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Bergbau und Rohstoffsicherung
6.2 Freiraumnutzung
Sachsens Freiräume
Foto 6.4: Flussspat-
grube Niederschlag
- Vortriebsbohrwagen
Atlas Copco S1D
(Erzgebirgische Fluss-
und Schwerspatwerke
GmbH, H. Ehle)
Der Freistaat Sachsen ist ein rohstoffreiches Land. Die sächsischen Rohstoffvorkommen sind grundsätzlich geeignet, die Rohstoffver­
sorgung der Wirtschaft zu unterstützen und einen wesentlichen Beitrag der Rohstoffwirtschaft zur regionalen Wertschöpfung zu er­
möglichen. Für eine nachhaltige, das heißt ökologisch, ökonomisch und sozial verträgliche Nutzung der heimischen Rohstoffe, bedarf
es einer fachübergreifenden Gesamtplanung. Diese Gesamtplanung muss sowohl die Standortgebundenheit der Rohstoffvorkommen
als auch die übrigen Nutzungsansprüche an den Raum sowie die sonstigen Schutzgüter berücksichtigen.
Im Koalitionsvertrag 2014–2019 bekennt sich die Koalition ausdrücklich zum Abbau der Braunkohle in den im Rahmen der Braunkohlen­
pläne genehmigten und projektierten Abbaugebieten. Dabei geht die Koalition davon aus, dass die Braunkohlenutzung so lange erfor­
derlich ist, wie die erneuerbaren Energien Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit nicht in gleichem Maße gewährleisten können.
Künftig soll Braunkohle auch stofflich stärker genutzt werden. Die Koalition sieht darin einen wichtigen Beitrag zum Strukturwandel in
den betroffenen Regionen, welcher aktiv gefördert und sozialverträglich gestaltet werden soll.
Der Freistaat Sachsen präsentiert sich mit der Gewinnung von Braunkohle, mit einer vielgestaltigen Palette von Steine­ und Erden­
Bergbau, mit dem neuen Spatbergwerk in Niederschlag und mit einem breit aufgestellten Erkundungsbergbau auf Erze als aktives
Bergbauland. Dieses Selbstverständnis wird auch dadurch dokumentiert, dass die Sächsische Staatsregierung im Jahr 2012 als erstes
Land eine Rohstoffstrategie als Grundlage für die weitere Entwicklung der Rohstoffwirtschaft verabschiedet hat.
Rohstoffstrategie
Die sächsische Rohstoffstrategie geht auf die spezifischen Verhältnisse und Anforderungen im Freistaat Sachsen ein und ist damit na­
turgemäß konkreter als die europäische und deutsche Rohstoffstrategie. Die Ziele der sächsischen Rohstoffpolitik insgesamt sind dabei
breit aufgestellt und beschränken sich nicht nur auf die Rahmenbedingungen für den Bergbau auf heimische Primärrohstoffe. Weitere
wesentliche Themen sind Sachsen als Sekundärrohstoffland, Sachsen als Standort von Netzwerken für die Rohstoffwirtschaft, die inter­
nationale Zusammenarbeit, die sächsische Rohstoffforschung, die Ausbildung von Fachkräften für die Rohstoffwirtschaft, die Ausrichtung
der sächsischen Verwaltung an aktuelle Anforderungen und die Gestaltung des Rohstoffbewusstseins in der Gesellschaft.
Rohstoffe in Sachsen — das Projekt ROHSA 3.1
Schlüsselprojekt der Sächsischen Rohstoffstrategie ist das 2014 angelaufene Projekt ROHSA 3. Ziel ist es, alle verfügbaren Daten zu
sächsischen Erz­ und Spatvorkommen zusammenzuführen, physisch zu sichern, aufzuarbeiten und digital verfügbar zu machen. Nach
der Wiedervereinigung waren umfangreiche Daten der intensiven Erkundungsarbeiten der DDR in verschiedenen Archiven auch außer­
halb Sachsens nicht zugänglich und damit der effizienten wirtschaftlichen Nutzung weitgehend entzogen. Die Rückführung, Sicherung
und Nutzbarmachung dieser Informationen aus rund 30 Archiven soll nun der Unterstützung der Wirtschaft bei Rohstofferkundung und
Bergbauvorhaben aber auch der Wissenschaft zur Erforschung der Lagerstätten und neuer Explorationsmethoden dienen.
Steine­ und Erden­Bergbau
Die in der Branche tätigen Unternehmen fördern nahezu alle für die regionale Bauwirtschaft notwendigen Rohstoffe. In den Jahren von
2010–2014 ist die Förderung dieser Bodenschätze mit etwa 38 Mio. t jährlich im Wesentlichen konstant geblieben. Nach wie vor unter­
scheiden sich wesentliche Kenngrößen der einzelnen Betriebe, wie Fördermenge, Mitarbeiterzahl und Flächeninanspruchnahme, zum Teil
erheblich. Die Fördermengen der einzelnen Betriebe reichen von weniger als 50.000 t bis über 2 Mio. t pro Jahr.
