Strömungsmechanik
Immissionsschutz
Windkanaluntersuchungen
Ingenieurbüro
Dr.-Ing. Achim Lohmeyer
Karlsruhe und Dresden
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Auftraggeber: Sächsisches Landesamt
für Umwelt und Geologie
Zur Wetterwarte 10
01109 Dresden
Dr. rer. nat. I. Düring
Dipl. Met. A. Moldenhauer
Dipl.-Ing. (FH) E. Nitzsche
November 2004
Projekt 2546
unter Mitarbeit der IFEU Heidelberg GmbH und der TU Dresden, Institut für Verkehrsökologie
Dr. rer. nat. M. Stockhause
Dr.-Ing. A. Lohmeyer
BERECHNUNG DER KFZ-BEDINGTEN
FEINSTAUBEMISSIONEN INFOLGE
AUFWIRBELUNG UND ABRIEB FÜR
DAS EMISSIONSKATASTER SACHSEN
ZUSAMMENFASSUNG
Endbericht

Ingenieurbüro Lohmeyer
1
ZUSAMMENFASSUNG
Die besondere Gesundheitsrelevanz feiner Staubpartikel fand ihren Niederschlag u. a. in der
RL 1999/30/EG und der 22. BImSchV. Die dort festgelegte Aufstellung von Luftreinhalteplä-
nen erfordert die Kenntnis der relevanten PM10-Emittenten. Mehrere Literaturhinweise deu-
ten auf Abrieb- und Aufwirbelung aus dem Verkehrsbereich als bedeutende PM10-Emissi-
onsquelle und die Bedeutung der Partikelanzahl-Verteilung in diesem Teilchengrößenbereich
hin. Das Landesamt für Umwelt und Geologie Sachsen (LfUG) ist für die Aufstellung und
Fortschreibung des sächsischen Emissionskatasters zuständig. Für die Staubemissionen der
Emittentengruppe Verkehr werden gegenwärtig die Motoremissionen von Straßenverkehr,
Luftverkehr, Schienenverkehr (Dieseltraktion) und Binnenschifffahrt berücksichtigt. Nicht aus-
reichend berücksichtigt sind Staubemissionen infolge Aufwirbelung und Abrieb durch Stra-
ßen-, Luft- und Schienenverkehr sowie der Offroadverkehr (Land- und Forstwirtschaft, Mili-
tär, Bauwirtschaft, Landschaftspflege, Garten, Hobby).
Ziel des FuE-Vorhabens sollte deshalb sein, eine praktikable Methodik zur Berechnung der
sächsischen PM10-Emissionen durch Abrieb und Aufwirbelung aus dem Verkehr im Sinne
einer schnell verfügbaren pragmatischen Lösung zu entwickeln, die Emissionen damit abzu-
schätzen und die Ergebnisse - soweit möglich - zu überprüfen. Die Ableitung eines grund-
sätzlich neuen, physikalisch fundierteren Modells der PM10-Emissionsprozesse infolge Stra-
ßenverkehr war nicht Aufgabe dieses Projektes. Diese längerfristige Lösung ist aber nach
wie vor anzustreben.
Im Rahmen der Umsetzung des Projektes erfolgte zunächst eine Auswertung von in Sach-
sen vorhandenen Immissionsschutzmessdaten, die unter Nutzung verschiedener Methodi-
ken eine erste Orientierung der tatsächlich auftretenden PM10-Emissionen geben. Des
Weiteren wurde eine weltweite Literaturrecherche für alle zu betrachtenden Emittentengrup-
pen durchgeführt. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Arbeiten wurden Vorschläge für die
PM10-Emissionsbestimmung abgeleitet.
Ergebnisse der Datenauswertung an sächsischen Messstellen
Lützner Straße in Leipzig
Der PM10-Jahresmittelwert lag im Jahr 2003 (lufthygienisch ungünstiges Jahr) mit
46 μg/m³ deutlich über den ab 2005 einzuhaltenden Grenzwert von 40 μg/m³. An 132
Tagen wurde der Tagesgrenzwert von 50 μg/m³ überschritten. Im 12 Monatszeitraum

Ingenieurbüro Lohmeyer
2
11/2003 bis 10/2004 wurde ein PM10-Jahresmittelwert von 38 μg/m³ gemessen und 64
Überschreitungen des Tagesgrenzwertes festgestellt
Der PM10-Jahresmittelwert setzte sich für beide Auswertezeiträume aus ca. 49 %
regionaler Vorbelastung (Station Collmberg), aus ca. 11 % bzw. 13 % städtischer Zu-
satzbelastung und aus ca. 38 % bzw. 40 % verkehrsbedingter Zusatzbelastung durch
die Lützner Straße zusammen.
Infolge der Verkehrsabnahme von werktags (Mo bis Fr) auf sonntags um ca. 36 % so-
wie des Schwerverkehrs um 80 % ist eine Abnahme des PM10-Verkehrsbeitrages in
der Lützner Straße um ca. 45 % bzw. 47 % zu verzeichnen. Diese Abnahme zeigt auch
der NO
x
-Verkehrsbeitrag.
Das Verhältnis PM10/NO
x
liegt für die Gesamtbelastung im Wochenmittel an der Lütz-
ner Straße bei 0.31, in Leipzig-West bei 0.84 und am Collmberg bei 1.5. Für den Ver-
kehrsbeitrag liegt dieser Wert im Mittel bei 0.17.
Mittels NO
x
-Tracermethode wurden tagesmittlere PM10-Emissionsfaktoren bestimmt.
Diese variieren im Laufe des Jahres zwischen ca. 0.05 und 0.2 g/(km
Fzg). Im Jah-
resmittel wurde für beide Messzeiträume ein Wert von 0.11 g/(km
Fzg) ermittelt. Die-
ser ist etwa 5-mal größer als der mittels HBEFa2.1 berechenbare Auspuffemissions-
faktor, aber auch deutlich niedriger, als in Lohmeyer (2001) aus der damaligen vierwö-
chigen Messkampagne abgeleitet. Aufgrund der starken Abnahme des LKW-Anteils
am Sonntag ist er ca. 30 % niedriger als an Werktagen. Unter Annahme eines linearen
Zusammenhanges zwischen PM10-Emissionsfaktor und LKW-Anteil konnte aus dem
werktags/sonntags-Vergleich eine Differenzierung des Gesamtemissionsfaktors für
PKW (0.044 g/(km
PKW)) und LKW (1.8 g/(km
LKW)) erfolgen. Die abgeleiteten
PM10-Emissionsfaktoren für die beiden Messzeiträume unterscheiden sich nicht rele-
vant. Unter Berücksichtigung dieser Emissionsfaktoren und der Fahrleistungen für
PKW und LKW auf der Lützner Straße werden die in der Lützner Straße vorliegenden
PM10-Zusatzbelastungen im Wochenmittel zu ca. 40 % von PKW und zu ca. 60 % von
LKW verursacht. Da der Verkehrsbeitrag der Immissionen im Wochenmittel bei ca.
40 % der Gesamtbelastung liegt, so kann aus den abgeleiteten Daten ein PM10-Im-
missionsanteil infolge des PKW-Verkehrs auf der Lützner Straße von ca. 16 % und in-
folge des LKW-Verkehrs von ca. 24 % an der Gesamtbelastung abgeschätzt werden.

