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LAWA
Bund-/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der
Prognose im Rahmen des Vollzugs
des Verschlechterungsverbots
Beschlossen auf der 160. LAWA-Vollversammlung
am 17./18. September 2020 in Würzburg
Ständiger Ausschuss der LAWA
Oberirdische Gewässer und Küstengewässer (LAWA-AO)

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der
Prognose im Rahmen des Vollzugs
des Verschlechterungsverbots
Version 1.0
Erstellt im Rahmen des
Länderfinanzierungsprogramms „Wasser, Boden und Abfall“
1
1
KOENZEN, UWE; DÖBBELT-GRÜNE, SEBASTIAN; MODRAK, PATRIK; BOLI, FABIAN; FELD, CHRISTIAN; HERING, DA-
NIEL; VAN DE WEYER, KLAUS; KEUNEKE, RITA (2019): Interpretation des EuGH-Urteils in Hinblick auf die ökolo-
gische Gewässerbewertung nach WRRL. LFP-Projekt-Nr. O1.18

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
Vorwort
Im EuGH-Urteil vom 01.07.2015 (Az. C 461/13) wurde festgestellt, was unter einer „Verschlechte-
rung“ des ökologischen Zustands eines Oberflächenwasserkörpers im Sinne der Wasserrahmen-
richtlinie zu verstehen ist.
Der LAWA-Ausschuss Wasserrecht hat die juristischen Fragen rund um das Thema Verschlechte-
rungsverbot aufgegriffen und in der „Handlungsempfehlung Verschlechterungsverbot, beschlossen
auf der 153. LAWA-Vollversammlung am 16./17. März 2017 in Karlsruhe“ praxistaugliche Lösungs-
ansätze für den fachrechtlichen Vollzug aufgezeigt. Danach ist für wasserrechtliche Verfahren im
Rahmen einer Prognoseentscheidung durch die Wasserbehörden abzuschätzen, ob durch ein Vor-
haben der Wechsel einer biologischen Qualitätskomponente in eine niedrigere Zustandsklasse ein-
treten wird.
Die hier vorliegenden fachtechnischen Hinweise richtet sich sowohl an die Vollzugsbehörden als
auch an die mit dem Fachbeitrag Wasserrahmenrichtlinie beauftragten Ingenieurbüros. Dieses fach-
technische Papier beansprucht nicht, rechtlich verbindliche Vorgaben zu treffen. Es stellt die fachli-
che Untersetzung der LAWA-Handlungsempfehlung „Verschlechterungsverbot“ (
LAWA 2017a, An-
lage 1 zu Top 6.7 der 154. LAWA-VV
) dar.
Sie fokussiert in diesem Rahmen auf die fachlichen Aspekte der Prognoseentscheidung und ist weit-
gehend losgelöst vom weiteren Verwaltungshandeln wie der Inanspruchnahme von Ausnahmen,
dem EU-Reporting oder weitere Entscheidungen im Rahmen des Bewirtschaftungsermessens.
Die fachtechnischen Hinweise zeigen Möglichkeiten auf, den Fachbeitrag Wasserrahmenrichtlinie
zu erstellen, geben dabei aber keine zwingende und allgemeingültige Methodik vor. Sie bieten eine
systematisierende Grundlage für die Vergleichbarkeit der Vorgehensweise bei Erstellung des Fach-
beitrags und zur Verbesserung der Nachvollziehbarkeit von fachlichen Ergebnissen
Wie die Auswirkungen eines Vorhabens konkret für die unterschiedlichen Qualitätskomponenten an
der repräsentativen Messstelle prognostiziert werden können, wird aufgrund der unterschiedlichen
Vorgehensweise bei deren Festlegung nicht abschließend behandelt. Dies bleibt einer Konkretisie-
rung durch die Länder vorbehalten.
Das Zielerreichungsgebot ist ausdrücklich nicht Gegenstand des Papiers, doch lässt sich aus fach-
lichen Gründen eine Bezugnahme nicht immer vermeiden. Das Thema ist aber entsprechend des
Auftrags nicht vollständig bearbeitet.
Im Rahmen des Projektes konnte nicht auf alle länderspezifische Besonderheiten eingegangen wer-
den, so dass diese durch weitere Anwendungshilfen der Länder spezifiziert werden können.
Im vorliegenden Projekt wurden Kenntnisse zu biologischen Bewertungsmethoden und Wirkzusam-
menhängen zusammengetragen. Entstanden ist ein sehr komplexes Werk, dass sich nun in der
Praxis bewähren muss. Die Praxisgewinne sollten in eine Fortschreibung münden. Das betrifft in
besonderer Weise die Seen, die aus Kapazitätsgründen hier nur beispielhaft behandelt werden
konnten.
Ein besonderer Dank gilt dem Beirat aus Vertretern der Länder- und Bundesbehörden, der das Pro-
jekt von Anfang an konstruktiv begleitete.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
Inhaltsverzeichnis
Erweiterte Zusammenfassung ..................................................................................................... 1
1
Einleitung ......................................................................................................................... 6
2
Funktionale Systemanalyse und Wirkpfad-basierter Ansatz als Grundlage für die
Prognose von vorhabenbedingten Auswirkungen ....................................................... 8
3
Hinweise für die Prognoseentscheidung im wasserrechtlichen Vollzug .................. 10
3.1 Grundlagen und Hintergrundinformationen ...................................................................................... 10
3.1.1
Bildung von Prognose-Fallgruppen ..................................................................................... 10
3.1.2
Potenzielle Wirkfaktoren ...................................................................................................... 11
3.1.3
Potenzielle abiotische Wirkungen ....................................................................................... 13
3.1.4
Potenzielle biotische Auswirkungen .................................................................................... 24
3.1.5
Prognoseentscheidung hinsichtlich des Verschlechterungsverbots ................................... 31
3.2 Inhalt und Aufbau der Vorgehensweise ........................................................................................... 39
3.2.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben .................................................... 42
3.2.2
Stufe 1 – Vorprüfung (Schritt 1 bis 3) .................................................................................. 44
3.2.3
Stufe 2 – Detailprüfung (Schritt 4) ....................................................................................... 48
3.2.4
Prognose (Schritt 5)............................................................................................................. 50
3.2.5
Einzelfallprüfung .................................................................................................................. 50
4
Anwendung der Vorgehensweise an fiktiven Fallbeispielen ...................................... 52
4.1 Einleitung mit vorrangig stofflichen Wirkungen (Fluss und Bach) .................................................... 52
4.1.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben .................................................... 53
4.1.2
Vorprüfung Schritt 1: Zuordnung des Vorhabens zu einer Fallgruppe ................................ 53
4.1.3
Vorprüfung Schritt 2: Funktionale Systemanalyse – Ableitung potenzieller Wirkfaktoren .. 54
4.1.4
Vorprüfung Schritt 3: Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter Wirkungen auf die
unterstützenden Qualitätskomponenten (und ggf. Abschichten) ..................................................... 54
4.1.5
Detailprüfung Schritt 4: Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter Auswirkungen auf die
biologischen Qualitätskomponenten ................................................................................................ 56
4.1.6
Prognose Schritt 5: Beurteilung möglicher Auswirkungen hinsichtlich des
Verschlechterungsverbots ................................................................................................................ 58
4.2 Querbauwerk (Ausbau) mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit Wasserkraftnutzung, ohne
Speicherfunktion) (Fluss) ................................................................................................................. 59
4.2.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben .................................................... 60
4.2.2
Vorprüfung Schritt 1: Zuordnung des Vorhabens zu einer Fallgruppe ................................ 60
4.2.3
Vorprüfung Schritt 2: Funktionale Systemanalyse – Ableitung potenzieller Wirkfaktoren .. 60
4.2.4
Vorprüfung Schritt 3: Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter
Wirkungen auf die unterstützenden Qualitätskomponenten (und ggf. Abschichten) ....................... 61
4.2.5
Prognose Schritt 5: Beurteilung möglicher Auswirkungen hinsichtlich des
Verschlechterungsverbots ................................................................................................................ 63
4.3 Veränderung der Intensität der fischereilichen Nutzung (See) ........................................................ 63
4.3.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben .................................................... 64
4.3.2
Vorprüfung Schritt 1: Zuordnung des Vorhabens zu einer Fallgruppe ................................ 64
4.3.3
Vorprüfung Schritt 2: Funktionale Systemanalyse – Ableitung potenzieller Wirkfaktoren .. 65

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
4.3.4
Vorprüfung Schritt 3: Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter
Wirkungen auf die unterstützenden Qualitätskomponenten (und ggf. Abschichten) ....................... 66
4.3.5
Detailprüfung Schritt 4: Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter
Auswirkungen auf die biologischen Qualitätskomponenten............................................................. 68
4.3.6
Prognose Schritt 5: Beurteilung möglicher Auswirkungen hinsichtlich des
Verschlechterungsverbots ................................................................................................................ 69
5
Ausblick ......................................................................................................................... 70
6
Glossar ........................................................................................................................... 71
7
Weiterführende Literatur ............................................................................................... 74
Anhänge
Anhang 1: Steckbriefe der Prognose-Fallgruppen zum „Verschlechterungsverbot“
Anhang 2:
Wirkfaktoren für Flüsse, Seen und Übergangsgewässer – Kurzbeschreibung
Anhang 3:
Parametrisierung abiotischer Wirkungen – Hydromorphologie und Wasserbeschaffen-
heit
Anhang 4:
Potenzielle abiotische Wirkungen der Wirkfaktoren auf die unterstützenden Qualitäts-
komponenten
Anhang 5:
Potenzielle Auswirkungen abiotischer Wirkungen auf die Ergebnisse der biologischen
Bewertungsverfahren (qualitativ)
Anhang 6:
Sensitivität der biologischen Qualitätskomponenten in Bezug auf abiotische Wirkun-
gen für Flüsse, Seen und Übergangsgewässer

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Prinzip des Wirkpfad-basierten Ansatzes zur Beurteilung eines Vorhabens hinsichtlich
des „Verschlechterungsverbotes“ für den ökologischen Zustand ............................................. 8
Abbildung 2:
Fließschema zur Ermittlung der relevanten Prüfansätze für flussgebietsspezifische
Schadstoffe in Abhängigkeit vom Ausgangszustand der jeweiligen UQN.............................. 22
Abbildung 3:
Schematische Darstellung zu Kenngrößen und Veränderung von Stoffströmen durch eine
Einleitung und zur Abgrenzung von funktionalen Gewässerabschnitten anhand der
Zuflüsse ................................................................................................................................... 24
Abbildung 4:
Fließschema zur Ermittlung von relevanten Beurteilungswerten für hydromorphologische
Parameter in Abhängigkeit von der Bewertung der ökologischen Zustandsklasse einer
sensitiven BQK im Ausgangszustand ..................................................................................... 27
Abbildung 5:
Fließschema zur Ermittlung von relevanten Beurteilungswerten für Parameter der
Wasserbeschaffenheit in Abhängigkeit von der Bewertung der ökologischen
Zustandsklasse einer sensitiven BQK im Ausgangszustand. ................................................. 28
Abbildung 6:
Schematische Skizze zur Darstellung verschiedener räumlicher Wirkbereiche durch
unterschiedliche Vorhaben in einem Fluss mit zwei Wasserkörpern ..................................... 33
Abbildung 7:
Entscheidungshilfe zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung als
Folge einer nachteiligen Veränderung der Lebensgemeinschaft in einem OWK –
Ergebnis: Verschlechterung unwahrscheinlich. ...................................................................... 36
Abbildung 8:
Entscheidungshilfe zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung als
Folge einer nachteiligen Veränderung der Lebensgemeinschaft in einem OWK –
Ergebnis: Verschlechterung wahrscheinlich. .......................................................................... 36
Abbildung 9:
Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer
Prognoseentscheidung zum Verschlechterungsverbot – ausgegraute Übersicht .................. 40
Abbildung 10: Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer
Prognoseentscheidung zum Verschlechterungsverbot – Vorstufe (Ermittlung des
Prüfbedarfs) ............................................................................................................................ 43
Abbildung 11: Fließschema zur Ermittlung des Prüfbedarfs für ein Vorhaben .............................................. 44
Abbildung 12: Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer
Prognoseentscheidung zum Verschlechterungsverbot – Stufe 1 (Vorprüfung) ..................... 45
Abbildung 13: Potenziell relevante Wirkfaktoren für die Fallgruppe „Einleitung mit vorrangig stofflicher
Wirkung“ (Flüsse) .................................................................................................................... 46
Abbildung 14: Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer
Prognoseentscheidung zum Verschlechterungsverbot – Stufe 2 (Detailprüfung) .................. 48
Abbildung 15: Schematische Darstellung des zu prüfenden Wasserkörpers mit Angaben zu Einleitstelle
und -menge in den drei funktional zu trennenden Gewässerabschnitten (links). Die
Tabellen rechts beschreiben drei Szenarien (A bis C) für die Änderungen der
Konzentrationen von ortho-Phosphat-P und Gesamtphosphor im Wasserkörper. (Grün =
Orientierungswerte [OW] eingehalten, rot = OW überschritten) ............................................. 53
Abbildung 16: Potenziell relevante Wirkfaktoren für die Fallgruppe „Einleitung mit vorrangig stofflicher
Wirkung“ .................................................................................................................................. 54
Abbildung 17: Potenziell relevante Wirkfaktoren für die Fallgruppe „Querbauwerk
(Ausbau/Neubau/Betrieb) mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit
Wasserkraftnutzung, ohne Speicherfunktion) (Fluss)“............................................................ 60
Abbildung 18: Schematische Skizze eines fiktiven Sees mit geplanter Änderung der Intensität der
fischereilichen Nutzung ........................................................................................................... 64
Abbildung 19: Potenziell relevante Wirkfaktoren als Kombination der Fallgruppen „Gewässerausbau
(inkl. Anlagen) – Technischer Ausbau/Verbau (Gewässer) (Seen)“ und „Veränderung der
Intensität der fischereilichen Nutzung (Seen)“ – angepasst an das fiktive Fallbeispiel .......... 65

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Fallgruppen zur Beschreibung von Wirkpfaden für das „Verschlechterungsverbot“ („X“ =
differenzierte Darstellung in Steckbriefformat für die OWK-Kategorien „Flüsse“ (F), „Seen“
(S) und „Übergangsgewässer“ (Ü) in Anhang 1) .................................................................... 11
Tabelle 2:
Vorhabenbedingte Wirkfaktoren mit potenziellen Wirkungen auf Flüsse, Seen und
Übergangsgewässer (detailliertere Beschreibung s. Anhang 2) ............................................ 12
Tabelle 3:
Unterstützende Qualitätskomponenten zur Einstufung des ökologischen Zustands und
des ökologischen Potenzials für Flüsse, Seen und Übergangsgewässer (nach OGewV,
Anlage 3, Nr. 2 und 3) ............................................................................................................. 14
Tabelle 4:
Parameter-Gruppen zur Erfassung und Bewertung potenzieller abiotischer Wirkungen auf
die hydromorphologischen Verhältnisse (Hydromorphologische Qualitätskomponenten
nach OGewV, Anlage 3, Nr. 2) und die Wasserbeschaffenheit (Chemische und
allgemeine physikalisch-chemische Qualitätskomponenten nach OGewV, Anlage 3, Nr.3).. 15
Tabelle 5:
Bewertungsverfahren und Bewertungsmodule zur Erfassung und Bewertung
vorhabenbedingter Auswirkungen .......................................................................................... 26
Tabelle 6:
Ökologische und abiotische Rahmenbedingungen für drei Szenarien (Fälle) zum Beispiel
„Einleitung mit vorrangig stofflichen Wirkungen“. (ACP = Allgemeine physikalisch-
chemisches Parameter; FGS = Flussgebietsspezifische Schadstoffe) .................................. 52
Tabelle 7:
Wirkmatrix mit Zuordnung von Wirkfaktoren zu relevanten (messbaren) unterstützenden
Qualitätskomponenten in der Fallgruppe „Einleitung mit vorrangig stofflichen Wirkungen“ ... 55
Tabelle 8:
Matrix potenzieller Wirkfaktoren, zugeordneter unterstützender Qualitätskomponenten
und potenzieller Auswirkungen auf die Module der biologischen Bewertung für die
Fallgruppe „Einleitungen mit vorrangig stofflichen Wirkungen“ .............................................. 57
Tabelle 9:
Wirkfaktoren und potenzielle abiotische Wirkungen für die Fallgruppe „Querbauwerk
(Ausbau/Neubau/Betrieb) mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit
Wasserkraftnutzung, ohne Speicherfunktion) (Fluss)“............................................................ 62
Tabelle 10:
Wirkfaktoren und potenzielle abiotische Wirkungen als Kombination der Fallgruppen
„Gewässerausbau (inkl. Anlagen) – Technischer Ausbau/Verbau (Gewässer) (Seen)“ und
„Veränderung der Intensität der fischereilichen Nutzung (Seen)“ – angepasst an das
fiktive Fallbeispiel .................................................................................................................... 66

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
Abkürzungsverzeichnis
ACP
Allgemeine physikalisch-chemische Parameter
AWB
Künstlicher Wasserkörper (englisch: artificial water body)
BQK
Biologische Qualitätskomponente
BVerwG
Bundesverwaltungsgericht
EG-WRRL
Wasserrahmenrichtlinie
EuGH
Europäischer Gerichtshof
GÖZ
Guter ökologischer Zustand
GÖP
Gutes ökologisches Potenzial
HMWB
Erheblich veränderter Wasserkörper (englisch: heavily modified water body)
HW
Hintergrundwert
JD-UQN
Jahresdurchschnittswert für eine Umweltqualitätsnorm
MZB
Makrozoobenthos
NWB
Natürlicher Wasserkörper (englisch: natural water body)
OWK
Oberflächenwasserkörper
OGewV
Oberflächengewässerverordnung
OW
Orientierungswert
QK
Qualitätskomponente
UQK
Unterstützende Qualitätskomponente
UQN
Umweltqualitätsnorm
WHG
Wasserhaushaltsgesetz
WK
Wasserkörper
ZHK-UQN
Zulässige Höchstkonzentration für eine Umweltqualitätsnorm

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Erweiterte Zusammenfassung
Anlass und Zielsetzung
Die bisherigen Urteile und Hinweise zum „Verschlechterungsverbot“ hinterlassen in der behördlichen
Praxis fachliche Fragen für eine transparente und nachvollziehbare Beurteilung eines Vorhabens
gegenüber den Umweltzielen der EG-WRRL, u. a. in Bezug auf die Beschreibung von Wirkzusam-
menhängen oder die räumliche und zeitliche Abschätzung von Auswirkungen eines Vorhabens. Die-
ser Sachverhalt wird regelmäßig in gesonderten Gutachten – i. d. R bezeichnet als „Fachbeitrag
Wasserrahmenrichtlinie“ (Fachbeitrag WRRL) – erörtert.
Die vorliegenden „Fachtechnischen Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Voll-
zugs des Verschlechterungsverbots“ verstehen sich als erster Schritt zur Entwicklung einer allge-
meinen Bearbeitungsmethodik und liefert daher maßgebliche methodische und fachliche Vor- und
Grundlagenarbeiten. Diese beinhalten eine mehrstufige Vorgehensweise zur Herleitung einer Prog-
noseentscheidung zum Verschlechterungsverbot gemäß EG-WRRL, die auf potenziell vorhabenbe-
dingten Auswirkungen auf Oberflächenwasserkörper fußt.
Aufbau der Handlungsempfehlung
Nach einer thematischen Einführung (Kap. 1) wird der wirkpfadbasierte Ansatz zur Prognose von
vorhabenbedingten Auswirkungen (Kap. 2) dargestellt.
Im zentralen Teil werden konkrete Handlungsempfehlungen für die Prognoseentscheidung im was-
serrechtlichen Vollzug (Kap. 3) gegeben. Diese bauen auf fachlichen und rechtlichen Grundlagen
und Hintergrundinformationen auf (Kap. 3.1), zu denen insbesondere folgende Inhalte zählen:
Bildung von Prognose-Fallgruppen
Potenzielle Wirkfaktoren
Potenzielle abiotische Wirkungen (hydromorphologische Verhältnisse, Wasserbeschaffenheit)
Potenzielle biotische Auswirkungen (abiotische Beurteilungswerte zur Abschätzung potenzieller
biotischer Auswirkungen, Umfang einer nachteiligen Veränderung, Wirkmechanismen und
Wechselwirkungen, Lage des Bewertungsergebnisses innerhalb der Klassengrenzen, Metrics
mit hohem Indikationsgewicht)
Im Anschluss werden Inhalt und Aufbau der mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer
Prognoseentscheidung (Kap. 3.2) dargestellt. In einer Vorstufe (Kap. 3.2.1) wird zunächst der Prüf-
bedarf für ein Vorhaben ermittelt. Nur wenn sich Prüfbedarf ergibt, wird ein Vorhaben im Rahmen
einer Vorprüfung (Stufe 1, Kap. 3.2.2) weiter behandelt. Im Ergebnis der Vorprüfung kann sich in der
Prognose (Kap. 3.2.4) bereits abzeichnen, dass ein Vorhaben nicht gegen das Verschlechterungs-
verbot verstößt. In diesem Fall ist keine weitere Prüfung erforderlich. Gegebenenfalls können auch
Vorkehrungen i. S. v. Maßnahmen zur Verhinderung einer Verschlechterung nötig sein, um zu die-
sem Zeitpunkt eine Verschlechterung bereits sicher auszuschließen. Sofern eine vorhabenbedingte
Verschlechterung möglich ist, ist eine Detailprüfung (Stufe 2, Kap. 3.2.3) durchzuführen. Mit dieser
kann ggf. in der anschließenden Prognose dennoch eine Verschlechterung ausgeschlossen werden.
Sofern ein Vorhaben keiner Prognose-Fallgruppe zugeordnet werden kann, ist eine Einzelfallprüfung
(Kap. 3.2.5) vorgesehen.
Die Anwendung der Vorgehensweise wird daraufhin anhand von drei fiktiven Fallbeispielen darge-
stellt (Kap. 4). Neben einer Einleitung mit vorrangig stofflichen Wirkungen an einem Bach bzw. Fluss

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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werden der Ausbau eines Querbauwerkes mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit Wasser-
kraftnutzung, ohne Speicherfunktion) an einem Fluss sowie die Veränderung der Intensität der fi-
schereilichen Nutzung an einem See behandelt.
Abschließend zeigt ein Ausblick (Kap. 5) Handlungsbedarf u. a. zur Ableitung von Schwellenwerten
für eine vergleichbare und effiziente Anwendung in der Praxis auf.
Definitionen von zentralen Begriffen im Glossar (Kap.6) sowie eine Aufstellung weiterführender Li-
teratur (Kap. 7) runden das Dokument ab.
Mehrstufige Vorgehensweise zur Prognoseentscheidung (s. Kap. 3.2)
Im Einzelnen kann der
mehrstufige Aufbau
der Vorgehensweise zusammengefasst wie folgt be-
schrieben werden:
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs (Kap. 3.2.1)
: Der eigentlichen Bearbeitung wird eine
Ermittlung des Prüfbedarfs vorweggestellt, in der zunächst überprüft wird, ob ein Vorhaben über-
haupt einer Prüfung gegenüber dem Verschlechterungsverbot zu unterziehen ist oder eine Ver-
schlechterung aufgrund der Eigenschaften des Vorhabens sowie der Rahmenbedingungen im
Gewässersystem bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden kann, sodass keine weitere Bear-
beitung der nachfolgenden Schritte erforderlich ist.
Stufe 1 – Vorprüfung (Schritte 1 bis 3, Kap. 3.2.2):
Eine Vorprüfung ist durchzuführen, wenn
sich für ein Vorhaben in der Vorstufe Prüfbedarf ergeben hat. Im Rahmen einer „Vorprüfung“
erfolgt die Zuordnung des zu prüfenden Vorhabens zu einer Fallgruppe. Sofern ein Vorhaben
durch keine der Prognose-Fallgruppen hinreichend abgebildet werden kann, sind die folgenden
Schritte in einer Einzelfallprüfung zu bearbeiten. Im zweiten Schritt erfolgt eine funktionale Sys-
temanalyse, in der potenzielle Wirkfaktoren auf Basis der ermittelten Prognose-Fallgruppe ab-
geleitet werden. Nach einer Selektion der vorhabenrelevanten Wirkfaktoren werden mögliche
abiotische Wirkungen auf die
unterstützenden QK
identifiziert und quantifiziert. Zudem werden
mögliche unmittelbare Wirkungen auf die BQK betrachtet. Hierbei wird ersichtlich, ob durch das
Vorhaben überhaupt potenziell nachteilige Wirkungen zu erwarten sind, diese ggf. zu nicht nur
kurzzeitigen bewertungsrelevanten biotischen Auswirkungen führen könnten und daher einen
detaillierteren Prüfbedarf auslösen oder bereits frühzeitig eine vorhabenbedingte Verschlechte-
rung auszuschließen bzw. unwahrscheinlich ist. Wenn im Ergebnis der Vorprüfung keine oder
mit hoher Prognosesicherheit nur kurzzeitige und vorübergehende (z. B. weil diese nur während
der Bauzeit auftreten) oder nicht bewertungsrelevante (z. B. wenn nur ein Abschnitt von wenigen
hundert Metern in einem großen Fluss wahrscheinlich durch nachteilige Veränderung betroffen
ist, der sich nicht in relevanter Weise auf die Gesamtbewertung des Wasserkörpers auswirkt)
potenziell nachteilige Wirkungen zu erwarten sind, kann durch
„Abschichten“
bereits nach dem
Schritt 3 die
Prognoseentscheidung in Schritt 5
getroffen werden. In diesem Fall ist eine vor-
habenbedingte Verschlechterung ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Stufe 2 – Detailprüfung (Schritt 4, Kap. 3.2.3)
: Sofern potenziell nachteilige, bewertungsrele-
vante und nicht nur kurzzeitige Wirkungen zu erwarten sind, ist eine detaillierte Ermittlung und
Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter Auswirkungen auf die BQK vorzunehmen. Dies
erfordert i. d. R.
detailliertere Datenauswertungen, z. B. zur Bestandssituation der BQK
(ggf. bis auf Art-Ebene), jedoch auch zu Veränderungen der hydromorphologischen oder physi-
kalisch-chemischen Verhältnisse sowie nach Bedarf Erhebungen von zusätzlichen Daten. Als
Basis können die dargestellten Fallgruppen herangezogen werden. Sofern ein Vorhaben keiner
Prognose-Fallgruppe eindeutig zugeordnet werden kann, ist die Detailprüfung im Rahmen einer
Einzelfallprüfung zu bearbeiten. Der für ein Vorhaben erforderliche Prüfumfang bzw. die Ent-
scheidung zwischen Vorprüfung und Detailprüfung ergibt sich durch die Art (z. B. stoffliche oder
hydromorphologische Wirkungen), den räumlichen und zeitlichen Umfang (z. B. auf Ebene eines
OWK) und die Intensität (z. B. relative Zunahme einer Stoffkonzentration) der zu erwartenden
Wirkungen bzw. Auswirkungen des Vorhabens.
Prognose (Schritt 5, Kap. 3.2.4)
: Die Ergebnisse der Vorprüfung bzw. Detailprüfung fließen in
die Gesamtbewertung des Vorhabens vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtsprechung und
des Geltungsbereiches der Prognose(n) ein. Dabei wird zusammenfassend geschlussfolgert, ob
eine Verschlechterung ausgeschlossen werden kann bzw. unwahrscheinlich ist oder ob eine
solche wahrscheinlich ist. Sofern von einer Verschlechterung ausgegangen werden muss, kön-
nen bzw. sollen möglichst bereits an dieser Stelle
Vorkehrungen
– i. S. v. Maßnahmen zur Ver-
hinderung einer Verschlechterung – abgeleitet werden, um die potenziellen vorhabenbedingten
Auswirkungen zu minimieren oder aufzuheben (Unter Annahme der Umsetzung dieser Maßnah-
men kann eine erneute Überprüfung der Wirkungen und Auswirkungen des Vorhabens erfolgen
(
Rückkopplung zu Schritt 3
). Sofern bzw. soweit diese Prüfung ergibt, dass mit diesen Maß-
nahmen voraussichtlich eine Verschlechterung des Zustandes verhindert oder minimiert wird,
kann eine entsprechend angepasste Prognose (Verschlechterung ausgeschlossen / unwahr-
scheinlich) erfolgen. Soweit dadurch bereits eine Verschlechterung ausgeschlossen werden
kann oder nicht wahrscheinlich ist, ist keine Prüfung einer Ausnahmemöglichkeit nach § 31 Abs.
2 Satz 1 WHG (Art. 4 Abs. 7 WRRL) erforderlich.
Prognose-Fallgruppen (s. Kap. 3.1.1)
Eine standardisierte Vorgehensweise wird durch die Bildung von
„Fallgruppen“ i. S. einer Typi-
sierung
unterstützt. Diese Vorgehensweise bietet die Möglichkeit, definierte Typen von Vorhaben
mit potenziellen abiotischen Wirkungen und möglichen biotischen Auswirkungen zu verknüpfen. Das
Baukastensystem
ist hierarchisch aufgebaut, sodass je nach erforderlichem Detaillierungsgrad
z. B. weitere Untergruppen abgeleitet werden können. Zudem können einzelne Bausteine zu neuen
Kombinationen zusammengesetzt werden, die bei komplexeren Vorhaben erforderlich sein könnten
(Einzelfallprüfung). Das Baukastensystem erlaubt damit systematische Prognosen zum Verschlech-
terungsverbot. Verschiedenste Vorhaben können auf einer zielführenden Detaillierungstiefe trans-
parent, nachvollziehbar und reproduzierbar bewertet werden.
Flussgebietsspezifische Schadstoffe (s. Kap. 3.1.3.2)
Die flussgebietsspezifischen Schadstoffe nehmen in diesem System eine Sonderstellung ein
[
LAWA-Handlungsempfehlung Nr. 2.2.1.3]. In den vorliegenden fachtechnischen Hinweisen
wurde hierzu ein Exkurs aufgenommen.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Umfang einer nachteiligen Veränderung und „Ort der Beurteilung“ von Auswirkungen
(s. Kap. 3.1.5.2)
Der maßgebliche „
Ort der Beurteilung“
ist bzw. sind die repräsentative(n) Messstelle(n) der jewei-
ligen OWK oder Gruppen von vergleichbaren OWK. Vielfach werden durch die für das Monitoring
zuständigen Behörden weitere Informationen auf Ebene der OWK – z. B. zu signifikanten Belastun-
gen und der Ausprägung der unterstützenden QK – für eine plausibilisierte Bewertung des ökologi-
schen Zustands bzw. Potenzials des bzw. der OWK herangezogen. Sind in dem maßgeblichen Was-
serkörper keine Messstellen und Daten vorhanden, sind die Messstellen heranzuziehen, die auf den
Wasserkörper aus fachlicher Sicht übertragbare Ergebnisse liefern. Zur Vorbereitung der Prognose-
entscheidung kann es je nach Lage und Auswirkung des Vorhabens zweckmäßig sein, die abioti-
schen Wirkungen eines Vorhabens auf alle potenziell betroffenen Wasserkörper in einem ersten
Schritt unabhängig von der Lage der Messstellen zu bewerten. Über die funktionale Systemanalyse
und die
Bewertung potenzieller Wirkungen auf Ebene funktionaler Gewässerabschnitte oder
-bereiche
eines OWK kann sichergestellt werden, dass letztlich eine valide Abschätzung der bioti-
schen Auswirkungen auf den gesamten Oberflächenwasserkörper erfolgt. Die Übertragung auf den
Wasserkörper erfolgt in einem zweiten Schritt.
Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Verschlechterung (s. Kap. 3.1.5.4)
Das BVERWG (2017) urteilte, dass der Verstoß gegen das „Verschlechterungsverbot“ einer
hinrei-
chenden Wahrscheinlichkeit
des möglichen Schadenseintritts bedarf. Da eine „Erheblichkeits-
schwelle“ auch nicht aus EUGH (2015) ergeht, ist die Erheblichkeit i. S. eines hinreichenden Scha-
denseintritts vorhabenspezifisch, d. h. im Einzelfall, zu beurteilen. Eine fachliche Einschätzung zur
Wahrscheinlichkeit muss also getroffen werden.
Die Beurteilung der Eintrittswahrscheinlichkeit einer Verschlechterung hängt dabei von mehreren
Rahmenbedingungen ab, die anhand von Entscheidungsbäumen dargestellt werden:
Wie hoch ist die
Wahrscheinlichkeit einer nachteiligen Veränderung
der biologischen Quali-
tätskomponenten?
Wie groß ist der zu erwartende räumliche und zeitliche
Umfang der nachteiligen Veränderung
,
unter Berücksichtigung von direkten Wirkmechanismen und Interaktionen der Wirkfaktoren mit
bestehenden Belastungen?
Liegt der ökologische Zustand/das ökologische Potenzial (auch auf Metric-/Modulebene) im
Grenzbereich zur nächst schlechteren Zustandsklasse
(z. B. unteres Viertel der Klassen-
breite, 25%-Perzentil)?
Sind
Bewertungsmodule (oder Metrics) mit hohem Indikationsgewicht
betroffen, welche die
Gesamtbewertung überproportional bestimmen?
Ausblick (Kap. 5)
Die Beurteilung einer Verschlechterung auf Basis der in dieser Arbeitshilfe dargelegten Quellen und
darin enthaltenen
Beurteilungswerte
erfordert vom Bearbeiter ein hohes Maß an Systemkenntnis
und einen sicheren Umgang mit vorliegenden Beurteilungswerten. Unbenommen von der Expertise

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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erfolgt die Beurteilung damit aber meist indirekt, d. h. auf Basis allgemeiner Zusammenhänge zwi-
schen abiotischen Wirkfaktoren und deren Auswirkungen auf die BQK.
Es fehlen Schwellenwerte insbesondere für die Klassengrenzen mäßig/unbefriedigend und unbe-
friedigend/schlecht, was eine
standardisierte Prognose erheblich erschwert
.
Vor dem Hintergrund der umfassenden Datengrundlagen, die im Rahmen des EG-WRRL-Monito-
rings erhoben wurden, wird empfohlen,
potenzielle Verschlechterungen systematisch empirisch
zu untersuchen und die Wirkzusammenhänge damit quantitativ zu untermauern
.

