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Praxispool Ganztagsangebote
»Partizipation von Eltern und Schülern«
Aktive Teilhabe an der Gestaltung des Schulalltags
und an Schulentwicklungsprozessen an der Leipziger
Kurt-Masur-Schule
PRAXISPOOL
GANZTAGSANGEBOTE
Impulse und Anregungen zur Umsetzung
des Qualitätsrahmens Ganztagsangebote

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ÜBERBLICK
Schule:
Kurt-Masur-Schule - Grundschule der
Stadt Leipzig
Schulträger:
Stadt Leipzig
Schulleitung:
Heike Simone Hentschel
Christiane Dubiel
GTA-Koordination:
Christiane Dubiel
Juliane Töpfer
Katja Haußig (Hort)
Ganztagsschulform:
teilweise gebunden
Schülerzahl:
475 (fünfzügig)
Personal:
26 Lehrkräfte
5 Referendare /-innen
1 Schulsozialarbeiterin
1 Schulverwaltungsassistenin
1 Schulbibliothekarin
Referenzen:
Sächsischer Schulpreis 2020
Leipziger Zukunftspreis 2020
Kinder- und Jugendumweltpreis der
Stadt Leipzig 2021
KONTAKT
Anschrift:
Scharnhorststraße 24
04275 Leipzig
Telefon:
0341 22570780
E-Mail:
info@kurt-masur-schule.de
Homepage:
http://www.kurt-masur-
schule.de/
PARTIZIPATION
»Mitnahme, Transparenz, Motivation«
An der Leipziger Kurt-Masur-Schule sind Kinder wie Eltern stark in Schulalltag und
Schulentwicklung eingebunden
Dass Schülerinnen und Schüler eine Stimme haben müssen, wenn es um die Gestaltung ihrer Schu-
le geht, wo sie schließlich einen Großteil ihres Tages verbringen, steht für Frau Dubiel, Frau Töpfer
und Frau Haußig außer Frage. Schnell wird deutlich, dass sich in diesem Punkt alle einig sind. Frau
Dubiel und Frau Töpfer sind Lehrerinnen an der Kurt-Masur-Schule und gleichzeitig mit der Koor-
dination von Ganztagsangeboten betreut. Gerade im Hinblick auf letzteren Punkt arbeiten sie eng
mit Frau Haußig, der stellvertretenden Hortleiterin des hausinternen Hortes, zusammen.
Um den Bedarfen der Schülerinnen und Schüler bei der Planung der Nachmittagsangebote gerecht
zu werden, wurde in den letzten Jahren die Meinung des Kinderrates eingeholt. Ab dem Schuljahr
2021/22 ist eine Befragung aller Schülerinnen und Schüler zu den Angeboten mithilfe eines Online-
Befragungs-Tools geplant.
Unser Kinderrat, unsere Demokratie: An der Kurt-Masur-Schule werden demokratische Grundprinzipien erlebbar
gemacht.
Der Kinderrat setzt sich aus je zwei Klassenvertreterinnen und -vertretern aller zweiten bis vierten
Klassen zusammen, die zu Schuljahresbeginn von ihrer jeweiligen Klasse gewählt werden. Einmal
im Monat treffen sich die Mitglieder des Kinderrates, um schulrelevante Themen zu besprechen.
Hierbei dient ein Jahresplan als Orientierung. Neben dem Feedback zu den Angeboten am Nachmit-
tag zählen zu den großen, alljährlichen Themen u.a. die Altpapiersammlung, eine Spendenaktion für
die Leipziger Tafel, die Begehung des Todestages von Kurt Masur sowie die inhaltliche Gestaltung
der
Tansania-Woche
, die Anschaffung von Sport- und Spielgeräten oder die Mitgestaltung des
Sommerfestes.
Bei seinen Sitzungen wird der Kinderrat von einer Erzieherin oder einem Erzieher des Hortes und
zwei Lehrerinnen begleitet und unterstützt, wobei die Kinder trotzdem sehr selbständig agieren.
Die Aufgaben werden gerecht verteilt, sodass z.B. immer andere Kinder für die Moderation und das
Protokoll zuständig sind. In der Miteinander-Stunde von Schule und Hort werden die Themen und
Ergebnisse des Kinderrates dann von den jeweiligen Klassenvertreterinnen und -vertretern an ihre
Mitschülerinnen und Mitschüler herangetragen. In erster Linie wird über die besprochenen Themen
informiert, teilweise holen die Kinderratsmitglieder aber auch die Meinung der Klasse in Form von
Befragungen ein.
