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Sächsisches Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft - SMUL
ZAFT - Zentrum
für angewandte
Forschung und Technologie e.V.
HTW Dresden
Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden
KORA e.V. - Kompetenzzentrum für
Forschung und Entwicklung zum
radonsicheren Bauen und Sanieren
7. SÄCHSISCHER
RADONTAG
9. TAGUNG
RADONSICHERES
BAUEN
24. SEPTEMBER 2013
HOCHSCHULE FÜR TECHNIK
UND WIRTSCHAFT DRESDEN
veranstaltet durch:
unterstützt durch:

 
Inhalt
Dresden, 24.Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 3
INHALT
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Grußwort des Vorstandsvorsitzenden von KORA e.V.
................................................ 5
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Grußwort des Rektors der HTW Dresden
..................................................................... 7
Dr. Hartmut Schwarze
Grußwort i.V. des Staatssekretärs des Sächsischen Staatsministeriums für
Umwelt und Landwirtschaft
........................................................................................... 9
RADONMESSUNG
Dr. rer. nat. Andreas Guhr
Vergleichende Analyse von Verfahren zur Kurz- und Langzeitmessung der
Radonkonzentration
..................................................................................................... 11
Dr. rer. nat. Walfried Löbner
Zeitreihenanalyse der Ergebnisse von Radonkonzentrationsmessungen in
Häusern
......................................................................................................................... 23
Dr. Werner Preuße
Radonmessungen in Schulen in Sachsen - Messprogramm 2012 – 2013
................ 25
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Brauchen wir für Neubauten Messungen der Bodenradonkonzentration?
.............. 37
RADONSANIERUNG VON ALTBAUTEN
Johannes Haid
Das Radonprogramm der US Army in Europa
........................................................... 49
Kai Geringswald
Radonsanierung an einem Altbau als Ergebnis einer komplexen Ursachen-
aufklärung
..................................................................................................................... 61
Roland Baumann
Erfahrungen bei der Senkung der Radonbelastung in einem bayrischen
Wasserwerk
.................................................................................................................. 73
Heinrich Rösl
Radon in Bayern - Radonsanierung in einem alten Bauernhaus in Aschau
im Chiemgau
................................................................................................................. 87

Inhalt
Seite 4
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
BEISPIELE / PRODUKTE
Prof. Dr.-Ing. Thomas Hartmann
Berücksichtigung der Radonthematik bei der Neuregelung des Beiblattes
Kellerlüftung zur DIN 1946-6
........................................................................................ 93
Leopoldo Mazzoleni
Einsatz des MODULO-Systems unter Bodenplatten als Teil von Radonschutz-
massnahmen
................................................................................................................ 99
Frank Halm
Radonschutz In Wohnungen durch mineralische Dichtschlämme
......................... 107
Aicke Donant
Hauff-Technik – Der Spezialist in Sachen Gebäudeabdichtung
............................... 111
Referentenverzeichnis
............................................................................................... 115

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Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 5
Begrüßung
Meine sehr geehrten Damen und Herren
Als im Jahr 2005 das Kompetenzzentrum für radonsicheres Bauen und Sanieren (KORA e.V.) zum
ersten Mal zur „Tagung radonsicheres Bauen“ einlud, hatten wir uns das Ziel gesetzt, neben Berichten
aus der aktuellen Forschung und Entwicklung praktische Lösungen aus dem Bereich des baulichen
Radonschutzes vorzustellen. Seit 2007 wird dieses jährliche Treffen gemeinsam mit dem Sächsischen
Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft als „Sächsischer Radontag“ veranstaltet und hat sich
seitdem als ein deutschlandweiter Treff aller am radonsicheren Bauen und Sanieren Interessierter
etablieren können.
Bereits auf dem im September 2011 veranstalteten 5. Sächsischen Radontag stand der Entwurf des
EU-Basic Safety Standards (EU-BSS) der EURATOM im Mittelpunkt einer Reihe von
Tagungsbeiträgen. In diese EU-Grundnorm sind bekanntlich erstmals auf europäischer Ebene
Regelungen zum baulichen Radonschutz aufgenommen worden. Inzwischen steht der Beschluss der
Grundnorm im Europa-Parlament bevor, die Phase der Überführung in nationales Recht rückt also
immer näher. Diese Entwicklung wirft insofern ihre Schatten voraus, als dass ein deutlich gestiegenes
Interesse am radonsicheren Bauen und Sanieren unter Architekten und Bauingenieuren konstatiert
werden kann. Und damit wird die Klärung einer Reihe von Fragen, die sich mit der praktischen
Umsetzung des Radonschutzes im Baugeschehen befassen, immer dringender. Mit den diesjährigen
Schwerpunktthemen des Radontages, der Radonmessung sowie der radonsicheren Sanierung von
Altbauten, haben wir zwei der für die bauliche Umsetzung des Radonschutzes zentralen Themen in den
Mittelpunkt der Tagung gestellt. Mit Beiträgen zur Messung von Radon in Gebäuden und im Boden wird
zum wiederholten Maße ein Thema aufgegriffen, das in den letzten Jahren zu heftigen Diskussionen
geführt hat und dessen umfassende Erörterung immer wieder gewünscht wurde. Für die radonsichere
Sanierung gibt es keine „Patentrezepte“, jede Aufgabe erfordert einen eigenständigen, an die konkreten
Bedingungen angepassten Lösungsweg. Trotzdem haben sich in den letzten Jahren grundsätzliche
Lösungen, wie z.B. der Einbau von Radonbrunnen, etablieren können, die in der Regel zu guten
Ergebnissen führen. In insgesamt vier Beiträgen werden einige Beispiele aus dem Bereich der baulichen
Radonsanierung vorgestellt. Wie bereits gute Tradition unserer Tagung, wird das Programm durch die
Vorstellung baupraktischer Lösungen abgerundet.
Viele haben dazu beigetragen, dass der 7. Sächsische Radontag wieder in den Räumen der HTW
Dresden stattfinden kann. Vor allen Dingen möchte ich mich bei den Verantwortlichen und Mitarbeitern
der Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur sowie des ZAFT e.V. für die umfassende Unterstützung
bedanken. Dank sei auch der Hochschulleitung ausgesprochen, die wiederum die Durchführung der
Tagung und darüber hinaus die Arbeit von KORA e.V. in vielfältiger Weise unterstützt. Bedanken möchte
ich mich des Weiteren bei den Vertretern des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender Kompetenzzentrum für
radonsicheres Bauen e.V.
und
Lehrgebiet Baukonstruktion an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden

Grußwort
Seite 6
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Landwirtschaft, ohne deren inhaltliche und finanzielle Unterstützung der Radontag in der heutigen Form
nicht denkbar wäre.
Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender KORA e.V.

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Roland Stenzel
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 7
Grußwort zum 7. SÄCHSISCHEN RADONTAG
In diesem Jahr veranstaltet das Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum radonsicheren
Bauen und Sanieren – KORA e.V. – bereits seine „9. Tagung Radonsicheres Bauen“, die seit 2007
gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft als Sächsischer
Radontag durchgeführt wird. Wie auch in den letzten Jahren wird die Tagung von der HTW Dresden
und dem Zentrum für angewandte Forschung und Technologie e.V., dem Forschungszentrum an der
HTW Dresden, in vielfältiger Weise unterstützt.
Ich freue mich sehr, die Teilnehmer der Tagung an unserer Hochschule begrüßen zu können. Die Pflege
und Förderung des wissenschaftlichen Erfahrungsaustausches ist eine wesentliche Aufgabe unseres
Hochschullebens, die ich gern unterstütze.
Die enge Verbindung zwischen KORA e.V. und der HTW Dresden hat sich in den letzten Jahren sehr
fruchtbar entwickelt. Dies zeigt sich – neben der Unterstützung des Sächsischen Radontages – vor allen
Dingen in der Etablierung des Themas „Radonsicheres Bauen“ in der studentischen Ausbildung. So
wird seit nunmehr sieben Jahren an der HTW Dresden - als einziger Hochschule Deutschlands - eine
eigenständige Lehrveranstaltung zum radon¬sicheren Bauen und Sanieren angeboten, die durch
Studierende der Fakultäten Bauingenieurwesen/Architektur und Maschinenbau/Verfahrenstechnik gut
angenommen wird. Neben Hochschullehrern unserer Hochschule vermitteln in dieser Lehrveranstaltung
Wissenschaftler von KORA e.V. und Verantwortliche des SMUL ihre Kenntnisse und tragen damit in
hervorragender Weise zur umfassenden und praxisbezogenen Lehre bei. Eine ebenfalls intensive
Zusammenarbeit von KORA e.V., dem SMUL sowie der HTW Dresden hat sich in der Betreuung von
studentischen Praktikums-, Diplom- und Masterarbeiten herausgebildet. Seit Gründung von KORA e.V.
im Jahre 2005 konnten so bisher insgesamt 14 Arbeiten zu unterschiedlichen Teilaspekten des
radonsicheren Bauens und Sanierens abgeschlossen werden.
Die frühzeitige und umfassende Beschäftigung mit dem Thema des radonsicheren Bauens und
Sanierens gewinnt heute vor allen Dingen auf Grund des unmittelbar bevorstehenden Beschlusses der
neuen EU-Grundnorm, in die bekanntlich erstmalig Regelungen zum baulichen Radonschutz
aufgenommen worden sind, immens an Bedeutung. In diesem Kontext kommt zudem der Weiterbildung
von Bauingenieuren und Architekten zum radonsicheren Bauen eine ständig steigende Bedeutung zu.
Der Radontag hat sich schon immer für diese Aufgabe eingesetzt und mit den diesjährigen
Schwerpunktthemen „Radonmessung“ sowie „Radonsanierung von Altbauten“ wiederum Themen mit
einem sehr aktuellen Praxisbezug in den Mittelpunkt der Tagung gestellt.
Mein Dank gilt dem Organisationsteam und den Referenten, die diese Tagung erfolgreich vorbereitet
und mit gestaltet haben. Ich wünsche der Tagung einen interessanten Verlauf und allen Teilnehmern
einen regen persönlichen Erfahrungsaustausch.
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden

Seite 8
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013

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Dr. Hartmut Schwarze
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 9
Begrüßung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
zum 7. Sächsischen Radontag heiße ich Sie herzlich willkommen.
Die sächsischen Radontage bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit den Kenntnisstand über die
vielfältigen Optionen des Radonschutzes in Gebäuden darzustellen und zu diskutieren. Auch dieser
Radontag wird, wie die bisherigen, mit bereits bekannten Themen, jedoch neuen Erkenntnissen und
Methoden, einen Beitrag zur schrittweisen breiten Etablierung eines allgemeinen Bewusstseins über
Radon leisten.
Einen großen Schwerpunkt dieser Veranstaltung stellen wieder unterschiedliche Fallbeispiele aus der
Praxis von Messungen und Sanierungen dar. Zusätzlich werden neue Methoden zum praktischen
Radonschutz vorgestellt. Außerdem wird ein Einblick in die Radonschutzpraxis der US Armee in Europa
gegeben. Solche Erfahrungs- und Entwicklungsberichte sind gerade vor dem Hintergrund der
voraussichtlich noch in diesem Jahr im Europäischen Rat zur Abstimmung kommenden EU-Grundnorm
(„Richtlinie des Rates zur Festlegung grundlegender Sicherheitsnormen für den Schutz vor den
Gefahren einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung“) von großer Bedeutung. Die in der EU-
Ratsarbeitsgruppe (RAG) Atomfragen vereinbarten Referenzwerte für Radon in Wohngebäuden und an
Arbeitsplätzen müssen voraussichtlich bis 2018 in bundesdeutsches Recht umgesetzt werden. Das
heißt, dass spätestens dann alle Voraussetzungen geschaffen sein müssen, um einheitliche
Referenzwerte von 300 Bq/m³ für bestehende und neue Gebäude umsetzen zu können.
Mit den Vorträgen und Diskussionen wirken die Teilnehmer des Radontages aktiv an der Schaffung der
Grundlagen für die bevorstehende Umsetzung mit. Damit die Notwendigkeit des Radonschutzes bei
allen Interessensgruppen der Bevölkerung Akzeptanz findet, ist es einerseits erforderlich die
Öffentlichkeit gut zu informieren, andererseits ist es wichtig kostengünstige Methoden des
Radonschutzes in Gebäuden zu finden, zu kommunizieren und weiter zu entwickeln. Dies ist auch eine
wesentliche Zielsetzung der sächsischen Radonstrategie.
Wir gehen derzeit davon aus, dass bei etwa 15 Prozent der Gebäude in Sachsen einzelne Räume
oberhalb des geplanten Referenzwertes liegen werden. Die Aufgabe, die mit der Umsetzung der
Grundnorm vor uns liegt, ist deshalb nicht einfach. Sie kann nur gemeinsam und mit der Unterstützung
geschulter Fachpersonen aus den Bereichen des Bauwesens und der Wohnungslüftung gut gelöst
werden. Gemeinsam mit Bayern, mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden und mit dem
Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren e.V.
(KORA e. V.) sowie dem Berufsförderungswerk Bau sind wir auf dem Weg solche Schulungen
anzubieten.
Dr. Hartmut Schwarze
Sächsischen Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft

Grußwort
Seite 10
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Damit möchte ich Ihnen allen einen erkenntnisreichen Radontag und viele anregende Diskussionen
wünschen.
Dr. Hartmut Schwarze
in Vertretung des Staatssekretärs im Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft

 
Andreas Guhr, Jürgen Conrady
Bert Rein
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 11
VERGLEICHENDE ANALYSE VON VERFAHREN ZUR KURZ- UND
LANGZEITMESSUNG DER RADONKONZENTRATION
COMPARATIVE ANALYSIS OF METHODS FOR SHORT- AND LONG-
TERM MEASURE-MENTS OF THE RADON CONCENTRATION
Andreas Guhr
1)
Jürgen Conrady
2)
Bert Rein
3)
1)
ALTRAC Radon-Messtechnik, Berlin
2)
PreCura-Institut für Präventive Medizin, Berlin
3)
GeoConsult, Oppenheim
Zusammenfassung
Die Dauer einer Messung, d.h. die Entscheidungsfindung, ob Kurzzeitmessung oder Langzeitmessung,
ist ein wesentliches Kriterium für die Ermittlung repräsentativer Ergebnisse der Radonkonzentration.
Langzeituntersuchungen in verschiedenen Gebäuden über Messzeiträume von bis zu zwei Jahren zei-
gen, dass in Abhängigkeit von der Messdauer und den geologischen und geografischen Verhältnissen
die Radonkonzentration erheblichen Schwankungen in Gebäuden und im Boden unterliegen kann. Es
werden sowohl Überschätzungen als auch Unterschätzungen der Kurzzeitmesswerte im Vergleich zum
Jahresmittelwert nachgewiesen. Diese Abweichungen sind u.U. erheblich und mit Bezug zu den neue-
ren Risikoschätzungen der ICRP 115 für das radonbedingte Lungenkrebsrisiko der in Wohnungen und
an Arbeitsplätzen auch für den Einzelnen relevant. So ist nachgewiesen, dass sich bereits bei dem in
der Diskussion befindlichen Referenzwert von 300 Bqm-3 das Lungenkrebsrisiko durch die Radonex-
position in Gebäuden nahezu verdoppelt. Bauausführende als auch die für die Radonkontrolle Verant-
wortlichen müssen sich dieser Problematik stets bewusst sein.
Summary
The duration of radon measurements and application of a proper estimation method is most important
to get reliable and representative results. Long-term active and passive permanent measurements, last-
ing up to 2 years, in different buildings and up to 8 years on a stationary soil location have shown a
strong dependency of the measured radon values on geographical, geological and metrological condi-
tions. Due to this influences a large scale variation of radon values of short time measurements in com-
parison to the corresponding long term values was observed. In regard to the new and higher risk esti-
mates suffering lung cancer by radon exposure by relatively low exposure conditions published by ICRP
115, the observed large scale underestimation of real radon exposure by short term measurements, can
create a real health threat for individuals. Especially if the doubling dose for lung cancer is approximately
300 Bqm-3 which follows from the meta- analyses of the European radon studies. Everyone who is
involved in building reconstruction for energy saving or monitoring of radon exposure in buildings or at
work places should be aware of this problem in order to prevent some draw-backs to him.

Vergleichende Analyse von Verfahren zur Kurz- und Langzeitmessung der Radonkonzentration
Seite 12
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
1
Einführung
Ein an der Gesundheitsvorsorge orientiertes Schutzkonzept zur Begrenzung der Strahlenbelastung der
Bevölkerung wird zukünftig auch eine grundsätzliche Senkung der Radonkonzentration in Aufenthalts-
räumen zum Ziel haben. Um sicher unterhalb einer Radonkonzentration zu bleiben, oberhalb der Ge-
sundheitsschäden nachweisbar sind, wird von den zuständigen Behörden darauf orientiert, in Aufent-
haltsräumen den Wert von 300 Bq/m³ als Referenzwert für die maximal zulässige Radonkonzentration
anzusetzen. Diesbezügliche Regelungen sind seitens der EU vorgesehen.
Die Radonkonzentration in Gebäuden unterliegt in Abhängigkeit von den Nutzungsgewohnheiten der
Bewohner Schwankungen, die u.U. bis zu drei Größenordnungen betragen können. Im Folgenden wird
auf Kurzzeitmessungen und langzeitintegrierende Messungen unter dem Gesichtspunkt eingegangen,
ob Übersichtsmessungen mit Messzeiten von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen für eine Beurtei-
lung ausreichend sind oder ob längere Zeiträume, beispielsweise im Rahmen von Bewertungsmessun-
gen, erforderlich sind. Die nachfolgende Tabelle zeigt übersichtsweise die gängigsten Messverfahren
sowie deren Einschätzung [1] hinsichtlich der Eignung für bestimmte Aufgabenstellungen (Tab. 1).
Tab. 1:
Eignung von Messgeräten und Messverfahren
Messverfahren bzw. –gerät
Übersichtsmessung
Bewertungsmessung
Aktivkohle-Röhrchen
Geeignet
Nicht geeignet
Aktivkohle-Dosen
Geeignet
Nicht geeignet
Kernspur-Verfahren
Geeignet
Geeignet
Elektret-Verfahren
Bedingt geeignet
Geeignet
Aktive Radon-Messgeräte
Geeignet
Geeignet, aber aufwendig
Radon-Zerfallsprodukt-Messgeräte
Geeignet
Geeignet, aber aufwendig
Die Dauer einer Messung, d.h. die Entscheidungsfindung ob Kurzzeitmessung oder Langzeitmessung,
ist ein wesentliches Kriterium für die Ermittlung repräsentativer Messergebnisse. Radonmessungen soll-
ten nur mit Messgeräten erfolgen, die über eine gültige Kalibrierung verfügen [2].
2
Methoden
Kurzzeit- und Langzeitmessungen der Radonkonzentration in Gebäuden erfolgten mit Kernspurdetek-
toren bzw. auch aktiven Messsystemen. Die Bodenradonkonzentration wurde sowohl mit Kernspurde-
tektoren als auch aktiven Systemen über mehrere Jahre stationär gemessen und in verschiedenen Zeit-
intervallen ausgewertet. Der Gesamt-Messzeitraum in den vier Beispiel-Objekten erstreckte sich teil-
weise über mehr als zwei Jahre.

Andreas Guhr, Jürgen Conrady
Bert Rein
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 13
3
Ergebnisse
3.1 Vergleichende Kurz- und Langzeit-Messungen der Radonkonzentration in
Gebäuden in Dresden
Langzeit- und Kurzzeitmesswerte können durchaus in einem statistisch gesicherten Zusammenhang
stehen. Allerdings sind die Schwankungsbreiten der aus Kurzzeitmessungen unter Nutzung der Re-
gressionsfunktion aus Abb.1 hergeleiteten Langzeitmesswerte zu groß, um diesen Wert mit ausrei-
chender Sicherheit zu bestimmen.
Abb. 1:
Zusammenhang zwischen Kurzzeitmessungen (KZM) und Langzeitmessungen (LZM) der
Ra-
donkonzentration in Wohnungen in Dresden-Süd.
Die Messungen erfolgten mit Kernspurdetektoren jeweils für die Dauer von 4 Wochen (KZM) bzw. 12
Monaten (LZM). Obwohl ein hochsignifikanter Zusammenhang (n = 51; R
2
= 0,62) besteht, ist die Be-
stimmung des Langzeitwertes aus einem Kurzzeitmesswert mit großen Unsicherheiten behaftet. Die
obere und untere gestrichelte rote Linie zeigt den Vertrauensbereich für Einzelwerte an. Werden z.B.
600 Bq/m
-3
mit Kurzzeitmessungen bestimmt, kann der dazugehörige Langzeitwert im Bereich von ca.
50 – 900 Bq/m³ variieren.
3.2 Zeitaufgelöste Langzeitmessungen in Büro- und Wohngebäuden im
Erzgebirge
Die in Gebäuden mit aktiven Systemen stationär gemessene Radonkonzentration können erhebliche
Schwankungen der auf Stundenbasis gemessenen Konzentrationswerte aufweisen. Die nachfolgenden
Abbildungen zeigen diese Veränderungen anhand von vier Beispielen (Abb. 2-5). Aus Gründen der
Übersichtlichkeit wird aus dem Messzeitraum von jeweils mehr als 24 Monaten nur ein Messintervall
von zwölf Monaten betrachtet.
0
250
500
750
1000
1250
1500
LZM
0
500
1000
1500
2000
KZM

Vergleichende Analyse von Verfahren zur Kurz- und Langzeitmessung der Radonkonzentration
Seite 14
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000
18000
01.09.11
17.09.11
04.10.11
21.10.11
06.11.11
23.11.11
10.12.11
26.12.11
12.01.12
29.01.12
14.02.12
02.03.12
19.03.12
04.04.12
21.04.12
08.05.12
24.05.12
10.06.12
27.06.12
13.07.12
30.07.12
16.08.12
Radonkonzentration [Bq/m³]
Bürogebäude Kreis ASZ, Hanglage, nicht unterkellert
Büro EG
MIN
3 Bq/m³
MAX
15360 Bq/m³
MEAN
2608 Bq/m³
Abb. 2:
Verlauf der Radonkonzentration im EG eines nicht unterkellerten Bürogebäudes
0
10000
20000
30000
40000
50000
60000
20.10.11
26.11.11
13.12.11
30.12.11
15.01.12
01.02.12
18.02.12
05.03.12
22.03.12
08.04.12
24.04.12
11.05.12
28.05.12
13.06.12
21.07.12
09.09.12
Radonkonzentration [Bq/m³]
Zweifamilienhaus, Vogtland, Hanglage, teilunterkellert
Wohnzimmer EG
MIN
72 Bq/m³
MAX
51810 Bq/m³
MEAN 11588 Bq/m³
Abb. 3:
Verlauf der Radonkonzentration im EG eines teilunterkellerten Zweifamilienhauses

Andreas Guhr, Jürgen Conrady
Bert Rein
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 15
0
500
1000
1500
2000
2500
3000
3500
4000
23.02.12
15.03.12
06.04.12
27.04.12
19.05.12
10.06.12
04.07.12
26.07.12
17.08.12
07.09.12
29.09.12
27.11.12
04.01.13
Radonkonzentration [Bq/m³]
Einfamilienhaus, Kreis ASZ, Hanglage, vollunterkellert
Büro KG
MIN
141 Bq/m³
MAX
3580 Bq/m³
MEAN
973 Bq/m³
Abb. 4:
Verlauf der Radonkonzentration im Büro im Keller eines Zweifamilienhauses
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000
02.02.12
18.02.12
07.03.12
23.03.12
19.04.12
23.05.12
25.06.12
28.07.12
31.08.12
03.10.12
05.11.12
09.12.12
11.01.13
Radonkonzentration [Bq/m³]
Mehrfamilienhaus, vollunterkellert
Wohnzimmer EG
MIN
362 Bq/m³
MAX
13358 Bq/m³
MEAN
4365 Bq/m³
Abb. 5:
Verlauf der Radonkonzentration im EG eines vollunterkellerten Mehrfamilienhauses
Die nachfolgenden Verteilungen der Radonmesswerte von vier Gebäuden weisen eine hohe Variabilität
bei vergleichsweise sehr hohen Radonkonzentrationen auf, die im Bereich erheblicher Gesundheitsge-
fährdungen liegen (Abb. 6-9). Die Abbildungen beziehen sich jeweils auf den Gesamt-Messzeitraum
von bis zu 30 Monaten.

Vergleichende Analyse von Verfahren zur Kurz- und Langzeitmessung der Radonkonzentration
Seite 16
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Abb. 6:
Verteilung der Radonkonzent-
ration in einem Büro; Median:
2.064 Bqm
-3
Abb. 7:
Verteilung der Radonkonzent-
ration in einem Wohnzimmer;
Median:12.480 Bqm
-3
Abb. 8:
Verteilung der Radonkonzent-
ration in einem Wohnzimmer;
Median: 4.136 Bqm
-3
Abb. 9:
Verteilung der Radonkonzent-
ration in einem Keller; Median:
6.936 Bqm
-3
Auffällig sind die sehr hohen und über einen weiten Bereich streuenden Einzelmesswerte. Diese hohe
Variabilität, die unter vergleichbaren Bedingungen auch durch andere Autoren beschrieben wird, ist die
Ursache dafür, dass Kurzzeitmessungen auf Stundenbasis und wie die Abbildung 1 zeigt selbst bei
einer Messdauer von mehreren Wochen nicht geeignet sind, die durchschnittliche jährliche Radonex-
position mit der erforderlichen Genauigkeit zu bestimmen. Das zeigen auch die Vergleiche verschiede-
ner Monatsmittelwerte mit dem Jahresdurchschnitt der Radonkonzentration (Abb. 10-12).
Abb. 10:
Vergleich der Radonkonzentration im Büro-Gebäude im Monat März der Jahre 2011 bis 2013
0
2000
4000
6000
Rn-Komz.Bq/m3
3/12
3/11
3/13
Mo/Jahr
0 2000 5000 8000 11000 14000
0 10000
30000
50000
70000
0
2000 4000 6000 800010000
13000
0
10000
20000
30000

Andreas Guhr, Jürgen Conrady
Bert Rein
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 17
Wie diese Abbildungen zeigen, sind die Werte zwischen den gleichen Monaten verschiedener Jahre
doch relativ gut reproduzierbar. Diesen Effekt haben wir auch bereits bei Messungen der Bodenradon-
konzentration festgestellt. Die Monatswerte des gleichen Jahres weichen dagegen untereinander und
vom durchschnittlichen Jahreswert teilweise erheblich ab. Die Unterschiede sind signifikant und können
zu erheblichen Fehleinschätzungen mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen führen.
Abb. 11:
Monats-Mittelwert im Büro zwischen verschiedenen Monaten des Jahres 2012
Abb. 12:
Monats-Mittelwert im Wohnzimmer zwischen verschiedenen Monaten im Vergleich zum
Jahresmittelwert (rote Säule)
0
2000
4000
6000
Rn-Komz.
3/12
4/12
8/12
Mo/Jahr
0
5000
10000
15000
20000
25000
Rn-Konz.
04/12-04/13
4/12
4/13
6/12
8/12
PERIODE

Vergleichende Analyse von Verfahren zur Kurz- und Langzeitmessung der Radonkonzentration
Seite 18
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
3.3 Bodenradonmessungen
Die Hauptquelle der Radonbelastung in Häusern stellt das Bodenradon dar, welches vor allem durch
Konvektion in Gebäude durch Undichtigkeiten eindringen kann. Ein Beispiel dafür zeigt exemplarisch
die Abbildung 13 am Beispiel eines Mehrfamilienhauses mit Keller.
Abb. 13:
Zusammenhang zwischen der Bodenradonkonzentration unter der Fundamentplatte (rechte
Skala, grün) und der Radonkonzentration im Erdgeschoss (linke Skala, rot)
Diese Abbildung deutet darauf hin, dass diese Variablen bzw. deren Änderung im Zeitverlauf korreliert
sind. Die entsprechende Korrelationsanalyse bestätigt dann auch diesen Zusammenhang (Abb. 14).
Abb. 14:
Zwischen der Radonkonzentration in Bq/m³ in der Wohnung (RADON_FL) und der Radon-
konzentration unter der Bodenplatte besteht ein statistisch hochsignifikanter Zusammenhang
(p< 0,001)
1000
2000
3000
4000
5000
6000
RADON_Wz (Bq/m3)
350000
400000
450000
500000
550000
600000
650000
700000
750000
800000
Boden-Rn-Konz. (Bq/m3)
-20
0
20
40
60
80
100
120
140
160
Row s
400000
450000
500000
550000
600000
650000
700000
750000
Boden-Rn-Konz. (Bq/m3)
1000 1500 2000 2500 3000 3500 4000 4500 5000 5500
RADON_Wz (Bq/m3)

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Andreas Guhr, Jürgen Conrady
Bert Rein
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 19
Daraus folgt aber auch, dass die Bodenradonkonzentration im Lauf eines Jahres und abhängig von
verschiedenen äußeren Einflüssen (z.B. Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeitsgehalt etc.) starken und
periodischen Schwankungen unterliegen kann. Dieser Effekt wurde von uns und auch vielen anderen
Autoren eindeutig nachgewiesen ([4], [5], [6]) (Abbildungen 15-18). Die Abbildung 15 zeigt die Auswer-
tung von 366 Messperioden [3] zur Bestimmung der Radonkonzentration in der Bodenluft an einer sta-
tionären Messsonde in 80 cm Tiefe im Erdreich (Untersuchungsansatz Verbundene Stichprobe) mit
Kernspurdetektoren und jeweils einer Woche Messzeit.
Abb. 15:
Zeitreihenanalyse der Bodenradonkonzentration im Zeitraum von IV/2002 bis II/2010
Abb. 16:
Verlauf der Bodenradonkonzentration in kBq/m³ in 1 m Tiefe an einem stationären Messpunkt
Probenahme erfolgte aller 1 h mit einem Messgerät vom Typ RTM 1688[4]
-10
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
110
kBq/m³
01.01.2001
01.01.2002
01.01.2003
01.01.2004
01.01.2005
01.01.2006
01.01.2007
01.01.2008
01.01.2009
01.01.2010
01.01.2011
01.01.2012
START

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Vergleichende Analyse von Verfahren zur Kurz- und Langzeitmessung der Radonkonzentration
Seite 20
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Abb. 17:
Verlauf der Bodenradonkonzentration in kBq/m³ in 1 m Tiefe an einem stationären Messpunkt
im nicht durch Bergbau beeinflussten Teil Bad Schlema, Probenahme einmal monatlich [5]
Abb. 18:
Verlauf der Bodenradonkonzentration in 80 cm Tiefe (schwarze Kurve) über einen Zeitraum
von 16 Monaten [6]
Auch hier wird die Schlussfolgerung wie im Fall der Wohnraummessungen bestätigt, dass Kurzzeitmes-
sungen der Bodenradonkonzentration im Bereich weniger Minuten keinen repräsentativen Langzeitwert
der Bodenradonkonzentration liefern können. Eine ausführliche Diskussion dieser Ergebnisse würde
den Rahmen dieses Artikels sprengen und wir verweisen auf die zitierte Primärliteratur.
3.4 Diskussion und Schlussfolgerungen
Neue Schätzungen des radonbedingten Lungenkrebsrisikos im niedrigen Expositionsbereich zeigen,
dass die bisherigen Annahmen zur Höhe des Risikokoeffizienten korrigiert werden müssen. Die neueste
Empfehlung der ICRP (ICRP 115) bestimmt den neuen Risikofaktor für Radonexpositionen im Bereich
von jährlich 200 Bqm
-3
bzw. bei einer kumulativen Radonexposition von 50 WLM mit 5 x 10
-4
WLM
-1
statt bisher 2,8 x 10
-4
WLM
-1
. Das bedeutet auf das Lebenszeitrisiko bezogen, dass eine Exposition

