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Magazin
SIB
Ausgabe 2 | 2020
Falk Wünsche (IPF), Sophie Watteyne und Christine Grüttner,
Zentralstelle Zuwendungsbau (v. l. n. r.)
Zuwe
ndu
ng
sbau
Zeitverlust oder Hilfe?
Seite 16
Alte Aktienspinnerei
Neue Bibliothek für
TU Chemnitz
Seite 9
Vollendet ausgemalt
Barockschloss Rammenau
in neuem Glanz
Seite 14
4. Sächsische Landesausstellung
Die bauliche Seite von
„Boom.“ in Zwickau
Seite 4

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INHALT
IMPRESSUM
Herausgeber:
Staatsbetrieb Sächsisches
Immobilien- und Baumanagement
Wilhelm-Buck-Straße 4, 01097 Dresden
www.sib.sachsen.de
im Auftrag des Freistaates Sachsen,
Sächsisches Staatsministerium der Finanzen
Redaktion:
SIB-Zentrale: Oliver Gaber (V.i.S.d.P.),
Alwin-Rainer Zipfl, Tobias Lorenz,
blaurock markenkommunikation:
Tobias Blaurock
Gestaltung:
blaurock markenkommunikation,
www.team-blaurock.de
Fotos:
David Nuglisch (S. 1 –3, 4 M., 5 o., 8–10,
11 o., 14–17, 19, 21, 24),
Hans-Christian
Schink (S. 4 u., Hintergrundbild), SIB/
Tobias Lorenz (S. 6, 7), Till Schuster (12–13),
Christoph Reichelt (S. 20)
Druck /Auflage:
Lößnitz-Druck/2.200 Stück
Redaktionsschluss:
Oktober 2020
Copyright:
Die Veröffentlichung ist urheberrechtlich
geschützt. Alle Rechte, auch die des Nach-
druckes von Auszügen und der fotomecha-
nischen Wiedergabe, sind dem Herausgeber
vorbehalten. Diese Maßnahme wird
mitfinanziert durch Steuermittel auf der
Grundlage des vom Sächsischen Landtag
beschlossenen Haushaltes.
Veit-Carsten Deutschmann, Roswitha Schubert und Frank-Ernest Nitzsche
im Außenbereich des Barockschlosses Rammenau (siehe Seiten 14–15)
3 EDITORIAL
KLUGE KÖPFE
4
Boom. Dynamisches Projekt
GUTE IDEEN
6
Mit Modellcharakter: Blühwiesen
8
Anmietung in Breslau
9
‚Alte Aktienspinnerei‘ wird Zentralbibliothek
14 Vollendet: Instandsetzung
SIB IN ZAHLEN
12 Hochmoderne Bibliothek im historischen
Gebäude
SIB INTERN
16 Aufgaben des SIB beim Zuwendungsbau
ZENTRALES FLÄCHENMANAGEMENT
18 Ökokonto – Sparbuch für Naturschutz
AUF DER BAUSTELLE
20 Baufortschritt im Blockhaus
AKTUELLE BAUPROJEKTE
22 Auf einen Blick

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EDITORIAL
Seit März dieses Jahres hält die Covid-19-Pandemie
auch den SIB im Bann. Bisher konnten negative Aus-
wirkungen auf die vom SIB betriebene Infrastruktur
und die Durchführung von Baumaßnahmen fast voll-
ständig vermieden werden. Dies ist vor allem unse-
ren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken,
die gemeinsam mit den Nutzern der Liegenschaften
sowie unseren Partnern aus der Wirtschaft einen rei-
bungsarmen Ablauf gewährleisteten. Unsere Mitar-
beiterinnen und Mitarbeiter werden weiterhin alles
Oliver Gaber
Kaufmännischer
Geschäftsführer
Volker Kylau
Technischer
Geschäftsführer
daransetzen, das große Aufgabenspektrum des SIB möglichst störungsfrei zu erfüllen – trotz der
widrigen Umstände und mit Hilfe unserer stabiler gewordenen Datenlandschaft.
Die Fülle an Aufgaben und Maßnahmen, die durch den SIB als Bauherren- und Eigentümer-
vertretung des Freistaates Sachsen wahrgenommen werden, zeigt sich auch wieder im aktuellen
SIB Magazin. Wir werfen einen Blick auf Aufgabenfelder, die in der öffentlichen Wahrnehmung
nicht sofort mit dem SIB in Verbindung gebracht werden.
Zum einen ist hier der Zuwendungsbau zu nennen. Der SIB ist in diesem Bereich für alle
Ressorts und Bewilligungsstellen das baufachliche Prüforgan für Hochbaumaßnahmen, die vom
Freistaat Sachsen mit Landes-, Bundes- oder EU-Mitteln gefördert werden. So wurden durch
den SIB beispielsweise im Jahr 2019 in Baubegleitung insgesamt 220 Projekte unterstützt und
baufachliche Stellungnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 589 Mio. Euro abgegeben.
Zum anderen stellen wir die Arbeit der Ökoflächenagentur des fachlich eigenständigen Ge-
schäftsbereichs Zentrales Flächenmanagement Sachsen (ZFM) vor. Die Ökoflächenagentur über-
nimmt die Kompensationsverpflichtungen nicht nur bei Bauvorhaben des Freistaates Sachsen
und bietet weitergehende Dienstleistungen aus diesem Bereich an.
Insgesamt genießt der Umwelt- und Artenschutz im SIB einen hohen Stellenwert. Ein wei-
teres Beispiel dafür ist die Gestaltung und Bewirtschaftung von Außenflächen in städtischen
Bereichen. Mit dem Anlegen artenreicher Wiesen aus Gräsern, Wildblumen und Kräutern nimmt
der SIB eine Vorreiterrolle ein und schafft in Städten neue Lebensräume für Insekten, Vögel und
andere Tiere.
In der aktuellen Ausgabe widmen wir uns zudem der vielbeachteten Fertigstellung des Bau-
vorhabens „Alte Aktienspinnerei“ in Chemnitz. Das historische Gebäude wurde für die zentrale
Universitätsbibliothek der TU Chemnitz aufwändig saniert und umgebaut. Somit konnte nicht
nur einem industriegeschichtlich wertvollen Gebäude eine neue Nutzung gegeben, sondern ins-
gesamt ein städtebaulich wichtiges Areal wiederbelebt werden.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre der aktuellen Ausgabe des SIB Magazins.

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KLUGE KÖPFE
Die immer wieder neue wirtschaftliche Dy-
namik der industriellen Entwicklung Sach-
sens ist charakteristisch für seine Geschichte
seit dem Bergbau in der Zeit der Renaissan-
ce. Maximal dynamisch, nämlich „Boom.“,
ist denn auch der Titel der 4. Sächsischen
Landesausstellung (4. SLA), deren Leitaus-
stellung aktuell im Audi-Bau in Zwickau
stattfindet. Die sehenswerte Schau widmet
sich 500 Jahren Industriekultur in Sachsen.
Einige Dynamik bringt die vorübergehende
museale Nutzung auch in das Leben der Im-
mobilie. Die Niederlassung Zwickau des SIB
hat die Anmietung und Ertüchtigung des
Audi-Baus sowie die Errichtung eines tem-
porären Empfangsgebäudes koordiniert und
stellt Dienstleistungen für den Betrieb bereit.
Das Objekt selbst ist ebenso sehenswert wie
die Ausstellung und erhielt im September
eine Auszeichnung des ArchitekturForum
Zwickau.
Unkonventioneller Ergänzungsbau erweitert historischen Audi-Bau für Nutzung auf Zeit.
Boom.
Dynamisches Projekt
Olaf Pattaro und Anton Zimmermann gehören
zu den Beschäftigten, die mit den Räumlichkei-
ten der Landesausstellung befasst sind – wobei
im Bereich HLS die wesentliche Vorarbeit von
Kristin Renner geleistet wurde. Der Büroleiter
und Sachgebietsleiter Immobilienmanagement
Olaf Pattaro verantwortet neben der inneren
Organisation der Niederlassung Zwickau zu-
sätzlich die Behördenunterbringung des Frei-
staates Sachsen im Bereich der Stadt und des
Landkreises Zwickau:
„Wir betreuen 75 Liegen-
schaften für verschiedenste Nutzer, die zumeist
in landeseigenen Gebäuden untergebracht sind.
Jedes Gebäude und jeder Nutzer bringt ganz
eigene Aufgaben mit sich, vom klassischen
Bürogebäude bis zu höchsten Sicherheitsan-
forderungen bei der Justizvollzugsanstalt. Wie
die Nutzungsarten unterscheiden sich auch
die jeweiligen Ansprechpartner, das bringt Ab-
wechslung.“
Das Empfangsgebäude der 4. SLA war das erste
Gebäude, das Dipl.-Verwaltungswirt (FH) Olaf
Pattaro selbst in Bearbeitung übernommen
hat:
„Ich hatte bis Anfang 2017 kaum Berüh-
rungspunkte mit dem Immobilienmanage-
ment. Daher habe ich mir die liegenschaftlichen
Kenntnisse mit der Übernahme der 4. SLA am
praktischen Beispiel aneignen können. Bei der
Einarbeitung konnte ich auf die Kompetenz der
im Immobilienmanagement eingesetzten Be-
schäftigten zurückgreifen.“
Die Gestaltung der Ausstellung obliegt der Stif-
tung Deutsches Hygiene-Museum. Dessen Di-
rektor Prof. Klaus Vogel:
„Aus einer sachlichen
Industriehalle ein Museum auf Zeit zu formen
– das war ein Kunststück, das dem SIB in Zu-
sammenarbeit mit AFF Architekten, Berlin und
GEORGI architektur + stadtplanung, Chemnitz
in einer außergewöhnlich prägnanten Weise
oben: Olaf Pattaro
links: Eingangsgebäude mit Rampe zur Ausstellung