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3
Mittels Rückrechnung mit dem 3dimensionalen Ausbreitungsmodell MISKAM wurde ein
jahresmittlerer PM10-Emissionsfaktor von 0.12 g/(km
Fzg) ermittelt. Dieser vergleicht
sich gut mit den aus der NO
x
-Tracermethode abgeleiteten.
An Werktagen mit Regen (Niederschlagssumme größer 0.1 mm) nimmt die PM10-Ge-
samtbelastung um 28 % und die PM10-Zusatzbelastung um 27 % gegenüber der mitt-
leren Werktagskonzentration ab. Mit zunehmender Trockenheit steigt sowohl die Ge-
samt- als auch die Zusatzbelastung und liegt z. B. am dritten trockenen Tag ca. 70 %
(PM10-Gesamtbelastung) bzw. 60 % (Zusatzbelastung) höher als am Regentag. Die
mittels NO
x
-Tracermethode abgeleiteten PM10-Emissionsfaktoren zeigen im Jahr 2003
für Tage mit Niederschlagsmengen größer 0.1 mm mit ca. 8 % relativ geringe Abnah-
men. Diese ist deutlich geringer als die Reduktion der Zusatzbelastung. Der Einfluss
der an Regentagen günstigeren Ausbreitungsverhältnisse (z. B. durch höhere Windge-
schwindigkeiten) auf die Konzentrationen scheint damit größer zu sein als die Reduk-
tion der Partikelemissionen durch die feuchte Bindung des Staubes bzw. des Weg-
spülens von Straßenstaub. (Hinzuweisen ist allerdings auf möglicherweise zusätzliche
Effekte (z. B. Einfluss der Bedingungen an Regentagen auf die Messtechnik, eventu-
elles Ausspülen von Staub aus der Atmosphäre), die sich durch die verwendete NO
x
-
Tracermethode in den abgeleiteten Emissionsfaktoren niedergeschlagen haben
könnte. Diese Prozesse bzw. Einflüsse sind bisher nicht verstanden bzw. quantifizier-
bar, sodass die hier dargestellten Emissionseffekte des Regens mit größeren Unsi-
cherheiten behaftet sind.) Bei täglichen Niederschlagsmengen größer 1 mm sind Re-
duktionen in den Emissionen um ca. 16 % zu beobachten, bei mehr als 2 mm von ca.
20 %. Es deutet sich mit zunehmender Trockenheit eine Zunahme der PM10-Emissio-
nen an. Bereits am Tag nach dem Regen sind z. B. im Jahr 2003 die Emissionen höher
als am mittleren Werktag. Am zweiten trockenen Tag nach dem Regenereignis ist der
abgeleitete Emissionsfaktor im Mittel etwa 14 % höher als am mittleren Regentag bzw.
12 % höher als am mittleren Werktag ist. Dies sollte jedoch in der Größenordnung des
Fehlers bei der Bestimmung der Emissionsfaktoren liegen. Im Auswertezeitraum 11/03
bis 10/04 werden ähnliche Tendenzen beobachtet wie im Jahr 2003. Insgesamt scheint
der Einfluss des Niederschlages auf die tagesmittleren
PM10-Emissionen
mit kleiner
20 % eher gering zu sein.

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4
Schlesischer Platz und Bergstraße in Dresden
Anhand der Datenauswertungen kann für das Jahr 2003 (Dresden-Nord) bzw. für den Zeit-
raum Februar bis August 2003 (Bergstraße) Folgendes festgestellt werden:
Der PM10-Jahresmittelwert lag in Dresden Nord mit ca. 42 μg/m³ bzw. an der Berg-
straße mit 45 μg/m³ über den ab 2005 einzuhaltenden Grenzwert von 40 μg/m³. An
92 Tagen (Dresden-Nord) des Jahres 2003 bzw. 53 Tagen im eingeschränkten Mess-
zeitraum (Bergstraße) wurde der Tagesgrenzwert von 50 μg/m³ überschritten.
Der PM10-Jahresmittelwert setzte sich in Dresden-Nord ca. 64 % aus regionaler
Vorbelastung (Radebeul-Wahnsdorf), ca. 24 % aus städtischer Zusatzbelastung (Sta-
tion Dresden-Mitte minus Radebeul-Wahnsdorf) und ca. 12 % aus verkehrsbedingter
Zusatzbelastung durch die Hauptstraßen im Nahbereich der Station Dresden-Nord zu-
sammen. An der Verkehrsmessstation Dresden-Bergstraße beträgt der Anteil der regi-
onalen Hintergrundbelastung (Radebeul-Wahnsdorf) ebenfalls ca. 64 %. Der Anteil der
städtischen Hintergrundbelastung an der Gesamtbelastung liegt unter Berücksichti-
gung der eingeschränkten Repräsentativität der Station Dresden-Mitte für die Vorbe-
lastung in der Bergstraße sicherlich unter 87 %. Es muss hierbei zusätzlich noch der
eingeschränkte Auswertezeitraum bei der Bergstraße beachtet werden.
An den 4 Messstationen ist von werktags auf sonntags eine deutliche Abnahme sowohl
der PM10- als auch der NO
x
-Konzentrationen zu verzeichnen. Die Abnahme der durch
den Verkehr induzierten PM10-Konzentrationen von werktags auf sonntags liegt z. B.
an der Verkehrsmessstation Dresden-Nord für PM10 bei ca. 50 %, für die NO
x
-Kon-
zentration bei ca. 40 %.
Das Verhältnis von PM10/NO
x
beträgt im Wochenmittel an der Station Dresden-Nord
ca. 0.4, in Dresden-Mitte ca. 0.70 und in Radebeul-Wahnsdorf ca. 1.1. Damit sind
diese Werte vergleichbar mit den in Leipzig für die entsprechenden Stationsklassen
gefundenen Werten.
Mittels Rückrechnung mit dem 3dimensionalen Ausbreitungsmodell MISKAM wurde für
die Bergstraße ein jahresmittlerer PM10-Emissionsfaktor von 0.2 g/(km
Fzg) ermittelt.
Es sei darauf hingewiesen, dass dieser Wert aufgrund der Unsicherheit in der Vorbe-
lastungsbestimmung, durch die Verwendung der Winddaten an der Station Großer
Garten, welche zwar repräsentativ für das Stadtgebiet Dresden sind, aber nicht im glei-

