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LagepLan
Der Wiederaufbau des Dresdner Schlosses
· bis 2007
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
www.smf.sachsen.de
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Niederlassung Dresden I
Königsbrücker Str. 80, 01099 Dresden
www.sib.sachsen.de
Auflage:
2. überarbeitete Auflage, Dezember 2012, 10.000 Stück
Redaktion:
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen · Inka Hüning, Marcus van Reimersdahl, Kerstin Dietze
Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement · Holger Krause, Renate Richter,
Gert Horstschulze a. D.
Autorin:
Andrea Hessler, freie Journalistin, Hamburg, andrea.hessler@pressecoach.de
Unter Verwendung fachlicher Beiträge von:
Prof. Dr. Gerhard Glaser, Landeskonservator a. D.
Prof. Dr. Rosemarie Pohlack, Landesamt für Denkmalpflege (Landeskonservatorin)
Norbert Oelsner, Landesamt für Denkmalpflege
Dr. Judith Oexle, ehemals Landesamt für Archäologie (Landesarchäologin)
Prof. Dr. Martin Roth, ehemals Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Generaldirektor)
Wolf Karl Reidner, Sächsisches Staatsministerium der Finanzen (Abteilungsleiter) a. D.
Inka Hüning, Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Ulrich Atzberger, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Ludwig Coulin, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (Niederlassungsleiter Dresden I)
Holger Krause, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Sven Wiche, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement
Lucas Müller, Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement a. D.
Horst Witter, freier Architekt
Prof. Peter Kulka, freier Architekt
Dankwart Guratzsch, freier Journalist und Korrespondent für »Die Welt«
Gestaltung:
Bettina Schmiedel, Dresden,
www.mondsilber.de
Druck:
Stoba-Druck GmbH, Lampertswalde,
www.stoba-druck.de
Fotorecherche:
Anja Miesner, Dresden,
www.wissenswandel.com
Dank:
Unser Dank gilt allen am Bau beteiligten Firmen, die aber aufgrund der Vielzahl nicht einzeln
aufgeführt werden können. Dafür bitten wir um Verständnis. Ihnen gebühren Ehre und Respekt für die
außerordentlichen Leistungen im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau des Dresdner Schlosses!
Bezug:
Diese Druckschrift kann kostenfrei bezogen werden bei:
Zentraler Broschürenversand der Sächsischen Staatsregierung
Hammerweg 30, 01127 Dresden
Telefon: +49 351 2103671 / 72
Telefax: +49 351 2103681
E-Mail: publikationen@sachsen.de
www.publikationen.sachsen.de
Verteilerhinweis:
Diese Informationsschrift wird von der Sächsischen Staatsregierung im Rahmen ihrer verfassungsmäßigen
Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie darf weder von Parteien noch von deren
Kandidaten oder Helfern im Zeitraum von sechs Monaten vor einer Wahl zum Zwecke der Wahlwerbung
verwendet werden. Dies gilt für alle Wahlen.
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Untersagt ist auch die Weitergabe an Dritte zur Verwendung bei der Wahlwerbung. Auch ohne zeitlichen
Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die vorliegende Druckschrift nicht so verwendet werden, dass dies
als Parteinahme des Herausgebers zu Gunsten einzelner politischer Gruppen verstanden werden könnte.
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und in welcher Anzahl diese Informationsschrift dem Empfänger zugegangen ist. Erlaubt ist jedoch den
Parteien, diese Informationsschrift zur Unterrichtung ihrer Mitglieder zu verwenden.
Copyright:
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die des Nachdruckes von Auszügen
und der fotomechanischen Wiedergabe, sind dem Herausgeber vorbehalten.
Der Wiederaufbau des
Dresdner Schlosses
EINE BAUDOKUMENTATION · BIS 2007
ElBE
SEmpERopER
ZwinGER
HoFkiRCHE
TASCHEnBERGpAlAiS
STAllHoF
JoHAnnEUm
SCHloSS

ErdgEschoss
1.
obErgEschoss
2.
obErgEschoss
3.
obErgEschoss
Grundrisse
1
Eingang Hausmannsturm, Grünes Tor
2
Schlosskapelle
3
Schönes Tor
4
Georgenbau
5
Gotische Halle – Schlossausstellung
6
Englische Treppe
7
Eingang Torhaus – Löwentor
8
Eingang Bärengartenflügel
Grosser schlosshof
Kleiner schlosshof
foyer
1
3
2
5
9
7
6
4
8
N
9
Wirtschaftshof
10
Eingang Südteil
11
Jagdtor
12
Garderobe im Zwischenflügel Nord
13
Museumsshop
14
Vorgewölbe
15
Elfenbeinzimmer
16
Weißsilberzimmer
17
Silberzimmer
18
Pretiosensaal
19
Wappenzimmer
20
Juwelenzimmer
21
Bronzenzimmer
22
Gastronomie
23
Schlossgarten
24
Neues Grünes Gewölbe
25
Fürstengalerie
26
Mehrzwecksaal
27
Kunstbibliothek
28
Englische Treppe
29
ehemaliger Gardesaal
30
Ausstellung Rüstkammer
31
Georgenbau
32
Englische Treppe
33
Riesensaal
34
Großer Ballsaal
35
Turmzimmer
36
Propositionssaal
37
Eckparadesaal
38
1. Vorzimmer
39
2. Vorzimmer
40
Audienzgemach
41
Paradeschlafzimmer
42
1. Retirade
43
2. Retirade
44
Bilderkabinett
45
Türckische Cammer
46
Kleiner Ballsaal
47
Ausstellung Münzkabinett
48
Aufgang Hausmannsturm
49
Kupferstich-Kabinett – Studiendepot
50
Kupferstich-Kabinett – Studiensaal
51
Kupferstich-Kabinett – Ausstellung
52
Münzkabinett
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
48
49
50
51
52
51
49
47
32
33
34
46
37
36
35
38
39
42
43
40
41
44
45
31
28
24
25
26
27
29
30

 
Der Wiederaufbau des
Dresdner Schlosses
EinE BaudokumEntation · Bis 2007

Inhalt
Grußwort des Ministerpräsidenten
6
Grußwort des Finanzministers
7
Einführung
Ein großes Werk ist fast vollendet
9
BaugEschichtlichE Entwicklung
Die Archäologie
13
Die Baugeschichte
16
Der Beitrag der Architekten
26
wiEdEraufBau – anfängE
Die Sicherungsarbeiten nach 1945
29
wiEdEraufBau – üBErBlick
Die Vorbereitung der Baumaßnahme
39
Die Übernahme durch die sächsische Staatshochbauverwaltung
41
Das Richtfest am Hausmannsturm
44
Das Kabinett beschließt die Nutzung im Sinne der Denkmalpflege
49
Das Kolloquium zu Wiederaufbau und Nutzung
50

Die Schlosskommission
53
Schritt für Schritt zum Erfolg
54
wiEdEraufBau – EtappEn
Die Interimsspielstätte »Kleines Haus«
57
Das Münzkabinett
59
Die Hochwasserkatastrophe 2002
62
Die Verwaltung der Staatlichen Kunstsammlungen
66
Das Kupferstich-Kabinett
70
Interview mit dem Architekten Horst Witter
75
Das Bauprogramm des Grünen Gewölbes
76
Das Neue Grüne Gewölbe
78
Das Kolloquium zum Historischen Grünen Gewölbe
83
Das Historische Grüne Gewölbe
85
Die Wände im Historischen Grünen Gewölbe
92
Gold auf Holz und Glas im Historischen Grünen Gewölbe
94
Die Spiegel im Historischen Grünen Gewölbe
96

Die Rekonstruktion des Juwelenzimmers
98
Der Rohbau des Ostflügels
101
Interview mit Ministerialdirigent Wolf Karl Reidner
105
Die Rüstkammer
106
Die Paraderäume Augusts des Starken
109
Interview mit dem Architekten Prof. Peter Kulka
112
wiEdEraufBau – ausBlick
Ein Projekt für Generationen
115
Kunst begegnet Geschichte
116
anhang
Geschichte des Dresdner Schlosses
119
Mitglieder der Schlosskommission
125
Literatur
126
Abbildungsverzeichnis
127

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01

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6 ·
20 JAHRE WIEDERAuFBAu DRESDNER ScHLOSS
Liebe Leserinnen und Leser,
im dresdner Residenzschloss vereinen sich zahlreiche
Baustile, es ist ein bedeutendes Bauwerk der Renaissance.
als einstige Residenz der Wettiner war es über Jahrhun-
derte hinweg der mittelpunkt sächsischer Politik.
Während der Bombenangriffe auf unsere Landeshaupt-
stadt im Februar 1945 wurde das schloss stark zerstört.
mit der deutschen Wiedervereinigung entwickelten die
sachsen einen enormen aufbauwillen und tatendrang,
um die narben des krieges im stadtbild endlich zu ka-
schieren. so wurde das Residenzschloss zur größten kul-
turbaustelle des Freistaates.
die Wettinerresidenz von einst ist zu einem modernen
und lebendigen Zentrum für kunst und Wissenschaft
geworden. nicht nur das Gebäude an sich ist äußerst se-
henswert. auch der »inhalt« überzeugt: so beherbergt das
schloss die staatlichen kunstsammlungen, die hochkarä-
tige ausstellungen in fünf museen zeigten. der lebendige
museumskomplex hat sich längst als beliebte Pilgerstätte
von Besuchern aus nah und fern etabliert.
sachsen zeigt damit, wie gut es möglich ist, eine Brücke
zwischen tradition und moderne zu schlagen. das impo-
sante dresdner schloss bewahrt kulturell und historisch
wertvolle schätze, die teil unserer identität sind. Gleich-
zeitig setzt das Bauwerk maßstäbe durch neu hinzuge-
fügte, moderne architektonische Elemente.
Grußwort des Ministerpräsidenten
mit dem schloss hat die Landeshauptstadt nicht nur
einen ihrer schönsten anziehungspunkte wiederbekom-
men. auch der Freistaat erhält ein Wahrzeichen sächsi-
scher Geschichte zurück. der Wiederaufbau dieses ein-
zigartigen denkmals macht deutlich, wie unermüdlich die
sachsen ihr Land seit der Wende aufbauen und gestalten.
das dresdner Residenzschloss steht damit stellvertretend
für die vielen Erfolgsgeschichten des Wiederaufbaus in
sachsen.
ich danke allen menschen, die an dieser mammutaufgabe
mitgewirkt haben und allen, die noch mitwirken werden.
und natürlich wünsche ich ihnen, liebe Leserinnen und
Leser, viele unvergessliche stunden in unserem wunder-
schönen dresdner Residenzschloss.
stanislaw tillich
Ministerpräsident des Freistaates Sachsen

20 JAHRE WIEDERAuFBAu DRESDNER ScHLOSS
· 7
Liebe Leserinnen und Leser,
der Wiederaufbau des ehemaligen Residenzschlosses ist
ein nicht nur in dresden und sachsen, sondern auch in-
ternational viel beachteter Prozess. Vor über 25 Jahren,
im Jahr 1986, wurde bereits mit den ersten sanierungs-
maßnahmen am schloss begonnen. nach der friedlichen
Revolution und der deutschen Wiedervereinigung trieb
die sächsische staatsregierung den Wiederaufbau wei-
ter voran. denn das dresdner schloss ist ein Baudenkmal
von höchster kulturhistorischer Bedeutung und ein mo-
nument sächsischer Geschichte.
Ein großer teil des Wiederaufbaus ist inzwischen ge-
leistet. Bis mitte des Jahres 2012 hat der Freistaat rund
275 millionen Euro in die Restaurierung investiert. das
kupferstichkabinett, das Grüne Gewölbe, die türckische
Cammer, die Englische treppe sowie die architektur des
kleinen schlosshofes locken jeden tag unzählige Besu-
cher ins schloss.
Jede dieser Fertigstellungen war ein Ereignis für sich und
ein bemerkenswerter meilenstein in der Geschichte des
Wiederaufbaus. allerdings liegen auch noch große auf-
gaben vor uns. denn so, wie das dresdner schloss nicht in
einer Generation entstanden ist, lässt es sich auch nicht
in einer Generation wieder aufbauen.
das ehemalige Residenzschloss ist teil eines einzigartigen
bauhistorischen Ensembles. in unmittelbarer nähe lie-
gen Zwinger, semperoper und staatsschauspiel. all diese
prächtigen Gebäude bilden kulturhistorisch eine Einheit,
die insgesamt finanzieller investitionen in bedeutender
Grußwort des Finanzministers
Höhe bedarf. da jeder Euro nur einmal ausgegeben wer-
den kann, müssen auch bei den Baumaßnahmen Prioritä-
ten gesetzt werden.
2012 wurde der Riesensaal, der ehemalige Festsaal des
schlosses, fertig gestellt. auch die Wiederherstellung des
schlingrippengewölbes in der schlosskapelle schreitet
weiter voran. der Einbau geht auf spätgotische Wölb-
techniken zurück. 400 Jahre führte diese Gewölbetechnik
einen dornröschenschlaf. sächsischen architekten, For-
schern, Bauleuten und manufakturen ist es gelungen, die
mittelalterliche technik des schlingrippengewölbes wie-
der zu beleben. die Rekonstruktion dieser handwerklichen
Fähigkeiten stellt einen weltweit einmaligen Prozess dar.
Es wird noch einige Zeit dauern, bis das dresdner Resi-
denzschloss in seiner Gesamtheit wieder erstanden sein
wird. der Freistaat wird weiter an der Fertigstellung ar-
beiten und das bereits Geschaffene auf einem gleich-
bleibend hohen niveau erhalten. das dresdner schloss
spiegelt die Lebens- und Baukultur vergangener Jahrhun-
derte wider. Es soll noch vielen nachfolgenden Genera-
tionen Einblicke in diese wahrlich herausragende Bau-
und kulturgeschichte sachsens gewähren.
Prof. dr. Georg unland
Sächsischer Staatsminister der Finanzen

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8 ·
EINFÜHRuNG
02
Blick nach Westen (1992)
Einführung
01

EINFÜHRuNG
· 9
Wer heute durch Dresden geht, kann kaum glauben,
was hier in den vergangenen Jahren geschaffen wur-
de. Kräne und gerüste, die lange Zeit das Bild der
Stadt bestimmten, sind noch nicht alle verschwun-
den. Kein Wunder, war diese wunderschöne barocke
Metropole doch nahezu dem Erdboden gleich. Die
Verwundungen des Zweiten Weltkriegs heilen nur
allmählich. Doch eines der größten restaurierungs-
vorhaben wurde – zumindest was seine äußere hülle
anbelangt – weitgehend abgeschlossen: Das Dresdner
residenzschloss ist aus Schutt und Asche wieder auf-
gebaut, das Ensemble auf und im hintergrund der
Brühlschen Terrasse ist wieder komplett. Jetzt können
wir aufs neue von der gegenüberliegenden Elbseite
den berühmten Canalettoblick genießen. und manch-
mal, frühmorgens oder am Abend, wenn Dämmerung
und diffuses Licht die Konturen verschwimmen und
Details verschwinden lassen, können wir uns beim
Betrachten dieses einmaligen Panoramas ein bisschen
fühlen wie die auf der neustädter Seite promenie-
renden Bürger Dresdens in früheren Jahrhunderten,
die von ferne die großartigen Bauten bewunderten.
Viel hat sich geändert seit diesen Zeiten. Vor allem
aber ist das residenzschloss wie alle anderen restau-
rierungsprojekte zu einer herzensangelegenheit der
Dresdner und ihrer freunde geworden. natürlich war
dieses immens aufwändige Vorhaben zunächst nicht
völlig unumstritten. Viele Menschen waren verständ-
licherweise skeptisch, ob so ein Mammutwerk über-
haupt würde gelingen können. So stellte sich zu Be-
ginn zum Beispiel die frage: Wie authentisch sollte
Ein großes Werk ist fast vollendet
der Wiederaufbau sein? und was bedeutet letztlich
Authentizität bei einem gebäudeensemble, das über
Jahrhunderte hinweg in unterschiedlichen Baustilen
entstand?
handwErkEr, diE fast vErgEssEnE
gEwErkE BEhErrschEn, musstEn gEfundEn
wErdEn
Bei einigen details hat es viel Zeit und mühe gekostet, die
Vertreter traditioneller Gewerke zu finden und gemein-
sam mit ihnen an verloren geglaubte alte Handwerks-
traditionen anzuknüpfen. Wo sonst werden Fassaden in
aufwändiger sgraffito-technik bemalt oder besser »be-
kratzt«? Wo wird noch die steinmetzkunst in dieser Form
gepflegt und werden innenräume mit einem derartigen
Prunk ausgestattet? Wo gibt es noch historische spiegel,
die mit einer Zinnamalgamschicht belegt sind, die jene
unnachahmliche Reflexion erzeugt und Räume zu einer
weitläufigen inszenierung macht?
Ein derart herausragendes Restaurierungsprojekt ist nie
nur eine pure Wiederherstellung von Vergangenem. Fast
ebenso wichtig ist der Gesichtspunkt, dass kulturhisto-
risch wertvolle Fertigkeiten erhalten bleiben und auch
noch unsere Enkel und urenkel die Ergebnisse bewundern
können. doch trotz dieser positiven argumente stellt sich
für viele Zeitgenossen nach wie vor die Frage, was uns
dieses Bewahren von Handwerk und können, von stein,
Glanz und tradition kosten darf. die großen Restau-
rierungsvorhaben in den alten Bundesländern wurden

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10 ·
EINFÜHRuNG
überwiegend zu Zeiten begonnen und vollendet, als die
Wirtschaft brummte und die öffentlichen kassen noch
voll waren. Ganz anders beim Wiederaufbau von dresden.
Hier waren die mittel schon zu ddR-Zeiten knapp und
auch nach der Wende führten viele dresdner und auch
ihre Gäste die debatte: ist es in Zeiten knapper kassen
zu rechtfertigen, wenn millionen – zuerst mark und dann
Euro – in ein altes Gebäude fließen, das überwiegend als
museum genutzt wird? Von den Folgekosten einer derart
aufwändigen anlage ganz zu schweigen!
frEistaat giBt mEhr gEld für diE
Erhaltung sEinEr kulturgütEr aus als
andErE BundEsländEr
doch letztlich überwogen die argumente, die für die Wie-
derherstellung des dresdner Residenzschlosses sprachen.
sie überzeugten auch kritische Politiker, die gerne andere
Prioritäten bei der Verteilung öffentlicher Gelder gesetzt
hätten. Prof. dr. Georg milbradt, damals Finanzminister
und später ministerpräsident des Freistaates, betonte von
Beginn an: »dieser herausragende Bau deutscher kultur-
geschichte steht natürlich im mittelpunkt des interesses
der Bürger im Freistaat sachsen. Er steht aber auch im
interesse der kultur- und geschichtsbewussten Weltöf-
fentlichkeit.«
schon kurz nach der Wende stellte sich heraus, dass
dresden eine der am meisten besuchten touristischen at-
traktionen in deutschland werden würde und dass seine
kulturschätze und traditionen eine unbezahlbare anzie-
hungskraft entwickeln würden. so ist ein Restaurierungs-
vorhaben nicht zuletzt auch eine investition in den tou-
rismus. nicht umsonst gibt der Freistaat sachsen seit der
Wende mehr Geld für kultur aus als andere Bundesländer.
das Ergebnis des Projektes spricht für sich. inzwischen
haben schon Hunderttausende interessierter das wieder-
erstandene dresdner schloss besucht. sie bewundern die
Gesamtheit und die oft mühsam errungenen details und
sind überwiegend begeistert. doch auch dresdner, die das
Voranschreiten des Vorhabens kontinuierlich verfolgen
konnten, stellen häufig die Frage: Wie ging die immense
arbeit an dem riesigen Bau eigentlich vor sich? Wie wur-
den die einzelnen schritte koordiniert, was musste – zum
Beispiel im Bereich denkmalschutz und archäologie – be-
achtet werden?
03
Westseite des Schlosses (August 1947), im Vordergrund das leere Podest des Wettinobelisken

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EINFÜHRuNG
· 11
diese Broschüre soll allen Bürgern und Besuchern nahe
bringen, wie die arbeiten im Laufe der Jahrzehnte von-
statten gingen, mit welchen schwierigkeiten die Bauleute
zu kämpfen hatten, wie einzelne teile dieses großartigen
Projekts schließlich gelangen und welche Pläne es für sei-
ne Vollendung gibt.
04
Westseite des Schlosses (August 2007)
05
Baustellenbesichtigung im April 2004 mit dem Ministerprä-
sidenten des Freistaates Sachsen, Prof. Dr. Georg Milbradt, dem
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium der Finanzen,
Dr. Wolfgang Voß, und dem Leiter der Niederlassung Dresden I des
Sächsischen Immobilien- und Baumanagements, Ludwig Coulin
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Treppenturm Nordost, Reliefplatten im Traufbereich des Turmes
(Ende 2005)
05
06

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12 ·
BAuGEScHIcHtLIcHE ENtWIcKLuNG
BAugESChiChTLiChE
EnTWiCKLung
02
07
Blick vom sich im Rohbau befindlichen Ostflügel in den Großen Schlosshof (Juni 2006)

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BAuGEScHIcHtLIcHE ENtWIcKLuNG
· 13
Sollen historische Bauten bewahrt, geschützt und
auch wieder aufgebaut werden, so gilt es, diese Maß-
nahmen möglichst schonend vorzunehmen. immer ist
zu beachten, dass im rahmen dieser Arbeiten wert-
volle archäologische funde entdeckt werden können.
Sie erzählen uns nicht nur von der Vergangenheit der
toten gemäuer, sondern vor allem auch vom Leben
der Menschen, die sie einstmals bewohnten. häufig
sind diese fundstücke klein und unscheinbar. Manch-
mal erschließt sich ihre Qualität nur den fachleuten.
Daher ist es wichtig, dass von Beginn der Sicherungs-
und restaurierungsarbeiten an Archäologen hinzuge-
zogen werden.
glücklicherweise war dies bei der restaurierung des
Dresdner Schlosses der fall. Schon im Jahr 1982
wandte sich die Aufbauleitung des rates des Bezirkes
Dresden unter Erich Jeschke an das damalige Lan-
desmuseum für Vorgeschichte und bat um dessen
Zustimmung für geplante Schürfungen, bevor man
mit dem Wiederaufbau beginnen wollte. Ende 1982
begannen unter großem Zeitdruck die grabungen im
großen Schlosshof. Die rahmenbedingungen waren
schwierig; einerseits sollte nicht noch mehr zerstört
werden, andererseits mussten auch diese Arbei-
ten und vor allem die beteiligten Archäologen, hier
ist besonders reinhard Spehr zu nennen, besonders
abgesichert werden. Trotz auftretender Probleme
konnten die grabungen im großen Schlosshof bis
zum Beginn der rekonstruktionsmaßnahmen im Jahr
1986 im Wesentlichen abgeschlossen werden. nach
1994 wurden die grabungen durch das Landesamt
Die Archäologie
für Archäologie fortgesetzt. Seit dieser Zeit konnten
alle flächen, die von Baumaßnahmen betroffen wa-
ren, archäologisch untersucht werden. Es gelang, viele
wertvolle geschichtszeugnisse dem Boden und damit
dem Vergessen zu entreißen.
archäologEn findEn ErstaunlichE
ZEitZEugnissE
die ergrabenen Baubefunde des vergangenen Viertel-
jahrhunderts zeigen uns, dass sich unter dem schloss der
Renaissance und der Gründerzeit, eine mittelalterliche
Burganlage mit zahlreichen um- und anbauphasen aus
dem spätmittelalter erhalten hatte. darüber hinaus er-
brachten die Grabungen das höchst überraschende
Ergebnis, dass hier seit etwa 1175 eine frühstädtische
ansiedlung bestanden hatte, die in die Zeit vor der ur-
kundlich überlieferten stadtgründung vor 800 Jahren
zurückführt. Erdbefunde und steingefügte keller früherer
stadthäuser beweisen, dass weite teile des ältesten dres-
dens dem großen stadtbrand (zwischen den Jahren 1200
und 1250) zum opfer fielen. Erst nach dieser katastrophe
entstand die älteste Burganlage, die sich an die vorhan-
dene, steinerne stadtmauer anlehnte.
im Zentrum dieser Burganlage stand ein saalgeschossbau
(die sogenannte kemenate). der keller dieser kemenate
ist glücklicherweise in teilen erhalten geblieben. Er wird
nach dem Wiederaufbau des ostflügels als ältester Bau-
körper auch der Öffentlichkeit wieder zugänglich sein. die
obergeschosse sind nicht mehr erhalten. trotzdem lässt

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14 ·
BAuGEScHIcHtLIcHE ENtWIcKLuNG
das aufwändige kreuzgratgewölbe mit seinen kräftigen
Gurtbögen erkennen, welch repräsentativem anspruch
dieses rechteckige steingebäude dienen sollte. der Bau
war ein dominanter Baukörper in einem rechteckigen
Burghof, der im Laufe des 14. Jahrhunderts mit einer stei-
nernen Bewehrung und türmen versehen wurde.
um das Jahr 1400 wurde die älteste Burganlage mehr-
fach umgebaut, alte teile abgebrochen. neu entstanden
das »alte Haus«, das auf dem ältesten teil der stadtmauer
aufsitzt, und die neue Burgmauer. Wenig später wurde
dann der bis heute im Erdgeschoss in seiner mittelalter-
lichen substanz erhaltene ostflügel errichtet. die archäo-
logischen Grabungen haben gezeigt, dass hierfür der
saalgeschossbau, weite teile der stadtmauer sowie der
turmanlagen abgetragen bzw. teilweise verfüllt werden
mussten. Bis zirka 1550 verlor die alte, mächtige Burg all-
mählich ihren Befestigungscharakter und wurde zuneh-
mend zu der herrschaftlichen Residenz, wie wir sie heute
kennen. Zahlreiche Brunnen, Latrinen und abfallgruben
aus dem 15. und 16. Jahrhundert zeigen uns, wie intensiv
die gesamte anlage genutzt wurde.
die älteste, leider nur in kleinen ausschnitten nachweis-
bare, bürgerliche Bebauung stammt ebenfalls aus dem
14. Jahrhundert. dabei verdient eine zwei meter breite
kellertreppe unsere aufmerksamkeit, die sich unter dem
schloss erhalten hat. sie ist ein besonderes archäolo-
gisches Zeugnis für den Lebensstandard reicher stadt-
bürger und deren großzügige Bauweise, aber leider für
die Öffentlichkeit nicht sichtbar.
Weitere archäologische Befunde führen uns in die zweite
Hälfte des 13. Jahrhunderts. Erdboden und steintrüm-
mer gaben zum Beispiel Rinderhörner und Fragmente
von knochenkämmen frei. diese belegen, dass kno-
chenschnitzer im umfeld der Burg arbeiteten. Ebenfalls
erhalten ist noch der Zugang zu einem kellergeschoss.
die darüber liegenden Geschosse waren mit einer au-
ßen liegenden treppe erschlossen, wie wir sie auch von
zeitgleichen bürgerlichen turmhäusern aus sachsen oder
südwestdeutschland kennen. damit gliedert sich dres-
den in die Formensprache einer regional übergreifenden
architekturtradition ein, die Bestandteil der adeligen und
gehobenen bürgerlichen Wohnkultur war.
suchen und graben, forschen und vergleichen – am
dresdner schloss zeigt sich beispielhaft wie und warum
die arbeit von archäologen uns wesentliche Erkenntnisse
über die Vergangenheit oft weit auseinander liegender
menschlicher ansiedlungen bringt.
gEBrauchsgEgEnständE gEBEn uns
EinBlickE in vErschiEdEnE miliEus
Beim Bau der renaissancezeitlichen schlossanlage wur-
den auch benachbarte Bürgerhäuser in den schlossbau
einbezogen. dieser Erweiterungsprozess fand erst mit der
letzten Ergänzung des schlosses nach süden während
der Gründerzeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts sein
Ende. in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde
08
09

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BAuGEScHIcHtLIcHE ENtWIcKLuNG
· 15
diese anlage mit einem repräsentativen torhaus verse-
hen, von dem aus eine Brücke über den neu angelegten,
ca. 20 meter langen Burggraben führte. unter dem klei-
nen schlosshof konnte das Landesamt für archäologie
die äußere Befestigungsmauer auf einer Länge von 63
metern ausgraben. sie ist bis heute bis zu einer Höhe von
4,40 metern erhalten. das Erdgeschoss des torhauses
verblieb im untergeschoss konserviert, beides ist aller-
dings für Besucher nicht zugänglich.
das reiche Fundmaterial aus dieser Zeit, überwiegend
Gegenstände aus keramik und Glas, gibt uns wertvolle
Einblicke in das Leben der Bewohner, die an der naht-
stelle vom mittelalter zur neuzeit lebten. Besonders gut
erhalten sind zum Beispiel zwei emailbemalte Vierkant-
flaschen des 16. Jahrhunderts mit alttestamentarischen
szenen, die aus einem gehobenen sozialen milieu stam-
men. doch auch Fundstücke aus der üblichen alltagskul-
tur einfacherer Bevölkerungsschichten geben uns gute
Einblicke in den alltag des 15. und 16. Jahrhunderts. sehr
aufschlussreich ist unter anderem keramik; sie gibt uns
eine Vorstellung vom zeitgenössischen tisch- und kü-
cheninventar dieser Epoche.
das Landesamt für archäologie wird seine Grabungen
wohl erst mit dem abschluss der sanierung und Rekon-
struktion des dresdner schlosses beenden. immer noch
finden sich wichtige details an Gebäuden und Gegen-
stände, die wissenschaftlich aufbereitet werden müssen.
Bereits jetzt ist deutlich, dass die archäologischen unter-
suchungen diesem zentralen ort der dresdner Geschichte
eine historische dimension gegeben haben, die über das,
was zu sehen und in überlieferten urkunden zu lesen ist,
weit hinausführen.
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Blick vom Hausmannsturm in den Großen Schlosshof während
der archäologischen Grabungen (November 1986)
09
Freigelegte spätromanische Kemenate im Großen Schlosshof
(Januar 1986)
10
Archäologische Befunde aus der zweiten Hälfte des 13. Jahr-
hunderts, Rinderhörner und Fragmente von Knochenkämmen
11
Emailbemalte Vierkantflasche des 16. Jahrhunderts,
Fundort: Kleiner Schlosshof