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KLUGE KÖPFE
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Für Empfangsgebäude und Erschließung war
ein Architektenwettbewerb durchgeführt wor-
den. Die kurze Nutzungsdauer führte zu einem
unkonventionellen Ansatz: Im Audi-Bau wur-
den störende Trennwände entfernt, so dass der
Industriecharakter in einem großen Raum über
die gesamte Etage spürbar wurde. Vorhandene
Installationen wurden belassen, neue, wie Aus-
stellungsbeleuchtung und Klimatechnik, wur-
den offen, sichtbar und leicht demontierbar
unter die Decken gehängt. Der aus DDR-Zeiten
stammende WC-Bereich erhielt neben einem
anthrazitfarbenen Anstrich lediglich neue Sa-
nitärkeramik und -armaturen. Zugunsten eines
barrierefreien Zugangs erfolgt die Erschließung
über Rampen. Diese verbinden das Empfangs-
gebäude mit dem Audi-Bau und die Ausstel-
lungsetagen untereinander.
Für Empfangsgebäude und Rampen wurden
46 anthrazitfarbene Seecontainer montiert, ca.
85 m³ Beton und ca. 28 t Stahl für Fundamente
und Stützkonstruktion verbaut. Handelsübliche
Gerüsttraversen bilden das Dach des Seecon-
tainer-Gebäudes. Sie wurden wie die Container
und Teile der Technik angemietet. Die Aus-
stattung folgt dem Gedanken des Upcycling:
Ausgesonderte Sichtlagerkästen dienen als
Schließfächer oder Kassentresen. Säcke zum
Transport von Baumaterialien werden als Gar-
deroben für Besuchergruppen genutzt, Altrei-
fen dienen als Ruhebänke.
Unkonventioneller Entwurf
gelungen ist. Mit wenigen konsequenten Hin-
zufügungen erfüllen das Empfangsgebäude
und die Erschließungsrampe jetzt sämtliche
Anforderungen eines modernen Ausstellungs-
betriebs. Und obwohl die Materialität der ver-
bauten Seecontainer im Kontrast zur Ziegel-
fassade des Altbaus steht, wirkt das so entstan-
dene Gebäudeensemble an der Audistraße wie
aus einem Guss – als wäre
es schon immer da
gewesen.“
Für die 4. SLA wurden ca. 5.700 Quadratme-
ter des alten Industriebaus angemietet, dazu
die Außenfläche. Die eigentliche Ausstellung
befindet sich im ersten Stock. Olaf Pattaro:
„In den Abschluss des Mietvertrages im Jahr
2016 war kein heute aktiver Beschäftigter der
Niederlassung Zwickau involviert. Auf Grund-
lage der durchgeführten Wettbewerbe begann
2018 die Planung der Ausstellung. Unter Zeit-
druck mussten wir die Interessen des Vermieters
mit den sich entwickelnden Vorstellungen der
Ausstellungsmacher, den Architekten und der
entsprechenden baulichen Umsetzung in Über-
einstimmung bringen. Die Zusammenarbeit der
Beteiligten war und ist trotz vieler Personal-
wechsel sehr konstruktiv.“
Zu den von den Mitarbeitern des SIB bereit-
zustellenden Leistungen gehören auch Teile der
Betreibung.
„Die Ausschreibungen für Aufsicht,
Kassenaufsicht, Bewachung und
Reinigung sind gut gelaufen. Ich
freue mich, dass wir dafür sächsische
Unternehmen gewinnen konnten.“
Olaf Pattaro
Coronabedingt war die Ausstellung verschoben
worden, findet seit Juli und noch bis 31.12.2020
statt. Der Rückbau beginnt im Januar „
Mit Ende
des Mietvertrages am 31.5.2021 wollen wir die
Liegenschaft aber wie ursprünglich geplant
übergeben“
, so Olaf Pattaro.
„Die gesamte Betriebstechnik,
kombiniert aus Bestandstechnik
und vom SIB ergänzter Technik,
läuft störungsfrei.“
Anton Zimmermann
„Die temporäre Umnutzung des Industriebaus
zum Museum brachte einige technische An-
forderungen mit sich, die der SIB kosteneffi-
zient gewährleisten musste. Museen haben
eigene Anforderungen, dafür war das Objekt
ursprünglich nicht konzipiert, auch wenn große
Werkhallen grundsätzlich recht gute Voraus-
setzungen für Einbauten bieten“
, so Dipl.-Ing.
(FH) Anton Zimmermann, Sachbearbeiter Be-
triebstechnik der Niederlassung Zwickau.
„Zur
Sicherung der Klimatisierung der Ausstellungs-
fläche im Obergeschoss wurde im Außenbereich
ein gemieteter Kaltwassersatz aufgestellt. Die
Verteilung der gekühlten Frischluft wird im
OG über zwei textile Lüftungskanäle realisiert,
durch die aufgrund des großflächigen Luftaus-
trittes punktuelle Zugerscheinungen vermieden
werden und
die so ein angenehmes Raumklima
schaffen. Unterstützt wird die Klimatisierung
durch Umluftkühlgeräte, ausgeführt als Decken-
kassetten.“

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GUTE IDEEN
Staatlicher Bauherr mit Vorbildfunktion
Mit Modellcharakter:
Blühwiesen
Mit dem Anlegen von Blühwiesen in städ-
tischen Bereichen Sachsens nimmt der SIB
erneut eine Vorreiterrolle ein. Pioniere wa-
ren dabei unter anderen Heidi Schmidt in
der Leipziger Niederlassung II und Christoph
Kern in der Dresdner Zentrale. Gemeinsam
mit ihren Kollegen realisierten sie seit Herbst
2019 sechs insgesamt rund 11.000 m²
große Blühwiesen an verschiedenen Stand-
orten der Universität Leipzig und der HTWK
Leipzig. Dabei entstanden Erfahrungen und
Handlungsempfehlungen, die bereits als
Grundlage für die Anwendung in anderen
Niederlassungen des SIB dienen.
Dipl.-Verwaltungswirtin Heidi Schmidt, seit fast
zwanzig Jahren in der Liegenschaftsverwaltung
des Freistaates Sachsen aktiv, verantwortet
als Sachgebietsleiterin Immobilienmanagement
ihrer Niederlassung in Leipzig die Bereitstellung
und Bewirtschaftung von Liegenschaften vor
allem für die Universität.
„Ich brenne für diese
Aufgabe, weil sie sehr vielschichtig und unter-
schiedlich ist. Ich freue mich, optimale Voraus-
setzungen dafür schaffen zu dürfen, dass Lehre
und Forschung reibungslos funktionieren. Wenn
man uns dabei nicht bemerkt, haben wir gute
Arbeit gemacht. Gerade die am Augustusplatz
geschaffenen Neubauten und die vielen histo-
rischen Gebäude im Stadtgebiet machen mich
wirklich stolz.“
Neben Gebäuden lag die Aufmerksamkeit von
Heidi Schmidt und auch der Geschäftsführung
des SIB in den letzten Monaten verstärkt bei
Grünflächen, denn:
„Der Naturschutz und die Biodiversität gewinnen
bei uns zu Recht einen immer höheren Stellenwert.
Blühwiesen mögen für manchen noch etwas un-
gewöhnlich im Stadtbild sein, ihnen kommt jedoch
gerade hier eine wichtige ökologische Aufgabe
und Vorbildfunktion zu.“
Oliver Gaber, Kaufmännischer Geschäftsführer des SIB
Heidi Schmidt, Christoph Kern und Oliver Gaber (v. l. n. r.) auf einer Blühwiese mit Insektenhotel

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GUTE IDEEN
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Neue Lebensräume in der Stadt
Die Gestaltung und Bewirtschaftung von Au-
ßenflächen gerade in städtischen Bereichen hat
einen großen Einfluss auf die Entwicklung von
Artenvielfalt und Tierpopulationen. Mit arten-
reichen Wiesen aus Gräsern, Wildblumen und
Kräutern schafft der SIB daher neue Lebens-
räume für Insekten, Vögel und andere Tiere, will
so dem Verlust ökologischer Vielfalt entgegen-
wirken. Zusätzlich werden an einigen Stand-
orten auch sogenannte Insektenhotels aufge-
stellt, übrigens in der JVA Zeithain hergestellt.
Heidi Schmidt, die viele geeignete Flächen in
Bestandsobjekten identifiziert hat, ist über-
zeugt:
„Nicht nur Bauherren
sollten der Natur in
der Planung genug Raum zur Entfaltung lassen,
ebenso lässt sich auch im Nachhinein in der Be-
wirtschaftung bestehender Objekte einiges be-
wegen.“
Mit anhand der Pilotprojekte in Leipzig
erarbeiteten Handlungsgrundlagen hat sie die
Voraussetzungen dafür geschaffen, dass auch
in den anderen SIB-Niederlassungen artenrei-
che Grünflächen erzeugt und bewirtschaftet
werden können.
„Blühwiesen zaubern nicht nur
den meisten ein Lächeln ins Gesicht,
sondern sind auch gut für das Mikro-
klima. Wir wollen mit diesen ökolo-
gisch wertvollen Pilotprojekten nicht
nur für andere Niederlassungen des
SIB, sondern ausdrücklich auch für
Dritte Vorbild und Motivation sein.“
Heidi Schmidt
Vorbild für andere Niederlassungen
In der Zentrale des SIB ist Dipl.-Wirtsch.-Ing.
(FH) und Master of Engeneering Christoph Kern
für die Erarbeitung von Grundsätzen und die
fachliche Koordination der Niederlassungen im
Bereich Dienste in Außenanlagen zuständig.
„Durch die Niederlassung Leipzig II wurden
Referenzprojekte geschaffen, aus denen
wir nun bei den anderen Niederlassun-
gen überzeugende Praxiserfahrungen
einbringen können. Auch die Kon-
zeption und der Bau der In-
sektenhotels nebst Fun-
damentierung und
Der aktuelle Stand und weitere Informationen zu
den Blühwiesen sind auf
www.sib.sachsen.de
im
Bereich Nachhaltigkeit bei den Aufgaben des SIB
dargestellt.
Aufstellung an den verschiede-
nen Standorten gehört dazu.“
Aus genehmigungstechnischer Sicht
stehe der Umwandlung von Rasenflä-
chen in Blühwiesen zuweilen allenfalls
der Denkmalschutz entgegen, so Kern.
„Bei
historischen Gebäuden erfordert das etwas
Fingerspitzengefühl, sonst gibt es eigentlich
keine Probleme“
sagt er. Beim Anlegen von
Blühwiesen reiche es manchmal, den Bo-
den nur aufzufräsen und Saat einzubrin-
gen. Die Bewirtschaftungskosten seien
langfristig sogar geringer, denn im Ver-
gleich zu normalen Rasenflächen, die ca.
6–8 Mal jährlich gemäht werden, müss-
ten Blühwiesen in der Regel nur 2–3 Mal
im Jahr gemäht werden:
„Die Mahd ist hier
zwar etwas aufwändiger, auch weil man
den jeweiligen Zeitpunkt anhand mehrerer
Faktoren individuell wählen muss, aber unter
dem Strich haben wir im Unterhalt sogar eine
Kostenreduzierung.“
Aktuell klärt Christoph Kern noch letzte Details zu ei-
nigen Standorten in Dresden, wo vor dem Winter noch
die letzten der 15 eigens für den SIB angefertigten Insekten-
hotels aufgestellt werden sollen.
„Mir macht das
Freude, es ist schön, dass ich an der naturnahen
Gestaltung von Freiräumen mitwirken kann. Mit
den Blühwiesen bereichern wir das Stadtbild.
Alternative Möglichkeiten der Außenflächenbe-
wirtschaftung zu entwickeln und so die Arten-
vielfalt zu stärken, ist eine gute Sache.“
Standorte mit vom SIB bereits angelegten
Blühwiesen befinden sich außerhalb Leipzigs,
inzwischen auch in vielen anderen Städten
des Freistaates Sachsen, beispielsweise an der
Westsächsischen Hochschule in Zwickau, im Bil-
dungszentrum Reinhardtsgrimma, der Landes-
schule für Blinde und Sehbehinderte Chemnitz,
an der SIB-Niederlassung Dresden II und der TU
Dresden. Im Entstehen sind unter anderem Flä-
chen an den Staatlichen Studienakademien in
Breitenbrunn und Glauchau sowie an der Hoch-
schule Zittau/Görlitz. Weitere sind in Planung.
Diese Maßnahmen werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage
des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Blühwiesen am Campus Nöthnitzer Straße der TU Dresden