Ingenieurbüro Lohmeyer
5
chen Zeitraum wie die Immissionsmessungen gemessen wurden, sowie durch den
eingeschränkten Messzeitraum mit Unsicherheiten behaftet ist. Eine Verbesserung der
Datensicherheit ist nur möglich, wenn nach Wiederinbetriebnahme der Bergstraße
PM10- und gleichzeitig NO
x
-Messungen in der Bergstraße und im Hintergrund durch-
geführt werden, einschließlich der Aufnahme repräsentativer Winddaten, und dann
diese Messdaten mittels NO
x
-Tracermethode und Rückrechnung mit MISKAM analy-
siert werden.
Zeppelinstraße in Görlitz
Anhand der Datenauswertungen kann für die ausgewerteten Bezugsjahre 2001 bis 2002
Folgendes festgestellt werden:
Der PM10-Jahresmittelwert lag mit ca. 30 bis 34 μg/m³ deutlich unter dem ab 2005 ein-
zuhaltenden Grenzwert von 40 μg/m³. Allerdings ist z. B. im Jahr 2002 der PM10-Ta-
gesgrenzwert deutlich überschritten.
Der PM10-Jahresmittelwert setzte sich zu ca. 50 % bis 60 % aus städtischer Vorbelas-
tung und zu ca. 40 bis 50 % aus verkehrsbedingter Zusatzbelastung durch die
Zeppelinstraße zusammen.
Infolge der Verkehrsabnahme von werktags (Mo bis Fr) auf sonntags ist eine Abnahme
der PM10-Konzentrationen um ca. 20 % und der NO
x
-Konzentrationen um ca. 40 % zu
verzeichnen.
Das Verhältnis PM10/NO
x
liegt für die Gesamtbelastung im Wochenmittel an der
Zeppelinstraße bei 0.40.
Mittels NO
x
-Tracermethode wurden für das Bezugsjahr 2002 PM10-Gesamtemissions-
faktoren von 0.18 bis 0.25 g/(km
Fzg) abgeschätzt. Mittels Rückrechnung mit dem
Ausbreitungsmodell PROKAS wurden Emissionsfaktoren zwischen 0.17 und
0.19 g(km
Fzg) abgeleitet. Dies vergleicht sich gut mit den aus der NO
x
-Tracer-
methode bestimmten Werten. Nur ca. 15 bis 19 % davon lassen sich mittels Auspuff-
emissionen nach HBEFa2.1 erklären. Der überwiegende Anteil muss deshalb auch hier
den nicht auspuffbedingten PM10-Emissionen zugeordnet werden.

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Aerosolmessungen in Leipzig
Das Institut für Troposphärenforschung Leipzig (IfT) führte Aerosolmessungen in der Eisen-
bahnstraße (Straßenschlucht), auf dem Gelände des Institutes (städtischer Hintergrund) und
in Melpitz (regionaler Hintergrund) durch. Diese Daten wurden vom IfT aufbereitet und im
Rahmen des vorliegenden Projektes zur Verfügung gestellt.
Anhand der Datenauswertungen kann für das Jahr 2003 Folgendes festgestellt werden:
Die Partikelanzahlkonzentrationen hängen sehr stark von der Partikelgröße ab. Die
Messwerte variieren über 4 Größenordnungen. Die mittlere Partikelanzahlkonzentra-
tion der Gesamtbelastung liegt in der Eisenbahnstraße bei ca. 22 000 Partikel/cm³, die
der Zusatzbelastung bei ca. 9 000 Partikel/cm³.
Die meisten Partikel sind bei allen Stationen in der Größenklasse 10 bis 100 nm
(Aitken mode) zu finden. Hier sind ca. 73 % der Gesamtpartikelanzahl vertreten. Parti-
kel im accumulation mode (100 bis 750 nm) tragen zu ca. 16 % zur Gesamtpartikelan-
zahl bei, Partikel im nucleation mode (3 bis 10 nm) etwa zu 11 %. Grobe Partikel (> 1
μm) sind nur in geringer Anzahl zu finden.
Betrachtet man die Differenz zwischen Eisenbahnstraße und IfT, dann zeigt auch diese
Zusatzbelastung eine ähnliche Anzahlverteilung wie die Gesamtbelastung. Auch hier
liegt das Maximum im aitken mode (ca. 74 %). Im accumulation mode finden sich ca.
12 % und im nucleation mode ca. 14 % der Partikel.
Für die Zusatzbelastungen (d. h. Konzentrationen an Station Eisenbahnstraße minus
IfT) von NO
x
und Partikelanzahlen der Durchmesser 10 bis 100 nm (aitken mode) wird
mit R
2
= 0.66 die beste Korrelation festgestellt. Die Korrelation im nucleation mode (3
bis 10 nm) ist mit R
2
= 0.53 nur geringfügig schlechter. Im accumulation mode (100 bis
750 nm) nimmt das Bestimmtheitsmaß deutlich auf R
2
= 0.24 ab. Dies ist ein deutlicher
Hinweis darauf, dass die Auspuffpartikel im Wesentlichen den ultrafeinen Partikeln zu-
geordnet werden können.
Der Verlauf der Wochengänge der Konzentrationen kann Hinweise auf Quellzuordnung
(PKW, LKW) und Minderungspotenzial geben. Deshalb wurden die Wochengänge der
NO
x
-und Partikelanzahlzusatzbelastungen erstellt. Es kann dabei festgestellt werden,
dass die NO
x
-Zusatzbelastungen in der Eisenbahnstraße infolge der Verkehrsabnahme
von werktags ca. 20 000 Kfz/d auf sonntags ca. 10 000 Kfz/d und insbesondere auf-