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BAuGEScHIcHtLIcHE ENtWIcKLuNG
Bauwerke sind immer im zeitgeschichtlichen Kontext
zu sehen. Anhand der Architektur früherer Jahrhun-
derte können wir nicht nur lernen, welcher geschmack
vorherrschte und wie sich Künste und handwerk ent-
wickelten. Der ehemalige Ministerpräsident Prof. Dr.
georg Milbradt, der schon als finanzminister die
Baumaßnahmen des freistaates mit großem Enga-
gement begleitete, kommentierte die geschichte und
den Wiederaufbau des Dresdner residenzschlosses so:
»Die gesamte Schlossanlage spiegelt den politischen
Anspruch ihrer jeweiligen Bauherren wider. Sie ist ein
zeitgeschichtliches und künstlerisches Dokument, das
uns heute das Verständnis für die im Laufe der Jahr-
hunderte gewandelten Ansichten über Politik und
Kunst erleichtert.«
Die Baugeschichte
vErschiEdEnE EpochEn und stilE BauEn
aufEinandEr auf
Große Wohn- und Gewerbegebäude entstehen heute
vielfach in wenigen Wochen. sogar riesige anlagen wie
kraftwerke und Flughäfen werden dank modernster
techniken mit unglaublicher Effizienz in wenigen Jah-
ren errichtet. Ganz anders, nur allmählich, häufig mit
unterbrechungen und umplanungen, entwickelten sich
die Baumaßnahmen in früheren Zeiten. Häufig waren
Bauwerke dauerprojekte, an denen Generationen von
Bauherren und Handwerkern über Jahrhunderte mitwirk-
ten. auch das dresdner Residenzschloss wurde im Lau-
fe der Zeit immer wieder umgebaut, erweitert und den
sich wandelnden Bedürfnissen seiner Herren angepasst.
12

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dies hat zur Folge, dass wir heute die unterschiedlichsten
Bauepochen – von der Romanik bis zum Historismus – an
ihm nachvollziehen können.
1289 erstmalig in einer urkunde als »Castrum« (Burg) er-
wähnt, ging es aus einer fünf türme aufweisenden, leicht
befestigten Curie hervor. sie diente insbesondere auch
der kontrolle der großen dresdner Elbbrücke. Weitere ar-
chäologische Grabungen auf dem schlossgelände weisen
nach, dass an dieser stelle vorher Häuser in Holzbauwei-
se standen. Eine entscheidende Vergrößerung erhielt das
»Castrum« in den Jahren 1468 bis 1480. ab jetzt ist ein
geschlossener, vierflügeliger Grundriss zu erkennen. auch
das südliche torhaus entstammt dieser Zeit. ab dem Jahr
1485 wird dresden samt seinem schloss zur ständigen
Residenz der albertinischen Wettiner.
Herzog Georg lässt den nach ihm benannten Georgenbau
errichten, in dem er das so genannte Elbtor umbauen ließ
(1530–1535). doch die entscheidende, noch heute prä-
gende Gestalt erhielt das schloss in den Jahren 1548 bis
1556. in dieser Zeit ließ der schloss- und Bauherr kurfürst
moritz, der als der wohl politisch erfolgreichste Wettiner
im Jahr 1547 kurfürst geworden war, die damals noch
spätgotische anlage auf das doppelte ihrer bisherigen
ausdehnung erweitern. die bereits mit der Errichtung des
Georgenbaus in dresden ihren Einzug gehaltene Formen-
sprache der Renaissance erreichte eine neue Qualität.
allE hErrEn drückEn ihrEm
rEsidEnZschloss dEn stEmpEl auf
die Erweiterung unter kurfürst moritz im stil der Renais-
sance war eine architekturgeschichtlich und künstlerisch
bedeutsame Leistung und einer der Höhepunkte deut-
scher schlossbaukunst. Er gab den neubau vom west-
lichen teil des nordflügels mit der schlosskapelle in auf-
trag, außerdem den westlichen südflügel und den neuen
Westflügel mit der späteren »Geheimen Verwahrung«.
im ostflügel entstand der große Festsaal des schlosses,
der so genannte Riesensaal. Zeugnisse aus dem 16. Jh.
belegen, dass gemalte Riesen scheinbar die flache decke
trugen. auch der östliche südflügel und teile des Haus-
mannsturms wurden umgebaut. die neuartige Vierflügel-
anlage samt den grandiosen details war symbol seiner
eben erlangten kurfürstenwürde.
Besonders beeindruckend ist das Portal der schlosska-
pelle mit seinem reichen plastischen schmuck und der
verzierten Holztür. Bau- und kunstgeschichtlich ist diese
Portalgestaltung sicherlich eines der edelsten Zeugnisse
12
Ausschnitt aus einer Ansicht von Dresden, von Osten gesehen
(Gabriel de Thola um 1570)
13
Rekonstruktion eines Gebäudes der ältesten Bebauung (um
1200) auf dem späteren Schlossgelände
14
Die burggräfliche Curie am Brückenkopf (um 1250), Blick von
Nordost, Rekonstruktionsvorschlag von Reinhard Spehr
13
14

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der deutschen Renaissance. Großartig waren auch Ge-
staltung und innenausstattung der Hofkapelle. dieser Be-
reich des dresdner schlosses, im westlichen teil des nord-
flügels gelegen, hat eine sehr wechselhafte Geschichte.
als Herzog moritz die kurwürde erhielt, wollte er schnell
seine Residenz erweitern. Zwischen 1548 und 1556 ließ
er den Westflügel, den westlichen südflügel und die drei
Wendelsteine im Großen schlosshof errichten. sein Bau-
meister Caspar Vogt von Wierandt baute, wie zu dieser
Zeit üblich, im stil der Renaissance. als Vorbild diente die
torgauer schlosskapelle. die kapelle im dresdner schloss
war nach dieser die zweite evangelische schlosskapelle
im mutterland der Reformation.
die neue Religion war natürlich nicht unumstritten; da-
her wurde die schlosskapelle architektonisch nicht groß
hervorgehoben, sondern erhielt eine äußerlich eher de-
zente anmutung. das kapellenportal war jedoch ein
reich gearbeitetes meisterstück der Renaissancebaukunst
(1555/1556). der innenraum besaß im Gegensatz zu spä-
teren protestantischen kirchen mit seinem aufwändig
gestalteten Gewölbe eine üppige ausstattung. und eine
weitere Besonderheit zeichnete die schlosskapelle aus:
in ihr wirkte als Hofkapellmeister Heinrich schütz. au-
ßerdem musizierte in der schlosskapelle die 1548 neu
gegründete Hofkapelle, aus der die heutige sächsische
staatskapelle hervorging. doch für diese kulturgeschicht-
lichen meilensteine interessierte sich august der starke
wenig. Er konvertierte zum katholischen Glauben, um kö-
nig von Polen werden zu können. sein sohn ließ die ka-
tholische Hofkirche errichten. die evangelische schloss-
kapelle wurde im Jahr 1737 aufgegeben und zur neuen
evangelischen Hofkirche die sophienkirche bestimmt.
das berühmte Renaissanceportal versetzte man an deren
Westgiebel und um 1870 erhielt es an der Westseite des
Johanneums am Jüdenhof seinen langjährigen standort.
als älteste substanz im aufgehenden mauerwerk blieben
über die Jahrhunderte der östliche nordflügel und der
Hausmannsturm erhalten. die aufgefundenen Reste ver-
raten uns heute die Entstehungszeit und den damaligen
Baustil. so lässt sich u. a. erkennen, dass der Hausmann-
sturm um das Jahr 1400 entstand. Er ist übrigens einer
der ersten teile des schlosses, der nach dem 2. Weltkrieg
wieder aufgebaut wurde. schon im Jahr 1991 bekam er
seine kupferne spitze, die 24 meter hoch ist und 8,5 ton-
nen wiegt, mit der 6 meter hohen goldenen Wetterfahne
zurück. im sommer können Besucher die 327 stufen bis
zur aussichtsplattform hinaufsteigen und den grandio-
sen Blick über dresden bis zu den ausläufern der säch-
sischen schweiz genießen.
15
Spätgotisches Kreuzgratgewölbe im Erdgeschoss des Ostflügels,
es zeigt das älteste Bildnis der Kurschwerter, wahrscheinlich wurde
der Raum in der Zeit zwischen 1464 und 1485 eingewölbt
16
Schössereikeller, die Mittelsäule des Kreuzgratgewölbes
entstand 1528/30, mit dem Bau der Englischen Treppe im Jahr 1693
wurde diese von vier Stützpfeilern nahezu verdeckt
17
Portal der ehemaligen protestantischen Schlosskapelle am
Standort Sophienkirche
15
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künstlErischE schmuckElEmEntE diEnEn
dEr rEpräsEntation
Von 1549 bis 1552 versah man die Fassaden des schlos-
ses mit sgraffitodekorationen. Für diese künstlerischen
arbeiten wurden, wie für viele andere Bauarbeiten am
schloss, spezialisten aus italien geholt. Gemeinsam mit
deutschen künstlern und Handwerkern gestalteten sie
den gewünschten ikonografischen, auf fürstliche Reprä-
sentation ausgerichteten, Fassadenschmuck. Eine wei-
tere Bauetappe setzte Ende des 16. Jahrhunderts mit der
schlosserweiterung nach süden ein. in dieser Zeit ent-
stand der kleine schlosshof mit dem zweigeschossigen
torhaus (1588 bis 1595).
auf diese Epoche intensiven baulichen und künstlerischen
Engagements folgte in der sächsischen Residenz – wie
überall während des dreißigjährigen kriegs – eine Zeit
der stagnation. doch kam es immerhin zum großartigen
umbau des Riesensaals durch Wilhelm dilich. aber be-
19
Sgraffiti an der Fassade im Großen Schlosshof
20
Kurfürst Moritz von Sachsen (Heinrich Göding, vor 1606)
reits im Jahr 1683 wurde wieder umgebaut und ergänzt.
so baute man den östlichen teil des Zwischenflügels
nord komplett um und brach das ältere torhaus ab. die
kurfürstlichen Gemächer im Westflügel erhielten bereits
1658 eine frühbarocke neugestaltung. die Portale vom
Großen zum kleinen schlosshof sowie die Englische trep-
pe wurden angelegt, zahlreiche Räume mit stuckarbeiten
verziert. sie zeigen den hohen künstlerisch-ästhetischen
und repräsentativen anspruch, den die Bauherren an ihre
Residenz hatten.
doch nicht nur gezielt geplante Baumaßnahmen sorgten
für einschneidende Veränderungen. im Jahr 1701 ver-
nichtete ein verheerender Brand den östlichen teil des
schlosses. der Georgenbau, der ostflügel und die Eng-
lische treppe brannten aus.
18
Sgraffito an der östlichen Fassade des Westflügels im 1. Ober-
geschoss, es zeigt die Enthauptung des Manlius Torquatus jun.

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rEgEntEntafEl
der albertinischen Wettiner nach der Leipziger Teilung 1485, Zeitraum der Nutzung des Schlosses als Residenz
alBrEcht dEr »BEhErZtE«
1464–1500 Herzog von Sachsen
gEorg
1500–1539 Herzog
hEinrich dEr »frommE«
1539–1541 Herzog
moritZ
1541–1547 Herzog
1547–1553 Kurfürst von Sachsen
august
1553–1586 Kurfürst
christian i.
1586–1591 Kurfürst
christian i.
1591/1601–1611 Kurfürst
Johann gEorg i.
1611–1656 Kurfürst
Johann gEorg ii.
1656–1680 Kurfürst
Johann gEorg iii.
1680–1691 Kurfürst
Johann gEorg iv.
1691–1694 Kurfürst
friEdrich august i.,
dEr »starkE«
1694–1733 Kurfürst, 1697–1733
als August II. König von Polen
friEdrich august ii.
1733–1763 Kurfürst, 1733/34–63
als August III. König von Polen
friEdrich christian
1763 Kurfürst
XavEr
1763–1768 Administrator
friEdrich august iii.
1763/68–1806 Kurfürst
1806–1827 als Friedrich August I.
König von Sachsen
anton
1827–1836 König
maXimilian
friEdrich august ii.
1830–1836 Mitregent
1836–1854 König
Johann
1854–1873 König
alBErt
1873–1902 König
gEorg
1902–1904 König
friEdrich august iii.
1904–1918 König
1500
1600
1700
1800
1900
21
Türbekrönung im Juwelenzimmer

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august dEr starkE BautE nach
politischEm kalkül
auch damals wurde nicht sofort mit dem Wiederaufbau
begonnen. august der starke ließ Pläne für eine großzü-
gige neue Residenz erarbeiten. aber erst in Vorbereitung
der Hochzeitsfeierlichkeiten des kronprinzen Friedrich
august mit der kaisertochter maria Josepha (1718/1719)
ging man an die Wiederherrichtung. 16 Jahre nach dem
Brand, als das taschenbergpalais bereits fertig gestellt
war, fingen die Bauarbeiten an. inzwischen hatten sich
Zeitgeist und Geschmack gewandelt. im inneren legte
august der starke besonderen Wert auf die ausgestal-
tung der Repräsentationsräume im zweiten obergeschoss
und die Einrichtung von Paradesälen im Westflügel. Er
ließ audienzgemach, Paradeschlafzimmer, turmzimmer,
das spätere Porzellanzimmer, und andere Räume nach
neuester mode im Barockstil ausstatten. Für ihn waren
Repräsentationszwecke zugunsten seiner Person und sei-
nes Landes entscheidende Bauargumente. Zudem passte
er seine Bauten den politischen Erfordernissen an.
Repräsentativen Charakter hatte die schatzkammer
august des starken, das schon zu seiner Zeit berühmte
»Grüne Gewölbe«. Er persönlich initiierte es und sammel-
te die Pretiosen; sein Plan war, seine schätze in einem
für die allgemeinheit zugänglichen öffentlichen museum
zu zeigen. der kurfürst-könig sorgte dafür, dass durch
geschickte innengestaltung die neuesten schaueffekte
ausgereizt und seine schätze aus Gold, silber, Edelsteinen
und Elfenbein ideal präsentiert wurden. die Leitung der
arbeiten im dresdner schloss hatten Graf august Chri-
stoph von Wackerbarth, matthäus daniel Pöppelmann
und Raymond Leplath.
22
Paradeschlafzimmer im 2. Obergeschoss des Westflügels, Empfang des Kurprinzen mit Maria Josepha von Österreich anlässlich der
Vermählung im Jahr 1719

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Riesensaal, Blick nach Süden, Zeremonie der Verleihung des Hosenbandordens an Johann Georg IV. im Jahre 1693, Deckfarbenblatt
lEtZtEr grossEr schlossumBau Zum
wEttinEr-JuBiläum
1889 feierten die Wettiner das 800-jährige Bestehen der
Belehnung der mark meißen. aus diesem anlass wur-
de das Residenzschloss unter der Ägide der architekten
Gustav dunger und Gustav Frölich ein vorerst letztes mal
umgebaut (1889–1901). Beispielsweise baute man die
südlich angrenzende Bebauung zum neuen südflügel um.
die Fassaden wurden einheitlich im stil der neorenais-
sance umgestaltet.

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Das Dresdner Schloss ist bei Verwendung mittelalter-
licher Substanz im Kern ein renaissancebau mit der
Besonderheit, dass dieses im innern ständig weiter-
entwickelte und weiter ausgestaltete gebäude bis
zum großen umbau am Ende des 19. Jahrhunderts in
seiner gesamterscheinung im Wesentlichen unange-
tastet geblieben ist. Es stellte damit eine der größten
renaissanceanlagen in Deutschland dar, die seit der
Erbauungszeit ihr Bild bewahrt haben und ununter-
brochen im Sinne der ursprünglichen Bestimmung
genutzt wurden.
Der Beitrag der Architekten
drEsdnEr architEktEn ErgänZtEn
gEBäudEkomplEX
an der Grundgestalt änderte auch der umbau von 1889–
1901 durch Gustav dunger und Gustav Frölich nichts. die
dresdner architekten ergänzten den Gebäudekomplex
um anbauten im stil einer »sächsischen« neurenaissance,
haben sich aber gehütet, den Bau durch ihre Eingriffe in
die Fassade, die sich als behutsame »modernisierung«,
Glättung und monumentalisierung charakterisieren las-
sen, zu »verfälschen«. sie folgten darin historisierenden
24
Aufzug im Bärengartenflügel

BAuGEScHIcHtLIcHE ENtWIcKLuNG
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Bauauffassungen des 19. Jahrhunderts, wie sie ihr Zeit-
genosse Conrad steinbrecht, der Restaurator der mari-
enburg, mit den Worten skizziert hat: im umgang mit
einem »Baudenkmal« gehe es darum, dass »nicht bloß die
äußere Form, sondern das Wissen und Empfinden einer
um Jahrhunderte zurückliegenden Zeit gelernt und wie-
dergegeben werden«.
der Wiederaufbau nach der Zerstörung im Zweiten Welt-
krieg vollzieht gegenüber solchen auffassungen keinen
grundsätzlichen Bruch. mit dem dänischen Büro dissing +
Weitling (kopenhagen) und Prof. Peter kulka (köln/dres-
den) sowie Horst Witter (dresden) wurden durch den
Freistaat sachsen zwar architekten herangezogen, die
eine betont kühle, moderne, unpathetische Formenspra-
che pflegen. die Überdachung des kleinen schlosshofes
mit einer transparenten netzkonstruktion hat den neu-
baucharakter des schlosses und seine umwidmung zu
einem modernen museumsbau sogar noch besonders
akzentuiert.
gEschichtE nEu lEsBar machEn
das Gesamtprojekt ist aber als erneuter Versuch zu wer-
ten, das Bauwerk mit mitteln des um- und Weiterbaus
als monument der Geschichte neu lesbar zu machen. so
folgt die Fassadengestaltung durchgängig dem konzept
von dunger und Frölich. das schloss wird damit in seiner
gesamten äußeren Erscheinung seine stellung und au-
torität im stadtbild zurückerlangen. in der Rekonstruk-
tion der sgraffitodekorationen der Fassaden des Großen
schlosshofes greift der Wiederaufbau sogar über den
Vorkriegszustand hinaus auf merkmale zurück, die den
alten staatsbegriff und seit Jahrhunderten vergessene
dekorationsformen wieder lebendig werden lassen. Beim
innenausbau sollen schrittweise bedeutende historische
Räume wie das audienzgemach augusts des starken, das
Paradeschlafzimmer sowie das erste und zweite Vorzim-
mer rekonstruiert werden, so wie ja bereits das Histo-
rische Grüne Gewölbe in sorgfältiger Restaurationsarbeit
als spätbarockes Gesamtkunstwerk getreu der einstigen
ausstattung neu erstanden ist. ob es gelingen wird, auch
die aus dem Bau erst jetzt wieder herausgeschälte, durch
frühere Brände und umbauten verschwundene Raumfi-
gur der schlosskapelle in ihrer einstigen gestalterischen
Pracht und sonderbarkeit zurück zu gewinnen, bleibt ab-
zuwarten. im Blick auf das Gesamtprojekt ist es eine ide-
alkonzeption, deren Realisierung unerlässlich erscheint,
aber späteren Bauprogrammen aufgegeben ist.
im Vergleich mit anderen nach dem Zweiten Weltkrieg
wiedererstandenen deutschen schlössern wird das
dresdner schloss von der Größe, der nutzung und dem
anspruch der Restauration her als Zentrum sächsischer
Geschichtspräsentation eine ausnahmestellung einneh-
men. die Rahmung durch sachlich-moderne Raumkon-
zepte lässt die historischen Räume und Elemente selbst
wie »Exponate« erscheinen. Welcher Eindruck dominiert
oder auch zurücktritt, wird von details der Gestaltung
und von der »mischung« abhängen. die münchner Re-
sidenz mit dem Goldenen saal, dem »antiquarium« und
dem am »falschen« ort rekonstruierten Cuvilliestheater
hat gezeigt, welche künste einer theatralischen insze-
nierung ein neuer illusionismus aufzubieten vermag. das
schloss von Bruchsal mit seinen tapetentüren, durch die
man in Betontreppenhäuser von der tristesse des sozi-
alen Wohnungsbaus tritt, vermag zu lehren, welch nie-
derschmetternder Effekte eine an »modernen« architek-
turauffassungen orientierte schlossgestaltung fähig ist.
noch steht der nachweis aus, zu welchem der unzähli-
gen neu aufgebauten schlösser deutschlands das neue
schloss von dresden als »Residenz der kunst und Wissen-
schaft« die konkurrenz aufnimmt. dass es schon jetzt als
größte Baustelle sachsens eine ausnahmestellung unter
ihnen einnimmt, steht außer Zweifel.

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
WiEDErAufBAu –
AnfängE
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Blick in die Schlossstraße nach Norden, im Vordergrund die Trümmerbahnstrecke T 1,
die vom Altmarkt durch Schlossstraße und Devrientstraße zur Kippe im Ostragehege verlief

WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
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in der nacht vom 13. zum 14. februar 1945 ging
Dresden im Bombenhagel unter. Wie fast die gesamte
innenstadt wurde auch das residenzschloss, gebautes
Zeugnis von über 800 Jahren geschichte, nahezu
komplett zerstört. Es brannte fast vollständig aus, alle
Dächer und die oberen geschossdecken gingen verlo-
ren. innen im großen Schlosshof und außen im nörd-
lichen Bereich der Schlossstraße verglühten der größte
Teil der wunderbar gearbeiteten Architekturelemente
aus Sandstein, welche die fassaden geschmückt hat-
ten. glücklicherweise waren sie im Kleinen Schlosshof
und an den übrigen Außenfassaden weniger beschä-
digt.
Wie durch ein Wunder blieben die zur Sophien-
straße hin gelegenen räume des grünen gewölbes
sowie alle Kellergewölbe unversehrt. hier zeigt sich
die – baukonstruktive – genialität der Baumeister des
18. Jahrhunderts. Die brandschutz- und sicherheits-
technische Ausstattung des grünen gewölbes war
bereits bei der Errichtung im Jahr 1728 so effektiv,
dass mehr als 200 Jahre später fünf der acht räume
den feuersturm in der nacht des 13. februars 1945
einigermaßen unversehrt überstanden. Von ande-
ren konnten immerhin einige bestimmende Bauele-
mente gerettet werden. Die dort verwahrten Pretiosen
wurden glücklicherweise rechtzeitig auf die festung
Königstein in der Sächsischen Schweiz in Sicherheit
gebracht und überstanden den Krieg nahezu vollstän-
dig. nach Kriegsende wurden sie in die Sowjetunion
verbracht und 1958 zurückgeführt.
Die Sicherungsarbeiten nach 1945
Weitere kostbare Ausstattungsteile des Audienzge-
maches von August dem Starken und der anschlie-
ßenden räume wurden ebenfalls rechtzeitig ausgela-
gert und konnten so gerettet werden.
Schon unmittelbar nach Ende des Krieges war die
gesamte Schlossanlage Bergungsort. Allerdings blie-
ben die Sicherungs- und Erhaltungsmaßnahmen an
der ruine in den kommenden Jahrzehnten aus ver-
schiedenen gründen (fehlendes geld, mangelnde
Baukapazität, politischer Wille) auf das notwendigste
beschränkt.
völligE ZErstörung und anschliEssEndE
sichErung
im Herbst 1945 begannen die dresdner, vor allem auf
Betreiben der kunstsammlungen, mit ersten sicherungs-
arbeiten. aber schnell fing politischer Gegenwind an zu
wehen. Warum, so die argumentation, sollte man mit
großem aufwand ein exemplarisches Zeugnis der adligen
ausbeuterklasse erhalten, wo man sie samt ihrer bürger-
lichen Entourage gerade besiegt hatte? da war es doch
viel einfacher und billiger, die Ruinen ihrem unausweich-
lichen schicksal zu überlassen.
Einige vermeintliche Fachleute (vor allem architekten, die
sich der moderne verschrieben hatten, wie zum Beispiel
der bekannte deutsche architekt Hans Hopp), schlugen
vor, dresden im Geiste des französisch-schweizerischen
architekten Le Corbusier wieder aufzubauen. Es sollten

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
große Hochhäuser und riesige Wohnkomplexe entstehen;
die Ruinen der städtischen monumente wollte man neben
den neubauten belassen. Glücklicherweise wehrten sich
die örtlichen Behörden, insbesondere das Landesamt für
denkmalpflege, gegen diese Vorstellungen. sie legten das
Residenzschloss als zweitwichtigsten Bergungsort nach
dem Zwinger fest. die kunstsammlungen beauftragten
bereits im Jahr 1946 das zuständige Landesbauamt mit
den nötigsten arbeiten wie abdeckung mit dachpappe,
Entfernung von schutt, Reparatur der Fenster usw.
die kommenden Jahre standen unter dem diktat, mit
den wenigen möglichkeiten das Beste zu erreichen. Von
einem kompletten Wiederaufbau war natürlich keine
Rede. Viele freiwillige Helfer räumten und sicherten, so
dass wenigstens der momentane Zustand einigermaßen
erhalten werden konnte. Vor allem die notbedachungen
wurden von engagierten Bürgern über 20 Jahre hinweg
immer wieder gesäubert und neu geteert.
hartEs ringEn um rEkonstruktion odEr
völligEn nEuBEginn
Lange Zeit gab es keine Beschlüsse der entscheidenden
politischen Gremien, die die Wünsche und Pläne von Be-
völkerung und denkmalschützern absegneten. Wichtige
schritte auf dem Weg zu einer derartigen Beschlussfas-
sung wurden vor allem vom Landesamt für denkmalpfle-
ge, dem institut für denkmalpflege der ddR, arbeitsstelle
dresden, initiiert. dort ging man schon frühzeitig da-
ran – lange, bevor auch nur ernsthaft an die Realisierung
des Restaurierungsvorhabens gedacht werden konnte –
alle erforderlichen Vorbereitungen zu treffen, welche
die Entscheidungen zugunsten des Wiederaufbaus be-
einflussen konnten. Letztlich ist es nicht möglich, alle
Gespräche, Forschungen, argumente etc. hier im detail
darzustellen. Eine kurze Zusammenfassung soll genügen.
so wurden u. a.:
h
schon frühzeitig einzelne Ruinenteile gesichert
h
Befunde dokumentiert
h
Bauforschungen vorgenommen
26
Blick auf das Schloss von Nordost, im Vordergrund der zerstörte Ostflügel, im Hintergrund die von Ruinen beräumte Innenstadt

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
· 31
h
überlieferte Quellen ausgewertet
h
nutzungsstudien erstellt
h
Erkenntnisse publiziert.
Wichtige Ergebnisse brachten dissertationen zur Bauge-
schichte und zum Grünen Gewölbe. außerdem wurden
in der sicherungs- und Vorbereitungsphase zahlreiche
praktische Probleme einer Restaurierung erörtert und
nach verschiedenen Lösungen gesucht. um die für das
»denkmal schloss« nötigen alten techniken und Gewer-
ke zu integrieren, wurde im Jahr 1977 in dresden eine
Gruppe von erfahrenen Handwerkern als Volkseigener
Betrieb zusammengeschlossen. dort konnten sie wert-
volle Erfahrungen sammeln. den geistigen kern dieses
Betriebs bildete eine kleine abteilung denkmalpflegerisch
erfahrener architekten und ingenieure. sie, die beteilig-
ten Handwerker und denkmalschützer, gewannen die nö-
tigen Erkenntnisse für die Planung des Wünschenswerten
und machbaren dieses riesigen Restaurierungsprojekts.
Es wurde untersucht und ausgewertet, in archiven re-
cherchiert und mit ähnlichen objekten verglichen. schritt
für schritt entstand so die denkmalpflegerische Rahmen-
zielstellung.
das institut für denkmalpflege ließ nicht locker und un-
terbreitete immer neue nutzungsvorschläge. so hoffte
man, die öffentliche meinung und die Politik allmählich
auf die eigene seite zu ziehen und Zeit zu gewinnen.
auch die Rückkehr der kunstobjekte aus der sowjetunion
ab 1955 nutzten die denkmalpfleger geschickt, um eine
neue Lobby für die Rettung des schlosses aufzubauen.
hartnäckigkEit führt trotZ massivEn
widErstands Zum ZiEl
Hilfreich waren zudem verschiedene Gutachten der tech-
nischen Hochschule, welche übereinstimmend die mu-
seale nutzung des schlosskomplexes als funktional und
wirtschaftlich am sinnvollsten empfahlen. auch zahl-
reiche studentenarbeiten setzten sich mit dem schloss,
seiner Geschichte, funktionellen, statischen und bauphy-
sikalischen Fragen auseinander. die gesamten Vorarbei-
ten von unterschiedlichen seiten führten schließlich zu
einer Gesamtkonzeption für den Wiederaufbau, der ab
dem Jahr 1961 politisch abgesichert schien. kurzfristig
27
Englische Treppe (20. Februar 1952), der herabgestürzte Dach-
bereich hat das Treppenhaus extrem geschädigt
28
Walter Ulbricht am Stadtmodell von Dresden (31. Mai 1953)