Manchmal kommt es durchaus vor, dass einzelne Schülerinnen und Schüler ihre Anliegen per Brief
direkt an die Schulleitung richten, aber dann animieren die Lehrerinnen und Lehrer die Kinder dazu,
»wie auch die Eltern über ihre demokratisch gewählten Gremien zu gehen [und] ihre Anliegen über
die Kinderratsmitglieder weiterzugeben« (Frau Dubiel). Ihr ist wichtig, dass Demokratieerziehung
über das hautnahe Demokratie-Erleben stattfindet und ebensolches vermittelt wird.

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HISTORIE UND
ENTWICKLUNG
seit 2014:
Kinderrat
seit 2016:
Steuergruppe
Schulentwicklung unter Beteiligung von
Eltern und Hort
seit 2020:
externe Begleitung im Bereich
der Schulentwicklungsarbeit
Schuljahr 2020/21:
Gründung von
skribble.kms (Zusammenarbeit von
Lehrer/-innen, Erzieher/-innen, Eltern)
Befragung der Schüler/-innen: Schule der
Zukunft
Erste Arbeitstreffen von skribble.kms und
den entsprechenden Untergruppen
Neugestaltung des Schulhofes
Bewerbung für den Kinder- und Jugend-
Umweltwettbewerb der Stadt Leipzig
2021
Schuljahr 2021/22:
Schrittweise
Einführung des „FREI DAY“ im Rahmen
der Bildung für nachhaltige Entwicklung
»Liebe Zukunft…« – Wünsche und Visionen für die Schule
der Zukunft, liebevoll in Briefform verpackt.
Mit Aquarium und Riesenrutsche: Stolz präsentieren
Schülerinnen und Schüler ihre Schule der Zukunft.
Darüber hinaus ist die Meinung der Kinder
auch bei der Schulentwicklungsarbeit ge-
fragt: So wurden im Schuljahr 2020/21 die
Schülerinnen und Schüler der dritten und
vierten Klassen gefragt, wie ihre »Schule der
Zukunft« aussehen solle, woraufhin zahlrei-
che Ideen und Vorschläge in unterschied-
lichen Produktformen (Briefe, Filme, Bilder,
Plakate, Hörbeiträge) entstanden sind. Die
entstandenen Arbeiten sind im Schulge-
bäude ausgestellt, sodass den Schülerinnen
und Schülern eine Präsentationsfläche für
ihre Gedanken geboten wird. Natürlich ist
das auch immer mit einer gewissen Portion
Stolz verbunden. »Alle können draufschauen
– guck mal, das hab‘ ich gemacht!«, gibt Frau
Dubiel die stolzen Ausrufe der Kinder wieder.
Bei der Befragung sprachen sich viele Kinder
beispielsweise für mehr Grünflächen, Ruhe-
plätze und zusätzliche Sitzgelegenheiten auf
dem Schulhof aus. Die Umsetzung erfolgte zu
großen Teilen im Rahmen der Schulgartenar-
beit (GTA und Unterricht) sowie der Hortar-
beit gemeinsam mit den Schülerinnen und
Schülern, die Beete angelegten, bepflanzten
und neue Sitzmöbel aus Holz bauten. Dank
der tatkräftigen Unterstützung vieler Eltern, die sich als freiwillige Helferinnen und Helfer beim
alljährlichen »Frühjahrsputz« an einem Samstag auf dem Schulgelände eingefunden hatten, ging
die Umsetzung schnell voran.
