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Schriftenreihe des LfULG, Heft XX/2014 | 1
Zusammenstellung geogener
Hintergrunderwerte in sächsi-
schen Gewässern

2
Zusammenstellung
geogener Hintergrundwerte in sächsischen
Gewässern
Sylvia Rohde

3
Inhaltverzeichnis
1
Einleitung ............................................................................................................................................................... 5
1.1
Ziel und Hintergrund ................................................................................................................................................ 5
2
Geogene Hintergrundbelastung für Schwermetalle und Arsen sächsischer Fließgewässser ....................... 6
2.1
Ziel und Hintergrund ................................................................................................................................................ 8
2.2
Projektmanagement ................................................................................................................................................. 9
2.3
Anforderungen der WRRL und nationaler Regelwerke ............................................................................................ 11
2.4
Theoretische Untersuchungen im Erzgebirge/Vogtland ........................................................................................... 16
2.5
Praktische Untersuchungen in den Referenzgebieten ............................................................................................. 20
2.6
Referenzgebiet Obere Freiberger Mulde/Bobritzsch................................................................................................ 30
2.7
Referenzgebiet Obere Zwickauer Mulde ................................................................................................................. 55
2.8
Referenzgebiet Schwarzwasser .............................................................................................................................. 74
2.9
Untersuchung ausgewählter Grubenwässer ............................................................................................................ 119
2.10
Ergebnisse ............................................................................................................................................................... 120
2.11
Zusammenfassung .................................................................................................................................................. 126
2.11
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 121
2.12
Anlagen ................................................................................................................................................................... 125
3
Geogene Hintergrundwerte für die Rote und Wilde Weißeritz ........................................................................... 277
3.1
Ziel und Hintergrund ................................................................................................................................................ 279
3.2
Projektmanagement ................................................................................................................................................. 279
3.3
Anforderungen der WRRL und nationaler Regelwerke ............................................................................................ 281
3.4
Gebietsbeschreibung ............................................................................................................................................... 285
3.5
Recherche und Auswertung vorhandener Datenbestände zur geochemischen Charakterisierung ......................... 304
3.6
Detailuntersuchungen .............................................................................................................................................. 322
3.7
Ergebnisse ............................................................................................................................................................... 333
3.8
Zusammenfassung und Diskussion ......................................................................................................................... 415
3.9
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 423
3.10
Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................................................................ 428
3.11
Anlagen ................................................................................................................................................................... 429
4
Geogene Hintergrundwerte für die Müglitz ......................................................................................................... 449
4.1
Ziel und Hintergrund ................................................................................................................................................ 451
4.2
Projektmanagement ................................................................................................................................................. 452
4.3
Anforderungen der WRRL und nationaler Regelwerke ............................................................................................ 454
4.4
Gebietsbeschreibung ............................................................................................................................................... 459
4.7
Mineralisationen und Lagerstätten ........................................................................................................................... 467
4.8
Recherche und Auswertung vorhandener Datenbestände zur geochemischen Charakterisierung ......................... 475
4.9
Detailuntersuchungen .............................................................................................................................................. 487
4.10
Ergebnisse ............................................................................................................................................................... 494
4.11
Zusammenfassung und Diskussion ......................................................................................................................... 549
4.12
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 553
4.13
Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................................................................ 557
4.14
Anlagen ................................................................................................................................................................... 557
5
Geogene Hintergrundwerte der Grenzgewässer................................................................................................. 567

4
5.1
Einleitung ................................................................................................................................................................. 569
5.2
Bewertungskriterien ................................................................................................................................................. 569
5.3
Kenntnisstand .......................................................................................................................................................... 570
5.4
Charakterisierung der zu untersuchenden Oberflächenwasserkörper ..................................................................... 574
5.5
Konkretisierung der Probenahmepunkte nach der Gebietsanalyse ......................................................................... 578
5.6
Praktische Arbeiten .................................................................................................................................................. 580
5.7
Auswertung .............................................................................................................................................................. 584
5.8
Zusammenfassung .................................................................................................................................................. 593
5.9
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 596
6
Geogene Hintergrundwerte der Zwickauer Mulde und der Zschopau .............................................................. 599
6.1
Einleitung ................................................................................................................................................................. 600
6.2
Bewertungskriterien ................................................................................................................................................. 600
6.3
Kenntnisstand .......................................................................................................................................................... 601
6.4
Untersuchungsgebiet ............................................................................................................................................... 602
6.5
Vorgehensweise - Methodik .................................................................................................................................... 602
6.6
Auswahl und Ableitung der Probenahmepunkte ...................................................................................................... 603
6.7
Geologische Situation in den Einzugsgebieten ........................................................................................................ 610
6.8
Probenahme und Analytik ........................................................................................................................................ 612
6.9
Ergebnisse und Auswertung .................................................................................................................................... 613
6.10
Zusammenfassung .................................................................................................................................................. 624
6.11
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 625
7
Geogene Hintergrundwerte Schwarze Elster und Spree .................................................................................... 627
7.1
Hintergrund und Zielstellung .................................................................................................................................... 630
7.2
Anforderungen der WRRL und deren nationaler Umsetzung .................................................................................. 630
7.3
Gebietsbeschreibung ............................................................................................................................................... 633
7.4
Recherche und Auswertung vorhandener Datenbestände ...................................................................................... 644
7.5
Schlussfolgerungen ................................................................................................................................................. 655
7.6
Handlungsempfehlungen ......................................................................................................................................... 661
7.7
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 662
7.8
Anlagen ................................................................................................................................................................... 664
8
Geogene Hintergrundwerte Weiße Elster ............................................................................................................ 680
8.1
Hintergrund und Zielstellung .................................................................................................................................... 682
8.2
Anforderungen der WRRL und deren nationaler Umsetzung .................................................................................. 683
8.3
Gebietsbeschreibung ............................................................................................................................................... 686
8.4
Recherche und Auswertung vorhandener Datenbestände ...................................................................................... 697
8.5
Auswertung .............................................................................................................................................................. 700
8.6
Schlussfolgerungen ................................................................................................................................................. 715
8.7
Handlungsempfehlungen ......................................................................................................................................... 723
8.8
Literaturverzeichnis .................................................................................................................................................. 724
8.9
Abkürzungsverzeichnis ............................................................................................................................................ 726
8.10
Anlagen ................................................................................................................................................................... 727

5
1 Einleitung
1.1 Ziel und Hintergrund
Zu hohe Metallgehalte in Gewässern können Flora und Fauna schädigen. Deshalb bestehen für viele
Metalle Umweltqualitätsnormen, die im Gewässer zur Erreichung des guten Zustandes einzuhalten
sind.
Lassen sich die erhöhten Metallgehalte auf eine natürliche geogene Herkunft zurückführen, kann dies
bei der Bewertung der Gewässer nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie berücksichtigt wer-
den. Die natürlichen geogenen Hintergrundkonzentrationen treten dann an die Stelle der Umweltquali-
tätsnormen und der Vergleich der Jahresmittelwerte der Metallgehalte findet gegen diese erhöhten
Werte statt. Ziel dieser Bewertung ist es, nur dort Maßnahmen aufzuzeigen, wo anthropogene Belas-
tungen vorliegen, die über die natürlichen Belastungen hinausgehen.
Das sächsische Territorium zeichnet sich durch eine hohe geologische Vielfalt aus. Daher besteht
insbesondere für die Gewässer im Bereich des Erzgebirges und des Vogtlands ein besonderes Inte-
resse, die vorhanden geogene Hintergrundkonzentrationen möglichst kleinteilig zu ermitteln.
Beginnend ab 2007 wurden im Rahmen des Forschungsvorhabens „Oberflächenwassergenaue Ablei-
tung von Referenzwerten geogener Hintergrundbelastungen für Schwermetalle und Arsen in der Was-
serphase sowie im schwebstoffbürtigen Sediment“ des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Land-
wirtschaft und Geologie die Grundlagen für die Methodik der Ableitung von Hintergrundkonzentratio-
nen durch das Institut für Mineralogie der TU Bergakademie Freiberg gelegt.
In den sich ab 2009 bis 2015 anschließenden Werkverträgen wurden unter Weiterentwicklung der
Methodik Hintergrundkonzentrationen für bedeutende Gewässer in Sachsen ermittelt. Zum derzeitigen
Stand liegen für ausgewählte Metalle Hintergrundkonzentrationen für die Gebiete der Freiberger – und
Zwickauer Mulde einschließlich Flöha und Zschopau, des Schwarzwassers, der Wesenitz und Müglitz
und für ausgewählte grenzüberschreitende Gewässer nach Tschechien sowie für Spree, Schwarze
Elster und Weiße Elster vor.
Um den Gesamtüberblick über die einzelnen Arbeiten zu erhalten, wurde eine chronologische Zu-
sammenfassung der Abschlussberichte erstellt. Wichtige Ergebnisse zu den geogenen Verhältnissen
sind in der beigefügten Access-Datenbank enthalten.

image
6
2 Geogene Hintergrundbelastung für
Schwermetalle und Arsen sächsischer
Fließgewässser

image
7

8
2.1 Ziel und Hintergrund
Das zentrale Ziel der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ist der gute ökologische und chemische Zustand der
Gewässer in der EU, der bis 2015 erreicht werden soll. Für einige Schwermetalle und Arsen zeichnen sich bei
den bereits festgelegten Umweltqualitätsnormen für die Einstufung des ökologischen bzw. des chemischen Zu-
standes Überschreitungen in den Fließgewässern und ihren Sedimenten/Schwebstoffen des sächsischen Grund-
gebirges ab. Die Ursachen liegen in dem bereits ursächlich geogen bedingten Schwermetallstatus der sächsi-
schen Fließgewässer. Um weitere immissionsseitige Umweltqualitätsnormen für Schwermetallkonzentrationen in
der Wasserphase sowie im schwebstoffbürtigen Sediment abzuleiten bzw. Überschreitungen bestehender Quali-
tätsnormen rechtfertigen zu können, ist die gewässerspezifische Beurteilung der natürlicherweise vorhandenen
geogenen Schwermetallgehalte notwendig. Ziel des Forschungsprojektes ist eine weitere Differenzierung und
Ausweisung geogener Hintergrundwerte für die o.g. Kompartimente bis auf die Ebene der Oberflächenwasser-
körper.
Die Bearbeitung des Forschungsprojektes durch das Institut für Mineralogie der TU Bergakademie Freiberg im
Auftrag des LfULG schließt an das LfUG-Forschungsprojekt „Ableitung von Referenzwerten geogener Hinter-
grundbelastungen für Schwermetalle in der Wasserphase sowie im schwebstoffbürtigen Sediment sächsischer
Fließgewässer“ (Bearbeitungszeitraum 05.11.2004 bis 31.10.2005, AZ 13.8802.3522/72) an, in dem gezeigt wer-
den konnte, dass
eine Abschätzung des geogenen Backgrounds einzugsgebietsbezogen anhand vorhandener prospektionsori-
entierter Untersuchungen an Bachsedimenten <200 μm vorgenommen werden kann,
in den Oberläufen der Mittelgebirgsbäche ein erhebliches Wissensdefizit, insbesondere bezüglich der Wasser-
phase aber auch bei den schwebstoffbürtigen Sedimenten <20 μm vorliegt,
nach klassischer prospektionsorientierter Vorgehensweise neue Erkenntnisse über die Background-Situation
der Wässer (Gesamtgehalte/gelöste Bestandteile) und schwebstoffbürtigen Sedimente <20 μm in ausgewähl-
ten Teileinzugsgebieten gewonnen werden können.
Für Sachsen zeigte sich, dass die Anwendung geogener Hintergrundkonzentrationen als Additiv zur ökotoxikolo-
gisch definierten Schwelle notwendig wird und sinnvoll ist. Aufgrund der großen Differenziertheit des geochemi-
schen Inventars sächsischer Gesteine und Böden sowie der vielfältigen Mineralisationen und Lagerstätten und
der historisch gewachsenen Bodenbelastung ist eine Ableitung überregionaler Hintergrundkonzentrationen, ba-
sierend auf Flussgebietseinheiten, nicht vertretbar. Für das Erzgebirge/Vogtland wird im Rahmen dieses For-
schungsprojektes die Ableitung von regionalen geogenen Hintergrundkonzentrationen aus Teileinzugsgebieten
(Oberflächenwasserkörpern) geprüft und diskutiert.
Einen Fortschritt in der Rechtsgrundlage stellt die EG-Tochter-Richtlinie dar, in deren Anhang Anhang I Teil B Nr.
3 (WRRL 2008) die Ausweisung geogener Hintergrundwerte zulässt:
„Die Mitgliedstaaten können bei der Beurteilung der Überwachungsergebnisse anhand der Umweltquali-
tätsnormen folgende Faktoren berücksichtigen:
a) natürliche Hintergrundkonzentrationen von Metallen und ihren Verbindungen (Cd, Pb, Hg, Ni), wenn
diese die Einhaltung der Umweltqualitätsnorm verhindern; und …“
Die natürliche Hintergrundkonzentration (HGK) für Metalle beschreibt einen Zustand, der frei von anthropogenen
Belastungen ist.
Das Ziel besteht perspektivisch in der Entwicklung einer bundesweit einheitlichen Vorgehensweise für die Ablei-
tung der Hintergrundkonzentrationen mit dem Ziel der Ableitung nachvollziehbarer und vergleichbarer Bewer-
tungsgrundlagen, um eine entsprechende EU-weite Akzeptanz zu erlangen.
Die Ableitung überregionaler Hintergrundkonzentrationen, ist für Gebiete ohne spezifische geologische Beson-
derheiten, d.h. für lithogen homogene Gebiete ohne chalkogene Einflüsse bis zur Flussgebietseinheit vertretbar.
Für Gebiete mit inhomogenen lithogenen Gegebenheiten und chalkogenen Komponenten (Mineralisationen und
Lagerstätten) ist die Ausweisung regionaler ggf. auch lokaler Hintergrundkonzentrationen unvermeidbar. Dazu
gehören auch die Wasserkörper des Erzgebirges/Vogtlandes.

9
Die Methodik zur Ableitung regionaler geogener Hintergrundwerte umfasst folgende Schritte:
Ermittlung der Einzugsgebiete (Oberflächenwasserkörper (OWK), für die aufgrund der geologischen/ lagerstät-
tenkundlichen Gegebenheiten mit umweltrelevanten geogenen Belastungen zu rechnen ist,
Aufnahme der geologischen / lagerstättenkundlichen Situation in den ausgewählten Gebieten zur Abschätzung
der zu erwartenden Elementpalette,
Prüfung des primären (bewertungsrelevanten) Datenbestandes von Wässern und Sedimenten und Ableitung
mittlerer Elementgehalte (P50) zur Einschätzung des geochemischen Inventars
Prüfung des sekundären (Meta-) Datenbestandes von Bachsedimenten (aus der geochemischen Prospektion),
Gesteinen und Böden und Ableitung mittlerer Elementgehalte (P50) zur Einschätzung des geochemischen In-
ventars
Prüfung des Vorkommens und der Art von Mineralisationen und Lagerstätten sowie ihrer Auswirkungen auf
dasGewässersystem (ggf. Altbergbauanalyse)
Ausgleich von Datendefiziten durch Neubeprobungen unter Berücksichtigung der geogenen Gegebenheiten
und der Methodik der vorhandenen Datenerhebungen
Ableitung von regionalen (GEBKZ) bzw. lokalen (OWK bzw. OWK Gruppen) Hintergrundkonzentrationen (P50)
für Teileinzugsgebiete in der wässrigen Phase und im schwebstoffbürtigen Sediment.
2.2 Projektmanagement
Die hauptsächliche Belastung mit Arsen und Schwermetallen in den Schwebstoffen/Sedimenten liegt im grund-
gebirgsgeprägten Bereich des Erzgebirges/Vogtlandes in folgenden Flussgebieten vor:
Oberlauf der Weißen Elster einschließlich der Göltzsch (bis zur Landesgrenze), Fläche ca. 1110 km2
Ober- und Mittellauf der Zwickauer Mulde einschließlich des Lungwitzbaches zuzüglich der Würschnitz und der
Zwönitz, Fläche ca. 1500 km2
Ober- und Mittellauf der Freiberger Mulde einschließlich der Striegis; Ober- und Mittellauf der Zschopau ein-
schließlich der Flöha: Fläche ca. 2500 km2
westliche Teileinzugsgebiete der oberen Elbe: Gottleuba, Müglitz, Rote und Wilde Weißeritz, Fläche ca. 700
km2.
Das ist ca. 1/3 der Landesfläche Sachsens (Abb. 2-1).

image
10
Abb. 2-1: Übersicht über die Flussgebiete im grundgebirgsgeprägten Bereich des Erzgebirges/Vogtlandes
und die ausgewählten Detailgebiete
Das Vorgängerprojekt (Greif & Klemm 2005) hat gezeigt, dass die vorhandenen Datenbestände der wässrigen
Phase und der schwebstoffbürtigen Sedimente <20 μm, die im Rahmen des Messnetzes Oberflächenwasser
fortlaufend erhoben werden, nur in Einzelfällen für die Bewertung von geogenen Hintergrundbelastungen heran-
gezogen werden können, da der Schwerpunkt dieses Messnetzes auf der Kontrolle des IST.-Zustandes der Ober-
flächengewässer liegt.
Daher vereint das aktuelle Forschungsprojekt in sich theoretische und praktische Aufgabenstellungen. Bei der
Charakterisierung der Teileinzugsgebiete im Gebiet Erzgebirge/Vogtland wird eine Erweiterung des jetzigen
Kenntnisstandes über die mittleren Spurenelementgehalte in Bachsedimenten (stream sediment) durch Angaben
zum Elementstatus der Gesteine (lithogener Anteil am geogenen Hintergrund) und Böden (pedogener Anteil) als
primäre Quellen der Schwebstoffe/Sedimente angestrebt.
Für das beschriebene Untersuchungsgebiet von ca. 6.000 km
2
sind für eine geochemische Charakterisierung bei
einer mindestens erforderlichen Probenahmedichte von 1 Probe/10 km
2
ca. 600 Analysen (jedes Kompartiments)
notwendig. An dieser Stelle sei noch einmal darauf verwiesen, dass die prospektionsorientierten Arbeiten im
Erzgebirge eine Probendichte von 1,4 Proben/km
2
erreichten (PÄLCHEN ET AL. 1982). Unter Berücksichtigung der
inhomogenen regionalen Verteilung und wechselnden Intensität sowie des Elementinhalts von Mineralisationen
und Lagerstätten (chalkogener Anteil am geogenen Hintergrund) wurden in Abstimmung mit dem AG folgende
drei Teileinzugsgebiete für eine Neubearbeitung ausgewählt, in denen je ca. 40 Probenahmepunkte festgelegt
wurden (Abb. 2-1):
(1)
Oberlauf der Freiberger Mulde einschließlich der Bobritzsch (ca. 540 km
2
),

11
(2)
Oberlauf der Zwickauer Mulde bis Mündung des Schwarzwassers (ca. 316 km
2
),
(3)
Einzugsgebiet des Schwarzwassers im sächsischen Westerzgebirge (ca. 361 km
2
).
Die oberen Einzugsgebiete der Freiberger und Zwickauer Mulde sind hinsichtlich ihres originären geochemischen
Charakters prägend für den gesamten Flussverlauf und wurden daher für besonders wichtig erachtet. Sie unter-
scheiden sich in ihrem Stoffbestand sowohl lithogen als chalkogen voneinander. Das Einzugsgebiet des
Schwarzwassers ist durch eine sehr hohe Mineralisationsdichte und –vielfalt, zahlreiche Grubenreviere und Hal-
den gekennzeichnet und stellt für die Untersuchungen zum geogenen Background eine besondere Herausforde-
rung dar.
Die Probenahme umfasste an jedem Probenahmepunkt die Entnahme von Wasserproben (gesamt und gelöst)
und schwebstoffbürtigen Sedimenten. Im geochemisch-analytischen Labor des Instituts für Mineralogie der TU
Bergakademie Freiberg schloss sich die Probenvorbereitung und die Analyse auf eine ausgedehnte Elementpa-
lette an (vgl. Kapitel 5). Mit der Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) (vormals
UBG) in Neusörnewitz wurden Festlegungen zur Probenvorbereitung (Aufschlussverfahren), Analytik (Bestim-
mungsgrenzen) und Qualitätssicherung (Vergleichsproben) getroffen.
2.3 Anforderungen der WRRL und nationaler Regelwer-
ke
Die gesetzlichen Grundlagen der Europäischen Union sind in der Wasserrahmenrichtline (WRRL 2000) festge-
legt, die seit 2000 existiert und ständig fortgeschrieben wird (WRRL 2006, WRRL 2008). Für Sachsen gilt die
SächsWRRLVO (2004).
Schwebstoffe/Sedimente
Für Schwebstoffe bzw. schwebstoffbürtige Sedimente wurden für die Elemente As, Cr, Cu und Zn verbindliche
Qualitätsnormen festgelegt (SÄCHSWRRLVO 2004) (Tab. 3-1). Weitere Normen werden für die Elemente Ag, Ba,
Be, Co, Mo, Sb, Sn, Tl, Ti, U, V diskutiert (LFUG 2005). Bisher unterliegen die chemischen Umweltqualitätsnor-
men für Wässer/Schwebstoffe/Sedimente keinen einheitlichen EU-weit gültigen Vorgaben hinsichtlich der Art der
Probenahme, der zu verwendenden Korngröße des Schwebstoffs/Sediments und der Art des Aufschlusses! Zwi-
schen den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden Absprachen hinsichtlich einer einheitlichen
Korngröße von 20 μm getroffen. Es fehlen Vorgaben für Cd, Pb etc.
Tab. 3-1: Chemische Qualitätskomponenten für Umweltqualitätsnormen (UQN) zur Einstufung der physi-
kalisch-chemischen Qualitätskomponenten des ökologischen Zustandes (Sedimente)
Element
UQN [mg/kg]
Quelle
Anmerkungen
As
40
SÄCHSWRRLVO
(2004)
verbindlich
Cr
640
Cu
160
Zn
800
Sb
110

12
Ba
430
LFUG (2005)
Vorschläge
Be
0,04-4
Co
0,3-30
Mo
8
Ag
1,8
Tl
1
Ti
725
U
0,5
V
35
Sn (anorg.)
200
Wasser
Die Bewertung der wässrigen Phase von Fließgewässern gestaltet sich schwierig. Primär lagen nur Normen für
Hg und Cd im Wasser vor (SÄCHSWRRLVO 2004) (Tab. 3-2). Normenvorschläge gibt es für die Elemente Ag, B,
Ba, Be, Co, Mo, Se, Sb und Te, wobei für Ag explizit die Angabe der gelösten Gehalte gefordert wird (LFUG
2005). Positiv ist der bei einigen Elementen getroffene Ansatz UQN + HGW (Umweltqualitätsnorm plus Hinter-
grundwert) zu bewerten. Negativ fällt das Fehlen von Vorgaben für As etc. auf. Die EG-TochterRL (WRRL 2008)
gibt differenzierte UQN für Cd in Abhängigkeit von der Wasserhärte (CaCO
3
) sowie UQN für Pb, Hg und Ni an.
Für Cd und Hg wird neben der Einhaltung des Jahresdurchschnitts (JD-UQN) auch die der zulässigen Höchst-
konzentration (ZHK-UQN) gefordert (Tab. 3-2).
Tab. 3-2: Umweltqualitätsnormen (UQN) für die Einstufung des chemischen Zustands (Wässer)
Element
UQN [μg/l]
Quelle
Anmerkungen
Hg
1
SÄCHSWRRLVO
(2004)
gesamt
Cd
1
Cd
≤0,08 (<40 mg CaCO
3
/l)
0,08 (<50 mg CaCO
3
/l)
0,09 (<100 mg CaCO
3
/l)
0,15 (<200 mg CaCO
3
/l)
0,25 (≥200 mg CaCO
3
/l)
EG-TochterRL
2008/105/EG
(WRRL 2008)
JD-UQN
Jahresdurchschnitt in
Binnenoberflächengewässern, filtriert
<0,45 μm
Cd
≤0,45 (<40 mg CaCO
3
/l)
0,45 (<50 mg CaCO
3
/l)
0,6 (<100 mg CaCO
3
/l)
0,9 (<200 mg CaCO
3
/l)
1,5 (≥200 mg CaCO
3
/l)
ZHK-UQN
Zulässige
Höchstkonzentration
in
Binnenoberflächengewässern, filtriert
<0,45 μm
Pb
7,2
JD-UQN
Hg
0,05
JD-UQN

