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Integrationsmonitoring der Länder
2019
Länderauszug für den Freistaat Sachsen
Bildung
SprachkenntniSSe
ArbeitsmArkt
KindertaGesbetreuunG
Interkulturelle Öffnung
Rechtliche
integRation

Integrationsmonitoring der Länder 2019
Länderauszug für den Freistaat Sachsen
Sächsisches Staatsministerium
für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt
Gesellschaftlicher Zusammenhalt / Integration
Stand: 06. April 2020

 
2
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Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
Inhalt
Vorwort 4
1 Das Integrationsmonitoring der Länder
7
2 Konzeption und Zielsetzung des Integrationsmonitorings der Länder
8
3 Zum Länderauszug für den Freistaat Sachsen aus dem Integrationsmonitoring der Länder
9
4 Die Definition des Migrationshintergrundes
11
5 Wie wird Integration gemessen?
13
6 Beschreibung der Integrationsindikatoren
15
A Merkmale der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
17
A 1
Bevölkerung
17
A 2a
Zu- und Fortzüge
20
A 2b
Bevölkerung nach Zuzugsmotiven
22
A 3
Wahlberechtigte Deutsche mit Migrationshintergrund
24
A 4
Lebensformen
25
A 5
Asylerstanträge
27
A 6
Asylerstanträge nach Gesamtschutzquote
29
A 7
Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländer/innen (umA)
31
A 8
Schutzsuchende
33
A 9
Schutzsuchende nach Schutzstatus
35
B Rechtliche Integration
37
B 1
Ausländerinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus
37
B 2a
Einbürgerungsquote I
39
B 2b
Einbürgerungsquote II
40
C Kindertagesbetreuung und Sprachkenntnisse
42
C 1a
Kinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
42
C 1b
Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter 3 Jahren
44
C 2a
Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in Kindertageseinrichtungen
46
C 2b
Betreuungsquote von Kindern im Alter von 3 bis unter 6 Jahren
48
C 3
Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache in Kindertageseinrichtungen
50
C 4
Sprachförderbedarf bei Vorschulkindern (auf absehbare Zeit nicht verfügbar)
C 5a
Eintritte zum Integrationskurs
52
C 5b
Bestandene Sprachprüfungen zum Integrationskurs
54
C 6
Im Haushalt vorwiegend gesprochene Sprache
56

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
3
D Bildung
57
D 1
Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse nach Schulformen
57
D 2a
Schülerkompetenzen (Regelstandards)
59
D 2b
Schülerkompetenzen (Mindeststandards)
61
D 3
Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach erreichten Abschlüssen
63
D 4
Höchster allgemeinbildender Schulabschluss
65
D 5
Übergangsstatuts nach der allgemeinbildenden Schule
67
D 6
Studienerfolgsquote
69
D 7
Auszubildende nach Ausbildungsbereichen
71
D 8
Höchster beruflicher Abschluss
73
E Arbeitsmarkt und Lebensunterhalt
75
E 1a
Erwerbstätigenquote
75
E 1b
Erwerbsquote
77
E 2
Stellung im Beruf – Arbeiterinnen und Arbeiter
79
E 2
Stellung im Beruf – Selbstständige
82
E 3
Geringfügige Beschäftigung
84
E 4
Erwerbslosenquote (ILO-Konzept)
86
E 5
Arbeitslosenquote
88
E 6a
Armutsrisikoquote I
90
E 6b
Armutsrisikoquote II
92
E 7
Quelle des überwiegenden Lebensunterhalts
94
E 8
Erwerbsfähige Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach dem SGB II – Bevölkerungsanteil
97
E 9
Arbeitsuchende und arbeitslose Personen im Kontext von Fluchtmigration und mit sonstigem Aufenthaltsstatus 99
E 10
Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen
101
F Gesundheit
103
F 1
Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung U8
103
G Wohnen
105
G 1
Eigentümerquote
105
G 2
Wohnfläche je Familienmitglied
107
H Kriminalität
109
H 1
Tatverdächtige
109
H 2
Verurteilte
111
I
Interkulturelle Öffnung
113
I 1
Erwerbstätige im Öffentlichen Dienst
113
I 2
Abgeordnete in Landesparlamenten
115
7 Datenquellen
117
8 Literatur
124

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Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
Vorwort
zu „Integrationsmonitoring der Länder 2019. Länderauszug für den Freistaat Sachsen“
Staatsministerin
für Soziales und
Gesellschaftlichen
Zusammenhalt
Petra Köpping
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Leserinnen und Leser,
die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist
eine der zentralen Aufgaben des Freistaates Sachsen. Es gilt,
den Menschen, die nach Sachsen kommen, eine Perspektive
zu bieten und sie an der Gesellschaft teilhaben zu lassen.
Gleichzeitig brauchen wir erfolgreich integrierte Menschen,
um dem demographischen Wandel und insbesondere dem
Fachkräftemangel entgegenzuwirken.
Die zentrale Frage dabei ist, wann ist Integration gelungen?
Aus unserer Sicht ist Integration gelungen, wenn die Herkunft
nicht darüber entscheidet, welche Chancen und Möglichkeiten
ein Mensch hat. Das heißt, wenn Menschen mit Migrations-
hintergrund ebenso an der Gesellschaft teilhaben und ihre
jeweiligen Chancen ebenso erfolgreich nutzen können wie
Menschen ohne Migrationshintergrund.
Gleichzeitig wissen wir aber auch, dass Integration nicht von
heute auf morgen abgeschlossen sein kann. Es ist ein langer
und mitunter auch sehr anstrengender Weg, der neben einem
hohen Engagement der zugewanderten Menschen auch die
Aufnahmegesellschaft vor Herausforderungen stellt und ihr ein
besonderes Engagement abverlangt. Ich bin jedoch überzeugt,
dass sich der Weg lohnt!
Der Freistaat Sachsen hat bereits frühzeitig Maßnahmen er-
griffen, um die Weichen für eine erfolgreiche Integration von
Menschen mit Migrationshintergrund zu stellen. Mit der Richt-
linie „Integrative Maßnahmen“ stellen wir umfangreiche finan-
zielle Mittel zur Verfügung, um die Integration und gleichbe-
rechtigte Partizipation von Menschen mit Migrationshintergrund
in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens zu verbessern
und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zwischen Menschen
mit und ohne Migrationshintergrund in der sächsischen Gesell-
schaft zu stärken.
Wir verstehen es daher als notwendige Voraussetzung für eine
gelingende Integration, unsere Bemühungen regelmäßig an die
bestehenden Herausforderungen anzupassen und die Ins tru-
mente der Integrationsarbeit fortwährend neu zu justieren.
Dafür benötigen wir jedoch eine verlässliche Grundlage, die es
uns ermöglicht, effiziente und zielorientierte Entscheidungen
zu treffen. Ich bin deshalb davon überzeugt, dass es unerlässlich
ist, regelmäßig einen Zwischenstand zu erheben und auf Basis
dessen bestehende Maßnahmen gegebenenfalls anzupassen
oder neue Maßnahmen zu initiieren.
Das Integrationsmonitoring der Länder, welches aller zwei Jahre
von den für Integration zuständigen Ministerinnen und Minis-
tern bzw. Senatorinnen und Senatoren der Länder herausge-
geben wird, ist ein solch zentrales Instrument zur Erhebung des
Status quo. Es ist die umfassendste Auswertung zum Stand der
Integration in den deutschen Bundesländern und gibt Auf-
schluss darüber, wie sich die Bevölkerungsgruppen mit und
ohne Migrationshintergrund entwickeln, wo es Annäherungen
gibt und in welchen Bereichen Unterschiede und Ungleich-
heiten bestehen.
Das Integrationsmonitoring der Länder ist ein gemeinsames
Produkt aller Bundesländer und erschien im Jahr 2019 bereits
zum fünften Mal. Der aktuelle Bericht wurde im Vergleich zu
seinen Vorgängern um folgende Indikatoren erweitert:
eine Auswertung der Zahl der Schutzsuchenden,
die im Haushalt vorwiegend gesprochene Sprache,
den Anteil der Arbeitsuchenden und Arbeitslosen
im Kontext der Fluchtmigration sowie
einen Indikator zur Anerkennung ausländischer
Berufsqualifikationen.

Vorwort
|
5
Für den Freistaat Sachsen konnte im Fünften Bericht zum Inte-
grationsmonitoring der Länder zudem der Indikator der Betreu-
ungsquote bei 3- bis 6-Jährigen erstmals mit Zahlen unter-
legt werden.
Das Integrationsmonitoring der Länder enthält Daten zu allen
Bundesländern. In den jeweiligen Berichten erfolgt jedoch keine
länderspezifische Auswertung. Vielmehr werden nur Rander-
scheinungen – das heißt Länder, die sich am oberen oder unte-
ren Rand des Bundesdurchschnittes bewegen – dargestellt.
Um die Daten für Sachsen besser nutzen und detaillierte Aus-
sagen treffen zu können, haben wir uns im Jahr 2017 entschie-
den, eine regelmäßige eigene Länderauswertung auf Basis des
Integrationsmonitoring der Länder vorzunehmen. Mit dem
ersten Länder auszug für den Freistaat Sachsen, welcher im
Januar 2018 veröffentlicht wurde, konnten spezifische Daten
für Sachsen ausgewertet werden. Damit markierte der erste
Länderauszug für das sächsische Inte grationsmonitoring den
Startpunkt für eine kontinuierliche vergleichende Darstellung
der Teilhabelücke von Menschen mit und ohne Migrations-
hintergrund im Freistaat Sachsen.
Mit dem nun vorliegenden zweiten Länderauszug zum aktuel-
len Integrationsmonitoring der Länder, welcher auf den Zahlen
des Jahres 2017 basiert, wird der Monitoringprozess fortgesetzt.
Dabei können nun erstmals für Sachsen Integrationsprozesse
über einen Zeitraum von zwei Jahren dargestellt und Verän-
derungen sichtbar gemacht werden.
Dem zweiten Länderauszug kommt zudem eine besondere
Relevanz zu: Er bezieht erstmals die Zahlen der seit 2015 zu-
gewanderten Schutzsuchenden mit ein.
Der Fünfte Bericht zum Integrationsmonitoring der Länder
und der darauf aufbauende Länderauszug wird mit großer
Spannung erwartet. Er soll Antworten darauf geben, wie sich
die Integration in Sachsen entwickelt hat, welche Handlungs-
felder unserer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen und wo
wir positive Entwicklungen ausbauen können. Nur wenn wir
wissen, wo Handlungsbedarf besteht, können wir zielgerichtet
tätig werden.
Dass wir Integrationsmaßnahmen regelmäßig kritisch hinter-
fragen und versuchen, be stehende Lücken effizient und zielo-
rientiert zu schließen, zeigen die von uns initiierten Maßnah-
men der vergangenen Jahre: Auch wenn nach wie vor
Baustellen in der Integrationsarbeit bestehen, gibt es dennoch
zahlreiche Fortschritte, die wir erzielen konnten.
So haben wir festgestellt, dass aufgrund der klar vorgegebenen
Zugangskriterien der bundgeförderten Integrationskurse nur
ein Teil der Schutzsuchenden erreicht werden konnte. Diese
Lücke konnten wir mit Hilfe der Etablierung der Landessprach-
kurse im Jahr 2016 schließen. Das Angebot ist inzwischen trotz
Anpassungen des Bundes nicht mehr wegzudenken. Die Nach-
frage besteht nach wie vor, auch wenn sich diese ausdifferen-
ziert hat, indem grundlegende Deutschkenntnisse seitens der
Geflüchteten bisher gut erreicht werden konnten. Inzwischen
besteht das Erfordernis vielmehr in der Sprachvermittlung
mit berufspraktischem Bezug.
Ein weiteres Beispiel für das Schließen von Lücken ist die
„Berufsbereichsbezogene Grundbildung für Über-18-jährige“,
die wir im Freistaat etabliert haben. Das Ziel ist auch hier
durch das Nachholen der notwendigen Grundbildung für den
deutschen Aus bildungs- und Arbeitsmarkt, den Neu-Zuge-
wanderten das entsprechende schulische und praktische Know-
how in einer Kombination beizubringen. Aus diesem Modell-
projekt heraus und weiteren Bedarfen, die sich auch bei
deutschen Schülerinnen und Schülern wiederfinden, ergibt sich
folgender ganzheitlicher Ansatz: den Menschen – egal ob mit
oder ohne Migrationshintergrund – das Erreichen eines Schul-
abschlusses zu gewähren. Denn hier zeigt leider auch das Inte-
grationsmonitoring ein Defizit für Sachsen: 7,7 % der deutschen
Schülerinnen und Schüler verließen die Schule im Jahr 2017
ohne Abschluss, der Anteil ausländischer Schülerinnen und
Schüler lag bei 19,0 %.
Als ein interessanter Gegenwert ist dabei das Erreichen der
Allgemeinen Hochschulreife in Sachsen zu sehen. Der Anteil
der Schulabgängerinnen und -abgänger mit Abitur in Sachsen
lag 2017 über dem Bundesdurchschnitt. Nicht ohne Grund
setzen daher hier unsere zukünftigen Handlungsfelder an: Die
Durchlässigkeit der Schulsysteme zu gewährleisten und jedem
Kind die gleichen Bildungschancen zu ermöglichen, ist ein
wichtiges Anliegen der im September 2019 neu gewählten
Staatsregierung.

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6
|
Vorwort
Ein weiteres Handlungsfeld, dem wir uns in den vergangenen
Jahren bereits verstärkt gewidmet haben, ist die Teilhabe von
Frauen mit und ohne Migrationshintergrund am Erwerbsleben.
Hier weist Sachsen im Vergleich zu den anderen Bundesländern
bereits sehr gute Resultate auf. Aufgrund der strukturellen
Vorteile, die sich in den Angeboten der Kinderbetreuung und
der Aufgeschlossenheit der Arbeitgeber gegenüber Familien mit
Kindern wiederfinden, können sich Frauen besser im Berufs-
leben in Sachsen einbringen als in den alten Bundesländern.
In den vergangenen Jahren konnte ich zudem den Unterneh-
mergeist bei sächsischen Gründerinnen immer wieder fest-
stellen. Hier gilt es nun, Frauen mit Migrationshintergrund,
welche sich bereits engagieren, weiterhin zur gesellschaftlichen
Teilhabe zu motivieren.
Die skizzierten Maßnahmen verdeutlichen, dass wir als Säch-
sische Staatsregierung Integration ernst nehmen und ihr einen
hohen Stellenwert zukommen lassen. Da es sich jedoch dabei
maßgeblich um Landesmaßnahmen handelt, lässt sich die
bisherige Wirkung dieser nicht ohne weiteres im Integrations-
monitoring der Länder abbilden. Zudem haben einige Maß-
nahmen erst nach dem Berichtszeitraum des vorliegenden
Länderauszuges begonnen. Dennoch zeigt der Länderauszug,
dass wir mit den bereits ergriffenen Maßnahmen wichtige
Bereiche abdecken, bei denen eine zielgerichtete Integrations-
arbeit erforderlich ist.
Die bisherige Integrationsarbeit im Freistaat Sachsen fortzu-
setzen und zu intensivieren ist unser Ziel. Mit dem Koalitions-
vertrag „Gemeinsam für Sachsen. Koalitionsvertrag 2019 bis
2024“ haben wir uns auf Maßnahmen verständigt, die die Inte-
gration weiter voranbringen werden. So hat sich der Freistaat
Sachsen das Ziel gesetzt, bis 2021 ein Sächsisches Integrations-
und Teilhabegesetz vorzulegen. Damit wollen wir Rechtsgrund-
lagen für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit
Migrationshintergrund schaffen und die Integrationsstrukturen
auf Landes- und kommunaler Ebene verbessern.
Ihre Petra Köpping

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
7
1
Das Integrationsmonitoring der Länder
1
Integrationspolitik braucht verlässliche und differenzierte Daten,
die Auskunft darüber geben, ob und in welcher Weise sich die
Integration der Menschen mit Migrationshintergrund vollzieht
und in welchen Bereichen es Defizite und Handlungsbedarf
gibt. Bereits in ihrem gemeinsamen Beitrag zum Nationalen
Integrationsplan (NIP) haben sich die Länder 2008 aus diesem
Grund für ein Integrationsmonitoring ausgesprochen. Dort
heißt es: „Integration benötigt Indikatoren, die eine Beobach-
tung und Beschreibung von Zuwanderungs- und Integrations-
prozessen sowie die Beurteilung der Wirksamkeit von Förder-
maßnahmen ermöglichen.“ Anlässlich ihrer 2. Konferenz am
10. April 2008 in Kiel haben die für Integration zuständigen
Ministerinnen und Minister/Senatorinnen und Senatoren der
Länder seinerzeit die Einrichtung einer länderoffenen Arbeits-
gruppe „Indikatorenentwicklung und Monitoring“ unter Leitung
Berlins und Nordrhein-Westfalens beschlossen.
Auf ihrer 3. Konferenz am 30. September 2008 in Hannover
nahmen die für Integration zuständigen Ministerinnen und
Minister/Senatorinnen und Senatoren der Länder den Ersten
Bericht der länderoffenen Arbeitsgruppe „Indikatorenentwick-
lung und Monitoring“ zur Definition des Merkmals Migrations-
hintergrund zustimmend zur Kenntnis. Danach konzentrierte
sich die Arbeitsgruppe auf die Entwicklung eines Kennzahlen-
und Indikatorensatzes für ein ländereinheitliches Integrations-
monitoring, das am 26. Juni 2009 auf der 4. Konferenz der für
Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/Senato-
rinnen und Senatoren der Länder angenommen wurde.
Die 5. Konferenz der für Integration zuständigen Ministerinnen
und Minister/Senatorinnen und Senatoren am 18. und 19. März
2010 in Düsseldorf beauftragte die federführenden Länder
Berlin und Nordrhein-Westfalen, in enger Absprache mit den
Ländern bis Ende 2010 eine länderübergreifende Auswertung
zum Stand der Integration von Menschen mit Migrationshinter-
grund zu erarbeiten. Diese wurde auf der 6. Konferenz der für
Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/Senato-
rinnen und Senatoren im Jahr 2011 vorgelegt. Die Konferenz
beschloss, dass zukünftig alle zwei Jahre ein aktualisierter
Bericht erarbeitet werden soll.
Mit dem Ersten Bericht zum Integrationsmonitoring haben die
für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/Sena-
torinnen und Senatoren im Jahr 2011 einen ersten gemeinsamen
Datenüberblick zum Stand der Integration in den Bundesländern
vorgelegt und den Grundstein eines regelmäßigen Berichts-
systems der Länder zum Integrationsmonitoring gelegt.
Der Fünfte Bericht zum Integrationsmonitoring für die 14.
Konferenz der für Integration zuständigen Ministerinnen und
Minister/Senatorinnen und Senatoren bringt die Daten auf
den neuesten Stand und dokumentiert die Entwicklung in den
Kernbereichen der Integration im Zeitraum von 2015 bis 2017.
Der Bericht zeigt auf, wo es Integrationsfortschritte gegeben
hat, und weist auf Handlungsbedarfe hin. Seit dem Vierten
Bericht wird durch neue Indikatoren zum Themenfeld Flucht-
migration auch der Tatsache Rechnung getragen, dass die Zahl
der Geflüchteten in Deutschland in den vergangenen Jahren
deutlich gestiegen ist.
Die insgesamt starke Zuwanderung der vergangenen Jahre und
die hohen Wanderungsgewinne haben die Zusammensetzung
der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland
nachhaltig verändert. Dies hatte spürbare Auswirkungen auf die
Ergebnisse des Fünften Berichts zum Integrationsmonitoring.
Viele Indikatoren des Berichtes stellen Anteile an der Gesamt-
bevölkerung oder an der Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund dar (Quoten). Durch die starke Zuwanderung der letzten
Jahre ist nicht nur die Anzahl der Menschen mit Migrations-
hintergrund angewachsen, sondern es haben sich auch etliche
Strukturmerkmale verändert: die Altersstruktur, die durch-
schnittliche Aufenthaltsdauer oder die Zusammensetzung nach
Aufenthaltsstatus. Eine größere Anzahl von Menschen steht
nun eher am Anfang ihres Integrationsprozesses in Deutsch-
land. Folglich zeigen die Werte einiger Indikatoren im Berichts-
zeitraum deutliche Veränderungen: Die positive Entwicklung
der ersten Berichtsjahre hat sich abgeschwächt. Besonders
deutlich ist dies in den neuen Bundesländern zu beobachten,
da dort aufgrund der insgesamt kleineren Bevölkerung mit
Migrationshintergrund die neu Zugewanderten stärker ins
Gewicht fallen.
1
Übernommen aus: Konferenz der für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/Senatorinnen und Senatoren der Länder (2019): Fünfter Bericht
zum Integrationsmonitoring der Länder. Bericht 2019. Berichtsjahre 2015 – 2017, S. 6 f.

8
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
2
Konzeption und Zielsetzung des Integrationsmonitorings
der Länder
2
Das Integrationsmonitoring der Länder ist ein wichtiger Bau-
stein, um Stand und Entwicklungsprozesse in den Bereichen
Integration und Migration regelmäßig und länderscharf abzu-
bilden. Ziel ist es dabei, den Integrationsprozess anhand von
validen und nachvollziehbaren Indikatoren messbar zu machen.
Das Monitoring hat nicht zum Ziel, integrationspolitische Maß-
nahmen und deren Wirkung abzubilden. Eine Bewertung der
Integrationspolitik wird für viele Länder regelmäßig in Form des
Migrant Integration Policy Index (MIPEX) veröffentlicht.
3
Dies
geht jedoch über die Zielsetzung eines Monitorings, wie es für
das Integrationsmonitoring der Länder entwickelt wurde, hinaus.
Lange Zeit war der Datenzugang schwierig, da viele Informa-
tionen verstreut in Fachstatistiken zu finden waren. Die Länder
können nun ihr Integrationsmonitoring auf einer einheitlichen
Datengrundlage und auf der Basis einheitlicher Definitionen
durchführen. Das erleichtert die sachgerechte Diskussion über
den Stand der Integration.
Der Begriff der Integration ist wissenschaftlich nicht eindeutig
bestimmt. Weitgehend unstrittig ist der Stellenwert der struk-
turellen Integration. Diese betrifft in erster Linie die Integration
in das Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt. Für die struktu-
relle Integrationsdimension kann von einer günstigen Daten-
lage ausgegangen werden.
Wichtig sind zudem die soziale, kulturelle und identifikatorische
Integration.
4
Hinzu kommen die sozialräumliche Integration, die
interkulturelle Öffnung und die gleichberechtigte Partizipation
und Teilhabe von Menschen mit und ohne Migrationshinter-
grund in der Gesellschaft. In diesen Bereichen ist die Datenlage
auf Länderebene nicht umfassend. Das Problem der Daten-
verfügbarkeit wird größer, je kleinräumiger die Betrachtungs-
perspektive ist. Ein Teil der Indikatoren, die auf der Bundes-
ebene genutzt werden können, steht bereits auf der Ebene der
Bundesländer nicht mehr zur Verfügung oder hat für kleinere
Länder nur eingeschränkte Aussagekraft.
Eine Übernahme des Integrationsmonitorings, wie es 2009
für den Bund vorgestellt wurde, war deshalb nicht möglich.
5
Für das Monitoring der Bundesländer wurde ein eigenes Kon-
zept entwickelt, dessen Indikatoren jedoch zu einem großen
Teil identisch und fachlich an das Monitoring des Bundes an-
schlussfähig sind. Der Bund veröffentlichte letztmalig im Ja-
nuar 2012 einen Integrationsindikatorenbericht, der auf einer
reduzierten Zahl von Indikatoren beruht.
6
Aufgrund der Kostenintensität und des hohen Koordinierungs-
aufwands sollten für das Integrationsmonitoring der Länder
aufwändige Instrumente der Datenerhebung vermieden wer-
den. Falls erforderlich, werden die Länder aber auch künftig
eine Erweiterung des Kennzahlen- und Indikatorensatzes für
eine bessere Erfassung des Standes der Integration vornehmen.
Oberster Grundsatz des Integrationsmonitorings der Länder ist,
dass das Indikatorenset praxis- und anwendungsorientiert sein
soll. Es soll diejenigen Kennzahlen und Indikatoren umfassen,
für die es a) eine verlässliche Datenbasis gibt, die b) für alle
Bundesländer vorliegen und für die c) nach Möglichkeit Daten
differenziert nach Migrationsstatus verfügbar sind. Liegen diese
Daten nicht vor, muss auf Daten für Deutsche/Nichtdeutsche
zurückgegriffen werden.
Aktuell umfasst der Kennzahlen- und Indikatorensatz demo-
grafische Grunddaten zur Zuwanderung und zur Zusammen-
setzung der Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund
sowie Kennzahlen und Indikatoren zu den Bereichen Rechtliche
Integration, Kindertagesbetreuung und Sprachkenntnisse, Bil-
dung, Arbeitsmarkt und Lebensunterhalt, Gesundheit, Wohnen,
Kriminalität sowie Interkulturelle Öffnung. Dies umfasst auch
aktuelle Daten zu den Bereichen Asyl und Flucht.
2
Übernommen aus: Konferenz der für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/Senatorinnen und Senatoren der Länder (2019): Fünfter Bericht
zum Integrationsmonitoring der Länder. Bericht 2019. Berichtsjahre 2015 – 2017, S. 8
3
Migration Policy Group, Barcelona Centre for International Affairs (2015):
How Countries are promoting integration of immigrants.
4
Heckmann, Friedrich (2015): Integration von Migranten. Einwanderung
und neue Nationenbildung, Wiesbaden.
5
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
(2009): Integration in Deutschland. Erster Integrationsindikatorenbericht,
erstellt für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge
und Integration, Berlin.
6
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
(2011): Zweiter Integrationsindikatorenbericht, erstellt für die Beauftragte
der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Berlin.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
9
3
Zum Länderauszug für den Freistaat Sachsen
aus dem Integrationsmonitoring der Länder
Das Integrationsmonitoring der Länder beinhaltet Daten für
alle Bundesländer zum Stand von Integration als Teilhabelücke
zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund.
Dabei setzt der Bericht den Fokus auf das arithmetische Mittel
der gesamten Bundesrepublik. Einzelne Bundesländer werden
zwar dezidiert benannt, falls sie in einzelnen Subindikatoren
zum Vorder- oder Hinterfeld gehörten, allerdings wird dabei
nur auf einen Bruchteil der vorliegenden Daten eingegangen.
Die Herausgeber des Integrationsmonitorings der Länder sind
sich diesem Umstand bewusst. Um diese Informationslücke
zu schließen, wurde entschieden, dass die gesamte zugrunde-
liegende Datenbasis öffentlich zugänglich gemacht wird (siehe
www.integrationsmonitoring-laender.de).
So sind alle Bundes-
länder, aber auch interessierte Forschende in der Lage, Sonder-
auszüge für das jeweilige Bundesland zu tätigen, um die Ergeb-
nisse für das eigene Bundesland transparenter darzustellen oder
weitere Analysen zu tätigen.
Der vorliegende Länderauszug für den Freistaat Sachsen basiert
maßgeblich auf dem Fünften Bericht zum Integrationsmoni-
toring der Länder, welcher im April 2019 durch die Konferenz
der für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/
Senatorinnen und Senatoren der Länder herausgegeben wurde.
Der Länderauszug wurde auf Grundlage des Integrationsmoni-
torings der Länder konzipiert und gilt als Auszug mit Sonder-
auswertung für den Freistaat Sachsen auf Grundlage der ver-
öffentlichten strukturellen Daten.
7
Diese gliedern sich in neun
Indikatoren, bestehend aus 51 Subindikatoren.
8
Jeder dieser
Indikatoren gibt einen eigenen Blick auf Integration als Teil-
habelücke zwischen Mehrheitsgesellschaft und Menschen
mit Migrationsbezügen wieder. Anliegen des Berichtes ist
ausdrücklich die Beschreibung der Situation. Zusammenhänge
zwischen den Indikatoren herzustellen, bleibt die Aufgabe
weiterer wissenschaftlicher Forschung.
7
Es wird darauf hingewiesen, dass für den Gesamtkontext relevante Inhalte
aus dem Fünften Bericht zum Integrationsmonitoring der Länder im Rahmen
des Ländermonitorings übernommen wurden.
8
Die Daten wurden speziell für Sachsen ausgewiesen, soweit es methodisch
zulässig war. Einzelne Indikatoren konnten nicht bearbeitet werden, weil
entweder die Fallzahlen für den Freistaat zu gering waren, der Indikator zwar
in anderen Bundesländern, aber nicht in Sachsen erhoben wurde oder weil
bestimmte Indikatoren generell auf absehbare Zeit nicht verfügbar sind.
Auf den folgenden Seiten werden die Indikatoren einzeln be-
handelt und mit ihrer Definition, Relevanz, Aussagekraft und
Datenquelle sowie ihren methodischen Besonderheiten dar-
gestellt. In den Ergebnisdarstellungen wird ein Schwerpunkt
auf Sachsen gelegt. Der Fokus liegt in der Kenntlichmachung
von eventuellen Unterschieden zwischen Menschen mit und
ohne Migrationshintergrund bzw. zwischen Deutschen und
ausländischen Personen und damit einhergehende gesellschaft-
liche Teilhabemöglichkeiten je nach Zugangsvoraussetzungen.
Soweit es möglich war, wurden zur Einordnung der Ergebnisse
die Durchschnittswerte der neuen Bundesländer
9
sowie der
Bundesrepublik ebenfalls angegeben. Es ist jedoch zu beachten,
dass mit dem Ländermonitoring Integration ausdrücklich kein
Länderranking geleistet werden kann und soll, da die Rahmen-
bedingungen und Zuständigkeiten für Integration in den Ländern
sehr unterschiedlich sind.
Sofern entsprechende Daten vorlagen, wurde separat auf
spezielle Belange von Männern und Frauen in Bezug auf den
jeweiligen Indikator eingegangen. Für einige Subindikatoren
war es möglich, die Berechnung im Hinblick auf verschiedene
Altersgruppen zu differenzieren.
Bei einem Vergleich zwischen den Indikatoren ist grundsätzlich
zu prüfen, ob die Gruppen bzgl. des Merkmals Migrationshinter-
grund unterschieden werden oder anhand der Staatsangehörig-
keit. Deshalb lassen sich die Ergebnisse in einzelnen Indikatoren
nur bedingt zueinander in Beziehung setzen.
Basierend auf dem Fünften Bericht wurde das Jahr 2017 als
Ausgangsjahr für den Länderauszug Sachsen betrachtet. Die
Analysen verwenden die jeweils aktuellsten Zahlen, die durch
das Integrationsmonitoring der Länder zur Verfügung gestellt
werden. Für den Zeitraum 2015 – 2017 sind aufgrund der
Datenlage Zeitreihenanalysen und Vergleiche nur eingeschränkt
möglich und deshalb auch nur bedingt aussagekräftig.
9
Die Werte der neuen Bundesländer setzen sich aus den aggregierten Daten
von Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt
und Thüringen zusammen. Ostberlin wurde in den Berechnungen nicht ge-
sondert einbezogen beziehungsweise als Teil von Berlin den alten Bundes-
ländern zugeordnet.