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
drohte Gefahr durch einen Besuch von Walter ulbricht,
Vorsitzender des staatsrats der ddR, im september 1962,
von dem sich die Gegner des Wiederaufbaus – erfolglos –
unterstützung erhofften.
im Winter 1962/63 begann man die im schloss erhalten
gebliebenen teile der ausstattung des Grünen Gewölbes
aus konservatorischen Gründen zu bergen. die ostwand
des teilzerstörten silbervergoldeten Zimmers wurde in
den 70er Jahren teilweise restauriert und in die interims-
ausstellung des Grünen Gewölbes im albertinum einge-
fügt. so konnten die dresdner und ihre Besucher wäh-
rend der vergangenen Jahrzehnte wenigstens teile der
grandiosen architektur und der kunstschätze des Grünen
Gewölbes bestaunen.
ausstattung konntE ausgElagErt und so
gErEttEt wErdEn
die Wände aller Räume des Grünen Gewölbes wurden
photogrammetrisch erfasst und kartiert, samt ihrer un-
terkonstruktionen und sämtlicher Bestandteile, von der
kleinsten schraube bis zum größten spiegel ausgebaut
und im Landesamt für denkmalpflege eingelagert. Hier
sollten sie die Zeit bis zum abschluss der Rekonstruktion
der außenmauern überstehen.
trotz der beginnenden sanierung drohte der schlossruine
weiter Gefahr. immer mehr schäden machten sich an tra-
genden Elementen bemerkbar. Jetzt zeigte sich, dass die
gesamten Reste ein fragiles Gebilde waren, die ihre stabi-
lität an vielen stellen nur durch ihre zufällige anordnung
gewannen. so drohte im märz 1965 die zum Hof hin ge-
legene Wand der einstigen schlosskapelle im nordflügel
einzustürzen. Ein Pfeiler im Erdgeschoss hatte die Wand
nicht wie vermutet getragen. stattdessen hatte er ihre
Last an die umgebenden schuttberge weitergeleitet, die
unbeabsichtigt als stabilisatoren wirkten. nachdem sie
abgebaggert worden waren, verloren Pfeiler und Wand
ihre einzige stütze.
gEfahr droht, wEnn EinE wand knistErt
Was also tun? diese schwierige sicherungsaufgabe über-
nahmen ein maurer und drei architekten. sie umschnür-
ten den labilen Pfeiler äußerst vorsichtig mit dünnem
draht und drückten dann das drahtgeflecht mit Beton
an. so erhielt der Pfeiler ein korsett. das war eine ziemlich
gefährliche angelegenheit, denn niemand konnte garan-
29
Entwurf für eine Nutzung des Schlosses als Museumskombinat
30
Entwurf für eine Nutzung des Schlosses als Landesbibliothek
31
Südwand des Emaillen- bzw. Weißsilberzimmers (1962)
31
30
29

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
· 33
tieren, dass während der sicherungsarbeiten nicht doch
noch die Wand einstürzen würde. doch die vier mutigen
Retter hatten sich abgesichert. sie hatten eine schiefe
Ebene aus Holz an den Pfeiler geschoben, um schnell
weglaufen zu können, sobald das Gemäuer anfangen
würde zu knistern. dann hätte höchste Gefahr gedroht.
Zwischen dem knistern eines Gemäuers und dessen Ein-
sturz vergehen in der Regel nur 40 sekunden. in dieser
Zeit muss man sich aus der Gefahrenzone entfernen, um
nicht unter den steinen begraben zu werden.
aber die Vier vom Bau hatten Glück; das bedenkliche
knistern blieb aus. sie konnten ihre sicherungsarbeit un-
gestört beenden. Von mittags bis weit nach mitternacht
gaben sie ihr Bestes und stabilisierten die mauer so gut,
dass sie noch 23 Jahre lang standhielt. Erst im Jahr 1988
wurde die Wand aus statischen Gründen ersetzt.
ZwischEnnutZEr sorgEn für wEitErE
sichErung
im mai 1965 zogen drei junge architekten des institutes
für technologie kultureller Einrichtungen und 12 stu-
denten in das silbervergoldete Zimmer ein. Von dieser
vornehmen arbeitsumgebung aus sollten sie das aufmaß
der bereits gesicherten Ruine der semperoper nehmen.
deren Wiederaufbau war ebenfalls geplant. Eine alljähr-
lich wiederkehrende nutzung scheint uns heute dagegen
bei vordergründiger Betrachtung ungewöhnlich: das
schloss, immer noch weitgehend zerstört, als Festort für
den Fasching. am 20. Februar 1966 und dann jedes Jahr
bis 1992 feierten dresdner in den leeren Räumen des
Grünen Gewölbes. Geht das, so fragt sich vielleicht ein
heutiger Beobachter? kann man im angesicht der noch
fortdauernden Zerstörung fröhlich feiern? Wer sich wun-
dert, sollte zweierlei bedenken: die Faschingsgäste hatten
nicht nur das eigene Vergnügen im sinn. sie wollten auch
die Erinnerung an den Faschingsdienstag des Jahres 1945
wach halten, jenen tag, an dem dresden und sein Resi-
denzschloss opfer des verheerenden Bombenfeuersturms
wurden. so war die umwidmung zum Festplatz auch eine
(Wieder-)aneignung durch die dresdner, ein Festhalten
an und ein Bekenntnis zu »ihrem« Residenzschloss.
als nutzer auf »dauer« zog im Juli 1968 das Bezirksse-
kretariat dresden des Bundes deutscher architekten in
die drei nördlichen Räume des Grünen Gewölbes ein. den
architekten folgten noch weitere nutzer. der Effekt war
ein doppelter: Zum einen bekamen die Zwischennutzer
gut gelegene und repräsentative arbeits- und Gewerbe-
32
Pfeilersicherung (März 1965)
33
Beschluss des Rates der Stadt Dresden (vom 2. August 1979)
33
32

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
räume. Zum anderen wurden, um überhaupt eine nut-
zung zu ermöglichen, Gefahrenquellen beseitigt und
erste ausbaumaßnahmen vorgenommen.
nutZung BEstärkt EXistEnZBErEchtigung
immer mehr nutzer zogen ins schloss ein und sorgten so
für seine über rein denkmalpflegerische aspekte hinaus-
gehende Existenzberechtigung. in den Jahren 1968 bis
1977 ließ sich das ingenieurbüro des institutes für stahl-
beton die südlichen Räume des Grünen Gewölbes aus-
bauen. Von 1969 bis 1971 wurden Räume im Erdgeschoss
als depot des staatlichen museums für mineralogie und
Geologie hergerichtet. im Jahr 1974 zog die aufbaulei-
tung der oper ins schloss. 1975 begann der provisorische
ausbau des südflügels. Er diente als Baustellenbüro für
einen neubau des Volkspolizeikreisamtes. 1974 bis 1976
wurde das gesamte torhaus für die technische direktion
der staatlichen kunstsammlungen dresden hergerichtet.
sie setzten damit ein Zeichen dafür, wie man sich bei
ihnen die künftige Funktion des schlosses vorstellte: als
Heimat der bedeutenden dresdner kunstschätze. diese
Vorstellungen bestätigte der Rat der stadt dresden im
Jahr 1979 mit einem entsprechenden Beschluss.
viElE drEsdnEr lEistEn EhrEnamtlichE
hilfE
Wollte man alle interimsnutzungen hier vorstellen, wür-
de das den Rahmen dieser darstellung sprengen. sie
muss sich daher auf die Wesentlichen beschränken. doch
wichtig ist in diesem Zusammenhang ein weiterer Punkt:
Viele dresdner leisteten gemeinsam tausende von ehren-
amtlichen arbeitsstunden. sie beseitigten die wild wu-
chernden Pflanzen, die in den Ruinen wurzelten, räumten
tausende kubikmeter schutt weg und kontrollierten und
reparierten die notdächer. manchmal setzten sie sich um
der sache willen sogar Gefahren aus; so waren u. a. die
schornsteine akut einsturzgefährdet und mussten vor-
sichtig von Hand abgetragen werden. Vielfach griffen die
mitarbeiter der nutzenden institutionen selbst beherzt zu
und schufen sich so ihre eigenen arbeitsräumlichkeiten.
Erfreulich war, dass die Zusammenarbeit zwischen den
staatlichen kunstsammlungen dresden, dem institut für
denkmalpflege und der technischen Hochschule, jetzt
technische universität dresden, im Laufe der Zeit immer
enger wurde. Über allem Engagement stand als oberstes
34
Faschingseinladung (1984)
35
Vorbereitung des »Technologischen Durchbruchs« (Juni 1985)

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
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35

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
Ziel, die funktionellen Bedürfnisse der sammlungen mit
dem denkmalpflegerischen anspruch kollegial abzustim-
men.
so gelang es auch im Zusammenspiel von denkmalpfle-
ge und potenziellem nutzer, ganz allmählich die auffas-
sung bei den Entscheidungsträgern durchzusetzen, dass
das schloss selbst das vornehmste ausstellungsstück des
konzipierten museumszentrums sein sollte. und es zeigte
sich im Zuge dieser erfreulichen Zusammenarbeit und
der neukonzeption des schlosskomplexes, dass Zerstö-
rung und geplanter Wiederaufbau auch ganz besondere
Chancen bieten würden. so waren sich die Beteiligten
bald einig, dass das restaurierte schloss nicht den letz-
ten Zustand vor der Zerstörung zeigen sollte. Vielmehr
wollte man den neuaufbau als Chance nutzen, um ein-
zelne Bauepochen räumlich anschaulich zu machen, die
das schloss durchlaufen hatte und die ausdruck ihrer
jeweiligen Zeit und des Geschmackes der Bauherren wa-
ren. Beim Erkennen der Baugeschichte halfen auch die
archäologischen Forschungen.
BaugEschichtE EntschEidEt üBEr art dEs
wiEdEraufBaus
die architekturelemente der im 19. Jahrhundert über-
formten Fassaden des Großen Hofes waren in der Bom-
bennacht restlos verglüht. die Fassaden waren bis auf
die Rohbausubstanz nackt. Glücklicherweise hatten we-
nigstens die charakteristischen treppentürme aus dem
16. Jahrhundert überlebt. teilweise war sogar ihr plas-
tischer schmuck erhalten geblieben. so entschied man,
die ursprüngliche Renaissancedekoration der Fassaden
im Großen schlosshof von 1548/56 neu zu inszenieren.
die frühere gestalterische Einheit aus steinplastiken und
sgraffitomalereien sollte wieder hergestellt werden.
die Fassaden waren schon 1602/04 und 1676/78 restau-
riert worden, aber dann anfang des 18. Jahrhunderts
bis auf wenige Fragmente verloren gegangen. mit der
800-Jahrfeier des Hauses Wettin im Jahr 1889 begann
eine das gesamte Ensemble umfassende Überformung:
die außenfassaden wurden im stil der neorenaissance
gebaut. sie überstanden mit ausnahme des Großen
schlosshofs und der schlossstrassenseite in ihren äu-
ßeren teilen den krieg mit vergleichsweise geringen
Beschädigungen. daher war es auch selbstverständlich,
dass sie nur instand gesetzt wurden und so die zeitge-
nössische auffassung der schlossgestaltung im 19. Jahr-
hundert veranschaulicht werden konnte.
auch innEnrEstauriErung wurdE
langfristig gEplant
sämtliche weitere sicherungsarbeiten dienten dazu, den
geplanten Endzustand des ganzen Ensembles vorzube-
reiten. so war nach dem generellen Entschluss zur Re-
staurierung immer unstrittig, dass neben dem Grünen
Gewölbe auch die wesentlichen Repräsentationsräume
augusts des starken möglichst originalgetreu wieder her-
gestellt werden sollten. das Erdgeschoss des ostflügels
war als ideales architektonisches Zeugnis der vorrefor-
matorischen Zeit zu erhalten. den 56,7 meter langen und
9,6 meter hohen Riesensaal, als den politisch wichtigsten
Raum des Landes sachsen, ort der Eröffnung der stände-
versammlungen im 17. Jahrhundert, wollte man zumin-
dest in seinen geometrischen Grundformen restaurieren.
auch die schlosskapelle westlich des Hausmannsturms
war von Beginn an ein wichtiger teil der denkmalpflege-
rischen Zielstellung. in ihr wirkte von 1615 an für 57 Jah-
re der »Vater der deutschen musik«, Heinrich schütz. die
meisten seiner Werke wurden in der schlosskapelle ur-
aufgeführt. dieser authentische ort sollte vor allem auch
zur Pflege des schütz‘schen Werkes wieder gewonnen
werden.
36
Abbrucharbeiten am Ostflügel zur Schaffung des »Technolo-
gischen Durchbruchs« (Juli 1985)

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WIEDERAuFBAu – ANFäNGE
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Grundlage für die sicherung und Wiederherstellung,
die im Jahr 1986 begonnen wurde, war eine studie des
instituts für kulturbauten, die von den politischen Ent-
scheidungsträgern und den denkmalpflegern abgesegnet
wurde. doch schon ein Jahr später drohte das hoffnungs-
frohe Projekt zu scheitern, schienen die langen Jahre der
mühen vergeblich. der wirtschaftliche niedergang der
ddR zeigte sich bitter, es fehlten Geld und Baumateri-
alien. mit viel mühe schafften es die Bauleute doch, einige
arbeiten in Gang zu halten. der Wiederaufbau des West-
flügels am theaterplatz schritt voran, dessen dachkon-
struktion 1989 stand. mit ideenreichtum versuchten die
staatlichen kunstsammlungen dresden, denkmalpfleger
und die aufbauleitung »kulturhistorische Bauten« des
Rates des Bezirkes dresden, die Öffentlichkeit noch besser
für ihre prominenteste Baumaßnahme zu mobilisieren.
sie organisierten die ausstellung »das dresdner schloss –
monument sächsischer Geschichte und kultur«, die am
27. oktober 1989, mitten in der Zeit der politischen Wen-
de, eröffnet wurde. Bis dezember 1990 wurde sie von
250.000 menschen besucht, die sich damit zur Geschichte
ihrer stadt und des schlosses bekannten. am 2. oktober
1991 wurde dem wiederaufgebauten Hausmannsturm
seine goldene spitze aufgesetzt und ragt seither aus dem
Panorama des stadtbildes heraus. dies war für alle Betei-
ligten und auch für die dresdner Bürger ein bewegender
tag. das schloss war inzwischen – und ist es heute noch –
zur größten Baustelle des wiedererstandenen Freistaates
sachsen geworden. spätestens jetzt zeigte sich, dass die
jahrzehntelangen kämpfe und mühen, welche die siche-
rungsmaßnahmen und Bauarbeiten begleiteten, sich ge-
lohnt hatten.
37
Pretiosensaal im Historischen Grünen Gewölbe während der Ausstellung »Das Dresdner Schloss – Monument sächsischer Geschichte
und Kultur« (Oktober 1989)

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WiEDErAufBAu –
üBErBLiCK
04
38
Großer Schlosshof

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WIEDERAuFBAu – ÜBERBLIcK
· 39
Eines der hauptprobleme beim Wiederaufbau des
Dresdner residenzschlosses bestand darin, die po-
litischen Entscheidungsträger zu einem offiziellen
Beschluss zu bewegen. Erst dann konnte man die
begründete hoffnung hegen, dass es tatsächlich
zu einem nennenswerten öffentlichen Engagement
kommen und man die nötigen finanz- und Sachmit-
tel bereitstellen würde.
Schließlich zahlten sich hartnäckigkeit und überzeu-
gungskraft der Beteiligten aus. Trotz fortdauernder
Widerstände beschlossen im Jahr 1985 zunächst der
Die Vorbereitung der Baumaßnahme
Ministerrat der DDr, das Präsidium des Ministerrates
und schließlich auch der rat des Bezirkes Dresden die
grundsatzentscheidung zum »investitionsvorhaben
Dresdner Schloss – Sicherung der Bausubstanz«. Zum
general- und hauptauftragnehmer wurde der VEB
gesellschaftsbau Dresden bestimmt. innerhalb des
fünfjahresplanzeitraums 1985 bis 1990 sollten »die
vordringlichsten Baumaßnahmen« durchgeführt wer-
den. über die nutzungskonzeption sollte allerdings
erst zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.
40
Langfristiger Investitionsleistungsvertrag vom
20. September 1984
39
Grundsatzentscheidung für das Investitionsvorhaben
»Dresdner Schloss – Sicherung der Bausubstanz« vom
27. September 1985

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diE drEi wichtigstEn ZiElE
h
die noch vorhandene Bausubstanz vor dem weiteren
Verfall zu schützen
h
den Ruinencharakter zielstrebig zu beseitigen
h
das ehemalige städtebauliche Ensemble des theater-
platzes in seiner äußeren Gestaltung wiederherzu-
stellen.
konkret beschlossen und geplant waren u. a.
h
abbrucharbeiten und die konstruktive und statische
sicherung und stabilisierung
h
der Einbau von tragegliedern wie Wänden, stützen,
Ringankern
h
die Fertigstellung der dächer und Fassaden zum the-
aterplatz hin und die provisorische Fertigstellung der
Fassaden in den schlosshöfen.
Ein wesentlicher Gesichtspunkt der Planung war, dass die
bereits restaurierte semperoper mit ihrer hohen touristi-
schen anziehungskraft samt dem repräsentativen thea-
terplatz nicht durch die schlossruine entwertet werden
sollte. doch trotz dieses arguments und trotz aller an-
strengungen gelang es bis zur politischen Wende nicht,
die in den Beschlüssen festgelegten Restaurierungsmaß-
nahmen im geplanten umfang zu realisieren. Von 1986
bis 1989 wurden knapp 16 millionen mark der ddR ver-
baut, eine summe, die bei weitem nicht ausreichte, um
auch nur die nötigsten Erhaltungsmaßnahmen zu finan-
zieren.
41
Vermessungsarbeiten im Großen Schlosshof vor der Schlosskapelle

WIEDERAuFBAu – ÜBERBLIcK
· 41
Am 3. Oktober 1990 vereinigten sich die Bundesre-
publik und die DDr. Dies bedeutete nicht nur die
übernahme eines politischen Systems. im Anschluss
an die Wahlen und der Bildung von Bundesländern
entsprechend dem föderalen System wurden auch
die Verwaltungsstrukturen weitgehend übernommen.
für den wieder errichteten freistaat Sachsen bedeu-
tete dies, dass der Staatshochbau nach Vorbildern der
Partnerländer Bayern und Baden-Württemberg auf-
gebaut wurde.
Schon am 2. Januar 1991 verfügte Sachsen als erstes
der neuen Bundesländer über eine funktionierende
Staatshochbauverwaltung mit der Oberfinanzdirekti-
on in Chemnitz als Mittelinstanz und sieben Bauäm-
tern. und Sachsen blieb weiter vorn: hier wurde z. B.
der erste öffentliche Planungswettbewerb für eine
große Baumaßnahme ausgetragen (Architektenwett-
bewerb für den neuen Landtag in Dresden). Die Leis-
tungen beeindruckten sogar die Bundesregierung in
Bonn, die den Mitarbeitern des Staatshochbaus ihren
ausdrücklichen Dank aussprach.
Einer der wichtigsten Vorteile, der die zügige Ent-
wicklung des Staatshochbaus begünstigte, lag in der
hohen Kontinuität der Beteiligten. Viele Mitarbeiter
des sächsischen hochbaus waren schon zu DDr-
Zeiten mit öffentlichen Baumaßnahmen beschäftigt
(z. B. in der Aufbauleitung des rates des Bezirkes oder
der Bauabteilung der Tu Dresden). Sie konnten pro-
Die Übernahme durch die Sächsische
Staatshochbauverwaltung
blemlos für die Baumaßnahme am residenzschloss
übernommen werden, da sie ihr Engagement und
Können schon bei der restaurierung der Semperoper
bewiesen hatten.
Auch zahlreiche Kollegen aus den alten Bundeslän-
dern, ursprünglich als Aufbauhelfer für eine begrenzte
Zeitdauer nach Sachsen gezogen, entschlossen sich
schließlich zu bleiben. Sie stellten schnell fest, dass
es hier interessante und reizvolle Aufgaben gab, die
so im Westen nicht (mehr) existierten. So war in den
alten Bundesländern die Zeit der ruinen und der
großen Schlossrestaurierungen, z. B. der Würzburger
residenz, längst vorbei. Also lag es nahe, die gele-
genheit für derart außergewöhnliche Baumaßnahmen
in den neuen Ländern zu nutzen. Allein in Sachsen
warteten zahlreiche Schlösser, gärten und herren-
häuser auf eine bauliche und denkmalpflegerische
Betreuung. hinzu kamen zahllose Vorhaben an ande-
ren öffentlichen gebäuden. Allerdings verzögerte sich
der Beginn vieler – sowohl öffentlicher als auch pri-
vater – Baumaßnahmen, da kaum jemand sicher zu
sagen wusste, wem welche immobilie gehörte. Auch
die Eigentumsverhältnisse am Dresdner residenz-
schloss waren zunächst unklar. Doch hier zeigte sich
schnell, dass Bauleute handfest und praxisorientiert
sind. Ost- und Westbeschäftigte kamen schnell und
meist problemlos zusammen. Sie suchten sich ihre
Aufgaben und legten los.

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rEchtlichE proBlEmE wurdEn schnEll
gElöst
Ebenfalls fortgeführt wurde die Zusammenarbeit mit
dem beauftragten Generalunternehmer und mehr als
20 nachauftragnehmern. Hier existierte aus ddR-Zeiten
ein Vertrag mit dem VEB Gesellschaftsbau, der nach
Rückprivatisierung zunächst als Paul malters Erben Ge-
sellschaftsbau GmbH i. Gr. / Heilit & Woerner Bau GmbH
und später als WaLtER Bau-aG bzw. als ait-Bauplanung
GmbH firmierte. der bestehende langfristige investitions-
vertrag musste auf der Grundlage der Gesetzlichkeiten
weitergeführt und in das Zivilrecht der Bundesrepublik
überführt werden.
in dieser sehr intensiven Bauzeit waren täglich zirka 80
bis 100 arbeitskräfte auf der Baustelle – ein kaum noch
zu steigerndes maximum – sollten die Handwerker noch
effizient arbeiten und sich nicht gegenseitig behindern.
Vom 1. Juli 1990 bis zum 31. dezember 1991 wurden be-
reits 40 millionen dm (= 20,4 mio. €) für die Baumaß-
nahme ausgegeben. diese hohe summe hat der Freistaat
unbürokratisch zur Verfügung gestellt. andere Baumaß-
nahmen benötigten noch einen erheblichen planerischen
Vorlauf, während beim schloss dank der jahrzehntelan-
gen Vorarbeit bereits fertige Pläne existierten. so konnte
das vom Landtag im Haushalt bewilligte Geld zügig für
die Baumaßnahme Residenzschloss verwendet werden.
Es wurde zunächst in folgende Bauabschnitte investiert:
h
die äußere Gestaltung des Westflügels und des nord-
flügels
h
klempnerarbeiten
h
die sanierung der Fassade und
h
den Rohbau des Hausmannsturms.
außerdem konnte in diesem kurzen Zeitraum der Rohbau
des Bärengartenflügels und des Zwischenflügels nord
begonnen werden.
42
Abdichtungsarbeiten
43
Kabinettsbeschluss (vom 13. Dezember 1994)
44
Kabinettsbeschluss (vom 16. Dezember 1997)
43
44

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Der 2. Oktober 1991 war ein ganz besonderer Tag.
Schon fast ein Jahr arbeitete die sächsische Staats-
hochbauverwaltung, insbesondere das Staatshoch-
bauamt Dresden i unter der Leitung des Baudirektors
georg Werner, am riesigen Komplex des Dresdner
residenzschlosses. Jetzt konnte sie das erste heraus-
ragende Ergebnis ihrer Arbeit präsentieren. Dresdens
höchster Turm erhielt wieder seine charakteristische
haube und Spitze. Doch diese spektakuläre Aktion
stand lange auf des Messers Schneide. Der Tag war
windig und die Bauleute hatten erhebliche Zweifel,
ob es ihnen tatsächlich gelingen könne, die haube
mit hilfe des größten Autokrans Deutschlands auf
der Spitze des Turms zu befestigen. Doch schließlich
saß sie trotz Wind fest an ihrem vorgesehenen Platz.
Damit war ein höhepunkt des ersten Bauabschnitts
(rohbausicherung und äußere Wiederherstellung) er-
reicht.
Das Richtfest am Hausmannsturm
mühsamE und schwEisstrEiBEndE arBEit
dEr handwErkEr
der Hausmannsturm zählt zu den ältesten teilen des
schlosses. seine ursprünge reichen bis ins 14. Jahrhun-
dert zurück. Er bildete bis zur großen Erweiterung des
schlosses unter kurfürst moritz die nordwestliche Ecke
der Befestigungsanlage. im Laufe der Jahrhunderte hat-
te er gelitten. Er wurde schon im Jahr 1674 grundlegend
instand gesetzt und dabei verändert. Es entstand ein ho-
her oktogonkörper, der von einer leichten geschweiften
kuppeligen Haube (Welsche Haube) mit großer, offener
Laterne abgeschlossen wurde. Über dieser saßen die gol-
denen kugeln und eine schlanke spitze mit einem knauf.
1747 erfolgte der Einbau der turmuhr und 1775 erhielt
der turm den ersten Blitzableiter dresdens. dann folgten
bis zur Bombennacht 1945 keine wesentlichen Verände-
rungen mehr. doch in dieser nacht wurde der turm ein
opfer der Flammen. Übrig blieb nur der 52 meter hohe
massive turmstumpf, alle Zwischendecken und Gewölbe
brannten aus und stürzten ein. Lange Risse durchzogen
die außenwände. Bereits 1946 begannen erste siche-
rungsarbeiten. sie wurden schließlich im Jahr 1948 mit
dem aufbringen eines notdachs abgeschlossen.
ab 1989 begannen die sanierungsarbeiten. Elf Zwischen-
decken oder Gewölbe wurden neu eingezogen. anfang
des Jahres 1991 montierten die Bauarbeiter im Großen
schlosshof die stahlkonstruktion für die acht meter hohe
Haube, die zehn meter hohe Laterne des turms und seine
turmspitze – zu ebener Erde, denn oben auf dem turm,
45
Hausmannsturm

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in bestimmungsgemäßer Höhe, wären diese arbeiten
nicht möglich gewesen. auch die Zimmerleute, welche
die formgebende Holzkonstruktion mit der Holzschalung
für die kupfereindeckung fertigten, mussten am Boden
des Großen schlosshofs wirken, während ringsherum an
mauern und Fassaden gearbeitet wurde.
ab april 1991 begannen die kupferklempner mit ih-
rem meisterwerk. sie falzten und löteten in traditio-
neller Handwerksarbeit zirka 900 Quadratmeter kupfer
mit einem Gesamtgewicht von zirka 8,5 tonnen. die
schallaustrittsöffnungen wurden ebenfalls in kupfer
getrieben, eine mühsame und schweißtreibende arbeit.
am 5. august 1991 hob der turmdrehkran schließlich das
stahlgerüst für die acht meter hohe schweifhaube auf
den turmstumpf. am 27. september 1991 wurde die 33
tonnen schwere Laterne montiert. in ihr befand sich der
bereits montierte schlagglockensatz. dieser wurde spä-
ter mit der – ebenfalls neuen – turmuhr verbunden. am
02. oktober 1991 wurde die spitze mit der sechs meter
hohen und 600 kilogramm schweren Wetterfahne unter
großem anteil der Bevölkerung montiert. damit ist der
Hausmannsturm nun knapp über 100 meter hoch.
46
Einladung zum Richtfest am 02. Oktober 1991: Mit dem Aufset-
zen der Turmhaube wird der Hausmannsturm wieder höchster Turm
der Stadt
47
Georg Werner, Leiter des Staatshochbauamtes Dresden I, bei der
Begrüßung (Oktober 1991)
48
Turmspitze
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Die Staatshochbauverwaltung des neu gegründe-
ten freistaates Sachsen ging von Anfang an davon
aus, dass das Schloss als Museum für die Staatlichen
Kunstsammlungen dienen würde. Doch Einzelheiten
in der Planung – zunächst am Südflügel – wurden
neu überdacht. Zum einen ergaben sich jetzt neue
technische Möglichkeiten. Zum anderen wollte man
die Detailplanung noch intensiver dem gedanken
des Schlosses als gesamtkunstwerk unterordnen. Aus
diesem grund wurde eine Arbeitsgruppe gegründet,
die sich mit der nutzung des Schlosses auseinander-
setzte. im Jahr 1994 erstellte die Arbeitsgruppe eine
Kabinettsvorlage, die am 13. Dezember 1994 vom Ka-
binett verabschiedet wurde. hierin heißt es wörtlich:
BEschluss nr. 02/0034
(Ausschnitt)
h
Das Kabinett stimmt einer überwiegend mu-
sealen nutzung der an den großen Schlosshof
grenzenden gebäude (nord-, West-, Ost- und
Zwischenflügel) sowie des georgenbaus und des
Bärengartenflügels durch Museen der Staatlichen
Kunstsammlungen zu.
h
SMf wird beauftragt, dem Kabinett ein konkretes
nutzungskonzept für Tagungs- und repräsenta-
tionszwecke für das residenzschloss vorzulegen.
Dabei sind auch die Planungen für ein Kongress-
zentrum, nutzung der frauenkirche, renovierung
des Kulturpalastes, Entstehung sonstiger privater
Tagungsräume etc. zu berücksichtigen. Zudem
sind konkrete Vorschläge für die museale, reprä-
sentative sowie sonstige nutzung sowie den Zu-
schnitt der räumlichkeiten zu machen.
Das Kabinett beschließt die Nutzung im
Sinne der Denkmalpflege
damit stimmte die Regierung des Freistaates sachsen der
überwiegend musealen nutzung des schlosses durch die
museen der staatlichen kunstsammlungen dresden zu.
doch dies erwies sich als nicht so einfach. immerhin um-
fasst das schloss insgesamt 28.000 Quadratmeter Haupt-
nutzfläche. Zudem mussten in das nutzungskonzept
viele museen in und um dresden einbezogen werden.
das Ziel sämtlicher staatlicher museen in der stadt und
im Raum dresden, teilweise auch darüber hinaus, war es,
gemeinsam eine allseits akzeptierte und vom sächsischen
staatsministerium für Wissenschaft und kunst abgeseg-
nete nutzungskonzeption zu erarbeiten. Hierfür musste
über verschiedene unterbringungsmöglichkeiten beraten
und abgestimmt werden.
sämtliche diskussionen fanden unter großem anteil der
Öffentlichkeit statt. die arbeiten wurden von teils äußerst
kritischen kommentaren der Presse begleitet. so war z. B.
ein kritikpunkt, dass bei der Restaurierung auf Baustile
zurückgegriffen wurde, die zum Zeitpunkt der Zerstörung
im Jahr 1945 am schloss gar nicht mehr zu finden waren.
die kritiker stellten zur debatte: War es legitim, wieder
herzustellen, was schon längst vergangen gewesen und
von einer neueren Formensprache abgelöst worden war?
49
Foyer Bärengartenflügel

