1
Bericht
über 20 Jahre Denkmalschutz und Denkmalpflege im Freistaat Sachsen
(Berichtzeitraum: 1990 – 2010)

2
Inhalt
I.
Einleitung.............................................................................................................................4
II.
Ausgangssituation..............................................................................................................5
III.
Rechtliche und organisatorische Grundlagen des Denkmalschutzes und der
Denkmalpflege im Freistaat Sachsen...............................................................................6
1.
Rechtliche Grundlagen ............................................................................................. 6
2.
Verwaltungsaufbau.................................................................................................... 7
3.
Denkmalrat................................................................................................................. 9
4.
Ehrenamtlich Beauftragte für Denkmalpflege ......................................................... 9
5.
Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und
Sachsen-Anhalt e. V. (IDK) ....................................................................................10
IV.
Baudenkmalpflege............................................................................................................10
1.
Der Baudenkmalbestand (ohne archäologische Denkmale)...............................10
2.
Sanierungsstand der Baudenkmale.......................................................................11
3.
Die Erfassung des Baudenkmalbestandes...........................................................12
4.
Unesco-Weltkulturerbe...........................................................................................12
V.
Archäologische Denkmalpflege.......................................................................................13
1.
Landesamt für Archäologie.....................................................................................13
2.
Grundlagen der archäologischen Denkmalpflege ................................................15
2.1
Gesetzliche Grundlagen auf Landes- und Bundesebene....................................15
2.2
Internationale Übereinkommen..............................................................................15
2.3
Leitlinien...................................................................................................................15
3.
Besonderheiten der archäologischen Denkmalpflege .........................................16
3.1
Denkmalbegriff/Denkmalfläche..............................................................................16
3.2
Landschaft/Kulturlandschaft...................................................................................17
3.3
Die archäologische Denkmallandschaft im Freistaat Sachsen ...........................17
4.
Schwerpunkte archäologischer Tätigkeit im Freistaat Sachsen..........................18
4.1
Stadtkerne................................................................................................................18
4.2
Braunkohlentagebaue.............................................................................................18
4.3
Lineare Projekte ......................................................................................................19
4.4
Arbeitskräfte und Förderung...................................................................................19
5.
Forschung und Vermittlung ....................................................................................19
5.1 Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch ......................................19
5.2
Publikationen...........................................................................................................20
5.3 Ausstellungen, kulturelle Bildung und Öffentlichkeitsarbeit.................................21

3
VI.
Öffentliche und private Ausgaben für Denkmalschutz und Denkmalpflege
im Freistaat Sachsen........................................................................................................22
1.
Bundesvergleich......................................................................................................22
2.
Landeseigene Kulturdenkmale...............................................................................23
3.
Förderprogramme...................................................................................................24
3.1
Landesprogramm Denkmalpflege..........................................................................24
3.2
Städtebaulicher Denkmalschutz.............................................................................26
3.3
Förderung der Ländlichen Entwicklung.................................................................28
3.4 Denkmalpflegeprogramm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ des
Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) ......................29
3.5 Investitionsprogramm nationale UNESCO-Welterbestätten................................29
3.6 Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aus dem
Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) ....................................30
4.
Stiftungen.................................................................................................................31
5.
Steuerliche Vergünstigungen .................................................................................32
VII.
Denkmalschutz und Denkmalpflege als wichtiger Impulsgeber für die
erfolgreiche Entwicklung des Freistaates Sachsen......................................................33
VIII.
Ausblick.............................................................................................................................34
1.
Baudenkmalpflege...................................................................................................34
2.
Archäologische Denkmalpflege..............................................................................35
Anlagen: Abbildungen 1 - 19

4
I.
Einleitung
Der Bericht fasst die Ergebnisse aus 20 Jahren Denkmalschutz und Denkmalpflege im Frei-
staat Sachsen zusammen. Der Berichtszeitraum erstreckt sich dabei vom 1. Januar 1990 bis
31. Dezember 2010. Bei der Darstellung des kulturellen Erbes wird im Bericht zwischen Bau-
denkmalen und archäologischen Denkmalen unterschieden mit jeweils eigenen Textteilen.
Damit trägt der Bericht den organisatorischen und inhaltlichen Besonderheiten dieser beiden
Denkmalbereiche Rechnung.
Der Bericht belegt anschaulich, dass der Bewahrung des kulturellen Erbes im Freistaat
Sachsen ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde, so wie dies auch weiterhin erklärtes Ziel
der Sächsischen Staatsregierung ist.
1
Als Ergebnis ist im Wesentlichen folgendes festzuhalten:
In den letzten 20 Jahren ist es gelungen, die für eine erfolgreiche Arbeit erforderlichen
rechtlichen und organisatorischen Grundlagen zu schaffen und zu optimieren. Insbeson-
dere das Sächsische Denkmalschutzgesetz hat sich in den 18 Jahren seines Bestehens
bewährt und gilt bundesweit als vorbildlich. Mit den beiden Fachbehörden, Landesamt für
Denkmalpflege und Landesamt für Archäologie besitzt der Freistaat Sachsen kompeten-
te, mit neuester Technik ausgestattete aber auch ihrer Tradition verbundene Einrichtun-
gen der Denkmalpflege. Mit seinem Verwaltungsaufbau hat Sachsen eine solide Verwal-
tungsstruktur geschaffen, die den ordnungsgemäßen Vollzug des Sächsischen Denkmal-
schutzgesetzes zum Wohle der Denkmale gewährleistet.
Sachsen besitzt ein reiches und vielfältiges, oftmals sehr hochwertiges kulturelles Erbe
mit 105.394 Baudenkmalen und 13.124 bekannte archäologische Denkmalflächen.
2
So-
wohl bei der Erforschung, Erfassung und Dokumentation als auch bei der Sanierung der
zur Wende in großen Teilen in einem desolaten Zustand befindlichen Baudenkmale ist
eine großartige Aufbauleistung durch den Freistaat aber auch Private geleistet worden.
Die Erfassung des Baudenkmalbestandes wird 2013/2014 abgeschlossen werden. Der
Baudenkmalbestand ist im Durchschnitt zu mehr als zwei Drittel saniert oder zumindest
gesichert.
Mit dem Fürst-Pückler-Park Bad Muskau besitzt Sachsen seit 2004 eine Weltkulturerbe-
stätte, für dessen Sanierung der Freistaat Sachsen 36 Mio. Euro investiert hat. Auch
konnten aus dem Bundesinvestitionsprogramm nationale Unesco-Welterbestätten rund
4,3 Mio. Euro für die Welterbestätte gewonnen werden.
Sachsen nahm laut Kulturfinanzbericht 2010 im Jahr 2007 im Bundesvergleich mit 22,69
Euro Ausgaben je Einwohner bzw. 96,1 Mio. Euro Gesamtausgaben für Denkmalschutz-
maßnahmen einen Spitzenplatz unter den Ländern ein. Auch in den Folgejahren hat
Sachsen dieses hohe Ausgabenniveau annähernd halten können.
Für landeseigene Kulturdenkmale hat der Freistaat Sachsen in den letzten 20 Jahren fast
eine Milliarde Euro investiert
3
. Zudem wurden im gleichen Zeitraum insgesamt über 1,65
Mrd. Euro Landes- und Bundesfördermittel zur Verfügung gestellt. Davon stammten 30
Prozent aus dem Landesprogramm Denkmalpflege (ca. 493 Mio. Euro), 66 Prozent (ca.
1
Sachsen 2020, Wegweiser für unseren Freistaat, Strategisches Grundsatzpapier vom 29. April
2009, Lebenswerte Städte, Seite 22f.
2
Stand: 31. Dezember 2010.
3
Darin nicht enthalten sind Aufwendungen für Verwaltungs- und Hochschulgebäude sowie weitere
staatliche Objekte mit Denkmalcharakter.

5
1,1 Mrd. Euro) aus dem Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ (SDP)
und 4 Prozent aus sonstigen Förderungen (ca. 59 Mio. Euro). Erhebliche Mittel sind auch
von der Europäischen Union im Rahmen der Förderung der ländlichen Entwicklung ge-
flossen, so für die Jahre 2007 bis 2010 allein 30 Mio. Euro. Hinzu kommen erhebliche
Zuschüsse von Stiftungen, wie beispielsweise der Deutschen Stiftung Denkmalschutz,
sowie steuerliche Vergünstigungen. Im Ergebnis haben Bund und Land aber auch private
Investoren sowie Stiftungen beträchtliche finanzielle Kraftanstrengungen zur Bewahrung
des wertvollen baukulturellen Erbes in Sachsen unternommen. Gleichzeitig zeigt jedoch
der Sanierungsstand, dass noch einiges in Zukunft zu tun ist. Dazu bedarf es auch wei-
terhin eines angemessenen Fördervolumens.
Zeitgleich zum Kabinettsbericht wurde vom Sächsischen Staatsministerium des Innern (SMI)
eine Imagebroschüre erarbeitet, die die erfolgreiche Arbeit des Denkmalschutzes und der
Denkmalpflege im Freistaat Sachsen anhand von Beispielen dokumentieren und insoweit die
Ausführungen des Berichtes unterstreichen soll. Um die Vielfalt des baukulturellen Erbes zu
zeigen, enthält die Imagebroschüre unter Wahrung des regionalen Proporzes eine Unterglie-
derung nach für Sachsen bedeutsamen Denkmalgattungen. Es werden bewusst nicht nur die
„Leuchttürme“ der sächsischen Kulturlandschaft vorgestellt, sondern auch weniger bekannte
aber unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten dennoch nicht weniger bedeutsame Kul-
turdenkmale. Die Imagebroschüre soll am 6. September 2011 in der Kabinettspressekonfe-
renz vorgestellt werden.
II.
Ausgangssituation
Vor 20 Jahren stand Sachsen, was seinen Denkmalbestand betraf, am Scheideweg. Trotz
großer Wiederaufbauleistungen des Landes nach dem Krieg und hervorragender Einzelleis-
tungen bei der Rettung, Sanierung und Restaurierung großer Monumente hinterließen vier
Jahrzehnte sozialistischer Baupolitik desolate Zustände beim baukulturellen Erbe, insbeson-
dere bei vielen historischen Altstädten und Gründerzeitvierteln.
4
Denkmalpflege in der DDR wurde ganz wesentlich durch das Wirken des Landesamtes für
Denkmalpflege geprägt, das nach Auflösung der Länder 1952 als Arbeitsstelle des „Instituts
für Denkmalpflege der DDR“ fortlebte. Grundlage der Tätigkeit war die „Verordnung zur Er-
haltung und Pflege der nationalen Kulturdenkmale der DDR“ vom 26. Juni 1952. Mit der
„Verordnung über die Pflege und den Schutz der Denkmale“ vom 28. September 1961 wurde
die Denkmalpflege in die Verwaltungsstruktur der DDR eingebunden. Die zentrale Zustän-
digkeit lag beim Ministerium für Kultur, das u. a. auch für Maßnahmen an Denkmalen von
nationaler Bedeutung zuständig war. Für die Erfassung und den Schutz der Denkmale waren
die Räte der Bezirke und die Räte der Kreise zuständig, was oftmals dazu führte, dass politi-
sche Intentionen fachlichen Erwägungen vorgingen.
Seit den 60er Jahren erfolgte eine Klassifizierung des Denkmalbestandes in eine Zentrale
Liste, in die Bezirkslisten und in die Kreislisten. Über das Denkmalpflegegesetz vom 19. Juni
1975 wurden zudem Denkmalgattungen eingeführt. Damit sollten u. a. Denkmale der Arbei-
terbewegung eine besondere Würdigung erfahren. Im Jahr 1980 wurden die „VEB Denkmal-
pflege“ als Spezialbetriebe der Denkmalpflege gegründet, um rückläufigen Baukapazitäten
und dem allmählichen Verlust von handwerklich tradiertem Wissen und Können entgegen-
zuwirken und die schlimmsten Engpässe zu überbrücken.
Dem außergewöhnlichen Engagement und fachlichen Können der Denkmalpfleger ist es zu
verdanken, dass das baukulturelle Erbe mit wenigen Verlusten über die DDR gerettet werden
4
Heinrich Magirius: Zur Geschichte sächsischer Denkmalpflege. In: Denkmalpflege in Sachsen
1894 – 1994. Weimar 1997, S. 55 – 61.

6
konnte. Unterstützung erfuhren sie durch engagierte Mitglieder des 1945 gegründeten Kul-
turbundes der DDR, in dem sich viele Bürger, die sich den Gedanken der Kulturgutbewah-
rung und des „Heimatschutzes“ verschrieben hatten, zusammenschlossen. Anfang der 80er
Jahre entstand hier auch die „Gesellschaft für Denkmalpflege“. Ihr ist es auch zu verdanken,
dass sich in weiten Teilen der Bevölkerung ein Bewusstsein für den Wert dieses reichen
Denkmalbestandes in der ehemaligen DDR bewahrte bzw. herausbildete, für dessen Erhalt
die Menschen 1989 auch auf die Straßen gingen.
III.
Rechtliche und organisatorische Grundlagen des Denkmalschutzes und der
Denkmalpflege im Freistaat Sachsen
5
Durch den Erlass der erforderlichen gesetzlichen Regelungen sowie den zügigen Aufbau
effizienter Verwaltungsstrukturen konnte der nach 1990 einsetzende Investitionsboom im
Freistaat Sachsen weitgehend denkmalgerecht gestaltet werden.
Dass sich insbesondere das Sächsische Denkmalschutzgesetz
6
in den 18 Jahren seines
Bestehens bewährt hat und bundesweit anerkannt und zukunftsfähig ist, hat erst jüngst der
beim SMI gebildete Denkmalrat in seiner Sitzung am 3. Dezember 2010 bestätigt.
Eine zentrale Bedeutung für den erfolgreichen Aufbau der Verwaltung im Bereich der Bau-
denkmalpflege nach der Wende kommt zweifelsohne auch und vor allem einer traditionsrei-
chen sächsischen Institution der Denkmalpflege, dem Landesamt für Denkmalpflege (LfD),
zu. Das LfD ist als Fachbehörde landesweit für die Erforschung, Erfassung und Pflege des
Baudenkmalbestandes zuständig und blickt auf eine lange Geschichte zurück, die schon
1894 mit der Einrichtung einer „Königlich Sächsischen Kommission zur Erhaltung der Kunst-
denkmäler“, also weit vor der Gründung des Amtes 1920, begann. Über zwei Regimewech-
sel hinweg hielt das Haus stets an seinem bewahrenden Auftrag fest. Selbst nach der Zer-
schlagung der Länder auf dem Gebiet der DDR (1952) und der Bildung von Bezirken blieb
die Einrichtung erhalten. Diese Kontinuität erleichterte den Aufbau des Denkmalschutzes und
der Denkmalpflege nach der Wende maßgeblich.
Mit der Einrichtung des Denkmalrates sowie ehrenamtlich Beauftragten für Denkmalpflege
hat Sachsen an weitere bewährte und traditionsreiche Einrichtungen angeknüpft und damit
eine solide Grundlage für den Austausch mit gesellschaftlichen Gruppen als auch für das
bürgerliche Engagement im Denkmalbereich geschaffen.
1.
Rechtliche Grundlagen
Nach dem Grundgesetz sind in erster Linie die Länder für den Denkmalschutz und die Denk-
malpflege zuständig (Artikel 30 i. V. m. Artikeln 70, 72 Abs. 1 Grundgesetz). Im Freistaat
Sachsen genießen Denkmale und Kulturgüter den Schutz der Sächsischen Verfassung. In
Artikel 11 Absatz 3 der Sächsischen Verfassung heißt es: „Denkmale und andere Kulturgüter
stehen unter dem Schutz und der Pflege des Landes.“ Für ihr Verbleiben in Sachsen setzt
sich das Land ein.“ Es handelt sich hierbei um eine Staatszielbestimmung, unmittelbare
Handlungspflichten für Staat und Gemeinden lassen sich daraus nicht ableiten.
Konkretisierung erlangt diese Verfassungsbestimmung insbesondere durch das 1993 ein-
stimmig vom Sächsischen Landtag verabschiedete Sächsische Denkmalschutzgesetz
(SächsDSchG).
5
Ausführungen speziell zur archäologischen Denkmalpflege und zum Landesamt für Archäologie
erfolgen unter V. des Berichts.
6
Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen (Sächsisches
Denkmalschutzgesetz – SächsDSchG) vom 3. März 1993, SächsGVBl. Jg. 1993 Bl.-Nr. 14 S. 229,
rechtsbereinigt mit Stand vom 1. Januar 2009.