10
|
Zum Länderauszug für den Freistaat Sachsen aus dem Integrationsmonitoring der Länder
Es wird darauf hingewiesen, dass die Datenauswertung des
Länderauszuges für den Freistaat Sachsen grundlegend auf
den bereitgestellten Tabellen zum Integrationsmonitoring der
Länder
(https://www.integrationsmonitoring-laender.de/)
ba-
sieren. Mit Blick auf den Fünften Bericht zum Integrations-
monitoring der Länder kann es im Rahmen des Länderauszuges
Abweichungen bei der Datendarstellung geben. Hintergrund
hierfür sind das unterschiedliche Vorgehen im Umgang mit
der Nachkommastelle bei Prozentangaben. Im Länderauszug
wurden alle Prozentangaben auf die erste Nachkommastelle
auf- bzw. abgerundet. Weitere Nachkommastellen wurden
nicht berücksichtigt. Im Fünften Bericht zum Integrationsmoni-
toring der Länder wurden mitunter alle Nachkommastellen
berücksichtigt, wodurch es insbesondere bei Berechnungen
mit mehreren Prozentangaben zu Abweichungen kommt.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
11
4
Die Definition des Migrationshintergrundes
10
Eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung eines Integ-
rationsmonitorings ist eine umfassende Definition des Migra-
tionshintergrundes. Die bis 2005 in der amtlichen Statistik
gebräuchliche Abgrenzung über die Staatsangehörigkeit bil-
det das Wanderungsgeschehen und den Stand der Integrati-
on nur unzureichend ab. Da ein Teil der Zugewanderten die
deutsche Staatsangehörigkeit besitzt (z. B. Spätaussiedlerin-
nen und Spätaussiedler), sich viele Zugewanderte mittlerwei-
le einbürgern ließen und ein Großteil der Kinder von Zuge-
wanderten schon als deutsche Staatsbürgerinnen und
Staatsbürger geboren wurden, ergibt sich bei einer Fokussie-
rung allein auf die ausländische Bevölkerung eine verzerrte
Integrationsbilanz. Diese fällt günstiger aus, wenn auch die
Zugewanderten mit deutscher Staatsangehörigkeit und die
Eingebürgerten einbezogen werden.
11
Sozialwissenschaftli-
che Untersuchungen und Ergebnisse der Integrationsbericht-
erstattung aus den Ländern zeigen, dass sich die beiden ge-
nannten Gruppen sozialstrukturell positiv von der Gruppe der
Ausländerinnen und Ausländer unterscheiden.
12
Im Einbürge-
rungsverfahren wird ein Mindeststand der Integration vor-
ausgesetzt, indem Sprachkenntnisse und die Sicherung des
Lebensunterhalts ohne sozialstaatliche Transferzahlungen
erwartet werden.
In der amtlichen Statistik wurde ein umfassendes Konzept
zur Erfassung des Migrationshintergrundes mit dem Mikro-
zensus 2005 eingeführt. Der Mikrozensus gab keine starre
Definition vor, vielmehr wurden einzelne Merkmale erhoben,
die verschiedene Möglichkeiten der Kombination eröffneten
(derivative Definition). In den ersten beiden Berichten wurde,
bezogen auf die Daten aus dem Mikrozensus, die Definition
des Migrationshintergrundes des Statistischen Bundesamtes
zugrunde gelegt.
Die vom Statistischen Bundesamt im Mikrozensus verwendete
Definition hat in der Vergangenheit immer wieder fachliche
und wissenschaftliche Kritik auf sich gezogen, z. B. wegen der
fehlenden Möglichkeit der Übernahme der Definition für andere
Befragungen und Statistiken sowie der schlechten Verbalisier-
barkeit in der Öffentlichkeit. Nach der jüngsten Änderung der
vom Statistischen Bundesamt im Mikrozensus verwendeten
Definition hat eine Person einen Migrationshintergrund, „wenn
sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staats-
angehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.“
13
Die für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/
Senatorinnen und Senatoren der Länder waren sich in der 9.
Sitzung der Integrationsministerkonferenz darüber einig, dass
eine einheitliche Definition und Erhebung des Migrationshinter-
grundes in der amtlichen Statistik realistisch nur dann erreicht
werden kann, wenn die gegenwärtig für den Mikrozensus ver-
wendete Abgrenzungssystematik auf eine in Personenstich-
proben verwendbare Form vereinfacht wird. Sie sprachen sich
deshalb dafür aus, zukünftig als einheitliche Definition des
Migrationshintergrundes und damit auch im Mikrozensus die
Definition des Zensus 2011 zu verwenden.
Einen Migrationshintergrund haben nach der Definition des
Zensus 2011 jene Personen, die
Ausländer/innen sind; oder
im Ausland geboren und nach dem 31.12.1955 nach
Deutschland zugewandert sind; oder
einen im Ausland geborenen und nach dem 31.12.1955
nach Deutschland zugewanderten Elternteil haben.
Durch die Umstellung auf die im Zensus 2011 verwendete
amtliche Definition des Migrationshintergrundes ergeben sich
Abweichungen gegenüber anderen Berichtsquellen, die im
Abschnitt Datenquellen erläutert werden.
10
Übernommen aus: Konferenz der für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/Senatorinnen und Senatoren der Länder (2019): Fünfter Bericht
zum Integrationsmonitoring der Länder. Bericht 2019. Berichtsjahre 2015 – 2017, S. 9 f.
11
Exemplarisch hierzu: OECD (2018): International Migration Outlook. SOPEMI
2018. Paris.
12
Weinmann, Martin; Becher, Inna; Babka von Gostomski, Christian (2012):
Einbürgerungsverhalten von Ausländerinnen und Ausländern in Deutsch-
land sowie Erkenntnisse zu Optionspflichtigen – Ergebnisse der BAMF-
Einbürgerungsstudie 2011. Forschungsbericht 15. Nürnberg: Bundesamt
für Migration und Flüchtlinge. Seifert, Wolfgang (2007): Integration und
Arbeit. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das
Parlament 22–23, S. 12–18.
13
Statistisches Bundesamt (2018): Fachserie 1 Reihe 2.2 Bevölkerung und
Erwerbstätigkeit. Bevölkerung mit Migrationshintergrund – Ergebnisse
des Mikrozensus 2017, Wiesbaden, S. 4.

12
|
Die Definition des Migrationshintergrundes
Ab dem Berichtsjahr 2017 werden im Mikrozensus auch die
Informationen zu den Eltern außerhalb des Haushalts jährlich
erhoben. Zuvor konnte der Migrationshintergrund im Mikro-
zensus umfassend nur alle vier Jahre abgebildet werden, da die
Informationen zum Migrationshintergrund der Eltern außerhalb
des eigenen Haushalts nur alle vier Jahre erhoben wurden.
Lagen diese Informationen nicht vor, wurde der Teil der zweiten
Generation mit Eltern außerhalb des eigenen Haushalts nicht
erfasst. Für Zeitvergleiche stellt sich die Problematik, dass der
Migrationshintergrund je nach Jahr unterschiedlich tief erfasst
wird und somit nicht die erforderliche einheitliche Grundge-
samtheit vorhanden ist. Entsprechend könnte bei Ergebnisver-
änderungen nicht entschieden werden, ob dies reale Verände-
rungen beim jeweiligen Indikator sind oder ob diese lediglich
aus der veränderten Grundgesamtheit resultieren. Um dieses
Problem zu umgehen, wird in diesem Bericht auf die alle vier
Jahre verfügbaren Zusatzinformationen verzichtet und lediglich
ein Migrationshintergrund „im engeren Sinn“, d. h. ohne die
Elterninformationen außerhalb des Haushalts der/des Befragten
definiert. Hierfür stehen alle Angaben jährlich zur Verfügung.
Allerdings wirkt sich diese Einschränkung auch auf die Resultate
aus, denn es wird ein Teil der – in der Regel besser integrierten –
zweiten Generation nicht erfasst. Welche Auswirkungen dies
konkret hat, wird im Abschnitt Datenquellen skizziert.
Im Fünften Bericht zum Integrationsmonitoring der Länder
wurde die Zeitperiode von 2015 bis 2017 betrachtet. Ab 2011
wurde eine Revision der Mikrozensusergebnisse auf der Basis
des Zensus 2011 bzw. der fortgeschriebenen Ergebnisse des
Zensus 2011 durchgeführt. Ergebnisse früherer Berichtsjahre
basieren noch auf den fortgeschriebenen Ergebnissen der
Volkszählung von 1987, wodurch die Vergleichbarkeit mit den
Ergebnissen früherer Zeitperioden eingeschränkt ist. Seit 2017
wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunterkünften nicht
mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit 2017 auf die
Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur Vergleichbar-
keit für den Fünften Bericht wurden die Daten des Berichts-
jahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der Privathaus-
halte berechnet.
Die umfassende Definition des Migrationshintergrundes steht
allerdings nur für die Indikatoren aus dem Mikrozensus zur
Verfügung. In anderen Fachstatistiken werden abweichende
Definitionen des Migrationshintergrundes verwendet. So wird
in der bundesweiten Kinder- und Jugendhilfestatistik die Zu-
wanderungsgeschichte mit der Frage erfasst, ob mindestens
ein Elternteil des Kindes im Ausland geboren wurde. Hierbei ist
die aktuelle Staatsangehörigkeit der Eltern nicht maßgeblich.
Ergänzend wird zu jedem Kind erhoben, ob es zu Hause über-
wiegend Deutsch spricht (Familiensprache).
Um den gestiegenen Anforderungen an eine moderne länder-
übergreifende Bildungsstatistik zu genügen, hat die Kultus-
ministerkonferenz beschlossen, einen gemeinsamen Kerndaten-
satz zu entwickeln. Eine entscheidende Neuerung gegenüber
dem bisherigen Verfahren der Datengewinnung besteht dabei
darin, dass nicht mehr aggregierte, sondern anonymisierte Indi-
vidualdaten erfasst und verarbeitet werden. Mit Hilfe des neuen
Kerndatensatzes sollen auch Informationen zum Migrations-
hintergrund der Schülerinnen und Schüler erfasst werden.
Erfragt wird demnach 1) die Staatsangehörigkeit des Schülers/
der Schülerin, 2) das Geburtsland des Schülers/der Schülerin,
3) sein/ihr Zuzugsjahr nach Deutschland und 4) die Verkehrs-
sprache in der Familie.
14
Informationen über die Eltern und ihre
etwaige Zuwanderungsgeschichte werden nicht erfragt. Schul-
statistische Daten gemäß dem gemeinsamen Kerndatensatz
liegen allerdings noch nicht für alle Länder vor. Daher war das
Integrationsmonitoring für schulbezogene Informationen auf
Daten angewiesen, die nach Staatsangehörigkeit differenzieren.
14
Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der
Bundesrepublik Deutschland (2011): FAQ‘s Frequently Asked Questions
zum Kerndatensatz und zur Datengewinnungsstrategie, Berlin; Bundes-
amt für Migration und Flüchtlinge: Schulische Bildung von Migranten in
Deutschland, 2008.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
13
5
Wie wird Integration gemessen?
15
15
Übernommen aus: Konferenz der für Integration zuständigen Ministerinnen und Minister/Senatorinnen und Senatoren der Länder (2019): Fünfter Bericht
zum Integrationsmonitoring der Länder. Bericht 2019. Berichtsjahre 2015 – 2017, S. 11 f.
Das Monitoring der Länder orientiert sich in seinem Integra-
tionsverständnis an den klassischen Dimensionen der Integra-
tion und bildet somit vor allem Prozesse der Sozialintegration
ab. Eine Beschränkung hierauf greift jedoch zu kurz, da Integra-
tion auch von der Offenheit der Gesellschaft und den Zugangs-
chancen zu den Institutionen abhängt.
16
Das Monitoring der
Länder bezieht daher diese Bereiche explizit mit ein.
17
Die Indikatoren wurden so ausgewählt, dass sie eine möglichst
hohe Aussagekraft für die jeweilige Dimension haben. Ziel ist es,
mit wenigen Indikatoren ein möglichst umfassendes Gesamt-
bild zu gewinnen. Grundlage hierfür sind die bestehenden
Datenquellen, vor allem die amtliche Statistik. Dies bedingt,
dass die Dimension der strukturellen Integration umfassend
dargestellt werden kann, die weiteren Dimensionen jedoch
nur punktuell. Hierzu bedarf es repräsentativer Befragungen,
wie sie beispielsweise vom Sachverständigenrat deutscher
Stif tungen für Integration und Migration (SVR) in Form des
Integrationsbarometers
18
durchgeführt und regelmäßig ver-
öffentlicht werden.
Die Indikatoren sind – mit Ausnahme der allgemeinen Kenn-
zahlen, die zur Beschreibung der Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund dienen – so angelegt, dass jeweils die Bevölkerung
mit und ohne Migrationshintergrund (bzw. Ausländer/innen
und Deutsche) abgebildet wird. So lassen sich Unterschiede
zwischen den Bevölkerungsgruppen erkennen und deren Ent-
wicklung über die Zeit beobachten, Integration also messen.
Der Anteil an Personen mit Migrationshintergrund mit höheren
Bildungsabschlüssen ist z. B. geringer als der vergleichbare
Anteil bei den Personen ohne Migrationshintergrund. Steigt
dieser Anteil im Laufe der Zeit bei der Bevölkerung mit Migra-
tionshintergrund an und ist der Anstieg zudem höher als bei
der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund, kann dies auf
einen Integrationsfortschritt hindeuten.
16
Treibel, Annette (2016): Integriert Euch! Plädoyer für ein selbstbewusstes
Einwanderungsland, Bonn.
17
Sachverständigenrat deutscher Stiftung für Integration und Migration
(2017): Die Messung von Integration in Deutschland und Europa. Möglich-
keiten und Grenzen bestehender Integrationsmonitorings, SVR-Bericht
2017-1, Berlin.
18
Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration
(2018): Stabiles Klima in der Integrationsrepublik Deutschland SVR-Inte-
grationsbarometer 2018, Berlin.
Auch in dem Fünften Bericht zum Integrationsmonitoring der
Länder wurden sämtliche Daten – soweit möglich – für Männer
und Frauen getrennt aufgeführt. Auch der Heterogenität der
Bevölkerung mit Migrationshintergrund wird dadurch Rech-
nung getragen, dass neben den Daten zu den Personen mit
Migrationshintergrund insgesamt – soweit möglich – auch jene
für Ausländerinnen und Ausländer, Deutsche mit Migrations-
hintergrund sowie für selbst zugewanderte und für in Deutsch-
land geborene Menschen mit Migrationshintergrund ausge-
wiesen werden. Eine weitreichende Differenzierung ist dem
Internetportal „Integrationsmonitoring der Länder“ zu ent-
nehmen. Damit werden die besonderen Integrationsfortschritte
der Deutschen mit Migrationshintergrund, darunter eingebür-
gerte Personen sowie der in Deutschland geborenen Kinder
von Zugewanderten, herausgestellt.
Bei der Interpretation der Daten ist zu beachten, dass Unter-
schiede in den Ergebnissen zwischen der Bevölkerung mit und
ohne Migrationshintergrund nicht auf den Migrationshinter-
grund als alleinige Ursache zurückgeführt werden können.
Insoweit ist das Instrument der Indikatorenberechnung nicht
mit einer kausalen Analyse gleichzusetzen. Auch andere Fakto-
ren spielen eine mitunter gewichtige Rolle. So können der Kon-
text, in dem Integration stattfindet, sozialstrukturelle Faktoren,
welche die soziale Lage der Menschen prägen, sowie das Milieu,
in dem die Menschen ihren sozialen und kulturellen Alltag
leben, ursächlich für bestimmte Unterschiede und Integrations-
verläufe sein. Auch der Bildungsstand einer Person oder ihrer
Eltern spielt eine große Rolle bei der Integration in der Schule
und den Arbeitsmarkt. Genauso wichtig sind jedoch auch
Sprachkenntnisse und soziale Netzwerke, die bei der Arbeits-
suche helfen und die Migrantinnen und Migranten zumindest
in Bezug auf die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund nur
eingeschränkt haben. Zudem können beobachtete Integrations-
defizite ihre Ursache auch in Benachteiligungen und Barrieren
haben, die Menschen aufgrund ihres Migrationshintergrunds,
beispielsweise auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt, erfahren.
19
19
Antidiskriminierungsstelle des Bundes (Hrsg.) (2012): Benachteiligungs-
erfahrungen von Personen mit und ohne Migrationshintergrund im Ost-
West-Vergleich, Berlin; Fick, Patrick; Wöhler, Thomas; Diehl, Claudia;
Hinz, Thomas (2014): Integration gelungen? Die fünf größten Zuwanderer-
gruppen in Baden-Württemberg im Generationenvergleich, Stuttgart.

14
|
Wie wird Integration gemessen?
Zentral für die Abbildung von Integrationsprozessen ist die Be-
obachtung der Indikatoren über die Zeit. Eine Momentaufnahme
ist nur eingeschränkt aussagekräftig, da Veränderungen in der
Bevölkerungszusammensetzung oder konjunkturelle Effekte
beispielsweise Auswirkungen auf die Arbeitsmarktintegration
haben. So hat sich die Zusammensetzung der Bevölkerung
mit Migrationshintergrund in den letzten Berichtsjahren durch
Zuwanderung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern aus
Süd- und Osteuropa sowie Schutzsuchenden nachhaltig ver-
ändert. An dieser Stelle kann das Monitoring der Länder jedoch
keine Bezüge zu Veränderungen im Kontext, wie z. B. der Be-
völkerungszusammensetzung, herstellen. Wie bereits beschrie-
ben, ist das Monitoring der Länder daher auch nicht darauf
angelegt, Vergleiche zwischen den Bundesländern oder Ran-
kings anzustellen, da die unterschiedliche demografische und
sozialstrukturelle Zusammensetzung der Bevölkerung mit Mi-
grationshintergrund in den jeweiligen Bundesländern nicht
berücksichtigt wird.
Schließlich ist die Beschränkung auf Kernindikatoren der Bil-
dung eines Integrationsindexes vorzuziehen. Für die Bildung
eines Integrationsindexes müsste eine Vielzahl von Annahmen
über die Wertigkeit einzelner Integrationsbereiche und der
einzelnen Indikatoren getroffen werden, wie sie z. B. das Berlin-
Institut
20
vor einigen Jahren vorgenommen hat.
Bei einer Indexbildung wird zudem häufig vernachlässigt, dass
die Themenfelder der Integration auch in einem Zusammen-
hang stehen, dass sich beispielsweise die Bildungsstruktur
auf die Arbeitsmarktchancen auswirkt. So können ähnliche
Aspekte mehrfach in einen Index eingehen und den dort do-
kumentierten Stand der Integration verzerren. Eine Analyse
kausaler Zusammenhänge zwischen den einzelnen Integrations-
bereichen kann das Monitoring der Länder aber nicht leisten.
Dies bleibt Aufgabe der Wissenschaft.
20
Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (2014): Neue Potenziale.
Zur Lage der Integration in Deutschland, Berlin.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
15
6
Beschreibung der Integrationsindikatoren
21
21
Bei der nachfolgenden Auswertung der Kennzahlen sind den Ergebnisteilen Erläuterungen zu den Kennzahlen (Definition, empirische Relevanz, Bewertung der
Kennzahl, Datenquelle und methodische Besonderheiten) vorangestellt. Diese wurden jeweils übernommen aus: Konferenz der für Integration zuständigen
Ministerinnen und Minister/Senatorinnen und Senatoren der Länder (2019): Fünfter Bericht zum Integrationsmonitoring der Länder. Bericht 2019. Berichts-
jahre 2015 – 2017.
Merkmale der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
Der Kennzahlen- und Indikatorensatz ist wie folgt aufgebaut:
Indikator A 1 beschreibt die Altersstruktur der Bevölkerung mit
und ohne Migrationshintergrund. Indikator A 2a betrachtet
die Wanderungsbewegungen von Ausländerinnen und Aus-
ländern, also die jährlichen Zu- und Fortzüge über die Außen-
grenzen der Bundesrepublik. Neu hinzugekommen ist der Indi-
kator A 2b der die Hauptmotive des Zuzugs von Menschen mit
Migrationshintergrund darstellt. Die Kennzahl A 3 gibt den
Anteil der wahlberechtigten Deutschen mit Migrationshinter-
grund an allen Deutschen im Alter von 18 Jahren und älter
wider. Kennzahl A 4 differenziert nach der Lebensform, das
heißt wie viele Menschen beispielsweise in einer Paargemein-
schaft mit Kindern unter 18 Jahren leben.
Die Kennzahl A 5 stellt dar, wie viele Erstanträge auf Asyl
jährlich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt
wurden. Kennzahl A 6 differenziert die Herkunftsstaaten der
Antragstellerinnen und Antragssteller hinsichtlich ihrer mög-
lichen Bleibeperspektive. Indikator A 7 beschäftigt sich mit
einer besonders schutzbedürftigen Personengruppe: Zahl der
Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen
und Ausländern.
Neu hinzugekommen sind die Indikatoren A 8 und A 9 die
sich den Schutzsuchenden untergliedert nach Geschlecht und
Altersgruppen sowie Schutzstatus widmen.
Rechtliche Integration
Dieser Abschnitt beschreibt eingangs die Zahl der Auslände-
rinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus und Staatsan-
gehörigkeit (B 1). Die Einbürgerungsquote I (B 2a) zeigt an,
wie viele Einbürgerungen es gab, bezogen auf die Gesamtzahl
aller Ausländerinnen und Ausländer mit einer Aufenthaltszeit
von mindestens acht Jahren. Zusätzlich beschreibt die Ein-
bürgerungsquote II (B 2b) das Verhältnis von Einbürgerungen
bezogen auf die Anzahl aller Ausländerinnen und Ausländer.
Kindertagesbetreuung und Sprachkenntnisse
Von großer Bedeutung ist in diesem Abschnitt der vorschulische
Bereich. Die Kennzahlen C 1a und C 1b zeigen, wie hoch der
Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund in Kindertages-
einrichtungen ist. Sie differenzieren nach Säuglingen und
Kleinkindern bis unter 3 Jahren (C 1a) und Kindern von 3 bis
unter 6 Jahren (C 2a). Die entsprechenden Betreuungsquoten
in den beiden Altersklassen sind anhand der Indikatoren C 1b
und C 2b dargestellt. Des Weiteren bildet C 3 den Anteil der
Kinder in Kindertagesstätten ab, in deren Familien nicht vor-
rangig Deutsch gesprochen wird. Indikator C 4 zum Sprach-
förderbedarf bei Vorschulkindern ist mangels ausreichender
Datenlage auf absehbare Zeit nicht verfügbar. Mit der neuen
Kennzahl C 5a werden die neuen Intergrationskursteilneh-
merinnen und -teilnehmer entsprechend der unterschiedlichen
Kursarten aufgeführt. Indikator C 5b widmet sich den bestan-
denen Sprachprüfungen im Rahmen des Integrationskurses.
Der neu hinzugekommene Indikator C6 listet die vorwiegend
im Privathaushalt gesprochene Sprache auf.
Bildung
Bildung kommt eine zentrale Bedeutung für den Integrations-
prozess zu. Bildung bestimmt nicht nur die Chancen auf dem
Arbeitsmarkt, sie hat darüber hinaus entscheidenden Einfluss
auf die gesellschaftlichen Partizipationsmöglichkeiten. Bildung
muss hier einerseits unter einem strukturellen Aspekt gesehen
werden, also der Bildungs- und Qualifikationsstruktur der Be-
völkerung mit Migrationshintergrund insgesamt. Hierüber
geben die Indikatoren D 4 (Höchster allgemeinbildender Schul-
abschluss) und D 8 (Höchster beruflicher Abschluss) Auskunft.
Diese Struktur beeinflusst ihre Arbeitsmarktchancen entschei-
dend. Andererseits sind Integrationserfolge im deutschen Schul-
system nur bei denjenigen nachweisbar, die hier eine Schule
besucht haben. Diese werden anhand der besuchten Schulform
in der 8. Klasse (D 1) und der an allgemeinbildenden Schulen
erworbenen Abschlüsse (D 3) untersucht. Die Indikatoren D 2a
und D 2b zeigen die Anteile der Schülerinnen und Schüler der
4. und 9. Jahrgangsstufe, die den jeweiligen Regelstandard in
den Fächern Mathematik bzw. Deutsch-Lesen erreichen oder
übertreffen bzw. den Anteil der Schülerinnen und Schüler die
den Mindeststandard in den Fächern Mathematik bzw. Deutsch-
Lesen nicht erreicht haben.

16
|
Beschreibung der Integrationsindikatoren
Die Kennzahl D 5 führt den Übergangsstatus nach der allge-
meinbildenden Schule auf und gibt damit Aufschluss über die
unterschiedlichen Bildungsverläufe der Bevölkerung mit und
ohne Migrationshintergrund sowie die Teilhabe in Erwerbstätig-
keit. Als Indikator für die Integration an Hochschulen dient die
Studienerfolgsquote (D 6). Die Kennzahl D 7 zeigt Unterschiede
bei der Verteilung über die einzelnen Ausbildungsbereiche.
Arbeitsmarkt und Lebensunterhalt
Das selbstständige Bestreiten des Lebensunterhalts setzt in
der Regel den Zugang zum Arbeitsmarkt voraus. Die durch
eigene Erwerbstätigkeit erworbenen Ressourcen beeinflussen
wiederum wesentlich die Partizipation in anderen Bereichen.
Die Integration in den Arbeitsmarkt ist somit eine wesentliche
Voraussetzung für das Fortschreiten der gesellschaftlichen
Integration.
Als Indikatoren des Arbeitsmarktzugangs dienen hier die Er-
werbstätigenquote (E 1a), die Erwerbsquote (E 1b) sowie die
Erwerbslosen- und die Arbeitslosenquote (E 4 und E 5). Prekäre
Beschäftigung beleuchtet die Kennzahl E 3 anhand des Anteils
geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse. E 2 bildet die Stel-
lung im Beruf ab. Die Zugewanderten sollen nach Möglichkeit
in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu be-
streiten und ein Einkommen zu erzielen, das eine Partizipation
am gesellschaftlichen und kulturellen Leben erlaubt. Das Inte-
grationsmonitoring stellt dar, aus welchen Quellen der Lebens-
unterhalt bestritten wird (E 7), wie viele Personen ein Ein-
kommen beziehen, das unterhalb der Armutsrisikoschwelle liegt
(E 6a, E 6b) und wie hoch der Anteil der Bezieherinnen und
Bezieher von Leistungen nach dem SGB II ist (E 8).
Neu hinzugekommen sind die Indikatoren E 9 und E 10. E 9 stellt
den Anteil an arbeitsuchenden bzw. arbeitslosen Personen im
Kontext von Fluchtmigration und mit sonstigem Aufenthalts-
status an allen Arbeitsuchenden bzw. Arbeitslosen im Rechts-
kreis SGB II dar. E 10 widmet sich der Anerkennung ausländi-
scher Berufsqualifikationen.
Gesundheit
Zum Thema Gesundheit hat das Integrationsmonitoring als
einzigen Indikator die Inanspruchnahme der Früherkennungs-
untersuchung U8 aufgenommen (F 1). Leider ist die Datenlage
für die gesundheitliche Situation noch unbefriedigend. Für die
Länder liegen bisher nur sehr eingeschränkt vergleichbare Daten
zur Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung U8 vor.
Zwar erheben mittlerweile elf Bundesländer den Migrations-
hintergrund bei der Einschulungsuntersuchung, allerdings nicht
nach einer einheitlichen Definition. Da in Sachsen gar nicht
nach Migrationshintergrund differenziert wird, können zur
dortigen Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchung
keine migrationssensiblen Aussagen getroffen werden.
Wohnen
Die wichtigsten Indikatoren für die Wohnsituation sind die Aus-
stattung mit angemessenem Wohnraum (G 2) und die Eigen-
tümerquote (G 1). Dies gilt beispielsweise im Hinblick auf die
schulische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die
langfristige Aufenthaltsorientierung. Dabei muss man berück-
sichtigen, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund
häufiger in urbanen Zentren lebt. Die ungleichen Wohnbe-
dingungen und Preisniveaus im städtischen und ländlichen
Raum sowie in den einzelnen Bundesländern bedingen also teil-
weise Unterschiede der Wohnindikatoren zwischen der Bevöl-
kerung mit und ohne Migrationshintergrund.
Kriminalität
Eine überdurchschnittlich hohe Kriminalität bei einer Bevöl-
kerungsgruppe weist auf eine mangelnde gesellschaftliche
Integration hin. Im Fokus stehen insbesondere Jugendliche
und junge Erwachsene. Für Nichtdeutsche wird die Zahl der
Tatverdächtigen (H 1) und der Verurteilten (H 2) betrachtet.
Interkulturelle Öffnung
Seit 2011 präsentiert der Bericht zum Integrationsmonitoring
der Länder auch Daten zum Thema Interkulturelle Öffnung.
Als Indikatoren werden die Erwerbstätigen im Öffentlichen
Dienst (I 1) sowie die Abgeordneten in den Landesparlamenten
(I 2) nach Migrationshintergrund ausgewertet.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
17
A
Merkmale der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
A 1
Bevölkerung
Definition
Bevölkerung ohne und mit Migrationshintergrund in Privat-
haushalten (differenziert nach Deutschen mit Migrations-
hintergrund, EU-Ausländer/innen, Nicht-EU-Ausländer/innen,
in Deutschland geboren, im Ausland geboren) in den Alters-
gruppen 0 bis unter 3, 3 bis unter 6, 6 bis unter 18, 18 bis
unter 25, 25 bis unter 65 Jahre und 65 Jahre und älter.
Empirische Relevanz
Die Daten zur Altersstruktur zeigen, dass die Bevölkerung mit
Migrationshintergrund durchschnittlich jünger ist, als die ohne
Migrationshintergrund. Diese jüngere Altersstruktur muss be-
rücksichtigt werden, wenn bestimmte Indikatoren wie die Posi-
tionierung am Arbeitsmarkt oder die Einkommensposition
betrachtet werden.
Bewertung der Kennzahl
Wichtige Kennzahl zur Beschreibung der demografischen Zu-
sammensetzung der Bevölkerung.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Die Bevölkerung in Deutschland ist durch Zuwanderung geprägt.
Im Jahr 2017 hatten 18,4 Millionen Menschen in Deutschland
(22,5 %) einen Migrationshintergrund. Annähernd die Hälfte
davon (9,0 Millionen) waren deutsche Staatsangehörige. Von
den Personen mit Migrationshintergrund sind 13,0 Millionen
(70,7 %) im Ausland geboren und 5,4 Millionen (29,3 %) in
Deutschland, diese gehörten somit zur zweiten Generation.
2,9 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund lebten 30
und mehr Jahre in Deutschland. 9,5 Millionen Männer (51,6 %)
und 8,9 Millionen Frauen (48,4 %) hatten einen Migrations-
hintergrund.
Im Jahr 2017 hatten 280.000 Menschen im Freistaat Sach-
sen einen Migrationshintergrund. Dieser Kreis unterteilte
sich in 100.000 Deutsche mit Migrationshintergrund und
180.000 Nichtdeutsche. Insgesamt lag der Anteil von Men-
schen mit Migrationshintergrund gemessen an der Gesamt-
bevölkerung in Sachsen bei 7,0 %.
Im Vergleich zum Jahr 2015 ist die Zahl der Menschen mit
Migrationshintergrund im Freistaat um ca. 67.000 gestiegen:
2015 lebten rund 213.000 Menschen
22
mit Migrationshinter-
grund in Sachsen, was einem Anteil von 5,3 % entsprach.
Wie bereits im Jahr 2015 lag der Anteil der in Sachsen lebenden
Menschen mit Migrationshintergrund auch im Jahr 2017 leicht
über dem Anteil der neuen Bundesländer von 6,5 %. Während
Thüringen mit 6,0 % den niedrigsten Anteil von Menschen mit
Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung aufwies,
verfügte Sachsen mit 7,0 % über den höchsten Anteil in den
ostdeutschen Ländern.
22
Ab 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunterkünften nicht
mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse ab 2017 auf die Bevölkerung
in Privathaushalten beziehen. Zur Vergleichbarkeit wurden die Daten des
Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der Privathaushalte
berechnet. Dadurch ergeben sich Abweichungen zum „Integrationsmoni-
toring der Länder 2015. Länderauszug für den Freistaat Sachsen“.