- 6 -
1
Einleitung
In Artikel 4 (1) EG-Wasserrahmenrichtlinie
2
(EG-WRRL) werden Umweltziele (u. a. das Verschlech-
terungsverbot und das Zielerreichungsgebot) formuliert, die Anforderungen an die Gewässerbewirt-
schaftung stellen, die auch ins Wasserhaushaltsgesetz (§§ 27, 44 und 47 WHG) entsprechend inte-
griert sind. Die Bedeutung dieser Umweltziele für konkrete genehmigungsrechtliche Fragestellungen
blieb bis zum Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) im Jahre 2015 weitgehend ungeklärt,
wonach die Umweltziele der EG-WRRL wasserrechtlich verbindliche Vorgaben für die Zulässigkeit
von Vorhaben darstellen.
3
Dies bedeutet, dass im Rahmen wasserrechtlicher Entscheidungen auch
zu bewerten ist, ob ein Vorhaben den Umweltzielen der EG-WRRL entgegensteht. Dieser Sachver-
halt wird seither regelmäßig in gesonderten Gutachten – i. d. R bezeichnet als „Fachbeitrag Was-
serrahmenrichtlinie“ (Fachbeitrag WRRL) – erörtert. Die Aussagen dieser Fachbeiträge müssen sich
nach dem o. g. Urteil sowie den darauf aufbauenden rechtlichen Weiterentwicklungen u. a. des Bun-
desverwaltungsgerichts (BVERWG) aus den Jahren 2016
4
, 2017
5
und 2018
6
richten.
Mit der
„Handlungsempfehlung Verschlechterungsverbot“ der LAWA
(LAWA 2017a
7
) werden
die juristischen Rahmenbedingungen gemäß der Rechtsprechung des EuGH sowie des BVERWG
für Begutachtungen im Fachbeitrag WRRL dargestellt sowie fachlich erörtert.
8
Darin sind hinsichtlich
des Verschlechterungsverbots bezüglich des ökologischen Zustands/Potenzials von Oberflächen-
wasserkörpern folgende
Verbotstatbestände
genannt [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr.
2.2.1.1]:
Verschlechterung mindestens einer
biologischen Qualitätskomponente (BQK)
um mindes-
tens eine Klasse. Dies gilt auch in folgenden Fällen:
Die Gesamtbewertung des betroffenen Oberflächenwasserkörpers (OWK) verändert sich
nicht.
Die BQK- oder Gesamtbewertung verschlechtert sich von „sehr gut“ zu „gut“ oder schlechter.
(Ausnahme: Unter den Voraussetzungen des § 31 (2) Satz 2 WHG ist eine Verschlechterung
von „sehr gut“ auf „gut“ zulässig)
Weitere Verschlechterung des ökologischen Zustands/Potenzials mindestens einer bereits als
„schlecht“ bewerteten BQK.
2
Richtlinie des Rates zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich der Wasserpolitik - RL
2000/60/EG
3
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs in der Rechtssache C-461/13 zur beantragten Weservertiefung, Urteil vom
01.07.2015
4
Urteil in der Rechtssache 7 A 1.15 zur beantragten Weservertiefung vom 11.08.2016
5
Urteil in der Rechtssache 7 A 2.15 zur beantragten Elbvertiefung vom 09.02.2017
6
Urteil in der Rechtssache 9 A 8.17 zur beantragten Nord-West-Umfahrung Hamburg vom 27.11.2018
7
„Handlungsempfehlung Verschlechterungsverbot“. Beschlossen auf der 153. LAWA-Vollversammlung 16./17. März 2017 in Karlsruhe
(unter nachträglicher Berücksichtigung der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts vom 9. Februar 2017, Az. 7 A 2.15 „Elbver-
tiefung“) als Anlage 1 zu Top 6.7 der 154. LAWA-VV
8
Der Sachverhalt ist fachlich-methodisch durch weitere Vollzugshinweise und Handlungsempfehlungen auf Europäischer sowie auf
Länderebene unterlegt. Eine nicht abschließende Zusammenfassung enthält Kap. 7. Etwaige fachliche Abweichungen sowie rechtli-
che Weiterentwicklungen gegenüber der Handlungsempfehlung der LAWA werden – sofern aus fachlicher Sicht zielführend – an ge-
eigneter Stelle erörtert.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Eine Verschlechterung der Zustandsklasse von
unterstützenden Qualitätskomponenten
(unter-
stützende QK) ist in diesem Kontext grundsätzlich irrelevant, solange dies keine Verschlechterung
der Zustandsklasse einer BQK auslöst [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.2.1.2].
Die flussgebietsspezifischen Schadstoffe nehmen in diesem System eine Sonderstellung ein (s. „Ex-
kurs: Prognose von Verschlechterungen für flussgebietsspezifische Schadstoffe (FGS)“ in Kap.
3.1.3.2 [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.2.1.3]).
Die bisherigen Urteile und Hinweise hinterlassen in der behördlichen Praxis fachliche Fragen für
eine transparente und nachvollziehbare Beurteilung eines Vorhabens gegenüber den Umweltzielen
der EG-WRRL, u. a. in Bezug auf die Beschreibung von Wirkzusammenhängen oder die räumliche
und zeitliche Abschätzung von Auswirkungen eines Vorhabens.
Die vorliegenden
fachtechnischen Hinweise
liefern maßgebliche methodische und fachliche Vor-
und Grundlagenarbeiten. Diese beschreiben einen bundesweit anwendbaren Ansatz zur Prognose
potenziell vorhabenbedingter Auswirkungen auf Oberflächengewässer im Hinblick auf das „Ver-
schlechterungsverbot“ gemäß EG-WRRL. Dieses Vorgehen kann darüber hinaus den Bundeslän-
dern als Grundgerüst für eigene Handlungsempfehlungen dienen. Zudem können weitere Ansätze
für Prognosen zum Verschlechterungsverbot geeignet sein, z. B. für bestimmte Fallgruppen wie Ein-
leitungen von Straßen oder Einleitungen kommunaler Kläranlagen
9
mit spezifischen Anforderungen.
Im Einzelnen wird das „Verschlechterungsverbot“ nach § 27 (1) Nr. 1 und (2) Nr. 1 WHG i. S. der
Definition des EUGH (2015) in den vorliegenden fachtechnischen Hinweisen in Bezug auf den öko-
logischen Zustand bzw. das ökologische Potenzial thematisiert. Vor diesem Hintergrund ergibt sich
der folgende Anwendungsbereich der vorliegenden Handlungsempfehlung:
Die Bewertung des ökologischen Zustands bezieht sich auf Oberflächenwasserkörper (OWK).
Eine Betrachtung des Themas Grundwasser erfolgt nicht.
OWK umfassen verschiedene Typen von Oberflächengewässern, wobei der Sachverhalt für die
Spezifika von Flüssen, Seen und Übergangsgewässern betrachtet wird.
10
Die physikalisch-chemischen und chemischen Parameter mit Relevanz für die Bewertung des
ökologischen Zustands, jedoch nicht die Parameter des chemischen Zustands, werden betrach-
tet.
Die Bearbeitung schließt das ökologische Potenzial und die Anwendung an erheblich veränder-
ten (HWMB) und künstlichen (AWB) OWK ein. Sofern für potenziell betroffene BQK an
HMWB/AWB keine Bewertung des ökologischen Potenzials vorliegt, kann stellvertretend die Be-
wertung des ökologischen Zustands herangezogen werden.
Eine Behandlung des „Zielerreichungsgebots“ nach § 27 (1) Nr. 2 und (2) Nr. 2 WHG erfolgt
nicht.
11
9
Beispielsweise ein standardisiertes Vorgehen für Einleitungen kommunaler Kläranlagen, das sich an Anforderungswerten orientiert
(z. B. LFU 2018).
10
Küstengewässer werden im Rahmen des Projektes nicht betrachtet
11
Die Prognoseentscheidung gegenüber dem Verschlechterungsverbot ist unabhängig von potenziellen Auswirkungen auf die Zielerrei-
chung (z. B. Erreichen des guten ökologischen Zustandes) für einen Wasserkörper i. S. des „Zielerreichungsgebots“. Eine pauschali-
sierte Beurteilung des „Zielerreichungsgebots“ auf Grundlage der Entscheidung zum „Verschlechterungsverbot“ ist nicht möglich und
bedarf i. d. R. einer gesonderten Prüfung.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 8 -
2
Funktionale Systemanalyse und Wirkpfadba-
sierter Ansatz als Grundlage für die Prognose
von vorhabenbedingten Auswirkungen
Der zentrale Ansatzpunkt für die Klärung und Bearbeitung der Wirkzusammenhänge ist die Defini-
tion von
Wirkpfaden,
d. h. die Ableitung und Darstellung der Zusammenhänge zwischen potenziel-
len, vorhabenbedingten Wirkungen und Qualitätskomponenten in Form von Ursache-Wirkungs-Be-
ziehungen (s. Abbildung 1).
Abbildung 1: Prinzip des Wirkpfad-basierten Ansatzes zur Beurteilung eines Vorhabens hinsichtlich des
„Verschlechterungsverbotes“ für den ökologischen Zustand
Das Prinzip kann vereinfacht wie folgt beschrieben werden:
Ein beantragtes Vorhaben kann als
Wirkpfadauslöser
potenziell mit Wirkungen auf ein Oberflä-
chengewässer einhergehen und damit
Wirkfaktoren
erzeugen, d. h. vorhabenbedingte Verände-
rungen des Abfluss- und Fließverhaltens, der Durchgängigkeit, der Gewässerstruktur und/oder der
Wasserbeschaffenheit hervorrufen.
Diese Wirkfaktoren verursachen i. d. R.
abiotische Wirkungen
, d. h. führen zu Veränderungen der
Standortverhältnisse in einem funktional betroffenen Abschnitt bzw. einer
funktional betroffenen
(Teil-)Fläche eines Oberflächengewässers als Teil eines oder mehrerer OWK. Diese abiotischen
Wirkungen können über die unterstützenden Qualitätskomponenten (unterstützende QK) paramet-
risiert und beschrieben werden.
Auf dieser Grundlage wird die Bedeutung der veränderten Standortbedingungen für die bewertungs-
relevanten Zönosen (Gewässerflora und -fauna) interpretiert, um Einschätzungen zu den potenziel-
len
biotischen Auswirkungen
eines Vorhabens für den funktional betroffenen Teil eines Gewäs-
sers treffen zu können. Zudem können durch ein Vorhaben auch direkte biotische Auswirkungen

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 9 -
(nicht über die unterstützenden QK) auf die biologischen Qualitätskomponenten (BQK) auftreten
(z. B. Fischschäden an Pump- und Schöpfwerken, Wasserkraftanlagen und Wasserentnahmevor-
richtungen).
Das Ergebnis dieses Wirkpfad-basierten Ansatzes, d. h. die Einschätzung potenzieller vorhabenbe-
dingter Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaften für einen funktional betroffenen Gewässerab-
schnitt bzw. eine funktional betroffene Gewässerfläche, wird anschließend auf den
OWK als recht-
lich bewertungsrelevanten Raumbezug
übertragen und vor dem Hintergrund des Geltungsbe-
reichs der fachgutachterlichen Aussagen bewertet. Als „Ort der Beurteilung“ dient bzw. dienen
schließlich die repräsentative(n) Messstelle(n) [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.1.3].
In Bezug auf die Wirkungsprognosen sind auch zustandsbegünstigende Vorhabensbestandteile
(Vorkehrungen) zu berücksichtigen. Die Umsetzung funktional verknüpfter Vorkehrungen – i. S. v.
Maßnahmen zur vorsorglichen Verhinderung einer evtl. drohenden Verschlechterung – kann im In-
teresse eines Vorhabenträgers (verfahrens-) ökonomisch sinnvoll sein (z. B. Anpflanzung von Ge-
hölzen an Bächen mit zu erwartender Temperaturerhöhung durch eine Einleitung). Damit kann mög-
licherweise erreicht werden, dass bereits auf der Stufe 1 (Vorprüfung) eine vorhabenbedingte Ver-
schlechterung ausgeschlossen werden kann oder unwahrscheinlich ist. [
LAWA-Handlungsemp-
fehlung, Nr. 2.4].

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 10 -
3
Hinweise für die Prognoseentscheidung im
wasserrechtlichen Vollzug
Im folgenden Kapitel werden Handlungsempfehlungen für die Prognoseentscheidung dargestellt.
Dazu werden zunächst wesentliche Grundlagen aufgeführt (Kapitel 3.1), die von der Bildung von
Prognose-Fallgruppen bis zu den Rahmenbedingungen der Prognoseentscheidung reichen. An-
schließend werden Inhalt und Aufbau der Vorgehensweise zur Ableitung einer Prognoseentschei-
dung im Einzelnen dargestellt (Kapitel 3.2).
3.1 Grundlagen und Hintergrundinformationen
3.1.1
Bildung von Prognose-Fallgruppen
Die vorhabenbezogenen Wirkpfade können für verschiedene (Kombinationen von) Wirkfaktoren ei-
nerseits und unterschiedliche biologische Qualitätskomponenten andererseits definiert werden.
Hierbei bestehen zahlreiche funktionale Ursache-Wirkungs-Beziehungen.
Eine standardisierte Vorgehensweise wird durch die Bildung von „Fallgruppen“ i. S. einer Typisie-
rung unterstützt, die sich seit vielen Jahren in verschiedenen wasserwirtschaftlichen Handlungsfel-
dern als zielführend erwiesen hat. Diese Vorgehensweise bietet die Möglichkeit, definierte Typen
von Vorhaben mit potenziellen abiotischen Wirkungen und möglichen biotischen Auswirkungen zu
verknüpfen. Das Baukastensystem ist hierarchisch aufgebaut, sodass je nach erforderlichem Detail-
lierungsgrad z. B. weitere Untergruppen abgeleitet werden können. Zudem können einzelne Bau-
steine zu neuen Kombinationen zusammengesetzt werden, die bei komplexeren Vorhaben erforder-
lich sein könnten (Einzelfallprüfung, s. Kap. 3.2.5). Das Baukastensystem erlaubt damit systemati-
sche Prognosen zum Verschlechterungsverbot. Verschiedenste Vorhaben können auf einer zielfüh-
renden Detaillierungstiefe transparent, nachvollziehbar und reproduzierbar bewertet werden.
Die Aufstellung der Fallgruppen (s. Tabelle 1) berücksichtigt erlaubnis- bzw. bewilligungspflichtige
Gewässerbenutzungen (nach § 9 (1) WHG), Vorhaben des Gewässerausbaus (nach § 68 WHG und
Anlage 1, Nr. 13 UVPG) sowie sonstige Vorhaben bzw. Nutzungen. Die Auswahl und Beschreibung
der Fallgruppen erfolgte in Abstimmung mit dem Projektbegleitenden Beirat.
Die einzelnen Fallgruppen fassen i. d. R. eine Vielzahl von möglichen Vorhaben mit funktional ver-
gleichbaren abiotischen Wirkungen zusammen. Vorhaben mit besonderer wasserrechtlicher Rele-
vanz (d. h. besonders häufig auftretende Fälle) können eigenständige Fallgruppen darstellen.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 11 -
Tabelle 1:
Fallgruppen zur Beschreibung von Wirkpfaden für das „Verschlechterungsverbot“ („X“ = diffe-
renzierte Darstellung in Steckbriefformat für die OWK-Kategorien „Flüsse“ (F), „Seen“ (S) und
„Übergangsgewässer“ (Ü) in Anhang 1)
Art
Fallgruppe
Kürzel
OWK-Kategorie
F
S
Ü
Gewässerausbau
(inkl. Anlagen)
Technischer Ausbau / Verbau (Gewässer)
G-1
X
X
X
Gewässerentwicklung/Renaturierung
G-2
X
Neubau / Umbau von Anlagen in der Aue
G-3
X
Querbauwerk
(Ausbau/Neubau/Betrieb)
mit Abflussregulierung / Speicherfunktion (mit Wasser-
kraftnutzung)
Q-1
X
mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit Wasser-
kraft, ohne Speicherfunktion)
Q-2
X
Einleitung
mit vorrangig stofflichen Wirkungen
E-1
X
X
mit vorrangig thermischen Wirkungen
E-2
X
mit vorrangig hydraulischen Wirkungen
E-3
X
Ausleitung/Entnahme
mit Wiedereinleitung
A-1
X
ohne Wiedereinleitung
A-2
X
Sonstige Vorhaben / Nutzungen (Einzelfallprüfung)
-
X
Die
Fallgruppen sind in Form von Steckbriefen beschrieben (s. Anhang 1)
, die Kurzbeschrei-
bungen liefern und fallgruppenspezifische Wirkpfade darstellen. Die Fallgruppen besitzen für die
OWK-Kategorien „Fluss“, „See“ und „Übergangsgewässer“ auf Grund der fachlichen Komplexität der
Wirkpfade und/oder der Häufigkeit in der wasserrechtlichen Zulassungspraxis eine i. d. R. unter-
schiedliche Bedeutung. In den Steckbriefen erfolgt daher eine Konkretisierung der Wirkpfade für
eine oder mehrere OWK-Kategorien, für die die jeweilige Fallgruppe besonders relevant ist.
Hinweise zur Zuordnung eines Vorhabens zu einer Fallgruppe werden in Kapitel 3.2.2 gegeben.
3.1.2
Potenzielle Wirkfaktoren
Vorhaben können mit der direkten Veränderung wesentlicher Standortbedingungen in einem Ab-
schnitt oder einer (Teil-) Fläche eines Oberflächengewässers, die die Funktionsfähigkeit eines Ober-
flächengewässers bestimmen, einhergehen.
Anhand sogenannter „Wirkfaktoren“ können diejenigen Veränderungen der Standortbedingungen
beschrieben werden, die grundsätzlich direkt und unmittelbar durch ein Vorhaben hervorgerufen
werden können. Dabei werden Kombinationen von bau-, anlage- und betriebsbedingten Wirkungen
berücksichtigt. Nicht zu den Wirkfaktoren zählen Veränderungen, die sich erst als Folgewirkung ei-
nes beeinflussten Wirkfaktors ergeben und daher lediglich mittelbar durch ein Vorhaben hervorge-
rufen werden könnten. Diese Folgewirkungen werden u. a. über die sogenannten „abiotischen Wir-
kungen“ (s. u.) betrachtet.
Insgesamt werden bis zu
15 Wirkfaktoren
unterschieden, die über OWK-spezifische Piktogramme
eingängig abgebildet und in
Anhang 2
vergrößert dargestellt und inhaltlich erläutert sind. Einige
Wirkfaktoren können für einen oder mehrere OWK-Kategorien aus fachlicher Sicht ausgeschlossen

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 12 -
werden, da vorhabenbedingte Veränderung für den jeweiligen Wirkfaktor sehr unwahrscheinlich
sind.
12
Tabelle 2:
Vorhabenbedingte Wirkfaktoren mit potenziellen Wirkungen auf Flüsse, Seen und Übergangs-
gewässer (detailliertere Beschreibung s. Anhang 2)
Wirkfaktor
Fluss
See
Übergangsgewässer
Wirkungsbereich
Abfluss und Fließverhältnisse
Abfluss (F),
Wassermenge/Abfluss (S)
(über „Fließverhalten/
Tidenregime“ berück-
sichtigt)
Fließverhalten (F)
Fließverhalten/Tidenregime (Ü)
(über „Wassermenge/
Abfluss“ berücksichtigt)
Wasserspiegellagen (F/S),
Wasserspiegellage/Tidenhub (Ü)
Durchgängigkeit
Durchgängigkeit (linear)
Durchgängigkeit (lateral)
Gewässerstruktur
Morphologische Verhältnisse
- Sohle, Ufer (F)
- Seeboden, Uferzone (S)
- Sub-/Eulitoral (Ü)
Morphologische Verhältnisse
- Aue (F)
- semiterrestrischer Bereich (S)
- Supralitoral (Ü)
12
So sind potenziell bewertungsrelevante direkte Veränderungen der Zönosen (z. B. durch Besatz) in offenen Systemen wie Flüssen
und Übergangsgewässern und Veränderungen des Schwebstoffgehalts in natürlicherweise schwebstoffreichen Übergangsgewässern
durch einzelne Vorhaben von vornherein auszuschließen.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Wirkfaktor
Fluss
See
Übergangsgewässer
Wirkungsbereich
Wasserbeschaffenheit
Temperaturverhältnisse
Sauerstoffhaushalt
Salzgehalt
1
(nicht berücksichtigt)³
Versauerungszustand
(nach OGewV nicht re-
levant)
Nährstoffverhältnisse
Schwebstoffgehalt
(nicht berücksichtigt)³
Schadstoffgehalt
Zönose
Ausprägung der
Lebensgemeinschaft
(nicht berücksichtigt)²
(nicht berücksichtigt)²
1
Neben dem in der Abbildung dargestellten Chlorid (Cl) umfasst der Salzgehalt auch Sulfat und die Leitfähigkeit
(vgl. Anhang 3, Tabelle 2)
² Direkte Veränderungen der Zönosen (z. B. durch Besatz) in offenen Systemen wie Flüssen und Übergangsgewässern durch ein-
zelne Vorhaben i. d. R. unwahrscheinlich, daher nicht berücksichtigt
³ Direkte Veränderungen des Salz- und Schwebstoffgehalts in natürlicherweise salzhaltigen und schwebstoffreichen Übergangsge-
wässern durch einzelne Vorhaben i. d. R. unwahrscheinlich, daher nicht berücksichtigt
Da diese Wirkfaktoren regelhaft für vergleichbare Vorhaben anzunehmen sind, können diese auf
Ebene der Fallgruppen hinsichtlich ihrer potenziellen Prüfrelevanz eingestuft werden (vgl. Kap.
3.2.1). Durch die Angabe, ob ein Wirkfaktor für eine bestimmte Fallgruppe regelmäßig oder im Ein-
zelfall, d. h. in Abhängigkeit der vorhabenspezifischen Eigenschaften, anzunehmen ist, kann die
Prognose im Hinblick auf das Verschlechterungsverbot bereits frühzeitig auf wesentliche Aspekte
konzentriert werden.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 14 -
3.1.3
Potenzielle abiotische Wirkungen
Die potenziellen abiotischen Wirkungen dienen der Erfassung und Quantifizierung von zu erwarten-
den vorhabenbedingten Veränderungen der Standortbedingungen in einem Abschnitt bzw. einer
(Teil-) Fläche eines Oberflächengewässers bzw. Wasserkörpers.
Sie umfassen dabei sowohl Wirkungen, die direkt durch ein Vorhaben ausgelöst werden können, als
auch Folgewirkungen, die sich durch die Veränderung eines anderen Parameters ergeben können.
Potenziell vorhabenbedingte abiotische Wirkungen können sich in Abhängigkeit der Intensität des
Wirkfaktors und der Verhältnisse im Gewässersystem, die durch mengenmäßig und/oder stofflich
relevante Zuflüsse und Entnahmen, Abflussszenarien (z. B. Niedrig-, Mittel- und Hochwasserfüh-
rung) sowie gewässertypologische und hydromorphologische Rahmenbedingungen (Stauregulie-
rung, Ausbauzustand) bestimmt werden, unterschiedlich auswirken. Die
funktionale Systemana-
lyse mit ggf. erforderlicher Gliederung eines Gewässers
(z. B. Uferzone, Tiefenzone an Seen)
bzw. des Gewässersystems (z. B. Fließgewässer oberhalb/unterhalb eines Vorhabens unter Be-
rücksichtigung von Zuflüssen) sollte dabei sowohl hydromorphologische als auch stoffliche Einfluss-
faktoren berücksichtigen.
Grundsätzlich orientiert sich die Zusammenstellung der potenziellen abiotischen Wirkungen an den
Parametern der unterstützenden Qualitätskomponenten nach OGewV, Anlage 3, Nr. 2 und 3 (s.
Tabelle 3). Diese Parameter wirken i. d. R. erklärend und unterstützend für den ökologischen Zu-
stand, sind jedoch insbesondere für die hydromorphologischen Qualitätskomponenten vergleichs-
weise abstrakt und daher kaum unmittelbar für die Prognoseentscheidung zu potenziell vorhaben-
bedingten Wirkungen anwendbar.
Tabelle 3:
Unterstützende Qualitätskomponenten zur Einstufung des ökologischen Zustands und des
ökologischen Potenzials für Flüsse, Seen und Übergangsgewässer (nach OGewV, Anlage 3,
Nr. 2 und 3)
Qualitätskomponente(n) und Parameter (OGewV)
F
S
Ü
Hydromorphologische Qualitätskomponenten (OGewV, Anlage 3, Nr. 2)
Wasserhaushalt
Abfluss und Abflussdynamik
X
-
-
Wasserstanddynamik, Wassererneuerungszeit
-
X
-
Verbindung zu Grundwasserkörpern
X
X
-
Tidenregime
Süßwasserzustrom, Seegangsbelastung
-
-
X
Durchgängigkeit
1
-
X
X
X
Morphologische Verhältnisse
Tiefen- und Breitenvariation
X
-
-
Tiefenvariation
-
X
X
Struktur und Substrat des Bodens
X
-
-
Menge, Struktur und Substrat des Bodens
-
X
X
Struktur der Uferzone
X
X
-
Struktur der Gezeitenzone
-
-
X
Chemische Qualitätskomponenten (OGewV, Anlage 3, Nr. 3.1)
(nicht) synthetische Schadstoffe in Wasser, Sedimenten
oder Schwebstoffen
(nicht-) synthetische Schadstoffe
X
X
X
Physikalisch-chemische Qualitätskomponenten (OGewV, Anlage 3, Nr. 3.2)

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Qualitätskomponente(n) und Parameter (OGewV)
F
S
Ü
Temperaturverhältnisse
Temperaturverhältnisse
X
X
X
Sauerstoffhaushalt
Sauerstoffhaushalt
X
X
X
Salzgehalt
Salzgehalt
X
X
X
Versauerungszustand
Versauerungszustand
X
X
-
Nährstoffverhältnisse
Nährstoffverhältnisse
X
X
X
Schwebstoffgehalt
2
Schwebstoffe/ abfiltrierbare Stoffe
X
X
X
F = Fluss, S = See, Ü = Übergangsgewässer
X = relevanter Parameter für den OWK-Typ nach OGewV, Anlage 3, Nr. 2 und 3
1
gemäß Anlage 3, Nr. 2 OGewV lediglich für Flüsse relevant, jedoch ohne die Angabe weitergehender Parameter, aus fachlicher Sicht
auch für (durchflossene) Seen und Übergangsgewässer zu berücksichtigen.
2
Qualitätskomponente ergänzt; berücksichtigt die Qualitätskomponente „Sichttiefe“ (relevant für Seen und Übergangsgewässer)
Sie sind daher für die fachtechnischen Hinweise durch Parameter-Gruppen für die einzelnen OWK-
Kategorien untersetzt worden (s. Tabelle 4).
Tabelle 4:
Parameter-Gruppen zur Erfassung und Bewertung potenzieller abiotischer Wirkungen auf die
hydromorphologischen Verhältnisse (Hydromorphologische Qualitätskomponenten nach
OGewV, Anlage 3, Nr. 2) und die Wasserbeschaffenheit (Chemische und allgemeine physika-
lisch-chemische Qualitätskomponenten nach OGewV, Anlage 3, Nr. 3)
Qualitätskomponenten
(OGewV, Anlage 3, Nr. 2, 3)
Parameter-Gruppe
Hydromorphologische Verhältnisse
Wasserhaushalt (F/S),
Tidenregime (Ü)
Fluss
See
Übergangsgewässer
Abfluss/ Abflussdynamik (F),
Wasserstandsdynamik/ Was-
sererneuerungszeit (S),
Süßwasserzustrom (Ü)
Abflussverhältnisse/ -dy-
namik
Fließverhältnisse/ Rück-
stau
Wasserstand/ -dynamik,
Auenanbindung
Wassereinzugsgebiet
Jährlicher Durchfluss
Wasserstandsvariation
Mittelwasserstand
Wassererneuerungszeit
Flut-/ Ebbströmung, Anbin-
dung Zuflüsse
Flut-/Ebbdauer
Wasserspiegellagen/ Tiden-
hub
Seegangsbelastung
-
1
-
1
Wellenbelastung
Verbindung zu GWK
Grundwasseranbindung
Grundwasseranbindung -
1
Durchgängigkeit
Fluss
See
Übergangsgewässer
-
2
Linear (aquatische Org.)
Lateral (aquatische Org.)
Vertikal (Hyporheisches
Interstitial)
Sedimenthaushalt
Linear (aquatische Org.)
Lateral (aquatische
Org.)
Vertikal (Hyporheisches
Interstitial)
Linear (aquatische Org.)
Lateral (aquatische Org.)
Vertikal (Hyporheisches In-
terstitial)
Sedimenthaushalt
Morphologische Verhältnisse Fluss
See
Übergangsgewässer
Tiefenvariation/ Breitenvaria-
tion
(nur F)
Laufentwicklung
Längsprofil
Tiefen-/Breitenvarianz
Tiefenvariation
Tiefenvariation
Menge (nur S/Ü)/ Struktur/
Substrat Boden
Sohlstruktur
Substratbeschaffenheit/ -
dynamik
Menge, Struktur und
Substrat des Bodens
Menge/ Struktur/ Substrat
des Bodens
Struktur Uferzone (F/S),
Struktur Gezeitenzone (Ü)
Uferstruktur/ Querprofil
Uferbewuchs/ Beschat-
tung
Gewässerrandstreifen/
Umfeldstruktur
Schadstrukturen Flach-
wasserzone
Röhricht
Uferverbau
Schadstrukturen Ufer
Umfeldzone (Landnut-
zung)
Hydromorphologische
Strukturelemente
Flächenanteil Gezeitenzone
Hydromorphologische Be-
lastungen (Sub-/ Eulito-
ral)
Hydromorphologische Be-
lastung (Supralitoral)

