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Bericht zum Projekt
Kenntnisstandsanalyse zum tektonischen Bau von Sachsen“
1. Datenrecherche für die Kartendarstellung im Maßstab 1:200.000
Die Voraussetzung für die Erfassung von tektonischen Störungen im Maßstab 1:200.000 war
die einheitliche Bewertung der in Kartenwerken und Literatur beschriebenen Störungen im
Gebiet des Freistaates Sachsen und der näheren Umgebung. Dazu wurden folgende
Kartenwerke bzw. thematische Karten benutzt. Alle Daten wurden mit dem geodätischen
Datum ERTS89 bzw. WGS84 erfasst und in UTM Zone 33U dargestellt.
Geologische Karte Maßstab 1:25.000 (Meßtischblatt) (GK25)
Geologische Karte M1:25.00 (Ausgabe Wismut) (GK25W)
Geologische Karte des westlichen Teils der Erzgebirgsnordrandzone, M 1:25.000, 1982
Tektonische Karte der Vorerzgebirgssenke, LfULG, Steiborn & Berger, 2007
Geologische Karte des präpermischen Untergrundes des Döhlener Beckens. M
1:10.000, SDAG Wismut, 1978
Bruchtektonische und subrosive Strukturen im 2. Miozänen Flözkomplex des
Niederlausitzer Braunkohlereviers. Vattenfall, Kühner, 2008
Geologische Karte ohne Känozoikum, M 1:100.000 aus „Einschätzung zur
Rohstoffführung Grundgebirgseinheiten Südteil DDR – Mittelsachsen. ZGI 1989
(GK100MS)
Geologische Karte ohne Känozoikum, M 1:100.000 aus „Einschätzung zur
Rohstoffführung Grundgebirgseinheiten Südteil DDR – Mitteldeutsche
Kristallinschwelle - Zentralteil. ZGI 1990 (GK100MKS)
Geologische Karte Erzgebirge/Vogtland, M 1:100.000 LfULG, Dresden, 1995
(GK100E)
Tektonische Karte Lausitz-Izera-Karkonosze, M 1:100.000 LfULG, Dresden, 1995
(GK100E)
Geologische Karte der Lausitz (ohne Känozoikum), LAUBAG Göthel 1998
Tektonická mapa české křídové pánve. M 1:500.000Valečka et al.,
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt 4734 Leipzig, BGR
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt 4742 Riesa, BGR
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt 4750 Cottbus, BGR
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt 5534 Zwickau, BGR
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt 5542 Dresden, BGR
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt 5550 Görlitz, BGR
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt 6534 Bayreuth, BGR
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt M-33-14 Teplice-Altenberg, ZGI
Geologische Grundkarte 1:200.000, Blatt M-33-13 Karlovy Vary-Plauen, ZGI
Geologische Übersichtskarte von Sachsen-Anhalt (ohne Känozoikum), 1:400.000, 2001
Tektonische Übersichtskarte von Sachsen-Anhalt, M 1:500.000, 1996
Geologische Übersichtskarte des Freistaates Sachsen (ohne Känozoikum), 1:400.000,
1995
Karten der neotektonischen Störungen Erzgebirge – Lausitz, LfULG, 2013 und 2014
Als topographisch-morphologische Basis wurde ein DGM6 des Freistaates Sachsen verwendet.
Die Erläuterung und Namengebung folgte nach Möglichkeit dem Lexikon Geo-Ost von Franke
(Anlage 2).

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2. Gliederung der Störungen
Die Gliederung der Störung sollte nach mehreren Merkmalen erfolgen, genutzt wurde
hierzu der Fachbereichsstandard Geologie TGL 3433/01 (1983) sowie die Umfrage
des Geologischen Dienstes von NRW (Fragenkatalog Geologische Störungsthematik
vom 11.03.2016):
-
Klasse der Störung nach Länge
. Es werden drei Klassen ausgehalten entsprechend der
Störungslänge:
Transregional
– Störungen, deren Länge eine Distanz von 100 km und
mehr erreicht und häufig geotektonische Einheiten begrenzen;
Regional
– Störungen,
die zwischen 20 und 100 km Erstreckung aufweisen und auf mehreren Messtischblättern
kartiert wurden;
Lokal
– Störungen, deren Erstreckung unter 10-20 km liegt.