13
Hg
0,07
ZHK-UQN
Ni
20
JD-UQN
Sb
20
LFUG (2005)
QN-V
Qualitätsnorm-Vorschläge,
tw. zuzüglich HGW
(Hintergrundwert)
Ba
60+HGW
Be
0,1
B
100
Co
0,9+HGW
Mo
7+HGW
Se
2,5
Ag (gelöst)
0,03
Te
20
Tl
0,1
Ti
15
U
1,5+HGW
V
2,4+HGW
Sn (anorg.)
3,5
In den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wird auch der Bezug von Elementgehalten in Oberflä-
chenwässern zu den Geringfügigkeitsschwellenwerten diskutiert, die für das Kompartiment Grundwasser ausge-
arbeitet wurden (Tab. 3-3). Gemäß LAWA (2004) wird die Geringfügigkeitsschwelle (GFS) definiert als Konzentra-
tion, bei der trotz einer Erhöhung der Stoffgehalte gegenüber regionalen Hintergrundwerten keine relevanten
ökotoxischen Wirkungen auftreten können und die Anforderungen der Trinkwasserverordnung oder entsprechend
abgeleiteter Werte eingehalten werden. Die GFS können als Anhaltspunkt dienen, jedoch ist bei Oberflächen-
wasser nicht davon auszugehen, das es – im Gegensatz zum Grundwasser - überall für den menschlichen Ge-
brauch als Trinkwasser nutzbar bleibt. Das Grundwasser bildet jedoch den Basisabfluss von Oberflächenwasser
und soll - wie das Oberflächenwasser als Bestandteil des Naturhaushalts - als Lebensraum intakt gehalten wer-
den. Deshalb sind die Qualitätskriterien der Oberflächenwässer in der Regel auch für das Grundwasser anwend-
bar. Dies wird auch durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL 2000) bekräftigt. In Anhang V Nr. 2.3.2 dieser
Richtlinie wird ausgeführt, dass „die chemische Zusammensetzung des Grundwasserkörpers ... so beschaffen
(sein muss), dass die Schadstoffkonzentrationen ... nicht derart hoch sind, dass die in Artikel 4 spezifizierten
Umweltziele für in Verbindung stehende Oberflächengewässer nicht erreicht werden.“
Bei der Risikobewertung von anorganischen Spurenelementen, insbesondere von Metallen, muss im Unterschied
zu organischen Stoffen berücksichtigt werden, dass sie geogen bedingt im Grundwasser vorkommen und die
Organismen diesen in der Regel geringen Konzentrationen natürlicherweise ausgesetzt sind. Die in der aquati-
schen Umwelt natürlich vorhandenen Spurenelementkonzentrationen unterliegen einer zeitlichen Dynamik und
können bis zu mehreren Größenordnungen schwanken. In diesem gesamten Schwankungsbereich halten Orga-
nismen ihr intrazelluläres Niveau weitgehend konstant. Um dieses berücksichtigen zu können, und um zu vermei-
den, dass anthropogen unbeeinflusstes Grundwasser beim Vergleich mit den Geringfügigkeitsschwellenwerten

14
als belastet zu bewerten wäre, wurde bei den anorganischen Spurenstoffen nach dem „added risk approach“ zu
den ökotoxikologisch abgeleiteten Werten ein Basiswert addiert, der die Grundwasserbeschaffenheit in Deutsch-
land charakterisiert. Zur Bestimmung dieses Basiswertes wurden in einem Forschungsprojekt der LAWA die Er-
gebnisse der Grundwasseruntersuchungsprogramme der Bundesländer ausgewertet (KUNKEL ET AL. 2004). In
Tabelle 3-3 sind die Basiswerte für anorganische Spurenelemente als flächengewichtetes Mittel der 90.
Perzentilwerte der 15 hydrogeologischen Bezugsräume dargestellt. Diese Werte werden zur ökotoxikologischen
Wirkungsschwelle addiert und ergeben dann die Geringfügigkeitsschwellenwerte. Der Nachweis der Einhaltung
der Geringfügigkeitsschwellenwerte erfolgt grundsätzlich durch Vergleich der ermittelten oder prognostizierten
Stoffkonzentrationen mit den Geringfügigkeitsschwellenwerten, er muss jedoch für jeden Anwendungsfall spezi-
fisch erfolgen. Vergleichbar zu Anhang 2 Nr. 3.2 der Bundesbodenschutzverordnung (BBODSCHV 1999), in dem
verbindliche Anwendungsregeln für Prüfwerte getroffen werden, wird für bestimmte Anwendungsfälle wasser-
rechtlich präzisierend zu bestimmen sein, welche Randbedingungen dabei gelten. So weisen z.B. Sickerwässer
von natürlichen/naturnahen Böden (insbesondere Oberböden) bei Schwermetallen teilweise höhere Konzentrati-
onen als das Grundwasser auf. Bei der Erarbeitung von technischen Regelungen zur Verwertung muss dieser
Sachverhalt deshalb berücksichtigt und die Korrektur der toxikologisch abgeleiteten Werte anhand der Basiswerte
aus den Daten zur natürlichen Grundwasserbeschaffenheit abgeändert werden. Überschreiten die regionalen
geogenen Hintergrundwerte im Grundwasser die Geringfügigkeitsschwellenwerte, können von den zuständigen
Behörden unter Berücksichtigung der Ableitungskriterien für den Einzelfall Werte festgelegt werden (LAWA 2004).
Die Trinkwasserverordnung der BRD (TRINKWV 2001) stellt Grenzwerte für Stoffe und Substanzen im Trinkwasser
nach toxikologischen Gesichtspunkten auf. Da ein großer Teil des Trinkwassers in Sachsen aus Talsperren ge-
wonnen wird, werden die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung hier zusätzlich aufgeführt (Tab. 3-3). Auch die
Prüfwerte der BBODSCHV (1999) können einen Anhaltspunkt zur Einschätzung von Elementgehalten liefern (Tab.
3-3).
Tab. 3-3: Übersicht über die Basiswerte der natürlichen Grundwasserbeschaffenheit in Deutschland, die
Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS) für Schwermetalle und Arsen
(LAWA 2004)
, die Grenzwerte der
TRINKWV (2001)
und die Prüfwerte nach
BBODSCHV (1999)
,
Angaben in μg/l
Element
Basiswerte (P90)
GFS
Kriterium GFS
TVO
Prüfwerte BBodSchV
As
2,6
10
TW
10
10
Ba
186
340
ARA
B
88
740
ARA
1000
Cd
0,3
0,5
ARA
5
5
Cr
2,4 (gesamt)
7 (CrIII)
LAWA (2004)
50
50
Co
5,7
8
ARA
50
Cu
10,1
14
ARA
2000
50
Hg
0,15
0,2
ARA
1
1
Mo
(1,2)
#
35
TW(h)
50
Ni
12,6
14
ARA
20
50
Pb
3,9
7
ARA
10
25
Sb
0,4
5
TW
5
10

15
Se
1,6
7
ARA
10
10
Sn
-
-
40
Tl
(<0,5)
#
0,8
TW(h)
U
-
5**
*
V
(1,6)
4
TW(h)
Zn
49,8
58
ARA
500
#
Werte aus Baden-Württemberg und Bayern (nicht repräsentativ für Deutschland),
ARA – added risk approach, TW – Trinkwasserverordnung, TW(h) – Trinkwasserverordnung, unbedenklich für die menschliche
Gesundheit
*
Bisher existiert nur in der "Mineral- und Tafelwasser-Verordnung" ein Grenzwert für Mineralwässer, die "zur Herstellung von
Säuglingsnahrung geeignet" beworben werden dürfen. Dieser Grenzwert liegt bei zwei Mikrogramm Uran pro Liter. Da Uran im
Trinkwasser auch für Erwachsene in Konzentrationen enthalten sein kann, "die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit
besorgen lassen", empfiehlt das Umweltbundesamt (UBA) als so genannten Leitwert die Höchstkonzentration von 10
Mikrogramm Uran pro Liter für Erwachsene.
**
http://www.smul.sachsen.de/de/wu/umwelt/lfug/lfug-internet/documents/Gesamtdokument.pdf

16
2.4 Theoretische Untersuchungen im Erzgebir-
ge/Vogtland
Die nachfolgenden theoretischen Betrachtungen zu den Elementgehalten in den verschiedenen Kompartimenten
(Sekundärdaten) beziehen sich auf die erzgebirgischen und vogtländischen Teile der vier Hauptfließgewässer
Weiße Elster von Quelle bis einschließlich Göltzsch
Zwickauer Mulde
Freiberger Mulde
westliche Zuflüsse der Oberen Elbe bis einschließlich Weißeritz.
Sie gliedern sich nach OWK-Gruppen (charakterisiert durch GEBKZ). In das Betrachtungsgebiet Erzgebirge/
Vogtland (sächsisches Gebiet) wurden folgende Teileinzugsgebiete eingeschlossen (Tab. 4-1):
Tab. 4-1: Übersicht über die betrachteten Einzugsgebiete
(Abgrenzung nach GEBKZ)
Gebiet
GEBKZ
Weiße Elster
5662, 56611, 56612, 56613, 56614, 56615, 56616, 56617, 56618, 56619
Zwickauer Mulde
5411, 5412, 5413, 5414, 5415, 5416, 5417, 5419, 54181, 54182, 54189
Freiberger Mulde
5421, 5422, 5423, 5424, 5425, 5429, 54261, 54262, 54263, 54264, 54265, 54266,
54267, 54269, 542681, 542682, 542683, 542684, 542685, 542686, 542687, 542688,
542689
Obere Elbe
53721, 53722, 53729, 53718, 53714, 537132, 53719, 537116
2.4.1
Gesteine
Gesteine als Bausteine der Erdkruste unterliegen an der Erdoberfläche den Prozessen der Verwitterung und
bilden die Ausgangssubstanzen für die Bodenbildung und die Gewässersedimente. Ihr originäres geochemisches
Inventar bildet den Ausgangspunkt In Sachsen sind geologische Formationen vom mittleren Riphäikum (Granulit-
gebirge) bis zum Quartär verbreitet (KARDEL, ET AL., 1996).
Als Grundlage für die Ermittlung der theoretischen Elementgehalte wurden die prozentualen Anteile und Flächen-
größen der unterschiedlichen petrographischen Einheiten der jeweiligen Teileinzugsgebiete im GIS durch Ver-
schneidungsoperationen bestimmt. Grundlage der Berechnungen bildeten die Geologische Übersichtskarte GÜK
400 des Freistaates Sachsen und die mittleren Elementgehalte in den petrogeochemischen Einheiten (KARDEL ET
AL. 2006).
Die Ergebnisse der Berechnungen sind in Anlage 4-1 zusammengefasst. Es sind bereits innerhalb der Flussge-
biete große Unterschiede zu erkennen, die bis zu Faktor 10 erreichen. So zeigen die Elemente, die bevorzugt in
basischen Gesteinen (Cr, Ni) auftreten, Maximalgehalte in den Teileinzugsgebieten der Weißen Elster. Die Ele-
mente Sn, U, As weisen die höchsten Gehalte in Teileinzugsgebieten der Zwickauer Mulde auf (Tab. 4-2). Das
Gebiet der Oberen Elbe zeigt hinsichtlich der Elementgehalte in den Gesteinen mit Ausnahme des As und Ni ein
sehr homogenes Bild.

17
Tab. 4-2: Schwankungsbreite der mittleren Spurenelementgehalte in Gesteinen der Weißen Elster (WE),
Zwickauer Mulde (ZM), Freiberger Mulde (FM), Obere Elbe (OE), bezogen auf die Einzugsgebiete (gemäß
GEBKZ),
Angaben in mg/kg, Maximalwerte fett
WE
ZM
FM
OE
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
As
12
18
7,1
37
3,9
18
7,9
22
B
30
64
24
56
11
44
15
32
Ba
344
669
198
651
354
667
115
616
Co
15
35
4,5
17
5,5
20
1,5
9,6
Cr
22
128
19
73
29
77
17
48
Cu
24
51
8,1
28
12
29
16
25
Hg
0,007
0,066
0,002
0,063
0,005
0,036
0,018
0,033
Ni
36
69
11
40
11
41
2,5
21
Pb
12
22
19
26
19
28
22
25
Sn
3,2
6,5
3,8
37
3,2
5,5
3,0
5,0
U
1,4
3,6
1,5
8,7
1,5
4,0
2,5
4,1
Zn
93
128
55
110
58
100
15
79
* die Flächen mit den Nutzungen Siedlung und Verkehr sowie Tagebau, Halde und sonstige Abgrabung wurden nicht berück-
sichtigt
2.4.2
Böden
Als Grundlage für die Ermittlung der theoretischen Elementgehalte wurden die prozentualen Anteile und Flächen-
größen der unterschiedlichen Leitbodengesellschaften sowie die Nutzungen (Wald, Grünland und Acker) der
jeweiligen Teileinzugsgebiete bestimmt.
Tab. 4-3: Schwankungsbreite der mittleren Elementgehalte in Oberböden, bezogen auf die Einzugsgebiete
(gemäß GEBKZ),
Angaben in mg/kg, Maximalwerte fett
WE
ZM
FM
OE
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
As
19
32
8,8
25
8,6
46
14
33
B
46
55
37
59
29
82
42
65
Be
1,9
2,1
1,3
2,5
1,4
3,5
1,7
2,4
Bi
0,26
0,44
0,22
0,76
0,17
0,74
0,2
0,56
Cd
0,45
0,62
0,33
0,54
0,36
0,81
0,25
0,65
Cr
50
119
27
60
26
84
24
62
Cu
21
30
12
22
12
33
8,0
24

18
Hg
0,12
0,16
0,08
0,15
0,07
0,18
0,09
0,19
Mo
0,66
0,76
0,48
0,76
0,42
1,08
0,63
0,91
Mn
663
1260
315
786
304
1040
228
835
Ni
18
47
8,8
25
9,6
32
5,3
27
Pb
69
90
46
84
44
122
63
102
Tl
0,53
0,79
0,49
1,1
0,5
1,1
0,52
0,98
U
2,0
2,3
1,7
2,9
1,6
3,5
2,0
3,2
V
75
141
45
94
40
135
71
133
W
1,8
2,5
1,6
4,4
1,3
4,0
1,5
3,1
Zn
99
124
61
106
55
151
32
113
Die Verschneidung und Berechnung erfolgte getrennt nach Ober- und Unterböden. Die Ergebnisse sind in Anla-
ge 4-2 zusammengestellt. Tab. 4-3 und Tab. 4-4 geben einen Überblick über die Schwankungsbreite der mittleren
Elementgehalte in den Böden. Grundlage der Berechnungen bildeten die Bodenübersichtskarte BÜK 400 des
Freistaates Sachsen und die mittleren Elementgehalte in den mineralischen Oberböden und Unterböden (RANK ET
AL. 1999).
Tab. 4-4: Schwankungsbreite der mittleren Elementgehalte in Unterböden, bezogen auf die Einzugsgebie-
te (gemäß GEBKZ),
Angaben in mg/kg, Maximalwerte fett
WE
ZM
FM
OE
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
As
19
22
7,0
17
9,1
20
8,0
19
B
49
56
42
68
44
76
47
56
Be
2,1
2,3
1,4
2,7
1,7
2,9
1,8
2,3
Bi
0,16
0,23
0,14
0,52
0,14
0,43
0,14
0,3
Cd
0,36
0,51
0,25
0,47
0,28
1,0
0,24
0,5
Cr
52
123
34
62
38
66
31
51
Cu
19
36
12
20
14
22
6,8
18
Hg
0,06
0,07
0,04
0,09
0,06
0,23
0,04
0,15
Mo
0,51
0,61
0,35
0,56
0,42
0,61
0,45
0,59
Mn
595
1150
422
684
457
742
272
586
Ni
22
79
12
30
14
36
12
28
Pb
46
53
28
51
38
51
36
45
Tl
0,41
0,72
0,45
1,3
0,55
1,1
0,41
0,86
U
1,8
2,4
1,7
2,8
2,2
17
1,8
8,4
V
77
152
49
93
52
104
63
143
W
1,4
2,1
1,3
4,2
1,2
3,5
1,3
2,6

19
Zn
90
117
48
97
51
106
36
84
2.4.3
Bachsedimente
Wertvolle Hinweise auf das geochemische Inventar von Einzugsgebieten geben die flächendeckenden Untersu-
chungen von Bachsedimenten, die mit dem Ziel der Lagerstättensuche in den 1970/80er Jahren durchgeführt
wurden (z.B. PÄLCHEN ET AL. 1982). Die Untersuchungen erreichten im Erzgebirge eine Dichte von bis zu 1,4
Proben/km
2
, die bei nachfolgenden Untersuchungen an Fließgewässersystemen Sachsens nicht wieder erreicht
wurde. Die Übernahme der Daten der mittleren Elementgehalte erfolgte aus GREIF & KLEMM (2005) und ist in
Anlage 4-3 zusammengefasst.
Tab. 4-5: Schwankungsbreite der mittleren Elementgehalte in Bachsedimenten <200 μm, bezogen auf die
Einzugsgebiete
(gemäß GEBKZ), Angaben in mg/kg
WE
ZM
FM
OE
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Minimum
Maximum
Ag
1,0
2,0
0,58
1,5
0,45
1,5
nb
nb
As
7,0
22
12
73
11
66
9,5
64
B
40
84
49
225
35
96
32
66
Ba
372
564
248
573
423
586
308
613
Be
2,5
6,0
2,0
13
1,6
4,5
1,8
4,5
Bi
0,5
2,5
0,55
1,3
0,2
3,0
nb
nb
Cd
0,18
1,8
0,1
1,4
0,32
2,7
0,24
1,1
Co
9,0
33
2,5
14
4,5
13
2,0
7,0
Cr
48
134
8,0
78
28
84
18
62
Cu
17
47
12
45
14
38
9,5
57
Hg
0,06
0,18
0,06
0,32
0,05
0,13
0,02
0,16
Li
35
104
22
180
12
89
21
63
Mn
512
1200
289
1130
347
1020
315
546
Mo
0,5
1,5
0,44
1,5
0,5
1,0
0,5
2,0
Ni
27
110
9,0
55
15
35
11
30
Pb
26
43
35
81
33
152
33
109
Sn
4,0
5,0
3,8
152
3,5
19
3,3
26
Ti
3870
12800
2200
7360
3220
5170
1520
4900
V
94
140
40
79
39
49
nb
nb
W
1,0
9,0
4,0
24
2,0
17
2,5
13
Zn
115
223
70
300
65
223
50
205

20
2.5 Praktische Untersuchungen in den Referenzgebie-
ten
2.5.1
Probenahme
(1) Oberlauf der Freiberger Mulde einschließlich Bobritzsch
Dieses Referenzgebiet wurde im Rahmen einer Diplomarbeit am Institut für Mineralogie bearbeitet (Beyersdorf
2009). Die Vorgehensweise bei der Probenahme erfolgte analog dem Vorgängerprojekt (Greif & Klemm 2005)
und baut auf dem Prinzip der geochemischen Prospektion auf, die allerdings damals eine Probendichte von 1,4
Proben/km
2
im Erzgebirge erreichte (Pälchen et al. 1982).
Das untersuchte Gebiet umfasst den Oberlauf der Freiberger Mulde von der Landesgrenze bis zur Mündung der
Bobritzsch (361 km
2
) zuzüglich des Einzugsgebietes der Bobritzsch (182 km
2
). Für das Hauptbelastungsgebiet
Freiberg/Freiberger Mulde ist sowohl die Identifizierung von punktuellen und diffusen Quellen als auch die Auflö-
sung von geogenen (insbesondere chalkogenen) und anthropogenen (insbesondere bergbaubürtigen) Quellen im
Rahmen dieses Projekts nicht im Detail möglich und wird daher ausgeschlossen.
Die Probenahme erfolgte vom 24.10. bis zum 2.11.2007. Es wurden 38 Wasserproben (Gesamtprobe), 38 filtrier-
te Wasserproben und 38 Sedimentproben entnommen. Davon entfielen 3 auf die Freiberger Mulde (diese Punkte
wurden bereits im Muldeprojekt untersucht, Beuge et al. 1999), 6 auf die Gimmlitz als wasserreichsten Zufluss, 19
auf kleinere Zuflüsse zur Freiberger Mulde und 10 auf die Bobritzsch (Abb. 5-1).
Die Beprobung des Münzbaches (FM29MÜ) ist von vorn herein als anthropogen beeinflusste Probe anzusehen,
sie ist aber zur Beschreibung des Einzugsgebietes des Münzbaches unerlässlich.
(2) Oberlauf der Zwickauer Mulde
Dieses Referenzgebiet wurde ebenfalls im Rahmen einer Diplomarbeit am Institut bearbeitet (Hesse 2009). Es
umfasst den Oberlauf der Zwickauer Mulde von den Quellen der Roten und Weißen Mulde bis zur Einmündung
des Schwarzwassers. Aufgrund der anthropogenen Beeinflussung wird das Stadtgebiet Aue einschließlich Auer-
hammer von den Untersuchungen ausgeschlossen.
Im Gebiet wurden 45 Probenahmepunkte am 8.11. und vom 26.11. bis 29.11.08 angefahren. Die Probenahme
musste Anfang November aufgrund der hydrologischen Situation (mehrtägige Niederschläge führten zu hohen
Abflüssen nahe der Meldestufe 1) unterbrochen werden. Es wurden 3 Proben (Wasser und Sediment) in der
Zwickauer Mulde (analog Muldeprojekt, BEUGE ET AL. 1999) und 41 Proben (41 Wässer, 40 Sedimente) in den
Nebenfließgewässern entnommen. Den Talsperrenzuläufen galt besondere Aufmerksamkeit (Abb. 5-2).