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Qualitätskomponenten
(OGewV, Anlage 3, Nr. 2, 3)
Parameter-Gruppe
Vegetationszonierung (Euli-
toral)
Vegetationszonierung (Sup-
ralitoral)
Wasserbeschaffenheit
Flussgebietsspezifische
Schadstoffe (FGS)
Fluss
See
Übergangsgewässer
Synthetische/nichtsynthetische
Schadstoffe in Wasser, Sedi-
menten oder Schwebstoffen
(nicht-) synthetische
Schadstoffe
(nicht-) synthetische
Schadstoffe
(nicht-) synthetische Schad-
stoffe
Allgemeine physikalisch-che-
mische Parameter (ACP)
Fluss
See
Übergangsgewässer
Temperaturverhältnisse
Temperaturverhältnisse
Temperaturverhältnisse
Temperaturverhältnisse
Sauerstoffhaushalt
Sauerstoffhaushalt
Sauerstoffhaushalt
Sauerstoffhaushalt
Salzgehalt
Salzgehalt
Salzgehalt
Salzgehalt
Versauerungszustand
Versauerungszustand
Versauerungszustand
-
1
Nährstoffverhältnisse
Nährstoffverhältnisse
Nährstoffverhältnisse
Nährstoffverhältnisse
Schwebstoffgehalt³
Schwebstoffe/
abfiltrierbare Stoffe
Schwebstoffe/
abfiltrierbare Stoffe
Schwebstoffe/
abfiltrierbare Stoffe
1
nicht relevant nach OGewV
2
Qualitätskomponente ist nach OGewV nicht durch Parameter unterlegt und nur für Flüsse relevant; ergänzt für Seen und Übergangs-
gewässer
³ Qualitätskomponente ergänzt; berücksichtigt die Qualitätskomponente „Sichttiefe“ (relevant für Seen und Übergangsgewässer)
Für jede einzelne Parameter-Gruppe wird eine Experten-gestützte Einschätzung getroffen, inwiefern
diese potenziell bei Vorhandensein eines bestimmten Wirkfaktors (s. o.) beeinflusst werden könnte.
Dies ermöglicht es, die Prognosen aufbauend auf den Wirkfaktoren weitergehend zu konkretisieren.
Eine Zuordnung potenziell relevanter abiotischer Wirkungen erfolgt
Fallgruppen-spezifisch in den
Steckbriefen
. Eine fallgruppenübergreifende Darstellung findet sich zudem in
Anhang 2
.
Diese
Parameter-Gruppen
enthalten jeweils einen oder mehrere Einzelparameter, die i. d. R.
aus
etablierten Bewertungsverfahren
(z. B. Gewässerstrukturverfahren) stammen. Eine detaillierte
Aufstellung aller Einzelparameter mit Zuordnung zu den Parameter-Gruppen findet sich in
An-
hang 3
.
Durch die weitgehende Verwendung bestehender Verfahren kann die Erfassung und Bewertung der
einzelnen Parameter i. d. R. transparent, nachvollziehbar und reproduzierbar durchgeführt und do-
kumentiert werden. Die
fallgruppenspezifisch relevanten Verfahren
für die Parametrisierung und
Quantifizierung von abiotischen Wirkungen auf den Wasserhaushalt bzw. das Tidenregime, die
Durchgängigkeit und die Morphologie von Flüssen, Seen und Übergangsgewässern sind in den
Steckbriefen der Prognose-Fallgruppen aufgeführt (s. Anhang 1).
3.1.3.1
Wirkungen auf die hydromorphologischen Verhältnisse
Die hydromorphologischen Qualitätskomponenten können die Bewertung der BQK unterstützen, er-
langen jedoch vor dem Hintergrund des „Verschlechterungsverbots“ erst Relevanz für die Bewer-
tung, sofern eine mögliche vorhabenbedingte
nachteilige Veränderung
Auswirkungen auf die BQK
haben könnte.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 17 -
Eine nachteilige Veränderung meint in diesem Zusammenhang die
vorhabenbedingte Entfernung
zum Ausgangszustand
.
Ein zielführender Detailgrad für die Bewertung potenziell nachteiliger hydromorphologischer Wirkun-
gen kann in Abhängigkeit vom Vorhaben und den potenziellen Wirkpfaden in unterschiedlicher Tiefe
erreicht werden. Dies ist z. B. durch die gewässertypspezifischen und
referenzgestützten
Bewer-
tung der Gewässerstruktur mit entsprechenden Beschreibungen des sehr guten und guten hydro-
morphologischen Zustandes für Flüsse möglich, die in den „Hydromorphologischen Steckbriefen der
deutschen Fließgewässertypen“ (UBA 2014)
13
enthalten sind. Dabei können morphologische Ver-
hältnisse z. B. in einem Fließgewässerabschnitt i. d. R. kleinräumig (Abschnitte mit einer Länge ab
100 m) mit etablierten Bewertungsverfahren wie z. B. den Verfahrensempfehlungen der LAWA zur
Gewässerstrukturkartierung
14, 15
erfasst und Veränderungen gegenüber dem Ausgangszustand (=
Zustand ohne das geplante Vorhaben)
quantifiziert
werden. Vergleichbar detaillierte Beschreibun-
gen des hydromorphologischen Leitbilds liegen bisher für Seen und Übergangsgewässer nicht vor.
Die Beschreibung des Wasserhaushalts und der Durchgängigkeit erfolgt für alle Gewässerkatego-
rien (Flüsse, Seen, Übergangsgewässer) nicht referenzgestützt, sondern
belastungsorientiert
(z.
B. stauregulierte Fließgewässeranteile). Diese i. d. R. großräumigeren Betrachtungen (Maßstab des
Wasserkörpers oder Einzugsgebiets) können Hinweise auf potenziell bewertungsrelevante Stand-
ortfaktoren geben bzw. die referenzgestützten Parameter ergänzen. Dieser Ansatz findet beispiels-
weise für die „Klassifizierung des Wasserhaushalts von Einzugsgebieten und Wasserkörpern“
(LAWA 2017b) Anwendung. Durch den großräumigen Bezug kann hierbei die Anwendbarkeit für
kleinräumige Eingriffe jedoch erschwert sein.
Liegen einschlägige Leitfäden zu hydromorphologischen Wirkungen vor, z. B. Leitfäden zur Gewähr-
leistung eines ökologischen Mindestwasserabflusses zur Erreichung des guten ökologischen Zu-
stands, kann i. d. R. davon ausgegangen werden, dass es bei Einhaltung der Anforderungen zu
keiner Verschlechterung kommt.
Liegen weder referenz- noch belastungsorientierte Quellen vor, die die Parametrisierung und/oder
Quantifizierung einer potenziell vorhabenbedingten abiotischen Wirkung anhand von etablierten,
standardisierten, übertragbaren und reproduzierbaren Verfahren erlauben (z. B. bei Absenkung von
Wasserspiegellagen durch Wasserentnahmen), muss die Parametrisierung und Quantifizierung ei-
ner Wirkung
individuell erarbeitet und interpretiert
werden. Dies bedingt einen erhöhten Aufwand
13
Aufbauend auf der Fließgewässertypologie nach POTTGIEßER & SOMMERHÄUSER (2008) mit Angabe zu Einzelparametern der Gewäs-
serstruktur mit den potenziell stärksten Effekten auf die biologischen Qualitätskomponenten (Makrozoobenthos, Fische, Makrophyten)
14
Die aktualisierten Fassungen der „Verfahrensempfehlung Gewässerstrukturkartierung kleine bis mittelgroße Fließgewässer“ und der
„Verfahrensempfehlung Gewässerstrukturkartierung mittelgroße bis große Fließgewässer“ der LAWA befinden sich derzeit in Endre-
daktion
15
Bundesweit besteht eine Vielzahl z. T. bundeslandspezifischer Verfahrensanleitungen, die in Umfang und Benennung der Parameter
abweichen können. Im Sinne der Vergleichbarkeit von Beurteilungen/Ergebnissen wird empfohlen auf bundesweit einheitliche Verfah-
ren zurückzugreifen bzw. auf landesspezifische Verfahren zu verweisen, sofern dies die Belastbarkeit von Aussagen untersetzt
(Bspw. Zusammenhänge zwischen Zuständen von Zönosen und Einzelparametern wie im Habitatindex nach FOERSTER et al. (2017)
„Entwicklung eines Habitatindex zur Beurteilung biozönotisch relevanter Gewässerstrukturen“ auf Grundlage der Einzelparameter der
Gewässerstrukturkartierung des Landes Nordrhein-Westfalen (LANUV 2012))

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 18 -
zur Aufarbeitung von Daten und Begründung von Bewertungen, um die Nachvollziehbarkeit der Ar-
gumentation gewährleisten zu können und sollte sich entsprechend auf möglichst wenige Fälle be-
schränken.
Zur
Prognose von hydromorphologischen Verhältnissen
sind häufig Mittelwert-Szenarien ziel-
führend, zudem können in Abhängigkeit von Parametern und Gewässerkategorie auch Spitzenwert-
Szenarien von Bedeutung sein:
Mittelwert-Szenarien
16
: Szenarien mit mittleren Abflüssen (z. B. MQ, q183) und/oder Wasser-
spiegellagen (z. B. MW) sind grundsätzlich für die Abbildung hydromorphologischer Verhältnisse
geeignet, v.a. zur Darstellung hydrologischer und morphologischer Parameter. Insbesondere in
Flüssen können dadurch die Verhältnisse realistisch abgebildet werden, die vielfach relevant
sind (z. B. Breite/Beschaffenheit des Mittelwasserbettes, vorherrschendes Substrat, vorherr-
schende Fließverhältnisse, durchschnittlicher Rückstau in Fließgeschwindigkeit und Ausdeh-
nung von Rückstaubereichen). In Seen lassen sich bei mittleren Wasserständen (z. B. MW) die
Habitatbedingungen insbesondere im Uferbereich und semiterrestrischen Bereich gut abbilden,
da die Vegetationszonierung direkt von diesen abhängig ist.
Spitzenwert-Szenarien: Spitzenwert-Szenarien sind insbesondere bei hydrologischen Wirkfak-
toren und damit verbundenen Parametern sinnvoll. Dabei sind niedrige Abflüsse (z. B. MNQ) die
Basis für die Bewertung der Habitatqualität und Durchgängigkeit z. B. in Ausleitungsstrecken in
Flüssen. Darüber hinaus sollten für die Bewertung von Ausleitungsstrecken auch mögliche Un-
terschreitungen der Mindestwasserführung nach § 33 WHG gemäß LAWA (in Abstimmung) und
DWA Merkblatt 509 (DWA 2016) vorgenommen werden. Demgegenüber sind höhere Abflüsse
bzw. Wasserspiegellagen geeignet, um die Anbindung bzw. Überflutungshäufigkeit von Auen zu
ermitteln. An Seen sind niedrige (z. B. MNW) und hohe (z. B. MHW) von Bedeutung, um die
natürlichen Wasserstandsschwankungen abzubilden. In Übergangsgewässern sind Amplitude
und zeitliches Auftreten von mittlerem Tidehochwasser und mittlerem Tideniedrigwasser und da-
mit in Verbindung die Ausprägung der Fließverhältnisse von besonderer Bedeutung.
Für die Gewährleistung der Durchgängigkeit an einem durch ein Vorhaben neu geschaffenen bzw.
veränderten Ausleitungsstandort einer Wasserkraftanlage ist z. B. zu beachten, dass sich der Ge-
wässerabfluss je nach Abflusshöhe und Ausbaugrad der Wasserkraftanlage in unterschiedlich hohe
Teilabflüsse aufteilt. In der Regel sind Wasserkraftanlagen auf den mittleren Gewässerabfluss (MQ)
ausgelegt, so dass in der überwiegenden Zeit des Jahres der wesentlich höhere Teilabfluss in den
Triebwerkskanal abgeleitet wird. Der Ausleitungsstecke („Mutterbett“) muss mindestens eine aus-
reichende, ökologisch begründete Mindestwasserführung zur Verfügung stehen. Beim Zusammen-
fluss „konkurriert“ dieser – in der Regel geringere – Teilabfluss mit dem Abfluss aus dem Triebwerks-
kanal unterhalb der Wasserkraftanlage. Zudem weist der Abfluss aus dem Triebwerkskanal meis-
tens eine höhere Fließgeschwindigkeit auf (durch den i. d. R. geringeren Abflussquerschnitt). Unter
diesen Bedingungen nehmen aufwandernde Fische den Abfluss (Mindestwasserführung) aus der
Ausleitungsstrecke nicht oder nur zum Teil wahr und orientieren sich vorrangig an dem Teilstrom mit
dem höheren Abfluss. Der Hauptwanderkorridor ist dann der Triebwerkskanal. Es gilt daher, dass
immer eine Plausibilisierung der Mindestwasserführung vor Ort durchzuführen ist (s. a. LAWA in
Abstimmung, DWA 2016).
16
Anstelle von berechneten Mittelwerten können auch Medianwerte zur Beschreibung von mittleren Verhältnisse für „Mittelwert-Szena-
rien“ herangezogen werden.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 19 -
3.1.3.2
Wirkungen auf die Wasserbeschaffenheit
Die Wasserbeschaffenheit in einem Oberflächengewässer ergibt sich maßgeblich aus dem ihm zu-
fließenden Wasser aus oberhalb gelegenen Abschnitten (für Flüsse) und/oder natürlichen (z. B. Ne-
bengewässer) und künstlichen (z. B. Einleitung) Zuflüssen. Darüber hinaus können vertikale (z. B.
Grundwasseraustausch) und laterale (z. B. diffuser Nährstoffeintrag, Stoffeintrag durch Erosion)
Austauschprozesse sowie hydromorphologische Verhältnisse (z. B. Stauregulierung; Beschattung)
erheblichen Einfluss auf die Wasserbeschaffenheit im Gewässerabschnitt ausüben.
Die für die Bewertung des ökologischen Zustands relevante Wasserbeschaffenheit umfasst (nach
Anlage 3, Nr. 3 OGEWV
17
):
Allgemeine physikalisch-chemische Qualitätskomponenten (ACP)
18
sowie
Chemische Qualitätskomponenten
bestehend aus den Flussgebietsspezifischen Schadstof-
fen (FGS).
Spezifische Beurteilungswerte (Schwellenwerte) für die Parameter der ACP (Anlage 7 OGEWV) ge-
ben Hinweise zu stofflichen und physikalischen Verhältnissen im Gewässer, deren Veränderung
i. d. R. direkt
19
auf die aquatischen Zönosen wirken und ursächlich für eine Verschlechterung der
BQK bzw. letztlich des ökologischen Zustandes/Potenzials sein kann
Die Beurteilungswerte für die Parameter der flussgebietsspezifischen Schadstoffe (Anlage 6
OGEWV) basieren auf ökotoxikologischen Daten und sind als Vorsorgewerte zu verstehen.
20
Diese
spiegeln grundsätzlich die maximal zulässige Höchstkonzentration eines Stoffes (ZHK-UQN) oder
die Jahresdurchschnitts-Konzentration (JD-UQN) wider.
Diese Beurteilungswerte lassen sich auch gemäß ihrer rechtlichen Wirkung differenzieren:
Für die ACP sind
„Hintergrundwerte“
(HW) und
„Orientierungswerte“ (OW)
definiert, die über
ihre Wirkung auf die biologischen QK eine „mittelbare rechtliche Wirkung“ entfalten (s. § 5 Abs.
4 Satz 2 OGewV und
LAWA-Handlungsempfehlung Nr. 2.2.1.2).
Für flussgebietsspezifische Schadstoffe sind
„Umweltqualitätsnormen“ (UQN)
festgeschrie-
ben, welche eine „unmittelbare rechtliche Wirkung“ entfalten und rechtsverbindlich sind (s. § 5
Abs. 5 Satz 1 OGewV und
LAWA-Handlungsempfehlung Nr. 2.2.1.3).
Bei Einhaltung der Beurteilungs- bzw. Schwellenwerte kann grundsätzlich davon ausgegangen wer-
den, dass die allgemeine physikalisch-chemische und die chemische Wasserbeschaffenheit die Zie-
lerreichung des guten ökologischen Zustands/Potenzials nicht gefährdet (Näheres s. Kap. 3.1.4.1).
Der Umkehrschluss gilt nicht.
Einleitungen aus Punktquellen (z. B. industrielles Abwasser) und diffusen Quellen (z. B. aus land-
wirtschaftlicher Nutzung), aber auch hydromorphologische Veränderungen (z. B. Stauregulierung),
17
OGEWV - Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer („Oberflächengewässerverordnung“) vom 20. Juni 2016.
18
Die Komponentengruppe wird mit „ACP“ abgekürzt, bezogen auf die „allgemeinen physikalisch-chemischen Parameter“, die der Kom-
ponentengruppe zugeordnet werden.
19
Die Wasserbeschaffenheit kann direkte physiologische Auswirkungen auf die aquatischen Zönosen auslösen, wohingegen hydromor-
phologische Veränderungen überwiegend indirekte Effekte durch eine Beeinträchtigung der Habitatqualität/ Verfügbarkeit von geeig-
neten Lebensräumen äußern, in deren Folge sich der Zustand der Zönosen verändern kann.
20
Umweltqualitätsnormen (betrifft flussgebietsspezifische Schadstoffe nach Anlage 6 OGEWV) sind definiert als „die Konzentration ei-
nes bestimmten Stoffes oder einer bestimmten Schadstoffgruppe, die in Wasser, Schwebstoffen, Sedimenten oder Biota aus Gründen
des Gesundheits- und Umweltschutzes nicht überschritten werden dürfen“ (§ 2 OGEWV)

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 20 -
können die Wasserbeschaffenheit eines Gewässers abhängig von den Abflussverhältnissen (und
der Stofffracht bei Stoffeinträgen) nachteilig beeinflussen.
Die Gewässer weisen bereits vor der Durchführung eines Vorhabens eine gewisse physikalisch-
chemische und chemische Wasserbeschaffenheit auf („Ausgangszustand “), die i. d. R. über die Pa-
rameter nach Anlage 6 und 7 OGewV abgebildet werden kann. Die Quantifizierung einer möglichen
vorhabenbedingten (zusätzlichen) Belastung im Vergleich zu diesem Ausgangszustand ist Grund-
voraussetzung für die Beurteilung potenzieller Wirkungen. Dabei können insbesondere folgende As-
pekte bedeutend sein:
Die Angabe prognostizierter absoluter Werte (z. B. Konzentrationen im Plan-Zustand in [mg/l])
ermöglicht die Beurteilung vorhabenbedingter Wirkungen gegenüber den in der OGewV vorge-
gebenen Schwellenwerten (UQN, OW). Darüber hinaus kann für den Einzelfall ergänzendes Ex-
pertenwissen herangezogen werden.
Die Angabe relativer Veränderungen (z. B. Konzentrationszunahme gegenüber dem Ausgangs-
zustand in [%]) ist unerlässlich, da die Bewertung i. S. des Verschlechterungsverbotes immer
eine Beurteilung in Relation zum Ausgangszustand erfordert (insbesondere, wenn Schwellen-
werte bereits überschritten sind).
In Flüssen kommt den Abflussverhältnissen im potenziellen Einflussbereich des Vorhabens ne-
ben dem Ausgangszustand eine zentrale Bedeutung zu, da der Abfluss als Ausbreitungsvektor
für potenziell vorhabenbedingte Wirkungen fungiert.
Vorhabenbedingte Wirkungen können zur Verdünnung/Verringerung oder Aufkonzentration / Er-
höhung physikalisch-chemischer und chemischer Parameter im Vorfluter (potenziell beeinfluss-
ter Abschnitt eines oder mehrerer OWK) in Abhängigkeit der Abflussanteile im Vorflutsystem
(Abfluss im Gewässer, Zufluss, Entnahme) führen.
Die (zeitlich variable) Abflussmenge im Gewässer(-system) beeinflusst das Ausmaß von vorha-
benbedingten Wirkungen, d. h. relative Veränderungen der Wasserbeschaffenheit nehmen mit
zunehmendem Abfluss im Gewässer ab.
Der Einfluss eines Zuflusses mit vorhabenbedingt veränderter Wasserbeschaffenheit (z. B. Ein-
leitung) auf den Vorfluter nimmt mit Erhöhung des zuströmenden Abflusses zu.
Der Abfluss im Gewässer bestimmt maßgeblich die potenzielle Reichweite (Durchmischung,
Selbstreinigung) von vorhabenbedingten Auswirkungen, vorrangig in Fließrichtung (an Flüssen).
Grundsätzlich lassen sich diese Aussagen auch auf Seen und Übergangsgewässer übertragen,
wenngleich die Ausbreitungswege potenzieller Wirkungen (bei Seen in Abhängigkeit von Durch-
strömung und vertikaler Schichtung, bei Übergangsgewässern in Abhängigkeit des Tidenre-
gimes) eine Quantifizierung im Vergleich zu Flüssen erheblich erschweren (s. u.).
Bei
Prognosen zur Wasserbeschaffenheit
sind generell Mittelwert- und Spitzenwert-Szenarien
anzuwenden. Die Auswahl der Szenarien ist dabei auch abhängig von der stofflichen Wirkung und
den Vorgaben der OGewV in Umsetzung der UQN-RL:
Mittelwert-Szenarien
21
: Szenarien mit Berechnung von Werten für mittlere Stoffkonzentrationen
bzw. Werte bei mittleren Abflüssen (z. B. MQ, q183) sind grundsätzlich z. B. für Nährstoffe rele-
vant. Zudem sind solche Szenarien auch für JD-UQN zu empfehlen, da die UQN für diese Stoffe
als Jahresdurchschnittswerte definiert sind, die ebenfalls i. d. R. mittlere Verhältnisse widerspie-
geln.
21
Anstelle von berechneten Mittelwerten können auch Medianwerte zur Beschreibung von mittleren Verhältnisse für „Mittelwert-Szena-
rien“ herangezogen werden.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 21 -
Spitzenwert-Szenarien: Szenarien mit Berechnung von Werten für hohe Stoffkonzentrationen
bzw. Werte bei niedrigen Abflüssen (z. B. MNQ) sind grundsätzlich z. B. bei ZHK-UQN anzu-
wenden, da die UQN für diese Stoffe als Höchstkonzentrationen innerhalb eines Zeitraumes
(i. d. R. ein Jahr) definiert sind, die ebenfalls Spitzenbelastungen repräsentieren. Zudem sind
solche Szenarien sinnvoll, um z. B. maximale Sommertemperaturen abzubilden. Bei den Nähr-
stoffparametern bilden Ammonium-N bzw. Ammoniak eine Ausnahme, da Ammoniak bei ent-
sprechender Konzentration akut toxisch wirkt, sodass hier ebenfalls Spitzenwert-Szenarien
(hohe Konzentrationen bei niedrigen Abflüssen) zu empfehlen sind. Bei potenziellem Auenein-
fluss empfiehlt es sich, höhere Abflüsse (z. B. HQ
1
) zu rechnen, um potenziell nachteilige Aus-
wirkungen auf temporär wasserbespannte Auenhabitate abschätzen zu können. Für mittelwert-
basierte Beurteilungswerte (z. B. Orientierungswerte) können generell ergänzend auch Spitzen-
wert-Szenarien sinnvoll sein (z. B. Verhältnisse bei aktuellem MNQ), um beispielsweise klima-
wandelbedingte verringerte Abflüsse abzubilden.
Im Rahmen des wasserrechtlichen Vollzugs kann es sinnvoll sein, die einer Prognose
zugrundelie-
genden Bezugsgrößen
(z. B. konkreter Wert für MQ) im entsprechenden Bescheid anzugeben. Bei
veränderten Rahmenbedingungen kann dadurch ggf. Überprüfungs-/Anpassungsbedarf aufgezeigt
werden.
Die
zu betrachtenden Parameter
ergeben sich für alle Gewässerkategorien durch die Art und
Größe der Einleitung, die zu erwartende Art der physikalisch-chemischen und chemischen Belas-
tung sowie den Erkenntnissen über bestehende physikalisch-chemische und chemische Belastun-
gen in funktionalen Gewässerabschnitten bzw. -flächen (z. B. gemäß gültigem Bewirtschaftungs-
plan).
Zu den
allgemeinen physikalisch-chemischen Parametern
(Anlage 7 OGEWV) werden
konkrete
Hinweise
zur Ermittlung von relevanten Wirkungen sowie zur Quantifizierung dieser in
Kap. 3.1.4.1
gegeben, da die genannten Werte grundsätzlich im Kontext zur Bewertung der biologischen QK
stehen.
Für die in Deutschland in Anlage 6 OGewV genannten 67
flussgebietsspezifischen Schadstoffe
(z. B. Schwermetalle, Pestizide und PCB) sind rechtsverbindliche Umweltqualitätsnormen (UQN)
festgesetzt, die direkt bewertungsrelevant für den ökologischen Zustand bzw. das ökologische Po-
tenzial eines OWK sein können (s. § 5 Abs. 5 Satz 1 OGewV sowie
LAWA-Handlungsempfehlung
Nr. 2.2.1.3).
Auf Grund ihrer chemischen Wirkung besitzen die flussgebietsspezifischen Schadstoffe eine beson-
dere Bedeutung für den ökologischen Zustand, dem bewertungsmethodisch Rechnung getragen
wird, indem der ökologische Zustand bei Überschreiten zumindest einer UQN nur noch maximal
„mäßig“ zu bewerten ist, auch wenn die BQK aufgrund der Anwendung der einschlägigen Bewer-
tungsverfahren mindestens „gut“ bewertet sind.
Exkurs: Prognose von Verschlechterungen für flussgebietsspezifische Schadstoffe (FGS)
Nach der
,,Handlungsempfehlung Verschlechterungsverbot" der LAWA für die rechtliche Umset-
zung (LAWA 2017a, Anlage 1 zu Top 6.7 der 154. LAWA-VV, Ziff. 2.2.1.3) stellen die flussge-
bietsspezifischen Schadstoffe, Ziff. 1.1 des Anhang V zur WRRL folgend, lediglich eine unterstüt-
zende QK dar.
1. Fallkonstellation: Unstrittig ist eine Verschlechterung eines sehr gut oder gut bewerteten OWK
durch die Überschreitung einer Umweltqualitätsnorm UQN auf ,,mäßig".

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 22 -
2. Fallkonstellation: Die Überschreitung weiterer Stoffe oder die weitere Erhöhung über die UQN
hinaus stelle aber nur dann eine Verschlechterung dar, wenn sich eine biologische QK um eine
Klasse verschlechtere.
Diese Prognose ist für die biologischen QK im Hinblick auf ihre Reaktion auf die 67 flussgebietsspe-
zifische Stoffe schwierig und derzeit oft auch nicht möglich.
Eine aus fachlicher Sicht vorzugswürdige Lösung für die flussgebietsspezifischen Schadstoffe der
Anlage 6 wäre ein Vorgehen analog zu den chemischen Stoffen der Anlage 8.
Dem steht jedoch die geltende Rechtslage gemäß höchstrichterlicher Entscheidung entgegen, so
dass dieser Weg versperrt ist (vgl. BVerwG Urteile vom 9.2.201-7, Az. 7 A 2/15, Rn. 496 und vom
29.5.2018, Az. 7 C 1-8/17, Rn. 14).
Kann in der 2. Fallkonstellation mangels fachlich begründbaren Kausalitätsnachweises eine
Verschlechterung nicht prognostiziert werden, bleibt unabhängig davon das Zielerreichungsgebot
gesondert zu prüfen (vgl.1.2 der Handlungsempfehlung Verschlechterungsverbot vom 16./17. März
2017).
Nachfolgendes Fließschema zeigt die erforderlichen Ansätze in Abhängigkeit vom Ausgangszu-
stand der jeweiligen UQN.
Abbildung 2: Fließschema zur Ermittlung der relevanten Prüfansätze für flussgebietsspezifische Schad-
stoffe in Abhängigkeit vom Ausgangszustand der jeweiligen UQN
Als Quantifizierungsmethode potenzieller stofflicher Wirkungen
in Flüssen
hat sich die
abflussge-
wichtete Mischungsrechnung
etabliert, die für die Mehrzahl der Parameter nach Anlage 6 und 7
OGewV angewendet werden kann. Der Gehalt an Schwebstoffen und abfiltrierbaren Stoffen muss i.
d. R. anhand von Modellierungen betrachtet werden.
Diese Methode ist in der Anwendung ein mit vergleichsweise geringem Aufwand anwendbares, ein-
faches, aber fundiertes Hilfsmittel zur Beurteilung von Ausmaß und Reichweite physikalisch-chemi-
scher und chemischer Wirkungen nach anerkannten Regeln der Technik. Die Mischungsrechnung
dient zur Quantifizierung von Werten/Konzentrationen:

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 23 -
am Ort der Umsetzung des Vorhabens durch Einleitung von Wasser in einer spezifischen Menge
und Qualität sowie
ausgehend von der quantifizierten Qualität am Ort der Umsetzung i. d. R. flussabwärts für einen
oder mehrere funktionale Gewässerabschnitte.
Als Ergebnis der Mischungsrechnung ergibt sich die Mischungskonzentration eines Stoffes/Parame-
ters aus den anteiligen Konzentrationen des Gewässers/Vorfluters („Ausgangszustand“, z. B. ober-
halb einer Abwassereinleitung) und der vorhabenbedingten Einleitung („Zusatzbelastung“, z. B. in-
dustrielle Abwassereinleitung) anhand folgender Formel:
=
(
×
)+(
×
)
+
C
Misch
= Mischungskonzentration [mg/l]
C
V
= Konzentration im Gewässer/Vorfluter (Ausgangszustand) [mg/l]
C
E
= Konzentration in der Einleitung [mg/l]
Q
V
= Abfluss im Gewässer/Vorfluter (Ausgangszustand) [l/s]
Q
E
= Zufluss durch die Einleitung [l/s]
Die Formel für die Mischungsrechnung ist allgemeingültig und kann spezifisch an die jeweiligen Fra-
gestellungen angepasst werden (Abflusssituation zwischen Niedrig- und Hochwasserereignissen in
Vorflut und/oder Einleitung; Durchschnitts- und Spitzenkonzentrationen in Vorflut und/oder Einlei-
tung). Sind Konzentrationen nicht bekannt, können diese über Daten zu Stofffrachten hergeleitet
werden. Die Stofffracht entspricht der transportierten Stoffmasse in einem definierten Zeitraum (z. B.
Jahr) durch einen Fließgewässerabschnitt als Produkt aus der Stoffkonzentration und des Abflusses
(vereinfacht, ohne Berücksichtigung etwaiger Abbauprozesse im Gewässer). Sofern die relevanten
Faktoren vorliegen, kann die Stoffkonzentration (näherungsweise, ohne Berücksichtigung zeitlicher
Abfluss- und/oder Konzentrationsvariabilität) wie folgt errechnet werden:
=
+
+
C
Misch
= Mischungskonzentration [mg/l]
F
V
= Fracht im Gewässer/Vorfluter (Ausgangszustand) [g/s]
F
E
= Fracht in der Einleitung [g/s]
Q
V
= Abfluss im Gewässer/Vorfluter (Ausgangszustand) [l/s]
Q
E
= Abfluss der Einleitung [l/s]
Die Mischungsrechnung sollte auf Messwerten im Gewässer (Ausgangszustand) und in der Einlei-
tung basieren. Im Einzelfall können auch belastbare Abschätzungen (z. B. durch Modellierung) her-
angezogen werden, wenn eine Messung nicht möglich ist oder Veränderungen der Wasserbeschaf-
fenheit nicht durch Einleitungen, sondern durch hydromorphologische Veränderungen zu erwarten
sind. Abschätzungen sollten konservativ erfolgen, d. h. die maximal zu erwartenden Belastungen im
Sinne einer „Worst case“-Betrachtung berücksichtigen.
Die Mischungskonzentrationen müssen i. d. R. spezifisch für jeden funktionalen Gewässerabschnitt
errechnet werden, da diese u. a. über Zuflüsse abgegrenzt werden und sich damit wesentliche Kenn-
größen der Berechnung (Konzentrationen, Abfluss) verändern können (s. Abbildung 3).