18
|
Bevölkerung
Das Geschlechterverhältnis der im Freistaat ansässigen Frauen
und Männer mit Migrationshintergrund ist relativ ausgeglichen.
55,0 % der in Sachsen lebenden Menschen mit Migrations-
hintergrund waren 2017 männlich und 45,0 % weiblich. Wie
bereits 2015 war auch im Berichtsjahr 2017 der Anteil von
Männern mit Migrationshintergrund (7,7 %) an der männlichen
Gesamtbevölkerung etwas höher als der Anteil von Frauen mit
Migrationshintergrund (6,2 %) an der weiblichen Gesamtbe-
völkerung.
Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Sachsen weist –
wie in allen anderen Bundesländern auch – eine deutlich jün-
gere Altersstruktur auf. Innerhalb dieser Gruppe lag in Sachsen
im Jahr 2017 der Anteil der unter 18-Jährigen bei 29,2 %. In der
Bevölkerungsgruppe ohne Migrationshintergrund waren 2017
im Freistaat nur 14,7 % jünger als 18 Jahre. Dem gegenüber
steht die Altersgruppe der über 65-Jährigen: Der Anteil der
Menschen ohne Migrationshintergrund ist in dieser Alters-
gruppe mit 26,3 % deutlich höher als bei den in Sachsen leben-
den Menschen mit Migrationshintergrund der gleichen Alters-
gruppe (5,6 % sind älter als 65 Jahre). Die Unterschiede
zwischen den Bundesländern sind mit Blick auf die Altersstruk-
tur relativ gering. Allerdingst sticht Sachsen in beiden Alters-
gruppen hervor: Sachsen weist einerseits den höchsten Anteil
an unter 18-Jährigen in der Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund auf. Andererseits verfügt Sachsen über den niedrigsten
Wert bei der älteren Bevölkerung mit Migrationshintergrund.
Auffällig im Vergleich zu den bundesweiten Zahlen ist die in
Sachsen verhältnismäßig kurze Aufenthaltsdauer von Menschen
mit Migrationshintergrund. Während im Jahr 2017 bundesweit
nur 23,1 % der Menschen mit Migrationshintergrund kürzer
als 10 Jahre in Deutschland lebten, traf dies in Sachsen auf
43,2 % der Menschen mit Migrationshintergrund zu. Dem
gegenüber ist der Anteil der Menschen mit Migrationshinter-
grund, die seit 30 Jahren oder länger in Deutschland leben, im
Vergleich zu den gesamtdeutschen Werten (15,7 %) mit 7,5 %
gerade einmal halb so groß.
Nur geringfügige Unterschiede zwischen den sächsischen und
bundesweiten Ergebnissen gab es mit Blick auf die jeweiligen
Generationen. In Sachsen gehörten 21,6 % der Menschen mit
Migrationshintergrund der 2. Generation an. Das heißt, sie
wurden in Deutschland geboren. Bundesweit waren es 29,3 %.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
19
Abbildung 1: Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2017
insgesamt und nach Geschlecht (in %)
Abbildung 2: Anteil der Bevölkerung im Alter unter 18 Jahren an der jeweiligen Bevölkerung im Jahr 2017
nach Migrationshintergrund (in %)
13,8
14,3
14,7
25,4
28,5
29,2
Deutschland
Neue Bundesländer
Sachsen
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund
Abbildung 1: Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2017
insgesamt und nach Geschlecht (in %)
Abbildung 2: Anteil der Bevölkerung im Alter unter 18 Jahren an der jeweiligen Bevölkerung im Jahr 2017
nach Migrationshintergrund (in %)
21,6
5,9
6,2
23,4
7,1
7,7
22,5
6,5
7,0
Deutschland
Neue Bundesländer
Sachsen
Gesamt
männlich
weiblich
Abbildung 1:
Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund
an der Gesamtbevölkerung im Jahr 2017 insge-
samt und nach Geschlecht (in %)
7,0
Sachsen
7,7
6,2
6,5
Neue Bundesländer
7,1
5,9
22,5
Deutschland
23,4
21,6
Gesamt
männlich
weiblich
Abbildung 2:
Anteil der Bevölkerung im Alter unter 18 Jahren
an der jeweiligen Bevölkerung im Jahr 2017 nach
Migrationshintergrund (in %)
29,2
Sachsen
14,7
28,5
Neue Bundesländer
14,3
25,4
Deutschland
13,8
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

20
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
Ergebnisse
Die Wanderungssalden von Ausländerinnen und Ausländern
waren auch im Jahr 2017 in allen Bundesländern positiv. Ins-
gesamt betrug der Wanderungssaldo von Ausländerinnen und
Ausländern im Jahr 2017 deutschlandweit +492.179 Personen.
Damit hat sich der Wanderungssaldo von +1.156.963 Personen
des Jahres 2015 mehr als halbiert. Der Wanderungssaldo 2017
lag etwas über dem Niveau des Jahres 2013 (+450.464 Personen).
In Sachsen waren im Jahr 2017 mehr Ausländerinnen und
Ausländer aus dem Ausland eingewandert als abgewandert.
Zu verzeichnen waren 38.752 Zuzüge und 24.436 Fortzüge
und somit ein positiver Wanderungssaldo von 14.316 Personen.
Vergleichbar zu den Entwicklungen auf Bundesebene hat sich
auch der Wanderungssaldo im Freistaat im Vergleich zum Jahr
2015 deutlich verringert. 2015 wurden noch 61.126 Zuzüge
und 18.801 Fortzüge und somit ein Wanderungssaldo von
+42.325 Personen registriert. Damit ist der Wanderungssaldo
2017 im Vergleich zu 2015 um zwei Drittel gesunken. Dies
gilt ebenso für die neuen Bundesländer. Belief sich der Wan-
derungssaldo 2015 für die neuen Bundesländer noch auf
+149.143 Personen, umfasste er im Jahr 2017 gerade einmal
+45.060 Personen und damit nicht einmal mehr ein Drittel des
vorhergehenden Wertes.
Nach Geschlecht differenziert bestand in Sachsen sowohl ein
Zuwachs von Frauen als auch Männern, wobei der Zuwachs von
Frauen (+6.963) geringer war als der von Männern (+7.353).
Dieser Trend spiegelte sich auch in den anderen neuen Bundes-
ländern (mit Ausnahme von Sachsen-Anhalt) und in der ge-
samten Bundesrepublik wider.
A 2a Zu- und Fortzüge
Definition
Zahl der jährlichen Zuzüge aus dem Ausland in die Bundes-
länder sowie Fortzüge aus den Bundesländern in das Ausland
nach Staatsangehörigkeit (deutsch, ausländisch) und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Zu- und Fortzüge bilden die grenzüberschreitenden Wande-
rungen zwischen den Bundesländern und dem Ausland nach
demografischen Merkmalen ab. Die Kennzahl gibt Hinweise
auf den demografischen Wandel durch Wanderung.
Bewertung der Kennzahl
Die Zuzüge aus dem Ausland und die Fortzüge in das Ausland
sind aussagekräftige Kennzahlen zum Wanderungsgeschehen.
Der Wanderungssaldo ist die Differenz aus den Zuzügen aus
dem Ausland in die Bundesländer und den Fortzügen aus den
Bundesländern in das Ausland. Zu berücksichtigen ist, dass sich
auch hinter einem geringen Bevölkerungssaldo insgesamt eine
hohe Bevölkerungsfluktuation verbergen kann. Eingeschränkt
wird die Aussagekraft durch die fehlende Differenzierung der
Deutschen nach dem Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Wanderungs-
statistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse der Wanderungsstatistik und als Folge die Ent-
wicklung des Bevölkerungsstandes ab 2016 sind aufgrund me-
thodischer Änderungen, technischer Weiterentwicklungen der
Datenlieferungen aus dem Meldewesen an die Statistik sowie
der Umstellung auf ein neues statistisches Aufbereitungsver-
fahren nur bedingt mit den Vorjahreswerten vergleichbar. Ein-
schränkungen in der Genauigkeit der unterjährigen Ergebnisse
ab 2016, die zum einen aus Problemen bei der melderechtlichen
Erfassung von Schutzsuchenden resultierten, zum anderen aus
Folgeproblemen der technischen Umstellungen der Datenliefe-
rungen aus dem Meldewesen und aus in der statistischen Auf-
bereitung festgestellten Unstimmigkeiten, sind in den Jahres-
endergebnissen 2017 weitgehend bereinigt.

Zu- und Fortzüge
|
21
Abbildung 3: Wanderungssaldo von Ausländerinnen und Ausländern im Jahr 2017 insgesamt und nach
Geschlecht
Abbildung 3:
Wanderungssaldo von Ausländerinnen und Aus-
ländern im Jahr 2017 insgesamt und nach Ge-
schlecht
14.316
Sachsen
7.353
6.963
45.060
Neue Bundesländer
22.746
22.314
492.179
Deutschland
248.766
243.413
Gesamt
männlich
weiblich

22
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
A 2b Bevölkerung nach Zuzugsmotiven
Definition
Menschen mit Migrationserfahrung in Privathaushalten nach
Hauptmotiv ihres Zuzugs (Arbeit/Beschäftigung, Studium bzw.
andere Aus- und Weiterbildung, Familienzusammenführung
bzw. Familiengründung, Flucht, Verfolgung, Vertreibung, Asyl,
sonstige Gründe).
Empirische Relevanz
Die Kennzahl zeigt die Verteilung der Bevölkerung mit Migra-
tionserfahrung nach dem Hauptmotiv ihres Zuzugs. Die Daten
geben Hinweise auf die unterschiedlichen Perspektiven der Zu-
gewanderten nach ihrem familiären Hintergrund, ihren Chancen
auf dem deutschen Arbeitsmarkt oder als Schutzsuchende mit
eingeschränkten Aufenthaltsrechten.
Bewertung der Kennzahl
Das Zuwanderungsmotiv ist ein wichtiger Hintergrundindikator.
Die Motivation wirkt sich in vielerlei Hinsicht auf die Aufent-
haltsperspektive aber auch den Arbeitsmarktzugang aus.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Zuzugsmotive wurden erstmals im Mikrozensus 2017 erfragt.
Die Ergebnisse beziehen sich auf die Bevölkerung mit Migra-
tionserfahrung in Privathaushalten. Es handelt sich hier um
Ergebnisse einer Befragung, die von den zuwanderungsrecht-
lichen Kategorien abweichen können.
Ergebnisse
Fast die Hälfte (47,0 %) der 12,2 Millionen nach dem 31.12.1955
nach Deutschland zugezogenen Menschen begründete 2017
ihre Zuwanderung mit dem Wunsch der Familienzusammen-
führung bzw. der Familiengründung. Das bundesweit zweit-
wichtigste Motiv (18,9 %) für die Zuwanderung nach Deutsch-
land war der Wunsch nach Arbeit und Beschäftigung. Der
Anteil der Menschen mit Migrationserfahrung, die angaben,
wegen Flucht, Verfolgung, Vertreibung und dem Wunsch nach
Asyl nach Deutschland gekommen zu sein, betrug bundesweit
14,7 %. Zum Zweck des Studiums oder einer Aus- und Weiter-
bildung zogen 4,8 % der Menschen mit Migrationserfahrung
nach Deutschland. Sonstige Gründe für die Zuwanderung nach
Deutschland, wozu auch der Wunsch nach Niederlassung in
Deutschland im Rahmen der EU-Freizügigkeit gilt, gaben
14,6 % an.
Die Motive der Bevölkerung mit Migrationshintergrund, die
nach Sachsen zugezogen sind, weichen im Vergleich zu den
bundesweiten Zahlen zum Teil deutlich ab. Zwar war die Fa-
milienzusammenführung bzw. die Familiengründung auch für
die in Sachsen ansässigen Menschen mit Migrationshinter-
grund das primäre Zuwanderungsmotiv. Mit insgesamt 31,9 %
lag der Wert jedoch deutlich unter dem bundesweiten Ergebnis.
Einen weitaus höheren Stellenwert als auf Bundesebene nahm
das Zuzugsmotiv „Flucht, Verfolgung, Vertreibung, Asyl“ ein.
25,5 % der Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen
gaben dies als Hauptmotiv für ihren Zuzug an. Ebenfalls gra-
vierende Unterschiede zu den Werten auf Bundesebene be-
standen bei dem Motiv „Studium bzw. andere Aus- und Weiter-
bildung“. Mit 10,8 % war der Anteil der in Sachsen ansässigen
Menschen mit Migrationshintergrund, die dies als Hauptmotiv
für ihren Zuzug nannten, mehr als doppelt so groß als auf
Bundesebene.
Die Abweichungen zu den Werten auf Bundesebene gelten
nahezu für alle neuen Bundesländer. Hier war das Motiv „Fa-
milienzusammenführung bzw. Familiengründung“ weniger
stark ausgeprägt. Dem gegenüber lagen die Anteile für das
Motiv „Flucht, Verfolgung, Vertreibung, Asyl“ in den neuen
Bundesländern, angeführt von Sachsen-Anhalt (32,9 %) und
Mecklenburg-Vorpommern (31,6 %), danach folgten Thüringen,
Sachsen und Brandenburg mit 25,6 % bis zu 25,3 %, deutlich
über dem bundesweiten Durchschnitt. Zwar wurden in diesen
Bundesländern anteilig nicht mehr Flüchtlinge aufgenommen,
aufgrund der insgesamt kleineren Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund bekamen Schutzsuchende hier jedoch ein größeres
Gewicht. Ebenfalls deutlich über dem bundesweiten Durch-
schnitt lagen die neuen Bundesländer – mit Ausnahme von
Brandenburg (4,2 %) – bei dem Motiv „Studium bzw. andere
Aus- und Weiterbildung“.

Bevölkerung nach Zuzugsmotiven
|
23
Abbildung 4:
Bevölkerung mit eigener Migrationserfahrung in
Privathaushalten im Jahr 2017 nach (Haupt)motiv
für Zuzug nach Sachsen und Deutschland (in %)
Sachsen
15,7
10,8
31,9
25,5
16,1
Neue Bundesländer
15,0
9,1
32,3
27,5
16,1
Deutschland
18,9
4,8
47,0
14,7
14,6
Arbeit/Beschäftigung
Studium bzw. andere Aus- und Weiterbildung
Familienzusammenführung bzw. Familiengründung
Flucht, Verfolgung, Vertreibung, Asyl
sonstige Gründe

24
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Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
A 3
Wahlberechtigte Deutsche mit Migrationshintergrund
Definition
Anteil der für den Bundestag und die Landtage wahlberech-
tigten Deutschen in Privathaushalten mit Migrationshinter-
grund an allen Deutschen im Alter von 18 Jahren und älter.
Empirische Relevanz
Die Kennzahl zeigt, wie groß der Anteil der Wahlberechtigten
mit Migrationshintergrund an der wahlberechtigten Bevölke-
rung ist.
Bewertung der Kennzahl
Wichtige Kennzahl für die politischen Partizipationsmöglich-
keiten.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 hatten 9,5 % der wahlberechtigten Deutschen
im Bundesgebiet einen Migrationshintergrund. Damit ist der
Anteil der wahlberechtigten Deutschen mit Migrationshinter-
grund im Vergleich zum Jahr 2015 insgesamt von 8,9 % auf
9,5 % leicht gestiegen.
Ein leichter Anstieg konnte auch in Sachsen verzeichnet werden:
Im Berichtsjahr betrug der Anteil wahlberechtigter Deutscher
mit Migrationshintergrund im Freistaat 1,7 %. Im Jahr 2015
waren es noch 1,5 %.
Der weibliche Anteil in der betrachteten Gruppe lag in Sachsen
mit 1,8 % leicht über dem Anteil männlicher wahlberechtigter
Deutscher mit Migrationshintergrund (1,6 %). Im Jahr 2015
lag der männliche Anteil noch 0,1 Prozentpunkt vor dem Anteil
weiblicher Wahlberechtiger. Auf Bundesebene waren im Jahr
2017 der männliche und weibliche Anteil mit jeweils 9,5 %
gleich groß.
Der geringe Anteil wahlberechtigter Deutscher mit Migrations-
hintergrund im Vergleich zu den bundesweiten Ergebnissen
betrifft nicht nur den Freistaat Sachsen. In allen neuen Bundes-
ländern war der Anteil der Wahlberechtigten mit Migrations-
hintergrund allgemein niedrig (Thüringen: 1,3 %; Sachsen-
Anhalt: 1,5 %, Mecklenburg-Vorpommern: 1,8 %; Brandenburg:
2,0 %).
Abbildung 5:
Anteil der wahlberechtigten Deutschen mit Migra-
tionshintergrund im Jahr 2017 an allen Deutschen
ab 18 Jahren insgesamt und nach Geschlecht (in %)
1,7
Sachsen
1,6
1,8
9,5
Deutschland
9,5
9,5
Gesamt
männlich
weiblich
Abbildung 5: Anteil der wahlberechtigten Deutschen mit Migrationshintergrund im Jahr 2017 an allen
Deutschen ab 18 Jahren insgesamt und nach Geschlecht (in %)

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
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25
A 4
Lebensformen
Definition
Menschen mit Migrationshintergrund nach Lebensformen in
Privathaushalten (Alleinstehend, gleichgeschlechtliche Lebens-
gemeinschaften, Ehepaare und Lebensgemeinschaften ohne
Kind, Ehepaare und Lebensgemeinschaften mit Kindern unter
18 Jahren, Alleinerziehende). Die Prozentuierung bezieht sich
jeweils auf erwachsene Personen.
Empirische Relevanz
Die Kennzahl zeigt die Verteilung der erwachsenen Bevölkerung
mit Migrationshintergrund über die verschiedenen Lebens-
formen mit Kindern und ohne Kinder.
Bewertung der Kennzahl
Die Daten zeigen die Vielfalt der Lebensformen in der Bevöl-
kerung und verweisen dabei auf Unterschiede zwischen der
Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften sind untererfasst.
Aufgrund der geringen Fallzahlen wird diese Gruppe in der
Regel nicht ausgewiesen.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 lebte in Sachsen knapp ein Drittel (32,8 %) der
erwachsenen Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Paar-
ge mein schaf ten mit minderjährigen Kindern. Bei der erwach-
senen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund traf dies nur
auf etwas mehr als ein Viertel zu (18,0 %). Dieser Unterschied
spiegelt sich auch auf Bundesebene wider: 32,5 % der erwach-
senen Bevölkerung mit Migrationshintergrund lebte deutsch-
land weit 2017 in Paargemeinschaften mit minderjährigen
Kindern; bei Menschen ohne Migrationshintergrund waren es
nur 18,5 %. Dieser Unterschied in der Lebensform zwischen
Menschen mit und ohne Migrationshintergrund dürfte auf die
jüngere Altersstruktur der Personen mit Migrationshintergrund
zurückzuführen sein (siehe Indikator A1).
Fast die Hälfte der Menschen ohne Migrationshintergrund
(43,5 %) in Sachsen lebte 2017 in Paargemeinschaften ohne
Kind. Bei Menschen mit Migrationshintergrund traf dies nur auf
22,8 % zu. Deutschlandweit war der Anteil der Menschen ohne
Migrationshintergrund, die in einer Paargemeinschaft ohne
Kind leben, mit 39,8 % etwas niedriger, dennoch gehörte diese
Lebensform bundesweit zur primären Lebensform bei Menschen
ohne Migrationshintergrund.
Während der Anteil alleinstehender Personen in Sachsen im
Jahr 2015 nahezu identisch zwischen Menschen mit Migra-
tionshintergrund (30,4 %) und Menschen ohne diesen (29,5 %)
war, hat sich der Anteil bei Menschen mit Migrationshinter-
grund im Berichtsjahr erhöht. Im Jahr 2017 waren 34,5 % der
Menschen mit Migrationshintergrund alleinstehend. Der Anteil
Alleinstehender bei Menschen ohne Migrationshintergrund ist
hingegen gleich geblieben.
Mit Blick auf die Geschlechter wird deutlich, dass in Sachsen im
Jahr 2017 Männer mit Migrationshintergrund häufiger allein-
stehend waren als Frauen. Im Vergleich zum Jahr 2015 ist der
Anteil alleinstehender Männer im Jahr 2017 um +6,7 Prozent-
punkte auf insgesamt 46,6 % gestiegen und lag somit mehr als
doppelt so hoch als der Anteil alleinstehender Frauen (19,7 %).
Bei Menschen ohne Migrationshintergrund war der Anteil
Alleinstehender im Jahr 2017 bei Männern (29,4 %) und Frauen
(29,6 %) nahezu gleich.
Ein ähnliches Bild zeichnen die bundesweiten Daten für das
Jahr 2017: Demnach war der Anteil alleinstehender Männer
mit Migrationshintergrund höher als der Anteil alleinstehender
Frauen. Allerdings war die Differenz zwischen den Geschlechtern
deutlich geringer als dies im Freistaat der Fall war – nur 31,1 %
der Männer mit Migrationshintergrund waren bundesweit
alleinstehend und 21,1 % der Frauen.

26
|
Lebensformen
Abbildung 6:
Anteile der Lebensformen in Sachsen im Jahr 2017
nach Migrationshintergrund (in %)
23
34,5
Alleinstehende
29,5
Personen in Paargemeinschaften
22,8
ohne Kind
43,5
Eltern in Paargemeinschaften mit Kind(ern)
32,8
unter 18 Jahren
18,0
Alleinerziehendes Elternteil mit Kind(ern)
4,9
unter 18 Jahren
2,7
Eltern mit jüngstem Kind
4,8
ab 18 Jahren
6,0
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund
Abbildung 7:
Anteil der Alleinstehenden an allen Lebensformen
von Menschen mit Migrationshintergrund im Jahr
2017 nach Geschlecht (in %)
46,6
Sachsen
19,7
31,1
Deutschland
21,1
männlich
weiblich
Abbildung 6: Anteile der Lebensformen in Sachsen im Jahr 2017 nach Migrationshintergrund (in %)
23
Abbildung 7: Anteil der Alleinstehenden an allen Lebensformen von Menschen mit Migrationshintergrund
im Jahr 2017 nach Geschlecht (in %)
23
Bei den Werten für „Alleinerziehendes Eltern-
teil mit Kind(ern) unter 18 Jahren“ und „Eltern
mit jüngstem Kind ab 18 Jahren“ für Menschen
mit Migrationshintergrund handelt es sich um
hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und
unter 10.000. Die Aussagekraft ist folglich ein-
geschränkt.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
27
A 5
Asylerstanträge
Definition
Zahl der jährlichen Erstanträge auf Asyl beim Bundesamt für
Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach Geschlecht, Alters-
gruppe sowie Herkunftsstaat der Asylsuchenden.
Empirische Relevanz
Erstanträge auf Asyl ziehen Asylverfahren nach sich.
Bewertung der Kennzahl
Nach der Registrierung, der Verteilung der Asylbegehrenden
innerhalb Deutschlands nach dem Königsteiner Schlüssel und
der Unterbringung in den Erstaufnahmeeinrichtungen der
Bun des länder wird in der dort zuständigen Außenstelle des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge der Asylerstantrag
gestellt. Dem Königsteiner Schlüssel liegen die Kriterien Steuer-
aufkommen und Bevölkerungszahl zugrunde. Die jährlich er-
mittelte Verteilungsquote legt den Anteil der Asylsuchenden
je Bundesland fest. Innerhalb dieser Quote bearbeiten nach
Verabredung der Länder nicht alle Außenstellen des Bundes-
amts alle Herkunftsstaaten.
Bei Antragszahlen handelt es sich um Flussgrößen, d. h. um An-
träge, die in einer gewissen Zeitspanne gestellt wurden. Auf
die Größe des Bestandes können keine Rückschlüsse gezogen
werden. Aus den Zahlen geht beispielsweise weder hervor, ob
sich die betroffenen Personen weiterhin in Deutschland auf-
halten, noch wie viele Personen insgesamt mit einem gewissen
Schutztitel in Deutschland leben.
Datenquelle
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Asylgeschäftsstatis-
tik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Es handelt sich um Erstanträge (keine Folgeanträge). Asylfolge-
anträge sind nicht aufgeführt, da diese quantitativ nicht be-
deutsam sind. Aufgenommene Asylsuchende des Jahres 2015,
deren Anträge aufgrund des hohen Zuzugs und der begrenzten
Kapazitäten des BAMF erst verzögert angenommen werden
konnten, sind untererfasst und zum restlichen Teil erst in den
Zahlen für 2016 ausgewiesen.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 wurden in Sachsen 7.389 Erstanträge auf Asyl
gestellt. Das waren knapp 20.000 Anträge weniger als im Jahr
2015. Auch bundesweit ist die Zahl der Erstanträge auf Asyl
deutlich zurückgegangen: Im Jahr 2017 wurden bundesweit
198.317 Erstanträge auf Asyl gestellt. Im Jahr 2015 waren es
441.899 registrierte Erstanträge auf Asyl. Entsprechend spie-
geln die Zahlen für das Jahr 2017 einen starken Rückgang der
Erstanträge auf Asyl wider, zumal aufgrund des hohen Zuzugs
im Jahr 2015 und der begrenzten Kapazitäten des Bundesamts
für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die Zahl der Erstanträge
des Jahres 2015 nur rund der Hälfte der 2015 insgesamt auf-
genommenen Asylsuchenden (890.000) entsprach.
Von den Erstanträgen in Sachsen entfielen 54,8 % auf die
Hauptherkunftsstaaten des Jahres 2017: Syrien, Irak, Afghanis-
tan, Eritrea, Iran, Türkei, Nigeria, Somalia, Russische Föderation
sowie auf Antragsstellerinnen und Antragsteller ungeklärter
Herkunft. Bundesweit entfielen 69,5 % der Erstanträge auf
Asyl auf die Hauptherkunftsstaaten.
Die größten Herkunftsgruppen im Freistaat stammten 2017 aus
Syrien (15,2 %), Irak (6,9 %), Eritrea (6,7 %) und Afghanistan
(6,2 %).
Die Mehrheit der Asylsuchenden in Sachsen (66,5 %) sowie
bundesweit (60,5 %) im Jahr 2017 war männlich. Ein Großteil
der Antragsteller im Freistaat war zwischen 18 und 35 Jahren
alt (41,9 %). Damit ist diese Altersgruppe im Vergleich zum Jahr
2015 deutlich zurückgegangen: 2015 waren noch 57,5 % der
Antragsteller im Alter zwischen 18 und 35 Jahren. Allerdings
ist der Anteil der Asylsuchenden unter 3 Jahren deutlich ge-
stiegen. 2015 waren noch 6,4 % der Erstantragsteller unter
3 Jahren, 2017 betrug der Anteil 17,9 %. Der deutliche Anstieg
bei den unter 3-Jährigen gilt bundesweit – 2015 wurden noch
7,5 % der Anträge für unter 3-Jährige gestellt, im Jahr 2017
waren es 21,6 %. Allein in dieser Altersgruppe stiegen auch
die absoluten Zahlen um deutschlandweit +9.559 Erstanträge,
während die Antragszahlen in allen anderen Altersgruppen
zurückgingen.

28
|
Asylerstanträge
Abbildung 8:
Erstanträge auf Asyl in Sachsen im Jahr 2017 nach
Hauptherkunftsstaaten (in %)
24
Syrien
15,2
Irak
6,9
Afghanistan
6,2
Eritrea
6,7
Iran
2,0
Türkei
4,2
Nigeria
0,4
Somalia
2,5
Russische Föderation
5,7
Ungeklärt
5,0
Abbildung 9:
Erstanträge auf Asyl in Sachsen im Jahr 2017 nach
Alter (in %)
17,9
unter 3
6,4
4,5
3 – 6
4,9
7,0
6 – 12
7,5
13,1
12 – 18
6,9
19,1
18 – 25
28,3
22,8
25 – 35
29,1
12,4
35 – 50
14,2
2,7
50 – 65
2,3
0,6
65 und mehr
0,3
2017
2015
Abbildung 8: Erstanträge auf Asyl in Sachsen im Jahr 2017 nach Hauptherkunftsstaaten (in %)
24
Abbildung 9: Erstanträge auf Asyl in Sachsen im Jahr 2017 nach Alter (in %)
24
Nicht aufgeführt ist der Anteil der Erstanträge
auf Asyl aus den übrigen Herkunftsstaaten mit
45,2 %.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
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29
A 6
Asylerstanträge nach Gesamtschutzquote
Definition
Zahl der jährlichen Asylerstanträge beim Bundesamt für Migra-
tion und Flüchtlinge (BAMF) von Asylsuchenden aus Herkunfts-
staaten mit einer Gesamtschutzquote von mindestens 50 %,
aus sicheren Herkunftsstaaten sowie aus anderen Herkunfts-
staaten, bezogen auf die Gesamtzahl der jährlichen Asylerst-
anträge, nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Bleibeperspektive von Asylsuchenden in Deutschland unter-
scheidet sich je nach Herkunftsstaat. Die Gesamtschutzquote
bezogen auf Herkunftsstaaten umfasst die Anzahl der Asylan-
erkennungen, der Gewährungen von Flüchtlingsschutz und
der Feststellungen eines Abschiebeverbotes bezogen auf die
Gesamtzahl der diesbezüglichen Entscheidungen des BAMF
im betreffenden Zeitraum.
Sichere Herkunftsstaaten (nach Artikel 16a GG Abs. 3 Satz 1)
sind die Mitgliedstaaten der EU und die in Anlage II AsylG auf-
geführten Staaten. Der Asylantrag eines Asylsuchenden aus
einem sicheren Herkunftsstaat ist nach § 29a AsylG als „offen-
sichtlich unbegründet“ abzulehnen, sofern er/sie nicht hinrei-
chend belegen kann, dass ihm/ihr abweichend von der allgemei-
nen Lage im Herkunftsstaat Verfolgung oder ein ernsthafter
Schaden im Sinne von § 3 Abs. 1 bzw. § 4 Abs. 1 AsylG droht.
Bewertung der Kennzahl
Die Bleibeperspektive ist ein maßgeblicher Faktor für die Aus-
gangslage des Integrationsprozesses. Sie ist mitbestimmend
für die Komplexität und Dauer des Asylverfahrens und für den
Zugang zu Integrationsmaßnahmen, wie Integrationskursen
des Bundes für Asylbewerberinnen und Asylbewerber.
Datenquelle
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Asylgeschäftsstatis-
tik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Nicht in der Gesamtschutzquote berücksichtigt sind jene Asyl-
anträge, die durch das BAMF abgelehnt, aber später vor einem
Verwaltungsgericht eingeklagt wurden. Die Liste der sicheren
Herkunftsstaaten hat sich zuletzt im Laufe des Jahres 2015 ge-
ändert. Mit dem Inkrafttreten des Asylverfahrensbeschleuni-
gungsgesetzes am 23. Oktober 2015 wurden auch Albanien,
Kosovo und Montenegro als sichere Herkunftsstaaten eingestuft.
Ergebnisse
Wie mit dem Indikator A5 dargestellt, wurden im Jahr 2017 in
Sachsen 7.389 Erstanträge auf Asyl gestellt. Der Indikator A6
unterscheidet die Erstanträge nach der Gesamtschutzquote
der Herkunftsstaaten.
Insgesamt kamen 37,1 % der Asylerstantragsstellerinnen und
-antragsteller (2.744 Personen) im Freistaat Sachsen aus Her-
kunftsstaaten mit einer Gesamtschutzquote von mindestens
50 %. Dies waren im Jahr 2017 die folgenden Staaten: Bahrain,
Botsuana, Burundi, Eritrea, Honduras, Irak, Jemen, Myanmar,
Oman, Saudi-Arabien, Somalia, Vereinigte Arabische Emirate,
Syrien, darüber hinaus die Herkunftskategorien „sonstige asia-
tische Staatsangehörigkeit“ (Bezeichnung für die Palästinen-
sischen Gebiete), Staatenlos und Ungeklärt. Aus sicheren Her-
kunftsstaaten kamen 3,9 % der Asylerstantragsstellerinnen und
-antragsteller (dies waren 289 Personen). Ihre Bleibeperspek-
tive war entsprechend gering. Aus anderen Herkunftsstaaten
stammten 59,0 % der Asylsuchenden bzw. 4.356 Personen.
In den neuen Bundesländern sowie bundesweit bildeten Asyl-
suchende aus sicheren Herkunftsländern jeweils die kleinste
Gruppe (bundesweit 6,2 %). Mit Blick auf die neuen Bundes-
länder, machten Personen aus Ländern mit einer Schutzquote
von mindestens 50 % in Thüringen (58,0 %) und Sachsen-
Anhalt (49,6 %) die größte Gruppe aus.

30
|
Asylerstanträge nach Gesamtschutzquote
Abbildung 10: Asylanträge im Jahr 2017 nach Bleibeperspektive der Asylsuchenden (in %)
Abbildung 10:
Asylanträge im Jahr 2017 nach Bleibeperspektive
der Asylsuchenden (in %)
Sachsen
37,1
59,0
3,9
Neue Bundesländer
44,3
49,4
6,3
Deutschland
47,6
46,2
6,2
aus Herkunftsstaaten mit Gesamtschutzquote
50%
aus anderen Herkunftsstaaten
aus sicheren Herkunftsstaaten

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
31
A 7
Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländer/innen (umA)
Definition
Zahl der Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Aus-
länderinnen und Ausländer in den Bundesländern nach Ge-
schlecht und Altersgruppen.
Empirische Relevanz
Unbegleitet einreisende oder nach der Einreise ohne Begleitung
zurückgelassene Minderjährige, die keine Sorge- oder Erzie-
hungsberechtigten in Deutschland haben, sind eine relativ kleine,
aber besonders schutzbedürftige Personengruppe. Für unbe-
gleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer veran-
lasst das Jugendamt unverzüglich die Bestellung eines Vor-
munds oder Pflegers
25
, der die Einleitung eines Asylverfahrens
prüft und gegebenenfalls betreut. Bei unbegleiteten minder-
jährigen Ausländerinnen und Ausländern soll im Spannungsfeld
von Aufenthalts- und Jugendhilferecht immer das Kindeswohl
im Vordergrund stehen, auch wenn keine konkrete Gefahren-
situation vorliegt. Das Kindeswohl hat in diesem Fall Vorrang
vor asyl- und aufenthaltsrechtlichen Fragen. Priorität hat dabei
die Familienzusammenführung.
Bewertung der Kennzahl
Nur für einen Teil der umA wird ein Asylantrag gestellt, etwa
weil sie nach der Inobhutnahme weiterreisen, wegen der nach-
träglichen Feststellung der Volljährigkeit aus der Inobhutnahme
entlassen werden oder sie bzw. ihre gesetzlichen Vertreter/
innen das Aufenthaltsrecht auf anderem Wege zu erlangen
suchen. Die Feststellung der Minderjährigkeit erfolgt auf Basis
vorgelegter Ausweispapiere, hilfsweise durch Inaugenschein-
nahme, in Zweifelsfällen durch ärztliche Untersuchung.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kinder- und
Jugendhilfestatistik (siehe Kapitel Datenquellen)
25
Die Bestellung eines Vormundes ist obligatorisch. Ein Pfleger kann bei Bedarf
bestellt werden.
Methodische Besonderheiten
Bis Oktober 2015 war das Jugendamt vor Ort zuständig, sobald
festgestellt wurde, dass ein Kind bzw. Jugendlicher unbegleitet
nach Deutschland gekommen ist und sich weder Personen-
sorge- noch Erziehungsberechtigte im Inland aufhalten (In-
obhutnahmen nach § 42 SGB VIII).
Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Verbesserung der Unter-
bringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und
Jugendlicher am 28. Oktober 2015 erfolgt die deutschland-
weite Verteilung der unbegleiteten Minderjährigen nach dem
Königsteiner Schlüssel. Bis zur endgültigen Zuweisung nehmen
die Jugendämter vor Ort die Minderjährigen in Obhut (vorläufige
Inobhutnahmen nach § 42a SGB VIII). Nach der gleichmäßigen
Verteilung auf die Bundesländer ist das jeweils übernehmende
Jugendamt für die Inobhutnahme und die weitere Unterbrin-
gung der Kinder und Jugendlichen zuständig. Die Zahlen bis
2015 beinhalten die Inobhutnahmen nach § 42 SGB VIII. Eine
Ausweitung auf vorläufige Inobhutnahmen nach § 42a SGB VIII
erfolgte ab 2017. Dadurch sind die Ergebnisse nur eingeschränkt
vergleichbar, weshalb auf eine Vergleichsgrafik beider Jahre
verzichtet wird. Infolge der Einführung der vorläufigen Inobhut-
nahmen in die Statistik kann es verstärkt zu Doppelzählungen
von Personen kommen, die nach einer unbegleiteten Einreise
zunächst vorläufig und anschließend „regulär“ in Obhut ge-
nommen wurden. Ebenfalls zu berücksichtigen ist bei der Inter-
pretation der Ergebnisse, dass die Maßnahmen erst dann in die
Statistik einfließen, wenn sie beendet wurden und alle not-
wendigen Informationen vorliegen. Zudem können die Angaben
zum Berichtsjahr 2015 durch die hohe Zahl an unbegleitet
einreisenden Minderjährigen bei begrenzten Kapazitäten in
den Jugendämtern in ihrer Aussagekraft eingeschränkt sein.