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7
grund der Abnahme der LKW-Fahrleistung um 75 % sonntags auf ca. 50 % der mittle-
ren werktäglichen NO
x
-Zusatzbelastung absinken. Die Gesamtpartikelzusatzbelastung
sinkt von werktags auf sonntags sogar um ca. 80 %. Dies korreliert gut mit der o. g.
Abnahme der LKW-Fahrleistung und weist bei den Partikelanzahlen auf die Dominanz
der Emissionen infolge der (dieselbetriebenen) LKW hin. Die Unsicherheit bei der Be-
stimmung der Zusatzbelastung für Partikelanzahlen im accumulation mode ist relativ
groß. Darauf weisen die häufig negativen Zusatzbelastungen hin.
Mittels NO
x
-Tracermethode konnte für die Eisenbahnstraße im Zeitraum 17.10. bis
31.12.2003 ein Partikelanzahlemissionsfaktor von ca. 1.4 10
14
Partikel/(km Fzg) abge-
leitet werden.
Ergebnisse der Literaturrecherche Straßenverkehr
Massebezogene Betrachtungen:
1. Über die Relevanz nicht auspuffbedingter PM10-Emissionen gibt es mittlerweile in der
wissenschaftlichen Gemeinschaft Konsens. Wesentlich sind hierbei die Komponenten
Reifen-, Brems- und Straßenabrieb sowie Wiederaufwirbelung (Resuspension) von
Straßenstaub. An vermessenen niederländischen Straßen scheinen nur Abriebe, nicht
aber die Resuspension von Straßenstaub relevant zu sein. Dies stellten Keuken et al.
(1999) fest, in dem sie mittels Emissionsfaktoren aus dem nationalen Emissionskataster
für Auspuff, Reifen-, Brems- und Straßenabrieb PM10-Immissionen berechneten und
diese mit Konzentrationsmessungen verglichen. Allerdings liegen die auspuffbedingten
Emissionsfaktoren der holländischen Emissionsdatenbank für das dort betrachtete Be-
zugsjahr 1997 etwa doppelt so hoch wie die aus dem (deutschen) Handbuch für Emissi-
onsfaktoren.
2. PM10-Emissionsmodelle für nicht auspuffbedingte Partikel sind nach unseren
Erkenntnissen derzeit in den USA (EPA-Modell), Norwegen (VLUFT-Modell), Schweden
(SMHI-Modell) und Deutschland (mod. EPA-Modell) im Einsatz. In der Schweiz werden
aus detaillierten Messungen an sechs Straßen mit unterschiedlichen Verkehrssituatio-
nen abgeleitete Emissionsfaktoren zur Beschreibung der Emissionen infolge Aufwirbe-
lung und Abrieb benutzt. In anderen Ländern wird entweder das EPA-Modell verwendet
oder die Emissionen aus dem Verhältnis zwischen PM10 und NO
x
-Immissionen abge-
leitet.

Ingenieurbüro Lohmeyer
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3. Die Streubreiten der Abweichungen zwischen Messdaten und den Emissionsfaktoren
aus dem modifizierten EPA-Modell sind groß. Im Wesentlichen werden die nicht aus-
puffbedingten Emissionen vor allem im Bereich kleiner Emissionsfaktoren überschätzt,
im Bereich hoher Emissionsfaktoren (bei gering verfügbaren Datenkollektiv) eher unter-
schätzt.
4. Die US-EPA entwickelte in den letzten zwei Jahren ihr Modell dahingehend weiter, dass
der Einfluss von Regen berücksichtigt wird und weiterhin eine Separation der PM10-
Quellanteile Auspuff, Reifen- und Bremsabrieb und „Rest“ für amerikanische Verhält-
nisse möglich ist.
5. Sowohl VLUFT in Norwegen als auch das schwedische Modell berücksichtigen einen
geschwindigkeitsabhängigen Term, um die Staubaufwirbelung zu beschreiben. Das
EPA-Modell weist diese Abhängigkeit nicht auf. Hier werden die Staubbeladung der
Straße, das Gewicht der Fahrzeugflotte und die Regenhäufigkeit als Parameter verwen-
det. Die Schweizer Emissionsfaktoren differenzieren nach den Verkehrssituationen des
Handbuches für Emissionsfaktoren.
6. Der Einfluss des Regens auf die PM10-Emission scheint aufgrund der neuen Untersu-
chungen deutlich geringer zu sein, als dies 2001 angenommen wurde. Die US-EPA geht
nur noch von ca. 25 % Minderung an Regentagen aus, andere Untersuchungen (z. B.
Schulze, 2002) zeigen noch geringere bis gar keinen Einfluss auf die PM10-Emissionen.
Die Auswertung der Daten an der B 10 in Karlsruhe (Lohmeyer, 2004) weist an Werkta-
gen mit Regen auf eine Abnahme der Emissionsfaktoren von ca. 40 % hin, an Sonnta-
gen mit Regen wurde keine Abnahme (eher eine geringe Zunahme) gegenüber dem
mittleren trockenen Sonntag beobachtet. Gehrig et al. (2003) fanden an einer Straße
keine Abnahme der Emissionsfaktoren in Regenstunden und an einer anderen Straße
ca. 50 % Reduktion für den Anteil PM10-PM1. Die oben diskutierten Ergebnisse an der
Lützner Straße weisen an Werktagen auf Emissionsreduktionen von kleiner 20 % ge-
genüber dem mittleren trockenen Werktag hin.
7. Trockene Straßenreinigung scheint entsprechend amerikanischer Untersuchungen
(TRAKER-Messungen) keinen bzw. kurzzeitig sogar einen negativen Einfluss auf die
Höhe der PM10-Emissionsfaktoren zu haben (Etyemezian et al., 2003b; Kuhns et al.,
2003).