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 24 -
Abbildung 3: Schematische Darstellung zu Kenngrößen und Veränderung von Stoffströmen durch eine Ein-
leitung und zur Abgrenzung von funktionalen Gewässerabschnitten anhand der Zuflüsse
Die Methode liefert insbesondere für kleine bis mittelgroße Fließgewässer valide Ergebnisse. Es
wird dabei näherungsweise von einer
vollständigen Durchmischung
ab der Einleitstelle ausge-
gangen. Für größere Flüsse kann die Methode modifiziert angewendet werden z. B. durch Abgren-
zung von Zonen mit unterschiedlichem Durchmischungsanteil im Querprofil (z. B. 10 %, 25 %, 50 %,
…) . Dies ergibt sich aus empirischen Erkenntnissen, nach denen Abwasserfahnen in großen Flüs-
sen häufig einseitig im Uferbereich auftreten und eine sukzessive Durchmischung stattfindet. Eine
vollständige Durchmischung ist dabei teilweise erst nach vielen Kilometern erreicht.
Sofern durch eine Einleitung komplexe Wechselwirkungen z. B. im Oberflächengewässer durch Auf-
stau oder durch den Austausch mit dem Grundwasser in relevanter Größenordnung zu erwarten
sind, kann eine
Modellierung
von Parametern der Wasserbeschaffenheit für eine fundierte Prog-
nose erforderlich sein. Dazu kann z. B. ein DWA-Gütemodell (Christoffels 2007) herangezogen wer-
den.
Für
Seen
und
Übergangsgewässer
kann mit der abflussgewichteten Mischungsrechnung keine
valide Abschätzung von Stoffkonzentrationen vorgenommen werden. Für diese Gewässer kann
grundsätzlich die Nutzung entsprechender
Gütemodelle
zielführend sein.
3.1.4
Potenzielle biotische Auswirkungen
Die Abschätzung der potenziellen biotischen Auswirkungen stellt einen zentralen Prüfschritt bei der
Beurteilung einer Verschlechterung dar und bildet die Verbindung zum ökologischen Zustand bzw.
Potenzial. Kern des Prüfschrittes sind die rund 20 Bewertungssysteme und deren etwa 50 Bewer-
tungsmodule bzw. -komponenten (RAKON III 2016, vgl. Tabelle 5), die für Flüsse, Seen und Über-
gangsgewässer im Zuge der Umsetzung der EG-WRRL für deutsche Oberflächengewässer entwi-
ckelt und größtenteils interkalibriert wurden. Diese Bewertungsverfahren sind mit der neuen Anlage
5 der OGewV 2016 rechtsverbindlich. Eine detaillierte und aktuelle Zusammenstellung aller relevan-
ten Verfahren findet sich unter
www.gewaesser-bewertung.de.
Eine Betrachtung auf Ebene einzelner Metrics erfolgt nachfolgend nicht, da eine Darstellung – be-
dingt durch die große Anzahl bewertungsrelevanter Metrics (alleine 27 „Core-Metrics“ zum Makro-
zoobenthos in Fließ- und Übergangsgewässern) – nicht praktikabel ist und zudem die Prüfung sehr
komplex gestalten würde. Zudem ist die Metric-Auswahl häufig gewässertypspezifisch, so dass da-
mit immer auch eine weitere, sehr kleinteilige Betrachtungsebene verbunden wäre.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 25 -
Die im Wesentlichen für die Beurteilung der biotischen Auswirkungen herangezogenen Bewertungs-
module sind in Tabelle 5 zusammengefasst. Den meisten Bewertungssystemen ist dabei gemein,
dass sie nicht Stressor-spezifisch, d. h. mit Fokus auf einzelne Belastungen entwickelt wurden, son-
dern den Einfluss multipler Belastungen (= „allgemeiner Degradation“) auf die Biologie integrieren.
Eine Ausnahme bilden zum Beispiel die Trophieindikatoren der Makrophytenbewertung (Phylib und
NRW-Verfahren) oder der Halobienindex, der explizit den Einfluss einer Salzbelastung mittels Di-
atomeen indiziert. Entsprechend schwierig gestaltet sich daher grundsätzlich eine praktikable Zu-
ordnung von vorhabenspezifischen abiotischen Wirkungen (über die unterstützenden Qualitätskom-
ponenten) zu biologischen Auswirkungen (vgl. Steckbriefe in Anhang 1).
Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung der biotischen Auswirkungen ist die Zuordnung
von direkten
und indirekten Auswirkungen
auf die biologischen Qualitätskomponenten (BQK). Eine direkte
Auswirkung kann beispielsweise für Nährstoffe und die Gewässerflora angenommen werden; eine
Erhöhung der Phosphatkonzentration im Wasser führt direkt zu einer Erhöhung der Trophie. Die
Wirkung der Trophieerhöhung auf die Gewässerfauna ist hingegen eher indirekter Natur und führt
i. d. R. über die Saprobie, d. h. über den Abbau pflanzlicher Biomasse unter Sauerstoffverbrauch,
zu einer Verringerung des Sauerstoffgehaltes. Eine direkte Wirkung von Phosphat (in relevanten
Konzentrationen) auf die Gewässerfauna ist nicht dokumentiert. Die Sensitivität der BQK gegenüber
den vorhabenrelevanten Wirkfaktoren und abiotischen Wirkungen ist in Anhang 6 (Tabelle Sensiti-
vität) zusammengefasst.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 26 -
Tabelle 5:
Bewertungsverfahren und Bewertungsmodule zur Erfassung und Bewertung vorhabenbeding-
ter Auswirkungen
BQK
Bewertungsverfahren und -module
Fische
Fluss
See
Übergangsgewässer
Bewertungsverfahren
FiBS
FAT-FW (für limnische Typen
von Tideelbe, Weser und Ems
[22.3/2, 20])
MGFI (für tideabgeschlossene
Marschengewässer [22.1])
DeLFI
2
FAT-TW
Bewertungsmodule
FiBS: Arten-/ Gildeninventar
Arten-/ Gildenverteilung
Altersstruktur
Migration
Fischregion
Dominante Arten
MGFI: Artengemeinschaft
Häufigkeiten/Abundanz
Altersstruktur
FAT-FW: Gesamtbewertung
1
Arten-/ Gildeninventar
Arten-/ Gildenverteilung
Reproduktion besetzter
Arten
Artenspektrum
Abundanz und Altersstruktur
Makrozoobenthos
Fluss
See
Übergangsgewässer
Bewertungsverfahren
PERLODES
AESHNA
3
M-Ambi
AeTV
Bewertungsmodule
Saprobien-Index
Allgemeine Degradation
Säureklassen
Vielfalt (Diversität)
Toleranz (Faunaindex)
Funktion (Habitat-/ Nah-
rungspräferenz)
Zusammensetzung
M-Ambi-In-
dex
Ästuartypie-In-
dex
Makrophyten
Fluss
See
Übergangsgewässer
Bewertungsverfahren
PHYLIB
NRW-Verfahren
PHYLIB
(nicht bewertungsrelevant)
Bewertungsmodule
Referenzin-
dex
Eutrophierung
Temperatur
Rhithralisierung
Potamalisierung
Referenzindex
Untere Makrophyten-
grenze
Dominanzbestände eutra-
phenter Arten
Angiospermen
Fluss
See
Übergangsgewässer
Bewertungsverfahren
(nicht bewertungsrelevant)
(nicht bewertungsrelevant)
Röhricht
Seegras
Bewertungsmodule
Teilkompo-
nente
Teilkompo-
nente
Phytobenthos
Fluss
See
Übergangsgewässer
Bewertungsverfahren
PHYLIB
PHYLIB
(nicht bewertungsrelevant)
Bewertungsmodule
Diatomeenindex
Trophieindex
Halobienindex
Bewertungsindex
PoD-Bewertungsindex (BI)
Diatomeenindex
Trophieindex
Referenzartenquotient
Phytoplankton
Fluss
See
Übergangsgewässer
Bewertungsverfahren
PhytoFluss
PhytoSee
(nicht bewertungsrelevant)
Bewertungsmodule
Eutrophierungsindex
Eutrophierung
1
Das Verfahren ist multimetrisch, aber nicht modular aufgebaut. Eine Auftrennung nach Metricgruppen mit funktional unterschiedlichen
Aspekten erfolgt hier zunächst nicht, da die praktische Anwendbarkeit des Verfahrens noch zu überprüfen ist
(https://www.nlwkn.nie-
dersachsen.de/startseite/wasserwirtschaft/eg_wasserrahmenrichtlinie/fliessgewasser_seen/marschengewasser/
bewertung_mar-
schengewasser/fischfauna/tideoffene_gewasser/tideoffene-gewaesser--subtypen-222-und-223-138116.html).
2
Die zwei Module des Verfahrens beziehen sich auf unterschiedliche Seengrößen und den damit verbundenen Unterschieden der
Fischbestandserfassung (Fangmethode). Die in der Zeile „Bewertungsmodule“ zum Verfahren aufgelisteten Metricgruppen repräsen-
tieren keine Bewertungsmodule i. e. S., sondern funktional unterschiedliche Aspekte der Fischzönose mit Indikationspotenzial für un-
terschiedliche Belastungen.
3
Die in der Zeile „Bewertungsmodule“ zum Verfahren aufgelisteten Metricgruppen repräsentieren keine Bewertungsmodule i. e. S.,
sondern funktional unterschiedliche Aspekte der Makrozoobenthoszönose mit Indikationspotenzial für unterschiedliche Belastungen.

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 27 -
3.1.4.1
Abiotische Beurteilungswerte zur Abschätzung potenzieller biotischer Auswirkungen
Die
hydromorphologischen Verhältnisse
sind eine zentrale Steuergröße für die Ausprägung der
BQK, sodass diese als fundiertes Hilfsmittel für eine Abschätzung biotischer Auswirkungen heran-
gezogen werden können. Für eine Bewertung mit Blick auf den sehr guten hydromorphologischen
Zustand sind v.a. die Leitbilder der Fließgewässertypen aus den Bundesländern als Grundlage für
Beurteilungswerte zu nennen. Zudem liefert UBA (2014) Länderübergreifende Detailinformationen
zum
sehr guten Zustand
, mit denen die meisten Parameter ergänzend abgebildet werden können
(s. Abbildung 4). Letzteres kann neben LANUV (2011) auch zur Quantifizierung des
Guten Zustan-
des
verwendet werden. Für die Klassen „mäßig“ und „unbefriedigend“ liegen kaum belastbare Infor-
mationen vor. UBA (2014) kann hier als Hilfestellung dienen. Insbesondere für die Klasse „schlecht“
ist ein
Vergleich zum Ausgangszustand
von besonderer Relevanz. Ein solcher kann jedoch auch
für die anderen Klassen relevant sein, v. a., wenn nur wenige bzw. wenig belastbare Werte vorliegen.
Da häufig absolute Werte für diesen Vergleich fehlen, kommt relativen Angaben eine sehr hohe
Bedeutung zu. Die ermittelte Differenz zwischen Ausgangszustand und Prognose (z. B. in Form von
Klassen gemäß Gewässerstrukturverfahren) ermöglicht vielfach eine fundierte Abschätzung mögli-
cher Wirkungen und Auswirkungen. Falls keine Differenz „berechnet“ werden kann (z. B. weil Ver-
fahren für eine spezifische Fragestellung keine zielführenden Ergebnisse liefern können), ist eine
verbal-argumentative Bewertung zielführend.
Eine Auswahl von parameterspezifisch relevanten Quellen ist in den Steckbriefen jeweils aufgeführt.
Abbildung 4: Fließschema zur Ermittlung von relevanten Beurteilungswerten für hydromorphologische Pa-
rameter in Abhängigkeit von der Bewertung der ökologischen Zustandsklasse einer sensitiven
BQK im Ausgangszustand
Als Grundlage für die Bewertung möglicher biotischer Auswirkungen durch
Veränderungen der
Wasserbeschaffenheit
sind vorrangig die
Hintergrund- und Orientierungswerte gemäß OGewV
zu nennen (s. Abbildung 5). Mit diesen Werten ist jedoch zunächst nur die Abschätzung möglich, ob
ein sehr guter bzw. guter Zustand unter den vorhabenbedingten abiotischen Bedingungen wahr-
scheinlich ist. Zur erforderlichen Prognostizierung einer möglichen Verschlechterung, z. B. ausge-
hend von der Klasse mäßig, ist daher in Abhängigkeit von der Größe und Bedeutung (Auswirkungen)

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 28 -
des Vorhabens eine Experten-gestützte Prognose notwendig. Dies gilt auch für die Beurteilung der
Schwebstoffe in Fließgewässern, für die in der OGewV keine Beurteilungswerte genannt sind.
Expertenwissen ist insbesondere für die Klassen mäßig und unbefriedigend relevant, kann im Ein-
zelfall jedoch auch für die übrigen Klassen eine relevante Bedeutung haben.
22
Dabei sollte beachtet
werden, dass die Belastbarkeit einer Lebensgemeinschaft und somit die Sensitivität gegenüber Be-
lastungen durch verschiedenste Wechselwirkungen beeinflusst werden kann, sodass generalisierte
Schwellenwerte stets auch im Kontext des Gewässersystems betrachtet werden müssen. Als Basis
für eine hinreichend fundierte Prognose sowie als Argumentationshilfe sind Schwellenwerte zur Ab-
schätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit einer Verschlechterung erforderlich. Derartige Werte soll-
ten jedoch im Einzelfall mit Augenmaß angewendet werden.
Ein
Vergleich zum Ausgangszustand
kann für alle Bewertungsklassen relevant sein, insbeson-
dere da häufig belastbare Schwellenwerte fehlen. Die ermittelte Differenz zwischen Ausgangszu-
stand und Prognose (z. B. als prozentuale Konzentrationserhöhung) ermöglicht vielfach eine fun-
dierte Abschätzung möglicher Wirkungen und Auswirkungen. Zudem kann eine verbal-argumenta-
tive Bewertung zielführend sein.
Abbildung 5: Fließschema zur Ermittlung von relevanten Beurteilungswerten für Parameter der Wasserbe-
schaffenheit in Abhängigkeit von der Bewertung der ökologischen Zustandsklasse einer sen-
sitiven BQK im Ausgangszustand.
Eine Auswahl von parameterspezifisch relevanten Quellen ist in den Steckbriefen aufgeführt.
22
Gutachterliche Auswertungen z. B. Halle & Müller (2014) können z. B. auch für die Beurteilung möglicher nachteiliger Veränderungen
ausgehend vom guten ökologischen Zustand im Einzelfall relevant sein, wenn im Ausgangszustand eine Artenzusammensetzung einer
oder mehrerer BQK nachgewiesen wurde(n), die auf eine prognostizierte Wirkung entsprechend sensitiv reagieren kann.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 29 -
3.1.4.2
Umfang einer nachteiligen Veränderung
Zur Beurteilung des räumlichen Umfangs einer nachteiligen Veränderung ist zu ermitteln, welcher
Anteil des OWK (z. B. Länge, Gewässerfläche, Volumen) von der prognostizierten Veränderung be-
troffen sein kann. Sind beispielsweise nur 10 % eines OWK in einem guten oder schlechteren Zu-
stand von Rückstau durch ein Querbauwerk betroffen, ist eine Verschlechterung der BQK im OWK
unwahrscheinlich (z. B. nach LANUV 2011), während Rückstau von 70 % des OWK wahrscheinlich
zur Verschlechterung der sensitiven BQK führen würde, da der Wasserkörper dadurch in seiner
Beschaffenheit insgesamt erheblich verändert wird. Derartige Beurteilungswerte liegen derzeit nur
vereinzelt vor,
23
so dass in vielen Fällen die Einschätzung eines Experten ausreichen muss. Glei-
ches gilt hinsichtlich der zeitlichen Komponente, zu der derzeit kaum fundierte Beurteilungswerte
vorliegen.
Ein weiterer Ansatz besteht darin, die nachteilige Veränderung über einen Vergleich zum Ausgangs-
zustand abzuschätzen. So kann der zu erwartende Zustand (Plan-Zustand) in Relation zum Aus-
gangszustand (Ist-Zustand) gesetzt werden, um den absoluten oder relativen (prozentualen) Unter-
schied der Werte für die Prognose der biologischen Auswirkung heranzuziehen. Hinsichtlich der
Auswirkung einer Temperaturerhöhung auf Fische im Rhithral von Fließgewässern kann beispiels-
weise angenommen werden, dass eine Erhöhung um 2 °K mit signifikanten Veränderungen der re-
lativen Häufigkeiten verbunden ist, auch wenn der betrachtete OWK bereits eine mäßige oder
schlechtere Fischbewertung hat. Eine analoge Orientierung kann über die prozentuale Erhöhung
von Nährstoffkonzentrationen (N, P) erfolgen; eine Erhöhung um 50 % führt mutmaßlich eher zu
einer Verschlechterung der Biologie als eine Erhöhung um 10 oder 15 %.
3.1.4.3
Wirkmechanismen und Interaktionen von Wirkfaktoren sowie Wechselwirkungen mit
bestehenden Belastungen
Hinsichtlich der Auswirkungen einer nachteiligen Veränderung ist zudem wichtig, ob die BQK bzw.
die bewertungsrelevanten Module und Metrics direkt oder indirekt von einer abiotischen Wirkung
betroffen sind. Eine direkte Beziehung kann z. B. zwischen der Gewässerflora und dem Phosphat-
gehalt im Wasser angenommen werden; letztere bestimmt in nahezu mechanistischer Weise die
Trophie. Ähnlich verhält es sich bei der Beziehung zwischen der Gewässerfauna und dem Sauer-
stoffgehalt (Ausnahme: Luftatmer, z. B. viele adulte Käfer und Wanzen). Die Beziehung der Gewäs-
serfauna zum Phosphatgehalt ist indirekt und kann beispielsweise über den Zwischenschritt „Se-
kundärsaprobie“ hergestellt werden: o-PO
4
-P-Zunahme > Trophie > Sekundärsaprobie > O
2
-Ab-
nahme > Gewässerfauna.
Biologische Auswirkungen auf Basis direkter Beziehungen zu nachteiligen Veränderungen im OWK
sollten daher bei der Beurteilung einer Verschlechterung grundsätzlich stärker berücksichtigt werden
23
Es liegen z. B. hydromorphologische Schwellenwerte vor, die zur Abschätzung der Signifikanz einer Belastung für das Verfehlen des
guten ökologischen Zustands herangezogen werden (wie beispielsweise Wasserentnahmen > 1/3 MNQ nach LAWA 2015). Diese können
auch zur Prognose zum Verschlechterungsverbot verwendet werden – insbesondere, wenn im Ausgangszustand ein guter ökologischer
Zustand vorliegt.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 30 -
als indirekte Beziehungen. Auch indirekte Wirkungen können sich jedoch in bewertungsrelevanter
Weise auf die BQK auswirken (z. B. eine erhöhte Sekundärsaprobie auf das Makrozoobenthos).
Ein weiterer Aspekt des Umfangs einer nachteiligen Veränderung ist ihre Interaktion mit bereits be-
stehenden nachteiligen Veränderungen (Belastungen) im Ist-Zustand. Hier sind vor allem so ge-
nannte synergistische Interaktionen zu beachten, d. h. Wechselwirkungen zwischen Belastungen,
die zusammen zu einer stärkeren negativen Veränderung führen, als es die Summe ihrer Einzelef-
fekte nahelegen würde. Gut dokumentiert sind in diesem Zusammenhang die Synergie von Nähr-
stoffeinflüssen (Trophie) und Erwärmung in Seen und von Nährstoffeinflüssen und Fließreduktion
sowie von Fließreduktion und Feinsedimentzunahme in Flüssen. Aber auch sich gegenseitig ab-
schwächende, antagonistische Interaktionen sind dokumentiert, beispielsweise die Wechselwirkung
von Saprobie und Rhithralisierung; eine erhöhte Strömungsgeschwindigkeit und die damit verbun-
dene Sauerstoffanreicherung mit Luftsauerstoff kann die Sauerstoffzehrung infolge einer Saprobie
deutlich verringern.
3.1.4.4
Lage des Bewertungsergebnisses innerhalb der Klassengrenzen
Die Bewertung des ökologischen Zustands erfolgt in den meisten Fällen über die Verrechnung ein-
zelner Modulkomponenten (Teilindices), die je nach Gewichtung in einen Mittelwert überführt und
dann einer von fünf Klassen zugeordnet werden. Verschiedene Module (z. B. Saprobie, Versaue-
rung, Allgemeine Degradation im Bewertungssystem PERLODES) werden auch nach dem „worst-
case“-Prinzip miteinander verrechnet d. h. das schlechteste Modulergebnis bestimmt die Gesamt-
bewertung. Bei der Gesamtbewertung kann es somit vorkommen, dass eine geringe numerische
Veränderung einer Bewertungskomponente zu einem Klassensprung in die nächst schlechtere öko-
logische Zustandsklasse führt.
Für die Beurteilung einer Verschlechterung ist damit nicht nur die Quantität der zu erwartenden bio-
logischen Auswirkungen von Interesse, sondern vor allem die Frage, ob die Auswirkung auch zu
einem Klassensprung führt. Zur Beantwortung dieser Frage kann ermittelt werden, welche Bewer-
tungsmodule und ggf. auch einzelnen Metrics (z. B. Saprobienindex) bereits im Ausgangszustand
im Grenzbereich zur nächst schlechteren Zustandsklasse liegen. Als Grenzbereich kann dazu bei-
spielsweise das untere (schlechtere) 25 %-Perzentil der möglichen Werte innerhalb einer Klasse
definiert werden.
Befinden sich im Ausgangszustand bereits relevante Bewertungsmodule in diesem Grenzbereich,
dann ist eine Verschlechterung wahrscheinlicher; Liegen die relevanten Werte aber im Klassenmittel
oder sogar im Grenzbereich zur nächst besseren Zustandsklasse, ist eine nachteilige Auswirkung
weniger wahrscheinlich.
3.1.4.5
Metrics mit hohem Indikationsgewicht
Einige Bewertungssysteme haben eine Gewichtung der bewertungsrelevanten Metrics eingeführt,
um besonders belastungssensitive Metrics oder Artengruppen entsprechend stark in die Gesamtbe-
wertung einzubeziehen. Der Faunaindex im Modul „Allgemeine Degradation“ des Bewertungssys-
tems PERLODES geht beispielsweise zu 50 % in die Modulbewertung ein. Ist vorhabenbedingt eine
negative Auswirkung auf den Faunaindex zu erwarten (z. B. bei Sekundärsaprobie nach Einleitung
von Nährstoffen oder bei Rückstau oberhalb einer wasserbaulichen Anlage), so ist eine negative

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 31 -
Auswirkung dann auch für die Modulbewertung und letztlich für den ökologischen Zustand des Mak-
rozoobenthos wahrscheinlich zu erwarten. Ungleiche Metric-/Modulgewichte kommen zudem im
fischbasierten Bewertungssystem „fiBS“ vor. Liegt eine Gewichtung der Bewertungskomponenten
vor, so sind die stärker gewichteten Module/Metrics besonders bei der Beurteilung einer Verschlech-
terung zu berücksichtigen.
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die o. g. Ansätze zur Quantifizierung der biologischen
Auswirkungen einer nachteiligen Veränderung in einem OWK mit einem z. T. hohen Maß an Exper-
tenwissen verbunden sind. Dies ist nicht grundsätzlich nachteilig für die Beurteilung und eröffnet
Ermessensspielräume. Für eine statistisch valide Quantifizierung von vorhabenspezifischen bioti-
schen Auswirkungen kann die Analyse umfangreicher Datensätze zum EG-WRRL-Monitoring der
Bundesländer einen wertvollen Beitrag liefern. Mithilfe geeigneter Analysen kann die Basis für eine
empirische Ableitung von Schwellenwerten gelegt werden, ober-/unterhalb derer die Erreichung
auch des mäßigen, unbefriedigenden und schlechten Zustands/Potenzials unwahrscheinlich ist.
3.1.5
Prognoseentscheidung hinsichtlich des Verschlechterungsverbots
Nachfolgend werden grundlegende Rahmenbedingungen zur Prognoseentscheidung in zusammen-
gefasster Form skizziert. Maßgebend sind die Feststellungen der höchstrichterlichen Rechtspre-
chung des EuGH und des BVerwG, die in der LAWA-Handlungsempfehlung zusammengefasst dar-
gestellt werden. Ergänzend dazu werden im Folgenden fachliche Hinweise zur räumlichen und zeit-
lichen Abgrenzung potenzieller Wirkungen sowie zur Eintrittswahrscheinlichkeit einer Verschlechte-
rung gegeben.
3.1.5.1
Grundlegende Rahmenbedingungen
Die Aussagen des „Fachbeitrags Wasserrahmenrichtlinie“ beziehen sich hinsichtlich der Beurteilung
eines Vorhabens bezüglich des „Verschlechterungsverbots“ entsprechend der Rechtsprechung des
EUGH und BVERWG auf die nachfolgend beschriebenen Rahmenbedingungen (entsprechend LAWA
2017a).
Den
maßgebliche Gegenstand
für die Prüfung auf Vereinbarkeit mit dem „Verschlechterungsver-
bot“ stellt das beantragte Vorhaben dar (vgl. -BVERWG (2017).
Der
maßgebliche Ausgangszustand
zur Beurteilung eines Vorhabens ist der Zustand, wie er im
gültigen Bewirtschaftungsplan nach § 83 WHG für den/die betrachteten Wasserkörper festgelegt ist.
Sofern aktuellere, belastbare und entscheidungsrelevante Erkenntnisse (z. B. aus neueren Monito-
ringdaten) vorliegen, sind diese heranzuziehen (s. dazu [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.1.4]
und Kap. 3.1.5.6).
Die Beurteilung eines Vorhabens auf Vereinbarkeit mit den Anforderungen an das „Verschlechte-
rungsverbot“ gemäß EG-WRRL ist grundsätzlich unabhängig von potenziellen Auswirkungen auf die
Zielerreichung (z. B. Erreichen des guten ökologischen Zustandes) für einen Wasserkörper i. S. des
„Zielerreichungsgebot“
. Eine Beurteilung des Zielerreichungsgebots auf Grundlage der Beurtei-
lungen zum „Verschlechterungsverbot“ ist nicht ohne weiteres möglich und bedarf i. d. R. einer ge-
sonderten Prüfung.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 32 -
3.1.5.2
Räumliche Abgrenzung des Wirkbereiches und Einschätzung der potenziellen Be-
troffenheit von OWK
Der
maßgebliche Raumbezug
für Prognosen im Zusammenhang mit dem „Verschlechterungsver-
bot“ ist der bzw. sind die potenziell betroffenen Wasserkörper gemäß dem jeweils aktuellen Bewirt-
schaftungsplan. Neben dem(n) direkt durch ein Vorhaben betroffenen Wasserkörper(n) als „Ort der
Umsetzung“ eines Vorhabens (z. B. durch Einleitung von Abwasser in diesen) können auch weitere
Wasserkörper betroffen sein (z. B. im Unterlauf eines Flusses, Flusswasserkörper eines in ein Über-
gangsgewässer einmündenden Flusses, Wasserkörper eines Flusses unterhalb eines durchflosse-
nen Sees), sofern die prognostizierten Wirkungen über den direkt betroffenen Wasserkörper hinaus-
gehen können [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.1.3].
Sofern von einem Vorhaben potenziell relevante Wirkungen ausgehen können, muss für Datenaus-
wertungen, Prognosen von zu erwartenden Wirkungen und der späteren Bewertung bis auf die
Ebene einer oder mehrerer OWK eine
Abgrenzung des Wirkbereiches
erfolgen. Dieser gibt an,
wie weit die Wirkungen maximal reichen könnten.
Der maßgebliche „
Ort der Beurteilung“
ist bzw. sind die repräsentative(n) Messstelle(n) der jewei-
ligen OWK oder Gruppen von vergleichbaren OWK [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.1.3].
24
Vielfach werden durch die für das Monitoring zuständigen Behörden weitere Informationen auf
Ebene der OWK – z. B. zu signifikanten Belastungen und der Ausprägung der unterstützenden QK
– für eine plausibilisierte Bewertung des ökologischen Zustands bzw. Potenzials des bzw. der OWK
herangezogen. Zur Vorbereitung der Prognoseentscheidung kann es, allerdings ohne dass es eine
Verpflichtung hierfür gäbe, je nach Lage und Auswirkung des Vorhabens zweckmäßig sein, die abi-
otischen Wirkungen eines Vorhabens auf alle potenziell betroffenen Wasserkörper
in einem ersten
Schritt
unabhängig von der Lage der Messstellen zu bewerten, soweit entsprechende Messdaten
vorliegen. Über die funktionale Systemanalyse und die
Bewertung potenzieller Wirkungen auf
Ebene funktionaler Gewässerabschnitte oder -bereiche
eines OWK kann sichergestellt werden,
dass letztlich eine valide Abschätzung der biotischen Auswirkungen auf den gesamten Oberflächen-
wasserkörper erfolgt.
Die Ergebnisse für die
funktionalen Gewässerabschnitte oder -bereiche
werden im Anschluss
auf den OWK übertragen, um eine nach rechtlichem Maßstab relevante Beurteilung des Vorhabens
auf OWK-Ebene zu treffen. So sind potenziell nachteilige Auswirkungen in einem funktional abge-
grenzten Gewässerteil nicht pauschal einer Verschlechterung des Zustands i. S. der EG-WRRL auf
OWK-Ebene gleichzusetzen. Bedeutend sind hierbei u. a. die
Längen-, Flächen- und/oder Volu-
menanteile
der potenziell betroffenen Bereiche an der Gesamtlänge bzw. an der Gesamtfläche oder
dem Gesamtvolumen des OWK. Die hier skizzierte Herangehensweise ist eine freiwillige, zusätzli-
che Option, die ggf. eine einfachere Beurteilung ermöglicht, um in einem frühen Prüfstadium Fälle
24
Nachteilige Auswirkungen in einem Fließgewässer, die sich nicht durch eine repräsentative Messstelle abbilden lassen, sind im Hin-
blick auf das Verschlechterungsverbot i. d. R. nicht relevant. Nichtsdestotrotz kann die zuständige Wasserbehörde solche Auswirkun-
gen als „schädliche Gewässerveränderung“ gemäß §12 Abs. 1 Nr. 1 WHG im Rahmen des Bewirtschaftungsermessens bei der Zu-
lassung von Vorhaben berücksichtigen.