7
In § 2 SächsDSchG wird der Begriff des Kulturdenkmals abschließend wie folgt beschrieben:
„Kulturdenkmale sind von Menschen geschaffene Sachen, Sachgesamtheiten, Teile und
Spuren von Sachen einschließlich ihrer natürlichen Grundlagen, deren Erhaltung wegen ihrer
geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, städtebaulichen oder landschaftsgestal-
tenden Bedeutung im öffentlichen Interesse liegt“.
Sachsen hat zum Zwecke der Bestimmung von Kulturdenkmalen nicht das sog. konstitutive,
sondern das deklaratorische System eingeführt. Kulturdenkmale müssen danach nur die
gesetzlichen Voraussetzungen des § 2 SächsDSchG (Denkmalfähigkeit und Denkmalwür-
digkeit) erfüllen, brauchen dagegen nicht durch Verwaltungsakt in eine Kulturdenkmalliste
eingetragen werden (§ 10 SächsDSchG). Die Eintragung in die Kulturdenkmalliste hat in
Sachsen nachrichtlichen Charakter.
Denkmalschutz umfasst den Schutz von Kulturdenkmalen vor Veränderung, Beseitigung
oder Zerstörung. Als in der Praxis bedeutsamer Tatbestand enthält § 12 SächsDSchG die
Genehmigungspflicht für alle Maßnahmen an Kulturdenkmalen wie die Wiederherstellung,
Instandsetzung oder Beseitigung.
Sowohl der weite Kulturdenkmalbegriff, die Einführung des deklaratorischen Systems als
auch ein umfassender Genehmigungsvorbehalt tragen wesentlich dazu bei, dass im Frei-
staat Sachsen der Schutz und die Pflege des baukulturellen Erbes bestmöglich rechtlich ab-
gesichert ist.
Begleitet und ergänzt werden die durch das Denkmalschutzgesetz geregelten schützenden
Maßnahmen durch Maßnahmen der Denkmalpflege. Oberstes Ziel ist dabei die weitgehende
Erhaltung der Originalsubstanz. Weltweit anerkannte Grundsätze denkmalpflegerischer Me-
thoden in Bezug auf die Erhaltung enthält dabei insbesondere die Charta von Venedig, die
1964 von Architekten und Denkmalpflegern auf internationaler Ebene verabschiedet worden
ist und auch im Freistaat Sachsen zur Anwendung kommt.
7
2.
Verwaltungsaufbau
In den letzten 20 Jahren sind im Freistaat Sachsen mehrere Verwaltungsreformen durchge-
führt worden, die sowohl zu Gemeindegebiets- und Kreisgebietsänderungen führten als auch
den Verwaltungsaufbau betrafen.
8
Ziel der Reformen war es, die kommunale Ebene zu stär-
ken und die Verwaltungsarbeit effizienter und bürgerfreundlicher zu gestalten.
Der Verwaltungsaufbau im Bereich des Denkmalschutzes ist wie folgt gegliedert:
Oberste Denkmalschutzbehörde ist das SMI, welches die Landesdirektionen als obere Denk-
malschutzbehörden und das LfD als Denkmalfachbehörde unmittelbar nachgeordnet sind.
Sie übt die Rechts- und Fachaufsicht sowie die Dienstaufsicht über das LfD und die oberen
Denkmalschutzbehörden aus. Die oberen Denkmalschutzbehörden üben die Rechts- und
Fachaufsicht über die unteren Denkmalschutzbehörden aus. Untere Denkmalschutzbehör-
den sind 10 Landkreise und 3 Kreisfreie Städte sowie derzeit 7 kreisangehörige Städte.
Fachbehörden für alle Fragen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege sind das LfD
und das Landesamt für Archäologie (LfA). Letzteres ist dem Sächsischen Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst unmittelbar (SMWK) nachgeordnet. Das LfD ist als Fachbehörde
zuständig für alle Aufgaben, die nicht dem Landesamt für Archäologie zugewiesen sind, ins-
7
Siehe dazu Erläuterungen Sächsisches Denkmalschutzgesetz (Sächs.DSchG) – Kommentar,
Martin/Schneider/Wecker/Bregger, Kommunal- und Schul-Verl., 1999, S. 33, 100.
8
Weitere Informationen können aus dem Gesetzentwurf der Staatsregierung zum
Verwaltungsneuordnungsgesetz entnommen werden, Drs.-Nr. 4/8810.

8
besondere für Bau- und Kunstdenkmale, Anlagen der Garten- und Landschaftsgestaltung,
Werke der Produktions- und Verkehrsgeschichte, Sammlungen. Das Landesamt für Archäo-
logie ist als Fachbehörde zuständig für unbewegliche archäologische Sachzeugen unterhalb
der Erdoberfläche, unter der Bodenfläche von baulichen Anlagen sowie unter der Wasser-
oberfläche. Weiter ist es als Fachbehörde zuständig für bewegliche archäologische Sach-
zeugen und Sammlungen solcher Sachzeugen (§ 3a SächsDSchG).
Aufgabe der Fachbehörden ist es, den Kulturdenkmalbestand zu erforschen, erfassen und zu
dokumentieren. Eine weitere wichtige Aufgabe besteht darin, – im Zusammenwirken mit den
unteren Denkmalschutzbehörden – die Denkmaleigentümer in den Genehmigungs- und För-
derverfahren fachlich zu beraten. Hier obliegt es vor allem den Fachbehörden, im persönli-
chen Gespräch mit den Bauherren diese für die künstlerischen und ideellen Werte ihres Kul-
turdenkmales zu sensibilisieren.
Bei Baudenkmalen besteht die Aufgabe der Denkmalpflege oftmals auch darin, diese einer
denkmalverträglichen Nutzung zuzuführen, da sie nur so mittel- und langfristig erhalten wer-
den können. Im Regelfall wird daher ein zeitgemäßer Ausbau der Baudenkmale befürwortet,
der den denkmalpflegerischen Anforderungen ebenso entsprechen soll wie heutigen Gestal-
tungs- und Komfortansprüchen. Voraussetzung dafür sind fundierte Kenntnisse über die
Baugeschichte und Baukonstruktion der Denkmale. Manche Entscheidungen in Genehmi-
gungsverfahren bedürfen neben der Bestandsanalyse auch der Quellenforschung (§ 1 Abs. 3
SächsDSchG). Dafür stehen umfangreiche wissenschaftliche Fachbibliotheks- und Samm-
lungsbestände zur Verfügung.
Die Fachbehörden leisten entsprechend § 1 Abs. 1 SächsDSchG zudem umfangreiche Öf-
fentlichkeitsarbeit durch regelmäßig erscheinende Jahrbücher und Arbeitshefte, Ausstellun-
gen, Vorträge, Fachtagungen und Sonderpublikationen. Ein Schwerpunkt der Arbeit der
Fachbehörden liegt dabei auch im Bereich der Weiterbildung sowie Kinder- und Jugendar-
beit.
Für den Vollzug des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes sind im Regelfall die unteren
Denkmalschutzbehörden zuständig (§ 4 Abs. 1 SächsDSchG). Sie haben insbesondere zur
Wahrung ihrer Aufgaben diejenigen Maßnahmen zu treffen, die ihnen nach pflichtgemäßem
Ermessen erforderlich erscheinen (§ 11 Abs. 1 SächsDSchG). Ebenso sind die unteren
Denkmalschutzbehörden zuständig für die Durchführung von Genehmigungsverfahren nach
§ 13 SächsDSchG bzw. im Zustimmungsverfahren nach § 12 Abs. 3 SächsDSchG.
Jedoch kann die untere Denkmalschutzbehörde hier nur im Einvernehmen mit der zuständi-
gen Fachbehörde entscheiden, wenn nicht ein Fall des pauschalierten Einvernehmens nach
der VwV Einvernehmen vorliegt.
9
Kommt kein Einvernehmen zustande, so entscheidet die
obere Denkmalschutzbehörde. Obere sowie oberste Denkmalschutzbehörde entscheiden im
Benehmen mit der zuständigen Fachbehörde.
Mit Inkrafttreten der Funktionalreform und Kreisneugliederung am 1. August 2008 erfolgten
auch wesentliche Änderungen im Aufgabenzuschnitt der unteren Denkmalschutzbehörden.
10
So wurden zum 1. August 2008 nach Artikel 6 Nr. 4 und 7 des Sächsischen Verwaltungs-
neuordnungsgesetzes die Zuständigkeit für die Erteilung von Bescheinigungen für Steuerbe-
günstigungen und zum 1. Januar 2009 die Zuständigkeit für die Förderung nach dem Lan-
desprogramm Denkmalpflege kommunalisiert. Beide Aufgaben werden nunmehr durch die
unteren Denkmalschutzbehörden als weisungsfreie Aufgaben wahrgenommen. Entspre-
9
Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zur Herstellung des
Einvernehmens gemäß § 4 Abs. 2 SächsDSchG zwischen den unteren Denkmalschutzbehörden
und dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen (VwV-Einvernehmen) vom 12. März 2001,
SächsABl. Jg. 2001 Bl.-Nr. 14 S. 427.
10
Gesetz zur Neuordnung der Sächsischen Verwaltung (Sächsisches Verwaltungsneuord-
nungsgesetz – SächsVwNG) vom 29. Januar 2008, SächsGVBl. Jg. 2008 Bl.-Nr. 3 S. 138.

9
chend der vorgenannten Aufgabenübertragungen wurden auch Personalstellen für diese
Fachaufgaben von den Landesdirektionen an die Kommunen übertragen.
3.
Denkmalrat
Gemäß § 6 SächsDSchG wurde beim SMI ein Denkmalrat gebildet. Sachsen knüpfte damit
an historische Vorbilder an - die 1894 konstituierte Königlich Sächsische Kommission zur
Erhaltung der Kunstdenkmäler und der Denkmalrat nach § 6 des sächsischen Heimatschutz-
gesetzes von 1934.
Der Denkmalrat ist ein wichtiges beratendes Gremium zu Fragen des Denkmalschutzes und
der Denkmalpflege. Er besteht aus dreizehn Mitgliedern, die auf die Dauer von fünf Jahren
berufen werden und ehrenamtlich tätig sind. Der Denkmalrat entscheidet unabhängig und ist
nicht weisungs- und entscheidungsgebunden. Den Vorsitz führt der Sächsische Staatsminis-
ter des Innern. Das SMWK hat Gaststatus. Der Denkmalrat tagt zwei Mal im Jahr.
Der Denkmalrat soll vom SMI in allen Fragen von grundsätzlicher Bedeutung gehört werden.
Das SMI kann vom Denkmalrat Vorschläge in sonstigen den Denkmalschutz und die Denk-
malpflege betreffenden wichtigen Angelegenheiten einholen. Hiervon hat das SMI zuletzt im
Jahr 2010 in der Konsultationsphase zur Novellierung des Sächsischen Denkmalschutzge-
setzes Gebrauch gemacht.
4.
Ehrenamtlich Beauftragte für Denkmalpflege
Die ehrenamtlich Beauftragten für Denkmalpflege (§ 7 SächsDschG) sind unverzichtbare
Helfer in vielen Fragen der Denkmalpflege; sie unterstützen Eigentümer sowie die unteren
Denkmalschutzbehörden und die Fachbehörden. Sie waren in den letzten 20 Jahren wichtige
Helfer „vor Ort“. Durch ihre Ortskenntnis und ihr Engagement tragen sie viel zur Erhaltung
der Kulturdenkmale bei. Um eine klare organisatorische Einbindung zu gewährleisten, wer-
den die ehrenamtlich Beauftragten von der unteren Denkmalschutzbehörde im Einverneh-
men mit den Fachbehörden für die Dauer von fünf Jahren bestellt. Die Berufung kann wie-
derholt werden.
11
Durchschnittlich sind 230 Ehrenamtliche tätig, die für ihr Engagement eine
pauschale Aufwandsentschädigung für getätigte Auslagen und Reisekosten mit einem
Durchschnittsbetrag von ca. 100 €/pro Jahr erhalten.
12
Die ehrenamtlich Beauftragten für Denkmalpflege sind eine traditionelle Einrichtung in Sach-
sen. Die ehrenamtliche Tätigkeit geht zurück auf private Vereinigungen, die sich die Erhal-
tung von Denkmalen zur Aufgabe gemacht haben. In Sachsen ist erstmals im Jahre 1825 der
Königlich Sächsische Verein zur Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer in
einer bedeutenden privaten Rechtsform in Erscheinung getreten. Um 1900 ist es dem Lan-
desverein Sächsischer Heimatschutz als Massenbewegung gelungen, weite Bevölkerungs-
kreise auf Kulturdenkmale aufmerksam zu machen und so viel zur Erhaltung von Stadtbil-
dern beizutragen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es vor dem Beitritt zur Bundesrepublik
im Gebiet des heutigen Sachsens die „ehrenamtlich Beauftragten der Denkmalpflege“ (bzw.
„Kreishelfer“), denen es im Zusammenwirken mit dem Institut für Denkmalpflege und den
VEB Denkmalpflege Dresden, Leipzig und Zwickau gelang, wichtige Einzeldenkmale über
die schwierige Zeit der DDR hinweg zu retten.
11
Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über ehrenamtlich
Beauftragte für Denkmalpflege (VwV Beauftragte für Denkmalpflege) vom 15. September 1993,
SächsABl. Jg. 1994 Bl.-Nr.1 S. 2.
12
Ehrenamtlich Beauftragte erhalten Entschädigung und Reisekostenersatz nach der
Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zur Verordnung über
Entschädigung und den Reisekostenersatz für ehrenamtliche Beauftragte für Denkmalpflege (VwV-
Ehrenamtliche Beauftragte für Denkmalpflege) vom 10. Juni 2004, SächsABl. Jg. 2004 Bl.-Nr. 28
S. 702.