32
|
Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländer/innen (umA)
Abbildung 11: Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer durch Ju-
gendämter im Jahr 2017 insgesamt und nach Geschlecht
Ergebnisse
Im Jahr 2017 wurden in Sachsen 1.418 unbegleitete minder-
jährige Ausländerinnen und Ausländer (umA) von den zustän-
digen Jugendämtern in Obhut genommen. Damit lag die Zahl
der Inobhutnahmen leicht über dem Wert von 2015, damals
wurden 1.360 Inobhutnahmen erfasst.
Bundesweit ist hingegen ein deutlicher Rückgang im Vergleich
zum Jahr 2015 festzustellen. Während 2015 noch 42.309 In-
obhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen
und Ausländer durch die Jugendämter erfasst wurden, waren
es 2017 nur noch 22.492. In den neuen Bundesländern wurden
2017 insgesamt 3.246 Inobhutnahmen registriert. Damit ist
die Zahl im Vergleich zum Jahr 2015 leicht zurückgegangen
(2015: 3.704 Inobhutnahmen).
Wie bereits im Jahr 2015 betraf der überwiegende Teil der
Inobhutnahmen im Jahr 2017 männliche unbegleitete Minder-
jährige. Mit 91,8 % ist der Anteil männlicher umA in Sachsen
im Vergleich zum Jahr 2015 (96,3 %) jedoch leicht zurückge-
gangen. Deutschlandweit betrug der Anteil männlicher umA
im Berichtsjahr 88,0 %, womit er 3,4 Prozentpunkte unter
dem Wert von 2015 lag.
Deutschlandweit waren 2017 fast alle unbegleiteten minder-
jährigen Ausländerinnen und Ausländer im Alter zwischen 12
und 18 Jahren (deutschlandweit 97,0 %). In Sachsen betrug
der Anteil unbegleiteter Minderjähriger in dieser Altersgruppe
98,2 % und in den neuen Bundesländern 97,8 %.
Abbildung 11:
Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Aus-
länderinnen und Ausländer durch Jugendämter im
Jahr 2017 insgesamt und nach Geschlecht
1.418
Sachsen
1.302
116
3.246
Neue Bundesländer
2.929
317
22.492
Deutschland
19.797
2.695
Gesamt
männlich
weiblich

|
33
A 8
Schutzsuchende
Definition
Zahl der Schutzsuchenden nach Geschlecht und Altersgruppen.
Empirische Relevanz
Schutzsuchende sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich
unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhal-
ten. Schutzsuchende werden im Ausländerzentralregister an-
hand ihres aufenthaltsrechtlichen Status identifiziert. Zu ihnen
zählen die folgenden drei Personengruppen: 1. Schutzsuchende
mit offenem Schutzstatus: Diese halten sich zur Durchführung
eines Asylverfahrens in Deutschland auf, wobei über ihren
Schutzstatus noch nicht entschieden wurde; 2. Schutzsuchende
mit anerkanntem Schutzstatus: Personen dieser Kategorie be-
sitzen einen unbefristeten oder befristeten Aufenthaltstitel aus
dem humanitären Bereich des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG);
3. Schutzsuchende mit abgelehntem Schutzstatus: Diese Per-
sonen halten sich nach Ablehnung im Asylverfahren oder nach
Verlust ihres humanitären Aufenthaltstitels als Ausreisepflich-
tige in Deutschland auf. Dazu zählen auch geduldet Ausreise-
pflichtige, deren Abschiebung rechtliche oder tatsächliche
Abschiebehindernisse entgegenstehen, beispielsweise wenn
der Zielstaat die Aufnahme verweigert. Als Duldung wird die
temporäre Aussetzung der Abschiebung unter Bestehenbleiben
der vollziehbaren Ausreisepflicht bezeichnet.
Bewertung der Kennzahl
Bei der amtlichen Statistik zu Schutzsuchenden handelt es sich
um Bestandsgrößen, d. h. sie umfasst alle Schutzsuchenden,
die sich zu einem gewissen Zeitpunkt (Stichtag) in Deutschland
aufhalten. Dies unterscheidet die Ergebnisse etwa von den als
Flussgrößen erfassten Antragszahlen und Entscheidungen in
der Asylgeschäftsstatistik.
Datenquelle
Ausländerzentralregister, Statistisches Bundesamt (siehe Kapitel
Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Im Zuge der vermehrten Aufnahme von Schutzsuchenden in
den Jahren 2015 und 2016 kam es vermehrt zu Qualitätspro-
blemen im Ausländerzentralregister: Schutzsuchende wurden
teilweise mit Verzögerung, teilweise unvollständig und teil-
weise fehlerhaft und/oder doppelt erfasst. Die Daten mit Stand
31.12.2016 weisen jedoch deutlich weniger Erfassungslücken
auf als jene ein Jahr zuvor. Bestimmte Unsicherheiten bestehen
aber fort: Weiterhin liegen im Ausländerzentralregister Daten-
fälle ohne Angabe zum aufenthaltsrechtlichen Status vor.
Unklar ist, in welchem Umfang es sich hierbei um Dubletten,
Fortzüge ohne behördliche Abmeldung oder aufhältige Aus-
länderinnen und Ausländer handelt. Datenfälle, bei denen der
aufenthaltsrechtliche Status aus dem Ausländerzentralregister
nicht eindeutig nachvollzogen werden kann, werden in der
Statistik nicht berücksichtigt.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 wurden in Sachsen 57.760 Schutzsuchende re-
gistriert. Deutschlandweit wurden 1.680.700 Schutzsuchende
gezählt. Im Vergleich zum Jahr 2015 stieg die Zahl der Schutz-
suchenden in Sachsen sowie deutschlandweit deutlich an. In
Sachsen wurden 2017 insgesamt 16.505 Schutzsuchende mehr
registriert, als dies 2015 der Fall war. Auf Bundesebene beträgt
die Differenz +644.465.
Der weit überwiegende Teil der Schutzsuchenden war männ-
lich: In Sachsen belief sich der Anteil männlicher Schutzsu-
chender auf 66,7 %, deutschlandweit waren es 63,6 %. Etwa
ein Viertel (22,2 %) der Schutzsuchenden in Sachsen war 2017
unter 15 Jahren alt. Bundesweit gehörten 21,4 % der Schutz-
suchenden dieser Altersgruppe an.

34
|
Schutzsuchende
Abbildung 12: Schutzsuchende in den Jahren 2017 und 2015 insgesamt
Abbildung 12:
Schutzsuchende in den Jahren 2017 und 2015
insgesamt
57.760
Sachsen
41.255
188.025
Neue Bundesländer
134.710
Deutschland
1.680.700
1.036.235
2017
2015

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
35
A 9
Schutzsuchende nach Schutzstatus
Definition
Zahl der Schutzsuchenden in den Bundesländern nach Schutz-
status.
Empirische Relevanz
Schutzsuchende sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich
unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland auf-
halten. Schutzsuchende werden im Ausländerzentralregister
anhand ihres aufenthaltsrechtlichen Status identifiziert. Zu
ihnen zählen die ausführlicher unter Indikator A8 beschriebenen
drei Kategorien von Ausländerinnen und Ausländern: 1. Schutz-
suchende mit offenem Schutzstatus; 2. Schutzsuchende mit
anerkanntem Schutzstatus: Personen dieser Kategorie besitzen
einen unbefristeten oder befristeten Aufenthaltstitel aus dem
humanitären Bereich des Aufenthaltsgesetzes (AufenthG); 3.
Schutzsuchende mit abgelehntem Schutzstatus. Eine mögliche
Grundlage für die Erteilung einer befristeten humanitären
Aufenthaltserlaubnis ist die Anerkennung einer von vier Schutz-
formen im Asylverfahren seitens des Bundesamtes für Migra-
tion und Flüchtlinge: Asylberechtigte nach Art. 16 Grundgesetz,
Flüchtlinge nach Genfer Konvention, Subsidiärer Schutz oder
nationales Abschiebeverbot. Darüber hinaus können dies Per-
sonen sein, die im Rahmen von humanitären Aufnahmen und
Programmen zur Neuansiedlung des Bundes und der Länder
einen Aufenthaltstitel bekommen. Schutzsuchende, die sich
bereits langjährig mit einer Aufenthaltserlaubnis aus humani-
tären Gründen in Deutschland aufhalten, können unter Erfül-
lung weiterer Voraussetzungen eine unbefristete Niederlas-
sungserlaubnis aus humanitären Gründen erhalten.
Bewertung der Kennzahl
Bei der amtlichen Statistik zu Schutzsuchenden handelt es sich
um Bestandsgrößen, d. h. sie umfasst alle Schutzsuchenden,
die sich zu einem gewissen Zeitpunkt (Stichtag) in Deutschland
aufhalten. Dies unterscheidet die Ergebnisse etwa von den als
Flussgrößen erfassten Antragszahlen und Entscheidungen in
der Asylgeschäftsstatistik.
Datenquelle
Ausländerzentralregister, Statistisches Bundesamt (siehe Kapi-
tel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Im Zuge der vermehrten Aufnahme von Schutzsuchenden in
den Jahren 2015 und 2016 kam es vermehrt zu Qualitätspro-
blemen im Ausländerzentralregister: Schutzsuchende wurden
teilweise mit Verzögerung, teilweise unvollständig und teil-
weise fehlerhaft und/oder doppelt erfasst. Die Daten mit Stand
31.12.2016 weisen jedoch deutlich weniger Erfassungslücken
auf als jene ein Jahr zuvor. Bestimmte Unsicherheiten bestehen
aber fort: Weiterhin liegen im Ausländerzentralregister Daten-
fälle ohne Angabe zum aufenthaltsrechtlichen Status vor.
Unklar ist, in welchem Umfang es sich hierbei um Dubletten,
Fortzüge ohne behördliche Abmeldung oder aufhältige Aus-
länderinnen und Ausländer handelt. Datenfälle, bei denen der
aufenthaltsrechtliche Status aus dem Ausländerzentralregister
nicht eindeutig nachvollzogen werden kann, werden in der
Statistik nicht berücksichtigt.

36
|
Schutzsuchende nach Schutzstatus
Abbildung 13: Schutzsuchende im Jahr 2017 nach Schutzstatus (in %)
Ergebnisse
Wie mit dem Indikator A 8 dargestellt, wurden im Jahr 2017
sachsenweit 57.760 und deutschlandweit 1.680.700 Schutz-
suchende registriert. Der Indikator A 9 differenziert die Schutz-
suchenden nach ihrem Schutzstatus.
Den mit Abstand größten Anteil machten in Sachsen mit 48,2 %
die befristet anerkannten Schutzsuchenden aus. Bundesweit
waren es mit 52,9 % etwas mehr als die Hälfte der Schutzsu-
chenden. Einen unbefristet anerkannten Schutzstatus hatten
2017 im Freistaat dagegen nur 10,3 % und auf Bundesebene
15,8 % der Schutzsuchenden inne. Unabhängig von der Be-
fristung besaßen damit sachsenweit 58,5 % und bundesweit
68,7 % der Schutzsuchenden einen anerkannten Schutzstatus.
Der Schutzstatus von knapp einem Viertel (24,3 %) der Schutz-
suchenden in Sachsen und einem Fünftel (20,7 %) der Schutz-
suchenden deutschlandweit war noch offen. Im Jahr 2017
lebten zudem 17,2 % mit abgelehntem Schutzstatus in Sachsen
(Deutschland: 10,6 %).
Zwischen 2015 und 2017 hat sich der Anteil der befristet an-
erkannten Schutzsuchenden in Sachsen von 17,9 % im Jahr
2015 auf 48,2 % mehr als verdoppelt. Dieser Anstieg ist auch
auf Bundesebene ersichtlich: Betrug der Anteil befristet aner-
kannter Schutzsuchender im Jahr 2015 noch 27,6 %, waren es
im Jahr 2017 bereits 52,9 %. Deutlich gesunken ist der Anteil
der Schutzsuchenden mit unbefristetem Schutzstatus sowohl
in Sachsen (-4,0 Prozentpunkte) als auch deutschlandweit
(-9,5 Prozentpunkte).
Gesunken sind auch die Anteile der Schutzsuchenden mit offe-
nem Schutzstatus. Auf Bundesebene beträgt die Differenz
-13,1 Prozentpunkte. Für Sachsen ist die Differenz zwischen
2015 und 2017 mit -24,2 Prozentpunkten deutlich höher. Ein
relativ starker Rückgang konnte für alle neuen Bundesländern
verzeichnet werden (-29,0 Prozentpunkte).
Eine weniger starke Negativtendenz gab es bei den Anteilen der
Schutzsuchenden mit abgelehnten Schutzstatus. In Sachsen
ging deren Anteil um -2,1 Prozentpunkte zurück (deutschland-
weit: -2,8 Prozentpunkte; neue Bundesländer: -1,7 Prozent-
punkte).
Abbildung 13:
Schutzsuchende im Jahr 2017 nach Schutzstatus
(in %)
Sachsen
24,3
10,3
48,2
17,2
Neue Bundesländer
21,9
8,4
54,3
15,4
Deutschland
20,7
15,8
52,9
10,6
offen
anerkannt unbefristet
anerkannt befristet
abgelehnt

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
37
B
Rechtliche Integration
B 1
Ausländerinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus
Definition
Zahl der Ausländerinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus.
Unterschieden werden Personen mit langfristigem Aufenthalts-
recht, Personen ohne langfristiges Aufenthaltsrecht sowie
Personen mit Duldung (vorübergehende Aussetzung der Ab-
schiebung) bzw. Aufenthaltsgestattung (Asylsuchende).
Empirische Relevanz
Der Aufenthaltsstatus beschreibt den Zustand der Sicherheit/
Unsicherheit des Aufenthalts in Deutschland. Die Abstufung
reicht von dauerhaft sicher (EU-Aufenthaltsrecht, Niederlas-
sungserlaubnis) über vorübergehend sicher (Aufenthaltserlaub-
nis) bis zum unsicheren Status der Duldung bzw. der Gestattung.
Einen dauerhaft sicheren Aufenthalt haben nach fünf Jahren
Aufenthalt in der Regel alle EU-Bürgerinnen und -Bürger,
Staatsangehörige der EWR-Staaten (Norwegen, Island und
Liechtenstein) sowie der Schweiz und der Türkei aufgrund der
EWR/EFTA-Abkommen bzw. des Assoziationsvertrags mit der
Türkei. Bei anderen Drittstaatenangehörigen haben einen lang-
fristigen Aufenthaltsstatus: Personen mit Niederlassungser-
laubnis, Daueraufenthaltserlaubnis EU, Aufenthaltskarte nach
§ 5 FreizügG/EU, Aufenthaltsberechtigung (alt), unbefristeter
Aufenthaltserlaubnis (alt). Ein langfristig gesichertes Aufent-
haltsrecht erleichtert einen erfolgreichen Integrationsprozess.
Bewertung des Indikators
Der Indikator differenziert die Gruppe der Ausländerinnen und
Ausländer nach Aufenthaltsstatus. Je höher die Zahl der Perso-
nen mit Niederlassungserlaubnis, desto höher ist auch mittel-
bis langfristig das Potenzial für Einbürgerungen. Die Nieder-
lassungserlaubnis berechtigt in allen Fällen zur Ausübung einer
Erwerbstätigkeit, bei der Aufenthaltserlaubnis ist dies nicht
immer der Fall, in gesetzlich geregelten Fällen ist sie von der
Zustimmung der Arbeitsverwaltung abhängig. Die Aufenthalts-
gestattung und die Duldung erlauben die Ausübung einer Er-
werbstätigkeit nur in bestimmten Fällen.
Datenquelle
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Ausländerzentral-
register (AZR) (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Angaben des AZR basieren in der Hauptsache auf den
gemeldeten Daten der Ausländerbehörden. Das AZR erfasst
grundsätzlich Daten über Ausländerinnen und Ausländer, die
sich voraussichtlich länger als drei Monate in Deutschland auf-
halten. Personen mit langfristigem Aufenthaltsrecht aus den
EU-Staaten, den EWR-Staaten, der Schweiz und der Türkei mit
einer Aufenthaltsdauer ab fünf Jahren werden grundsätzlich
als Personen mit langfristigem Aufenthaltsrecht berücksichtigt,
es sei denn, es ist als aktuelles Aufenthaltsrecht eine Duldung,
Aufenthaltsgestattung oder gar kein Aufenthaltsrecht auf
Grund einer bestehenden Ausreiseverpflichtung vermerkt.
Ergebnisse
Von den 195.227 Ausländerinnen und Ausländern, die Ende
des Jahres 2017 in Sachsen lebten, besaßen 46,5 % ein lang-
fristiges Aufenthaltsrecht. Bundesweit belief sich die Zahl der
Ausländerinnen und Ausländer, die im Jahr 2017 in Deutschland
lebten, auf 10.623.941. Davon besaßen 69,1 % ein langfristiges
Aufenthaltsrecht. Der Anteil in Sachsen lag demnach deutlich
unter dem Bundesdurchschnitt. Dies galt ebenso für die neuen
Bundesländer: Hier machte der Anteil der Ausländerinnen und
Ausländer mit einem langfristigen Aufenthaltsrecht ebenfalls
weniger als die Hälfte aus (46,1 %).
Deutschlandweit hatte der größte Teil der ausländischen Bevöl-
kerung mit langfristigem Aufenthaltsrecht eine EU-Staatsan-
gehörigkeit (43,8 %). In Sachsen war der Anteil der EU-Bür-
gerinnen und Bürger mit einem langfristigen Aufenthaltsrechts
im Verhältnis zur gesamten ausländischen Bevölkerung eben-
falls sehr hoch. Mit 32,2 % lag er jedoch deutlich unter dem
bundesweiten Anteil. Ebenfalls deutlich geringer als auf Bun-
desebene waren die Anteile der in Sachsen lebenden Auslän-
derinnen und Ausländer mit einem langfristigen Aufenthalts-
recht, die eine EWR-Staatsangehörigkeit, die Schweizer oder
die türkische Staatsangehörigkeit besaßen: In Sachsen belief
sich der Anteil auf 1,9 %; deutschlandweit waren es 13,4 %.

38
|
Ausländerinnen und Ausländer nach Aufenthaltsstatus
Abbildung 14: Ausländische Bevölkerung im Jahr 2017 nach Aufenthaltsrecht (in %)
Abbildung 15: Übrige Drittstaatsangehörige ohne langfristiges Aufenthaltsrecht im Jahr 2017 nach Auf-
enthaltsdauer (in %)
26
Wie bereits in der Vorberichtsperiode wiesen die neuen Bundes-
länder die höchsten Anteile von Ausländerinnen und Auslän-
dern ohne langfristiges Aufenthaltsrecht aus Drittstaaten auf.
Diese Gruppe machte innerhalb der jeweiligen Bundesländer
den größten Anteil aus. In Sachsen betrug der Anteil der Aus-
länderinnen und Ausländer ohne langfristiges Aufenthalts-
recht aus Drittstaaten 52,0 %; in den neuen Bundesländern
belief sich der Anteil auf 52,6 %. Damit lagen die Anteile
deutlich über dem bundesweiten Wert von 29,3 %.
Der Großteil (83,8 %) der in Sachsen lebenden Ausländerinnen
und Ausländern aus den übrigen Drittstaaten ohne langfristiges
Aufenthaltsrecht verfügte über eine Aufenthaltsdauer von
weniger als 5 Jahren. Deutschlandweit waren es 77,6 % der
übrigen Drittstaatsangehörigen ohne langfristiges Aufenthalts-
recht, die weniger als 5 Jahre in Deutschland lebten.
Abbildung 14:
Ausländische Bevölkerung im Jahr 2017 nach
Aufenthaltsrecht (in %)
46,5
Sachsen
53,5
46,1
Neue Bundesländer
53,9
69,1
Deutschland
30,9
mit langfristigem Aufenthaltsrecht
ohne langfristiges Aufenthaltsrecht
Abbildung 15:
Übrige Drittstaatsangehörige ohne langfristiges
Aufenthaltsrecht im Jahr 2017 nach Aufenthalts-
dauer (in %)
26
Sachsen
83,8
9,1
6,9
Neue Bundesländer
84,8
8,2
6,8
Deutschland
77,6
11,2
11,1
unter 5 Jahre
5 bis unter 10 Jahre
10 Jahre und länger
26
Nicht aufgeführt ist der Anteil der nicht fest-
stellbaren Aufenthaltsdauer. Dieser belief sich
deutschlandweit auf 0,1 %, in Sachsen auf 0,2 %
und in den neuen Bundesländern auf 0,2 %.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
39
Abbildung 16: Einbürgerungen unter Ausländerinnen und Ausländern mit einer Aufenthaltsdauer ab
8 Jahren im Jahr 2017 insgesamt und nach Geschlecht (in %)
B 2a Einbürgerungsquote I
Definition
Quotient aus der Anzahl der Einbürgerungen und der Zahl der
Ausländerinnen und Ausländer mit einer Aufenthaltsdauer ab
8 Jahren insgesamt und differenziert nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Einbürgerung ist Ausdruck gelingender Integration. Nur wer
eingebürgert ist, verfügt über alle staatsbürgerlichen Rechte
und Partizipationsmöglichkeiten.
Bewertung des Indikators
Indikator, der darauf hinweist, wie hoch die Bereitschaft zur
rechtlichen Integration ist. Eine steigende Einbürgerungs-
quote deutet auf eine verstärkte Bereitschaft hin, staatsbürger-
liche Rechte wahrzunehmen und Partizipationsmöglichkeiten
zu nutzen.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Einbürgerungs-
statistik und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Aus-
länderzentralregister (AZR) (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Bei der Interpretation der Einbürgerungsquote I ist zu beachten,
dass in ihre Berechnung die ausländischen Staatsangehörigen
mit einer Aufenthaltsdauer ab 8 Jahren einbezogen werden,
unabhängig davon, ob sie alle weiteren rechtlichen Voraus-
setzungen für eine Einbürgerung erfüllen und damit Anspruch
auf eine Einbürgerung haben. Eine Aufenthaltsdauer ab 8
Jahren ist gemäß Staatsangehörigkeitsrecht in der Regel für
eine Einbürgerung notwendig, wobei diese Frist unter be-
stimmten Umständen verkürzt werden kann. Die Anzahl der
Einbürgerungen ist auf die Zahl der Ausländerinnen und Aus-
länder des Vorjahres bezogen.
Ergebnisse
In Sachsen lag die Einbürgerungsquote unter Personen, die
mindestens eine Aufenthaltsdauer von 8 Jahren haben, im Jahr
2017 bei 2,8 %. Dies entspricht auch der Einbürgerungsquote
in den restlichen neuen Bundesländern. Im Bundesdurchschnitt
lag die Einbürgerungsquote bezogen auf Ausländerinnen und
Ausländer mit einer Aufenthaltsdauer von mindestens 8 Jahren
bei 2,1 %.
Die Einbürgerungsquote war sowohl in Sachsen als auch
deutschlandweit bei Frauen höher als bei Männern. In Sachsen
betrug die Differenz +0,6 Prozentpunkte, deutschlandweit
waren es +0,4 Prozentpunkte.
Während die Anteile auf Bundesebene im Vergleich zum Jahr
2015 nahezu gleich geblieben sind (Differenz zu 2015: Männer
+0,0 Prozentpunkte, Frauen +0,1 Prozentpunkt), ist die Ein-
bürgerungsquote für Männer und Frauen in Sachsen um
+0,4 Prozentpunkte bzw. +0,5 Prozentpunkte gestiegen. In den
neuen Bundesländern betrug der Unterschied zum Jahr 2015
für Männer und Frauen jeweils +0,3 Prozentpunkte.
Abbildung 16:
Einbürgerungen unter Ausländerinnen und Aus-
ländern mit einer Aufenthaltsdauer ab 8 Jahren im
Jahr 2017 insgesamt und nach Geschlecht (in %)
2,8
Sachsen
2,5
3,1
2,8
Neue Bundesländer
2,5
3,1
2,1
Deutschland
1,9
2,3
Gesamt
männlich
weiblich

40
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
B 2b Einbürgerungsquote II
Definition
Quotient aus der Anzahl der Einbürgerungen und der Zahl der
Ausländerinnen und Ausländer insgesamt und differenziert
nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Einbürgerung ist Ausdruck gelingender Integration. Nur wer
eingebürgert ist, verfügt über alle staatsbürgerlichen Rechte
und Partizipationsmöglichkeiten.
Bewertung des Indikators
Indikator, der darauf hinweist, wie hoch die Bereitschaft zur
rechtlichen Integration ist. Eine steigende Einbürgerungs-
quote deutet auf eine verstärkte Bereitschaft hin, staatsbürger-
liche Rechte wahrzunehmen und Partizipationsmöglichkeiten
zu nutzen.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Einbürgerungs-
statistik und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Aus-
länderzentralregister (AZR) (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Um die Ergebnisse des Monitorings mit vorliegenden Statistiken
zur Einbürgerungsentwicklung vergleichen zu können, wird
ergänzend zu Indikator B2a auch die Einbürgerungsquote
ohne Berücksichtigung einer 8-jährigen Aufenthaltszeit an-
gegeben. Die Anzahl der Einbürgerungen ist auf die Zahl der
Ausländerinnen und Ausländer des Vorjahres bezogen. Die
Einbürgerungsquote in den Bundesländern bezogen auf alle
Ausländerinnen und Ausländer ist per definitionem kleiner als
die Einbürgerungsquote I. Sie weist darüber hinaus aber auch
auf Besonderheiten in der Zusammensetzung der ausländischen
Bevölkerung bezüglich der Aufenthaltsdauer hin.
Ergebnisse
Die Einbürgerungsquote unter allen Ausländerinnen und Aus-
ländern lag im Jahr 2017 in Sachsen bei 0,9 % und damit
leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 1,1 %. In den neuen
Bundesländern betrug die Einbürgerungsquote unter allen
Ausländerinnen und Ausländern 0,8 %. Sowohl in Sachsen
(+0,4 Prozentpunkte), deutschlandweit (+0,4 Prozentpunkte)
als auch in den neuen Bundesländern insgesamt (+0,4 Prozent-
punkte) waren die Einbürgerungsquoten von Ausländerinnen
höher als die Einbürgerungsquoten von Ausländern.
Im Vergleich zum Jahr 2015 sind die Quoten in Sachsen,
deutschlandweit sowie in den neuen Bundesländern für beide
Geschlechter gesungen. Die Differenz zum Jahr 2015 betrug
in Sachsen bei Ausländern -0,2 Prozentpunkte und bei Aus-
länderinnen -0,1 Prozentpunkt. In den neuen Bundesländern
sowie auf Bundesebene betrug der Rückgang der Einbürge-
rungsquote bei Ausländerinnen -0,2 Prozentpunkte und bei
Ausländern -0,3 Prozentpunkte.
Der Rückgang der Einbürgerungsquoten dürfte teilweise auf die
gestiegene Ausländerzahl durch Neuzuwanderungen zurück-
zuführen sein. Die Neuzuwanderinnen und Neuzuwanderer
erfüllen – u. a. aufgrund ihrer kurzen Aufenthaltsdauer –
nicht die rechtlichen Voraussetzungen für eine Einbürgerung.

Einbürgerungsquote II
|
41
Abbildung 17: Einbürgerungen unter allen Ausländerinnen und Ausländern im Jahr 2017 insgesamt und
nach Geschlecht (in %)
Abbildung 17:
Einbürgerungen unter allen Ausländerinnen und
Ausländern im Jahr 2017 insgesamt und nach Ge-
schlecht (in %)
0,9
Sachsen
0,7
1,1
0,8
Neue Bundesländer
0,6
1,0
1,1
Deutschland
0,9
1,3
Gesamt
männlich
weiblich

42
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C
Kindertagesbetreuung und Sprachkenntnisse
C 1a Kinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
Definition
Anteil der Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
nach Migrationshintergrund (ausländische Herkunft mindes-
tens eines Elternteils) und Geschlecht an allen Kindern dieser
Altersgruppe in Kindertageseinrichtungen.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den gesamten Bildungs-
erfolg eine zentrale Bedeutung. Insbesondere wird der Ent-
wicklung der sprachlichen Fähigkeiten eine Schlüsselrolle bei
der Integration zuerkannt, da von den Sprachkenntnissen der
Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt abhängt.
Der Ausbau der frühkindlichen Betreuung in Kindertagesein-
richtungen ist daher ein wichtiges familien- und integrations-
politisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator beschreibt die Zusammensetzung der Kinder in
frühkindlicher Betreuung in Kindertageseinrichtungen nach
dem Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kinder- und
Jugendhilfestatistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfestatistik durchge-
führte Erhebung zu „Kindern und tätigen Personen in Tages-
einrichtungen“ ist eine jährliche Totalerhebung aktuell zum
Stichtag 1. März, die seit dem Jahr 2006 mit einem erweiterten
Merkmalsumfang durchgeführt wird. Erfragt wird in diesem
Zuge für jedes Kind, ob mindestens ein Elternteil eine auslän-
dische Herkunft besitzt. Somit erfasst die Kinder- und Jugend-
hilfestatistik den Migrationshintergrund weniger umfassend als
der Mikrozensus. Zusätzlich zur ausländischen Herkunft der
Eltern bzw. eines Elternteils wird in der Erhebung „Kinder und
tätige Personen in Tageseinrichtungen“ nach der vorrangig in
der Familie gesprochenen Sprache (Deutsch – nicht-Deutsch)
gefragt. Für den Indikator C1a wird das Merkmal der auslän-
dischen Herkunft mindestens eines Elternteils verwendet. Die
Gruppe der Kinder mit mindestens einem Elternteil ausländi-
scher Herkunft ist zahlenmäßig größer als die Gruppe der
Kinder, die zu Hause vorrangig nicht Deutsch spricht. Kinder
in Kindertagespflege werden im vorliegenden Indikator nicht
berücksichtigt.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 lag in Sachsen der Anteil der Kinder mit Migra-
tionshintergrund in der Altersgruppe unter 3 Jahren, die in
Kindertageseinrichtungen betreut wurden, bei 6,0 %. Damit
war der sächsische Anteil genauso hoch wie der für alle neuen
Bundesländer. Die Anteile von Kindern mit Migrationshinter-
grund in Kindertageseinrichtungen lagen in allen ostdeutschen
Bundesländern unter 7 %. Den höchsten Wert verzeichnet
hier Brandenburg mit 6,5 %. Der Bundesdurchschnitt betrug
21,1 % und lag damit um ein Vielfaches höher.
Der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei Jungen und
Mädchen war sowohl in Sachsen als auch deutschlandweit
relativ gleich. In Sachsen waren 6,2 % der Kinder mit Migra-
tionshintergrund unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
männlich und 5,8 % weiblich. Im Bundesdurchschnitt waren
21,3 % der Kinder männlich und 21,0 % weiblich.
Zwischen 2015 und 2017 ist der Anteil der Kinder mit Migra-
tionshintergrund an allen betreuten Kindern im Alter von 0 bis
unter 3 Jahren in Sachsen sowie in allen neuen Bundesländern
und deutschlandweit leicht gestiegen. In Sachsen betrug der
Zuwachs +1,1 Prozentpunkte, in den neuen Bundesländern
+1,3 Prozentpunkte und bundesweit waren es +0,8 Prozent-
punkte.

Kinder im Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen
|
43
Abbildung 18: Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von unter 3 Jahren in Kindertages-
einrichtungen im Jahr 2017 insgesamt und nach Geschlecht (in %)
Abbildung 18:
Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im
Alter von unter 3 Jahren in Kindertageseinrich-
tungen im Jahr 2017 insgesamt und nach Ge-
schlecht (in %)
6,0
Sachsen
6,2
5,8
21,1
Deutschland
21,3
21,0
Gesamt
männlich
weiblich

44
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C 1b Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter 3 Jahren
Definition
Betreuungsquote von Kindern unter 3 Jahren mit und ohne
Migrationshintergrund in Kindertagesbetreuung.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den gesamten Bildungs-
erfolg eine zentrale Bedeutung. Insbesondere wird der Ent-
wicklung der sprachlichen Fähigkeiten eine Schlüsselrolle bei
der Integration zuerkannt, da von den Sprachkenntnissen der
Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt abhängt.
Der Ausbau der frühkindlichen Tagesbetreuung ist daher ein
wichtiges familien- und integrationspolitisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator vergleicht die Betreuungsquoten von Kindern mit
und ohne Migrationshintergrund. Unter dem Gesichtspunkt
der Integration ist eine hohe Betreuungsquote von Kindern
mit Migrationshintergrund hilfreich.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Ab dem Jahr 2017 enthält der Mikrozensus erstmals Fragen
zur Inanspruchnahme und Art der Kindertagesbetreuung und
ersetzt damit die frühere Datenquelle der im Rahmen der
Kinder- und Jugendhilfestatistik durchgeführten Erhebung zu
„Kindern und tätigen Personen in Tageseinrichtungen“. Die
Ergebnisse des Mikrozensus beziehen sich auf die Bevölkerung
in Privathaushalten.
Ergebnisse
Der Mikrozensus 2017 enthält erstmals Fragen zur Inanspruch-
nahme und Art der Kindertagesbetreuung. Die Betreuungs-
quote lässt sich als Anteil der Kinder mit Kindertagesbetreuung
je 100 Kinder im Alter von unter 3 Jahren berechnen.
Aufgrund zu schwacher Besetzungszahlen bei den Kindern mit
Migrationshintergrund, insbesondere in den neuen Bundes-
ländern, erfolgte die Darstellung der Ergebnisse für die neuen
Bundesländer insgesamt (ohne Berlin) sowie auf Ebene des
Bundes (mit Berlin).
Mit 21,9 % lag die Betreuungsquote von Kindern unter 3 Jah-
ren mit Migrationshintergrund im Jahr 2017 bundesweit um
-16,2 Prozentpunkte niedriger als die der Kinder ohne Migra-
tionshintergrund (38,1 %). In den neuen Bundesländern betrug
dieser Abstand -25,4 Prozentpunkte.
In den neuen Bundesländern waren die Betreuungsquoten
sowohl von Kindern mit Migrationshintergrund als auch von
Kindern ohne Migrationshintergrund deutlich höher als in den
westdeutschen Bundesländern bzw. als im Bundesdurchschnitt.
Bei Kindern mit Migrationshintergrund lag die Betreuungsquote
in den neuen Bundesländern insgesamt bei 31,7 % gegenüber
einer Betreuungsquote von 20,3 % in den westdeutschen
Bundesländern bzw. 21,9 % bundesweit.
Die Betreuung der unter-3-Jährigen erfolgte hauptsächlich in
Kindertagesstätten (Kindergarten, Kinderkrippe). Bundesweit
wurden 2017 vier Fünftel (79,9 %) der Kinder mit Migrations-
hintergrund auf diese Art betreut; in den neuen Bundesländern
waren es 82,4 % gegenüber 88,2 % bei Kindern ohne Migra-
tionshintergrund. Eine Betreuung durch Tagesmütter oder
Tagesväter fand in Deutschland bei 11,6 % der Kinder mit
Migrationshintergrund und bei 13,3 % der Kinder ohne Migra-
tionshintergrund statt.

Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter 3 Jahren
|
45
Abbildung 19: Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter 3 Jahren im Jahr 2017 nach Migrations-
status (in %)
Abbildung 19:
Betreuungsquote von Kindern im Alter von unter
3 Jahren im Jahr 2017 nach Migrationsstatus (in %)
31,7
Neue Bundesländer
57,1
21,9
Deutschland
38,1
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

46
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C 2a Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in Kindertageseinrichtungen
Definition
Anteil der Kinder (3 bis unter 6 Jahre) in Kindertageseinrich-
tungen nach Migrationshintergrund (ausländische Herkunft
mindestens eines Elternteils) und Geschlecht an allen Kindern
dieser Altersgruppe in Kindertageseinrichtungen.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den gesamten Bildungs-
erfolg eine zentrale Bedeutung. Insbesondere wird der Ent-
wicklung der sprachlichen Fähigkeiten eine Schlüsselrolle bei
der Integration zuerkannt, da von den Sprachkenntnissen der
Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt abhängt.
Der Ausbau der frühkindlichen Betreuung in Kindertagesein-
richtungen ist daher ein wichtiges familien- und integrations-
politisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator beschreibt die Zusammensetzung der Kinder in
frühkindlicher Betreuung in Kindertageseinrichtungen nach
dem Migrationshintergrund.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kinder- und
Jugendhilfestatistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfestatistik durchge-
führte Erhebung zu „Kindern und tätigen Personen in Tages-
einrichtungen“ ist eine jährliche Totalerhebung aktuell zum
Stichtag 1. März, die seit dem Jahr 2006 mit einem erweiterten
Merkmalsumfang durchgeführt wird. Erfragt wird in diesem
Zuge für jedes Kind, ob mindestens ein Elternteil eine auslän-
dische Herkunft besitzt. Somit erfasst die Kinder- und Jugend-
hilfestatistik den Migrationshintergrund weniger umfassend
als der Mikrozensus. Zusätzlich zur ausländischen Herkunft der
Eltern bzw. eines Elternteils wird in der Erhebung „Kinder und
tätige Personen in Tageseinrichtungen“ nach der vorrangig in
der Familie gesprochenen Sprache (Deutsch – nicht-Deutsch)
gefragt. Für den Indikator C2a wird das Merkmal der auslän-
dischen Herkunft mindestens eines Elternteils verwendet. Die
Gruppe der Kinder mit mindestens einem Elternteil ausländi-
scher Herkunft ist zahlenmäßig größer als die Gruppe der
Kinder, die zu Hause vorrangig nicht Deutsch spricht. Kinder
in Kindertagespflege werden im vorliegenden Indikator nicht
berücksichtigt.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 hatten in Sachsen 9,2 % der in Kindertagesein-
richtungen betreuten Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren
einen Migrationshintergrund. In den neuen Bundesländern
betrug der Anteil 8,6 % und im Bundesdurchschnitt 30,1 %.
Die Anteile der Jungen und Mädchen mit Migrationshinter-
grund unterschieden sich kaum. In Sachsen waren 9,4 % der
Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren mit Migrationshinter-
grund männlich und 9,0 % weiblich. Deutschlandweit waren
30,2 % der Kinder männlich und 29,9 % weiblich.
Im Vergleich zum Jahr 2015 ist der Anteil der in Kindertages-
einrichtungen betreuten Kinder im Alter von 3 bis unter 6
Jahren mit Migrationshintergrund leicht gestiegen: in Sachsen
+1,8 Prozentpunkte, in den neuen Bundesländern +1,8 Prozent-
punkte und im Bundesdurchschnitt +1,2 Prozentpunkte.

Kinder im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in Kindertageseinrichtungen
|
47
Abbildung 20: Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in Kinder-
tageseinrichtungen in den Jahren 2017 und 2015 (in %)
Abbildung 20:
Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund im
Alter von 3 bis unter 6 Jahren in Kindertagesein-
richtungen in den Jahren 2017 und 2015 (in %)
9,2
Sachsen
7,4
8,6
Neue Bundesländer
6,8
30,1
Deutschland
28,9
2017
2015

48
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C 2b Betreuungsquote von Kindern im Alter von 3 bis unter 6 Jahren
Definition
Betreuungsquote von Kindern von 3 bis unter 6 Jahren mit
und ohne Migrationshintergrund in Kindertagesbetreuung.
Empirische Relevanz
Die frühkindliche Förderung hat für den gesamten Bildungs-
erfolg eine zentrale Bedeutung. Insbesondere wird der Ent-
wicklung der sprachlichen Fähigkeiten eine Schlüsselrolle bei
der Integration zuerkannt, da von den Sprachkenntnissen der
Zugang zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsmarkt abhängt.
Der Ausbau der frühkindlichen Tagesbetreuung ist daher ein
wichtiges familien- und integrationspolitisches Ziel der Länder.
Bewertung des Indikators
Der Indikator vergleicht die Betreuungsquoten von Kindern mit
und ohne Migrationshintergrund. Unter dem Gesichtspunkt
der Integration ist eine hohe Betreuungsquote von Kindern
mit Migrationshintergrund hilfreich.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Ab dem Jahr 2017 enthält der Mikrozensus erstmals Fragen
zur Inanspruchnahme und Art der Kindertagesbetreuung und
ersetzt damit die frühere Datenquelle der im Rahmen der
Kinder- und Jugendhilfestatistik durchgeführten Erhebung zu
„Kindern und tätigen Personen in Tageseinrichtungen“. Die
Ergebnisse des Mikrozensus beziehen sich auf die Bevölkerung
in Privathaushalten.
Ergebnisse
Die Betreuungsquote der Kinder im Alter von 3 bis unter 6
Jahren ergibt sich als Anteil der Kinder mit Kindertagesbe-
treuung je 100 Kinder dieser Altersgruppe.
Im Jahr 2017 betrug die Betreuungsquote von Kindern mit
Migrationshintergrund im Alter von 3 bis unter 6 Jahren in
Sachsen 82,8 %. Bei Kindern der gleichen Altersgruppe ohne
Migrationshintergrund lag die Betreuungsquote um +11,7 Pro-
zentpunkte höher.
Bundesweit wurde eine Betreuungsquote von Kindern im Alter
von 3 bis unter 6 Jahren mit Migrationshintergrund von
67,4 % registriert. Damit war die Betreuungsquote im Jahr
2017 bundesweit um -15,7 Prozentpunkte niedriger als die der
Kinder ohne Migrationshintergrund (83,1 %). Dieser Unterschied
in der Betreuungsquote zwischen Kindern mit und ohne Migra-
tionshintergrund galt flächendeckend: In allen Bundesländern
lagen die Betreuungsquoten der Kinder mit Migrationshinter-
grund unter denen der Kinder ohne Migrationshintergrund.
Der Abstand betrug bei den westdeutschen Bundesländern
-13,6 Prozentpunkte, bei den neuen Bundesländern -14,8 Pro-
zentpunkte. Gleichzeitig konnten Brandenburg (84,7 %) und
Sachsen (82,8 %) bundesweit die höchsten Betreuungsquoten
für Kinder mit Migrationshintergrund vorweisen.
Ein Blick auf die Betreuungsquote insgesamt zeigt, dass bei
Kindern im Alter von 3 bis unter 6 Jahren die Betreuungsquoten
in den neuen Bundesländern sowohl von jenen mit Migrations-
hintergrund als auch von jenen ohne Migrationshintergrund
deutlich höher lagen als in den westdeutschen Bundesländern.
Bei Kindern mit Migrationshintergrund lag die Betreuungs-
quote in den neuen Bundesländern insgesamt bei 78,6 % gegen-
über einer Betreuungsquote von 66,5 % in den westdeutschen
Bundesländern.
Die Betreuung der Kinder von 3 bis unter 6 Jahren erfolgte über-
wiegend in Kindertagesstätten (Kindergarten, Kinderkrippe).
2017 wurden bundesweit 93,9 % der Kinder mit Migrations-
hintergrund auf diese Art betreut; in den neuen Bundesländern
waren es sogar 97,4 %, gegenüber 95,9 % bei Kindern ohne
Migrationshintergrund.

Betreuungsquote von Kindern im Alter von 3 bis unter 6 Jahren
|
49
Abbildung 21: Betreuungsquote von Kindern im Alter von 3 bis unter 6 Jahren im Jahr 2017 nach Migrati-
onsstatus (in %)
Abbildung 21:
Betreuungsquote von Kindern im Alter von 3 bis
unter 6 Jahren im Jahr 2017 nach Migrationsstatus
(in %)
82,8
Sachsen
94,5
78,6
Neue Bundesländer
93,4
67,4
Deutschland
83,1
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

50
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C 3
Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache in Kindertageseinrichtungen
Definition
Anteil der Kinder (3 bis unter 6 Jahre) in Kindertageseinrich-
tungen, in deren Familie vorrangig nicht Deutsch gesprochen
wird, an allen Kindern dieser Altersgruppe in Kindertagesein-
richtungen.
Empirische Relevanz
Der Indikator zeigt an, ob in den Familien der Kinder vorwie-
gend Deutsch oder eine andere Sprache gesprochen wird. Der
frühe Erwerb deutscher Sprachkenntnisse erleichtert den In-
tegrationsprozess.
Bewertung des Indikators
Der Indikator beschreibt die Zusammensetzung der Gesamt-
gruppe der Kinder in vorschulischer Betreuung nach der in
der Familie vorrangig gesprochenen Sprache. Hohe Anteile
von Kindern, in deren Herkunftsfamilie vorrangig nicht
Deutsch gesprochen wird, geben einen Hinweis auf einen er-
höhten Förderungsbedarf. Die Inanspruchnahme im Zeitver-
gleich und das ausgewogene Verhältnis von Mädchen und
Jungen sind weitere relevante Größen.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kinder- und
Jugendhilfestatistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfestatistik durchge-
führte Erhebung zu „Kindern und tätigen Personen in Tages-
einrichtungen“ ist eine jährliche Totalerhebung aktuell zum
Stichtag 1. März, die seit dem Jahr 2006 mit einem erweiter-
ten Merkmalsumfang durchgeführt wird. Erfragt wird in die-
sem Zuge für jedes Kind, ob mindestens ein Elternteil eine
ausländische Herkunft besitzt. Somit erfasst die Kinder- und
Jugendhilfestatistik den Migrationshintergrund weniger um-
fassend als der Mikrozensus. Zusätzlich zur ausländischen
Herkunft der Eltern bzw. eines Elternteils wird in der Erhe-
bung „Kinder und tätige Personen in Tageseinrichtungen“
nach der vorrangig in der Familie gesprochenen Sprache
(Deutsch – nicht-Deutsch) gefragt. Für den Indikator C3 wird
das Merkmal vorrangig in der Familie gesprochene Sprache
verwendet. Die Gruppe der Kinder, die zu Hause vorrangig
nicht Deutsch spricht, ist kleiner als die der Kinder mit min-
destens einem Elternteil ausländischer Herkunft. Kinder in
Kindertagespflege werden im vorliegenden Indikator nicht
berücksichtigt.
Ergebnisse
In Sachsen lag der Anteil der Kinder in Kindertageseinrich-
tungen im Alter von 3 bis unter 6 Jahren, in deren Familien
vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird, im Jahr 2017 bei
6,1 %. Damit lag der sächsische Anteil leicht über den Anteilen
in den restlichen neuen Bundesländern. Im Durchschnitt
sprachen 5,5 % der in Kindertageseinrichtungen betreuten
Kinder im vorschulischen Alter in den neuen Bundesländern
nicht Deutsch. Dem gegenüber steht der deutlich höhere Wert
des Bundesdurchschnittes von 21,6 %.
Hinsichtlich des Geschlechtsunterschiedes bestand sowohl in
Sachsen als auch deutschlandweit ein leichter Überhang bei
betreuten Jungen mit nichtdeutscher Familiensprache. In
Sachsen sowie im Bundesdurchschnitt betrug die Differenz
zwischen Jungen und Mädchen +0,4 Prozentpunkte.
Im Vergleich zum Jahr 2015 ist der Anteil der Kinder in Kinder-
tageseinrichtungen im Alter von 3 bis unter 6 Jahren, in deren
Familien vorrangig nicht Deutsch gesprochen wird, deutsch-
landweit gestiegen. In Sachsen betrug der Anstieg +1,6 Prozent-
punkte. In den neuen Bundesländern sowie im Bundesdurch-
schnitt ist ein etwas höherer Anstieg mit +1,7 Prozentpunkten
bzw. +2,3 Prozentpunkten zu verzeichnen.

Kinder mit nichtdeutscher Familiensprache in Kindertageseinrichtungen
|
51
Abbildung 22: Anteil der 3- bis unter 6-Jährigen in Kindertageseinrichtungen, in deren Familie vorrangig
nicht Deutsch gesprochen wird, an allen in Tageseinrichtungen betreuten Kindern derselben Altersgrup-
pe im Jahr 2017 insgesamt und nach Geschlecht (in %)
Abbildung 22:
Anteil der 3- bis unter 6-Jährigen in Kindertages-
einrichtungen, in deren Familie vorrangig nicht
Deutsch gesprochen wird, an allen in Tagesein-
richtungen betreuten Kindern derselben Alters-
gruppe im Jahr 2017 insgesamt und nach Ge-
schlecht (in %)
6,1
Sachsen
6,3
5,9
21,6
Deutschland
21,7
21,3
Gesamt
männlich
weiblich

52
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C 5a Eintritte zum Integrationskurs
Definition
Neue Integrationskursteilnehmerinnen und -teilnehmer nach
Kursarten.
Empirische Relevanz
Die 2005 eingerichteten Integrationskurse des Bundes bestehen
aus einem Sprachkurs sowie einem Orientierungskurs, in dem
die Teilnehmenden mehr über das Leben in Deutschland er-
fahren. Die Integrationskurse werden bundesweit angeboten
und durch private und öffentliche Träger vor Ort durchgeführt.
Neben einem allgemeinen Kurs gibt es Kurse für spezielle
Zielgruppen, wie Alphabetisierungskurse, Jugendintegrations-
kurse oder Eltern- und Frauenkurse. Die Integrationskurse
werden ergänzt durch verschiedene Beratungsangebote.
Bewertung des Indikators
Gute Kenntnisse über das Alltagsleben in Deutschland und
das Erlernen der deutschen Sprache erhöhen die Chancen für
einen erfolgreichen Integrationsprozess.
Datenquelle
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Integrationskurs-
geschäftsstatistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Integrationskurse sind nicht für alle neu Zugewanderten ver-
bindlich, dadurch kann der Vergleich zwischen den Bundes-
ländern beeinflusst werden, da die Zahl der Teilnehmenden an
Integrationskursen nicht in Relation zu den Zugewanderten
gesetzt werden kann. Ausländerbehörden, Träger der Grund-
sicherung für Arbeitsuchende und Träger der Leistungen nach
dem Asylbewerberleistungsgesetz können die für ihren Auf-
gabenbereich relevanten Statusgruppen zur Kursteilnahme
verpflichten.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 wurden in Sachsen 9.060 neue Integrationskurs-
teilnehmerinnen und -teilnehmer gezählt. Im Berichtsjahr 2015
hatte die Zahl noch bei 3.437 gelegen und war im Jahr 2016
zwischenzeitlich auf 11.139 Teilnehmende angewachsen. Auf
Bundesebene belief sich die Zahl der neuen Integrationskurs-
teilnehmenden im Jahr 2017 auf 291.911. Im Jahr 2015 waren
es noch 179.398 Teilnehmende und ein Jahr später 339.578
neue Integrationskursteilnehmerinnen und -teilnehmer.
Sowohl in Sachsen als auch bundesweit besuchten die meisten
neuen Integrationskursteilnehmerinnen und -teilnehmer des
Jahres 2017 den Allgemeinen Integrationskurs. In Sachsen
betrug der Anteil 57,5 %, deutschlandweit waren es 63,0 %.
Einen hohen Anteil nahmen auch die Alphabetisierungskurse
ein. In Sachsen besuchten mehr als ein Drittel (34,0 %) aller
neuen Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer diese Kursart;
im Bundesdurchschnitt belief sich der Anteil auf 26,3 %.
Jugendintegrationskurse sowie Eltern- bzw. Frauenintegrations-
kurse wurden in Sachsen (Jugendintegrationskurse: 2,6 %, Eltern-
bzw. Frauenintegrationskurse: 1,7 %) und im Bundesschnitt
(Jugendintegrationskurse: 3,1 %, Eltern- bzw. Frauenintegra-
tionskurse: 2,7 %) zu deutlich geringeren Anteilen besucht.
Eine etwas höhere Bedeutung erlangten andere Kurse – hier-
unter fallen beispielsweise spezielle Förder- und Intensivkurse.
In Sachsen lag der Anteil der Teilnehmenden an dieser Kursart
bei 4,3 %; deutschlandweit waren es 4,8 %.
Von 2015 bis 2017 ist deutschlandweit der Anteil der Teilneh-
menden an Allgemeinen Integrationskursen zurückgegangen.
Auf Bundesebene belief sich der Rückgang auf -14,9 Prozent-
punkte. In Sachsen lag die Differenz mit -23,6 Prozentpunkten
deutlich höher. Gleichzeitig ist eine Verlagerung hin zu den
Alphabetisierungskursen ersichtlich: Von 2015 bis 2017 erhöhte
sich der Anteil der Teilnehmerinnen und -teilnehmer an den
Alphabetisierungskursen bundesweit um +14,0 Prozentpunkte
und in Sachsen um +19,4 Prozentpunkte.

Eintritte zum Integrationskurs
|
53
Abbildung 23: Neue Integrationskursteilnehmerinnen und -teilnehmer in den Jahren 2017 und 2015
Abbildung 24: Neue Integrationskursteilnehmerinnen und –teilnehmer in den Jahren 2017 und 2015 nach
Kursart (in %)
Abbildung 23:
Neue Integrationskursteilnehmerinnen und -teil-
nehmer in den Jahren 2017 und 2015
9.060
Sachsen
3.437
29.488
Neue Bundesländer
10.652
291.911
Deutschland
179.398
2017
2015
Abbildung 24:
Neue Integrationskursteilnehmerinnen und -teil-
nehmer in den Jahren 2017 und 2015 nach Kurs-
art (in %)
Sachsen 2017
Sachsen 2015
Deutschland 2017
Deutschland 2015
Deutschland 2015 Deutschland 2017 Sachsen 2015 Sachsen 2017
Allgemeiner Kurs
77,9
63,0
81,1
57,5
Alphabetisierungskurs
12,3
26,3
14,6
34,0
Jugendintegrationskurs
4,2
3,1
0,1
2,6
Eltern- bzw.
4,7
2,7
3,1
1,7
Frauenintegrationskurs
Anderer Kurs
0,9
4,8
1,2
4,3

54
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C 5b Bestandene Sprachprüfungen zum Integrationskurs
Definition
Anteil der bestandenen Sprachprüfungen Deutsch-Test für
Zuwanderer mit Zertifikat Deutsch (B1) und Zertifikat Start
Deutsch 2 (A2) zum Integrationskurs.
Empirische Relevanz
Sprachkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung für die
erfolgreiche berufliche Integration und gesellschaftliche Teil-
habe. Die Förderung der deutschen Sprachkenntnisse für Neu-
zugewanderte sowie für nicht mehr schulpflichtige Jugendliche
und Erwachsene mit Migrationshintergrund ist die Aufgabe
der 2005 eingerichteten Integrationskurse des Bundes.
Bewertung des Indikators
Der Indikator weist über den Abschluss der Sprachprüfungen
„Deutsch-Test für Zuwanderer (A2–B1)“ den Erfolgsgrad der
Integrationskurse nach. Steigt der Anteil derjenigen, die die
Sprachprüfung mit dem höchsten Abschluss B1 abschließen,
weist dies auf verbesserte Sprachkenntnisse und damit güns-
tigere Erwartungen mit Blick auf den Integrationsverlauf hin.
Die Teilnahme am Integrationskurs ist dann erfolgreich, wenn
im Sprachtest das Sprachniveau B1 des Gemeinsamen Euro-
päischen Referenzrahmens für Sprachen nachgewiesen und im
Test „Leben in Deutschland“ die für das Bestehen des Orientie-
rungskurses notwendige Punktzahl erreicht ist.
Datenquelle
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge, Integrationskurs-
geschäftsstatistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Kompetenzstufen A2 bis B1 orientieren sich am Gemein-
samen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GER). Die
Daten enthalten jeweils auch Kurswiederholer, deren Erfolgs-
quoten erfahrungsgemäß deutlich unter denen der erstmaligen
Teilnehmer liegen. Daraus ergeben sich im Gesamtergebnis der
hier dargestellten erfolgreichen Sprachprüfung B1 niedrigere
Anteile als bei entsprechenden Auswertungen des Bundes-
amtes für Migration und Flüchtlinge ohne Kurswiederholer.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 haben in Sachsen 43,6 % der Prüfungsteilneh-
merinnen und -teilnehmer die Sprachprüfung B1 erfolgreich
abgelegt und damit ausreichend Deutschkenntnisse nachge-
wiesen, um den Alltag in Deutschland bewältigen zu können.
Der Abschluss A2 wurde in Sachsen von 42,9 % der Prüflinge
erreicht. Die Erfolgsquote im Freistaat für die Prüfung B1 lag
damit leicht unter dem Bundesdurchschnitt von 48,7 %. Beim
Abschluss A2 war der Anteil der erfolgreich abgelegten Prü-
fungen in Sachsen mit einer Differenz von +2,1 Prozentpunkten
leicht höher als auf Bundesebene. In den neuen Bundesländern
waren die Erfolgsquoten für B1 und A2 mit 42,7 % und 42,8 %
nahezu gleich und auf einem ähnlichen Niveau wie die sächsi-
schen Werte.
Von 2015 bis 2017 ist der Anteil der erreichten B1-Abschlüsse
im Bund um -11,8 Prozentpunkte gesunken. In keinem Bundes-
land ist dieser Anteil gestiegen. In Sachsen betrug die Differenz
zwischen 2015 und 2017 bei den erreichten B1-Abschlüssen
-23,6 Prozentpunkte. In den neuen Bundesländern belief sich
die Differenz auf -20,2 Prozentpunkte. Demgegenüber konnten
deutschlandweit sowie in Sachen und in den neuen Bundes-
ländern insgesamt Steigerungen beim Abschluss A2 verzeichnet
werden: Bundesweit +8,9 Prozentpunkte, Sachsen +16,4 Pro-
zentpunkte und neue Bundesländer +13,8 Prozentpunkte.

Bestandene Sprachprüfungen zum Integrationskurs
|
55
Abbildung 25: Anteil der bestandenen Sprachprüfungen Deutsch-Test für Zuwanderer mit Zertifikat
Deutsch (B1) und Zertifikat Start Deutsch 2 (A2) im Jahr 2017 (in %)
Abbildung 25:
Anteil der bestandenen Sprachprüfungen Deutsch-
Test für Zuwanderer mit Zertifikat Deutsch (B1) und
Zertifikat Start Deutsch 2 (A2) im Jahr 2017 (in %)
Sachsen
43,6
42,9
13,5
Neue Bundesländer
42,7
42,8
14,5
Deutschland
48,7
40,8
10,5
B1
A2
unter A2

56
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
C 6
Im Haushalt vorwiegend gesprochene Sprache
Definition
Menschen mit Migrationshintergrund in Privathaushalten nach
vorwiegend gesprochener Sprache (deutsch, westeuropäische
Sprache, türkisch, russisch, polnisch, sonstige westeuropäische
Sprache, arabisch, sonstige Sprache).
Empirische Relevanz
Die Kennzahl zeigt die Verteilung der Bevölkerung mit Migra-
tionshintergrund nach ihrer vorwiegend gesprochenen Sprache.
Bewertung der Kennzahl
Die zuhause vorwiegend gesprochene Sprache ist kein klassi-
scher Integrationsindikator. Der Indikator bildet vielmehr die
sprachliche Vielfalt in der Gesellschaft ab. In einer vernetzten
Welt ist das Beherrschen mehrerer Sprachen eine wichtige
Ressource.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die vorwiegend gesprochene Sprache wurde erstmals im Mikro-
zensus 2017 erfragt. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Be-
völkerung mit Migrationshintergrund in Privathaushalten.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 sprachen von den rund 268.000 in Sachsen leben-
den Menschen mit Migrationshintergrund 41,1 % im Haus-
halt vorwiegend deutsch. Damit lag Sachsen – ebenso wie die
anderen neuen Bundesländer – deutlich unter dem Bundes-
durchschnitt von 51,5 %.
Insgesamt stellten Menschen mit Migrationshintergrund, bei
denen im Haushalt vorwiegend deutsch gesprochen wird, den
höchsten Anteil sowohl in Sachsen als auch deutschlandweit.
Anders als auf Bundesebene wies Sachsen relativ hohe Anteile
von Menschen mit Migrationshintergrund auf, die vorwiegend
russisch (13,1 %), arabisch (12,3 %) oder eine sonstige Sprache
(15,8 %) gesprochen haben. Auf Bundesebene nahmen im Ver-
gleich zu den sächsischen Ergebnissen russisch und arabisch als
vorwiegend gesprochene Sprache mit 7,0 % und 4,4 % einen
deutlich geringeren Stellenwert ein. Demgegenüber sprachen
8,1 % der Menschen mit Migrationshintergrund im Bundes-
durchschnitt im Haushalt vorwiegend türkisch. In Sachsen
lagen die Fallzahlen für türkisch als vorwiegend gesprochene
Sprache im nichtmessbaren Bereich.
Abbildung 26:
Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Privat-
haushalten im Jahr 2017 nach vorwiegend ge-
sprochener Sprache (in %)
27
Sachsen
Deutschland
Deutschland
Sachsen
deutsch
51,5
41,1
westeuropäische Sprache
5,5
4,8
polnisch
3,9
3,1
russisch
7,0
13,1
türkisch
8,1
0,0
sonstige europäische Sprache
10,5
9,5
arabisch
4,4
12,3
sonstige Sprache
9,0
15,8
Abbildung 26: Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Privathaushalten im Jahr 2017 nach vorwiegend
gesprochener Sprache (in %)
27
27
Erläuterung: Unter „westeuropäische Sprachen“
wurden englisch, französisch, italienisch und
spanisch gefasst. Bei den sächsischen Werten
zur polnischen Sprache handelt es sich um
hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und
unter 10.000. Die Aussagekraft ist folglich ein-
geschränkt. Bei den sächsischen Werten zur
türkischen Sprache waren keine Angaben mög-
lich, da die hochgerechneten Fallzahlen unter
5.000 lagen.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
57
D Bildung
D 1
Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse nach Schulformen
Definition
Anteil ausländischer und deutscher Schülerinnen und Schüler
in der 8. Klasse nach Schulformen an allen Schülerinnen und
Schülern der 8. Klassenstufe.
Empirische Relevanz
Der Indikator gibt einen Zwischenstand im Bildungsverlauf zu
einem Zeitpunkt vor dem Schulabschluss und bei voller Diffe-
renzierung der Bildungswege wieder.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator für die strukturelle Integration und die
Chancengleichheit im Bildungssystem. Die Über- bzw. Unter-
repräsentation von ausländischen Schülerinnen und Schülern
in den verschiedenen Schulformen zeigt an, ob ausländische
Schülerinnen und Schüler vergleichbare Bildungschancen haben
wie deutsche Schülerinnen und Schüler.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Schulstatistik
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Eine methodische Schwierigkeit besteht in der Untergliederung
der einzelnen, länderspezifischen Schulsysteme in Schultypen.
Die Waldorfschulen sind dem Typus „Gesamtschule“ zugeordnet.
Die Schulstatistik soll gemäß einer Entscheidung der Kultus-
ministerkonferenz (KMK) eine länderübergreifend einheitliche
Definition des Migrationshintergrundes verwenden, die die drei
Merkmale Staatsangehörigkeit, überwiegend in der Familie
gesprochene Verkehrssprache und Geburtsland einbezieht.
Migrationsmerkmale der Eltern sollen nicht in die Ableitung
des Merkmals eingehen. Da der Kerndatensatz bis zum Jahr
2017 noch nicht in allen Ländern umgesetzt war, wird auf
eine Ausweisung nach Migrationshintergrund verzichtet.
Ergebnisse
Die maßgeblichen Schultypen waren in Sachsen Gymnasien
und Verbundene Haupt- und Realschulen. Obwohl beide Schul-
typen sowohl von deutschen als auch von ausländischen
Schülerinnen und Schülern besucht wurden, gab es einen deut-
lichen Unterschied mit Blick auf die ausländischen Schülerinnen
und Schüler. Diese waren mit 67,8 % im Vergleich zu deut-
schen Schülerinnen und Schülern (58,3 %) in der Verbundenen
Haupt- und Realschule überrepräsentiert. Im Vergleich zum
Schuljahr 2015/2016 ist der Anteil ausländischer Schülerinnen
und Schüler an verbundenen Haupt- und Realschulen um
+8,9 Prozentpunkte gestiegen. Der Anteil deutscher Schüle-
rinnen und Schüler an dieser Schulform ist hingegen nahezu
gleich geblieben (Differenz: -0,3 Prozentpunkte).
Demgegenüber waren ausländische Schülerinnen und Schüler
der 8. Klassenstufe im Schuljahr 2017/2018 an den Gymnasien
deutlich unterrepräsentiert. Dabei gehörte Sachsen zu den
Bundesländern, bei denen die Unterschiede zwischen deutschen
und ausländischen Schülerinnen und Schülern am geringsten
ausfielen (ausländisch Schülerinnen und Schüler: 31,8 %;
deutsche Schülerinnen und Schüler: 41,2 %). Gleichzeitig ist
eine deutliche Verschiebung im Vergleich zum Schuljahr
2015/2016 ersichtlich: Der Anteil ausländischer Schülerinnen
und Schüler an Gymnasien ist um -8,9 Prozentpunkte zurück-
gegangen.