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GUTE IDEEN
Am 8. Juli eröffneten Ministerpräsident Michael Kretschmer und Europa-
ministerin Katja Meier gemeinsam mit der Marschallin und dem
Marschall der sächsischen Partnerwojewodschaften Niederschlesien und
Lubuskie, Elzbieta Anna Polak und Cezary Przybylski, die neue Niederlas-
sung des Verbindungsbüros des Freistaates Sachsen in Wrocław.
Zuvor hatte der SIB innerhalb kürzester Zeit eine neue Unterbringung
für das Verbindungsbüro und die Wirtschaftsförderung Sachsen als
Untermieter anzumieten und sie baulich anpassen zu lassen. Die Ver-
handlungen bei einigen Vor-Ort-Terminen verliefen mehrsprachig und
stellten insofern ebenso eine Herausforderung dar, wie auch der straffe
Zeitplan. Verantwortlich hierfür waren für das Vertragliche der Volljurist
Berthold Dresel und für die internen Abstimmungen zu den baufach-
lichen Fragen Dipl. Wirtsch.-Ing. (FH) Annett Benedix. Der Mietvertrag für
die vorherige Adresse des Verbindungsbüros hatte sich aufgrund drin-
gend notwendiger Sanierungsarbeiten kurzfristig nicht mehr verlängern
lassen. Mit dem Max Born Forum, dem Geburtshaus des gleichnamigen
deutschen Physikers und Nobelpreisträgers, war schnell eine attraktive
Alternative gefunden. Doch auch hier war der Zeitrahmen angesichts
aktueller Bauarbeiten sehr kurz. Entscheidungen mussten damit kurz-
fristig getroffen werden. In der ersten Etage des liebevoll renovierten
Jugendstilhauses konnten Berthold Dresel und Annett Benedix 254 m
2
anmieten und baulich vorbereiten lassen.
„Das neue, repräsentative Büro
mussten wir ab Sommer 2019 binnen vier bis fünf Monaten vertrag-
lich binden und umbauen lassen. Alles war letztlich pünktlich fertig“
, so
Berthold Dresel, Ständiger Vertreter des Niederlassungsleiters der Nieder-
lassung I des SIB in Dresden.
„Bei den ausländischen Landesvertretungen ist die Sprachbarriere meist
die größte Herausforderung. Bei einem Ausbau müssen Pflichten, Zeit-
schienen und Qualitäten zweifelsfrei definiert sein, das Gemeinte muss
mit dem schriftlich Niedergelegten übereinstimmen. Mit unserem neu-
en Vermieter in Breslau hatten wir großes Glück, da er sehr gut Englisch
und ein wenig Deutsch sprach und sich wirklich als außergewöhnlich zu-
verlässig und entgegenkommend erwies“
, erinnert sich Annett Benedix,
Sachgebietsleiterin Immobilienmanagement 1
. „Es schien ihm ein echtes
Anliegen zu sein, das Objekt mit seinem deutschen Bezug auch mit einer
entsprechenden Landesvertretung belegen zu können. Den Vertrag haben
wir schließlich gemeinsam zweispaltig in Deutsch und Polnisch zugleich
verfasst.“
Die Landesvertretung befindet sich seither am plac Wolności 4, 50-071
Wrocław, gut erreichbar in renommierter Lage im Stadtzentrum. Sie
residiert damit direkt gegenüber der Breslauer Oper und ganz in der Nähe
vieler wichtiger Verwaltungsinstitutionen, Handels- und Finanzeinrich-
tungen, des Nationalen Musikforums, des Gerichts, der Staatsanwalt-
schaft und der Hotels Monopol und Marriott.
Neues
Verbindungsbüro
des Freistaates Sachsen in Polen
Anmietung
in Breslau
Annett Benedix und Berthold Dresel an der Niederlassung I
des SIB in Dresden
Verbindungsbüro in Breslau

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GUTE IDEEN
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‚Alte Aktienspinnerei‘
wird Zentralbibliothek
Die Chemnitzer Universitätsbibliothek war noch bis in den Sommer
auf sechs Standorte im Stadtgebiet verteilt. Mit der Errichtung einer
Zentralbibliothek zur Bündelung des Angebotes im Gebäude der Al-
ten Aktienspinnerei hat der SIB jetzt deutlich bessere Bedingungen
für Lehrende und Studierende geschaffen. Die neue Bibliothek soll
mit zeitgemäßem Raumangebot zu einem Zentrum des universitären
Lebens werden – auch für an wissenschaftlicher Information inter-
essierte Bürger. Dafür hat der SIB das industriehistorisch wertvolle
Gebäude mit großem Aufwand saniert und um Neubauten ergänzt.
Das Raumprogramm umfasst neben der aufwändigen technischen
Infrastruktur ein vielfältiges Angebot aus Einzelarbeitsplätzen,
Gruppenarbeitsräumen und Arbeitskabinen sowie Lese- und Begeg-
nungsbereichen. Das markante Projekt wird begleitet von großem
Interesse in der Bevölkerung. Ab Anfang Oktober öffnet die Biblio-
thek zunächst im eingeschränkten Betrieb.
Die Alte Aktienspinnerei, erbaut ab 1857 im Stil des historischen Eklek-
tizismus, ist ein industriegeschichtliches Kulturdenkmal. Zudem sind die
Innenräume mit ihrem originalen Tragwerk aus Gussstützen und Gewöl-
bekappen auch baugeschichtlich besonders relevant. Das Gebäude, im
Krieg teilweise zerstört und anschließend vielfältig genutzt, befand sich
jedoch zuletzt in keinem guten Zustand.
Maik Enderlein ist Maschinen- und Anlagenmonteur und Dipl.-Ing.
Energie- und Versorgungstechnik (FH). Der Sachbearbeiter im SIB und
Projektleiter für Heizung, Klima, Lüftung und Sanitär kennt das Gebäude
schon seit seiner Kindheit. Die Sanierung war eine gute Entscheidung,
findet er, denn
„für mich war das immer ein nichtssagender, schlecht aus-
sehender Baukörper in schlechtem Zustand – mit Puppentheater, Stadt-
bücherei, Kaufhaus und einer Busdurchfahrt. Mit der Sanierung wird auch
der Stadtteil Brühl neu belebt.“
Statik: Herausforderungen zwischen Denkmalschutz,
Nutzeranforderungen und Architektur
Dafür, dass die denkmalgeschützte Tragkonstruktion der Seitenflügel
mit Gusseisenstützen und -trägern, Spanngliedern und Gewölbekappen
heute in ihrer ursprünglichen Raumwirkung wieder erlebbar ist, waren
gemeinsame Anstrengungen von Tragwerksplaner, Prüfingenieur und Ar-
chitekten nötig.
Die Tragfähigkeit der Gusseisenstützen und der genieteten Gewölbe-
hauptträger und Stützkapitelle wurde beispielsweise vorab nicht nur
rechnerisch, sondern auch durch Praxistests an abzubrechenden Bautei-
len im Westflügel ermittelt. Dass die Originalbauteile ihre tragende Funk-
tion auch künftig erfüllen werden, konnte zur Freude der Beteiligten mit
Jörg Freitag, Maik Enderlein, Karin Friedl, Janet Dietzold
und Hagen Michalke (v. l. n. r.)
weiter siehe Folgeseite
Umwandlung und Erweiterung des historischen Gebäudes zur zentralen Universitätsbibliothek
der TU Chemnitz – Technische Weltneuheit – Probebetrieb ab Anfang Oktober 2020

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„Zu sehen, dass es eben doch geht,
und zwar, wenn alle Hand in Hand
zusammenarbeiten, das war
schon beeindruckend.“
Biege- und Schubversuchen, Prüfung der Zugstangenverankerung in den
Kapitellen, Bruchversuchen an Gusskonsolen und Zugversuchen an Kop-
pelstangen nachgewiesen werden.
„Der Altbau ist bei diesem umfangreichen Projekt für mich besonders fas-
zinierend – wie und mit welchen statischen Absicherungen man schon
früher tragende Konstruktionen aufbauen konnte! Den statischen Anfor-
derungen wird es noch heute mehr als gerecht“
, so Dipl.-Ing. Arch. (FH)
Janet Dietzold, als Sachbearbeiterin Hochbau seit Dezember 2018 die
Projektleiterin des Gesamtvorhabens.
Der Baugrund hingegen erwies sich als weniger stabil. Die nötigen Trag-
lasten konnten erst gewährleistet werden, nachdem in den historischen
Mittelbau nachträglich eine neue, 35 cm starke Bodenplatte eingebracht
wurde – und darunter ein Fundament aus 270 duktilen, fünf bis sieben
Meter langen, im Zuge des Umbaus in den Untergrund gerammten
Pfählen.
Janet Dietzold kennt das Projekt schon seit vor ihrer Zeit als Projekt-
leiterin, arbeitete bereits unter ihrer 2018 verstorbenen Vorgängerin
Peggy Altmeyer daran mit
. „Wir hatten bereits seit 2012 in anderen Pro-
jekten sehr gut zusammengearbeitet. Peggy war es immer wichtig, Zeit-
plan und Gesamtbaukosten einzuhalten. Dem versuche ich nach Kräften
gerecht zu werden.“
200 Verträge und engagierte Beteiligte
Die Aktienspinnerei ist schon durch ihre Größe ein besonderes Projekt.
Die Arbeiten im Altbau und die Integration des Neubaus umfassen mehr
als 200 Verträge, wie Janet Dietzold berichtet.
„Ich bin sehr froh, dass ich
mein pragmatisches Team um mich habe. Das darf bei Bauten in dieser
Größenordnung auch gar nicht anders sein. Gäbe es zum Beispiel den für
die Bauausführung zuständigen Architekten Siegmar Lungwitz nicht, hät-
ten wir sicher viele Schwierigkeiten gehabt. Auch die für Außenanlagen
und Tiefbau zuständige Sachbearbeiterin Dipl-Ing. (FH) Karin Friedl möch-
te ich hier beispielhaft für viele andere nennen.“
Zu den engeren Teammitgliedern zählen neben Maik Enderlein unter an-
derem auch die beiden Sachbearbeiter Hagen Michalke und Jörg Freitag.
Maik Enderlein:
„Das Schöne an der Arbeit hier im SIB ist, dass bei uns alle
Fäden zusammenlaufen – Nutzer, Planungsbüros und Ausführende arbei-
ten Hand in Hand. Wir sind die Bauherrenvertreter, aber es funktioniert
nur durch das gemeinsame Engagement aller – was jede Aufgabe aufs
Neue interessant macht.“
Geht nicht gibt’s nicht
„Die Gebäudetechnik, zum Beispiel die Vollklimatisierung im Magazin,
ist vom Standard her recht normal. Besonders war es jedoch, die Technik
vieler unterschiedlicher Gewerke auf engstem Raum zu platzieren – aber:
Geht nicht gibt’s nicht!“
, so Maik Enderlein, und beschreibt:
„Beim Einbau
der ca. 10.000 m
2
großen Fußbodenheizung über den Gewölbekappen der
Seitenflügel galt es, zugleich die nötige Flächenbelastung von 500 Kg/m
2
(5 KN/m
2
) zu gewährleisten und trotzdem beispielsweise die Kabel für die
jeweils darunterliegende Beleuchtung durchzuführen.“
Maik Enderlein
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GUTE IDEEN
Probesitzen mit der Leiterin der Bibliothek,
Angela Malz (zweite von links)

