unsere regionalen Wirtschafts-
kreisläufe“, so Heike Rossa. „Wir leisten auch einen Beitrag dazu,
umweltgerecht und ökologisch produzierende Landwirte in der
aus wirtschaftlicher Sicht benachteiligten Kulturlandschaft des
Erzgebirges zu halten.“
Wie solche Betriebe dabei wertschöpfend für den Naturschutz
wie für die Landwirtschaft agieren, zeigte Gunter Hommel, Vor-
standsvorsitzender der Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz e. G.
Knapp 2.200 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirt schaftet die
Genossenschaft. Getreide, Milch, Fleisch- und Wurstwaren und
Biogas sind die Standbeine der Landwirte, die in den letzten über
20 Jahren ihre Produktion technisch wie technologisch völlig um-
gekrempelt haben. Der moderne Agrarbetrieb ist heute nicht nur
eine feste Wirtschaftsgröße in Theuma und Neuensalz, sondern
engagiert sich ebenso werthaltig für den Natur- und Landschafts-
schutz in der Region.
Auf eine Partnerschaft mit den Landwirten setzt nicht zuletzt
das Naturschutzgroßprojekt „Bergwiesen im Osterzgebirge". Für
Projektleiter Holger Menzer ist es ein Weg, gemeinsam Natur-
landschaften zu erhalten. „Die Kulturlandschaft Osterzgebirge ist
wegen ihrer Landschaftsvielfalt ein Naturerlebnis“, lieferte Holger
Menzer auf der Ideenbörse zahlreiche Bildbeweise: die kleinglied-
rige Bergwiesenlandschaft am Geisingberg, die Offenlandschaft
um Fürstenau, die Bergwiesen, Moore, die Trollblumen, die Feuer-
lilie, die Buschnelke, das Arnika, die vielen Falterarten, der Wach-
telkönig und der Birkhahn. Die Berg- und Nasswiesen bedürfen
der Mahd, der Beweidung und der Pflege, bevor sie von vielen
bestaunt werden können und Naturerlebnisse bieten, die unsere
Naturlandschaften (er-)leben lassen.
„Wir leisten auch einen Beitrag dazu, umweltgerecht
und ökologisch produzierende Landwirte in der aus
wirtschaftlicher Sicht benachteiligten Kulturlandschaft
des Erzgebirges zu halten."
Heike Rossa

48
Alternativen zum Individualverkehr auf dem Land
schaffen ·
Kostenbelastung nach dem Kommunalabga-
bengesetz überdenken ·
Bauen im Außenbereich im Bau-
gesetzbuch neu betrachten ·
Ver- und Entsorgungsver-
bände entschulden ·
Bildungsnetz von den Grundschulen
bis zur akademischen Aus- und Weiterbildung erhalten
und ausbauen ·
bauliche Kapazitäten der Gymnasien
für andere Bildungswege nutzen ·
Netzwerke und sozia-
les Miteinander der Generationen initiieren ·
Sozial-
karrieren auf dem Land verhindern ·
Vorfinanzierung
für Projekte von Vereinen unterstützen ·
medizinische
Versorgungsstruktur neu gestalten ·
Mittelstädte in
den Bereichen Verwaltung, Bildung, Arbeit und Handel
stärken ·
Jugendliche stärker für das Ehrenamt begeis-
tern ·
Ehrenamt und Vereine mit professionellem Ma-
nagement unterstützen ·
Gemeinschaftssinn und Nach-
barschaftshilfe fördern ·
Balance zwischen Ehrenamt,
kommunalen Pflichtaufgaben und Aufgaben der Staats-
regierung finden ·
Mehrgenerationen-Wohnen auf dem
Land entwickeln und fördern ·
Förderprogramme und
Ideen
für den ländlichen Raum
aus den Diskussionen

Ideen für den ländlichen Raum | 49
-verfahren vereinfachen ·
Verwaltungskosten für Ver-
eine abbauen, z. B. GEMA ·
Infrastruktur auf dem Land
( Gebäude, Flächen etc.) nutzen, um junge Menschen mit
neuen Ideen für die Ansiedlung zu begeistern ·
Unter-
nehmensnachfolge auf dem Land stärker in den Fokus
rücken ·
Quorum für Bürgerbegehren senken ·
kleine
und mittlere Unternehmen stärker unterstützen ·
eine
Willkommenskultur entwickeln ·
Thema Zuwanderung
auch in den Köpfen bewegen ·
eine Imagekam pagne
für den länd lichen Raum initiieren ·
Umgestaltung
der Landwirtschaft mit Augenmaß und Realitätssinn ·
Schaffung von Auenlandschaften in den Flussgebieten ·
Hochwasser marken zur Mahnung und Aufklärung über
deren Bedeutung und Wert ·
Überprüfung von Bauvor-
haben in hochwassergefährdeten Gebieten ·
Bewertung
von Hochwasser- und Umweltschutzmaßnahmen unter
Einbeziehung historischer Ereignisse ·
fachliche Unter-
stützung von Initiativen, Vereinen und Verbänden, die
sich mit der Pflege und Erhaltung von Teich- und Fluss-
landschaften befassen ·
stärkere Aufklärung der Bürger
Infrastruktur
Hochwasserschutz
Förderungen