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 33 -
auszuschließen, bei denen ein Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot auszuschließen oder
nicht wahrscheinlich ist.
Zudem können
Habitatfunktionen
von und Lagebeziehungen zwischen funktional betroffenen Ab-
schnitten bzw. Teilflächen innerhalb eines oder mehrerer OWK relevant sein. Wenn beispielsweise
Laichhabitate von Leitarten der Fischzönose (z. B. Kieslaicher) als bedeutende Teilhabitate voraus-
sichtlich in relevanter Weise nachteilig durch ein Vorhaben beeinflusst werden können, kann sich
das auch auf Ebene des OWK auswirken, selbst wenn diese Bereiche nur geringe Anteile am OWK
einnehmen.
Abbildung 6: Schematische Skizze zur Darstellung verschiedener räumlicher Wirkbereiche durch unter-
schiedliche Vorhaben in einem Fluss mit zwei Wasserkörpern
Abbildung 6 stellt einige der denkbaren Lagebeziehungen von Vorhaben, Reichweite potenzieller
Wirkungen (Wirkbereich) und repräsentativen Messstellen vor dem Hintergrund der Wasserkörper-
abgrenzung am Beispiel eines Flusses mit zwei OWK und jeweils einer repräsentativen Messstelle
dar:
Vorhaben A: Die repräsentative Messstelle als „Ort der Beurteilung“ befindet sich im direkten
Wirkbereich eines Vorhabens innerhalb eines OWK (OWK 1). In diesem Fall kann davon ausge-
gangen werden, dass die Auswirkungen von Vorhaben A durch die Messstelle abgebildet wer-
den.
Vorhaben B: Das Vorhaben wirkt sich potenziell auf beide OWK aus. Die Auswirkungen auf den
OWK 2 werden voraussichtlich mit der unterhalb gelegenen Messstelle abgebildet werden, da
sich der Wirkbereich des Vorhabens mit dem überwiegenden Teil des OWK 2 überschneidet.
Die potenziellen Auswirkungen auf den OWK 1 werden für die meisten Parameter wahrscheinlich
nicht mit der repräsentativen Messstelle in diesem OWK abgebildet.
Vorhaben C: Die potenziellen Auswirkungen des Vorhabens sollten mit der unterhalb gelegenen
Messstelle im OWK 2 dargestellt werden können, sofern die Auswirkungen bewertungsrelevant
für den OWK sind. Falls sich diese im Bereich der Messstelle nicht widerspiegeln, kann davon
ausgegangen werden, dass der OWK insgesamt nicht in relevanter Weise nachteilig beeinflusst
wird.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 34 -
3.1.5.3
Zeitliche Abgrenzung potenzieller Wirkungen und Einschätzung der Relevanz tem-
porärer Wirkungen
Die
maßgebliche Dauer
einer Verschlechterung schließt temporäre (z. B. baubedingte) Auswirkun-
gen vom Verbotstatbestand aus, wenn mit Sicherheit davon auszugehen ist, dass sich der Aus-
gangszustand kurzfristig wieder einstellt, d. h. die Auswirkung
kurzzeitig und vorübergehend
ist
[
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.1.5]. Hierfür kann u. a. nach SMUL (2017) und MUEEF
(2017) auf die bewertungsrelevanten Zeiträume i. S. der operativen Monitoringzyklen zur Berichter-
stattung der EG-WRRL (i. d. R. dreijährig, vgl. Anhang 5, Nr. 1.3.4 EG-WRRL) als Maßstab zurück-
gegriffen werden. Dies bedeutet, dass kurzzeitige und vorübergehende Auswirkungen auf die BQK
diejenigen sind, bei denen die BQK innerhalb eines operativen Monitoringzyklus („Überwachungs-
intervall“) zum Ausgangszustand zurückkehren. Dabei ist zu beachten, dass sich die Bewertungen
zwischen den Monitoringzyklen auch vielfach bedingt durch natürliche Schwankungen, Rahmenbe-
dingungen der Probenahme etc. unterscheiden (s. u.).
Als Voraussetzung für eine kurzfristige Wiederherstellung des Ausgangszustands müssen grund-
sätzlich geeignete Habitatbedingungen im ggf. vorübergehend beeinträchtigten Gewässerabschnitt
bzw. -bereich vorliegen und ein hinreichendes Wiederbesiedlungspotenzial im erreichbaren Umfeld
gegeben sein. Die Organismen müssen den betroffenen Bereich auch tatsächlich erreichen können,
d. h., dass die Wandermöglichkeiten nicht z. B. durch Wehre erheblich beeinträchtigt sind. Diesbe-
züglich sind Besonderheiten der einzelnen BQK zu beachten. Während Fische überwiegend mobil
sind und – bei entsprechender Durchgängigkeit – Gewässerabschnitte tendenziell schnell wieder
besiedeln können, brauchen einige Artengruppen des Makrozoobenthos (z. B. Muscheln) dazu län-
gere Zeiträume; Flugfähige Insekten können hingegen auch größere Distanzen in relativ kurzer Zeit
zurücklegen und auch Querbauwerke überwinden. Diese benötigen zur Orientierung jedoch vielfach
Gehölzstrukturen im Uferbereich. Makrophyten können Gewässerabschnitte i. d. R. schnell wieder
besiedeln, da diese häufig aus Samen in der Diasporenbank im Boden wachsen. Bei kurzzeitigen,
aber deutlichen Auswirkungen auf die Lebensgemeinschaft (z. B. Verlust ganzer Altersklassen einer
Fischart) kann eine kurzfristige Wiederherstellung des Ausgangszustandes – trotz günstiger Habi-
tatbedingungen und vorhandenem Wiederbesiedlungspotenzial – unwahrscheinlich sein.
3.1.5.4
Wahrscheinlichkeit des Eintretens einer Verschlechterung
Das BVERWG (2017) urteilte außerdem, dass der Verstoß gegen das „Verschlechterungsverbot“
einer
hinreichenden Wahrscheinlichkeit
des möglichen Schadenseintritts bedarf, abweichend
vom strengeren Maßstab z. B. im europäischen Habitatrecht
25
(FFH-RL). Da eine „Erheblichkeits-
schwelle“ auch nicht aus EUGH (2015) ergeht, ist die Erheblichkeit i. S. eines hinreichenden Scha-
denseintritts vorhabenspezifisch, d. h. im Einzelfall, zu beurteilen (vgl. SCHÖNBERGER 2015, MUEEF
2017, SMUL 2017). Eine fachliche Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit muss also getroffen wer-
den.
25
z. B. Artikel 6 FFH-Richtlinie (FFH-RL - Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebens-
räume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen i. d. F. vom 01.01.2007.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 35 -
Veränderungen, die
nicht sicher messtechnisch nachweisbar
sind oder innerhalb einer
natürli-
chen, typspezifischen Schwankungsbreite
liegen, haben – unabhängig vom ökologischen Zu-
stand oder Potenzial des betroffenen Wasserkörpers – außen vor zu bleiben (LAWA 2017a, MLUL
2017). Natürliche, typspezifische Schwankungsbreiten können z. B. aus Leitbildbeschreibungen der
Gewässertypen entnommen oder individuell anhand vorliegender Daten für ein konkretes Gewässer
im Ausgangszustand ermittelt werden (z. B. im Rahmen einer Detailprüfung). Maßgeblich ist letztlich
v. a. die Bewertung der BQK, die direkt von der ökologischen Funktionsfähigkeit des Oberflächen-
gewässers bzw. Wasserkörpers (z. B. intakte Auenanbindung) abhängt. Natürliche, typspezifische
Schwankungen z. B. von Abfluss, Wassertemperatur und Nährstoffkonzentrationen sind Teil der
Ökosysteme und sollten daher nicht zu einer mehr als nur kurzzeitigen Verschlechterung der Be-
wertung führen. Prognostizierte, messtechnisch nachweisbare Veränderungen der unterstützenden
QK, die über die natürliche Schwankungsbreite hinausgehen (z. B. Sauerstoffdefizite) oder zu zeit-
lichen Verschiebungen führen (z. B. Temperaturveränderungen), sind die Grundlage für die Ab-
schätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit einer Verschlechterung.
Die Beurteilung der
Eintrittswahrscheinlichkeit einer Verschlechterung
hängt dabei von mehre-
ren Rahmenbedingungen ab, die z. B. über die nachfolgend dargestellten Entscheidungsbäume be-
urteilt werden können:
Wie hoch ist die
Wahrscheinlichkeit einer nachteiligen Veränderung
der biologischen Quali-
tätskomponenten?
Wie groß ist der zu erwartende räumliche und zeitliche
Umfang der nachteiligen Veränderung
,
unter Berücksichtigung von direkten Wirkmechanismen und Interaktionen der Wirkfaktoren mit
bestehenden Belastungen?
Liegt der ökologische Zustand/das ökologische Potenzial (auch auf Metric-/Modulebene) im
Grenzbereich zur nächst schlechteren Zustandsklasse
(z. B. unteres Viertel der Klassen-
breite, 25%-Perzentil)?
Sind
Bewertungsmodule (oder Metrics) mit hohem Indikationsgewicht
betroffen, welche die
Gesamtbewertung überproportional bestimmen?
Die Prüfung der dargestellten Kriterien sollte teilweise gesondert für die einzelnen Metrics bzw. Mo-
dule durchgeführt werden, da einzelne Kriterien diese spezifische Betrachtung erfordern (z. B. Met-
rik/Modul mit hohem Indikationsgewicht).
Die nachfolgenden Abbildungen enthalten Kombinationen der genannten Kriterien, bei denen eine
Verschlechterung mit hoher Prognosesicherheit als (un-)wahrscheinlich beurteilt werden kann.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Abbildung 7: Entscheidungshilfe zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung als Folge
einer nachteiligen Veränderung der Lebensgemeinschaft in einem OWK – Ergebnis: Ver-
schlechterung unwahrscheinlich.
Abbildung 8: Entscheidungshilfe zur Beurteilung der Wahrscheinlichkeit einer Verschlechterung als Folge
einer nachteiligen Veränderung der Lebensgemeinschaft in einem OWK – Ergebnis: Ver-
schlechterung wahrscheinlich.
In der Praxis treten häufig Fälle auf, die bislang nicht hinreichend klar eingestuft werden können,
sodass die Prognoseentscheidung meist eine
Einzelfallentscheidung
erfordert und eine ver-
gleichsweise geringe Prognosesicherheit liefert. Die dargestellten Kriterien können als Orientierung
für eine transparente, reproduzierbare Bewertung dienen. Wenn eine Wahrscheinlichkeit der Ver-
schlechterung letztlich nicht festgestellt werden kann, liegt kein Verstoß gegen das Verschlechte-
rungsverbot vor.
Fundierte Schwellenwerte für stoffliche und hydromorphologische Parameter, die eine vergleichbare
Ermittlung der Eintrittswahrscheinlichkeit mit hoher Prognosesicherheit ermöglichen könnten, fehlen
bisher weitgehend.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 37 -
3.1.5.5
Wirkungen auf nicht-berichtspflichtige Oberflächengewässer
Der maßgebliche Raumbezug für Aussagen im Zusammenhang mit dem „Verschlechterungsverbot“
ist der Wasserkörper [
LAWA-Handlungsempfehlung, Nr. 2.1.2.1].
26
Vorhabenbedingte Auswir-
kungen auf nicht-berichtspflichtige Gewässer sind vor dem Hintergrund des „Verschlechterungsver-
bots“ nur relevant, sofern diese Einfluss auf festgelegte, berichtspflichtige OWK (bzw. Grundwas-
serkörper) haben (vgl. EUGH 2016
27
, OVG Lüneburg 2016, s. auch CIS 2003b).
Die nicht-berichtspflichtigen Gewässer stellen meist kleine Zuflüsse und Oberläufe der OWK dar,
die insbesondere für die Besiedlung und – größenbedingt in begrenztem Maße – auf die Standort-
verhältnisse im OWK (zumindest unmittelbar im Bereich des OWK-Beginns) wirken können. Die
Bedingungen im und aus dem nicht-berichtspflichtigen Gewässer können damit direkt Auswirkungen
auf die BQK im OWK haben.
Es können demnach folgende Aspekte unterschieden werden, die eine Berücksichtigung von nicht-
berichtspflichtigen Gewässern für die Beurteilung hinsichtlich des „Verschlechterungsverbots“ in ei-
nem OWK erfordern könnten:
Direkte abiotische Wirkungen
aus einem nicht-berichtspflichtigem Gewässer, die durch ein
Vorhaben ausgelöst werden können und bis in einen OWK hinein wirken könnten (z. B. eine
erhöhte Nährstoffkonzentration durch eine Einleitung)
Direkte biotische Auswirkungen
in einem nicht-berichtspflichtigen Gewässer, die durch direkte
abiotische Wirkungen im nicht-berichtspflichtigen Gewässer hervorgerufen werden und die BQK
derart beeinflussen, dass sich dies im Zustand der Zönosen im OWK widerspiegelt (z. B. Beein-
trächtigung von Laichhabitaten)
3.1.5.6
Datengrundlagen
Maßgeblich für die Beurteilung sind qualitativ und quantitativ hinreichende Beschreibungen des Aus-
gangszustandes und des Vorhabens bzw. der damit verbundenen Wirkfaktoren und potenzieller
Wirkungen.
Maßgebliche
Bewertungsgrundlage für den Ausgangszustand
sind grundsätzlich die im aktuel-
len Bewirtschaftungsplan veröffentlichten Bewertungen der relevanten Qualitätskomponenten (s.
Kap. 3.1.5.1). Im Einzelfall können von diesem Grundsatz abweichend weitere Bewertungen für die
Beurteilung relevant sein, beispielsweise wenn aus aktuelleren Monitoringdaten neue belastbare,
entscheidungsrelevante Erkenntnisse vorliegen oder im Bewirtschaftungsplan bisher keine Bewer-
tungen enthalten sind. Generell können nur ergänzende Daten herangezogen werden, die metho-
disch vergleichbar und plausibilisiert sind.
In vielen Fällen kann voraussichtlich auch für die
vorhabenspezifische Prognose
auf die vorlie-
genden Daten, die den aktuellen Bewirtschaftungsplänen zugrunde liegen, zurückgegriffen werden,
um die Fragestellungen in hinreichender Detailschärfe zu beantworten. Dies trifft voraussichtlich ins-
26
Gewässer sind erst berichtpflichtig i. S. der EG-WRRL, sofern diese als OWK festgelegt sind ( Einzugsgebiet ≥ 10 km² (Fließgewäs-
ser) bzw. eine Fläche von ≥ 50 ha (Seen)
27
Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs in der Rechtssache C-346/14 zum beantragten Bau eines Wasserkraftwerks an der
Schwarzen Sulm, Urteil vom 04.05.2016

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 38 -
besondere auf die
Vorprüfung
zu. Neben den im Bewirtschaftungsplan veröffentlichten Informatio-
nen (z. B. Bewertungsklassen zum ökologischen Zustand der BQK) sind für die Prognose potenzi-
eller Wirkungen und Auswirkungen häufig detailliertere Daten erforderlich, die den Darstellungen im
Bewirtschaftungsplan zugrunde liegen (z. B. abschnittsbezogene Gewässerstrukturdaten, Ergeb-
nisse der Bewertung einzelner Metrics der BQK, Artenlisten der BQK). Insbesondere bei komplexe-
ren Vorhaben kann voraussichtlich eine zusätzliche Datenerfassung erforderlich sein, insbesondere
im Rahmen einer
Detailprüfung
.
Die Länder erheben die WRRL-Monitoringdaten gemäß den Vorgaben der OGewV (v. a. Anlage 9
OGewV). Das Monitoring ist u. U. jedoch nicht geeignet, alle Fragen des Verschlechterungsverbotes
zu klären. So kann z. B. der Fall eintreten, dass für die Bewertung der vorhandenen signifikanten
Belastungen in einem OWK alle diesbezüglich sensitiven BQK bewertet wurden, sodass eine fun-
dierte Bewertung des ökologischen Zustands dieses OWK vorliegt. Werden durch ein Vorhaben nun
„neue“ Belastungen prognostiziert, die eine Bewertung weiterer (für die genannte Belastung sensiti-
vere) BQK für den Ausgangszustand erfordern, können weitere Untersuchungen erforderlich wer-
den.
Im Rahmen der
Bewertung eines Vorhabens in einem „Fachbeitrag WRRL“
28
wird es notwendig
sein, den jeweiligen Datenbestand zu sichten und zu beurteilen, ob dieser für die im Einzelfall erfor-
derliche Prognose möglicher vorhabenbedingter Wirkungen und Auswirkungen ausreichend belast-
bar ist. Als Arbeitshilfe könnten dazu z. B. auf Länderebene fallgruppen- und/oder wirkungsspezifi-
sche Prüflisten erstellt werden, die sowohl die qualitativen als auch die quantitativen Datenanforde-
rungen beschreiben. Auf dieser Grundlage kann dann ggf. vorhabenspezifisch durch die zuständige
Wasserbehörde entschieden werden, welche Daten und in welchem Umfang verwendet sowie ggf.
generiert werden müssten, um ein Vorhaben belastbar zu bewerten. Die Erhebung ergänzender
Daten für eine vorhabenbezogene Prognose obliegt dem Vorhabenträger.
Nach Umsetzung eines Vorhabens, für das relevante nachteilige Auswirkungen auf Ebene von OWK
als unwahrscheinlich prognostiziert wurden und entsprechend eine Verschlechterung nicht zu er-
warten sind, kann Bedarf für
ergänzende Messungen
gegeben sein, z. B. um nachzuweisen, dass
getroffene Annahmen tatsächlich zutreffend sind oder sich Prognosen der Wasserqualität von Ein-
leitungen in den realen Werten widerspiegeln. Diese Pflicht zur Überwachung kann dem Vorhaben-
träger als Nebenbestimmung zur Vorhabenzulassung auferlegt werden (§ 13 (2) Nr. 2c WHG).
3.1.5.7
Umgang mit Unsicherheiten und Wissenslücken
Die Prognose potenzieller Auswirkungen von Vorhaben auf den ökologischen Zustand bzw. das
ökologische Potenzial kann mit Unsicherheiten und Wissenslücken verbunden sein, die die Belast-
barkeit der Bewertungsergebnisse und Schlussfolgerungen verringern können.
Unsicherheiten und Wissenslücken können u. a. aus den folgenden übergeordneten Ursachen ent-
stehen:
28
Vorhaben, für das Prüfbedarf gegeben ist (vgl. Kap. 3.2.1)

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 39 -
Wirkzusammenhänge
: Die Bewertung abiotischer Wirkungen setzt voraus, dass diese hinrei-
chend über Parameter beschrieben werden können, deren Bedeutung für den Zustand der BQK
hinreichend bekannt ist. In Flüssen sind diese Wirkzusammenhänge bisher tendenziell umfas-
sender untersucht und beschrieben als in Seen oder Übergangsgewässern, sodass in diesem
Fall u. U. Wissenslücken bei den Prognosen zu beachten sein werden.
Wirkpfadanalyse
: Die Prognosen basieren i. d. R. auf der Darstellung von Wirkpfaden, die wie-
derum auf potenziellen abiotischen Wirkungen aufbauen. Die Wirkungen sind häufig räumlich
und (jahres-)zeitlich unterschiedlich, sodass eine sehr stark vereinfachende Darstellung teilweise
zu kurz greift. Neben einem Mittelwert-Szenario, das sich häufig aus rechtlichen Vorgaben ab-
leitet (z. B. mittlere Konzentration eines Stoffes) sollte daher parallel auch ein Szenario mit kon-
servativen Annahmen (i. S. des „Worst case“-Ansatzes) erstellt werden. Auf dieser Grundlage
kann die Belastbarkeit der Aussagen verbessert und die Prognoseentscheidung abgesichert
werden.
Natürliche und messtechnische Schwankungen
: Schwankungen in Bewertungsergebnissen
z. B. der BQK können, neben vorhabenbedingten abiotischen Auswirkungen, auch auf natürliche
oder messtechnische Ursachen zurückzuführen sein. Dabei ist davon auszugehen, dass die Er-
fassungen der BQK u. U. durch den Erfasser, die Erfassungsmethodik oder natürliche Rahmen-
bedingungen (z. B. Hochwasserereignisse) beeinflusst werden.
In CIS (2017) werden Wege aufgezeigt, die die Unsicherheit bei der Prognose vorhabenbedingter
Auswirkungen reduzieren können:
Schaffung einer soliden Kenntnis zum Zustand/Potenzial im Ist-Zustand durch zuverlässige
Überwachungsmethoden und Klassifizierungssysteme, um die Sensibilität eines OWK gegen-
über potenziellen Auswirkungen einschätzen zu können,
Verbesserung der Datengrundlagen durch weitere Überwachungen bzw. zusätzliche Erfassun-
gen/Erhebungen,
Spezifische Prognosen/Untersuchungen potenzieller Wirkungen des Vorhabens (z. B. durch de-
taillierte Studien oder Modelle),
Verwendung von Erkenntnissen zu Wirkzusammenhängen aus vergleichbaren Vorhaben.
Wenn eine Wahrscheinlichkeit der Verschlechterung letztlich nicht festgestellt werden kann, liegt
kein Verstoß gegen das Verschlechterungsverbot vor.
3.2 Inhalt und Aufbau der Vorgehensweise
Nachfolgend werden die (bis zu) fünf Bearbeitungsschritte (Abbildung 9) zur Herleitung einer Prog-
noseentscheidung zum Verschlechterungsverbot im Einzelnen dargestellt und erläutert. Im Vorfeld
der Bearbeitung erfolgt in einer
Vorstufe
die
Ermittlung des Prüfbedarfs
für ein Vorhaben.

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 40 -
Abbildung 9: Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer Prognoseentscheidung
zum Verschlechterungsverbot – ausgegraute Übersicht
Die eigentliche Bearbeitung kann – sofern Prüfbedarf gegeben ist – vorhabenabhängig mit unter-
schiedlichem Detailgrad durchgeführt werden. In Anlehnung an den CIS-Leitfaden zur Prüfung von
Ausnahmen von den Umweltzielen gemäß EG-WRRL (CIS 2017) wird der Wirkpfad-basierte Ansatz
zur Prognoseentscheidung in ein
zweistufiges Prüfverfahren
mit einer
Vorprüfung (Stufe 1,
Schritt 1 bis 3)
und einer
Detailprüfung (Stufe 2, Schritt 4)
überführt. Dies ist insbesondere
dadurch begründet, dass eine Vielzahl von zu prüfenden Vorhaben vor dem Hintergrund möglicher
Verschlechterungen voraussichtlich mit relativ geringem Aufwand im Rahmen einer Vorprüfung ge-
prüft werden kann, da Verschlechterungen z. B. bereits aufgrund fehlender funktionaler Wirkzusam-
menhänge oder nur geringer möglicher Auswirkungen ausgeschlossen werden können. Die
Prog-
nose (Schritt 5)
erfolgt als abschließender Bearbeitungsschritt der Vorgehensweise.
Im Einzelnen kann der
mehrstufige Aufbau
der Vorgehensweise zusammengefasst wie folgt be-
schrieben werden:

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 41 -
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs
: Der eigentlichen Bearbeitung wird eine Ermittlung des
Prüfbedarfs (s.
Kap. 3.2.1
) vorweggestellt, in der zunächst überprüft wird, ob ein Vorhaben über-
haupt einer Prüfung gegenüber dem Verschlechterungsverbot zu unterziehen ist oder eine Ver-
schlechterung aufgrund der Eigenschaften des Vorhabens sowie der Rahmenbedingungen im
Gewässersystem
29
bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden kann, sodass keine weitere Be-
arbeitung der nachfolgenden Schritte erforderlich ist.
Stufe 1 – Vorprüfung (Schritte 1-3)
: Eine Vorprüfung ist durchzuführen, wenn sich für ein Vor-
haben in der Vorstufe Prüfbedarf ergeben hat. Im Rahmen einer „Vorprüfung“ erfolgt die Zuord-
nung des zu prüfenden Vorhabens zu einer Fallgruppe (
Schritt 1, Kap. 3.2.2.1
). Sofern ein Vor-
haben durch keine der Prognose-Fallgruppen hinreichend abgebildet werden kann, sind die fol-
genden Schritte in einer Einzelfallprüfung zu bearbeiten (Kap. 3.2.5). Im zweiten Schritt erfolgt
eine funktionale Systemanalyse, in der potenzielle Wirkfaktoren auf Basis der ermittelten Prog-
nose-Fallgruppe abgeleitet werden (
Schritt 2, Kap. 3.2.2.2
). Nach einer Selektion der vorhaben-
relevanten Wirkfaktoren werden mögliche abiotische Wirkungen auf die
unterstützenden QK
identifiziert und quantifiziert (
Schritt 3, Kap. 3.2.2.3
). Zudem werden mögliche unmittelbare Wir-
kungen auf die BQK betrachtet.
30
Hierbei wird ersichtlich, ob durch das Vorhaben überhaupt
potenziell nachteilige Wirkungen zu erwarten sind, diese ggf. zu nicht nur kurzzeitigen bewer-
tungsrelevanten biotischen Auswirkungen führen könnten und daher einen detaillierteren Prüf-
bedarf auslösen oder bereits frühzeitig eine vorhabenbedingte Verschlechterung auszuschlie-
ßen bzw. unwahrscheinlich ist.
31
Wenn im Ergebnis der Vorprüfung keine oder mit hoher Prog-
nosesicherheit nur kurzzeitige und vorübergehende (z. B. weil diese nur während der Bauzeit
auftreten) oder nicht bewertungsrelevante (z. B. wenn nur ein Abschnitt von wenigen hundert
Metern in einem großen Fluss wahrscheinlich durch nachteilige Veränderung betroffen ist, der
sich nicht in relevanter Weise auf die Gesamtbewertung des Wasserkörpers auswirkt) potenziell
nachteilige Wirkungen zu erwarten sind, kann durch
„Abschichten“
bereits nach dem Schritt 3
die
Prognoseentscheidung in Schritt 5 (Kap. 3.2.4)
getroffen werden. In diesem Fall ist eine
vorhabenbedingte Verschlechterung ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich.
Andernfalls
ist
eine
Detailprüfung (Stufe 2)
durchzuführen.
Stufe 2 – Detailprüfung (Schritt 4)
: Sofern potenziell nachteilige, bewertungsrelevante und
nicht nur kurzzeitige Wirkungen zu erwarten sind, ist eine detaillierte Ermittlung und Quantifizie-
rung möglicher vorhabenbedingter Auswirkungen auf die BQK vorzunehmen (
Schritt 4, Kap.
3.2.3
). Dies erfordert i. d. R. detailliertere Datenauswertungen, z. B. zur Bestandssituation der
BQK (ggf. bis auf Art-Ebene), jedoch auch zu Veränderungen der hydromorphologischen oder
physikalisch-chemischen Verhältnisse sowie nach Bedarf Erhebungen von zusätzlichen Daten
(s. Kap. 3.1.5). Als Basis können die dargestellten Fallgruppen herangezogen werden. Sofern
ein Vorhaben keiner Prognose-Fallgruppe eindeutig zugeordnet werden kann, ist die Detailprü-
fung im Rahmen einer Einzelfallprüfung zu bearbeiten (Kap. 3.2.5). Der für ein Vorhaben erfor-
derliche Prüfumfang bzw. die Entscheidung zwischen Vorprüfung und Detailprüfung ergibt sich
durch die Art (z. B. stoffliche oder hydromorphologische Wirkungen), den räumlichen und zeitli-
chen Umfang (z. B. auf Ebene eines OWK) und die Intensität (z. B. relative Zunahme einer Stoff-
konzentration) der zu erwartenden Wirkungen bzw. Auswirkungen des Vorhabens. Die Art der
wasserrechtlichen Abwicklung eines Vorhabens (z. B. Bewilligung oder Erlaubnis, Gewässerun-
terhaltung oder Gewässerausbau) ist für diese Entscheidung nicht maßgebend, obschon natür-
29
Als Rahmenbedingungen im Gewässersystem können z. B. Abflussverhältnisse, Bewertungsgrundlagen wie Stoffe oder UQN als
auch mehrere Vorhaben, welche im Rahmen des Bewirtschaftungsermessens der zuständigen Wasserbehörde kumulativ zu beurtei-
len sind, berücksichtigt werden.
30
Im Rahmen der Vorprüfung ist häufig nur eine Prognose der abiotischen Wirkungen auf die unterstützenden Qualitätskomponenten
erforderlich. Im Einzelfall kann jedoch auch in diesem Schritt eine Berücksichtigung von biotischen Wirkungen notwendig sein, wenn
diese beispielsweise durch Entsiedlung, Überdeckung oder auch Vertreibung unmittelbar betroffen sind.
31
Hierbei kann ggf. auf eine reduzierte Auswahl mit besonders wirksamen Parametern für die hydromorphologischen Qualitätskompo-
nenten zurückzugriffen werden und weitere, ergänzende Parameter für spätere, detailliertere Prüfschritte vorzuhalten, um die Vorprü-
fung möglichst effizient zu gestalten.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 42 -
lich größere Vorhaben wie z. B. ein technischer Gewässerausbau im Rahmen einer Planfeststel-
lung tendenziell eher eine Detailprüfung erfordern als kleinere Vorhaben z. B. im Rahmen der
Gewässerunterhaltung. Im Anschluss an Schritt 4 folgt die
Prognoseentscheidung in Schritt
5 (Kap. 3.2.4).
Prognose (Schritt 5)
: Die Ergebnisse der Vorprüfung bzw. Detailprüfung fließen in die Gesamt-
bewertung des Vorhabens vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtsprechung und des Gel-
tungsbereiches der Prognose(n) ein (
Schritt 5, Kap. 3.2.4
). Dabei wird zusammenfassend ge-
schlussfolgert, ob eine Verschlechterung ausgeschlossen werden kann bzw. unwahrscheinlich
ist oder ob eine solche nicht auszuschließen bzw. wahrscheinlich ist. Sofern von einer Ver-
schlechterung ausgegangen werden muss, können bzw. sollen möglichst bereits an dieser Stelle
Vorkehrungen
– i. S. v. Maßnahmen zur Verhinderung einer Verschlechterung – abgeleitet wer-
den, um die potenziellen vorhabenbedingten Auswirkungen zu minimieren oder aufzuheben (s.
LAWA-Handlungsempfehlung Nr. 2.4). Unter Annahme der Umsetzung dieser Maßnahmen
kann eine erneute Überprüfung der Wirkungen und Auswirkungen des Vorhabens erfolgen
(
Rückkopplung zu Schritt 3, Kap. 3.2.2.3
). Sofern bzw. soweit diese Prüfung ergibt, dass mit
diesen Maßnahmen voraussichtlich eine Verschlechterung des Zustandes verhindert oder mini-
miert wird, kann eine entsprechend angepasste Prognose (Verschlechterung ausgeschlossen /
unwahrscheinlich) erfolgen. Soweit dadurch bereits eine Verschlechterung ausgeschlossen wer-
den kann, ist keine Prüfung einer Ausnahmemöglichkeit nach § 31 Abs. 2 Satz 1 WHG (Art. 4
Abs. 7 WRRL) erforderlich.
3.2.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben
Als erster Schritt der mehrstufigen Vorgehensweise erfolgt in einer Vorstufe eine Überprüfung, ob
für ein Vorhaben überhaupt Prüfbedarf i. S. d. Verschlechterungsverbotes gegeben ist. Abbildung
10 hebt diesen Teil im Kontext der mehrstufigen Vorgehensweise hervor. Somit können im behörd-
lichen Vollzug bereits im Vorfeld zahlreiche Vorhaben – z. B. Verlängerungen bestehender Erlaub-
nisse und Bewilligungen ohne Veränderungen potenzieller Wirkungen – fachlich hinreichend bear-
beitet werden, ohne eine weitere Prüfung durchzuführen.