Andreas Guhr, Jürgen Conrady
Bert Rein
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 21
von 1 WLM fünf Lungenkrebsfälle und 50 WLM 250 Lungenkrebsfälle pro 10.000 Personen verursacht.
Andererseits folgt aus den Ergebnissen der Meta-
analyse der europäischen Radonstudien, dass bereits bei einer jährlichen Radonexposition mit ca. 350
Bqm
-3
eine Verdopplung des Lungenkrebsrisikos zu erwarten ist und damit die Anerkennungsschwelle
für eine radonbedingte Lungenkrebserkrankung erreicht wird. Der gegenwärtig diskutierte Referenzwert
der zulässigen Radonexposition in Gebäuden liegt bei ca. 300 Bqm
-3
.
Langzeitmessungen der Radonkonzentration in Gebäuden und auch bei Freimessungen an untertägi-
gen Arbeitsplätzen mit geeigneten Messsystemen
und
Methoden sind daher unabdingbar, um reprä-
sentative Messwerte der Radonkonzentration und Strahlendosis zu erhalten. Nur so ist gewährleistet,
dass bei den nachgewiesenen Schwankungen der Kurzzeitmesswerte, die durchaus im Bereich der
Verdopplungsdosis für Lungenkrebs liegen können und verschiedenen Aerosolcharakteristiken, Unter-
schätzungen der Radonexposition vermieden werden. Ansonsten besteht die Möglichkeit, das Bauaus-
führende, Energieberater, Verantwortliche für die Strahlenschutzüberwachung, Arbeitgeber und Ver-
mieter für mögliche Gesundheitsschäden verantwortlich gemacht werden können.
Die Anforderungen an die Gewährleistung des Strahlenschutzes, speziell in Sachsen mit einem erheb-
lichen Anteil hochexponierter Gebäude in den Regionen mit hoher Radonbelastung und zunehmender
Umsetzung der Energieeinsparverordnung, werden zukünftig weiter steigen.
4
Literaturverzeichnis
[1]
Leitfaden zur Messung von Radon, Thoron und ihren Zerfallsprodukten; Veröffentlichungen der
Strahlenschutzkommission; Band 47, 2002
[2]
Überwachung von Strahlenexpositionen bei Arbeiten, Leitfaden für die Umsetzung der Regelung
nach Teil 3 Kapitel 1 und 2 StrlSchV, BfS-SW-03/06, 2006
[3]
Messung der Radonkonzentration in der Bodenluft – Wie zuverlässig sind die Messwerte, Strah-
lenschutzpraxis, S. 56-60, Heft 3/2011
[4]
Persönliche Mitteilung durch Dr. Bert Rein, GeoConsult
[5]
Regner,J., Wismut GmbH, Langzeituntersuchungen der Radonkonzentration im Boden, 43.
Sitzung des AK Natürliche Radioaktivität, Zarrentin, 2012
[6]
Castelluccio, M., Neznal, M., etal., Soil Gas Radon Concentration and Permeability, 10. Interna-
tional Workshop on the Geological Aspects of Radon Risk Mapping, Prague, 2010

Seite 22
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013

 
Kai Geringswald, Walfried Löbner
Christian Schramm
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 23
ZEITREIHENANALYSE DER ERGEBNISSE VON RADONKONZENT-
RATIONSMESSUNGEN IN HÄUSERN
TIME SERIES ANALYSIS OF RADON MEASUREMENTS IN DWELL-
INGS
Kai Geringswald
Walfried Löbner
Christian Schramm
Wismut GmbH, Chemnitz
Zusammenfassung
Im Zusammenhang mit der Analyse des Einflusses bergbaulicher Hinterlassenschaften auf die Ra-
donsituation in Häusern wurden in den letzten Jahren umfangreiche zeitaufgelöste Messungen in Kel-
lern von Gebäuden, die sich in der unmittelbaren Umgebung von tagesnahen Grubenhohlräumen oder
permeablen Aufschüttungen aus Haldenmaterial in dicht bebauten Gebieten befinden, ausgeführt. Die
spezielle Zielstellung bestand in der messtechnischen Kontrolle des Einflusses von untertägigen Sa-
nierungsarbeiten auf die Radonsituation in Häusern bzw. in einer fundierten Dokumentation des Sa-
nierungseffektes. Die Methodik der Zeitreihenanalyse erlangte in den letzten Jahren auch zunehmen-
de Bedeutung für das Langzeit-Monitoring von unterschiedlichen Umweltdaten, so dass eine Verein-
heitlichung der Datenanalyse und Nutzung der Erkenntnisse aus anderen Fachgebieten zweckmäßig
ist. Es wird eine Methodik der statistischen Auswertung der Zeitreihen von Radonkonzentrationsmes-
sungen vorgestellt. Durch Anwendung bekannter statistischer Verfahren erfolgt eine geeignete Aggre-
gation und Visualisierung umfangreicher zeitabhängiger Daten. Die effektive Zeitreihenanalyse erfolg-
te mit verfügbaren modernen Computerprogrammen, die auf eine statistische Datenanalyse speziali-
siert sind. Die charakteristische hohe Variabilität der Radonkonzentrationen und ihre Abhängigkeit von
Umweltparametern (Temperatur-, Wind- und Luftdruckschwankungen) sowie von der Gebäudenut-
zung (Luftwechsel) wurden durch ausgewählte statistische Parameter quantifiziert. Die Zeitreihenana-
lyse von Radonkonzentrationsmessungen trägt zur Verbesserung des Systemverständnisses, zur
effektiven Ursachenaufklärung hoher Radonkonzentrationen in Häusern und zur Kommunikation über
die Radonsituation mit der betroffenen Bevölkerung bei.
Summary
In connection with the analysis of the mining residue influence on the radon situation in dwellings ex-
tensive time resolved radon measurements has been conducted in the cellars of dwellings located in
vicinity of abandoned mine workings and permeable mine dump materials on density populated sites.
The special aim consisted in monitoring of underground remediation activity influences on the radon
situation in dwellings and in funded documentation of the remediation effect. In the last years, the
technique of time series analysis became important in different fields of long-term monitoring of envi-
ronmental data. The standardization of data analysis using the know-how of other branches seems to
be convenient. It will be demonstrated a methodology of statistical analysis of radon concentration
time series measurements. The application of well-known statistical methods results in useful data

Zeitreihenanalyse der Ergebnisse von Radonkonzentrationsmessungen in Häusern
Seite 24
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
aggregation and visualization of extensive time series data. The effective data analysis has been done
with available computer programs specialised in statistical data analysis. The characteristic large vari-
ability of radon concentrations in the special case and the dependence on environmental parameters
(temperature, wind, barometric pressure changes) as well as on occupant behaviour (air change rate)
has been quantified by selected statistical parameters. The time series analysis of radon concentration
measurements improves the understanding of the complex behaviour, upgrades the cause analysis of
high radon concentrations in dwellings and makes a contribution to the communication about radon
situations with the public.
Der Beitrag lag zum Redaktionsschluss noch nicht vor.

 
Werner Preuße
Harry Busch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 25
RADONMESSUNGEN IN SCHULEN IN SACHSEN - MESSPROGRAMM
2012 - 2013
RADON MEASUREMENTS IN SCHOOLS IN SAXONY - MEASURING
PROGRAM 2012 - 2013
Werner Preuße
Harry Busch
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL)
Zusammenfassung
Im Auftrag des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) führt die BfUL
ein Messprogramm in sächsischen Schulen durch, das die Radonsituation in den betrachteten Schul-
gebäuden erkunden und ggf. das Zustandekommen von erhöhten Radonkonzentrationen in der
Raumluft von Aufenthaltsräumen mit weiterführenden Untersuchungen analysieren soll. Im Ergebnis
werden bei Bedarf Empfehlungen für Schutzmaßnahmen abgeleitet, deren Umsetzung durch die Nutzer
und die zuständige Verwaltung des Gebäudes ebenfalls durch Radonmessungen begleitet wird, so dass
eine kosteneffiziente, schrittweise Verbesserung der Radonsituation erzielt werden kann. Unsere
Herangehensweise, die aufeinander aufbauende Durchführung der Untersuchungen, die Auswertung
der Messungen und die Ableitung von Empfehlungen werden in diesem Beitrag am konkreten Beispiel
eines Schulgebäudes demonstriert, dessen schrittweise Untersuchung bereits nahezu vollständig
erfolgt ist.
Summary
By order of the Saxon State Ministry of the Environment and Agriculture (SMUL) the BfUL conducts a
measuring program in Saxon schools in order to ascertain the radon situation in the inspected school
buildings and, where indicated, to reveal the sources of elevated indoor radon concentrations by
detailed further investigation. As outcome recommendations for protective actions are derived if
required. Their implementation by the users and by the management of the building is accompanied by
further radon measurements so that a cost-effective, stepwise improvement of the radon situation can
be achieved. Our approach, the successive realisation of the inspection, the evaluation of the
measurements and the derived suggestions are exemplary presented for a school building where the
steps of the investigation were already almost completed.

Radonmessungen in Schulen in Sachsen - Messprogramm 2012 - 2013
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
1 Einleitung
Die Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) führt als Radonberatungs-
stelle des Freistaates Sachsen seit dem Jahr 2009 keine Radonmessungen in sächsischen
Wohnhäusern und öffentlichen Gebäuden mehr durch, die lediglich die Überprüfung des Baugrundes
oder die Einhaltung von Empfehlungswerten in Innenräumen zum Ziel haben. Um den Erkenntnis-
gewinn für die zuständigen Landesbehörden zu den Zusammenhängen beim Zustandekommen von
erhöhten Radonkonzentrationen in Gebäuden in den Vordergrund zu stellen und zur Abgrenzung
gegenüber gewerblichen Anbietern wurden zwei Messprogramme initiiert, von denen eines Radon in
öffentlichen Gebäuden zum Gegenstand hat. Auch staatliche und andere öffentliche Gebäude können
von erhöhten Radonbelastungen betroffen sein, wobei deren Nutzungsspezifika und die oft gegebene
Komplexität der Gebäude entsprechend modifizierte Bewertungen der Radonsituation sinnvoll und
notwendig erscheinen lassen. Dies trifft in spezieller Weise auch auf Schulen zu. Die Bewertung und
Erläuterung von gemessenen Radonkonzentrationen gegenüber den Nutzern eines untersuchten
Gebäudes stellt ebenfalls eine besondere Herausforderung dar, da mit Besorgnissen sensibel umge-
gangen werden muss. Weder eine pauschale Bagatellisierung noch eine gezielte Dramatisierung wären
sachgerecht und für gegebenenfalls anzustrebende Problemlösungen hilfreich.
2 Vorbereitung
Da die im Rahmen des Messprogramms in Schulen zu erhebenden Daten und durchzuführenden
Auswertungen über das unmittelbare Interesse der Nutzer hinausgehen können, werden die Teilnehmer
auf der Grundlage einer besonderen Aufgeschlossenheit der Schulträger und -nutzer
(Liegenschaftsverwaltung und Schulleitung) ausgewählt. Besonderes Augenmerk wird auf eine
detaillierte Vorstellung des Vorhabens vor Ort gelegt, um die folgenden Punkte zu klären:
- Warum wird das Messprogramm durch den Freistaat durchgeführt und "was kostet / bringt es" vor
Ort?
- Welche Messungen sollen im Einzelnen stattfinden (Messgeräte, Anzahl, Dauer)?
- In welcher Form und an wen werden die Ergebnisse berichtet?
- Wie sollen mögliche erhöhte Radonkonzentrationen behandelt werden? Was geschieht zur
Ursachenermittlung? Wie können gemeinsame Schritte zur Problembehandlung organisiert werden?
- Wie kann die Kommunikation mit Mitarbeitern, Schülern und Eltern organisiert werden? Welche
Strategien sind hierzu möglich (die BfUL sichert der Schulleitung die Entscheidung darüber zu)?
Welche Randbedingungen sind durch den gesetzlichen Datenschutz gegeben?
- Welche praktischen und technischen Fragen sind abzustimmen (Auswahl der Räume für die
Messungen, mögliche Messzeiträume)?
Mit von der Schulleitung benannten zuständigen Ansprechpartnern in der Schule (z. B. naturwissen-
schaftlicher Fachlehrer und/oder Hausmeister) werden die konkreten Planungen abgestimmt. Auf der
Grundlage von Gebäudeplänen unterbreitet die BfUL einen Vorschlag für die räumliche Verteilung von
aktiven und passiven Messgeräten (s. Beispiel in Abb. 1). Dabei werden zunächst die relevanten Räume
des erdberührten Geschosses betrachtet (solche mit potentiellen Eintrittspfaden, Nutzung durch
Personen). Hinzu kommen weitere Räume vor allem im Erdgeschoss, die durch Ankopplung an das
Untergeschoss am wahrscheinlichsten von der Ausbreitung erhöhter Radonkonzentrationen betroffen
sein können bzw. als repräsentativ für die Etage anzusehen sind. Als Messzeiträume werden für die
zeitaufgelösten Messungen mit aktiven Geräten mindestens zwei Unterrichtswochen (einschließlich der
drei Wochenenden) und für die integrierenden Messungen mit Kernspurdetektoren 3 Monate außerhalb
der größeren Ferien (d. h. im Herbst oder im Frühjahr) vorgesehen.

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Werner Preuße
Harry Busch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 27
Abb. 1:
Anordnung der Messpunkte im Untergeschoss eines Schulgebäudes
Messpunkt:
integrierend
1
zeitaufgelöst

Radonmessungen in Schulen in Sachsen - Messprogramm 2012 - 2013
Seite 28
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
3 Durchführung
Nachdem der Vorschlag der BfUL für die Verteilung der Messgeräte auf bestimmte Räume durch den
Nutzer bestätigt oder mit Hinweisen versehen worden ist, werden die zu bestückenden Räume
einvernehmlich festgelegt. Neben den fachlichen Kriterien spielen hierfür auch weitere Aspekte eine
Rolle, wie nicht in den Gebäudeplänen enthaltene Details der Raumnutzung, gegenüber den
Gebäudeplänen veränderte Leitungsführungen oder andere Besonderheiten, mögliche Störungen der
Messungen in Folge anderweitiger Arbeiten in bestimmten Räumen und die Messkapazitäten der BfUL.
Die folgende Tab. 1 gibt einen Überblick über die Bestückung eines Schulgebäudes mit Radon-
messgeräten bei den aufeinanderfolgenden Messeinsätzen.
Tab.
1:
Radonmessungen in einem Schulgebäude bei mehreren Messeinsätzen (ETP = Eintritts-
pfadsuche an mehreren Punkten pro Raum,
*)
in Verbindung mit einem vorgegebenen
Lüftungsregime)
Anzahl der Messungen
im Jahr 2012 2013
Messzeiträume
13.4. -
2.5. / 16.7.
2.7. -
16.7.
9.8.
14.9. -
1.10.
18.2. -
12.3.
Untergeschoss
zeitaufgelöst 7
5
3
*)
8
*)
7
*)
integrierend 12
0
- - - -
ETP
-
-
19 in 7 R.
-
-
Erdgeschoss
zeitaufgelöst
4
-
-
-
1
*)
integrierend 9
0
- - - -
1. Obergeschoss integrierend
5
0
-
-
-
-
Nach den ersten Messungen im April-Mai 2012 wurden die Ergebnisse in einer Beratung mit der
Schulleitung und der Liegenschaftsverwaltung vorgestellt und die möglichen Maßnahmen gegen die in
einigen Räumen des Untergeschosses vorgefundenen, hohen Radonkonzentrationen diskutiert. Im
Ergebnis sollten die auffälligen Werte durch Wiederholungsmessungen bereits vor den Sommerferien
und dem Ende der dreimonatigen, integrierenden Messungen überprüft werden.
In den folgenden Monaten schlossen sich weitere zeitaufgelöste Messungen an, um einerseits die
vermuteten Eintrittspfade für Radon aus dem Untergrund zu lokalisieren und andererseits die
Wirksamkeit eines von der BfUL empfohlenen Lüftungsregimes zu überprüfen. Bei letzterem traten
zunächst Abweichungen bei der Umsetzung auf, so dass diese Messungen nach den Winterferien im
Jahr 2013 wiederholt wurden.

Werner Preuße
Harry Busch
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 29
4 Ergebnisse
4.1 Mittelwerte und Zeitreihen der Raumluftmessungen
In der folgenden Tab. 2 sind die Ergebnisse der Radonmessungen im Untergeschoss zur Erfassung
des Istzustandes als Mittelwerte über die betreffenden Messzeiträume zusammengestellt. Die
zeitaufgelösten Messungen (Stundenwerte) erlauben die Unterscheidung der prinzipiellen
Aufenthaltszeiten, die expositionsrelevant sein können. Hierfür wurde pauschal der Zeitraum von 8 bis
16 Uhr an Unterrichtstagen angenommen. In den untersuchten Räumen des Erdgeschosses und des
1. Obergeschosses lagen alle Ergebnisse bis auf einen Fall unterhalb von 200 Bq/m
3
und in jenem bei
280 Bq/m
3
(integrierende Messung).
Tab. 2:
Mittelwerte der gemessenen Radonkonzentrationen in Untergeschossräumen eines Schul-
gebäudes (
1)
gesamter Messzeitraum;
2)
nur Werktage außerhalb von Ferien, jeweils 8-16 Uhr;
3)
integrierende Langzeitmessung)
Haus /
Etage
Raum Beschreibung
Radonkonzentration (Bq/m³)
13.4.-2.5.
ges. MZ
1)
13.4.-2.5.
Nutzung
2)
2.7.-16.7.
Nutzung
2)
13.4.-
16.7.
3)
1 / K
001
Sprachkabinett
1000
1 / K
002
Nebenraum Medien
2520
2340
280
1 / K
004
Informatik 1
130
650
1 / K
006
Informatik Vorbereitung
610
510
270
1 / K
008
Informatik 2
290
1 / K
011
Heizung
50
1 / K
014
Hausanschlussraum (W, E, G)
700
700
620
1 / K
020
Werken Vorbereitung 1
2960
2860
1700
1700
1 / K
022
Werken 2
2520
2430
2800
2900
1 / K
TH-N Treppenhaus Nordflügel (Keller)
700
2 / K
030
Musik
310
260
410
2 / K
031
Unterrichtsraum
260
2 / K
035
Unterrichtsraum
450
2 / K
042
Vorbereitung Musik
820
670
740
Der Einfluss der Nutzung eines Raumes (noch ohne gezieltes Lüften) lässt sich an Hand eines
sogenannten mittleren Tagesganges veranschaulichen, bei dem die Werte zu den jeweils gleichen
Tagesstunden über die gesamte Messperiode von zwei Wochen zusammen gefasst werden. Da sich
die Wochenenden (keine Nutzung der Räume) typischerweise von den Werktagen unterscheiden, ist
eine getrennte Darstellung sinnvoll. In Abb. 2 ist ein entsprechendes Beispiel dargestellt.

image
image
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Radonmessungen in Schulen in Sachsen - Messprogramm 2012 - 2013
Seite 30
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Abb. 2:
Mittlerer Tagesgang der Radonkonzentration im Vorbereitungsraum Musik
Allerdings verdeutlicht die Darstellung des mittleren Tagesganges den Einfluss der Nutzung bzw.
Lüftung nur dann, wenn diese wenigstens an den meisten Tagen zu etwa gleichen Zeiten stattfinden.
Andernfalls ist es vorzuziehen zur Beurteilung der Dynamik der Radonkonzentration den Verlauf der
einzelnen Stundenwerte zu betrachten. Die Daten eines entsprechenden Beispiels in Abb. 3 würden in
der Darstellung des mittleren Tagesganges kaum Unterschiede zwischen den Tageszeiten erkennen
lassen.
Abb. 3:
Stundenwerte der Radonkonzentration im Raum Werken 2

Werner Preuße
Harry Busch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 31
4.2 Eintrittspfadsuche
Die Höhe der Radonkonzentration in einzelnen Räumen des Untergeschosses ist ein Hinweis darauf,
dass es einen signifikanten Radoneintritt aus dem Untergrund gibt. Sofern eine unbeschädigte
Bodenplatte vorhanden ist, rücken deshalb mögliche Eintrittspunkte an Leitungsdurchführungen oder
Fugen in den Fokus.
Die Suche nach Eintrittspfaden für Radon erfolgt durch das gezielte Ansaugen und Messen von Luft an
Stellen der erdberührten Gebäudehülle (Wänden und Fußboden des Untergeschosses), an denen
erfahrungsgemäß lokale Undichtigkeiten nicht unwahrscheinlich sind. Die auf diese Weise gewonnenen
Werte sind als qualitative Hinweise aufzufassen und in ihrer Größe nicht mit den gemessenen
Radonkonzentrationen zu vergleichen, die zur Bewertung der Radonsituation eines Raumes ermittelt
werden (mittlere Raumluftkonzentrationen, die zumindest potentiell eingeatmet werden, für den
Vergleich mit Referenzwerten aus Empfehlungen der EU-Kommission).
In der folgenden Tab. 3 sind die Ergebnisse der Messungen an möglichen Eintrittsstellen zusammen
gestellt.
Tab. 3:
Per Ansaugung ermittelte Radonkonzentrationen an potentiellen Radoneintrittsstellen in
Untergeschossräumen eines Schulgebäudes
Haus/
Raum
Nutzung
MP potentieller Eintrittspfad an …
Radonkonz.
(Bq/m³)
1 / K
001
Sprach-
kabinett
1
Versorgungsschacht Außenwand hinten links
400
2
Heizleitungskanal Fensterseite links
900
1 / K
002
Nebenraum
Medien
1
Heizleitungskanal Außenwand links
700
2 Versorgungsschacht rechts
1100
3 Versorgungsschacht links (Elt.)
400
1 / K
003
Medien-
raum
1
Versorgungsschacht Außenwand hinten links
500
2
Heizleitungskanal Fensterseite (an Pfeiler)
500
1 / K
020
Werken
Vorberei-
tung 1
1
Versorgungsschacht links vorn neben
Tür/Waschbecken
6500
2
Versorgungsschacht rechts vorn neben Tür
5500
3
Heizleitungskanal Fensterseite links
15500
1 / K
022
Werken 2
1
Heizleitungskanal Außenwand rechts hinten
9100
2
Heizleitungskanal Außenwand links hinten
1700
3
Heizleitungskanal Außenwand rechts vorn neben Tür
1500
4
Versorgungsschacht links vorn neben Tür (Elt.)
700
2 / K
030
Musik
1
Heizleitungskanal Fensterseite Mitte
3200
2
Heizleitungskanal Fensterseite rechts
2000
3
hinter Verkleidung Versorg.-Schacht rechts von Tür
(Waschbecken)
1200
2 / K
042
Musik Vor-
bereitung
1
Heizleitungskanal Fensterseite links
2400
2
Heizleitungskanal Fensterseite rechts
5000
Die Eintrittspfadsuche kann insofern als erfolgreich bewertet werden, als sich eine Reihe von Stellen
lokalisieren ließen, an denen ein signifikanter konvektiver Radoneintritt erfolgt, der bei entsprechenden
Unterdruckbedingungen (in der Regel in der Heizperiode verstärkt) und unzureichendem Luftwechsel

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Radonmessungen in Schulen in Sachsen - Messprogramm 2012 - 2013
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mit radonarmer Luft während der Nutzung zu erhöhten Radonkonzentrationen in solchen Räumen
führen muss. Daraus leiten sich Empfehlungen für spezielle Maßnahmen ab (s. Pkt. 5.).
4.3 Lüftungsversuche
Um zumindest übergangsweise einen Weg zur Selbsthilfe aufzuzeigen, wurde für die Räume, in denen
die Mittelwerte der Radonkonzentration oberhalb 400 Bq/m
3
(= Referenzwert aus der noch geltenden
Empfehlung 90/143/Euratom der Europäischen Kommission für bestehende Gebäude) gelegen hatten,
ein Lüftungsregime vorgeschlagen (manuelles ca. 10-minütiges Querlüften vor Unterrichtsbeginn und
in der Mittagspause). Im Ergebnis zeigte sich, dass mit einer Ausnahme alle Räume während der
tatsächlichen Nutzungszeiten, die anhand der Raumbelegungspläne zugeordnet werden konnten,
deutlich unter 200 Bq/m
3
lagen. In einem Raum wurde zwar während der tatsächlichen Nutzungszeiten
eine Absenkung auf ca. die Hälfte des früheren Wertes erreicht, das Ergebnis lag mit 1100 Bq/m
3
aber
immer noch deutlich über den Referenzwerten. Die folgende Abb. 4 zeigt den Verlauf der Stundenwerte
in diesem Raum über eine Unterrichtswoche und macht deutlich, dass sich der durch das Lüften erzielte
positive Effekt in ausreichendem Umfang erst zu spät auswirkt bzw. die Nutzung allein ohne gezieltes
Lüften hier keinen ausreichenden Luftwechsel bewirkt.
Abb. 4:
Stundenwerte der Radonkonzentration im Raum Werken 2 in einer Unterrichtswoche mit
dokumentierten Lüftungs- und Nutzungszeiten (mit Durchschnittswert über 2 Wochen
einschließlich Wochenenden)
Einschränkend ist allerdings anzumerken, dass die tatsächlichen Lüftungszeiten und -arten teilweise
deutlich von dem Vorschlag der BfUL abwichen, da die milde Witterung in der zweiten Septemberhälfte
wahrscheinlich zu deutlich längerem Lüften motivierte (z.T. mehrere Stunden pro Tag mit angekippten
Fenstern). Deshalb können die hierbei gewonnenen Ergebnisse nicht auf die kalte Jahreszeit
übertragen und die festgestellten positiven Lüftungseffekte nicht für das Winterhalbjahr verallgemeinert
werden. Um dafür belastbare Aussagen zu gewinnen, mussten die Untersuchungen unter Befolgung

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Werner Preuße
Harry Busch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 33
des vorgeschlagenen Lüftungszyklus mit jeweils ca. 10-minütiger Querlüftung, die auch bei kalter
Witterung noch nutzungsverträglich sein sollte, wiederholt werden.
Zur Unterstützung der Einhaltung der Lüftungsempfehlungen durch die vor Ort durch die Schulleitung
beauftragten Hausmeister wurde seitens der BfUL ein Lüftungsprotokoll vorgegeben, für das ein
Beispiel auszugsweise in der Abb. 5 dargestellt ist.
Abb. 5:
Protokoll zur Dokumentation des empfohlenen manuellen Lüftens in der Schule
Das empfohlene Lüftungsregime wurde nach den Winterferien in der Schule umgesetzt (allerdings nur
am Morgen vor dem Unterrichtsbeginn, nicht jedoch in der Mittagspause). Die folgende Tab. 4 enthält
die begleitend ermittelten Werte der Radonkonzentration. Eine individuell nach jedem einzelnen Raum
und seiner tatsächlichen Nutzungszeit differenzierte Erfassung der Radonkonzentration ist jedoch für
eine standardisierte Bewertung nicht praktikabel. Deshalb wurde im Weiteren nur von einer "regulären"
(d.h. normalerweise möglichen) Nutzung zwischen 8 und 16 Uhr während der Unterrichtstage
ausgegangen.
Tab. 4:
Mittelwerte der Radonkonzentration in Räumen (mit zuvor > 400 Bq/m
3
) eines
Schulgebäudes bei einem definierten Lüftungsregime
Haus /
Etage
Raum
Beschreibung
Radonkonzentration (Bq/m³)
gesamter Zeitraum
(alle Tage, 0-24h)
reguläre Nutzung
(Unterrichtstage, 8-16h)
1 / K
001 Sprachkabinett
620
420
1 / K
002
Nebenraum Medien
520
420
1 / K
004
Informatik 1
360
310
1 / K
006 Informatik Vorbereitung
70
100
1 / K
020
Werken Vorbereitung 1
1900
1330
1 / K
022
Werken 2
1870
1210
2 / K
042
Vorbereitung Musik
580
340
Die Ergebnisse zeigen, dass morgendliches Lüften über jeweils ca. 10 min in 2 der 7 Räume nicht
ausreicht, um die Radonkonzentration wenigstens in die Nähe des Referenzwertes von 400 Bq/m
3
zu
senken. Dies verdeutlicht auch der zeitliche Verlauf der Radonkonzentration (Beispiel in Abb. 6).

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Radonmessungen in Schulen in Sachsen - Messprogramm 2012 - 2013
Seite 34
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Abb. 6:
Stundenwerte der Radonkonzentration im Raum Werken 2 in einer Unterrichtswoche mit
dokumentierten Lüftungszeiten (mit Durchschnittswert über 2 vollständige Wochen)
5 Bewertung
Die in den insgesamt 5 durchgeführten Messkampagnen gewonnenen Ergebnisse erlauben eine
vorläufig abschließende, zusammenfassende Bewertung der Radonsituation in dem untersuchten
Schulgebäude und prinzipiell tragfähige Empfehlungen zur Vermeidung erhöhter Innenraum-
Radonkonzentrationen in diesem Objekt. Die gesonderte Behandlung jedes einzelnen Raumes
erscheint hierbei vor dem Hintergrund der praktischen Umsetzbarkeit der Empfehlungen nicht sinnvoll.
Deshalb wird vorausgesetzt, dass eine potentielle Nutzung durch Personen an Unterrichtstagen
zwischen 8 und 16 Uhr zu unterstellen ist, solange kein Lüftungsregime realisiert werden kann, welches
spezifisch auf die tatsächlichen Unterrichtsstunden bzw. Aufenthaltszeiten in den betreffenden Räumen
abgestimmt ist. Dies ist konform mit dem Prinzip im Strahlenschutz durch eine gewisse Konservativität
sicherzustellen, dass Besonderheiten im Einzelfall möglichst nicht dazu führen, dass das vorgegebene
Schutzziel nicht erreicht wird.
Die Ergebnisse der zeitaufgelösten Messungen unter definierten Lüftungsbedingungen zeigen, dass
durch gezieltes Lüften in allen Räumen deutliche Absenkungen der Radonkonzentration auch unter
winterlichen Bedingungen erreichbar sind. Dennoch wurde nicht durchweg der Referenzwert von
400 Bq/m
3
(entspricht der noch geltenden Empfehlung 90/143/Euratom der Europäischen Kommission
von 1990 für bestehende Gebäude) eingehalten, da sich die durch das morgendliche Lüften erzielte
Absenkung der Radonkonzentration nur innerhalb weniger Stunden auswirkt. Die Wiederholung des
Lüftens (praktischerweise) während der Mittagspause (und in den Räumen "Werken 2" sowie "Werken
Vorbereitung 1" während der Hofpause am Vormittag) würde zu einer erneuten Absenkung führen und
sicherstellen, dass während der zu betrachtenden Stunden zwischen 8 und 16 Uhr
Radonkonzentrationen in der Nähe bzw. unterhalb von 400 Bq/m
3
erreicht werden. Insofern sollte die
Einschätzung der Realisierbarkeit des Lüftens in der Mittagspause, welches bei den Messungen im

Werner Preuße
Harry Busch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 35
Februar/März 2013 nicht erfolgte, hinterfragt werden. Entsprechende Festlegungen kann nur die
Schulleitung bzw. die Schulverwaltung treffen.
Im Ergebnis des Nachweises von Radoneintrittspfaden (s. Tab. 3) war der für das Schulgebäude
zuständigen Stelle eine genauere Eintrittspfadsuche angeboten worden, da vorhandene Verkleidungen
von Heizungskanälen die genauen Eintrittsstellen verdeckten. Das hierfür erforderliche Entfernen der
Abdeckungen soll während der kommenden Herbstferien erfolgen, so dass nach einer genauen
Lokalisierung der Eintrittsstellen durch Messungen der BfUL deren Abdichtung erfolgen kann.
Als Probleme bei der Auseinandersetzung mit erhöhten Radonkonzentrationen in Schulen sind auf der
Grundlage der bei der Untersuchung des hier vorgestellten und anderer Schulgebäude gemachten
Erfahrungen zu nennen:
- Raumspezifische Lüftungszyklen (z.B. in Räumen, die nur gelegentlich genutzt werden) sind unter
den Bedingungen des regulären Schulbetriebs und der organisatorischen wie personellen
Kapazitäten wahrscheinlich kaum realisierbar.
- Die Aufrechterhaltung eines Lüftungsregimes, das sich als ausreichend zur Beherrschung des
Radons erwiesen hat (nach entsprechender messtechnischer Kontrolle), durch die Schulleitung
allein erscheint schwierig, da naturgemäß deren Aufgabenschwerpunkte andere sind und
Beauftragte, wie z.B. Hausmeister, regelmäßig kontrolliert werden müssten. Abhilfe könnte hier eine
generelle "Lüftungsvorgabe" der Schulverwaltung schaffen, die zumindest in bestimmten Raumarten
(v.a. Nutzungsräume im erdberührten Gebäudebereich) ein minimal durchzuführendes manuelles
Lüften als Routineaufgabe (z.B. ähnlich wie das Einschalten oder Hochfahren der Heizung)
vorschreibt, solange keine technische Lüftung genutzt werden kann.
- Auch nach der Feststellung von radonrelevanten Mängeln in einem Schulgebäude (z.B. Radon-
eintrittspfade) können seitens der liegenschaftsverwaltenden Stelle nicht ohne weiteres Mittel für
zumindest vorläufige Maßnahmen wie lokale Abdichtungen aufgewendet werden. Die Mittel-
bereitstellung für Radonmaßnahmen in begrenztem Umfang (keine großen Sanierungen) sollte
deshalb in die Instandhaltungsplanung (Mittelreserve für Akutmaßnahmen) aufgenommen werden.