50
über Vorsorge und Eigenverant wortung beim Schutz vor
Hochwasser und vor Umwelt schäden ·
weiterer Ausbau
der grenzübergreifenden Zusammenarbeit beim Hoch-
wasserschutz ·
Zusammenrücken des Freistaates und der
Kommunen im länd lichen Raum bei der Planung und Re-
alisierung von Abwassersystemen ·
enge Verzahnung von
Bürgern und Bewirtschaftern von Flächen und Gemein-
den beim Hochwasser- und Umweltschutz ·
Nutzen von
Gewässernachbarschaften der Deutschen Vereinigung für
Wasserwirtschaften, Abwasser- und Abfall e. V. ·
Netz-
werke und Kooperationen initiieren ·
regio nale Energie-
konzepte gemeinsam mit den Akteuren vor Ort ent-
wickeln ·
das Potenzial von Handwerk, freien Berufen
und mittelständischen Unternehmen im ländlichen Raum
erschließen und für die ländliche Entwicklung nutzen ·
regionale Bürger initiativen in politische Entscheidungen
zur Energie versorgung einbinden ·
bürokratische Hürden
bei der Förderung von Handwerk und Mittelstand im
länd lichen Raum in den Themen Innovation, Technolo-
gie und Strukturentwicklung beseitigen ·
Arbeitsplätze
Energieversorgung
Netzwerke
Katastrophenschutz

Ideen für den ländlichen Raum | 51
für junge Menschen in ihren Heimatregionen schaffen ·
Integration junger Menschen aus dem europäischen
Ausland in den ländlichen Regionen Sachsens ·
„Helden
gesucht“ auch in den Unternehmen verbreiten ·
inter-
und intra kulturelle Zusammenarbeit im Thema Sicher-
heit in den Kommunen stärken ·
Standortfeuerwehren
ergänzen das Netz flächendeckender, ehrenamtlicher
Feuerwehren ·
„Social media" – Kanäle beim Katastro-
phen- und Brandschutz einbinden ·
das Ehrenamt in den
Bereichen Brandschutz, Katastrophenschutz und Ret-
tungsdienst herausgehoben würdigen ·
Doppelmitglied-
schaften im Brandschutz fördern, um die Einsatzbereit-
schaft der Wehren zu erhöhen ·
Brandschutzerziehung
schon in den Schulen ·
eine größere gesellschaftliche
Akzeptanz für ehrenamtliches Engagement im Bereich
Sicherheit, Brandschutz, Katastrophenschutz erzeugen
·
Eigenvorsorge im Brandschutz stärken ·
Netzwerke im
medizinischen Bereich demografiefähig und nachhaltig
gestalten ·
Dörfer und Kleinstädte anziehend gestalten ·
intakte Infrastrukturen und weiche Standortfaktoren auf
Bildung
Versorgung
Tourismus

52
dem Land entwickeln ·
das Miteinander und das Soli-
dargefühl im ländlichen Raum stärken ·
Netzwerke und
Interessensverbände zur Entwicklung wirtschaftlicher
Potenziale nutzen ·
Mitwirkung der Patienten bei der
medizinischen Versorgung auf dem Land beachten ·
Projekt Landfrauenkonto als gutes Beispiel für Engage-
ment nutzen ·
Beim Thema Alltagsbegleiter einen Pers-
pektivwechsel durchführen ·
Vernetzung im Nahverkehr
weiter voranbringen ·
Erscheinungsbild der Bahnhöfe
als Visitenkarte der Region verbessern ·
Alternativen
für den touristischen Individualverkehr entwickeln ·
ÖPNV als Transportmittel auf Arbeitswegen einsetzen ·
Stärken und Traditionen des ländlichen Raumes stärker
herausstellen und kommunizieren ·
regionale Zusam-
menarbeit der Kommunen im Tourismus ·
Arbeitsteilung
in der Entwicklung des Tourismus in Destinationen ·
Schulpraktika und Semesterurlaub miteinander vernet-
zen ·
Attraktive Schulgebäude und attraktive Ausstat-
tung der Schulen bereitstellen ·
koordiniertes Handeln
vor Ort bei jahrgangsübergreifendem Unterricht und
Naturschutz
Ziele
Innovationen
Mobilität