21
Abb. 5-1: Fließschema der Freiberger Mulde von der Landesgrenze bis zur Mündung der Bobritzsch, Mar-
kierung der Probenahmepositionen (nicht maßstäblich)
Bach am Teichtellerweg
Hirschbach
Bach am Brettellenweg
Höllengrundbächel
Grundbächel
Nassauer Dorfbach
Steinbach
Roter Fluß
Bach am Trostgrundweg
Bach am Klötzerberg
Clausnitzer Dorfbach
Rachel
Bach vom Bad Mulda
FM23HO
FM1
FM2
FM3
FM4
FM6
FM5
FM7
FM9
FM8
Gimmlitz
Tsp.
Lichtenberg
Schieferleithebach
Bach v. Dittersbach
Kleine Gimmlitz
Krötenbach
Bach v.d. Grünen Tanne
Walkmühlenbach
Hilbersdorfer Bach
Bobritzsch
Kuttelbach
Hölzbach
Burkersdorfer Bach
Friedersdorfer Bach
Sohrbach
Colmnitzbach
Rodelandbach
Dittmannsdorfer Bach
THG
Chemnitzbach
Voigtsdorfer Bach
Zethaubach
Helbigsdorfer Bach
Weigmannsdorfer Bach
Bach vom
Weicheltsteich
VGS, HSU
Münzbach
Goldbach
Fischbach
Kleinwaltersdorfer Bach
Bach von Großvoigtsberg
Freiberger Mulde
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM18
FM17
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29MÜ
FM22
FM23
FM24
FM12OB
BO11SL
FM19BE
BO1
BO2
BO3
BO4
BO6
BO5
BO7
BO8
BO9

22
Abb. 5-2: Fließschema der Zwickauer Mulde von den Quellen bis zur Mündung des Schwarzwassers, Mar-
kierung der Probenahmepositionen (nicht maßstäblich)
Rote Mulde
Weiße Mulde
Saubach
Silberbach (Muldenberg)
Salzbach
Tsp.
Muldenberg
Großer Riß/
Alter Floßgraben
Rote Göltzsch
Weiße
Göltzsch
Oberer Floßgraben
Löffelsbach
Roter Fluß
Vogtland-
Kleine Pyra
see
ZM3
ZM2
ZM1
ZM4
ZM5
ZM1TA
ZM6
ZM7
Thierbach
ZM8
ZM15
Bodabach
ZM9
Gottesberg
ZM12
ZM10
ZM11
Wiesenbach
Grpße Pyra
Wilzsch
Zinsbach
Markersbach
Heroldsbach
Kleine Pyra
Seebächel
Schwerdt-
bächel
Mordbach
Steinbächel
Tränkwasser
Kramsbach
Wolfseifenbach
Kleine Wilzsch
Wölfebächel
Kalter Brunnenb.
Zigeunerb.
Tsp.
Carlsfeld
Keilbach
Tannenbach
Silberbach (Carolagrün)
Großer Riedertbach
Kleiner Riedertbach
Tsp.
Eibenstock
Schönheider Bach
Dönitzbach
Rähmerbach
Geidenbach
Weißbach
VB
VB
VB
VB
Kalte Lohe
Bornkindelbach
Tsp.
Carlsfeld
Kl. Bockau
Kl. Bockau
Neudecker Bach
Glashüttenbach
Gr. Bockau
Steinbach
Hanggraben
Grüner Graben
Marksbach
Sosabach
Bach am Spitzleithenweg
Weinstockbächel
Rainbächel
Bach aus Bockaul
Bach aus Albernau
Zschorlaubach
Filzbach
Seifenbach
Schwarzwasser
Aue
ZM13
ZM14
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM20
ZM22
ZM21
ZM23
ZM24
ZM2SH
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM5AU
ZM38
ZM39
ZM40

23
(3) Einzugsgebiet des Schwarzwassers
Der Probenahme in diesem Gebiet ging ein intensives Studium der lagerstättenkundlichen Verhältnisse und eine
Altbergbauanalyse voraus. Das Einzugsgebiet umfasst das Schwarzwasser auf sächsischer Flur einschließlich
der Nebenflüsse Große Mittweida und Pöhlwasser. Im Zeitraum vom 05.06. bis 12.06.2008 wurden an 47 Probe-
nahmepunkten 46 Wasser- und 43 Sedimentproben entnommen (Abb. 5-3)
Abb. 5-3: Fließschema des Schwarzwassers von der Landesgrenze bis zur Mündung in die Zwickauer
Mulde, Markierung der Probenahmepositionen (nicht maßstäblich)
Probenbezeichnung
Die Lage der Probenahmepunkte in den drei Untersuchungsgebieten ist in den Abb. 5-1 bzw. Abb. 6-5 (FM und
BO), Abb. 5-2 bzw. Abb. 7-5 (ZM) sowie Abb. 5-3 bzw. Abb. 8-11 dargestellt. Die Bezeichnungen der Proben
enthalten einen Buchstabencode für das Gewässer (FM für Freiberger Mulde, BO für Bobritzsch, ZM für Zwick-
auer Mulde, SW für Schwarzwasser) und eine laufende Nummer. Die Probennummern für das Schwarzwasser
Brückelsbach
SW20
Griesbach
Ratsbach
Nixbach
Halsbach
Schieferbach
Fällbach
Vorderer Milchbach
Hinterer Milchbach
Steinbach
Lehmergrundbach
Pechöfener Bach
Breitenbach
Jugelbach
Kuttenbach
Fällbach
SW22
SW23
SW24
Bernsbacher Dorfbach
Beutelbach
Beierfelder Dorfbach
SW19
SW21
SW18
SW17
SW16
SW15
Große Mittweida
Großer Ortsbach
Kleiner Ortsbach
SW12
SW13
SW11
Ortsbach Breitenbrunn
SW14
SW8
SW10
SW7
SW9
Bach vom Rabenberg
Seifenbach
SW5
SW6
SW1
SW3
SW4
SW2
Luxbach
Kunnersbach
Höllbach
Klingerbach
PÖ1
PÖ2
PÖ3
PÖ4
Mückenbach
PÖ5
PÖ6
PÖ7
PÖ9
PÖ8
Friedrichsbach
Mückenbach
Wernitzbach
PÖ10
PÖ11
Pöhlwasser
PÖ11
GM6
Große Mittweida
Bach aus
GM5
Oberscheibe
Roßbach
rechter Zufluss
GM4
GM3
Kleine Mittweida
GM2
GM1
Tsp.
Markers-
bach
Oswaldbach
Schwarzbach
Oswaldbach
Fischbach
GM9
GM7
GM8
GM11
GM12

24
wurden aus Gründen der Übersichtlichkeit weiter in die Nebenflüsse gegliedert (PÖ für Pöhlwasser, GM für Gro-
ße Mittweida, SW für Schwarzwasser ohne genannte Nebenflüsse).
Vorgehen bei der Probenahme
Die Probenahme aller Wasserproben erfolgte mit einem Plaste-Probenschöpfer am Teleskopstiel aus der Ge-
wässermitte. Filtrierte Proben wurden durch Vakuum-Filtration einer definierten Probemenge (250 bis 1000 ml)
durch Celluloseacetat-Filter (Fa. Sartorius) bekannten Gewichts (Porengröße 0,45 μm) vor Ort erhalten. Beide
Proben (filtriert/unfiltriert) für die Spurenelementanalyse wurden direkt nach dem Abfüllen in PE-Flaschen mit 1 ml
konzentrierter HNO
3
(suprapur) pro 100 ml angesäuert. Das frisch abgelagerte schwebstoffbürtige Sediment
wurde in Stillwasserzonen mit einer Schöpfkelle von der Oberfläche des Gewässergrundes entnommen und vor
Ort mit Originalwasser durch ein 2-mm-Sieb gesiebt. Die erhaltene Suspension wurde in PE-Flaschen überführt
und im gefrorenen Zustand bis zur Nasssiebung <20 μm aufbewahrt.
Im Gelände wurden die Parameter pH-Wert, Redoxpotential, elektrische Leitfähigkeit, Sauerstoffkonzentration
und Wassertemperatur an der jeweiligen Probenahmestelle bestimmt.
Beprobung ausgewählter Grubenwässer
Im Bereich des Erzgebirges wurden 2007 10 und 2008 25 Lokalitäten beprobt und insgesamt 43 Grubenwässer
analysiert. Es handelte sich um folgende Lokalitäten:
(1) Freiberger Revier:
Hauptstollnumbruch, Königlich Verträgliche Gesellschaft Stolln,
Rothschönberger Stolln
(2) Freiberger Randreviere:
Tiefer Hilfe Gottes Stolln, Emanuel Erbstolln, Rösche Muldenhütten, Glücksil-
bersternstolln, St. Michaelisstolln, Thelersberger Stolln, Neuer Segen Gottes
Stolln, Treue Sachsen Stolln, Salomonis Erbstolln, Adolph Stolln
(3) Osterzgebirge:
Tiefer Bünau Stolln, Tiefer Hilfe Gottes Stolln, Zwitterstocks Erbstolln, Neuer
Biela Stolln
(4) Mittleres Erzgebirge:
Tiefer Sauberger Stolln, Großvierunger Stolln, Greifensteinstolln, Goldener
Adler Stolln, Tropper Stolln, Neuglück Stolln, Hilfe Gottes Stolln, Walfisch
Stolln, Weistauber Tiefer Erbstolln
(5) Westerzgebirge:
Stolln 111, Glück Auf Stolln, Friedrich August Stolln, Stolln 146, Treue
Freundschaft Stolln, St. Christoph Stolln, Bohrloch 824, Reichenbach Hoff-
nung Stolln, Markus Semmler Stolln
Die Grubenwässer wurden analog zu den Oberflächenwässern zunächst filtriert und beide Proben (filtriert und
unfiltriert) angesäuert (1 ml konzentrierter HNO
3
(suprapur) pro 100 ml Probe). An einigen Probenahmestellen
erfolgte zusätzlich die Entnahme einer filtrierten Probe für die Bestimmung der Hauptionen.

25
2.5.2
Probenaufbereitung und Analytik
Probenaufbereitung
Die Ermittlung der Schwebstoffkonzentration der Oberflächen- und Grubenwässer erfolgte gravimetrisch durch
Auswiegen der bei 105 °C getrockneten Filter (Porendurchmesser 0,45 μm).
Die Feinfraktion <20 μm wurde durch Nasssiebung der im Originalwasser suspendierten Proben gewonnen.
Durch Zentrifugieren (ca. 3000 Umdrehungen pro Minute) und Dekantieren wurde das Feinsediment vom Wasser
getrennt und anschließend gefriergetrocknet. Die Homogenisierung der Proben erfolgte per Hand mit einem
Achatmörser.
Von den Sedimentproben der Fraktion <20 μm wurde ein HNO
3
/H
2
O
2
-Mikrowellenauszug gemäß der Methodik
der BfUL (GOLDSTEIN, 2005) hergestellt. Zu einer Probenmenge von 0,5 g werden 5,0 ml H
2
O, 2,0 ml H
2
O
2
supra-
pur und 7,5 ml HNO
3
suprapur geben. Im Mikrowellensystem MLS ETHOS plus wird der Ansatz 11 min auf 160
°C aufgeheizt (6 min auf 160 °C gehalten), danach 5 min auf 200 °C aufgeheizt (5 min auf 200 °C gehalten),
abgekühlt, mit H
2
O auf 50 ml aufgefüllt und filtriert.
Während die filtrierten Wasserproben direkt der Analyse zugeführt werden, werden die unfiltrierten Wasserproben
in der Mikrowelle (MLS ETHOS plus) ebenfalls nach der Methodik der BfUL (GOLDSTEIN, 2005) aufgeschlossen.
Zu einer Probenmenge von 40 ml werden 2,0 ml HNO
3
suprapur gegeben. Der Ansatz wird 5 min auf 100 °C
aufgeheizt, weitere 5 min auf 180 °C aufgeheizt (10 min auf 180 °C gehalten), abgekühlt und mit H
2
O auf 50 ml
aufgefüllt. Die unfiltrierten Wasserproben der Grubenwässer wurden nicht aufgeschlossen.
Analytik
Die Analyse der Elementgehalte (Ag, (Al), As, B, Ba, Be, Bi, Cd, Co, Cr, Cu, Hg, Li, (Fe), Mn, Mo, Ni, Pb, Sb, Se,
(Sn), Te, Tl, (Ti), (W), V, Zn) erfolgte
für die Oberflächenwässer (filtriert und unfiltriert mit Aufschluss) mit der ICP-MS (Massenspektrometrie mit
induktiv gekoppeltem Plasma),
für die Sedimentaufschlüsse mit der ICP-AES (Atomemissions-Spektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma)
und ICP-MS (Tab. 5-1 und Tab. 5-2).
für die Grubenwässer (filtriert und unfiltriert ohne Aufschluss) mit der ICP-MS bzw. ICP-AES.
Die Analytik der Hauptionen in den filtrierten unangesäuerten Grubenwässern erfolgte
für die Anionen mittels IC (Ionenchromatographie)
für die Kationen (Na, K, Ca, Mg) mittels F-AAS bzw. ICP-AES.
Tab. 5-1: Übersicht über die Messbedingungen der ICP-AES
Gerät
VISTA PRO CCD Simultaneous ICP-OES von VARIAN
Zerstäuber
Nebulizer glass Concentric `K´style
Kammer
TWISTER Cyclonic
Fackel
Radial
Leistung
1,2 kW
Gasstrom - Plasmagas
Argon 15 L/min
Gasstrom - Hilfsgas
Argon 1,5 L/min
Gaststrom - Zerstäubergas
Argon 0,75 L/min
Wiederholungsmessungen
3
verwendete Wellenlängen
Al 167,019; Cr 267,716; Ni 231,604; As 188,980;
Cu 324,754; Pb 220,353; Cd 228,802; Fe 259,940;
U 409,010; Co 238,892; Mn 259,372; Zn 202,548 nm

26
Tab. 5-2: Übersicht über die Messbedingungen der ICP-MS
Gerät
ELAN 6100 bzw. ELAN 9000 von PERKIN ELMER
Zerstäuber
MicroMist-Zerstäuber
Kammer
Zyclon-Zerstäuberkammer
innerer Standard
Rh 10 μg/l
Methode 1
Total-Quant (Kalibration mit ICP-Mehrelementstandardlösung VI von Merck, 10 μg/l)
Methode 2
Quantitative Analyse (Kalibration mit ICP-Mehrelementstandardlösung VI von Merck,
0,1 μg/l, 1 μg/l, 10 μg/l)
2.5.3
Qualitätssicherung
Um die Vergleichbarkeit der hier gewonnenen Analysenergebnisse zu denen des Landesmessnetzes zu gewähr-
leisten, ist eine enge Absprache mit der BfUL erforderlich. Neben der Durchführung der Mikrowellen-Aufschlüsse
nach BfUL-Methodik (GOLDSTEIN 2005), ist bei der Angabe der Analysenergebnisse auf die Äquivalenz der Be-
stimmungsgrenzen zu achten (GOLDSTEIN 2007) (Tab. 5-3 und 5-4).
Tab. 5-3: Bestimmungsgrenzen (BG) in der Wasseranalytik in der BfUL
(GOLDSTEIN 2007)
Element
BG [mg/l]
Element
BG [μg/l]
Element
BG [μg/l]
Ca
0,3
Al
10
Mn
1,0
Fe
0,1
Sb
1,0
Mo
0,5
K
0,3
As
1,0
Ni
0,5
Mg
0,3
Ba
1
Se
1,0
Na
0,3
Pb
0,5
Sr
5
B
4
Tl
0,10
Cd
0,10
V
1,0
Cr
1,0
U
0,5
Co
0,5
Zn
10
Cu
1,0
Sn
3
Tab. 5-4: Bestimmungsgrenzen (BG) für die Analytik von HNO
3
/H
2
O
2
-Mikrowellenaufschlüssen an Sedi-
menten in der BfUL
(GOLDSTEIN 2007)
Element
BG [mg/kg]
Element
BG [mg/kg]
Element
BG [mg/kg]
Hg
0,05
Cd
0,1
As
1
Cu
2
Ni
2
Ca
100
Zn
2
Pb
2
Tl
0,1
Mn
2
Cr
2
U
1
Zum Vergleich der auf beiden Seiten verwendeten analytischen Methoden wurden sowohl Referenzmaterialien
als auch ausgewählte Proben von beiden Institutionen untersucht. Als regelmäßig genutztes Referenzmaterial der
UBG kam das kanadische Stream Sediment STSD-2 des CCRMP zur Analyse. Die Qualität der Analysenergeb-
nisse wird seitens des AN durch Doppelbestimmungen, mitlaufende Proben und Referenzmaterial (für die Was-
serproben: TMDA62 bzw. TMDA53.1) gesichert (Tab. 5-5).

27
Tab. 5-5: Übersicht über die verwendeten Standards und mitlaufenden Proben (fett: Vergleich mit BfUL)
Gebiet
Oberlauf Freiberger
Mulde/ Bobritzsch
Oberlauf
Zwickauer Mulde
Schwarzwasser
Wasserstandard
TMDA 62
TMDA 62
TMDA 53.1
mitlaufende
Wasser-
probe (filtriert)
FM19BE
ZM5AU
SW-GW9
SW-SW24
mitlaufende
Wasser-
probe (unfiltriert)
FM19BE
(Doppelbestimmung)
ZM1TA
(Doppelbestimmung)
SW-GW9
SW-SW24
Sedimentstandard
STSD 2
STSD 2
STSD 2
mitlaufende
Sedimentprobe
FM23HO
ZM5AU
SW-GM3
Die Ergebnisse der Qualitätssicherung werden in der Anlage 5-1 zusammenfassend dargestellt. Es ist anzumer-
ken, dass die Elemente, die mit dem hier verwendeten Verfahren für den Mikrowellenaufschluss (im Vergleich
zum Totalaufschluss) schlecht aufzuschließen sind, auch eine schlechte Reproduzierbarkeit bei Mehrfachbe-
stimmungen aufweisen. Daher sind die Elemente Mo, Sb, Sn, Ti und W durch deutlich höhere relative Stan-
dardabweichungen (RSD > 15 %) gekennzeichnet. Der Vergleich mit der BfUL fiel zur vollen Zufriedenheit der
Analytiker aus (Tab. 5-6 bis 5-8).
Tab. 5-6: Analytikvergleich für Sedimentproben ZM5AU und FM23HO, Angaben in mg/kg
BfUL
TUBAF
BfUL
TUBAF
PNUM
ZM 5 AU
ZM 5 AU
PNUM
FM 23 HO
FM 23 HO
As
100
109
As
440
404
Cd
3,3
3,63
Cd
17
18,3
Cr
38
44,5
Cr
50
49,5
Cu
80
91,1
Cu
74
77,9
Fe
34000
42200
Fe
81000
88000
Hg
0,38
0,27
Hg
0,37
0,220
Mn
1500
1600
Mn
5100
5200
Ni
40
43,4
Ni
96
101
Pb
120
121
Pb
200
236
Tl
2,0
2,34
Tl
1,3
1,32
U
53
48,6
U
7,5
7,16
Zn
460
552
Zn
1000
1110

28
Tab. 5-7: Analytikvergleich für die Wasserprobe SW-GM9, Angaben in μg/l
BfUL
filtriert
TUBAF
filtriert
BfUL
unfiltriert
TUBAF
unfiltriert
Al
16
25,1
81
100
As
3,3
3,52
3,3
3,15
Ba
37
44,8
37
45,7
Cd
0,68
0,776
0,72
0,741
Co
< 0,5
< 0,1
< 0,5
0,160
Cr
< 1
1,28
< 1
1,65
Cu
2,7
3,13
5,8
3,71
Mn
1,6
4,35
7,8
9,34
Mo
< 0,5
0,212
< 0,5
0,228
Ni
5,0
5,04
6,0
5,41
Pb
< 0,5
0,162
< 0,5
0,516
Sb
< 1
0,360
< 1
0,344
Se
< 1
< 2
< 1
< 2
Sn
< 3
< 0,2
< 3
< 0,2
Tl
< 0,1
< 0,1
< 0,1
< 0,1
U
< 0,5
< 0,1
< 0,5
< 0,1
V
< 1
< 0,1
< 1
0,113
Zn
100
88,3
110
86,4
Tab. 5-8: Analytikvergleich für Wasserprobe SW-SW24, Angaben in μg/l
BfUL
filtriert
TUBAF
filtriert
BfUL
unfiltriert
TUBAF
unfiltriert
Al
18
28,2
158
186
As
6,8
7,26
7,5
7,62
Ba
32
33,7
33
32,5
Cd
0,37
0,363
0,50
0,463
Co
< 0,5
0,245
< 0,5
0,549
Cr
< 1
0,682
< 1
1,02
Cu
2,8
3,11
7,4
4,21
Mn
20
22,1
44
47,4
Mo
0,75
0,721
0,66
0,755
Ni
12
11,8
13
14,0
Pb
< 0,5
0,179
< 0,5
0,706
Sb
1,6
1,89
1,6
1,81

29
Se
< 1
< 2
< 1
< 2
Sn
< 3
< 0,2
< 3
< 0,2
Tl
< 0,1
< 0,1
< 0,1
< 0,1
U
1,9
2,19
2,3
2,14
V
0,82
0,569
< 1
0,985
Zn
22
21,9
41
29,8

image
30
2.6 Referenzgebiet Obere Freiberger Mulde/Bobritzsch
2.6.1
Gebietsbeschreibung
Hydrographie
Die Einzugsgebiete des Oberlaufes der Freiberger Mulde (346 km
2
) und der Bobritzsch (182 km
2
) befinden sich in
der Naturraumeinheit des Osterzgebirges. Die Gliederung der Teileinzugsgebiete in Wasserkörper ist sehr un-
gleich. Während im Einzugsgebiet der Bobritzsch nur selten über die fünfstellige Gebietskennzahl (GKZ_5) hin-
aus gegliedert wird, werden im Teileinzugsgebiet der Gimmlitz umfangreiche Unterteilungen vorgenommen, die
zu Wasserkörpern von teilweise <1 km
2
führen, die für die Zielstellung des geogenen Backgrounds unrealistisch
sind (Abb. 6-1, Tab. 6-1).
Abb. 6-1: Übersichtskarte über das Gewässernetz der oberen Freiberger Mulde/ Bobritzsch
Tab. 6-1: Flächenanteile der Teileinzugsgebiete der oberen Freiberger Mulde gemäß GKZ_5

31
Mulde
54211
54212
54213
54214
54215
54216
54219
Anteil [%]
19,6
13,8
16,5
15,7
13,3
9,1
12,0
Bobritzsch
54221
54222
54223
54224
54225
54226
54227
54228
54229
Anteil [%]
39,0
6,7
1,8
14,4
10,0
10,9
5,9
8,2
3,1
Die Kammhöhen im Osterzgebirge schwanken zwischen 800 und 900 m üNN. Nach Osten nehmen sie langsam
ab. Die Freiberger Mulde und die Bobritzsch als bedeutende Täler des Osterzgebirges sind mit der Abdachung
des Erzgebirges nach NW gerichtet. Als Talformem dominieren Kerbsohlentäler. Im Osterzgebirge gibt es sieben
größere Trinkwassertalsperren, wovon sich die Talsperre Lichtenberg im Untersuchungsgebiet befindet. Als ein
Bestandteil der bergbaulichen Wasserhaltung ist der Großhartmannsdorfer Teich erhalten geblieben. Im Zuge der
Freiberger Revierwasserhaltung entstand 1877 ein 78 km langes Graben- und Stollensystem, das dem Freiberger
Erzbergbau von der oberen Flöha Aufschlagswasser zuführte und über den Rothschönberger Stolln bis zur Trie-
bisch entwässerte (MANNSFELD & RICHTER 1995).
Geologie
Im Ostteil der Erzgebirgs-Zentralzone also im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde bis zur Ein-
mündung der Bobritzsch dominieren Paragneise (77 %). Metagranitoide und –rhyolithoide treten in südwestlichen
Teilen des Untersuchungsgebietes häufiger auf. Vereinzelt kommen kleinflächige Granitintrusionen vor, wie bei-
spielsweise bei Niederbobritzsch. Geringe Verbreitung finden Kreidesandsteine sowie Lößderivate. (Tab. 6-2,
Abb. 6-2).
Tab. 6-2: Übersicht über die Verbreitung der Gesteinsformationen im Einzugsgebiet des Oberlaufes der
Freiberger Mulde einschließlich der Bobritzsch
Geologische Einheit
Anteil [%]
Paragneis, z.T. anatexitisch
41,3
Paragneis (Äußerer Graugneis)
35,5
Metarhyolithoide (Gm-Gneise)
6,2
Löss, Lösslehm
4,2
Granit, Älterer Intrusivkomplex
4,1
Rhyolithoide in Gängen
2,3
Metagranitoide (Orthogneise, Augengneise)
1,7
Saure Vulkanite
1,4
Glimmerschiefer (Kambrium)
1,4
Sandsteine, Tonsteine (Kreide)
1,2
Metamorphe basische bis ultrabasische Magmatite
0,4

image
32
Phyllit
0,3
Die überwiegende Zahl der Teileinzugsgebiete wird von Paragneisen dominiert. Daneben gibt es Teileinzugsge-
biete, die von anderen geologischen Einheiten beeinflusst werden. Im südlichen Bereich des Untersuchungsge-
bietes überwiegen in den Teileinzugsgebieten FM9 und FM10 z.B. Metagranitoide bzw. -rhyolithoide. Der im NW
vorkommende Glimmerschiefer dominiert im Teileinzugsgebiet FM24. Im nördlichen Teil des Untersuchungsge-
bietes sind Löss und Lösslehm aufzufinden, die besonders im Teileinzugsgebiet BO9 hohe Flächenanteile ein-
nehmen. Im nordöstlichen Bereich des Untersuchungsgebietes sind neben Sand- und Tonsteinen auch saure
Vulkanite anzutreffen, die das Teileinzugsgebiet BO8 zum Großteil bestimmen.
Abb. 6-2.: Geologische Übersichtskarte des Untersuchungsgebietes der oberen Freiberger Mulde und
Bobritzsch
(auf Basis der GÜK des Freistaates Sachsen nach KARDEL ET AL. 1996) (BEYERSDORF 2009)
Aufgrund der Dominanz der Paragneise ergeben sich für die Untersuchungsgebiete Freiberger Mulde oh.
Bobritzsch (FM) und Bobritzsch (BO) ähnliche mittlere Elementgehalte für die Gesteine (Tab. 6-3). Im Vergleich
mit den mittleren Elementgehalten für Sachsen zeichnet sich für As, B, Co und Cr eine Verarmung, für Ba, eine
Anreicherung ab.