Seite 36
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013

 
Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 37
BRAUCHEN WIR FÜR NEUBAUTEN MESSUNGEN DER
BODENRADONKONZENTRATION?
DO WE NEED MEASUREMENTS OF THE GROUND RADON
CONCENTRATION FOR NEW BUILDINGS?
Walter-Reinhold Uhlig
HTW Dresden, Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur
Zusammenfassung
Im Beitrag werden die Verfahren zur Bodenradonmessung sowie die Probleme, die sich im
Zusammenhang mit der Messung ergeben, kurz vorgestellt.
Die Analyse von Messungen der Radonbelastung in Neubauten führt im Zusammenhang mit der
unbefriedigenden Situation der Bodenradonmessung zu dem Schluss, dass letztere letztendlich nicht
erforderlich und zweckmäßig sind. Vielmehr ist eine hohe Bauqualität hinsichtlich der Dichtheit der
erdberührten Gebäudehülle durchzusetzen, die bei Schadensfreiheit mit Sicherheit zu geringen
Radonkonzentrationen in der Raumluft führt. Ggf. können ergänzende lüftungstechnische Maßnahmen
im Neubau vorgesehen werden, die erst dann aktiviert werden müssen, wenn durch Baumängel die
Radonbelastung im fertig gestellten Gebäude trotz Anwendung heute üblicher Abdichtungslösungen
über den angestrebten Zielwerten liegt.
Summary
In the paper the procedures to the ground radon measurement as well as the problems which arise in
connection with the measurement are briefly introduced.
The analysis of measurements of the radon load in new buildings leads in connection with the
dissatisfactory situation of the ground radon measurement to the conclusion that the last eventually are
not necessary and suitable. Rather a high construction quality is to be put through concerning the density
of the ground-touched building cover which leads with damage freedom with certainty to low radon
concentrations in the ambient air. If necessary complementary airing-technical measures can be
planned in the new building which must be activated only when by construction faults the radon load
lies in the finished building in spite of use today of usual sealing solutions about the aimed aim values.

Brauchen wir für Neubauten Messungen der Bodenradonkonzentration?
Seite 38
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
1 Einführung
Bodenradonmessungen, die in Vorbereitung von Neubauvorhaben durchgeführt werden sollen, sind
weltweit außerordentlich unterschiedlich geregelt. In den meisten Ländern – so auch in Deutschland -
gibt es keine standardisierten Verfahren für die Ermittlung der Bodenradonkonzentration. Im Rahmen
dieses Beitrages soll auf die Frage eingegangen werden, wie mit der Ermittlung der
Bodenradonkonzentration in der Planungsphase von Neubauten umgegangen werden sollte und
welche Schlussfolgerungen sich hinsichtlich des baulichen Radonschutzes ergeben.
An der HTW Dresden sind in den letzten zwei Jahren im Rahmen einer Projektarbeit des
Masterstudienganges Bauingenieurwesen [1] in insgesamt sechs Wohngebäuden Messungen
durchgeführt worden, die, soweit nicht bereits Werte vorlagen, durch Bodenradonmessungen ergänzt
worden sind. Auf diese Untersuchung wird im Abschnitt 3 dieses Beitrages näher eingegangen, um im
Abschnitt 4 die Ergebnisse der Messungen in die Gesamtbewertung einzubeziehen.
2
Messung der Radonkonzentration in der Bodenluft
Wie ist die Radonkonzentration in der Bodenluft zu messen?
Eine klare, eindeutige Antwort kann auf diese Frage nicht gegeben werden. Zu unterschiedlich sind die
Aussagen und Vorgehensweisen in Forschung und Baupraxis, ein standardisiertes Messverfahren ist
nicht bekannt. So wurden eine ganze Reihe von staatlichen Institutionen sowie Ingenieurbüros befragt
und eine gründliche Internetrecherche (unter Einbezug Deutscher, Schweizer, Südtiroler und
Österreichischer Quellen) durchgeführt. Das Ergebnis ist insgesamt wenig ergiebig. Die wenigen
Quellen, die auf die Bodenradonmessung eingehen, bleiben sehr häufig im Ungewissen.
Eine kurze Übersicht über die Rechercheergebnisse aus dem Internet (die Ergebnisse der
durchgeführten Befragung lagen zum Zeitpunkt der Erarbeitung dieses Beitrages leider noch nicht vor),
zeigt, wie unterschiedlich man sich der Frage der Bodenradonmessung nähert:
Zuerst soll ein kurzer Blick in das allgegenwärtige Nachschlagewerk „wikipedia“ geworfen werden. Dort
ist unter dem Stichwort „Radonmessungen“ [2] ein langer Artikel veröffentlicht. Die
Bodenradonmessung wird nicht einmal erwähnt, geschweige denn beschrieben, wie eine solche
durchgeführt werden soll. Auch ein Blick auf die Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz [3]
bringt keine konkreten Hinweise für die Bodenradonmessung. Als einzige konkrete Information konnte
ich dort entnehmen, dass sich die Konzentration ab einer Tiefe von einem Meter in der Regel nur noch
wenig ändert (mit dem unausgesprochenen Umkehrschluss, dass eine Messtiefe von einem Meter
ausreichend ist). Eine Aussage, die ich, so allgemein ausgesprochen, nicht unterschreiben würde! Zu
unterschiedlich sind die geologischen Bedingungen, wenn man einen konkreten Bauplatz betrachtet.
Auch Veröffentlichung einiger Landesämter enthalten keine klaren Vorschläge für die
Messdurchführung, sodass hier auf weitere Zitate verzichtet werden soll. Die Informationen, die aus
Veröffentlichungen verschiedener Ingenieurbüros zum Thema Bodenradonmessung entnommen
werden können, sind ebenfalls nicht geeignet, eine eindeutige Aussage zu erhalten.
Warum dies so ist, soll durch zwei Zitaten, ebenfalls aus dem Internet entnommen, verdeutlicht werden.
So schreibt die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie in ihrer Erläuterung zur Messung der
Bodenradonkonzentration: „
Die Messung der Radon-Konzentration in der Bodenluft dient vor allem zur
Bewertung des Radon-Potenzials an Neubaustandorten und zur Erkundung der Ursachen erhöhter
Radon-Konzentrationen in bestehenden Gebäuden. Das methodische Vorgehen hängt sehr stark von
den konkreten örtlichen Gegebenheiten ab. Die Messungen erfolgen in Bohrlöchern in Tiefen > 1 m.
Messungen in geringeren Tiefen tragen nur orientierenden Charakter. Das Ergebnis sind
Kurzzeitmesswerte, die den aktuellen Radonstatus im Boden wiederspiegeln. Um Verfälschungen der
Messung zu minimieren sind viele Randbedingungen (z.B. meteorologische - und
Umgebungsbedingungen, Homogenität des Untergrundes, Art des Messung, Messzeitraum) zu
berücksichtigen.“
[4]. Ein weiteres Zitat aus der Beantwortung einer Anfrage im Österreichischen
Parlament [5] geht in die gleiche Richtung: „
Es gibt keinen Bodenkataster über die Radonkonzentration

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 39
im Boden. Die Radonkonzentration im Boden ist von einer Unzahl von Parametern abhängig, wie z.B.
Feuchtigkeit, Permeabilität, Bodenbeschaffenheit, Temperatur, Luftdruck etc., die sich laufend ändern.
Jede Radonmessung liefert in diesem Sinne eine Momentaufnahme und die Ergebnisse sind unter
anderen Außenbedingungen nicht reproduzierbar
.“ (Hervorhebungen Uhlig).
Diese kurzen Beschreibungen und Zitate zeigen im Grunde das Dilemma auf: Viele Unwägbarkeiten
beeinflussen die Messungen, weswegen die Ergebnisse lediglich orientierenden Charakter haben.
Zweifellos, auch das kann indirekt der Veröffentlichung der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und
Geologie entnommen werden, sind durchaus Messungen möglich, die die Radonsituation in der
Bodenluft exakt beschreiben, nur sind das dann Langzeitmessungen, die ggf. auch in größerer Tiefe als
einem Meter durchgeführt werden (oder in verschiedenen Tiefenstufen). Diese eignen sich aber auf
Grund des hohen Aufwandes sowie der langen Messdauer nicht für den Planungsprozess von
Gebäuden.
Trotz der unbefriedigenden Situation hinsichtlich verbindlicher Regelungen haben sich gewisse
Regelungen für die Messung der Bodenradonkonzentration herauskristallisiert: So wird vor Ort eine
Rammsondierung bis etwa 1,10 m Tiefe eingebracht, in der eine Bodenluftsonde abgelassen wird. Die
Bodenluftentnahme erfolgt somit aus etwa einem Meter Tiefe. Die Anwendung eines Packersystems
wird empfohlen, da somit der Entnahmeraum definiert abgegrenzt werden kann. In der aus einem Meter
Tiefe angesaugten Bodenluft wird mittels verschiedener Verfahren und Geräte die Radonkonzentration
bestimmt. Dabei können sowohl Einzelproben entnommen werden (wobei die Luftmenge abhängig von
dem Volumen der Messkammer ist) oder aber es wird eine kontinuierliche Luftentnahme durchgeführt,
die mittels eines Radonmonitors zeitaufgelöste Messergebnisse erbringt. Für Messungen im
Zusammenhang mit der Planung von Gebäuden werden in der Regel Kurzzeitmessungen (weniger als
eine Stunde) durchgeführt. Dabei sollen nach einer Empfehlung von „kemski und partner“ [6] pro
Einfamilienhaus fünf Einzelmessungen, jeweils an den Eckpunkten sowie der Mitte der geplanten
Bodenplatte, durchgeführt werden.
3
Untersuchungen der Radonbelastung in Neubauten
3.1 Motivation
Im Rahmen einer studentischen Projektarbeit im Masterstudiengang Bauingenieurwesen [1] wurden an
der HTW Dresden zwischen 2009 und 2012 mehrere Messungen in Einfamilienhäusern durchgeführt.
Teilweise handelte es sich um Zweitmessungen, mit denen überprüft werden sollte, inwieweit sich seit
der im Rahmen einer Diplomarbeit [7] 2006 durchgeführten Erstmessungen Veränderungen eingestellt
haben. Mit den Messungen wurden die folgenden Ziele verfolgt:
Die Studenten sollten Messtechniken und –methoden erlernen, die Ergebnisse waren nach
wissenschaftlichen Standards auszuwerten und zu beschreiben.
Darüber hinaus wurde ein Erkenntnisgewinn zur Radonbelastung in neu errichteten
Einfamilienhäusern sowie zur Dauerhaftigkeit radonschützender Maßnahmen angestrebt.
Während der pädagogisch-didaktische Ansatz im Rahmen dieses Beitrages nicht weiter thematisiert
wird, werden die Ergebnisse der Untersuchungen im Abschnitt 3.3 und 3.4 kurz vorgestellt.
3.2 Wodurch Neubauten charakterisiert sind
Die Frage, welche Gebäude unter dem Begriff „Neubauten“ einzuordnen sind, wird aus bautechnischer
Sicht dahingehend bewertet, inwieweit die Gebäudehülle nach den heute allgemein anerkannten

Brauchen wir für Neubauten Messungen der Bodenradonkonzentration?
Seite 40
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Regeln der Bautechnik geplant und errichtet worden sind. Das Baujahr spielt demnach nur insofern eine
Rolle, ob zu diesem Zeitpunkt bereits die heute allgemein anerkannten Regelungen Gültigkeit besaßen.
Für die erdberührten Bauteile können diese Regelungen wie folgt zusammengefasst werden:
Fundamentausbildung:
in der Regel werden im Einfamilienhausbau durchgehende
Bodenplatten in Dicken zwischen 20 und 30 cm vorgesehen. Alternativ können
Streifenfundamente errichtet werden, wobei dann die Bodenplatte oberhalb der
Streifenfundamente zwischen den aufgehenden Kellerwänden eingeordnet wird. Eine dritte
Bauform sieht eine direkte Verbindung der Fundamente mit der Bodenplatte vor, in diesem Falle
wird die Bodenplatte gegenüber einer durchgehenden Konstruktion mit geringerer Dicke
ausgeführt. Die eingesetzten Betone werden nach DIN EN 206-1/DIN 1045-2 [8] in
verschiedene Güteklassen eingeteilt. In dieser DIN werden zudem Anwendungskriterien sowie
Regelungen zur Qualitätsüberwachung festgelegt. Da in der Regel auf bzw. unter der
Bodenplatte eine Abdichtung nach DIN 18195 [9] eingebaut wird (s.u.), ist die Anwendung von
WU-Beton für normale Feuchtebelastungen nicht erforderlich und nicht üblich.
Kellerwände:
Diese werden im heutigen Baugeschehen entweder aus Beton (Ortbeton,
vorgefertigte oder teilvorgefertigte Elemente) oder Mauerwerk (in der Regel Vollsteine aus
gebrannten Ziegelsteinen oder Kalksandstein) errichtet. Für die Material- bzw.
Konstruktionswahl sind neben bautechnologischen Fragen vor allen Dingen die Aufnahme der
horizontalen Lasten aus Erdreich und ggf. drückendem Wasser maßgeblich.
Feuchteschutz
: Die Abdichtung gegen Wasserbelastungen aus dem Erdreich wird in
Abhängigkeit von den unterschiedlichen Lastfällen (Bodenfeuchte, nicht drückendes und
drückendes Wasser) nach DIN 18195 geplant und ausgeführt. Für die senkrechten, auf der
Außenwand angeordneten Abdichtungen kommen heute zumeist kunststoffmodifizierte
Bitumendickbeschichtungen (KMB) oder ähnliche Beschichtungslösungen zum Einsatz.
Möglich sind ebenfalls Bahnenabdichtungen, allerdings erfordern diese einen deutlich höheren
Aufwand und werden deshalb nur noch selten bzw. bei sehr hohen Beanspruchungen
eingesetzt. Für horizontale Abdichtungen kommen entweder Bahnenbeläge oder aber KMB
zum Einsatz. Besonderer Wert muss auf die sichere und absolut dichte Ausbildung der
Anschlüsse zwischen den verschiedenen senkrechten und horizontalen Abdichtungen sowie
der Eindichtung von Rohr- und Leitungsdurchführungen gewidmet werden.
Die im Rahmen der studentischen Arbeiten untersuchten Gebäude waren in der Regel nicht mit
weißen oder schwarzen Wannen ausgeführt worden. Inwieweit Bodenplatten in dem einen oder
anderen Falle in WU-Beton errichtet worden sind, konnte zumeist nicht mehr rekonstruiert
werden, ist aber für die Auswertung der durchgeführten Untersuchungen ohnehin nur sekundär
von Interesse.
In der Regel wird heutzutage zusätzlich eine Ringdränage zur Abführung zeitweise stauenden
Wassers in Höhe der Fundamente vorgesehen. Planung und Ausführung erfolgt nach DIN 4095
[10]. Inwieweit diese bei den untersuchten Objekten vorhanden war, konnte allerdings nicht
immer zweifelsfrei ermittelt werden. Flächendränagen, die an die Ringdränagen angeschlossen
werden, sind nach DIN 4095 bei Grundflächen größer 200 m² vorzusehen. Da Einfamilienhäuser
in der Regel kleinere Grundflächen aufweisen, ist davon auszugehen, dass in den untersuchten
Gebäuden keine Flächendränagen vorhanden sind. Allerdings fehlten auch hierüber zumeist
aussagefähige Unterlagen.
Wärmeschutz
: Keller werden heutzutage zumeist so geplant, dass die Kellerräume beheizt
werden können. Insofern wird zumeist eine außenliegende Wärmedämmung vor der
Abdichtungsebene (sogenannte Perimeterdämmung) vorgesehen, auch wenn der eine oder
andere Kellerraum aktuell nicht beheizt wird. Sind ein funktionierender Feuchteschutz und
gleichzeitig eine Wärmedämmung vorhanden, erreicht man trockene Kellerräume. Insofern ist
die (subjektive) Einschätzung oder messtechnische Ermittlung der Feuchte im Keller ein erstes
Indiz dafür, ob die hier beschriebenen Regeln der Bautechnik eingehalten worden sind.

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 41
3.3 Vorstellung der Gebäude
Im Rahmen des Masterprojektes wurde in insgesamt 6 Wohnhäusern die Radonkonzentration in der
Raumluft ermittelt. Die hierfür erforderlichen Messungen wurden im Zeitraum August 2011 bis April 2012
durchgeführt. In drei Wohnhäusern waren bereits im Jahr 2006 im Rahmen der Diplomarbeit von Frank
Bergmann umfangreiche Messungen durchgeführt worden. Die Zweitmessungen dienten hier einerseits
der Ergänzung, sollten vor allen Dingen aber darüber Auskunft geben, inwieweit sich Veränderungen
zwischen den beiden Messperioden eingestellt haben.
In der folgenden Tabelle 1 sind wichtige Daten für die Untersuchungsobjekte zusammen gestellt.
Beim Bau von vier der insgesamt sechs untersuchten Häuser sind die allgemein anerkannten Regeln
der Bautechnik hinsichtlich des heute üblichen Feuchteschutz im erdberührten Bereich erfüllt worden.
Diese werden demnach im Sinne der Definition nach Abschnitt 3.2 als Neubauten bezeichnet.
Beim EF-Haus in Bad Elster (lfd. Nr. 3) hat man offensichtlich die Regelungen zur Abdichtung nach DIN
18195 bewusst nicht auf den (bereits vorhandenen?) Keller angewendet. In diesem Haus ist kein
direkter Kellerzugang von der Wohnung aus vorhanden.
Das EF-Haus in Olbersdorf ist ein typischer Altbau. Trotz einer im Jahre 2006 durchgeführten Sanierung
sind die Keller undicht. Offensichtlich wurde die Sanierung nur auf den bewohnten Bereich begrenzt,
eine Abdichtung des Gebäudes gegen Feuchtigkeit im Erdreich wurde demnach nicht eingebaut.
Tab. 1:
Zusammenstellung der Gebäudedaten
Lfd
Nr.
Bezeich-
nung
Bau-
jahr
Beschreibung der Baukonstruktion
Beschrei-
bung des
Kellers
Neu-
baustan-
dard für
Dichtheit
erfüllt
Bemer-
kungen /
Hinweise
Unter-
kellerg.
Funda-
ment bzw.
Boden-
platte
Keller-
wände
Rohr-
durch-
führun-
gen
Art der
Ab-
dich-
tung
1
EF-Haus
Hänichen
1996 Voll-
unter-
kellert
ca. 25 cm
St-beton-
platte
MW Insges.
6 Durch-
führun-
gen
nach
DIN
18195
trocken ja Erst-
messung
2
EF Haus
Pesterwitz
1994 Voll-
unter-
kellert
ca. 25 cm
St-beton-
platte
MW keine in
Boden-
platte
nach
DIN
18195
trocken ja Erst-
messung
3
EF Haus
Bad Elster
2003
auf
altem
Keller
Teil-
unter-
kellert
Streifen-
funda-
mente
nicht
be-
kannt
Für
Keller
nicht
erfüllt
Zweit-
messung /
Passiv-
haus
4
EF Haus
Müglitz,
OT Maxen
2006 Voll-
unter-
kellert
ca. 25 cm
St-beton-
platte
MW keine in
Boden-
platte
nach
DIN
18195
trocken ja Zweit-
messung /
Passiv-
haus
5
EF-Haus
Olbersdorf
1890
Sanier
ung
2006
Teil-
unter-
kellert
Teilweise
St-beton-
platte,
teilweise
Ziegel
nicht
vor-
han-
den
feucht nein Erst-
messung
6
EF-Haus
Öederan
2001 Hang-
lage
Vermutlich
Boden-
platte
MW im Ein-
gangs-
bereich
Rohrein-
führung
nach
DIN
18195
ja Zweit-
messung /
Passiv-
haus

Brauchen wir für Neubauten Messungen der Bodenradonkonzentration?
Seite 42
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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3.4 Messungen
Die Bodenradonmessungen (Tabelle 2) stammen für die Gebäude, in denen 2011/12 zum zweiten Mal
gemessen wurde, aus der Erstmessung 2006. Es sind je Objekt 3 bis 4 um das Gebäude verteilte
Einzelmessungen in etwa 1 m Tiefe durchgeführt worden.
Tab. 2:
Zusammenstellung der gemessenen Bodenradonwerte
Lfd
Nr.
Bezeichnung
Erwartungs-
wert nach.
Sächsischer
Radonkarte
Bodenradonmessungen
Anmerkungen
Anzahl der
MP
Höchst-
wert
Mindest-
wert
Verhältnis
Höchst- zu
Mindestwert
kBq/m³ kBq/m³ kBq/m³
1 EF-Haus
Hänichen
41 bis 100 3
111 30
3,7
2 EF Haus
Pesterwitz
41 bis 100;
˃100
2
77 33
2,3
3
EF Haus Bad
Elster
˃100 4
121 101
1,2 Messungen 2006
4
EF Haus Müglitz,
OT Maxen
unklare
Zuordnung
4
136 43
3,2 Messungen 2006
5 EF-Haus
Olbersdorf
41 bis 100 4
37 11
3,4
6 EF-Haus Oederan ˃100 3
139 49
2,8 Messungen 2006
Für die Innenraummessungen sind die folgenden Messgeräte eingesetzt worden:
Alpha-Guard (AG)
Radon-Scout (RSc)
Dosimeter der Firma Altrac (Dm)
Teilweise wurden an einem Messpunkt (MP) mit unterschiedlichen Messgeräten und-methoden (aktiv
bzw. passiv) gemessen. Diese Vorgehensweise wurde deshalb gewählt, um den beteiligten Studenten
die unterschiedlichen Messverfahren zu vermitteln und Aussagen zur Genauigkeit der Messgeräte und
-methoden ableiten zu können. Diese Überlegungen spielen für die Betrachtung dieses Beitrages keine
Rolle und werden deshalb nicht weiter thematisiert.
Die folgende Tabelle 3 gibt einen Überblick über die die durchgeführten Messungen.

Walter-Reinhold Uhlig
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Seite 43
Tab. 3:
Überblick über die Messungen im Rahmen des studentischen Projektes
Lfd
Nr.
Bezeichnung
Messpunkte Bemerkungen
Anzahl
der MP
im Ge-
bäude
Bezeichnung der MP im Gebäude
Keller Erdgeschoss Ober-
geschoss
1 EF-Haus
Hänichen
5
MP1 MP2 MP3 MP4 MP5
2 EF Haus
Pesterwitz
6
MP1 MP2 MP3 MP4 MP5 MP6
3
EF Haus Bad
Elster
5
MP
11
MP
12
MP
13
MP
14
MP
15
Die exakte Lage des Keller-
messpunktes aus dem Jahr
2006 konnte nicht rekonstru-
iert werden. Es wurden des-
halb zwei neue Messpunkte
im Keller hergestellt, um eine
annähernde Vergleichbarkeit
zwischen den Messungen
2006 und 2012 zu erreichen
4
EF Haus
Müglitz, OT
Maxen
4
MP
11
MP
12
MP
13
MP
14
5 EF-Haus
Olbersdorf
4
MP1 MP2 MP3 MP4 MP5
6 EF-Haus
Oederan
5
MP
11
MP
12
MP
13
MP
14
MP
15
Das Haus ist in Hanglage
errichtet. Dadurch entwickelt
sich das Erdgeschoss in dem
hinteren Gebäudeteil zum
Keller
Erläuterungen zur Tabelle:
MP von Erstmessung 2011/12
Erstmessung 2006; Wiederholungsmessung 2011/12 am gleichem MP
Erstmessung 2006; Wiederholungsmessung 2011/12 im gleichen Raum,
aber nicht an gleichem MP
Messpunkte, die in der Auswertung (Tabelle 4) aufgenommen sind
In der folgenden Tabelle 4 sind die in die weitere Auswertung einbezogenen Messergebnisse
zusammengestellt. Im Wesentlichen betrifft das die Messpunkte aus Räumen, die direkt an das Erdreich
angrenzen.

Brauchen wir für Neubauten Messungen der Bodenradonkonzentration?
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Tab. 4:
Zusammenstellung ausgewählter Messergebnisse
Lfd
Nr.
Bezeich-
nung
Messung 2012/13
Vergl.
Mesg.
2006
Bemerkungen
MP
Lage des MP
Mess-
gerät
Mess-
dauer
Mess-
zeitraum
Mess-
ergebnis
(Durch-
schnitts-
wert)
Bq/m³ Bq/m³
1 EF-Haus
Hänichen
1
KG Heizung
HA
AG 10 Tage 8/11
57
Insgesamt 6
Durchführungen
durch Außenwand
und Bodenplatte
RSc 8 Tage 8/11
84
Dm 7,5 Mon 8/11-4/12
40
2
KG Garage AG 10 Tage 8/11
51
Keine Durchfüh-
Dm 7,5 Mon 8/11-4/12
30
rungen in der BPl
2 EF Haus
Pester-
witz
1
KG Keller-
raum
AG 14 Tage 8/11-9/11
40
Dm 6 Mon 9/11-4/12
23
2
KG Heizung Dm 6 Mon 9/11-4/12
10 (!)
3
KG Hobbyr. RSc 14 Tage 8/11-9/11
82
Dm 6 Mon 9/11-4/12
48
3 EF-Haus
Bad
Elster
11
KG Heizung Dm 7,5 Mon 8/11-4/12
720
ca.
2.000
(MP
1)
MP 11 und 12
(2011/12) stimmen
mit MP 1 nicht exakt
überein, sind aber
beide im nicht
abgedichteten Keller
angeordnet
12
KG Gäste-
zimmer
Dm 7,5 Mon 8/11-4/12
590
13
EG Küche RSc 10 Tage 8/11-9/11
82 53
(MP
2)
Diese Messung wird
mit in die Tabelle
aufgenommen, um
nachzuweisen, dass
in den OG eine
dichte Gebäudehülle
vorliegt.
Dm 7,5 Mon 8/11-4/12
32
4
EF Haus
Müglitz,
OT
Maxen
11
KG HA RSc 20 Tage 8/11-9/11
181
49
Die Veränderung des
Ergebnisses
zwischen 2006 und
2012 ist signifikant
und sollte weiter
beobachtet werden!
12
Dm 7,5 Mon 8/11-4/12
230
5 EF-Haus
Olbers-
dorf
1
KG Vorrats-
keller
Dm 6 Mon 9/11-4/12
2800
nicht abgedichteter
Keller
2
KG Heizung RSc 13 Tage 9/11
2225
Dm 6 Mon 9/11-4/12
2400
6 EF-Haus
Oederan
11 EG /
KG
Vorrats-
keller
RSc 18 Tage 9/11
67 105
Dm 8 Mon 9/11-5/12
74
12 EG /
KG
Heizung RSc 18 Tage 9/11
82 124
Dm 8 Mon 9/11-5/12
56
13 EG /
KG
Ein-
gangs-
bereich
mit
Hausan-
schlüs-
sen
RSc 18 Tage 9/11
1100
436
Die hohen Werte aus
der Messung 2006
haben sich 2011
bestätigt. Verursacht
sind diese vermutlich
durch Undichtheiten
in den Wanddurch-
führungen (Sniffing-
messungen
erforderlich
Dm 8 Mon 9/11-5/12
450
Erläuterung der in Tabelle und gewählten Abkürzungen:
EF-Haus: Einfamilienhaus MP: Messpunkt
KG: Kellergeschoss AG: AlphaGuard
EG: Erdgeschoss RSc. Radonscout
HA: Hausanschlussraum Dm: Dosimeter
BPl: Bodenplatte
St-beton: Stahlbeton

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 24. Sept. 2013
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Seite 45
4
Bewertung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen
4.1 Bodenradonmessungen
Die bereits in mehreren Beiträgen thematisierten großen Schwankungen in den Bodenradonmessungen
(z.B. [11] und [12]) sind durch die hier vorgestellten ergänzenden Messungen bestätigt worden.
Unterschiede zwischen den Messungen auf einem relativ kleinen Grundstück von 370% sind zwar
erklärbar (s. Abschnitt 2), machen aber die Messungen als Grundlage für baupraktische
Entscheidungen wertlos. Dabei ist noch einmal darauf zu verweisen, dass in diesen Werten tages- und
jahreszeitliche Schwankungen sowie der Einfluss unterschiedlicher Messtiefen noch nicht einmal
erfasst sind und somit, wie in [11] nachgewiesen, die Schwankungen auf einem Baugrundstück leicht
den Faktor 10 erreichen können! Bodenradonmessungen als Einzelmessungen in einem Meter Tiefe
führen deshalb zu vollkommen unsicheren Ergebnissen. Zugespitzt kann gesagt werden, dass die
Erwartungswerte der Bodenradonkarte – wenn sie denn genügend stark differenziert sind – die
Vorhersage der tatsächlichen Belastungen mit keiner größeren Ungenauigkeit angibt, als durch
Einzelmessungen erreicht (s. die in Tabelle 2 vergleichsweise aufgenommenen Erwartungswerte der
Sächsischen Radonkarte)!
4.2 Zusammenhang zwischen Bodenradonkonzentration, baulicher Lösung
und der Radonkonzentration in den an das Erdreich grenzenden Räumen
Die Messergebnisse können wie folgt gruppiert werden (s. Tabelle 5):
Gebäude, die nach den heute allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik errichtet worden
sind und gute Bauqualität aufweisen.
In allen untersuchten Häusern sind keine besonderen
zusätzlichen Radonschutzmaßnahmen angewendet worden!
Lfd. Nr. 1: Einfamilienhaus in Hänichen
Lfd. Nr. 2: Einfamilienhaus in Pesterwitz
Lfd. Nr. 3: Einfamilienhaus in Bad Elster (gilt nur für die gedämmte Gebäudehülle ab
Erdgeschoss)
Lfd. Nr. 4: Einfamilienhaus in Müglitz, OT Maxen
Gebäude, die nach heute allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik geplant sind, aber die
Bauqualität nicht ausreichend ist oder aber gravierende Planungsfehler zu bemängeln sind.
Lfd. Nr. 6: Einfamilienhaus in Oederan
Altbauten, die (noch) nicht nach den heute allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik
abgedichtet sind oder Gebäude mit extrem schlechter Bauqualität bezüglich der Dichtheit der
Gebäudehülle:
Lfd. Nr. 3: Einfamilienhaus in Bad Elster (gesamter Keller)
Lfd. Nr. 5: Einfamilienhaus in Olbersdorf
Die Messergebnisse (s. Tab 5) bestätigen eine klare Aussage: Gebäude, die nach den heute allgemein
anerkannten Regeln der Bautechnik und dabei unter Einhaltung einer hohe Bauqualität errichtet worden
sind, können unabhängig von der Radonkonzentration in der Bodenluft als radonsicher gelten – lediglich
extreme Verhältnisse erfordern ggf. besondere zusätzliche Schutzmaßnahmen. Es soll hier noch einmal
betont werden, dass in allen untersuchten Gebäuden keine besonderen baulichen
Radonschutzmaßnahmen, wie der Einbau sogenannter „Radonfolien“ oder spezieller
Belüftungssysteme, angewendet worden sind.