10
Die ehrenamtlich Beauftragten für Denkmalpflege kommen auf Einladung des LfD einmal
jährlich zu einem Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie Fortbildung zusammen.
5.
Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sach-
sen-Anhalt e. V. (IDK)
Der Tätigkeitsschwerpunkt des IDK liegt auf der naturwissenschaftlichen Erforschung von
baulichen Prozessen an Kulturdenkmalen sowie deren praxisorientierte Aufbereitung. Das
IDK verfügt über ein umfassendes Spektrum an naturwissenschaftlichen Untersuchungsme-
thoden und unterstützt mit seiner personellen, geräte- und labortechnischen Ausstattung die
Denkmalfachbehörden in der Erledigung ihrer Aufgaben. Aufgrund des spezifischen Leis-
tungsprofils ist das IDK eine nachgefragte Arbeitsplattform für das Einwerben, die Organisa-
tion und die Durchführung praxisbezogener Forschungsprojekte in der Denkmalpflege. Die
länderübergreifende Vernetzung des IDK und die zahlreichen nationalen und internationalen
Kooperationen mit wissenschaftlich renommierten Institutionen ermöglichen einen nachhalti-
gen und effizienten Wissenstransfer zu Gunsten denkmalpflegerischer Aktivitäten in Sach-
sen. Das IDK leistet somit einen wichtigen Beitrag für die Arbeit der Denkmalfachbehörden in
Sachsen und ist hinsichtlich der naturwissenschaftlichen Kompetenz und des anwendungs-
orientierten Profils deutschlandweit führend.
IV.
Baudenkmalpflege
Im Freistaat Sachsen gibt es 105.394 Baudenkmale sowie 13.124 bekannte archäologische
Denkmalflächen. Das sind fast 10 Prozent der für ganz Deutschland angenommenen ca. 1,3
Mio. Kulturdenkmale.
13
Von den deutschlandweit über 750.000 Baudenkmalen befinden sich
fast 14 Prozent in Sachsen.
1.
Der Baudenkmalbestand (ohne archäologische Denkmale)
Zahlenmäßig besitzt der Freistaat Sachsen nach Bayern den zweithöchsten Baudenkmalbe-
stand. Auch im Verhältnis Einwohnerzahl zu Anzahl der Denkmale weist Sachsen mit 39,2
Einwohnern pro Denkmal die zweithöchste Denkmaldichte auf. Auch wenn man berücksich-
tigt, dass in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche gesetzliche Regelungen und
Zählweisen bestehen, so ist für Sachsen dennoch eine Tendenz zu einem sehr hohen Bau-
denkmalbestand ablesbar (s. auch
Abb. 1
)
14
.
Als Gründe für diesen Denkmalreichtum im Freistaat Sachsen sind neben seiner ausgepräg-
ten wirtschaftlichen Entwicklung in den Gründerzeitjahren vor allem die beschränkten wirt-
schaftlichen Möglichkeiten in der DDR zu nennen, wodurch abgesehen von vereinzelten Flä-
chenabbrüchen ein umfangreicher historischer Baubestand in weitgehend originaler Form
erhalten blieb. Zudem dürfte auch das Wirken der Denkmalpflege sowie ein starkes bürgerli-
ches Engagement ihren Beitrag zur Erhaltung der Denkmale geleistet haben.
15)
13
Siehe die Angaben der european-heritage.net für das Jahr 2008
www.european-heritage.net/sdx/herein/national_heritage/voir.xsp?=id=8.1_DE_en
14
Die Daten sind bezügl. der Anzahl der Baudenkmale einer Erhebung des European Heritage
Network von 2008, (Zugriff am 15. Mai 2011).
www.european-heritage.net/sdx/herein/national_heritage/voir.xsp?=id=8.1_DE_en
sowie bezügl.
der Einwohnerzahlen einer Erhebung der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder
www.statistik-poprtal.de/Statistik-Portal/de_jb01_jahrtab1.asp
entnommen, (Zugriff am 15. Mai
2011).
15
Siehe dazu auch Antwort der Staatsregierung auf Frage 1 der Kleinen Anfrage 4/1559.

11
Der Baudenkmalbestand im Freistaat Sachsen zeichnet sich neben seinem Reichtum auch
durch seine Vielfalt aus. Der Freistaat Sachsen verfügt über eine Vielzahl von national be-
deutsamen Denkmalen und mit dem Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau auch über eine Welt-
kulturerbestätte.
Zahlreiche Altstadtkerne, wie z. B. Meißen, Görlitz, Bautzen, Zittau, Freiberg, Marienberg,
Grimma und Torgau beeindrucken durch ihre Geschlossenheit mit lebendigen Strukturen.
Waldhufen-, Straßen-, Anger- und Rundlingsdörfer stehen für die Vielfalt ländlicher Sied-
lungsformen.
Von der Glaubenswelt und Kunstfertigkeit vergangener Generationen künden ca. 1.800
Stadt- und Dorfkirchen sowie Klöster, die in der Regel mit einer wertvollen künstlerischen
Ausstattung bis hin zu den Werken der Orgelbaukunst versehen sind.
Reichlich 70 Prozent des Denkmalbestandes in Sachsen sind Wohnhäuser in ihrer ganzen
Vielfalt: Bürgerhäuser der Renaissance in Görlitz, Meißen oder Freiberg, Barockbauten in
Görlitz, Zittau, Bautzen, Leipzig, Dresden, geschlossene Gründerzeitquartiere in Leipzig,
Dresden und Chemnitz, aber auch Siedlungsbauten der 1920er Jahre prägen viele der säch-
sischen Städte entscheidend. Unter den ländlichen Bauten sind die reichlich 6.000 Umgebin-
dehäuser in der Oberlausitz und ihre zahlenmäßig deutlich weniger vertretenen „Verwand-
ten“ in Westsachsen ein besonders markanter Haustyp.
Circa 800 Burgen, Schlösser und Herrenhäuser, darunter überregional bekannte wie Burg
Gnandstein, die Meißener Albrechtsburg und Schloss Hubertusburg, oder mehr regional be-
kannte Beispiele wie Nischwitz bei Wurzen, Wiederau bei Pegau und Hainewalde bei Zittau,
belegen die bedeutende kulturelle Rolle des Adels in der Vergangenheit. Dazu gehören auch
viele Garten- und Parkanlagen, wie der Barockgarten Großsedlitz oder die zu Ende des 18.
Jahrhunderts entstandenen Landschaftsgärten (Machern, Grünfelder Park in Waldenburg,
Seifersdorfer Tal bei Dresden, Röhrsdorfer Grund bei Dohna). Sie alle sind auch heute be-
liebte Ausflugsziele.
Von der industriellen und technischen Entwicklung künden ca. 6.900 Objekte, bei denen das
Spektrum von Handschwengelpumpen in Leipzig über Bahnhöfe, Eisenbahnbrücken, Fabrik-
gebäude und Mühlen reicht, aber auch die vielfältigen Zeugnisse des Bergbaus einschließt,
wie z. B. den „Rothschönberger Stolln“.
Wie in vielen anderen deutschen Denkmalschutzgesetzen gibt es auch in Sachsen keine
genaue Vorschrift zum „Mindestalter“ für ein Denkmal. In der bundesweit geübten Praxis hat
es sich bewährt, in der Regel wenigstens den Abstand einer Generation einzuhalten, um die
Beurteilung so objektiv wie möglich vornehmen zu können. Diese Bedingung erfüllen inzwi-
schen auch einige Bau- und Kunstwerke, die in der DDR entstanden sind, wie z.B. das städ-
tebauliche Ensemble „Straße der Nationen“ in Chemnitz.
2.
Sanierungsstand der Baudenkmale
Die Sanierung des Baudenkmalbestandes ist ein fließender Prozess. Deshalb gibt es keine
zuverlässigen statistischen Angaben zum Sanierungsgrad. Dennoch lässt sich einschätzen,
dass im Durchschnitt mehr als zwei Drittel des Bestandes instand gesetzt oder zumindest
gesichert sind. Allerdings sind deutliche regionale Unterschiede festzustellen. Dürften inzwi-
schen vereinzelt 80 bis 85 Prozent zumindest gesichert sein, liegt im ländlichen Raum oder
in Klein- und Mittelstädten der Wert erheblich unterhalb des Durchschnitts, wie zum Beispiel

12
in Zittau.
16
So ist einerseits eine enorme Aufbauleistung seit 1990 zu verzeichnen, anderer-
seits gibt es noch sehr viel zu tun.
17
3.
Die Erfassung des Baudenkmalbestandes
Auch im Freistaat Sachsen galt es, den gesamten Denkmalbestand auf Grundlage des 1993
in Kraft getretenen Sächsischen Denkmalschutzgesetzes sowie in Kenntnis bundesweit übli-
cher Fachkriterien neu zu bewerten.
Die in der DDR beschlossenen Denkmallisten entsprachen nur zum Teil den bundesweit
üblichen fachlichen Maßstäben. Deshalb war es nach der Wende erforderlich, eine Gesamt-
inventur des Denkmalbestandes vorzunehmen, die anfänglich durch erfahrene Fachkollegen
aus den „alten“ Bundesländern unterstützt wurde. Um schnell auf die bevorstehenden Ver-
änderungen reagieren zu können, wurde eine vorläufige „beschleunigte Listenerfassung“
gestartet: Bei der Begehung des gesamten Landes besichtigte man die Objekte in der Regel
nur von außen, Quellen- oder Literaturrecherchen erfolgten nur im Ausnahmefall oder an-
lassbezogen. Die Daten wurden in eine Datenbank eingetragen, die Objekte fotografisch
dokumentiert und baukörpergenau kartiert. Die Mittel hierfür stellten das Bundesministerium
des Innern, das SMI und die Volkswagen-Stiftung bereit. Diese vorläufige Erfassung wurde
im Jahre 2003 abgeschlossen.
Wie andernorts war es auch in Sachsen immer klar, dass die Ergebnisse der vorläufigen
Listenerfassung in einem zweiten Schritt einer kritischen Revision unterzogen werden müs-
sen. Waren 2003 ca. 113.000 Kulturdenkmale in der Datenbank vermerkt, so ist im Rahmen
dieser seither laufenden Revision die Zahl auf 105.804 präzisiert worden. In Kenntnis des
sächsischen Gesamtbestandes wurden Objekte gestrichen und sind Sachgesamtheiten prä-
zisiert worden. Mittlerweile erfolgte Abbrüche wurden nachgetragen. Die inzwischen vorlie-
gende digitale Basiskarte ermöglicht es, den Denkmalbestand auch hier baukörpergenau
einzutragen. Das Projekt der Listenrevision soll 2013/14 abgeschlossen werden. Es ist kom-
biniert mit einer aufwändigen Vernetzung der Daten zu Sammlungsbeständen des LfD in
einer gemeinsamen Datenbank.
Eine fachgerechte Bestandserfassung wird auch künftig notwendig sein, wenn auch nicht
mehr so umfänglich und personalintensiv. Der Schwerpunkt wird dabei vor allem auf der
Dokumentation von neuen Erkenntnissen bzw. des Erhaltungszustandes der bereits erfass-
ten Baudenkmale liegen.
4.
Unesco-Weltkulturerbe
Die UNESCO hat 1972 das „Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der
Welt“ (Welterbekonvention) verabschiedet. Die Bundesrepublik Deutschland ist ihm am
23. August 1976 beigetreten.
In der Präambel wird die Leitidee der Konvention aufgestellt: Teile des Kultur- und Naturer-
bes sind von außergewöhnlicher universeller Bedeutung und müssen daher als Bestandteil
des Welterbes der ganzen Menschheit erhalten werden. Kulturdenkmale und Naturerbestät-
ten, die eine derartige herausragende Bedeutung haben gehören nach dem Verständnis der
Welterbekonvention nicht alleine dem Staat, auf dessen Territorium sie sich befinden. Sie
sind ideeller Besitz der gesamten Menschheit mit der Folge, dass die Völkergemeinschaft die
gemeinsame Verantwortung für das Erbe der Welt übernimmt.
16
Vgl. auch den Bericht in „monumente“, Nr. 2/2011, S. 60 – 63.
17
Vgl. Ziffer 1.3 des Bericht des SMI zur Evaluierung der Denkmalförderung nach der VwV
Denkmalförderung vom 20. Dezember 1996, Kabinettsbeschluss Nr. 04/0950 vom 10. März 2009.