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Ein derart herausragendes Projekt wie der Wiederauf-
bau des Dresdner residenzschlosses ruft viele fach-
leute samt ihren unterschiedlichen Meinungen auf
den Plan. Die sächsischen Bauleute und Politiker hät-
ten es sich einfach machen und fremde Stimmen mit
hinweis auf die eigene Kompetenz einfach ignorieren
können. Doch genau das wollte man nicht. um die
öffentliche Diskussion nicht zu übergehen, sondern
sich mit allen Argumenten angemessen auseinander
zu setzen, beschlossen die damaligen Minister Prof.
Dr. georg Milbradt (finanzen) und Prof. Dr. hans
Joachim Meyer (Wissenschaft und Kunst), ein inter-
nationales Kolloquium zu veranstalten. Museologen,
Denkmalpfleger und Architekten sollten über die re-
staurierung und die künftige nutzung des Schlosses
diskutieren. hier zeigte sich wieder, dass Bauleute,
Denkmalschützer und Politiker in Sachsen offen sind
für fachliche Anregungen. Man wollte nie nur »im ei-
genen Saft schmoren«, sondern sich um der Sache
willen mit möglichst vielen kompetenten fachleuten
austauschen.
Es wurden 18 renommierte Museologen, Architekten
und Denkmalpfleger aus verschiedenen europäischen
Ländern eingeladen. Ziel war es, neue Anregungen
und wichtige fachliche hinweise zu bekommen; in-
spirierende Diskussionen sollten Ergebnisse bringen,
die allen Anforderungen gerecht werden würden. ge-
meinsam wollte man Vorschläge für die restaurierung
und die künftige nutzung des Schlosses erarbeiten
und gleichzeitig die architektonischen und denkmal-
pflegerischen Belange beachten. Außerdem sollten
inhalt und nutzung weiterer Dresdner Bauwerke und
Museen, z. B. das Japanische Palais, das Deutsche
hygienemuseum und der Zwinger, um nur einige zu
nennen, betrachtet werden.
Die Teilnehmer des Kolloquiums trafen sich das erste
Mal im november 1995. Sie bildeten verschiedene Ar-
beitsgruppen, die sich bis März 1996 insgesamt vier-
mal zu mehrtägigen Treffen zusammenfanden. Die
Das Kolloquium zu Wiederaufbau
und Nutzung
fachleute untersuchten den Bestand, den Zustand
und die Präsentation der einzelnen Sammlungen.
Dann erarbeitete jede gruppe Empfehlungen, die in
einem gesamtgutachten mündeten.
diE tEilnEhmEr dEs intErnationalEn
schlosskolloquiums
museumsfachleute
Professor dr. Hugo Borger (Vorsitzender)
Generaldirektor der Museen der Stadt Köln i. R.
Professor dr. Wolf-dieter dube
Generaldirektor der Staatlichen Museen der
Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin
Professor dr. Hermann Fillitz
Erster Direktor i. R., Kunsthistorisches Museum Wien
dr. Camille Pisani
Direction des Expositions, Museum National d‘Histoire
Naturelle, Paris
architekten
Professor Jo Coenen,
Maastricht
ivano Gianola,
Mendrisio
axel Fickert,
Zürich
Professor karljosef schattner,
Eichstätt
Heinz tesar,
Wien
Professor dr. manfred Wehdorn,
Wien

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WIEDERAuFBAu – ÜBERBLIcK
· 51
Professor michael Wilford,
London
Horst Witter,
Dresden
denkmalpfleger
Professor dr. manfred Fischer
Landeskonservator, Denkmalschutzamt Freie und
Hansestadt Hamburg
dr. martin Fröhlich
Amt für Bundesbauten Bern
Professor dr. Jürgen Paul
Lehrstuhl für mittlere und neuere Kunstgeschichte
TU Dresden
Professor dr. michael Petzet
Generalkonservator, Bayerisches Landesamt für
Denkmalpflege, München
Professor dr. Wolfgang stopfel
Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Freiburg
Professor Rudolf Ziessler
Landeskonservator, Thüringisches Landesamt für
Denkmalpflege, Erfurt
BaulEutE, dEnkmalpflEgEr und
musEologEn präsEntiErEn gEmEinsamE
vorstEllungEn
Folgende Ergebnisse wurden in dem kolloquium für das
schloss erarbeitet:
h
die bisherigen Leistungen der denkmalpflege werden
anerkannt.
h
Zunächst muss seine äußere Gestalt in Gänze wieder-
hergestellt werden.
h
die Rekonstruktion im inneren sollte auf das not-
wendigste beschränkt werden (Grünes Gewölbe und
Paraderäume).
h
Zur Präsentation sollen das Grüne Gewölbe, die Rüst-
kammer, das kupferstich-kabinett und das münzkabi-
nett ins schloss einziehen.
h
die Eingangssituation einschließlich Foyerbereich
muss unbedingt gelöst werden.
Wissenschafts- und Finanzminister legten gemeinsam
fest, dass die Empfehlungen möglichst zügig umgesetzt
werden sollten. doch dafür war ein weiterer kabinetts-
beschluss notwendig. damit dieser vorbereitet werden
konnte, richteten sie eine schlosskommission unter der
Leitung der staatshochbauabteilung des sächsischen
staatsministeriums der Finanzen ein. die Ergebnisse des
kolloquiums wurden veröffentlicht.
50
Internationales Schlosskolloquium am 27. November 1995

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52 ·
WIEDERAuFBAu – ÜBERBLIcK
51
Notat Horst Witter, Dresden
52
Notat Horst Witter, Dresden
54
Notat Ivano Gianola, Mendrisio
51
52
54
53
55
53
Notat Jo Coenen und Co. Architekten, Maastricht
55
Notat Michael Wilford, London

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WIEDERAuFBAu – ÜBERBLIcK
· 53
nachdem die Arbeiten am residenzschloss stän-
dig voranschritten, wurde es immer dringlicher, ei-
nen konkreten nutzungsplan auszuarbeiten. nur so
konnte gewährleistet werden, dass alle Arbeiten auch
im Sinne der künftigen nutzer durchgeführt wurden.
Außerdem sollten die Vorschläge des Wiederaufbau-
kolloquiums zügig umgesetzt werden. hierfür war es
nötig, alle Aufgabenbereiche in einer Arbeitsgruppe
zusammenzuführen. Also wurde auf Betreiben von
Kolloquium, finanz- und Wissenschaftsministerium
die Schlosskommission unter der Leitung der Bauab-
teilung des finanzministeriums (herr Wolf Karl reid-
ner, herr gert horstschulze) gebildet. Diese besteht
heute noch.
ihre Mitglieder kommen aus
h
den Abteilungen Staatshochbau und haushalt des
Sächsischen Staatsministeriums der finanzen
h
den Abteilungen hochschulen und Kunst des
Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft
und Kunst
h
den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
h
dem Staatsbetrieb Sächsisches immobilien- und
Baumanagement, Zentrale und niederlassung
Dresden i
h
dem Landesamt für Denkmalpflege
h
dem Landesamt für Archäologie.
Die Schlosskommission soll die Beteiligten koordinie-
ren, sowohl die Planungen als auch die Durchführung
der Aufgaben sinnvoll und im rahmen der vorgege-
benen Zuständigkeiten verteilen und schließlich auch
für einen fachlichen und persönlichen Austausch
ihrer Mitglieder sorgen. ihre erste Sitzung fand am
8. April 1997 statt. Schon im Dezember 1997 legte
die Schlosskommission die ausgearbeitete »Museums-
konzeption Dresdner Schloss« dem Kabinett vor. Am
16. Dezember 1997 stimmte das Kabinett dieser Kon-
zeption zu.
Die Schlosskommission
BEschluss nr. 02/0893
(Ausschnitt)
Museumskonzeption Dresdner Schloss:
h
Der musealen nutzung des Dresdner Schlosses un-
ter Bezugnahme auf den Beschluss nr. 02/0034
vom 13. Dezember 1994 wird zugestimmt. Auf
die Einordnung eines multifunktionalen Zentrums
wird verzichtet.
h
Das Dresdner Schloss wird durch Museen der
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, und zwar
das grüne gewölbe, das Kupferstich-Kabinett, das
Münzkabinett und die rüstkammer, genutzt.
h
Der Südteil wird durch die generaldirektion sowie
die Direktionsbereiche der Museen einschließlich der
restaurierungswerkstätten und Depots genutzt.
h
Der weitere Ausbau des Dresdner Schlosses erfolgt
in Abschnitten, nach den finanziellen Möglich-
keiten des Landes. Zunächst erfolgen:
h
die äußere Wiederherstellung des Ostflügels mit
Torhaus und riesensaal in seiner ursprünglichen
baulichen Struktur (fassung 17. Jh.)
h
der Ausbau zur nutzung des grünen gewölbes
h
und der Ausbau des Südteils.
h
Denkmalpflegerische Aspekte werden umgesetzt.
56
Schlosskommission (November 2005)

54 ·
WIEDERAuFBAu – ÜBERBLIcK
Mit hilfe der Vorarbeiten der Schlosskommission und
dank der Zustimmung des Kabinetts konnten jetzt
die Arbeiten auf einem sicheren rechtlichen funda-
ment fortgeführt werden. Als erste öffentliche nut-
zung richtete man räume für die Ausstellung zur
Sächsisch-Polnischen union (»unter einer Krone«)
im 2. Obergeschoss des West- und nordflügels her.
Es folgte der erste große Bauabschnitt, in dem die
Schlosskapelle zu einer interimsspielstätte für das
Kleine haus des Dresdner Staatsschauspiels ausge-
baut wurde. Schon im Jahr 1999 konnten dort The-
aterliebhaber die erste Vorstellung besuchen. Bis zur
Wiedereröffnung der Originalspielstätte des Kleinen
hauses im Jahr 2004 wurden in der Schlosskapelle
zahlreiche Stücke aufgeführt.
Doch nicht nur für kulturelle Zwischennutzungen
richtete man die räumlichkeiten im Schloss her. Wäh-
rend der gesamten Zeit des Wiederaufbaus wurden
(und werden zum Teil immer noch) viele räume als
Büros und Werkstätten genutzt.
So konnten bereits im Jahr 2002, als erste endgültige
nutzung, die Büros, Depots und der Studiensaal des
Münzkabinetts an die Staatlichen Kunstsammlungen
Dresden übergeben werden. im Jahr 2003 waren die
Verwaltungsräume sowie die Werkstätten, Labore,
Depots für die Sammlungen des grünen gewölbes,
der rüstkammer, des Kupferstich-Kabinetts und der
Kunstbibliothek im Südteil fertig gestellt.
Es folgten zwei weitere sehr prominente Bereiche des
Schlosses: Das Kupferstich-Kabinett konnte 2004
seine Depots und Ausstellungsräume beziehen und
wurde am 24. April 2004 eingeweiht. und ein groß-
er Teil der Schätze der sächsischen fürsten und Kö-
nige, einige der spektakulärsten Pretiosen aus ihrer
Schritt für Schritt zum Erfolg
Schatzsammlung, zogen in das neue grüne gewölbe
ins 1. Obergeschoss des Westflügels ein. Die feierliche
Einweihung fand am 07. September 2004 mit großer
resonanz in Presse und Öffentlichkeit statt. Der da-
malige Ministerpräsident Professor Dr. georg Milbradt
fasste in seiner rede anlässlich der Eröffnung die we-
sentlichen Aspekte so zusammen (redeauszug):
»Mit der Eröffnung des neuen grünen gewölbes ist
ein wichtiger Schritt getan auf dem langen Weg, an
dessen Ende das Dresdner Schloss eines der bedeu-
tendsten Museumszentren Europas sein wird. Ein
Museumsschloss, das die Bestände von Kupferstich-
Kabinett, grünem gewölbe, rüstkammer und Münz-
kabinett in einer einzigartigen Synthese zusammen-
führt und mit Exponaten des Kunstgewerbemuseums,
der Porzellansammlung, der gemäldegalerie Alte Mei-
ster und des Mathematisch-Physikalischen Salons be-
reichert.«
Am 28. März 2006 konnte die Bauverwaltung der
Öffentlichkeit ein neues highlight ihres Schaffens
präsentieren: Das historische grüne gewölbe wurde
baulich fertig gestellt an die Staatlichen Kunstsamm-
lungen Dresden übergeben. nachdem die räume mit
dem Ausstellungsgut bestückt wurden, können seit
dem 15. September 2006 Besucher die in weiten Tei-
len originalgetreu wiederhergestellten räume und die
dort ausgestellten Schätze bewundern. Ein anderer
höhepunkt fand im Juli 2006 statt, als die Bauleute
mit den nutzern bei strahlendem Sonnenschein das
richtfest für den rohbau des Ostflügels feierten.

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WIEDERAuFBAu – ÜBERBLIcK
· 55
spannEndE aufgaBEn BlEiBEn für diE
nächstE gEnEration
am schloss wird in absehbarer Zeit die arbeit nicht aus-
gehen. Wenn sie diese Publikation in den Händen halten,
werden schon wieder einige Bereiche fertig gestellt sein.
so ist der kleine schlosshof mit einem modernen dach
aus Luftkissen überspannt (siehe dazu auch das interview
mit dem architekten Prof. Peter kulka).
Weitere meilensteine der Vergangenheit waren die Fer-
tigstellung der Fürstengalerie, der türckischen Cammer
oder der Englischen treppe. informationen zu diesen
Bereichen finden sie im zweiten teil der Broschüre zum
Wiederaufbau des dresdner schlosses.
Über die nutzung der schlosskapelle, des Großen
schlosshofs und über den weiteren ausbau des schlosses
wurde noch nicht abschließend entschieden. auch Pla-
nungen samt Probeachsen zum ausbau der Paraderäume
im zweiten obergeschoss des Westflügels müssen noch
erstellt werden. Entschieden ist bereits, dass dieser aus-
bau nach dem historischen Vorbild erfolgen soll. Hier gilt,
wie bei der gesamten Restaurierungsmaßnahme, dass
sich der Fortgang der arbeiten an den finanziellen mög-
lichkeiten des Freistaates orientieren muss. das schloss
und exponierte Bauwerke wie die semperoper oder die
Frauenkirche lassen das kulturelle Herz dresdens wieder
schlagen.
58
»Unter einer Krone« – Ausstellung zur Kunst und Kultur
während der sächsisch-polnischen Union, Polnische Krone
57
»Unter einer Krone« – Ausstellung zur Kunst und Kultur wäh-
rend der sächsisch-polnischen Union, Blick aus dem 1. Vorzimmer
in Richtung Audienzgemach (Eröffnung am 24. November 1997)

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56 ·
WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
WiEDErAufBAu –
ETAPPEn
05
59
Ostflügel, 1. Obergeschoss (2006)

WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 57
Die Baumaßnahme des Dresdner Schlosses gliedert
sich in zwei wesentliche Abschnitte. Zum einen den
rohbau und die äußere Wiederherstellung des Schlos-
ses (erster Bauabschnitt) und zum anderen den Aus-
bau für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
(zweiter Bauabschnitt). im rahmen der rohbaumaß-
nahmen wurde als erstes die Schlosskapelle zu einer
interimsspielstätte für das »Kleine haus« ausgebaut.
Das für Dresden so wichtige »Kleine haus«, eine
Spielstätte des Staatsschauspiels Dresden, musste
aufgrund von Brandschutzauflagen und statischen
Problemen 1998 für den umbau geschlossen werden.
in dieser Zeit musste eine Ersatzspielstätte geschaffen
werden. nach gründlichen untersuchungen der ver-
schiedensten Standorte entschied man, die bereits im
rohbau vorhandene Schlosskapelle für diesen Zweck
herzurichten. Diese Entscheidung stieß nicht bei allen
auf Zustimmung.
Viele Bauten verlieren im Laufe ihrer geschichte ihre
eigentliche Zweckbestimmung. Aus Schlössern wer-
den Museen, in fabrikhallen ziehen galerien ein und
in Kirchen gibt es restaurants und Bars. Vor allem
über die umwidmung von gotteshäusern in profane
Vergnügungsstätten wird heftig diskutiert. Bei der
Schlosskapelle im Dresdner residenzschloss hatten
die Bedenken gegenüber der neuen nutzung an-
dere ursachen: Einige Dresdner fürchteten, aus der
interimsspielstätte des »Kleinen hauses« würde eine
Dauereinrichtung werden. Doch diese Befürchtungen
haben sich inzwischen erübrigt. Das »Kleine haus« ist
im Jahr 2004 wieder in sein eigenes gebäude in die
glacisstrasse gezogen.
Planung und umbau der ehemaligen Schlosskapelle
zur interimsspielstätte des »Kleinen hauses« dauerten
von Juni 1997 bis Ende Dezember 1998. in gerade
mal anderthalb Jahren verwandelten die Bauleute
die über 200 Jahre lang ungenutzten und im Krieg
zerstörten räume in ein voll funktionsfähiges, mit
moderner Technik ausgestattetes Theater. Zunächst
erfolgten typische rohbauarbeiten: Zum zweiten
Obergeschoss wurde eine Decke eingezogen. Die
seitlichen Emporenstützen aus Stahlbeton erhielten
Durchgangsöffnungen.
An der Ostseite wurde ein Bühnenzugang eingebaut.
Sandsteingewölbe und Spritzbetonmauern im Kel-
lergeschoss wurden saniert. Vom großen Schlosshof
über den Treppenturm zum foyer im Kellergeschoss
wurde ein Besucherzugang geschaffen.
Die Interimsspielstätte »Kleines Haus«
Theater im Schloss
ErdgEschoss
im Nordflügel

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58 ·
WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
modErnE tEchnik für rEiBungslosEn
thEatErBEtriEB
alle technischen Einrichtungen, Leitungen etc. wurden
unsichtbar verlegt, z. B. in Fußbodenkanälen und Ge-
ländern. anschließend wurden Fußböden, trennwände,
decken etc. eingebaut. und schließlich wurde die ehe-
malige kapelle mit allen für den theaterbetrieb bzw. für
öffentliche Gebäude nötigen Einrichtungen ausgestattet:
Besucherkassen und Garderoben, sanitär- und Lüftungs-
anlagen im kellergeschoss, ton- und Beleuchtungsanla-
ge, Brand- und Einbruchmelder und vieles mehr. Eine Be-
sonderheit war der Zugang zur spielstätte, der über das
»Grüne tor« im Hausmannsturm in den Großen schloss-
hof erfolgte. Von hier aus konnten die theaterbesucher
auf die schlossbaustelle blicken und den Fortschritt der
arbeiten beobachten.
auch nachdem das »kleine Haus« im Jahr 2004 seine neue
spielstätte bezog, wurde und wird die ehemalige schloss-
kapelle für kulturelle Events genutzt. Ein großer Erfolg
war zum Beispiel die von der deutschen stiftung denk-
malschutz, der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger
in der Bundesrepublik deutschland e. V. und der dehio-
Vereinigung veranstaltete ausstellung »Zeitschichten«
(30.07. bis 13.11.2005), die tausende Besucher verzeich-
nen konnte.
das Portal der schlosskapelle wurde mittlerweile restau-
riert. dabei erfolgte eine Reinigung des Gesteins durch
Lasertechnik und die Restaurierung besonders geschä-
digter Bereiche. im Jahr 2009 kehrte das Portal an seinen
standort an der schlosskapelle zurück. Eine aufwändige
und teure sanierung, die uns jedoch eines der schönsten
architekturzeugnisse der Renaissance wiedergebracht hat.
60
Rohbau Schlosskapelle
61
Spielstätte Schlosskapelle
62
»Ein Sommernachtstraum« von William Shakespeare in der
Interimsspielstätte Schlosskapelle (April 2000)
60
61
62

WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 59
Das Münzkabinett, eine Sammlung von zirka 300.000
Münzen und Medaillen, Orden und Ehrenzeichen,
Banknoten und historischen Wertpapieren aus fünf
Jahrhunderten, ist eine der herausragenden numis-
matischen Sammlungen weltweit. ihre Anfänge lassen
sich bis zu herzog georg dem Bärtigen (1500–1539)
zurückverfolgen. inzwischen wird sie ergänzt durch
eine 30.000 Titel umfassende Spezialbibliothek.
Während der vergangenen Jahrzehnte war das Münz-
kabinett in ein provisorisches Quartier im ehemaligen
Kunstgewerbemuseum, güntzstraße, ausgelagert. im
Juni 2002 zog es, als erster Teil der Staatlichen Kunst-
sammlungen, in das residenzschloss um. in weniger
als einem Jahr wurden alle hierfür nötigen Planungen
bewerkstelligt. Schon im Januar 2001 konnte mit den
Baumaßnahmen begonnen werden. Ein glück war es,
dass es in diesem Winter kaum regnete oder schnei-
te. Die günstige Witterung ermöglichte es, als ersten
Bauabschnitt das Dach zu erneuern.
Doch damit waren die glücklichen umstände bereits
erschöpft, jetzt kamen die Bauleute zum schwie-
rigeren Teil. Das Münzkabinett sollte in das dritte
Obergeschoss und in den Dachraum des georgenbaus
am Schlossplatz einziehen. Aber gleichzeitig mussten
die Verwaltung des grünen gewölbes und die Schloss-
ausstellung im ersten Obergeschoss sowie die Wech-
selausstellungen der Staatlichen Kunstsammlungen
weiterhin in Betrieb bleiben. Die entscheidende frage
war: Wie konnte man trotz laufender Bauarbeiten die
Sicherheit der Ausstellungen garantieren?
Planer und Bauleute einigten sich gemeinsam auf
folgende Lösung: Der Zugang zur Baustelle erfolgte
separat über die östlich vom georgentor im Ostflü-
gel gelegene innere Wendeltreppe. Dies war für die
handwerker beschwerlich. Kein Wunder, dass sie es,
einmal oben angelangt, tunlichst vermieden, schnell
wieder herunter zu steigen. Sie zogen ihr Baumateri-
al mit Lastenaufzügen vom Schlossplatz herauf und
brachten es über die fenster in das gebäude ein. Auf
gleichem Weg verließen Abbruchmaterialien die Bau-
stelle.
Das Münzkabinett
Erster Teil der Dresdner Kunstsammlungen im Schloss
3. oBErgEschoss
im Georgenbau

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60 ·
WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
in wirtschaftlich vertretbarer Form zu klimatisieren und
zu beheizen. doch wie an vielen stellen der schlossre-
konstruktion fanden Bauverwaltung und Planer auch hier
eine optimale Lösung: das »Haus im Haus«. das heißt, in
den dachraum wurde ein geschlossener Baukörper auf
die – statisch entsprechend ertüchtigte – decke einge-
stellt. das bereits vorhandene dachtragwerk durchdringt
den neuen Baukörper, ist jedoch konstruktiv nicht mit ihm
verbunden. außerdem verringerten sich die Lasten, wel-
che das alte Raumtragwerk tragen muss, dank des neuen
daches noch weiter. Jeder einzelne stab der konstruktion
wurde überprüft, die schadhaften stäbe ausgetauscht
und alles mit einem neuen schutzanstrich versehen.
optimalE lösung durch »haus-im-haus«-
konstruktion
der neue »Haus-im-Haus«-Baukörper erfüllt alle Voraus-
setzungen bezüglich klimatisierung und sicherheit, die
heute für ein modernes museum unabdingbar sind.
Gleichzeitig ist er ein Beweis, wie gut die kombination
von historischer und moderner Bausubstanz gelingen
kann und den Bedürfnissen heutiger nutzer gerecht wird.
dEr dachraum als grösstE
hErausfordErung
inzwischen ist das münzkabinett wie geplant in seinen
Räumen heimisch. im dritten obergeschoss befinden sich
die Räume der wissenschaftlichen mitarbeiter sowie die
Büros, Labor- und sozialräume. außerdem ist hier der
öffentlich zugängliche teil der sammlung ausgestellt.
Gleich nebenan können interessierte Besucher und Fach-
leute die umfangreiche museumsbibliothek und den
großen seminarraum (studiensaal) nutzen. den dach-
boden erreicht man über eine neu geschaffene treppe.
Hier lagert heute das depot der münzsammlung. doch bis
dahin war es ein weiter Weg und eine große Herausforde-
rung für alle Beteiligten.
ursprünglich bestand der dachraum aus einer mehrge-
schossigen Halle, die von einem eisernen Raumtragwerk
aus dem 19. Jahrhundert dominiert wurde. Es hatte mit
leichten Verformungen den krieg überlebt und trug das
ungedämmte dach. das dachtragwerk konnte ohne Ver-
änderungen erhalten werden. allerdings war es statisch
so fragil, dass es keine weiteren Lasten aufnehmen konn-
te. Zudem sollte zum stallhof hin aus dem dachraum
heraus ein historischer Giebel wieder erschaffen werden.
des Weiteren hatte der gesamte dachraum ein viel zu
großes Raumvolumen, um dort das depot sinnvoll un-
terzubringen. Es wäre auch nicht möglich gewesen, ihn
63 + 64
Depot Münzkabinett, 4. Obergeschoss, Georgenbau

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
flutkatastrophen, so dachten wohl viele Menschen in
Sachsen, finden nur in anderen gegenden der Welt
statt. Doch dann kam der August 2002, und ein Jahr-
hunderthochwasser ließ die Elbe und weitere flüsse
über die ufer treten.
im Zeitraum vom 12. bis 14. August 2002 fielen in
Dresden und im Osterzgebirge die höchsten regen-
mengen, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen
beobachtet wurden. Das Abwasserkanalsystem der
Stadt Dresden war weder für solche niederschlags-
mengen ausgelegt, noch waren entsprechende Ab-
wehrmaßnahmen konzipiert. Als erstes ergoss sich das
Wasser in folge der niederschläge aus dem Erzgebir-
ge über die Weißeritz in die innenstadt, dann kam die
flut aus Tschechien über die Elbe und zuletzt hatte
man mit dem steigenden grundwasser zu kämpfen.
nach Tagen des Bangens und hoffens erreichten die
Wassermassen trotz aller Schutzmaßnahmen die Alt-
stadt Dresdens und damit auch die Baustelle des re-
sidenzschlosses. Das Wasser floss in den Keller, in das
technische herz des Schlosses: zahlreiche Ver- und
Entsorgungsleitungen ziehen sich durch die Mauern;
der begehbare fernwärmekanal verbindet das Schloss
mit der hofkirche, der Brühlschen Terrasse und dem
Albertinum. Betriebstechnische Anlagen, Technikzen-
trale und Mittelspannungsschaltanlage, Transforma-
torenstation, Trinkwasserverteilung, Kältemaschine,
die jeweiligen Verteilungsstraßen und viele weitere
technische Einrichtungen waren so gut wie fertig und
betriebsbereit.
und dann kam das Wasser. Zunächst staute es sich im
Bereich des nordflügels aus der Kanalisation zurück.
Ein Brunnen und ein historischer Entwässerungska-
nal spuckten ebenfalls Wasser aus. Da man die Ka-
tastrophe hatte kommen sehen (wenn auch nicht in
ihrem tatsächlichen Ausmaß), wurden sofort Pumpen
eingesetzt. Der Wasserspiegel sank, die gefahr schien
gebannt. Doch dann öffnete der himmel nochmals
seine Schleusen. Das Abwasserkanalsystem Dresdens
kapitulierte. Erneut drangen die fluten in den Keller
des Schlosses ein. Zusätzlich ergoss sich Wasser über
den fernwärmekanal in den Keller.
Auf eine derart dramatische Katastrophe war das
Schloss weder baulich noch technisch vorbereitet. Die
Bauleute wussten, dass sie jetzt alle reserven würden
mobilisieren müssen. Zusätzliche hochbau- und Tech-
nikingenieure wurden zum Dauereinsatz verpflichtet,
um gemeinsam mit Planungsbüros und ausführenden
Die Hochwasserkatastrophe 2002
unerwartet und verheerend
kEllErgEschoss
Überflutung des gesamten Kellergeschosses