33
Tab. 6-3: Mittlere Elementgehalte (P50) in Gesteinen des Untersuchungsgebietes Obere Freiberger Mulde
(FM) und Bobritzsch (BO) im Vergleich zu Sachsen, Werte aus KARDEL ET AL. 1996, Totalgehalte, Angaben
in mg/kg
Gebiet
As
B
Ba
Co
Cr
Cu
Ni
Pb
Sn
U
Zn
FM 5421
7,4
12
640
7,9
44
22
18
22
4,3
2,6
78
BO 5422
3,9
13
550
8,9
40
18
15
24
3,9
3,1
73
Sachsen
13
37
420
12
57
24
20
20
4,4
k.A.
60
Mineralisationen und Lagerstätten
Freiberg ist einer der wichtigsten Bergbaubezirke des Erzgebirges. Im
Freiberger Revier
wurden Ag, Cu, Pb, Zn,
As, Au sowie geringe Mengen Co, Ni, Cd, Ge, In, Bi und Sn abgebaut (Abb. 6-3). Neben dem Zentralbereich
schließen sich im Freiberger Lagerstättendistrikt vier
Randgebiete
mit jeweils mehreren Gangbezirken an
(BAUMANN ET AL. 2000). In den folgenden Ausführungen wird auf die Lagerstätten bzw. Mineralisationen einge-
gangen, die sich im untersuchten Einzugsgebiet der Freiberger Mulde befinden, also Teile des nördlichen und
südlichen Randbereiches sowie die „Felseriterzzone“ von Halsbrücke-Großschirma.
Freiberger Lagerstättenrevier
Das
Freiberger Lagerstättenrevier
wurde wesentlich von der „variszischen Tektogenese“ geformt. Es stellt
einen Teilbereich der „Saxothuringischen Zone“ innerhalb des variszischen Orogengürtels dar und kann tekto-
nisch in drei Gesteinsstockwerke unterteilt werden:
prävariszisches Grundgebirgsstockwerk mit präkambrischen und altpaläozoischen Gesteinsformationen (Biotit-
gneise, Glimmerschiefer),
variszisches „Orogen“-Stockwerk mit epimetamorphen jungpaläozoischen Gesteinen (Phyllite, Tonschiefer,
Kalke) sowie
postvariszisches Tafelstockwerk mit intensiver Bruchtektonik.
Entsprechend der tektonischen Entwicklung können folgende drei metallogene Entwicklungsepochen unterschie-
den werden:
prävariszisch (Proterizoikum-Ordovizium)
Fe, Cu, (Sn),
spätvariszisch (Oberkarbon-Perm)
Sn-W-Mo, Li; Fe, As, Zn-Sn-Cu, Pb, U, Sb-Ag und
postvariszisch (Zechstein-Quartär)
Fe-Mn, F-Ba, Pb-Zn-Cu, BiCoNiAsAg(U), (Ge, Hg).
Abb. 6-3 zeigt die Verbreitung der Mineralisationen im Einzugsgebiet. Dabei treten die prävariszischen Vererzun-
gen als geringmächtige Schmitzen und Schlieren auf, wohingegen während der spät- und postvariszischen Epo-
che die Hauptvererzungen fixiert wurden. Die Mineralisationsfolge des Freiberger Lagerstättendistrikts wird aus-
führlich in BAUMANN ET AL. (2000) beschrieben, zusammengefasst in Tab. 6-4.

image
34
Abb. 6-3: Mineralisation und Lagerstätten im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde und
Bobritzsch
(WASTERNACK ET AL. 1995)

35
Tab. 6-4: Übersicht über die für Freiberg relevante Mineralisationsabfolge
(BAUMANN ET AL. 2000)
Spätvariszischer Mineralisationszyklus (320 bis 280 Ma)
1
Zinn-Wolfram-Assoziationen (Sn-
W)
nur sporadisch und bevorzugt in den untersten Teufenbereichen
2
Quarz-Metall-Assoziationen („kb“
=
kiesig-blendigeBleierzformation)
vor allem im Zentralteil, bevorzugt in N-S-Richtung
3
Uran-Quarz-Karbonat-Assoziation
(„uqk“ = Uran-Quarz-Karbonat-
Formation)
nur selten
4
Karbonatische
Silber-Sulfid-
Assoziation („eb“ = Edle Brauns-
pat-Formation)
besonders im südlichen Freiberger Zentralbereich im Revier Brand-
Erbisdorf und umliegenden Randgebieten; bedeutendste „Silberformation“
im Freiberger Raum
5
Fluorit-Quarz-Assoziation („flq“ =
Fluorit-Quarz-Formation)
nur sporadisch verbreitet
Postvariszischer Mineralisationszyklus(ca. 210 – 140/80 – 30 Ma)
6
Eisen-Baryt-Assoziation („eba“ =
Eisen-Baryt-Formation)
relativ wenig verbreitet
7
Fluorbarytische
Bleierz-
Assoziation („fba“ = Fluorit-Baryt-
Formation)
bevorzugt auf WNW-ESE streichenden Gangspalten, besonders im Re-
vier Halsbrücke
8
Wismut-Kobalt-Nickel-Silber-
Assoziation („BiCoNi“ = BiCoNi-
Ag(U)- Formation)
besonders
auf
Gangkreuzen
zwischen
N-S-
und
WNW-ESE-
Spaltensystemen
9
Quarzige Fe-Mn-Assoziation („Fe-
Mn“)
zum Teil durch sekundäre Umlagerungen und Neubildungen in der „Oxi-
dationszone“ überprägt
1
0
Oxidations- und Zementationsbil-
dungen
Umbildung der primären Sulfide in Sulfate, Karbonate und Oxide; Anrei-
cherungsvorgänge in tiefer gelegener Zementationszone
Freiberger Randreviere
Der
Gangbezirk von Kleinvoigtsberg
im nördlichen Randgebiet der Freiberger Lagerstätte weist die gleichen
tektonischen Strukturen (Spaltensystem bestehend aus Scher- und Fiederspalten) wie das Freiberger Zentralre-
vier auf. In der Übergangszone der Oberen Graugneise zu den hangenden Glimmerschiefern besteht eine güns-
tigste Ausbildung der Gänge. Im liegenden Übergangsbereich aus Zweiglimmergneis und dichtem Gneis sind oft
erzimprägnierte Hornblendeschiefer und Amphibolite eingelagert. Die Kleinvoigtsberger Gänge besitzen eine
reichhaltige Vererzung. Die Mineralogie des Kleinvoigtsberger Gangbezirkes ähnelt dem Revier Brand-Erbisdorf.
Es überwiegen „kb-eb-Paragenesen“, wobei die kb-Formation „Kiese“ (Arsenopyrit, Pyrit, Markasit, Pyrrhotin),

36
Kassiterit und polymetallische Sulfide enthält und in oberen Lagen auch eq-Texturen (= Edle Quarzformation)
auftreten. Neben spätvariszischen Paragenesen treten auch Ausscheidungen des postvariszischen Mineralisati-
onszyklus auf. Mit der Tiefe ist eine Abnahme der eb-Paragenesen festzustellen, so dass in oberen Gangberei-
chen Ag-Minerale den Gangcharakter dominieren, mit zunehmender Tiefe jedoch vermehrt derbe kb-
Paragenesen vorkommen. Mit der Tiefe nehmen die Ag-Gehalte in den Erzgängen ab, wohingegen die Pb- und
Zn-Gehalte ansteigen. Die bekanntesten Grubenreviere im Kleinvoigtsberger Gangbezirk sind das Grubenfeld
„Alte Hoffnung Gottes“ in Kleinvoigtsberg, die „Gesegnete Bergmanns Hoffnung“ bei Obergruna sowie die Grube
„Christbescherung“ bei Großvoigtsberg, die jeweils ab der Mitte des 18. Jahrhunderts betrieben wurden (BAUMANN
ET AL. 2000).
Die Erzgänge im
Gangbezirk von Siebenlehn
im nördlichen Randgebiet wurden ausgehend vom Muldental
durch viele kleine Stollenbetriebe hauptsächlich im Gabbro-Serpentinit ab dem Ende des 12. Jahrhunderts abge-
baut. Die schwache Ausbildung der Gangspalten resultierte in wenig ausgedehnten Auffahrungen. Im Süden des
Gangbezirkes wiesen die Gänge jedoch eine günstigere tektonische und mineralfazielle Entwicklung auf; dort war
die kb-eb-Formation, zum Teil als „eq-Gefüge“ ausgebildet (BAUMANN ET AL. 2000).
Der
Gangbezirk von Lichtenberg
gehört zum südlichen Randgebiet des Freiberger Lagerstättendistrikts. Um
1330 breitete sich der Bergbau von Freiberg im Muldental weiter aufwärts bis in die Umgebung von Weigmanns-
dorf aus. Das bekannteste Grubenfeld des Gangbezirkes von Lichtenberg war „August-Vereinigtfeld“ bei Weig-
mannsdorf. Südlich von Weigmannsdorf ist zum Beispiel die Grube „König August“ zu Randeck bei Mulda zu
nennen, wo bis 1903 Baryt abgebaut wurde. Die Zn-Sn-Cu-Abfolge dieses Gangbezirkes ist wie im nördlichen
Randgebiet auf N-S- und W-E-Gängen relativ stark ausgebildet (BAUMANN ET AL. 2000).
Das Bergwerk von Frauenstein im
Gangbezirk von Frauenstein
im südlichen Randgebiet wurde 1339 erstmals
erwähnt. Die wichtigsten Gruben waren „Friedrich August“ und „Friedrich Christoph“ bei Reichenau. Auf Gängen
des Gangbezirkes Frauenstein waren neben Paragenesen des spätvariszischen Mineralisationszyklus, die vor-
wiegend als „eq-Gefügetyp“ ausgebildet waren, postvariszische Paragenesen anzutreffen, wobei letztere nur in
sehr geringem Umfang als eba-Formation bei Holzhau und „Edle Geschicke“ auf mehreren Gangkreuzen vertre-
ten waren. Bei Holzhau wurde in der Grube „Hilfe des Herrn“ im 18. und 19. Jahrhundert Eisenerz auf einem eba-
Gang abgebaut. (BAUMANN ET AL. 2000).
Die Erzgänge des
Gangbezirkes von Clausnitz-Sayda
im südlichen Randgebiet gehören vorwiegend dem „Cu-
Typ“ der kb-Formation an. Die Anzahl der Erzgänge ist gering, da „Rotgneise“ als Nebengestein ungünstige
Gangspaltenentwicklung bedingten. Ein wichtiges Grubenfeld des Gangbezirkes Clausnitz-Sayda war „König
Salomo“ und „St. Michaelis“ bei Clausnitz, wo vom 15. bis zum 17. Jahrhundert Erz abgebaut wurde. Nördlich von
Clausnitz zwischen Dorfchemnitz und Zethau treten im „Wolfsgrund“ Magnetit-Hämatit-Vererzungen in kristalli-
nem Kalkgestein auf. Diese stellen prävariszische Lager- und Skarnvererzungen dar, die vom 16. bis zum 19.
Jahrhundert abgebaut wurden. Die Eisenerze wurden unter anderem auch in Dorfchemnitz verhüttet und verar-
beitet (BAUMANN ET AL. 2000).
Die
„Felsiterzzone“ von Halsbrücke-Großschirma
liegt im Durchzugsbereich des NE-SW-verlaufenden Zent-
ralsächsischen Lineamentes. In der dazugehörigen Gesteinszone, die sich von Bräunsdorf über Halsbrücke bis
Obergruna erstreckt, kommen komplexe Vererzungen, wie etwa Pyrit, Markasit-Pyrrhotin, wenige Polymetall-
Sulfide, Kassiterit und Magnetit, vor. Die Vererzungen sind vorwiegend mit Amphiboliten und Chloritgesteinen
(„Schwarzschiefer“) sowie mit Porphyroiden (=„Felsit“) assoziiert und hauptsächlich an Mylonitisierungszonen
gebunden, die neben Störungen die Gesteine des Zentralsächsische Lineamentes in NE-SW-Richtung durchzie-

37
hen. In den 1960ern wurden im Grubenfeld „Kurprinz“ des Halsbrücker Reviers die vererzten Felsitzonen ange-
troffen und größere Erzvorräte mit Sn nachgewiesen. Die Felsitzonen lassen sich hinsichtlich ihrer Mineralführung
in mehrere Mineralparagenesen differenzieren. Die primäre Paragenese umfasst die Minerale Magnetit, Hämatit,
Thuringit, (Ilmenit, Maghemit); Kassiterit; Chlorit, Quarz, Fluorit, Karbonspäte, Pyrit, (Pyrrhotin-) Markasit, Chalko-
pyrit; gediegen Wismut, Bismuthin, (Arsenopyrit, Sphalerit, Galenit); Chlorit, Quarz, Karbonspäte, Granat und
Apatit. Die sekundäre Paragenese enthält Kassiterit, Hämatit, Pyrit-Markasit, Chalkopyrit, (Arsenopyrit, Sphalerit,
Galenit), Karbonspäte und Chlorit, bevorzugt auf Klüften (BAUMANN ET AL. 2000).
Die Lagerstätten und Mineralisationen im Einzugsgebiet der Freiberger Mulde konzentrieren sich im detailliert
untersuchten Einzugsgebiet im Wesentlichen auf den nordwestlichen Bereich. Sie erreichen ihre höchste Dichte
in den Teileinzugsgebieten FM29MÜ und FM12OB. Fluorit-Quarz-Assoziationen bzw. Quarz/Hornstein-
Assoziationen sowie Quarz-Sulfid-Assoziationen als hydrothermale Mineralisationen des Mittel- und Tieftempera-
turbereiches kommen in fast allen Teileinzugsgebieten vor. Als Teileinzugsgebiete ohne nennenswerte Vererzun-
gen sind FM1 bis FM4, FM16, FM18, FM19, BO1, BO2 und BO5 zu nennen.
Böden und Landnutzung
Die Böden im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde sind den Böden der Berg- und Hügelländer mit
hohem Anteil an Magmatiten und Metamorphiten zuzuordnen (Greif et al. 2004). Die Böden des Osterzgebirges
sind nach dem Ausgangsgestein gruppierbar. Auf den großflächig verbreiteten Paragneisen liegen sandiglehmige
Braunerden mit mäßigem Skelettgehalt und mittlerer Bodengüte vor. Diese Böden besitzen ein gutes Versicke-
rungsvermögen und sind wenig erosionsanfällig. Sie sind im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde
am häufigsten vertreten (Tab. 6-5, Abb. 6-4). Über Sandstein bildeten sich Braunerdepodsole und Podsole aus.
Auf kleineren Granit- und Schiefervorkommen entwickelten sich in höheren Lagen Braunerdepodsole bis Podsole
und auf Lößderivatinseln und flachen Quellmulden der Hochflächen entstanden Staugleye. In Auen kommen
geröllhaltige kiesig-sandige Auensedimente vor, die oft von jüngeren Auelehmen bedeckt sind. Bis in die Kamm-
lagen weisen die Böden des Osterzgebirges einen günstigeren Wasser- und Nährstoffhaushalt auf als die des
westlichen Erzgebirges. Eine Ausnahme stellen jedoch Porphyr- und Sandsteinareale dar (MANNSFELD & RICHTER
1995).
Tab. 6-5: Leitbodengesellschaften im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde einschließlich
Bobritzsch
Leitbodengesellschaft
Anteil [%]
Braunerde
78,7
Podsol-Braunerde
1,6
Braunerde-Podsol
11,5
Podsol und Braunerde-Podsol
1,1
Pseudogley aus Löss
7,1
Neben Braunerden und Braunerde-Podsolen ist besonders auf die im nördlichen Untersuchungsgebiet auftreten-
den Pseudogleye hinzuweisen, die bei Teileinzugsgebiet FM24 etwa 38 % der Fläche ausmachen. Braunerde-
Podsole aus Hanglehm sowie Podsole und Braunerde-Podsole aus Hangsand sind fast zu gleichen Teilen mit
Sand- und Tonsteinen sowie sauren Vulkaniten in den Teileinzugsgebieten BO8 und BO9 ausgebildet.

image
38
Abb. 6-4: Leitbodengesellschaften im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde
(auf Basis der
BÜK 400 des Freistaates Sachsen aus Kardel et al. 1996) (BEYERSDORF 2009)
Im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde dominieren die landwirtschaftlichen Nutzungsformen
Acker (39,9 %) und Grünland (34,2 %) (Tab. 6-6). Wälder sind nur zu etwa einem Fünftel vertreten und, mit Aus-
nahme des Tharandter Waldes nordöstlich von Freiberg und des Fürstenwaldes nordwestlich von Freiberg, kon-
zentrieren sich ausgedehnte Wald- und Grünlandvorkommen auf den oberen Oberlauf der Freiberger Mulde. Im
Osterzgebirge erreichen die Waldanteile der höheren Lagen etwa 80 %, wobei Fichtenforsten dominieren. Nahe-
zu der gesamte Kamm des Osterzgebirges weist Schäden durch SO
2
-Emissionen auf. Rauchgasschäden führten
zur Bodenversauerung, erhöhter Mobilität toxischer Schwermetalle bei gleichzeitigem Verlust pflanzenverfügbarer
Nährstoffe. Im Gegensatz zum verbleibenden Osterzgebirge sind der Industrialisierungsgrad und die Stadtdichte
von Freiberg und Brand-Erbisdorf von MANNSFELD & RICHTER (1995) als hoch beschrieben worden.
Tab. 6-6: Übersicht über die Nutzungsarten im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde
einschließlich Bobritzsch
Nutzung
Wasser
Wald
Grünland
Acker
Siedlung,
Verkehr
Tagebau,
Halden
Fläche [%]
0,5
20,9
39,9
34,2
4,3
0,2
Alle Teileinzugsgebiete mit einem Waldanteil größer als 80 % liegen in den höheren Lagen des Untersuchungs-
gebietes (FM18, FM1 bis FM3, FM16, FM23HO). Der Anteil des Nadelwaldes beläuft sich gerade bei diesen
Teileinzugsgebieten auf über die Hälfe der gesamten Waldfläche. Kleine Teileinzugsgebiete außerhalb von Ort-
schaften erreichen mitunter auch hohe Waldanteile, z.B. FM22, FM15. In mittleren bis hohen Höhenlagen sind
Teileinzugsgebiete mit hohen Anteilen an Grünland (FM5, FM6, FM9 bis FM12, FM19, BO1 bis BO3) vertreten. In

39
mittleren und tiefen Lagen erreicht die Nutzungsform Acker aufgrund morphologischer und klimatischer Vorteile
höhere Anteile als im oberen Bergland. Die Teileinzugsgebiete BO9, BO4, FM24 und FM23 werden zu mehr als
der Hälfte des Flächenanteils ackerbaulich genutzt. Das Teileinzugsgebiet des Münzbaches (FM29MÜ) ist mit
etwa 26 % besiedelte Fläche am stärksten versiegelt.
2.6.2
Ergebnisse der Detailuntersuchungen
Meteorologische und hydrologische Situation
Meteorologische Situation
Der Monat Oktober war zu kalt, deutlich zu trocken und die Sonnenscheindauer lag unter den Normalwerten. Eine
Kaltfront brachte ab 17.10.07 frische Polarluft mit vielen Schauern in die Region. Im Gebirge waren die Nieder-
schlagssummen am 18.10. mit 10 bis 15 mm am ergiebigsten. Auf dem Fichtelberg bildete sich eine Schneede-
cke von 22 cm, in Zinnwald von 5 cm. In der Nacht zum 22.10. wurden Tiefsttemperaturen von -2 bis -3 Grad im
Tiefland gemessen. In der Zeit vom 21. bis 24.10. wurden in Dresden Tageshöchsttemperaturen von nur 4 bis 6
Grad registriert. Ab 25.10. gelangte feuchte Luft aus Südosten nach Sachsen, die sich nur zögernd erwärmte. Es
kam zu leichtem Regen oder Sprühregen. Ab 28.10. sorgte Hochdruckeinfluss für ruhiges und meist nieder-
schlagsfreies Herbstwetter, welches am 29.10. nur kurzzeitig von einer Kaltfront unterbrochen wurde. Die
Schneedecke auf dem Fichtelberg schmolz bis zum Monatsende vollständig ab. Das Gebietsmittel des Nieder-
schlags wird für Sachsen mit 23 mm angegeben, das sind nur 48 % vom Mittel 1961 –1990. Die Monatsmittel-
temperaturen lagen an den meteorologischen Stationen um 0,9 bis 1,5 Grad unter dem klimatologischen Durch-
schnitt (LfUG 2007a).
Hydrologische Situation
Zu Monatsbeginn befand sich die Wasserführung an den sächsischen Pegeln im Allgemeinen bei 60 bis 170 %
des MQ (Oktober). Infolge der vorangegangenen Hochwassersituation lagen die Durchflüsse in den Flussgebie-
ten Weiße Elster und in den Mulden noch beim 2,5 bis 4,7fachen MQ(Oktober). Aufgrund der geringen Nieder-
schläge setzte eine rasch fallende Tendenz der Wasserführung ein. Zu Monatsende lagen die Durchflüsse an den
Pegeln der Weißen Elster und der Mulden noch beim 1,3 bis 1,5fachen MQ (Oktober). Die mittleren Monats-
durchflüsse lagen im Oktober an den Pegeln in den Einzugsgebieten der Weißen Elster und der Mulden zwischen
130 und 210 % der langjährigen Vergleichswerte (LfUG 2007a).
Die hydrologische Situation während der Durchführung einer einmaligen Probenahme sollte im mittleren Abfluss-
niveau (MQ +/- 25 %) liegen und höchstens MNQ bzw. MHQ erreichen. Für die Beprobung der oberen Freiberger
Mulde und der Bobritzsch wurden diese Vorgaben erreicht.