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Tab. 5:
Auswertung der Messergebnisse
Lfd
Nr.
Bezeich-
nung
Maximal
gemessener Wert
der Bodenradon-
konzentration
Radonkonzentration
in den an das
Erdreich grenzen-
den Räumen
Einschätzung und Bewertung
kBq/m³ Bq/m³
1
EF-Haus
Hänichen
111
30 bis 84
Die Messergebnisse weisen auf eine sehr dichte
Gebäudehülle hin. Das trifft erfreulicher Weise auch auf
den Hausanschlussraum zu, trotz insgesamt sechs
Rohrdurchführung durch die Gebäudehülle
Die Werte der Radonkonzentration in der Raumluft
der Kellerräume liegen deutlich unter allen Referenz-
und Empfehlungswerten.
2 EF Haus
Pester-
witz
77
23 bis 82
3 EF-Haus
Bad Elster
121
32 bis 82
Die gedämmte Gebäudehülle (Erd- und Obergeschoss)
kann – schon auf Grund des Zertifikats als Passivhaus –
als dicht eingeschätzt werden.
Die Werte der Radonkonzentration in der Raumluft
der genutzten Räume im Erd- und Obergeschoss
liegen deutlich unter allen Referenz- und
Empfehlungs-werten.
4
EF Haus
Müglitz,
OT Maxen
136 49
Messung
2006
Beachtenswert ist, dass sich die Werte
zwischen den Messungen 2006 und 2011/12
deutlich verschlechtert haben. Das deutet
darauf hin, dass sich Veränderungen in der
Gebäudehülle ausgeprägt haben. Es sollten
deshalb weitere Beobachtungen und ggf.
ergänzende Sniffing-Messungen durchgeführt
werden.
Trotz der Verschlechterung der
Ergebnisse zwischen den beiden
Messungen sind – auch unter
Berücksichtigung, dass die Messpunkte
in nicht bewohnten Kellerräumen liegen
– (noch) keine Gefährdungen gegeben.
Der Referenzwert von 300 Bq/m³ wird
nicht überschritten.
181 bis 230
Messung
2011/12
6 EF-Haus
Oederan
139 436
Messung
2006
Die Werte sind im Eingangsbereich, in dem
gleichzeitig die Medieneinführung liegt,
gemessen worden. In allen weiteren
Räumen des Gebäudes sind deutlich
niedrigere Werte gemessen worden
(Passivhaus!).
Die Ergebnisse deuten auf eine sehr
schlechte Abdichtung der
Medieneinführungen hin. Bedenklich ist
zudem, dass sich die Werte zwischen
den beiden Messperioden noch einmal
verschlechtert haben.
450 bis 1.100
Messung
2011/12
3 EF-Haus
Bad Elster
121 2000
Messung
2006
In diesem Haus ist offensichtlich der
Neubau auf einen vorhandenen Keller
gesetzt worden, der nicht mit abgedichtet
worden ist.
Die hohen Werte sind für einen Keller an
sich unproblematisch. Allerdings wird
hier ein Keller als Gästezimmer genutzt,
für den die gemessenen Werte zu hoch
sind
.
590 bis 720
Messung
2011/12
5 EF-Haus
Olbers-
dorf
37 2.225 bis
2.800
Obwohl hier die niedrigsten Bodenradonwerte vorhanden
sind, ergeben sich in den Kellerräumen die absolut
höchsten Radonkonzentrationen! Hier liegt ein typisches
Ergebnis für ein nichtgedämmtes und in alter Bautechnik
errichtetes Gebäude vor!
Die Werte sind – auch unter Berücksichtigung, dass
diese in einem Kellerraum gemessen wurden – deut-
lich zu hoch. Die – in diesem Beitrag nicht veröffent-
lichten - Messergebnisse in den bewohnten Räumen
weisen ebenfalls deutlich zu hohe Messwerte auf
(850 bis 1.200 Bq/m³). Das deutet darauf hin, dass die
hohe Kellerbelastung auf das weitere Gebäude
„ausstrahlt“

Walter-Reinhold Uhlig
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4.3 Schlussfolgerungen und das Prinzip „Gürtel und Hosenträger“
Die Ergebnisse der Messungen sowie viele weitere durchgeführte Untersuchungen zeigen zweierlei:
1. Unabhängig von der Radonkonzentration in der Bodenluft können mit den heutigen baulichen
Sandartlösungen radondichte Gebäude errichtet werden, und zwar zumeist ohne Einbau
sogenannter „Radonfolien“ oder weiterer spezieller Schutzmaßnahmen.
2.
Das Problem liegt in der bekannten Tatsache, dass in vielen Fällen die Bauqualität zu wünschen
übrig lässt. Vor allen Dingen werden Anschlüsse zwischen verschiedenen Bauteilen, z.B.
zwischen Wand und Bodenplatte oder – noch kritischer - zwischen Wand/Bodenplatte und
Durchführungen, nicht dauerhaft (!) luftdicht ausgeführt. Hinsichtlich der Radondichtheit kommt
verschärfend hinzu, dass das Wissen um Radon unter den Bauingenieuren und Architekten
immer noch nicht flächendeckend verbreitet ist. Und da man bekanntermaßen Radon nicht
riecht und schmeckt und die gesundheitlichen Schäden erst nach vielen Jahren auftreten, wird
auf die Radondichtheit häufig weder in der Planung noch der Bauausführung geachtet
.
Es kann also geschlussfolgert werden, dass im Neubau der Radonschutz bei qualitätsgerechter
Bauausführung erreicht wird.
Wozu dann noch Bodenradonmessungen? Sie sind schlicht und einfach überflüssig für
Planungsentscheidungen
!
Größere Aufmerksamkeit auf die Bauqualität gelegt und das Wissen, worauf es ankommt, um eine
genügend luftdichte Gebäudehülle zu schaffen, allen Bauschaffenden vermittelt, sind ausreichend – und
kosten keinen Cent mehr!
Und wenn es dann doch irgendeinmal schief gegangen ist und die Nachmessungen im Gebäude zeigen,
dass radonhaltige Bodenluft in das Gebäude eindringt, demnach an irgendeiner Stelle die Dichtheit der
Gebäudehülle nicht gewährleistet ist? Dann kommt das Prinzip „Gürtel und Hosenträger“ zur
Anwendung, was nichts anderes heißt, das eine zweite Sicherheitsstufe während der Bauphase
integriert wird, die erst dann aktiviert werden muss, wenn die Messung der Radonkonzentration in der
Raumluft, die nach dem Bauabschluss unbedingt durchgeführt werden sollte, ein unbefriedigendes
Ergebnis erbringt. Wie kann diese aussehen? Zum Beispiel, indem in die Sauberkeitsschicht unterhalb
der Bodenplatte eine Flächendränage eingelegt wird, noch ohne Anschluss an eine Entlüftungsleitung,
sozusagen wie eine Trockenleitung. Erst wenn die Raumluftmessungen eine Überschreitung der
Richtwerte oder sonstiger vereinbarter Zielwerte ergeben, wird diese Flächendränage durch Anschluss
an ein Entlüftungssystem aktiviert. Die Mehrkosten liegen für ein Einfamilienhaus nach vorsichtiger
Schätzung deutlich unter 500 Euro und damit im Promillebereich! Statt einer Dränage können übrigens
auch Hohlkörper, wie sie in einem weiteren Vortrag der heutigen Tagung vorgestellt werden, in die
Bodenplatte eingebaut und mit der Außenluft verbunden werden.

Brauchen wir für Neubauten Messungen der Bodenradonkonzentration?
Seite 48
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
5 Literaturverzeichnis
[1] Weißflog, Frank, Andreas Majewski, Rene Rother: Projektarbeit – Radonmessungen in
sächsischen Einfamilienhäusern, HTW Dresden 2012 (nicht veröffentlicht)
[2] de.wikipedia.org/wiki/Radonmessung
[3]
www.bfs.de/de/ion/radon/radon_boden/bodenluft.html
Radonausbreitung im Boden
[4]
www.tlug-jena.de;
Messung der Radonkonzentration in der Bodenluft
[5]
www.parlament.gv.at/PAKT/VHG/XXI/AB/AB.../daten_000000.doc
[6]
http://www.kemski-bonn.de:
Informationen zum Thema Radon- Baugrundberatung
[7] Bergmann, Frank: Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern, Diplomarbeit HTW
Dresden, 2006
[8] DIN EN 206-1/DIN 1045-2: Tragwerke aus Beton, Stahlbeton und Spannbeton; …(Die
Kombination der beiden DIN-Normen weist darauf hin, dass die Bezeichnung der Betongüten
nach DIN 1045-2 durch die DIN EN 206-1 ergänzt und erweitert worden ist.)
[9]
DIN 18195: Bauwerksabdichtungen
[10] DIN 4095: Baugrund; Dränung zum Schutz baulicher Anlagen; Planung, Bemessung und
Ausführung (1990-06)
[11] Uhlig, Walter-Reinhold: Umsetzung neuer Radonschutzziele in der Baupraxis; Tagungsband 5.
Sächsischer Radontag, Dresden 2011
[12] Uhlig, Walter-Reinhold: Radon in Gebäuden – eine unterschätzte Gefahr!, Deutsches
Ingenieurblatt 5/2013

 
Johannes Haid
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 49
DAS RADONPROGRAMM DER U.S. ARMY IN EUROPA
THE RADON PROGRAM OF THE U.S. ARMY IN EUROPE
Johannes Haid
United States Army Garrison (USAG) Rheinland-Pfalz, Kaiserslautern
Zusammenfassung
Die U.S. Army in Europa umfasst aktuell neun Militärgemeinden in Süddeutschland. Die jeweiligen
Umweltabteilungen
der
örtlichen
Liegenschaftsverwaltungen
sind
für
die
sichere
und
gesundheitsgerechte Gestaltung des Lebens- und Arbeitsumfeldes der Soldaten und die Einhaltung
rechtsverbindlicher Umweltschutzstandards zuständig.
Ausgangspunkt und regulativer Rahmen des Radonprogramms der Army ist der Indoor Radon
Abatement Act (IRAA) von 1988. Als nationaler Interventionswert wird seitens der U.S. Environmental
Protection Agency (EPA) eine Radon-Raumluftkonzentration von 4 pCi/L (148 Bq/m
3
) empfohlen.
Entsprechend der Nutzungssensibilität sind die Gebäude der Army auf Radon zu untersuchen und
Sanierungsdringlichkeiten anhand verschiedener Referenzwerte abzuleiten.
Radon-Raumluftmessungen am Standort Heidelberg ergaben teilweise signifikant erhöhte
Konzentrationen, die die Installation von Sanierungsanlagen in zahlreichen Wohngebäuden nach sich
zog. Der gewählte Untersuchungsstandort verdeutlicht, dass es keines besonders hohen geogenen
Potenzials bedarf, um zum Teil deutlich erhöhte Raumluftbelastungen zu konstatieren.
Die Einflüsse unterschiedlicher energetischer Sanierungsmaßnahmen auf die Radon-Raumluftgehalte
werden künftig verstärkt in den Fokus gelangen.
Summary
The United States Army in Europe includes currently seven military communities in South Germany.
The mission of the Directorate of Public Works – Environmental Divisions is to provide a safe and
healthy working and living environment for the soldiers and ensure compliance with environmental
regulations.
Starting point and regulatory framework of the Army’s radon reduction program is the Indoor Radon
Abatement Act (IRAA) of 1988. The U.S. Environmental Protection Agency (EPA) recommends that
indoor radon does not exceed the action value of 4 pCi/L (148 Bq/m3). Buildings on Army installations
are prioritized for radon testing based on sensitivity of site use. Radon testing results trigger mitigation
urgency in accordance with various action levels.
Indoor radon monitoring in the military community of Heidelberg showed partially significantly elevated
concentrations followed by the installation of mitigation units in numerous buildings. The presented
investigation site showed clearly that high radon concentrations in soil gas are definitely not
necessarily required for elevated indoor concentrations.
Focus of future studies will be on correlation between energy saving measures and indoor radon
contents.

Das Radonprogramm der U.S. Army in Europa
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
1
Militär und Umweltschutz
1.1 United States Army in Europa
Nachdem am 30. März 1945 die ersten amerikanischen Truppen in Heidelberg einmarschierten und
die Stadt kampflos übergeben wurde, erfolgte in der Folgezeit zügig eine Verlegung von U.S.
Militärverbänden in die Stadt am Neckar.
Das Hauptquartier der U.S. Landstreitkräfte in Europa zog ab 1948 in die Campbell Barracks (vormals
Großdeutschland-Kaserne) in Heidelberg um und wurde am 1. August 1952 offiziell in United States
Army, Europe – USAREUR (U.S Armee in Europa) umbenannt [1].
USAREUR stellt das U.S. Heereskommando in Europa dar und gewährleistet zusammen mit dem
übergeordneten European Command – EUCOM (Kommando aller U.S. Streitkräfte in Europa) die US-
amerikanische Unterstützung der europäischen Verbündeten innerhalb der NATO. Seit knapp sieben
Jahrzehnten werden von USAREUR US- und NATO-Operationen (z.B. im Irak und in Afghanistan)
unterstützt.
Während die Militärpräsenz der U.S. Landstreitkräfte 1989 noch etwa 213.000 Soldaten, stationiert in
41 Garnisonen mit etwa 850 Liegenschaften vorallem in der BRD umfasste, stellte das Ende des
Kalten Krieges mit dem Fall der Mauer und dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine essenzielle
Zäsur dar [2].
Der nachfolgende Transformationsprozess von USAREUR resultierte in einer grundsätzlichen
geopolitisch-strategischen Neuausrichtung, verbunden mit zahlreichen Standortschließungen.
Derzeit bestehen U.S. Army Garnisonen (U.S. Army Garrisons – USAG) in Hessen (Wiesbaden),
Rheinland-Pfalz (Kaiserslautern und Baumholder), Baden-Württemberg (Stuttgart und noch
Heidelberg) sowie Bayern (u.a. Grafenwöhr und Ansbach).
Für den Zeithorizont 2015-2017 kann ein Restkontingent von etwa 30.000 Soldaten angenommen
werden, die an sieben Standorten (davon fünf in der BRD) mit ca. 90 Liegenschaften stationiert sein
werden. Das USAREUR Hauptquartier wird dann bereits seit 2013 nach Wiesbaden verlegt worden
sein.
1.2 U.S. Umweltprogramm Vorbereitung
Eine U.S. Army Garrison stellt die örtliche Militärgemeinde dar, die Soldaten und Familienangehörige
sowie unmittelbar bei der Militärverwaltung der Gaststreitkräfte Angestellte umfasst.
Die Verwaltung der Einrichtungen und Gebäude einer solchen Militärgemeinde obliegt der
Liegenschaftsverwaltung. Teil dieser Administration ist die jeweilige lokale Umweltabteilung, die für
Implementierung des Umweltprogramms und Überwachung von dessen Einhaltung innerhalb des
Militärstandorts verantwortlich ist.
Prämisse ist hierbei die sichere und gesundheitsgerechte Gestaltung des Lebens- und
Arbeitsumfeldes von Soldaten, deren Familienangehörigen sowie von bei den Streitkräften
angestellten Zivilisten und die Einhaltung rechtsverbindlicher Umweltschutzstandards.
Die wichtigsten Themengebiete des U.S. Umweltprogrammes sind Boden- und Grundwasserschutz,
Luftreinhaltung,
Abfallwirtschaft/Recycling,
Gefahrstoff-/Sonderabfall-Management,
Lärmschutz,
Gebäudeschadstoffe sowie Naturschutz. Im Kontext mit Gebäudeschadstoffen ist hier auch das
Thema Radon zu diskutieren, wenngleich Radon kein Schadstoff im klassischen Sinne, sondern eine
gesundheitsrelevante Substanz in der Raumluft darstellt. Das Radonprogramm ist somit Teil des U.S.
Umweltprogramms.

Johannes Haid
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 51
Rechtsgrundlage für den Aufenthalt der Gaststreitkräfte ist das zwischen den NATO-Mitgliedstaaten
geschlossene NATO Truppenstatut (NATO Status of Forces Agreement – NATO SOFA) und das
Zusatzabkommen, in dem Rechte und Pflichten der Stationierungsstreitkräfte in der BRD im Detail
geregelt werden [3]. Das Zusatzabkommen wurde als Folge der deutschen Einheit 1993 umfassend
geändert.
In Hinblick auf Umweltstandards ist in diesem Kontext entscheidend, dass für zeitweise oder dauerhaft
in der BRD stationierte Gaststreitkräfte dieselben rechtlichen Bestimmungen und Vorgaben gelten wie
für die Bundeswehr und somit das gesamte geltende Umweltrecht Anwendung findet.
Darüber hinaus finden im Verantwortungsbereich der U.S. Garnisonen die sogenannten Final
Governing Standards (FGS) Anwendung [4]. Hierbei handelt es sich um eine Zusammenstellung der
wichtigsten U.S. amerikanischen, europäischen und deutschen Umweltschutzvorschriften. Grundlage
und Zielsetzung ist der Vergleich und die Anwendung der jeweils stringenteren Standards.
2
Rechtlicher Rahmen des U.S. Radonprogrammes
2.1 Entwicklung des Programms
Ausgangspunkt des U.S. Radonprogramms ist der 1988 in Kraft getretene Indoor Radon Abatement
Act (IRAA), der als Teil des übergeordneten Toxics Substances Control Act (TSCA) verabschiedet
worden war [5].
Dieses Rahmengesetz formuliert das ehrgeizige langfristige Ziel, Radonkonzentrationen in der
Raumluft zu erreichen, die denen der atmosphärischen Luft entsprechen (§ 2661).
Insgesamt wurden $ 45 Mio für Maßnahmen des Radonschutzes auf Bundesebene und auf Level der
Bundesstaaten für die Finanzjahre 1989-1991 freigegeben. Diese Unterstützung umfasste auf Ebene
der Bundesstaaten den Aufbau von Radonprogrammen, die Durchführung von Radonsurveys und
Sanierungsprojekten inklusive der Entwicklung von Standards zum radonsicheren Bauen sowie die
Etablierung von öffentlichen Informationskampagnen.
Weiterhin wurde der Aufbau von Schulungszentren (Regional Training Centers) und eines
Qualifizierungsprogrammes für Fachunternehmen (Proficiency Program) in die Wege geleitet.
Darüber hinaus wurde die Durchführung einer landesweiten Radonuntersuchung sowohl von Schulen
als auch Gebäuden der Bundesbehörden in Risikogebieten verbindlich vorgegeben.
Zudem wurde die nationale Bundes-Umweltbehörde (U.S. Environmental Protection Agency – U.S.
EPA) damit betraut, die nationale Informationsschrift für die U.S. Bevölkerung, den EPA Citizen’s
Guide zu veröffentlichen und je nach Bedarf kontinuierlich zu aktualisieren [6]. Dieser Leitfaden stellt
eine Informationsübersicht für die Bürger dar, enthält Informationen zu Gesundheitsgefahren,
Eintrittswegen
von
Radon
in
Gebäude,
Erkundungstechniken,
Beurteilungsmethoden
und
Sanierungsoptionen.
Der nationale Referenzwert der U.S.
EPA (action
level)
zur Beurteilung gemessener
Radonkonzentrationen in der Raumluft beträgt 4 pCi/L (148 Bq/m
3
). Die Unterschreitung dieses
Wertes wird seitens U.S. EPA empfohlen; es handelt sich jedoch nicht um einen rechtsverbindlichen
Grenzwert.
Die EPA sollte zudem landesweit auf Basis der über 3100 Counties Regionen identifizieren, in denen
mit erhöhten Radonraumluftgehalten zu rechnen ist. Die Gliederung erfolgte in Zone 1 mit
vorraussichtlichen Raumluftkonzentrationen von >4 pCi/L (148 Bq/m
3
), Zone 2 mit 2-4 pCi/L (74-148
Bq/m
3
) und Zone 3 mit <2 pCi/L (<74 Bq/m
3
).
Das Ergebnis dieser landesweiten Kartierung aus dem Jahr 1993 ist in Abbildung 1 wiedergegeben
[7].

image
Das Radonprogramm der U.S. Army in Europa
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Zu betonen ist in diesem Kontext, dass die Radonkarte einer allgemeinen ersten Orientierung und der
weiteren Priorisierung von Untersuchungen und Sanierungen sowie damit verbundener zielgerichteter
Resourcenplanung dient. Grundsätzlich können erhöhte Raumluftkonzentrationen in Gebäuden in
allen Zonen auftreten. Gewissheit schaffen ausschließlich Raumluftmessungen in allen Gebäuden in
allen drei Zonen.
Abb. 1:
Karte der Radon-Zonen in den USA [7]
Als durchschnittliche Radon-Raumluftbelastung werden landesweit 1.3 pCi/L (48 Bq/m
3
), der mittlere
Radongehalt der atmosphärischen Luft mit 0.4 pCi/L (15 Bq/m
3
) angegeben. Da die nationale
Zielsetzung des Gesetzgebers nicht in allen Fällen erreicht werden kann, ist eine Zielkonzentration
von 2-4 pCi/L (74-148 Bq/m
3
) anzustreben.
Kurze Zeit nach Verabschiedung des IRAA veröffentlichte das dem U.S. Verteidigungsministerium
unterstellte Department of the Army (DA) den sogenannten HQDA (Headquarter of the Department of
the Army) Letter 40-88-3, mit dem das Radon-Programm der U.S. Landstreitkräfte (Army Radon
Program) initiiert wurde [8]. Diese Radon-Grundsätze und –Strategien (Radon Policy) der Armee
wurden alsbald durch den USACHPPM (U.S. Army Center for Health Promotion and Preventive
Medicine) Technical Guide (TG) No. 164 ersetzt, in dem nunmehr das Radonprogramm der U.S. Army
im Detail beschrieben wurde und der den Standortkomandeuren helfen sollte, das Programm
erfolgreich zu etablieren [9].
Dieser technische Leitfaden griff den Referenwert der U.S. EPA von 4 pCi/L auf, bei dessen
Überschreitung Gegenmaßnahmen in die Wege zu leiten sind.
Der Gebäudebestand der Landstreitkräfte im In- und Ausland war auf Radon-Innenraumbelastungen
zu untersuchen. Bei der Untersuchung etwaiger Radonbelastungen und gegebenenfalls notwendigen
Sanierungsmaßnahmen ist dabei abgestuft nach 3 Prioritäten vorzugehen:
Zunächst sind besonders sensible Nutzungen wie Kindergärten, Krankenhäuser, Schulen,
Wohngebäude und Truppenunterkünfte (Priorität 1), danach militärische Einrichtungen im 24-Stunden-
Betrieb (Priorität 2) sowie nachgeschaltet alle übrigen regelmäßig benutzten Gebäude zu betrachten.

Johannes Haid
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 53
Messort innerhalb vorgenannter Gebäude ist dabei im Sinne eines Worst-Case-Scenarios die so
genannte Lowest Living Area – LLA. Dieser tiefstgelegene Wohnbereich wird in einer U.S. Army-
internen Richtlinie zur Durchführung von Radonmessungen näher definiert [10]:
Bei nicht unterkellerten Gebäuden ist die LLA das Erdgeschoss. Bei unterkellerten Bauwerken das
Stockwerk, das über einen Bodenabschluss bzw. eine -versiegelung (z.B. Betonbodenplatte) verfügt
und das als Wohnbereich genutzt wird oder genutzt werden könnte. Dies bedeutet, dass ein nicht
ausgebautes Kellergeschoss, das eine Betonbodenplatte aufweist, sehr wohl als LLA zu betrachten
ist, auch wenn der Gebäudenutzer diesen Raum (noch) nicht nutzt.
Bei Einfamilienhäusern ist ein Radonmonitor pro LLA in einer Raumecke, geschützt vor
Sonneneinstrahlung, Hitze, Durchzug etc. zu platzieren. In Mehrfamilienhäusern, Kindergärten,
Krankenhäuser, Schulen und Truppenunterkünften ist ein Monitor je ca. 200 qm in der LLA
vorzusehen
In
Gebäuden
der
Priorität
1
ist
ein
Screening
über
90
Tage
durchzuführen.
Das
Untersuchungsergebnis ist anhand der in Tabelle 1 dargestellten Referenzwerte zu beurteilen.
Tab 1:
Dringlichkeit von Radon-Sanierungen gemäß U.S. DA PAM 200-1 [11] (Eigene Darstellung)
Radon
in pCi/L
Radon
in Bq/m
3
Erforderliche
Maßnahmen
<4
<148
Keine
≥4 bis <8
≥148 bis <296
Sanierung innerhalb von 5 Jahren
≥8 bis <20
≥296 bis <740
Sanierung innerhalb von 1-4 Jahren
20 bis <200
≥740 bis <7400
Sanierung innerhalb von 6 Monaten
≥200
≥7400
Sanierung innerhalb von 1 Monat oder Auszug Nutzer
Beträgt die Radon-Raumluftkonzentration ≥200 pC/L (≥7400 Bq/m
3
) bzw. ≥20 pC/L (≥740 Bq/m
3
) sind
Sanierungsmaßnahmen innerhalb von 1 bzw. 6 Monat(en) zu veranlassen.
Bei Radonkonzentrationen ≥4 pC/L (≥148 Bq/m
3
) ist ein Langzeit-Monitoring über ein Jahr
durchzuführen und dann eine Beurteilung der Radongehalte und etwaiger Sanierungsdringlichkeiten
anhand der Richtwerte vorzunehmen.
2.2 Aktuelle Problematik
Im Jahr 1990 wurde die Army Regulation (AR) 200-1, Environmental Protection and Enhancement
veröffentlicht [12]. Das Army Radon Reduction Program (ARRP) war nun zusammen mit anderen
Umweltschutzthemen in einer U.S. Armee-internen Vorschrift verbindlich geregelt. Die Inhalte waren
vergleichbar zu vorgenannten Richtlinien. Darüber hinaus gab es jetzt eine zusätzliche Verpflichtung,
alle renovierten und neu errichteten Gebäude zu testen. Während das ARRP in der Überarbeitung der
AR 200-1 aus dem Jahr 1997 [13] übernommen wurde, fand das Radon-Programm in der
Novellierung 2007 fehlerhaft keine Berücksichtigung [14].
Im selben Jahr erfolgte eine Veröffentlichung von Armee-internen Facility Management Vorschriften
[15], die das Thema Radonschutz streifen und ebenso fehlerhaft auf die nunmehr „radonfreie“ AR
200-1 verweisen. Der Fehler pauste sich in der Novellierung 2012 durch [16].
Dieses Dilemma spiegelt sich nun im Arbeitsalltag auf U.S. Liegenschaften wider. Die Radon-
Problematik ist bekannt, die Notwendigkeiten eines Radonprogramms unbestritten. Dennoch sind die
Finanzierungsmöglichkeiten von Untersuchungs- oder Sanierungsmaßnahmen limitiert, da aktuell
keine rechtsverbindliche Grundlage als starkes Argument bzw. Projektrechtfertigung herangezogen
werden kann.

Das Radonprogramm der U.S. Army in Europa
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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Gegenwärtig wird aus diesem Grund an einem neuen Entwurf eines Army-internen Radonprogramms
gearbeitet [17].
3
U.S. Radon Aktionsplan
Auf ziviler Ebene stellt sich die Problematik vergleichbar dar:
Der Indoor Radon Abatement Act (IRAA) von 1988 stellt lediglich einen rechtlichen Rahmen mit
ambitionierter nationaler Zielsetzung dar, innerhalb dessen ein nationales Radonprogramm unter
Federführung der U.S. EPA aufgebaut werden sollte.
Die EPA hat zahlreiche Aktivitäten in den vergangenen Jahren initiiert, die allesamt den Charakter von
Richtlinien
und
Empfehlungen
aufweisen,
nicht
jedoch
rechtsverbindliche,
einklagbare
Bundesvorschriften (no enforceable Federal regulations) darstellen.
Verbindliche Grenzwerte existieren bislang lediglich im Arbeitsschutz [18]. Der aktuelle OSHA
(Occupational Safety and Health Administration)-Grenzwert beträgt für eine Arbeitswoche von 40
Stunden 100 pC/L (3.700 Bq/m
3
).
Rund zwei Jahrzehnte nach Inkrafttreten des IRAA wird durch das Office of Inspector General der
U.S. EPA kritisch Bilanz gezogen [19]:
Jährlich lassen sich durchschnittlich 21.000 Lungekrebstodesfälle in den USA auf Radon
zurückführen. Dies entspricht einem Anteil von 10-14% aller Lungenkrebstodesfälle. Weiterhin ist das
langfristige Ziel von Radon-Raumluftkonzentrationen, die denen der Außenluft entsprechen, in weiter
Ferne.
Gesetzte Ziele der EPA und Realitäten im Bauwesen differieren nach wie vor erheblich. So sind
lediglich 7% aller zwischen 2001 und 2005 neu errichteten Einfamilienhäuser radonsicher ausgeführt
(radon-resistant new construction – RRNC techniques). Im Gebäudebestand beträgt der Anteil sogar
weniger als 3%.
Die Entwicklung im Bauwesen zeigt geradezu eine Verschärfung des Radonproblems auf, da sich die
Schere zwischen der Gesamtzahl von Gebäuden und dem Anteil radonsicher ausgeführter Bauten
weiter öffnet.
Vor diesem Hintergrund werden neue Strategien zur Erreichung des nationalen Ziels empfohlen. Der
Prozess der Zielerreichung sollte dabei – entgegen der Position der EPA als ergebnisoffen angesehen
werden.
Die Vertreter von insgesamt neun U.S. Bundesbehörden darunter u.a. das Innenministerium
(Department of the Interior – DOI), das Ministerium für Wohnungswesen und Stadtentwicklung
(Department of Housing and Urban Development – HUD), das Gesundheits- und Sozialministerium
(Department of Health and Human Services – HHS) sowie auch das Verteidigungsministerium
(Department of Defense - DOD) bündeln schließlich unter Führung der EPA ihre Kräfte zum
Radonschutz. Im Jahr 2011 wird offiziell der bundesweite Radonaktionsplan (Federal Radon Action
Plan) verabschiedet [20]:
Mit der nationalen Agenda „Healthy People 2020“ soll das ambitionierte Ziel erreicht werden,
vermeidbare Radon-induzierte Krebstodesfälle zu eleminieren.
Innerhalb
von
zehn
Jahren
sollen
in
30%
der
Wohngebäude
mit
erhöhten
Radon-
Raumluftkonzentrationen (3,1 Mio Gebäude) Sanierungsanlagen installiert werden. Neubauten in
Gegenden mit hohem Radonrisiko sind grundsätzlich radonsicher auszuführen.
Das Bündnis sieht folgende Hauptprobleme, die strategisch bekämpft werden müssen:
Trotz der wissenschaftlich unbestrittenen Gesundheitsrelevanz von Radon (zweithäufigste Ursache für
Lungenkrebs,
primäre Auslöser einer Lungenkrebserkrankung bei Nichtrauchern) [21] steht die
Problemwahrnehmung in der U.S.-amerikanischen Bevölkerung nach wie vor in einem signifikanten
Missverhältnis.
Ferner
ist
weiten
Teilen
der
Bevölkerungen
unbekannt,
dass
erprobte

Johannes Haid
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 55
Problemlösungen am Markt verfügbar sind. Zudem sind die Sanierungs- bzw. zusätzlichen Baukosten
den Wertsteigerungen bei einem möglichen Wiederverkauf gegenüber zu stellen.
Darüber hinaus deckt das Angebot an kompetenten und zertifizierten Dienstleistern im Radonschutz
nicht den bundesweiten Bedarf.
Als Hauptstrategien zur Zielerreichnung werden die Ausübung der Vorbildfunktion bei Untersuchung
und Sanierung, die Intensivierung der Sensibilisierung der Öffentlichkeit sowie finanzielle
Unterstützungsinitiativen für einkommensschwächere Bürger identifiziert.
Ansatzpunkt ist hierbei, dass die Bundesbehörden direkt (Besitz, Verwaltung) oder indirekt
(Finanzierung) Einfluss auf etwa 7,5 Mio Gebäude (Wohngebäude, Schulen, Kindertagesstätten etc.)
üben und somit auch den Markt für Radonschutz-Dienstleistern positiv beeinflussen können.
Insgesamt haben sich die Bündnispartner auf 33 spezifische Selbstverpflichtungen verständigt, deren
Einhaltung kontinuierlich überprüft und öffentlich kommuniziert wird. Die Bundesbehörden agieren
somit als Katalysator für weitere Radonschutzmaßnahmen sowohl auf Ebene der Bundesstaaten und
lokalem Level, als auch auf Industrieebene und im individuellen privaten Umfeld.
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass bei allen nationalen Anstrengungen das Radonprogramm
weiterhin durch Freiwilligkeit charakterisiert ist.
Die Selbstverpflichtungen des Verteidigungsministeriums sind die Einarbeitung von Radonschutz-
Maßnahmen
(Untersuchungen,
Sanierungen,
radonsicheres
Bauen)
in
Streitkräfte-interne
Baustandards
(Unified
Facility
Criteria
UFC)
[22,
23]
und
die
Durchführung
von
Informationskampagnen
für
das
gesamte
Personal
zur
Kommunikation
von
möglichen
Gesundheitsgefahren und etwaigen Schutzmaßnahmen.
Darüber hinaus sind - sofern bislang noch nicht umgesetzt - in all jenen Gegenden, in denen mit
Raumluftkonzentrationen von ≥4 pC/L (≥148 Bq/m
3
) Radon zu rechnen ist, entsprechende Messungen
durchzuführen und gegebenenfalls Sanierungen in die Wege zu leiten.
4
Beispiel North Patrick Henry Village, Heidelberg
4.1 Standortcharakteristika
Der beispielhaft gewählte Standort stellt den nördlichen Teil des so genannten Patrick-Henry-Village
(PHV) der Militärgemeinde Heidelberg dar.
In diesem Teil der Wohnsiedlung wurden in den 1950er und 1960er Jahren rund 90 freistehende, von
großzügigen Grünflächen umgebene zweigeschossige Einfamilienhäuser für Soldaten höherer Ränge
(Offiziersgebäude) errichtet. Der zentrale Gebäudebereich ist voll unterkellert, während die peripheren
Bereiche Kriechkeller aufweisen, in denen Versorgungsleitungen verlaufen und die über Wandklappen
aus Metall zu erreichen sind. Die voll ausgebauten Kellerräume werden als Waschküche und
Lagerraum genutzt; zum Teil jedoch auch als Arbeitszimmer oder Freizeit- und Hobbyraum genutzt.
Aus geologischer Sicht befindet sich der Standort im nördlichen Oberrheingraben mit bis zu 4000 m
mächtigen tertiären und quartären Sedimenten (Kiese, Sande, Tone, Mergel). Im Bereich der Altstadt
Heidelbergs verlässt der Neckar den östlich angrenzenden Odenwald und tritt in den Oberrheingraben
ein. Hier hat der Fluss einen mächtigen Schwemmkegel mit vielen ehemaligen Flussläufen
ausgebildet.
PHV liegt im Bereich dieses Neckarschwemmkegels, der aus Geschiebematerial des Neckarschotters
(Sande und Kiese bis zu Platten und Blöcken aus Muschelkalk und Buntsandstein) besteht und auf
der teilweise eine Deckschicht aus Löss und Lehm lagert [24].
Aus großräumlicher Perspektive liegt PHV in einer Region, die im Allgemeinen Radonkonzentrationen
in der Bodenluft im Bereich <20 kBq/m
3
aufweist [25].