Grundsätzlich freut man sich an der Kurt-Masur-Schule über eine sehr engagierte Elternschaft, die
auch stark in die Prozesse der Schulentwicklung eingebunden ist und über den Elternrat hinaus in
diversen Steuergruppen aktiv ist. Die Steuergruppe Schulentwicklung, die seit 2016 besteht und an
der von Beginn an Eltern beteiligt sind, wird seit dem Schuljahr 2020/21 von der neu entstandenen
Gruppe skribble.kms (englisch: scribble = Kritzelei, Notiz) ergänzt, die ihren Ursprung in einem
Elternabend zum Thema »Digital macht Schule« nahm. Inzwischen besteht skribble.kms aus rund
40 Personen, darunter Lehrerinnen und Lehrer, Eltern sowie Erzieherinnen und Erzieher, die sich in
der Schulentwicklungsarbeit engagieren. Zum effektiven Arbeiten haben sie sich in fünf Untergrup-
pen aufgeteilt, die an Schwerpunktthemen arbeiten, welche sich am Schulprogramm orientieren:
Schulhof, Möglichkeiten, Miteinander, Lernen und Medien, Wohlfühlen. Nach vier Wochen, in de-
nen die Untergruppen Zeit haben, an ihrem Schwerpunktthema zu arbeiten, werden die Ergebnisse
in der großen skribble.kms-Runde zusammengetragen.
Zu den monatlich stattfindenden, abendlichen Treffen von skribble.kms wird per Mail eingeladen,
sodass alle, die Interesse, Lust und Energie haben – egal ob Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen
und Erzieher oder Eltern – jederzeit mit einsteigen können.
Zudem gibt es »regelmäßig Elternbriefe von der Schulleitung, in denen darüber informiert wird, was
wir gerade machen«, ergänzt Frau Töpfer. »Es wird sehr transparent gearbeitet.«

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Motivation und pädagogische Absicht
Das Schulprogramm der Kurt-Masur-Schule stützt sich auf drei große Säulen. Diese heißen »Me-
dien«, »Miteinander« und »Möglichkeiten«. Das Miteinander ist dabei von zentraler Bedeutung und
wird mit vielfältigen Partizipationsmöglichkeiten u.a. von Schülerinnen und Schülern sowie Eltern
lebendig gemacht.
Schön und nachhaltig: Kinder haben im Schulgarten ein Hochbeet mit Nutzpflanzen angelegt.
Besonders im Rahmen von GTA können sich die Kinder über den Unterricht hinaus in das Schulle-
ben einbringen, daran teilhaben und es mitgestalten. So gibt es für die Schülerinnen und Schüler
jeden Mittwochnachmittag beispielsweise die Stunde der Möglichkeiten, welche im Rahmen der
Schulprogrammarbeit entstand. Die Prämisse für alle unter dem Dach der Stunde der Möglichkei-
ten stattfindenden Angebote ist, dass dabei ein Mehrwert für das Schulleben und die Schulgemein-
schaft entstehen muss. Dazu zählen beispielsweise die Gestaltung und Pflege des
Schulgartens
, die
Mitarbeit in der Redaktion der Hortzeitung, das Mitwirken im Chor oder in der
Trickfilmwerkstatt
,
deren Filme auf dem Bildschirm im Foyer gezeigt werden, sowie die Teilnahme am
GTA Schulradio
.
Übergeordnetes Ziel ist die gemeinsame Gestaltung und Entwicklung der Schule, in der die gelebte
Demokratie als wichtigste und eingängigste Art der Demokratie-Erziehung das Herzstück bildet.
Ein stimmiges Konzept, an dem alle teilhaben und mitwirken können – das scheint zugleich Moti-
vations- und Erfolgsfaktor der Kurt-Masur-Schule zu sein.
Erfolgsfaktoren
Motivation: »Ein motiviertes Team zu haben ist das Allerwichtigste! Ob Erzieher oder Lehrer, alle
müssen Bock haben auf Veränderung, darauf etwas voranzubringen!«. (Frau Dubiel)
Transparenz: Informationen und Entscheidungsfindungen müssen transparent gemacht
werden, damit Partizipation kein Label bleibt.
Mitnahme: Alle, die Lust haben, sollen teilnehmen können – egal ob sie sich aktiv an Sitzungen
beteiligen oder lediglich im Nachhinein informieren wollen: »Sie werden mitgenommen – alle,
die beteiligt sind und mit unserer Schule zu tun haben« (Frau Dubiel).
»Eine wertschätzende Umgebung: […] Wir nehmen unser Gegenüber ernst, hören zu […]
greifen das auf und versuchen gemeinsam eine Lösung zu entwickeln, ohne pauschal alles
abzuwiegeln«, erklärt Frau Dubiel. »Je tiefer man die Gespräche führt, desto besser kommen die
Ideen und Lösungen von selber. Das ist etwas Wertvolles, was wir an der Schule haben.«
Weiterentwicklung: Nicht stehen bleiben, sondern sich kontinuierlich weiterentwickeln: »Das ist
ein stetiger Prozess, in dem wir uns befinden« (Frau Hentschel).