-
Position in oder zu geotektonischen Einheiten
. Dazu wurde das varistische
Grundgebirge nach der bisherigen Gliederung in Schollen geteilt, die in der Reihenfolge
von Nordost nach Südwest in
Nordsudetische Senke
(Grenze Lausitzer Abbruch),
Lausitzer Scholle
(Grenzen Lausitzer Abbruch / Westlausitzer Störung / Torgau-
Doberluger Aufschiebung),
Granulit-Erzgebirgsscholle
(Grenzen Westlausitzer
Störung / Eibenstocker Granit / Egergraben-Störung / diffuse Nordgrenze im Bereich
der Nordsächsischen Überschiebung),
Vogtland-Scholle
(Grenzen Eibenstocker Granit
/ Vogtland-Störung / Egergrabenstörung),
Nordwestsächsische Scholle
(Grenzen
Nordsächsische Überschiebung / Westlausitzer Störung / postulierte NW-Sächsische
Störung). Die geotektonischen Einheiten sind in der TÜK400, Blatt 1, dargestellt
(Anlage 1).
-
Bewegung an der Störung
. Es werden die drei Grundtypen
Abschiebung
(NF),
Aufschiebung
(RF) und Blattverschiebung (SS) unterschieden. Bei den horizontalen
Verschiebungen wird zwischen
dextral-rechtseitig
(SSD) und
sinistral-linksseitig
(SSS) differenziert. In eine fünfte Kategorie (XX) werden alle Störungen eingeordnet,
deren Bewegung unbestimmt ist.
-
Alter der Störung
. Es wird bei dieser Klasse das Alter der Hauptbewegung angegeben.
Es können mehrfache Reaktivierungen auftreten. Diese werden nach Kenntnisstand in
der Beschreibung angeführt. In der Zeitgruppe
Känozoikum
(I) werden alle Störungen
zusammengefasst, die eindeutig tertiäre und zum Teil quartäre Sedimente versetzen. Die
Zeitgruppe
Spät-Mesozoisch
(II) umfasst Störungen die zwischen Mittel bis
Oberkreide aktiviert wurden. Die Zeitgruppe
Post-Molasse
(III) ist eine Sammelgruppe
für Störungbewegungen zwischen Zechstein und Unterkreide. Die Einordnung in diese
Zeitgruppe ist häufig unter Vorbehalt, da auf das Alter der Störung nur indirekt
geschlossen werden kann. Die Zeitgruppe
Prä- bis syn-Unterkarbon
(IV) umfasst alle
Störungen, die der varistischen Orogenese zugeordnet werden können.