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 43 -
Abbildung 10: Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer Prognoseentscheidung
zum Verschlechterungsverbot – Vorstufe (Ermittlung des Prüfbedarfs)
Die Ermittlung des Prüfbedarfs für ein Vorhaben kann in Anlehnung an das nachfolgend dargestellte
Fließschema (Abbildung 11) vorgenommen werden.
Dabei wird zuerst das Vorhaben mit einer potenziellen Wirkung auf ein Gewässer ermittelt. In erster
Linie betrifft dies sämtliche
Vorhaben, die einer wasserrechtlichen Zulassung bedürfen
(z. B.
Einleitung, Gewässerausbau). Zudem können Vorhaben, die nicht zulassungspflichtig sind, zu be-
rücksichtigen sein, wenn für diese offensichtliche Anhaltspunkte der Prüfrelevanz bestehen.
Vorha-
ben aus anderen öffentlich-rechtlichen Verfahren
können ebenfalls auf Prüfbedarf untersucht
werden, sofern sie wasserrechtliche Relevanz besitzen (z. B. Vorhaben des Straßenbaus). Aus die-
sen sowie aus Plänen und Programmen (z. B. Bebauungspläne) lassen sich funktional begründet
einzelne Vorhaben ableiten, die dann den eigentlichen Gegenstand der Prüfung darstellen (z. B.
Einleitung von Niederschlagswasser von Straßen). Sofern sich durch dieses Vorhaben die Art und/o-
der Intensität der Nutzung im Vergleich zum Ausgangszustand verändert (z. B. durch veränderte
Stoffkonzentrationen einer Einleitung) bzw. diese neu ist, ergibt sich bei potenzieller direkter oder
indirekter Betroffenheit eines OWK Prüfbedarf. Letzteres kann auch der Fall sein, wenn ein Vorha-
ben zwar im Vergleich zum Ausgangszustand keine Veränderung erwarten lässt (z. B. Verlängerung
einer Einleiterlaubnis ohne relevante Änderungen), im Gewässersystem jedoch mit veränderten

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 44 -
Rahmenbedingungen
32
zu rechnen ist (z. B. durch eine weitere, neue Einleitung in den OWK). Bei
unveränderter Art und/oder Intensität der Nutzung und unveränderten Rahmenbedingungen
besteht kein Prüfbedarf
, da eine vorhabenbedingte Verschlechterung in diesem Fall unwahr-
scheinlich ist bzw. ausgeschlossen werden kann.
Abbildung 11: Fließschema zur Ermittlung des Prüfbedarfs für ein Vorhaben
3.2.2
Stufe 1 – Vorprüfung (Schritt 1 bis 3)
Sofern sich als Ergebnis der Vorstufe
Prüfbedarf
ergibt, ist eine Prüfung des Vorhabens im Rahmen
einer
Vorprüfung (Stufe 1)
erforderlich, die in den nachfolgend dargestellten Schritten 1 bis 3 er-
folgt. Unter bestimmten Voraussetzungen kann im Anschluss bereits eine Prognose in Schritt 5 er-
folgen (s. Kap. 3.2.4). Nachfolgende Abbildung hebt den im Rahmen der Vorprüfung insgesamt re-
levanten Teil im Kontext der mehrstufigen Vorgehensweise hervor.
32
Als veränderte Rahmenbedingungen im Gewässersystem können z. B. veränderte Abflussverhältnisse, veränderte Bewertungsgrund-
lagen wie neue Stoffe oder UQN als auch mehrere Vorhaben, welche im Rahmen des Bewirtschaftungsermessens der zuständigen
Wasserbehörde kumulativ zu beurteilen sind, berücksichtigt werden.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 45 -
Abbildung 12: Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer Prognoseentscheidung
zum Verschlechterungsverbot – Stufe 1 (Vorprüfung)
3.2.2.1
Schritt 1: Zuordnung des Vorhabens zu einer Fallgruppe
Zentraler Baustein für eine standardisierte Vorgehensweise ist die Zuordnung des prüfrelevanten
Vorhabens zu einer
Prognose-Fallgruppe
mit den jeweils definierten Wirkpfaden.
Anhand der vorhabenspezifischen Gegebenheiten, insbesondere der Art der geplanten Gewässer-
bewirtschaftung bzw. -nutzung, kann eine Prognose-Fallgruppe zugeordnet werden. Die in den
Steckbriefen (s. Anhang 1) dargestellten Kurzbeschreibungen liefern einen ersten Überblick zur Ori-
entierung. Zudem sind für alle Fallgruppen Vorhaben nach den einschlägigen Rechtsvorschriften
benannt.
Sofern keine eindeutige Zuordnung einer Prognose-Fallgruppe möglich ist, ist eine
Einzelfallprü-
fung
durchzuführen. Diese umfasst im Rahmen der Vorprüfung Schritt 2 (Kap. 3.2.2.2) und Schritt
3 (Kap. 3.2.2.3) und ist in Kap. 3.2.5 näher erläutert.
3.2.2.2
Schritt 2: Funktionale Systemanalyse – Ableitung potenzieller Wirkfaktoren
Nachdem eine Fallgruppe zugewiesen wurde, ist im zweiten Schritt eine funktionale Systemanalyse
des potenziell betroffenen Gewässersystems durchzuführen. Die in den Fallgruppen-Steckbriefen
dargestellten Skizzen und Wirkfaktoren geben Hinweise auf mögliche Wirkpfade und deren poten-
zieller Reichweite. Die konkrete Ableitung ist im Einzelfall unter Berücksichtigung der vorhaben- und
gewässersystemspezifischen Rahmenbedingungen vorzunehmen. Dafür wird der Betrachtungs-
raum zunächst in
funktionale Abschnitte bzw. Teilflächen
eingeteilt (z. B. oberhalb Einleitung,

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 46 -
unterhalb Einleitung, oberhalb Zufluss, unterhalb Zufluss). Mögliche Gründe zur Gliederung eines
Gewässersystems sind u. a. mengenmäßig und/oder stofflich relevante Zuflüsse und Entnahmen,
hydromorphologische Verhältnisse (naturnahe Strecken, Stauregulierung, Ausbauzustand) sowie
gewässertypologische Rahmenbedingungen.
Die für ein konkretes Vorhaben relevanten Wirkfaktoren können aus dem bestehenden Set abgelei-
tet werden, z. B. aus der Fallgruppe „Einleitung mit vorrangig stofflicher Wirkung“ (s. Abbildung 13).
Nicht relevante Wirkfaktoren werden gestrichen (z. B. Temperaturverhältnisse, wenn kein Einfluss
einer Einleitung auf die Wassertemperatur anzunehmen ist); bei Bedarf können zusätzliche Wirkfak-
toren ergänzt werden (z. B. aus einer anderen Fallgruppe).
Abbildung 13: Potenziell relevante Wirkfaktoren für die Fallgruppe „Einleitung mit vorrangig stofflicher Wir-
kung“ (Flüsse)
Im Ergebnis liegt eine
vorhabenspezifische Auswahl
von potenziell relevanten Wirkfaktoren vor.
Zudem kann der
Betrachtungsraum
für die Vorhabenprüfung auf Grundlage des potenziellen Wirk-
bereiches
vorläufig abgegrenzt
und
funktional gegliedert
werden.
3.2.2.3
Schritt 3: Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter Wirkungen
auf die unterstützenden Qualitätskomponenten (inkl. direkter Wirkungen auf die bio-
logischen Qualitätskomponenten)
In diesem Schritt ist es zielführend, zunächst
alle potenziellen abiotischen Wirkungen
aufzufüh-
ren, die funktional durch ein Vorhaben verursacht werden könnten, auch wenn diese augenschein-
lich keine, oder nur sehr geringe Auswirkungen erwarten lassen. Tatsächlich nicht zu erwartende
abiotische Wirkungen können
in einem zweiten Schritt „abgeschichtet“
werden. Damit kann eine
transparente und hinreichend detaillierte Vorgehensweise sichergestellt werden, die den aktuellen
Anforderungen der Rechtsprechung – insbesondere an Nachvollziehbarkeit und Detaillierungsgrad
– gerecht wird.
In den
Fallgruppen-Steckbriefen
sind unter „potenzielle abiotische Wirkungen“ die möglichen Wir-
kungen den Wirkfaktoren zugeordnet. Die Auswahl der Wirkfaktoren aus Schritt 2 ergibt damit direkt
die möglicherweise betroffenen Parameter-Gruppen. Sofern in Schritt 2 Ergänzungen von Wirkfak-
toren vorgenommen wurden, sind diese auch hier entsprechend zu berücksichtigen.
Abfluss und Fließverhältnisse
Durchgängigkeit
Gewässerstruktur
Wasserbeschaffenheit
i. d. R. relevant
im Einzelfall relevant
i. d. R. nicht relevant

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Die potenziellen abiotischen Wirkungen werden für die
funktional abgegrenzten Gewässerab-
schnitte/-teilflächen
ermittelt und differenziert. Diese Abschnitte/Teilflächen stellen räumliche weit-
gehend homogene Einheiten dar, in denen Art und Ausmaß potenziell vorhabenbedingter abioti-
scher Wirkungen auf die Standortverhältnisse vergleichbar sind. Sofern die Ermittlung und Quantifi-
zierung der potenziellen Wirkungen zu abweichenden Ergebnissen in entscheidungsrelevanter Grö-
ßenordnung führen, müssen die funktionalen Abschnitte aus Schritt 2 angepasst werden.
Für die Quantifizierung möglicher Wirkungen auf die
hydromorphologischen Verhältnisse
können
vielfach bestehende Verfahren verwendet werden (z. B. Gewässerstrukturkartierung, Details s. Kap.
3.1.3.1). Die fallgruppenspezifisch relevanten Quellen sind in den Steckbriefen genannt. Zudem sind
die relevanten Parameter bestehender Verfahren den Parameter-Gruppen zugeordnet (s. Anhang
3). Sofern kein geeignetes Verfahren vorliegt oder ein vorliegendes Verfahren die potenziellen Wir-
kungen nicht hinreichend abbilden kann, muss die Parametrisierung und Quantifizierung einer Wir-
kung vorhabenspezifisch unter Berücksichtigung des Oberflächengewässers entwickelt werden.
Wirkungen auf die
Wasserbeschaffenheit
können für Flüsse häufig mit abflussgewichteten Mi-
schungsrechnungen abgeschätzt werden. Bei sehr großen Flüssen, in denen nicht vereinfacht von
einer unmittelbaren Durchmischung von Einleitungen und Vorflut auszugehen ist, können Wirkungen
auf die Wasserbeschaffenheit entweder über numerische Modelle abgebildet oder unter Berücksich-
tigung der Uferseite anhand von entfernungsabhängigen, gestaffelten Mischungsrechnungen nähe-
rungsweise abgeschätzt werden. Letzteres Vorgehen liefert in der praktischen Anwendung häufig
plausible Ergebnisse und erfordert einen deutlich geringeren Mitteleinsatz. In Seen und Übergangs-
gewässern sind i. d. R. Gütemodelle für Prognosen der Wasserbeschaffenheit erforderlich.
Neben Wirkungen auf die unterstützenden QK, die sich ggf. in Folge auf die BQK auswirken können,
sind auch
direkte Wirkungen auf die BQK
bei der Betrachtung eines Vorhabens zu berücksichti-
gen. Dies kann z. B. Wellenschlag durch Schifffahrt (u.a. Hub und Sunk im Uferbereich), eine direkte
Entnahme/Zerstörung von Pflanzen (z. B. durch Sohlräumung von Gewässern) oder eine Schädi-
gung/Tötung von Tieren (z. B. Fischschädigung durch eine Wasserkraftanlage) sein.
Die Ergebnisse können parameterspezifisch ausgewertet werden, um ggf. mögliche
biotische Aus-
wirkungen bereits auszuschließen („Abschichten“)
. Dies kann als letzter Schritt der Vorprüfung
z. B. vorgenommen werden, wenn die zu erwartenden abiotischen Veränderungen im Vergleich zum
Ausgangszustand so gering sind, dass diese sich voraussichtlich nicht auf die Bewertung der sen-
sitiven BQK auswirken können. Gleiches gilt, wenn die prognostizierten
Wirkungen messtechnisch
nicht nachweisbar
sind, da sie sich innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite bewegen. Auch
über die räumlichen Verhältnisse im betroffenen OWK kann ein Abschichten vorgenommen werden,
z. B. wenn der potenziell betroffene funktionale Abschnitt eines Flusses nur einen geringen Längen-
anteil aufweist und keine besonders bedeutenden Lebensräume betroffen sind (z. B. Laichhabitate
von Leitarten).
Wenn die Ergebnisse der Vorprüfung eindeutig ergeben, dass
keine potenziell nachteiligen Wir-
kungen auf unterstützende QK und auf BQK
(direkte Wirkungen) zu erwarten sind, kann bereits
nach dem Schritt 3 die Prognose in Schritt 5 vorgenommen werden. Gleiches gilt, wenn zwar poten-
ziell nachteilige Wirkungen zu erwarten sind, diese aber
kurzzeitig und vorübergehend
oder
nicht
bewertungsrelevant
sind. In diesen Fällen ist keine Detailprüfung (Stufe 2) in Schritt 4 erforderlich.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Sind als Ergebnis der Vorprüfung
potenziell nachteilige, bewertungsrelevante und nicht nur
kurzzeitige Wirkungen
zu erwarten, kann eine Verschlechterung nicht ohne Weiteres belastbar
ausgeschlossen werden. Dann ist es möglich, mit der Ableitung von
Vorkehrungen
sowie einer
erneuten Prüfung im Schritt 3 sicherzustellen, dass im Ergebnis eine Verschlechterung unwahr-
scheinlich ist bzw. ausgeschlossen werden kann. Andernfalls folgt im Anschluss eine Detailprüfung
(Stufe 2) in Schritt 4.
3.2.3
Stufe 2 – Detailprüfung (Schritt 4)
Sofern im Ergebnis der Vorprüfung – auch unter Berücksichtigung von Vorkehrungen –
potenziell
nachteilige, bewertungsrelevante und nicht nur kurzzeitige Wirkungen zu erwarten
sind, er-
folgt eine vertiefte Prüfung im Schritt 4.
Nachfolgende Abbildung hebt die im Rahmen der Detailprüfung (Stufe 2) insgesamt relevanten Teile
im Kontext der mehrstufigen Vorgehensweise hervor.
Abbildung 14: Fließschema zur mehrstufigen Vorgehensweise zur Herleitung einer Prognoseentscheidung
zum Verschlechterungsverbot – Stufe 2 (Detailprüfung)
Es sind die Schritte 1 bis 5 durchzuführen, wobei die Ergebnisse der Vorprüfung (Stufe 1) aus den
Schritten 1 bis 3 vollumfänglich integriert werden können. Die Ergebnisse aus
Schritt 3
sind in der
Detailprüfung
häufig zu ergänzen bzw. insgesamt detaillierter auszuarbeiten
, damit eine hinrei-
chend belastbare Ermittlung und Quantifizierung möglicher Auswirkungen auf die BQK überhaupt
erfolgen kann. Der wesentliche Teil ist im Unterschied zur Vorprüfung jedoch Schritt 4 mit einer

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 49 -
detaillierten Betrachtung der BQK als Grundlage für die nachfolgende Prognose. Eine
differenzierte
Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter Auswirkungen auf die biologi-
schen Qualitätskomponenten in Schritt 4 ist nur im Rahmen der Detailprüfung erforderlich
.
Sofern keine eindeutige Zuordnung einer Prognose-Fallgruppe möglich ist, muss auch im Rahmen
der Detailprüfung eine
Einzelfallprüfung
vorgenommen werden – für die Schritte 2 bis 4.
Ausgangsbasis für die Ermittlung der biologischen Auswirkungen ist die
qualitative
Zuordnungs-
matrix der abiotischen Wirkungen zu den Modulen der biologischen Bewertungssysteme (
s. Anhang
5
). Die abiotischen Wirkungen auf die unterstützenden Qualitätskomponenten ergeben sich dabei
für die ggf. unterschiedlichen funktionalen Abschnitte oder Teilflächen aus Schritt 3. Einander zuge-
ordnete (abiotische) Wirkungen und (biologische) Auswirkungen sind durch ein „x“ gekennzeichnet.
Die Matrix erlaubt es somit, BQK und Bewertungsmodule (ggf. gewässertypspezifisch) zu ermitteln,
die im Hinblick auf die angenommenen abiotischen Wirkungen eines Vorhabens relevant sein kön-
nen. Neben Wirkungen auf die BQK, die sich aus veränderten unterstützenden QK ergeben, können
dabei auch unmittelbare Wirkungen durch ein Vorhaben auf die BQK berücksichtigt werden. Diese
sind nicht in den Fallgruppen-Steckbriefen enthalten und müssen daher im Einzelfall ergänzt wer-
den.
Sind die potenziellen abiotischen Wirkungen eines Vorhabens eingegrenzt und quantifiziert (z. B.
über Mischungsrechnungen, vgl. Schritt 3), können somit auch die potenziellen biotischen Auswir-
kungen identifiziert werden. Eine objektiv ausgerichtete
Quantifizierung
der biotischen Auswirkun-
gen gestaltet sich im Gegensatz zu den abiotischen Wirkungen jedoch als weitaus komplexer, da
kaum nutzbare Beurteilungswerte zum mäßigen, unbefriedigenden und schlechten ökologischen
Zustand/Potenzial vorliegen und zudem für eine Beurteilung einer Verschlechterung entscheidend
ist, in welcher ökologischen Zustands- bzw. Potenzialklasse sich ein OWK im Ausgangszustand
befindet. Darüber hinaus sind auch bei Vorliegen relativ fundierter Beurteilungswerte (z. B. Orientie-
rungswerte zur Erreichung des guten Zustands) insbesondere Wechselwirkungen innerhalb eines
Gewässersystems von Bedeutung, die eine vereinfachte Abschätzung erschweren können.
Eine erste Hilfestellung zur Quantifizierung gibt die Übersicht zur
Sensitivität der BQK
gegenüber
den abiotischen Wirkungen (
s. Anhang 6
), in der insbesondere zwischen direkten und indirekten
Wirkungen unterschieden wird (zu Wechselwirkungen s. Kap. 3.1.4.3).
Insgesamt lässt sich der Umfang möglicher nachteiliger Veränderungen der Lebensgemeinschaften
überwiegend nur aus den unterstützenden QK
ableiten. Dazu muss grundsätzlich angenommen
werden, dass sich eine bestimmte Veränderung einer unterstützenden QK innerhalb des insgesamt
auftretenden Gradienten (z. B. Sauerstoffkonzentration) bei sensitiven BQK in ähnlicher Größenord-
nung auch auf eine Veränderung der Lebensgemeinschaft übertragen lässt. Dieser Gradient ist nicht
notwendigerweise als lineare Beziehung zu verstehen. Vielmehr ist anzunehmen, dass bessere Be-
wertungen (z. B. gute Zustandsklasse) tendenziell sensitiver reagieren als schlechtere Bewertungen
(z. B. unbefriedigende Zustandsklasse). Dies ist v. a. darin begründet, dass besser bewertete Ge-
wässer von einer größeren Anzahl sensitiver Arten geprägt sind, die i. d. R. entsprechend sensitiver

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 50 -
auf Belastungen reagieren, während schlechtere Zustände vielfach durch weniger sensitive Arten
(Ubiquisten) geprägt sind, die i. d. R. entsprechend robuster gegenüber Belastungen sind.
33
Insgesamt kommen verschiedene Ansätze für die Quantifizierung in Frage (
Details s. Kap. 3.1.4
):
Berücksichtigung von
Beurteilungswerten gemäß OGewV
(Hintergrund- und Orientierungs-
werte zur Wasserbeschaffenheit) bzw. Beschreibungen des sehr guten und guten Zustandes
(hydromorphologische Verhältnisse)
unmittelbar relevant für sehr guten und guten Zustand.
Darüber hinaus kann für den Einzelfall ergänzendes Expertenwissen herangezogen werden
Vergleich zum Ausgangszustand
Dieser kann meist vorgenommen werden (sofern Daten
zum Ausgangszustand vorliegen und das Vorhaben diesbezüglich definierbar ist) und ermöglicht
einen relativen oder absoluten Vergleich der prognostizierten Veränderungen. Da absolute
Werte für eine Beurteilung in diesem Kontext überwiegend fehlen, kann i. d. R. zumindest ein
relativer Vergleich vorgenommen werden (z. B. Erhöhung einer Stoffkonzentration in %). Dieser
schafft die Grundlage für eine verbal-argumentative Bewertung. Sofern keine Schwellenwerte
betroffen sind, lassen sich dadurch – unter Berücksichtigung natürlicher Schwankungen – bei
geringen Veränderungen (z. B. < 5 %, ohne Schwellenwertüberschreitung) für viele Parameter
relativ fundierte Prognosen ableiten.
Fundierte Schwellenwerte für stoffliche und hydromorphologische Parameter, die eine vergleichbare
Beurteilung von vorhabenbedingten Wirkungen und Auswirkungen mit hoher Prognosesicherheit er-
möglichen könnten, fehlen bisher weitgehend.
3.2.4
Prognose (Schritt 5)
Im letzten Schritt der Vorgehensweise erfolgt eine vorhabenspezifische Prognose, die sowohl bei
einer Vorprüfung als auch bei einer Detailprüfung vorgenommen wird.
Aufbauend auf der Quantifizierung im Rahmen der Detailprüfung (aus Schritt 4) bzw. bei Abschich-
ten im Rahmen der Vorprüfung (bereits aus Schritt 3) steht letztlich die Frage, ob eine Verschlech-
terung unter den angenommenen und/oder rechnerisch ermittelten Veränderungen der betrachteten
unterstützenden QK und möglichen direkten Wirkungen sowie im Hinblick auf ihre räumlich-zeitliche
Wirkung im OWK wahrscheinlich ist oder nicht. Mit dieser Prognose wird die Basis zur Beurteilung
möglicher Auswirkungen hinsichtlich des Verschlechterungsverbots geschaffen.
Die Kap. 3.1.5.4 dargestellten Aspekte sind dabei
insbesondere für die Detailprüfung relevant
,
die eine hinreichend belastbare Einschätzung der Wahrscheinlichkeit erfordert. Im Ergebnis liegt
eine
Prognoseentscheidung
vor, ob aufgrund der zu erwartenden Auswirkungen eines Vorhabens
mit ggf. nachteiligen Veränderungen eine
Verschlechterung wahrscheinlich
ist oder nicht.
3.2.5
Einzelfallprüfung
Sofern in Schritt 1 der Vorgehensweise (Kap. 3.2.2.1) keine eindeutige Zuordnung einer Prognose-
Fallgruppe möglich ist, ist für die funktionale Systemanalyse eine Einzelfallprüfung durchzuführen.
33
Bei einer schlechten Bewertung des ökologischen Zustands oder Potenzials gelten für die betroffene BQK jedoch strengere Maßstäbe
an die Prüfung, da die Klasse „schlecht“ bereits die schlechteste mögliche Bewertung darstellt, bei der kein nachteiliger Klassensprung in
eine schlechtere Klasse möglich ist und jedwede weitere auf Ebene des Wasserkörpers mess- und beobachtbare Beeinträchtigung eine
Verletzung des Verschlechterungsverbots auslösen kann.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 51 -
Diese umfasst bei einer Vorprüfung Schritt 2 (Kap. 3.2.2.2) und Schritt 3 (Kap. 3.2.2.3) sowie im
Rahmen einer Detailprüfung Schritt 2 (Kap. 3.2.2.2) bis Schritt 4 (Kap. 3.2.3), die nach dem gleichen
Prinzip und unter Berücksichtigung der gegebenen Hinweise angewendet werden können. Im An-
schluss erfolgt die Beurteilung möglicher Auswirkungen hinsichtlich des Verschlechterungsverbotes
in der Prognose in Schritt 5 (Kap. 3.2.4).
Die fachtechnischen Hinweise sind so aufgebaut, dass eine
modulartige Verwendung
der einzel-
nen Bausteine der Wirkpfadanalyse auch für eine Einzelfallprüfung möglich ist. Dabei können rele-
vante Inhalte für Wirkpfade, potenzielle Wirkungen und Auswirkungen den einzelnen Fallgruppen
entnommen und entsprechend neu kombiniert werden. Dabei ist jedoch zu beachten, dass insbe-
sondere
Folgewirkungen und Wechselwirkungen
sowie andere Querbezüge insgesamt überprüft
und ggf. angepasst werden müssen.
Darüber hinaus stellen die in den Steckbriefen abgebildeten Prognose-Fallgruppen (s. Anhang 1)
eine erste Auswahl praxisrelevanter Fälle dar, mit denen das insgesamt relevante Wirkpfad-Spekt-
rum nur bedingt abgebildet werden kann. Im Einzelfall sind entsprechend die
individuell erforder-
lichen Bestandteile der Wirkpfadanalyse zu ermitteln
.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 52 -
4
Anwendung der Vorgehensweise an fiktiven
Fallbeispielen
Die im vorherigen Abschnitt dargestellte Vorgehensweise wird nachfolgend anhand von drei fiktiven
Beispielen näher erläutert. Zwei der Beispiele widmen sich häufig auftretenden Vorhaben in Fließ-
gewässern (Verlängerung und Ausweitung der Einleitung einer Kläranlage, Errichtung eines Quer-
bauwerks zur Wasserkraftnutzung), während das dritte Beispiel für Seen besonders relevant ist (In-
tensivierung der fischereilichen Nutzung).
4.1 Einleitung mit vorrangig stofflichen Wirkungen (Fluss und
Bach)
Im ersten Beispiel geht es um die Verlängerung und Anpassung der Einleiterlaubnis für eine kom-
munale Kläranlage. Die Anpassung der Erlaubnis betrifft die geplante Erhöhung der Kapazität (An-
zahl angeschlossener Haushalte), womit die Erhöhung der mittleren Einleitmenge von aktuell 0,1
m³/s auf zukünftig 0,5 m³/s einhergeht. Angenommen wird zudem eine Erhöhung der Konzentratio-
nen von ortho-Phosphat-Phosphor (o-PO
4
-P) und Gesamtphosphor (P
gesamt
) im Gewässer. Beim po-
tenziell betroffenen Fließgewässer handelt es sich um einen kleinen schottergeprägten Bach im Mit-
telgebirge (LAWA-Typ 5). Der OWK ist freifließend und im Uferbereich gehölzfrei (d. h. unbeschat-
tet). Für die Bearbeitung der Fragestellung ist eine Unterteilung in NWB oder HMWB unerheblich,
da hydromorphologische Wirkungen nicht relevant sind.
Die Rahmenbedingungen der geplanten Veränderungen von Abfluss- und Nährstoffbedingungen
sind für drei Szenarien in Abbildung 15 schematisch dargestellt, wobei der Beispielwasserkörper
zusätzlich in drei funktionale Abschnitte unterteilt wurde, um auch den Einfluss eines Nebengewäs-
sers abbilden zu können. Zudem werden für die drei Szenarien (Fälle) verschiedene ökologische
und abiotische Rahmenbedingungen im Ist-Zustand angenommen (Tabelle 6).
Tabelle 6:
Ökologische und abiotische Rahmenbedingungen für drei Szenarien (Fälle) zum Beispiel
„Einleitung mit vorrangig stofflichen Wirkungen“. (ACP = Allgemeine physikalisch-chemisches
Parameter; FGS = Flussgebietsspezifische Schadstoffe)
Fall A
Fall B
Fall C
ÖKZ
Gut
Gut
Unbefriedigend
Fische
Gut
Gut
Mäßig
Makrozoobenthos
Gut
Gut
Mäßig
Makrophyten
Gut
Gut
Unbefriedigend
ACP
Eingehalten
Eingehalten
Nicht eingehalten
FGS
Eingehalten
Eingehalten
Eingehalten