40
Tab. 6-7: Gewässerkundliche Hauptwerte des Durchflusses ausgewählter Pegel der Freiberger Mulde für
den Monat Oktober (LFUG 2005b) im Vergleich zur Situation während der Probenahme (Aktuell)
Pegel
EZG
[km
2
]
MNQ
[m
3
/s]
MQ
[m
3
/s]
MHQ
[m
3
/s]
Aktuell
[m
3
/s]
Berthelsdorf 2
244
1,12
2,16
5,36
k.A.
Nossen 1
585
2,16
4,09
12,1
3,4...4,6
Vor-Ort-Parameter
Abb. 6-5 verdeutlicht die Lage der Probenahmepunkte im Untersuchungsgebiet. Die Freiberger Mulde wurde
durch die Punkte FM23HO, FM19BE und FM12OB und ihre Zuflüsse durch FM1 bis FM24 charakterisiert. Im
Einzugsgebiet der Bobritzsch wurde die Bobritzsch an den Punkten BO1, BO3, BO11SL und ihre Zuflüsse an den
Punkten BO2 und BO4 bis BO9 untersucht.

image
41
Abb. 6-5: Lage der Probenahmepunkte im Einzugsgebiet des Oberlaufes der Freiberger Mulde und
Bobritzsch
Die Wassertemperaturen variierten an den Probenahmetagen zwischen 3,7 und 12,2 °C (Tab. 6-8). Die Schwan-
kungen sind auf die Messungen zu unterschiedlichen Tageszeiten, Höhenlage, Gewässergröße und Wetterlage
zurückzuführen. Dabei fällt die Mündung des Münzbaches mit 12,2 °C besonders auf. Der Münzbach ist in sei-
nem Unterlauf durch einen hohen Abwasseranteil aus der Stadt Freiberg mit ca. 40.000 Einwohnern mit ihrer
kommunalen Kläranlage geprägt. Das führt auch zu einer erhöhten elektrischen Leitfähigkeit von 726 μS/cm und
einem pH-Wert von 8,2. Dieser Probenahmepunkt wird im weiteren von der Hintergrunddiskussion ausgeschlos-
sen. Er stellt er jedoch mit seinen anthropogenen Potential und seiner bedeutenden Wassermenge eine wichtige

42
Einflussgröße auf die Wasserqualität der Freiberger Mulde dar. Die pH-Werte lagen im übrigen Untersuchungs-
gebiet zwischen 5,5 und 7,9. Die eigentlich aus Waldgebieten bekannten und erwarteten niedrigen pH-Werte von
pH<6 wurden im bewaldeten Oberlauf von der Landesgrenze bis Clausnitz aber auch im Einzugsgebiet der
Gimmlitz nicht angetroffen. Nur der Oberlauf des Münzbaches oberhalb des Erzenglerteiches wies mit 5,5 einen
sehr niedrigen pH-Wert auf (Abb. 6-6). Die Sauerstoffsättigung lag in den beprobten Oberflächengewässern bis
auf zwei Ausnahmen (Goldbach, Kleinwaltersdorfer Bach) aufgrund der geringen biologischen Aktivität zwischen
90 und 100 %. Die elektrische Leitfähigkeit als Maß für die Mineralisation der Wässer lag im oberlauftypischen
Bereich von 65 bis 271 μS/cm. Werte unter 100 μS/cm sind dabei nur in siedlungsfreien Bächen anzutreffen. Das
Redoxpotential lag in allen Gewässern zwischen 370 und 480 mV und zeigte somit die herrschenden oxidieren-
den Verhältnisse in den Fließgewässern an. Die Schwebstoffgehalte lagen in der Freiberger Mulde zwischen 2,9
und 3,9 mg/l, in ihren Zuflüssen zwischen 0,8 und 13,9 mg/l. Sie sind aufgrund der Normalwasserführung als
durchschnittlich einzuschätzen. Die Einzelwerte sind in Anlage 6-1 zusammengestellt.
Tab. 6-8: Vor-Ort-Parameter und Schwebstoffgehalte in der oberen Freiberger Mulde (FM) und der
Bobritzsch (BO)
W-Temp.
pH
O2-Gehalt
O2-Sättigung
el. Leitf.
Eh
Schweb
[°C]
[mg/l]
[%]
[μS/cm]
[mv]
[mg/l]
FM*
Min
3,7
5,5
8,9
72
65
372
0,84
Max
7,7
7,9
12,8
100
271
459
13,8
Mittel
6,0
7,0
11,5
96
124
423
2,36
Median
6,5
7,2
11,5
98
121
426
1,64
n
26
26
26
26
26
26
26
BO
Min
6,0
6,8
10,4
90
98
384
1,5
Max
8,9
7,6
11,9
100
288
480
6,1
Mittel
7,8
7,2
11,0
95
169
426
3,2
Median
7,8
7,2
10,8
93
165
425
2,7
n
10
10
10
10
10
10
10
*FM ohne FM29MÜ, FM12OB

43
Abb. 6-6: Schwankungsbreite der elektrischen Leitfähigkeit und des pH-Wertes in den Wässern der obe-
ren Freiberger Mulde (FM) und Bobritzsch (BO)
Elementgehalte in Wässern und Sedimenten
Die Elementgehalte in der Wasserphase im Oberlauf der Freiberger Mulde schwanken von der Landesgrenze bis
zur Mündung der Bobritzsch. Dabei ist zu bemerken, dass die Freiberger Mulde die Landesgrenze bereits mit
signifikanten Elementgehalten überschreitet, die im Verlauf bis Berthelsdorf allerdings wieder verdünnt werden.
Das betrifft die Elemente As, Ba, Mn, Ni und Zn. Der erste beprobte Zufluss (Rotes Wasser/ Steinbach) weist im
Vergleich zur Mulde im Oberlauf höhere Bi-, Mn-, Mo-, Sn-, U- und Zn-Konzentrationen auf. Im Allgemeinen sind
die Elementgehalte in den Muldezuflüssen niedrig. Höhere Al-, Co-, Ni- und Zn-Konzentrationen werden im Ober-
lauf des Münzbaches angetroffen, welcher bereits durch seinen relativ geringen pH-Wert von 5,5 auffiel. Der
Münzbach ist an seiner Mündung deutlich anthropogen geprägt. Neben As sind vor allem Cd, Cr, Cu und Zn in
höheren Konzentrationen anzutreffen. Hinsichtlich der Elementkonzentrationen ähnelt das Einzugsgebiet der
Bobritzsch dem der oberen Freiberger Mulde. Anzumerken ist jedoch, dass hier immer messbare As-Gehalte
detektierbar sind, wohingegen die Zn-Konzentrationen geringer sind. Bei der Bewertung gemäß WRRL wird Cd
als kritisches Element in beiden Einzugsgebieten gesehen, da die Gesamtkonzentrationen teilweise über der
Qualitätsnorm von 1 μg/l liegen.
Die Elementgehalte in den Aufschlusslösungen der Sedimente liegen mit Ausnahme einiger Analysen von Hg, Se
und W über der Bestimmungsgrenze der einzelnen Elemente. Die Schwankungsbreite der Elemente in den Se-
dimenten <20 μm ist jedoch sehr hoch und erreicht häufig eine Zehnerpotenz. Dabei sind sowohl die absoluten
Gehalte als auch die Spannweite der Gehalte im Einzugsgebiet der Oberen Freiberger Mulde höher als im Ein-
zugsgebiet des Bobritzsch.
Tab. 6-9 gibt einen Überblick über die Schwankungsbreite der Konzentrationen in der Wasserphase und in den
Sedimenten, die Einzelwerte sind in Anlage 6-1 enthalten.
0
100
200
300
400
500
600
700
800
FM1
FM2
FM3
FM4
FM5
FM6
FM7
FM8
FM9
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM17
FM18
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29M
FM22
FM23
FM24
FM23HO
FM19BE
FM12OB
BO1
BO2
BO3
BO4
BO5
BO6
BO7
BO8
BO9
BO11SL
Elektrische Leitfähigkeit [μS/cm]
2
3
4
5
6
7
8
9
10
pH-Wert
Elektrische Leitfähigkeit
Mündung Münzbach
pH-Wert

44
Tab. 6-9: Schwankungsbreite der Elementgehalte in filtrierten (f) und unfiltrierten (uf) Wässern und in
Sedimenten <20 μm (S) im Oberlauf der Freiberger Mulde (FM) und der Bobritzsch (BO)
[μg/l]
Ag_f
Al_f
As_f
B_f
Ba_f
Be_f
Bi_f
Cd_f
Co_f
FM*
Min
<0,5
11,6
<0,5
9,08
22,4
<5
<2,5
<0,5
6,64
Max
<0,5
498
9,0
49,5
138
<5
3,88
1,2
<0,5
Mittel
<0,5
63
2,1
20
55
<5
<2,5
<0,5
<0,5
Median
<0,5
35
1,7
19
46
<5
<2,5
<0,5
<0,5
P90
<0,5
110
3,9
29
86
<5
<2,5
<0,5
<0,5
n**
26
26
22
26
26
0
1
4
1
BO
Min
<0,5
26,8
1,72
17,8
39,5
<5
<2,5
<0,5
<0,5
Max
<0,5
109
8,0
44,6
106
<5
<2,5
0,972
<0,5
Mittel
<0,5
53
3,8
29
64
<5
<2,5
<0,5
<0,5
Median
<0,5
46
3,6
30
56
<5
<2,5
<0,5
<0,5
P90
<0,5
110
7,6
44
100
<5
<2,5
<0,5
<0,5
n
10
10
10
10
10
0
0
4
0
[μg/l]
Ag_uf
Al_uf
As_uf
B_uf
Ba_uf
Be_uf
Bi_uf
Cd_uf
Co_uf
FM*
Min
<0,5
40,8
1,06
12,6
25,2
<5
<2,5
<0,5
<0,5
Max
<0,5
619
9,06
53,8
150
<5
13,1
1,22
6,66
Mittel
<0,5
160
3,1
21
62
<5
<2,5
<0,5
<0,5
Median
<0,5
110
2,5
20
54
<5
<2,5
<0,5
<0,5
P90
<0,5
370
6,0
29
98
<5
<2,5
<0,5
<0,5
n**
0
26
26
26
26
0
1
7
2
BO
Min
<0,5
28,4
3,72
17,9
40,8
<5
<2,5
<0,5
<0,5
Max
<0,5
263
8,35
45
118
<5
<2,5
1,29
<0,5
Mittel
<0,5
153
5,1
30
69
<5
<2,5
<0,5
<0,5
Median
<0,5
136
4,8
30
62
<5
<2,5
<0,5
<0,5

45
P90
<0,5
260
8,1
45
120
<5
<2,5
<0,5
<0,5
n
0
10
10
10
10
0
0
10
0
[mg/kg]
Ag_S
Al_S
As_S
B_S
Ba_S
Be_S
Bi_S
Cd_S
Co_S
FM*
Min
0,304
nb
37,4
nb
140
1,61
0,625
1,05
9,9
Max
15,5
nb
404
nb
1200
27,4
6,88
20,6
52,9
Mittel
1,8
nb
96
nb
390
8,3
1,6
9,5
19
Median
0,85
nb
76
nb
379
6,2
1,2
9
16
P90
4,4
nb
160
nb
580
21
3,4
18
38
n**
26
nb
26
nb
26
26
26
26
26
BO
Min
0,426
nb
40,7
nb
184
1,77
0,672
3,34
12,5
Max
1,55
nb
249
nb
723
8,31
3,34
24,6
21,7
Mittel
0,82
nb
83
nb
401
4,7
1,4
13
17
Median
0,8
nb
69
nb
410
4,4
1,3
12
17
P90
1,5
nb
230
nb
700
8,3
3,2
24
22
n**
10
nb
10
nb
10
10
10
10
10
Tab. 6-9 (Fortsetzung)
[μg/l]
Cr_f
Cu_f
Fe_f
Hg_uf
Li_f
Mn_f
Mo_f
Ni_f
Pb_f
FM*
Min
<1
<1
nb
<0,5
2,37
1,46
<0,5
0,71
<0,5
Max
1,34
4,67
nb
<0,5
13,2
164
4,8
12,4
1,47
Mittel
<1
1,7
nb
<0,5
4,6
20
<0,5
2,1
<0,5
Median
<1
1,5
nb
<0,5
3,8
5,4
<0,5
1,3
<0,5
P90
<1
2,9
nb
<0,5
8,2
70
<0,5
4,9
<0,5
n**
1
22
nb
0
26
26
7
26
4
BO
Min
<1
1,94
nb
<0,5
1,65
5,86
<0,5
1,08
<0,5
Max
<1
4,41
nb
<0,5
10,8
34,1
0,5
4,3
<0,5

46
Mittel
<1
2,9
nb
<0,5
5,1
15
<0,5
2,4
<0,5
Median
<1
2,7
nb
<0,5
3,5
11
<0,5
2,3
<0,5
P90
<1
4,4
nb
<0,5
10,7
34
<0,5
4,2
<0,5
n
0
10
nb
0
10
10
1
10
0
[μg/l]
Cr_uf
Cu_uf
Fe_uf
Hg_uf
Li_uf
Mn_uf
Mo_uf
Ni_uf
Pb_uf
FM*
Min
<0,5
<1
nb
<0,5
2,4
1,98
<0,5
1,79
<0,5
Max
2,53
5,76
nb
<0,5
13,3
182
9,94
13,7
2,86
Mittel
<0,5
2,4
nb
<0,5
4,7
25
<0,5
3,7
[0,89]
Median
<0,5
2,3
nb
<0,5
3,9
8,9
<0,5
2,9
[0,68]
P90
<0,5
4,6
nb
<0,5
8,6
77
<0,5
6,4
[2,4]
n**
1
24+2
nb
0
26
26
11
26
20+6
BO
Min
<0,5
2,3
nb
<0,5
1,7
6
<0,5
2,16
<0,5
Max
<0,5
4,69
nb
<0,5
11
40,7
0,742
6,03
2,43
Mittel
<0,5
3,3
nb
<0,5
5,2
20
<0,5
3,8
1,1
Median
<0,5
3
nb
<0,5
3,6
15
<0,5
4
0,98
P90
<0,5
4,7
nb
<0,5
11
40
<0,5
5,9
2,4
n
10
10
nb
0
10
10
10
10
9+1
[mg/kg]
Cr_S
Cu_S
Fe_S
Hg_S
Li_S
Mn_S
Mo_S
Ni_S
Pb_S
FM*
Min
38
21,2
25900
<0,1
33,7
370
0,482
28,3
114
Max
91
314
88000
3,15
110
5200
8,59
101
1170
Mittel
55
74
40000
0,36
64
1600
1,6
46
289
Median
51
50
36000
0,15
59
1300
1,2
41
213
P90
85
150
58000
1,2
90
3500
2,6
71
640
n**
26
26
26
22+4
26
26
26
26
26
BO
Min
32,6
33,9
24300
<0,1
33,2
1010
0,681
24,4
179

47
Max
55,2
97,2
43200
1,83
66,7
1920
1,91
44,3
396
Mittel
45
52
34000
0,54
52
1500
1,2
34
252
Median
45
45
33000
0,2
53
1500
1,2
35
244
P90
55
94
43000
1,8
66
1900
1,9
44
390
n**
10
10
10
8+2
10
10
10
10
10
* Freiberger Mulde ohne FM29MÜ, FM12OB
** Anzahl der Werte über der Bestimmungsgrenze, + Berücksichtigung der Werte unter der Bestimmungsgrenze
mit der halben Bestimmungsgrenze bei der statistischen Berechnung
Tab. 6-9 (Fortsetzung)
[μg/l]
Sb_f
Se_f
Sn_f
Ti_f
Tl_f
U_f
V_f
W_f
Zn_f
FM*
Min
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
2,82
Max
<1
<5
<3
nb
<0,1
1,87
<1
<0,5
142
Mittel
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
16
Median
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
8,8
P90
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
32
n**
0
0
0
nb
0
1
0
0
26
BO
Min
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
7,37
Max
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
41,2
Mittel
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
23
Median
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
22
P90
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
40
n
0
0
0
nb
0
0
0
0
10
[μg/l]
Sb_uf
Se_uf
Sn_uf
Ti_uf
Tl_uf
U_uf
V_uf
W_uf
Zn_uf
FM*
Min
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
7,59
Max
<1
<5
5,3
nb
<0,1
8,73
1,17
<0,5
172
Mittel
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
26
Median
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
17

48
P90
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
49
n**
0
0
1
nb
0
2
1
0
26
BO
Min
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
12,3
Max
<1
<5
<3
nb
<0,1
0,557
1,17
<0,5
41,8
Mittel
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
25
Median
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
26
P90
<1
<5
<3
nb
<0,1
<0,5
<1
<0,5
41
n
0
0
0
nb
0
1
2
0
10
[mg/kg]
Sb_S
Se_S
Sn_S
Ti_S
Tl_S
U_S
V_S
W_S
Zn_S
FM*
Min
0,067
<2
0,519
323
0,424
2,41
46,1
<0,1
142
Max
1,15
5,89
5,57
1220
1,32
19,4
98,3
0,891
1900
Mittel
0,33
[2,6]
1,8
836
0,78
5,9
69
[0,25]
660
Median
0,23
[2,6]
1,6
860
0,78
5
67
[0,20]
500
P90
0,77
[4,0]
3,4
1200
1
9,3
91
[0,54 ]
1600
n**
26
21+5
26
26
26
26
26
18+8
26
BO
Min
0,148
<2
0,63
520
0,523
2,67
42,8
<0,1
401
Max
0,442
4,15
3,47
1130
0,973
8,11
67,8
0,321
832
Mittel
0,26
[2,3]
2,1
746
0,7
5,6
58
[0,14]
580
Median
0,24
[2,4]
2
620
0,71
5,9
57
[0,13]
550
P90
0,44
[4,0]
3,5
1100
1
8
67
[0,31]
830
n**
10
7+3
10
10
10
10
10
7+3
10
Die nachfolgenden Diagramme (Abb. 6-7 bis 6-12) verdeutlichen die regionale Schwankungsbreite der für das
Einzugsgebiet als charakteristisch angesehenen Elemente As, Pb, Cd, Zn, Cu und ihre Einschätzung gemäß
WRRL (zuzüglich Cr).

49
Abb. 6-7: Schwankungsbreite der Arsengehalte in den Wässern und Sedimenten der oberen Freiberger
Mulde (FM) und Bobritzsch (BO)
Abb. 6-8: Schwankungsbreite der Bleigehalte in den Wässern und Sedimenten der oberen Freiberger
Mulde (FM) und Bobritzsch (BO)
Abb. 6-9: Schwankungsbreite der Cadmiumgehalte in den Wässern und Sedimenten der oberen Freiber-
ger Mulde (FM) und Bobritzsch (BO)
0
5
10
15
20
25
FM1
FM2
FM3
FM4
FM5
FM6
FM7
FM8
FM9
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM17
FM18
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29M
FM22
FM23
FM24
FM23HO
FM19BE
FM12OB
BO1
BO2
BO3
BO4
BO5
BO6
BO7
BO8
BO9
BO11SL
As im Wasser [μg/l]
0
100
200
300
400
500
As im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
Mündung Münzbach
BG
1 μg/l
1370 mg/kg
QN 40
mg/kg
0
5
10
15
FM1
FM2
FM3
FM4
FM5
FM6
FM7
FM8
FM9
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM17
FM18
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29M
FM22
FM23
FM24
FM23HO
FM19BE
FM12OB
BO1
BO2
BO3
BO4
BO5
BO6
BO7
BO8
BO9
BO11SL
Pb im Wasser [μg/l]
0
500
1000
1500
Pb im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
Mündung Münzbach
BG
0,5 μg/l
5410 mg/kg
QN 7,2 μg/l
FM-Obergruna
Kleinw alters-
dorfer Bach
Goldbach
0
1
2
3
4
FM1
FM2
FM3
FM4
FM5
FM6
FM7
FM8
FM9
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM17
FM18
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29M
FM22
FM23
FM24
FM23HO
FM19BE
FM12OB
BO1
BO2
BO3
BO4
BO5
BO6
BO7
BO8
BO9
BO11SL
Cd im Wasser [μg/l]
0
20
40
60
80
Cd im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
BG
0,5 μg/l
QN alt: 1 μg/l
Mündung Münzbach
Obergruna

50
Abb. 6-10: Schwankungsbreite der Zinkgehalte in den Wässern und Sedimenten der oberen Freiberger
Mulde (FM) und Bobritzsch (BO)
Abb. 6-11: Schwankungsbreite der Kupfergehalte in den Wässern und Sedimenten der oberen Freiberger
Mulde (FM) und Bobritzsch (BO)
Abb. 6-12: Schwankungsbreite der Chromgehalte in den Wässern und Sedimenten der oberen Freiberger
Mulde (FM) und Bobritzsch (BO)
0
90
180
270
360
FM1
FM2
FM3
FM4
FM5
FM6
FM7
FM8
FM9
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM17
FM18
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29M
FM22
FM23
FM24
FM23HO
FM19BE
FM12OB
BO1
BO2
BO3
BO4
BO5
BO6
BO7
BO8
BO9
BO11SL
Zn im Wasser [μg/l]
0
900
1800
2700
3600
Zn im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
Mündung Münzbach
9590 mg/kg
QN 800
mg/kg
0
4
8
12
16
FM1
FM2
FM3
FM4
FM5
FM6
FM7
FM8
FM9
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM17
FM18
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29M
FM22
FM23
FM24
FM23HO
FM19BE
FM12OB
BO1
BO2
BO3
BO4
BO5
BO6
BO7
BO8
BO9
BO11SL
Cu im Wasser [μg/l]
0
100
200
300
400
Cu im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
Mündung Münzbach
BG
1 μg/l
562 mg/kg
QN 160
mg/kg
Clausnitz
0
2
4
6
8
10
FM1
FM2
FM3
FM4
FM5
FM6
FM7
FM8
FM9
FM10
FM11
FM12
FM13
FM14
FM16
FM17
FM18
FM19
FM20
FM15
FM21
FM29M
FM22
FM23
FM24
FM23HO
FM19BE
FM12OB
BO1
BO2
BO3
BO4
BO5
BO6
BO7
BO8
BO9
BO11SL
Cr im Wasser [μg/l]
0
30
60
90
120
150
Cr im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
Mündung Münzbach
BG
1 μg/l
QN 640 mg/kg

51
Regionale Differenzierung
In den Tabellen 6-10 und 6-11 sind die Probenahmepunkte den Wasserkörpern, charakterisiert durch die GKZ,
zugeordnet. Neben der geologischen Charakterisierung werden die in den Gebieten auftretenden Mineralisatio-
nen und bedeutenden Lagerstättenreviere benannt. In der Spalte Empfehlungen sind Vorschläge der mindestens
abzugrenzenden Einzugsgebiete (OWK-Gruppen) enthalten.
Tab. 6-10: Vorschläge für die regionale Differenzierung des Einzugsgebietes der oberen Freiberger Mulde
zur Ableitung von geogenen Hintergrundwerten
GKZ
Besonderheiten
Empfehlungen
542111
Freiberger Mulde
bunte Geologie und umfangreiche
Mineralisationen auf tschechischer
Seite, M104, M105, Lagerstätte Molda-
va-Vápenice (bis 1993 Abbau von
Fluorit, Baryt, historischer Bergbau auf
Ag-, Pb-, Cu-Sulfide)
1 FM23HO
, Input Freiberger Mulde an
der Landesgrenze, deutlich lagerstät-
tenbeeinflusst: Wässer: Ba, Sedimen-
te: Ag, As, Ba, Be, Cd, Co, Mn, Mo, Ni,
Tl, U, W, Zn
542114
Steinbach/Roter Fluß
Granit (ÄG), Rhyolithoide i.Gä
2
FM1, erhöhte Elementgehalte - Wäs-
ser: Bi, Mo, U, Sedimente: Bi, Be, Cd,
Mn, U, Rhyolithoide i.Gä.oide haben
erhöhte U-Gehalte
5421151
(tw.)
Bach am Brettellenweg
Paragneis, untergeordnet Rhyolithoide
i.Gä., Orthogneis, Phyllit
3
FM2, erhöhte Elementgehalte –
Sedimente: Ag, As, Be, Hg, Se, U,
Rhyolithoide i.Gä. haben erhöhte As,
U-Gehalte
5421152
Bach am Trostgrundweg
Paragneis, untergeordnet bas. Magma-
tite
3
FM3
5421153
(tw.) Grundbächel
Paragneis
3
FM4
542112, 542113
5421151
(tw.) FM
Paragneis, untergeordnet Rhyolithoide
i.Gä., Orthogneis, Phyllit, bas. Magma-
tite
3
Vorschlag: neuer Punkt als Summe
Oberlauf mit überwiegendem Anteil an
mineralisationsarmen Paragneisen
ergänzen, oh. Mdg. Clausnitzer Dorf-
bach, kann FM2, FM3 und FM4 erset-
zen
5421154
Clausnitzer Dorfbach
Paragneis, GM-Gneise, M109!, M105
4
FM5, deutliche Beeinflussung durch
Bergbaurevier Clausnitz (Cu-Abbau),
in Wässern: Cu, in Sedimenten: Ag,
Cd, Cu
4
FM6
542116
Nassauer Dorfbach
Paragneis, untergeordnet Rhyolithoide
i.Gä., geringe Mineralisationen M109
5
FM7, gering erhöhte Ba-Gehalte (Ba-
Mineralisationen im EZG)
542129
,
542123
Paragneis, Gm-Gneis, Orthogneis, bas.
6
FM8, stellt Summe aus FM9 und

52
Chemnitzbach
Magmatite, M105, A123
FM10 dar, keine auffälligen Gehalte,
kann FM9 und FM10 ersetzen
542121
Chemnitzbach
Orthogneis, GM-Gneis, Paragneis,
M105
6
FM9
542122
Voigtsdorfer Bach
Orthogneis, GM-Gneis, Paragneis,
M105, M104, M108
6
FM10
5421323, 5421321
Zethauer Bach
Paragneis, untergeordnet GM-Gneis,
Orthogneis, M103, M105
7
FM11, unterscheidet sich kaum von
FM12, alternativ zu FM11 und FM12
kann die Mündung des Zetahubaches
vor der FM bebrobt werden (neuer
Punkt)
5421324
Helbigsdorfer Bach
Paragneis, M109, M105, M104, M103
7
FM12 siehe FM11
5421349, 5421346,
54213459, 54213451,
54213441, 54213343,
54213411, 54213449,
54213419, 5421342
Weigmannsdorfer Bach
Paragneis-anat., Paragneis, M106,
(M105)
8
FM13 unauffällige Elementgehalte
5421499, 5421494,
5421493, 5421492,
54214919, 54214911,
5421459, 5421457
Gimmlitz
Paragneis, Paragneis-anat., M105,
M103, M109
9
FM14, Trennung der Gimmlitz in 2
Abschnitte wird vorgeschlagen, hier
Beprobung des Unterlaufs, erhöhte
Hg-Geh. im Sediment
5421455 bis 5421451,
542143
Gimmlitz
Paragneis, Paragneis-a, Rhyolithoide
i.Gä.oide, M109, (randlicher Einfluss
Lagerstätte Frauenstein-Reichenau)
10
FM20
geringer Einfluss des Lagerstättenre-
viers Frauenstein, eine Beprobung der
Gimmlitz oh. der Tsp. Lichtenberg
kann hier vorgenommen werden
(FM16-FM19 können entfallen)
542144
Kleine Gimmlitz
Paragneis, (Orthogneis, Phyllit)
10
FM19
542142
Krötenbach
Paragneis, Orthogneis, Phyllit, Rhyo-
lithoide i.Gä.
10
FM18
5421419
, Gimmlitz
5421414
bis
5421412
Paragneis, Rhyolithoide i.Gä.oide,
Phyllit
10
FM17
5421411
Gimmlitz
Paragneis, Rhyolithoide i.Gä.oide,
A124 (Pb-Zn)
10
FM16, geringer Einfluss der Pb-Zn-
Vererzung
542112
,
542113
5421151
(tw.)
5421153
(tw.),
5421159, 542117,
überwiegend Paragneis, unterordnet
Paragneis-anat., M105, M104, M103,
M109
11 FM19BE
, entspricht EZG oberhalb
Lagerstättenrevier Freiberg