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Die Störungen wurden in einer Datentabelle erfasst (Anlage 2). Die unten aufgeführten
Merkmale wurden verschlüsselt. Daraus ergibt sich für jede Störung eine spezifische
„Nummer“, aus der die wichtigsten Eigenschaften abgelesen werden können:
Laufende Nummer in Datentabelle:
xxx (dreistellig)
Länge der Störung
T - Transregional
1
R– Regional
2
L– Lokal
3
Geotektonische Position
NS - Nordsudetische Senke
1
LS – Lausitzer Scholle
2
EGS - Granulit-Erzgebirgsscholle
3
VL – Vogtlandscholle
4
NWS – Nordwestsächsische Scholle
5
Bewegung an der Störung
SSD – Blattverschiebung dextral
1
SSS – Blattverschiebung sinistral
2
NF– Abschiebung
3
RF– Aufschiebung
4
XX– Unbestimmt
5
Alter der Störung
I – Känozoisch
1
II – Spätmesozoisch
2
III – post-Molasse
3
IV – Prä- bis syn-Unterkarbon
4
Zusätzlich zur sogenannten Ident-Nr. wurde für jede Störung ein Buchstabenkürzel eingeführt
(siehe Tabelle 1). Aus der Anzahl der Groß- und Kleinbuchstaben ergibt sich die transregionale
(nur Großbuchstaben), regionale (Groß-und Kleinbuchstaben) bis lokale (nur Kleinbuchstaben)
Bedeutung der Störung. Damit ergeben sich folgende Kürzel und Ident-Nummern
beispielsweise für die
Nordostlausitzer Störung (transregional) Kürzel: NOS, Ident-Nr. 001-1-1-1-4
Hallesche Störung (regional)
Kürzel: HaS, Ident-Nr. 014-2-2-2-2
Hauptstollngang-Störung
(lokal)
Kürzel: hss, Ident-Nr. 048-3-3-2-2
3. Beschreibung der Störungen
Die Beschreibung der in Anlage 1 und der Tabelle 1 aufgeführten Störungen ist in Anlage 3
dargestellt. Dabei wurde zur regionalen Nomenklatur auf die geotektonische Gliederung des
Freistaates Sachsen (1995) und das „Lexikon der Regionalgeologie Ost“ von Franke (Aufruf
29.04.2016) zurückgegriffen. Die Beschreibung der Störung wurde den Ergebnissen der
Geländearbeiten in Sachsen von 2010 bis 2016 angepasst.

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4. Konzept zur Erfassung und Gliederung tektonischer Strukturen in
unterschiedlichen Maßstäben
Die Erfassung von Störungen beginnt bei der geowissenschaftlichen Feldarbeit. Voraussetzung
für strukturgeologische Untersuchungen zur Kinematik von Störungen sind gute Aufschlüsse
und in strukturgeologischer Untersuchung geschulter Gelände und/oder Projektgeologen.
Die im Folgenden beschriebenen Methoden beziehen sich vor allem auf spröde Störungen
(Bruchtektonik) in Temperaturbereichen, die die duktile Deformation von Quarz erlauben. Auf
die Entwicklung von Scherzonen unter mindestens höher-grünschieferfaziellen Bedingungen
soll hier nicht eingegangen werden.
4.1 Geländeaufnahme
Die Voraussetzungen für quantitative Dokumentation von Störungen in Aufschlüssen
beinhaltet die Messung von Störungsflächen, kinematischen Indikatoren (Harnische) sowie die
Feststellung der Bewegungsrichtung sowie die Beobachtung, welche Minerale auf der
Störungsfläche deformiert wurden. Darüber hinaus sollten die Beobachtungen zu assoziierten
Bruchflächen, zur lateralen Erstreckung der Störung und zum Versatzbetrag festgehalten
werden. Eine kurze Anleitung zur Dokumentation ist in Anlage 4 dargestellt.
Die während Geländearbeiten erhobenen Daten sind als strukturgeologische Primärdaten zu
betrachten.
4.2 Geomorphologische Abschätzung junger Störung
Geomorphologische Analysen auf der Basis von hochaufgelösten DGM sind ein wichtiger
Arbeitsschritt zur Lokalisierung und Verifizierung von Störungen, die durch die Erosion noch
nicht ausgeglichen wurden. Eine punktgenaue Lokalisierung der Störungen ist auf Grund
rückschreitender Erosion und/oder lithlogischer Effekte nur nach Geländeuntersuchungen
möglich. Geomorphologische Analysen können die Basis für geophysikalische
Untersuchungen (Seismik, Elektrik) und künstliche Aufschlüsse (Schürfe, Bohrungen) zum
Nachweis junger Störungen sein. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die Dokumentation von
syn-tektonischen Sedimenten.