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 53 -
Abbildung 15: Schematische Darstellung des zu prüfenden Wasserkörpers mit Angaben zu Einleitstelle und
-menge in den drei funktional zu trennenden Gewässerabschnitten (links). Die Tabellen rechts
beschreiben drei Szenarien (A bis C) für die Änderungen der Konzentrationen von ortho-
Phosphat-P und Gesamtphosphor im Wasserkörper. (Grün = Orientierungswerte [OW] einge-
halten, rot = OW überschritten)
4.1.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben
Die Beurteilung beginnt mit der Prüfung, ob das Vorhaben überhaupt prüfrelevant ist. Da die geplan-
ten Veränderungen der Abfluss- und Nährstoffbedingungen im Kläranlagenabfluss mit einer Verän-
derung der Intensität der Nutzung verbunden sind, ist ein Prüfbedarf unabhängig von den drei be-
trachteten Szenarien immer gegeben. Dies wäre anders, wenn lediglich die Verlängerung der Be-
triebserlaubnis ohne eine Veränderung der Intensität der Nutzung bei gleichen Rahmenbedingungen
(keine weiteren Vorhaben, keine neuen Bewertungsgrundlagen) im Gewässersystem zu betrachten
wäre.
4.1.2
Vorprüfung Schritt 1: Zuordnung des Vorhabens zu einer Fallgruppe
Beim geplanten Vorhaben handelt es sich um eine Gewässerbenutzung, namentlich um eine Einlei-
tung mit vorrangig stofflicher Wirkung (Steckbrief s. Anhang 1). Die vorrangig stoffliche Wirkung
ergibt sich aus der geplanten Veränderung der Konzentrationen von o-PO
4
-P und P
gesamt
im Kläran-
lagenabfluss und mutmaßlich auch im Gewässer. Eine thermische Wirkung infolge des Vorhabens
ist grundsätzlich nicht auszuschließen, wird aber als nachrangig betrachtet. Eine hydraulische Wir-
kung wird aufgrund der Abflussverhältnisse im Gewässer und der damit verbundenen vergleichs-
weise geringen Erhöhung der Einleitung (Abbildung 15) für das Beispiel ebenfalls als nachrangig
betrachtet. Dieser Schritt ist unabhängig von den drei betrachteten Szenarien.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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4.1.3
Vorprüfung Schritt 2: Funktionale Systemanalyse – Ableitung potenzieller
Wirkfaktoren
Aufgrund der im ersten Schritt getroffenen Annahmen ist vorrangig von einer Veränderung der Was-
serbeschaffenheit auszugehen (vgl. Abbildung 16), insbesondere der Nährstoffverhältnisse.
Dadurch bedingt kann es zeitweise (vor allem im Spätsommer und Herbst) auch zu Veränderungen
des Sauerstoffhaushalts kommen, wenn eine erhöhte Trophie zur Sekundärsaprobie und damit zur
Sauerstoffzehrung führt. Vorhabenbedingte Veränderungen des Salzgehalts, des Versauerungszu-
stands sowie des Schwebstoff- und Schadstoffgehalts sind in der zugeordneten Fallgruppe ebenfalls
möglich, werden jedoch für das Beispiel ausgeschlossen. Die nachrangige Bedeutung der thermi-
schen Wirkung sowie der Wirkung veränderter Abfluss- und Fließverhältnisse ist gemäß der Fall-
gruppe bereits durch die unterbrochenen Umrahmungen in Abbildung 16 gekennzeichnet.
Abbildung 16: Potenziell relevante Wirkfaktoren für die Fallgruppe „Einleitung mit vorrangig stofflicher Wir-
kung“
4.1.4
Vorprüfung Schritt 3: Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter Wirkun-
gen auf die unterstützenden Qualitätskomponenten (und ggf. Abschichten)
Die Zuordnung der Wirkfaktoren zu messbaren Parametern der unterstützenden Qualitätskompo-
nenten (QK) ist in Tabelle 7 dargestellt. Die im Beispiel vorrangig angenommene Veränderung der
Nährstoffverhältnisse kann direkt über die Nährstoffkomponenten (hier: o-PO
4
-P und P
gesamt
) und
deren Konzentrationsänderungen abgebildet werden.
34
Die Abschätzung einer potenziellen Wirkung
erfolgt über den Vergleich mit den geltenden Gewässertyp-spezifischen Orientierungswerten
(OGewV 2016, vgl. Spalte „UQN/OW“ in Abbildung 15).
34
Im dargestellten Beispiel wird angenommen, dass die verschiedenen Stoffkonzentrationen und Abflüsse in den drei funktionalen Ab-
schnitten des Vorfluters sowie im Zufluss im Ausgangszustand durch vorliegende Messdaten bekannt sind, um die Vorgehensweise zu
erläutern. Da in der praktischen Anwendung häufig derart räumlich differenzierte Datengrundlagen fehlen, können plausible Annahmen
getroffen und/oder zusätzliche Messungen durchgeführt werden.
Abfluss und Fließverhältnisse
Durchgängigkeit
Gewässerstruktur
Wasserbeschaffenheit
i. d. R. relevant
im Einzelfall relevant
i. d. R. nicht relevant

image
Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 55 -
Über eine abflussgewichtete Mischungsrechnung ist es möglich, die Veränderungen der Nähr-
stoffverhältnisse für unterschiedliche funktionale Abschnitte im zu beurteilenden OWK abzuschätzen
(Abbildung 15, Fälle A bis C). Je nach räumlicher Ausdehnung der Wirkung kann dann in Bezug auf
den gesamten OWK abgeschätzt werden, ob eine Wirkung relevant ist und weiter betrachtet werden
muss. Im konkreten Beispiel wird nur von einer Wirkung auf die Nährstoffverhältnisse (o-PO
4
-P,
P
gesamt
) ausgegangen. Der im Beispiel als nachrangig eingestuften Wirkfaktoren „Abfluss- und Fließ-
verhältnisse“ und „Temperaturverhältnisse“ werden nachfolgend nicht weiter betrachtet, da dieser
voraussichtlich nicht bewertungsrelevant ist.
Tabelle 7:
Wirkmatrix mit Zuordnung von Wirkfaktoren zu relevanten (messbaren) unterstützenden Qua-
litätskomponenten in der Fallgruppe „Einleitung mit vorrangig stofflichen Wirkungen“
Erläuterungen
X Potenzieller Zusammenhang zwischen i. d. R. potenziell relevantem Wirkfaktor der Fallgruppe und abiotischer Wirkung
X Potenzieller Zusammenhang zwischen im Einzelfall potenziell relevantem Wirkfaktor der Fallgruppe und abiotischer Wirkung
X
Potenzieller Zusammenhang zwischen Wirkfaktor und abiotischer Wirkung (für die Fallgruppe nicht relevant)
-
kein potenzieller Zusammenhang zwischen Wirkfaktor und abiotischer Wirkung
Fußnoten
1 Als Parameter des Sauerstoffhaushaltes kann der Eisengehalt durch Ausfällung von Eisenhydroxid zu Verockerung und Kol-
mation führen und somit potenziell auf die Sohlstruktur und Substratbeschaffenheit bzw. -dynamik wirken. Zudem kann
dadurch der Schwebstoffanteil erhöht werden
2 Abfluss relevante Kenngröße in Bezug auf gelöste Stoffe
3 Fließverhalten relevante Kenngröße in Bezug auf partikulär gebundene Stoffe

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 56 -
Anmerkung: Neben direkten Wirkungen der Nährstoffe sind auch indirekte Wirkungen möglich, zum
Beispiel infolge einer Sekundärsaprobie, wodurch es zur Verringerung des Sauerstoffgehaltes im
Wasser kommen kann. Davon kann auch das Interstitialwasser betroffen sein, was dann funktional
einer Barriere zwischen Freiwasser und Interstitial gleichkommt. Dadurch kann es zu starken indi-
rekten Wirkungen kommen, die sich deutlich auf die Bewertung des ökologischen Zustands (z. B.
anhand des Makrozoobenthos) auswirken kann. Veränderungen des Sauerstoffgehalts sind direkt
messbar, wenngleich der Sauerstoffgehalt sowohl starken tageszeitlichen als auch jahreszeitlichen
Schwankungen unterliegen kann. Zur verlässlichen Beurteilung ist die Kenntnis der meist nächtlich
auftretenden Minima erforderlich, die über eine kontinuierliche Messung (Logger) während der Ve-
getationsperiode zu ermitteln sind. Zudem ist denkbar, dass starke Sauerstoffsprünge im Wasser
einer Barriere gleichkommen (z. B. für Fische). Mögliche Auswirkungen einer solchen Barrierewir-
kung können über die Lebensraumbedingungen (z. B. von potenziell betroffenen Fischarten) abge-
bildet werden.
35
Schritt 3 markiert das Ende der Vorprüfung. Steht am Ende der Vorprüfung das Ergebnis, dass keine
potenziell nachteiligen Veränderungen der unterstützenden QK im OWK infolge des Vorhabens zu
erwarten sind, ist die Vorprüfung abgeschlossen. Für das konkrete Beispiel und die drei Szenarien
lauten die Ergebnisse demnach:
Fall A: Verschlechterung ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich, da keine potenziell nachteiligen
Veränderungen im OWK feststellbar sind.
Fall B: Verschlechterung ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich, da potenziell nachteilige Verän-
derungen im OWK nur ein geringes räumliches Ausmaß haben (z. B. in nur 20% der Fließlänge
(Überschreitung der Orientierungswerte durch das Vorhaben in Abschnitt 2) im OWK auftreten).
Fall C: Verschlechterung wahrscheinlich, da potenziell nachteilige Veränderungen im OWK feststell-
bar sind (Erhöhung von PO
4
um 47% in Abschnitt 2 und Überschreitung der Orientierungswerte
durch das Vorhaben für PO
4
/P
gesamt
in Abschnitt 3 – räumliches Ausmaß insgesamt größer als bei
Fall B).
4.1.5
Detailprüfung Schritt 4: Quantifizierung möglicher vorhabenbedingter Aus-
wirkungen auf die biologischen Qualitätskomponenten
Schritt 4 markiert den Beginn der Detailprüfung, für die nach Schritt 3
nur noch das letzte Szena-
rio (Fall C) relevant
ist.
Aufgrund der vorrangig betrachteten Veränderungen der Nährstoffverhältnisse (Trophie) im Fall C
ist eine direkte Auswirkung vor allem auf die Gewässerflora (Makrophyten und Phytobenthos) zu
erwarten. Beide Teilkomponenten werden bundesweit mit dem Bewertungssystem „Phylib“
(Schaumburg et al. 2012) bewertet (Tabelle 8). Es sind hier vor allem Auswirkungen auf den Refe-
renzindex (Makrophyten) sowie auf die Trophieindikatoren der Diatomeen (z. B. Trophieindex) zu
35
nicht über die hydromorphologische Qualitätskomponente „Durchgängigkeit“

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 57 -
prüfen. Hinsichtlich des optional anwendbaren NRW-Verfahrens wäre eine Auswirkung auf das
Modul „Eutrophierung“ zu prüfen.
Ist eine Sekundärsaprobie infolge der Trophieerhöhung möglich bzw. wahrscheinlich (vgl. Anmer-
kung Schritt 3), kann es zu verringerten Sauerstoffgehalten und damit zu direkten negativen Auswir-
kungen auf die Gewässerfauna kommen (vgl.Tabelle 8). Im Bewertungssystem PERLODES sind
vor allem negative Auswirkungen auf den Saprobienindex und das Modul „Allgemeine Degradation“
zu prüfen (u. a. Faunaindex, % EPT-Taxa, Anzahl EPTCBO-Taxa). Hinsichtlich der Fische sind po-
tenziell alle Module betroffen, da diese nicht spezifisch reagieren (Tabelle 8).
Tabelle 8:
Matrix potenzieller Wirkfaktoren, zugeordneter unterstützender Qualitätskomponenten und
potenzieller Auswirkungen auf die Ergebnisse der Module der biologischen Bewertung für die
Fallgruppe „Einleitungen mit vorrangig stofflichen Wirkungen“
Erläuterungen
X direkter Zusammenhang zwischen potenziell abiotischer Wirkung und Modul des BQK-Bewertungsverfahrens
- kein direkter Zusammenhang zwischen potenziell abiotischer Wirkung und Modul des BQK-Bewertungsverfahrens
Die o. g. potenziellen direkten und indirekten Auswirkungen auf die Biokomponenten führen zu fol-
genden Einschätzungen für das Szenario Fall C:
Die Überschreitung der Orientierungswerte für o-PO
4
-P und P
gesamt
im gesamten OWK ist mit
potenziell nachteiligen Auswirkungen auf die Gewässerflora verbunden.
Das Artenspektrum wird wahrscheinlich zugunsten der Trophiezeiger verschoben werden.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 58 -
Die Massenentwicklung einzelner Arten und damit die Produktion einer großen Menge pflanzli-
cher Biomasse ist aufgrund mangelnder Habitatqualität (fehlende Beschattung des OWK)
wahrscheinlich.
Dadurch bedingt können potenziell nachteilige Wirkungen infolge von Sekundärsaprobie auf-
treten.
(Es sollte empfohlen werden, kontinuierliche Messungen des Sauerstoffgehaltes über Logger
im Rahmen eines vorhabenbegleitenden Monitorings durchzuführen, insbesondere, um die
nächtlichen Sauerstoff-Minima zu erfassen.)
Sekundärsaprobie ist potenziell mit nachteiligen Auswirkunken auf die Gewässerfauna (Tabelle
8) verbunden.
Das Ergebnis nach Schritt 4 lautet demnach:
Fall C: Verschlechterung nicht ausgeschlossen bzw. wahrscheinlich da potenziell nachteilige Aus-
wirkungen auf die Gewässerflora zu erwarten sind. Potenziell nachteilige Auswirkungen auf die Ge-
wässerfauna sind wahrscheinlich, wenn das Vorhaben zum Auftreten einer Sekundärsaprobie im
OWK führt, auch wenn diese nur zeitweise im Spätsommer oder Herbst auftritt.
4.1.6
Prognose Schritt 5: Beurteilung möglicher Auswirkungen hinsichtlich des
Verschlechterungsverbots
Die abschließende Beurteilung des Verschlechterungsverbotes erfolgt über die konkret zu erwar-
tenden Auswirkungen auf die Biokomponenten, allerdings im Lichte des Ist-Zustands der Bewer-
tung (vgl. Tabelle 8 oben).
Für die
Fälle A und B
hat bereits die
Vorprüfung
ergeben, dass eine vorhabenbedingte Verschlech-
terung ausgeschlossen bzw. unwahrscheinlich ist.
Anmerkung: Die Beurteilung für Fall B kann abweichen, wenn der OWK signifikant von Rückstau
beeinflusst ist (z. B. auf 70% der Fließlänge). In diesem Fall wären die veränderten Fließbedingun-
gen im Ist-Zustand bei der Beurteilung der potenziell nachteiligen Wirkungen von o-PO
4
-P und P
gesamt
mit zu betrachten. Auch wenn im Abschnitt 2 bedeutende Habitatstrukturen (z. B. Laichhabitate von
Leitarten der Fischfauna) vorhanden wären, könnte die Beurteilung insgesamt zu dem Schluss kom-
men, dass eine Verschlechterung wahrscheinlich ist.
Für
Fall C
führt die Beurteilung im Rahmen der
Detailprüfung
zu folgendem Ergebnis:
Der Ist-Zustand ist aufgrund der Bewertung mit Makrophyten (inkl. Phytobenthos) bereits „unbe-
friedigend“.
Die vorhabenbedingte Verschlechterung des ökologischen Zustands ist wahrscheinlich bzw.
kann nicht ausgeschlossen werden.
Die Wahrscheinlichkeit ist erhöht, wenn sich die Bewertung der Makrophyten bereits am Über-
gang zur nächst schlechteren Klasse („schlecht“) befindet.
Die Wahrscheinlichkeit ist erhöht, wenn infolge des Vorhabens eine Sekundärsaprobie auftritt
(oder verstärkt wird).

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Anmerkung: Die Abhängigkeit der Beurteilung von der Habitatqualität (Beschattung, s. o.) im OWK
deutet auf mögliche Vorkehrungen hin, die geeignet sind, die prognostizierten nachteiligen Auswir-
kungen des Vorhabens zu begrenzen. Dies ist für den Fall C obligatorisch, um ein Ausnahmever-
fahren gemäß Art. 4(7) EG-WRRL zu vermeiden. Für den Fall B werden entsprechende Maßnahmen
empfohlen, um mögliche Auswirkungen zu verringern. Für den Fall A ergeben sich vor dem Hinter-
grund des Verschlechterungsverbotes keine entsprechenden Maßnahmen (zur Verbesserung hin-
gegen auch hier zu empfehlen). Eine Massenentwicklung von Makrophyten und damit die Sekun-
därsaprobie sowie eine Erhöhung der Temperatur (mit Auswirkungen auf die Trophie) kann im be-
trachteten LAWA-Typ 5 durch eine dem Gewässertyp entsprechende Beschattung durch Anpflan-
zung lebensraumtypischer Gehölzstreifen limitiert werden.
4.2 Querbauwerk (Ausbau) mit Regulierung der Wasserspiegel-
lagen (mit Wasserkraftnutzung, ohne Speicherfunktion)
(Fluss)
Im Beispiel ist der Neubau einer Wasserkraftanlage (Ausleitungskraftwerk) an einem ehemaligen
Wasserkraftstandort geplant. Das Querbauwerk ist bereits vorhanden. Es soll aber eine Stauerhö-
hung um 0,20 m erfolgen. Bei dem Gewässer handelt es sich um einen großen Fluss des Mittelge-
birges (Typ 9.2). Der Standort liegt in der Barbenregion.
Der betroffene Oberflächenwasserkörper (HMWB) ist insgesamt mit „unbefriedigend“ bewertet.
Fische: mäßiges ökologisches Potenzial (3)
Makrozoobenthos: unbefriedigendes ökologisches Potenzial (4)
Makrophyten/Phytobenthos: unbefriedigender ökologischer Zustand (4)
36
Phytoplankton: mäßiger ökologischer Zustand (3)
37
Der Wasserkörper ist 54 km lang und enthält 11 Querbauwerke, davon acht Wasserkraftanlagen.
Ein Bauwerk ist aufwärts, zwei sind abwärts passierbar.
Durch die Stauregulierung wird die Verweildauer eingetragener Nährstoffe und Salze im Wasserkör-
per erhöht und ihr Wirkungspotenzial verstärkt. Sowohl die Schwebealgen (Phytoplankton) als auch
die festsitzenden Algen des Gewässergrundes (Phytobenthos) zeigen dies mit einem erhöhten Tro-
phie-Status (Nährstoffe) und Halobienindex (Salze) an.
Der Wasserhaushalt ist durch die Stauregulierung stark beeinflusst. Abfluss und Abflussdynamik
sind unbefriedigend, Fließverhalten, Wasserstand und Wasserstandsdynamik ebenfalls.
36
Für die BQK „Makrophyten/Phytobenthos“ wird der ökologische Zustand herangezogen, da für diese Komponenten keine gesonderte
Bewertung des ökologischen Potenzials vorgenommen wird.
37
Für die BQK „Phytoplankton“ wird der ökologische Zustand herangezogen, da für diese Komponente keine gesonderte Bewertung des
ökologischen Potenzials vorgenommen wird.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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Die Durchgängigkeit ist insgesamt unbefriedigend. Die lineare Durchgängigkeit ist nur an wenigen
Standorten gegeben. Die laterale Durchgängigkeit ist weitgehend gut. Der Sedimenttransport ist an
den meisten Querbauwerks-Standorten gestört.
Die Morphologie ist durch die Stauregulierung beeinflusst, weist aber ein insgesamt mäßiges Poten-
zial auf.
4.2.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben
Durch die geplante Wasserkraftnutzung als auch die Stauerhöhung ergibt sich eine Veränderung
von Art und Intensität der Nutzung. Das Vorhaben ist daher als prüfrelevant eingestuft.
4.2.2
Vorprüfung Schritt 1: Zuordnung des Vorhabens zu einer Fallgruppe
Beim geplanten Vorhaben handelt es sich um einen Gewässerausbau, d. h. um einen Ausbau Quer-
bauwerk mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit Wasserkraft, ohne Speicherfunktion).
4.2.3
Vorprüfung Schritt 2: Funktionale Systemanalyse – Ableitung potenzieller
Wirkfaktoren
In Abbildung 17 sind die potenziellen Wirkfaktoren für das Beispiel dargestellt. Da das Querbauwerk
bereits vor dem Umbau vorhanden ist, wird der Schwebstoffgehalt im Beispiel nicht als potenzieller
Wirkfaktor angesehen.
Potenziell relevante Wirkfaktoren
Abfluss und Fließverhältnisse
Durchgängigkeit
Gewässerstruktur
i. d. R. relevant
im Einzelfall relevant
i. d. R. nicht relevant
Abbildung 17: Potenziell relevante Wirkfaktoren für die Fallgruppe „Querbauwerk (Ausbau/Neubau/Betrieb)
mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit Wasserkraftnutzung, ohne Speicherfunktion)
(Fluss)“
Folgende potenzielle Wirkfaktoren verbleiben:
Fließverhalten: Durch den Bau der WKA wird ein Teil des Abflusses über die WKA und den
Untergraben geleitet. Diese Gewässerstrecken waren vor dem Umbau nicht durchflossen. Die
Ausleitungsstrecke, über die der gesamte Abfluss abgeleitet wurde, wird nach dem Umbau nur
noch von einem Mindestabfluss, maximal von etwa der Hälfte des Abflusses durchflossen.
Wasserspiegellagen: Mit dem Umbau ist eine Erhöhung des Wehres und somit der Wasserspie-
gellagen im Staubereich vorgesehen. Dadurch vergrößern sich Länge und Volumen des Stau-
bereiches und die Wassertiefe oberhalb des Wehres erhöht sich.
Durchgängigkeit (linear). Aufwärts: der nicht durchgängige Standort wird mit einer Fischauf-
stiegsanlage ausgestattet. Abwärts: Die Anlage wird mit Fischschutz- und -abstiegsanlagen aus-
gestattet.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 61 -
Morphologische Verhältnisse Sohle/Ufer: durch die Stauerhöhung bzw. die Vergrößerung des
Staubereichs werden sich die morphologischen Verhältnisse insbesondere im Bereich der Stau-
wurzel verändern.
4.2.4
Vorprüfung Schritt 3: Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhabenbe-
dingter Wirkungen auf die unterstützenden Qualitätskomponenten (und ggf.
Abschichten)
In Abbildung 17 sind alle potenziellen Wirkfaktoren für die Fallgruppe blau markiert. Für das Beispiel
entfällt der Schwebstoffgehalt.
Da das Querbauwerk bereits vorhanden ist, sind direkte Veränderungen der Wasserbeschaffenheit
nicht zu erwarten. Aufgrund der Vergrößerung des Staubereiches mit verringerter Fließgeschwin-
digkeit und erhöhtem Stauvolumen sind jedoch indirekte Wirkungen auf die Trophie durch Tempe-
raturerhöhung denkbar. Ein Trophieanstieg ist daher grundsätzlich möglich, je nach Temperaturer-
höhung und Nährstoffgehalt, im vorliegenden Beispiel durch die geringe Ausdehnung des zusätzli-
chen Staubereichs und relativ geringe Zunahme des Stauvolumens aber nicht bewertungsrelevant.
Daher sind Wirkungen der verbleibenden Wirkfaktoren auf die Parameter der Wasserbeschaffenheit
insgesamt nicht weiter zu betrachten.
Relevante abiotische Wirkungen sind Veränderungen des Wasserhaushalts, hier die Fließverhält-
nisse und der Wasserstand sowie die Wasserstandsdynamik, der linearen Durchgängigkeit sowie
des Sedimenthaushalts und Veränderungen der morphologischen Verhältnisse.
Im Bereich der geplanten Wasserkraftanlage werden sich die Fließverhältnisse dahingehend än-
dern, dass ein Teil des Abflusses, maximal die Hälfte des Mittelwasserabflusses (MQ/2), der heute
über das Wehr geleitet wird, über die Wasserkraftanlage geleitet wird. In der Ausleitungsstrecke
verbleibt ein Abfluss, der über dem geforderten Mindestabfluss liegt.
Es ist nicht zu erwarten, dass diese kleinräumigen Veränderungen auf einer Gewässerstrecke von
ca. 250 m nachteilige abiotische Wirkungen auf den Wasserkörper haben, da nur 0,5 % der Gewäs-
serstrecke betroffen sind.
38
Auswirkungen auf die Durchgängigkeit für Fische ergeben sich zudem
nicht, da ein ausreichender Mindestabfluss mit entsprechender Wassertiefe gegeben sein wird.
Die Wasserspiegellagenänderung durch die Stauerhöhung um 20 cm bewirkt eine Veränderung des
Wasserstands im Staubereich sowie eine Vergrößerung des Rückstaubereichs um ca. 66 m Lauf-
länge bzw. um ca. 1.800 m² (entspricht ca. 360 m³ Volumenzunahme) sowie des Fließverhaltens im
Bereich der Stauwurzel. Aktuell beträgt der Längenanteil der Rückstaustrecken 82,8 % der Gesamt-
länge des OWK. Die geplante Stauerhöhung erhöht den Anteil auf 82,9 %, so dass auch hier keine
nachteiligen Auswirkungen auf Ebene des Wasserkörpers zu erwarten sind, zumal keine Laichhabi-
tate o. a. Lebensräume mit besonderer Bedeutung für die Organismen betroffen sind.
38
Generell kann eine Verschlechterung auch bei längeren Ausleitungsstrecken unwahrscheinlich sein, sofern entsprechende Anforde-
rungen an die Mindestwasserführung eingehalten werden.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 62 -
Tabelle 9:
Wirkfaktoren und potenzielle abiotische Wirkungen für die Fallgruppe „Querbauwerk (Aus-
bau/Neubau/Betrieb) mit Regulierung der Wasserspiegellagen (mit Wasserkraftnutzung, ohne
Speicherfunktion) (Fluss)“
Erläuterungen
X Potenzieller Zusammenhang zwischen i. d. R. potenziell relevantem Wirkfaktor der Fallgruppe und abiotischer Wirkung
X Potenzieller Zusammenhang zwischen im Einzelfall potenziell relevantem Wirkfaktor der Fallgruppe und abiotischer Wirkung
X
Potenzieller Zusammenhang zwischen Wirkfaktor und abiotischer Wirkung (für die Fallgruppe nicht relevant)
-
kein potenzieller Zusammenhang zwischen Wirkfaktor und abiotischer Wirkung
Fußnoten
1 Als Parameter des Sauerstoffhaushaltes kann der Eisengehalt durch Ausfällung von Eisenhydroxid zu Verockerung und Kol-
mation führen und somit potenziell auf die Sohlstruktur und Substratbeschaffenheit bzw. -dynamik wirken. Zudem kann
dadurch der Schwebstoffanteil erhöht werden
2 Abfluss relevante Kenngröße in Bezug auf gelöste Stoffe
3 Fließverhalten relevante Kenngröße in Bezug auf partikulär gebundene Stoffe
Die lineare Durchgängigkeit wird sich am Standort aufwärts durch den Bau einer Fischaufstiegsan-
lage von Stufe 5 (schlecht) auf Stufe 2 (gut) verbessern. Abwärts wird an der Wasserkraftanlage
trotz Schutzeinrichtung und Bypass ein geringer Anteil an kleinen/jungen Fischen geschädigt wer-
den. Der Großteil wird aber schadlos über den Bypass absteigen können. Aus der heutigen Stufe 1
(sehr gut) wird nach Experteneinschätzung voraussichtlich Stufe 2 (gut) werden.
Insgesamt ist in der Gesamtbilanz eine geringe Verbesserung der Durchgängigkeit anzunehmen,
sodass die relativ geringen Auswirkungen auf die Abwärtsdurchgängigkeit wahrscheinlich nicht zu
einer veränderten Bewertung des Wasserkörpers anhand der Fischfauna führen wird.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 63 -
Der Sedimenttransport findet heute nur temporär bei Hochwasser über das Wehr statt. Durch das
Vorhaben ist ein kontinuierlicher Transport über den Bypass ins Unterwasser möglich. Trotzdem
wird sich die Klassifizierung des Standorts und somit des OWK nicht ändern, sondern in Klasse 3
mäßig, bleiben. Grund dafür ist, dass die Geschiebeweitergabe vor allem bei Hochwasser erfolgt,
was auch im Ausgangszustand möglich ist. Durch die verringerte Fließgeschwindigkeit ist v. a. im
Bereich der Stauwurzel tendenziell mit erhöhter Sedimentation (insbesondere von Feinsedimenten)
zu rechnen, die aufgrund der relativ geringen Veränderung im vorliegenden Beispiel auf Ebene des
OWK jedoch nicht bewertungsrelevant ist.
Alle Veränderungen sind dauerhaft.
Die Prüfung der abiotischen Auswirkungen führt insgesamt im Rahmen der Vorprüfung zu dem Er-
gebnis, dass eine vorhabenbedingte Verschlechterung nicht zu erwarten ist. Alle betrachteten po-
tenziellen Wirkungen auf die unterstützenden Komponenten wirken sich wahrscheinlich nicht auf die
Bewertung des ökologischen Zustands/Potenzials des Wasserkörpers anhand der BQK aus.
Da bereits in Schritt 3 nachteilige Veränderungen der biologischen Qualitätskomponenten auf Ebene
des Wasserkörpers über die Betrachtung der unterstützenden QK und Berücksichtigung der räum-
lichen Verhältnisse ausgeschlossen wurden (Stufe 1, Vorprüfung), ist Schritt 4 nicht erforderlich
(keine Detailprüfung). Es wird direkt in Schritt 5 die Beurteilung der möglichen Auswirkungen im
Rahmen der Prognose vorgenommen.
4.2.5
Prognose Schritt 5: Beurteilung möglicher Auswirkungen hinsichtlich des
Verschlechterungsverbots
Im Rahmen einer Vorprüfung (Schritt 1 bis 3) wurde ermittelt, dass der Bau der Wasserkraftanlage
mit Stauerhöhung und mit Maßnahmen zur Herstellung der Durchgängigkeit im dargestellten Bei-
spiel wahrscheinlich nicht zu einer Verschlechterung des ökologischen Potenzials führen wird. Dies
liegt vor allem in der geringen räumlichen Ausdehnung des Vorhabens in Relation zur Länge des
Wasserkörpers und dem bereits unbefriedigenden ökologischen Potenzial des Wasserkörpers.
Um die nachteiligen Auswirkungen von Stauerhöhung und Ausleitung zu minimieren, sind ein hoher
Mindestabfluss für die Ausleitungsstrecke und strukturverbessernde Maßnahmen geeignet, insbe-
sondere im Bereich der zukünftig zu erwartenden Stauwurzel sowie in freifließenden Teilabschnitten.
4.3 Veränderung der Intensität der fischereilichen Nutzung
(See)
Im Beispiel ist eine Änderung der Intensität der fischereilichen Nutzung in einem See geplant.
Bei dem See handelt es sich um einen geschichteten Tieflandsee von 150 ha Größe mit relativ
kleinem Einzugsgebiet (Typ 13) ohne Zu- und Abfluss, der als ein natürlicher Wasserkörper (NWB)
eingestuft ist. In dem See liegen acht Probestellen für die Untersuchung des Makrozoobenthos, der
Makrophyten und Diatomeen, die Probestelle zur Untersuchung der limnologischen Parameter und
des Planktons liegen an der tiefsten Stelle (14 m). Die Fischfauna wird anhand von Elektrobefischun-
gen und Stellnetzen an repräsentativen Stellen untersucht.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 64 -
Der betroffene Oberflächenwasserkörper ist mesotroph und insgesamt mit „gut“ bewertet. Die Be-
wertungen liegen jeweils im mittleren bis oberen Bereich der Klasse gut, sodass kein Grenzbereich
zur nächst schlechteren Klasse betroffen ist.
Makrophyten/Phytobenthos: guter Zustand (2)
Phytoplankton: guter Zustand (2)
Fische: guter Zustand (2)
Makrozoobenthos: guter Zustand (2)
Im Zuge der
fischereilichen Bewirtschaftung
erfolgt Besatz mit benthivoren Cypriniden (Spiegel-
bzw. Schuppen-Karpfen) mit einer Dichte von ca. 100kg/ha. Die fischereiliche Nutzung umfasst eine
Änderung der Infrastruktur in Form von zwei Angelplätzen mit jeweils einem Steg sowie die Anlage
eines Hafens für Angelboote (Ruderboote). Der angrenzende semiterrestrische Bereich wird versie-
gelt. Die Vorhaben sind i. d. R. dauerhaft und rufen anlagebedingte Wirkfaktoren hervor. Zudem
können während der Maßnahmenumsetzung baubedingte Wirkfaktoren auftreten.
Die Vorhaben können räumlich deutlich abgegrenzt werden.
Abbildung 18: Schematische Skizze eines fiktiven Sees mit geplanter Änderung der Intensität der fischereili-
chen Nutzung
4.3.1
Vorstufe – Ermittlung des Prüfbedarfs für das Vorhaben
Durch die geplante Änderung der fischereilichen Bewirtschaftung ergibt sich eine Veränderung von
Art und Intensität der Nutzung. Das Vorhaben ist daher prüfrelevant.
4.3.2
Vorprüfung Schritt 1: Zuordnung des Vorhabens zu einer Fallgruppe
Beim geplanten Vorhaben handelt es sich um eine Änderung der fischereilichen Bewirtschaftung.
Diese Kombination wird als Einzelfallbetrachtung bearbeitet. Ein Großteil der relevanten Wirkpfade
kann baukastenartige als Kombination der Fallgruppen „Gewässerausbau (inkl. Anlagen) – Techni-
scher Ausbau/Verbau (Gewässer) (Seen)“ und „Veränderung der Intensität der fischereilichen Nut-
zung“ abgebildet werden.