Ingenieurbüro Lohmeyer
9
8. Lohmeyer (2001) erläuterten, dass das SMHI-Modell aus Schweden wegen der dortigen
Spikereifen für die mitteleuropäischen Verhältnisse nicht anwendbar ist. Brandt et al.
(2002) zeigten auf, dass die Berechnung der PM10-Emissionen aus PM10/NO
x
-Verhält-
nissen zu deutlich unsicheren Ergebnissen führt als die Anwendung des modifizierten
EPA-Modells.
9. In den großen europäischen Emissionsdatenbanken, aber auch im amerikanischem
Emissionsmodell MOBILE6, sind Emissionsfaktoren für Brems- und Reifenabrieb und
z. T. für Straßenabrieb differenziert nach verschiedenen Fahrzeugklassen aber auch
Partikelgrößenklassen enthalten. Im neuesten Entwurf von CORINAIR ist dabei für Rei-
fen- und Bremsbelag auch eine Differenzierung nach Fahrzeuggeschwindigkeiten und
bei LKW vom Beladungsgrad angegeben. Die Unsicherheit in den Daten ist aufgrund
des begrenzt zur Verfügung stehenden Datenmaterials eher groß. Dies zeigt sich auch
daran, dass sich trotz der im Wesentlichen gleichen Datengrundlagen die angesetzten
Emissionsfaktoren z. B. zwischen CORINAIR und RAINS zum Teil deutlich unterschei-
den.
10. Gezielte Messungen zum Einfluss des Straßenzustandes bzw. der Art des
Fahrbahnbelages auf die PMx-Emission liegen bisher nicht vor. Von verschiedenen Au-
toren werden allerdings Hinweise über einen möglichen großen Einfluss gegeben. So
zeigten Lohmeyer (2003b) für eine Innerortsstraße in Brandenburg, dass beim Übergang
von geflicktem Kleinpflaster auf Asphalt eine deutliche PM10-Reduktion beobachtet
werden konnte. Allerdings konnten durch die neueren Datenauswertungen an der Lütz-
ner Straße in Leipzig (siehe oben) die extrem hohen Emissionsfaktoren der älteren (nur
vierwöchigen Messkampagne) nicht bestätigt werden. Die Konzentrationen und aus ei-
nem einjährigen Datenbestand neu abgeleiteten Emissionsfaktoren weisen dennoch auf
einen sehr hohen Anteil nicht auspuffbedingter PM10-Emissionen hin. Lohmeyer
(2003c) wiesen durch Messungen an der Göttinger Straße in Hannover nach, dass die
Staubbeladung dieser Straße trotz des dort vorliegenden guten Straßenzustandes höher
lag, als für die Lützner Straße in Leipzig mit einem sehr schlechten Belag. Dies unter-
stützt die von einigen Autoren geäußerte starke Kritik an der bisher als wichtigen Para-
meter verwendeten Staubbeladung im PM10-Emissionsmodell. Bezüglich des Einflusses
des Fahrbahnzustandes auf die PM10-Emission ist somit weiterhin dringender For-
schungsbedarf gegeben.

Ingenieurbüro Lohmeyer
10
11. PM10- und PM2.5- bzw. PM1-Emissionsfaktoren liegen in einem größeren Umfang vor,
als dies im Jahr 2001 der Fall gewesen ist. Es sind auch durch ein Forschungsprojekt
der Bundesanstalt für Straßenwesen (Lohmeyer, 2004) PM10-Messungen und daraus
abgeleitete Emissionsfaktoren für Autobahnen und Außerortsstraßen bekannt. In diesem
Forschungsprojekt wurde ein Vorschlag für die nicht auspuffbedingten PM10-Emissi-
onsfaktoren für solche Straßentypen erarbeitet. Diese Emissionsfaktoren für Autobah-
nen liegen deutlich niedriger als durch das modifizierte EPA-Modell angenommen.
Anzahlbezogene Betrachtungen:
12. Detaillierte Untersuchungen von verschiedenen Messkampagnen zu den Partikelanzahl-
verteilungen und -emissionsfaktoren werden in der Literatur beschrieben.
13. In Tunneln dominieren dabei die Partikel in der Größenklasse 0.1 bis 1 μm. In der Frak-
tion 2.5 bis 10 μm wurden die geringsten Anzahlkonzentrationen bestimmt. Partikel, die
für Reifenabrieb und/oder Resuspension typisch sind, wurden dort nur in geringen Men-
gen gefunden.
14. Messergebisse zeigen, dass der Verkehr vor allem im Nanopartikelbereich (D <30 nm)
eine sehr hohe Partikelanzahl emittiert. Diese Partikel entstehen durch homogene
Nukleation, d. h. wenn das Fahrzeugabgas direkt nach der Auspuffemission sehr rasch
durch die Umgebungstemperatur abgekühlt wird.
15. Im Akkumulationsmode (50 bis 300 nm) liegt eine weitere wichtige Emissionsquelle.
Diese besteht zu einem erheblichen Anteil aus Rußpartikeln, welche sehr oft Dieselmo-
toren zugeordnet werden können.
16. Die Partikelanzahlkonzentrationen und Emissionsfaktoren zeigen im Coarse Mode (1 bis
10 μm) einen Tagesgang. Dieser wurde durch die entsprechenden Autoren mit Abrieben
und Resuspension begründet.
17. Die in der Literatur angegebenen Partikelanzahl-Emissionsfaktoren zeigen im Wesentli-
chen die gleiche Größenordnung. Unterschiede können durch verschiedene Messberei-
che, verkehrliche Einflussfaktoren und die räumliche Situation (Freiland, Tunnel, Stra-
ßenschlucht) erklärt werden.