4.3 Geophysikalische Methoden
Geophysikalische Methoden allein lassen nur in Verbindung mit geologischen Feldarbeiten
Rückschlüsse auf die ungefähre Lage von Störungen zu. Elektromagnetische Methoden (VLF,
EMP) lassen sich vor allem für wasserführende Strukturen anwenden und können hier bei
überdeckten Störungen Hinweise auf die Existenz und Lage von Störungen liefern. Wesentlich
aufwendiger sind seismische Methoden und gravimetrische Messungen, die jedoch eine
geologische Begleitung erfordern.
4.4 Kombination von Methoden
Bei fehlenden Aufschlüssen werden häufig Daten verschiedener Methoden (Bohrungen,
Geophysik) kombiniert. Die Ergebnisse (Annahme von Störungen) sind weitestgehend von dem
Arbeitsmodell des jeweiligen Autors abhängig und deshalb für konkrete Planungen stets zu
überprüfen.
Die Störungen aus regionalen Interpretationen sollten deshalb als Daten geringeren
Vertrauensgrades betrachtet werden.

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4.5 Gebiete mit detaillierten tektonischem Kenntnisstand
Im Gebiet des Freistaates Sachsen kann eine sehr stark differierende Datendichte bzgl. der
realen strukturgeologischen Daten konstatiert werden. Der nördliche Teil ist auf Grund der
känozoischen Überlagerung fast ohne Aufschluss prä-känozoischer Gesteine. Daraus ergibt
sich eine in den Karten dargestellte tektonische Struktur, die fast ausschließlich, von
Modellannahmen ausgehend, auf Bohrungen und geophysikalischen Messungen beruht.
Der Südteil des Freistaates wird von der GK25 komplett abgedeckt. Leider sind auf den älteren
Ausgaben der geologischen Meßtischblätter nur selten Störungen verzeichnet. Es können durch
großmaßstäbliche Erkundungsarbeiten für den intensiven Bergbau der vergangenen Jahrzehnte
zumindest fünf Gebiete ausgehalten werden, für die ein geologischer Kenntnisstand bis zum
Maßstab 1:2.000 vorliegt. Von West nach Ost sind das:
- Revier Schlema-Aue-Schwarzenberg-Pöhla (Uran-Bergbau). Erkundungstiefe bis 2.000 m im
Maßstab 1:1.000. Die Dokumentationen der bergmännischen Auffahrungen zeigen die
wichtigsten Störungen mit Streichen und Fallen, Angaben zur Kinematik fehlen. Die untertage
nachgewiesenen und zum Teil über Kilometer aushaltenden Störungen lassen sich nur schwer
bis an die Oberfläche verfolgen.
- Revier Zwickau-Lugau-Oelsnitz. Im südlichen Teil der Vorerzgebirgssenke sind durch
Steinkohle-Bergbau und den Erkundungsarbeiten eine Vielzahl von Störungen nachgewiesen.
Die Störungen sind in einer Tektonischen Karte 1:50.000 mit hydrogeologischer Zielstellung
dokumentiert. Die detaillierten Beschreibungen lassen eine Rekonstruktion des tektonischen
Inventars der Vorerzgebirgssenke zu.
- Revier Freiberg-Brand-Erbisdorf. Im Freiberger Revier sitzen die hydrothermalen Pb-Zn-Ag-
Spat-Mineralisationen mindestens drei verschiedenen Störungsgenerationen auf. Die
geologischen Verhältnisse sind im Maßstab 1:2.000 dokumentiert. Exemplarisch sind drei
typische Störungen als lokale Störungen in der TÜK400 eingetragen.
- Revier Pirna. Der Uranabbau und die damit verbundene geologische Erkundung erlaubt eine
tektonisch-geologische Darstellung der Strukturen sowohl im präkretazischen Basement als
auch in der Kreide selbst. Gegebenenfalls muss dieses Detailgebiet noch in das nördlich
anschließende Döhlener Becken ausgedehnt werden.