image
Das Radonprogramm der U.S. Army in Europa
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4.2 Radonuntersuchungen und -sanierungen
Im Jahre 2012 ergaben Bodenluftuntersuchungen, die an 15 Messpunkten in North-PHV in einer Tiefe
von einem Meter durchgeführt wurden, Radonaktivitätskonzentrationen zwischen 10 kBq/m
3
(270
pCi/L) und 38 kBq/m
3
(1027 pCi/L). In den Bohrungen aufgeschlossen wurden sandige Lehme und
lehmige Sande. Ein bestimmtes spezifisches kleinräumiges Verteilungsmuster konnte dabei nicht
festgestellt werden [26].
Erste Radon-Raumluftmessungen wurden in North-PHV 1989 bis 1992 durchgeführt. Es wurden in
fast allen Gebäuden Kurzzeit- und Langzeitmessungen sowohl im Kellergeschoss, als auch im
Erdgeschoss und vereinzelt im Obergeschoss durchgeführt.
Hier dargestellt werden nur die im Keller ermittelten Spitzenwerte der Langzeitmessungen über ein
Jahr.
In fast allen Gebäuden wurde der auf U.S. Militärliegenschaften anzuwendende niedrigste
Referenzwert von 4 pCi/L bzw. 148 Bq/m
3
überschritten [27].
Die meisten Werte fallen dabei in die Klassen 8 bis <20 pCi/L (296 bis <740 Bq/m
3
) sowie 20 bis <200
pCi/L (740 bis <7400 Bq/m
3
) bei Spitzenwerten von knapp 40 pCi/L (1480 Bq/m
3
) (siehe Abb. 2).
Hieraus wurden Sanierungsdringlichkeiten von 1-4 Jahren für 30 Gebäude und 6 Monaten für 26
Gebäude abgeleitet.
Abb. 2:
Radon-Raumluftkonzentrationen 1989-92 versus 2009-11 in North-PHV (Eigene Darstellung)
In den Folgejahren wurden 80 Gebäude in North-PHV mit Sanierungsanlagen ausgestattet. Anfänglich
waren dies Radonabsauganlagen (negative pressure); später wurden zunehmend Überdruckanlagen
(positive pressure) installiert. Eine umfangreiche Messkampagne folgte zwischen 2009 und 2011.
In Abb. 2 sind nur 64 der 80 Gebäude mit Sanierungsanlagen aufgeführt, da aus Vergleichsgründen
nur Gebäude aufgenommen wurden, die in beiden Zeitzyklen untersucht wurden.
<4 [pCi/L]
≥4 bis <8
[pCi/L]
≥8 bis <20
[pCi/L]
20 bis <200
[pCi/L]
≥200
[pCi/L]
Anzahl der Gebäude (2009-11)
48
14
2
0
0
Anzahl der Gebäude (1989-92)
0
8
30
26
0
Radon-Raumluftkonzentrationen 1992 versus 2011

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Wurden im Zuge der Basismessungen Radongehalte von durchschnittlich 16,7 pCi/L (618 Bq/m
3
)
ermittelt, zeigten die Messungen 2009-2011 im Durchschnitt Konzentrationen von 3,1 pCi/L (115
Bq/m
3
). Mit dem Betrieb der Sanierungsanlagen konnten somit die Radongehalte in der Raumluft im
Mittel erfolgreich auf ein Niveau unterhalb des U.S. amerikanischen Interventionswertes von 4 pCi/L
bzw. 148 Bq/m
3
gebracht werden. Im Schnitt konnten die Radon-Raumluftgehalte um ca. 80% im
Vergleich zur Ausgangslage reduziert werden.
Eine Abhängigkeit der durchschnittlichen Radonkonzentrationsverringering von der Art der Sanierung
konnte nicht festgestellt werden.
Anfang der 1990er Jahre wurden in North-PHV insbesondere Absauganlagen installiert. Angesichts
der laufenden Gebäudenutzung wurden Anlagen eingebaut, bei denen im zentralen Kellerbereich
unterhalb der Bodenplatte punktuell Bodenluft abgesaugt und oberhalb der Traufe in die Atmosphäre
abgeführt wird.
Ab 2000 wurden am Untersuchungsstandort zunehmend Überdruckanlagen installiert. Durch Anlegen
eines konstanten Überdrucks wird verhindert, dass radonhaltige Bodenluft in das Bauwerk eindringt.
Dabei wird im Außenbereich ein Schacht ausgehoben, in dem die Lüftungstechnik installiert wird.
Mittels Ventilator wird atmosphärische Luft über ein Ansaugrohr und einen Schmutzpartikelfilter in den
zentralen Kellerbereich eingeblasen, wodurch dort ein leichter Überdruck entsteht.
Diese Sanierungsvariante wurde zunehmend bevorzugt, da die Störungen der Gebäudenutzer
geringer ausfallen (kein Öffnen der Bodenplatte etc.) und auch aus psychologischer Sicht als
„eleganter“ wahrgenommen wurde (kein Ansaugen von Radon aus der Umgebung).
Im Jahr 2010 wurde exemplarisch in einem Gebäude ein Blower-Door-Test durchgeführt, um ein
exakteres Bild der Dichtheit der Gebäudehülle sowie möglicher Radon-Eintrittspfade und
Migrationswege zu erhalten [28].
Nach Außerbetriebnahme der Sanierungsanlage und Anlegen eines konstanten Unterdrucks ergaben
Messungen im Bereich von nicht dicht schließend ausgeführten Öffnungen der Gebäudehülle
signifikant erhöhte Konzentrationen. Als Haupteintrittspfade konnten die Abdeckung des
Revisionsschachtes in der Bodenplatte und Leitungsdurchführungen in erdberührten Kellerwänden
identifiziert werden. Sekundärquellen stellen die nicht gasdicht schließenden Wandklappen zu den
Kriechkellern dar. Weitere Wegsamkeiten innerhalb des Gebäudes bestehen z.B. im Bereich der
Boden-Wand-Anschlüsse und Mediendurchführungen.
Als Konsequenz des Blower-Door-Tests wurde in der Folgezeit begonnen, die Gebäude bei
wirtschaftlich vertretbarem Auswand abzudichten. Der Schwerpunkt lag auf Maßnahmen zur
Abdichtung von Öffnungen von Bauteilen, die im Kontakt mit dem Erdreich stehen (Risse,
Abdeckungen, Durchführungen von Leitungen für Wasser, Heizung, Strom, etc.) oder solchen, die den
Anschluss zu Kriechkellern darstellen (Wandklappen).
Systematische Kontrollen sind notwendig, um den nachhaltigen Erfolg der Schutzmaßnahmen zu
gewährleisten. Diese Erfolgskontrollen umfassen das Monitoring der im Dauerbetrieb laufenden
Sanierungsanlagen (Betriebszustand, Überbrüfung der Filteranlagen etc.), die Kontrollen der
Gebäudehülle-Dichtheit sowie periodische Messungen zur Verifizierung der Radon-Raumluftgehalte.
Darüber hinaus wurden begleitende Informationskampagnen innerhalb der Militärgemeinde initiiert, da
der Erfolg des gesamten Radonprogramms auch von Transparenz und Akzeptanz bei den
Gebäudenutzern abhängt.

Das Radonprogramm der U.S. Army in Europa
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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5
Ausblick
In den USA generell sowie auf den Liegenschaften der U.S. Army in Europa wird Radon als
gesundheitsrelevante Substanz wahrgenommen und thematisiert.
Ziel des U.S. Radonprogramms ist das Erreichen von Raumluftkonzentrationen von <4 pC/L (<148
Bq/m
3
).
Wie dargelegt sind dabei erhöhte Raumluftkonzentrationen nicht zwangsläufig auf Regionen mit
erhöhtem Radongehalten in der Bodenluft beschränkt. Die Untersuchungen am Standort North-PHV
zeigen deutlich, dass es keines besonders hohen geogenen Potenzials bedarf, um signifikant erhöhte
Raumluftkonzentrationen zu messen.
Bereits bei niedrigen Radonkonzentrationen in der Bodenluft (um 540 pCi/L bzw. 20 kBq/m
3
oder
weniger) können in Abhängigkeit der Permeabilität des Untergrunds und abhängig von Alter und
Qualität der Gebäudehülle Raumluftkonzentrationen von Radon oberhalb des Referenzwertes
konstatiert werden. Aufschluss über mögliche Radonprobleme können nur Messungen auf lokaler
Ebene geben.
Entscheidungsträger auf den unterschiedlichen internen Verwaltungsebenen als auch Gebäudenutzer
sind diesbezüglich zu sensibilisieren.
Durch vergleichsweise einfache technische Maßnahmen im Gebäudebestand (z.B. Überdruckhaltung
und Abdichtung erdberührter Bauteile) kann eine erhebliche Reduzierung der Radonkonzentrationen
erreicht werden.
Im Widerspruch zur gesundheitlichen Relevanz, die sich nicht zuletzt im Federal Radon Action Plan
wiederspiegelt, besteht auf der Managementebene der Liegenschaften der U.S. Army aktuell das
Problem darin, dass das Army Radon Reduction Program in keiner rechtsverbindlichen Vorschrift
mehr verankert ist. Somit bleibt das Beantragen von Haushaltsmitteln zur Durchführung von
Radonschutzmaßnahmen bis zur erwarteten Wiedereinführung erheblich erschwert.
Ferner wird künftig näher zu untersuchen sein, wie sich die kontinuierlichen Anstrengungen zur
Energieeinsparung auf Militärliegenschaften auf Aspekte des gesundheitsgerechten Wohnens
niederschlagen. Die Auswirkungen von unterschiedlichen energetischen Sanierungsmaßnahmen auf
die Radonkonzentrationen im Gebäudeinnern sind hierbei zu untersuchen.
6
Literaturverzeichnis
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http://www.eur.army.mil/organization/history.htm
(zuletzt besucht am 22.08.2013).
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[3]
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NATO-Truppenstatut
und
zu
den
Zusatzvereinbarungen
in
der
im
Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 57-1, veröffentlichten bereinigten Fassung, das
zuletzt durch Artikel 111 der Verordnung vom 31. Oktober 2006 (BGBl. I S. 2407) geändert
worden ist.
[4]
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Defense. Final Governing Standards Germany, 2012.
[5]
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Protecting
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(zuletzt besucht am 22.08.2013).

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[12]
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[13]
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[14]
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[15]
Headquarters Department of the Army (DA): Army Regulation (AR) 420-1, Facilities
Engineering, Army Facilities Management. Washington, 2007.
[16]
Headquarters Department of the Army (DA): Army Regulation (AR) 420-1, Facilities
Engineering, Army Facilities Management. Washington, 2012.
[17]
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420-1-XX. 30 September 20XX. Facilities Engineering Environmental. Installation Toxics
Planning. Final Working Draft R09-08-14 V1. Washington, 2013.
[18]
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Safety and Health Standards), Subpart Z (Toxic and Hazardous Substances), Section
1910.1096 (Ionizing Radiation). 29 CFR 1910.1096.
[19]
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Protect Public from Indoor Radon Risks. Evaluation Report. Report No. 08-P-0174, 2008.
Internet:
http://www.epa.gov/oig/reports/2008/20080603-08-P-0174.pdf
(zuletzt besucht am
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[20]
U.S. Environmental Protection Agency: Protecting people and families from radon. A federal
action plan for saving lives. Internet:
http://www.epa.gov.radon/pdfs/federal_radon_action_plan.pdf
(zuletzt besucht am 22.08.2013).
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perspective. Genf, 2009.
[22]
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[24]
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Württemberg. Unveränderter Nachdruck der Erläuterungen zu Blatt 30 und 31 Schwetzingen-
Altlussheim der Geologischen Specialkarte des Grossherzogtums Baden von 1881. Stuttgart,
1986.
[25]
Weimer, S.: Radon in Baden-Württemberg. Vorkommen, Risiko, Empfehlungen.
Umweltministerium Baden-Württemberg. Stuttgart, 2007.
[26]
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Henry-Village in Heidelberg. Untersuchung im Auftrag der USAG Baden-Württemberg. Bonn,
2012.

Das Radonprogramm der U.S. Army in Europa
Seite 60
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
[27]
Haid, J.: Radonuntersuchungsstrategien und Sanierungsoptionen zur sicheren und
gesundheitsgerechten Gestaltung von Einfamilienhäusern (Bestand) auf U.S.
Militärliegenschaften, dargestellt am Beispiel von Offiziershäusern des Patrick-Henry-Village
(PHV), Heidelberg der U.S. Army Garrison Baden-Württemberg. Unveröffentlichte Diplomarbeit
an der FH Kaiserslautern, 2012.
[28]
Klingel, R.: Gutachterliche Stellungnahme zur Radonbelastung des Wohnhauses 4734 der
Patrick-Henry-Village Housing Area Heidelberg Garrison, US Army. Bonn, 2010.

 
Kai Geringswald, Walfried Löbner, Christian Schramm
Michael Förster, Horst Räder, Evelin Sternkopf
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 61
RADONSANIERUNG AN EINEM ALTBAU ALS ERGEBNIS EINER
KOMPLEXEN URSACHENAUFKLÄRUNG
RADON REMEDIATION IN AN OLD RESIDENTIAL BUILDING AS A
RESULT OF A COMPLEX CAUSE ANALYSIS
Kai Geringswald
1)
, Walfried Löbner
1)
, Christian Schramm
1)
Michael Förster
2)
, Horst Räder
2)
, Evelin Sternkopf
2)
1)
Wismut GmbH, Chemnitz
2)
Gebäude- und Wohnungsverwaltung GmbH, Bad Schlema
Zusammenfassung
In einem Wohngebäude in der Umgebung bergbaulicher Hinterlassenschaften wurden erhöhte
Radonkonzentrationen festgestellt, obwohl in der Vergangenheit am Gebäude bereits Maßnahmen der
Radonsanierung getroffen worden waren. Aus diesem Grund war es erforderlich, eine weiterführende
komplexe Auf-klärung der Radonsituation im Gebäude und deren Ursachen zur Findung einer
befriedigenden Problemlösung durchzuführen. Dabei wurde ein Untersuchungskonzept angewendet,
dass auf zeitaufgelösten Radonmessungen in Kombination mit Tracergasuntersuchungen, der Infrarot-
Thermographie und einem speziellen Blower-Door-Verfahren zur Quantifizierung des Luftaustausches
und des Radoneintrittes im Gebäude beruht. Weiterhin wurden die Gebäudenutzung und die baulichen
Gegebenheiten berücksichtigt. Es werden kostengünstige und relativ einfache Lösungen zur
Verringerung der Strahlenexpositionen der Bewohner für den speziellen Fall vorgestellt.
Summary
In a residential building adjacent to mining legacies elevated radon concentrations have been observed
although the building was in the past already subject of radon-reducing remedial measures. That is why
it was necessary to implement an additional, comprehensive study to identify the causes that trigger the
elevated concentrations and to develop a satisfying problem solution. Thereby, an investigation ap-
proach was applied which is based on time-resolved radon measurements in combination with tracer
gas analysis, on infrared thermography and on a special blower door technique to quantify the air
exchange rate and the radon entry in the building. Furthermore, the resident behavior and the
construction-specific conditions of the building were taken into account. Cost-effective and relatively
easily to implement solu-tions to reduce the radiation exposures of the residents are presented.

Radonsanierung an einem Altbau als Ergebnis einer komplexen Ursachenaufklärung
Seite 62
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
1
Problemstellung
In einem Wohngebäude mit mehreren Wohnungen eines großen kommunalen Vermieters an einem
Standort mit Hinterlassenschaften des Uranerzbergbaus wurden nach einer aufwendigen Radonsanie-
rung am Gebäude noch erhöhte Radonkonzentrationen festgestellt. Da die Ursachen für die erhöhten
Radonkonzentrationen unklar waren, mussten zunächst die Radonsituation in den Wohnungen und im
Keller des Gebäudes näher charakterisiert und die Herkunft des Radons geklärt werden. Dies erfolgte
mit dem Ziel, eine wirksame und kostengünstige Lösung zur Verbesserung der Radonsituation zu ent-
wickeln, mit der eine hinreichende Reduzierung der Strahlenexposition in den Wohnräumen des Ge-
bäudes erreicht wird. Die bisherigen Erfahrungen im Freistaat Sachsen zeigen [1, 2], dass bei erhöh-
ten Radonkonzentrationen in mehrgeschossigen Wohngebäuden einfache integrierende oder zeitauf-
gelöste Radonmessungen nicht mehr ausreichen, um geeignete Maßnahmen zur Verbesserung der
Radonsituation identifizieren zu können. Es besteht somit der Bedarf an geeigneten komplexen Unter-
suchungsmethoden zur Problemcharakterisierung und Ursachenaufklärung, auf deren Basis objekt-
spezifische Sanierungsmaßnahmen abgeleitet werden können. Da konvektive Transportprozesse und
der Luftaustausch im Gebäude einen entscheidenden Einfluss auf die Radonsituation unter den kon-
kreten Nutzungsbedingungen haben, wird eine verstärkte Nutzung des ingenieurtechnischen Wissens
der Gebäudeklimatisierung und der experimentellen Verfahren zur Bestimmung des Luftaustausches in
Gebäuden erforderlich. Anhand eines Fallbeispiels soll gezeigt werden, dass eine gezielte Kombinati-
on von zeitaufgelösten Radonmessungen in den Räumen, von Differenzdruckmessungen zwischen den
relevanten Zonen eines Gebäudes und von Tracergasuntersuchungen zur Quantifizierung des
Luftaustausches sowohl unter Normalbedingungen als auch unter künstlich erzeugten Druckverhältnis-
sen die Basis für die Entwicklung einer wirksamen Problemlösung bilden kann.
2
Situationsbeschreibung
Das untersuchte Wohngebäude wurde in den 1950er Jahren in massiver Bauweise an einem neu
geschaffenen Wohnstandort in Hanglage erbaut. Es besteht aus einem teilweise unterkellerten
Erdgeschoss und einem Obergeschoss sowie einem Dachboden. Im Erdgeschoss und im
Obergeschoss befinden sich jeweils 2 Wohnungen. Das Dach ist als Kaltdach ausgeführt, der
Dachboden ist nicht ausgebaut und wird zur Wäschetrocknung und als Stauraum genutzt. Das Gebäude
wird ausschließlich zu Wohnzwecken genutzt.
Bei vom Vermieter durchgeführten Radonmessungen wurden insbesondere im Winter stark erhöhte
Radonkonzentrationen in den Wohnräumen und im Keller festgestellt. In Tabelle 1 sind die
Radonkonzentrationen in ausgewählten Räumen des Wohngebäudes vor der Radonsanierung
dargestellt.
Tab. 1:
Mittlere Radonkonzentration in ausgewählten Räumen während einer
Messperiode im Februar 2008 vor der Radonsanierung des Gebäudes
Raum/Gebäudebereich
Radonkonzentration in Bq/m³
Keller
16300
Treppenhaus
7900
Wohnzimmer im Erdgeschoss
1860
Küche im Erdgeschoss
9260
Bad im Erdgeschoss
21950

Kai Geringswald, Walfried Löbner, Christian Schramm
Michael Förster, Horst Räder, Evelin Sternkopf
Dresden, 24. Sept. 2013
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Wohnzimmer im Obergeschoss
5060
Küche im Obergeschoss
12920
Bad im Obergeschoss
24840
Wie die Messergebnisse zeigen, unterschieden sich die Radonkonzentrationen von Raum zu Raum
deutlich. Sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss gab es Räume mit hohen
Radonkonzentrationen und Räume mit sehr hohen Radonkonzentrationen (vgl. Tabelle 1). Im Keller
traten
ebenfalls
sehr
hohe
Radonkonzentrationen
auf.
Die
Ursachen
der
erhöhten
Radonkonzentrationen in den Wohnungen und im Keller waren unbekannt. Der Vermieter veranlasste
daraufhin eine umfangreiche Radonsanierung am Gebäude unter Einsatz mehrerer üblicher Verfahren.
Vorher wurde das Gebäude leer gezogen. Es wurden in den Erdgeschossfußboden eine radondichte
Folie eingebaut und die Leitungskanäle von Trinkwasser und Abwasser im Keller abgedichtet.
Zusätzlich wurde in den Wohnungen ein modernes Lüftungssystem mit Wärmerückgewinnung zur
Verbesserung der Luftwechselrate in den Wohnungen installiert. Nach erfolgter Radonsanierung wurde
die Radonkonzentration in den 4 Wohnungen und im Keller erneut gemessen. Die Ergebnisse dieser
Messungen sind in der Tabelle 2 dargestellt.
Tab. 2:
zeitaufgelöste Radonkonzentration in ausgewählten Räumen während
einer Messperiode im Januar 2012 nach der Radonsanierung des
Gebäudes
Raum/Gebäudebereich
Radonkonzentration in Bq/m³
Keller
14960
Wohnzimmer im Erdgeschoss
850
Küche im Erdgeschoss
2000
Bad im Erdgeschoss
750
Wohnzimmer im Obergeschoss
1740
Küche im Obergeschoss
5830
Bad im Obergeschoss
8520
In mehreren Wohnräumen sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss sowie im Keller waren
weiterhin hohe bis sehr hohe Radonkonzentrationen festzustellen. Zwar hatte sich die Radonsituation
durch die Radonsanierung des Gebäudes in den meisten Räumen verbessert, die Radonsituation war
jedoch noch nicht zufriedenstellend. Der von den durchgeführten Maßnahmen erwartete Erfolg hatte
sich nicht eingestellt.
Wie die Tabelle 2 verdeutlicht, bestanden zwischen den Räumen einer Etage signifikante Unterschiede
in der Radonkonzentration. Weiterhin war für dieses Gebäude charakteristisch, dass die
Radonkonzentrationen im Obergeschoss tendenziell höher waren als im Erdgeschoss. Es zeigte sich
weiterhin, dass die Raumnutzung (unterschiedlicher Luftwechsel) im engen Zusammenhang mit der
Radonkonzentration steht. Angesichts dieser komplexen und schwer zu interpretierenden Verhältnisse
wurde die Wismut GmbH um Unterstützung bei der Ursachenaufklärung und bei der Entwicklung einer
wirksamen und kostengünstigen Lösung zur dauerhaften Verbesserung der Radonsituation in dem
Gebäude gebeten.

Radonsanierung an einem Altbau als Ergebnis einer komplexen Ursachenaufklärung
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3
Untersuchungskonzept und ausgewählte Ergebnisse der Ursachen-
aufklärung
Für die Aufklärung der Radonsituation im Gebäude wurde folgende bewährte Lösungsstrategie
angewendet:
Datenauswertung bereits vorhandener Daten
Durchführung spezieller Messungen am Gebäude
Ursachenaufklärung der Radonsituation
Identifikation des Radoneintritts in das Gebäude und
Quantifizierung des Radontransportes innerhalb des Gebäudes
Problemlösung
Erfolgskontrolle der Sanierungsmaßnahmen
3.1 Durchführung einer abgewandelten Blower-Door-Untersuchung im Keller
des Gebäudes und zeitaufgelöster Radonmessungen in den Wohnungen:
Die Dynamik der gemessenen Radonkonzentrationen in den Räumen des Gebäudes ließ darauf
schließen, dass die Radonsituation im Gebäude von konvektiven Radonzutritten bestimmt wird. Um die
Gebäudebereiche mit erhöhten konvektiven Radonzutritten zu identifizieren, wurde mittels Blower-Door-
Technik (saugender Ventilator) im Gebäudekeller bei verschlossenen Fenstern und Außentüren gezielt
ein Unterdruck erzeugt und in bestimmten Stufen erhöht. Dabei wurde der erzeugte Differenzdruck zur
Außenluft gemessen.
Durch zeitaufgelöste Messungen der Radonkonzentration im Keller und in den Wohnräumen konnte der
Gebäudebereich mit erhöhten konvektiven Radonzutritten identifiziert werden, da sich trotz erhöhten
Luftaustauschs infolge des Absaugens in den Räumen unterschiedliche Radonkonzentrationen
einstellten. Durch Messung des Luftvolumenstromes des Blower-Door-Ventilators und der
dazugehörigen Radonkonzentration im abgeleiteten Luftstrom konnte die Radoneintrittsrate in das
Gebäude für die verschiedenen Druckstufen bestimmt werden. Es wurde dabei eine relativ starke
Radonquelle identifiziert, die den Keller des Gebäudes durch konvektive Strömungsprozesse speist.
Typisch war hierbei, dass der Radonzutritt zunächst mit wachsendem Unterdruck im Gebäude anstieg,
um sich dann asymptotisch einem stationären Wert anzunähern. Gleichzeitig nahm die
Radonkonzentration in den darüber liegenden Wohnungen ab. In Abbildung 1 ist die Entwicklung der
Radonkonzentration und der Raumtemperatur während der Blower-Door-Untersuchung im
Wohnzimmer einer Obergeschosswohnung dargestellt. Mit dem Zuschalten des Blower-Door-
Ventilators im Keller sinkt die Radonkonzentration im Wohnzimmer bereits bei geringem Unterdruck
allmählich auf unter 200 Bq/m³ ab. Dieser Konzentrationsabfall kann aufgrund seines exponentiellen
Verlaufs als Ergebnis des Luftwechsels zwischen dem Zimmer und der Außenluft nach einem durch die
Differenzdrucksituation bedingten Versiegen des konvektiven Radonzutritts in die Wohnungen
interpretiert werden.

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Michael Förster, Horst Räder, Evelin Sternkopf
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Abb. 1:
Zeitaufgelöste Darstellung der Radonkonzentration und der Raumtemperatur im Wohnzimmer
einer Wohnung im Obergeschoss während des abgewandelten Blower-Door-Versuches
Der bei den abgewandelten Blower-Door-Untersuchungen im Keller erzeugte Unterdruck ermöglichte
es weiterhin, mit der Infrarot-Thermographie Bereiche eines erhöhten Bodenluftzutritts und damit
potenzielle
Radoneintrittspfade
in
das
Gebäude
zu
suchen.
Insbesondere
Kabel-
und
Rohrdurchführungen sowie Fehlstellen im Mauerwerk zeigten sich als thermische Anomalien und
konnten als Eintrittspfade für Bodenluft identifiziert werden.
3.2 Radonexhalationsmessungen und Messungen der α- und β- Oberflächen-
kontamination im Keller:
Um festzustellen, ob neben den identifizierten Eintrittspfaden für Bodenluft der Kellerfußboden und die
Kellerwände an sich Radon exhalieren, wurden stichprobenartig Radonexhalationsmessungen nach der
Boxmethode durchgeführt. Dabei zeigten nur die Kellerwände zum nicht unterkellerten Gebäudebereich
etwas erhöhte Exhalationsraten. Die anderen Wandbereiche im Keller zeigten keine Auffälligkeiten. Die
α- und β-Oberflächenkontaminationsmessungen kamen zu ähnlichen Ergebnissen wie die
Radonexhalationsmessungen. An kleinen Rissen in den Kellerwänden zum nicht unterkellerten
Gebäudebereich gab es lokal erhöhte Werte. Der restliche Kellerbereich zeigte keine Auffälligkeiten.
3.3 Tracergasuntersuchungen zur Quantifizierung des Lufttransportes vom
Keller in die Wohnungen und Luftwechselmessungen in den Wohnungen:
1. Druckstufe -10 Pa
2. Druckstufe -20 Pa
3. Druckstufe -30 Pa
4. Druckstufe -40 Pa
14.0
15.0
16.0
17.0
18.0
19.0
20.0
21.0
22.0
23.0
24.0
0
400
800
1200
1600
2000
2400
2800
3200
3600
4000
24.01.2012
24.01.2012
25.01.2012
25.01.2012
25.01.2012
25.01.2012
26.01.2012
26.01.2012
26.01.2012
26.01.2012
27.01.2012
27.01.2012
27.01.2012
27.01.2012
28.01.2012
28.01.2012
28.01.2012
28.01.2012
29.01.2012
29.01.2012
29.01.2012
29.01.2012
30.01.2012
30.01.2012
30.01.2012
Raumtemperatur in °C
Radonkonzentration in Bq/m³
Datum/Zeit
Wohnung 1. Etage (24.01.-30.01.2012)
Radon Wohnzimmer
Raumtemperatur

Radonsanierung an einem Altbau als Ergebnis einer komplexen Ursachenaufklärung
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Das in ein Gebäude eintretende Radon wird bekanntermaßen durch die stets vorhandenen
Luftströmungen im Gebäude verteilt. Maßgeblich können hierbei undichte bzw. offene Türen, schlecht
verschlossene Durchbrüche, Rohr- und Kabelkanäle, Schornsteine und Treppenhäuser sein. Mit Hilfe
von systematischen Tracergasuntersuchungen kann der Luftaustausch im Gebäude (Luftaustausch
zwischen den Räumen sowie Luftwechsel mit der Außenluft) und der damit verbundene Radontransport
näher untersucht werden [3]. In dem untersuchten Wohngebäude wurde im Februar 2012 ein
Tracergastest unter Verwendung des Tracergases SF
6
durchgeführt. Hierbei wurde das Tracergas
impulsförmig im Gebäudekeller aufgegeben. In verschiedenen Räumen des Gebäudes wurde die
zeitliche Entwicklung der Tracergaskonzentration gemessen. In Abbildung 2 sind die Ergebnisse der
Tracergasmessungen in den untersuchten Räumen dargestellt. Der Abfall der Tracergaskonzentration
ist auf den Luftwechsel mit der Außenluft zurückzuführen.
Abb. 2:
Entwicklung der Tracergaskonzentration in den untersuchten Räumen
Mit dem Tracergastest konnte nachgewiesen werden, dass unter winterlichen Bedingungen eine
Luftströmung vom Keller in die darüberliegenden Wohnungen stattfindet. Als Transportpfad spielte –
wie die Tracergaskonzentrationen zeigen – das Treppenhaus eine Rolle. Allerdings wurde durch
quantitative Auswertungen nachgewiesen, dass nur etwa 12 ... 15 % der in den Wohnräumen
gemessenen Radonkonzentration Folge eines Luftzustromes aus dem Keller waren. 85 ... 88 % der
Radonkonzentration in den Wohnräumen waren auf Strömungsprozesse zurückzuführen, die ihren Weg
nicht über den Keller nahmen. Die Feststellung bei den speziellen Blower-Door-Untersuchungen, dass
der konvektive Radontransport in die Wohnungen bei Unterdruck im Keller nahezu versiegte und
gleichzeitig der Radonzutritt in den Keller zunahm, führte in Kombination mit diesem überraschenden
Ergebnis des Tracergastests zu dem Schluss, dass sich die Radonquelle unter dem nicht unterkellerten
Gebäudeteil befindet und dass von dort relevante Strömungsverbindungen in die Wohnungen bestehen.
3.4 Untersuchungen zur Beherrschung der Radonsituation durch gezielte
Unterdruckerzeugung im nicht unterkellerten Bereich über einen Ventilator
im ungenutzten Schornstein:
0.01
0.1
1
10
100
03.02.2012 10:00
03.02.2012 12:00
03.02.2012 14:00
03.02.2012 16:00
03.02.2012 18:00
03.02.2012 20:00
03.02.2012 22:00
04.02.2012 00:00
04.02.2012 02:00
04.02.2012 04:00
04.02.2012 06:00
04.02.2012 08:00
04.02.2012 10:00
04.02.2012 12:00
04.02.2012 14:00
04.02.2012 16:00
04.02.2012 18:00
04.02.2012 20:00
04.02.2012 22:00
05.02.2012 00:00
05.02.2012 02:00
05.02.2012 04:00
05.02.2012 06:00
05.02.2012 08:00
05.02.2012 10:00
Tracergaskonzentration (SF6) in ppb
Datum/Zeit
Tracerversuch zum Lufttransport vom Keller in die Wohnungen
Keller
Treppenhaus
Wohnung im EG
Wohnung im OG