Ingenieurbüro Lohmeyer
11
Vorschlag für PM10-Emissionsberechnung Straßenverkehr
Das bisherige allgemein verwendete massebezogene PM10-Emissionsmodell (mEPA) weist
deutliche Schwächen auf. Die größte ist die dort verwendete Staubbeladung der Straße als
wesentlicher Parameter, der zumindest für befestigte Straßen unter mitteleuropäischen Ver-
hältnissen nicht als primäre Einflussgröße angesehen werden kann (siehe z. B. Lohmeyer,
2001; Fitz, 2001; Lohmeyer, 2003c). Auch ist die für die Anwendung des mEPA-Modells ei-
gentlich notwendige Bestimmung der Staubbeladung für die zu betrachtende Straße nicht
praktikabel, da sehr aufwendig. Die Streuung der realen Messwerte um bisher verwendete
Standardwerte ist dagegen groß, wie bisher vorliegende Messungen an Innerortsstraßen
gezeigt haben. Es wird deshalb vorgeschlagen, nicht das modifizierte EPA-Modell zu verbes-
sern, sondern im Sinne einer notwendigen schnellen und pragmatischen Zwischenlösung
einen Ansatz zu wählen, der kompatibel mit den Verkehrssituationen im Handbuch für Emis-
sionsfaktoren ist und an die Vorgehensweise der Schweizer Arbeitsgruppen anknüpft. Diese
Vorgehensweise stellt kein grundsätzlich neues und physikalisch fundiertes Modell dar.
Diese längerfristige Lösung ist nach wie vor anzustreben.
Es wird im Folgenden für die Berechnung der PM10-Emissionsfaktoren einer Straße davon
ausgegangen, dass sie sich für das zu betrachtende Bezugsjahr (Bzj) zusammensetzen aus
den Emissionen aus dem Auspuff, den
d
irekten Emissionen (also ohne vorherige Deposition
auf der Straße) aus
Ab
rieben (Reifen, Bremsen und Straßenbelag) und einem Beitrag in-
folge der Wieder
auf
wirbelung (Resuspension) von Straßenstaub, also
(
)
(
)
10
(
)
10
(
)
e
10
Bzj
e
10
Bzj
e
Bzj
e
Auf
Bzj
PM
dAbr
PM
Auspuff
PM
=
PM
+
+
Dabei werden
e
Auspuff
10
(
Bzj
)
PM
, die Emissionsfaktoren aus dem Auspuff, entnommen aus dem
Handbuch für Emissionsfaktoren des Umweltbundesamtes (HBEFA). Für Abriebe und Auf-
wirbelung wird angesetzt, dass diese vom Bezugsjahr unabhängig sind, also
dAbr
PM
dAbr
e
PM
Bzj
e
10
10
(
)=
und
Auf
PM
Auf
e
PM
Bzj
e
10
10
(
)=
.
Der Beitrag der Wiederaufwirbelung wird gebildet aus dem prinzipiell zur Verfügung stehen-
den Straßenstaub (= Emissionspotenzial e
Pot
). Dieser besteht aus deponierten Abrieben (ggf.
auch aus gröberen Partikeln durch mechanische und/oder chemischen Einflüssen gebildet)
und von außen auf die Straße eingetragenen Partikeln also

Ingenieurbüro Lohmeyer
12
st
PM
Straße
PM
Brems
PM
ifen
PM
Pot
e
PM
e
e
e
e
Re
10
10
10
Re
10
=
10
+
+
+
Um dieses Staubpotenzial als PM10 aufzuwirbeln, bedarf es kinetischer Energie durch die
fahrzeugerzeugte Turbulenz. Der Straßenzustand und die Feuchte der Straßenoberfläche
können ebenfalls diesen Term beeinflussen.
Messtechnisch wird es sehr schwierig sein, direkte und indirekte (wiederaufgewirbelte) Ab-
riebsbeiträge zu separieren. Auch werden insbesondere für Reifenabrieb und Straßenabrieb
ähnliche Abhängigkeiten bei direkter und indirekter Emission vorliegen. Aus diesen Gründen
wird keine Entkopplung von direkten und indirekten Abriebsemissionen angesetzt.
Somit ergibt sich folgende Gleichung für die nicht auspuffbedingten PM10-Emissionen
e
F
F
(e
e
e
e
Rest
)
PM10
Straße
PM10
Brems
PM10
Re ifen
Zus tan d
kin
PM10
Auf / Ab
PM10
=
+
+
+
Die Emissionsfaktoren für die Reifen- und Bremsabriebe könnten differenziert nach den ver-
schiedenen Fahrzeugklassen europäischen Emissionsdatenbanken, wie z. B. der
CORINAIR-Emissionsfaktordatenbank (CORINAIR, 2003) oder RAINS (Lükewille et al.,
2002) entnommen werden. Diese Emissionsfaktoren weichen z. T. stark voneinander ab
bzw. werden von den Autoren z. B. für den Straßenabrieb als sehr unsicher bewertet. Aus
diesem Grund wird vorgeschlagen, die o. g. Abriebe mit den sonstigen nicht auspuffbeding-
ten Anteilen (e
Rest
) zusammenzufassen und mittels Anpassung an Messdaten festzulegen.
Hierzu bietet sich die von Gehrig et al. (2003) vorgeschlagene Vorgehensweise an, nach
Verkehrssituationen klassifizierte Emissionsfaktoren getrennt nach PKW und LKW (ähnlich
dem Vorgehen wie bei der Berechnung der Auspuffemissionen mittels Handbuch für Emis-
sionsfaktoren) zu verwenden. Dieses Vorgehen wird im Folgenden „Emissionsfaktorenan-
satz“ genannt.
Als Regenkorrektur wäre der Ansatz der US-EPA möglich. Die vorliegenden Untersuchungen
aus Europa für befestigte Straßen zeigen allerdings zum Teil widersprechende Abhängig-
keiten von der Regenmenge auf. Die örtlichen Regenhäufigkeiten (in Bezug auf Tagesnie-
derschlagssummen größer 0.1 mm) variieren meist nur gering um einen Wert von 0.5 in Ge-
bieten, in denen relevanter Fahrzeugverkehr zu verzeichnen ist. Außerdem ist in den Emis-
sionsfaktoren, welche der Ableitung der Emissionsfaktoren zugrunde gelegt wurden, der je-
weilige Regeneinfluss bereits beinhaltet. Deshalb wird vorgeschlagen, auf einen separaten
Regenkorrekturfaktor zu verzichten.
Bzgl. der Abhängigkeit des kinetischen Kopplungsgliedes von der Fahrzeuggeschwindigkeit