13
Im Rahmen des Übereinkommens wird bei der UNESCO die „Liste des Kultur- und Naturer-
bes der Welt“ (Welterbeliste) geführt. Das von der UNESCO eingerichtete zwischenstaatliche
Welterbekomitee entscheidet jährlich, welche Stätten neu in die Welterbeliste aufgenommen
werden. Derzeit gibt es in Deutschland 33 Welterbestätten, davon eine Naturerbestätte.
Weltweit existieren 911 Welterbestätten, davon sind 704 Kulturerbestätten, 180 Naturerbe-
stätten und 27 gemischte Stätten
18
. Sachsen besitzt seit 2004 mit dem Fürst-Pückler-Park
Bad Muskau eine Kulturerbestätte.
Das Welterbekomitee entscheidet über die Aufnahme in die Welterbeliste, wenn die Stätte
mindestens ein Jahr vor ihrer Nominierung (Antragstellung) auf der Tentativliste des betref-
fenden Mitgliedstaates als Vorschlag zur Aufnahme in die Welterbeliste aufgeführt ist und die
Antragsunterlagen fristgerecht eingehen.
Die aktuelle deutsche Tentativliste wurde in der Sitzung der Kultusministerkonferenz (KMK)
am 22./23. Oktober 1998 beschlossen. Auf Vorschlag des Freistaates Sachsen wurden das
Dresdner Elbtal, der Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau sowie die Kulturlandschaft Montan-
region Erzgebirge in die Tentativliste aufgenommen. Dem Dresdner Elbtal und dem grenz-
überschreitend gemeinsam mit Polen beantragten Fürst-Pückler-Park konnten 2004 – wenn
auch Dresden nur vorübergehend bis 2009 – der Welterbetitel verliehen werden. Die Kultur-
landschaft Montanregion Erzgebirge befindet sich noch im Wartestand. Mit einer Entschei-
dung über die Aufnahme in die Welterbeliste ist frühestens 2014 zu rechnen.
Die aktuelle deutsche Tentativliste ist voraussichtlich 2016 abgearbeitet und muss fortge-
schrieben werden. Die KMK hat deshalb die Länder aufgefordert, bis Herbst 2012 Stätten für
die Aufnahme in die Tentativliste vorzuschlagen. Das SMI beabsichtigt insoweit ein Auswahl-
verfahren einzuführen, mit dem insbesondere unter Einbeziehung von Experten die geeigne-
ten sächsischen Stätten ermittelt werden. Der Zeithorizont der fortgeschriebenen Tentativ-
liste wird voraussichtlich von 2017 bis 2032 reichen.
Angesichts der großen Zahl bereits bestehender Welterbestätten und den jüngsten Bemü-
hungen, eine repräsentative, ausgewogene und glaubwürdige Welterbeliste anzustreben, hat
die UNESCO Maßnahmen beschlossen, mit denen unterrepräsentierten Kategorien und Ver-
tragsstaaten der Vorrang eingeräumt wird. Es ist zu erwarten, dass zukünftig die Anzahl der
Anmeldungen zurückgehen wird.
V.
Archäologische Denkmalpflege
1.
Landesamt für Archäologie
Das Landesamt für Achäologie (LfA) ist – als Pendant zum LfD – die zuständige Denkmal-
fachbehörde für unbewegliche und bewegliche archäologische Kulturdenkmale. Beide Institu-
tionen unterscheiden sich in ihrer Arbeitsweise und Zielstellung, werden aber unter dem
Dach des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes tätig. Unmittelbare Vorgängerinstitution des
LfA war das Landesmuseum für Vorgeschichte Dresden, das bis 1992 die zentrale fachliche
und museale Stelle für Bodendenkmalpflege und Archäologie in Sachsen darstellte.
Das LfA ist landesweit tätig und führt jährlich umfangreiche Grabungen im Zuge des Veran-
lasserprinzips durch. Damit stellt es vor allem im ländlichen Raum und in den durch Braun-
kohlentagebau geprägten Regionen im Südraum Leipzig und in der Oberlausitz seit 20 Jah-
ren einen wichtigen Arbeitgeber und Fortbildungsbetrieb
19
dar. Gleichzeitig entwickelt das
18
Stand August 2010; s. auch
http://www.unesco.de/welterbeliste.html;
(Zugriff am 12. Mai 2011).
19
Das Landesamt für Archäologie bildet seit 1995 in Kooperation mit anderen Landesämtern in der
Bundesrepublik Deutschland in zweijährigen Maßnahmen erfolgreich Mitarbeiter zu geprüften

14
LfA in enger Kooperation mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirt-
schaft (SMUL) und dem Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
(LfULG) Strategien und Konzepte, um das Schutzgut Boden und damit die darin enthaltenen
Bodenurkunden in den Bereichen Landwirtschaft und Forst nachhaltig vor schädigendem
Eingriff, Erosion und Abtrag zu bewahren. Damit trägt das Landesamt zur Umsetzung der
EU-Strategie für nachhaltige Entwicklung entsprechend dem allgemeinen Ziel: „Verbesse-
rung der Bewirtschaftung der natürlichen Ressourcen und Vermeidung ihrer Übernutzung,
Anerkennung des Wertes der Funktionen des Ökosystems“ bei.
Das LfA ist anerkannte Forschungseinrichtung und kooperiert mit zahlreichen anderen natur-
und geisteswissenschaftlichen Institutionen, Forschungseinrichtungen und Universitäten. Ziel
ist die Bündelung der Anstrengungen zur Erforschung und Dokumentation der durch den
Menschen und seine Geschichte geprägten Landschaft und der sich in archäologischen
Quellen widerspiegelnden historischen Überlieferung.
Um diese Aufgabe zu bewältigen, setzt das LfA moderne Technik und Prospektionsmetho-
den wie ein Geographisches Informationssystem, Datenbanken zur Fundstellen- und Fund-
verwaltung, die Luftbildarchäologie, die Auswertung von Airborne-Laserscan-Daten, geophy-
sikalische Meßmethoden und terrestrisches 3 D-Laserscanning ein. Im Archäologischen Ar-
chiv Sachsen (AAS), dem zentralen Funddepot des Landes, wird seit über elf Jahren mit
einem Barcode-System gearbeitet und moderne Methoden der Lagerverwaltung adaptiert.
Durch Ausgrabungen und Aufsammlungen werden Quelle (Befund) und zugehörige bewegli-
che Sachzeugen (Funde) voneinander getrennt. Da nur die Kenntnis des einen die Interpre-
tation und Erforschung des anderen erlaubt, versteht sich das LfA vorrangig auch als musea-
le Institution, dem die Verpflichtung zum Erhalt, zur Erforschung und zur Vermittlung von
Befunddokumentation und geborgenen Objekten gleichermaßen obliegt. Die Betreuung der
grafischen, fotografischen und schriftlichen Dokumentationen, des wachsenden Fundbestan-
des (zzt. ca. 19 Mio. Fundobjekte), die Publikation von Grabungsergebnissen und die Dar-
stellung dieser Ergebnisse in der Öffentlichkeit durch Vorträge, Führungen und Ausstellun-
gen sind daher ursächlich Aufgaben des LfA und seiner Mitarbeiter. Den Bildungsauftrag
übernimmt das LfA mit seinen verschiedenen Arbeitsbereichen erfolgreich bei Veranstaltun-
gen, Tagungen, Ausstellungen, Vorträgen und durch eine aktive Öffentlichkeitsarbeit auf
Grabungen. Vielfach wird dadurch bei den Investoren und den Bürgerinnen und Bürgern vor
Ort das Verständnis und das Interesse für die Anliegen der Archäologie und auch der Stolz
auf die eigene Geschichte geweckt und gestärkt.
In seiner Gesamtheit nimmt das LfA die Aufgaben Schützen, Sammeln/Ergraben, Bewahren,
Erforschen und Vermitteln wahr. Die Abteilungen und Aufgabenbereiche des Landesamtes
sind entsprechend eng miteinander vernetzt (
Abb. 2
). Das notwendige intensive Fach- und
Spezialwissen verteilt sich in Person von Epochen- und Technikspezialisten über die drei
Fachabteilungen.
Grabungstechnikern (Frankfurter Modell) fort. Im wissenschaftlichen Bereich werden für
Universitätsabsolventen zweijährige Volontariate mit festem Fortbildungsplan angeboten.

15
2.
Grundlagen der archäologischen Denkmalpflege
2.1
Gesetzliche Grundlagen auf Landes- und Bundesebene
Die wichtigsten Arbeitsgrundlagen des LfA sind auf Landes- und Bundesebene:
Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen (Sächsi-
sches Denkmalschutzgesetz – SächsDSchG). Das 1993 erlassene Gesetz löste die bis
dahin geltende Verordnung zum Schutze und zur Erhaltung der ur- und frühgeschichtli-
chen Bodenaltertümer von 1954 ab;
Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlas-
ten (Bundes-Bodenschutzgesetz - BBodSchG);
Gesetz zur Erhaltung des Waldes und zur Förderung der Forstwirtschaft (Bundeswaldge-
setz - BWaldG).
§ 3a SächsDSchG benennt die Zuständigkeiten des LfA. Als Fachbehörde für Denkmalpflege
ist es zudem Träger öffentlicher Belange (s.
Abb. 3
) und schließt nach §14 SächsDSchG mit
Investoren im Land Sachsen öffentlich-rechtliche Verträge für die Durchführung von Grabun-
gen durch. Weiterhin regelt § 20 die Meldepflicht und § 25 den Fundverbleib.
2.2
Internationale Übereinkommen
Auf internationaler Ebene sind v. a. drei Übereinkommen für den Umgang mit dem archäolo-
gischen kulturellen Erbe verbindlich:
Europarat: Europäisches Übereinkommen zum Schutz des archäologischen Erbes (revi-
diert), La Valletta/Malta, 16. Januar 1992. Dazu: Deutscher Bundestag, Gesetz zu dem
Europäischen Übereinkommen vom 16. Januar 1992 zum Schutz des archäologischen
Erbes, Bonn, 9. Oktober 2002;
Europarat: Übereinkommen zum Schutz des architektonischen Erbes in Europa, Grana-
da, 3. Oktober 1985;
UNESCO: Übereinkommen über Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung der unzu-
lässigen Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut, Paris, 17. November 1970.
Weiterhin zu beachten sind:
Europarat: Archäologie und Stadtplanung - Ein Europäischer Kodex von Verfahrensre-
geln, Straßburg, 10. März 2000;
UNESCO: Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt - Welterbe-
konvention, Paris, 23. November 1972.
2.3
Leitlinien
Um einen hohen Standard in der wissenschaftlichen Arbeit und bei der Dokumentation ar-
chäologischer Quellen zu gewährleisten, beachtet das LfA in seinen verschiedenen Arbeits-
bereichen folgende Empfehlungen und Leitlinien:
Leitlinien zur Archäologischen Denkmalpflege in Deutschland des Verbandes der Lan-
desarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland e. V.
Grabungsstandards (Ausgrabungen und Prospektion, Durchführung und Dokumentation)
des Verbandes der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland e. V.

16
Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis der Deutschen Forschungs-
gemeinschaft
ICOM Code of Ethics for Museums (ICOM Ethische Richtlinien für Museen)
Standards für Museen des Deutschen Museumsbundes e. V.
3.
Besonderheiten der archäologischen Denkmalpflege
3.1
Denkmalbegriff/Denkmalfläche
Im Unterschied zu Baudenkmalen sind archäologische Denkmale in der Regel nicht oder nur
noch in Teilen sichtbar. Ihre genaue flächige Ausdehnung, die Qualität der Erhaltung der
Denkmalsubstanz im Boden und ihre Art und Datierung können vielfach erst im Moment der
Zerstörung, also beim Bodeneingriff durch eine Grabung, untersucht werden. Andere Denk-
male, wie die imposante bronzezeitliche und slawische Burgwallanlage von Ostro bei
Panschwitz-Kuckau (Landkreis Bautzen), scheinen in ihren Abgrenzungen besser definierbar
zu sein, jedoch weiß man noch wenig über mögliche nicht befestigte Siedlungsteile (Vorbur-
gen) und deren Ausdehnung.
Die Dokumentation der während der Grabung sichtbaren Befunde ist daher wichtigste Auf-
gabe der archäologischen Denkmalpflege. Rekonstruktion und Wiederaufbau von baulichen
Strukturen spielen eine untergeordnete Rolle und werden nur in Ausnahmefällen befürwortet,
zumal das Aussehen der ehemals aufgehenden Konstruktionen in der Regel nicht bekannt
ist. In Sachsen sind ca. 300.000 Jahre lang fast ausschließlich Baumaterialien aus vergängli-
chem Material verwandt worden. Beeindruckende Beispiele sind die über 20 bekannten gro-
ßen früh- und mittelneolithischen Grabenanlagen (6.-5. Jahrtausend. v. Chr.) von denen die
meisten erst durch die Luftbildprospektion erkannt wurden, so z. B. die vier Kreisgrabenanla-
gen von Kyhna (Landkreis Nordsachsen), von denen eine zum Logo des LfA wurde.
Zur Zeit sind auf sächsischem Territorium
13.124 Denkmalflächen
lokalisierbar (
Abb. 4
).
Nach Erfahrungen bei großflächigen Bodenaufschlüssen und in anderen Län-
dern/Bundesländern ist davon auszugehen, dass damit erst deutlich weniger als die Hälfte
aller noch vorhandenen Denkmalflächen überhaupt bekannt ist.
Fundstellen/Denkmalflächen bleiben auch nach ihrer Zerstörung permanenter Bestandteil
der Forschung und ergänzen das bekannte Bild einer Landschaft. Die Aufarbeitungen der
Grabungsbefunde und Funde tragen dazu bei, die Vielfalt ganzer Lebenswelten, angefangen
vom alltäglichen Hausinventar und dem Wandel von Trachtmoden bis hin zu Besiedlungs-
mustern, Glaubensvorstellungen, Handelswegen, Ernährungsgrundlagen und Bewirtschaf-
tungsmodellen zu rekonstruieren. Anthropologische Untersuchungen eines Individuums oder
einer Population lassen Aussagen zu Arbeitsbelastungen, Verletzungen und Krankheiten zu
und ermöglichen sogar die Erhebung demographischer Daten wie Altersstruktur, Anteile der
Geschlechter und durchschnittliche Lebenserwartung.
Denkmale können u. a. sein:
Siedlungen (befestigt und unbefestigt);
Gräber/Gräberfelder;
Werkplätze/Produktionsstätten (über und unter Tage);
Kultstätten;
Verkehrswege und Versorgungssysteme;
Hortfunde;
Kombinationen derselben in Zeit und Raum.