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Aufgrund der Ergebnisse der Blower-Door-Untersuchungen, der Ergebnisse der Tracergasunter-
suchungen und der Radonexhalationsmessungen im Keller erhärtete sich die Vermutung, dass der nicht
unterkellerte Bereich unter dem Gebäude die dominierende Radonquelle darstellt. Daraufhin wurden
zur Messung der Bodenradonkonzentration mehrere Bohrungen durch die Kellerwand in den nicht
unterkellerten Bereich und eine Bohrung durch den Kellerboden in den Gebäudeuntergrund
hineingebracht. Eine Skizze des Kellergrundrisses mit den Radonexhalations- und den
Bodenradonmessstellen zeigt die Abbildung 3.
Die Radonmessungen an den Bohrungen durch die Kellerwand in den nichtunterkellerten Bereich
erbrachten sehr hohe Radonkonzentrationen bis 320 kBq/m³. Dagegen ergaben die Radonmessungen
an der Bohrung durch den Fußboden in den Baugrund nur Radonkonzentrationen bis 80 kBq/m³. Diese
Ergebnisse bestätigten, dass sich die eigentliche Radonquelle im nicht unterkellerten Bereich des
Gebäudes hinter den Kellerwänden befindet.
Aufgrund der überraschenden Ergebnisse der Tracergasuntersuchungen wurde nach Strömungspfaden
gesucht, über die radonreiche Bodenluft aus dem nicht unterkellerten Bereich direkt in die Wohnungen
gelangen kann. Als mögliche Strömungspfade wurden auch die im Gebäude vorhandenen Schornsteine
geprüft. Sie befinden sich an der Grenze des unterkellerten zum nicht unterkellerten Gebäudebereich
und reichen bis in den Gebäudebaugrund. Beide Schornsteinköpfe waren vor Jahren bis zum Fußboden
des Dachbodens abgetragen und verschlossen worden, weil sie nicht mehr zu Heizzwecken genutzt
wurden. Die beiden Schornsteine wurden angebohrt und es wurden Radonmessungen durchgeführt.
Die Messungen ergaben sehr hohe Radonkonzentrationen (bis 250 kBq/m³) in den Schornsteinen.
Durch Undichtigkeiten in dem durch die Abtragung aufgelockerten, porösen Schornsteinkopf konnte das
Radon in den Fußboden des Daches bzw. in die Decke des Obergeschosses strömen und gelangte von
dort in die Wohnungen und ins Treppenhaus. Der typische „Schornsteingeruch“ konnte besonders im
Dachboden und im Treppenhaus wahrgenommen werden. Damit wurde auch die Erklärung für die
gegenüber dem Erdgeschoss systematisch höheren Radonkonzentrationen im Obergeschoss
gefunden.
Abb. 3:
Skizze des Kellergrundrisses mit den Messstellen zur Radonexhalation und den Bohrungen
mit den dazugehörigen Messstellen in den nicht unterkellerten Gebäudebereich.
Um eine sinnvolle und kostengünstige lüftungstechnische Lösung für eine dauerhafte Senkung der
Radonkonzentration im Keller und vor allem in den Wohnungen zu finden, wurde zunächst ein
Schornsteinkopf geöffnet und für einen Ventilatorversuch vorbereitet. Ziel war es, experimentell zu
bestimmen, ob die im Gebäude noch vorhandenen Schornsteine geeignet sind, das Radon aus dem
nichtunterkellertem Bereich mit Hilfe eines Ventilators über den Dachfirst abzuleiten. An den so
vorbereiteten Schornstein wurde mit einem im Keller verlegten Rohr auch der zweite Schornstein
Legende:
Bohrung
Exhalationsmesspunkt
B4
B1
B3
B2
MP3
MP5
MP7
MP9
MP8
MP1
MP6
MP4
MP2
Kelleraufgang
nicht unterkellerter Bereich
nicht unterkellerter Bereich

Radonsanierung an einem Altbau als Ergebnis einer komplexen Ursachenaufklärung
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angebunden. Vom Keller aus wurden durch beide Schornsteine jeweils 3 Kernbohrungen in den nicht
unterkellerten Bereich vorgetrieben, so dass die Schornsteine strömungstechnisch an den nicht
unterkellerten Teil des Gebäudes angebunden waren. Auf den geöffneten Schornsteinkopf wurde ein
regelbarer Ventilator aufgebaut und saugend betrieben. Die abgesaugte Luft wurde über eine Lutte
zunächst provisorisch zum Dachbodenfenster hinaus abgeleitet. Während der messtechnischen
Untersuchungen wurden der Keller und die Wohnungen geschlossen gehalten. Mit dem Ventilator
wurden nacheinander stufenweise verschiedene Unterdrücke angesteuert und in den Wohnungen
sowie im Keller die zeitliche Änderung der Radonkonzentration gemessen. Durch diesen
Ventilatorversuch konnte experimentell nachgewiesen werden, dass ein technisch entlüfteter
Schornstein die Radonkonzentration in den Wohnräumen erheblich verbessern kann. In der Abbildung
4 ist exemplarisch die Entwicklung der Radonkonzentration in einem Wohnraum im Verlauf des
Ventilatorversuches dargestellt. Nach Inbetriebnahme des Ventilators auf dem Schornsteinkopf sank
die Radonkonzentration in der Wohnung der 1. Etage (Obergeschoss) deutlich ab. Der exponentielle
Rückgang war hierbei Folge des Luftwechsels mit der Außenluft nach dem Versiegen des konvektiven
Radonzutrittes. Nach dem Ausschalten des Ventilators stieg die Radonkonzentration in der Wohnung
in der 1. Etage langsam wieder an.
Durch diese technische Lösung der Unterdruckerzeugung im Boden des nicht unterkellerten Bereiches
sanken nicht nur in den Wohnungen, sondern auch im Keller die Radonkonzentrationen signifikant ab.
Durch das Anlegen eines Unterdruckes im Schornstein bildete sich auch im Untergrund des nicht
unterkellerten Gebäudeteils ein messbarer Unterdruck aus, der in die Wohnungen aufsteigende
Luftströmungen verhinderte.
Mit dem Absaugen von Bodenluft aus dem Untergrund des nicht unterkellerten Gebäudeteils ist eine
Ableitung des dort in hohen Konzentrationen vorhandenen Radons über den Schornstein verbunden.
Dies musste bei der Gestaltung einer Problemlösung beachtet werden.
Abb. 4:
Radonsituation in der Wohnung der 1. Etage während des Ventilatorversuches im Schornstein
3.5 Bestimmung von lüftungstechnischen Parametern zur Dimensionierung
eines Unterdrucksystems im Gebäude:
Lüfter in Betrieb
genommen, -20 Pa
Lüfter auf -40 Pa
hochgefahren
Lüfter auf -20 Pa
runtergefahren
Lüfter außer
Betrieb genommen
-60.0
-55.0
-50.0
-45.0
-40.0
-35.0
-30.0
-25.0
-20.0
-15.0
-10.0
-5.0
0.0
5.0
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
11.04.2012
12.04.2012
13.04.2012
14.04.2012
15.04.2012
16.04.2012
17.04.2012
18.04.2012
19.04.2012
20.04.2012
21.04.2012
22.04.2012
23.04.2012
24.04.2012
25.04.2012
26.04.2012
27.04.2012
28.04.2012
29.04.2012
30.04.2012
01.05.2012
02.05.2012
03.05.2012
04.05.2012
05.05.2012
06.05.2012
07.05.2012
08.05.2012
09.05.2012
10.05.2012
Differenzdruck in Pa
Radonkonzentration in Bq/m³
Datum/Zeit
Ventilationsversuch Schornstein Wohnung 1. Etage rechts Wohnzimmer
Radon Wohnzimmer AG EF1406
Differenzdruck
Phase 1
Lüfter aus
Phase 2
-20 Pa
Phase 3
-40 Pa
Phase 4
-20 Pa
Phase 5
Lüfter aus

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Um für die praktische Umsetzung des Lösungsansatzes einen geeigneten Lüfter vom Markt auswählen
zu können, der allen Anforderungen bei gleichzeitig energieeffizientem Betrieb erfüllt, war eine
Lüfterdimensionierung auf der Basis der strömungstechnischen Parameter erforderlich. Die
notwendigen Kenngrößen zur Lüfterauswahl sind die Druckerzeugung und der Volumenstrom sowie die
physikalischen und chemischen Eigenschaften des Fördermediums (bei unserm Anwendungsfall: Luft).
Weiterhin sollten Lüfter, die dauerhaft in bewohnten Gebäuden betrieben werden, einen niedrigen
Schalldruckpegel haben, damit sich die Mieter in den Wohnungen nicht belästigt fühlen. Bei einem
temporären Ventilatorversuch am Schornstein mit einem regelbaren Blower-Door-Ventilator wurden die
erforderlichen strömungstechnischen Parameter an der konkreten Konfiguration experimentell
bestimmt. Für die Dimensionierung des Lüfters wurden folgende Parameter ermittelt:
Erforderliche Druckerzeugung (Δp): 70 Pa,
Erforderlicher Volumenstrom (
V
̇
): 85 m³/h.
Auf der Basis dieser Parameter wurde ein geräuscharmer, drehzahlgesteuerter Lüfter mit einer
elektrischen Nennleistung von 20 W mit der notwendigen Lüfterkennlinie ausgewählt.
3.6 Schlussfolgerungen aus den Untersuchungen und Sanierungsvorschlag:
Durch die komplexen Untersuchungen zur Ursachenaufklärung der hohen Radonkonzentrationen im
Gebäude („nach einer Radon-Sanierung“) wurde der nicht unterkellerte Gebäudebereich als
Radonquelle identifiziert. Durch konvektive Luftströmungen, bedingt durch den natürliche Auftrieb im
Gebäude, gelangte radonhaltige Bodenluft durch Rohrkanäle, Risse und Fugen sowie durch die
Schornsteine in den Keller, in die Wohnungen und in den Dachboden. Abdichtungsmaßnahmen zur
Radondämmung im Gebäude und technische Lüftungsmaßnahmen in den Wohnungen waren im
vorliegenden Fall nicht hinreichend. Es wurde deshalb eine technische Belüftung (insbesondere zur
Unterdruckerzeugung im Baugrund des nicht unterkellerten Bereiches) unter Nutzung der stillgelegten
Schornsteine favorisiert. Durch das Anlegen eines Unterdruckes im Schornstein wird der nicht
unterkellerte Gebäudebereich abgesaugt und die stark radonhaltige Bodenluft aus dem Untergrund
gelangt damit nicht mehr in die Wohnungen. Da das untersuchte Gebäude insgesamt 4 Wohnungen
hat, wobei 2 Wohnungen in der linken Gebäudehälfte und 2 Wohnungen in der rechten Gebäudehälfte
liegen, wurde in jeder Gebäudehälfte ein Schornstein mit einem Lüfter versehen. Durch die geringe
elektrische Nennleistung der Lüfter sind die laufenden und dauerhaft anfallenden Betriebskosten relativ
gering.
3.7 Erfolgskontrolle der Sanierungslösung:
Nach der fachgerechten Installation der beiden vorgeschlagenen Lüfter auf die Schornsteinköpfe im
Dachboden und deren Inbetriebnahme erfolgten abschließende Radonmessungen in den Wohnungen.
Die Radonsituation hat sich durch den Betrieb der beiden Lüfter in allen Wohnungen und im Keller
signifikant
verbessert.
In
der
Abbildung
5
und
6
sind
die
Ergebnisse
der
Radonkonzentrationsmessungen in einer Wohnung im Erdgeschoss und in einer Wohnung der 1. Etage
(Obergeschoss) bei einem Unterdruck von 40 Pa in beiden Schornsteinen dargestellt. Die Wohnungen
befanden sich dabei im ungenutzten Zustand (geringer Luftwechsel). Es ist davon auszugehen, dass
bei der bestimmungsgemäßen Wohnraumnutzung sich eine höhere Lüftwechselrate einstellt und damit
die Radonkonzentrationen sich weiter verringern.

Radonsanierung an einem Altbau als Ergebnis einer komplexen Ursachenaufklärung
Seite 70
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Abb. 5:
Darstellung der Radonkonzentration in der Wohnung im Erdgeschoss bei einem Unterdruck
von 40 Pa im Schornstein
Abb. 6:
Darstellung der Radonkonzentration in der Wohnung in der 1. Etage bei einem Unterdruck
von 40 Pa im Schornstein
Zusammenfassend kann eingeschätzt werden, dass eine Verringerung der Radonkonzentration in
Gebäuden zum Teil mit relativ einfachen technischen Maßnahmen erreicht werden kann. Aufwändig
sind hingegen die Untersuchungen zu den Ursachen und den Wirkungsmechanismen, die zu den hohen
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
31.07.2012 00:00
31.07.2012 12:00
01.08.2012 00:00
01.08.2012 12:00
02.08.2012 00:00
02.08.2012 12:00
03.08.2012 00:00
03.08.2012 12:00
04.08.2012 00:00
04.08.2012 12:00
05.08.2012 00:00
05.08.2012 12:00
06.08.2012 00:00
06.08.2012 12:00
07.08.2012 00:00
07.08.2012 12:00
08.08.2012 00:00
08.08.2012 12:00
09.08.2012 00:00
Radonkonzentration in Bq/m³
Datum/Uhrzeit
Wohnung Erdgeschoss rechts; Unterdruck: -40 Pa
Radon
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
31.07.2012 00:00
31.07.2012 12:00
01.08.2012 00:00
01.08.2012 12:00
02.08.2012 00:00
02.08.2012 12:00
03.08.2012 00:00
03.08.2012 12:00
04.08.2012 00:00
04.08.2012 12:00
05.08.2012 00:00
05.08.2012 12:00
06.08.2012 00:00
06.08.2012 12:00
07.08.2012 00:00
07.08.2012 12:00
08.08.2012 00:00
08.08.2012 12:00
09.08.2012 00:00
Radonkonzentration in Bq/m³
Datum/Uhrzeit
Wohnung in der 1. Etage rechts; Unterdruck: -40 Pa
Radon

Kai Geringswald, Walfried Löbner, Christian Schramm
Michael Förster, Horst Räder, Evelin Sternkopf
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 71
Radonkonzentrationen im Gebäude führen. Diese Untersuchungen zur Herstellung eines hinreichenden
Systemverständnisses erfordern oftmals die Anwendung einer komplexen Untersuchungsstrategie in
mehreren Schritten. Sie sind jedoch notwendig, wenn man den langfristigen Erfolg einer geeigneten,
problemangepassten Sanierungslösung sichern möchte. Da selbst baugleiche Gebäude ausgeprägte
individuelle Merkmale aufweisen, ist bei den Untersuchungen und bei der Entwicklung des
Lösungskonzeptes stets eine individuelle Vorgehensweise, flankiert von experimentellen Tests,
erforderlich. Die von Wismut gewählte Untersuchungsstrategie einer komplexen Ursachenaufklärung
der Radonsituation im Vorfeld der Begründung einer technischen Sanierungslösung hat sich im
vorgestellten Anwendungsfall bewährt und konnte mittlerweile auch in einem weiteren Gebäude
gemeinsam mit der Wohnungsverwaltungsgesellschaft erfolgreich umgesetzt werden.
4
Literaturverzeichnis
[1]
1. bis 5. Tagung Radonsicheres Bauen, 1. bis 3. Sächsischer Radontag, Hochschule für Technik
und Wirtschaft Dresden und KORA e.V. Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum
Radonsicheren Bauen und Sanieren; (Tagungsbände)
[2] IAF-Radioökologie Dresden, B.P.S. Zwickau, Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX Chemnitz,
WISMUT GmbH Chemnitz: Projekt Radon in öffentlichen Gebäuden, im Auftrag des Landesamtes
für Umwelt und Geologie Dresden, 2008 (unveröffentl.)
[3]
Löbner, W.: Luftaustausch in Gebäuden – Bestimmung der Luftwechselrate in Räumen 2. Tagung
Radonsicheres Bauen, HTW Dresden 27.09.2006.

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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013

 
Roland Baumann, Dieter Kreul
Bernd Leißring, Guido Leißring
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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ERFAHRUNGEN BEI DER SENKUNG DER RADONBELASTUNG IN
EINEM BAYRISCHEN WASSERWERK
ERFAHRUNGEN BEI DER SENKUNG DER RADONBELASTUNG IN
EINEM BAYRISCHEN WASSERWERK
Roland Baumann
1)
Dieter Kreul
2)
Bernd Leißring
3)
, Guido Leißring
3)
1)
BG ETEM
2)
Stadtwerke Kulmbach
3)
Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX, Chemnitz
Zusammenfassung
Entsprechend den Festlegungen der Strahlenschutzverordnung in der Bundesrepublik Deutschland
sind für Arbeitsfelder, bei denen erheblich erhöhte Expositionen durch natürliche terrestrische
Strahlenquellen auftreten können, wie zum Beispiel Anlagen der Wassergewinnung, -aufbereitung und
-verteilung, Grenzwerte verbindlich aufgeführt.
Für das zu untersuchende Wasserwerk ist die zulässige Belastung der Beschäftigten durch diese
gesetzliche Grundlage gegeben. Es galt, die Belastungssituation für die Beschäftigten auf der
Grundlage von radiologischen Messungen zu erfassen und durch technische Maßnahmen weiter zu
senken.
Bei einer Einschätzung der in dem zu untersuchenden Objekt vorherrschenden Radonkonzentration
und eines zumutbaren Risikos muss in dem vorliegenden Fall, die Frage nach dem den Ursachen für
die festgestellten Radonkonzentrationen sicher ermittelt werden. Für das zu bearbeitende Objekt muss
die Frage des Anteils der Radonmigration aus dem Untergrund in das Gebäude und des durch die
Aufarbeitung des radonhaltigen Wassers anfallenden Anteils ermittelt werden. Zudem ist die
Ausbreitungssituation von der oder den Quellen in die relevanten Aufenthaltsorte der Beschäftigten
innerhalb des Gebäudes zu recherchieren und die Frage des Lüftungsverhaltens zu ermitteln.
Die Ergebnisse und die Sanierungsmaßnahmen werden dargestellt.
Summary
The prescriptions of the radiation protection of the Federal Republic of Germany are fixed for scopes of
work with considerably more naturally terrestical expose of radiation like plants for water production,
conditioning and distribution.
For the waterwork which was examined the authorized radioactive level for the employees is fixed by
these prescriptions. The situation of the radioactive level for the employees had to be measured and
lowered by technical steps.

image
Erfahrungen bei der Senkung der Radonbelastung in einem bayrischen Wasserwerk
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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In order to estimate the radioactive concentration and the reasonable risk the reasons for the discovered
radon concentration had to be found out at the object which was examined. For this object the part of
radon migration from the subsoil into the bilding and also the part which comes up at the processing of
the radon-bearing water had to be found out.
Furthermore the situation of spreading from the only source or sources to the places of the employees
inside of the building had to be investigated such as also the ventilation systems works.
The results and redevelopments are presented.
1
Einführung, Vorgehensweise und Zielvorstellungen
Im Gewinnungsgebiet Marktschorgast liefern 63
Quellen und 11 Hebebrunnen rund 1,8 bis 2,2
Millionen
Kubikmeter
im
Jahr.
Fast
13
Quadratkilometer
Fläche
sind
als
Wasserschutzgebiet ausgewiesen, das verästelte
Rohwasser-Zubringernetz
wird
über
135
Revisionsschächte
kontrolliert
und
in
Stand
gehalten. Das Wasser hat eine hervorragende
Qualität und genügt nach der Aufbereitung im
Wasserwerk Grundmühle selbstverständlich den
strengen Vorschriften der Trinkwasserverordnung.
Umfangreiche hydrogeologische Untersuchungen
belegen die Nachhaltigkeit der Förderung des
Grundwassers. Das heißt: Die Stadtwerke nutzen
nur die natürliche Schüttung der Quellen.
Abb. 1:
Wasserwerk Marktschorgast
Die Erfassung der radiologischen Situation des Wasserwerkes und die Erarbeitung von Möglichkeiten
zur Senkung der Belastung für die im Betrieb Beschäftigten ist Ziel der Untersuchung.
Für das zu untersuchende Wasserwerk sind primär der Einfluss der Wasserbehandlung mit Freisetzung
des Radons aus dem ins Wasserwerk zufließenden Quellwasser und die Ausbreitung im Gebäude zu
beachten. Zudem ist die Radonmigration aus dem Untergrund in das Bauwerk zu untersuchen.
Entscheidend für die Einhaltung der Grenzwerte für die Beschäftigten im Wasserwerk ist die auftretende
effektive jährliche Dosis an den einzelnen Aufenthaltsorten bei den jeweiligen Radonkonzentrationen
[1].
Mit den vorzunehmenden Untersuchungen wurde eine radiologische Erfassung der vorliegenden
Verhältnisse am Standort vorgenommen und Wege aufgeführt die Radonkonzentration an den
relevanten Arbeitsorten weiter zu senken.
Die Erfassungen der radiologischen Situation wurde unter Auswertung vorhandener Unterlagen und
eigener Messungen durch das Bergtechnische Ingenieurbüro GEOPRAX vorgenommen und die
Realisierung durch technische Sanierungsmaßnahmen in enger Abstimmung mit dem Betreiber des
Wasserwerkes und der Aufsichtsbehörde (BG ETEM) realisiert.

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Bernd Leißring, Guido Leißring
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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2
Abschätzung
der
Höhe
der
Radonkonzentration
an
einem
Arbeitsplatz und Hinweise zur Feststellung der Belastungssituation
Es kann zur Abschätzung einer zumutbaren Belastung durch Radon, in Analogie zum Vorgehen beim
strahlenexponierten Arbeiten folgendes Vorgehen herangezogen werden. Dabei wird nur der
Expositionspfad „Inhalation von Radon-222 und dessen kurzlebigen Zerfallsprodukten“ berücksichtigt
und ein Gleichgewichtsfaktor zwischen Radon und den Radonfolgeprodukten von 0,2 < F > 0,7
angenommen. Die Abschätzung gilt gesetzlich für strahlenexponierte Arbeiten und soll einen Überblick
zu gemessenen Radonkonzentrationen ermöglichen.
Nach dem Leitfaden für die Umsetzung der Regelungen nach Teil 3 StrlSchV [3] sind folgende
Maßnahmen in Abhängigkeit von der ermittelten Exposition empfohlen.
Tab. 1:
Maßnahmen für strahlenexponierte Arbeiten in Abhängigkeit von der Höhe der Exposition
nach [3]
Effektive Dosis E im
Empfohlene Maßnahmen
Kalenderjahr
I
E< 1 mSv
Es sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich.
II
1 mSv < E< 3 mSv
Spezielle Strahlenschutzmaßnahmen sind nicht erforderlich; im
Rahmen des allgemeinen Arbeitsschutzes sollten aber Maßnahmen
besondere Beachtung finden, die zu einer weiteren Verringerung der
effektiven Dosis beitragen können.
III
3 mSv < E< 6 mSv
Wie II, aber Wiederholung der Abschätzung innerhalb kürzerer Zeiten
(z. B. alle 2 Jahre); für die Abschätzungen sollten generell Messungen
durchgeführt werden
IV
6 mSv < E< 20 mSv
Unter Berücksichtigung der Umstände des Einzelfalles Durchführung
von angemessenen organisatorischen, baulichen, technischen oder
sonstigen Maßnahmen zur Reduzierung der Strahlenexpositionen an
den Arbeitsplätzen; Ermittlung der Strahlenexpositionen für die
betroffenen Personen
V
20 mSv < E
Umgehende Einleitung von technischen oder organisatorischen
Maßnahmen zur Reduzierung der individuellen Strahlenexpositionen
Generell
gilt
nach
Strahlenschutzverordnung
§
94
die
Verpflichtung
die
Höhe
der
Strahlenschutzexposition unter Beachtung aller Umstände des Einzelfalls so gering wie möglich zu
halten, unabhängig von der tatsächlich vorliegenden Strahlenexposition. Bei Arbeiten, die einem
Arbeitsfeld nach Anlage XI StrlSchV zugeordnet werden, sind alle organisatorischen, baulichen,
technischen oder sonstige Maßnahmen zu prüfen und gegebenenfalls zu ergreifen, um die
Strahlenexposition für Mensch und Umwelt zu verringern. Bei Arbeiten bei denen eine Person eine
effektive Dosis von mehr als 6 mSv im Kalenderjahr erreichen kann, sind nach StrlSchV zusätzliche
Maßnahmen in Betracht zu ziehen.
Bei der Ausführung von Arbeiten nach Anlage XI StrlSchV muss der Verpflichtete eine Abschätzung der
Strahlenexposition durchführen. Verpflichteter ist nach [3], wer in seiner eigenen Betriebstätte Arbeiten
ausübt oder ausüben lässt oder wer in einer fremden Betriebstätte in eigener Verantwortung eine Arbeit
ausübt oder diese von unter seiner Aufsicht stehenden Personen ausüben lässt. Ein Verpflichteter ist
eine Person, die in eigener Verantwortung selbst Arbeiten durchführt oder ein Arbeitgeber, der Personen
beschäftigt, die mit der Durchführung der Arbeiten beauftragt sind.
Bei Arbeiten nach Anlage XI StrlSchV ist unter Abschätzung die Bewertung der Radon-222-Exposition
einer Einzelperson an ihrem Arbeitsplatz für ein Kalenderjahr zu verstehen. Dabei sollte die
Abschätzung auf der Basis von Messungen erfolgen.
Zur Überwachung der Strahlenexposition bei Arbeiten nach Anlage XI Teil A können sowohl die Radon-
222-Aktivitätskonzentration oder die potentielle Alphaenergie-Konzentration der kurzlebigen Radon-

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Erfahrungen bei der Senkung der Radonbelastung in einem bayrischen Wasserwerk
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222-Folgeprodukte
1
bestimmt werden. Die jeweiligen Expositionen berechnen sich aus dem Produkt
der jeweiligen Konzentration und der Aufenthaltsdauer. Bei direkter Bestimmung der Strahlenexposition
entfällt diese Berechnung.
In der Praxis ergeben sich zwei Möglichkeiten zur Bestimmung der Radon-222-Exposition. Mit passiven
Messgeräten (Dosimeter) kann sowohl die personenbezogene Exposition (Dosimeter während der
Arbeiten am Körper) als auch die mittlere Exposition an einem Arbeitsort (stationäres Messgerät) erfasst
werden. Die Messdauer kann zwischen ca. einer Woche und drei Monaten variieren. Die
Nachweisgrenze der Messverfahren liegt bei ca. 100 kBqh/m³, eine Zwischenauswertung und spätere
Fortsetzung der Messung ist nicht möglich.
Eine weitere Bestimmung der Radon-222-Exposition ist mit Hilfe von Radonmonitoren möglich, diese
Geräte messen den Momentanwert der Radon-222-Konzentration in der Luft und werden aufgrund ihrer
technischen Eigenschaften hauptsächlich als stationäre Geräte eingesetzt. Zur Ermittlung der
Exposition muss das Produkt aus Radon-222-Konzentration am Arbeitsplatz und der Aufenthaltszeit der
Person gebildet werden.
In Abbildung 2 sind die gesetzlichen Vorgaben zum Thema Strahlenschutz bei Arbeiten schematisch
dargestellt. Dieses Vorgehen ist auch für die Umsetzung des Strahlenschutzes bei Sanierungsarbeiten
im Wasserwerk relevant, da sie in das Arbeitsfeld A nach Anlage XI eingeordnet werden können.
Abb. 2:
Bearbeitungsschema - Strahlenschutz bei Arbeiten
1
Kurzlebige Radon-222-Folgeprodukte: Polonium-218, Blei-214, Wismut-214 und Polonium-214

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Bernd Leißring, Guido Leißring
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 77
3
Ausgeführte Erfassungsmessungen
Entsprechend des Auftrages wurde die radiologische Untersuchung vorgenommen. Dazu wurden im
vorhandenen Gebäude Erfassungsmessungen der Radon-222-Konzentration ausgeführt. Des Weiteren
wurde das Radonpotential im Baugrund durch Messungen der Radonkonzentration in der Bodenluft
bestimmt. Zudem wurden Messungen der Ortsdosisleistung im Gebäude und auf den Freiflächen
ausgeführt. Zudem wurde der Gleichgewichtsfaktor bestimmt.
Bodenradonkonzentration
Es wurden auf den Freiflächen vor dem Objekt mehrere Bodenradonmessungen vorgenommen. Die
Messungen der Bodenradonkonzentrationen erfolgten mit Messgeräten des Typs MARKUS 10 am
04.08.2010.
Die Bodenluft wurde mittels Schlauch aus den Sondier-Aufschlüssen abgesaugt. Die Entnahmetiefe lag
bei 1,0 m unter Geländeunterkante. Die Zone der Absaugung lag in dem anstehenden, im Allgemeinen
mittel permeablen Material.
Der Mittelwert über alle Messungen liegt bei 57 kBq/m³. Das Maximum wurde mit 182 kBq/m³ bestimmt.
Die gemessenen Werte der Bodenradonkonzentration im anstehenden Boden insbesondere das
ermittelte Maximum zeigt das vorhandene Bodenradonpotential im Untergrund.
Das Maximum von 182 kBq/m³ liegt im Vergleich weit über dem durchschnittlichen Mittel der
Bodenradonkonzentration im Untersuchungsgebiet.
Die Bodenradonmessungen zeigen, dass das durch den geologischen Untergrund bedingte
Bodenradonpotential ursächlich für erhöhte Werte in der Raumluft sein kann, insbesondere dann wenn
durch ungenügenden baulichen Radonschutz Migrationswege in das Gebäude gegeben sind.
Ortsdosisleistung
Zur Erfassung der Ortsdosisleistung wurden auf den Freiflächen und im Gebäude Messungen
vorgenommen.
Die Messung wurde mit dem Messgerät SZINZTOMAT 6134 durchgeführt.
Freifläche:
80 bis 140 nSv/h
Gebäude:
100 bis 160 nSv/h
Die in den Feldmessungen auf den Freiflächen um das Objekt gewonnenen Werte der
Ortsdosisleistung, die in 1 m Höhe über dem Erdboden ermittelt wurden, lagen im Mittelwert bei 100
nSv/h.
Die Gebäudemessungen lagen im Mittelwert bei 140 nSv/h.
Insgesamt liegen die Werte somit unter dem Empfehlungswert von 300 nSv/h [3] und auch unter 170
nSv/h.
Insgesamt lagen alle ermittelten ODL-Werte unter den relevanten Empfehlungswerten. Für die direkt
oberflächennah anstehenden Bodenmassen und für die Bausubstanz des untersuchten Gebäudes
liegen keine Anzeichen radioaktiver Kontaminierung vor.
Erfassung der Radonkonzentration in der Raumluft
Mit Monitormessungen in allen relevanten Räumen des Wasserwerkes wurde insbesondere die
Charakteristik des Radonanstieges nach erfolgter Lüftung auf Freiluftverhältnisse bis zu sich
einstellenden Maximum in den Räumen erfasst.
Zudem wurden mit Sniffing-Messungen Quellen des Radoneintritts in die einzelnen Räume untersucht.

Erfahrungen bei der Senkung der Radonbelastung in einem bayrischen Wasserwerk
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Mit Dosimeter-Langzeitmessungen wurden die ermittelten Radonkonzentrationen in den Räumen des
Wasserwerkes erfasst.
Die Erfassungsmessungen begannen 2010. Einige Ergebnisse sind nachfolgend dokumentiert.
Tab. 2:
Monitormessungen Ergebnisse
Expositionsort
Messgerät
Beginn
Expositions-
zeitraum
Ende
Expositions-
zeitraum
Ø Radon-222-
Konzentration
[Bq/m³]
Büro 1. OG
AlphaGuard
22.07.2010
14:10 Uhr
23.07.2010
09:30 Uhr
715
Ultrafiltration
RTM 1688
22.07.2010
14:16 Uhr
23.07.2010
10:16 Uhr
6.495
Ultrafiltration
AlphaGuard
22.07.2010
14:10 Uhr
23.07.2010
09:30 Uhr
5.306
Keller
ATMOS
22.07.2010
13:50 Uhr
23.07.2010
09:10 Uhr
3.155
Ultrafiltration
ATMOS
04.08.2010
10:06 Uhr
05.08.2010
09:40 Uhr
6.013
Büro 1. OG
AlphaGuard
04.08.2010
10:20 Uhr
05.08.2010
09:40 Uhr
776
Neutralisationsbehälter
RnScout
04.08.2010
10:12 Uhr
05.08.2010
09:38 Uhr
7.712
Keller
RTM 1688
04.08.2010
10:15 Uhr
05.08.2010
09:35 Uhr
1.725
Keller Zwischenplattform
AlphaGuard
04.08.2010
14:10 Uhr
05.08.2010
09:32 Uhr
1.791
Neutralisationsbehälter
RnScout
27.09.2010
13:50:06 Uhr
28.09.2010
11:10 Uhr
7.499
Chloridanlage
RTM 1688
27.09.2010
13:50
28.09.2010
11:04
313
Keller Zwischenplattform
ATMOS
27.09.2010
13:56
28.09.2010
11:09
212
Keller
AlphaGuard
27.09.2010
14.08
28.09.2010
11:21
637
Ultrafiltration
AlphaGuard
27.09.2010
14:18
28.09.2010
11:25
4.608
Büro 1. OG
AlphaGuard
27.09.2010
13:00
28.09.2010
11:23
1.327
Dosimetermessungen
Für die Dosimetermessungen wurden Messgeräte der Firma ALTRAC verwendet. Mit den
Dosimetermessungen der Radonkonzentration vom 23.07.2010 bis 05.08.2010 wurden folgende
Ergebnisse erzielt (siehe auch Anlage 2).
Tab. 3:
Ergebnisse der Dosimetermessungen 23.07. bis 05.08.2010
Dosimeter-Nummer
Expositionsort
Mittlere Radon-222-
konzentration in Bq/m³
T72857
Büro OG
810
T72989
Filterraum OG (UF)
5.900
T73074
Keller Gang
2.300
T72660
Keller Grundablass
2.200
T72774
Chloridanlage EG
270
R19275
Freiluft
170
T72845
Treppenhaus
2.100

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Bernd Leißring, Guido Leißring
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Seite 79
Der Mittelwert über die Dosimetermessungen lag bei 1.964 Bq/m³. Das Maximum wurde mit 5.900
Bq/m³ in der Ultrafiltration festgestellt.
Die Monitormessungen erfolgten jeweils nach erfolgter Lüftung auf Freiluftverhältnisse in den einzelnen
Räumen und zeigen die unterschiedlichen Szenarien des Anstieges der Radonkonzentration an den
insgesamt sieben Messorten.
Als Beispiel ist das Diagramm für den Messort 6 dargestellt.
Die gesamten Messungen einschließlich der ausgeführten Lüftungsversuche dienten zur Festlegung
einer
angepassten
Strategie
für
technische
Bewetterungsmaßnahmen
zur
Senkung
der
Radonkonzentration in den Räumen des Gebäudes.
Abb. 3:
Darstellung der Radon-222-Konzentration (Bq/m³) und der Radonfolgeproduktkonzentration
(MeV/cm³) am Messort 6
Diese
Messung
im
Büro
1.
Obergeschoß
diente
durch
die
Bestimmung
der
Radonfolgeproduktkonzentration
neben
der
Radonkonzentration
zur
Ermittlung
des
Gleichgewichtsfaktors. Er liegt mit rund 0,4 zwischen 0,2 und 0,7 im erwarteten Bereich.
Der Anstieg bei geschlossenen Fenstern im Büro entspricht den Messresultat vom 22./23.07.2010.
Der Anstieg am Ende der Messung ist auf die Öffnung der Tür zur Ultrafiltration und einen dadurch
bedingten Radontransport erklärbar.
Als weiteres Beispiel sind die Verhältnisse in der Ultrafiltration (Rohwasserrinne) dargestellt. Die
Senkung am Ende der Messkurve ist durch eine eingeleitete Querlüftung des Raumes bedingt.