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13
liegen wenig Informationen vor. Das VLUFT-Modell geht von einer quadratischen Geschwin-
digkeitsabhängigkeit aus, das SMHI-Modell von einer quadratischen (PKW) und quadratwur-
zelabhängigen (LKW). Die TRAKER-Messungen zeigten eine von der Fahrzeuggeschwin-
digkeit lineare Abhängigkeit des Emissionsfaktors bei konstanten Emissionspotenzial, aller-
dings niedrigere Emissionspotenziale auf Hochgeschwindigkeitsstraßen, sodass sich beide
Abhängigkeiten konträr beeinflussen. Die im Entwurf von CORINAIR beinhalteten Reifen-
und Bremsabriebsemissionen sind abhängig von der Fahrzeuggeschwindigkeit, die Emissi-
onsfaktoren von z. B. Gehrig et al. (2003) durch ihre Differenzierung in Verkehrssituationen
ebenfalls. Aus diesem Grund wird vorerst vorgeschlagen, auf eine zusätzliche Abhängigkeit
von der Fahrzeuggeschwindigkeit zu verzichten und den Ansatz von verkehrssituationsab-
hängigen Emissionsfaktoren anzuwenden.
Die Straßenzustandskorrektur könnte sich an der vermuteten Abhängigkeit vom Straßenzu-
standsparameter nach Lohmeyer (2003a) orientieren. Dieser kann kontinuierlich Werte zwi-
schen 1.5 und 5 durchlaufen. In Ermangelung von konkreten messtechnisch erfassten Ab-
hängigkeiten zwischen Straßenzustand und nicht auspuffbedingten Emissionen kann derzeit
keine Korrektur-Funktion angesetzt werden. Es wird vorgeschlagen, dass in Anlehnung an
das derzeitig eingesetzte modifizierte EPA-Modell für Straßen im guten Zustand ein Wert 1,
für Straßen im schlechten Zustand ein Wert von 3.6 verwendet wird. Hier ist dringender For-
schungsbedarf gegeben. Somit ergeben sich für die beiden verbliebenen Faktoren
F
kin
= 1
F
Zustand
= 1 für Straßen im guten (Standardanwendung) und 3.6 im schlechten Zustand.
Hinweis: Ein schlechter Fahrbahnzustand liegt bei überwiegend sehr rissigen oder löchrigen
Fahrbahnoberflächen verbunden mit unbefestigten oder sehr verschmutzten Nebenanlagen
(Gehwege, Bankette, Randstreifen etc.) vor.
Es werden für die Berechnung der Emissionen für die Summe aus Reifen-, Brems-, Straßen-
und Kupplungsabrieb sowie Wiederaufwirbelung von eingetragenem Straßenstaub die in
folgender Tabelle aufgeführten Emissionsfaktoren für Straßen mit gutem Straßenzustand
empfohlen.

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Verkehrssituation
Tempolimit
[km/h]
Anteil
Konstant
fahrt [%]
Stand
anteil
[%]
PM10-Auf/Ab [mg/km]
PKW inkl. LNF
SV
AB>120
-
22
200
AB_120
120
22
200
AB_100
100
22
200
AB_80
80
22
200
AB_60
60
22
200
AB_StGo
-
22
200
AO1
100
60
1
22
200
AO2
100
53
1
22
200
AO3
100
28
1
22
200
IO_HVS>50
60
46
1
22
200
Tunnel AB_100
100
10
200
Tunnel AB_80
80
10
200
Tunnel AB_60
60
10
200
Tunnel IO_HVS>50
60
46
1
10
200
HVS1
50
46
1
22
200
HVS2
50
52
1
30
300
HVS3
50
44
7
40
380
LSA1
50
44
7
40
380
HVS4
50
37
14
50
450
LSA2
50
32
20
60
600
LSA3
50
28
26
90
800
IO_Kern
50
23
33
90
800
IO_NS_dicht
50
32
5
90
800
Tab.1: Nicht auspuffbedingte PM10-Emissionsfaktoren in Abhängigkeit von der
Verkehrssituation für Straßen im gutem Straßenzustand. (Tunnel=überdeckelte
Straße mit Längen größer 450 m).
In der bereits erwähnten Studie aus der Schweiz (Gehrig et al., 2003) werden anzahlbezo-
gene Partikelemissionsfaktoren für verschiedene Straßenklassifikationen angegeben. Für die
untersuchte innerstädtische Straße und die Autobahn sind die Emissionsfaktoren im Rahmen
der großen Streubreiten der in der Literatur angegebenen Faktoren vergleichbar mit den be-
kannten Untersuchungen. Mögliche Aspekte der Unterschiede wurden diskutiert.
Es werden folgende Emissionsfaktoren zur Verwendung im sächsischen Emissionskataster
vorgeschlagen:
Autobahn PKW/LNF
6.5*10
14
Partikel/km
SV
69*10
14
Partikel/km
Außerortsstraßen PKW/LNF 3.0*10
14
Partikel/km
SV
69*10
14
Partikel/km
Innerortsstraße PKW/LNF 1.0*10
14
Partikel/km
SV
54*10
14
Partikel/km