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 63
Baufirmen das eindringende Wasser zu bekämpfen.
ihr größtes Problem war, dass die Materialressourcen
in Dresden und umgebung erschöpft waren. Jetzt
mussten Schläuche, Pumpen, notstromaggregate und
vieles mehr aus ganz Sachsen und auch von jenseits
der grenzen des freistaates herangeschafft werden.
Sogar hochleistungsfähige technische Einrichtungen
aus der Braunkohleförderung wurden eingesetzt.
auch hochlEistungstEchnik kann
schädEn nicht vErhindErn
doch bis diese Geräte in dresden ankamen, nahm die ka-
tastrophe ihren Lauf. in die keller des nordflügels und
des Georgenbaus drangen die sturzbäche mit mehreren
kubikmetern pro sekunde ein und breiteten sich auch im
Westflügel aus. Zuerst wurden die künstlergarderoben der
interimsspielstätte des »kleinen Hauses« der schlosska-
pelle überflutet. nach kurzem, intensivem kampf musste
auch der Westflügel aufgegeben werden. dutzende von
Helfern versuchten unermüdlich, dämme und Barrieren
zu errichten und so die Überflutung einzugrenzen. doch
ihr Engagement war vergeblich; auch mit dem in mengen
vorhandenen Baumaterial wie sand, steinen, Folien und
Beton ließen sich auf die schnelle keine wirkungsvollen
abschottungen errichten. die bereits eingebauten türen
waren nicht druckdicht, Wanddurchführungen von kanä-
len und Leitungen noch offen.
als sich allmählich der Versorgungskanal im südteil mit
Wasser füllte, wurde die situation lebensbedrohlich. alle
Helfer kämpften bis zum letzten augenblick, doch dann
musste das schloss von der stromversorgung abgeschnit-
ten und der keller endgültig aufgegeben werden. die Ge-
fahr eines kurzschlusses war zu groß geworden. mehrere
10.000 kubikmeter Wasser waren bereits eingedrungen,
und der Pegel stieg immer weiter. Feuerwehr und tech-
nisches Hilfswerk waren an vielen anderen stellen im
Einsatz; die mitarbeiter der sächsischen staatshochbau-
verwaltung wurden nur von den an der schlossbaustelle
tätigen Bau- und ingenieurfirmen sowie den technikern
der staatlichen kunstsammlungen dresden unterstützt.
doch diesen rund um die uhr arbeitenden menschen ge-
lang es schließlich, zwei notstromaggregate in Betrieb zu
nehmen. Während der Wasserstand in Zwinger, semper-
galerie und semperoper Zentimeter für Zentimeter stieg,
konnte er im schloss auf einem konstanten Pegel gehal-
ten und schließlich sogar langsam abgesenkt werden.
66
Die Elbe erreicht mit einem Pegelstand von 9,40 Meter eine
noch nie gekannte Höchstmarke und richtet nicht nur im Schloss
großen Schaden an, Theaterplatz (17. August 2002)
65
Blick auf den Übergang zwischen Schloss und Taschenberg-
palais (17. August 2002)

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN

WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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BEssErE sichErungsEinrichtungEn und
Ein EXaktEr katastrophEnplan BEwährEn
sich schon 2006
die Fluten aus der kanalisation und dem Grundwasser
verursachten im dresdner schloss einen Gesamtschaden
von zirka 2,6 millionen Euro. Fast alle im kellergeschoss
installierten technischen anlagen waren beschädigt oder
zerstört. sämtliche überfluteten kabel, Leitungen und
kanäle mussten ausgetauscht werden. Parallel zu den
planmäßigen Bauarbeiten am südteil des schlosses wur-
de sofort begonnen, die Flutschäden zu beseitigen. und
alle Beteiligten waren sich einig: eine derartige katastro-
phe darf niemals wieder vorkommen. den Regen kann
man nicht verhindern. doch auch wenn es wieder ein-
mal in strömen gießen sollte, werden die auswirkungen
weniger dramatisch sein. der staatsbetrieb sächsisches
immobilien- und Baumanagement (siB) realisierte in Re-
kordzeit eine Vielzahl von Vorkehrungen gegen künftige
Überflutungen; hierzu gehören Rückstaueinrichtungen,
notstromversorgte Pumpen, druckdichte türen, abschot-
tungen zwischen den einzelnen Bauteilen und vieles
mehr.
diese maßnahmen ergänzt ein katastrophenschutzplan,
den die mitarbeiter des siB und der kontrollorganisation
dEkRa (deutscher kraftfahrzeug-Überwachungsverein)
in abstimmung mit den staatlichen kunstsammlungen
dresden erarbeitet haben. in diesem sind die Verantwort-
lichen, ansprechpartner, Handlungsvorgaben und Hava-
riepläne für mögliche Flutszenarien festgeschrieben. die
baulichen und organisatorischen Verbesserungen haben
sich bereits bewährt. Während des Frühjahrhochwas-
sers 2006 funktionierten alle maßnahmen fehlerfrei, das
dresdner Residenzschloss blieb trocken.
aber schon drohten neue Gefahren: die Jahrhundertnie-
derschläge ließen kaum nach; oberflächenwasser, Elbpe-
gel und Grundwasser stiegen weiter. insbesondere die bis
dahin noch nie da gewesenen Grundwasserstände ver-
ursachten einen starken auftrieb, der die standfestigkeit
vieler Gebäude gefährdete. im benachbarten kanzleihaus
bestand die Gefahr, dass die auftreibende Bodenplatte
die standsicherheit des Gebäudes gefährdete. so kam
es zu einer ungewöhnlichen nachbarschaftlichen Hilfe.
der keller des an sich dichten kanzleihaus wurde mit
abgepumptem Wasser aus den schlosskellern geflutet.
dies erschien einigen aufgebrachten Bürgern als eine
art austreiben des teufels mit dem Beelzebub; sie hat-
ten wohl den Eindruck, man wolle das kanzleihaus dem
Erhalt des schlosses opfern, und sie beschwerten sich
öffentlich. doch die Bauleute arbeiteten unbeeindruckt
von der ungerechtfertigten kritik weiter; allein durch das
umpumpen des Wassers konnten sie irreparable schäden
am kanzleihaus verhindern.
als man erkannte, dass die Elbe einen Höchstpegel deut-
lich jenseits der neun-meter-marke erreichen würde,
konzentrierten sich die anstrengungen am schloss auf
die abwehr des oberflächenwassers. Öffnungen, aus de-
nen Wasser herausdrückte, wurden so gut wie möglich
abgedichtet. die teils in großer Eile recht unstrukturiert
errichteten Wälle aus sandsäcken wurden neu geordnet.
doch auch die unermüdlichen Helfer brauchten nachts
ein paar stunden Pause. als das schloss am 17. august
morgens gegen vier uhr wieder besetzt wurde, lag eine
gespenstische und ungewohnte stille über theater- und
schlossplatz: aufgrund eines missverständnisses waren
alle notstromaggregate an schloss, Zwinger und sem-
peroper abgeschaltet worden. die Pumpen standen seit
stunden still. Glücklicherweise verursachte die unterbre-
chung keine weiteren dramatischen schäden. allmählich
sank auch der Wasserspiegel und am 21. august konnten
die Bauleute in der technikzentrale unter dem kleinen
schlosshof erste Erkundungsgänge machen. am 23. au-
gust begannen sie mit den Reinigungs- und aufräumar-
beiten.
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Luftaufnahme (August 2002)

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Mit dem Ausbau des Schlosses wollte der freistaat
Sachsen in vielerlei hinsicht neue Wege gehen. Dies
galt auch für den Südflügel des Schlosses. Er gehört
zu den baugeschichtlich jüngeren Teilen; entstanden
ist er erst in den Jahren 1892/93 mit der überformung
des Schlosses durch Dunger und frölich. Er grenzt im
Süden an das Schloss an und umschließt den kleins-
ten Schlosshof, den so genannten Wirtschaftshof.
inzwischen sind in den Südteil die generaldirek-
tion der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die
Kunstbibliothek, der technische Dienst, Verwaltung
und Werkstätten des Kupferstich-Kabinetts, des grü-
nen gewölbes und der rüstkammer eingezogen. Die
Verwaltungen der Museen liegen auf der gleichen
geschossebene wie ihre Ausstellungsräume. im Kel-
lergeschoss wurden Archive, Lager, Depots und die
Sozialräume des Technischen Dienstes untergebracht.
Die Kunstbibliothek, Zentralbibliothek der Staatli-
chen Kunstsammlungen Dresden, gehört zu den gro-
ßen kunsthistorischen Spezialbibliotheken. Sie ist im
1. und 2. Obergeschoss des Südteils untergebracht.
Die Planungs- und Bauleistungen wurden europaweit
ausgeschrieben. Zahlreiche Architektenbüros beteilig-
ten sich. Als Sieger gingen die dänischen Architekten
Dissing + Weitling hervor. Sie präsentierten die über-
zeugendste Lösung für die unterbringung der einzel-
nen Bereiche der Staatlichen Kunstsammlungen Dres-
den. Dies war eine sehr komplexe Aufgabe; vielfältige
nutzerwünsche und hohe technische Anforderun-
gen mussten berücksichtigt und in die vorhandenen
raumstrukturen eingepasst werden. Erschwerend kam
hinzu, dass nutzung und raumaufteilung zu Beginn
der Planungen noch nicht fest standen und sich so-
gar noch während der bereits begonnenen Bauarbei-
ten immer wieder änderten. So wurde z. B. erst spät
entschieden, dass die fachbibliotheken der einzelnen
Museen zu einer großen, zentralen Bibliothek zusam-
mengeführt werden sollten.
Die Verwaltung der Staatlichen
Kunstsammlungen
neue Wege bei gestaltung und Denkmalpflege
1. oBErgEschoss
im Südteil
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Die Kunstbibliothek ist mit ihrem umfangreichen Bestand und
den Arbeitsplätzen auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich

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ErinnErungstEppich aus nEuEm BElag
und altEn fliEsEn
neben dem offenen, modernen innenausbau besticht im
südteil des schlosses ein weiteres bemerkenswertes Ele-
ment: Entgegen der vorherrschenden tendenz, möglichst
viele bauliche details originalgetreu zu rekonstruieren,
wählte man hier einen anderen Weg. in abstimmung
mit dem Landesamt für denkmalpflege wurden verloren
gegangene Fliesen der Bodenbeläge nicht rekonstruiert.
stattdessen entschloss man sich, lediglich die vorhan-
denen zu sichern und sie wie einzelne Erinnerungsstücke
in den neuen Bodenbelag einzufügen.
so kann jeder Betrachter diesen Erinnerungsteppich in
seiner Fantasie ergänzen und sich den ursprünglichen
Zustand vor sein inneres auge führen. Genauso wurde
mit dem stuck an den Wänden verfahren. die vorhan-
denen Reste wurden restauriert, fehlende stücke jedoch
nicht ergänzt. diese Brüche in der Rekonstruktion erin-
nern uns – besser als jede perfekte Restaurierung – an die
Vergänglichkeit von architektur und Bau, von Handwerk
und kunst.
offEnEs raumkonZEpt lässt innEnräumE
grossZügig wirkEn
in die teilweise über zwei Geschosse gehenden Räume
des südflügels wurden Galerien in einer leichten stahl-
konstruktion eingefügt. diese Galerien werden über
Zwischengeschosse und kurze treppen aus den Büro-
räumen erschlossen. trennwände in Leichtbaukonstruk-
tion wurden unter die Galerien eingestellt. so sind nach
oben offene und dank Glasanteilen leicht und licht wir-
kende arbeitsplätze entstanden. dank dieses offenen
Raumkonzepts blieb die Großzügigkeit der historischen
Räume erhalten. die mitarbeiter der staatlichen kunst-
sammlungen dresden mussten sich jedoch erst an diese
besondere arbeitsatmosphäre gewöhnen.
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Stuckkartusche im südwestlichen Eckturm, 1. Obergeschoss
70
Östliches Erdgeschoss des Südteils, die ursprünglichen Boden-
fliesen von Villeroy und Boch wurden durch Terrazzo ergänzt
71
Das Treppenhaus des Südteils wurde nach dem Konzept von
Dunger und Frölich rekonstruiert, öffentlicher Zugang zur Kunst-
bibliothek

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Weltweit bekannt sind vor allem Sachsens architekto-
nische highlights und das grüne gewölbe als Schatz-
kammer August des Starken. für die Allgemeinheit
weniger spektakulär, doch ebenso interessant sind
die Zeitzeugnisse, Druckgraphiken, Zeichnungen und
Photographien aus acht Jahrhunderten, die säch-
sische fürsten im Kupferstich-Kabinett zusammen-
trugen. für etwa 500.000 Werke aus Papier sollte das
Dresdner Schloss nach seiner rekonstruktion wieder
heimat und Ausstellungsort sein. heute erstrecken
sich die räumlichkeiten des Kupferstich-Kabinetts im
dritten Obergeschoss vom hausmannsturm im nord-
flügel über den Westflügel bis hin zum Zwischenflü-
gel nord. Damit umfasst es den großen Schlosshof
über fast drei komplette Seiten.
Wie für alle im Schloss beheimateten Museen wurde
auch für diesen Bereich ein modernes Ausstellungs-
konzept entwickelt. Basis dieses Konzeptes bilden
eine gute Erreichbarkeit und der sichere Betrieb. hier-
zu gehört z. B. die neugestaltung des Zugangs für
die räume im Westflügel. Die neue Treppenanlage im
Bärengartenflügel wurde als Pendant zur historischen
Englischen Treppe am Ostflügel die wichtigste verti-
kale Erschließung im Schloss. Sie liegt wie ein gelenk
zwischen dem Depot mit dem Lesesaal und der Aus-
stellungsfläche.
Moderne Ausstellungsflächen müssen flexibel sein
und unterschiedliche gestaltungsmöglichkeiten zu-
lassen. Dies gilt besonders für das Kupferstich-Kabi-
nett, da seine Sammlung ausschließlich in Wechsel-
ausstellungen präsentiert wird. Das bedeutet auch,
dass Klimatisierung, Beleuchtung, Sicherheitstechnik
und Stellwände flexibel aufeinander abgestimmt wer-
den mussten. für die Beleuchtung der Ausstellungs-
flächen wählte man ein Schienensystem, auf dem die
Leuchten nach Bedarf verschoben werden können.
Die Stellwände können an Befestigungs- und An-
schlussdosen im Boden platziert werden.
Das Kupferstich-Kabinett
Zeitzeugnisse in Schrift und Bild
3. oBErgEschoss
im Nord- & Westflügel, Zwischenflügel Nord
und Bärengartenflügel
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Kupferstich-Kabinett während der Ausstellung »Welt-
sichten« (2004)

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die anschließenden depoträume sind nicht öffentlich
zugänglich. die Funktion bestimmt ihre Gestaltung. sie
wird dominiert durch eine Vielzahl von depotschränken,
die eine neutrale, sachliche atmosphäre hervorrufen.
sie können nicht mehr umgestellt werden, da die statik
dieses schlossabschnitts auf die genaue Platzierung der
schweren Holzschränke zugeschnitten ist. die decke über
dem zweiten obergeschoss ist z. B. mit klebeankern ver-
stärkt, die unter der Bestandsdecke angebracht sind.
Über dem depot, in den dachräumen des schlosses, ist
die Lüftungstechnik für sämtliche museen im schloss un-
tergebracht. Hier steht alles unter der Vorgabe: »schutz
der unersetzlichen kunstwerke«. Vor allem die Gefahr
eines Wassereinbruchs muss verhindert werden. sämt-
liche technischen Geräte und Lüftungsanlagen im dach
hat man deshalb in wasserdichte Wannen gesetzt. sollte
doch einmal der nahezu unmögliche Fall eintreten und
Wasser seinen geschlossenen kreislauf verlassen, so wür-
den extrem empfindliche Fühler eine derartige Havarie
sofort erkennen.
diE mEistEn schätZE müssEn im dEpot
gEsichErt BlEiBEn
Wie viele andere museen ist das kupferstich-kabinett
trotz seiner großzügigen Raumausstattung kein ausstel-
lungsmuseum, sondern vor allem ein archiv. die kura-
toren stellen jedoch jedes Jahr zwei bis drei themenbezo-
gene ausstellungen zusammen.
der größte teil der kunstschätze befindet sich schon aus
konservatorischen Gründen im depot. Es nimmt deshalb
die größte Fläche des kupferstich-kabinetts ein. das de-
pot schließt sich an den Lesesaal (studiensaal) an. dieser
liegt am Ende des Westflügels, direkt an der neuen treppe
des Bärengartenflügels. an deren Ende durchschreitet der
Besucher eine schwere Holztür und tritt in den moder-
nen studiensaal. in diesem verbindet sich die anmutung
aktueller architektur mit Würde und tradition des kup-
ferstich-kabinetts. die helle Verkleidung aus ahorn sorgt
für eine angenehme studien- und Wohlfühlatmosphäre.
Zudem passt sich dieser Raum ideal in die Raumstruktur
des schlosses ein.
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Studiensaal des Kupferstich-Kabinetts
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Kupferstich-Kabinett während der Ausstellung »Weltsichten« (2004)

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Herr Witter, was hat Sie an diesem Projekt besonders
gereizt?
Wir mussten einerseits mit den historischen, vorgege-
benen strukturen arbeiten, andererseits diese sinnvoll mit
heutigen mitteln ergänzen. unser Ziel war es, ein gelun-
genes spannungsverhältnis von alt und neu zu schaffen
und wichtige details zu erhalten. Wir präsentieren die
spuren verschiedener Epochen nebeneinander. so beein-
flussen wir das kollektive Gedächtnis. und wir schulen
das ästhetische Empfinden.
treten Sie also in die Fußstapfen früherer Schlossarchi-
tekten aus der Renaissance und dem Barock?
nein, keineswegs. ich bin kein barocker, ich bin ein heu-
tiger, zeitgemäßer architekt. ich akzeptiere das Jetzt.
aber ohne Vergangenheit haben wir keine Zukunft. das
gilt nicht nur in der architektur. und akzeptanz des Hier
und Heute bedeutet nicht, dass ich mit allen aspekten der
heutigen architektur einverstanden bin.
Was stört Sie an der heutigen Architektur?
Bauen ist konstruktiv oder sollte es zumindest sein. Wenn
architekten absichtlich so bauen, dass schon bei neu-
bauten ein Zustand des Verfalls suggeriert und als schön
empfunden wird, wie es der dekonstruktivistische stil tut,
spiegelt das den Zustand unserer Gesellschaft wieder.
diese architektur verdirbt den Geschmack.
Interview mit dem Architekten
Horst Witter
»Architektur beeinflusst das kollektive gedächtnis.«
Architekten bauen für Bauherren, heute wie früher.
Würden Sie nicht auch in dem gewünschten Stil bau-
en – sei es Barock oder Dekonstruktion?
Wir architekten sind dienstleister. Wir tauschen uns mit
den Bauherren aus, ob es nun der Freistaat sachsen mit
dem Residenzschloss ist oder ein privater Bauherr mit
einem Einfamilienhaus. Ein Bauprojekt gelingt nur, wenn
die Zusammenarbeit zwischen architekt und Bauherr
klappt. die weit verbreitete übertriebene selbstdarstellung
von architekten ist völlig fehl am Platz. natürlich gibt es
manchmal meinungsverschiedenheiten, die ausdiskutiert
werden müssen. schon der Renaissancebaumeister Filip-
po Brunelleschi führte auseinandersetzungen mit seinen
auftraggebern. aber einem Epigonentum, dem kritiklosen
kopieren, würde ich mich verweigern.
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Treppenhaus Bärengartenflügel
Davon ist der Architekt horst Witter überzeugt, der das neue grüne gewölbe, das historische grüne gewölbe
und das Kupferstich-Kabinett geplant hat.
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Horst Witter

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für viele Dresdner Besucher gibt es auf den ersten
Blick nur ein grünes gewölbe. Später, unmittelbar
im Schloss, stellen sie dann fest, dass in Wirklichkeit
zwei von ihnen existieren: Das neue und das histo-
rische grüne gewölbe. Während das neue grüne ge-
wölbe in moderner Architektur Publikumsmagneten
wie das »goldene Kaffeezeug« oder den mit 185 ge-
sichtern beschnitzten Kirschkern präsentiert, wird das
historische grüne gewölbe als ein barockes gesamt-
kunstwerk erlebbar. im Einklang mit der festlichen
historischen Architektur sind hier über 3.000 Einzel-
kunstwerke zu besehen.
Bereits 1993 gab es erste überlegungen vom Direk-
tor des grünen gewölbes, die Ausstellung zu teilen.
und wie schon im Beitrag – Das Kolloquium zu Wie-
deraufbau und nutzung – beschrieben, hatten nam-
hafte internationale fachleute Empfehlungen für die
nutzung des Schlosses abgegeben. Diese Experten-
kommission unter der Leitung von Professor hugo
Borger aus Bonn bestätigte für die Bereiche des grü-
nen gewölbes, »dass dieses an historischer Stelle im
Erdgeschoss des Westflügels in seiner ursprünglichen
gestalt mit zusätzlichen Ausstellungsflächen im Vor-
gewölbe und im ersten Obergeschoss des Westflügels
entstehen soll.« Damit wurden diese ersten überle-
gungen bestätigt.
Anhand der gutachterergebnisse wurde das weitere
Vorgehen festgelegt. über ein Vergabeverfahren er-
folgte die Auswahl des Architekturbüros. Dabei über-
zeugten die Jury die Lösungsvorschläge des Dresdner
Büros Witter hinsichtlich Architektur, Erschließung
und Ausstellungsgestaltung. Das Besondere dabei
war, dass der Bereich im ersten Obergeschoss eine
moderne Ausstrahlung erhalten konnte, während im
Erdgeschoss die historie wieder auferstehen sollte.
Das Bauprogramm des Grünen Gewölbes
Die Schätze kehren zurück
1. oBErgEschoss
im Westflügel, Zwischenflügel Nord und
Bärengartenflügel
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Neues Grünes Gewölbe

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August der Starke war ein typischer, nahezu unbe-
schränkt herrschender feudalherr. Doch sogar er
musste sich mit der Tatsache abfinden, dass er – trotz
des weitläufigen residenzschlosses – nicht alle seine
Schätze gleichzeitig präsentieren konnte. Wie auch
heute noch die meisten Museen weltweit, war er ge-
zwungen, viele Teile seiner Sammlung im Depot zu
lagern und konnte sie nur gelegentlich hervorholen.
Trotzdem verfolgte er umtriebig seine idee eines ge-
samtkunstwerks aus grandioser innenarchitektur und
kostbaren Exponaten.
Auch für die Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsamm-
lungen Dresden war schon zu Beginn der restau-
rierungsarbeiten an den räumen des historischen
grünen gewölbes klar, dass die riesige, weltweit ein-
malige Sammlung von gold-, Silber- und Edelstein-
kunstwerken, von Elfenbein-, Korallen- und Muschel-
schnitzereien, Edelhölzern und Bernstein keinesfalls
nur in den acht räumen würde untergebracht wer-
den können. So entschloss man sich, vor allem jene
Kunstwerke, die schon früher separat gezeigt worden
waren, auch in Zukunft auszugliedern. Doch wo und
wie könnte man sie angemessen einer möglichst brei-
ten Öffentlichkeit präsentieren?
hierbei stellte sich nicht nur das Problem ausrei-
chenden Platzes; es galt auch zu bedenken, dass heu-
te mit ganz anderen Besucherzahlen gerechnet wer-
den muss als in früheren Zeiten; außerdem würden
die Kunstschätze, wie andere Museen immer wieder
erfahren müssen, durch klimatische Einflüsse, Van-
dalismus und Diebstahl stark gefährdet sein. Zudem
wollten die verantwortlichen Bau- und Museumsleute
gewährleisten, dass gerade die herausragenden, je-
doch schwer zu präsentierenden Besuchermagneten,
wie der hofstaat des großmoguls und der Kirschkern
mit den geschnitzten gesichtern, gut geschützt und
optimal ausgeleuchtet gezeigt würden.
Das Dresdner Architekturbüro horst Witter konnte mit
seinem Entwurf einer ebenso modernen wie zurück-
haltenden raumgestaltung im ersten Obergeschoss
am besten überzeugen. Das Ergebnis beeindruckte
auch die letzten Skeptiker. Die außergewöhnlichen
Objekte des grünen gewölbes haben ihren idealen
rahmen gefunden. hunderttausende von Besuchern
bewundern seit der Eröffnung im September 2004
nicht nur die Schätze der sächsischen Kurfürsten und
Könige, sondern auch die harmonische innenraumge-
staltung, die das Museum zu einem Ort des Staunens
Das Neue Grüne Gewölbe
Ein modernes Museum für weltweit einmalige
Kunstschätze
1. oBErgEschoss
im Westflügel, Zwischenflügel Nord und
Bärengartenflügel

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beginnt mit der schatzkunst des 16. Jahrhunderts. der
Rundgang endet in zwei Räumen für sonderausstel-
lungen.
die originalen Wände sind durch aufgesetzte Putzspiegel
gegliedert. Ein besonderer Blickfang sind einzelne Frag-
mente der historischen steinmetz- oder stuckarbeiten.
sie wurden bewusst nicht entfernt oder restauriert, son-
dern konserviert und in ihrem aktuellen Erhaltungszu-
stand belassen. so können Besucher sich einen Eindruck
von der früheren Gestaltung der Räume machen. die
eingefügte mittelwand ist mit technischen Versorgungs-
komponenten und einer Folie belegt, die den Eindruck
einer kostbaren diffusen Verspiegelung hinterlässt. die
hier angewandte technik ähnelt den historischen Ver-
goldungsverfahren und wurde eigens für diese Räume
entwickelt. der Estrich der Böden wurde in Gussasphalt
ausgeführt, da die fugenlose ausführung und die geringe
Höhe für die temperierung der Böden ideale Vorausset-
zungen darstellen. der dunkle Belag unterstützt die ge-
wünschte Präsentation und schließt gleichzeitig Reflek-
tionen in die kunstobjekte aus.
und der Kontemplation macht. Die Ausgewogenheit
der raumgestaltung lässt allein die ausgestellten Ob-
jekte in den Vordergrund treten. gleichzeitig wird so
ein Kontrast zum Prunk der nach den historischen
Originalen restaurierten räume im Erdgeschoss ge-
schaffen.
üBEr proBEachsEn Zur idEallösung
doch dieser praktische und ästhetische Erfolg wurde
nicht gleich mit den ersten Plänen und deren ausführung
erzielt. Bei diesem ausnahmeprojekt zeigte sich, wie so
häufig beim Bauen, dass man mit dem Prinzip »Versuch
und irrtum« am besten vorwärts kommt. nicht alles, was
auf dem Papier steht und plausibel erscheint, bewährt
sich letztlich in der Realität. anhand verschiedener Pro-
beachsen konnten die Bauleute und ausstellungsmacher
sowohl die Baumaterialien als auch die Vitrinen und die
Beleuchtung ausprobieren. schließlich wurde eine ästhe-
tisch hochwertige und ausstellungstechnisch optimale
Lösung erreicht: Wie in den im Erdgeschoss gelegenen
Räumen des Historischen Grünen Gewölbes wird auch
hier der Besucher durch einen Rundgang geführt. dieser
78
Der neue Eingang am Schlossgarten, tägliches Erscheinungsbild kurz vor der Eröffnung der Museen

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optimalE, schattEnlosE BElEuchtung
JEdEs EXponats
Von den abgehängten decken beleuchten mehrere hun-
dert flexible, dimmbare strahler die Exponate mit einer
mischung aus Glasfaserlicht und Halogenlicht, die so
angeordnet sind, dass die kunstwerke regelrecht insze-
niert werden und keine schatten werfen. oberhalb der
decken werden die kanäle für die Be- und Entlüftung
geführt. die Fenster sind mit Verschattungsanlagen aus
metallrahmen und einer textilbespannung bestückt. so
kommen im dämmerlicht die Räume samt Vitrinen und
Pretiosen besser zur Geltung, als dies bei tageslicht der
Fall wäre. Gleichzeitig wird auch die für die objekte schä-
digende Wirkung des tageslichtes vermieden. die Vitrinen
bestechen durch ihre schlichte Eleganz und scheinen auf
ihren farbig satinierten Glasunterbauten zu schweben.
ihr Glas ist beidseitig entspiegelt. in einigen ist ein weißer
oder schwarzer Hintergrund gespannt, um die Exponate
noch besser hervorzuheben. alles ist sowohl auf optimale
Betrachtungsmöglichkeiten für die Besucher als auch auf
den besten schutz der kunstobjekte ausgerichtet.
Zum schutZ dEr oBJEktE wurdE auch
BEsondErEs augEnmErk auf diE
klimatisiErung dEr räumE und vitrinEn
gElEgt
die anforderungen an das die Exponate umschließende
Raumklima waren sehr hoch, insbesondere hinsichtlich
der zulässigen schwankungen bei temperatur und re-
lativer Luftfeuchte. darüber hinaus sollten in einem teil
der Vitrinen sollwerte herrschen, die bei der relativen
Luftfeuchte deutlich von den Parametern des Raumkli-
mas abweichen. um die konkreten und auch tatsächlich
notwendigen anforderungen an Raum- und Vitrinenkli-
ma sowie konstruktion und ausstattung der Vitrinen hin-
reichend genau ermitteln zu können, wurden die bis dato
umfangreichsten und detailliertesten fallbezogenen si-
mulationsberechnungen durchgeführt. dabei wurden die
sehr unterschiedlichen Rauminhalte der Vitrinen, der da-
rin untergebrachten »material-mixe« und die vielfältigen
äußeren Lastwechsel, wie z. B. Ein- und ausschalten der
Raumbeleuchtung, unterschiedliches Besucheraufkom-
men sowie äußere strahlungseinflüsse berücksichtigt.
79
79
Funktionsproben verschiedener Deckenstrahler, die langen
Elemente wurden ausgemustert
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Das Kaffeezeug von Dinglinger in klimatisierter Ganzglasvitrine
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Erster Raum der Kurfürsten, die Objekte wurden durch die
Beleuchtung in den Mittelpunkt gestellt – die Präsentation wird zur
Inszenierung
80

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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im Ergebnis wurde festgestellt, dass sich in sehr dich-
ten Vitrinen zwar ein mikroklima aufbaut, dieses jedoch
in weit umfangreicheren und schnelleren Wechselwir-
kungen mit der umwelt steht, als man bisher aus dem Be-
griff der allgemeinen dichtigkeit abgeleitet hatte. aus die-
sen Erkenntnissen heraus wurde die raumlufttechnische
ausstattung der Vitrinen geplant. Etwas vereinfacht
dargestellt: alle Vitrinen enthalten »mini-klimaanlagen«.
Zirka 80 % sind als so genannte »passiv klimatisierte Vi-
trinen« ausgeführt, die eine umlufteinheit (bestehend aus
Gehäuse, Ventilator, kleinen Lüftungskanälen, düsen) mit
speziell konditionierten aktivkohlefiltern und hygrosko-
pischen stoffen beherbergen. damit können schadstoffe
gefiltert und die schwankungen der relativen Luftfeuchte
abgemindert werden. im Gegensatz dazu ist eine »aktiv
klimatisierte Vitrine« in der Lage, dauerhaft vom Raum-
klima abweichende sollwerte zu gewährleisten. das wird
erreicht, indem man vorkonditionierte Luft noch einmal
dezentral nachbereitet und die spezifischen klimawerte
dann vor ort (z. B. im sockel der Vitrine) herstellt.
trotz dieser aufwändigen technik in den Vitrinen beste-
hen hohe anforderungen an die Güte des Raumklimas,
81
weil ansonsten die zulässigen schwankungsbreiten von
temperatur und Feuchte nicht eingehalten werden kön-
nen oder die klimatisierung nur mit einem extrem hohen
wirtschaftlichen aufwand gewährleistet werden kann.
die integration der raumlufttechnischen anlagen in die
Räume und die Vitrinen stellte besonders hohe anfor-
derungen an Planung und ausführung der betriebstech-
nischen anlagen.
das hier gefundene Gesamtergebnis aus Raumgestaltung
und ausstellungskonzept ist als einzigartig zu bezeichnen
und hat in der Fachwelt und Presse eine überaus positive
Resonanz ausgelöst. Europäische Fachkollegen anderer
museen interessieren sich für die entwickelten Lösungen.
das neue Grüne Gewölbe ist damit zu einem meilenstein in
der museumslandschaft geworden.