17
Archäologische Denkmale sind nicht als Denkmale gebaut worden („gewollte Denkmale“),
sondern erlangen ihre Denkmaleigenschaft erst im Laufe der Geschichte („gewordene
Denkmale“).
20
Im Gegensatz zu Baudenkmalen handelt es sich in der Regel weniger um Ein-
zeldenkmale, sondern vielfach um Flächendenkmale mit unterschiedlichsten Strukturen.
3.2
Landschaft/Kulturlandschaft
Die moderne archäologische Denkmalpflege betreibt in hohem Maß Landschafts- und Be-
siedlungsforschung. Für diese Zwecke ist die Nutzung von aktuellen und historischen Karten
unerlässlich. Im LfA werden sie in einem leistungsstarkem GIS verschnitten.
Zunehmend wichtig wird die Analyse von Airborne-Laserscan-Daten (LIDAR), um Denkmale
im Wald zu prospektieren und zu dokumentieren. Geologische und bodenkundliche Karten,
Daten zur historischen Klimaentwicklung und hydrographische Kartierungen ergänzen die
Hintergrundinformationen, die eine Landschaftsanalyse mit Blick auf archäologische Ver-
dachtsflächen benötigt. Im Arbeitsbereich der Braunkohlenarchäologie in der Lausitz wurde
besonderer Wert auf die Verstärkung der landschaftsarchäologischen Sicht gelegt und das
Grabungsteam mit einer Geoarchäologin verstärkt.
3.3
Die archäologische Denkmallandschaft im Freistaat Sachsen
Die Forschungen des LfA der letzten 20 Jahren belegen, dass Sachsen in den verschiede-
nen Epochen der Menschheitsgeschichte mit unterschiedlicher Intensität begangen und be-
siedelt wurde. Immer wieder folgten auch Zeiten des Rückzuges und der Neubesiedlung.
Deutlich wird auch die Abhängigkeit einer viele Jahrtausende hindurch agrarisch strukturier-
ten Gesellschaft von naturräumlichen Gunsträumen (
Abb. 4 und 5
).
In Sachsen kristallisieren sich einige große Untersuchungsschwerpunkte heraus:
Das Verhältnis der nacheiszeitlichen mesolithischen Jäger und Sammler zu den ersten
bäuerlichen Gesellschaften Sachsens, die sich in der Leipziger Tieflandsbucht, der Lom-
matzscher Pflege und im Dresdner Elbtal niederließen (6.-5. Jahrt. v. Chr.);
Die Entwicklung der bronzezeitlichen/früheisenzeitlichen Lausitzer Kultur als bevölke-
rungs- und fundreichste Kultur der Vorgeschichte Sachsens und ihre Beziehungen zur
westlichen Urnenfelderkultur und zur südostalpinen Hallstattkultur (15.-6. Jh. v. Chr.);
Die späteisenzeitliche Besiedlung Sachsens im Spannungsfeld zwischen germanischer
Besiedlung im Norden und Westen und keltischer Hochkultur im böhmischen Raum (5.-1.
Jh. v. Chr.);
Frühe Stadtgründungen in Sachsen sowie die Rolle von Slawen und Deutschen im Zeital-
ter der Aufsiedlung Sachsens im Zuge der mittelalterlichen Ostexpansion („Hohe Koloni-
sation“) im 11./12. Jh.;
Früher Bergbau im Erzgebirge und im Erzgebirgsvorland unter Berücksichtigung der Er-
schließung von Rohstoffquellen und ihrer Vermarktungsstrukturen (12./13. Jh.): Organi-
sation, Herrschaftsstrukturen, Absatzmärkte, rechtliche Grundlagen;
Stadt- und Landesausbau in Mittelalter und Neuzeit.
20
Differenzierung nach W. Speitkamp, Die Verwaltung der Geschichte. Denkmalpflege und Staat in Deutschland
1871-1933 (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft 114), 1996, 83 ff.

18
4.
Schwerpunkte archäologischer Tätigkeit im Freistaat Sachsen
Im Freistaat Sachsen sind insgesamt 29.894 Stellen lokalisiert und im GIS erfasst, an denen
archäologische Aktivitäten stattgefunden haben, davon fanden 13.612 Aktivitäten im Zeit-
raum zwischen Januar 1991 und Mai 2011 statt
(Abb. 6)
. Weitere 100 Aktivitäten hatten be-
reits im Jahr 1990 begonnen und reichten in 1991 hinein. Aktivitäten können Begehun-
gen/Prospektionen, Ausgrabungen, Luftbilder, geophysikalische Messungen oder anderes
sein.
4.1
Stadtkerne
Die Untersuchung der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Stadtkerne hatte in den vergan-
genen 20 Jahren in der archäologischen Denkmalpflege einen festen Platz. Wie zum Beispiel
in Dresden, Leipzig, Chemnitz, Zwickau oder Bautzen wurden im Vorfeld von Neubebauun-
gen in den Innenstädten die historischen Grundrisse der Städte kurzzeitig wieder sichtbar
und erlebbar.
Als probates denkmalpflegerisches Mittel zur Analyse der vorhandenen historischen Sub-
stanz in den mittelalterlichen Stadtkernen hat sich das Instrumentarium des Stadtkatasters
bewährt. Dabei werden bekannte tiefe Bodeneingriffe und Kellerflächen (zeitlich unterschie-
den) auf einem Katasterplan kartiert. Aus der Eingriffstiefe der Keller und den noch unberühr-
ten Flächen ergibt sich das mögliche archäologische Potential eines städtischen Gebietes.
Von 1993 - 2002 wurden für 56 der 127 Städte Stadtkataster erarbeitet. Seit 2008 sind je-
doch archäologische Ausgrabungen, die nach SächDSchG im Vorfeld von Bau- und Sanie-
rungsmaßnahmen in den Stadtkernen durchgeführt werden müssen, im Rahmen der Städte-
bauförderung nicht mehr förderfähig
21
.
4.2
Braunkohlentagebaue
Mit den Betreiberfirmen der großen Braunkohlentagebaue (LAUBAG/Vattenfall, MIBRAG)
wurden seit 1993 langfristige Verträge über die archäologischen Untersuchungen in den ein-
zelnen Jahresscheiben geschlossen. Diese Abbaugebiete zählen zu den größten archäolo-
gisch untersuchten Flächen in Deutschland und liefern wertvolle Ergebnisse zur Landesge-
schichte vom Paläolithikum bis zur neuzeitlichen Intensiv-Waldnutzung. Mit den vorliegenden
Ergebnissen beschäftigten sich bereits drei große DFG-geförderte Forschungsprojekte (Ta-
gebau Reichwalde, Eythra im Tagebau Zwenkau sowie Breunsdorf im Tagebau Schleen-
hain). Die bandkeramische Siedlung von Eythra ist mit einer Ausdehnung von fast 30 ha die
größte bekannte Siedlung ihrer Zeit und wird zusammen mit einem Wissenschaftlerteam der
Universität Leipzig aufgearbeitet. 1994 wurde in Breunsdorf, später in Heuersorf und Groß-
hermsdorf die Möglichkeit genutzt, die mittelalterliche und neuzeitliche Orts- und Besied-
lungsgeschichte dieser Region durch umfängliche Untersuchungen in den devastierten Dör-
fern nachzuvollziehen. Diese Untersuchungen bezogen auch kunsthistorische, volkskundli-
che und naturwissenschaftliche Kompetenz ein. Für die großen Grabungsmannschaften und
ihren Gerätepark wurde jeweils eine Arbeitsstelle vor Ort in Leipzig und in Weißwasser ein-
gerichtet, in denen auch erste Aufarbeitungen der Dokumentationen und Funde (Waschen,
Beschriften, Zeichnen, Beschreiben) stattfinden können.
21
Verwaltungsvorschrift Städtebauliche Erneuerung - VwV StBAuE vom 21. Juli 2008, überarbeitet
und verabschiedet am 20. August 2009.

19
4.3
Lineare Projekte
Große lineare Projekte (Straßen, Autobahnen, Trassenführungen von Versorgungsleitungen
oder Pipelines) spielten und spielen in der archäologischen Denkmalpflege eine große Rolle.
Sie bieten vor allem im ländlichen Raum die Chance, großflächige Einblicke in den Gelände-
aufbau und die Fundstellensituation zu bekommen. Dabei werden oft Gebiete durchquert, die
aufgrund geringer Bautätigkeit archäologisch bisher wenig erschlossen sind. Zu nennen sind
hier beispielhaft der Ausbau der Bundesautobahn (BAB) 4, der Neubau der BAB 17 oder die
OPAL (Ostsee-Pipeline-Anbindungsleitung), die rund 100 km durch den Freistaat Sachsen
führte. Die Arbeiten an der OPAL-Trasse haben z. B. bei Brockwitz in der Nähe von Meißen
zu der spektakulären Entdeckung einer frühneolithischen Siedlung (6. Jahrt. v. Chr.) in der
Elbniederung mit den Grundrissen mehrerer Langhäuser, geführt.
4.4
Arbeitskräfte und Förderung
Das LfA stellt für projektbezogene Arbeiten (Grabungen, Forschungsvorhaben, Fundbearbei-
tung u. a.) befristet Arbeitnehmer ein. Dazu zählen Wissenschaftler, ausgebildete Grabungs-
techniker und Zeichner, die mit befristeten Verträgen beim LfA eingestellt werden, aber auch
Arbeitnehmer, die in Arbeitsbeschaffungs- und Strukturanpassungsmaßnahmen (ABM, SAM)
und Lohnkostenzuschuss (LKZ)-Projekten arbeiten, sowie Varianten der Entgeltfortzahlung
(
Abb. 7 und 8
).
Vor Ort wird das Landesamt dabei von den Agenturen für Arbeit gut betreut und hat auch in
der Vergangenheit einen hohen Anteil an ABM-/SAM-Kräften beschäftigt. Einige dieser Ar-
beitnehmer konnten über die Tätigkeit beim LfA in den zweiten oder sogar den ersten Ar-
beitsmarkt aufrücken. Mehrere dieser Arbeitnehmer absolvierten erfolgreich die vom LfA an-
gebotenen Fortbildungen zum geprüfte/n Grabungstechniker/-in. Die archäologische Denk-
malpflege ist damit ein verlässlicher Partner für die Agenturen für Arbeit vor Ort und v. a. in
strukturschwachen Regionen ein gesuchter Arbeitgeber.
5.
Forschung und Vermittlung
5.1
Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch
Um die wissenschaftliche Bearbeitung archäologischer Fundkomplexe und Grabungen zu
fördern, bemüht sich das LfA vermehrt, Drittmittel für die Forschung und Aufarbeitung einzu-
werben. Neben den klassischen archäologischen Themen stehen aber auch solche der
Landschaftsforschung sowie der Verbesserung der technischen Möglichkeiten im Fokus.
Insgesamt wurden 1994 - 2010 in 17 Projekten 3.066.359 Euro eingeworben (
Abb. 9
). Ge-
fördert wurden auch die Aufarbeitungen der beiden vorgeschichtlichen Gräberfelder von Nie-
derkaina (Landkreis Bautzen) mit 2000 Gräbern und von Liebersee (Landkreis Nordsachsen)
mit über 4000 Befunden. Beide Gräberfelder gehören zu den größten vor- und frühgeschicht-
lichen Nekropolen Mitteleuropas. Nicht eingerechnet in die genannte Summe sind die von
der Stiftung Pro Archaeologia Saxoniae (MIBRAG) geförderten Projekte und Stipendien in
Sachsen.
Zusammen mit der Fakultät für Informatik der TU Chemnitz wurde die mittlerweile an mehre-
ren Landesämtern eingesetzte Scan-Software Trove Sketch entwickelt
22
und 2010 ein ge-
meinsames DFG-gefördertes Projekt beendet, das es ermöglicht, 3 D-gescannte Gefäße und
Zeichnungen von Gefäßen nach bestimmten Vorgaben und Ähnlichkeitsanalysen automati-
siert zu klassifizieren und bestimmten Typen zuzuweisen. Dieses Projekt soll hinsichtlich der
22
Dazu:
http://www.archaeologie.sachsen.de/1345.htm
.

20
vielversprechenden Möglichkeiten in Bezug auf Personaleinsatz und Zeitmanagement bei
der Aufarbeitung großer Fundkomplexe weiter verfolgt und fortentwickelt werden.
Die Durchführung von wissenschaftlichen Fachtagungen ermöglicht es dem LfA, kompeten-
tes Fachwissen nach Sachsen zu holen und sich in den Diskurs mit anderen Wissenschaft-
lern zu begeben. Gleichzeitig nehmen sächsische Archäologen als Referenten regelmäßig
an nationalen und internationalen Tagungen teil, um die Vernetzung und den Wissensaus-
tausch zu fördern.
In der archäologischen Denkmalpflege besonders wichtig ist die Einbindung von drei Vertre-
tern des LfA in den Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland
e. V. Der Vorstand des Verbandes
23
vertritt die Interessen der archäologischen Denkmalpfle-
ge bei verschiedenen Gremien, so z. B. im Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz
(DNK), bei der KMK und bei der AG Spitzenorganisationen Denkmalschutz
24
. Der Verband
der Landesarchäologen beteiligt sich an allen aktuellen Diskussionen zur archäologischen
Denkmalpflege in Deutschland und in Europa. Er ist Mitglied im Präsidium der Deutschen
Verbände für Altertumsforschung und im Europae Archaeologiae Consilium (EAC).
5.2
Publikationen
Wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Publikationen sind das wichtigste Medium
zur Kommunikation der Forschungsergebnisse des LfA. Das Landesamt arbeitet, von weni-
gen Ausnahmen abgesehen, aus wirtschaftlichen Gründen als Eigenverlag, gibt mehrere
Schriftenreihen heraus und beteiligt sich an der bundesweit herausgegebenen Zeitschrift
„Archäologie in Deutschland“ mit regelmäßigen Beiträgen.
Wissenschaftliche Publikationen 1991 – Juni 2011:
Arbeits- und Forschungsberichte zur sächsischen Boden-
denkmalpflege
13 Bände
Ausgrabungen in Sachsen/Tagungsbände (Arbeits- und
Forschungsberichte/ Beihefte)
3 Bände
Veröffentlichungen des LfA
33 Bände
Kleine Schriften
1 Band
Populärwissenschaftliche Publikationen 1991 – Juni 2011:
Archäologie aktuell im Freistaat Sachsen / Archaeo
12 Hefte
Archaeonaut
9 Hefte
Sonstiges
3 Hefte
Ausstellungskataloge
5 Kataloge
Archäologie in Deutschland (Theiss-Verlag)
238 Beiträge
Neben dem Verkauf dienen die eigenen Publikationen vor allem zum regelmäßigen Tausch
mit ca. 350 Fachbibliotheken und Institutionen. Die Bibliothek des LfA ist mit rund 80.000
Medieneinheiten die größte Fachbibliothek im Land Sachsen und die drittgrößte in den neu-
en Bundesländern. Im Mai 2011 wurde die Retrokatalogisierung abgeschlossen. Die Bestän-
de sind vollständig online abrufbar. Der Bestand ist nun vollständig im Südwestverbund
23
Die Landesarchäologin von Sachsen ist seit 2009 gewähltes Vorstandsmitglied des VLA.
24
In der AG vertreten sind Vertreter von Europa Nostra und ICOMOS Deutschland, des Deutschen Nationalko-
mitees für Denkmalschutz (DNK), der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) und der Vereinigung der
Landesdenkmalpfleger in der Bundesrepublik Deutschland (VdL).