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GUTE IDEEN
SIB: ästhetischer Anspruch und Vorreiterrolle
Dipl-Ing. (TU) ELT Jörg Freitag ist im Sachgebiet Betriebstechnik I des SIB
im Wesentlichen im Hochschulbau tätig:
„Das ist schön, weil ich damit
letztlich für die Bildung von Menschen arbeite.“
Er verantwortet unter
anderem die ELT-Anlage, die informationstechnischen Anlagen – also
Datennetz, automatische Brandmeldeanlage mit Sprachalarmierungs-
anlage.
„Die schiere Größe der Aktienspinnerei ist natürlich besonders
– 12.000 Quadratmeter Nutzfläche zu beplanen und Technik dem größ-
tenteils historischen Gebäudecharakter entsprechend unauffällig umzu-
setzen, ist eine Herausforderung.“
Das ist zum Beispiel im Eingangsbereich
besonders gut gelungen:
„In den Deckeneinbauleuchten haben wir gleich-
zeitig Lüftungsauslass, Brandmelder und die Lautsprecher integriert.“
Die Tageslichtdecke im Lesesaal ist wie vom Architekten vorgesehen
technisch besonders raffiniert ausgestattet.
„Bei abnehmendem Tages-
licht wird sie stufenweise hinterleuchtet. So merkt man gar nicht, wenn es
draußen dunkel wird.“
Das ganze Gebäude ist übrigens komplett mit LED
beleuchtet – heute Stand der Technik, zum Planungsbeginn 2014 wurde
der SIB mit dem Verzicht auf Kompaktleuchtstofftechnik damit durchaus
seiner Vorreiterrolle gerecht.
Weltneuheit:
Buchtransportanlage mit modernster UniSortCar-Technik
Der Bestand der Bibliothek wird unter anderem mehr als eine Million Bü-
cher umfassen. Die technischen Grundlagen für den späteren reibungslo-
sen und teilautomatischen Ablauf von Verleih und Rückgabe aller Medien
legt Dipl.-Ing. Hagen Michalke. Der Sachbearbeiter Betriebstechnik des
SIB hatte einst selbst an der TU Chemnitz studiert und ist als Maschi-
nenbauer
„seit 9 Jahren ein Exot im SIB“
. Als Spezialist für Fördertechnik,
Kran- und Aufzugsanlagen realisiert er aktuell 57 Neubauanlagen in ver-
schiedenen Baumaßnahmen, betreut über 100 Anlagen im Bestand.
Sechs Ebenen verschiedener Gebäudeteile sind in der Buchtransportan-
lage gemäß der Nutzeranforderung mit Fördertechnik zu einer
„24/7-
Bibliothek mit optimalem Personeneinsatz“
verbunden. Erstmals im Be-
reich Bibliotheken wird hier eine Anlage aus Bandfördersystem, Schie-
nensystem mit Weichen, Bahnhöfen und 25 selbstfahrenden Förder-
fahrzeugen (UniSortCar) eingesetzt, das zwei Rückgabeautomaten, sechs
Eingabestellen und 17 Empfangsstationen verbindet. „
Die softwareseitige
Integration der Anlage begleitet Holger Trapp von der Universität sehr
engagiert“
, so Hagen Michalke.
„Es begeistert mich, komplexe Aufgaben
in enger Abstimmung mit dem Nutzer zu lösen. Dabei habe ich auf Vor-
gaben zum Beispiel des Arbeitsschutzes zu achten und auf langfristige
Wirtschaftlichkeit.“
So müssen spätere Erweiterungen bereits in der Pla-
nung vorausgedacht werden.
„Das Schöne ist: Ich habe meine Anlagen
auch nach dem Bau in der Betreuung, habe also auch selbst mit den Fol-
gen meiner Arbeit zu tun. So baut sich Expertenwissen über alle Phasen
auf, damit können wir auch immer kompetenter planen und steuern.“
„Seit 2014 konnte ich den Umbau der Alten Aktienspin-
nerei miterleben. Entstanden ist eine moderne Bibliothek
in einem sehr besonderen Gebäude. Dass der Umbau so
erfolgreich abgeschlossen werden konnte, ist auch den am
Projekt beteiligten Mitarbeitenden des SIB zu verdanken,
mit denen ich während der Umbauarbeiten zusammen-
arbeiten durfte.“
Janet Dietzold, die bei all den Besonderheiten und Herausforderungen
des Großprojektes im Alltag immer sehr zielstrebig über ihre Baustelle
läuft, sinniert:
„Manchmal zwinge ich mich, mal innezuhalten und mir das
Vorher-Nachher bewusst zu machen. Das ist ein gigantisches Gefühl, zum
Beispiel die Giebelansicht von der Straße der Nationen aus, hier sieht man
jetzt wieder alle vier statt früher nur drei Etagen –
nur wer noch weiß, wie das hier vorher aussah, kann
einschätzen, was hier gemeinsam geleistet wurde.“
Diese Maßnahme wurde mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom
Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes. Die Kosten von rund 53 Millionen Euro
trägt der Freistaat, ca. 13,6 Millionen Euro davon steuert die EU bei.
Projektdaten
Hauptnutzfläche: 12.235 m²
Nutzerarbeitsplätze: 710
Planungsauftrag: Februar 2014
Bauauftrag: Februar 2015
vorgezogene Leistungen: April 2014
Baubeginn: Juni 2015
Fertigstellung: März 2020
Eröffnung: Oktober 2020
Gesamtbaukosten: rd. 53 Mio. Euro
davon EFRE-Fördermittel 13,6 Mio. Euro)
Direktorin der Universitätsbibliothek der TU Chemnitz ist Angela Malz:
Angela Malz,
Direktorin der
Universitäts-
bibliothek der
TU
Chemnitz
Die umfangreiche
Broschüre „Alte Aktien-
spinnerei“ gibt näheren
Aufschluss und Einblicke
in das Entwurfs- und
Sanierungskonzept.

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12
2 | 2020
SIB IN ZAHLEN
Hochmoderne Bibliothek
im historischen Gebäude
Der Blick in den Lesesaal der in der ehemaligen Aktienspinnerei errichteten neuen Bibliothek der Technischen Universität Chemnitz bildet
die Kulisse für die Darstellung einiger interessanter Zahlen des Projektes. Besonders spannend ist die neue Medientransportanlage, die
im Hintergrund die technischen Voraussetzungen für die Bereitstellung des umfangreichen Bestandes bildet. Hier ist eine technische
Weltneuheit entstanden, an welcher der Hersteller seine eigenen Mitarbeiter schult.
595.000
Bücher im Magazin
785.000
Bücher im
Freihandbereich
710
Nutzer-
arbeitsplätze
71
Arbeitsplätze
für Mitarbeiter
im Büro
Architektengemeinschaft: Bürogemeinschaft Siegmar Lungwitz
Architekt BDA und Heine, Mildner Architekten, Dresden,
sowie Thomas Rabe Architekt, Berlin

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13
SIB IN ZAHLEN
2 | 2020
Automatische
Buchrückgabe
möglich
24/7
Rund um die Uhr:
selbstfahrende
Förderfahrzeuge
6
Etagen
64
Kurven-
elemente
Schienensystem
85
m
6.600
Bauschutt und
21.550 t Abbruch-
material
Beim Bau angefallen:
t
0,7
m/s