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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Ein architektonisch einmaliges raumensemble und
eine sensationelle Sammlung kunsthandwerklicher
Schätze – so wurde das schon zu seiner ursprungszeit
weit über Sachsen hinaus berühmte grüne gewölbe
von Zeitgenossen eingeschätzt. Ein gesamtkunst-
werk, das sein gründer August der Starke zudem – für
seine Zeit ungewöhnlich – eigenhändig als ein für die
Öffentlichkeit zugängliches Museum konzipiert hatte.
glück im unglück war, dass gerade dieser herausra-
gende Bereich des Dresdner residenzschlosses – seine
räume ebenso wie die in ihnen gezeigten Schätze –
in weiten Teilen vom feuersturm 1945 verschont
blieb. Ein kleiner Teil der sensationellen Arbeiten der
Elfenbeinschnitzer, gold- und Silberschmiede wurde
während des Wiederaufbaus ab 1974 im Albertinum
ausgestellt.
So bot sich in Sachsen die Chance, eines der ersten
Museen der europäischen Kulturgeschichte zu rekon-
struieren. Doch natürlich sollten die räumlichen und
präsentationstechnischen gegebenheiten auch den
Anforderungen eines modernen Museumsbetriebs
entsprechen. um sowohl den Kunstschätzen als auch
der Architektur bestens gerecht zu werden, denkmal-
pflegerischen Anforderungen zu genügen und den
Besuchern ein optimales Erlebnis zu bieten, sollten
fachleute der verschiedenen Disziplinen gemeinsam
die bisherigen Arbeitsergebnisse und Probeachsen be-
stätigen und Leitlinien für die weitere rekonstruktion
festlegen. Dabei stellte gerade die Einmaligkeit des
historischen grünen gewölbes, sowohl als Sammlung
als auch als gesamtkunstwerk, an die Planung beson-
ders hohe Anforderungen. Aus diesem grund luden
das Staatliche Vermögens- und hochbauamt Dres-
den i (jetzt Staatsbetrieb Sächsisches immobilien-
und Baumanagement, niederlassung Dresden i) und
die gestaltungskommission, die zur unterstützung
der Entscheidungen ins Leben gerufen wurde, zu
einem Kolloquium ein, das vom 14. bis 16. novem-
ber 2001 in Dresden stattfand. Das restauratorische
Ziel, dem die Diskussion der 47 hochkarätigen fach-
leute aus Deutschland, italien und den uSA dienen
sollte, wurde im Vorfeld folgendermaßen formuliert:
h
Das raumensemble sollte im Zustand von 1733
(Todesjahr August des Starken, erste gesamtin-
ventarisierung) an seinem historischen Ort mit den
entsprechenden restauratorischen und rekonstruk-
tiven Maßnahmen wieder hergestellt werden.
h
gleichzeitig sollten die Anforderungen der heu-
tigen Museumsnutzung an eine bauklimatische
und ästhetisch angemessene Präsentation der Aus-
stellungsstücke erfüllt werden.
h
Außerdem sollten alle Maßnahmen modernen Si-
cherheits- und museumslogistischen Anforderun-
gen entsprechen.
intErnationalE fachlEutE tragEn ihr
wissEn und ihrE ErfahrungEn Zur
rEstauriErung BEi
dabei mussten die Fachleute unter anderen folgende
schwierigkeiten bedenken:
h
Viele details waren fast völlig zerstört; die Wiederher-
stellung erforderte das Beherrschen alter Handwerks-
techniken und Gewerke.
h
das Restaurieren der Exponate barg das Risiko wei-
terer Zerstörungen und Verluste.
Das Kolloquium zum Historischen
Grünen Gewölbe
internationale fachleute beraten
82
Pretiosensaal (Dezember 2005)

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Es ist ein herausragendes Beispiel für das Zusammen-
wirken alter Gewerke und moderner Wissenschaft und
technik. Zwischen den einzelnen Beiträgen erörterten
die Experten offen und detailliert ihre unterschiedlichen
meinungen. Viele Jahre an restauratorischen und kunst-
historischen Erfahrungen beeinflussten schließlich die
Ergebnisse, auf die sich die kolloquiumsteilnehmer ver-
ständigten.
das wichtigstE ErgEBnis: raumkunstwErk
und prEtiosEn trEnnEn
im Rahmen dieser Publikation können nur die wich-
tigsten Ergebnisse in stichworten der insgesamt sehr
fruchtbaren diskussionen dargestellt werden:
h
der ursprüngliche kontext von ausstellungsstücken
und historischer Raumarchitektur wird wieder herge-
stellt.
h
die drei völlig zerstörten Räume Bronzen-, Juwelen-
und Wappenzimmer werden im interesse des Erschei-
nungsbildes als Gesamtkunstwerk wieder hergestellt.
h
die originalen Räume und die historische Präsentati-
on der Exponate sollen keinen Belastungen durch den
zu erwartenden massenbesuch ausgesetzt sein. daher
sollen besonders charakteristische stücke an einem
anderen ort ausgestellt werden.
h
die geschlossene Gesamterscheinung ist Ziel der Re-
staurierung, ohne dass altersspuren verwischt werden
und Brüche zwischen rekonstruierten (also neu her-
gestellten) und restaurierten ausstellungsteilen ent-
stehen. Leitbild für diese Vorgabe ist die ostwand des
Pretiosensaals.
h
die verlorenen spiegel sollen möglichst in originaler
Zinn-Quecksilber-amalgam-Beschichtung wieder her-
gestellt werden.
h
die klimaauslässe in den Fußböden sollen aufs nöti-
gste beschränkt werden.
h
die Besucherzahl in den historischen Räumen muss
beschränkt werden.
h
der staubeintrag durch Besucher muss weitgehend
reduziert werden.
h
die bisher beteiligten Restauratoren und kunsthand-
werker haben sich bewährt und sollen weiterbeschäf-
tigt werden. Zusätzlich benötigte Fachkräfte müssen
den bisher verfolgten Qualitätsanforderungen ent-
sprechen.
h
Bei der künftigen Präsentation mussten veränderte
klimatische Bedingungen, eine höhere Luftverschmut-
zung und eine viel größere Besucherzahl in die Pla-
nung einbezogen werden.
h
Heute sind exponierte Gebäude wie das dresdner
schloss durch diebstahl und Vandalismus viel stärker
gefährdet als zu Zeiten august des starken.
neben den schwierigkeiten konnten sich die Fachleu-
te aber auch mit besseren technischen möglichkeiten
auseinander setzen, die bei Planung und durchführung
derart prominenter Baumaßnahmen heute zur Verfü-
gung stehen. so können Lüftung und klimatisierung am
Computer simuliert werden; es gibt moderne anlagen für
das melden von Gefahren, Einbrüchen und Bränden. die
Beleuchtung der Räume und Exponate kann farbecht,
schattenfrei und wirtschaftlich gelöst werden.
Zunächst trugen die mitarbeiter des staatlichen Vermö-
gens- und Hochbauamtes, der denkmalpflege und einige
Restauratoren vor, welche Restaurierungsmaßnahmen
bereits durchgeführt worden waren und welche schwie-
rigkeiten dabei auftraten. Es kamen unter anderem Fach-
leute für die Restaurierung von stuck, Holzverkleidungen,
Vergoldungen, Farbfassungen zu Wort, aber auch Exper-
ten für moderne technische anlagen.
Ein besonderes merkmal der Veranstaltung waren die
diskussionen anhand von so genannten Probeachsen:
hier konnten die teilnehmer vor ort die Ergebnisse der
ersten restauratorischen Versuche im originalmaßstab
begutachten. Besichtigungen und Erfahrungsberichte
waren nicht nur für die kollegen vor ort von großem
Wert, sondern auch für die angereisten Fachleute. so gibt
es inzwischen nur noch wenige ähnlich bedeutende Re-
staurierungsprojekte wie das dresdner Residenzschloss.
83
Rundgang am 15. November 2001

WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 85
Vielleicht hat die gräfin Cosel, die langjährige Mä-
tresse von August dem Starken, hier auch mal geses-
sen: Direkt gegenüber dem residenzschloss, vor dem
Taschenberg-Palais, in dem sie residierte und in dem
jetzt eines der vornehmsten hotels Dresdens unterge-
bracht ist. heute kann man sich auf der Terrasse des
hotels bei einem zünftigen imbiss erholen und die
endlosen Besucherströme beobachten, die zum Ein-
gang des grünen gewölbes drängen.
Der Ansturm war so groß, dass die Einrittskarten für
den historischen Bereich schon Monate vor der offi-
ziellen Eröffnung am 15. September 2006 ausge-
bucht waren. nur 120 Besucher pro Stunde verkraf-
ten innenarchitektur und Exponate, die überwiegend
ohne den Schutz von Vitrinen zur Schau gestellt sind.
Daher musste die öffentliche Präsentation so geplant
und umgesetzt werden, dass die Exponate im Sinne
des gesamtkunstwerkes »grünes gewölbe« sowohl
optimal geschützt als auch präsentiert sein würden.
gleichzeitig wollte man die hierfür nötige Technik
möglichst unsichtbar in die räume integrieren.
Die feinde der Kunst sind nicht nur Diebe und Van-
dalen; die größte, weil alltägliche gefahr geht von
verschmutzter und zu feuchter Luft sowie von der
Tageslichteinstrahlung aus. heute ist unsere Luft
leider viel schmutziger als zu Zeiten der sächsischen
Kurfürsten; viel mehr Besucher drängen sich in die
Museen, weshalb es vielerorts üblich geworden ist,
den Ansturm zu begrenzen und so die Exponate zu
schonen.
optimalEs raumklima für unschätZBarE
kunstoBJEktE
auch beim Historischen Grünen Gewölbe haben die mit-
arbeiter des sächsischen immobilien- und Baumanage-
ments nach den Wünschen der staatlichen kunstsamm-
lungen dresden ein klimatisierungskonzept entwickelt.
teil des ursprünglichen Plans war es, etwa einen meter
vor die rekonstruierten Wände fast raumhohe Glaswände
zu stellen. so sollten die Exponate vom Besucherbereich
getrennt werden. sie hätten sich hinter Glas befunden
wie in einer art überdimensionierten Vitrine. doch Com-
putersimulationen ergaben, dass durch diese trennung
von Besucher- und ausstellungsbereich das Raumkli-
ma insgesamt viel schwerer kontrollierbar und nicht
auf einem gleichmäßigen niveau zu halten sein würde.
Das Historische Grüne Gewölbe
Modernste Technik kombiniert mit restauratorenkunst
ErdgEschoss
im Westflügel

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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Zudem empfahlen die teilnehmer des kolloquiums zum
Historischen Grünen Gewölbe, die Glaswand aus denk-
malpflegerischen und gestalterischen Gründen entfallen
zu lassen.
schließlich erzielte die Bauverwaltung des Freistaates
gemeinsam mit den staatlichen kunstsammlungen dres-
den einen »klimakompromiss«, der sowohl den musealen
und konservatorischen anforderungen gerecht wird als
auch technisch und wirtschaftlich vertretbar ist. Heute
herrscht in den historischen Räumen des Grünen Gewöl-
bes eine temperatur, die je nach Jahreszeit zwischen 18
und 24 Grad Celsius schwankt. die Luftfeuchtigkeit liegt
nahezu konstant bei 52 Prozent. Feinstaubfilter verhin-
dern, dass staub durch die Lüftungsanlage in die Räume
gelangt.
auch die kunstfreunde müssen ihren Part zum schutz
der einmaligen Räume und Exponate beitragen: die ab-
gabe von Jacken und mänteln ist Pflicht. die Wege bis
zur schatzkammer wurden absichtlich lang gestaltet,
damit bis dahin möglichst viel staub von den Besuchern
abfallen kann. Vor dem Vorgewölbe wurde eine schuhrei-
nigungsanlage mit absaugung installiert. die Vorsichts-
maßnahme hat tradition; schon im 18. Jahrhundert ver-
merkte die schrift »topographische Geschichte der stadt
dresden«: »Bevor man in die Zimmer tritt, werden den
Fremden von dem aufwärter die schuhe abgekehrt, da-
mit desto weniger staub in die selben getragen werde.«
Zusätzlich befinden sich am Ein- und ausgang zu den
historischen Räumen staubschutzschleusen, in denen die
Besucher durch einen Luftstrom »entstaubt« werden. Erst
dann dürfen sie die einmaligen schätze bewundern.
auch bei der ausstellung im historischen teil des Grü-
nen Gewölbes spielt – wie im modernen Bereich – die
Beleuchtung eine entscheidende Rolle. Bei ihrer konzep-
tion zeigte sich zum wiederholten mal, dass Pläne und
simulationen am Computer das Probieren 1:1 in der Re-
alität nie vollwertig ersetzen können. daher haben die
Bauleute auch bei dieser herausragenden Baumaßnahme
mit Probeachsen experimentiert. Zudem wurde frühzeitig
die Beleuchtung bemustert; nur so konnten die Fachleute
feststellen, welche Leuchtenformen und Leuchtmittel an
welchen standorten am besten geeignet sind. Bis zuletzt
wurde die Lichtdurchlässigkeit der Fenster diskutiert.
84
Fensternische im Pretiosensaal
85
Vorgewölbe, Erdgeschoss, Westflügel
86
Eingang in das Historische Grüne Gewölbe, die Schleuse sichert
das Klima und mindert den Staubeintrag
86
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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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Pretiosensaal (vor 1945)
tagEslicht und nEuE BElEuchtung nach
altEm konZEpt
Hierbei waren besonders zwei museale Vorgaben zu be-
achten: Zum einen sollte im Historischen Grünen Gewölbe
tageslicht als wichtigste Lichtquelle dienen. andererseits
werden gerade durch tageslicht die Exponate auch am
meisten gefährdet. daher wurden in die Fensterscheiben
Filterfolien eingebaut. sie reduzieren das sonnenlicht, re-
flektieren wenig und sorgen für eine hohe Genauigkeit in
der Farbwiedergabe.
neben dem tageslicht sollte eine künstliche Beleuchtung
zum Einsatz kommen, welche die historischen Wände
und die an ihnen platzierten ausstellungsstücke als in-
szeniertes Gesamtkunstwerk erleben lassen. nach ver-
schiedenen Versuchen brachten folgende Lösungen das
beste Ergebnis:
h
das Vorgewölbe, das Bernsteinzimmer und der Raum
der Renaissancebronzen wurden ausschließlich mit
modernen Leuchten ausgestattet. sie sind dimmbar
und haben uV-arme Leuchtmittel.
h
Weißsilberzimmer, silbervergoldetes Zimmer, Wap-
pen- und Bronzenzimmer erhielten historisierende
kronleuchter in den Gewölben. Für sie wurden spezi-
elle Halogenleuchtmittel mit sehr geringem uV-anteil
ausgewählt.
h
Für den Pretiosensaal wurden eigens zeitgemäße
Leuchten an den säulen entwickelt. Hierbei orien-
tierte man sich an dem ursprünglichen Lichtkonzept
von Jean Louis sponsel; er war anfang des 20. Jahr-
hunderts direktor des Grünen Gewölbes und ließ in
den Jahren 1912/1913 die komplette innenarchitek-
tur samt Beleuchtung überarbeiten. Heute führen die
Lichtquellen wieder, wie bei sponsel, von säulen aus-
gehend diagonal in den Raum.
h
im Juwelenzimmer tragen die Lichtquellen in den Vi-
trinen von innen nach außen zur Raumbeleuchtung
bei. um die volle Pracht der Exponate zur Geltung zu
bringen, wurden für die Vitrinen spezielle Beleuch-
tungsaufsätze mit einer Vielzahl von kleinen ausläs-
sen für die Lichtwellenleiter konstruiert. so können
die einzelnen Lichtpunkte variabel angeordnet wer-
den. Ergänzt werden die Vitrinenleuchten durch die
sponsel‘schen originalleuchten, die an der säule in
der mitte des Raumes angebracht sind.
die Charakteristik des tageslichtmuseums wird unter-
stützt durch moderne Leuchten in den Fensternischen.
sie ersetzen in der dämmerung den geringen tageslicht-
einfall.
fasZination EinEs gEsamtkunstwErkEs
aus architEktur und kunstschätZEn
die Faszination des Historischen Grünen Gewölbes geht
nicht allein von den ausgestellten schmuckstücken und
kostbarkeiten aus. das Historische Grüne Gewölbe ist als
Gesamtkunstwerk zu betrachten. in den acht historischen
Räumen erfolgte die barocke ausgestaltung und Verklei-
dung mit dem Ziel, die Wirkung der ausgestellten Pretio-
sen auf den Betrachter noch zu steigern. kommen sie mit
auf einen kleinen Rundgang durch die Räume!
das Vorgewölbe, einstiges »Vorraths Gewölbe«, bildet
den auftakt zum Rundgang. durch das Entfernen der
ursprünglichen trennwände sind in dem ca. 300 m
2
großen Raum die wiederhergestellten, renaissancezeit-
lichen Gewölbe in ihrer Großartigkeit zu erleben. nach
dem durchschreiten der schleuse erreicht man das Bern-
steinkabinett. Beim umbau 1913 wurde dieser Raum mit
dem nächstfolgenden Elfenbeinzimmer vereinigt. nun

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 89
bar, wenn der Pretiosensaal betreten wird. der saal unter
einer stuckdecke des 16. Jahrhunderts (andrea Brocco
1555) ist gänzlich verspiegelt und durch seine ausgie-
bige Vergoldung der umrahmungen und konsolen von
irritierender Pracht. Hier werden nur erstrangige stücke
ausgestellt. an den Pretiosensaal angehängt, das noch
prächtigere kleine Eckkabinett mit seinen 71 geschnitz-
ten konsolen. Einige konsolen sind als nackte weibliche
Halbfiguren, die aus Blattwerk herauswachsen, gestaltet.
das nächste Zimmer, das Wappenzimmer, stellt im span-
nungsbogen der inszenierung eine Beruhigung dar, be-
vor der absolute Höhepunkt, das Juwelenzimmer, folgt.
Raumhohe Einbauschränke aus Eichenholz tragen in
ihren Füllungen kupfergetriebene, feuervergoldete Wap-
penschilde. das Juwelenzimmer mit seinen verspiegelten
Wandflächen und den mit Goldradierungen hinterlegten
Verkleidungen wirkt gänzlich entmaterialisiert als irritie-
render Höhepunkt und entlässt den Besucher wieder in
die Realität. danach folgt das Bronzenzimmer, in dem
ist er wieder, wie historisch belegt, als separater Raum
hergestellt, der mit einer zeitgemäßen ausstattung für
die kunstwerke aus Bernstein zur Verfügung steht. in der
Folge durchschreitet man als Besucher die zur sophien-
straße gelegenen Räume, die aus der Entstehungszeit
weitestgehend erhalten blieben. dazu gehört auch das
Elfenbeinzimmer. dieser Raum besitzt eine hölzerne Ver-
kleidung, die mit zwölferlei sorten italienischem marmor
bemalt ist (… auf italienischer marmor art von zwölfferley
sorten gemahlet, hernachmals lackieret …). diese Farb-
flächen bringen das weiße Elfenbein ganz besonders zur
Geltung. als nächstes folgt das Weißsilberzimmer. Weißes
silber steht auf konsolen vor zinnoberrot lackierten Wän-
den, spiegeln, vergoldetem schnitzwerk und Rahmungen.
die spiegel ermöglichen eine allseitige Betrachtung der
ausstellungsstücke.
Weiter geht es mit dem silbervergoldeten Zimmer. dort
wird vergoldetes silber vor verspiegelten, grün gerahmten
Wänden präsentiert. Ein weiterer Höhepunkt wird erleb-
88
Grundriss des Erdgeschosses im Westflügel mit Eintragungen Augusts des Starken zum
Umbau und zur Erweiterung des Grünen Gewölbes (1727)

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kleinbronzen und größere Bronzengruppen auf kost-
baren Boulle-Postamenten zu sehen sind. den abschluss
des Rundganges bildet der modern gestaltete Raum mit
den Bronzen aus der Renaissancezeit.
der erste schritt zur räumlichen Wiederherstellung des
Historischen Grünen Gewölbes war die systematische
Bestandserfassung. alle verbliebenen und gesicherten
architektonischen Elemente der Räume mussten erfasst,
bewertet und katalogisiert werden. Jedes stück bekam
einen Pass, der seinen Erhaltungszustand und seine wei-
tere Behandlung dokumentierte. nur so war ein Überblick
über die aufgaben und notwendigen arbeiten zu erhalten.
der Erhaltungszustand der Räume und die Verluste und
Zerstörungen durch kriegsfolgen waren für jeden Raum
sehr unterschiedlich. der Pretiosensaal mit dem Eckkabi-
nett und das Weißsilberzimmer hatten den Feuersturm
bedingt durch ihre Lage (nach Westen) gut überstanden.
Hier standen überwiegend restauratorische maßnahmen
an. auch das silbervergoldete Zimmer war in großen tei-
len erhalten, hier wurden ergänzende Rekonstruktionen
notwendig. Für das Elfenbeinzimmer waren lediglich in
den türlaibungen ursprüngliche Bemalungen erhalten.
das Wappenzimmer, Bronzen- und Juwelenzimmer mit
ihrer Lage zum schlosshof sind im Feuersturm gänzlich
zerstört worden und waren vollständig zu rekonstruieren.
89
Dreiarmige Konsole, oben: die verlorenen Teile wurden durch Schnitzer angearbeitet und nachgebildet
unten: Endzustand nach Ergänzung der Farbfassungen
90
Silbervergoldetes Zimmer (März 2006)

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in fünf räumen des historischen grünen gewölbes
sind die Wände mit holz verkleidet. Die hölzernen
Wandverkleidungen, vor allem in den räumen zur So-
phienstraße hin, blieben glücklicherweise weitgehend
erhalten. Sie waren in den 60er Jahren ausgebaut und
eingelagert worden, um eine spätere restaurierung zu
ermöglichen.
Diese begann damit, dass die restauratoren zunächst
die erhaltenen Ausstattungsteile erfassten. Außerdem
untersuchten sie, welche Teile noch in ihrem Origi-
nalzustand waren, welche später überarbeitet wurden
und wo Schäden entstanden sind. Alle Details hielten
sie in Zeichnungen fest. für sämtliche fehlenden Teile
wurden aus Papier Platzhalter gefertigt; schließlich
setzten die restauratoren alles wie bei einem Puzzle
zusammen.
Leider waren einige der holzverkleidungen durch
Schwammbefall auf der rückseite stark geschädigt.
hier mussten die restauratoren besonders sorgfältig
arbeiten.
Außerdem entfernten sie vorsichtig alle überma-
lungen und legten so die unter mehreren farbschich-
ten liegenden farbfassungen von 1725 bis 1729 frei.
Diese waren erstaunlich gut erhalten; man konnte
historische gebrauchsspuren erkennen, ja sogar blank
geriebene Stellen, die durch das reinigen der Konso-
len über die Jahrhunderte hinweg entstanden waren.
Ein ZiEl dEr rEstauriErung: möglichst
viElE originaltEilE rEttEn
die zahlreichen schnitzereien wurden repariert, fehlende
teile wie z. B. konsolen und Leisten rekonstruiert. Ziel war
dabei, die originalen hölzernen Bauteile so weit wie mög-
lich zu erhalten. dafür wurde die gesunde Holzoberfläche
von den schwammbefallenen stellen abgetrennt und auf
neues Holz aufgebracht. dies war für die Restauratoren
in doppelter Hinsicht echte millimeterarbeit: an einigen
stellen blieben von der ursprünglichen Holzoberfläche
Die Wände im Historischen
Grünen Gewölbe
Kunstvolle gestaltung mit holz und farbe
ErdgEschoss
im Westflügel

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ebenfalls mit Holz verkleidet. diese illusionistische Bema-
lung setzt die Wandverkleidung in Form und Farbe fort.
auch hierbei handelt es sich keineswegs nur um eine ge-
stalterische spielerei, um l´art pour l´art. Wie die spiegel
und die anordnung des ganzen Raumensembles ist auch
die malerei auf Holz und stein ein teil des Gesamtkunst-
werkes Grünes Gewölbe, das jeden Besucher in Erstaunen
versetzen soll.
tatsächlich nur millimeter übrig. und die restaurierten
teile sollten ja an ihre originalplätze zurückkehren; also
mussten auf den millimeter genau die stellen gefunden
werden, an denen die originalen Holzdübel zum Befesti-
gen der Verkleidungen saßen. nachdem sämtliche aus-
stattungsteile eingebaut waren, erhielten sie ihre end-
gültige farbliche Gestaltung. die geputzten Fensterbögen
wurden so bemalt, dass der Eindruck entsteht, sie seien
91
Wappenzimmer im rekonstruierten Zustand (2006)
93
Motiventwicklung für die Bögen der Fensterlaibungen im
Weißsilberzimmer auf Transparent
92
Stefanie Schubert (1999), beim Staatshochbauamt angestellte
Architektin, war seit 1995 mit der Planung der historischen Wand-
verkleidung betraut

94 ·
WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Wie durch ein Wunder blieben Teile der Ausstattung
im Pretiosensaal, Eckkabinett, Weißsilber- und Elfen-
beinzimmer erhalten. Diese originalen, jahrhunderte-
alten Bestandteile wurden sorgfältig untersucht und
restauriert. Dabei legten die restauratoren Wert da-
rauf, dass der gealterte Zustand erhalten blieb; so ha-
ben diese Ausstattungsteile ihre Patina bewahrt und
bilden einen reizvollen Kontrast zu jenen Teilen, die
neu hergestellt werden mussten.
tEchnik dEr goldradiErung fast
vErgEssEn
die Restauratoren konnten – wie häufig bei ihrer arbeit –
auch beim Vergolden auf alte Herstellungstechniken zu-
rückgreifen. sie sind aus aufzeichnungen bekannt, doch
es musste viel probiert werden, bevor das heute sichtbare
Ergebnis erzielt wurde. im Historischen Grünen Gewölbe
wurden verschiedene Vergoldungstechniken verwendet:
Bei der Polimentvergoldung (auch Glanzvergoldung ge-
nannt) wird die Holzoberfläche zunächst mit kreidegrund
versehen. der kann so dick sein, dass der Vergolder orna-
mente hineingravieren kann. auf den kreidegrund wer-
den das Poliment (Hauptbestandteil tonerde) und eine al-
koholische Lösung aufgetragen. als letzte schicht werden
auf diese unterlage schließlich die hauchdünnen Gold-
plättchen gelegt. die fertige oberfläche kann – daher der
name Glanzvergoldung – auf Hochglanz poliert werden.
Von der Polimentvergoldung zu unterscheiden ist die
Öl- oder mattvergoldung. die ölvergoldeten oberflächen
erhalten nach der Grundierung einen anstrich mit einer
speziellen Ölfarbe, bevor das Blattgold »angeschossen«
wird. durch die matten und glänzenden oberflächen ent-
stehen interessante Gestaltungseffekte, die zusammen
mit anderen Zierelementen wie stuck und marmor die
typische anmutung barocker Räume hervorrufen.
Weitere Glanzlichter der barocken Zimmerflucht des His-
torischen Grünen Gewölbes sind die spiegel, vor allem
jene im Juwelenzimmer. sie waren sehr aufwändig mit
farbig hinterlegten Binnenflächen und Goldradierungen
verziert. doch leider war die arbeitstechnik der Goldra-
dierung, eine spezielle Form der Hinterglasmalerei, fast
vergessen. die Vergolder machten zahlreiche unter-
suchungen und Versuche, bis ihnen die Goldgravuren
schließlich gelangen. anhand von historischen Fotogra-
fien konnten sie die motive rekonstruieren.
Gold auf Holz und Glas im Historischen
Grünen Gewölbe
Alte Pracht mit neuem glanz
ErdgEschoss
im Westflügel