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Abb. 4:
Darstellung der Radon-222-Konzentration am Messort 5
4
Auswertungen der Radonmessungen einschließlich der Erkenntnisse
aus den Belüftungsmaßnahmen für das Konzept für technische
Maßnamen zur Senkung der Radonkonzentration
Für das Wasserwerk lassen sich zwei Quellen der Radonbelastung erkennen.
Radoneintritt in das Gebäude durch Migration der Bodenluft
Radonfreisetzung durch Wasserbehandlung
zu 1. Radoneintritt durch Migration der Bodenluft:
Mit dem vorhandenen Radonpotential des geologischen Untergrundes am Standort des Gebäudes,
nachgewiesen durch die Bodenradonmessungen mit dem Maximum von 182.000 Bq/m³ und dem
gebäudeseitig, nicht durchgängig vorhandenem Radonschutz, sind Migrationspfade der Bodenluft in
das Gebäude gegeben.
Es ist dadurch eine Radonkonzentration im Gebäude (insbesondere im Keller) von 1.000 bis über 2.000
Bq/m³ zu erkennen.
Dieser Einfluss nimmt naturgemäß zu den oberen Stockwerken ab, wobei aber über das nicht zum
Keller abschließbare Treppenhaus, im Zuge der Luftzirkulation, eine gewisse Grundbelastung mit sich
bringt, wenn keine gerichtete Lüftung erfolgt.
Durch die Lüftungsversuche konnte nachgewiesen werden, dass sich der Einfluss der
Bodenradonmigration minimieren lässt. Zudem ist diese Quelle gegenüber der Belastung durch das
radonangereicherte Frischwasser von sekundärem Einfluss.

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Bernd Leißring, Guido Leißring
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Seite 81
zu 2. Radonfreisetzung durch Wasserbehandlung:
Mit der Zuführung des Frischwassers mit einem hohen Radongehalt und der im Rahmen der
Aufbereitung sich einstellenden Freisetzung des Radons aus dem Wasser, tritt in den relevanten
Räumen des Gebäudes an allen Stellen, wo das freigesetzte Radon aus dem Frischwasser sich in die
Raumluft ausbreiten kann, der primäre Effekt der Erhöhung der Radonkonzentration ein. Messtechnisch
ist eine Radonkonzentration im Zulaufstolln im Bereich zwischen 10.000 bis 14.000 Bq/m³ nachweisbar.
Dieses Wasser wird beim Eintritt in die Wasseraufbereitung (UF) weiter bewegt und dabei kommt es
zur Freisetzung des Radons. Dies bewirkt in dem UF-Raum 1. OG eine Belastung der Raumluft von
6.000 bis über 12.000 Bq/m³. Durch die gebäudeseitig nicht vorhandene Abschottung dieses Raumes
zu den Nebenräumen, insbesondere zum Büro kommt es zu einer, wenn auch geringen Belastung von
bis zu 2.000 Bq/m³ im Hauptaufenthaltsraum der Beschäftigten, wenn keine intensive Belüftung erfolgt.
Sinngemäß trifft dies auch für den Raum mit den Filtrationskammern im Erdgeschoss mit ca. 8.000
Bq/m³ zu. Der Chloridraum im Erdgeschoss ist bauseitig von dieser Beeinflussung abgeschottet. Hier
treten nur Radonkonzentrationen von 300 Bq/m³ auf.
Die ausgeführten Bewetterungsversuche zeigen, dass sich die Radonbelastungen in den einzelnen
Räumen senkend beeinflussen lassen. Folgende Möglichkeiten sind durch die Belüftungsversuche
erprobt und somit anwendbar.
A) Zufuhr von Frischluft und definierter Luftwechsel in den hoch belasteten Räumen des Wasserwerkes.
Dazu sind mehrere Wege möglich
Umbau der Fenster, das Querlüftungen insbesondere in der Ultrafiltration realisiert werden
können.
alternativ Schaffung von Bewetterungsöffnungen in der Giebelwand um Frischluft durch den
natürlichen Wetterzug oder mit Hilfe von Lüftern zu realisieren.
Lüftungsregime erarbeiten vom Keller (Öffnungen der Tür zum Schacht an der Giebelwand)
bis zum Obergeschoss und Treppenhausfenster öffnen
Zu beachten ist, dass das Belüftungsregime nicht durchgehend notwendig ist, sondern auch stoßweise
durch Querlüftungen ein maßgeblicher Effekt eintritt (siehe Belüftungsversuch).
Die Randbedingungen, wie Temperaturen unter 0°C im Winter, müssen dabei beachtet werden. Auch
ist zu überprüfen, wie die Zeiten geschlossener Fenster (außerhalb der Arbeitszeiten) und der sich dabei
einstellenden Konzentrationsanstieg durch die einzuleitenden Luftwechselzeiten zu kompensieren ist.
Die Maßnahmen zur Lüftung sollten durch Radonkonzentrationsmessungen begleitet werden, um die
Effekte zu dokumentieren und die Belastungsmengen für die Beschäftigten ermitteln zu können.
B) Belüftung des abzudeckenden Rohwasserkanals, um die Radonzufuhr aus dieser Quelle in das
Gebäude zu senken

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Erfahrungen bei der Senkung der Radonbelastung in einem bayrischen Wasserwerk
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5
Realisierte technische Maßnahmen zur Senkung der Radon-
konzentration
Folgende technische Maßnahmen wurden schrittweise realisiert. Die Ergebnisse wurden durch Lang-
und Kurzzeitmessungen analysiert.
Tab. 4:
Realisierte technische Maßnahmen
Art der Veränderung
Foto
Abdichten der Rohwasserrinne
Absaugen der Rohwasserrinne
mittels Lüfter
Belüftung des Treppenhauses
mittels Lüfter
Einbau Lüfter im
Niederspannungsraum

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6
Ergebnisse der bisherigen Messungen und Empfehlungen
Mit den nachfolgenden Beispielen der Messungen der Radonkonzentration an den relevanten
Betriebspunkten des Wasserwerkes wird die Wirkung der technischen Maßnahmen einschätzbar und
ein Überblick über den erreichten Stand gegeben.
Tab. 5:
Dosimetermessungen vom 19.10.2012 bis 21.11.2012
Messgerätenummer
Expositionszeit
Rn-Konz.
Beginn
Ende
Messort
Datum
Datum
Bq/m³
T09024
19.1012
21.11.12
580
Zwischenraum
(Niederspannungsraum) OG
T09038
19.1012
21.11.12
670
Umkleide OG
T09037
19.1012
21.11.12
350
Büro OG
T09029
19.1012
21.11.12
140
Treppenhaus
T09073
19.1012
21.11.12
240
Keller
T09028
19.1012
21.11.12
990
Filtration EG
T09072
19.1012
21.11.12
280
Ultrafiltration OG
Beispielhaft wird eine Kontrollmessung mittels Monitoren vom 21.11.2012 aufgeführt:
Tab. 6:
Ergebnisse der Monitormessungen am 21.11.2012
Expositionsort
Expositionszeit
mittlere
Radon-222-Konzentration
Messgerät
Treppenhaus
10:27 – 13:09
54 Bq/m³
AG 1998
Filterraum EG
10:25 – 13:07
706 Bq/m³
RS 463
Keller
10:26 – 13:08
272 Bq/m³
RS 462
Zwischenraum OG
10:33 – 13:10
485 Bq/m³
AG 1049
Ultrafiltration OG
10:35 – 13:10
495 Bq/m³
RS 331
Büro
10:38 – 13:13
229 Bq/m³
AG 1828
OG Umkleide
11:35 – 14:40
359 Bq/m³
DM 138

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Erfahrungen bei der Senkung der Radonbelastung in einem bayrischen Wasserwerk
Seite 84
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Abb. 5:
Messverlauf der Radonkonzentration im Treppenhaus bei laufendem Lüfter
Abb. 6:
Kontrollmessung Büro 1. OG bei laufendem Lüfter
Die Messungen zeigen die erfolgreichen Ergebnisse zur Senkung der Radonbelastung.

Roland Baumann, Dieter Kreul
Bernd Leißring, Guido Leißring
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 85
Ergebnisse der Personendosimetrie
Die Überprüfung der Belastung für die Beschäftigten wurde auch im Beschäftigungszeitraum durch
Personendosimetrie dokumentiert.
Die dabei erzielten Ergebnisse belegen die Wirkung der erfolgten technischen Maßnahmen. Die
vorliegenden Daten bis Ende 2012 belegen dies.
Tab. 7:
Ergebnisse der Personendosimetrie (hochgerechnete Jahresexposition Ej [MBqh/m³])
2
Messzeitraum
Beschäftigter 1
Beschäftigter 2
1. Quartal 2012
1,50
1,81
2. Quartal 2012
3,94
1,77
3. Quartal 2012
0,75
1,64
4. Quartal 2012
< 0,30
0,90
7
Fazit und Hinweise
Für die erreichte Situation im Wasserwerk lässt sich nach den bis Ende 2012 ausgeführten technischen
Maßnahmen der insbesondere absaugenden Belüftung, dass sich die Gegebenheiten wesentlich
verbessert werden konnten und damit den staatlichen Vorgaben entsprochen wird. Veränderungen an
der Wasseraufbereitung, so zum Beispiel die Verrohrung des Frischwasserzuflusses können zu
Einflüssen auf die Radonkonzentrationsverhältnisse an den einzelnen Betriebs- und Aufenthaltsorten
der Beschäftigten führen, die entsprechend den gemessenen Konzentrationen durch die vorhandenen
Lüfteranlagen optimiert werden können (Leistungssteigerung der Lüfter, Dauer der Belüftungszeiten).
Mit den interaktive ausgeführten Sanierungsmaßnahmen konnte insgesamt für die Beschäftigten eine
erhebliche Senkung der Belastungssituation erreicht werden. Dabei hat sich die schrittweise technische
Realisierung der Belüftungsanlagen und die jeweiligen Prüfungen durch Messungen als zielweisend
erwiesen.
Für die erreichte Situation im Wasserwerk lässt sich nach den ausgeführten technischen Maßnahmen
konstatieren, dass für die Arbeitsplätze der Beschäftigten insgesamt keine weiteren Maßnahmen, unter
Beachtung des durchschnittlichen Aufenthalts der Beschäftigten an den Arbeitsorten, notwendig sind,
soweit keine technischen Änderungen der Wasseraufbereitung erfolgen.
Die ausgeführten technischen Maßnahmen zeigen die angestrebte Verbesserung der Senkung der
Radonkonzentration. Insbesondere die Belüftung der einzelnen Arbeitsorte in der Arbeitszeit wirken sich
positiv aus.
Mit der Weiterführung der Dosimetermessungen kann zudem eine belastbare Langzeitmessung der
einzelnen Arbeitsorte vorgelegt werden. Auch muss beachtet werden, dass in die Dosimetermessungen
auch die Zeiten außerhalb der Arbeitszeit, in denen die Absuglüftungen nicht arbeiten eingehen, die
dadurch im Allgemeinen höher als die Belastung während der Dienstzeit sind. Mit den
Monitormessungen wird dies belegt
2
Quelle: Ergebnisse der Radon-Personalmessung vom Helmholtz Zentrum München

Erfahrungen bei der Senkung der Radonbelastung in einem bayrischen Wasserwerk
Seite 86
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
8
Literaturverzeichnis
[1]
Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierte Strahlen (Strahlenschutzverordnung)
Gesetzblatt vom 26. Juli 2001
[2]
Strahlenschutzkommission: Leitfaden
zur
Messung
von Radon, Thoron und
ihren
Zerfallsprodukten, Bd. 47, Bonn 2002
[3]
Bundesamt für Strahlenschutz: Überwachung für die Umsetzung der Regelungen nach Teil 3,
Kapitel 1 und 2 StrlSchV.- Salzgitter, März 2006

 
Heinrich Rösl
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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RADON IN BAYERN - RADONSANIERUNG IN EINEM ALTEN
BAUERNHAUS IN ASCHAU IM CHIEMGAU
RADON IN BAVARIA - RADON RENOVATION IN AN OLD FARMHOUSE
IN ASCHAU IM CHIEMGAU
Heinrich Rösl
Präsident Eigenheimerverband Bayern e. V.
Zusammenfassung
Die Radon-Sanierung eines sehr alten Bauernhauses in Oberbayern auf mehrfache Weise war
durchaus ein „Pilotprojekt“ in Bayern. Ein nicht unterkellertes Haus wird nachträglich von unten mit
Beton, Folie und Absaugung fast radonfrei. Die Erfahrung mit einem Radonbrunnen war so erfolgreich,
dass inzwischen in Aschau ein weiterer Radonbrunnen gebaut wurde. Das Landesamt für Umwelt in
Bayern baut zusammen mit dem Bauzentrum München inzwischen ein Radon-Netzwerk aus und bietet
die Ausbildung zur Radon-Fachperson an. Der erste Kurs ist bereits erfolgreich abgeschlossen.
Summary
The radon renovation of a very old farmhouse in Upper Bavaria was absolutely a "pilot project" in Bavaria
in multiple manner. A building without basement in addition of concrete, foil and
extraction
removal
by
suction
underneath becomes almost free of radon. The experience with a radon well was so successful,
that in the meantime in Aschau another radon well was built. The regional authorities for environment in
Bavaria develop together with the construction centre Munich, in the meantime, a radon network and
offer the education as radon-professional person. The first course is already concluded successfully.

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Radon in Bayern - Radonsanierung in einem alten Bauernhaus in Aschau im Chiemgau
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
1
Projektvorstellung
Der Eigenheimerverband folgte vor vielen Jahren dem bayerischen Umweltministerium in der
Einschätzung, man braucht kein Gesetz zum Thema Radon. Die umfassende Information der
Bevölkerung genügt!
Durch das Auftreten von Radon im Wohnhaus des Präsidenten des Eigenheimerverbandes e.V.
wandelte sich diese Einstellung: Radon bedarf gesetzlicher Grundlagen, um die Menschen vor den
Auswirkungen zu schützen.
Durch eine Messung mit mehreren Exposimetern stellte man fest, dass im alten Bauernhaus, das nur
einen vertieften „Kellerraum“ hat, im Keller 2000-3000 bq und im Wohnzimmer im Erdgeschoss über
4000 bq gemessen wurden. Spätere Langzeit-Verlaufsmessungen bestätigten dieses Ergebnis.
Abb. 1:
Altes Bauernhause als Sanierungsobjekt
Mit Hilfe des Landesamtes für Umwelt in Augsburg (LfU) wurde ein Sanierungsplan erarbeitet. Dabei
betrat man auch im Landesamt Neuland, da wegen fehlender gesetzlicher Grundlagen keine Gelder für
solche Dinge zur Verfügung standen. Trotzdem war die Beratung und Betreuung hervorragend, was
auch an einzelnen sehr engagierten Mitarbeiter/innen lag.
2
Sanierung
1.
Wohnzimmersanierung durch Abdichtung des Bodens und Luftdrainage
2.
Kellersanierung
3.
Radonbrunnen
4.
kontrollierte Be-und Entlüftung

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Heinrich Rösl
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
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2.1 Wohnzimmersanierung durch Abdichtung des Bodens und Luftdrainage
Im Wohnzimmer gab es einen Holzboden, auf Balken aufgenagelt in Schlacke liegend. Darunter kam
der gewachsene Boden.
Abb. 2:
Aushub auf ca. 50 cm Tiefe
Abb. 3:
Einbringen von grobkörnigem Beton
Abb. 4:
Verlegung einer Luftdrainage mit Abluft nach
draußen durch einen Ventilator unterstützt

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Radon in Bayern - Radonsanierung in einem alten Bauernhaus in Aschau im Chiemgau
Seite 90
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Abb. 5:
Auffüllen von mittelkörnigem Kies ohne Sandpartikel
(Rollkies)
Abb. 6:
Folienaufbringung in zwei Laufrichtungen, zur Wand
hin eingeputzt, verklebt und verschweißt
Abb. 7:
Beton-Estrich

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Heinrich Rösl
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 91
Abb. 8:
Holzbodenverlegung
Werte gingen auf durchschnittlich 350- 400 bq im Erdgeschoss zurück
Die einzelnen Stockwerke sind offen, d.h. alle Türen der Zimmer sind immer offen. Die Werte waren im
1. Stock um die 100 bq und im 2. Stock nur noch 40-60 bq.
2.2 Kellersanierung
Im Keller gab es immer schon einen Luftaustausch durch ein Rohr nach außen – weshalb dort die
Radonkonzentration geringer war.
Abb. 9:
Kellerboden

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Radon in Bayern - Radonsanierung in einem alten Bauernhaus in Aschau im Chiemgau
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Boden aus in Sand gelegte Ziegel, Untergrund der gewachsene Boden
Auf diese Ziegel Grobbeton, dann Radonfolie wie im Wohnzimmer
Betonestrich
Die Seitenwände wurden nicht abgedichtet
Werte gingen nur auf 700-800 bq zurück
2.3 Radonbrunnen
Durch Literaturstudium, aber auch durch gezielte Hinweise von Fachleuten wurde ein Radonbrunnen
gebaut.
Eine alte aufgelassene Klärgrube wurde nach unten geöffnet und bis unter Hausfundament
abgegraben
Einsetzen eines Rohres mit Löchern (unten ca 1 m) Auffüllen mit sandfreien Rollkies
Auf das Rohr wurde in ca. 1,50m Höhe ein Spezialventilator gesetzt, der die Luft herauszieht
Abb. 10:
Radonbrunnen
Werte gingen im Haus auf unter 100 bq zurück, im Keller auf 300-400
Werte am Ausgang des Radonbrunnens um die 4000 bq
2.4 Kontrollierte Be-und Entlüftung
Auf eine kontrollierte Be-und Entlüftung wurde aufgrund der baulichen Gegebenheiten und der
Problematik Unterdruck-Überdruck verzichtet.
Fazit: Unter Umständen hätte der Radonbrunnen alleine das Radonproblem gelöst!

 
Thomas Hartmann
Florian Eibisch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 93
BERÜCKSICHTIGUNG
DER
RADONTHEMATIK
BEI
DER
NEUGESTALTUNG DES BEIBLATTES KELLERLÜFTUNG ZUR DIN
1946-6
CONSIDERATION
OF
RADON
IN
THE
NEW
STANDARD
SUPPLEMENT FOR BASEMENT VENTILATION
Thomas Hartmann
Florian Eibisch
ITG Institut für technische Gebäudeausrüstung Dresden Forschung und Anwendung GmbH, Dresden
Gefördert durch den Verein zur Förderung des NHRS (VF NHRS) e.V.
Zusammenfassung
Die Lüftung von Kellerräumen ist derzeit normativ nicht erfasst, häufig werden in der Praxis die
speziellen Anforderungen an die Lüftung solcher Räume nicht oder nur teilweise berücksichtigt. Mit dem
neuen Beiblatt werden diese Anforderungen beschrieben und Lösungswege aufgezeigt. Aufgrund der
Tatsache, dass Kellerräume erdreichberührte Flächen besitzen, kann die Thematik Radon bei einer
vollständigen Beschreibung nicht außer Acht gelassen werden. Neben einer Auflistung der wesentlichen
baulichen Radonschutzmaßnahmen sind lüftungstechnische Maßnahmen und deren Auslegung
beschrieben.
Summary
The ventilation of basements is currently normative not covered in Germany, the special requirements
for the ventilation of such spaces are not used in practice or only partially taken into account. With the
new standard supplement, described these requirements and solution ways. Due to the fact that
basements have contact to ground surfaces, radon cannot be left out in the description. In addition to a
collection of essential structural radon control procedures, ventilating measures and their design are
described.

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Berücksichtigung der Radonthematik bei der Neuregelung des Beiblattes Kellerlüftung zur DIN 1946-6
Seite 94
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
1
Problemstellung
Häufig herrscht bei dem Anwender große Unsicherheit, wie Kellerräume richtig zu lüften sind. Aufgrund
der Speicherfähigkeit des Erdreichs folgen die Erdreichtemperaturen zeitlich verzögert und gedämpft
der Außenlufttemperatur (siehe Abb. 1). Da die meisten Kellerwände erdreichberührt sind, stellen sich
zwangsläufig andere Anforderungen an die Lüftung von Kellerräumen als bei normalen Wohnräumen
mit außenluftberührten Außenwänden. Hinzu kommt, dass in den meisten Fällen auch die Nutzung und
somit die Feuchtefreisetzung in Kellerräumen nicht vergleichbar mit Wohnräumen ist. Diese Tatsachen
führen zu anderen Randbedingungen bei der Entstehung von schimmelpilzkritischen Zuständen oder
ggf. Tauwasserbildung.
Abb. 1:
Erdreichtemperaturen in verschiedenen Tiefen nach [1]
Neben der Feuchteproblematik stellt sich in Kellerräumen mitunter noch ein weiteres Problem ein:
Radon. In der Regel sind konvektive Bodenluftvolumenströme ins Gebäude für erhöhte Radon-
Innenraumkonzentrationen verantwortlich. Der ausgeprägte Kontakt zum Erdreich führt in diesen
Räumen (bei vorhandenem geogenen Radonpotential) meist zu den höchsten Radonkonzentrationen
im Gebäude. Soll die Radonkonzentration in Wohnräumen gesenkt werden, kann dies einerseits durch
Lösungen in den betroffenen Räumen umgesetzt werden, andererseits kann das Problem aber auch
direkt an der Quelle, also meist im Keller, bekämpft werden.
Neben reinen baulichen Maßnahmen sind lüftungstechnische Maßnahmen ein sehr probates und
langfristig wirksames Mittel zur Senkung erhöhter Radon-Innenraumkonzentrationen.
Ziel des neu zu erstellenden Beiblattes Kellerlüftung zur DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“ ist die
Darstellung umfassender Lösungsansätze für diese beiden Probleme, auch bei gemeinsamem
Auftreten.

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Thomas Hartmann
Florian Eibisch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 95
2
Lüftungslösungen bei Radonproblemen
2.1 Luftwechselerhöhung
Eine sehr häufig angewendete Möglichkeit zur Abfuhr von Schadstoffen aus der Raumluft ist die
Luftwechselerhöhung. Die belastete Raumluft wird durch den erhöhten Luftaustausch verdünnt, im
Ergebnis sinkt die Schadstoffkonzentration. Bei bekannter Radon-Innenraumkonzentration und
bekanntem Luftwechsel in einem Raum kann indirekt auf die Quellstärke, also die Menge des
eintretenden Radons zurückgeschlossen werden. Mit Kenntnis dieser Größe lässt sich dann ein neuer
Luftwechsel berechnen, der zur Einstellung einer bestimmten Zielkonzentration notwendig ist. Für
Radon lässt sich dieser Zusammenhang näherungsweise wie folgt beschreiben (Gl. 1). Eine mögliche
graphische Darstellung des Effektes der Luftwechselerhöhung in Abhängigkeit von der Quellstärke zeigt
Abb. 2.
n
neu
=
λ ∗
(C
alt
− C
neu
)
+ n
alt
∗ (C
alt
− C
a
)
C
neu
− C
a
(1)
mit
n
neu
neuer Luftwechsel zur Einstellung der Konzentration C
neu
, in 1/h
C
neu
Zielwert der Radonkonzentration, in Bq/m³
C
alt
gemessene Innenraumkonzentration, in Bq/m³
C
a
Radon-Außenluftkonzentration, in Bq/m³ (sind keine Messwerte vorhanden, kann
C
a
= 30 Bq/m³ angenommen werden)
n
alt
gemessener oder aus der Gebäudedichtheit abgeschätzter Luftwechsel, in 1/h
λ
Zerfallskonstante von
222
Rn, etwa 0,00756 * 1/h
Anmerkung:
Bei üblichen Luftwechseln n kann der Term λ*(C
alt
– C
neu
) aufgrund des geringen Einflusses
vernachlässigt werden.
Abb. 2:
Radon-Innenraumkonzentration in Abhängigkeit des Luftwechsels bei verschiedenen
Quellstärken

Berücksichtigung der Radonthematik bei der Neuregelung des Beiblattes Kellerlüftung zur DIN 1946-6
Seite 96
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Diese Methode kann bei nicht zu hohen Ausgangswerten der Radonkonzentration angewendet werden,
zu beachteten ist das Verhältnis der Ausgangskonzentration zum bestehenden Luftwechsel.
Unabhängig vom bestehenden Luftwechsel finden sich die Grenzen bei Radonkonzentrationen von
etwa 1000 Bq/m³, in den meisten Fällen liegt dieser Wert allerdings deutlich niedriger.
Die Realisierung eines erhöhten Luftwechsels kann einerseits mittels freier Lüftung, angetrieben durch
natürliche Druckdifferenzen, oder aber durch ventilatorgestützte Systeme erreicht werden.
2.2 Überdruckerzeugung
Der Haupteintrittsmechanismus von Radon in Gebäude ist die Konvektion durch Leckagen. Dieser wird
durch Druckdifferenzen im Gebäude bzw. zwischen Gebäude und Erdreich angetrieben. Soll der Eintritt
von Radon ins Gebäude gesenkt werden, kann die Erzeugung eines leichten Überdrucks von wenigen
Pascal eine sehr wirkungsvolle Methode sein. Neben der reinen Senkung der Radoneintrittsrate findet
auch hier ein Verdünnungseffekt durch erhöhten Luftaustausch statt.
Die Erzeugung eines Überdrucks kann durch einen Überschuss an Zuluft erfolgen. Hierfür eignen sich
sowohl reine Zuluftsysteme, wie auch Zu-/Abluftsysteme, die in einem Zuluftüberschuss betrieben
werden. Präferiert werden zentrale Anlagen und ein Überdruck von 1 bis maximal 5 Pascal, auch die
dezentrale Installation in einzelnen Räumen ist möglich.
Die Dimensionierung des notwendigen Zuluftüberschusses kann beispielsweise anhand der Dichtheit
der Gebäudehülle (n
50
–Wert) geschehen.
2.3 Unterdruckerzeugung
Entgegen des in 2.2 beschriebenen Vorgehens mit der Erzeugung eines leichten Überdrucks im
Gebäude kann auch die Erzeugung eines Unterdrucks zur Senkung der Radonkonzentration in
Gebäuden führen. Sehr weit verbreitet und oft angewendet sind sogenannte Radonbrunnen und
Radondrainagen, welche unter dem Gebäude oder unter einzelnen Räumen durch das Absaugen von
Bodenluft einen Unterdruck erzeugen und somit den Eintritt radonhaltiger Bodenluft in das Gebäude
verhindern.
Aber auch in Gebäuden kann die Erzeugung eines Unterdrucks zur Senkung der Radonkonzentration
führen. Wichtig für die Anwendung dieser Methode ist die lüftungstechnische Trennung der im
Unterdruck befindlichen Räume vom Rest des Gebäudes. Durch den gezielten Unterdruck in einzelnen
Räumen kann die Ausbreitung radonhaltiger Luft aus diesen in den Rest des Gebäudes verhindert
werden. In den meisten Fällen hat diese Methode jedoch ein Ansteigen der Radonkonzentration in den
im Unterdruck befindlichen Räumen zur Folge, weshalb diese nicht als Wohnräume genutzt werden
können. Ungenutzte Kellerräume eignen sich für diese Lösung jedoch. Die Wirksamkeit solcher
Systeme ist in der Regel sehr hoch. Für die Umsetzung kommen vor allem dezentrale Abluftanlagen in
Frage.
3 Radon-Aspekte im Beiblatt „Kellerlüftung“ zur DIN 1946-6
In der DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“ (Ausgabe 2009) [2] wird auf Basis eines
Lüftungskonzeptes die Auswahl, Ausführung und Instandhaltung von lüftungstechnischen Maßnahmen
für Wohnungen und Nutzungseinheiten mit wohnähnlicher Nutzung beschrieben. Mit dem
Lüftungskonzept wird dabei festgelegt, ob in einer Wohnung bei bestimmten lüftungsrelevanten

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Thomas Hartmann
Florian Eibisch
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 97
Maßnahmen (z.B. Austausch der Fenster) zur Vermeidung von schimmelpilzkritischen Zuständen
lüftungstechnische Maßnahmen erforderlich sind. Die Lüftung von Kellerräumen ist nicht explizit in
dieser Norm behandelt.
Diese Lücke soll mit einem neuen Beiblatt „Kellerlüftung“ geschlossen werden. Neben der detaillierten
Beschreibung lüftungstechnischer Lösungsmöglichkeiten und deren Auslegung werden in dem Beiblatt
auch die wesentlichen verfügbaren baulichen Maßnahmen für den Radonschutz dargestellt. Eine kurze
Beschreibung der gängigsten Messmethoden von Radon-Innenraumkonzentrationen ist enthalten.
Abb. 3
: möglicher Ablaufplan

Berücksichtigung der Radonthematik bei der Neuregelung des Beiblattes Kellerlüftung zur DIN 1946-6
Seite 98
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
Die Grundstruktur basiert auf der Einteilung verschiedener Raumklassen in Abhängigkeit von der
Nutzung eines Raumes. Hierfür wird die geschätzte Aufenthaltsdauer in einem bestimmten Raumtyp
als Entscheidungskriterium verwendet. Weiterhin spielt der Gebäudetyp – Neubau oder Sanierung –
eine Rolle bei der Auswahl der Lösungsansätze.
Auch wenn lüftungstechnische Maßnahmen in den meisten Fällen sehr gut zur Senkung hoher
Radonkonzentrationen geeignet sind, werden diese keinesfalls als „Allheilmittel“ angesehen. Je nach
dem
vorliegenden
Einzelfall
muss
eine
Abschätzung
erfolgen,
welche
Maßnahme
am
wahrscheinlichsten
zielführend
ist.
So
ist
beispielsweise
die
Abdichtung
offensichtlicher
Radoneintrittspfade als erste Sofortmaßnahme meist dem Einsatz einer Anlage zur dezentralen
Kellerentlüftung voranzustellen. Erst wenn diese Sofortmaßnahmen keine Wirkung zeigen, sollten
umfangreichere Schritte eingeleitet werden.
Essentiell ist auch die Erfolgskontrolle nach der Realisierung einer Maßnahme, bei Radon kann hierfür
nur
eine
Messung
der
Innenraumkonzentration
durchgeführt
werden.
Ebenso
wird
zu
Kontrollmessungen in regelmäßigen Abständen (z. B. nach zehn Jahren) geraten, da sich die
Bausubstanz verändern kann und ggf. neue Eintrittspfade entstehen oder durchgeführte Radon-
Sanierungsmaßnahmen nicht mehr wirksam sind. (Abb. 3)
Zwar beschäftigt sich das Beiblatt nur mit der Lüftung von Kellerräumen, die vorgestellten Methoden zur
Senkung hoher Radonkonzentrationen sind aber auch für normale Wohnräume (z.B. auf der
Bodenplatte in nicht unterkellerten Gebäuden) anwendbar.
4
Ausblick
Die vollständige Beschreibung eines interdisziplinären Themas wie Radon lässt sich nicht mit Hilfe einer
Norm zum Thema Lüftung erreichen. Das geplante Beiblatt Kellerlüftung fokussiert auf den
Zusammenhang zwischen Radonsituation und Lüftungslösungen und stellt damit einen ersten Schritt
zur normativen Beschreibung der Radonthematik dar. Perspektivisch ist die Verankerung der Thematik
in weiteren tangierenden (z.B. bauseitigen) Normen als sinnvoll zu erachten. Auch die Erstellung einer
eigenständigen „Radon-Norm“ ist in der Diskussion.
Mit der voraussichtlich Ende 2013/Anfang 2014 in Kraft tretenden „BSS-Richtlinie“ (Proposal for a
council directive laying down
b
asic
s
afety
s
tandards for protection against the dangers arising form
exposure to ionising radiation.) wird das Thema Radon stärker in den öffentlichen Fokus rücken. Dies
könnte Anlass für weitere Normen und Gesetze zu Thema Radon werden.
5
Literaturverzeichnis
[1]
DIN 4710, Statistiken meteorologischer Daten zur Berechnung des Energiebedarfs für heiz- und
raumlufttechnische Anlagen in Deutschland, Berlin, Beuth Verlag GmbH, 2003
[2]
DIN 1946-6, Raumlufttechnik - Lüftung von Wohnungen Allgemeine Anforderungen,
Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme
(Abnahme) und Instandhaltung, Berlin, Beuth Verlag GmbH, 2009

 
Leopoldo Mazzoleni
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 99
EINSATZ DES MODULO-SYSTEMS UNTER BODENPLATTEN ALS
TEIL VON RADONSCHUTZMASSNAHMEN
USE OF MODULO-SYSTEMS UNDER GROUND SLAB AS PART OF A
RADON PROTECTION ACTION
Leopoldo Mazzoleni
Geoplast S.p.A., Grantorto, Italien
Zusammenfassung
Die Begrenzung des Anstiegs der Radonkonzentration in der Raumluft infolge hoher
Radonkonzentration im Boden sowie der Bau radondichter Gebäudehüllen sind keine leichten
Aufgaben. Durch Baufehler sowie den Einsatz ungeeigneter Materialien erhöht sich die Gefahr erhöhter
Radonkonzentrationen in der Raumluft.
Die Bedeutung von Hohlräumen unter einem Gebäude war bereits in der Zeit der römischen Hochkultur
bekannt. So wurde durch die Anlage belüfteter Kriechkeller eine Trennung der Bodenplatte vom
Erdboden erreicht und somit der Eintrag der Bodenfeuchte in das Gebäude verhindert. In den letzten
Jahren wurde erkannt, dass diese technische Lösung zugleich das Eindringen der radonhaltigen
Bodenluft deutlich reduzieren kann, wenn die Bodenluft aus den Hohlräumen direkt an die Außenluft
abgeführt wird.
Im heutigen Bauen sind die Steinkonstruktionen für die Hohlraumbildung zuerst durch
Betonkonstruktionen und in einer weiteren Entwicklungsstufe durch Kunststoff-Formelemente ersetzt
worden: dem Modulo-System
Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass der Bau eines belüfteten Kriechkeller mit dem Modulo-
System das Eindringen von Radon in ein Gebäude um 95% reduzieren kann.
Summary
The limitation of the increase of the radon concentration in the ambient air as a result of high radon
concentration in the ground as well as the construction of radon-thick building covers are no easy duties.
By construction mistakes as well as the application of inexpedient materials the danger of raised radon
concentrations increases in the ambient air.
The meaning of hollow cavities under a building was already known in the time of the Roman advanced
civilisation. Thus a separation of the base plate of the surface of the earth was reached by the
arrangement of ventilated crawl space and therefore the entry of the ground dampness was prevented
in the building. During the last years it was recognised that this technical solution can clearly reduce the
penetration of the radon-containing ground air at the same time if the ground air from the hollow cavities
is led away directly to the outside air.