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2 | 2020
14
Vollendet:
Instandsetzung
Mit der Sanierung und Renovierung seines Herzstückes erstrahlt
das Barockschloss Rammenau in nahezu originalem Glanz.
GUTE IDEEN
Ende der neunziger Jahre waren die dringendsten Arbeiten an Bau-
konstruktion, Dächern Fassaden und Teilen der Außenanlagen der
barocken Schlossanlage Rammenau weitestgehend erledigt. Erst ab
dem Jahr 2000 konnte sich der SIB unter Regie des Planungs- und
Baumanagements seiner Niederlassung Bautzen daher der systema-
tischen Restaurierung der kulturhistorisch bedeutenden Innenräume
und ihrer Ausstattung widmen. Diese Aufgabe sollte die dortige Pro-
jektleiterin Kulturbau Dipl.-Ing. Roswitha Schubert und ihr Team im
Laufe der nächsten zwei Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Denn der
Klärungs- und der Restaurierungsbedarf waren immens.
Das Schloss Rammenau, dreißig Kilometer nordöstlich von Dresden in der
Westlausitz gelegen, war von 1721 bis 1731 im Auftrag des Kammerherrn
August des Starken, Ernst Ferdinand von Knoch, durch Johann Christoph
Knöffel neu errichtet worden.
„Durch die Ausstattung unter Friedrich von
Kleist ist das Rammenauer Schloss das wohl bedeutendste Denkmal der
Innendekoration seiner Zeit in Sachsen geworden“,
schrieb der namhaf-
te Architekt Cornelius Gurlitt in seiner
„Beschreibenden Darstellung der
älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen“
im Jahr 1907.
„Als wir das Schloss vor 20 Jahren betraten, erwartete uns ein verbrauchtes,
Nach gründlichen Untersuchungen wurde 2006 ein Maßnahmenkonzept
verabschiedet. Dieses diente als Grundlage für die Rückgewinnung der
repräsentativen, fast vollständig ausgemalten Eingangshalle mit Verbin-
dungsflur zum Treppenhaus und des einst am aufwändigsten ausgemal-
ten, barocken Treppenhauses selbst.
„Die gesamte Raumgruppe war noch
in den 1980er Jahren flächendeckend und plakativ übermalt worden“
, er-
innert sich Roswitha Schubert.
Alle Entscheidungen für die Restaurierung konnten auf Grundlage des
Maßnahmenkonzeptes gemeinsam und fein abgestimmt getroffen wer-
den. Die Partner Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen, Landesamt für
Denkmalpflege und SIB arbeiteten dabei stets eng und vertrauensvoll zu-
sammen.
„Die verschiedenen restauratorischen Gewerke auf engem Raum
und parallel zum laufenden Besucherverkehr des Schlosses zu koordinie-
ren, konnte nur durch planerisches Geschick und eine enge Abstimmung
aller Beteiligten gelingen. Die Zusammenarbeit mit der Schlossleiterin Ines
Eschler war auch im Vergleich zu anderen Bauverwaltungsprojekten sehr
gut, wir freuen uns gemeinsam darüber, dass wir die Kosten insgesamt
eingehalten haben“
, so der Sachgebietsleiter Kulturbau der SIB Nieder-
lassung Bautzen Veit-Carsten Deutschmann, M.A.. Stuckdecken, Gewölbe,
Sandsteinböden und die Stufen der dreiarmigen Treppenanlage mitsamt
Räumlich-organisatorisches Herzstück:
Eingangshalle und Treppenhaus
unübersichtliches Konglomerat aus abgenutzten Fußböden, beschädigten
Türen und Täfelungen nebst losen Stuckdecken. Die wertvollen klassizisti-
schen Innendekorationen hatte man im Laufe der Zeit in fast jedem Raum
stark vereinfacht und grob übermalt. Einige Zimmer waren sogar ihrer
ursprünglichen Innendekoration entledigt und gänzlich neu ausgestaltet,
wie man sich eben noch vor einigen Jahrzehnten den Barock oder Klas-
sizismus vorstellte“,
so Roswitha Schubert.
„Viel Arbeit wartete auf uns.“
Vier Jahre dauerten die Voruntersuchung und die umfassende Restau-
rierung von neun Zimmern – eine Phase, die die Beteiligten rückblickend
allenfalls als Probelauf für die folgende, ungleich länger dauernde, auf-
wändige Restaurierung der prominentesten Raumgruppe sehen.
Das barocke Treppenhaus

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2 | 2020
15
GUTE IDEEN
Größter Aufwand: Malerei
Bauzeit und Kosten
Planung EW-Bau: 02/2007–04/2008
Baudurchführung: 04/2009–03/2021
Gesamtbaukosten: 3.997,2 TEuro
Kosten für Foyer und Treppenhaus:
ca. 650,0 TEuro
„Es ist ein Geschenk, an derart anspruchs-
vollen Projekten mitwirken zu dürfen.“
Frank-Ernest Nitzsche
Trotz aller Beschädigung übertraf das fachliche Ergebnis – der fast ver-
lustfreie Erhalt der originalen Malerei – schließlich doch die Erwartungen.
Damit war die Grundlage für deren anspruchsvolle Restaurierung gege-
ben, auch wenn beispielsweise gekonnt ausgeführte Retuschen aus den
60er Jahren unauffällig in die Restaurierung integriert werden mussten.
Die Festigung loser Putze und Malschichten, Putzkittung von Schadens-
stellen, Feinreinigung und die Retusche selbst waren, wie zuvor schon das
Freilegen, äußerst aufwändig. Erneut wurden verschiedene Probeachsen
definiert – diesmal, um zu ermitteln, wie es gelingen würde, die kraftvolle
und authentische Ausstrahlung der originalen Malerei, ihre feine male-
rische Qualität zu erhalten.
„Deren Wirkung wollten wir nicht durch zu
perfekte Retuschen wieder abschwächen“
, so Roswitha Schubert.
Der jahrelange große Aufwand hat sich durchaus geloht. So ist es den
Beteiligten gelungen, die dem Originalzustand innewohnende historische
Botschaft wieder spürbar zu machen. Die in Würde gealterte, architektur-
illusionistische Ausmalung der Raumgruppe ist nach Abschluss der Arbei-
ten wieder die überzeugende und repräsentative Visitenkarte des Schlos-
ses, wovon sich die Leserinnen und Leser vor Ort überzeugen können.
In den nächsten Schritten werden sich Roswitha Schubert und ihr
Team unter anderem den Außenanlagen widmen, dem
„Fließen des Rau-
mes in den Garten“
, wie Veit-Carsten Deutschmann sagt.
„Insbesondere
der dahinter liegende und lange vernachlässigte Park wird dabei nicht nur
einige Anstrengungen erfordern, sondern auch Zeit brauchen.“
Ergebnis und Ausblick
ihrer fein skulptierten Balustraden waren zu restaurieren. Am aufwän-
digsten war es, die anspruchsvolle Malerei in der Raumgruppe möglichst
originalgetreu wieder herzustellen.
Veit-Carsten Deutschmann, Roswitha Schubert
und Frank-Ernest Nitzsche
„Die Restaurierung von Schloss Rammenau ist ein über Jahrzehnte laufen-
des Projekt, die Wiederherstellung seines räumlichen Herzstückes ist das
wichtigste Teilprojekt. Dabei trotz unterschiedlicher mitwirkender Firmen
nicht den roten Faden zu verlieren, sondern eine einheitliche Sprache für
die gesamte innere Raumkomposition zu finden und auch beizubehalten,
ist auch ein Verdienst des bauleitenden Architekten und studierten Ge-
mälderestaurators Frank-Ernest Nitzsche“
, so Veit-Carsten Deutschmann.
Alle Beteiligten hatten sich einvernehmlich dazu entschieden, das Risiko
großflächiger Freilegungen einzugehen, die jeweils zusammenhängend
mehrere Quadratmeter an ausgewählten Raumabschnitten umfassten
und für die Formvielfalt des Bemalungssystems repräsentativ waren.
Entsprechend der stilistischen Unterschiede der Malerei wurden drei
Kategorien festgelegt:
1.
die architekturillusionistische Ausmalung in Eingangshalle und Flur
(ca. 300 m
2
)
2.
zwei raumhohe, perspektivisch angelegte Wandgemälde von jeweils
8,5 m
2
mit Kolonnaden- und Landschaftsdarstellung an der Innen-
wand der Eingangshalle und
3.
der künstlerische Höhepunkt, das „nach Art Oesers“ (Zitat Cornelius
Gurlitt 1907) mit perspektivischen Architekturen auf 84 m
2
Fläche aus-
gemalte Treppenhaus.
Mit großem Aufwand und differenzierten Technologien (modifizierte
Lösungsmittelgemische, Abbeizer, Mikroheißdampf, mechanische Frei-
legung mit Skalpell oder nur lauwarmem Wasser) war die originale
Malschicht schließlich Ende 2019 mühsam freigelegt und gereinigt. Das
Ergebnis war zunächst ernüchternd, das Ausmaß der in früheren Zeiten
erfolgten Zerstörung verheerend.
„Aber solange es sich bei einem ver-
meintlichen Trümmerfeld um originalen Bestand handelt, schließe ich
Resignation aus“
, so Frank-Ernest Nitzsche.
Diese Maßnahme wird
mitfinanziert durch Steuer-
mittel auf der Grundlage
des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen
Haushaltes.

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2 | 2020
16
SIB INTERN
Zeitverlust oder willkommene Unterstützung für Bauherren?
Aufgaben des SIB
beim Zuwendungsbau
Auf dem Campus des Leibniz-Instituts für Po-
lymerforschung Dresden e. V. (IPF) entstand
vor kurzem ein sogenannter Zuwendungs-
bau – der SIB war hier nicht Vertreter des
Bauherrn sondern hatte durch Baufachliche
Prüfung und Baubegleitung die ordnungs-
gemäße Verwendung von Steuergeldern si-
cherzustellen.
Im Dezember 2019 wurde beim IPF ein fünf-
geschossiger Neubau unter anderem für das
Institut Theorie der Polymere und den Bereich
Forschungstechnik eingeweiht – eine von jähr-
lich etwa 120 sogenannten Zuwendungsbau-
Maßnahmen, die vom SIB geprüft werden. Die-
se Bauvorhaben Dritter werden durch die Bun-
desrepublik Deutschland, den Freistaat Sachsen
oder die Europäische Union gefördert, weil die-
se an ihrem Entstehen ein erhebliches öffent-
liches Interesse haben, das ohne die Zuwen-
dungen nicht oder nicht im notwenigen Maße
befriedigt werden kann (§ 23 SäHO). Der SIB ist
dabei mit der Fachaufsicht über die förderricht-
linienkonforme, wirtschaftliche und sparsame
Mittelverwendung beauftragt. Verantwortlich
dafür sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
ter der in Chemnitz und Leipzig angesiedelten
Zentralstelle Zuwendungsbau des SIB.
„Die Baufachliche Beratung
und konstruktive Begleitung
durch den SIB trug erheblich
zur Errichtung eines modernen
Institutsgebäudes im Rahmen
des Zuwendungsbaues bei.“
Falk Wünsche, Ltr. Labor- und Anlagentechnische
Gebäudeausrüstung, Leibniz-Institut für Polymerforschung
Dresden e. V.
Prüfung und Stellungnahme
Die Baufachliche Prüfung der vom Antragsteller
einzureichenden Entwurfsplanung durch den
SIB soll die funktionale Zweckmäßigkeit, An-
gemessenheit und Wirtschaftlichkeit des ge-
planten Baus sicherstellen und auf eventuel-
le Planungslücken oder unangemessene bzw.
unwirtschaftliche Planungsteile hinweisen. Sie
soll den Zuwendungsgeber in die Lage verset-
zen, den Förderbescheid zu erlassen. Bei Bedarf
werden Auflagen erteilt und Hinweise gegeben.
Mit der Prüfung der Entwurfsplanung für den
Neubau des IPF und der Erstellung der Baufach-
lichen Stellungnahme war im Jahr 2016 Dipl.-
Ing. Christine Grüttner betraut.
Seit ihrem Dienstbeginn 1991 hat sie etwa
450 Förderanträge bearbeitet.
„Ob Sportstadion
oder Rakotzbrücke – obwohl ich selbst dabei
weder Bauherr noch Planer, sondern nur ein
kleines Rädchen im Getriebe bin, macht es mich
stolz, die fertigen Objekte zu sehen. Die Zuwen-
dungsgelder haben in Sachsen schon viel Gutes
bewirkt.“
Christine Grüttner
Architektin Sophie Watteyne