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 65 -
4.3.3
Vorprüfung Schritt 2: Funktionale Systemanalyse – Ableitung potenzieller
Wirkfaktoren
In der nachfolgenden Abbildung sind die potenziellen Wirkfaktoren für das Beispiel dargestellt, die
aus den Steckbriefen der Fallgruppen „Gewässerausbau (inkl. Anlagen) – Technischer Ausbau/Ver-
bau (Gewässer) (Seen)“ und „Veränderung der Intensität der fischereilichen Nutzung“ zusammen-
gestellt wurden.
Der technische Ausbau/Verbau bewirkt potenziell direkte Veränderungen der morphologischen Ver-
hältnisse von Seeboden und/oder Uferzone sowie des semiterrestrischen Bereichs (im vorliegenden
Beispiel relevant). Damit geht i. d. R. eine Beeinflussung der lateralen Durchgängigkeit einher. Zu-
dem sind temporäre Wirkungen auf den Schwebstoffgehalt während der Bauzeit möglich. Dauer-
hafte potenzielle Wirkungen ergeben sich auf die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft durch
Besatz. Eine Beeinflussung der linearen Durchgängigkeit sowie der Wassermenge bzw. des Abflus-
ses sind im vorliegenden Beispiel nicht relevant, da es sich um einen See ohne Zu- und Abfluss
handelt (beide durchgestrichen). Über die Wirkfaktoren der Fallgruppen hinaus sind direkte potenzi-
elle Wirkfaktoren durch die Angelboote sowie die Überbauung von Habitaten zu erwarten (direkter
Kontakt von Personen/Booten/Anlagen mit Wasserpflanzen).
Potenziell relevante Wirkfaktoren
Abfluss und Fließverhältnisse
Durchgängigkeit
Gewässerstruktur
1
Wasserbeschaffenheit
2
Zönose
i. d. R. relevant
im Einzelfall relevant
i. d. R. nicht relevant (nur im Sonderfall relevant)
Fußnoten
1 Veränderungen der Wasserspiegellagen werden als mittelbare abiotische Wirkungen berücksichtigt
2 direkte baubedingte Wirkungen auf den Schwebstoffhaushalt; Veränderungen der Schwebstoffhaushalts infolge anlagebe-
dingter Wirkungen werden als mittelbare abiotische Wirkungen berücksichtigt
Abbildung 19: Potenziell relevante Wirkfaktoren als Kombination der Fallgruppen „Gewässerausbau (inkl.
Anlagen) – Technischer Ausbau/Verbau (Gewässer) (Seen)“ und „Veränderung der Intensität
der fischereilichen Nutzung (Seen)“ – angepasst an das fiktive Fallbeispiel

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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 66 -
4.3.4
Vorprüfung Schritt 3: Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhabenbe-
dingter Wirkungen auf die unterstützenden Qualitätskomponenten (und ggf.
Abschichten)
In der nachfolgenden Tabelle sind die potenziellen Wirkungen auf die unterstützenden QK für das
Beispiel dargestellt. Diese enthält alle in den Fallgruppen potenziell relevanten Wirkungen auf die
unterstützenden Qualitätskomponenten. Direkte Wirkungen auf die aquatischen Makrophyten (durch
Wellenschlag, direkte Zerstörung) sind dabei nicht berücksichtigt. Diese werden gesondert in Schritt
4 aufgeführt.
Tabelle 10:
Wirkfaktoren und potenzielle abiotische Wirkungen als Kombination der Fallgruppen „Gewäs-
serausbau (inkl. Anlagen) – Technischer Ausbau/Verbau (Gewässer) (Seen)“ und „Verände-
rung der Intensität der fischereilichen Nutzung (Seen)“ – angepasst an das fiktive Fallbeispiel
Erläuterungen
X Potenzieller Zusammenhang zwischen i. d. R. potenziell relevantem Wirkfaktor der Fallgruppe und abiotischer Wirkung
X Potenzieller Zusammenhang zwischen im Einzelfall potenziell relevantem Wirkfaktor der Fallgruppe und abiotischer Wirkung
X
Potenzieller Zusammenhang zwischen Wirkfaktor und abiotischer Wirkung (für die Fallgruppe nicht relevant)
-
kein potenzieller Zusammenhang zwischen Wirkfaktor und abiotischer Wirkung
Fußnoten
1 Als Parameter des Sauerstoffhaushaltes kann der Eisengehalt durch Ausfällung von Eisenhydroxid zu Verockerung und Kol-
mation führen und somit potenziell auf das Hyporheische Interstitial, auf das Bodensubstrat sowie auf den Schwebstoffanteil
wirken
2 Potenzielle Wirkungen der linearen Durchgängigkeit auf die Tiefenvariation und die Menge, Struktur und/oder das Substrat
des Bodens sind i. d. R. allenfalls kleinräumig zu erwarten (z. B. im Bereich eines abflussregulierenden Bauwerkes am Aus-
lauf eines Sees)

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 67 -
Die Konkretisierung der möglichen Wirkungen für das Beispiel ergibt, dass im Bereich der Stege die
Struktur bzw. das Substrat des Bodens verändert wird. Dies ist auch im Bereich des Hafens zu
erwarten. Röhricht und aquatische Makrophyten werden anlagebedingt in diesen Bereichen direkt
zerstört, die laterale Durchgängigkeit wird nachteilig beeinflusst. Dies betrifft den unmittelbaren
Flachwasserbereich um die Bauwerke. Diese Wirkungen sind kleinräumig, so dass in diesem Bei-
spiel aufgrund der geringen Vorbelastung und in Bezug auf die Gesamtgröße des Sees sowie unter
Berücksichtigung der gesicherten Bewertungen im mittleren bis oberen Bereich der Klassen keine
bewertungsrelevanten Auswirkungen zu erwarten sind.
39
Dies gilt auch für die versiegelten semiter-
restrischen Bereiche. Die Einträge von Schwebstoffen sind temporär und treten kleinräumig auf, so
dass diese ebenfalls keine bewertungsrelevanten Auswirkungen auf Ebene des Wasserkörpers ver-
ursachen können.
Durch die Anglerboote ist Wellenschlag zu erwarten, der sich potenziell auf Röhrichtbestände aus-
wirken könnte. Da es sich um Ruderboote mit geringer Größe handelt, die sehr geringe Wellenbe-
wegungen verursachen, ist allenfalls von geringfügigen Wirkungen auszugehen. Boote sind ein po-
tenzieller Eintragspfad für Neobiota (Bach et al. 2019). Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Ein-
schleppung von Neobiota lässt sich jedoch nur schwer quantifizieren, sodass im Rahmen der Prog-
noseentscheidung zum Verschlechterungsverbot eine Einschleppung von Neobiota nicht mit hinrei-
chender Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann.
Durch Boote können zudem direkt Bestände von Schwimmblattpflanzen und Röhrichten zerstört
werden, die als morphologische Habitatstruktur von Bedeutung sind und unmittelbar als Teil der
BQK Makrophyten bewertungsrelevant
40
sind. Dies kann sich – in Abhängigkeit von der tatsächli-
chen Nutzungsintensität – durchaus auf einen Großteil der Uferbereiche des Sees auswirken. Daher
werden diese potenziellen Auswirkungen bereits im Vorfeld durch eine Regelung der Nutzung weit-
gehend vermieden, um nachteilige Auswirkungen zu minimieren. Ein Mindestabstand für Boote von
25 m zum Ufer wird durch eine Seesatzung festgeschrieben. Zudem werden größere, zusammen-
hängende Röhrichtbestände mit Bojen abgegrenzt. Durch diese Vorkehrungen, deren Wirksamkeit
unterstellt wird, können bewertungsrelevante nachteilige Veränderungen ausgeschlossen werden.
Die Wirkungsmatrix zeigt zudem die potenziellen Wirkungen der Besatzmaßnahmen durch direkte
Veränderung der Ausprägung der Lebensgemeinschaften. Als potenzielle abiotische Wirkungen
sind dabei Veränderungen der Menge und Struktur bzw. Substrat des Bodens zu berücksichtigen.
Benthivore Cypriniden führen durch ihre Wühltätigkeit zur Aufwirbelung von Sedimenten. Die Wühl-
tätigkeit führt zudem zur Rücklösung von Nährstoffen aus den Sedimenten. Dies wirkt sich auf die
Nährstoffverhältnisse im Freiwasser und die Schwebstoffe/ abfiltrierbaren Stoffe und somit auf die
Sichttiefe aus. Diese Wirkungen sind für die gesamte Seefläche (mit Ausnahme geschlossener Röh-
richtbestände) zu erwarten. WATERSTRAAT & KRAPPE (2017) empfehlen für den Seetyp „mesotroph,
39
Diese Aussage bezieht sich auf das konkrete Beispiel. In Seen mit einer höheren Vorbelastung oder Bewertungen im Grenzbereich zur
nächst schlechteren Klasse kann sich das gleiche Vorhaben bzw. der Teil des Vorhabens ggf. anders auswirken. Die Prognose einer
möglichen Verschlechterung erfolgt grundsätzlich auf Basis des Ausgangszustands (Ist-Zustand) und berücksichtigt Summationseffekte
sofern vorhabenrelevant.
40
Röhrichte in Seen fließen bisher bei Phylib nicht in die Bewertung der BQK Makrophyten ein.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 68 -
alkalisch, geschichtet mit einer Fläche von < 300 ha“ grundsätzlich, auf den Besatz mit Karpfen zu
verzichten. Die tatsächlichen Auswirkungen können im Rahmen eines Monitorings nach MEIS ET AL.
(2018) erfasst werden. Zusätzlich ist Fischbesatz auch ein potenzieller Eintragspfad für Neobiota
(BACH et al. 2019). Die Eintrittswahrscheinlichkeit der Einschleppung von Neobiota lässt sich jedoch
nur schwer quantifizieren.
Durch Aufwirbelung von Sediment erhöhen sich die Trübung und die Verfügbarkeit von Nährstoffen.
Der Orientierungswert für P
gesamt
liegt im Saisonmittel bei 0,025 – 0,035 mg/l. Es ist davon auszuge-
hen, dass die im Ausgangszustand gemessene Konzentration von 0,030 mg/l durch eine relevante
Erhöhung durch die Wühltätigkeiten überschritten wird. Zudem ist zu erwarten, dass der Orientie-
rungswert für die Sichttiefe (2,5 – 3,5 m) durch die erhöhte Trübung überschritten wird. Im Aus-
gangszustand liegt die Sichttiefe bei 3,0 m; es ist von einer starken Verringerung durch die Aufwir-
belung von Sediment auszugehen.
4.3.5
Detailprüfung Schritt 4: Ermittlung und Quantifizierung möglicher vorhaben-
bedingter Auswirkungen auf die biologischen Qualitätskomponenten
Die aus den vorherigen Schritten verbliebenen, potenziell bewertungsrelevanten Auswirkungen wer-
den nachfolgend dargestellt und insgesamt bewertet. Daher wird für dieses Fallbeispiel eine De-
tailprüfung vorgenommen.
Benthivore Cypriniden führen durch ihre Wühltätigkeit zur Veränderung der abiotischen Verhältnisse
(s. o.). Darüber hinaus erfolgt eine direkte Wirkung auf die Gewässerflora (Makrophyten). Zu nennen
sind hier direkte Zerstörung von Makrophyten durch Fraß bzw. Losreißen der Pflanzen.
41
Zudem
kann sich die Wühltätigkeit auch indirekt auf das Makrozoobenthos und auf Diatomeen auswirken,
indem durch Überlagerung von aufgewühlten Feinsedimenten die Abundanz verringert und die Ar-
tenzusammensetzung verändert werden.
Aufgrund des direkten Einflusses benthivorer Cypriniden und der zu erwartenden Veränderungen
der Nährstoffverhältnisse (Trophie) und der Sichttiefe ist eine direkte Auswirkung insgesamt vor al-
lem auf die Gewässerflora (Makrophyten und Phytobenthos, Phytoplankton) zu erwarten. Makro-
phyten und Phytobenthos werden bundesweit mit dem Bewertungssystem „Phylib“ (Schaumburg et
al. 2015) bewertet, das Phytoplankton mit dem PhytoSee-Verfahren (Mischke et al. 2017). Es sind
hier vor allem Auswirkungen auf den Referenzindex und die untere Makrophyten-Tiefengrenze
(Makrophyten), die Trophieindikatoren der Diatomeen und des Phytoplanktons zu erwarten. Eine
Zunahme eutraphenter Arten ist zu erwarten. Insgesamt ist von einer Verschlechterung um zumin-
dest eine Klasse (gut zu mäßig) auszugehen.
Auch für die Fischfauna sind Auswirkungen zu erwarten. Neben direkten Auswirkungen durch eine
veränderte Abundanz durch eingesetzte Arten, die nicht Teil der Referenzzönose sind (nicht autoch-
thon) spielen auch indirekte Auswirkungen eine Rolle. Durch anzunehmende Veränderungen der
41
BREUKELAAR et al. 1994, CRIVELLI 1983, HUSER et al. 2016, KALBE 1984, LOUGHEED et al. 1998, MEIS et al. 2018, MILLER & CROWL 2006,
MILLER & PROVENZA 2007, MOSS et al. 1996, ROBERTS et al. 1995, VAN DE WEYER et al. 2015, WATERSTRAAT & KRAPPE 2017, WATERSTRAAT
et al. 2017

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 69 -
Konkurrenzverhältnisse und der Nahrungskette (MZB, Diatomeen) sowie von nachteiligen Verände-
rungen der Habitatstrukturen (z. B. Laichlebensraum und Deckungsstrukturen durch Zerstörung von
submersen Makrophyten (z. B. Armleuchteralgen) sind relevante Auswirkungen auf das Bewer-
tungsverfahren zu erwarten, insbesondere auf die „Module“ Arten- und Gildenverteilung, Altersstruk-
tur und Reproduktion besetzter Arten. Aufgrund dieser umfänglichen prognostizierten nachteiligen
Veränderungen ist ein Klassensprung zur nächst schlechteren Klasse anzunehmen, obschon die
Bewertung im Ausgangszustand nicht im Grenzbereich zur nächsten Klasse liegt.
Die o. g. potenziellen direkten und indirekten Auswirkungen auf die BQK führen im konkreten Bei-
spiel zu folgenden Einschätzungen:
Kleinräumige Veränderungen führen nicht zu nachteiligen Veränderungen auf OWK-Ebene
Aufwirbelung von Feinsediment, erhöhte Nährstoffverfügbarkeit und erhöhte Trübung wirken
sich bewertungsrelevant nachteilig auf alle Flora-Komponenten sowie die Fische aus
Die Zusammensetzung und insbesondere die Abundanzen von Makrophyten, Diatomeen und
Phytoplankton werden wahrscheinlich zugunsten von Trophiezeigern verschoben
Veränderungen der Konkurrenzverhältnisse und der Nahrungskette (MZB, Diatomeen) sowie
nachteilige Veränderungen der Habitatstrukturen führen zu bewertungsrelevanten nachteiligen
Veränderungen der Fischzönose
Das Ergebnis der Detailprüfung nach Schritt 4 lautet demnach:
Ein Wechsel zur nächst schlechteren Klasse ist wahrscheinlich, da bewertungsrelevante nachteilige
Auswirkungen auf die Gewässerflora und die Fischfauna zu erwarten sind, die aufgrund des Umfan-
ges wahrscheinlich zu einem Klassensprung führen. Für das Makrozoobenthos ist ein Wechsel zur
nächst schlechteren Klasse nicht zu erwarten.
4.3.6
Prognose Schritt 5: Beurteilung möglicher Auswirkungen hinsichtlich des
Verschlechterungsverbots
Die abschließende Beurteilung des Verschlechterungsverbotes erfolgt über die konkret zu erwarten-
den Auswirkungen auf die BQK im Vergleich zum Ausgangszustand der Bewertung.
Die abschließende Beurteilung führt zu folgendem Ergebnis:
Die vorhabenbedingte Verschlechterung des ökologischen Zustands ist wahrscheinlich.
Die Wahrscheinlichkeit ist erhöht, da sich die Bewertung der Makrophyten bzw. des Phytoplank-
tons bereits am Übergang (untere 25 % der Klassenbreite) zur nächst schlechteren Klasse be-
findet.
Diese Herleitung und Beurteilung ist in einem wasserrechtlichen Fachbeitrag darzustellen, sobald
ein Zulassungsverfahren, in welchem wasserrechtliche Belange zu beachten sind, das Beibringen
eines solchen Fachbeitrags erfordert
42
.
42
z.B. Fischbesatz als unechte Gewässerbenutzung (im Sinne des § 9 Abs. 2 Nr. 2 WHG)

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 70 -
5
Ausblick
Die Beurteilung einer Verschlechterung auf Basis der in dieser Arbeitshilfe dargelegten Quellen und
darin enthaltenen Beurteilungswerte erfordert vom Bearbeiter ein hohes Maß an Systemkenntnis
und einen sicheren Umgang mit existierenden Beurteilungswerten. Unbenommen von der Expertise
erfolgt die Beurteilung damit aber meist indirekt, d. h. auf Basis allgemeiner Zusammenhänge zwi-
schen abiotischen Wirkfaktoren und deren Auswirkungen auf die BQK.
Vor dem Hintergrund der umfassenden Datengrundlagen, die im Rahmen des EG-WRRL-Monito-
rings deutschlandweit und mit standardisierten Methoden in den letzten etwa 15 Jahren erhoben
wurden, wird ausdrücklich empfohlen, diese Daten heranzuziehen, um potenzielle Verschlechterun-
gen systematisch empirisch zu untersuchen und die Wirkzusammenhänge damit quantitativ zu un-
termauern.
Die empirische Analyse dieser Daten kann wichtige Antworten zu folgen Fragen liefern:
Welche Schwellenwerte abiotischer (unterstützender) QK kennzeichnen Übergänge zu mäßi-
gen, unbefriedigenden und schlechten Zuständen?
Welche Rahmenbedingungen (z. B. Rückstau, Gewässerumfeld) interagieren mit den Wirkun-
gen von Trophie und Saprobie?
Welche räumliche Ausdehnung einer Belastung (z. B. in OWK-Fließlänge oder -fläche ausge-
drückt) wird i. d. R. von den BQK „toleriert“, ggf. auch in Abhängigkeit von der Vorbelastung?
Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit von Klassensprüngen für Bewertungen in der Nähe des
Klassenmittels bzw. an den Grenzen zu benachbarten Klassen?
Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit eines Klassensprungs für eine Reihe von Beispielszenarien
und Fallgruppen?

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 71 -
6
Glossar
Abiotische Wirkung
Prognostizierte bzw. zu erwartende Veränderung der
Stand-
ortbedingungen
durch einen oder mehrere
Wirkfaktoren
eines
Vorhabens
in einem oder mehreren
funktionalen Gewäs-
serabschnitten
.
Abschichten
Ausschluss von
Wirkfaktoren
, potenziellen
abiotischen Wir-
kungen
und
biotischen Auswirkungen
von einer weiteren Be-
trachtung, da diese vor dem Hintergrund des Verschlechterungs-
verbotes im konkreten Anwendungsfall begründet nicht relevant
sind.
Ausgangszustand
(unterstützende QK)
Zustand der auf Grundlage der
unterstützenden Qualitätskom-
ponenten
ggf. weitergehend zu konkretisierenden
Standortbe-
dingungen
vor Umsetzung des
Vorhabens
in einem oder meh-
reren
funktionalen Gewässerabschnitten
als Grundlage der
Beschreibung von
abiotischen Wirkungen.
Ausgangszustand
(biologische QK)
Zustand der einzelnen
biologischen Qualitätskomponenten
gemäß aktuellem Bewirtschaftungsplan oder ggf. aktuellerer Er-
kenntnisse als Grundlage der Ermittlung und Beurteilung zu er-
wartender
biotischen Auswirkungen
im Hinblick auf eine
Verschlechterung.
Biologisches Bewertungsverfahren
Etabliertes und nach Anlage 5 OGewV für die Erfassung und Be-
wertung des
ökologischen Zustands
bzw.
ökologischen Po-
tenzials
einer
biologischen Qualitätskomponente
vorgeschrie-
benes Verfahren, das sich i. d. R. aus mehreren
Modulen
und
Metrics
aufbaut.
Biologische Qualitätskomponente
Zönose der Gewässerflora (Makrophyten, Phytoplankton und
Phytobenthos) oder Gewässerfauna (benthische wirbellose
Fauna und Fischfauna) nach Anlage 3 Nr. 1 OGewV, die maß-
geblich zur Einstufung des
ökologischen Zustands
bzw.
ökologischen Potenzials
ist (§ 5 (4) OGewV).
Biotische Auswirkung
Prognostizierte bzw. zu erwartende Beeinflussung einer oder
mehrerer
biologischer Qualitätskomponenten
durch eine oder
mehrere
abiotische Wirkungen
eines
Vorhabens
, ausge-
drückt durch die prognostizierte Veränderung einzelner oder
mehrerer
Metrics
bzw.
Module
der jeweiligen
biologi-
schen Bewertungsverfahren
; kann als
nachteilige Verände-
rung
Grundlage einer prognostizierten
Verschlechterung
sein.
Eintrittswahrscheinlichkeit
Berücksichtigung von daten-, methoden- oder natürlich beding-
ten Unsicherheiten in der Prognose bei Annahme einer nicht aus-
zuschließenden
Verschlechterung
als Grundlage für die
Prognose-Entscheidung
.
Funktionaler Gewässerabschnitt
Teil eines oder mehrerer
Oberflächenwasserkörper mit relativ
homogenen
Standortbedingungen
im
Ausgangszustand
, in
dem
abiotische Wirkungen
in vergleichbarem Ausmaß auftre-
ten können.
Funktionale Systemanalyse
Schematisierte Abbildung eines
Vorfluters
oder (Teil-) Ein-
zugsgebiets mit mehreren Vorflutern im potenziellen
Wirkbe-
reich
eines
Vorhabens
zur Abgrenzung von
funktionalen
Gewässerabschnitten
.
Metric
Konkret zu erfassende, messbare und quantifizierbare Größe in-
nerhalb eines
biologischen Bewertungsverfahrens
, die in Ab-
hängigkeit der jeweiligen Verfahren in die Berechnung von
Modulen
einfließen kann.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 72 -
Modul
Übergeordneter Baustein eines
biologischen Bewertungsver-
fahrens
, der i. d. R. aus der Verrechnung mehrerer
Metrics
re-
sultiert und i. d. R. mit anderen Modulen die Bewertung der je-
weiligen
biologischen Qualitätskomponenten
ergibt.
Nachteilige Veränderung
Durch eine oder mehrere vorhabenbedingte
abiotische Wir-
kungen
zu erwartende (weitere) Entfernung der
Standortbe-
dingungen
in einem
funktionalen Gewässerabschnitt
von den
gewässertypspezifischen Leitbildern/Referenzbedingungen ge-
genüber dem
Ausgangszustand
, in deren Folge
biotische
Auswirkungen
auftreten können, die jedoch erst im Rahmen der
Prognose-Entscheidung
dahingehend beurteilt wird, ob von
ihr eine
Verschlechterung
ausgeht.
Oberflächenwasserkörper
Einheitlicher und bedeutender Abschnitt eines oberirdischen Ge-
wässers (nach § 3 Nr. 6 WHG) als Bezugsraum für die
Prog-
nose-Entscheidung
über eine vorhabenbedingte
Verschlech-
terung
des
ökologischen Zustands
oder des
ökologischen
Potenzials
.
Ökologischer Zustand
Gesamtbewertung eines
Oberflächenwasserkörpers
, sofern
dieser nicht nach § 28 WHG als künstlich oder erheblich einge-
stuft ist, auf Grundlage der
biologischen Qualitätskomponen-
ten
., wobei i. d. R. die am schlechtesten bewertete Komponente
maßgeblich ist (one-out-all-out-Prinzip).
Ökologisches Potenzial
Gesamtbewertung eines
Oberflächenwasserkörpers
, sofern
dieser nach § 28 WHG als künstlich oder erheblich eingestuft ist,
auf Grundlage der
biologischen Qualitätskomponenten
., wo-
bei i. d. R. die am schlechtesten bewertete Komponente maß-
geblich ist (one-out-all-out-Prinzip).
Ort der Beurteilung
Repräsentative Messstelle eines
Oberflächenwasserkörpers
als Bezugspunkt der
Prognose-Entscheidung
über eine
Verschlechterung
für die Übertragung von
biotischen Aus-
wirkungen
in einem
funktionalen Gewässerabschnitt
auf die
Ebene des
Oberflächenwasserkörpers
.
Ort der Umsetzung
Punktueller (z. B. Einleitstelle), linienhafter (z. B. Uferverbau) o-
der flächenhafter (z. B. Sohlräumung) Raumbezug, an/in dem
die Umsetzung eines
Vorhabens
geplant ist und
Wirkfakto-
ren
unmittelbar auftreten; die
abiotische Wirkungen
können
ggf. auch in weiteren
funktionalen Gewässerabschnitten
im
potenziellen
Wirkbereich
auftreten.
Parametrisierung
Übersetzung der
unterstützenden Qualitätskomponenten
in
i. d. R. aus etablierten Bewertungsverfahren entliehenen Kenn-
größen, mit denen
abiotische Wirkungen weitgehend einheit-
lich, transparent und nachvollziehbar beschrieben und quantifi-
ziert werden können.
Prognose-Entscheidung
Abschließende Beurteilung eines Vorhabens gegenüber dem
„Verschlechterungsverbot“ vor dem Hintergrund der aktuellen
Rechtsprechung unter Berücksichtigung einer hinreichenden
Eintrittswahrscheinlichkeit
einer
Verschlechterung
am
maßgeblichen
Ort der Beurteilung
.
Prognose-Fallgruppe
Typen von
Vorhaben
mit funktional vergleichbaren
abioti-
schen Wirkungen
und möglichen
biotischen Auswirkungen
,
für die
Wirkpfade
nach einem einheitlichen Schema standar-
disiert und vordefiniert sind.
Standortbedingungen
Im Hinblick auf die zu erwartenden
Wirkfaktoren
und
abio-
tischen Wirkungen
hinreichend konkretisierte Darstellung der
unterstützenden Qualitätskomponenten
im Sinne der hydro-
morphologischen, physikalisch-chemischen und chemischen
Verhältnisse in einem
funktionalen Gewässerabschnitt
im po-
tenziellen
Wirkbereich
.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 73 -
Temporäre (Aus-) Wirkung
Nicht dauerhafte
abiotische Wirkung
oder
biotische Auswir-
kung
eines
Vorhabens
, die im Rahmen der
Prognose-Ent-
scheidung
als „kurzzeitig“ und „vorübergehend“ einzustufen und
entsprechend im Hinblick auf die maßgeblichen rechtlichen Fol-
gen (u. a. nach § 31 (1) WHG, s. LAWA 2017a, Nr. 2.1.5) zu
behandeln ist.
Unterstützende Qualitätskomponente
Hydromorphologische, allgemeine physikalisch-chemische und
chemische Qualitätskomponenten nach Anlage 3 Nr. 2 und 3
OGewV, die i. d. R. unterstützend zur Einstufung des
ökologi-
schen Zustands
bzw.
ökologischen Potenzials
herangezogen
werden können (§ 5 (4) OGewV) und Grundlage für die
Para-
metrisierung
von
abiotischen Wirkungen
sind.
Verschlechterung
Prognostizierte, vorhabenbedingte Abwertung einer
biologi-
schen Qualitätskomponente
um mindestens eine Klasse im je-
weiligen relevanten
biologischen Bewertungsverfahren
bzw.
jede weitere relevante
nachteilige Veränderung
einer bereits
schlecht bewerteten biologischen Qualitätskomponente.
Vorfluter
Natürlicher oder künstlicher Wasserlauf, der Wasser aufnimmt
und weiterleitet (nach DIN 4049) und als
Ort der Umsetzung
oder durch seine Lage im oder Wirkung auf den potenziellen
Wirkbereich
eines
Vorhabens
Teil der
funktionalen System-
analyse
ist.
Vorhaben
Gegenstand eines Genehmigungsverfahrens, in dessen Rah-
men über wasserrechtliche Belange zu entscheiden ist und da-
her die Anforderungen der EG-Wasserrahmenrichtlinie u. a. im
Hinblick auf das Verbot der
Verschlechterung
des
ökologi-
schen Zustands
zulassungsrelevant werden.
Wirkbereich
Potenzielle Reichweite von
abiotischen Wirkungen
eines
Vorhabens
ausgehend vom
Ort der Umsetzung
als Grund-
lage der
funktionalen Systemanalyse
und Ermittlung potenzi-
ell betroffener
funktionaler Gewässerabschnitte
.
Wirkfaktor
Zu erwartende Veränderung der
Standortbedingungen
, die
grundsätzlich direkt und unmittelbar durch ein
Vorhaben
her-
vorgerufen werden und
abiotische Wirkungen
auslösen kön-
nen (Insgesamt werden bis zu 14 Wirkfaktoren unterschieden).
Wirkpfad
Ableitung und Darstellung von Zusammenhängen zwischen po-
tenziellen
abiotischen Wirkungen
und
biotischen Auswir-
kungen
in Form von Ursache-Wirkung-Beziehungen auf Grund-
lage von Kenntnissen über ggf. räumlich und (jahres-) zeitlich va-
riierende spezifische Lebensraumansprüche einzelner Arten, Ar-
tengruppen oder Zönosen der
biologischen Qualitätskompo-
nenten
.
Wirkpfadanalyse
Transparenter, nachvollziehbarer und bewährter bewertungsme-
thodischer Ansatz zur handhabbaren Beurteilung eines
Vor-
habens
gegenüber dem Verschlechterungsverbot auf Grundlage
von
Wirkpfaden
.

Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
- 74 -
7
Weiterführende Literatur
Verweise auf die nachfolgend aufgeführten Quellen und Literaturangaben sind im Text und/oder in
den Anhängen enthalten.
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Fachtechnische Hinweise für die Erstellung der Prognose im Rahmen des Vollzugs des Verschlechterungsverbots
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