21
(SWB), über den Karlsruher Virtuellen Katalog (KVK) sowie in der Zeitschriftendatenbank
(ZDB) recherchierbar und weltweit wissenschaftlich nutzbar
(Abb. 11)
.
5.3
Ausstellungen, kulturelle Bildung und Öffentlichkeitsarbeit
In den vergangenen Jahren hat das LfA aktiv Ausstellungen konzipiert und durchgeführt,
darunter die erfolgreiche erste Sächsische Landesausstellung im Kloster St. Marienstern.
Ausstellungshaus des LfA ist seit 1967 das Landesmuseum für Vorgeschichte im Japani-
schen Palais, von 1957-2000 auch Sitz des Hauses. Dieses Haus hat nach dem Krieg leider
niemals eine vollständige Sanierung und Herrichtung zum modernen Ausstellungshaus erle-
ben dürfen. Alle Ausstellungen fanden also in einer eher provisorischen Raumatmosphäre
statt. Die Ausstellungen werden durch erfahrenes eigenes Personal museumspädagogisch
begleitet und didaktisch aufbereitet. Im Vordergrund steht der Bildungs- und Vermittlungsauf-
trag der Archäologie. Im Jahr 2011, dem Jahr des 225. Geburtstages Karl Benjamin
Preuskers
25
, wird dieser Auftrag besonders ernst genommen und in Kooperation mit den
Großen Kreisstädten Löbau und Großenhain ein umfassendes Ausstellungs- und Veranstal-
tungsprogramm erarbeitet. Dabei sollen alle Altersstufen angesprochen werden. Der
Schwerpunkt wird jedoch auf Kinder und Schulklassen gelegt.
Zusätzlich zu den Ausstellungen im Landesmuseum selbst wurde eine Vielzahl von Ausstel-
lungen, darunter mehrere Wanderausstellungen, für externe Ausstellungsorte in Sachsen,
aber auch für Museen in benachbarten Bundesländern und im Ausland erarbeitet. Neben
den eigenen Ausstellungen pflegt das LfA bis heute die Reihe „Zu Gast im Japanischen Pa-
lais“, die es in Kontakt mit anderen musealen Institutionen erlaubt, auch Fremdausstellungen
zu zeigen.
Die Ausstellungstätigkeit außerhalb des eigenen Museums in Rathäusern, Kreis- und Hei-
matmuseen oder anderen kulturellen Institutionen ist - ebenso wie eine intensive Vortragstä-
tigkeit außerhalb des eigenen Hauses und der Fachuniversitäten - für die Akzeptanz der Ar-
chäologie in der Bevölkerung und das unmittelbare Erleben der eigenen Orts- und Land-
schaftsgeschichte entscheidend. Gleichzeitig geht das LfA mit Veranstaltungen, Grabungs-
führungen, dem Tag des offenen Denkmals aktiv auf die Bürgerinnen und Bürger in den Re-
gionen zu. Im Schnitt werden auf diese Art unabhängig von den Ausstellungen jährlich weite-
re 8.400 Menschen in den verschiedenen Regionen erreicht. Auch das ist ein Grund für die
weitgehend konfliktfreie Zusammenarbeit mit Investoren.
Darüber hinaus ist das LfA Kooperationspartner der Dresdner Seniorenakademie Wissen-
schaft und Kunst e.V. im Bereich Seniorenbildung, der TU Freiberg beim Studium Generale
und der Friedrich-Gustav-Klemm-Gesellschaft in der aktiven Jugendarbeit. Zudem berät das
Landesamt auch die Museen im Freistaat mit archäologischen Sammlungsbeständen bzw.
mit Grabungs- und Fundbezug hinsichtlich der wissenschaftlichen Bearbeitung, der Restau-
rierung und Konservierung sowie der Ausstellung.
Alle öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten des LfA werden von einer intensiven Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit begleitet. Dementsprechend positiv ist das Echo in der Medienwelt.
Durchschnittlich erscheinen jährlich etwa 370 Beiträge
26
, die auf das LfA und seine verschie-
denen denkmalpflegerischen und musealen Arbeitsbereiche Bezug nehmen
(Abb. 12)
.
25
Das Jahr 2011 ist Karl Benjamin Preusker (*22.9.1786 Löbau, †15.04.1871 Großenhain/Sachsen) gewidmet.
Preusker ist vor allem als Bildungsreformer und Gründer der ersten öffentlichen Bibliothek (1828) ein Begriff.
Nur in Fachkreisen bekannt ist sein Wirken als Altertumswissenschaftler. Seine große archäologische
Sammlung ‚ die er als Mittel wissenschaftlicher Forschung und Volksbildung ansah, überließ er 1853 dem
Land Sachsen mit der Auflage, sie öffentlich zu zeigen. Sie ist bis heute im Besitz des Landesamtes für
Archäologie.
26
Ohne Fernsehbeiträge und Online-Presse.

22
VI.
Öffentliche und private Ausgaben für Denkmalschutz und Denkmalpflege im
Freistaat Sachsen
1.
Bundesvergleich
Laut Kulturfinanzbericht 2010 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder stellten
die öffentlichen Haushalte für den Aufgabenbereich Denkmalschutz und Denkmalpflege im
Jahr 2007 aus allgemeinen Haushaltsmitteln 476,9 Mio. Euro zur Verfügung. Dies entspricht
einem Anteil von 5,6 Prozent an den gesamten öffentlichen Kulturausgaben. Die Denkmal-
schutzmaßnahmen wurden dabei zu 65,3 Prozent durch die Länder (311,6 Mio. Euro), zu
25,5 Prozent durch die Gemeinden (121,6 Mio. Euro) und zu 9,2 Prozent durch den Bund
(43,8 Mio. Euro) finanziert.
Sachsen
hat mit
96,1 Mio. Euro über 22 Prozent
der von den
Ländern verausgabten 433,1 Mio. Euro (einschließlich Gemeinden), d. h. einen überproporti-
onal hohen Anteil getragen.
27
Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Vergleich der öffentlichen Ausgaben je Einwohner/in für
Denkmalschutz und Denkmalpflege. Im Jahr 2007 betrugen „die öffentlichen Ausgaben je
Einwohner/-in für Denkmalschutz und -pflege durchschnittlich 5,80 Euro. Vergleicht man die
Bundesländer untereinander, so bewegten sich 2007 die Denkmalschutzausgaben je Ein-
wohner/-in in einer großen Spanne. In
Sachsen
lagen die Ausgaben je Einwohner/-in bei
einem Spitzenwert von
22,69 Euro
, während in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern
(– 0,28 Euro), Bremen (0,62 Euro), Hessen (1,82 Euro), Niedersachsen (1,83 Euro) und
Saarland (1,98 Euro) weniger als zwei Euro je Einwohner/-in aufgewendet wurden (
Abb. 13
und 14
).“
28
Auch für die Folgejahre hat Sachsen dieses im Bundesvergleich hohe Ausga-
benniveau annähernd aufrechterhalten können (
Abb. 15
).
Keine Berücksichtigung bei den v. g. öffentlichen Ausgaben fanden Aufwendungen für Ge-
bäude, die sich in öffentlicher Hand befinden. Dies gilt laut Kulturfinanzbericht zudem für
denkmalgeschützte Gebäude, in denen sich Bildungs-, Kultur- und andere öffentliche Einrich-
tungen befinden und deren Erhaltungsaufwendungen haushalterisch nicht beim Denkmal-
schutz sondern im jeweiligen Aufgabenbereich der Einrichtung nachgewiesen werden. Unbe-
rücksichtigt bleiben auch Förderprogramme, die zwar nicht ausschließlich auf die Erhaltung
des kulturellen Erbes abzielen, von denen jedoch die Denkmalpflege in erheblichen Umfang
profitiert. Zu nennen sind hier beispielsweise das Städtebauförderprogramm „Städtebaulicher
Denkmalschutz“ (SDP) sowie die Richtlinie Integrierte Ländliche Entwicklung. Auch bleiben
die nicht unerheblichen Steuererleichterungen, die private Denkmaleigentümer vom Staat
erhalten, unerwähnt. Nach den Angaben des Bundesverbandes für Immobilien- und Woh-
nungsunternehmen e. V. beliefen sich diese beispielsweise im Jahr 2006 auf 119,0 Millionen
Euro.
29
Bei der nachfolgenden Darstellung der Ausgaben für Kulturdenkmale im Freistaat
Sachsen werden auch diese Fassetten der „Förderung“ soweit möglich berücksichtigt.
27
Kulturfinanzbericht der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder 2010, Dezember 2010, S.
56 – 57, (
http://www.statistikportal.de/Statistik-Portal//kulturfinanzbericht_2010.pdf
; (Zugriff am 9.
Mai 2011).
28
Methodische Hinweise der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder:
In Sachsen werden denkmalpflegerische Maßnahmen im Rahmen von
Stadtentwicklungsmaßnahmen im Unterschied zur sonst üblichen Anschreibungspraxis unter
Denkmalschutz und -pflege gemeldet. Mecklenburg-Vorpommern verzeichnete aufgrund
gleichgebliebener Einnahmen und verringerter Ausgaben erstmals negative Grundmittel je
Einwohner/-in (– 0,28 Euro).
29
http://www.bfw-bund.de/uploads/media/BFW_Rasch_Statement_02.pdf
; (Zugriff am 12. Mai 2011).

23
2.
Landeseigene Kulturdenkmale
Zahlreiche landeseigene Immobilien in Sachsen sind Kulturdenkmale. Die Eigentümer- und
Bauherrenaufgaben nimmt im Freistaat Sachsen der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien-
und Baumanagement (SIB) wahr. Bei den betreffenden Objekten handelt es sich nicht nur
um bekannte Touristenmagnete wie das Residenzschloss Dresden, den Dresdner Zwinger,
die Festung Königstein oder den Große Garten Dresden, sondern auch um Gerichts-, Poli-
zei- und Hochschulgebäude sowie die Landeskrankenhäuser.
Fast
eine Milliarde Euro
hat der Freistaat im Zeitraum von 1991 bis 2010 in den Erhalt sei-
ner historisch wertvollen Bausubstanz investiert. Darin nicht enthalten sind Aufwendungen
für Verwaltungs- und Hochschulgebäude sowie weitere staatliche Objekte mit Denkmalcha-
rakter. Schwerpunkte bei den staatlichen Kulturdenkmalen waren bzw. sind die baulichen
Anlagen:
Residenzschloss Dresden 270 Mio. Euro;
Schloss Hubertusburg Wermsdorf 61 Mio. Euro;
Albertinum Dresden 55 Mio. Euro;
Festung Königstein 46 Mio. Euro;
Dresdner Zwinger 45 Mio. Euro;
Großer Garten Dresden 38 Mio. Euro;
Fürst-Pückler-Park Bad Muskau 36 Mio. Euro
um nur einige zu nennen.
30
Hauptnutzer und Betreiber der staatlichen Schlösser, Burgen und Gärten sind die Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden und der Staatsbetrieb Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten
Sachsen. Parallel dazu gibt es auch andere Betreibermodelle wie bei der Festung Königstein
oder Schloss Augustusburg, die jeweils durch eine gGmbH betrieben werden. Im Fall des
Fürst-Pückler-Parks Bad Muskau erfolgt die Betreibung und Bewirtschaftung durch die
gleichnamige unselbständige Stiftung des öffentlichen Rechts.
Der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau ist in mehrfacher Hinsicht ein Beispiel für die Erfolge
des Freistaates Sachsen im Umgang mit seinem kulturellen Erbe. Zum Ende des Zweiten
Weltkriegs arg in Mitleidenschaft gezogen, gelang es, das landschaftsgärtnerische Gesamt-
kunstwerk in den zurückliegenden 15 Jahren wieder auferstehen zu lassen. Ein wesentlicher
Beitrag dazu war die Wiederherstellung der Blickachsen, welche die weiträumigen Bezüge
zwischen den einzelnen Elementen des Parks herstellen. Herzstück der Anlage ist das Neue
Schloss, auf welches sich viele Blickachsen beziehen. Bis Mitte der 90er Jahre noch eine
Ruine, erstrahlt es heute in neuem Glanz. Neben dem Neuen Schloss wurden auch Orange-
rie, Marstall, Schlossrampe und Schlossvorwerk saniert und teilweise für neue Nutzungen
umgebaut. Ein besonderes Projekt war die Wiedererrichtung der Doppelbrücke, welche nicht
nur die beiden Teile des Landschaftsparks beiderseits der Neiße, sondern auch die Bundes-
republik Deutschland mit der Republik Polen verbindet. Der Höhepunkt im Wiederaufbau war
2004 die Aufnahme des einmaligen Denkmalensembles in das Welterbe der UNESCO, was
die Außenwahrnehmung der Anlage weiter gestärkt hat. In jüngster Vergangenheit war es
möglich, zu den bereits vorhandenen Haushaltsmitteln Fördergelder aus dem Investitions-
programm des Bundes für nationale UNESCO-Welterbestätten einzuwerben, sodass eine
Vielzahl weiterer Maßnahmen begonnen werden konnte. Derzeit in Ausführung sind u. a. der
weitere Innenausbau des Neuen Schlosses mit dem Festsaalflügel, die denkmalgerechte
und funktionale Instandsetzung der Schlossgärtnerei und die Wiedererrichtung der Engli-
30
Vgl. auch die Baustatistik „Bauausgaben für Schlösser, Burgen und Gärten im Eigentum des
Freistaates Sachsen“, die die Kulturdenkmale des Freistaates Sachsen umfasst.