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Einsatz des MODULO-Systems unter Bodenplatten als Teil von Radonschutzmassnahmen
Seite 100
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
In the today's construction the stone constructions have been substituted for the hollow cavity education
first with concrete constructions and in another stage of development by plastic-form elements: to the
Modulo system
Experimental investigations show that the construction of a ventilated crawl space with the Modulo
system can reduce the penetration of radon in a building about 95%.
1
Modulo-System und die belüftete Fundamente
Durch den Einbau des verlorenen Schalungs-System Modulo ergeben sich in Stahlbeton-Fundamenten
bzw. Bodenplatten zusammenhängende belüftete Hohlräume. Statisch-konstruktiv kann die Lösung als
gerippte Bodenplatte
bezeichnet werden.
Der freie Raum, der unter der Bodenplatte entsteht, kann zum Beispiel für die Verlegung von
Rohrleitungen verwendet werden. Weitere Nutzungen sind für jedes einzelne Projekt zu untersuchen.
Das Modulo System ermöglicht es, belüftete Hohlräume in einem einzelnen Betoniervorgang
(monolithisch gegossen) oder in mehreren Betonierschritten zu erstellen:
Monolithische Hohlräume werden durch die heute übliche Gießtechnik für Platten und
Streifenfundamente hergestellt. Diese Lösung ermöglicht es, einen Teil der Lasten des Bauwerks auf
die Bodenplatte umzuleiten und dadurch die Spannungen in den Fundamentbalken zu reduzieren.
Das Modulo System kann auch unabhängig von den Fundamenten in die Bodenplatte integriert werden
(Abb. 1). In diesem Fall werden in einer ersten Phase Streifenfundamente hergestellt, danach werden
die Modulo-Elemente in Beton vergossen.
Die Palette der Schalung Modulo reicht von 3 cm bis 70 cm Höhe, wobei Elemente mit 20 bis 40 cm
Höhe am häufigsten verwendet werden.
Abb. 1:
Prinzipschnitt belüftete Fundamentplatte

image
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Leopoldo Mazzoleni
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 101
2
Beschreibung der Umsetzung eines monolithischen Fundament mit
dem Modulo-System
Ein belüftetes Fundament ist mit dem Modulo-System sehr einfach und schnell realisierbar. Günstig ist
es, die Streifenfundamente gleichzeitig mit der Bodenplatte zu errichten, in die die Modulo-Elemente
integriert sind.
Der Standard-Aufbau kann wie folgt beschrieben werden:
In einem ersten Arbeitsschritt wird die Baugrube ausgehoben und der Baugrund nivelliert. Als erste
Schicht wird eine Sauberkeitsschicht aus Magerbeton mit einer Mindestdicke von 5 cm eingebaut. Damit
ist eine gute Grundlage für die korrekte Kopplung der Modulo-Elemente geschaffen worden. Zudem
unterstützt die Magerbetonschicht eine gleichmäßige Spannungsverteilung im Baugrund.
Die Modulo-System Elemente werden auf der Magerbetonoberfläche gelegt und miteinander gekoppelt,
indem eine verlorene Schalungsoberfläche und gleichzeitig ein Hohlraum erzielt werden. In den
geschaffenen Hohlräumen können Rohrleitungen angeordnet werden. Auf den Schalungselementen
wird die Bewehrung verlegt. Diese ist in Abhängigkeit von den vorhandenen Lasten ausreichend zu
dimensionieren.
Die letzte Phase beinhaltet das Gießen der Stahlbetonplatte über der Modulo-System
Schalungsoberfläche. Die Dicke der Platte ergibt sich aus den Projektlasten.
Abb. 2:
Belüftete Bodenplatte in der Bauphase
Abb. 3:
Streifenfundamente in
der Bauphase

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Einsatz des MODULO-Systems unter Bodenplatten als Teil von Radonschutzmassnahmen
Seite 102
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 24. Sept. 2013
3
Belüftung
Die Realisierung des Modulo-System schafft ein Belüftungskammersystem, das mit der Außenseite
durch Kunststoffrohre in geeigneter Größe in einem Abstand von etwa 3-4m voneinander verbunden
wird.
Die Anordnung der Kunststoffrohre sollte so erfolgen, dass diese in Nord-Süd-Richtung zueinander
stehen. Dabei werden die Rohre im Norden (kalte Wand) in einer Höhe niedriger als die Rohre im Süden
(wärmere Wand) angeordnet.
Damit soll, wo irgend möglich, der Kamineffekt, bei der durch Temperatur- und Druckunterschiede ein
natürlicher Auftrieb entsteht, ausgenutzt werden. Wo dies nicht möglich ist, wird eine Zwangsbelüftung
eingebaut.
Abb. 4:
Haus mit belüfteter Fundamentplatte
Abb. 5:
Prinzipdarstellung des Modulo-Systems

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Leopoldo Mazzoleni
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Seite 103
4
Validierung des statisches Systems
Um die Spannungen in der Bodenplatte zu untersuchen, ist es notwendig das statische System zu
vereinfachen, damit die Berechnungsmethoden nach Eurocode 2 angewendet werden können.
Abb. 6:
Strukturelle Darstellung der statisch-konstruktiven Vereinfachungen für die Berechnung
Es ist möglich, die Struktur aufzugliedern in:
Stützen: Die Stützen müssen infolge der Auflast durch die Bodenplatte auf Druckbeanspruchung
geprüft werden.
Platten: Das statische System wird als kontinuierlicher Träger auf einer Vielzahl von Stützen
abstrahiert. Durch diese Vereinfachung werden die positiven Auswirkungen der Bogenwirkung
und von Kuppeln sowie der breiteren Unterstützung um die Säulen vernachlässigt.
Abb. 7:
Belastungsversuch
Durch den Vergleich der Laboruntersuchungen mit der vereinfachten Berechnungsmethode werden die
Berechnungen validiert.
Der Test bestand in der Einwirkung einer konzentrierten Kraft auf eine Fläche von Ø 250 mm an einer
Basiseinheit des RC System.
Der Vergleich zwischen den Testergebnissen und dem Ergebnis der Berechnung zeigt einen
Sicherheitsfaktor von etwa 2 für die Berechnung.

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Einsatz des MODULO-Systems unter Bodenplatten als Teil von Radonschutzmassnahmen
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Tab. 1:
Ergebnisse
der B
elastungsversuche
Probe
Beschreibung
Boden
Dimensionen
cm
Htot
cm
Maximale
Belastung
daN
A
Modulo H45 mit 10 cm Platte
119x119
55
12880
B
Modulo H45 mit 15 cm Platte
119x119
60
20000
C
Modulo H45 mit 5 cm Platte
119x119
50
6400
D
Modulo H45 mit 8 cm Platte
119x119
53
10400
E
Multi-modulo H25 mit 3 cm Platte
107x107
28
8340
F
Multi-modulo H25 mit 5 cm Platte
107x107
30
15770
G
Multi-modulo H25 mit 10 cm Platte
107x107
35
29300
H
Multi-modulo H25 mit 15 cm Platte
107x107
40
39550
I
Modulo H27 mit 3 cm Platte
100x100
30
4270
L
Modulo H9 mit 4 cm Platte
87x87
13
8740
M
Modulo H9 mit 7 cm Platte
87x87
16
17000
N
Modulo H9 mit 10 cm Platte
87x87
19
27000
O
Modulo H9 mit 15 cm Platte
87x87
24
33360
Test Prüfung
5
Radon-Messungen vor Ort
Um die Wirksamkeit der mit dem Modulo System belüfteten Fundamente zu bestätigen, wurde eine
Fallstudie an einem Haus in Rocca Priora (Kreis Roma, Italien) durchgeführt.
1
Es wurde ein Haus mit Modulo gebaut, aber ohne ein Belüftungssystem für Abführung der radonhaltigen
Bodenluft einzubauen. Damit sollten analoge Verhältnisse zu einem traditionellen Fundament
geschaffen werden.
Danach sind in die Wände Löcher gebohrt und in diese Abluftrohre eingesetzt worden, wodurch eine
natürliche Belüftung aktiviert wurde.
1
Arch. Alessandro Cornaggia – Protezione Radon S.r.l.

image
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Leopoldo Mazzoleni
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Der Graph in Abbildung 8 stellt die Messungen der Radonkonzentration im Inneren des Gebäudes vor
der Belüftung dar (Daten entnommen alle 2 Stunden).
Der Graph in Abbildung 9 stellt die Messungen der Radonkonzentration im Inneren des Gebäudes nach
der Öffnung der Löcher für die Belüftung dar (Daten entnommen alle 2 Stunden).
Im Diagramm der Abbildung 10 sind die beiden Graphen überlagert worden. Man kann die Unterschiede
sehr gut erkennen. Die Verringerung der Radonkonzentration in der Raumluft beträgt für diese Fallstudie
ca. 95%.
Abb. 8:
Radonkonzentration in der Raumluft bei unbelüfteter Bodenplatte
Abb. 9:
Radonkonzentration in der Raumluft bei belüfteter Bodenplatte

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Einsatz des MODULO-Systems unter Bodenplatten als Teil von Radonschutzmassnahmen
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Abb. 10:
Vergleich der Messergebnisse für Radonkonzentration in der Raumluft mit bzw. ohne
Belüftung der Bodenplatte

 
Frank Halm
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RADONSCHUTZ
IN
WOHNUNGEN
DURCH
MINERALISCHE
DICHTSCHLÄMME
PROTECTING HOUSING AGAINST RADON WITH MINERAL SEALING
SLURRY
Frank Halm
maxit Baustoffwerke GmbH
Zusammenfassung
Mineralische Dichtungsschlämmen
bieten neben den bekannten Abdichtungssystemen einen sicheren
Schutz gegen Feuchtigkeit. Durch eine möglichst
flächige Applikation auch unter Mauerwerk kann eine
übergangsfreie Abdichtung hergestellt werden. Neben der geprüften Dichtigkeit gegen Feuchteeintrag
ergibt sich auch
ein geprüfter Radonschutz.
Summary
In addition to conventional sealing systems, mineral sealing slurry offers reliable protection against
moisture. Even underneath masonry, an areal application enables seamless sealing. As well as the
proven impermeability of moisture, a proven radon protection results.

Radonschutz In Wohnungen durch mineralische Dichtschlämme
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1
Einsatz von Abdichtungen im Wohnungsbau
Wenn nicht baukompetente Bauherren nach Abdichtung gefragt werden, verweisen diese als erstes auf
ein dichtes Dach. Weiterhin sollten Wände und Fenster einen guten Feuchtigkeitsschutz bieten. Erst
durch die technische Auseinandersetzung mit Feuchtigkeitsschutz und deren Auswirkungen, erfolgt
eine Sensibilisierung für erdberührende Kellerwände. Für „zusätzliche“ Maßnahmen für den
erdberührenden Kellerfußboden kann es auch ablehnende Haltung geben. Bei Einsparung des Kellers
ist wiederum klar, dass die Bodenplatte auf dem Erdreich liegt. Eine Abdichtung gegen Feuchtigkeit ist
normativ in der DIN 18195 geregelt. Warum eine Abdichtung gegen Feuchtigkeit notwendig ist, sollte
nicht erst durch aufgewölbte Parkettflächen erkannt werden. Viele im Bodenbereich eingesetzte
Baustoffe
sind
auf
einen
ausreichenden
Feuchtigkeitsschutz
ausgelegt.
So
werden
feuchtigkeitsempfindliche Dämmstoffe und Estriche verwendet. Rohrleitungen und Heizungssysteme
sind für „trockene“ Räume vorgesehen und verfügen nicht über zusätzliche Korrosionsschutzanstriche.
Eine frühere Einteilung von Kellerräumen in untergeordneten Nutzungen kann bei den heutigen
Immobilienaufwendungen nicht mehr hingenommen werden. Viele Kellerräume werden zu
Wohnzwecken, als Büros oder Praxen geplant und genutzt. Ein normgerechter Feuchtigkeitsschutz hat
neben den bauphysikalischen Notwendigkeiten auch einen gesundheitsrelevanten Aspekt zu erfüllen.
Im Neubau ist eine detailbedachte Planung sehr wichtig. Dabei sollten auch hydrologische Verhältnisse
berücksichtigt werden. Für Mitteldeutschland sind durch die Vielzahl der stillgelegten Tagebaugruben
nach Braunkohleabbau Veränderungen in den hydrologischen Verhältnissen einzurechnen. Steigende
Grund-
und
Schichtenwasserschichten
ergeben
oft
nach
Jahren
veränderte
Feuchtigkeitsbeanspruchungen
für
Kellerwände
und
Kellerfußböden.
Bei
nachträglichen
Abdichtungsmaßnahmen im Altbau im Zuge von Renovierungsarbeiten sind die vorhandenen
Konstruktionen, Baustoffe und Zugänglichkeiten signifikant für Auswahl des Abdichtungssystems.
Als
Systeme
für
flächige
Abdichtungen
werden
Schweißbahnen,
selbstklebende
Bitumendichtungsbahnen, kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen oder mineralische
Dichtschlämmen verwendet. Bei Auswahl eines Systems ist die Eignung für die gesamte Konstruktion,
die Applikation und Dauerhaftigkeit zu beachten.
2
Feuchtigkeitsschutz auch als Radonschutz
Bei der Auswahl des abdichtenden Systems für den flächigen Schutz der Bodenplatte ist eine
differenzierte Planung notwendig. Eine oftmals nur auf Erfahrung basierende immer wieder eingesetzte
Abdichtungsform kann bei veränderten Verhältnissen negative Auswirkungen nach sich ziehen. Dabei
wird die Flächenabdichtung gern nach Gewerken wie Rohbau und Schweißbahnverlegung geteilt. Die
sich daraus ergebenen Probleme in der praktischen Umsetzung sind bekannt. Diese Trennung des
Feuchtigkeitsschutzes unter Mauerwerk und restlichem Fußboden ist der nicht vorhandenen
Druckbelastbarkeit
der
Abdichtungssysteme
Schweißbahn,
Bitumendichtungsbahn
und
kunststoffmodifizierte Bitumendickbeschichtungen geschuldet. Eine mineralische Dichtungsschlämme
kann auch unter der Aufstandsfläche des Mauerwerkes eingesetzt werden. Weiterhin verfügt eine
zementöse Abdichtung über hohe Haftscherfestigkeit, wodurch eine flächige Applikation über die
gesamte Bodenplatte möglich wird. Durch diese positiven Unterschiede zu herkömmlichen
Dichtungssystemen ist ein nahtloser Auftrag, ohne Anschlüsse erreichbar. Ein nicht zu
unterschätzendes Problem sind die baustellentypischen Gegebenheiten. Bei der Trennung der
Abdichtung unter Mauerwerk und restlicher Bodenfläche wird als Argument häufig die schnelle
Überarbeitbarkeit genannt. Häufig verzögern sich Anschlussgewerke und Wassereinträge durch Regen
können zu feuchtem Mauerwerk führen, bis hin zur Problematik der nicht vorhandenen Beständigkeit
von KMB-Abdichtungen gegen rückwärtige Feuchtebelastung. Mineralische Beschichtungen mit
Aufkantung an den Innenwänden ausgeführt, können hier einen besseren Schutz bieten.
Die Bedeutung des Radonschutzes zeigen Prüfungen der Abdichtungssysteme zur Radondichtigkeit.
Entsprechend den örtlichen Gegebenheiten der Errichtung eines Gebäudes kann u.U. der Radonschutz
vor dem Feuchtigkeitsschutz stehen. Welche Auswirkungen Undichtigkeiten gegenüber eindringendem

Frank Halm
Dresden, 24. Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 109
Radongas aus der Bodenluft haben, ist häufig schon publiziert wurden. Auch die Problematik zwischen
Undichtigkeit und einer noch geringen Konzentration von Radon in der Bodenluft wurde mehrfach erklärt
[1].
3
Mineralische
Dichtschlämme
als
universeller
Schutz
gegen
Feuchtigkeit und als Radonschutz
Aus den vorher genannten Gründen wird die mineralische Dichtungsschlämme noch einmal als guter
Schutz gegen Feuchtigkeit und gegen Radon mit seinen Eigenschaften und Vorteilen erklärt. Wie schon
erörtert, sind Undichtigkeiten nicht nur für den Feuchtigkeitsschutz sondern auch für die
Radondichtigkeit signifikant. Ob Undichtigkeiten durch falsche Planung oder unzureichende Ausführung
sich ergeben haben ist für den Schaden nicht relevant. Die Nutzung der Räume wird eingeschränkt oder
es hat u.U. eine Sanierung mit hohem Kostenaufwand zur Folge.
Ein wenig berücksichtigter Aspekt ist der Feuchtigkeitsschutz bei Hochwassergefährdeten Gebieten.
Hier sind Fußbodenaufbauten für den Fall eines Hochwassers zu wählen. Auch bei dieser besonderen
Form der nachfolgenden Beanspruchung bieten mineralische Dichtschlämmen mit den entsprechenden
geprüften Eigenschaften einen sicheren dauerhaften Schutz.
Welche Eigenschaften muss eine mineralische Dichtungsschlämme erfüllen, um als Flächen-
abdichtung und für den prophylaktischen Radonschutz eingesetzt zu werden? Ein wichtiges Kriterium
für die Auswahl ist eine sehr schnelle Durchtrocknung und damit schnelle Überarbeitbarkeit. Moderne
Systeme sind 2-komponentig und können im Streich- oder Spritzverfahren aufgetragen werden. Die
Abdichtungen werden auch als reaktive Bauwerksabdichtungen beschrieben. Ein Auftrag ist ohne
Anschlüsse und Übergänge realisierbar. Weiterhin kann als Eigenschaft und Vorteil der sehr hohe
Haftverbund zum Untergrund hervorgehoben werden. Eine Scherkraftübertragung ist damit sehr gut
erreichbar. Neben der Scherfestigkeit ist die hohe Druckbelastung zu nennen, die es ermöglicht auch
die Abdichtung unter Mauerwerk herzustellen. Die Radondichtigkeit ist mit entsprechendem Prüfzeugnis
nachzuweisen [2], [3], [4].
4
Literaturverzeichnis
[1]
H. Schulz, R. Baumert, Praktische Vorgehensweise bei der Sanierung von Alt- und Neubauten,
6. Sächsischer Radontag 11.9.2013
[2]
maxit SDS 16 , Technisches Merkblatt, maxit Baustoffwerke GmbH
[3]
maxit SDS 16 , Die sichere Bauwerksabdichtung mit geprüfter Radondichtigkeit,
maxit Baustoffwerke GmbH
[4]
maxit SDS 16 , Prüfbericht zur Überprüfung der Radondichtigkeit mittels Bestimmung des
Radondiffusionskoeffizienten an maxit SDS 16, Universität des Saarlandes

Seite 110
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Aicke Donant
Dresden, 24. Sept. 2013
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HAUFF-TECHNIK – DER SPEZIALIST IN SACHEN GEBÄUDEABDICH-
TUNG
HAUFF-TECHNIK - THE SPECIALIST FOR THE PROFESSIONAL
SEALING OF BUILDINGS
Aicke Donant
Hauff-Technik GmbH & Co. KG
Zusammenfassung
Kompromisslose Abdichtung ist bei jeder Gebäudeart – vom Einfamilienhaus bis hin zu Großprojekten
wie etwa Offshore-Umspannwerken oder Flughafenterminals – unabdingbar. Um Durchführungen für
Gebäude absolut dicht zu bekommen, braucht man vor allem einen Werkstoff: Intelligenz. Kabel- und
Rohrdurchführungen von Hauff-Technik sind so durchdacht, dass ihre Präzision, ihre Qualität und ihre
Sicherheit den höchsten Anforderungen genügen. Mit innovativen Lösungen sichert Hauff-Technik die
Kosteneffizienz, Funktionsfähigkeit und Langlebigkeit des Bauvorhabens.
Summary
Uncompromising sealing is indispensable in every type of building – from single-family homes to major
projects such as offshore transformer substations or airport terminals. In order to achieve perfectly tight
seals at building entries, one material is absolutely essential: intelligence. Cable and pipe entries from
Hauff-Technik are so well conceived that their precision, their quality and their reliability satisfy the most
demanding requirements. With innovative solutions, Hauff-Technik guarantees the cost-effectiveness,
functionality and long service life of the construction project.

Hauff-Technik – Der Spezialist in Sachen Gebäudeabdichtung
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1 Themenfelder
Gemäß dem Motto „Immer. Sicher. Dicht“ steht Hauff-Technik seit über fünfzig Jahren europaweit für
Innovationen im Bereich der Kabel- und Rohrdurchführungssysteme. Dabei schützen die Produkte von
Hauff-Technik Gebäude und Gehäuse jeglicher Art vor Gas, eindringendem Wasser, Schmutz und Un-
geziefer. Ob es sich dabei um das klassische Ein- oder Mehrfamilienhaus im privaten Bereich oder auch
um industriell genutzte Gebäudekomplexe, wie Flughafenterminals oder Fabriken handelt – Hauff-Tech-
nik sorgt für Sicherheit. Ein Gebäude hat viele Verbindungen nach außen. Die Schnittstelle – also die
Hausmauer – muss um die Versorgungsstränge herum perfekt abgedichtet sein, damit nichts durch-
kommt, was nicht durchkommen soll. Die Systemlösungen bestehen entweder aus Mehrspartenhaus-
einführungen für Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation oder aus Einzelhauseinführungen – ganz
nach Bedarf und Anforderung. Eine spannende Innovation ist dabei der grabenlose Hausanschluss
durch die Vortriebstechnik „Zappo“. Sichere Abdichtung nach innen und außen – ganz ohne Beschädi-
gung und teure Wiederherstellung der jeweilig betroffenen Außenanlage.
Neben den großen klassischen Themenfeldern Energie und Kommunikation wird das Unternehmen zu-
künftig auch in den Anwendungsbereichen der erneuerbaren Energie, wie Wind oder auch Biogas, seine
Lösungen anbieten. Hier steht vor allem die begleitende planerische Beratung bis hin zur finalen Reali-
sierung im Mittelpunkt der Kundenorientierung.
2
Kundenorientierte Lösungsfindung
Im Fokus von Hauff-Technik steht immer der Kunde mit seiner jeweiligen Herausforderung. Für ihn eine
schnelle, aber auch höchst effiziente Lösung zu finden, die an der jeweiligen Stelle Sicherheit garantiert,
ist der Antrieb für die wachsende Zahl der Hauff-Technik Mitarbeiter weltweit. Hauff-Technik gehört mit
Platz 2 im Ranking der Unternehmen bis 250 Mitarbeiter und zum vierten Mal in Folge zu den „Top 100“
der innovativsten Mittelständler. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Hauff-Technik entwickeln und
verbessern kontinuierlich und mit hohem Engagement die Produkte und Herstellungsprozesse. Dane-
ben geben immer wieder spezifische Kundenanforderungen den Impuls zur Entwicklung neuer Abdich-
tlösungen. Kunden werden mittels „Open Innovation“ und „Rapid Prototyping“ in den Entwicklungspro-
zess mit einbezogen. Die Prototypen werden im Beisein des Kunden auf Testbaustellen vor Ort getestet.
Mit diesem unmittelbaren Feedback auf die Neuerungen werden gegebenenfalls weitere Optimierungen
vorgenommen. Diese Vorgehensweise sowie eine kunden- und bedarfsgerechte Entwicklung oftmals
patentierter Hauff-Produkte ermöglicht die erfolgreiche Platzierung am Markt und trägt wesentlich zum
nachhaltigen Erfolg des Unternehmens bei.
Zu den Kunden von Hauff-Technik zählen Energieversorger, Stadtwerke, Bauunternehmer, Installati-
onsbetriebe und die Industrie, die mit der herausragenden Qualität und einem guten Preis-Leistungs-
verhältnis von Hauff-Technik-Produkten, engineered und made in Germany, stets auf der sicheren Seite
sind.

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Aicke Donant
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7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 113
Abb. 1:
In die Wand eingebaute Mehrspartenhauseinführung und
Verbindung zu den Versorgungsleitungen
Abb. 2:
Mehrspartenhauseinführung und Verbindung zu den im
Gehwegsbereich verlegten Versorgungsleitungen

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Referentenverzeichnis
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Seite 115
Referentenverzeichnis
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
und Vorstandsvorsitzender KORA e.V.
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 – 2440 Telefax: 0351 / 462 - 2172
www.bau.htw-dresden.de
email: dresden@koraev.de
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 – 3101 Telefax: 0351 / 462 - 2185
www.htw-dresden.de
email: stenzel@htw-dresden.de
Dr. Hartmut Schwarze
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
D-01097 Dresden, Archivstraße 1
www.smul.sachsen.de
email: poststelle@smul.sachsen.de
Dr. rer. nat. Andreas Guhr
Leiter der Staatlich Anerkannten Messstelle ALTRAC
ALTRAC Radon-Messtechnik
D-12524 Berlin, Dorothea-Viehmann-Straße 28
Telefon: 030 / 679 897 – 37 Telefax: 030 / 678 018 - 86
www.altrac.de
email: info@altrac.de
Dr. rer. nat. Jürgen Conrady
PreCura Institut für Präventive Medizin e.V. (Vorsitzender)
D-12623 Berlin, Kastanienallee 6a
Telefon: 030 / 927 996 – 34 Telefax: 03772 / 329 - 539
www.precura.de
email: precura-conrady@online.de
PD Dr.rer.nat.habil. Bert Rein
Firmeninhaber GCR GeoConsult Rein
D-55276 Oppenheim, Gartenstraße 26-28
Telefon: 06133 / 9242 – 41 Telefax: 06133 / 9242 - 43
www.geoanalysis.eu
email:
geoconsult@geoanalysis.eu
Dr. Werner Preuße
Staatliche Betriebsgesellschaft für Umwelt und Landwirtschaft
D-09131 Chemnitz, Dresdner Straße 183
Telefon: 0371 / 46124 – 20 Telefax: 0351 / 46124 - 22
www.smul.sachsen.de/bful
email: werner.preusse@smul.sachsen.de
Johannes Haid
Diplom-Geograf, Diplom-Sicherheitsingenieur (FH)
United States Army Garrison (USAG) Rheinland-Pfalz
Directorate of Public Works - Environmental Management Division
D-67619 Kaiserslautern, Postfach 3106
www.kaiserslautern.army.mil/directorates/DPW/home.html
email:
johannes.haid.ln@mail.mil

Referentenverzeichnis
Seite 116
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Kai Geringswald
Wismut GmbH
Abteilung Umwelt Überwachung Strahlenschutz
D-09117 Chemnitz, Jagdschänkenstraße 29
Telefon: 0371 / 8120 - 0 Tefefax: 0371 / 8120 - 584
www.wismut.de
email: info@wismut.de
Dr. rer. nat. Walfried Löbner
WISMUT GmbH
Abteilung Umwelt Überwachung Strahlenschutz
D-09117 Chemnitz, Jagdschänkenstraße 29
Telefon: 0371 / 8120 – 127 Telefax: 0371 / 8120 - 107
www.wismut.de
email: w.loebner@wismut.de
Christian Schramm
Wismut GmbH
Abteilung Umwelt Überwachung Strahlenschutz
D-09117 Chemnitz, Jagdschänkenstraße 29
Telefon: 0371 / 8120 - 0 Tefefax: 0371 / 8120 - 584
www.wismut.de
email: info@wismut.de
Roland Baumann
Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)
D-50968 Köln, Gustav-Heinemann-Ufer 130
Telefon: 0221 / 3778 - 0 Tefefax: 0221 / 3778 - 1199
Dieter Kreul
Stadtwerke Kulmbach, Versorgung - Wassermeister
D-95326 Kulmbach, Hofer Straße 14
Telefon: 09221 / 9042 - 31 Tefefax: 09221 / 9062 - 031
hwww.stadtwerke-kulmbach.de
email: kreul.dieter@stadtwerke-kulmbach.de
Prof. h.c. Dr. rer.nat. habil Bernd Leißring
Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX
D-09114 Chemnitz, Max-Planck-Str. 18
Telefon: 0371 / 336 - 2788 Telefax: 0371 / 336 - 2789
www.geoprax-leissring.de
email: bernd@leissring.de
Heinrich Rösl
Präsident Eigenheimerverband Bayern e.V.
D-80807 München, Schleißheimer Straße 205 a
Telefon: 089 / 3073660 Telefax: 089 / 305970
www.eigenheimerverband.de
email: roesl@eigenheimerverband.de
Prof. Dr.-Ing. Thomas Hartmann
Geschäftsführer am ITG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden GmbH
D-01187 Dresden, Bayreuther Str. 29
Telefon: 0351 / 41 75 69 - 3 Telefax: 0351 / 41 75 69 - 9
www.itg-dresden.de
email: hartmann@itg-dresden.de
Ing. Leopoldo Mazzoleni
Export Area Manager, Geoplast S.p.A.
I-35010 Grantorto (PD), Via Martiri della Libertà, 6/8
Telefon: +39 / 049 / 9490289 Telefax: +39 / 049 / 9494028
www.geoplast.it
email: leopoldo.mazzoleni@geoplast.it

Referentenverzeichnis
Dresden, 24.Sept. 2013
7. Sächsischer Radontag - 9. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 117
Roberto Cecchinato
Export Sales Manager, Geoplast S.p.A.
I-35010 Grantorto (PD), Via Martiri della Libertà, 6/8
Telefon: +39 / 049 / 9490289 Telefax: +39 / 049 / 9494028
www.geoplast.it
email:
roberto.cecchinato@geoplast.it
Dipl.-Ing. Frank Halm
Verkaufsleiter Renoment, maxit Baustoffwerke GmbH
D-07387 Krölpa, Brandensteiner Weg 1
Telefon: 034205 / 83830 Telefax: 034205 / 99440
www.maxit-kroelpa.de
email: frank.halm@maxit-kroelpa.de
Aicke Donant
Technischer Vertrieb, Regionalleitung Ost, Hauff-Technik GmbH & Co. KG
D-04435 Schkeuditz, Westringstraße 29
Telefon: 0171 / 6363211 Telefax: 034205 / 4247 - 20
www.hauff-technik.de
email: aicke.donant@hauff-technik.de

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Herausgeber KORA e.V.
Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren
c/o HTW Dresden, Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden
Telefon: 0351/4622400, Telefax: 0351/4622172
www.koraev.de,
email:
dresden@koraev.de
Dresden 2013
Redaktionelle Bearbeitung: M.Sc. Ronny Sachse
Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten.
Ohne ausdrückliche Genehmigung von KORA e.V. ist es nicht gestattet, dieses Werk
oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen
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