53
542131, 542133, 542139,
5421511
542169, 542164
(tw.),
542163, 5421619,
5421613, 5421611
(tw.)
Münzbach
Paragneis-anat., sehr hohe Dichte an
Mineralisationen, M109, M104, M106,
M103, M105,
Lagerstättenreviere Freiberg-
Zentralteil, Brand
12
FM29MÜ, Münzbach, an Mündung
stark anthropogen beeinflusst, dieser
Punkt ist nicht zur Charakterisierung
des Backgrounds geeignet, im EZG ist
es generell problematisch, rein geoge-
ne Standorte zu finden
542164
(tw.) Goldbach
An Gebietsgrenze
12
FM21, Input Goldbach, Sedimente
durch Inhalt der Freiberger Lagerstätte
gekennzeichnet (Ag, Cd, Cu, Pb, Zn),
5421611
(tw.) Münzbach
An Gebietsgrenze
12
FM15, Input Münzbach, starke
Versauerung bedingt gute Löslichkeit
vieler Elem. (Al, Mn, Zn), Probenah-
mepunkt sollte flussabwärts verscho-
ben werden (ca. bis Berthelsdorf)
542192
Paragneis-anat., Paragneis, Löss/-
lehm, M104, M109, M105, A125, La-
gerstättenreviere Halsbrücke (Ag-Pb-
Zn), Felsithorizont Großschirma
13
FM22 Input an EZG-Grenze, durch
Freiberger Lagerstätte gekennzeichnet
(Cd, Zn im Wasser, As, Cd, Pb, Zn im
Sediment),
FM23 ebenfalls durch Freiberger La-
gerstätte gekennzeichnet,
Zufluss oh. Zechenteich konnte wg.
Bauarbeiten an B173 nicht beprobt
werden
542199
(tw.)
Paragneis, Glimmerschiefer, M109,
M103, M106, M104, Lagerstättenrevie-
re Halsbrücke, Felsithorizont Groß-
schirma, Klein-/Großvoigtsberg
14
FM24
5421519, 542153, 542159,
542191, 542199
(tw.)
überwiegend Paragneis-anat., sehr
hohe Dichte an Mineralisationen,
M109, M104, M106, M103, M105,
Lagerstättenreviere Freiberg-Ostteil
(Ag-Pb-Zn), Zentralteil (Ag-Pb-Zn),
Halsbrücke (Ag-Pb-Zn)
15 FM12OB
, Output des Gebietes,
EZG mit Einfluss der Lagerstättenre-
viere Freiberg/Halsbrücke
M – Mineralisationstyp, A – Assoziationstyp (beides gemäß Abb. 6-3)

54
Tab. 6-11: Vorschläge für die regionale Differenzierung des Einzugsgebietes der Bobritzsch zur Ableitung
von geogenen Hintergrundwerten
GKZ
Besonderheiten
Empfehlungen
542211
(tw.) Bobritzsch
Paragneis
1 BO1
, oh. Lag. Frauenstein-
Reichenau, aufgrund der hohen Ele-
mentgehalte als Inputpunkt nicht ge-
eignet
542211
(tw.) Kuttelbach
Paragneis, liegt randlich in Lag. Frau-
enstein-Reichenau (Ag)
2
BO2, Geringer Lagestätteneinfluss,
jedoch höchster Ag-Gehalt im Sedi-
ment, Punkt kann entfallen
542213
(tw.),
542212
,
542211
(tw) Bobritzsch
Paragneis, z.T.anatektisch, (Parag-
neis, Orthogneis), M109, M105, M104,
Lag. Frauenstein-Reichenau (Ag)
2 BO3
, Charakterisiert BO uh. Lager-
stätte Frauenstein-Reichenau
542213
(tw.)
Bobritzschzuflüsse:
Friedersdorfer Bach
Hölzbach
Paragneis, z.T.anatektisch
3a
BO4, Friedersdorfer Bach
3b
BO5, Hölzbach
Gehalte BO4 und BO5 liegen in der
gleichen Größenordnung
542214
Burkersdorfer Bach
Paragneis, z.T.anatektisch, Paragneis,
M105,
4
, sollte ergänzt werden*
54222
Sohrbach
Granit (ÄG), Paragneis,
z.T.anatektisch, M105, (M109)
5
BO6
54224
Colmnitzbach
Granit (ÄG), Paragneis, saure Vulkani-
te, Paragneis, z.T.anatektisch, (M105,
M109)
6
BO7
54226
Rodelandbach
Paragneis, z.T.anatektisch, Kreide,
saure Vulkanite, (Löss/-lehm), (M109)
7
BO8
54228
Dittmannsdorfer Bach
Löss/-lehm, (Kreide, Paragneis), M109
8
BO9
54229, 54227, 542259,
5452251, 54223, 542219,
542214, 542213
(tw.)
Bobritzsch
Paragneis, z.T.anatektisch, Paragneis,
(Rhyolithoide i.Gä.oide in Gängen,
Granit (ÄG), Phyllit, Löss/-lehm),
M109, M103, M105, M104, (Lag. Frei-
berg-Ostteil (Ag-Pb-Zn))
9 BO11SL
, charakterisiert BO von
Lagerstätte Frauenstein-Reichenau bis
Mündung
M – Mineralisationstyp, A – Assoziationstyp (beides gemäß Abb. 6-3)
* Der Burkhardtsdorfer Bach wurde aufgrund möglicher anthropogener Einflüsse (vorwiegend aus der Landwirt-
schaft, untergeordnet Siedlung) nicht beprobt. Er ist jedoch als eigener Gewässerkörper ausgewiesen. Dafür
wurden die beiden oberhalb liegenden Bäche Hölzbach (BO5) und Friedersdorfer Bach (BO4) beprobt, wobei der
Hölzbach die geringeren Elementgehalte in den Sedimenten aufweist. Die Ergebnisse der Punkte BO4, BO5
könnten gemittelt werden. Um den Anforderungen der Ausweisung der Wasserkörper gerecht zu werden, sollte
der Punkt BO3 an die Bobritzsch oberhalb der Mündung des Burkhardtsdorfer Baches verschoben werden sowie
auch der Burkhardtsdorfer Bach beprobt werden. Die Punkte BO2, BO4 und BO5 können entfallen.

55
Nach Auswertung der Analysenergebnisse mit Blick auf mögliche anthropogene Belastungen im Sinne des inten-
siven Bergbaus und seiner Hinterlassenschaften sowie auf stark siedlungsbedingte Einflüsse müssen die Punkte
FM12OB und FM29MÜ von der Betrachtung im Sinne des geogenen Backgrounds ausgeschlossen werden. Der
Eintritt der Freiberger Mulde auf sächsisches Gebiet ist mit deutlich erhöhten lagerstättenbedingten Elementge-
halten verbunden. Die weiteren Einflüsse durch die zufließenden Bäche sind teils lithogener oder lithogen-
chalkogener Natur (z.B. FM2) bzw. geringeren Einflüssen aus dem Altbergbau (z.B. FM5 Clausnitz) geschuldet.
Mineralisationsbedingte erhöhte Elementkonzentrationen im Oberlauf der Bobritzsch werden wie die der Freiber-
ger Mulde im weiteren Verlauf verdünnt.
2.7 Referenzgebiet Obere Zwickauer Mulde
2.7.1
Gebietsbeschreibung
Hydrographie
Das Relief des Erzgebirges ist geprägt durch Täler, Hochflächen und Einzelberge. Die meisten Täler verlaufen in
der Richtung der Nordabdachung des Gebirges, nur einige bereits ältere Haupttalabschnitte, so auch das der
Zwickauer Mulde, verlaufen quer oder strumpfwinklig dazu. Die Quelle der Roten Mulde liegt ca. 2 km östlich der
Gemeinde Schöneck im Vogtland in einer Höhe von 770 m üNN, die Quelle der Weißen Mulde liegt ca. 5 km
südöstlich davon, nahe der Ortschaft Kottenheide. Die Rote und die Weiße Mulde vereinigen sich nach wenigen
Kilometern in der Talsperre Muldenberg, die auch noch den Saubach aufnimmt. Das Untersuchungsgebiet reicht
bis zum Zufluss des Schwarzwassers, dessen Mündung in Aue auf einer Höhe von 345 m üNN liegt.

image
56
Abb. 7-1: Übersichtskarte des Untersuchungsgebietes der oberen Zwickauer Mulde
Im Oberlauf der Zwickauer Mulde befinden sich weiterhin die Talsperren Eibenstock, Sosa und Carlsfeld. Die
wichtigsten Zuflüsse im Untersuchungsgebiet sind Kleine Pyra, Große Pyra (54112), Wilzsch (54114) und Große
Bockau (54116) rechtsseitig sowie der Zschorlaubach (54118) linksseitig (Tab. 7-1)
.
Das 316 km² umfassende
Untersuchungsgebiet ist in Abb. 7-1 dargestellt.
Tab. 7-1: Flächenanteile der Teileinzugsgebiete der oberen Zwickauer Mulde gemäß GKZ_5
GKZ_5
54111
54112
54113
54114
54115
54116
54117
54118
54119
Anteil [%)
19,2
8,3
3,8
7,8
24,9
12,4
16,1
7,0
0,4

57
Geologie
Im Probenahmegebiet der oberen Zwickauer Mulde treten nur vier petrographische Einheiten auf, wobei Granite
des jüngeren Intrusivkomplexes und Phyllite den deutlich größten Flächenanteil haben. Basische Vulkanite kom-
men nur in sehr geringen Anteilen im Einzugsgebiet des Probenahmepunktes ZM 40 vor, Granite des älteren
Intrusivkomplexes oberhalb der Mündung des Schwarzwassers. Durch die Homogenität der betrachteten Ein-
zugsgebiete und die teilweise sehr ähnlichen Hintergrundwerte für die anstehenden Gesteine zeigen sehr viele
Einzugsgebiete Werte für die Elementgehalte, welche sich nur geringfügig voneinander unterscheiden. Nur für die
Einzugsgebiete ZM5 bis ZM8, ZM12, ZM18, ZM26, ZM30, ZM36 bis ZM38 und ZM40 sind gewichtete Mittelwerte
zu berechnen. Für die Gebiete ZM1 bis ZM4 und ZM9 gelten die mittleren Gehalte des Phyllits, der dort 100 %
der Fläche einnimmt, als Hintergrundwert. In allen übrigen Gebieten liegt durchgängig der jüngere Granit im Un-
tergrund vor (Tab. 7-2 und Abb. 7-2).
Tab. 7-2: Verbreitung der Hauptgesteinsarten im Untersuchungsgebiet Obere Zwickauer Mulde
Petrographische Einheit
Anteil [%]
Granit, Jüngerer Intrusivkomplex
75,6
Granit, Älterer Intrusivkomplex
0,8
Phyllit
23,0
Basische Vulkanite
0,5

image
58
Abb. 7-2.: Geologische Übersichtskarte des Untersuchungsgebietes der oberen Zwickauer Mulde
(auf
Basis der GÜK des Freistaates Sachsen nach KARDEL ET AL. 1996)
Aufgrund der Dominanz des Eibenstocker Granits und seiner geochemischen Spezialisierung ergeben sich im
Untersuchungsgebiet erhebliche Abweichungen in den mittleren Elementgehalten der Gesteine im Vergleich zu
Gesamt-Sachsen (Tab. 7-3). Es ist eine Verarmung der Elemente Co, Cr, Cu, Ni und eine erhebliche Anreiche-
rung des Elements Sn festzustellen.
Tab. 7-3: Mittlere Elementgehalte (P50) in Gesteinen des Untersuchungsgebietes Obere Zwickauer Mulde
(ZM) im Vergleich zu Sachsen,
Werte aus KARDEL et al. 1996, Totalgehalte, Angaben in mg/kg
As
B
Ba
Co
Cr
Cu
Ni
Pb
Sn
U
Zn
ZM
17
37
200
4,5
19
8,1
11
20
37
8,7
76
Sachsen
13
37
420
12
57
24
20
20
4,4
k.A.
60
7.1.3. Lagerstätten und Mineralisationen

image
image
59
Im Verlauf der geologischen Entwicklung des Gebietes entstanden hydrothermale Lagerstätten und Mineralisatio-
nen sowohl des Hoch-, Mittel- und Tieftemperaturbereiches. Im Bereich des Westerzgebirges/Vogtlandes werden
im Untersuchungsgebiet entsprechend der historischen Entwicklung des sächsischen Erzbergbaus 6 Lagerstät-
tenreviere unterschieden (HÖSEL ET AL. 1997) (Tab.7-4, Abb. 7-3).
Abb. 7-3: Übersichtskarte der Mineralisationen und Lagerstätten im Untersuchungsgebiet der oberen
Zwickauer Mulde (WASTERNACK ET AL. 1995)
Tab. 7-4: Bedeutende Lagerstättenreviere im Einzugsgebiet der Oberen Zwickauer Mulde
(HÖSEL ET AL.
1997)
Revier
Haupt- und Nebenkomponenten der Rohstoffgewinnung
Brunndöbra
Baryt
(Schneckenstein)
U
Mühlleiten
Sn, (W, Cu)
Auersberg
Sn, Turmalin
Gottesberg
Sn, (W, Cu)

60
Zschorlau
W
Schneeberg
Ag-Co-Ni-(Bi-U)
Im Bereich des Eibenstocker Granitmassivs finden sich flächendeckend Mineralisationen der Kassiterit- (z.T.
Kassiterit-Wolframit-) Quarz-Assoziation [qksw] (Sn, W, As, Mo) und eine weite Verbreitung von Zinnstein in Sei-
fen (z.B. Sauschwemme südlich des Auersberges). Weiterhin ist das Untersuchungsgebiet von langen Eisenerz-
gängen durchzogen, die der Quarz-Hämatit-Assoziation [qhm] (Fe, Fluorit) zugeordnet werden.
Böden und Landnutzung
Das Lockermaterial, die Gesteinsverwitterungsdecken, wurde überwiegend in der Weichselkaltzeit gebildet. Seine
Eigenschaften zeigen eine deutliche Abhängigkeit vom anstehenden Gestein und den geomorphologischen Be-
dingungen der Verwitterung, Umlagerung und Sedimentation. Im Einzugsgebiet der oberen Zwickauer Mulde
überwiegen Braunerde-Podsole aus Hanglehm über basenarmem magmatischen Festgestein (Jüngerer Granit)
(78,8 %) gegenüber Podsol-Braunerden aus Hanglehm über basenarmem metamorphen Festgestein (Phyllit)
(21,2 %). Ein großer Teil der Teileinzugsgebiete wird jeweils nur durch eine der beiden Leitbodengesellschaften
bestimmt, in 13 Einzugsgebieten liegen beide vor (Abb. 7-4).
Die entstandenen Verwitterungsdecken sind auf Graniten blockhaltig und grusig-sandig, auf Glimmerschiefern
sehr skelettreich und lehmsandig, auf Tonschiefern mit mäßigem Skelettgehalt schluffig. Dabei werden der Bo-
denwasserhaushalt und das Nährstoffangebot von sehr unterschiedlichen Stein- und Feinerdegehalten und der
vertikalen Gliederung bestimmt. Weiterhin können in Senken und sanften Unterhängen lehmige Kolluvialbildun-
gen und in den Auen geröllhaltige kiesigsandige Auensedimente, die häufig von jüngeren Auensedimenten über-
lagert sind, auftreten. Aber auch die durch den Bergbau bedingten Strukturen wie Halden und Bingen haben
Einfluss auf die Bodendecke (MANNSFELD ET AL., 1995).

image
61
Abb. 7-4: Übersichtskarte über die Böden im Untersuchungsgebiet der oberen Zwickauer Mulde
(auf Basis
der BÜK 400 des Freistaates Sachsen aus Kardel et al. 1996)
In Abhängigkeit von Bodentyp und Relief entwickelten sich unterschiedliche Nutzungsformen. Es überwiegen in
den höheren Lagen und an steilen Reliefformen zusammenhängende Waldflächen mit kleinen Grünlandflächen.
Der Waldanteil im Untersuchungsgebiet nimmt ca. ¾ der Fläche ein. Mit abnehmender Höhe über NN und zu-
nehmend flacherem Relief steigt der Anteil an Ackerflächen und größeren Grünlandflächen. Der Anteil an Sied-
lungs- und Verkehrsflächen ist im Untersuchungsgebiet vergleichsweise gering (Tab. 7-5). Nennenswert sind die
Orte Schönheide, Eibenstock, Bockau und Aue.
Tab. 7-5: Landnutzung im Einzugsgebiet der oberen Zwickauer Mulde
Nutzung
Wasser
Wald
Grünland
Acker
Siedlung,
Verkehr
Tagebau,
Halden
Fläche [%]
1,8
73,4
11,7
9,4
3,7
0,1

62
Bei der Berechnung der flächenbezogenen theoretischen Elementgehalte in den Ober- und Unterböden für das
Untersuchungsgebiet ergeben sich gegenüber Gesamt-Sachsen Anreicherungen nahezu aller Elemente mit Aus-
nahme von Ni, Cr, Cu und V (Tab. 7-6).
Tab. 7-6: Mittlere Elementgehalte (P50) in Böden des Untersuchungsgebietes der oberen Zwickauer Mulde
(ZM) im Vergleich zu Sachsen
(RANK ET AL. 1999), Totalgehalte, Angaben in mg/kg
As
B
Be
Bi
Cd
Cr
Cu
Hg
ZM
Oberboden*
22
45
2,0
0,76
0,46
27
12
0,08
ZM
Unterboden
17
46
2,7
0,52
0,47
34
12
0,07
Sachsen
Oberboden
14
37
1,4
0,23
0,37
34
12
0,09
Sachsen
Unterboden
9,0
42
1,6
0,14
0,32
39
13
0,05
Mo
Ni
Pb
Tl
U
V
W
Zn
ZM
Oberboden*
0,56
8,8
83
1,1
2,8
45
3,6
61
ZM
Unterboden
0,51
12
51
1,3
2,8
49
4,2
73
Sachsen
Oberboden
0,52
12
59
0,44
2,0
46
1,5
56
Sachsen
Unterboden
0,41
16
37
0,54
2,0
52
1,2
49
*gewichtet über die Flächenanteile der Nutzungsarten
2.7.2
Ergebnisse der Detailuntersuchungen
Meteorologische und hydrologische Situation
Meteorologische Situation
Der November war zu kalt, deutlich zu nass und die Sonnenscheindauer lag weit unter den Normalwerten. Zu
Monatsbeginn sorgte Hochdruckeinfluss für ruhiges Herbstwetter. Die täglichen Niederschlagsmengen waren
unbedeutend. Am 03.11. lenkte ein Tief über Skandinavien wolkenreiche Meeresluft nach Sachsen. Es kam ver-
breitet zu leichtem Regen mit Tagessummen zwischen 2 und 5 mm. In den Kammlagen des Erzgebirges fielen
bis 15 mm Niederschlag. In der Nacht zum 06.11. zog erneut ein Tiefausläufer mit einem Regengebiet über die
Region. Dabei wurden 1 bis 6 mm Niederschlag gemessen. Auf dem Fichtelberg bildete sich eine Schneedecke
von 4 cm, in Zinnwald von 3 cm. Mit einer nordwestlichen Strömung überquerten ab dem 07.11. immer wieder
Tiefausläufer Sachsen und gestalteten das Wettergeschehen mit Regen, Schnee oder Schneeregen unbeständig
und niederschlagsreich. Bis zum 15.11. wurden Tagessummen zwischen 5 und 20 mm, zum Teil auch darüber,
gemessen, die in den Kammlagen als Schnee fielen. Die Schneedecke auf dem Fichtelberg wuchs auf 95 cm, in
Zinnwald auf 67 cm. In Chemnitz bildete sich eine Schneedecke von 14 cm aus. Nach dem 15.11. beruhigte sich
unter schwachem Hochdruckeinfluss das Wetter. Aufgetretene Niederschläge waren von geringer Bedeutung. Ab
dem 23.11. sorgten Tiefausläufer erneut für leicht unbeständiges und kaltes Wetter, wobei die 24-stündigen Nie-
derschlagssummen meist unter 4 mm lagen. Tagestemperaturen zwischen 1 und 4 Grad führten bis zum 24.11.
auch in höheren Lagen zu einem leichten Abtauen der Schneedecke. Anschließend kam es bei Temperaturen um
den Gefrierpunkt am 25.11. und 26.11. in Südwestsachsen und im Mittelgebirgsraum zu verbreiteten Nieder-
schlägen. Diese lagen jedoch im Allgemeinen unter 10 mm und gingen bis in tiefere Lagen in Schnee über. Am