24
schen Brücke, welche künftig einen grenzüberschreitenden Parkrundgang in Verbindung mit
der bestehenden Doppelbrücke ermöglicht.
3.
Förderprogramme
Im Freistaat Sachsen wurden in den Jahren 1991 bis 2010
insgesamt über 1,65 Mrd. Euro
Landes- und Bundesförderung
zur Verfügung gestellt. Eine Gesamtübersicht der einge-
setzten Fördermittel nach Jahresscheiben kann
Abb. 16
entnommen werden. Diese Förder-
mittel stammen
zu ca. 30 Prozent aus dem Landesprogramm Denkmalpflege
(493.293,5
TEUR) und zu
ca. 66 Prozent (1.107.667,1 TEUR) aus dem Bund-Länder Programm
„Städtebaulicher Denkmalschutz“
(SDP) sowie zu 4 Prozent aus „sonstigen Förderungen“
(59.236,0 TEUR) (siehe
Abb. 17
). Hinzu kommen nicht unerhebliche Mittel der Europäischen
Union im Rahmen der Förderung der ländlichen Entwicklung, so 30 Mio. Euro allein in den
Jahren 2007 bis 2010.
3.1
Landesprogramm Denkmalpflege
Nach § 8 Abs. 1 SächsDSchG haben Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmalen diese
pfleglich zu behandeln, im Rahmen des Zumutbaren denkmalgerecht zu erhalten und vor
Gefährdung zu schützen. Nach § 8 Abs. 2 Satz 1 SächsDSchG trägt der Freistaat Sachsen
hierzu durch Zuschüsse nach Maßgabe der dafür zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel
bei.
Entsprechend gewährt der Freistaat Sachsen Denkmaleigentümern Zuwendungen aus dem
Landesprogramm Denkmalpflege zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen. In den
Jahren 1991 bis 2010 wurden dabei aus dem Landesprogramm Denkmalpflege und weiteren
Sonderprogrammen Haushaltsmittel in Höhe von insgesamt
552.529,5 TEUR
(Landespro-
gramm Denkmalpflege 493.293,5 TEUR plus sonstige Förderung 59.236,0 TEUR) für denk-
malpflegerische Einzelmaßnahmen zur Auszahlung gebracht.
31
Die sonstigen Förderungen
umfassen neben Sonderförderungen des Bundes z. B. im Rahmen der Förderung national
wertvoller Kulturdenkmäler, dem Denkmalschutzsonderprogramm „Dach und Fach“, Zu-
schüssen aus dem Altschuldenregelungsgesetz auch Soforthilfen zur Beseitigung von
Hochwasserschäden an Kulturdenkmalen und Beteiligungen der Deutschen Stiftung Denk-
malschutz (DSD) an Maßnahmen der Einzelkulturdenkmalpflege. Einen Überblick über die
finanzielle Ausstattung des Landesprogramms Denkmalpflege (einschließlich der Sonderför-
derungen) in den letzten 20 Jahren findet sich in
Abb. 18
.
Neben dem Sächsischen Denkmalschutzgesetz sind Grundlage für die Förderung nach dem
Landesprogramm Denkmalpflege die Verwaltungsvorschrift über die Gewährung von Zu-
wendungen zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen und zur Aus- und Fortbildung der
Denkmalpflege (VwV-Denkmalförderung)
32
sowie seit 2009 die Verordnung über die Gewäh-
rung von Zuwendungen zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen (SächsDSchföVO)
33
Seit der Kommunalisierung der Förderzuständigkeit für das Landesprogramm Denkmalpflege
zum 1. Januar 2009 werden den unteren Denkmalschutzbehörden die Mittel des Landespro-
gramms über die jeweilige Landesdirektion zur eigenständigen Bewirtschaftung zugewiesen
31
Rückflüsse aus Rückzahlungen und Rückforderungen in Folgejahren werden nicht berücksichtigt.
32
Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über die Gewährung von
Zuwendungen zur Erhaltung und Pflege von sächsischen Kulturdenkmalen und zur Aus- und
Fortbildung der Denkmalpflege (VwV-Denkmalförderung), vom 20. Dezember 1996, zuletzt
geändert mit Wirkung vom 1. Oktober 2007, SächsABl. Jg. 1997 Bl.-Nr. 43 S. 1088.
33
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über die Gewährung von
Zuwendungen zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen (Sächsische
Denkmalschutzförderungsverordnung – SächsDSchföVO) vom 18. Februar 2009, SächsGVBl. Jg.
2009 Bl.-Nr. 3 S. 85, ber. S. 259.

25
(§ 8 Abs. 2 Satz 4 SächsDSchG), es sei denn, die jeweilige untere Denkmalschutzbehörde
ist selbst Antragsteller. Dann wird die entsprechende Förderentscheidung durch die zustän-
dige Landesdirektion getroffen und das Förderverfahren durch diese abgewickelt. Die Vertei-
lung der verfügbaren Haushaltsmittel erfolgt durch das SMI gemäß der VwV Verteilerschlüs-
sel.
34
Da die unteren Denkmalschutzbehörden die Landesförderung Denkmalpflege als weisungs-
freie Aufgabe vollziehen, werden die Haushaltsmittel durch das SMI ohne detaillierte fachli-
che Rahmenvorgaben unter Hinweis auf die anzuwendenden Vorschriften des staatlichen
Haushaltsrechtes sowie der Sächsischen Denkmalschutzförderungsverordnung
35
den Bewil-
ligungsstellen zur selbstständigen Bewirtschaftung zugewiesen.
Die Förderung nach dem Landesprogramm Denkmalpflege hat sich bewährt, wie eine im
Jahr 2008 durch das SMI durchgeführte Evaluierung ergeben hat.
36
Die Landesförderung zielt auf konkrete Einzelmaßnahmen zum Schutz und zur Pflege von
Kulturdenkmalen ab, wie beispielsweise der Konservierung, der Restaurierung und der In-
standsetzung von Denkmalen. Hierbei handelt es sich nicht nur um Maßnahmen zum Schutz
und zur Pflege von Baudenkmalen, sondern auch um Maßnahmen zum Schutz und zur Pfle-
ge von Werken der Bildenden Kunst (z. B. Restaurierung eines Altars, eines Epitaphs oder
eines Decken- bzw. Wandgemäldes), Sanierung von technischen Denkmalen oder anderen
Maßnahmen. Gegenstand der Förderung ist dabei der denkmalbedingte Mehraufwand der
Maßnahme. Die Einzelkulturdenkmalförderung ist insofern kein pauschaler Baukostenzu-
schuss, sondern direkt an die individuellen denkmalbedingten Ausgaben des jeweiligen Ob-
jektes und der sich aus diesem ergebenden Denkmalwerte gekoppelt.
Die Fördermittel werden als nicht rückzahlbarer Zuschuss in Form der Projektförderung im
Wege der Anteilfinanzierung mit Höchstbetrag an Eigentümer, Besitzer und Bauunterhalts-
pflichtige gewährt. Der Fördersatz beträgt im Regelfall bis zu 60 Prozent, kann jedoch in be-
gründeten Ausnahmefällen auf bis zu 85 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben ange-
hoben werden. Ein Anspruch auf Gewährung einer Zuwendung besteht nicht, sondern die
zuständige Bewilligungsbehörde entscheidet im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel
nach pflichtgemäßem Ermessen. Antragsberechtigt sind grundsätzlich alle natürlichen und
juristischen Personen, soweit sie Eigentümer, Besitzer und Bauunterhaltspflichtige eines
Kulturdenkmals sind. Nicht antragsberechtigt sind der Bund, das Land, sowie andere Bun-
desländer oder ausländische Staaten.
Der Schwerpunkt der Landesförderung lag in den vergangenen Jahren auf der Sicherung
und Restaurierung hochwertiger Baudenkmale, insbesondere Schlössern, Kirchen und regi-
onal bedeutenden Kunstdenkmalen. Diese Prioritätensetzung resultierte nicht zuletzt auch
aus der hohen kulturellen Bedeutung der Objekte für die Denkmallandschaft im Freistaat
Sachsen, dem oft desolaten Zustand der Bausubstanz bzw. dem akuten Gefährdungszu-
stand einzelner Anlagen oder Kunstwerke. Über diese Schwerpunktsetzung sollte das Be-
sondere und Außergewöhnliche der sächsischen Kulturlandschaft erhalten und gesichert
werden. Durch die umfangreiche Fördertätigkeit des Freistaates Sachsen in den letzten zwei
34
Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über die Höhe der
Zuweisung von Haushaltsmitteln des Landesprogrammes Denkmalpflege zur Bewirtschaftung nach
§ 8 Abs. 2 Satz 4 SächsDSchG (VwV Verteilerschlüssel) vom 17. Februar 2009. [Geändert durch
VwV vom 7. September 2010 (SächsABl.S. 1355) mit Wirkung vom 7. September 2010].
35
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums des Innern über die Gewährung von
Zuwendungen zur Erhaltung und Pflege von Kulturdenkmalen Sächsische Denkmalschutz-
förderungsverordnung – SächsDSchföVO) vom 18. Februar 2009, SächsGVBl. Jg. 2009 Bl.-Nr. 3
S. 85, ber. S. 259.
36
Bericht des Sächsischen Staatsministeriums des Innern zur Evaluierung der Denkmalförderung
nach der VwV Denkmalförderung vom 20. Dezember 1996 wird Bezug genommen,
Kabinettsbeschluss Nr. 04/0950 vom 10. März 2009.

26
Jahrzehnten konnten viele unwiederbringliche Kulturdenkmale vor dem endgültigen Verlust
gerettet und für eine Nutzung durch die Allgemeinheit instandgesetzt werden. Angesichts des
noch erheblichen Investitionsbedarfes für Maßnahmen in den Bereichen Sakralbauten,
Schlösser, Rittergüter und Herrenhäuser, Denkmale der Industrie- und Verkehrsgeschichte
sowie Gartendenkmale bleibt auch künftig noch ein erheblicher Handlungsbedarf bestehen.
37
Kulturdenkmale und Vorhaben mit geringerer Wertigkeit als die vorgenannten Objekte hatten
im Rahmen der Einzelkulturdenkmalförderung bisher nur begrenzt Aussicht auf eine Förde-
rung, woraus sich auch hier in Teilen ein Investitionsstau ergeben hat. Allerdings sind hier
die Gründe vielschichtig. So scheitert eine Förderung oftmals auch an der prekären Vermö-
genssituation des Antragstellers. Diese Konfliktlage besteht vorrangig im ländlichen Raum,
wo zusätzliche Problemstellungen wie z. B. Auswirkungen des demografischen Wandels,
Arbeitslosigkeit und Abwanderung eine erhebliche Rolle spielen. Ohne finanzielle Unterstüt-
zung des Freistaates Sachsen fehlte in diesen Gebieten jedoch jeglicher Anreiz zur denk-
malgerechten Instandsetzung und Erhaltung der Objekte.
38
Eine Anhebung des Fördersatzes
wurde im Hinblick auf die begrenzt zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel und die ge-
wünschte Breite der Verteilung bisher nicht angestrebt.
Mit der Übertragung der Förderzuständigkeit für das Landesprogramm Denkmalpflege als
weisungsfreie Aufgabe auf die unteren Denkmalschutzbehörden und durch die breite Auffä-
cherung der Landesförderung von ursprünglich 3 Bewilligungsstellen auf 23 Bewilligungsstel-
len
39
wurde ab dem Jahre 2009 eine stärkere regionale Ausrichtung der Förderung akzentu-
iert. Während im Rahmen des Antrags- und Bewertungsverfahrens bis zum Jahre 2008
sämtliche Fördervorhaben aus dem Zuständigkeitsbereich einer Landesdirektion hinsichtlich
Wertigkeit und Bemessung der Zuwendung miteinander konkurrierten, wird der Zielkonflikt
einer möglichst ausgewogenen Verteilung der verfügbaren Haushaltsmittel u.a. nach Denk-
maltyp (Umgebindehaus vs. Rittergut) oder Rechtsträgerschaft (Kirche vs. Private) entschärft
und Handlungsoptionen für eine regionale Planung eröffnet.
3.2
Städtebaulicher Denkmalschutz
Im Gegensatz zu anderen Bundesländern rechnet der Freistaat Sachsen den Beitrag der
Städtebauförderung – Städtebaulicher Denkmalschutz (SDP) - mit in seine öffentlichen Aus-
gaben für Denkmalschutz und Denkmalpflege. Denn neben Bundesmitteln flossen auch hier
erhebliche Landesmittel in den Erhalt des baukulturellen Erbes. So wurden zwischen 1991
und 2010 Bundesmittel in Höhe von 553.208,6 TEUR nach Sachsen gewährt. Diese Mittel
wurden wiederum mit
Landesfinanzhilfen in Höhe von 554.458,5 TEUR
ergänzt. Die
In-
vestitionssumme
beträgt damit
über 1,107 Mrd. EUR
.
Für die Stadtentwicklung in den neuen Ländern spielten dabei von Anfang an die Regularien
des Denkmalschutzes eine herausragende Rolle. Als Reaktion auf den in der DDR vorange-
schrittenen Verfall der historischen stadtbildprägenden Bausubstanz wurde im Jahr 1991 das
Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ (SDP) speziell für die ostdeut-
schen Länder ins Leben gerufen. Es entwickelte sich schnell zum Leitprogramm zur Veran-
kerung des Werts der baukulturellen Identität in der Stadtentwicklung.
37
Eine im Zuge der Haushaltsaufstellung 2011/2012 durchgeführte landesweite Bedarfsanalyse hat
für die Jahre 2011 - 2015 ein Investitionsvolumen von 167 Mio. Euro ergeben. (Siehe auch
Leitfaden Energetische Sanierung von Baudenkmalen des SMI, Februar 2011, S. 36).
38
Hinweis: Durch SMI, Referat 51 ist eine gesonderte Evaluierung zu den Ergebnissen und
Auswirkungen der Verwaltungsreform im HH-Jahr 2012 und eine Bedarfsanalyse zu
denkmalpflegerischen Maßnahmen im ländlichen Raum unter Berücksichtigung demografischer
Entwicklungstendenzen im HH-Jahr 2013 geplant. Die Ausgaben wurden in der Planung der
sächlichen Verwaltungskosten berücksichtigt.
39
3 Landesdirektionen und 20 untere Denkmalschutzbehörden.

27
Das Bund-Länder Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zielt darauf ab, bau- und kul-
turhistorisch wertvolle Stadtkerne über die jeweiligen Einzeldenkmale, Straßen und Plätze
hinaus in ihrer baulichen und strukturellen Eigenart und Geschlossenheit zu erhalten und
zukunftsweisend weiter zu entwickeln. Die historischen Innenstädte sollen dabei keinesfalls
zu Museen werden, sondern sich zu lebendigen Orten entwickeln, die auch unter heutigen
Bedingungen für Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeiterlebnisse gleichermaßen attraktiv
sind.
40
Gegenwärtig werden 58 Städte mit 63 Fördergebieten (Programmstädte siehe
Abb. 19
) im
Programm unterstützt, die über erhaltenswerte historische Stadtbereiche mit städtebaulich
bedeutenden Gebäuden und Ensembles verfügen. Die historischen (Innen-) Stadtbereiche
sind dabei jeweils als Erhaltungssatzungsgebiete gemäß §172 Baugesetzbuch (BauGB)
festgesetzt. Die 63 Gesamtmaßnahmen, die zur Erreichung der Erhaltungsziele mit Bundes-
und Landesfinanzhilfen unterstützt werden, beinhalten eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen
die geeignet sind, die historischen Stadtkerne mit denkmalwerter Bausubstanz auf breiter
Grundlage zu sichern und zu erhalten. In seiner Komplexität, dem Gebietsbezug und der
Mehrjährigkeit der Maßnahmen geht das Programm weit über die Einzeldenkmalpflege hin-
aus. Nicht jedes geförderte Objekt muss ein Denkmal sein, vielmehr steht der städtebauliche
Gesamtzusammenhang im Fokus. Daher können auch im Einzelnen nicht als Kulturdenkma-
le ausgewiesene Gebäude in die Förderung einbezogen werden, um die Programmziele zu
erreichen, ebenso wie Straßen, Plätze und Freiräume.
Empfänger der Fördermittel sind die Programmkommunen. Private Eigentümer können über
die Städte Zuschüsse für die Sanierung ihrer Gebäude erhalten.
Das Programm ist ein wichtiger Wirtschafts- und Beschäftigungsfaktor in Sachsen, vor allem
im beschäftigungsintensiven Bauhandwerk und ein Garant für die Erhaltung unverwechsel-
barer Stadträume und einer regionalen Baukultur. Diese lebendige Tradition bildet eine Att-
raktion für Fremdenverkehr und Tourismus sowie einen wichtigen Standortvorteil für die An-
siedlung von Unternehmen und Arbeitskräften.
Das Förderprogramm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ ist aus denkmalpflegerischer Sicht
das bisher erfolgreichste im Feld der erhaltenden Stadterneuerung. Es hat das Ziel der Integ-
ration von allgemeinen Erhaltungszielen, denkmalpflegerischen Schutzzielen und den Zielen
der Stadtentwicklung verwirklicht. In den vergangenen 20 Jahren wurde so ein erheblicher
Teil der Probleme und Defizite der historischen Stadtzentren behoben. Neben der nahezu
flächendeckenden Beseitigung des Verfalls der wertvollen Kulturgüter in den Fördergebieten
leistete das Programm einen enormen Beitrag zur Revitalisierung der historischen Stadtbe-
reiche sowie zur Identitätsstiftung und Imagebildung der Städte in Sachsen. Somit kann für
die Städte Sachsens erfolgreich ein Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft geschlagen
werden.
Doch das Ende der Aufgaben ist noch lange nicht erreicht. In vielen historischen Stadtkernen
in Sachsen gibt es bisher ungenutzte denkmalwerte Gebäude und unsanierte Bausubstanz.
Das Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ benötigt eine kontinuierliche öffentliche
Förderung von Bund und Freistaat, aber auch verstärkte private Unterstützung, um die Iden-
tität der historischen Stadtkerne und –bereiche nicht nur zu bewahren, sondern auch mit
neuen Qualitäten zu besetzen und die sächsischen Städte nachhaltig zu stärken und zu-
kunftsfähig zu gestalten.
40
Programmstrategie des Bundes und der Länder zum Bund-Länder-Programm „Städtebaulicher
Denkmalschutz“ (
http://www.staedtebaulicher-denkmalschutz.de/aktuelles/Programm
strategie_18_08_2010.pdf
; (Zugriff am 26. April 2011).