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2 | 2020
17
SIB INTERN
Christine Grüttner weiß, dass Bauherren es ei-
lig haben, die kritische Begleitung durch den
SIB oft als hinderlich oder „notwendiges Übel“
empfinden. Von der Qualität der eingereichten
Planung hängt die Prüfdauer ab; 2–3 Monate
sollte man durchaus einkalkulieren.
„Dem Planungsentwurf für den Neubau des
IPF konnten wir mit der Baufachlichen Stel-
lungnahme eine gelungene, wirtschaftliche Ge-
samtkonzeption attestieren.“
Baubegleitung
Auf Basis der Baufachlichen Stellungnahme
wurde von den Mittelgebern Bund und Land
über das SMWKT der Zuwendungsbescheid
für den Neubau des IPF erteilt.
„Sobald die-
ser vorliegt, beginnen wir mit der Bauan-
laufberatung die Baufachliche Begleitung“
, so
ihre Kollegin, die Dipl.-Ing. Architektin Sophie
Watteyne.
„Für die Prüfung der Antragsunter-
lagen, die Baufachliche Begleitung und die
Prüfung des Verwendungsnachweises werden
jeweils unterschiedliche Sachbearbeiter einge-
Zentralstelle Zuwendungsbau des SIB (2019)
Anzahl Baufachliche Stellungnahmen: 119
Volumen Baufachliche Stellungnahmen:
588.776.000 Euro
Anzahl Projekte in Baubegleitung durch SIB: 220
Verwendungsnachweise geprüft: 12
Projektdaten
Nutzflächen 1–7: 2.655 m²
Brutto-Grundfläche: 4.435 m²
Brutto-Rauminhalt: 14.805 m
Planungsbeginn: 10/2014
Baubeginn: 05/2016
Fertigstellung: 10/2019
Eröffnung: 12/2019
setzt. Wenn der Bauherr Fördermittel abruft,
gleichen wir den Betrag jeweils vor Ort mit dem
aktuellen Bautenstand ab“
, so Sophie Watteyne.
„Zudem müssen maßgebliche Änderungen zum
Fördermittelantrag der Bewilligungsstelle an-
gezeigt, erneut baufachlich geprüft, gewertet
und als Nachtrag zur Baufachlichen Stellung-
nahme vermerkt werden. Entwurf und Umset-
zung des Leibniz-Institutsgebäudes waren aber
von Anfang an zugleich zweckmäßig, wirt-
schaftlich und gelungen.“
Verwendungsnachweisprüfung
Abschließend ist binnen sechs Monaten nach
Abschluss der Baumaßnahme der Verwendungs-
nachweis einzureichen und zu prüfen.
„Mit der
Übergabe der Verwendungsnachweisprüfung
an die Bewilligungsstelle ist dann unsere Auf-
gabe in der Regel erledigt“
, so Sophie Watteyne.
Institut Theorie der Polymere und Bereich Geräte-
entwicklung und Konstruktion des Leibniz-Instituts
für Polymerforschung Dresden e. V. (IPF);
Architekten: hammeskrause architekten bda, Stuttgart

 
18
Ökokonto – Sparbuch
für Naturschutz
Ökoflächenagentur (ÖFA) übernimmt Kompensationsverpflichtungen bei Bauvorhaben
Das klassische Sparbuch ruft allenfalls noch
Erinnerungen an die Kindheit hervor. Dafür
rückt das Ökokonto für Bauherren in den
Vordergrund, ein freiwilliges Sparbuch für
Naturschutzmaßnahmen. Eingezahlt werden
„Ökopunkte“ – die Währung, in die Kompen-
sationsmaßnahmen für Bauvorhaben umge-
rechnet werden, um sie vergleich- und han-
delbar zu machen.
Ökopunkte gibt`s bei uns
Das Zentrale Flächenmanagement Sachsen
(ZFM), als fachlich eigenständiger Geschäfts-
bereich des SIB, wurde 2017 vom Sächsischen
Staatsministerium für Umwelt und Landwirt-
schaft zur Ökoflächenagentur Sachsen ernannt.
Damit ging der Auftrag einher, für private und
staatliche Vorhaben Ökokontomaßnahmen an-
zulegen und weitergehende Dienstleistungen
im Kompensationsmanagement anzubieten.
„Bauherren schulden der Öffentlichkeit Kom-
pensationsmaßnahmen für ihre Eingriffe in die
Natur“
, erklärt Dipl.-Agraringenieurin und
Betriebswirtin Steffi Bens, Sachbearbei-
terin der Ökoflächenagentur im ZFM.
Die Kosten dafür hat der Eingriffs-
verursacher zu tragen, er kann
sie in Form von Ökopunkten
verrechnen. Wesentlich dabei:
„Diese Verpflichtung lässt sich
durch privatrechtliche Verträge
nicht ausgleichen bzw. been-
den, ohne dass der Bauherr Ge-
währleistungsträger bleibt. Öko-
„Nur wir übernehmen schuld-
befreiend die Gewährleistung
für eine dauerhafte Flächen-
sicherung und die langfristige
Funktionssicherung unserer
Maßnahmen.“
Steffi Bens begann 2017 gemeinsam mit dem
heutigen Fachgebietsleiter der Ökoflächen-
agentur, Dipl.-Biologe Jörg Voß, ihre Tätigkeit
im ZFM. Zuvor waren beide bei der freistaats-
eigenen „Sächsische Landsiedlung GmbH“ tä-
tig, die die Kompensationsmaßnahmen zuvor
verantwortete. Ein Betriebsteilübergang er-
möglichte, dass die dort begonnenen Maßnah-
men in der ÖFA nahtlos weitergeführt wurden.
Einzelne Projekte betreu-
en sie inzwischen über
13 Jahre hinweg – was an-
gesichts der Schuldbefrei-
ung auch sinnvoll ist.
Die beiden Landschafts-
planer Thomas Müller,
Dipl.-Ing.
(FH) für Lan-
despflege, und Hauke
Jacobsen, Dipl.-Ing. für
Landschafts- und Frei-
raumplanung, vervollstän-
Ökokontomaßnahmen dienen zur Kompensati-
on künftiger Eingriffe in Natur und Landschaft,
wie z. B. neue Gewerbegebiete, Windkraftan-
lagen, Straßen- und Wasserbauvorhaben. Das
Ökokonto ist ein Pool, in dem sich Maßnahmen
befinden, durch die Flächen im Sinne des Natur-
Flächensicherung und
Naturschutz aus einer Hand
ÖKOPUNKTE
GIBT‘S BEI
UNS.
digen das Team. Thomas Müller berichtet:
„Wir
haben nicht nur ein sehr gutes Arbeitsklima – die
Türen stehen offen, auch über die Fachbereiche
hinweg –, sondern dürfen hier auch noch selber
planen. Wir vergeben nur selten Planungsauf-
träge an Dritte. Dazu kommt die gute Mischung
aus draußen sein und Büroarbeit.“
Sein Gegen-
über Hauke Jacobsen bekräftigt:
„Das war für
mich einer der Hauptgründe, herzukommen:
Hier vergeben und überwachen wir nicht nur,
sondern planen unsere Projekte selbst und be-
gleiten sie dauerhaft, und zwar mit kurzen Ent-
scheidungswegen.“
Thomas Müller resümiert:
„Weil wir Kompensa-
tionsverpflichtungen dauerhaft übernehmen,
sind wir auch langfristig verantwortlich – wir
müssen bei Fehlentwicklungen korrigierend ein-
schreiten und freuen uns, wenn unsere gesteck-
ten Ziele für die Maßnahmenentwicklung sogar
übertroffen werden.“
Daher muss das „Team
ÖFA“ schon heute ganz neue Aspekte beden-
ken: „
Durch den Klimawandel“
, sagt er,
„müssen
wir trockene Sommer und heftige Wetterereig-
nisse vorausdenken.“
Ökokonto – Sparbuch
für Naturschutz
punkte können auch bei Dritten gekauft wer-
den, jedoch ist der Bauherr weiterhin verant-
wortlich für das langfristige Funktionieren der
Maßnahmen“,
so Steffi Bens:

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19
ZENTRALES FLÄCHENMANAGEMENT
2 | 2020
Wo Sachsen beim Anwenden von Öko-
konten steht, zeigte sich unter großem
bundesweitem Interesse Ende 2019
auf einer Fachtagung des Bundesver-
bandes der Flächenagenturen Deutsch-
lands BFAD e. V. Hier war das Team Gast-
geber und Mitausrichter, begrüßte 130 Teil-
nehmer aus Deutschland, Luxemburg und
Österreich in Dresden.
Sachsen
beispielgebend
Mit Stolz blickt man auf sichtbare Erfolge. Be-
reits zahlreiche Lebensräume unter anderem
des Bibers, des Schwarzstorchs, der Zaun-
eidechse wurden angelegt und gesichert, ver-
nässte Ackerflächen konnten in blühende
Wiesen umgewandelt und Industriebrachen
renaturiert werden. So wurde auch ein Ge-
wässerrandstreifen der Wesenitz mit Weiden-
stecklingen bepflanzt, die beson-
ders im Winter als Futter für
mehrere Biberfamilien dienen
(siehe Foto). Diese Maßnahme
wurde der Landestalsperren-
verwaltung als Kompensation
von Wasserbaumaßnahmen zu-
geordnet.
„In Zusammenarbeit mit
den Kommunen können wir
so effektiv Schandflecke
renaturieren – und zugleich
Bauvorhaben
beschleunigen
helfen.“
Jörg Voß
„Mit der Ausrichtung des Kompensationsma-
nagements als Teil eines zentralen Flächen-
managements haben wir unter den Kollegen
in Deutschland einen guten Stand. Mit dem
Entsiegelungserlass des Sächsischen Staats-
ministeriums für Energie, Klimaschutz, Umwelt
und Landwirtschaft zur vorzugsweisen Entsie-
gelung von Flächen bei Versiegelungsvorhaben
gehört Sachsen zu den beispielgebenden Vor-
reitern bei der Renaturierung von Brachflächen
als Ausgleichsmaßnahme“
, berichtet Jörg Voß.
Am effektivsten sei die ÖFA dort, wo sie als Teil
des ZFM Flächen für den Naturschutz verfüg-
bar machen könne. Mit der ländlichen Neu-
ordnung konnten beispielsweise acht Hektar
in Birkwitz bei Pirna arrondiert, also zusam-
mengefasst, und in eine extensive Grünland-
bewirtschaftung überführt werden. Aktuell
werden Flächen für Gewässerrenaturierungen
an Fließgewässern 2. Ordnung gesichert, bei-
spielsweise ein 700 m langer Entwicklungs-
korridor am Mutzschener Wasser bei Grimma:
Hier werden Flächen ins Eigentum des Frei-
staates gebracht oder durch Gestattungs-
verträge gesichert.
„Es erweist sich als großer
Vorteil, dass die Liegenschaftsverwaltung und
die Naturschutzplaner im ZFM auf einem Flur
eng zusammenarbeiten – insofern ist das
Team
eigentlich sehr viel größer als wir Vier“
,
so Jörg Voß.
schutzes aufgewertet werden. Das können Ent-
siegelungsmaßnahmen, Gewässerrenaturierun-
gen, Gehölzpflanzungen oder die Anlage von
Biotopen sein.
Die Ökoflächenagentur prüft insbesondere bei
staatseigenen Flächen, ob sich diese für eine
Aufwertung eignen. Dazu zählen unter an-
derem auch herrenlose Grundstücke und so-
genannte Fiskalimmobilien, die brachgefallen
sind und keiner anderen Verwertung zugeführt
werden können – klassische Arbeitsgebiete des
ZFM Sachsen.
Zunehmend wird dieser Vorteil auch von den
staatlichen Bauträgern des Freistaates, wie
Landestalsperrenverwaltung, Landesamt für
Straßenbau und Verkehr und im SIB selbst,
genutzt, um Flächen für Kompensationsmaß-
nahmen zu sichern, Maßnahmen umzusetzen
und pflegen zu lassen oder Kompensationsde-
fizite mittels Ökopunkten auszugleichen. Auf-
grund des zunehmenden Aufgabenumfangs
wird ab Dezember 2020 ein weiterer Land-
schaftsplaner das Team unterstützen.
Steffi Bens fasst zusammen:
„Unsere Arbeit
macht uns Spaß, weil wir Naturschutz betrei-
ben und Maßnahmen anbieten können, die
andere dringend brauchen. Wir beschleunigen
Planungsverfahren, machen Vorhabenträger
glücklich. Das Instrument ‚Ökokonto‘ gibt uns
die Möglichkeit, große Maßnahmen auf Vorrat
zu realisieren und dann ökopunkteweise an ver-
schiedene Vorhabenträger zu veräußern.“
Das
könne, so Bens, ein neuer Radweg sein, genau-
so wie ein neuer Carport fürs Eigenheim. Erst
mit Erteilung der Baugenehmigung, in der die
Ausgleichsmaßnahmen verlangt sind, wird dann
vom Bauherren bezahlt – und zwar ganz normal
in Euro.
Thomas Müller, Steffi Bens, Hauke Jacobsen und Jörg Voß

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2 | 2020
20
AUF DER BAUSTELLE
Der innovative Umbau des
Dresdner Blockhauses zum Archiv
der Avantgarden schreitet voran.
Projektleiterin ist Sarah Kuhne (30).
Baufortschritt
im Blockhaus
Nach innovativen Plänen des Architektur-
büros Nieto Sobjano Arquitectos gestaltet
der SIB derzeit das 1732 erbaute Wachge-
bäude am Neustädter Kopf der Augustus-
brücke vollständig um. Nur äußerlich wird
das prominent gelegene Blockhaus mit
seiner barocken Fassade später noch den
vertrauten Anblick bieten. SIB-Sachbear-
beiterin Sarah Kuhne darf als Projektleite-
rin den spektakulären baulichen Rahmen
schaffen für eines der großzügigsten Ge-
schenke, die der Freistaat Sachsen in sei-
ner jüngeren Geschichte erhalten hat. Der
moderne Ausbau wird eher für eine außer-
gewöhnliche Mischung aus Forschung, Prä-
sentation und Begegnungen genutzt wer-
den, denn als klassisches Museum. Seine
Eröffnung soll im Jahr 2023 stattfinden
– zehn Jahre, nachdem das Gebäude durch
das Elbehochwasser 2013 stark beschädigt
wurde und vorerst nicht mehr nutzbar war.
Damit ab Ende 2022 die Sammlung Egidio
Marzonas mit etwa 1,5 Millionen Kunstobjekten
und Dokumenten hinter der denkmalgeschütz-
ten Fassade einziehen kann wurde zunächst das
gesamte Gebäude entkernt. Entsprechend viel
ist noch zu erledigen.
Einigen Aufwand erfordert zunächst der
Hochwasserschutz.
„Im Untergrund fanden wir
alte, tragfähige Fundamente vor. Da sie teils
nicht in den richtigen Positionen sind, um un-
sere Lasten aufzunehmen, wird das Fundament
mittels Hochdruckinjektion ertüchtigt. Erst an-
schließend wird die Bodenplatte als Teil der Wei-
ßen Wanne betoniert“
, berichtet Sarah Kuhne.
Neben zwei Torbögen einer erhaltenen histori-
schen Innenwand stehen derzeit nur noch die
bis zu 15 m hohen historischen Außenwände.
Gehalten von einem Fassadengurt aus Stahl-
trägern, bilden sie ein Quadrat von ca. 32x32
Metern Grundfläche.
„Damit haben wir gemäß
den Vorgaben des Denkmalschutzes praktisch
alles bewahrt, was an dem Gebäude noch im
Urzustand von 1732 war. Wir arbeiten sehr eng
mit dem Denkmalschutz in Freistaat und Stadt,
namentlich Herrn Dr. Ritschel und Frau Eggert,
zusammen“
, so Sarah Kuhne.
Die gebürtige Hallenserin hatte Manage-
ment von Bau, Immobilien und Infrastruk-
tur an der Bauhaus-Universität in Weimar
studiert, bevor sie im September 2015 ihren
Dienst in der Niederlassung Dresden I des SIB
begann. Nach mehreren Teilprojekten ist dieses
das erste Projekt, das sie von Anfang bis Ende
betreuen darf.
„Ich freue mich, so kurz nach
meinem Abschluss eine solch anspruchsvolle
Aufgabe übertragen bekommen zu haben. Es
ist fantastisch, mit einem so eingespielten und
engagierten Team arbeiten zu können“
, meint
Sarah Kuhne.
Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
wollen das Archiv der Avantgarden als „leben-
diges Archiv“ zum Forschen, Ausstellen und
Verweilen nutzen. Dr. Rudolf Fischer, einer der
beiden Leiter des Archivs der Avantgarden:
„Das neue Archiv der Avantgarden im Blockhaus
wird ein offener Raum für alle sein, ein Ort ohne
Hierarchien, der die vielleicht radikalste Idee der
Avantgarden lebt, die Verbindung von Kunst
und Leben. Im neuen Archiv der Avantgarden
sind Forscher*innen, Künstler*innen, aber auch
alle Interessierten eingeladen, mit dem Archiv
und seinen Beständen zu arbeiten, gemeinsam
zu denken, zu kreieren oder einfach nur zu ver-
weilen – um zu zeigen, dass ‚Avantgarde’ kein
abgeschlossener Prozess ist.“
Das dafür entwickelte Innenraumkonzept
mit 1.900 Quadratmetern Nutzfläche ist archi-
tektonisch und statisch äußerst anspruchsvoll.
Über dem Zentrum einer offenen Fläche im
Erdgeschoss wird ein optisch schwebender Be-
tonkubus den Raumeindruck prägen – als eige-
ne bauliche Hülle für das eigentliche Archiv, das
damit zum Herzen des Gebäudes wird.
Dieser Betonkubus wird später zu einem guten
Teil an in den Gebäudeecken stehenden, aus-
„Schwebender“ Block
im
Blockhaus

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AUF DER BAUSTELLE
Was hier neu entsteht, wird
auch Skeptiker überzeugen.“
Als studierte Architektin ist Susan Bernhardt
„fasziniert vom architektonischen Entwurf und
der Leistung der Tragwerksplaner“
und lacht:
„Trotzdem werde ich nach Entfernung der Ab-
stützung den Statiker als erstes bitten, unter
den Kubus zu treten.“
„Sarah Kuhne und Jeanette Müller von unse-
rem Projektsteuerer Teamproject sind für mich
ein exzellentes Gespann, welches das gesamte
Planerteam und Projekt im Trab hält“
freut sie
sich und ist für das
„eigene, trotz einiger Alters-
unterschiede sehr harmonische Team“
dankbar.
„Bei uns unterstützen sich alle gegenseitig –
und nur so können auch all diese wunderbaren,
ambitionierten Projekte gelingen“
, sagt Susan
Bernhardt.
Herausforderung
braucht Miteinander
kragenden Stahlbeton-Verbundkonstruktionen
hängen – ein 16x16 Meter großer, 12 Meter
hoher Block, unter dem sich die künftigen Be-
sucher auf einer multifunktionalen Veranstal-
tungsfläche aufhalten können.
„Anders als im
Entwurf vorgesehen haben wir eine Lösung ge-
funden, den Hauptteil der Lasten über die Trep-
penhaus- und Aufzugskerne abzuleiten – nur
noch ein Bruchteil wird über die Wandscheiben
und die Verbundstützen in den Ecken gehalten“
,
versichert Sarah Kuhne.
„Die Übergänge zwi-
schen Treppen- und Aufzugskernen und dem
Kubus sollten ursprünglich filigran und offen
gestaltet sein, müssen aber für den Brandschutz
geschlossen ausgeführt werden. So können wir
auch sie zur Abführung von Last nutzen.“
Das Archiv selbst wird auf einem Galeriege-
schoss von meist offenen, frei nutzbaren Flä-
chen umgeben sein. Zwischen diesen und dem
Kubus hindurch wird von oben bis ins Erdge-
schoss Tageslicht einfallen.
Dipl.-Ing. Architektur Susan Bernhardt, Sach-
gebietsleiterin Hochbau 1 der Niederlassung
Dresden I, spürt in vielen Gesprächen, dass die
vollständige Entkernung des historischen Baus
polarisiert.
„Die Einbauten aus DDR-Zeiten wa-
ren durchaus solide, aber denkmalpflegerisch
nicht relevant, und:
„Projekte dieser Qualität,
in dieser Fülle und in
dieser Tiefe – das kann
man als Mitarbeiter nur
beim SIB erleben.“
Termine
Baubeginn: 09/2019
Fertigstellung Rückbauarbeiten: 07/2020
Beginn Rohbauarbeiten: 08/2020
Parallel Fassadensanierung, Zimmerer-
und Dacharbeiten
Beginn Ausbauarbeiten: 10/2021
Fertigstellung: Herbst 2022
Eröffnung Archiv der Avantgarden: 2023
Baukosten
Umbau Blockhaus: 25 Mio. Euro
Außenanlage: 3 Mio. Euro
Gebäudedaten
Länge/Breite: ca. 32 x 32 m
Hauptnutzfläche: 1.975 m
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Die Gesamtkosten sind bis jetzt im Plan. Auch der
sehr straffe Zeitplan von 2017 hat noch Bestand.
Bis jetzt konnten fast durchgängig sächsische
Firmen den Zuschlag erhalten.
Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuer-
mittel auf der Grundlage des vom Sächsischen
Landtag beschlossenen Haushaltes.
Susan Bernhardt, Dr. Rudolf Fischer,
Sarah Kuhne und Kunsttheoretiker
Marcelo Rezende, wie Dr. Fischer Leiter
des Archivs der Avantgarden (v. l. n. r.)
Sarah Kuhne beschreibt:
„Uns allen ist die Be-
deutung des Projektes bewusst, wir alle wol-
len es gemeinsam zum Gelingen bringen. Zum
Beispiel der leitende Architekt Roman Bender,
der bereits beim Kulturpalast mitgewirkt hat.
Er wird in der Leistungsphase 8 von den sehr
kompetenten Bauleitern Lars Nestler und Urs
Krüger von AWB Architekten unterstützt.“
Auch
die ausführenden Firmen sind hochmotiviert:
Zusammen schaffen wir es, auch kurzfristig
notwendige Entscheidungen zu treffen. Die
Bauausführung der Technikgewerke kommt
erst noch – ich hoffe, dass meine Kollegen in
einem späteren SIB-Magazin davon berichten
können“
, so Sarah Kuhne.
Die Außenanlagen dürfen zwar aus Denkmal-
schutzgründen nicht umgestaltet werden. Doch
aufgrund des innerstädtischen Standortes wird
durch die Ingenieurbauabteilung nach zahlrei-
chen Verhandlungen und Planungsabstimmun-
gen mit der Stadt am Blockhaus eine barriere-
freie Erschließung des Elberaums realisiert.
Die Zusammenarbeit mit den Staatlichen Kunst-
sammlungen Dresden, unter anderem dem Lei-
ter des Archivs der Avantgarden, Dr. Rudolf
Fischer und dem technischen Leiter Michael
John, ist sehr konstruktiv. Sarah Kuhne:
„Die Kol-
legen dort haben große Erfahrung, und wir haben
in der Planungsphase intensiv davon profitiert.“
Sarah Kuhne resümiert:
„Als Bau-
herrenvertreter bei den meist gro-
ßen, historischen staatlichen Ge-
bäuden die Projektleitung zu haben
und gemeinsam mit den Fachleu-
ten von SIB und dem Planerteam
optimale Lösungen erarbeiten zu
dürfen, ist großartig.“
Und Susan
Bernhardt ergänzt:

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AKTUELLE BAUPROJEKTE
Auf einen Blick
Vorbereitungen zur Felssicherung
Zwischen dem 29. September und 15. Oktober 2020 erfolgten die ersten
Vorbereitungen für die Felssicherungsmaßnahmen zum Bau der Aus-
sichtsplattform auf der Bastei. Zu den artenschutzfachlich begleiteten
Arbeiten gehörte das provisorische Verschließen von Felsklüften und
-höhlen, sodass Tiere diese nicht als Quartier annehmen.
So wird verhindert, dass bei den späteren Baumaßnahmen Tiere ge-
stört werden. Der dauerhafte Verschluss erfolgt im Rahmen der Felssiche-
rungsmaßnahmen, welche aufgrund der besonderen Anforderungen an
den Naturschutz im Jahr 2021 realisiert werden. Nach derzeitigem Stand
ist die Fertigstellung der neuen Aussichtsplattform für das Jahr 2022
geplant. Die Maßnahme wird durch den SIB-Geschäftsbereich Zentrales
Flächenmanagement Sachsen und die SIB-Niederlassung Bautzen be-
treut.
Mitte 2016 mussten die vorderen zehn Meter der Basteiaussicht aufgrund
des schlechten Zustandes des Felsuntergrundes gesperrt werden. Um die
Basteiaussicht wieder zugänglich zu machen, sehen die Planungen die
Errichtung eines schwebenden Stegs vor, der sich lediglich im hinteren
Bereich auf dem Felsen abstützt und im vorderen Bereich des Felsens in
geringer Höhe frei über diesem schwebt. Der Aussichtssteg soll 20 Meter
lang und bis zu 3,5 Meter breit werden. *
Schwebende Aussichtsplattform für die Bastei
Arbeiten am Altan schreiten voran
Die Neuschöpfung eines der größten Renais-
sancefresken nördlich der Alpen schreitet wei-
ter voran. Beim Altan handelt es sich um eine
viergeschossige Loggia im großen Schlosshof
an der Rückseite des Hausmannsturms. Er geht
zurück auf den Umbau des Schlosses in den Jah-
ren 1547–1556 auf Veranlassung von Kurfürst
Moritz von Sachsen und bildete mit seinen rei-
chen Bildhauerarbeiten eine der bedeutendsten
Renaissanceplastiken nördlich der Alpen.
Nach fast 4-jähriger Vorbereitung ist im
3. Obergeschoss das erste Bildfeld fertiggestellt.
Es zeigt die Königin von Saba vor dem Thron
Salomos. Die Ausführung eines Wandgemäldes
in der Frisch-in-Frisch-Technik (ital.: al fresco =
ins Frische) in dieser Größe ist einzigartig und
Dresdner Residenzschloss – großer Schlosshof
bedarf einer erfahrenen Gruppe aus Restaurato-
ren, die nicht nur das Bildwerk anhand von his-
torischen Vorlagen akribisch rekonstruiert, son-
dern auch diese fast verlorengegangene Technik
wiederbelebt und zu künstlerischer Perfektion
gebracht haben.
Der Altan wird nach Fertigstellung der Fres-
ken – nach derzeitigem Stand voraussichtlich
Ende 2022 – den gestalterischen Glanzpunkt im
neu in Szene gesetzten Renaissancehof des
Dresdner Schlosses bilden. Insgesamt belaufen
sich die Kosten für die Sanierung des Großen
Schlosshofes auf rund 13 Millionen Euro.
*
Foto: Silvio Dittrich
* Die Baumaßnahmen werden mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom
Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Foto: SIB

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AKTUELLE BAUPROJEKTE
Für eine flächendeckende Nutzung von elek-
trischen Dienst-Kfz (E-Dienst-Kfz) schafft der
SIB eine einheitliche Ladeinfrastruktur mit bis zu
700 zusätzlichen Ladestationen in Behörden,
Hochschulen, Universitäten sowie weiteren Ein-
richtungen des Freistaates Sachsen. Ab Mitte
2020 werden alle größeren Liegenschaften des
Freistaates mit mindestens einer Ladestation
für jede nutzende Behörde bzw. Einrichtung
ausgestattet. Hinzu kommt mindestens eine
Lademöglichkeit für Besuchs-Dienst-Kfz. Am
24. Juni 2020 wurden hierfür zwei Ladesäulen
SIB schafft flächendeckende Ladeinfrastruktur
für elektrische Dienst-Kfz
Bauzeit: 2020–2022
Abschluss des Skulpturenprogramms
Schloss Moritzburg markiert das Zentrum einer
noch fast vollständigen Barockanlage und wurde
seinerzeit der Göttin Diana, der Göttin der Jagd
gewidmet. Das Thema Jagd spiegelt sich sowohl
im Innen- als auch im Außenbereich wider. Auch
die Figuren auf den Balustraden sind mit jagdli-
chen Attributen ausgestattet.
Im Rahmen eines Skulpturenprogramms erfolg-
te unter Regie der SIB-Niederlassung Dresden I
in den letzten vier Jahren eine umfassende Be-
standserfassung, gründliche Schadensanalyse
Schloss Moritzburg
Bauzeit: 201 7–2020
Baukosten: 795.000 Euro
und Restaurierung der 110 Skulpturen (6 Groß-
figuren, 52 Putti und 52 Vasen). Zum Abschluss
des Skulpturenprogramms wurde am 18. Sep-
tember 2020 eine der aufwändigsten, aber auch
schönsten Vasen – mit Rosenblüten und vier fi-
gürlichen Reliefs – versetzt. Die Vase war nur als
Torso erhalten, wurde aufgrund historischer Fo-
tos und kunsthistorischer Interpretation ergänzt
und anschließend in Cottaer Sandstein kopiert.
*
Forschungszentrum MAIN (TU Chemnitz)
mit Anerkennung ausgezeichnet
Am 24.06.2020 wurde in Stuttgart zum drit-
ten Mal der industriebaupreis vergeben. Dabei
wurde das unter der Regie der Niederlassung
Chemnitz für die TU Chemnitz umgesetzte Pro-
jekt MAIN mit einer Anerkennung in der Ka-
tegorie Bauwerk ausgezeichnet. Von den ins-
gesamt 122 eingereichten Projekten wurden
lediglich fünf ausgezeichnet – drei Hauptpreise
und zwei Anerkennungen.
Die Begründung der Jury:
„Die konsequent durchgehaltene Modularität
der im Raster von 1,20 m gestalteten weißen
Metallelementfassade unterstreicht den hohen
industriebaupreis2020
Nutzungs- und Qualitätsanspruch an die Kom-
plexität dieses Entwicklungsgebäudes. Damit
steht die Architektur im Einklang mit den in-
neren Querschnittfunktionen von Präzisions-
laboren, Büros und tageslichtdurchfluteten
„Wissensgärten“ die über zweigeschossig ver-
bundene Aufenthaltsräume ideale Kommuni-
kationsmöglichkeiten bieten. [...]“
Am Forschungszentrum für Materialien, Archi-
tekturen und Integration von Nanomembranen
(MAIN) werden u. a. organische Nanomembra-
nen und deren Einsatz zur Entwicklung von
dehnbaren elektronischen und optoelektroni-
schen Bauteilen erforscht. *
an die Hochschule für Wirtschaft, Technik und
Kunst (HTWK) in Leipzig übergeben.
Architektur: Technische Universität Chemnitz, Neubau
MAIN, Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten
Foto: Michael Moser, Images Leipzig
Foto: David Nuglisch
Foto: SIB

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www.sib.sachsen.de
Blockhaus in Dresden
„Schwebender“ Beton
wird den Innenraum
des Archivs der Avant-
garden dominieren.
Seite 20–21
Dr. Rudolf Fischer, Marcelo Rezende, Sarah Kuhne
und Susan Bernhardt (v. l. n. r.)