MATERIAL
Schulprogramm
GTA-Konzept
Bewerbung für den Kinder- und
Jugend-Umweltwettbewerb der Stadt
Leipzig 2021
Trickfilm »Wünsche« der
Trickfilmwerkstatt

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Bunt und miteinander um eine gemeinsame Mitte: An der Kurt-Masur-Schule packen alle mit an.
Der Blick von außen: Unterstützung erfährt die Kurt-Masur-Schule durch einen externen
Begleiter, der die Schulentwicklung vorantreibt und Organisatorisches im Blick hat: »Wir
stecken alle in unseren Professionen fest – da ist es gut, wenn jemand von außen draufschaut,
etwas macht und neue Ideen hat« (Frau Dubiel).
Aktuelle Herausforderungen und Lösungswege
Zeit: »Wenn man Horterzieher, Eltern und Lehrer koordinieren möchte, ist das meistens in
den Abendstunden, wo man tatsächlich manchmal nicht mehr ganz so aufnahmefähig ist«,
räumt Frau Töpfer ein. Eine wirkliche Lösung für dieses Problem gibt es nicht, aber durch eine
transparente Dokumentation und Informationsweitergabe wird dem entgegengekommen.
Kritik: Neben vielen konstruktiven Beiträgen äußern manche Eltern in den Sitzungen auch mal
kritische Haltungen. Die Kunst ist es, diese entsprechend »aufzufangen […], um sie dann zu
motivieren, ihre Chance zu ergreifen und in der Schulentwicklungsarbeit mitzuarbeiten« (Frau
Dubiel).
Anerkennung: Über diesen Punkt macht sich Frau Dubiel derzeit noch Gedanken: »Wie schätzt
man die Mitarbeit in den Teams und schafft einen Ausgleich für die Eltern, die […] sich abends
hinsetzen und Schule mitgestalten?« Zwar sind viele Eltern froh, dass ihre Meinung gehört und
gewichtet wird, dennoch soll ihr Engagement zukünftig in einer noch zu entscheidenden Form
honoriert werden.
Distanzunterricht: Die Umsetzung vieler Angebote, wie beispielsweise der Hortzeitung oder
des Kinderrates, sind online deutlich schwieriger. Darunter leidet auch die Partizipation.
Viele schöne Angebote funktionieren nur in Präsenz, da es »zuhause […] schwieriger ist,
die Kinder zu motivieren« (Frau Haußig). Zwar gab es während des Lockdowns auch einige
gut funktionierende digitale Angebot, jedoch bedeutete das auch noch mehr zusätzliche
Bildschirmzeit für die Kinder.
Fazit
Der Mehraufwand mit dem die Teilhabe so vieler Akteure einhergeht macht sich dann bezahlt,
wenn alle zufrieden auf das Ergebnis schauen und stolz sind auf das, was sie gemeinsam geschafft
haben. So zum Beispiel die erfolgreiche Bewerbung um den Kinder- und Jugendumweltpreis der
Stadt Leipzig, mit dem die Schule im Juli 2021 ausgezeichnet wurde – ein toller Erfolg, an dem
Lehrerinnen und Lehrer, Kinder, Erzieherinnen und Erzieher sowie Eltern beteiligt waren.
MATERIAL
Flyer FREI DAY
Weitere Praxispool-Themen:
Kooperation mit außerschulischen
Partnern
Stand:
September 2021

 
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Carolaplatz 1, 01097 Dresden
Bürgertelefon: +49 351 56465122
E-Mail: buerger@bildung.sachsen.de
www.bildung.sachsen.de
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Fotos:
Kurt-Masur-Schule - Grundschule der Stadt Leipzig
Gestaltung:
Hi Agentur e.K.
Druck:
Digitaldruckerei Schleppers GmbH
Redaktionsschluss:
November 2021
Verteilerhinweis
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verfassungsmäßigen Verpflichtung zur Information der Öffentlichkeit herausgegeben. Sie
darf weder von politischen Parteien noch von deren Kandidaten oder Helfern zum Zwecke
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