63
27.11. führte leichter Hochdruckeinfluss kurzzeitig zu einer Wetterberuhigung. Mit seiner Abschwächung gelang-
ten ab dem 29.11. von Nordwesten Tiefausläufer nach Sachsen, wobei die täglichen Niederschlagsmengen meist
unterhalb 5 mm lagen. Die Schneedecke auf dem Fichtelberg betrug zum Monatsende 68 cm, in Zinnwald 60 cm,
in Chemnitz 1 cm. Die Niederschlagsmengen im November lagen in Sachsen an den meisten meteorologischen
Stationen mit 180 bis 240 % deutlich über den Normalwerten. Das Gebietsmittel des Niederschlags im November
wird für Sachsen mit 92 mm angegeben, das sind 173 % vom Mittel 1961 – 1990. Die Monatsmitteltemperaturen
lagen an den meteorologischen Stationen um 0,4 bis 1,6 Grad unter dem klimatologischen Durchschnitt (LfUG
2007b).
Hydrologische Situation
Zu Monatsbeginn befand sich die Wasserführung an den Pegeln der sächsischen Fließgewässer im Allgemeinen
bei 40 bis 100 % des MQ (November), in den Flussgebieten der Weißen Elster und der Mulden bei 130 bis 150 %
des MQ (November). Infolge der ergiebigen Niederschläge in der Zeit vom 06.11. bis zum 15.11. kam es zu ei-
nem Anstieg der Wasserführung in allen sächsischen Fließgewässern. In den Flussgebieten der Mulden kam es
am 11.11. an den Pegeln Wolkenburg/ Zwickauer Mulde und Jahnsdorf 1/ Würschnitz, am 12.11. an den Pegeln
Erlln/Freiberger Mulde und Golzern 1/ Vereinigte Mulde und am 13.11. am Pegel Bad Düben 1/ Vereinigte Mulde
zum Überschreiten der Richtwasserstände der Alarmstufe 1. Ab dem 14.11. befanden sich die Wasserstände an
allen Hochwassermeldepegeln im Flussgebiet unter den Richtwerten der Alarmstufe 1. Aufgrund der geringen
Niederschläge, die zum Teil als Schnee fielen, stellte sich nach dem 15.11. eine gleichbleibende bis fallende
Tendenz der Wasserführung ein, die sich bis zum Monatsende fortsetzte. Am letzten Monatstag lagen die Durch-
flüsse im Allgemeinen zwischen 50 und 160 % des MQ (November), in den Flussgebieten der Mulden noch deut-
lich über 200 % des MQ (November). Die mittleren Monatsdurchflüsse lagen im November an den Pegeln der
sächsischen Fließgewässer zwischen 65 und 210 %, in den Einzugsgebieten der Mulden zwischen 255 und
330 % der langjährigen Vergleichswerte (LfUG 2007b). Da es keine Pegel zum aktuellen Vergleich von Durch-
flussmengen im oberen Einzugsgebiet der Zwickauer Mulde gab, wurde besonders der Pegel Johanngeorgen-
stadt 2/ Breitenbach zur Charakterisierung der Abflüsse in höheren Lagen herangezogen. Dort lag die Durch-
flussmenge gering über MQ (November). An den anderen Pegeln lagen die Abflüsse während der Beprobung
deutlich über den MQ-Werten, erreichten jedoch die MHQ-Werte noch nicht (Tab. 7-7).
Tab. 7-7: Gewässerkundliche Hauptwerte des Durchflusses ausgewählter Pegel der Zwickauer Mulde (ZM)
und des Schwarzwassers (SW) für den Monat November (LFUG 2007b) im Vergleich zur Situation während
der Probenahme (Aktuell)
Pegel
EZG
[km
2
]
MNQ
[m
3
/s]
MQ
[m
3
/s]
MHQ
[m
3
/s]
Aktuell
[m
3
/s]
Rautenkranz / ZM
k.A
k.A
k.A
k.A
2,8...5,2
Neidhardtsthal / ZM
k.A
k.A
k.A
k.A
2,4...6,0
Schönheide 3 / ZM
152
0,951
2,50
9,63
k.A.
Aue 3 / ZM
681
4,42
9,29
23,9
15,8...19,8
Joh. 2 / Breitenbach
26,7
0,301
0,691
2,31
0,6...1,2
Aue 1 / SW
362
2,81
4,97
15,0
10,6...12,1

image
64
Vor-Ort-Parameter
Die Lage der Probenahmepunkte im Untersuchungsgebiet der oberen Zwickauer Mulde ist in Abb. 7-5 dargestellt.
Die Zwickauer Mulde wurde an den Punkten ZM1TA, ZM2SH und ZM5AU beprobt, die Zuflüsse sind mit ZM1 bis
ZM19, ZM19a, ZM21 bis ZM31, ZM31a, ZM32 bis ZM40 gekennzeichnet. Die Proben wurden im Zeitraum vom
08.11. bis 29.11.2007 entnommen.
Abb. 7-5: Lage der Probenahmepunkte im Untersuchungsgebiet Oberlauf Zwickauer Mulde
Die pH-Werte schwankten zwischen 3,9 (ZM 4) und 6,3 (ZM 36). Die Wassertemperaturen von 0,7 bis 5,9 °C
zeigten eine deutliche Abhängigkeit von den Lufttemperaturen und damit vom Probenahmetag. Die Sauerstoff-
gehalte schwankten mit einer Ausnahme (ZM21) zwischen 11,7 und 13,5 mg/l, die Sauerstoffsättigung lag außer
in der Probe ZM 21 (57 %) bei über 90 %. Die elektrische Leitfähigkeit in den Oberflächenwässern des Untersu-
chungsgebietes bewegte sich zwischen 37 und 250 μS/cm, wobei generell von einem niedrigen Niveau um
50 μS/cm auszugehen ist, welches typisch für gering mineralisierte Wässer grundgebirgsgeprägter siedlungsar-
mer Oberläufe ist. Werte deutlich über 100 μS/cm verzeichnen Bodabach, Schönheider Bach, Weißbach, Kalte
Lohe, Marksbach, Spitzleithebach, Sosabach, Dorfbach Bockau und Zschorlaubach. Die Wässer der Zwickauer

65
Mulde sind generell höher mineralisiert als ihre Zuflüsse. Das Redoxpotential liegt mit 440 bis 640 mV im oxidie-
renden Bereich (Tab. 7-8, Abb. 7-6).
Tab. 7-8: Vor-Ort-Parameter und Schwebstoffgehalte in der oberen Zwickauer Mulde (ZM)
W-Temp.
pH
O2-Gehalt
O2-Sätt.
el. Leitf.
Eh
Schweb
[°C]
[mg/l]
]%]
[μS/cm]
[mV]
[mg/l]
ZM
Min
0,7
3,9
7,1
57
37,0
441
<0,1
Max
5,7
6,7
13,5
100
248,0
637
9,7
Mittel
3,2
5,3
12,3
98
79,3
557
2,9
Median
3,0
5,4
12,4
100
59,0
564
2,3
n
41
41
41
41
41
41
40
ZM ohne ZM1TA, ZM2SH, ZM5AU
Abb. 7-6: Schwankungsbreite der elektrischen Leitfähigkeit und des pH-Wertes in den Wässern der obe-
ren Zwickauer Mulde (ZM)
Elementgehalte in den Wässern und Sedimenten
In den Wässern lagen für die Elemente Be, Bi, Sb, Se, Sn alle Werte unter der Bestimmungsgrenze. Für Ag, Cd,
Co, Cr, Mo, Tl, V und W konnten nur bei einzelnen Proben Konzentrationen über der Bestimmungsgrenze ermit-
telt werden. Auffällig ist die große Spannweite der Messwerte, was auf ein sehr heterogenes Untersuchungsge-
biet hindeutet. Im Einzelfall werden in den Zuflüssen hohe Konzentrationen an As, Cd, Co, Cu, Li, Mn, U und Zn
erreicht, die über denen in der Zwickauer Mulde liegen (Tab. 7-9). Alle Analysen aus dem Einzugsgebiet der
oberen Zwickauer Mulde sind im Anhang 7-1 enthalten.
Tab. 7-9: Schwankungsbreite der filtrierten (f) und unfiltrierten (uf) Wasseranalysen und der Sedimente
<20 μm (S) im Einzugsgebiet der oberen Zwickauer Mulde (ZM)
[ μg/l]
Ag_f
As_f
Ba_f
Be_f
Bi_f
Cd_f
Co_f
Cr_f
0
50
100
150
200
250
300
ZM1
ZM2
ZM3
ZM4
ZM5
ZM6
ZM7
ZM8
ZM9
ZM10
ZM11
ZM12
ZM13
ZM14
ZM15
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM21
ZM22
ZM23
ZM24
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM38
ZM39
ZM40
ZM1TA
ZM2SH
ZM5AU
Elektrische Leitfähigkeit
[μS/cm]
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
5,5
6,0
6,5
7,0
pH-Wert
Elektrische Leitfähigkeit
pH-Wert

66
ZM
Min
<0,5
<1
18,1
<5
<2,5
<0,5
<0,5
<1
Max
<0,5
17,8
75,2
<5
<2,5
2,2
5,1
1
Mittel
<0,5
[2,7]
35
<5
<2,5
<0,5
[<1]
<1
Median
<0,5
[1,0]
31
<5
<2,5
<0,5
[<1]
<1
P90
<0,5
[9,6]
49
<5
<2,5
<0,5
[2,3]
<1
n *
0
27+14
41
0
0
29
28+13
1
[ μg/l]
Ag_uf
As_uf
Ba_uf
Be_uf
Bi_uf
Cd_uf
Co_uf
Cr_uf
ZM
Min
<0,5
0,5
20,8
<5
<2,5
<0,5
<0,5
<1
Max
0,7
40,4
75,2
<5
<2,5
2,2
5,3
4
Mittel
<0,5
3,5
38
<5
<2,5
[<0,5]
[<1]
<1
Median
<0,5
1
35
<5
<2,5
[<0,5]
[<1]
<1
P90
<0,5
11
50
<5
<2,5
[<0,5]
[2,4]
<1
n *
1
41
41
0
0
13
28+13
2
[ mg/kg]
Ag_S
As_S
Ba_S
Be_S
Bi_S
Cd_S
Co_S
Cr_S
ZM
Min
<0,1
21,8
94
0,9
0,8
0,2
3,1
12,8
Max
3,8
4260
1540
101
254
9,0
91,7
82
Mittel
0,8
311
293
19
30
2,2
19
36
Median
0,5
87
210
12
7,2
1,0
12
32
P90
2,3
710
580
41
140
8,1
54
56
n *
38
40
40
40
40
40
40
40
[ μg/l]
Cu_f
Hg_f
Li_f
Mn_f
Mo_f
Ni_f
Pb_f
Sb_f
ZM
Min
<1
<0,5
3,8
26
<0,5
0,5
<0,5
<1
Max
28,9
<0,5
31
310
1,4
10,1
3,1
<1
Mittel
4,3
<0,5
12
108
<0,5
2,7
[<1]
<1
Median
2
<0,5
12
87
<0,5
1,3
[<1]
<1
P90
13
<0,5
22
200
<0,5
7,6
[1,9]
<1

67
n *
40+1
0
41
41
2
41
24+13
0
[ μg/l]
Cu_uf
Hg_uf
Li_uf
Mn_uf
Mo_uf
Ni_uf
Pb_uf
Sb_uf
ZM
Min
<1
<0,5
3,9
26
<0,5
0,7
<0,5
<1
Max
29
0,7
31
310
1,4
10,7
4
<1
Mittel
5,5
<0,5
13
121
<0,5
3,3
1,2
<1
Median
2,8
<0,5
12
106
<0,5
1,9
0,9
<1
P90
18
<0,5
22
220
<0,5
9
2,4
<1
n *
40
2
41
41
2
41
37
0
[ mg/kg]
Cu_S
Hg_S
Li_S
Mn_S
Mo_S
Ni_S
Pb_S
Sb_S
ZM
Min
15,7
0,1
22,8
197
0,4
9,1
42,2
<0,2
Max
1140
2,8
259
9860
6,2
150
293
3
Mittel
116
[<0,4]
150
1674
1,8
31
99
[<0,4]
Median
42
[<0,3]
166
1018
1,4
23
79
[<0,3]
P90
210
[0,5]
230
4300
3,7
62
220
[0,5]
n *
40
26
40
40
40
40
40
31
Tab. 7-9 (Fortsetzung)
Se_f
Sn_f
Ti_f
Tl_f
U_f
V_f
W_f
Zn_f
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
ZM
Min
<5
<3
<5
<0,1
<0,5
<1
<0,5
8,3
Max
<5
<3
32,5
0,2
37,9
1,1
<0,5
175
Mittel
<5
<3
9,7
<0,1
3,2
<1
<0,5
32
Median
<5
<3
7,9
<0,1
1,9
<1
<0,5
18
P90
<5
<3
17
<0,1
4,2
<1
<0,5
80
n *
0
0
39
8
38+3
1
0
41
Se_uf
Sn_uf
Ti_uf
Tl_uf
U_uf
V_uf
W_uf
Zn_uf

68
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
μg/l
ZM
Min
<5
<3
<5
<0,1
<0,5
<1
<0,5
9,5
Max
<5
<3
32,5
0,2
57,4
1,1
0,9
175
Mittel
<5
<3
11
<0,1
4,5
<1
<0,5
35
Median
<5
<3
9,7
<0,1
2,3
<1
<0,5
21
P90
<5
<3
19
<0,1
5,7
<1
<0,5
84
n *
0
0
39
8
38
2
2
41
Se_S
Sn_S
Ti_S
Tl_S
U_S
V_S
W_S
Zn_S
mg/kg
mg/kg
mg/kg
mg/kg
mg/kg
mg/kg
mg/kg
mg/kg
ZM
Min
<2
0,3
140
0,2
2,1
14,7
0,1
84,7
Max
9,1
142
1480
3
1380
114
14
1680
Mittel
k.A.
8,6
581
1,5
96
46
2,1
309
Median
k.A.
5
606
1,6
44
39
0,8
155
P90
k.A.
13
910
2,4
170
79
6,6
870
n *
16
40
40
40
40
40
40
40
ZM ohne ZM1TA, ZM2SH, ZM5AU
* Anzahl der Werte über der Bestimmungsgrenze, + Berücksichtigung der Werte unter der Bestimmungsgrenze
mit der halben Bestimmungsgrenze bei der statistischen Berechnung
Im Einzugsgebiet der oberen Zwickauer Mulde sollte dem Element Uran erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt
werden. Beim Uran treten in der Mehrheit der Proben Konzentrationen deutlich über der QN-Schwelle von 1,5
μg/l auf. Unter Einbeziehung des Geringfügigkeitsschwellenwertes von 5 µg/l für sächsische Grundwässer ergäbe
sich eine UQN von 6,5 μg/l, die im Untersuchungsgebiet nur noch im Einzugsgebiet der Kleinen Pyra (Kleine Pyra
uh. Mündung Bodabach, Thierbach, Bodabach) überschritten wird. Die Einflüsse durch die Sickerwässer der IAA
Schneckenstein stellen die wichtigste anthropogene Quelle im Einzugsgebiet des Bodabaches dar, der die Was-
serqualität der Kleinen Pyra entscheidend verschlechtert.
Bei der Analyse der Sedimente treten nur sehr wenige Werte unter der Bestimmungsgrenze (Ag, Hg, Sb, Se) auf.
Die Spannweite der Konzentrationen ist bei allen Elementen sehr hoch. Bei einigen Elementen schwanken die
Konzentrationen über mehrere Zehnerpotenzen (Tab. 7-9).
Im Einzugsgebiet der oberen Zwickauer Mulde werden die Elemente As und U in den Sedimenten als Hauptprob-
lemelemente angesehen. Die vorgeschlagene Norm für U (0,5 mg/kg) wird an allen Punkten überschritten. Selbst
bei der Addition eines geogenen Hintergrundwertes stellt die geringe ökotoxikologisch begründete Schwelle von
0,5 mg/kg einen im Erzgebirge schwer handelbaren Wert dar.

69
Abb. 7-7: Schwankungsbreite der Arsengehalte in Wässern und Sedimenten der oberen Zwickauer Mulde
(ZM)
Abb. 7-8: Schwankungsbreite der Urangehalte in Wässern und Sedimenten der oberen Zwickauer Mulde
(ZM)
Abb. 7-9: Schwankungsbreite der Nickelgehalte in Wässern und Sedimenten der oberen Zwickauer Mulde
(ZM)
0
10
20
30
40
ZM1
ZM2
ZM3
ZM4
ZM5
ZM6
ZM7
ZM8
ZM9
ZM10
ZM11
ZM12
ZM13
ZM14
ZM15
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM21
ZM22
ZM23
ZM24
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM38
ZM39
ZM40
ZM1TA
ZM2SH
ZM5AU
As im Wasser [μg/l]
0
200
400
600
800
As im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
4260 mg/kg
BG
1 μg/l
QN 40
mg/kg
Kleine Pyra
2270 mg/kg
Mdg. Gottes-
berger Bach
0
5
10
15
20
25
ZM1
ZM2
ZM3
ZM4
ZM5
ZM6
ZM7
ZM8
ZM9
ZM10
ZM11
ZM12
ZM13
ZM14
ZM15
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM21
ZM22
ZM23
ZM24
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM38
ZM39
ZM40
ZM1TA
ZM2SH
ZM5AU
U im Wasser [μg/l]
0
100
200
300
400
500
U im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
1380 mg/kg
QN-V 1,5
μg/l+HGW
QN-V 0,5
mg/kg
Kleine Pyra
Mdg. Bodabach
38 / 57 μg/l
BG
0,5 μg/l
0
5
10
15
ZM1
ZM2
ZM3
ZM4
ZM5
ZM6
ZM7
ZM8
ZM9
ZM10
ZM11
ZM12
ZM13
ZM14
ZM15
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM21
ZM22
ZM23
ZM24
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM38
ZM39
ZM40
ZM1TA
ZM2SH
ZM5AU
Ni im Wasser [μg/l]
0
50
100
150
Ni im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
QN-V: 20 μg/l

70
Abb. 7-10: Schwankungsbreite der Cobaltgehalte in Wässern und Sedimenten der oberen Zwickauer Mul-
de (ZM)
Abb. 7-11: Schwankungsbreite der Kupfergehalte in Wässern und Sedimenten der oberen Zwickauer Mul-
de (ZM)
Abb. 7-12: Schwankungsbreite der Chromgehalte in Wässern und Sedimenten der oberen Zwickauer Mul-
de (ZM)
0
1,5
3
4,5
6
7,5
ZM1
ZM2
ZM3
ZM4
ZM5
ZM6
ZM7
ZM8
ZM9
ZM10
ZM11
ZM12
ZM13
ZM14
ZM15
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM21
ZM22
ZM23
ZM24
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM38
ZM39
ZM40
ZM1TA
ZM2SH
ZM5AU
Co im Wasser [μg/l]
0
20
40
60
80
100
Co im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
BG
0,5 μg/l
QN
max: 30 mg/kg
QN-V: 0,9+HGW
0
10
20
30
ZM1
ZM2
ZM3
ZM4
ZM5
ZM6
ZM7
ZM8
ZM9
ZM10
ZM11
ZM12
ZM13
ZM14
ZM15
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM21
ZM22
ZM23
ZM24
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM38
ZM39
ZM40
ZM1TA
ZM2SH
ZM5AU
Cu im Wasser [μg/l]
0
500
1000
1500
Cu im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
BG
1 μg/l
QN 160
mg/kg
Kleine Pyra
1
2
3
4
5
ZM1
ZM2
ZM3
ZM4
ZM5
ZM6
ZM7
ZM8
ZM9
ZM10
ZM11
ZM12
ZM13
ZM14
ZM15
ZM16
ZM17
ZM18
ZM19
ZM19a
ZM21
ZM22
ZM23
ZM24
ZM25
ZM26
ZM27
ZM28
ZM29
ZM30
ZM31
ZM31a
ZM32
ZM33
ZM34
ZM35
ZM36
ZM37
ZM38
ZM39
ZM40
ZM1TA
ZM2SH
ZM5AU
Cr im Wasser [μg/l]
0
25
50
75
100
Cr im Sediment [mg/kg]
Wasser-filtriert
Wasser-unfiltriert
Sediment <20 μm
UQN 640 mg/kg
BG
1 μg/l

71
Regionale Differenzierung
In der Tabelle 7-10 sind die Probenahmepunkte den Wasserkörpern, charakterisiert durch die GKZ, zugeordnet.
Neben der geologischen Charakterisierung werden die in den Gebieten auftretenden Mineralisationen und bedeu-
tenden Lagerstättenreviere benannt. In der Spalte Empfehlungen sind Vorschläge der mindestens abzugrenzen-
den Einzugsgebiete (OWK-Gruppen) enthalten.
Tab. 7-10: Vorschläge für die regionale Differenzierung des Einzugsgebietes der oberen Zwickauer Mulde
zur Ableitung von geogenen Hintergrundwerten
GKZ
Besonderheiten
Empfehlungen
541111221, 541111229
Saubach
Phyllit, geringe Mineralisationen M105
1a
ZM1 offensichtlich Lagerstättenbe-
zug Brunndöbra-Schneckenstein,
Extremwerte im Sediment (As, Cu, Hg)
problematisch *
54111121
Weiße Mulde
Phyllit, ohne wesentliche Mineralisatio-
nen
1b
ZM2
54111111
Rote Mulde
Phyllit, ohne nennenswerte Mineralisati-
onen
1c
ZM3
5411116
Silberbach
Phyllit, geringe Mineralisationen M105
(M110, M104), Lag. Brunndöbra (ba)
1d
ZM4 deutlich lagerstättenbeein-
flusst (Sediment: As, Ba)
5111119, 54111129,
541113, 541115, 541119,
541112,
5411131, 5411132,
5411139, 541114,
5411151
ZM
Phyllit mit Übergang zum Granit (JG),
geringe Mineralisationen M 105, M102,
(M104, M112)
2 ZM1TA
Ist als Summe Quelle-oh. Kleine Pyra
ohne o.g. EZG zu verstehen, könnte
flussaufwärts an die geologische
Grenze Phyllit/Granit verlegt werden
5411152
Roter Fluss
Phyllit, Jüngerer Granit
3
ZM5
5411169, 5411167,
5411166, 5411165,
5411163
Kleine Pyra
Jüngerer Granit, M105, M112, M110,
Lag. Gottesberg (Sn)
4
ZM6 ist Mündungsbereich, nicht als
Background zu verwenden
5411168
Thierbach
Jüngerer Granit, M112
5
ZM7
5411164
Bodabach
Jüngerer Granit, Phyllit, M112, M105,
M110, M102, Lag. Schneckenstein (U)
& IAA Schneckenstein
6
ZM8 ist anthropogen beeinflusst
durch IAA Schneckenstein
6
ZM9 Background
5411161
Gottesberger Bach
Jüngerer Granit, M105, Lag. Gottesberg
(Sn)
7
ZM10 durch Lag. Gottesberg beein-
flusst, nicht für Background geeignet,
7
ZM11 kein natürl. Gewässer **
5411162
Kleine Pyra
Jüngerer Granit, M105, M112
7
ZM12 erhöhte U-Geh. im Sed.

72
5411194
Wiesenbach
Jüngerer Granit, M112, M110, Lager-
stätte Gottesberg (Sn)
8
ZM13
541129, 541128, 541127,
541126,
5411259, 5411252,
5411251, 541123
Große Pyra
Jüngerer Granit
M112, M110, M105
9
ZM14, im Mündungsbereich erfolgt
Verdünnung, flächengewichteter Mit-
telwert über EZG möglich (ZM14 bis
ZM17)
5411254
Markersbach
Jüngerer Granit, M105
9
ZM15
541122
Heroldsbach
Jüngerer Granit, M105, M112
9
ZM16
5411219, 5411211
Große Pyra
Jüngerer Granit, M105
9
ZM17
54113679, 54113671,
54113672, 5411361,
5411363, 5411364,
5411366, 5411368,
5411352, 5411359
Zins-
bach
Jüngerer Granit, unbedeutende Minera-
lisationen (M105)
10
ZM18
5411499, 5411491,
5411492, 5411479,
541148, 5411471, 5411472
541146, 5411459,
5411452, 5411451,
541144, 541143, 5411419
Wilzsch
Jüngerer Granit, M112, M105
11
ZM19
541142
Kleine Wilzsch
Jüngerer Granit, M112, (M110)
11
ZM19a
5411413
Zufluss TS Carls-
feld
Jüngerer Granit, M112, M110, M105
11
ZM21 ***
541152
Silberbach
Jüngerer Granit
12
ZM22, Ag_S
541152
Großer Riedertbach
Jüngerer Granit, M112
13
ZM23
5411159, 5411193,
5411195, 5411196,
5411199,
541133, 541134, 541139,
541135, 541131
541151, 5411531 bis
5411539, 541155, 541156,
54115711 bis
54115716, 54115731
Zwickauer Mulde
überwiegend Jüngerer Granit
M112, M105, M110
M112, M105
14 ZM2SH
, Summe EZG Tannenberg-
sthal bis uh. Schönheider Bach bzw.
uh. TS Eibenstock

73
541157329, 541157322,
541157321
Schönheider Bach
Jüngerer Granit, sehr geringe Minerali-
sationen M112, M110
15
ZM24, siedlungsbeeinflusst
541157342
Dönitzbach
Jüngerer Granit, geringe Mineralisatio-
nen M112, M110
16a
ZM25, südlicher Zufluss zur TS
Eibenstock
541157341
Rähmerbach
Jüngerer Granit, unterordnet Phyllit,
geringe Mineralisationen M112, M110,
M105
16b
ZM26, südlicher Zufluss zur TS
Eibenstock
16a+b münden im VB Rähmerbach,
bei einigen Elementen sign. Unt. (Ba,
Be, Pb, Sn, W, Zn)
541157366
Gaidenbach
Jüngerer Granit, ohne nennenswerte
Mineralisationen
17a
ZM27, östlicher Zufluss zur TS
Eibenstock
541157361
bis
541157365
Weißbach
Jüngerer Granit, ohne nennenswerte
Mineralisationen
17b
ZM28, östlicher Zufluss zur TS
Eibenstock
5411573682
(
5411573681
)
Kalte Lohe
Jüngerer Granit, ohne nennenswerte
Mineralisationen
17c
ZM29, nordöstlicher Zufluss zur
TS Eibenstock
17a-c sign. Unt. (Be, Cd, Co, W, Zn)*
541169, 541166, 541165,
541163, 5411629, 5411622
Große Bockau
Jüngerer Granit, untergeordnet Phyllit,
M105, M112, M110
18
ZM30
5411621
Glashüttenbach
Jüngerer Granit, M105, M112, M110
18
ZM32
5411619, 5411612
Große Bockau
Jüngerer Granit, M105, M112, (M110)
18
ZM33
5411649, 5411647,
5411646, 5411645,
5411644, 5411643
Kleine Bockau
Jüngerer Granit, M105, M112, M110
18
ZM31
5411641
Kleine Bockau
Jüngerer Granit, M105, M110, M112,
Lagerstätte Auersberg (Sn, tu)
18
ZM31a, Lagerstätteneinfluss gering
541172
Marksbach
Jüngerer Granit, M105, M110, M112,
A113
19
ZM34
5411732
Spitzleithebach
Jüngerer Granit, M105, M112
20
ZM35
5411749, 54117429,
54117421, 54117422,
5411741
Sosabach
Jüngerer Granit, M105, M112, M110
21
ZM36
5411771, 54117729,
54117721, 54117722
5411779
5411778, 5411791,
überwiegend Phyllit, unterordnet Älterer
Granit, tw. geringe Mineralisationen
M111, Lagerstätte Zschorlau (W), A124
M105, A124
22 ZM5AU,
Summe EZG Schönheide
bis Albernau