58
|
Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse nach Schulformen
Abbildung 27: Ausländische und deutsche Schülerinnen und Schüler in der 8. Klasse nach Schulformen
im Schuljahr 2017/2018 (in %)
Abbildung 27:
Ausländische und deutsche Schülerinnen und
Schüler in der 8. Klasse nach Schulformen im
Schuljahr 2017/2018 (in %)
0,4
Ausländische Schülerinnen
67,8
31,8
und Schüler in Sachsen
0,5
Deutsche Schülerinnen
58,3
41,2
und Schüler in Sachsen
Verbundene H/R
Gymnasium
Gesamtschule

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
59
D 2a Schülerkompetenzen (Regelstandards)
Definition
Anteile der Schülerinnen und Schüler der 4. und der 9. Jahr-
gangstufe, die den jeweiligen Regelstandard in den Fächern
Mathematik bzw. Deutsch-Lesen erreichen oder übertreffen,
an allen Schülerinnen und Schülern der entsprechenden Jahr-
gangsstufe nach Migrationshintergrund.
Empirische Relevanz
Die verbindlichen Bildungsstandards der Kultusministerkon-
ferenz der Länder beschreiben, welche Kompetenzen Schüle-
rinnen und Schüler bis zu bestimmten Zeitpunkten in ihrer
Bildungslaufbahn, u. a. in den Fächern Deutsch und Mathe-
matik, entwickelt haben sollen. Regelstandards beziehen sich
auf Kompetenzen, die im Durchschnitt erreicht werden sollen.
Mit dem Indikator werden zentrale Kompetenzen von Schüle-
rinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund
verglichen. Zur Bestimmung des Migrationshintergrunds wird
erfasst, ob ein oder beide Elternteile im Ausland geboren sind.
Bewertung der Kennzahl
Indikator für die strukturelle Integration und Chancengleichheit
im Bildungssystem. Der schulische Kompetenzerwerb ist eine
entscheidende Voraussetzung für die weitere Bildungslauf-
bahn und für die gesellschaftliche Teilhabe.
Datenquelle
Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, IQB-Bil-
dungstrend (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Erfassung der Schülerkompetenzen erfolgt mittels Zufalls-
stichproben. Die Teilnahme an den Tests ist an öffentlichen
Schulen verbindlich. Demgegenüber bestand nur in einigen
Ländern eine Teilnahmepflicht an den Zusatzfragebögen zur
Feststellung des Migrationshintergrunds. Bei einem zu hohen
Anteil fehlender Angaben werden die Ergebnisse unter Vorbe-
halt berichtet. Dies betrifft 2015 die Länder Berlin, Hamburg
und das Saarland, 2016 Hamburg und das Saarland. Darüber
hinaus werden Ergebnisse, die auf Daten von weniger als 100
Schülerinnen und Schülern beruhen, nicht berichtet. Für neu
zugewanderte Schülerinnen und Schüler mit einer nichtdeut-
schen Herkunftssprache bestand keine Teilnahmepflicht, wenn
sie weniger als ein Jahr in deutscher Sprache unterrichtet
wurden und nicht in der Lage waren, Deutsch zu lesen oder
zu sprechen. Neuzuwanderung schlägt sich daher nur zeit-
verzögert nieder.
Ergebnisse
Für die 4. Jahrgangsstufe werden die Leistungen in Mathematik
und Deutsch (Lesen) betrachtet. Die jüngsten Daten liegen für
das Berichtsjahr 2016 vor. Für die neuen Bundesländer liegen
hier ausreichende Fallzahlen für 2016 vor, jedoch nicht für
das Vergleichsjahr 2011.
Im Fach Mathematik erreichten im Jahr 2016 deutschland-
weit insgesamt 62,2 % der Schülerinnen und Schüler die Regel-
standards: 69,5 % der Kinder ohne Migrationshintergrund und
52,8 % der Kinder mit Migrationshintergrund. In Sachsen lag
der Anteil der Kinder, die die Regelstandards in Mathematik
erreicht haben, mit insgesamt 72,7 % deutlich über dem
Bundesdurchschnitt. Gleichzeitig war aber auch in Sachsen
der Anteil bei Kindern ohne Migrationshintergrund (75,8 %)
höher als bei Kindern mit Migrationshintergrund (58,6 %).
Im Fach Deutsch (Lesen) erreichten im Jahr 2016 deutschland-
weit 65,5 % der Schülerinnen und Schüler die Regelstandards:
73,4 % der Kinder ohne Migrationshintergrund und 54,8 %
der Kinder mit Migrationshintergrund. Sachsen zählte zu den
Bundesländern, die im bundeweiten Vergleich Höchstwerte bei
den Kindern mit Migrationshintergrund erzielten: Insgesamt
erreichten 64,4 % der Kinder mit Migrationshintergrund in
Sachsen die Regelstandards im Fach Deutsch. Bei Kindern
ohne Migrationshintergrund waren es 76,2 %.

60
|
Schülerkompetenzen (Regelstandards)
Abbildung 28: Anteil der Schülerinnen und Schüler der 4. Jahrgangsstufe, die den Regelstandard in
Deutsch (Lesen) bzw. Mathematik erreichen oder übertreffen, im Jahr 2016 insgesamt und nach Migrati-
onsstatus (in %)
Für die 9. Jahrgangsstufe wurden die Leistungen im Fach
Deutsch (Lesen) betrachtet. Die jüngsten Daten liegen für das
Berichtsjahr 2015 vor. Deutschlandweit erreichten hier insge-
samt 49,6 % aller Jugendlichen die Regelstandards: 57,2 %
der Kinder ohne Migrationshintergrund und 36,7 % der Kin-
der mit Migrationshintergrund. Im Vergleich mit den anderen
Bundesländern erreichte Sachsen mit 56,9 % den Höchstwert
bei Kindern mit Migrationshintergrund. Gleichzeitig wies
Sachsen mit +3,5 Prozentpunkten den geringsten Unterschied
zwischen Kindern ohne Migrationshintergrund und Kindern
mit Migrationshintergrund auf.
Gegenüber dem Vergleichsjahr 2009 gibt es für Sachsen auf-
grund zu geringer Fallzahlen keine Vergleichsmöglichkeit.
Abbildung 28:
Anteil der Schülerinnen und Schüler der 4. Jahr-
gangsstufe, die den Regelstandard in Deutsch (Le-
sen) bzw. Mathematik erreichen oder übertreffen,
im Jahr 2016 insgesamt und nach Migrationsstatus
(in %)
72,7
Sachsen
58,6
(Fach: Mathematik)
75,8
73,9
Sachsen
64,4
(Fach: Deutsch)
76,2
62,2
Deutschland
52,8
(Fach: Mathematik)
69,5
65,5
Deutschland
54,8
(Fach: Deutsch)
73,4
Gesamt
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
61
D 2b Schülerkompetenzen (Mindeststandards)
Definition
Anteile der Schülerinnen und Schüler der 4. und der 9. Jahr-
gangstufe, die den jeweiligen Mindeststandard in den Fä-
chern Mathematik bzw. Deutsch-Lesen nicht erreichen, an
allen Schülerinnen und Schülern der entsprechenden Jahr-
gangsstufe nach Migrationshintergrund.
Empirische Relevanz
Die verbindlichen Bildungsstandards der Kultusministerkon-
ferenz der Länder beschreiben, welche Kompetenzen Schüle-
rinnen und Schüler bis zu bestimmten Zeitpunkten in ihrer
Bildungslaufbahn, u. a. in den Fächern Deutsch und Mathe-
matik, entwickelt haben sollen. Mindeststandards legen ein
Minimum an Kompetenzen fest, das alle Schülerinnen und
Schüler erreicht haben sollen. Mit dem Indikator werden zen-
trale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern mit und
ohne Migrationshintergrund verglichen. Zur Bestimmung des
Migrationshintergrunds wird erfasst, ob ein oder beide Eltern-
teile im Ausland geboren sind.
Bewertung der Kennzahl
Indikator für die strukturelle Integration und Chancengleichheit
im Bildungssystem. Der schulische Kompetenzerwerb ist eine
entscheidende Voraussetzung für die weitere Bildungslaufbahn
und für die gesellschaftliche Teilhabe.
Datenquelle
Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, IQB-Bil-
dungstrend (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Erfassung der Schülerkompetenzen erfolgt mittels Zufalls-
stichproben. Die Teilnahme an den Tests ist an öffentlichen
Schulen verbindlich. Demgegenüber bestand nur in einigen
Ländern eine Teilnahmepflicht an den Zusatzfragebögen zur
Feststellung des Migrationshintergrunds. Bei einem zu hohen
Anteil fehlender Angaben werden die Ergebnisse unter Vorbe-
halt berichtet. Dies betrifft 2015 die Länder Berlin, Hamburg
und das Saarland, 2016 Hamburg und das Saarland. Darüber
hinaus werden Ergebnisse, die auf Daten von weniger als 100
Schülerinnen und Schülern beruhen, nicht berichtet. Für neu
zugewanderte Schülerinnen und Schüler mit einer nichtdeut-
schen Herkunftssprache bestand keine Teilnahmepflicht, wenn
sie weniger als ein Jahr in deutscher Sprache unterrichtet
wurden und nicht in der Lage waren, Deutsch zu lesen oder
zu sprechen. Neuzuwanderung schlägt sich daher nur zeit-
verzögert nieder.
Ergebnisse
Für die 4. Jahrgangsstufe werden die Leistungen in Mathematik
und Deutsch (Lesen) betrachtet. Die jüngsten Daten liegen für
das Berichtsjahr 2016 vor. Für die neuen Bundesländer liegen
hier ausreichende Fallzahlen für 2016 vor, jedoch nicht für
das Vergleichsjahr 2011.
Im Fach Mathematik verfehlten im Jahr 2016 deutschlandweit
15,4 % der Schülerinnen und Schüler die Mindeststandards:
10,7 % der Kinder ohne Migrationshintergrund und 21,4 %
der Kinder mit Migrationshintergrund. In Sachsen lag der Anteil
der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards verfehlt
haben, mit insgesamt 8,8 % deutlich unter dem Bundes-
durchschnitt. Ebenso wie auf Bundesebene war jedoch der
Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund, die in Sachsen
die Mindeststandards nicht erreicht haben, mit 15,0 % mehr
als doppelt so hoch als der Anteil der Kinder ohne Migrations-
hintergrund (7,3 %).
Im Fach Deutsch (Lesen) verfehlten im Jahr 2016 deutschland-
weit 12,5 % der Schülerinnen und Schüler die Mindeststandards,
und zwar 7,9 % der Kinder ohne Migrationshintergrund und
18,3 % der Kinder mit Migrationshintergrund. Wie im Fach
Mathematik lagen auch im Fach Deutsch (Lesen) die Anteile
der Schülerinnen und Schüler, die die Mindeststandards ver-
fehlten, in Sachsen mit insgesamt 7,2 % deutlich unter dem
Bundesdurchschnitt. Jedoch war auch im Fach Deutsch (Lesen)
der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshinter-
grund mit 12,8 % mehr als doppelt so hoch als bei den Schü-
lerinnen und Schülern ohne Migrationshintergrund (5,9 %).
Gleichzeitig erreichte Sachsen (neben Bayern) bei Kindern mit
Migrationshintergrund im Vergleich mit den anderen Bundes-
ländern die geringsten Werte.

62
|
Schülerkompetenzen (Mindeststandards)
Abbildung 29: Anteil der Schülerinnen und Schüler der 4. Jahrgangsstufe, die den Mindeststandard in
Deutsch (Lesen) bzw. Mathematik verfehlen, im Jahr 2016 insgesamt und nach Migrationsstatus (in %)
Für die 9. Jahrgangsstufe werden die Leistungen im Fach
Deutsch (Lesen) betrachtet. Die jüngsten Daten liegen für das
Berichtsjahr 2015 vor. Deutschlandweit verfehlten hier 21,8 %
aller Jugendlichen die Mindeststandards: 15,2 % der Kinder
ohne Migrationshintergrund und 32,8 % derjenigen mit Mig-
rationshintergrund. In Sachsen verfehlten 10,9 % der Schüle-
rinnen und Schüler die Mindeststandards. Ebenso wie auf
Bundesebene war der Anteil der Jugendlichen mit Migrations-
hintergrund zwar höher, als derjenigen ohne Migrationshinter-
grund, die Differenz war jedoch geringer: 11,0 % ohne Migra-
tionshintergrund und 16,6 % mit Migrationshintergrund. Damit
erreichte Sachsen bei den Kindern mit Migrationshintergrund im
Vergleich mit den anderen Bundesländern den geringsten Wert.
Gegenüber dem Vergleichsjahr 2009 gibt es für Sachsen für
die 9. Jahrgangsstufe aufgrund zu geringer Fallzahlen keine
Vergleichsmöglichkeit.
Abbildung 29:
Anteil der Schülerinnen und Schüler der 4. Jahr-
gangsstufe, die den Mindeststandard in Deutsch
(Lesen) bzw. Mathematik verfehlen, im Jahr 2016
insgesamt und nach Migrationsstatus (in %)
8,8
Sachsen
15,0
(Fach: Mathematik)
7,3
7,2
Sachsen
12,8
(Fach: Deutsch)
5,9
15,4
Deutschland
21,4
(Fach: Mathematik)
10,7
12,5
Deutschland
18,3
(Fach: Deutsch)
7,9
Gesamt
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
63
D 3
Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach erreichten Abschlüssen
Definition
Anteil ausländischer/deutscher Schulabgängerinnen und -ab-
gänger nach Schulabschluss an allen Schulabgängerinnen und
-abgängern eines Jahrgangs an allgemeinbildenden Schulen.
Empirische Relevanz
Der Indikator misst die erreichten Schulabschlüsse bei den
Schülerinnen und Schülern eines Jahrgangs. Die Über- bzw.
Unterrepräsentation von ausländischen Schülerinnen und
Schülern ist ein wichtiger Integrationsindikator.
Bewertung des Indikators
Zentraler Indikator für die strukturelle Integration und Chancen-
gleichheit im Bildungssystem. Der erreichte Schulabschluss ist
die Grundlage, auf der die weitere Teilhabe im Ausbildungs-
system und auf dem Arbeitsmarkt aufbauen kann. Wird kein
Schulabschluss erworben, sind die Integrationschancen gering.
Je höher der erreichte Schulabschluss ist, desto besser sind auch
die weiteren strukturellen Integrationschancen. Ergänzend sei
darauf hingewiesen, dass dieser Indikator auf die Schulab-
schlüsse an den allgemeinbildenden Schulen beschränkt ist.
Darüber hinaus werden in den einzelnen Ländern in unter-
schiedlichem Umfang Bildungsabschlüsse nicht nur an allge-
meinbildenden Schulen, sondern auch an beruflichen Schulen
erlangt.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Schulstatistik
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Siehe die Anmerkungen zu D1. Die Dauer des Bildungsganges
und demografische Veränderungen müssen in die Betrachtung
eingehen. Die relative Anteilsbildung eines Jahrgangs an all-
gemeinbildenden Schulen kann durch unterschiedliche Alters-
gruppen innerhalb einer Schulstufe und durch die Zuzüge Un-
schärfen beinhalten. Eine methodische Schwierigkeit besteht
in der Untergliederung der einzelnen, länderspezifischen Schul-
systeme in Schultypen.
Ergebnisse
Ausländische Schülerinnen und Schüler gingen im Jahr 2017
zu einem deutlich höheren Anteil ohne Abschluss (nur mit
einem Abgangszeugnis) von der allgemeinbildenden Schule ab
als deutsche. Bundesweit betrug der Anteil der Abgängerin-
nen und Abgänger ohne Abschluss bei ausländischen Schüle-
rinnen und Schülern 19,0 %. Bei deutschen Schülerinnen und
Schülern waren es hingegen nur 5,3 %. Die Werte für den
Freistaat waren ähnlich, wobei der Anteil deutscher Schüle-
rinnen und Schüler, die ohne Abschluss die Schule verlassen
haben, etwas über dem Bundesdurchschnitt lag. Der Anteil
ausländischer Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss be-
trug in Sachsen 19,0 % und der Anteil deutscher Schülerinnen
und Schüler 7,7 %.
Sowohl bei den deutschen als auch bei den ausländischen
Schülerinnen und Schülern war der Anteil männlicher Schul-
abgänger ohne Abschluss höher als der Anteil weiblicher Schul-
abgängerinnen. Auf Bundesebene betrug die Differenz zwischen
ausländischen Schulabgängern und Schulabgängerinnen ohne
Schulabschluss +8,7 Prozentpunkte, bei deutschen Schulab-
gängern +2,1 Prozentpunkte. In Sachsen war der Unterschied
zwischen ausländischen Schulabgängern und Schulabgängerin-
nen sowie deutschen Schulabgängern und Schulabgängerinnen
mit +9,1 Prozentpunkten bzw. +2,9 Prozentpunkten ähnlich.
Von 2015 bis 2017 ist die Anzahl der Schulabgängerinnen und
-abgänger deutschlandweit insgesamt von rund 827.700 auf
815.600 gesunken (Ausländerinnen und Ausländer: von rund
75.300 auf 71.200, Deutsche: von rund 752.400 auf 744.300).
Gleichzeitig ist der Anteil der Abgängerinnen und Abgänger
ohne Abschlusszeugnis von 2015 bis 2017 bei ausländischen
Schülerinnen und Schülern deutlich angestiegen: In Sachsen
+3,5 Prozentpunkte und deutschlandweit um +6,8 Prozent-
punkte. Bei deutschen Schülerinnen und Schülern hat sich der
Wert hingegen kaum verändert (Sachsen: -0,4 Prozentpunkte;
deutschlandweit: +0,2 Prozentpunkte).

64
|
Schulabgängerinnen und Schulabgänger nach erreichten Abschlüssen
Abbildung 30: Anteil ausländischer und deutscher Schulabgängerinnen und Schulabgänger der allge-
meinbildenden Schulen im Abgangsjahr 2017 an allen Schulabsolventinnen und -absolventen mit auslän-
discher/deutscher Staatsangehörigkeit nach Abschlussarten (für Sachsen; in %)
Die Allgemeine Hochschulreife erreichten 2017 bundesweit
17,6 % der ausländischen Absolventinnen und Absolventen.
Bei den deutschen Absolventinnen und Absolventen gingen
36,4 % mit der Allgemeinen Hochschulreife von der allgemein-
bildenden Schule ab. Mit Blick auf die ausländischen Schüle-
rinnen und Schüler lag Sachsen deutlich über dem Bundes-
durchschnitt: 27,7 % der ausländischen Schülerinnen und
Schüler verließen in Sachsen die Schule mit der Allgemeinen
Hochschulreife. Bei den deutschen Schulabgängerinnen und
-abgängern betrug der Anteil 33,4 %.
Sowohl bundesweit als auch in Sachsen war der Anteil der
ausländischen Schulabgängerinnen, die die Allgemeine Hoch-
schulreife erreichten, deutlich höher als der Anteil der aus-
ländischen Schulabgänger (Sachsen: +5,8 Prozentpunkte;
Deutschland: +7,8 Prozentpunkte). Gleichwohl war der Unter-
schied zwischen den Geschlechtern auch bei den deutschen
Schulabgängerinnen und Schulabgängern ersichtlich (Sachsen:
+8,2 Prozentpunkte; Deutschland: +8,3 Prozentpunkte).
Im Vergleich zur Vorperiode 2015 ist bundesweit der Anteil der
Abiturientinnen und Abiturienten bei ausländischen Schülerin-
nen und Schülern um +2,2 Prozentpunkte angestiegen, wäh-
rend er bei den deutschen Schülerinnen und Schülern kaum
zunahm (+0,3 Prozentpunkte). Eine ähnliche Veränderung gab
es auch in Sachsen: Der Anteil der ausländischen Schülerinnen
und Schüler, die die Allgemeine Hochschulreife erreicht haben,
ist im Vergleich zum Jahr 2015 um +1,7 Prozentpunkte ge-
stiegen. Bei den deutschen Schülerinnen und Schülern betrug
die Differenz zur Vorperiode +0,7 Prozentpunkte.
Abbildung 30:
Anteil ausländischer und deutscher Schulabgänge-
rinnen und Schulabgänger der allgemeinbildenden
Schulen im Abgangsjahr 2017 an allen Schulab-
solventinnen und -absolventen mit ausländischer/
deutscher Staatsangehörigkeit nach Abschlussarten
(für Sachsen; in %)
27,7
Allgemeine Hochschulreife
33,4
42,3
Realschulabschluss
50,6
11,1
Hauptschulabschluss
8,3
19,0
ohne Hauptschulabschluss
7,7
Ausländerinnen und Ausländer
Deutsche

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
65
D 4
Höchster allgemeinbildender Schulabschluss
Definition
Höchster erreichter allgemeinbildender Abschluss (ohne Ab-
schluss, Hauptschulabschluss, Realschulabschluss, Fachhoch-
schulreife, Hochschulreife) von Personen in Privathaushalten
mit und ohne Migrationshintergrund im Alter von 18 bis unter
25 Jahren bzw. 18 bis unter 65 Jahren
Empirische Relevanz
Hier wird die Bildungsstruktur der Bevölkerung mit und ohne
Migrationshintergrund wiedergegeben, unabhängig davon, ob
ein Abschluss in Deutschland oder im Ausland erworben wurde.
Bildung ist ein zentraler Indikator für die beruflichen Ausbil-
dungschancen, den Zugang zum Arbeitsmarkt und auch die
gesellschaftliche Teilhabe. Die Bildungsstruktur der Bevölkerung
insgesamt ändert sich nur sehr langsam, da die Zahl der Bil-
dungsabschlüsse und die Zahl der Zuwanderinnen und Zu-
wanderer pro Jahr, gemessen an der Bevölkerung mit Migra-
tionshintergrund, insgesamt gering ist. Die Betrachtung der
jüngeren Altersgruppe gibt Hinweise darauf, wie sich die Bil-
dungsstruktur künftig entwickeln wird. Die Angleichung der
Bildungsstruktur der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
an diejenige ohne Migrationshintergrund kann als Vorausset-
zung für die Angleichung der Beschäftigungsstruktur beider
Gruppen angesehen werden.
Bewertung des Indikators
Zentraler Indikator für die strukturelle Integration und Chancen-
gleichheit im Bildungssystem.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 hatten in Sachsen Menschen mit Migrations-
hintergrund im Alter von 18 bis unter 65 Jahren häufiger keinen
allgemeinbildenden Abschluss (8,0 %) als die Bevölkerung
ohne Migrationshintergrund (0,8 %). Im Bundesdurchschnitt
waren die Werte leicht höher (Menschen mit Migrationshinter-
grund: 9,9 %, Menschen ohne Migrationshintergrund: 1,3 %).
Hervorzuheben ist, dass im Bundesdurchschnitt Deutsche mit
Migrationshintergrund seltener ohne allgemeinbildenden Ab-
schluss (4,6 %) waren als die ausländische Bevölkerung (13,5 %).
Auch die in Deutschland Geborenen blieben zu einem kleineren
Teil (4,6 %) ohne allgemeinbildenden Abschluss als im Aus-
land Geborene (10,7 %). Für Sachsen ist diese Feststellung
ebenfalls zutreffend, wobei die Zahlen für Deutsche mit Migra-
tionshintergrund und in Deutschland Geborene ohne allgemein-
bildenden Abschluss im nichtmessbaren Bereich lagen.
Über einen Hauptschulabschluss verfügten in Sachsen häufiger
Personen mit Migrationshintergrund (15,4 %) als Personen
ohne Migrationshintergrund (11,0 %). Das galt auch für den
Bundesdurchschnitt, wobei die Werte sowohl für Menschen mit
Migrationshintergrund (29,3 %) als auch für Menschen ohne
Migrationshintergrund (23,9 %) deutlich über den sächsischen
Werten lagen.
Mehr als die Hälfte (55,7 %) der sächsischen Bevölkerung im
Alter zwischen 18 und unter 65 Jahren verfügte über einen
Realschulabschluss. Im Bundesdurchschnitt war es ein Drittel
(32,9 %) der Bevölkerung. Sowohl auf Bundesebene (36,0 %)
als auch in Sachsen (58,3 %) hatten vor allem Menschen ohne
Migrationshintergrund einen Realschulabschluss. Menschen
mit Migrationshintergrund waren hingegen deutlich unterre-
präsentiert (Bund: 22,7 %, Sachsen: 23,9 %).
Bei der Hochschulreife, als höchstem allgemeinbildenden Schul-
abschluss, war in Sachsen hingegen der Wert bei der Bevölke-
rung mit Migrationshintergrund (46,6 %) deutlich höher als
bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (25,2 %). Dass
Menschen mit Migrationshintergrund einen zum Teil deutlich
höheren Anteil mit Hochschulreife aufweisen als die ohne,
gilt insbesondere auch für die restlichen neuen Bundesländer.

66
|
Höchster allgemeinbildender Schulabschluss
Abbildung 31: Bevölkerung im Alter von 18 bis unter 65 Jahren im Jahr 2017 nach Migrationsstatus und
höchstem allgemeinbildenden Schulabschluss (in %)
30
Im Bundesdurchschnitt war der Anteil der Menschen mit Mi-
grationshintergrund (30,8 %) ebenfalls höher als bei der Be-
völkerung ohne Migrationshintergrund (29,1 %), allerdings war
die Differenz zwischen beiden Gruppen geringer.
Die ausländische Bevölkerung hatte die Hochschulreife häufiger
erlangt (Bund: 32,5 %; Sachsen: 50,6 %) als Deutsche mit
Migrationshintergrund (Bund: 28,2 %; Sachsen: 34,3 %). Auch
die im Ausland Geborenen besaßen häufiger die Hochschul-
reife (Bund: 31,3 %; Sachsen: 46,1 %) als die in Deutschland
Geborenen (Bund: 27,2 %, Sachsen: nicht messbar).
Zwischen 2015 und 2017 war der Anteil der Personen mit
Hochschulreife im Bundesgebiet bei der Bevölkerung ohne
Migrationshintergrund (+1,5 Prozentpunkte) ebenso gestiegen
wie bei Personen mit Migrationshintergrund (+2,7 Prozent-
punkte). Bei Letzteren war in allen Bundesländern ein Anstieg
zu verzeichnen. In Sachsen betrug die Differenz bei Menschen
mit Migrationshintergrund +1,0 Prozentpunkte.
Bei Frauen mit Migrationshintergrund zeigte sich im Bundes-
durchschnitt eine günstigere Bildungsstruktur als bei Männern.
Frauen waren bundesweit zwar im Jahr 2017 etwas häufiger
ohne allgemeinbildenden Abschluss (10,4 %) als Männer (9,4 %),
hatten im Gegenzug aber häufiger die Hochschulreife erlangt
(32,8 %) als Männer (28,9 %). In Sachsen waren weniger
Frauen (7,2 %)
28
als Männer (8,5 %)
29
ohne allgemeinbildenden
Abschluss. Bei der Hochschulreife als höchsten allgemeinbil-
denden Abschluss war die Differenz zwischen Männern (46,1 %)
und Frauen (47,2 %) geringer als auf Bundesebene.
28
Es handelt sich um hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter
10.000. Die Aussagekraft ist folglich eingeschränkt.
29
Es handelt sich um hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter
10.000. Die Aussagekraft ist folglich eingeschränkt.
Abbildung 31:
Bevölkerung im Alter von 18 bis unter 65 Jahren
im Jahr 2017 nach Migrationsstatus und höchstem
allgemeinbildenden Schulabschluss (in %)
30
Sachsen
(Menschen mit
8,0
15,4
23,9
6,2
46,6
Migrationshintergrund)
0,8
Sachsen
(Menschen ohne
11,0
58,3
4,7
25,2
Migrationshintergrund)
Deutschland
(Menschen mit
9,9
29,3
22,7
7,3
30,8
Migrationshintergrund)
1,3
Deutschland
(Menschen ohne
23,9
36,0
9,7
29,1
Migrationshintergrund)
Ohne Abschluss
Hauptschulabschluss
Realschulabschluss
Fachhochschulreife
Hochschulreife
30
Ab 2015 wird die Bevölkerung in Privathaus-
halten berücksichtigt. Nicht erfasst sind Per-
sonen innerhalb der Altersgruppe, die gegen-
wärtig eine allgemeinbildende Schule besuchen.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
67
D 5
Übergangsstatuts nach der allgemeinbildenden Schule
Definition
Bevölkerung in Privathaushalten ohne und mit Migrations-
hintergrund im Alter von 18 bis unter 25 Jahren nach Über-
gangsstatus nach der allgemeinbildenden Schule (noch in einer
allgemeinbildenden Schule, in beruflicher Schule, in (Fach-)
Hochschule, in Erwerbstätigkeit, ohne Erwerbstätigkeit)
Empirische Relevanz
Die Kennzahl zeigt die unterschiedlichen Bildungsverläufe der
Bevölkerung mit und ohne Migrationshintergrund sowie die
Teilhabe in Erwerbstätigkeit.
Bewertung des Indikators
Gleiche Bildungschancen an der schulischen, beruflichen und
universitären Berufsausbildung erhöhen die Chancen auf dem
Arbeitsmarkt und sind somit ein wichtiges Integrationsziel.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 waren bundesweit 57,7 % der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund im Alter von 18 bis unter 25 Jahren
noch im Bildungssystem, gegenüber 63,4 % der Bevölkerung
ohne Migrationshintergrund. Im Vergleich zur Bevölkerung
ohne Migrationshintergrund (8,7 %) befand sich bei der Be-
völkerung mit Migrationshintergrund ein etwas höherer Anteil
noch in einer allgemeinbildenden Schule (11,2 %). Umgekehrt
lagen die Anteile bei Besuch einer beruflichen Schule (24,8 %)
bzw. einer (Fach-)Hochschule (21,7 %) bei Personen mit Migra-
tionshintergrund um -2,9 bzw. -5,3 Prozentpunkte unter denen
der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.
Etwa ein Viertel (24,6 %) der jüngeren Bevölkerung mit Migra-
tionshintergrund befand sich deutschlandweit nach Abschluss
des Bildungssystems in einer Erwerbstätigkeit. Der Anteil der
Menschen ohne Migrationshintergrund fiel hier mit 30,3 %
um +5,7 Prozentpunkte deutlich höher aus. Folglich lag der
Anteil der Nichterwerbstätigen mit Migrationshintergrund
mit 17,8 % erheblich über dem derjenigen ohne Migrations-
hintergrund (6,4 %). Im Vergleich mit den anderen Bundes-
ländern waren die Anteile bei Personen mit Migrationshinter-
grund – soweit auswertbar – in den neuen Bundesländern
überdurchschnittlich. In Sachsen lag der Anteil bei 29,5 %.
Zwischen 2015 und 2017 stieg bei der jüngeren Bevölkerung
mit Migrationshintergrund der Anteil derer, die weder im Bil-
dungssystem noch in Erwerbstätigkeit waren um +3,2 Prozent-
punkte, während er bei Personen ohne Migrationshintergrund
um -1,0 Prozentpunkte sank.
Aufgrund zu geringer Fallzahlen ist eine Auswertung für
Sachsen sowie für die neuen Bundesländer nicht möglich.

68
|
Übergangsstatuts nach der allgemeinbildenden Schule
Abbildung 32: Bevölkerung im Alter von 18 bis unter 25 Jahren in Privathaushalten im Jahr 2017 in
Deutschland nach Migrationsstatus sowie Übergangsstatus von allgemeinbildender Schule zu beruflicher
Ausbildung, Studium oder Erwerbs-/Nichterwerbsstätigkeit (in %)
Abbildung 32:
Bevölkerung im Alter von 18 bis unter 25 Jahren
in Privathaushalten im Jahr 2017 in Deutschland
nach Migrationsstatus sowie Übergangsstatus von
allgemeinbildender Schule zu beruflicher Ausbil-
dung, Studium oder Erwerbs-/Nichterwerbsstätig-
keit (in %)
mit Migrationshintergrund
11,2
24,8
21,7
24,6
17,8
ohne Migrationshintergrund
8,7
27,7
27,0
30,3
6,4
noch in allgemeinbildender Schule
in beruflicher Schule
in (Fach-)Hochschule
in Erwerbstätigkeit
in Nichterwerbstätigkeit

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
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69
D 6
Studienerfolgsquote
Definition
Studienerfolgsquote von Bildungsinländerinnen und Bildungs-
inländern und Deutschen nach Studiumsbeginn und nach Ge-
schlecht.
Empirische Relevanz
Gleiche Bildungschancen bei tertiären Abschlüssen sind ein
wichtiges Integrationsziel. Sie drücken sich in gleichen Erfolgs-
quoten beim Studium aus.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator für die strukturelle Integration und Chancen-
gleichheit im Bildungssystem.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Hochschulsta-
tistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Bildungsinländerinnen und -inländer sind die Studierenden mit
ausländischer Staatsangehörigkeit, die ihre Hochschulzugangs-
berechtigung in Deutschland erworben haben.
Erfolgsquoten können nur für mindestens 10 Jahre alte Studien-
anfängerkohorten sinnvoll berechnet werden, weil sich sonst
noch zu viele Personen der Kohorte im Studium befinden. Die
Erfolgsquoten einer Kohorte können sich zu späteren Berichts-
zeitpunkten noch ändern. Erfolgsquoten von über 100 % können
sich durch eine hohe Anzahl an Zuwechslern ergeben.
Die Statistik erfasst keinen Migrationshintergrund, sondern nur
die Staatsangehörigkeit. Bildungsinländerinnen und Bildungs-
inländer sind ausländische Studierende an deutschen Hoch-
schulen, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutsch-
land, aber nicht an einem Studienkolleg und nicht an einer
deutschen Hochschule im Ausland erworben haben. Auslän-
dische Studierende, die ihre Hochschulzugangsberechtigung
im Ausland erworben haben (Bildungsausländerinnen und
Bildungsinländer) sind nicht berücksichtigt. Für Brandenburg,
Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland, Sachsen-
Anhalt und Thüringen ist ein Vergleich der Studienerfolgs-
quoten 2016 und 2014 für die Bildungsinländerinnen und
Bildungsinländer nicht möglich, da für 2014 zu geringe Fall-
zahlen vorliegen.
Ergebnisse
Die Studienerfolgsquote von deutschen Studierenden war so-
wohl in Sachsen als auch im Bundesdurchschnitt oft deutlich
höher als die Studienerfolgsquote von Bildungsinländerinnen
und -inländern. Im Jahr 2016 hatten in Sachsen 62,2 % der
Bildungsinländerinnen und -inländer ihr im Jahr 2007 begon-
nenes Studium erfolgreich abgeschlossen, gegenüber 77,0 %
der Deutschen. Studierende mit Studienbeginn im Jahr 2008
wiesen im Jahr 2016 Erfolgsquoten von 67,9 % (Bildungsin-
länderinnen und -inländer) bzw. 79,2% (Deutsche) auf. Damit
lag die Erfolgsquote für Studierende mit Studienbeginn im
Jahr 2007 in Sachsen leicht unter den bundesweiten Werten
von 65,4 % (Bildungsinländerinnen und -inländer) bzw. 79,7 %
(Deutsche). Eine Betrachtung der Bildungsinländerinnen und
-inländer, die ihr Studium im Jahr 2008 aufgenommen haben,
zeigt jedoch, dass Sachsen in dieser Kohorte leicht über dem
Bundesdurchschnitt von 65,9 % lag.
Die Differenzierung der Erfolgsquoten nach Geschlecht zeigt
für Sachsen eine interessante Abweichung vom Durchschnitt:
Bei Einschreibungen im Jahr 2017 lag bundesweit die Studien-
erfolgsquote der deutschen Studentinnen um +7,7 Prozent-
punkte über der der deutschen Studenten; bei den Bildungs-
inländerinnen war die Quote um +6,7 Prozentpunkte höher
als die der Bildungsinländer. Demgegenüber bestand in Sachsen
innerhalb der gleichen Kohorte – anders als auf Bundesebene –
eine Überrepräsentation der Bildungsinländer (66,2 %) gegen-
über den Bildungsinländerinnen (58,2 %). Bei den sächsischen
Bildungsinländerinnen und -inländern, die ihr Studium 2008
aufgenommen haben, war das Verhältnis mit einer Differenz
von +5,7 Prozentpunkten wieder umgedreht. Bei den deutschen
Studierenden, die sich im Jahr 2007 immatrikuliert haben, fiel
die Differenz in Sachsen – wie auch im Bundesdurchschnitt –
mit +6,1 Prozentpunkten zugunsten der weiblichen Studie-
renden aus.