Ideen für den ländlichen Raum | 53
Tandemschulen ·
Lehrer- und Erzieherberuf in Sachsen
attraktiver gestalten ·
direkten Draht zwischen Schulen
auf dem Land und jungen Lehrern herstellen ·
Innova-
tionen an den Schulen selbst als Anreiz ·
Für die heu-
tigen Referendare eine Brücke in die Zukunft bauen ·
Dialog zwischen Kommune, Schule, Ministerium und
Lehramtsstudenten intensivieren ·
Gastzimmerbörse für
Lehramtsstudenten ·
„Woche der offenen Schulen" zur
Lehrerwerbung einführen ·
Erfahrungen vermitteln zur
Schule auf dem Land ·
Image des Erzieherberufs ver-
bessern ·
Netzwerke der Bildungslandschaft initiieren ·
interkommunale Zusammenarbeit und Zweckvereinba-
rungen zur Schulstandort-Sicherung ·
die jüngere Gene-
ration interessieren, den Natur- und Landschaftsschatz
zu sehen und zu hüten ·
Geschichten über unsere Natur-
landschaften erzählen ·
Themen herausstellen, die unsere
Kultur landschaft einzigartig machen ·
Naturschutz- und
Landschaftspflegeverbände mehr unterstützen ·
Touris-
musstrategie 2020 auch auf die Kulturlandschaft ab-
stimmen ·
Schafprodukte in Sachsen populärer machen
Kulturlandschaften
Strategien
Ziele

54
und die Schafhaltung fördern ·
regionale Produkte in
den Mittelpunkt der Ernährungs-Aufklärung stellen ·
touristische Produktlinien unter dem Aspekt regiona-
ler Wertschöpfungsketten entwickeln und vermarkten ·
Tagestourismus und regionalen Verkauf durch Mobili-
tätsangebote unterstützen ·
Hofladenstrukturen vor
Einzelhandels- und Supermärkten aufbauen ·
Ökolo-
gie, Landwirtschaft und Kulturlandschaften stärker in
den Schul unterricht integrieren ·
Anerkennung und
Förderung von Akteuren, die sich in der Pflege von
Naturlandschaften
ehrenamtlich
enga gieren
Umweltschutz
Wertschöpfung

Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL)
Postfach 10 05 10, 01076 Dresden
Bürgertelefon: +49 351 564-6814
Telefax: +49 351 564-2059
E-Mail: info@smul.sachsen.de
www.smul.sachsen.de
Redaktion:
SMUL, Referat Ländliche Entwicklung
Gestaltung und Satz:
Heimrich & Hannot GmbH
Fotos:
S. 5: SMUL | S. 7: Karin Jähne, fotolia.com | S. 8: Barockschloss Rammenau | S. 9: Uwe Winkler
| S. 10: Rico Hofmann;
Bio- & Nationalparkhotel Helvetia; EMSG | S. 11: Uwe Winkler | S. 12: Frank Höhler, Dresden | S. 13: Uwe Winkler |
S. 14: Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung gGmbH; Jörg Röglin; Bettina Fuß | S. 15: Uwe Winkler |
S. 16: AOK PLUS | S. 17: Uwe Winkler | S. 18: Heribert Kosfeld; Volker Uhlig; Förderverein Kloster Buch e. V. | S. 19:
Uwe Winkler | S. 20: Thomas Böttger, pitopia.de | S. 21: Uwe Winkler | S. 22: Dr. Matthias Deutsch; Corina Fiskal;
Dr. Ingo Töws; Dr. Gerd-Rainer Absch | S. 23: Uwe Winkler | S. 24: BITBURGER BRAUGRUPPE GmbH | S. 25: Uwe Winkler |
S. 26: WEIDMANN PLASTICS TECHNOLOGy AG; VEMAS; LEHMANN Maschinenbau GmbH | S. 27: Uwe Winkler | S. 28:
Sachsenhof Nossen UG | S. 29: Uwe Winkler | S. 30: Dr. André Walter, Michael Holzweißig | S. 31: Uwe Winkler | S. 32:
Waldhotel Forsthaus Dröschkau | S. 33: Uwe Winkler | S. 34: Erik Bodendieck; Christophe Holzapfel; Dr. Hans-Joachim
Kolb | S. 35: Uwe Winkler | S. 36: Stadtverwaltung Neustadt in Sachsen | S. 37: Uwe Winkler| S. 38: Frank Exß, Touris-
musverband Sächsische Schweiz; Peter Feine | S. 39: Uwe Winkler | S. 40: Landkreis Zwickau | S. 41: Uwe Winkler |
S. 42: Dirk Reelfs; Alexander Biedermann; Frank Vogel, Landratsamt Erzgebirgskreis | S. 43 – 45: Uwe Winkler | S. 46:
Holger Menzer; Thomas Kiepel, Naturparkhaus – Verein Dübener Heide e. V.; Agrargenossenschaft Theuma – Neuensalz eG;
Thomas Prantl | S. 47: Uwe Winkler
Druck:
SDV GmbH
Redaktionsschluss:
23. Dezember 2013, S. 38 aktualisiert am 7. April 2014
Auflagenhöhe:
3.000 Exemplare
Papier:
Gedruckt auf 100 % Recycling-Papier
Bezug:
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