74
5411792, 5411799,
54119
Zwickauer Mulde
M110, M105, A124
5411761
bis
5411769
Dorfbach Bockau
Phyllit, untergeordnet Jüngerer Granit,
M109, M104, M105, M112, A124
23
ZM37
541189
Zschorlaubach
Phyllit, Älterer Granit
M111, Lagerstätte Zschorlau (W)
M102, Lagerstätte Schneeberg (Ag, Co,
Ni)
24a
ZM38 starke Verdünnung des
Lagerstätteneinflusses von Schnee-
berg, Einfluss W-Lagerstätte nicht
nachweisbar*
5411819, 5411813,
5411811
Filzbach
Phyllit, Älterer Granit,
M102, M109, M105, A125, A122,
Lagerst. Schneeberg (Ag, Co, Ni)
24b
ZM40, deutlicher Lagerstättenein-
fluss (Ag, As, Bi!, Co, Mo, Ni, (Cu, Pb,
Zn))*
5411829, 5411821
bis
5411826
Seiffenbach
Jüngerer Granit,
M102, M105, M112, A125
24c
ZM39*
M – Mineralisationstyp, A – Assoziationstyp (beides gemäß Abb. 7-3)
*flächengewichteter Mittelwert oder ggf. EZG separat betrachten
**flächengewichteter Mittelwert aus ZM7,9,11,12 oder Einzelbetrachtung
*** flächengewichteter Mittelwert oder nur Mündung??
Nach Auswertung der Analysenergebnisse mit Blick auf mögliche anthropogene Belastungen im Sinne des inten-
siven Bergbaus und seiner Hinterlassenschaften sowie auf stark siedlungsbedingte Einflüsse sollten neben den
Punkten der Zwickauer Mulde ZM1TA, ZM2SH, ZM5AU (die in Tab. 7-9 bereits entfielen) auch die Punkte ZM1-
Saubach, ZM6-Mdg. Kleine Pyra, ZM8-Mdg. Bodabach, ZM10-Mdg. Gottesberger Bach, ZM40-Filzbach von der
Betrachtung im Sinne des geogenen Backgrounds ausgeschlossen werden.
Kritisch werden die erhöhten As-, Cu-, Co-, Ni-, Mn-, Zn-Gehalte oberhalb der TS Eibenstock gesehen, die nicht
ausschließlich lithogenen Einflüssen (Phyllit) geschuldet sind.
Als Teileinzugsgebiet mit den größten anthropogenen Einflüssen ist jedoch das Einzugsgebiet der Kleinen Pyra
zu nennen. Hier kommt in erster Linie der extreme Einfluss der Sickerwässer der IAA Schneckenstein auf die
Wasser- und Sedimentqualität des Bodabaches zum Tragen. Auch unterhalb der Lagerstätte Gottesberg sind
hohe Elementgehalte in Wässern und Sedimenten des Gottesberger Baches zu finden.
Der Filzbach wird in seinen Elementgehalten in den Sedimenten stark vom Schneeberger Lagerstättenrevier
geprägt. Allerdings findet im weiteren Verlauf über den Zschorlaubach bis zur Mündung in die Zwickauer Mulde
eine starke Verdünnung der Konzentrationen statt.
2.8 Referenzgebiet Schwarzwasser
2.8.1
Gebietsbeschreibung
Hydrographie
Das Einzugsgebiet des Schwarzwassers erstreckt sich über tschechisches und deutsches Territorium von den
Kammlagen des Erzgebirges bis nach Aue. Auf sächsischem Gebiet gehört es zur geographischen Einheit des

image
75
Westerzgebirges. Das Schwarzwasser nimmt in Schwarzenberg die Große Mittweida auf. Hydrologisch gesehen,
ergeben sich drei Teileinzugsgebiete (Abb. 8-1, 8-2):
Schwarzwasser von der Grenze bis zur Mündung der Großen Mittweida (GKZ 54121-54127)
Große Mittweida (GKZ 54128)
Schwarzwasser von der Mündung der Großen Mittweida bis zur Mündung in die Zwickauer Mulde (GKZ
54129).
Abb. 8-1: Übersicht über das Untersuchungsgebiet Schwarzwasser auf Basis TK25
Die Vergabe der Gebietskennzahlen (GKZ) erscheint im Einzugsgebiet sehr unregelmäßig. Anhand der 5stelligen
GKZ lassen sich im Teileinzugsgebiet des Schwarzwassers oberhalb der Großen Mittweida weitere 7 Teilein-
zugsgebiete ausweisen, wobei das Schwarzwasser oberhalb des Großen Ortsbaches besonders stark unterglie-
dert wurde (Tab. 8-1, Abb. 8-2).

image
76
Tab. 8-1: Flächenanteile der Teileinzugsgebiete SW1 (Schwarzwasser oh. Große Mittweida), GM (Große
Mittweida), SW2 (Schwarzwasser uh. Große Mittweida) gemäß GKZ_5
Gebiet
SW1
GM
SW2
GKZ_5
54121
54122
54123
54124
54125
54126
54127
54128
54129
Anteil [%)
2,0
4,2
3,5
6,0
1,6
3,1
10,3
54,3
15,1
Summe [%]
30,6
54,3
15,1
Abb. 8-2: Gebietskennzahlen (GKZ_5) der Wasserkörper auf Basis TK25

77
Die Größen der 109 Teilgebiete mit systematischer GKZ im Einzugsgebiet sind ebenfalls sehr unterschiedlich
(0,007 bis 20,6 km
2
). Aus diesem Grund kann eine Ableitung von geogenen Hintergrundwerten nicht mit einer
theoretischen Beprobung der 109 Teilgebiete erledigt werden. Aufgrund der Inhohmogenitäten müssen Zusam-
menlegungen von GKZ vorgenommen bzw. bei großen und geologisch-lagerstättenkundlich heterogenen Gebie-
ten auch Gliederungen geprüft werden.

78
Geologie
Geologisch wird das Einzugsgebiet des Schwarzwassers von den metamorphen Gesteinen des Schiefermantels
(Glimmerschiefer und Phyllite) zu über 80 % geprägt (Tab. 8-2, Abb. 8-3). Der tektonische Aufbau der Umgebung
von Schwarzenberg im Zentrum des Untersuchungsgebietes wird durch eine N-S gestreckte flache Gneiskuppel
bestimmt, die mantelförmig von der Glimmerschiefer- und schließlich Phyllit-Formation umgeben wird. Der Glim-
merschieferformation sind Kalksteine und Dolomite in Form von konkordanten Linsen eingeschaltet. Die Schwar-
zenberger Gneiskuppel wird am Galgenberg und Rockelmann (Schwarzenberg) sowie bei Erla von Granitstöcken
durchbrochen, deren Aufbruchszone auch in jüngerer Zeit noch bewegt wurden (Roter Kamm). In der Kontaktzo-
ne sind vor allem die Kalksteine und Dolomite kontaktmetasomatisch verändert worden. Es entstanden Calcit-
und Dolomitmarmore sowie Skarne (z.B. Pyroxen-, Pyroxen-Granat-Gesteine) Diese Skarne wurden im Zuge
pneumatolytisch-hydrothermaler Umwandlungsvorgänge vielfach in Aktinolith-, Epidot- und Hornblendeskarne mit
Quarz umgewandelt (SCHÜLLER ET AL. 1949).
Tab. 8-2: Anteil der petrographischen Einheiten am Untersuchungsgebiet (KARDEL ET AL. 1996)
Petrographische Einheit
Anteil [%]
Granit, Älterer Intrusivkomplex
1,5
Granit, Jüngerer Intrusivkomplex
8,5
Glimmerschiefer
51,2
Metagranitoide (Orthogneise, Augengneise)
2,1
Metarhyolithoide (Gm-Gneise)
0,9
Paragneis (Äußerer Graugneis)
4,2
Phyllit
31,6

image
79
Abb. 8-3.: Geologische Übersichtskarte des Untersuchungsgebietes des Schwarzwassers
(auf Basis der
GÜK des Freistaates Sachsen nach KARDEL ET AL. 1996)
Auf Grundlage der in Kap. 4 beschrieben Methode erfolgte die Berechnung der mittleren Elementgehalte in den
Gesteinen des Untersuchungsgebietes auf der Basis der mittleren Elementgehalte in den Gesteinen gemäß KAR-
DEL ET AL. 1996 (Tab. 8-3). In der Tabelle sind die für das Schwarzwasser ermittelten Gehalte denen von ganz
Sachsen gegenübergestellt. Daraus wird ersichtlich, dass im Schwarzwassergebiet lithogen begründete höhere
Elementgehalte an Elementen Ni, Zn und Sn auftreten.

80
Tab. 8-3: Mittlere Elementgehalte (P50) in Gesteinen des Untersuchungsgebietes Schwarzwasser (SW) im
Vergleich zu Sachsen
, Werte aus KARDEL ET AL. 1996, Totalgehalte, Angaben in mg/kg
As
B
Ba
Co
Cr
Cu
Ni
Pb
Sn
U
Zn
SW
9,4
42
600
13
62
20
30
24
8,6
2,5
97
Sachsen
13
37
420
12
57
24
20
20
4,4
k.A.
60
Mineralisationen und Lagerstätten
Im Untersuchungsgebiet sind nahezu alle im Erzgebirge/Vogtland anzutreffenden Mineralisationstypen vorhanden
(Abb. 8-4). Im Gebiet um Schneeberg – Aue – Schwarzenberg – Johanngeorgenstadt treten bedingt durch die
Tiefenstörung Gera - Jachymov eine Vielzahl von Mineralisationen auf. Uranvererzungen wurden vor allem im
Gebiet Aue – Lauter und um Johanngeorgenstadt abgebaut. Damit vergesellschaftet sind häufig Vorkommen von
Kobalt-, Nickel-, Silber-, Wismut- und Selenerzen. Im Gebiet der Schwarzenberger Gneiskuppel, bei Pöhla, Brei-
tenbrunn und Antonsthal kommen zinnführende Skarne und Glimmergreisen vor (LFUG, 2006). Die bedeutends-
ten Lagerstättenreviere sind in Tab. 8-4 (HÖSEL ET AL. (1997) zusammengefasst.
Tab. 8-4: Bedeutende Lagerstättenreviere im Einzugsgebiet des Schwarzwassers
(HÖSEL ET AL. 1997)
Revier
Haupt- und Nebenkomponenten der Rohstoffgewinnung
Johanngeorgenstadt
Ag-Co-Ni-U
Rabenberg-Halbmeile
U
Hämmerlein
Sn-Zn-(Fe)
Tellerhäuser (Zinn)
Sn-Zn-(Fe)
Tellerhäuser (Uran)
U
Breitenbrunn
Zn-Sn-Fe-fl
Antonsthal
U-(Fe)
Pöhla-Globenstein
Sn-W-Fe
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Abb. 8-4: Übersicht über die Lagerstätten und Mineralisationen im Untersuchungsgebiet des Schwarz-
wassers
(WASTERNACK ET AL. 1995)

image
81
Min
Gang-und stockförmige Lagerstätten und Mineralisationen
Assoz
Schichtgebundene bzw. lagerförmige Lagerstätten und
Mineralisationen
Hydrothermale Lagerstätten und Mineralisationen des Mittel-
und Tieftemperaturbereiches
102
Karbonat-Sulfarsenit-Assoziation (krsfas)
113
Paragenetische Zuordnung der Mineralisation unbekannt
Quarz-Arsenit-Assoziation (qas)
118
Paragenetische Zuordnung der Mineralisation unbekannt
103
Baryt-Fluorit-Assoziation (bafl=fba)
119
Paragenetische Zuordnung der Mineralisation unbekannt
104
Hämatit-Baryt-Assoziation (hmba=eba)
120
Paragenetische Zuordnung der Mineralisation unbekannt
105
Fluorit-Quarz-Assotiation (flq)
114
Magnetit-Hämatit-Assoziation
Quarz/Hornstein-Assotiation (e,t)
121
Chamosit-Thuringit-Assoziation
107
Karbonat-Pechblende-Assoziation (kku,mgu=dse)
122
Chamosit-Thuringit-Assoziation
108
Quarz-Hämatit-Assoziation (qhm)
123
Chamosit-Thuringit-Assoziation
Quarz-Paradoxit-Fluorit-Assoziation/im SW-Vogtland (FPQ)
115
Pyrit-Pyrrhotin-(Chalkopyrit)-Assoziation
109
Quarz-Sulfid-Assoziation, lokal zuzügl. Kassiterit-Silikat-
Assoziation (qsf=eq,kb)
124
Polymetallische Assoziation
Hydrothermale Lagerstätten und Mineralisationen des
Hochtemperaturbereiches
125
Assoziationen mit aufgeprägter Kassiterit- oder Scheelit-
Hochtemperaturmineralisation
110
Kassiterit-Sulfid-Assotiation (kssf)
126
Schichtgebundene Pechblende-Assoziation
Kassiterit-Silikat-Assoziation (kssi)
Kassiterit-Quarz-Assoziation (qksw)
111
Wolframit-Quarz-Assoziation (qw)
Molybdän-Quarz-Assoziation (qmo)
Metasomatische Gesteinsumwandlungen, überwiegend im
Zusammenhang mit hochthermalen Lagerstätten und
Mineralisationen
112
Li-Glimmer-Greisen
Li-Glimmer-Topas-Greisen
Muskovit-(Sericit-)Greisen, Li-arm
Topas-Quarz-Greisen
Sericit- und Chlorit-Metasomatite
Turmalin-Quarz-Metasomatite und Gangfüllungen

82
Bergbau
Neben den auf der Karte der Mineralisationen und Lagerstätten im Erzgebirge verzeichneten Hauptbergbaurevie-
ren gibt es – besonders im Einzugsgebiet des Schwarzwassers - noch zahlreiche kleinere Lagerstättenreviere
und Grubenfelder. Deren Produktionstätigkeit reicht häufig viel länger als die Tätigkeit der Wismut zurück und sie
werden im Sprachgebrauch häufig zum so genannten „Altbergbau“ zusammengefasst.
Um eine Übersicht über die Vielzahl dieser Bergbauaktivitäten zu erhalten, wurden zwei Werkverträge an die
Firma AlphaGeoservice Niederbobritzsch vergeben.
Die Arbeiten gliedern sich nach den wichtigen Revieren und umfassen sowohl
Angaben zur Lage im Teileinzugsgebiet, zum Vorfluter,
Lagerstättentyp, morphologischer Mineralisationstyp, Mineralisation, wichtige Erzminerale,
belegte Betriebszeit, belegtes Ausbringen, wichtige Grubenbaue, Aufschlusstiefe,
Reste übertage, Entwässerung
als auch
Angaben der zu erwartenden Elementausträge,
zur wirtschaftlichen Bedeutung in der jeweiligen Betriebszeit im Untersuchungsgebiet,
zur potenziellen hydrogeochemischen Bedeutung für das Untersuchungsgebiet.
Neben den in Tab. 8-3 aufgeführten Revieren wurden auch die Grubenbaue der Reviere Steinheidel-Steinbach,
Jugel, Aue, Lauter-Bernsbach, Raschau-Grünstädtel, Elterlein-Scheibenberg, Morgenleithe, Bermsgrün, Crand-
orf, Rittersgrün-Nordwest erfasst.
Der Gesamtbericht aus den beiden Werkverträgen ist in Anlage 8-2 abgelegt. Die Abb. 8-5 verdeutlicht die enor-
me Dichte der Grubenbaue im Einzugsgebiet. Die Inhalte der Karte wurden mit Hilfe einer studentischen Hilfskraft
in das ArcGIS übertragen und fanden Berücksichtigung in der Komplexkarte zum Schwarzwassereinzugsgebiet
(vgl. Anlage 8-4).
Aus der Tabelle in Anlage 8-2 bzw. aus der Karte (Nr. gemäß Abb. 8-5) geht eine bedeutende Zahl von Gruben
hervor, die aufgrund ihrer reichen Vererzung eine große geochemische Bedeutung für die Vorfluter besitzen (in
Klammern kursiv sind die aus den Mineralisationen zu erwartenden Elementausträge vermerkt):
Nr. 1: Grube Himmelfahrt bzw. Schacht 2 bei Steinbach, Ausbringen von U, Bi, Entwässerung durch Alfred
Erinnerung Stl. in den Hinteren Milchbach (U)
Nr. 4: Rother und Weißer Löwe bei Steinheidel, Ausbringen von Sn, Arsenkies, Entwässerung durch Rother
und Weißer Löwe Stl. in Steinheideler Bach (As, S)
Nr. W2: Johanngeorgenstadt, Ausbringen von U, Ag, Bi-Co-Erze, Entwässerung über Glück Auf Stolln in das
Schwarzwasser (As, Co, Ni, U, Fe, S)
Nr. W5: Seifenbach mit Neuoberhaus, Ausbringen U (ca. 300 t), Entwässerung durch Stl. 146/ Friedrich-August
Stl. in Schwarzwasser (U, As, Fe, S)
Nr. W6: Freibad (Hakenkrümme) Aue, Ausbringen U, diffuse Austräge (Fe, As, Co, Ni, S)
Nr. 34: Reichenbach Stl. mit Frisch Glück Stl. im Kuttengrund bei Aue, Ausbringen von Arsenkies, entwässert
durch Tiefen Reichenbach Stl. in Kuttenbach (As, Fe, S)
Nr. W16: Katharina Langenberg, Ausbringen von U, entwässert durch Treuen Freundschaft Stl. in das
Schwarzwasser (As, Fe, Cu, S, Co, Ni)

83
Nr. 56: Gottes Geschick, St. Catharina Langenberg, Ausbringen von Ag, Braunstein, Fe-Erz, Bi-Co-Erz, Arsen-
kies, Fe-Ocker, entwässert durch Treuen Freundschaft Stl. in das Schwarzwasser (As, Fe, Cu, S, Co, Ni)
Nr. 57: Stamm Asser Langenberg, Ausbringen von Fe-Erz, Braunstein, Arsenkies, Arsenikmehl, Schwefelkies,
Vitriolkies, Farbenerde, Bi-Co-Erz, Ag, entwässert durch Treuen Freundschaft Stl. in das Schwarzwasser (As,
Fe, Cu, S)
Nr. 81: Unverhofft Glück Fundgrube bzw. Schurf 10 im Halsbachtal, Ausbringen von Ag, Cu, Arsenkies, Kupfer-
kies, Zinkblende, Ag-Pb-Zn-Erze, entwässert durch Jung Adler Stl. in Halsbach (Pb, Zn, Cu, S, As)
Nr. 95/W21: Weißer Hirsch Estl./ Weißer Hirsch (Sch. 235) Antonsthal, Ausbringen von Ag, Bi/ U, entwässert
durch Weißer Hirsch Stl., Schurf 2 in das Schwarzwasser (U, As, Fe, Cu, Zn, S, Co, Ni)
Nr. W22: Tannenbaum ("Sentjabrskoje", Schacht 98), Ausbringen von U, entwässert vermutl. über Scht. 235 in
Schwarzwasser (U, As, Fe, Cu, Zn, S, Co, Ni)
Nr. W23: Mai ("Majskoje", Schacht 248), Ausbringen von U, entwässert vermutl. über Scht. 235 in Schwarz-
wasser (U, As, Fe, Cu, Zn, S, Co, Ni)
Nr. 99: St. Margarethe Breitenbrunn, Ausbringen von U, Fe-Erz, Zinkblende, Magnetkies, Schwefelkies, Sn, Ag,
Cu, Pb, Entwässerung über oberen und unteren Otto Stl. in Schwarzwasser (U, As, Fe, Cu, Zn, S, Co, Ni)
Nr. 100: St. Christoph Breitenbrunn, Ausbringen von Sn, Arsenkies, Schwefelkies, Fe-Erz, Zinkblende, Ag- und
Cu-Erze, entwässert über St. Christoph Stl. in Dorfbach (As, Fe, Cu, Zn, S)
Nr. 101: Fortuna (Sachsenerz-AG) bei Breitenbrunn, Ausbringen von Flussspat (As, Fe, Cu, Zn, S)
Nr. W25: Segen Gottes Unterrittersgrün, entwässert durch Stl. 220/220? in Pöhlwasser, Ausbringen von U (U)
Nr. W26: Pöhla, Globenstein, Ausbringen von Magnetit, entwässert durch Schurf 24 in Luchsbach (U)
Nr. W28: Hämmerlein, Tellerhäuser, Ausbringen von U, entwässert durch Stolln Pöhla in WBA in Luchsbach
(U)
Nr. W29: Schacht 247 Ehrenzipfel, Ausbringen von U (U, Zn)

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Abb. 8-5: Übersicht über die bekannten wichtigen Grubenbaue im Einzugsgebiet des Schwarzwassers,
untergliedert in die Zeiten vor/nach 1945, über Haldenflächen sowie Aussagen zu ihrer potenziellen hyd-
rogeochemischen Bedeutung
Böden und Landnutzung

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Im Einzugsgebiet überwiegen Podsol-Braunerden aus Hanglehm über basenarmem metamorphen Festgestein
gegenüber Braunerde-Podsolen aus Hanglehm über basenarmem magmatischen oder metamorphen Festgestein
(Abb. 8-6).
Abb. 8-6: Verbreitung der Bodenarten im Einzugsgebiet des Schwarzwassers
(auf Basis der BÜK 400 des
Freistaates Sachsen aus Kardel et al. 1996)
Gemäß der Verschneidungsmethodik (vgl. Kap. 4) ergeben sich die in Tab. 8-5 zusammengestellten mittleren
Elementgehalte in den Ober- und Unterböden. Hier zeigen sich, im Vergleich zum Gestein, bereits größere Un-

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terschiede des Untersuchungsgebietes zu Gesamtsachsen, wobei bei fast allen Elementen im Schwarzwasser-
gebiet höhere Gehalte zu verzeichnen sind.
Tab. 8-5: Mittlere Elementgehalte (P50) in Böden des Untersuchungsgebietes Schwarzwasser (SW) im
Vergleich zu Sachsen
, Werte aus RANK ET AL. 1999, Totalgehalte, Angaben in mg/kg
As
B
Be
Bi
Cd
Cr
Cu
Hg
SW
Oberboden
25
59
2,5
0,65
0,52
55
20
0,11
SW
Unterboden
15
68
2,7
0,32
0,46
60
20
0,08
Sachsen
Oberboden
14
37
1,4
0,23
0,37
34
12
0,09
Sachsen
Unterboden
9,0
42
1,6
0,14
0,32
39
13
0,05
Mo
Ni
Pb
Tl
U
V
W
Zn
SW
Oberboden
0,72
19
84
0,86
2,5
91
3,0
92
SW
Unterboden
0,56
27
48
0,77
2,5
93
2,6
97
Sachsen
Oberboden
0,52
12
59
0,44
2,0
46
1,5
56
Sachsen
Unterboden
0,41
16
37
0,54
2,0
52
1,2
49
In der Literatur fanden sich Hinweise, dass aufgrund der geogenen und anthropogenen Belastungen (Bergbau-
halden, Aufbereitung, Verhüttung) die Böden dieses Gebietes teilweise erhöhte Gehalte an Arsen und Schwerme-
tallen aufweisen, die über den Prüf- und Maßnahmenwerten der BBodSchV liegen. Eine Auswahl der Untersu-
chungsergebnisse zeigt Tab. 8-6.
Tab. 8-6: Nutzungsabhängige mittlere Elementgehalte (P50/P90) in Oberböden des Sondermessnetzes
Schneeberg-Aue-Schwarzenberg-Johanngeorgenstadt
, Totalgehalte, Angaben in mg/kg (LFUG 2006)
As
Cd
Pb
U
Acker P50/P90