70
|
Studienerfolgsquote
Abbildung 33: Studienerfolgsquote für Bildungsinländerinnen und -inländer sowie Deutsche im Jahr 2016
bei Studienbeginn im Jahr 2007 und 2008 (in %)
Vergleicht man die Ergebnisse des Berichtsjahres 2016 mit
denen des Berichtsjahres 2014 nach jeweils 9-jähriger Studien-
zeit, so war die Studienerfolgsquote der Bildungsinländerinnen
und -inländer im Jahr 2016 sowohl in Sachsen als auch im
Bundesdurchschnitt höher als die Quote des Jahres 2014. In
Sachsen ist die Studienerfolgsquote der Bildungsinländerinnen
und -inländer innerhalb von zwei Jahren um +2,0 Prozent-
punkte angestiegen (Bundesdurchschnitt: +5,6 Prozentpunkte),
bei den Deutschen um +0,4 Prozentpunkte (Bundesdurch-
schnitt: +1,6 Prozentpunkte).
Abbildung 33:
Studienerfolgsquote für Bildungsinländerinnen und
-inländer sowie Deutsche im Jahr 2016 bei Studien-
beginn im Jahr 2007 und 2008 (in %)
Sachsen
62,2
(Studienbegin 2007)
77,0
Sachsen
67,9
(Studienbegin 2008)
79,2
Deutschland
65,4
(Studienbegin 2007)
79,7
Deutschland
65,9
(Studienbegin 2008)
81,5
Bildungsinländerinnen und -inländer
Deutsche

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
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71
D 7
Auszubildende nach Ausbildungsbereichen
Definition
Verteilung der deutschen und ausländischen Auszubildenden
(Duales System) auf Ausbildungsbereiche.
Empirische Relevanz
Der Indikator gibt die Verteilung der Auszubildenden über die
Ausbildungsbereiche Industrie und Handel, Handwerk, Land-
wirtschaft, Öffentlicher Dienst, Freie Berufe, Hauswirtschaft
und Seeschifffahrt wieder.
Bewertung des Indikators
Abweichungen in der Verteilung zwischen Deutschen und Aus-
länderinnen und Ausländern geben Hinweise auf den unter-
schiedlichen Zugang zum Ausbildungsmarkt. Da hiervon die
Teilhabechancen für den Arbeitsmarkt wesentlich abhängen,
ist die Entwicklung der Indikatorwerte wichtig für die Ein-
schätzung des strukturellen Integrationsprozesses.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Berufsbildungs-
statistik (siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Dass lediglich die Staatsangehörigkeit berücksichtigt wird,
schränkt die Aussagekraft des Indikators ein.
Ergebnisse
Sowohl in Sachsen als auch im Bundesdurchschnitt waren im
Jahr 2017 die meisten Jugendlichen – deutsche und auslän-
dische – in den Ausbildungsbereichen Industrie und Handel
sowie Handwerk tätig. In Sachsen absolvierten 92,4 % der
ausländischen Jugendlichen eine Ausbildung in einem der
beiden Bereiche, bei den deutschen Jugendlichen waren es
86,6 %. Im Bundesdurchschnitt kamen bei 84,6 % der aus-
ländischen und 85,8 % der deutschen Jugendlichen die Aus-
zubildenden aus einer der beiden Branchen.
Im Bereich Industrie und Handel waren die Anteile ausländischer
und deutscher Auszubildender in Sachsen nahezu ausgeglichen.
Bei den ausländischen Jugendlichen absolvierten 58,9 % eine
Ausbildung in diesem Bereich und bei den deutschen 59,1 %.
Im Bundesdurchschnitt ergriffen deutsche Jugendliche mit
59,0 % dagegen zu größeren Anteilen Ausbildungsmöglichkeiten
in Industrie und Handel als ausländische Jugendliche (49,5 %).
Der Handwerksbereich war im Jahr 2017 sowohl in Sachsen als
auch im Bundesdurchschnitt bei ausländischen Auszubildenden
häufiger vertreten als bei deutschen. In Sachsen lag der Anteil
ausländischer Auszubildende mit 33,5 % deutlich über dem An-
teil deutscher Auszubildender (27,5 %). Im Bundesdurchschnitt
fiel die Differenz mit +8,3 Prozentpunkte noch höher aus.
Ebenso wurden Freie Berufe anteilig häufiger von ausländischen
Auszubildenden gewählt als von deutschen. Die Differenz lag
in Sachsen bei +1,0 Prozentpunkten. Interessant ist hierbei der
Unterschied zum Bundesdurchschnitt. Während die sächsischen
Werte zu den restlichen Ausbildungsbereichen weitestgehend
den bundesweiten Werten entsprechen, gibt es bei den Freien
Berufen auf Bundesebene unter den deutschen und ausländi-
schen Jugendlichen eine deutlich höhere Bereitschaft, in diesem
Bereich eine Ausbildung zu absolvieren als dies in Sachsen der
Fall ist. So ergriffen im Bundesdurchschnitt 13,2 % der aus-
ländischen und 8,0 % der deutschen Jugendlichen eine Aus-
bildung im Bereich der Freien Berufe; in Sachsen waren es
hingegen nur 5,7 % bzw. 4,7 %.
Der Öffentliche Dienst trat in Sachsen bei deutschen Auszu-
bildenden (4,2 %) häufiger als Ausbilder auf als bei ausländi-
schen Auszubildenden (1,0 %). Dies spiegelt sich auch auf
Bundesebene wider: Bei deutschen Jugendlichen erreichte der
Öffentliche Dienst als Ausbilder im Bundesdurchschnitt einen
Wert von 3,1 %; bei ausländischen Jugendlichen waren es
gerade einmal 1,0 %.

72
|
Auszubildende nach Ausbildungsbereichen
Abbildung 34: Anteil der ausländischen und deutschen Auszubildenden im Jahr 2017 nach den wichtigs-
ten Ausbildungsbereichen (in %)
31
Im Vergleich zum Jahr 2015 haben im Jahr 2017 die Anteile
von Industrie und Handel (Sachsen: -2,9 Prozentpunkte;
Bund: -2,2 Prozentpunkte) sowie die Anteile der Freien Berufe
(Sachsen: -1,2 Prozentpunkte; Bund: -1,2 Prozentpunkten) als
Ausbilder bei den ausländischen Auszubildenden abgenommen.
Dem gegenüber konnte das Handwerk einen Zuwachs (Sachsen:
+3,1 Prozentpunkte; Bund: +3,0 Prozentpunkte) bei den An-
teilen der ausländischen Auszubildenden verzeichnen. Ebenso
gewachsen ist der Anteil im Öffentlichen Dienst, wobei der
Zuwachs in Sachsen lediglich bei +0,7 Prozentpunkten und
bundesweit bei +0,2 Prozentpunkten lag.
Abbildung 34:
Anteil der ausländischen und deutschen Auszubil-
denden im Jahr 2017 nach den wichtigsten Aus-
bildungsbereichen (in %)
31
1,0
Sachsen
58,9
33,5
5,7
(ausländische Auszubildende)
4,2
Sachsen
59,1
27,5
4,7
(deutsche Auszubildende)
1,0
Deutschland
49,5
35,1
13,2
(ausländische Auszubildende)
3,1
Deutschland
59,0
26,8
8,0
(deutsche Auszubildende)
Industrie und Handel
Handwerk
Öffentlicher Dienst
Freie Berufe
31
Nicht berücksichtigt wurden die Bereiche Haus-
wirtschaft, Landwirtschaft und Seeschifffahrt.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
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73
D 8
Höchster beruflicher Abschluss
Definition
Höchster beruflicher Abschluss (ohne Abschluss, mit abge-
schlossener Berufsausbildung, mit tertiärem Bildungsabschluss)
von Personen in Privathaushalten mit und ohne Migrations-
hintergrund im Alter von 25 bis unter 35 Jahren bzw. 25 bis
unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Berufliche Qualifikationen sind, wie die allgemeinbildenden
Schulabschlüsse, ein zentrales Merkmal der strukturellen Inte-
gra tion und beeinflussen die Position am Arbeitsmarkt sowie
die gesellschaftliche Teilhabe.
Auch für die berufliche Qualifikationsstruktur der Bevölkerung
gilt, dass sie sich insgesamt nur langsam ändert. In den höheren
Altersgruppen befinden sich viele Zuwanderinnen und Zuwan-
derer, die ihre beruflichen Qualifikationen im Herkunftsland
erworben haben oder gerade aufgrund dieser Qualifikation
zugewandert sind (Hochqualifizierte). Die Betrachtung insbe-
sondere der jüngeren Altersgruppe gibt deshalb Hinweise da-
rauf, wie sich die Qualifikationsstruktur zukünftig entwickeln
wird. Die Angleichung der Qualifikationsstruktur der Bevölke-
rung mit Migrationshintergrund an die der Bevölkerung ohne
Migrationshintergrund kann als Voraussetzung für die An-
gleichung auch der Beschäftigungsstruktur beider Gruppen
angesehen werden.
Bewertung des Indikators
Zentraler Indikator für die strukturelle Integration.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
In Sachsen hatte im Jahr 2017 die Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund in der Altersgruppe der 25- bis unter 65-Jährigen
wesentlich öfter keinen beruflichen Abschluss als die Bevöl-
kerung ohne Migrationshintergrund. Während nur 4,1 % der
Bevölkerung ohne Migrationshintergrund keinen Abschluss
hatte, traf dies auf 30,2 % der Menschen mit Migrationshinter-
grund zu. In der Gruppe der Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund verfügten nahezu ausschließlich Ausländerinnen und
Ausländer (36,4 %) bzw. im Ausland Geborene (30,5 %) über
keinen beruflichen Abschluss. Im Bundesdurchschnitt waren
die Werte sowohl für Menschen mit Migrationshintergrund
(37,8 %) als auch für Menschen ohne Migrationshintergrund
(9,5 %) höher. Anders als in Sachsen gehörten bundesweit
auch Deutsche mit Migrationshintergrund (26,2 %) sowie in
Deutschland Geborene (29,1 %) zur Gruppe derjenigen ohne
beruflichen Abschluss, gleichwohl die Anteile der Auslände-
rinnen und Ausländer (45,4 %) sowie der im Ausland Geborenen
(38,5 %) deutlich größer waren.
Die Mehrzahl (31,0 %) der Menschen mit Migrationshinter-
grund in Sachsen verfügte über einen Abschluss mit abge-
schlossener Berufsausbildung. Insbesondere Deutsche mit
Migrationshintergrund (49,4 %) hatten verhältnismäßig eher
eine abgeschlossene Berufsausbildung als Ausländerinnen und
Ausländer (24,5 %). Bei der Bevölkerung ohne Migrationshinter-
grund gehörte die abgeschlossene Berufsausbildung ebenfalls
zu den häufigsten Abschlüssen. Mit 61,1 % ist der Wert fast
doppelt so hoch als bei der Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund. Im Vergleich zu den bundesweiten Ergebnissen lag der
Anteil der sächsischen Bevölkerung mit Migrationshintergrund
mit abgeschlossener Berufsausbildung unter dem Bundes-
durchschnitt von 36,6 %. Demgegenüber war der Anteil der
sächsischen Bevölkerung ohne Migrationshintergrund höher
als der Anteil im Bundesdurchschnitt (57,0 %).

74
|
Höchster beruflicher Abschluss
Abbildung 35: Bevölkerung im Alter von 25 bis unter 65 Jahren nach Migrationsstatus und höchstem
beruflichen Bildungsabschluss im Jahr 2017 (in %)
32
Etwas mehr als ein Viertel (26,2 %) der Menschen mit Migra-
tionshintergrund in der Altersgruppe der 25- bis unter 65-
Jährigen in Sachsen hatte einen Hochschulabschluss. Bei der
Bevölkerung ohne Migrationshintergrund waren es nur 11,2 %.
Die Werte der Menschen mit Migrationshintergrund lagen in
Sachsen deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 14,8 %.
Zudem war die Differenz zwischen Menschen mit und Men-
schen ohne Migrationshintergrund, die über einen Hochschul-
abschluss verfügen, auf Bundesebene mit +1,7 Prozentpunkten
wesentlich geringer als in Sachsen. Der hohe Anteil derjenigen
mit einem Hochschulabschluss innerhalb der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund traf neben Sachsen auch für die rest-
lichen neuen Bundesländer zu, wobei bis auf Thüringen (24,4 %)
die Werte der neuen Bundesländer deutlich unter denen Sach-
sens lagen. Sowohl im Bundesdurchschnitt als auch in Sachsen
verfügten vor allem ausländische Staatsangehörige (Sachsen:
27,8 %; Bund: 16,5 %) und im Ausland Geborene (Sachsen:
26,0 %; Bund: 15,4 %) über einen Hochschulabschluss.
Zwischen 2015 und 2017 ging in Sachsen der Anteil der Men-
schen mit Migrationshintergrund, die über einen Hochschul-
abschluss verfügen, um -0,1 Prozentpunkte zurück. Im Bundes-
durchschnitt stieg der Anteil jedoch um +1,6 Prozentpunkte.
Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund gab es sowohl
in Sachsen (+0,4 Prozentpunkte) als auch im Bundesdurch-
schnitt (+0,6 Prozentpunkte) einen leichten Anstieg. Einen
deutlichen Anstieg gab es in Sachsen bei Menschen mit Migra-
tionshintergrund, die keinen Abschluss hatten. Zwischen 2015
und 2017 ist ihr Anteil um +5,4 Prozentpunkte gestiegen. Bei der
Bevölkerung ohne Migrationshintergrund betrug der Anstieg
nur +0,5 Prozentpunkte. Auf Bundesebene sind die Anteile
nahezu gleichgeblieben (Menschen mit Migrationshintergrund:
+0,3 Prozentpunkte; Menschen ohne Migrationshintergrund:
0,0 Prozentpunkte).
Ein Vergleich der Geschlechter zeigt, dass 2017 in Sachsen vor
allem Männer mit Migrationshintergrund keinen beruflichen
Abschluss hatten. Der Anteil der Frauen mit Migrationshinter-
grund lag mit -7,2 Prozentpunkte deutlich unter dem der
Männer. In der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund war
der Anteil der Männer ohne Abschluss ebenfalls leicht höher als
der Anteil der Frauen (Differenz: +0,8 Prozentpunkte). Anders
auf Bundesebene: Hier war der Anteil der Frauen, die keinen
Abschluss vorweisen konnten, sowohl bei der Bevölkerung mit
Migrationshintergrund (+ 2,4 Prozentpunkte) als auch ohne
Migrationshintergrund (+ 2,2 Prozentpunkte) größer als der
Anteil der Männer.
Sowohl in Sachsen als auch deutschlandweit hatten Frauen
mit Migrationshintergrund etwas häufiger einen Hochschul-
abschluss als Männer. In Sachsen waren es 27,0 % der Frauen
und 25,6 % der Männer. Im Bundesdurchschnitt waren es
16,2 % der Frauen und 13,5 % der Männer.
Abbildung 35:
Bevölkerung im Alter von 25 bis unter 65 Jahren
nach Migrationsstatus und höchstem beruflichen
Bildungsabschluss im Jahr 2017 (in %)
32
Sachsen
(Bevölkerung
30,2
31,0
5,4 7,1
26,2
mit Migrationshintergrund)
Sachsen
(Bevölkerung
4,1
61,1
17,3
6,3
11,2
ohne Migrationshintergrund)
Deutschland
(Bevölkerung
37,8
36,6
6,3 4,5
14,8
mit Migrationshintergrund)
Deutschland
(Bevölkerung
9,5
57,0
12,4
8,0
13,1
ohne Migrationshintergrund)
ohne Abschluss
mit abgeschl. Berufsausbildung
mit Fachschulabschluss
mit Fachhochschulabschluss
mit Hochschulabschluss
32
Bei den Werten für Fachschulabschluss und
Fachhochschulabschluss für die Bevölkerung
mit Migrationshintergrund in Sachsen handelt
es sich um hochgerechnete Fallzahlen zwischen
5.000 und unter 10.000. Die Aussagekraft ist
folglich eingeschränkt.

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
75
E
Arbeitsmarkt und Lebensunterhalt
E 1a Erwerbstätigenquote
Definition
Zahl der Erwerbstätigen in Privathaushalten im Alter von 15 bis
unter 65 Jahren je 100 Personen der entsprechenden Bevölke-
rungsgruppe nach Migrationshintergrund und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Erwerbstätigenquote ist einer der wichtigsten Ar beits-
markt indikatoren. Eine stabile Verankerung auf dem Arbeits-
markt trägt erheblich zur Integration bei.
Eine Angleichung der Erwerbstätigenquoten von Personen mit
und ohne Migrationshintergrund würde – zumindest zahlen-
mäßig und unabhängig von einer branchenspezifischen Be-
trachtung – eine Angleichung der Teilhabe am Arbeitsmarkt
anzeigen.
Bewertung des Indikators
Die Erwerbstätigenquote ist ein aussagekräftiger Indikator zur
Arbeitsmarktintegration. Bei der Interpretation muss die Kon-
junkturabhängigkeit des Indikators beachtet werden. Der Indi-
kator lässt keine Aussage über die Verteilung in den Branchen
und Wirtschaftszweigen und über Hintergründe und Ursachen
der Verteilung zu.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Erwerbstätigkeit ist ein Schlüsselmerkmal für gelingende Inte-
gration. Die Erwerbstätigenquote der Personen mit Migrations-
hintergrund lag in Sachsen – wie in den anderen Bundesländern
auch – deutlich niedriger als bei Personen ohne Migrations-
hintergrund. In Sachsen lag die Erwerbstätigenquote der Be-
völkerung mit Migrationshintergrund 2017 bei 54,0 %, im
Vergleich zu 79,5 % bei der Gruppe ohne Migrationshinter-
grund. Die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung mit Migra-
tionshintergrund in Sachsen lag zudem deutlich unter dem
Bundesdurchschnitt von 65,1 %. Im Vergleich mit dem Bun-
desdurchschnitt wiesen alle neuen Bundesländer eine geringe
Erwerbstätigenquote der Personen mit Migrationshintergrund
auf. Kennzeichnend für die neuen Bundesländer ist zudem
der im Vergleich zum Bundesdurchschnitt große Unterschied
zwischen der Erwerbstätigenquote von Personen mit und
ohne Migrationshintergrund: In Sachsen betrug die Differenz
zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund
-25,5 Prozentpunkte. Im Bundesdurchschnitt waren es lediglich
-13,3 Prozentpunkte.
Personen mit Migrationshintergrund und deutscher Staats-
angehörigkeit wiesen 2017 in Sachsen sowie bundesweit eine
höhere Erwerbstätigenquote auf (Sachsen: 62,7 %; Bund:
68,6 %) als die ausländische Bevölkerung (Sachsen: 50,7 %;
Bund: 62,6 %). Entgegen der Erwartung ist die Erwerbstätigen-
quote der in Deutschland Geborenen mit 37,6 %
33
in Sachsen
bzw. 51,8 % deutschlandweit niedriger als bei den im Ausland
Geborenen (Sachsen: 55,4 %; Bund: 68,0 %). Ein Grund hier-
für dürfte im jüngeren Durchschnittsalter der in Deutschland
Geborenen liegen, so dass hier noch ein größerer Teil in Aus-
bildung ist.
33
Bei der Erwerbstätigenquote der in Deutschland Geborenen handelt es sich
um hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter 10.000. Die Aus-
sagekraft ist folglich eingeschränkt.

76
|
Erwerbstätigenquote
Abbildung 36: Erwerbstätigenquote im Jahr 2017 nach Migrationshintergrund (in %)
Zwischen 2015 und 2017 ist die Erwerbstätigenquote bei Per-
sonen mit Migrationshintergrund in Sachsen insgesamt um
-0,7 Prozentpunkte zurückgegangen. Im Bundesgebiet insge-
samt konnte jedoch ein leichter Anstieg der Erwerbstätigenquote
bei Personen mit Migrationshintergrund um +0,3 Prozentpunkte
verzeichnet werden. Bei Personen ohne Migrationshintergrund
gab es sowohl in Sachsen (+3,0 Prozentpunkte) als auch im
Bundesdurchschnitt (+1,9 Prozentpunkte) einen Anstieg.
In allen Bundesländern – wie auch im Bundesgebiet insge-
samt – und unabhängig vom Migrationsstatus waren die Er-
werbstätigenquoten von Frauen niedriger als die von Männern.
Im Gegensatz zum Bundesgebiet war der Unterschied zwischen
Frauen und Männern mit Migrationshintergrund in Sachsen
mit einer Differenz von -4,4 Prozentpunkten deutlich geringer.
Im Bundesdurchschnitt war die Erwerbstätigenquote von Frauen
mit Migrationshintergrund um -12,4 Prozentpunkte niedriger
als die Quote von Männern mit Migrationshintergrund.
Abbildung 36:
Erwerbstätigenquote im Jahr 2017 nach Migrations-
hintergrund (in %)
54,0
Sachsen
79,5
65,1
Deutschland
78,4
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
77
E 1b Erwerbsquote
Definition
Zahl der Erwerbstätigen und Erwerbslosen in Privathaushalten
im Alter von 15 bis unter 65 Jahren je 100 Personen der ent-
sprechenden Bevölkerungsgruppe nach Migrationshintergrund
und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Die Erwerbsquote beschreibt den Anteil der Bevölkerung im er-
werbsfähigen Alter, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Sie zeigt das Arbeitskräftepotenzial an. Eine Angleichung der
Erwerbsquoten von Personen mit und ohne Migrationshinter-
grund würde – zumindest zahlenmäßig und unabhängig von
einer branchenspezifischen Betrachtung – eine Angleichung
des Arbeitskräftepotenzials anzeigen.
Bewertung des Indikators
Die Erwerbsquote ist ein aussagekräftiger Indikator zur Arbeits-
marktintegration. Bei der Interpretation muss die Konjunktur-
abhängigkeit des Indikators beachtet werden. Der Indikator
lässt keine Aussage über die Verteilung in den Branchen und
Wirtschaftszweigen und über Hintergründe und Ursachen der
Verteilung zu.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
In Sachsen lag die Erwerbsquote der Erwerbspersonen im Alter
von 15 bis unter 65 Jahren, die einen Migrationshintergrund
hatten, bei 60,9 %. Damit lag die Erwerbsquote der Bevölkerung
mit Migrationshintergrund in Sachen weit unter dem Bundes-
durchschnitt von 69,8 %. Auch im Vergleich mit den anderen
Bundesländern verfügte Sachsen neben Mecklenburg-Vor-
pommern (57,3 %) und Sachsen-Anhalt (54,7 %) über die
niedrigste Erwerbsquote bei der Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund.
Die Erwerbsquote der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
war in Sachsen – ebenso wie in allen anderen Bundesländern –
niedriger als bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund.
In Sachsen lag die Erwerbsquote der Erwerbspersonen ohne
Migrationshintergrund bei 82,9 %. Mit einer Differenz von
-22,0 Prozentpunkten zwischen der Erwerbsquote von Men-
schen mit und ohne Migrationshintergrund gehörte Sachsen –
ebenso wie Sachsen-Anhalt (-26,5 Prozentpunkte), Mecklen-
burg-Vorpommern (-21,7 Prozentpunkte) und Thüringen
(-19,5 Prozentpunkte) – zu den Bundesländern, bei denen die
Unterschiede am stärksten ausgeprägt waren. Im Bundesdurch-
schnitt betrug die Differenz -11,1 Prozentpunkte.
Zwischen 2015 und 2017 ist die Erwerbsquote der Bevölkerung
mit Migrationshintergrund in Sachsen um -4,5 Prozentpunkte
zurückgegangen. Gleichzeitig ist die Erwerbsquote der Bevöl-
kerung ohne Migrationshintergrund um +1,6 Prozentpunkte
gestiegen. Ein Rückgang der Erwerbsbeteiligung bei Menschen
mit Migrationshintergrund war auch im Bundesdurchschnitt
ersichtlich. Gleichwohl betrug die Differenz deutschlandweit
nur -0,5 Prozentpunkte.
Die Erwerbsquoten der Frauen waren sowohl bei Erwerbsper-
sonen mit Migrationshintergrund als auch bei Personen ohne
Migrationshintergrund niedriger als die der Männer. In Sachsen
betrug die Differenz zwischen Frauen und Männern mit Migra-
tionshintergrund -5,2 Prozentpunkte; bei Erwerbspersonen ohne
Migrationshintergrund waren es -4,6 Prozentpunkte. Im Bun-
desdurchschnitt war vor allem der Unterschied zwischen der
Erwerbsquote der Frauen und der der Männer, die über einen
Migrationshintergrund verfügten, mit -14,6 Prozentpunkten
deutlich größer als in Sachsen. Bei den Erwerbspersonen ohne
Migrationshintergrund betrug die Differenz zwischen Frauen
und Männern im Bundesdurchschnitt -6,6 Prozentpunkte.

78
|
Erwerbsquote
Abbildung 37: Erwerbsquote der Erwerbspersonen im Alter von 15 bis unter 65 Jahren im Jahr 2017 nach
Migrationsstatus (in %)
Abbildung 37:
Erwerbsquote der Erwerbspersonen im Alter von
15 bis unter 65 Jahren im Jahr 2017 nach Migra-
tionsstatus (in %)
60,9
Sachsen
82,9
69,8
Deutschland
80,9
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
|
79
E 2
Stellung im Beruf – Arbeiterinnen und Arbeiter
Definition
Stellung im Beruf (Selbstständige, Angestellte, Beamtinnen/
Beamte, Arbeiterinnen/Arbeiter) von Personen in Privathaus-
halten mit und ohne Migrationshintergrund im Alter von 15 bis
unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Die Stellung im Beruf nach Migrationshintergrund liefert Infor-
mationen über die Positionierung der betrachteten Gruppen
im Erwerbssystem. Der Anteil der Beamtinnen und Beamten
kann zusätzlich als Indikator der interkulturellen Öffnung der
Verwaltung gewertet werden. Darüber hinaus werden Selbst-
ständige, Angestellte sowie Arbeiter/innen unterschieden.
Eine Angleichung von Personen mit und ohne Migrationshinter-
grund bei der Stellung im Beruf lässt Rückschlüsse auf die
Öffnung zentraler beruflicher Positionen und den erreichten Grad
der beruflichen Qualifizierung für Personen mit Migrations-
hintergrund zu.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator der strukturellen Integration, zentraler
Arbeitsmarktindikator.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
In Sachsen waren im Jahr 2017 etwa ein Viertel (25,9 %) der
Menschen mit Migrationshintergrund als Arbeiterinnen und
Arbeiter tätig. Dies entsprach in etwa auch dem Anteil der
Menschen ohne Migrationshintergrund (24,9 %), die als Ar-
beiterinnen und Arbeiter arbeiteten. Der größte Anteil sowohl
der Menschen mit als auch ohne Migrationshintergrund war
als Angestellte tätig. Dabei lag der Anteil der Menschen ohne
Migrationshintergrund mit 62,4 % höher als der Anteil der
Menschen mit Migrationshintergrund (59,0 %). Personen
ohne Migrationshintergrund (2,7 %) waren im Freistaat zu-
dem häufiger in einem Beamtenverhältnis beschäftigt, als
Personen mit Migrationshintergrund. Für sie lagen die hoch-
gerechneten Fallzahlen unter 5.000. Bei den Selbständigen
war der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund
(14,7 %) hingegen höher als bei Personen ohne Migrations-
hintergrund (10,0 %).
Diese Tendenzen spiegeln sich auch im Bundesdurchschnitt
wider. Hier waren die Unterschiede in den einzelnen Feldern
zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund je-
doch deutlich größer als in Sachsen. Während in Sachsen die
Differenz bei den Arbeiterinnen und Arbeitern zwischen Per-
sonen mit und ohne Migrationshintergrund gerade einmal
+1,0 Prozentpunkte betrug, war der Anteil der Arbeiterinnen
und Arbeiter mit Migrationshintergrund auf Bundesebene
doppelt so groß wie der Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter
ohne Migrationshintergrund (Differenz: +15,8 Prozentpunk-
te). Eine deutlich größere Differenz als in Sachsen bestand
zudem bei den Angestellten: Im Bundesdurchschnitt waren
58,5 % der Menschen mit Migrationshintergrund angestellt
und 68,3 % der Menschen ohne Migrationshintergrund.

80
|
Stellung im Beruf – Arbeiterinnen und Arbeiter
In Sachsen war der Anteil der Deutschen mit Migrationshinter-
grund (27,7 %
34
), die als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig waren,
höher als der Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter mit einer
ausländischen Staatsangehörigkeit (25,1 %). Im Bundesdurch-
schnitt war das Verhältnis umgedreht: Der Anteil der Deutschen
mit Migrationshintergrund betrug 29,3 % und der Anteil der
Arbeiterinnen und Arbeiter mit einer ausländischen Staatsan-
gehörigkeit 32,9 %. Bezüglich des Geburtslandes gab es in
Sachsen für die in Deutschland Geborenen mit Migrations-
hintergrund keine ausreichenden Fallzahlen. Von denen im Aus-
land Geborenen mit Migrationshintergrund waren 26,2 % als
Arbeiterinnen und Arbeiter tätig. Im Bundesdurchschnitt waren
32,1 % der im Ausland geborenen Personen mit Migrations-
hintergrund als Arbeiterinnen und Arbeiter tätig und 25,2 %
der in Deutschland geborenen Personen.
Im Vergleich zu 2015 ist der Anteil der als Arbeiterinnen und
Arbeiter tätigen Personen mit Migrationshintergrund sowohl in
Sachsen als auch deutschlandweit gesunken (Sachsen: -5,4 Pro-
zentpunkte; Bund: -6,0 Prozentpunkte). Ein Rückgang bestand
auch bei Personen ohne Migrationshintergrund. Dieser fiel
jedoch im Vergleich zu den Personen mit Migrationshintergrund
geringer aus. In Sachsen ist der Anteil der Arbeiterinnen und
Arbeiter ohne Migrationshintergrund um -4,9 Prozentpunkte
zurückgegangen und im Bundesdurchschnitt um -4,0 Prozent-
punkte.
34
Es handelt sich um hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter
10.000. Die Aussagekraft ist folglich eingeschränkt.
Differenziert nach Geschlecht waren in Sachsen vor allem
Männer sowohl mit (31,5 %) als auch ohne Migrationshinter-
grund (34,1 %) häufiger als Arbeiter tätig als Frauen. Die An-
teile der Frauen waren im Vergleich zu denen der Männer nur
halb so hoch (Frauen mit Migrationshintergrund: 17,8 %
35
;
Frauen ohne Migrationshintergrund: 14,7 %). Auffällig im Ver-
gleich zum Bundesdurchschnitt ist, dass in Sachsen die Diffe-
renz zwischen den Anteilen der Arbeiterinnen mit Migrations-
hintergrund und derjenigen ohne Migrationshintergrund mit
+3,1 Prozentpunkte deutlich geringer war als auf Bundesebene.
Hier waren wesentlich mehr Frauen mit Migrationshintergrund
als Arbeiterinnen tätig als Frauen ohne Migrationshintergrund
(Differenz: +14,4 Prozentpunkte). Ein weiterer Unterschied zwi-
schen den sächsischen Werten und dem Bundesdurchschnitt
besteht mit Blick auf die Arbeiter: So war der Anteil der Arbeiter
ohne Migrationshintergrund in Sachsen höher als der Anteil der
Arbeiter mit Migrationshintergrund. Die Differenz zwischen den
Anteilen der Arbeiter mit und ohne Migrationshintergrund
betrug in Sachsen -2,6 Prozentpunkte. Im Bundesdurchschnitt
war der Anteil der Arbeiter mit Migrationshintergrund hingegen
deutlich höher als derer ohne Migrationshintergrund. Die Diffe-
renz belief sich auf +15,7 Prozentpunkte.
35
Es handelt sich um hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter
10.000. Die Aussagekraft ist folglich eingeschränkt.