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15
Ergebnisse zu nicht auspuffbedingten Partikelemissionen von Geräten in Land- und
Bauwirtschaft
Für die Bestimmung der PMx-Emissionen infolge
landwirtschaftlicher Prozesse
wird von
IFEU Heidelberg vorgeschlagen, folgende Aktivitäten bzw. Emissionsfaktoren für die PM10-
Emissionen infolge Abrieben und Aufwirbelung anzusetzen:
Landwirtschaft
Feldarbeit
(2x Bodenbearbeitung, 1 x Ernte)
Nutzung von Straßen und Feldwegen
(50 % Straßen, 50 % Feldwege)
3 000 g PM/ha/a
1 362 g PM
10
/ha/a
53 g PM
10
/ km
302 g PM
2.5
/ha/a
IFEU 2004
Beispielrechnungen für die Situation in Sachsen zeigen, dass die Emissionen aus der Feld-
arbeit ca. 10-mal so hoch liegen wie durch die Nutzung von Straßen und unbefestigten
Feldwegen. Die Gesamtemissionen betragen demnach ca. 1 100 t PM
10
pro Jahr für 2002.
Die Feldarbeit leistet dabei mit ca. 1 000 t/a den dominierenden Beitrag zu den Gesamtemis-
sionen. Trotz der Berücksichtigung von 12.5 Arbeitsvorgängen bleibt die Fahrt zum Feld mit
ca. 100 t/a von untergeordneter Bedeutung.
Für die Bestimmung der PMx-Emissionen infolge
Prozesse aus der Bauwirtschaft
wird von
IFEU Heidelberg vorgeschlagen, folgende Emissionsfaktoren für die PM10-Emissionen in-
folge Abrieben und Aufwirbelung (Einheit = [t/ ha/ Monat]) anzusetzen:
EPA Beschreibung
IFEU Verwendung
PM
PM
10
PM
2.5
„Heavy Construction“
Straßenbau
1.345
0.270
0.055
„Homes“
Ein- & Zweifamilienhäuser
0.175
0.035
0.007
“Apartments”
Mehrfamilienhäuser & Nichtwohngebäude
0.625
0.125
0.025
Quelle
: /ARB 1997b/
IFEU 2004

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16
Beispielrechungen für die Bautätigkeit in Sachsen zeigten, dass die PM10-Emissionen in-
folge der Bautätigkeit ca. 5-mal niedriger als die PM10-Emissionen aus der Landwirtschaft
sind.
Ergebnisse zu nicht auspuffbedingten Partikelemissionen im Schienen- und Luftver-
kehr
Zu den nicht auspuffbedingten Emissionen infolge Schienen- und Luftverkehr liegen in der
Literatur nur sehr wenige Informationen vor. Die einzigen brauchbaren Emissionsfaktoren
wurden durch das Schweizer BUWAL veröffentlicht. Als Resultat von Untersuchungen aus
dem Jahr 1999 werden Emissionsfaktoren für mechanischen Abrieb im Offroad-Bereich an-
gegeben. Unter anderem werden für den Schienenverkehr folgende Werte zusammenge-
fasst:
Radabrieb 0.63 g/km
Bremsabrieb
10.4 g/km
Fahrleitungsabrieb 0.16 g/km
Schienenabrieb 2.75 g/km
Im Jahr 2002 veröffentlichte das BUWAL Ergebnisse neuerer Untersuchungen. Bzgl. der
Bremsabriebe stellten die Autoren unter Berücksichtigung der Unsicherheiten der Messun-
gen fest, dass die oben postulierten Emissionsfaktoren für den Bremsabrieb wesentlich zu
hoch liegen. Die neueren Messungen deuten darauf hin, dass sie um etwa einen Faktor 5
(also 10.4 g/km
1/5
2 g/km) reduziert werden müssten. Weil beladene Güterzüge einen
geringeren Feinstaubanteil aufweisen, könnte der Faktor sogar noch größer ausfallen. In
einer abschließenden Bewertung kamen die Autoren zu folgendem Schluss:
An extrem frequentierten Bahnstandorten ist eine Erhöhung der Immissionen mess-
bar. Sie lag beim Güterverkehrsstandort Brugg bei ca. 3 μg/m³, wobei Hinweise be-
stehen, dass auch andere Quellen als der Bahnverkehr zu dieser Erhöhung beitra-
gen. Im schlecht durchlüfteten Standort Bahnhof Basel SBB betrug die Erhöhung
8 μg/m³. Sie ist dem Zugsverkehr, dem übrigen Bahnhofsbetrieb und anderen lokalen
Quellen zuzuschreiben.
Ein wesentlicher Teil der bahnbedingten Emissionen liegt nicht als PM10, sondern in
Form größerer Partikel vor.

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17
Diese Resultate zeigen den aktuellen Stand des Wissens auf. Die Unsicherheiten
sind bei den Emissions-/Immissionsmessungen und den Sensitivitätsanalysen noch
sehr groß. Die statistische Basis ist für Verallgemeinerungen noch zu schwach.
Auf Grund der PM10-Tagesmittelwerte und deren Eisenanteile scheint es, dass in
Brugg der größte Teil der Differenz zum Hintergrundstandort vom Schienenverkehr
verursacht wird. Analysiert man jedoch die zeitlich aufgelösten Werte, so fehlt die
Korrelation mit den Zugfrequenzen. Der gemessene Tagesverlauf stimmt hingegen
besser mit dem Straßenverkehr überein. Damit bleibt die Frage noch unbeantwortet,
welcher Teil der gemessenen Differenzen zwischen Bahnstandort und Hintergrund
effektiv vom Schienenverkehr verursacht wird.
Von den Autoren wird auf den dringenden weiteren Untersuchungsbedarf hingewiesen. Dies
betrifft insbesondere Emissionsmessungen auf Bremsenprüfständen und weiterführende
detaillierte Immissionsmessungen einschließlich Inhaltsstoffanalysen an unterschiedlichen
Messpunkten im Bereich stark frequentierter Bahnlinien.
Für die Quellgruppe Flugverkehr gibt das BUWAL folgende nicht auspuffbedingte PM10-Par-
tikelemissionensfaktoren an:
Reifenabrieb
50.3 g/LTO
Bremsabrieb
0.10 g/LTO
Pistenabrieb
140 g/LTO
LTO = Landing and Take-Off Zyklus

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18
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