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Weißsilberzimmer nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten (Anfang 2006)
95
Werkplanung der historischen Wandverkleidung im Weißsilberzimmer
95
94

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Spieglein, Spieglein an der Wand: im Barock dienten
Spiegel nicht in erster Linie der eitlen Selbstbetrach-
tung. Spiegel waren vielmehr ein wichtiger Teil des
kunsthistorischen interieurs. Mit Spiegeln ließ sich
auch die üppigste raumausstattung vervielfältigen.
Zimmerfluchten erschienen noch weitläufiger, die
ausgestellten Pretiosen noch prächtiger.
Erfunden wurde die Spiegelherstellung bzw. die hier-
für notwendige Technik, das guss- und Walzverfah-
ren zur glasherstellung, um das Jahr 1670 in frank-
reich. Auch im historischen grünen gewölbe waren
sechs von acht räumen verspiegelt. hier konnten re-
stauratoren und handwerker ihre ganze Kunst entfal-
ten; heute glänzen an den Wänden des historischen
grünen gewölbes wieder rund 550 Quadratmeter
Spiegelfläche. Von diesen sind 490 Quadratmeter
neue Spiegel, 60 Quadratmeter der alten Original-
spiegel konnten restauriert werden. Wie zu ihrer Ent-
stehungszeit entfalten die Spiegel eine noble, großar-
tige, das raumensemble abschließende Wirkung.
rEkonstruktion war EinE schwiErigE
hErausfordErung
die spiegelflächen bestanden aus Einzelspiegeln in unter-
schiedlicher Größe. ihre oberflächen waren zum teil fa-
cettiert und goldbemalt. im Juwelenzimmer, dem präch-
tigsten Raum des Grünen Gewölbes, waren die spiegel
am aufwändigsten. sie waren mit Goldradierungen und
farbig hinterlegten Binnenflächen (Hinterglasmalerei)
verziert. das spiegelglas wurde handgegossen, gewalzt,
in mehreren arbeitsgängen glatt geschliffen und auf der
Rückseite mit einer Zinnamalgamschicht belegt.
Was sich heute relativ einfach anhört oder liest, gestal-
tete sich schwierig. die alte technik des Verspiegelns, wie
sie im 17. und 18. Jh. praktiziert wurde, war nicht mehr
in allen Einzelheiten bekannt. obwohl man in ganz Euro-
pa recherchierte, konnte nicht ein einziger Hersteller von
handgegossenem, mit Zinnamalgam beschichtetem Glas
ausfindig gemacht werden. so entschlossen sich die be-
teiligten Bauleute, auf Empfehlung der Gestaltungskom-
mission, das historische Verfahren der Zinn-Quecksilber-
amalgamierung wiederzubeleben.
Die Spiegel im Historischen
Grünen Gewölbe
Ein höhepunkt des Kunsthandwerks im Barock
ErdgEschoss
im Westflügel

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der abgebildeten details vergrößert wurden. die spiegel-
scheiben wurden mit der Zinnamalgamschicht belegt,
gereinigt und danach flächig und hauchdünn zweifach
vergoldet; schließlich wurde diese glatte Fläche noch zu-
sätzlich poliert. dann übertrug der Restaurator auf die-
se vergoldete Fläche mittels einer Lochpause die später
von vorn sichtbare Zeichnung. das eigentliche Bildmotiv
wurde anhand dieser übertragenen Zeichnung direkt ins
Gold eingeritzt. auf der fertigen Zeichnung überzog der
Restaurator die freigelegten Flächen mit rotem Öllack.
diese schritte sind das Ergebnis eines sehr langen Ent-
wicklungsprozesses. die Existenz dieser Radierungstech-
nik galt als bekannt. Verloren gegangen waren jedoch
kenntnisse über die verwendeten materialien und Rezep-
turen, über die einzelnen arbeitsschritte des Vergoldens,
des Versilberns und der Farbhinterlegung. daher wurden
im Vorfeld unzählige Versuche zur motiventwicklung, zur
Vergoldungstechnik, zur Übertragung der Zeichnung auf
das Gold, zur Farbtechnik und zur materialauswahl der
Farbe durchgeführt. doch schließlich wurden wir alle
durch das grandiose Ergebnis belohnt.
altE vErfahrEn wurdEn samt nötigEn
hilfsmittEln wiEdErBElEBt
Will man alte Gewerke und techniken wieder aktivieren,
tauchen oft mehrere Probleme gleichzeitig auf: Es fehlt
nicht nur an den entsprechenden Fachleuten, sondern
auch an den nötigen Werkzeugen und spezialvorrich-
tungen. doch schließlich gelang es einer sächsischen
Handwerksfirma nach vielen Versuchen die spiegel so
herzustellen, dass sie uns heute entgegen glänzen, wie
sie das bei den schlossbewohnern des 18. Jahrhunderts
getan haben mögen.
nicht nur das Belegen des Glases war schwierig. auch die
Goldradierungen, eine spezielle technik der Hinterglas-
malerei, erfordern hohe handwerkliche Genauigkeit und
sensibles künstlerisches Einfühlungsvermögen. dabei
wird in den eingefärbten beziehungsweise vergoldeten
Hintergrund auf der Rückseite einer Glasplatte eine spie-
gelverkehrte Zeichnung oder malerei eingeritzt. dafür
sind folgende arbeitsschritte notwendig:
Zunächst muss das entsprechende muster im maßstab
1:1 auf karton gezeichnet werden. als Bildvorlagen
nutzten die Restauratoren historische Fotografien des
Juwelenzimmers, die mittels photogrammetrischer auf-
nahmen ausgewertet und im maßstab 1:1 auf die Größe
96
Farbliche Fassung der goldradierten Pilasterspiegel (Juni 2005)
97
Rekonstruierter Spiegel mit rückseitiger Goldradierung

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Wer heute das Juwelenzimmer betritt, ist sicherlich
vollkommen überwältigt von seiner prunkvollen Aus-
stattung. Kostbarste Juwelengarnituren verteilen sich
auf 91 Quadratmetern; bemalte Spiegel und mit gold
belegte Wandflächen vervielfältigen die Wirkung der
Ausstellungsstücke.
Doch bis zu diesem Ergebnis war es ein weiter Weg.
gerade dieser am reichsten geschmückte raum des
historischen grünen gewölbes und höhepunkt der
königlichen Sammlung wurde im Krieg vollständig
zerstört. Wandvertäfelungen, Spiegel, Kapitelle, Tür-
bekrönungen, Malereien und der Marmorfußboden
gingen verloren. glücklicherweise waren jedoch alle
Kunstwerke, Schmuckstücke und teilweise auch die
dazugehörigen Tische schon im Jahr 1942 auf die
festung Königstein ausgelagert worden. So blieben
Teile der innenausstattung erhalten. An diesen konn-
ten sich die restauratoren bei ihrer Arbeit orientieren.
fotos und modEllE diEnEn als grundlagE
für rEkonstruktion
das Ergebnis ist grandios. das Juwelenzimmer wurde in
der Fassung von 1727/1729 rekonstruiert. die Restau-
ratoren konnten sich nur an historischen Fotos, einer
Farbvorlage und wenigen Befunden aus dem Bauschutt
orientieren. um Pläne und modelle zu erhalten, wurde
auch hier mit der Photogrammetrie gearbeitet.
das ist – vereinfacht ausgedrückt – ein Verfahren, mit
dem historische Fotografien ausgewertet und Rekon-
struktionsvorlagen erstellt werden. die digitale Bildbe-
arbeitung verknüpft höchste Bildqualität mit geometri-
scher Exaktheit und liefert hervorragende Vorlagen für
die weitere detailarbeit. die so ausgearbeiteten Bildpläne
haben zunächst einen maßstab von 1:20. Für einzelne,
besondere schmuckelemente erfolgt die Entzerrung von
detailfotografien und eine Vergrößerung auf einen maß-
stab von 1:1. diese Vergrößerungen wiederum sind dann
die Vorlagen für bildhauerische modelle in Plastilin, Gips
oder Holz, anhand derer die Restauratoren das gesamte
schnitzwerk im Juwelenzimmer nachbilden konnten.
dank ihrer arbeit mit historischen Vorlagen können wir
heute wieder alle verloren gegangenen Gestaltungs-
Die Rekonstruktion des Juwelenzimmers
Prunkvolles Ensemble mit kostbaren Details
ErdgEschoss
im Westflügel
98
Montage der goldradierten Spiegel

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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100 ·
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elemente bewundern: Wandvertäfelungen, türgewände
und -bekrönungen, gemalte deckenornamente, Wand-
pfeiler und Gesprenge. die einzigartigen barocken Ju-
welengarnituren sind an ihre ursprünglichen Plätze zu-
rückgekehrt. Weitere objekte wie die berühmten beiden
»mohren mit smaragd- bzw. Landsteinstufe« stehen frei
im Raum und werden durch Vitrinen bzw. Glashauben
geschützt.
auch Johann melchior dinglingers »Prunkschale mit
dem ruhenden Herkules« und der »kaiser-kameo« sind
eine Hommage an den »Hercules saxonicus«, den sam-
melfreudigen kunstliebhaber august den starken. dass
der sich – gerade als absoluter barocker Fürst – der
Endlichkeit irdischen Lebens und seiner macht bewusst
war, zeigen Einzelstücke seiner sammlung. so sind um
den mittelpfeiler des Juwelenzimmers drei so genannte
»kabinettstücke« mit allegorischen darstellungen zu den
Lebensaltern gruppiert, die schon zu Lebzeiten des königs
auf einfüßigen tischen aufgestellt waren.
99
Juwelenzimmer (1933)
100
Rekonstruiertes Juwelenzimmer (2006)

WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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Der Ostflügel des Dresdner residenzschlosses ist in
mehrfacher hinsicht beispielhaft für die rekonstruk-
tion des gesamten gebäudeensembles. Wir finden
hier die ursprünge der Burganlage und die reste
sämtlicher darauf folgender Bauphasen auf engstem
raum. Stellenweise sind die sich überlagernden Bau-
abschnitte der einzelnen Epochen räumlich kaum
von einander zu trennen. hier mussten und müssen
Bauarchäologen besonders behutsam vorgehen, um
alle baulichen Zeitzeugen zu bewahren. Die ruine des
Ostflügels war stark zerstört. Da es bei allem guten
Willen finanziell und technisch nicht möglich war, an
allen Stellen des Schlosses gleichzeitig zu arbeiten,
wurden in den 90er Jahren die Befunde nur gesichert
(z. B. mit einer Entwässerung und einer Stützkon-
struktion) und mit Baubeginn im Jahr 2004 ein wei-
teres Mal konserviert.
Aufgrund der ruinenreste aus verschiedenen Jahr-
hunderten dauerte es auch länger als bei anderen
Schlossbereichen, ein Konzept für den Wiederauf-
bau zu entwickeln. Einerseits sollten möglichst alle
vorhandenen Bauepochen nach der rekonstruktion
wieder erkennbar sein; weitere Verluste wollte man –
nachdem schon wegen des »technologischen Durch-
bruchs« Verluste zu verzeichnen waren – unbedingt
vermeiden. Andererseits sollte es kein willkürliches
Sammelsurium von Stilen sein; Ziel war und ist viel-
mehr eine baulich-ästhetische Einheit mit der harmo-
nischen Kombination von Elementen aus wichtigen
Abschnitten der Schlossbaugeschichte.
durchBruch für EinE kranBahn
der ostflügel war, wie man vielleicht auf den ersten Blick
annehmen könnte, nicht allein durch den krieg zerstört
worden. 1985 wurde, zum Beginn der Bauarbeiten am
dresdner schloss, ein durchbruch für eine kranbahn
(»technologischer durchbruch«) geschaffen. dieser schien
damals notwendig, um die transporte in den schloss-
hof für Baumaßnahmen am West- und nordflügel zu
ermöglichen. Er hatte aber noch einen weiteren Grund.
Es galt zur damaligen Zeit zu demonstrieren, dass der
Wiederaufbau beginnt und die Ruine nicht mehr ab-
gerissen werden kann. die infolge des krieges 1945 im
Erdgeschoss eingestürzten vier spätgotischen kreuzgrat-
gewölbe und entsprechende Fassadenteile gingen nun-
mehr endgültig verloren. Wäre der aus heutiger sicht
Der Rohbau des Ostflügels
Behutsame rettung von Zeitzeugen
2. oBErgEschoss
im Ostflügel

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102 ·
WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Fensternischen aus dem 18. und 19. Jahrhundert zu er-
halten. die hofseitige Fassade geht ebenfalls auf den
Zustand vor 1945 zurück, wobei die Fenstergliederungen
aus dem 16. und 18. Jahrhundert stammen. im kleinen
schlosshof wird die aus dem 19. Jahrhundert stammende
arkadenergänzung im Bereich des torhauses wieder re-
konstruiert. im Erdgeschoss des ostflügels ist der spätgo-
tische Zustand zu erhalten bzw. sind fehlende strukturen
in diesem sinne zu ergänzen.
die Bauarbeiten begannen Ende 2004. Über Jahrzehnte
hinweg wurden nur unzureichende sicherungsmaß-
nahmen durchgeführt. die mauern versalzten durch
eindringendes Wasser, es bildeten sich Risse. obwohl die
Fassadenreste stark beschädigt waren, wollte man sie
weitgehend erhalten. doch das war eine schwierige auf-
gabe. die historischen dachstühle und das Riesensaal-
gewölbe hatten die Fassaden bereits verformt und nach
außen gebeult. daher war es höchste Zeit, ihre frühere
bedauerliche durchbruch jedoch nicht gemacht worden,
hätte der Wiederaufbau des schlosses vielleicht in Frage
gestanden – er war also ein kompromiss zur Rettung.
wiEdEraufBau dEs ostflügEls Bringt
schlossrEkonstruktion dEr vollEndung
nähEr
der ostflügel war der letzte zu rekonstruierende Rohbau-
abschnitt des dresdner schlosses. Wie schon erwähnt,
gestaltete sich der Rohbau an dieser stelle kompliziert, da
zum einen weitere Verluste vermieden werden mussten
und zum anderen verschiedene umbauphasen zusam-
menzuführen waren. so wurde die äußere Erscheinung
des Bereiches zur schlossstraße hin nach dem Vorkriegs-
zustand wiederaufgebaut (der auf die umbauphase von
dunger und Frölich zurückgeht), gleichzeitig waren die
101
Rekonstruierte »spätgotische« Halle im Erdgeschoss des
Ostflügels
102
Wiederverwendung originaler Säulenfragmente, die beim
technologischen Durchbruch geborgen wurden

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 103
tragfähigkeit wieder herzustellen, bevor es endgültig zu
spät sein würde. das mauerwerk wurde vernadelt und
mit Bohrpfählen und stahlkörben verfestigt. so konn-
te schließlich auf die verstärkten mauern der stählerne
dachstuhl aufgesetzt werden, der seinem zerstörten ori-
ginal – ebenfalls schon eine stahlkonstruktion – aus dem
19. Jahrhundert nachgebildet worden war.
Glücklicherweise waren im Erdgeschoss teile der Gewöl-
be erhalten geblieben. die fehlenden stücke wurden auf
traditionelle Weise wieder hergestellt. auch hier zeigt
sich, mit welcher Liebe zum detail der Wiederaufbau des
dresdner schlosses geplant und durchgeführt wird; für
die neuen Gewölbe wurden Ziegel in sonderformaten
nach Vorbild der vom Landesamt für denkmalpflege ge-
borgenen originalziegel hergestellt, so dass ein nahezu
nahtloser Übergang vom originalen zum ergänzten mau-
erwerk erfolgt.
allerdings verzögerten sich die arbeiten am ostflügel
wegen einer unerwarteten schwierigkeit, die nichts mit
den baulichen Gegebenheiten zu tun hatte. der beauf-
tragte Generalunternehmer wurde insolvent und konnte
den auftrag nicht zu Ende führen. Jetzt hatte die Bau-
verwaltung alle Leistungen neu auszuschreiben und mit
mehreren unternehmen zu verhandeln. als dieses Pro-
blem gelöst und die arbeiten wieder voll im Gange wa-
ren, kam der strenge Winter 2005/2006. Jetzt mussten
die Bauleute einige Leistungen wegen der Frostgefahr
unterbrechen. doch glücklicherweise konnten sie die ver-
loren gegangene Zeit dank ihres enormen Engagements
wieder aufholen. am 25.07.2006 wurde das Richtfest ge-
feiert und anfang 2007 die arbeiten zur äußeren Wieder-
herstellung des ostflügels abgeschlossen. Hierzu zählten
neben der Ruine des ostflügels auch die Überbauung des
torhauses und das aufsetzen der turmhaube auf den
treppenturm nordost.
103
Riesensaal in Richtung Englische Treppe (2006)

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 105
Herr Reidner, sie waren hier von Anfang an dabei, ha-
ben mit Ihren Mitarbeitern viele Baumaßnahmen in An-
griff genommen und vollendet. Jetzt ist das größte und
prominenteste Projekt, das Residenzschloss, im Rohbau
fertig und auch der Innenausbau ist schon weit gedie-
hen. Was ist das für ein Gefühl?
Es ist großartig, dass wir dieses historisch beispielhafte,
grandiose Bauwerk retten konnten. ich bin froh und
dankbar, dass ich bei diesem Projekt dabei sein konnte.
und vor allem dafür, dass alles verhältnismäßig gut ge-
klappt hat, technisch, baulich, finanziell. ich denke, auch
alle, die hier mitgewirkt haben, unsere mitarbeiter, ar-
chitekten, techniker und Handwerker, alle sind glücklich
und stolz. Gerade wir »Wessis« wussten ja, so eine Chance
hätten wir zu Hause nicht gehabt. da war 40 Jahre nach
Ende des Zweiten Weltkriegs der Wiederaufbau beendet.
Vergleichbare Projekte wie die Würzburger Residenz wa-
ren längst rekonstruiert.
Zum Schluss kamen den Bauleuten ja noch Franz und
Kyrill in die Quere, die heftigen Stürme im Januar 2007.
Das Aufsetzen der turmhaube auf den letzten der vier
treppentürme musste zwei Mal verschoben werden.
Was empfinden Sie in einem solchen Moment?
das ist natürlich stress pur. Ein solches Vorhaben, bei dem
tonnen von metall in der Luft hängen, erfordert absolut
genaue logistische Planung. aber wenn die natur nicht
mitmacht, müssen wir im wahrsten sinne des Wortes al-
les abblasen. doch wir wussten ja, irgendwann wird es
klappen. und bei so einer heiklen Geschichte wäre es un-
verzeihlich, auch nur das kleinste Risiko einzugehen.
Interview mit Ministerialdirigent
Wolf Karl Reidner
»Wir sind alle froh, die hauptarbeit geschafft zu haben.«
Jetzt ist die turmhaube oben, alle Gerüste von den Fas-
saden sind entfernt. Wird Ihnen künftig etwas fehlen,
wenn am Schloss nicht mehr so viel zu tun ist?
nein, keinesfalls. der innenausbau ist ja noch lange nicht
fertig. und es gibt an einem derart komplexen Bauwerk
immer etwas zu tun; es wird sicherlich – natürlich in
geringerem umfang als der Wiederaufbau – eine dauer-
aufgabe für uns werden. aber jetzt sind wir alle froh, die
Hauptarbeit geschafft zu haben und dass das Ergebnis so
ein großer Erfolg ist, an dem sich nicht nur die dresdner
und sachsen, sondern menschen aus aller Welt erfreuen.
104
Aufsetzen der Turmhaube im Treppenturm Nordost (Januar 2007)
WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 105
Wolf Karl reidner, ein Baumensch mit Leib und Seele, kam als sogenannter Leihbeamter nach Sachsen. Er
blieb bis heute und hat bis 2008 als Leiter der Abteilung Vermögen und Staatshochbau im Sächsischen Staats-
ministerium der finanzen alle Baumaßnahmen des freistaates persönlich mit viel Engagement begleitet. hier
schildert er einige seiner Erfahrungen.
105
Wolf Karl Reidner

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Dem rohbau des Ostflügels folgt der Ausbau. hierun-
ter fallen die rekonstruktion des riesensaals, die Er-
haltung der renaissancegewölbe unter der Englischen
Treppe sowie die rekonstruktion der Englischen Trep-
pe im Zustand des 19. Jahrhunderts. Der riesensaal
ist in seiner frühbarocken raumkubatur vor der Zer-
störung 1701 (Schlossbrand) wiederhergestellt. Den
baulichen gegebenheiten musste sich auch das Aus-
stellungskonzept der rüstkammer entsprechend an-
passen.
Dabei ist festzustellen, dass die Staatlichen Kunst-
sammlungen Dresden über einen außergewöhnlich
großen Bestand an Exponaten verschiedener Kunst-
gattungen verfügen. Diese mussten in einem Konzept
zusammengefasst und auf die Ausstellungsbereiche
aufgeteilt werden.
Der erste Ausbauabschnitt des Ostflügels ist die Eng-
lische Treppe. Der name entstand, als im Jahr 1693
der englische gesandte den »Orden des blauen ho-
senbandes« an den Kurfürsten Johann georg iV.
überbrachte.
Die repräsentative Treppenanlage war nicht nur aus-
gebrannt, sondern es stürzten auch Teile der Decken
und der Dachkonstruktion auf sie herab und beschä-
digten Podeste, Treppenläufe, Sandsteinsäulen – alles
muss rekonstruiert werden. Einen ungewöhnlichen
Weg beschritten die fachleute bei der rekonstruktion
des reichhaltigen Stucks. neben erhalten gebliebenen
Teilstücken und alten fotografien wurden wie üblich
auch historische Tageszeitungen, Beschreibungen in
der Literatur und alte Bauunterlagen ausgewertet.
neu war hingegen, dass die Bauverwaltung auch die
Bevölkerung über Tageszeitungen aufforderte, in pri-
vaten fotobeständen nach historischen Aufnahmen
zu forschen. Doch leider brachten diese Anstren-
gungen keine weiteren informationen für die wissen-
schaftliche Arbeit. Trotzdem ist die Englische Treppe
ein wunderbares Zeugnis sächsischer restauratoren-
kunst und ein grandioser, zentraler Aufgang zu allen
Bereichen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
Die Rüstkammer
neue heimat für Exponate aus aller Welt
2. oBErgEschoss
im Ostflügel, Zwischenflügel Nord und
Bärengartenflügel

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 107
EXotik aus dEm morgEnland im drEsdnEr
schloss
im Erdgeschoss des ostflügels wird es eine ausstellung
zur schlossgeschichte geben. Hier können sich Besu-
cher – unabhängig von den anderen ausstellungsbe-
reichen – über die verschiedenen Epochen des schlos-
ses von der mittelalterlichen Befestigungsanlage bis zur
Residenz informieren. auf unserem Rundgang im ersten
obergeschoss, beginnend mit dem ostflügel, werden wir
zunächst die Präsentation von der Gründung des Landes
bis zur Erlangung der kurwürde durch moritz von sach-
sen sehen. auch der sich anschließende nordflügel wird
sich noch dieser Epoche widmen. im darauf folgenden
Georgenbau ist eine darstellung der Weltsicht und des
Wissens der Renaissance geplant. an ihn wird sich der
»Lange Gang« mit der Gewehrgalerie anschließen. der
»Lange Gang« wurde im Zusammenhang mit dem stall-
hof errichtet.
Über die Englische treppe erreichen wir den Riesensaal.
Er bildet den auftakt zu unserem Rundgang im zweiten
obergeschoss. Hier befindet sich die ausstellung der Rüst-
kammer, die zeigt, dass die sächsischen Fürsten nicht nur
kunstliebhaber, sondern auch kriegsherren waren. Wir
erfahren details zu den Ritterturnieren der Renaissance
und zum dreißigjährigen krieg. die Rüstkammer wird be-
stimmt von lebensgroßen kopien der turnierpferde samt
den Harnischen ihrer Reiter. außerdem werden türken-
zelte, Waffen und kunstvoll verarbeitetes kriegsgerät ge-
zeigt. diese Gegenstände sind überwiegend Beutestücke
aus mehreren Jahrhunderten. die exotischen Exponate
sind besonders licht- und luftempfindlich; trotzdem wer-
den sie – geschützt dank modernster Beleuchtungs- und
klimatechnik – wirkungsvoll inszeniert.
der Rundgang wird mit der Zeit nach dem dreißigjährigen
krieg fortgesetzt. im nord- und Westflügel schließen sich
zukünftig der ausstellungsbereich der fürstlichen Jagd,
der Festkultur der Renaissance und des Barocks sowie die
Paraderäume augusts des starken an.
106
Kleinod des englischen Hosenbandordens für Kurfürst Johann
Georg IV. von Sachsen
107
Englische Treppe, Aufgang ins 2. Obergeschoss (1930)
108
Probeachse zur Raum- und Ausstellungsgestaltung der
»Türckischen Cammer«
107
108
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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN

WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
· 109
noch im 16. und 17. Jahrhundert waren die innen-
räume des Dresdner Schlosses eher karg ausgestattet.
Doch August der Starke entschied zu Beginn des 18.
Jahrhunderts seiner Macht als herrscher auch durch
repräsentative innenräume Ausdruck zu verleihen. Sie
entstanden unter der Leitung von Matthäus Daniel
Pöppelmann und raymond Leplat in den Jahren
1718/1719. Sie waren keineswegs private gemächer,
sondern dienten der »offiziellen staatlichen Präsenta-
tion« durch den Kurfürst-König bei bedeutenden öf-
fentlichen Audienzen. Diese räume sind die höchst-
rangigen Bereiche des Schlosses und entsprechen in
ihrer Bedeutung den gemächern des französischen
Königs in Versailles oder den kaiserlichen Zeremonial-
räumen in der Wiener hofburg. in ihnen liefen die bis
ins Detail geplanten Zusammentreffen mit Personen
des hofstaats oder anderen gästen ab.
über das Torhaus und die Englische Treppe durch-
schritt der Staatsgast oder Bittsteller den riesensaal
im Ostflügel, dann das riesengemach (später großer
Ballsaal), das Turmzimmer (später Porzellanzimmer),
den Propositionssaal und das Ecktafelgemach im
Westflügel. Dieses erste Paradezimmer diente mehre-
ren funktionen, vor allem als Speisesaal bei besonde-
ren Anlässen. Es folgten die beiden Vorzimmer und
erst dann erreichte man das Audienzgemach (später
Thronsaal) und das kurfürstliche Paradeschlafzimmer.
Die Paradezimmer bilden eine auf große festsäle fol-
gende, engstens zusammenhängende Enfilade, die
sowohl funktional als auch gestalterisch aufeinan-
der abgestimmt war und deren räume einander be-
dingten. Dabei steigerte sich der Prunk der innenar-
chitektur von raum zu raum und fand schließlich im
Audienzgemach seinen höhepunkt.
Der nach dem Audienzgemach bedeutendste raum
war das Paradeschlafzimmer. Wichtigste Einrich-
tungsgegenstände darin waren das Paradebett und
der Audienzstuhl.
Die Paraderäume Augusts des Starken
Ein raumkunstwerk wird wieder entstehen
2. oBErgEschoss
im Westflügel
109
Englische Treppe im Rohbauzustand (2006)

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
inzwischen ist bereits die Raumkubatur wieder fertig ge-
stellt. Zerstörte Bauteile, wie z. B. Wände und Fenster, sind
ersetzt. Ziel ist es, die Paraderäume als Raumkunstwerk
insgesamt wieder herzustellen und dem schloss so sein
barockes Zentrum und einen weiteren Höhepunkt für Be-
sucher zurück zu geben.
paradEZimmEr im ZwEitEn wEltkriEg
vErnichtEt
diese gesamte Raumflucht wurde im Zweiten Weltkrieg
komplett vernichtet. doch glücklicherweise existie-
ren auch von diesen Räumen Pläne, abbildungen und
schriftquellen sowie wesentliche ausstellungsstücke wie
möbel und Gemälde, die eine Wiederherstellung möglich
machen. außerdem wurden in den vergangenen Jahr-
zehnten wichtige architekturelemente ausgebaut und
geborgen.
110
»Unter einer Krone« – Ausstellung zur Kunst und Kultur während der sächsisch-polnischen Union, Ausstellung
der historischen Raumausstattung des Audienzgemaches (Eröffnung am 24. November 1997)

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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111
Paradeschlafzimmer (1930)
112
Audienzgemach (um 1860)