Stellung im Beruf – Arbeiterinnen und Arbeiter
|
81
Abbildung 38: Erwerbstätige im Alter von 15 bis unter 65 Jahren im Jahr 2017 in Sachsen nach Migrati-
onsstatus und Stellung im Beruf (in %)
36
Abbildung 39: Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter im Jahr 2017 nach Migrationshintergrund (in %)
15,6
24,9
31,4
25,9
Deutschland
Sachsen
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund
Abbildung 38: Erwerbstätige im Alter von 15 bis unter 65 Jahren im Jahr 2017 in Sachsen nach Migrati-
onsstatus und Stellung im Beruf (in %)
36
Abbildung 39: Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter im Jahr 2017 nach Migrationshintergrund (in %)
10,0
2,7
62,4
24,9
14,7
0,0
59,0
25,9
Selbständige
Beamtinnen und Beamte
Angestellte
Arbeiterinnen und Arbeiter
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund
Abbildung 38:
Erwerbstätige im Alter von 15 bis unter 65 Jahren
im Jahr 2017 in Sachsen nach Migrationsstatus und
Stellung im Beruf (in %)
36
25,9
Arbeiterinnen und Arbeiter
24,9
59,0
Angestellte
62,4
0,0
Beamtinnen und Beamte
2,7
14,7
Selbständige
10,0
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund
Abbildung 39:
Anteil der Arbeiterinnen und Arbeiter im Jahr 2017
nach Migrationshintergrund (in %)
25,9
Sachsen
24,9
31,4
Deutschland
15,6
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund
36
Auszubildende wurden nicht berücksichtigt. Bei
den Werten der Beamtinnen und Beamten mit
Migrationshintergrund liegen die hochgerech-
neten Fallzahlen unter 5.000. Es liegen folglich
keine aussagekräftigen Daten vor.

82
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
E 2
Stellung im Beruf – Selbstständige
Definition
Stellung im Beruf (Selbstständige, Angestellte, Beamtinnen/
Beamte, Arbeiterinnen/Arbeiter) von Personen in Privathaus-
halten mit und ohne Migrationshintergrund im Alter von 15 bis
unter 65 Jahren.
Empirische Relevanz
Die Stellung im Beruf nach Migrationshintergrund liefert Infor-
mationen über die Positionierung der betrachteten Gruppen
im Erwerbssystem. Der Anteil der Beamtinnen und Beamten
kann zusätzlich als Indikator der interkulturellen Öffnung der
Verwaltung gewertet werden. Darüber hinaus werden Selbst-
ständige, Angestellte und Arbeiter/innen unterschieden.
Eine Angleichung von Personen mit und ohne Migrationshinter-
grund bei der Stellung im Beruf lässt Rückschlüsse auf die
Öffnung zentraler beruflicher Positionen und den erreichten Grad
der beruflichen Qualifizierung für Personen mit Migrations-
hintergrund zu.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Indikator der strukturellen Integration, zentraler
Arbeitsmarktindikator.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Eine selbstständige Erwerbstätigkeit weist auf das Ausmaß
eigeninitiativer wirtschaftlicher Betätigung und Unternehmer-
geist hin. Sie kann aber insbesondere bei vorausgegangener
Arbeitslosigkeit auch zu prekären Beschäftigungs- und Ein-
kommensverhältnissen führen.
In Sachsen wurden im Jahr 2017 im Vergleich mit den anderen
Bundesländern die zweithöchste Selbstständigenquote bei der
erwerbstätigen Bevölkerung mit Migrationshintergrund ver-
zeichnet. Insgesamt waren 14,7 % der Erwerbstätigen im Alter
von 15 bis unter 65 Jahren in Sachsen selbständig. Damit lag der
sächsische Wert auch deutlich über dem Bundesdurchschnitt
von 9,1 %. Sachsen gehörte zudem zu den Bundesländern,
in denen die Selbstständigenquote von Erwerbstätigen mit
Migrationshintergrund höher war als die von Erwerbstätigen
ohne Migrationshintergrund. Die Differenz betrug in Sachsen
+4,7 Prozentpunkte. Im Bundesdurchschnitt waren es +0,7 Pro-
zentpunkte.
Im Vergleich zu 2015 ist in Sachsen der Anteil der Selbststän-
digen bei den erwerbstätigen Personen sowohl mit Migrations-
hintergrund (-1,7 Prozentpunkte) als auch ohne (-0,2 Prozent-
punkte) gesunken. Im Bundesdurchschnitt betrug der Rückgang
bei Personen mit Migrationshintergrund -0,9 Prozentpunkte und
bei Personen ohne Migrationshintergrund -0,5 Prozentpunkte.
Bezüglich der Differenzierung nach Geschlecht liegen für
Sachsen nur hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und
unter 10.000 bzw. hochgerechnete Fallzahlen unter 5.000 vor.
Eine Auswertung ist daher nicht möglich.

Stellung im Beruf – Selbstständige
|
83
Abbildung 40: Anteil der Selbständigen im Jahr 2017 nach Migrationsstatus (in %)
Abbildung 40:
Anteil der Selbständigen im Jahr 2017 nach Migra-
tionsstatus (in %)
14,7
Sachsen
10,0
9,1
Deutschland
9,8
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

84
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
E 3
Geringfügige Beschäftigung
Definition
Anteil abhängig Erwerbstätiger in Privathaushalten mit gering-
fügiger Beschäftigung als einziger oder hauptsächlicher Tätig-
keit von Personen mit und ohne Migrationshintergrund an allen
abhängig Erwerbstätigen der jeweiligen Bevölkerungsgruppe.
Empirische Relevanz
Der Anteil der geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse kann
Hinweise auf prekäre Beschäftigung liefern. Geringfügige Be-
schäftigungsverhältnisse können Ausdruck einer nicht hinrei-
chenden wirtschaftlichen Basis sein und haben damit erheb-
lichen Einfluss auf die wirtschaftliche Situation einer Person
oder der Haushaltsgemeinschaft, in der sie lebt.
Bewertung des Indikators
Wichtiger Arbeitsmarktindikator, Hinweis auf prekäre Be-
schäftigung.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
In Sachsen übten Menschen mit Migrationshintergrund im Jahr
2017 häufiger eine geringfügige Beschäftigung aus (13,2 %) als
Menschen ohne Migrationshintergrund (5,0 %). Insbesondere
Ausländerinnen und Ausländer (15,6 %
37
) bzw. im Ausland
Geborene (12,4 %) befanden sich in einem geringfügigen Be-
schäftigungsverhältnis.
38
Im Vergleich zu den anderen Bundes-
ländern gehörte Sachsen mit einer Differenz von -8,2 Prozent-
punkten zwischen den Anteilen der Menschen mit und ohne
Migrationshintergrund, die einer geringfügigen Beschäftigung
nachgingen, zu den Bundesländern mit dem höchsten Unter-
schied. Lediglich das Saarland (-8,5 Prozentpunkte) und Meck-
lenburg-Vorpommern (-14,2 Prozentpunkte) wiesen noch grö-
ßere Unterschiede auf. Im Bundesdurchschnitt befanden sich
12,0 % der Menschen mit Migrationshintergrund in einem
geringfügigen Beschäftigungsverhältnis und nur 7,5 % der
Menschen ohne Migrationshintergrund.
37
Es handelt sich um hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter
10.000.
38
Für Deutsche mit Migrationshintergrund bzw. für in Deutschland Geborene
liegen für Sachsen keine aussagekräftigen Daten vor, da die hochgerech-
neten Fallzahlen unter 5.000 lagen.
Von 2015 bis 2017 ist der Anteil geringfügiger Beschäftigter in
Sachsen bei Personen mit Migrationshintergrund leicht ange-
stiegen (+0,7 Prozentpunkte). Bei Erwerbstätigen ohne Migra-
tionshintergrund ist der Anteil hingegen gesunken (-1,3 Pro-
zentpunkte). Damit war Sachsen eines der wenigen Länder, in
denen der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund, die
einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, gestiegen ist.
Im Bundesdurchschnitt sind sowohl die Anteile der Personen
mit (-0,9 Prozentpunkte) als auch ohne Migrationshintergrund
(-0,5 Prozentpunkte) leicht zurückgegangen.

Geringfügige Beschäftigung
|
85
Abbildung 41: Anteil abhängig Erwerbstätige im Alter von 15 bis unter 65 Jahren mit geringfügiger Be-
schäftigung als einzige bzw. hauptsächliche Tätigkeit im Jahr 2017 nach Migrationsstatus (in %)
Mit Blick auf die Geschlechter bestanden sowohl in Sachsen
als auch im Bundesdurchschnitt deutliche Unterschiede, wobei
diese in Sachsen weniger stark ausgeprägt waren als deutsch-
landweit. Grundsätzlich verfügten Frauen mit und ohne Migra-
tionshintergrund häufiger über geringfügige Beschäftigungs-
verhältnisse als Männer. In Sachsen lagen die Anteile der
Frauen mit Migrationshintergrund +1,6 Prozentpunkte
39
über
denen der Männer mit Migrationshintergrund. Bei Frauen ohne
39
Bei den Angaben für Männer und Frauen mit Migrationshintergrund handelt
es sich um hochgerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter 10.000.
Die Aussagekraft ist folglich eingeschränkt.
Migrationshintergrund betrug die Differenz +2,0 Prozentpunkte.
Im Bundesdurchschnitt war der Unterschied zwischen den
Geschlechtern wesentlich größer: Der Anteil der Frauen mit
Migrationshintergrund lag um +11,5 Prozentpunkte höher als
der Anteil der Männer mit Migrationshintergrund. Bei Personen
ohne Migrationshintergrund betrug die Differenz zwischen
Frauen und Männern +6,0 Prozentpunkte.
Abbildung 41:
Anteil abhängig Erwerbstätige im Alter von 15 bis
unter 65 Jahren mit geringfügiger Beschäftigung
als einzige bzw. hauptsächliche Tätigkeit im Jahr
2017 nach Migrationsstatus (in %)
13,2
Sachsen
5,0
12,0
Deutschland
7,5
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

86
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
E 4
Erwerbslosenquote (ILO-Konzept)
Definition
Zahl der Erwerbslosen je 100 Erwerbspersonen (Erwerbslose
und Erwerbstätige) von Personen mit und ohne Migrations-
hintergrund im Alter von 15 bis unter 65 Jahren, 15 bis unter
25 Jahren und 55 bis unter 65 Jahren in Privathaushalten.
Empirische Relevanz
Der Ausschluss aus dem Erwerbsleben ist eine der zentralen
Ursachen für Armut. Ein dauerhafter Ausschluss hat negative
Konsequenzen für fast alle Lebensbereiche.
Eine Annäherung der Erwerbslosenquoten der Bevölkerung mit
und ohne Migrationshintergrund würde anzeigen, dass sich der
tatsächliche Zugang zum Arbeitsmarkt, eventuell auch die
dahinterliegenden Merkmale wie Bildung und Qualifikation,
aber auch die Arbeitsmarktrisiken beider Gruppen angleichen.
Bewertung des Indikators
Zentraler Arbeitsmarktindikator, der in hohem Maße von der
wirtschaftlichen Entwicklung und der Wirtschaftsstruktur in
den einzelnen Ländern abhängig ist.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Nach dem hier zugrunde gelegten Labour-Force-Konzept der
Internationalen Arbeitsorganisation (ILO-Konzept) gelten Per-
sonen als erwerbslos, wenn sie weniger als eine Stunde in der
Woche beschäftigt sind, nicht selbstständig sind, in den ver-
gangenen vier Wochen aktiv eine Erwerbstätigkeit gesucht
haben und verfügbar sind, d. h. innerhalb von zwei Wochen
eine Erwerbstätigkeit aufnehmen können. Eine Registrierung
bei der Agentur für Arbeit ist nicht erforderlich.
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 lag die Erwerbslosenquote der 15- bis unter
65-jährigen Personen mit Migrationshintergrund in Sachsen
bei 11,4 %. Damit lag sie deutlich über der Erwerbslosenquote
von Personen ohne Migrationshintergrund (4,1 %). Insgesamt
war die Erwerbslosenquote der Personen mit Migrationshinter-
grund in allen Bundesländern höher als bei den Personen ohne
Migrationshintergrund. Mit einer Differenz von +7,3 Prozent-
punkten gehörte Sachsen zu den Bundesländern mit dem
höchsten Unterschied zwischen Personen mit und ohne Migra-
tionshintergrund. Im Bundesdurchschnitt belief sich die Er-
werbslosenquote für Menschen mit Migrationshintergrund auf
6,7 % und für Menschen ohne Migrationshintergrund auf 3,1 %.
Zwischen 2015 und 2017 ist die Erwerbslosenquote bei Per-
sonen mit und ohne Migrationshintergrund sowohl in Sachsen
als auch im Bundesdurchschnitt zum Teil deutlich gesunken.
2015 betrug die Erwerbslosenquote für Menschen mit Migra-
tionshintergrund in Sachsen 16,3 %. Im Vergleich zum Jahr
2017 ist demnach ein Rückgang um -4,9 Prozentpunkte zu
verzeichnen. Bei Personen ohne Migrationshintergrund im Frei-
staat ist die Erwerbslosenquote um -1,8 Prozentpunkte zurück-
gegangen. Im Bundesdurchschnitt fielen die Unterschiede in
der Erwerbslosenquote zwischen 2015 und 2017 etwas geringer
aus: Bei Personen mit Migrationshintergrund ist die Erwerbs-
losenquote um -1,1 Prozentpunkte zurückgegangen und bei
Personen ohne Migrationshintergrund um -0,9 Prozentpunkte.
Die Erwerbslosenquote der Frauen mit Migrationshintergrund
war in Sachsen sowie im Bundesdurchschnitt niedriger als die
der Männer: 11,2 % der Frauen und 11,6 % der Männer mit
Migrationshintergrund waren 2017 in Sachsen erwerbslos
40
. Bei
Personen ohne Migrationshintergrund waren 4,0 % der Frauen
und 4,2 % der Männer erwerbslos. Im Bundesdurchschnitt
betrug die Differenz zwischen den Geschlechtern +1,7 Prozent-
punkte bei Personen mit Migrationshintergrund und +0,5 Pro-
zentpunkte bei Personen ohne Migrationshintergrund.
40
Es handelt sich sowohl für die Frauen als auch für die Männer um hoch-
gerechnete Fallzahlen zwischen 5.000 und unter 10.000. Die Aussage-
kraft ist folglich eingeschränkt.

Erwerbslosenquote (ILO-Konzept)
|
87
Abbildung 42: Erwerbslosenquoten im Jahr 2017 für die Altersgruppe der 15- bis unter 65-Jährigen nach
Migrationsstatus (in %)
Abbildung 42:
Erwerbslosenquoten im Jahr 2017 für die Alters-
gruppe der 15- bis unter 65-Jährigen nach Migra-
tionsstatus (in %)
11,4
Sachsen
4,1
6,7
Deutschland
3,1
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

88
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
E 5
Arbeitslosenquote
Definition
Zahl der registrierten Arbeitslosen je 100 abhängigen zivilen
Erwerbspersonen (= Arbeitslose, sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte, geringfügig Beschäftigte und Beamtinnen und
Beamte ohne Soldatinnen und Soldaten) nach Rechtskreisen
(SGB II, SGB III), Staatsangehörigkeit (deutsch, ausländisch)
und Geschlecht.
Empirische Relevanz
Ergänzung zu E4 mit definitorischen Abweichungen. Reflek-
tiert im Gegensatz zu E4 die aktuelle Sozialgesetzgebung.
Neben der Erwerbslosenquote wird auch die Arbeitslosen-
quote aufgeführt, weil sie der in der öffentlichen Diskussion
häufiger verwendete Indikator ist. Die Arbeitslosenquote er-
laubt allerdings nur eine Differenzierung nach Deutschen und
Ausländerinnen und Ausländern.
Bewertung des Indikators
Zentraler Arbeitsmarktindikator, der in hohem Maße von der
wirtschaftlichen Entwicklung und Wirtschaftsstruktur in den
einzelnen Ländern abhängig ist.
Datenquelle
Bundesagentur für Arbeit, Arbeitslosenstatistik (siehe Kapitel
Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Zu den bei der Bundesagentur für Arbeit registrierten Arbeits-
losen in den Rechtskreisen des SGB II und SGB III zählen alle
Personen, die
vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis
stehen oder nur eine weniger als 15 Stunden in der Woche
umfassende Beschäftigung ausüben,
eine mindestens 15 Stunden in der Woche umfassende
versicherungspflichtige Beschäftigung mit einer Dauer von
mehr als 7 Kalendertagen suchen,
eine Arbeitnehmertätigkeit ausüben können und dürfen,
nicht arbeitsunfähig erkrankt sind und das 65. Lebensjahr
noch nicht vollendet haben,
für die Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit ver-
fügbar sind, d. h. sofort arbeitsfähig und -bereit sind und
sich persönlich bei der Agentur für Arbeit gemeldet und
ihren Wohnsitz in Deutschland haben.
Die Angaben beziehen sich auf Jahresdurchschnitte. Die Bun-
desagentur für Arbeit hat damit begonnen, neben der Staats-
angehörigkeit auch den Migrationshintergrund in der Arbeits-
losenstatistik zu erfassen. Entsprechende Auswertungen standen
für den Fünften Bericht noch nicht zur Verfügung.
Ergebnisse
Generell liegt die Arbeitslosenquote höher als die ILO-Erwerbs-
losenquote. Die Arbeitslosenquote der ausländischen Bevöl-
kerung lag 2017 in Sachsen bei 27,5%, während die Erwerbs-
losenquote der Ausländerinnen und Ausländer 12,8 % betrug.
Der Unterschied erklärt sich aus den unterschiedlichen zu-
grundeliegenden Definitionen.
Im Vergleich mit den anderen Bundesländern verfügte Sachsen
mit 27,5 % neben Sachsen-Anhalt (31,7 %) und Bremen (27,9 %)
über die dritthöchste Arbeitslosenquote bei der ausländischen
Bevölkerung. Ebenso waren in Sachsen die Unterschiede in der
Arbeitslosenquote zwischen der ausländischen und deutschen
Bevölkerung im Vergleich zu den anderen Bundesländern deut-
lich höher. Während die deutsche Bevölkerung eine Arbeitslo-
senquote von 6,8 % vorwies, lag die Arbeitslosenquote der
ausländischen Bevölkerung mit +20,7 Prozentpunkten um ein
Vielfaches höher. Lediglich in Sachsen-Anhalt war der Unter-
schied zwischen den Arbeitslosenquoten mit +23,2 Prozent-
punkten noch größer. Im Bundesdurchschnitt lag die Arbeits-
losenquote unter der ausländischen Bevölkerung bei 16,3 %
und unter der deutschen Bevölkerung bei 5,2 %.
Im Vergleich zum Jahr 2015 ist die Arbeitslosenquote in der
ausländischen Bevölkerung in Sachsen konstant geblieben.
Lediglich die Arbeitslosenquote der deutschen Bevölkerung ist
zurückgegangen (-2,0 Prozentpunkte). Im Bundesgebiet ist sie
um -0,3 Prozentpunkte bei der Bevölkerung mit ausländischer
Staatsangehörigkeit und um -1,0 Prozentpunkte bei der deut-
schen Bevölkerung gesunken.

Arbeitslosenquote
|
89
Abbildung 43: Arbeitslosenquoten im Jahresdurchschnitt 2017 nach Staatsangehörigkeit (in %)
41
In Sachsen sowie im Bundesgebiet insgesamt lag die Arbeits-
losenquote von Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit
über der von Männern mit ausländischer Staatsangehörigkeit.
In Sachsen betrug die Differenz +0,1 Prozentpunkte und im
Bundesdurchschnitt +1,2 Prozentpunkte. Bei deutschen Staats-
angehörigen war die Arbeitslosenquote von Frauen hingegen
niedriger als die von Männern (Sachsen: -1,1 Prozentpunkte;
Bund: -0,9 Prozentpunkte).
Abbildung 43:
Arbeitslosenquoten im Jahresdurchschnitt 2017
nach Staatsangehörigkeit (in %)
41
27,5
Sachsen
6,8
16,3
Deutschland
5,2
ausländische Staatsangehörigkeit
deutsche Staatsangehörigkeit
41
Staatenlose sowie Personen mit unbekannter
bzw. fehlender Angabe zur Staatsangehörigkeit
wurden nicht erfasst.

90
|
Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
E 6a Armutsrisikoquote I
Definition
Anteil der Personen mit und ohne Migrationshintergrund an
der jeweiligen Bevölkerung, deren Einkommen unterhalb der
Armutsrisikoschwelle liegt. Die Armutsrisikoschwelle liegt bei
60 % des Medians des nach der neuen OECD-Skala berechneten
Nettoäquivalenzeinkommens (bedarfsgewichtetes Haushalts-
nettoeinkommen pro Kopf). Die Medianberechnung erfolgt hier
auf der Basis des Bundesdurchschnittes des Netto äqui va lenz-
einkommens.
Empirische Relevanz
Materielle Armut wirkt sich auf alle Lebensbereiche und die
entsprechenden Teilhabechancen aus. Umgekehrt wird die
Wahrscheinlichkeit, ein Einkommen zu beziehen, das unterhalb
der Armutsquote liegt, von einer Vielzahl anderer Faktoren
beeinflusst, wie Bildung, Qualifikation und Erwerbsbeteiligung.
Eine Absenkung der Armutsrisikoquoten von Personen mit
Migrationshintergrund auf das Niveau der Personen ohne
Migrationshintergrund würde eine Angleichung der Teilhabe-
chancen in verschiedenen Bereichen anzeigen.
Bewertung des Indikators
Bereichsübergreifender Indikator
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Aufgrund der unterschiedlichen Lebenshaltungskosten über-
schätzen die Armutsrisikoquoten I auf Basis des Bundesmedians
das Armutsrisiko in Bundesländern mit niedrigeren Lebens-
haltungskosen und unterschätzen es in Ländern mit höheren
Lebenshaltungskosten. Dadurch sind die Armutsrisikoquoten
auf Basis des Bundesmedians länderspezifisch nicht direkt
vergleichbar.
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Grundlage der Berechnungen ist die Armutsgefährdungs-
schwelle für das Bundesgebiet. Diese wird anhand des mittleren
Einkommens (Median) des gesamten Bundesgebietes errechnet.
Den Armutsgefährdungsquoten für Bund und Länder liegt somit
eine einheitliche Armutsgefährdungsschwelle zugrunde. Aller-
dings werden bei dieser Betrachtung Unterschiede im Ein-
kommensniveau wie auch im Preisniveau (regionale Kaufkraft
des Einkommens) zwischen den Bundesländern nicht beachtet.
Das Armutsrisiko der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
lag 2017 deutlich höher als das der Bevölkerung ohne Migra-
tionshintergrund. Im Jahr 2017 lebten im Bundesgebiet 29,2 %
der Personen mit Migrationshintergrund in einem Haushalt,
dessen bedarfsgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen unter-
halb der Armutsrisikoschwelle lag. Bei Personen ohne Migra-
tionshintergrund traf dies auf 11,9 % zu. Besonders hoch war
das Armutsrisiko für Personen mit Migrationshintergrund in
den neuen Bundesländern, hier lebte rund jede zweite Person
mit Migrationshintergrund unter der Armutsrisikoschwelle. In
Sachsen betrug die Armutsrisikoquote bei Menschen mit Migra-
tionshintergrund 48,4 %. Deutsche mit Migrationshintergrund
trugen ein niedrigeres Armutsrisiko (Sachsen: 31,3 %; Bund:
21,8 %) als die ausländische Bevölkerung (Sachsen: 57,9 %;
Bund: 36,2 %). Differenziert nach dem Geburtsland wird deut-
lich, dass im Ausland Geborene (Sachsen: 51,9 %; Bund: 30,5 %)
ein höheres Armutsrisiko haben als in Deutschland Geborene
(Sachsen: 35,5 %; Bund: 26,0 %).
Im Vergleich zum Jahr 2015 ist die Armutsrisikoquote der
Menschen mit Migrationshintergrund in Sachsen im Jahr 2017
um +0,4 Prozentpunkte gestiegen. Auffällig dabei ist, dass das
Armutsrisiko für Deutsche mit Migrationshintergrund (-9,1 Pro-
zentpunkte) und in Deutschland Geborene (-7,3 Prozentpunkte)
gesunken ist, während Ausländerinnen und Ausländer (+4,2 Pro-
zentpunkte) sowie im Ausländer Geborene (+2,4 Prozentpunkte)
ein höheres Armutsrisiko im Vergleich zum Jahr 2015 haben.
Bei Personen ohne Migrationshintergrund in Sachsen ist die
Armutsrisikoquote ebenfalls gesunken (-2,5 Prozentpunkte).
Im Bundesdurchschnitt ist die Armutsrisikoquote bei der Be-
völkerung mit Migrationshintergrund um +1,0 Prozentpunkte
gestiegen, während sie bei der der Bevölkerung ohne Migra-
tionshintergrund leicht zurückging (-0,7 Prozentpunkte).

Armutsrisikoquote I
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91
Abbildung 44: Armutsrisikoquote I – Bundesmedian im Jahr 2017 nach Migrationsstatus (in %)
Abbildung 45: Armutsrisikoquote I der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Sachsen in den Jahren
2015 und 2017 – Bundesmedian (in %)
Differenziert nach dem Geschlecht zeigte sich für Frauen mit
Migrationshintergrund 2017 in Sachsen gegenüber den Män-
nern mit Migrationshintergrund ein niedrigeres Armutsrisiko
(-3,8 Prozentpunkte). Dies galt auch für die anderen neuen
Bundesländer: Im Vergleich mit den restlichen Bundesländern
trugen Frauen mit Migrationshintergrund in den neuen Bundes-
ländern ein deutlich geringeres Armutsrisiko, insbesondere in
Brandenburg (-10,3 Prozentpunkte), Mecklenburg-Vorpommern
(-7,6 Prozentpunkte) und Thüringen (-7,2 Prozentpunkte). Im
Bundesdurchschnitt lag das Armutsrisiko der Frauen mit Migra-
tionshintergrund -0,5 Prozentpunkte unter dem der Männer.
Demgegenüber hatten Frauen ohne Migrationshintergrund
sowohl in Sachsen (+0,8 Prozentpunkte) als auch im Bundes-
durchschnitt (+1,7 Prozentpunkte) ein höheres Armutsrisiko
als Männer ohne Migrationshintergrund.
Abbildung 44:
Armutsrisikoquote I – Bundesmedian im Jahr 2017
nach Migrationsstatus (in %)
48,4
Sachsen
14,5
29,2
Deutschland
11,9
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund
Abbildung 45:
Armutsrisikoquote I der Bevölkerung mit Migra-
tionshintergrund in Sachsen in den Jahren 2015
und 2017 – Bundesmedian (in %)
48,4
Bevölkerung mit Migrationshintergrund (Gesamt)
48,0
31,3
Davon Deutsche
40,4
57,9
Davon Ausländerinnen und Ausländer
53,7
35,5
Davon geboren in Deutschland
42,8
51,9
Davon geboren im Ausland
49,5
2017
2015

92
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Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
E 6b Armutsrisikoquote II
Definition
Anteil der Personen mit und ohne Migrationshintergrund an
der jeweiligen Bevölkerung, deren Einkommen unterhalb der
Armutsrisikoschwelle liegt. Die Armutsrisikoschwelle liegt bei
60 % des Medians des nach der neuen OECD-Skala berechneten
Nettoäquivalenzeinkommens (bedarfsgewichtetes Haushalts-
nettoeinkommen pro Kopf). Die Medianberechnung erfolgt hier
auf der Basis des Nettoäquivalenzeinkommens des jeweiligen
Bundeslandes.
Empirische Relevanz
Materielle Armut wirkt sich auf alle Lebensbereiche und die
entsprechenden Teilhabechancen aus. Umgekehrt wird die
Wahrscheinlichkeit, ein Einkommen zu beziehen, das unterhalb
der Armutsquote liegt, von einer Vielzahl anderer Faktoren
beeinflusst, wie Bildung, Qualifikation und Erwerbsbeteiligung.
Eine Absenkung der Armutsrisikoquoten von Personen mit
Migrationshintergrund auf das Niveau der Personen ohne Mi-
grationshintergrund würde eine Angleichung der Teilhabe-
chancen in verschiedenen Bereichen anzeigen.
Bewertung des Indikators
Bereichsübergreifender Indikator
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Ergebnisse
Grundlage der Berechnungen sind die jeweiligen regionalen
Armutsgefährdungsschwellen. Diese werden anhand des mitt-
leren Einkommens (Median) des jeweiligen Bundeslandes er-
rechnet. Dadurch wird den Unterschieden im Einkommens-
niveau zwischen den Bundesländern Rechnung getragen.
Werden die Landesmediane als Berechnungsgrundlage für die
Armutsrisikoquote verwendet, zeigen sich ebenfalls deutliche
Unterschiede nach dem Migrationsstatus. Wie beim Bundes-
median liegt das Armutsrisiko der Bevölkerung mit Migrations-
hintergrund deutlich höher als das der Bevölkerung ohne Migra-
tionshintergrund. Allerdings fallen die Unterschiede zwischen
den Bundesländern bei der Bevölkerung mit Migrationshinter-
grund nicht mehr so deutlich aus.
Das höchste Armutsrisiko für Menschen mit Migrationshinter-
grund bestand im Jahr 2017 in den neuen Ländern mit Armuts-
risikoquoten zwischen 37,6 % in Thüringen und 48,4 % in
Sachsen-Anhalt. In diesen Ländern waren auch die Unterschiede
von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund mit
+27,4 Prozentpunkten in Thüringen bis zu +36,2 Prozent-
punkten in Sachsen-Anhalt am stärksten ausgeprägt. In Sachsen
belief sich das Armutsriskio von Menschen mit Migrations-
hintergrund auf 40,3 %. In der Bevölkerung ohne Migrations-
hintergrund waren hingegen nur 10,3 % von Armut bedroht.
Im Vergleich zum Jahr 2015 ist die Armutsrisikoquote in Sachsen
bei Menschen mit Migrationshintergrund um +2,8 Prozent-
punkte gestiegen. Bei der Bevölkerung ohne Migrationshinter-
grund ist sie um -1,3 Prozentpunkte gesunken.
Differenziert nach Geschlecht trugen Frauen mit Migrations-
hintergrund – analog zum Bundesmedian – vor allem in den
neuen Bundesländern ein deutlich geringeres Armutsrisiko,
insbesondere in Brandenburg (-10,1 Prozentpunkte), Meck-
lenburg-Vorpommern (-8,6 Prozentpunkte) und Thüringen
(-7,4 Prozentpunkte). In Sachsen betrug die Differenz zwischen
Frauen und Männer mit Migrationshintergrund -5,7 Prozent-
punkte.

Armutsrisikoquote II
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Abbildung 46: Armutsrisikoquoten der Bevölkerung in Sachsen im Jahr 2017 nach Migrationsstatus –
Landesmedian (in %)
Abbildung 46:
Armutsrisikoquoten der Bevölkerung in Sachsen im
Jahr 2017 nach Migrationsstatus – Landesmedian
(in %)
40,3
Sachsen
10,3
mit Migrationshintergrund
ohne Migrationshintergrund

94
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Integrationsmonitoring der Länder 2019 – Länderauszug für den Freistaat Sachsen
E 7
Quelle des überwiegenden Lebensunterhalts
Definition
Anteil der Personen in Privathaushalten mit und ohne Migra-
tionshintergrund im Alter von 15 und mehr Jahren nach der
Quelle des überwiegenden Lebensunterhalts (Erwerbstätigkeit,
Angehörige, Rente/Pension, eigenes Vermögen, Transferzah-
lungen) und nach Geschlecht.
Empirische Relevanz
Der Indikator zeigt an, aus welchen Quellen der Lebensunter-
halt überwiegend bestritten wird. Von besonderer Bedeutung
sind hier Erwerbstätigkeit und öffentliche Transferzahlungen.
Ein Rückgang des Anteils der Personen mit Migrationshinter-
grund, die von öffentlichen Transferzahlungen abhängig sind,
und ein Ansteigen des Anteils derer, die ihren Lebensunterhalt
überwiegend selbst zu finanzieren in der Lage sind, zeigen
einen Fortschritt beim strukturellen Integrationsprozess an.
Bewertung des Indikators
Bereichsübergreifender Indikator, der von der Konjunktur be-
einflusst wird.
Datenquelle
Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Mikrozensus
(siehe Kapitel Datenquellen)
Methodische Besonderheiten
Die Ergebnisse ab dem Berichtsjahr 2011 sind an der Bevölke-
rungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2011 hochgerechnet.
Seit 2017 wird der Migrationsstatus in Gemeinschaftsunter-
künften nicht mehr abgefragt, so dass sich die Ergebnisse seit
2017 auf die Bevölkerung in Privathaushalten beziehen. Zur
Vergleichbarkeit für den Fünften Bericht wurden die Daten
des Berichtsjahres 2015 rückwirkend ebenfalls auf Ebene der
Privathaushalte berechnet.
Ergebnisse
Im Jahr 2017 bezog der Großteil der Personen mit (44,7 %)
und ohne Migrationshintergrund (52,8 %) in Sachsen seinen
Lebensunterhalt überwiegend aus Erwerbstätigkeit. Dabei lagen
die sächsischen Werte vor allem bei Menschen mit Migrations-
hintergrund deutlich unter dem Bundesdurchschnitt: Bundes-
weit bezogen 52,1 % der Menschen mit Migrationshintergrund
und 53,6 % der Menschen ohne Migrationshintergrund ihren
überwiegenden Lebensunterhalt aus Erwerbstätigkeit. Im Ver-
gleich mit den anderen Bundesländern war der Anteil der Men-
schen, die ihren Lebensunterhalt überwiegend aus Erwerbs-
tätigkeit bezogen, in Sachsen – neben Mecklenburg-Vorpommern
(38,5 %) und Sachsen-Anhalt (35,5 %) – am niedrigsten.
Eine weitere wichtige Quelle des überwiegenden Lebensunter-