Die Flächeninanspruchnahme der Steine­ und Erden­Betriebe inkl. Betriebsflächen beträgt gegenwärtig zwischen 0,2 und 0,3 % der
Landesfläche des Freistaates Sachsen. Geht man davon aus, dass in Sachsen im Vergleich zu den westdeutschen Ländern insbesondere
im Bauwesen weiterhin Nachholbedarf besteht, wird auch in den nächsten Jahren mit einem vergleichbaren Baustoffbedarf zu rechnen
sein.
Nach heutigem Stand der Technik wird dabei der Einsatz von Recycling­Material keinen entscheidenden Einfluss auf das Marktverhalten
ausüben, da der Einsatzbereich dieses Materials begrenzt ist. Die Endprodukte der Steine­ und Erden­Bergbaubetriebe sind zum über­
wiegenden Teil Massengüter, deren Transport aufgrund der begrenzten Marktpreise nur in einem bestimmten Radius (kleiner 90 km)
wirtschaftlich durchführbar ist. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, weitgehend flächendeckend Steine­ und Erden­Bergbaubetriebe
in Sachsen zu betreiben sowie vorhandene Lagerstätten zu schützen.
Braunkohle
Die sächsischen Braunkohlentagebaue im Lausitzer und im Mitteldeutschen Braunkohlenrevier haben einen wesentlichen Anteil an der
Gesamtgewinnung des Bodenschatzes im nationalen Maßstab. In der Lausitz förderte die Vattenfall Europe Mining AG im Jahr 2014 im
Freistaat Sachsen aus den Tagebauen Nochten und Reichwalde. Im Mitteldeutschen Revier gewann die MIBRAG mbH Rohbraunkohle aus
dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain und im geringen Umfang aus dem Tagebau Profen (sächsischer Teil). Die Gesamtförderung der säch­
sischen Tagebaue steigt in Sachsen seit 2009 kontinuierlich an. Mit 38,1 Mio. t Rohbraunkohle wurde im Jahr 2014 die seit 1995 größte
Menge an Braunkohle im Freistaat Sachsen gewonnen.
Der Freistaat Sachsen bekennt sich zur heimischen Braunkohlengewinnung, damit der notwendige Anteil grundlastfähiger einheimischer
Energieträger für die Umsetzung der Energiewende mittelfristig gesichert werden kann. Er tritt für ausgewogene Lösungen ein, die sowohl
umweltpolitische als auch wirtschaftliche und beschäftigungspolitische Anforderungen angemessen berücksichtigen.
Die Tagebaue und die Kraftwerke bilden den bestimmenden industriellen Kern in der Lausitz. Die Vattenfall Europe Mining AG mit Sitz in
Brandenburg hat über 5.000 Beschäftigte, von denen am Ende des Berichtsjahres mehr als 1.400 im Freistaat Sachsen tätig waren. Mit den
Neubaukraftwerken Schwarze Pumpe und Boxberg verfügt der Konzern über einen modernen Kraftwerkspark, der nach Wirkungsgrad und
Regelbarkeit die veränderten energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen mit volatilen erneuerbaren Energien berücksichtigt.
Die MIBRAG mbH ist im Dreiländereck Sachsen/Sachsen­Anhalt/Thüringen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das Unternehmen hat etwa
3.000 Beschäftigte, von denen mehr als 400 im Freistaat Sachsen tätig sind. Das Unternehmen setzt intensiv auf die eigene Fachkräftege­
winnung und Ausbildung.
Erze und Spate
Die weltwirtschaftliche Entwicklung seit der Finanzkrise 2008/2009 hatte bis 2014 eine schon längere Abflachung der Nachfrage nach den
meisten Industriemetallen zur Folge. Die eingetretenen Angebotsüberhänge führten bis heute zu einem Verfall der Rohstoffpreise. Diese
Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die laufenden sächsischen Explorationsvorhaben.
Zwei Unternehmen arbeiteten dennoch an der Entwicklung von Bergwerken. Die Erzgebirgische Fluss­ und Schwerspat GmbH konnte in der
Spatgrube Niederschlag den Betrieb aufnehmen. Das Unternehmen baut Flussspat in verschiedenen Gängen ab. Die Rohförderung betrug
im Jahr 2014 bereits 42.000 t. Am Standort der Endaufbereitung, in der Nickelhütte Aue, wird ein beständig verkaufsfähiges Flussspatkon­
zentrat mit einem Reinheitsgrad von 98 % hergestellt. Das Unternehmen ist damit in der Lage, langfristige Lieferverträge mit Vertragspart­
nern abzuschließen.
Aufgrund der rückläufigen Entwicklung des Kupferpreises entschied sich das Unternehmen Kupferschiefer Lausitz GmbH dagegen, die
Projektentwicklung zu drosseln. Die Muttergesellschaft Minera S. A. mit Sitz in Washington D. C. beschloss, die Planungsarbeiten für das
Projekt aus den USA fortzuführen.
SMWA