-Ostlausitzer Tertiärbecken. In den Becken von Zittau-Hradek-Turov und Berzdorf-
Radomierzyce sind durch die Erkundung und Abbau auf Braukohle die tektonische
Beckenkonfiguration und die großen Störungen in den Becken selbst bekannt und lassen eine
Kartendarstellung im Maßstab 1:25.000 und größer zu. Dadurch kann die post-Miozäne
Tektonik sehr gut rekonstruiert werden (Bräutigam & Stanek, in prep.).
4.6 Vorschläge zu tektonischen Untersuchungen im Freistaat Sachsen
1. Es sind eine Vielzahl von Daten, Berichte und Dokumentationen vorhanden, die zum großen
Teil in ROHSA gesichert und digital zugänglich gemacht wurden. Daraus ergibt sich die
weiterführende Aufgabe, für die o.g. Gebiete mit hoher Datendichte tektonische
Rekonstruktionen durchzuführen. Diese sollten einen modernen Ansatz der Störungskinematik
verfolgen (siehe Kley 2013). Die Rekonstruktion für die Ostlausitzer Tertiärbecken ist
weitgehend abgeschlossen.

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2. Die bisher in Einzelprojekten bearbeiteten geomorphologischen Analysen sollten in einer
neotektonischen Karte Sachsens mit quantitativer geomorphologischer Interpretation
zusammengeführt werden. Damit können die jüngsten Störungszonen ähnlich genau wie in der
neotektonischen Karte des Südteils der Lausitz detektiert werden.
3. Basierend auf der Karte der Neotektonik könnten für ausgewählte Störungsbeispiele das
Alter der tektonischen Aktivität, Tiefenerstreckung, Mächtigkeit der Störung u.ä. untersucht
werden. Hierzu sollte man künstliche Aufschlüsse (Schürfe, Bohrungen) und geophysikalische
Methoden (Seismik, Elektromagnetik, Gravimetrie) kombinieren. Mögliche Ansatzpunkte für
solche Komplex-Untersuchungen könnte das Gebiet der Lückendorfer Störung (südlich Zittau),
die Cunewalder Störung oder vermutete Störungen im Vogtland sein.
4. Während der Recherche zur regionalen Verteilung der Bruchtektonik war auffallend, dass
im Gebiet der metamorphen Komplexe außerhalb der Bergbau-Reviere, besonders im Gebiet
des Granulitgebirges, kaum Angaben zur spröden Bruchtektonik vorliegen (siehe TÜK400,
Anlage 1). Nach rheologischen Gesichtspunkten sollte gerade die granulit-faziellen Gesteine
des Granulitgebirges favorisiert für die Anlage von lokalen bis regionalen spröden Störungen
sein. Hier sollte in den nächsten Jahren durch eine spezielle Studie die Datenlage verbessert
werden.
5. Die Leipzig-Regensburger-Störungszone im Vogtland ist seismisch aktiv. Bisher ist wenig
bekannt über die einzelnen Äste der Störungszone. Hier könnte mit relativ einfachen Mitteln
eine Rekonstruktion der Herdflächenlösungen einen Beitrag zur Klärung der Kinematik an der
Störung schaffen.
5. Modell der tektonischen Entwicklung des Freistaates Sachsen
Die tektonische Entwicklung des Freistaates Sachsen und umgebender Gebiete wird
entsprechend der Vorgaben in fünf geotektonisch abgrenzbare Zeiträume gegliedert:
5.1 Prä- bis syn-varistische Tektonik (prä-Oberkarbon)
Während der Kollisionsphase des varistischen Orogens kam es zu einem NNW gerichteten
Zusammenschub der varistischen Einheiten. Im Vorland des Orogens bildeten sich NW-
streichende dextrale Blattverschiebungen transregionaler Erstreckung aus. Typische Beispiele
für die Nordostlausitzer Störung (Aufschluss Hoyerswerdaer Garnit), die Westlausitzer Störung
sowie die postulierte Nordwestsächsiche Störung südlich von Halle. Charakteristisch sind pull-
apart-Strukturen, die die Intrusion des Meißner Massives ermöglichten bzw. eine Erklärung für
den Erhalt des Vorlandbeckens Görlitzer Schiefergebirges darstellen können.