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Herr Professor Kulka, die Welt blickt auf Dresden und
sein Schloss. und die meisten Menschen lieben vor
allem den Blick auf die Vergangenheit, die historischen
Elemente, die hier originalgetreu rekonstruiert werden.
Ist es da nicht etwas gewagt, den Kleinen Schlosshof
mit Folienkissen zu überdachen?
der kleine schlosshof ist das zentrale Foyer für alle
museen der staatlichen kunstsammlungen dresden im
schloss werden. alle anderen von Fachleuten durch-
dachten Lösungen wären weniger gut geeignet. somit
kamen wir um eine Überdachung einfach nicht herum.
Wir können nicht tausende Besucher täglich draußen in
Regen und kälte stehen lassen.
Warum haben Sie gerade diese Lösung vorgeschlagen?
die Folienkissen werden von einer schalenkuppel aus
stahl getragen. mit dieser konstruktion ist eine Überwöl-
bung auf einer Höhe oberhalb der Ziergiebel möglich. so
können wir das Gesamtbild des mit architekturelementen
der Renaissance reich ausgestatteten Hofes erhalten.
und die kuppel wölbt sich sanft aus der dachlandschaft
der dresdner altstadt heraus und bereichert die silhouet-
te dresdens, ähnlich wie die gläserne kuppel der kunst-
akademie oder jene der Zigarettenfabrik Yenidze.
Sehen Sie – beim Foliendach und auch bei anderen mo-
dernen Architekturelementen an historischen Gebäu-
den – nicht die Gefahr eines Stilbruchs?
sicherlich ist die originalgetreue Restaurierung – da,
wo sie aus Vorhandenem möglich ist – eine gute mög-
lichkeit, sich mit vergangenen architekturauffassungen,
Baustilen und Gewerken auseinander zu setzen. doch wir
leben heute und haben, wie jede Epoche, unsere zeitge-
nössische architektur. sie bringt die Bedürfnisse unserer
Generation zum ausdruck. aber wir sollten häufiger die
Chance nutzen, aus der kombination von alt und neu
spannungsvolle Ensembles entstehen zu lassen. Frühere
Generationen hatten damit übrigens viel weniger Pro-
bleme als wir. man denke nur daran, wie unbedarft man
barocke Helme auf gotische türme setzte. auch am
dresdner schloss hat das Ergänzen und Ersetzen von al-
tem durch neues seit Jahrhunderten tradition.
Hat Sie persönlich dieser Aspekt an der Arbeit am
Dresdner Schloss besonders gereizt?
das dresdner schloss ist eine Baumaßnahme, an der wohl
fast alle architekten gerne mitwirken würden. ich bin
froh, dass unser Büro diese möglichkeit hatte. sicherlich
ist ein wichtiger aspekt dabei, dass wir – gemeinsam mit
allen anderen Beteiligten – die einmalige Chance hatten,
altes neuen aufgaben zuzuführen und gleichzeitig neues
zu schaffen. Wer hier mitwirken darf, schreibt die Bauge-
schichte fort.
Interview mit dem Architekten
Prof. Peter Kulka
»Wir können die Besucher nicht einfach im regen
stehen lassen.«
112 ·
WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
Das meint Prof. Peter Kulka, inhaber eines der beteiligten Architekturbüros beim Wiederaufbau des Dresdner
residenzschlosses und Architekt der überdachung des Kleinen Schlosshofes.
113
Prof. Peter Kulka
114
Computersimulation der Überdachung des Kleinen Schlosshofes

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WIEDERAuFBAu – EtAPPEN
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WIEDERAuFBAu – AuSBLIcK
WiEDErAufBAu –
AuSBLiCK
06
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Schlosskomplex von Süden gesehen (Februar 2005)

WIEDERAuFBAu – AuSBLIcK
· 115
Wir sind mit diesem ersten Teil der Dokumentation
am Ende angelangt und konnten unseren Lesern nur
Ausschnitte aus der Jahrzehnte dauernden Arbeit
von Denkmalpflegern und Architekten, Bauleuten
und handwerkern zeigen. Doch für einen Einblick in
diese anspruchsvollen, vielseitigen Aufgaben reichen
unsere Ausführungen sicherlich. noch besser ist es
natürlich, wenn Sie sich selbst einen Eindruck vor Ort
verschaffen. Bilder und Texte können immer nur eine
ansatzweise Vorstellung von einer Sache vermitteln.
und wahrscheinlich wurde ihnen im Laufe des Lesens
dieser Broschüre klar, dass unsere Arbeit hier an Sach-
sens größter und prominentester Baustelle noch lange
nicht getan ist.
Doch das ist bei einem derart umfangreichen Bauvor-
haben die regel. Schon Planung und Bau von Schlös-
sern haben sich früher über generationen hingezo-
gen. Später dauerte der Wiederaufbau oft Jahrzehnte.
So wird es auch voraussichtlich noch viele Jahre dau-
ern, bis das Dresdner residenzschloss wieder völlig
hergestellt ist. und selbst wenn wir im Laufe der kom-
menden Jahre immer mal wieder die fertigstellung
von Zwischenabschnitten feiern werden, bedeutet das
nicht, dass ein solches Bauwerk tatsächlich vollendet
ist. Der Baustellencharakter wird weitgehend ver-
schwinden. Aber wir werden weiter arbeiten und das
bereits geschaffene auf einem gleich bleibend hohen
niveau erhalten.
Diese dauerhafte Aufgabe hat den Vorteil, dass auch
jüngere Menschen die Chance haben, an diesem
Projekt mitzuwirken. große Bauprojekte überdauern
und verbinden generationen. Während viele moder-
ne gebäude schon nach wenigen Jahrzehnten wieder
abgerissen werden, weil sich ihr Erhalt weder aus fi-
nanziellen noch aus kulturellen gründen lohnt, wird
das Dresdner Schloss – soweit wir das voraussehen
können – noch viele Jahre stehen und nachfolgenden
generationen Einblick verschaffen in die Lebens- und
Baukultur vergangener Jahrhunderte.
Ein Projekt für Generationen
Der Baustellencharakter wird verschwinden

116 ·
WIEDERAuFBAu – AuSBLIcK
August der Starke und sein Sohn friedrich August ii.
sammelten nicht nur zahllose Kunstschätze, sondern
im gegensatz zu ihren Vorgängern ließen sie ihre
Sammlungen auch wissenschaftlich aufbereiten und
machten sie – ein novum zu jener Zeit – zumindest
teilweise der Öffentlichkeit zugänglich.
heute ist die einzigartige rekonstruktion eines der
frühesten öffentlichen Museen Europas, des histo-
rischen grünen gewölbes, einer der höhepunkte in
der reichen geschichte der Staatlichen Kunstsamm-
lungen Dresden. in dieser barocken raumfolge, die
der originalen Schatzkammer von 1733 sehr nahe
kommt, scheint die Synthese von Ausstellungsraum
und den präsentierten Objekten vollkommen. hier
können wir beispielhaft die enge Verknüpfung von
Baudenkmälern und historisch gewachsenen Kunst-
sammlungen aufzeigen, die für Dresden so typisch
ist: im residenzschloss genauso wie im Zwinger oder
im galeriegebäude gottfried Sempers, um nur einige
Orte aufzuzählen.
nEuEr öffEntlichEr raum EntstEht
die Entscheidung, das Residenzschloss als museum wie-
der aufzubauen, bedeutete nicht nur, die historischen
schlossräume zu rekonstruieren. mit dieser Rekonstruk-
tion wurde gleichzeitig ein neuer, öffentlicher Raum im
kulturellen Zentrum dresdens geschaffen. das historische
schloss wird selbst zum Gesamtkunstwerk. kunstwerke
und objekte von der Renaissance bis zur Gegenwart
werden am authentischen historischen ort ausgestellt.
Kunst begegnet Geschichte
Das Schloss als residenz der Kunst und Wissenschaft
im schloss können die Bestände der staatlichen kunst-
sammlungen dresden heute schon optimal präsentiert
werden.
die zukünftige ausstellungskonzeption nimmt aufs neue
Bezug auf die historischen Räumlichkeiten. ihr chrono-
logischer ablauf spiegelt zugleich sächsische Geschichte
im Zentrum Europas wieder. dabei wird der alltag einer
Residenz ebenso beleuchtet wie Herrschaftsgeschichte;
parallel dazu werden wissenschaftliche Erkenntnisse
und die Entwicklung der kunstkammer zu den spezial-
museen unserer tage präsentiert. anhand von Portraits
und skulpturen können Besucher jene menschen kennen
lernen, die im schloss lebten und die Geschichte sach-
sens geprägt haben, denn die wettinischen Herrscher
von kurfürst moritz bis zum sächsischen könig Friedrich
august iii. waren es, die das schloss bewohnt und die Ge-
schichte des Landes wesentlich mitbestimmt haben.
das schloss soll ein ort der Forschung und Vermittlung
werden, an dem Wissenschaftler von museen aus aller
Welt ein Forum haben. die studiensäle und die kunst-
bibliothek stehen allen Besuchern offen. auch interes-
sierte Laien können sich hier mit kunst und Geschichte
früherer Zeiten beschäftigen. Vor allem junge menschen
sollen hier selbstbestimmt lernen und einen selbstver-
ständlichen umgang mit der kunst im museum erfahren.
im dresdner Residenzschloss treffen sich kunst und Wis-
senschaft, begegnen sich Vergangenheit und Zukunft.
Hier wird Gästen jeden alters und jeder Bildungsstufe ein
angebot gemacht, sich mit unserer kunst und Geschichte
auseinander zu setzen und anregungen für eine natio-
nale kulturelle identität zu finden.
116
Foyer Bärengartenflügel mit Resten der originalen Sgraffiti
aus der Renaissancezeit

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WIEDERAuFBAu – AuSBLIcK
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WIEDERAuFBAu – AuSBLIcK
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118 ·
ANHANG
AnhAng
07
117
Treppenturm Nordost (2006)

ANHANG
· 119
lEtZtEs viErtEl dEs 12. Jh.
jüngste archäologische Grabungen weisen auf dem schlossgelände Reste eines
Ensembles von Holzbauten nach
ZwEitEs viErtEl dEs 13. Jh.
nach Planierung des Geländes Errichtung einer kastellartigen anlage
1289
erste urkundliche Erwähnung der Burganlage als »Castrum«
um 1400
Bau des Hausmannsturmes als nordwestlichster Eckturm
um 1468–1480
eine geschlossene Vierflügelanlage mit südlichem torhaus entsteht
1485
nach der »Leipziger teilung« wird dresden ständige Residenz der albertinischen
Wettiner
1530–1535
unter Herzog Georg erfolgt die Erweiterung des schlosses durch den umbau des
alten Elbtores zum Georgenbau
1548–1556
nach Erwerb der kurfürstenwürde für das albertinische sachsen durch Herzog
moritz erfolgt die Erweiterung der schlossanlage im stile der Renaissance unter
Beteiligung von Caspar Voigt von Wierandt
neubau:
h
des westlichen teils des nordflügels mit der schlosskapelle
h
des neuen Westflügels mit der »Geheimen Verwahrung«
h
des südlichen südflügels unter Einbeziehung des spätgotischen torhauses
h
von drei Wendelsteinen im schlosshof
umbau:
h
des ostflügels mit dem Riesensaal
h
des schössereiturmes
h
des östlichen teils des nordflügels und des Hausmannsturmes
1586–1591
Bau des stallhofes unter Beteiligung von Hans irmisch und Paul Buchner
1588–1595
anlage des kleinen schlosshofes mit einem zweigeschossigen torhaus unter
Beteiligung von Paul Buchner
1627–1633
umbau des Riesensaales durch Wilhelm dilich
Geschichte des Dresdner Schlosses
1500
1400
1200
1600

120 ·
ANHANG
1674–1676
umbau des Hausmannsturmes mit welscher Haube und Laterne auf 97 m durch
Wolf Caspar von klengel
1683
umbau im östlichen teil des südflügels: abbruch des spätgotischen torhauses,
Bau zweier Portale sowie des südöstlichen Wendelsteines
1692–1693
Errichtung der »Englischen treppe« durch Johann Georg starcke
1701
schlossbrand vernichtet u. a. Georgenbau, ostflügel mit Riesensaal und schös-
sereiturm
1718–1719
Wiederaufbau der zerstörten Bauteile des schlosses,
barocke Gestaltung der innenräume im 2. obergeschoss: u. a. audienzgemach,
schlafzimmer augusts des starken, turmzimmer; Zwischenflügel zur
Präsentation der Gemäldesammlung von august dem starken
1723–1729
Einrichtung des »Grünen Gewölbes« unter matthäus daniel Pöppelmann,
Raymond Leplath und Zacharias Longuelune
1737
auflösung der lutherischen schlosskapelle und Versetzen des kapellenportals an
den Westgiebel der sophienkirche (ab 1872 standort Jüdenhof)
1775
erster Blitzableiter dresdens auf dem schlossturm
1833–1834
umbauten am Georgenbau, Errichtung des 3. obergeschosses
1837–1855
neugestaltung der Räume im 2. obergeschoss des nordflügels als »Großer Ball-
saal« und »thronsaal« (später Bankettsaal) durch otto von Wolframsdorf nach
Einführung der konstitutionellen monarchie in sachsen (1831),
Wandmalereien von Eduard Bendemann (bis 1855)
1889–1901
anlässlich der 800-Jahr-Feier des Hauses Wettin erfolgte ein großer schlossum-
bau durch Gustav dunger und Gustav Frölich:
h
Errichtung eines neuen südlichen schlossflügels
h
einheitliche Fassadengestaltung im neorenaissancestil
13.11.1918
Friedrich august iii. verzichtet im Ergebnis der novemberrevolution auf den
sächsischen königsthron
1922
Eröffnung eines schlossmuseums im 2. obergeschoss
13.02.1945
Bombenangriff auf dresden, das schloss wird zerstört
1946–1948
sicherung des turmstumpfes vom Hausmannsturm
1962–1967
sicherungsarbeiten im Bereich des Grünen Gewölbes und Wiederaufbau des
Georgenbaus
1978–1985
investitionsvorbereitung für den Wiederaufbau des dresdner schlosses unter
Leitung der ehemaligen aufbauleitung des Rates des Bezirkes dresden
1982–1987
archäologische Grabungen im Großen schlosshof
11.11.1983
denkmalpflegerahmenzielstellung von Prof. Glaser, institut für denkmalpflege
1800
1900
1700

ANHANG
· 121
20.09.1984
langfristiger investitionsleistungsvertrag zum »Wiederaufbau des dresdner
schlosskomplexes« zwischen der aufbauleitung des Rates des Bezirkes dresden
und dem VEB (B) Gesellschaftsbau dresden
13.02.1985
offizielle Bekanntgabe des Beginns des Wiederaufbaus dresdner schloss
anlässlich der Wiedereröffnung der semperoper
1985
durchbruch des mittelteils im ostflügel (technologischer durchbruch) für den
Einbau einer kranbahn
1986
Beginn des Wiederaufbaus der äußeren Hülle am Westflügel
märZ 1987
auftrag zur Herstellung eines arbeitsmodells für die Renaissancefassung
»dresdner schloss« im maßstab 1:100 und Beginn der wissenschaftlichen arbei-
ten an den sgraffiti
12.10.1988
aufsetzen der Hauben auf die beiden Ecktürme des Westflügels
28.10.1989
Eröffnung der ausstellung »das dresdner schloss – monument sächsischer
Geschichte und kultur« in den Räumen des Grünen Gewölbes im Erdgeschoss
des Westflügels
01.01.1991
Übernahme der Baumaßnahme durch die sächsische staatshochbauverwaltung
april 1991
Rohbaufertigstellung des Westflügels und des Bereiches der ehemaligen
schlosskapelle im westlichen nordflügel
10.04.1991
Baustellenrundgang und erstes Pressegespräch zum Bauvorhaben »dresdner
schloss« durch Finanzminister Prof. dr. Georg milbradt
1991–1997
Fertigstellung der sgraffitiarbeiten im Großen schlosshof:
Juni 1991 Westflügel Hoffassade, Probegiebel
sept. 1993 treppenturm nordwest, nordflügel westlicher teil, Giebel
nov. 1993 nordflügel östlicher teil, Giebel
mai 1994 nordflügel westlicher teil, schlosskapellenfassade
nov. 1995 treppenturm nordwest,
anschluss nordflügel westlicher teil an den treppenturm nordwest
sept. 1997 Westflügel Hoffassade, unterhalb Hauptgesims
august 1991
interimsnutzung des 1. obergeschosses im Westflügel als Baustellenateliers
(Vorbereitung der sgraffiti) und Werkstätten
sEptEmBEr / oktoBEr 1991
montage der turmhaube, der Laterne und der spitze des Hausmannsturmes
02.10.1991
Richtfest für die 1. Bauetappe unter anwesenheit von ministerpräsident
Prof. dr. kurt Biedenkopf
05.10.1991
»tag der offenen tür« auf der Baustelle
26.11.1992
Besuch des amerikanischen Botschafters Robert kimmt, erste öffentliche
Veranstaltung im 2. obergeschoss des Westflügels
1993
demontage der Brücke zwischen Hofkirche und schloss,
Fertigstellung des Rohbaus für den Zwischenflügel nord,
Wiederherstellung der Fassaden des nord- und Westflügels

122 ·
ANHANG
dEZEmBEr 1993
Fertigstellung der turmhaube des treppenturmes südwest
fEBruar 1994
schließung der ausstellung »das dresdner schloss – monument sächsischer
Geschichte und kultur« und umzug in den Georgenbau, Baubeginn südflügel,
Beginn der archäologischen Grabungen im kleinen schlosshof,
Einzug der Restaurierungswerkstätten des Grünen Gewölbes in das 1. oberge-
schoss des nordostflügels,
sgraffitofassadengestaltung am westlicher teil des nordflügels,
Fertigstellung der kupferhaut am Eckturm süd
18.07.1994
Herr Ludwig Coulin, amtsvorsteher des staatshochbauamtes dresden i, wird für
die schlossbaustelle zuständig
1995
sicherung des treppenturmes nordost
novEmBEr 1995
Beginn des internationalen schlosskolloquiums
1996
setzen der turmspitze des treppenturmes südost,
schließen der Hofdecke im kleinen schlosshof,
Fertigstellung des treppenturmes nordwest mit vollständigem Fassadenschmuck,
Errichtung eines notdaches auf der »Englischen treppe«,
Übergabe des Gutachtens des internationalen kolloquiums an den ministerprä-
sidenten
1997
1. Besprechung der schlosskommission,
Planung und durchführung der Baumaßnahmen zur ausstellung »unter einer
krone – kunst und kultur während der sächsisch-polnischen union«,
Planungsbeginn für den ausbau der schlosskapelle als interimsspielstätte für
das kleine Haus
1998
inbetriebnahme der technikzentrale im kellergeschoss unter dem kleinen
schlosshof
1999
architektenwettbewerb für den ausbau des Grünen Gewölbes (1. Preis Büro
Witter, dresden) und auswahlverfahren für die architekten des südteils (1. Preis
Büro dissing und Weitling, kopenhagen),
Fertigstellung des Rohbaus südteil,
Beginn der archäologischen Grabungen im ostflügel und
Weiterführung der Grabungen im Großen schlosshof
09.01.1999
erste öffentliche theatervorstellung in der interimsspielstätte »schlosstheater«
(nutzung bis 01.07.2004)
01.05.1999
Beginn der vorgezogenen Leistungen für das Grüne Gewölbe
2000
Wiedererrichtung der Brücke zwischen Hofkirche und schloss,
Restaurierungsbeginn an der Loggia im kleinen schlosshof nach dem Vorbild der
Probeachse,
Beginn Restaurierung starcke-Portal am durchgang zwischen kleinem und
Großem schlosshof
24.08.2000
Pressekonferenz von Finanzminister Prof. dr. Georg milbradt zum stand des
Wiederaufbaus dresdner schloss
2000

ANHANG
· 123
2001
Fertigstellung der Loggia im kleinen schlosshof,
Beginn ausbau südteil für Verwaltung und Georgenbau für münzkabinett
14.11.–16.11.2001
durchführung eines internationalen kolloquiums zur Wiederherstellung des
Historischen Grünen Gewölbes
2002
Beginn des ausbaus für das kupferstich-kabinett und des neuen Grünen
Gewölbes,
Fertigstellung starcke-Portal
28.06.2002
feierliche Übergabe des münzkabinetts im Georgenbau an die staatlichen kunst-
sammlungen
august 2002
Hochwasserkatastrophe
01.01.2003
Gründung des staatsbetriebes sächsisches immobilien- und Baumanagement
2003
Fertigstellung des ausbaus südteil für die Verwaltung der staatlichen
kunstsammlungen dresden
20.05.2003
Feierliche Einweihung der zentralen kunstbibliothek im südteil
29.08.2003
Pressekonferenz von Finanzminister dr. Horst metz zum stand des
Wiederaufbaus
2004
Fertigstellung des ausbaus kupferstich-kabinett und neues Grünes Gewölbe
sowie bauvorbereitende maßnahmen für das 2. obergeschoss Westflügel,
Verfahren zur auswahl der architekten für die Baumaßnahmen ostflügel
(1. Preis Büro kulka und Partner köln/dresden),
abbau des schlosskapellenportales, des sog. »schönen tores«, am standort
Johanneum zur sicherung der historisch wertvollen Bausubstanz und Restaurie-
rung der geschädigten teile
11.01.2004
dauerausstellung Grünes Gewölbe im albertinum wird geschlossen
07.04.2004
Pressekonferenz von ministerpräsident Prof. dr. Georg milbradt zum Baufort-
schritt
10.04.2004
»tag der offenen tür« im Bärengartenflügel, in der Baustelle des neuen Grünen
Gewölbes und in den Restaurierungswerkstätten für das Grüne Gewölbe
24.04.2004
Feierliche Einweihung des kupferstich-kabinetts
07.09.2004
Feierliche Einweihung des neuen Grünen Gewölbes
2005
Beginn der Rohbauarbeiten ostflügel, der Fassadensanierung Georgenbau und
des Einbaus der restaurierten Wandverkleidungen im Historischen Grünen Ge-
wölbe, Einrichtung eines provisorischen Cafés im kleinen schlosshof
10.06.2005
Pressekonferenz und Rundgang auf der Baustelle des Historischen Grünen
Gewölbes mit Finanzminister dr. Horst metz
18.06.2005
»tag der offenen tür« auf der Baustelle des Historischen Grünen Gewölbes
30.07.–13.11.2005
ausstellung »Zeitschichten« der denkmalpflege in deutschland im 2. oberge-
schoss des West- und nordflügels und in der schlosskapelle

124 ·
ANHANG
28.03.2006
Feierliche Übergabe des Historischen Grünen Gewölbes von der staatshochbau-
verwaltung an die staatlichen kunstsammlungen dresden
25.07.2006
Richtfest für den ostflügel
01.09.2006
feierliche Einweihung des Historischen Grünen Gewölbes durch die Bundeskanz-
lerin angela merkel
09.11.2006
steinschluss für das gotische Gewölbe durch ministerialdirigent Wolf karl
Reidner und damit schließung des technologischen durchbruchs am ostflügel
16.01.2007
abschluss der äußeren Wiederherstellung des schlosskomplexes mit dem
setzen der turmhaube auf den treppenturm nordost

ANHANG
· 125
staatsministErium dEr finanZEn
Leitung: Wolf karl Reidner
seit 1997
Gert Horstschulze
1997–2005
marcus van Reimersdahl
seit 2005
inka Hüning
seit 1997
Brigitte Reichert
1997–2002
Hendrik duus
seit 2005
Christine koschtial
seit 2005
staatsministErium für wissEnschaft
und kunst
dr. Volker messtorff-Lebius
seit 1997
ines miersch-süß
1997–1999
kerstin kloss
seit 1999
dr. Heinrich douffet
1997–1999
dr. irmgard Heckmann von Wehren
1999–2001
staatsBEtriEB sächsischEs
immoBiliEn- und BaumanagEmEnt,
ZEntralE
Prof. dieter Janosch
seit 2005
Elke mühlbauer
seit 2005
Christine Behrens
seit 2006
Diese Aufzählung (Stand bis 2007) hat keinen Anspruch
auf Vollzähligkeit.
Mitglieder der Schlosskommission
staatsBEtriEB sächsischEs
immoBiliEn- und BaumanagEmEnt,
niEdErlassung drEsdEn i
Ludwig Coulin
seit 1997
Lucas müller
1997–2000
ulrich atzberger
2000–2002
Holger krause
seit 2002
landEsamt für dEnkmalpflEgE
Prof. dr. Gerhard Glaser
1997–2002
Prof. dr. Rosemarie Pohlack
seit 2002
norbert oelsner
seit 2002
staatlichE kunstsammlungEn
drEsdEn
Prof. Werner schmidt
1997–1998
dr. sybille Ebert-schifferer
1998–2001
Prof. martin Roth
seit 2001
Prof. dirk syndram
seit 2000
michael John
seit 2002

126 ·
ANHANG
staatliche kunstsammlungen dresden: das dresdner schloß. monument sächsischer Geschichte und kultur,
3. auflage, dresden, 1992
dirk syndram: das schloß zu dresden. Von der Residenz zum museum, koehler&amelang, 2001
ingrid scheuermann: Zeitschichten, Erkennen und Erhalten – denkmalpflege in deutschland,
100 Jahre Handbuch der deutschen kunstdenkmäler von Georg dehio, die deutsche stiftung denkmalschutz, die Ver-
einigung der Landesdenkmalpfleger und die dehio-Vereinigung, 2005
Harald marx: matthäus daniel Pöppelmann – der architekt des dresdner Zwingers, Leipzig, 1988
Gerhard Glaser: das Grüne Gewölbe im dresdner schloß, Entwicklungsrichtlinie und Baugeschichte, Restaurierung und
Rekonstruktion, dissertation, dresden, 1974
Rosemarie und thomas Pohlack: das ehemalige Residenzschloß dresden. die kontinuität seiner Bautradition und die
architektonische neugestaltung des 19. Jahrhunderts – schlussfolgerungen zur denkmalgerechten Wiederaufbaukon-
zeption, dissertation, dresden, 1989
dresdner Hefte. Beiträge zur kulturgeschichte, Heft 38 (1994): das dresdner schloß – Geschichte und Wiederaufbau;
Heft 52 (1997): kurfürst moritz und die Renaissance; Heft 65 (2001): dresden im mittelalter;
sonderausgabe (2004): die dresdner kunstsammlungen in fünf Jahrhunderten
denkmalpflege in sachsen 1894–1994, 1. teil Weimar 1997 und 2. teil Halle/s. 1998
mitteilungen/Jahrbücher des Landesamtes für denkmalpflege sachsen:
sonderheft 1997; mitteilungshefte 2000, 2002, 2003; Jahrbuch 2004
Geschichte der stadt dresden, Bd. 1, stuttgart, 2005
Reinhard spehr: archäologie im dresdner schloss – die ausgrabungen 1982 bis 1990, Landesamt
für archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte, dresden, 2006
staatliche kunstsammlungen dresden / staatsbetrieb sächsisches immobilien- und Baumanagement:
das Grüne Gewölbe im schloss zu dresden. Rückkehr eines barocken Gesamtkunstwerkes, dresden, 2006
Literatur

ANHANG
· 127
abb. 1, 6, 7, 24, 49, 59, 63, 64, 74, 77, 78, 85, 86, 90, 98, 103, 104, 109, 116, 117,
umschlag v.l. abb. 1, 2, 7, 9:
Sinus-Design, Rainer Boehme
abb. 2:
SIB, Niederlassung Dresden I
abb. 3, 25, 26, 99, 111:
SLUB / Deutsche Fotothek, Walter Möbius
abb. 4, 18, 19, 38, 45, 68, 69, 70, 71, 84, 101, 102, umschlag v.l. abb. 6:
David Brandt
abb. 5:
SIB, Niederlassung Dresden I, Holger Krause
abb. 8, 9, 15, 16, 21, 56, 72, 73, 75, 82, 91, 94, umschlag v.l. abb. 8:
Herbert Boswank
abb. 10:
Landesamt für Archäologie mit Landesamt für Vorgeschichte, Dresden, Foto: Ursula Wohmann
abb. 11:
Landesamt für Archäologie mit Landesamt für Vorgeschichte, Dresden, Foto: Juraj Lipták
abb. 12:
SLUB / Deutsche Fotothek, Martin Würker
abb. 13:
Landesamt für Archäologie mit Landesamt für Vorgeschichte, Dresden, Zeichnung: Joachim Krause,
nach Reinhard Spehr, 2006, S. 202, Taf. 64a
abb. 14:
Landesamt für Archäologie mit Landesamt für Vorgeschichte, Dresden, Zeichnung: Reinhard Spehr,
aus: Reinhard Spehr, 2006, S. 203, Taf. 65
abb. 17, 112:
Hermann-Krone-Sammlung der Technischen Universität Dresden
abb. 20:
Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Hans-Peter Klut
abb. 22:
SLUB / Deutsche Fotothek, Hans Loos
abb. 23, 27, 107:
SLUB / Deutsche Fotothek
abb. 28:
SLUB / Deutsche Fotothek, Erich Höhne, Erich Pohl
abb. 29:
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Entwurf: Prof. Gerhard Glaser, Dr. Hermann Krüger
abb. 30:
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Entwurf: Karl Friedrich von Klitzing, Wolfgang Liebig
abb. 31, 89, 97:
Hans-Christoph Walter
abb. 32:
Jochen Blödow
abb. 34:
Dipl.-Ing. Dieter Schölzel
abb. 35, 36, 37, umschlag v.l. abb. 4, 5:
TT-Fotoagentur und Verlag, Siegfried Thienel
abb. 41, 42, 48, umschlag v.l. abb. 3:
GFF-Studio Krull, Dieter Krull
abb. 46:
Staatshochbauamt Dresden I
abb. 47:
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen, Foto: Jürgen Simon
abb. 50:
SIB, Niederlassung Dresden I, Foto: Siegfried Thienel
abb. 51, 52, 76:
Horst Witter
abb. 53:
Jo Coenen und Co. Architekten
abb. 54:
Ivano Gianola
abb. 55:
Michael Wilford
abb. 57, 58, 110:
Kirsten Mann
Abbildungsverzeichnis

128 ·
ANHANG
abb. 60, 61, 62:
HL Böhme
abb. 65, 66, 79, 80, 81, 105, 108:
SIB, Niederlassung Dresden I, Sven Wiche
abb. 67:
momentphoto, Holm Röhner
abb. 83, 92, 93:
Balance-Film
abb. 87:
SLUB / Deutsche Fotothek, Hans Wunderlich
abb. 88:
Landesamt für Denkmalpflege Sachsen, Plankammer Repro
abb. 95:
SIB, Niederlassung Dresden I, Stefanie Schubert
abb. 96:
Martin Wolf
abb. 100:
Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: David Brandt
abb. 106:
Grünes Gewölbe, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Jürgen Karpinski
abb. 113:
Gerhild Lehnert
abb. 114:
Peter Kulka Architektur Dresden GmbH
abb. 115:
dpa