Im Südwesten wurden die metamorphen Komplexe des Erzgebirges und des Granulitgebirges
entlang von Mylonitzonen (Mittelsächsische Störung) exhumiert. Auf das Erzgebirge wurden
die schwachmetamorphen phyllitischen Einheiten des Erzgebirgsnordrandes und des
Vogtlandes SE-vergent aufgeschoben. Dabei können mehrfache, z.T. gefaltete Deckenbahnen
ausgehalten werden.
Die Nordwestsächsische Scholle wird nach Süden durch die postulierte ENE-streichende S-
vergente Nordsächsische Überschiebung von den metamorphen Einheiten getrennt. Eine
weitere Überschiebung wird am Südrand des Doberlug-Torgauer Synklinoriums vermutet.

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5.2 Spät-Paläozoisch - Mesozoische Tektonik (Oberkarbon bis Jura)
In diesen Zeitraum fällt eine Reihe von unterschiedlich streichenden Störungen mit zumeist
abschiebenden Charakter. Hervorzuheben ist die NNW streichenden Störungen im
Westerzgebirge und im Döhlener Becken. Prominentes Beispiel ist die Altenburg-Affalter
Störungszone, die sowohl die molassioden Serien der Vorerzgebirgssenke als auch die
metamorphen Einheiten des Erzgebirges durchschlägt. Die zeitliche Einordnung ist durch
fehlende syn-tektonische Sedimente erschwert.
5.3 Spät-Mesozoische Tektonik (Kreide bis Frühtertiär)
Nach der früh- bis mittelmesozoischen Extension kam es in der Kreide zu einer Inversion des
tektonischen Spannungsfeldes. Es bildeten sich, zum Teil vorgezeichnet durch ältere
Störungen, zur Aktivierung von NW-streichenden NE- bzw. SW-vergenten Aufschiebungen.
Die Elemente der Aufschiebungen sind lokal durch NE-streichende sinistrale
Blattverschiebungen verbunden (Lausitzer Überschiebung - Borsberg Störung). Die
Nordostlausitzer Störung wurde die NE-vergente Überschiebung des Lausitzer Abbruchs
überprägt. Eine ähnliche Situation kann man an der Lausitzer Überschiebung beobachten. Auch
die jüngsten Störungen des Freiberger Reviers müssen der spät-kretazischen tektonischen
Aktivität zugeordnet werden.
5.4 Känozoische Tektonik (Neogen bis Quartär)
Eindeutige känozoische Störungen können nur durch den Versatz von tertiären Sedimenten
bestimmt werden. Über Störungen des tertiären Leipziger Beckens ist wenig bekannt. In der
Niederlausitz zeichnet eine Serie von NW-streichenden Grabenstrukturen den Lausitzer
Abbruch nach und versetzten den miozänen 2.MFK. Ein ähnliches Bild ergibt sich in den
Ostlausitzer Tertiärbecken. Die in der nordöstlichen Verlängerung des Egergrabens liegenden
tektonischen Strukturen versetzen gleichfalls miozäne Flöze. Die größte, transregionale
Störung dieses Zeitabschnittes ist der Erzgebirgsabbruch, die nördliche den Eger-Graben
begrenzende Abschiebung. An den Egergraben sind eine Reihe von kleineren Beckenstrukturen
gebunden.
Die jüngsten Störungen findet man in der Verlängerung der Plesna-Störung im Vogtland. Hier
ist die Kinematik und der genaue Verlauf der Störungen noch ungeklärt.