28
3.3
Förderung der Ländlichen Entwicklung
20 Jahre Denkmalschutz im Ländlichen Raum sind eng mit der Förderung der Ländlichen
Entwicklung verknüpft. So wurden beispielsweise in den Jahren
2007 bis 2010
im Ländli-
chen Raum
30 Mio. Euro Fördermittel aus EU- und Landesmitteln
für 449 Maßnahmen
an Baudenkmalen bewilligt. Darunter sind Projekte der Sanierung der Außenhülle von mehr
als 100 Kirchen, aber auch 83 Vorhaben mit gewerblichem Hintergrund.
Durch die seit 1991 erfolgte Konzentration der Instrumente der Ländlichen Entwicklung auf
die gezielte Innenentwicklung im Gebäudebestand und der vorhandenen Infrastruktur konnte
ein nachhaltiger Beitrag zur Erhaltung der historischen Siedlungsstruktur der ca. 3.000 säch-
sischen Dörfer erreicht werden. Ohne die Innenentwicklung würden die historischen Sied-
lungsstrukturen stärker durch Neubaugebiete gestört und die Ortsmitten durch vermehrten
Leerstand und Verfall geprägt. Allein von Oktober 2007 bis Dezember 2010 konnten durch
die Förderung von Maßnahmen der Um- und Wiedernutzung ländlicher Bausubstanz über
500.000 m² Flächen für Neubauten eingespart werden. Auch die ortsbildgerechte und ange-
passte Gestaltung und Dimensionierung von Straßenräumen leistet einen nicht zu unter-
schätzenden Beitrag zur Erhaltung des historischen Erscheinungsbildes der sächsischen
Dörfer.
Die Erhaltung historisch wertvoller ländlicher Bausubstanz und die Bewahrung des kulturel-
len Erbes waren zentraler Bestandteil der Förderung im Ländlichen Raum seit 1991, insbe-
sondere des Sächsischen Dorfentwicklungsprogramms von 1993 bis 2006. In den neunziger
Jahren bis 2006 war der quantitativ größte Anteil der Baumaßnahmen im Bereich der Erneu-
erung von Dach und Fassade im Sinne einer Grundsanierung historischer ländlicher Bau-
substanz. Unter den von 1991 bis 2006 geförderten 44.600 Gebäuden befand sich schät-
zungsweise ein Anteil von knapp 20 Prozent Baudenkmalen, z. B. auch eine große Anzahl
von Umgebindehäusern. Hinzu treten auch Förderungen für eine ganze Reihe denkmalge-
schützter Guts- und Schlossparks sowie Einzeldenkmale auf Dorfplätzen. Seitens der Lan-
desanstalt für Landwirtschaft (LfL) wurde in einer Erhebung festgestellt, dass 21 Prozent der
zwischen 1993 und 2006 mit Förderung in den ländlichen Raum zugezogenen Familien ein
Baudenkmal bewohnen. In den vergangenen 20 Jahren wurden 4.368 Vorhaben der Wohn-
umnutzung gefördert. Bei einem Anteil von 21 Prozent entspricht dies der Erhaltung und Sa-
nierung von 917 ländlichen Baudenkmalen mit der neuen Nutzung zum eigenen Wohnen.
Das derzeitige Entwicklungsprogramm für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen 2007 -
2013 (EPLR) trägt mit seinen Zielstellungen maßgeblich zur Erhaltung ortsbildprägender
ländlicher Bausubstanz als Kulturerbe bei. Es stellt dabei nachhaltige Nutzungskonzepte im
Einklang mit der Bevölkerungsentwicklung, den Zuzug sowie die Sicherung und Schaffung
von Arbeitsplätzen in den Vordergrund.
Im Sinne der Ländlichen Entwicklung können Maßnahmen zum Erhalt historisch wertvoller
ländlicher Bausubstanz und zur Bewahrung des kulturellen Erbes in Verbindung mit einer
tragfähigen Nutzung und Funktion über die Richtlinie Integrierte Ländliche Entwicklung (RL
ILE/2007) unterstützt werden. Die Bestandssicherung und Bestandspflege kulturhistorisch
bedeutsamer baulicher Anlagen stellt dabei ein sekundäres Ziel dar.
Mit der RL ILE/2007 besteht ein wirksames Instrument, Investitionen gerade in solche Pro-
jekte zu lenken, die die Um- oder Wiedernutzung und damit den Weiterbestand historischer
Bauten und Denkmale beinhalten. Leerstand und Verfall des baulichen Kulturerbes werden
damit verringert. Der in den Dörfern und kleinen Städten erforderliche Nutzungswandel kor-
respondiert mit dem Ziel des Sächsischen Denkmalschutzgesetzes, Kulturdenkmale zu
schützen und zu pflegen. Seit Oktober 2007 werden mit der RL ILE/2007 Maßnahmen an
Denkmalen gezielt als Indikator der Förderung erfasst.

29
Ein wichtiges Augenmerk liegt in der Revitalisierung von historischen Hofanlagen und Wohn-
stallhäusern als Zeugnissen der ländlichen Siedlungsgeschichte und Volksbauweise. We-
sentliche Impulse konnten auch im Bereich der Sanierung und neuen Nutzung von Schlös-
sern, Rittergütern, und Mühlengebäuden sowie bei der Erhaltung denkmalpflegerisch wert-
voller Parkanlagen oder Kirchen im ländlichen Raum gesetzt werden. Im Ergebnis der geför-
derten Vorhaben sind Maß und Proportion der ursprünglichen Substanz und ihr unverwech-
selbarer Ausdruck ablesbar geblieben. Geringfügige Erweiterungen oder die Beseitigung
störender Anbauten ergänzen die Erhaltungsmaßnahmen. Vorhandene historische Elemente
wurden fachgerecht aufgearbeitet oder ergänzt. Auch moderne Bauteile konnten in histori-
sche Fassaden integriert oder in ausgewogenen Kontrast zum Bestand gesetzt werden. Der
direkte Bezug oder die bewusste Auseinandersetzung mit den regional typischen Bauweisen
und den authentischen Materialien bildet dabei die Grundlage.
Die Investitionen wurden und werden durch konzeptionelle Vorarbeiten auf lokaler Ebene
und fachliche Publikationen des SMUL (z. B. Sächsische Umnutzungsfibel für ländliche Bau-
ten, Sächsisches Dorfbaubuch) begleitet. Von 1991 bis 2003 wurden für fast alle Dörfer örtli-
che Entwicklungskonzepte (ÖEK) mit vielfältigen Beiträgen zum Schutz und zur Entwicklung
der lokalen Bau- und Kulturdenkmale erarbeitet. Ab 2007 wurden auf der Grundlage der In-
tegrierten Ländlichen Entwicklungskonzepte (ILEK) gezielt konzeptionelle Vorarbeiten auch
mit Bezug zu denkmalpflegerischen Zielstellungen gefördert.
Die seitens des SMUL ausgelobten Wettbewerbe „Unser Dorf hat Zukunft“ und insbesondere
„Ländliches Bauen“ unterstützen öffentlichkeitswirksam Projekte und Ideen für einen verant-
wortungsvollen, zugleich innovativen Umgang mit ländlicher Bausubstanz und Kulturerbe.
Bei den Wertungskriterien stehen auch denkmalpflegerische Zielstellungen im Blickpunkt.
3.4
Denkmalpflegeprogramm „National wertvolle Kulturdenkmäler“ des Beauftrag-
ten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)
Im Rahmen des Denkmalpflegeprogramms des BKM beteiligt sich der Freistaat Sachsen im
Wege der Komplementärfinanzierung auch an der Förderung für „National wertvolle Kultur-
denkmäler“. Im Rahmen dieses Bundesprogramms werden denkmalpflegerische Maßnah-
men gefördert, die der Substanzerhaltung und Restaurierung von unbeweglichen Kultur-
denkmalen (Baudenkmäler, historische Parks und Gärten, archäologische Stätten) von nati-
onaler Bedeutung dienen. Im Zeitraum
2009 - 2011
wurden
durch den BKM und den Frei-
staat Sachsen Fördermittel in Höhe von 3.392,8 TEUR
bereitgestellt.
41
National wertvoll sind nach der Klassifikation des Bundes vor allem Denkmale, die Zeugnis
ablegen über kulturelle, politische, geschichtliche, architektonische, städtebauliche oder wis-
senschaftliche Leistungen, die zur Entwicklung oder zur Darstellung des Staates als Kultur-
nation maßgeblich beigetragen haben oder die für die kulturelle oder historische Entwicklung
einer Kulturlandschaft von herausragender Bedeutung sind. Wichtige Fördervorhaben waren
bisher u. a. das Zinzendorf–Schloss im Landkreis Löbau-Zittau, das Kloster St. Marienthal in
Ostritz, das Kloster St. Marienstern im Landkreis Kamenz sowie der Dom St. Marien in Zwi-
ckau.
3.5
Investitionsprogramm nationale UNESCO-Welterbestätten
In Verantwortung für das kulturelle Welterbe wurde beim Bundesministerium für Verkehr,
Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) im Jahr 2009 das Investitionsprogramm nationale
UNESCO-Welterbestätten (2009 - 2014) mit einem Fördermittelvolumen von insgesamt 220
41
Etwaige Änderungen der Bewilligungssummen des BKM sowie Minderausgaben im Ergebnis der
VN-Prüfung sind nicht berücksichtigt.

30
Mio. Euro eingerichtet. Mit den Mitteln aus dem Programm sollen dringend notwendige In-
vestitionen in den Erhalt der historischen Stätten von Weltrang getätigt werden.
Mit den Fördermitteln werden die Welterbe-Kommunen unterstützt, ihre Welterbestätten zu
erhalten und für eine welterbeverträgliche Stadtentwicklung zu sorgen. Ziel des Programms
ist es, Investitionen in den Erhalt und die Pflege des Welterbes anzustoßen und den Aus-
tausch zwischen den Welterbestätten zu intensivieren. Damit soll die Bedeutung des UNES-
CO-Welterbes auch stärker öffentlich wahrgenommen werden. Das Programm leistet einen
wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Stadtentwicklung und soll Impulse für Beschäftigung und
Wachstum in den Regionen setzen.
Der Stadt Bad Muskau wurden für Investitionen im Zusammenhang mit der
UNESCO-
Welterbestätte Fürst Pückler-Park Bad Muskau
Fördermittel in einer Gesamthöhe von
rund 4,3 Mio. Euro
bewilligt.
3.6
Förderung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit aus dem Europäischen
Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE)
Die Fördermöglichkeiten aus dem Operationellen Programm der grenzübergreifenden Zu-
sammenarbeit Sachsen - Polen 2007 - 2013
42
sowie dem Ziel 3-Programm zur Förderung
der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tsche-
chischen Republik 2007 - 2013
43
kommen auch der Denkmalpflege zu Gute.
Insgesamt stehen in den jeweiligen grenzübergreifenden Förderprogramm 2007 - 2013 fol-
gende Finanzmittel zur Verfügung:
Sachsen - Polen/Niederschlesien:
123,6 Mio. Euro
Sachsen - Tschechien:
244 Mio. Euro
Über die beiden Programme können grenzübergreifende Projekte aus unterschiedlichsten
Bereichen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens eine finanzielle Unterstützung mit EFRE-
Mitteln erhalten. Hierzu gehören auch die die Denkmalpflege betreffenden Bereiche „Kunst
und Kultur“ bzw. „Revitalisierung und Erhaltung von Kunst- und Kulturobjekten von grenz-
übergreifender Bedeutung“.
So wurden zum Beispiel im Rahmen der sächisch - polnischen Zusammenarbeit 2010 EU-
Mittel in Höhe von
511.000 Euro für die Renovierung der Arkadenbrücke im polnischen
Teil des Muskauer Parks
bewilligt. Mit der Renovierung dieser Brücke wird ein erheblicher
Beitrag zur Pflege und zum Erhalt der deutsch - polnischen UNESCO-Weltkulturerbestätte
„Muskauer Park/Park Muzakowski“ beigetragen. Ebenso konnte 2011 (Antragstellung 2010)
im Rahmen des sächsisch - polnischen Projektes „Via sacra - zwei Städte ein Weg“ ein Teil
der insgesamt bewilligten EU-Mittel i. H. v.
940.000 Euro zur Restaurierung sowie zum
Um- und Ausbau der Kamenzer Franziskanerklosterkirche St. Annen
zur Verfügung ge-
stellt werden.
Im Rahmen der sächsisch-tschechischen Zusammenarbeit konnten beispielsweise im Jahr
2010 die für das Projekt „Parkerlebnisse Bad Elster-Asch“ zur Verfügung stehenden EU-
Fördermittel i. H. v.
2.600.000 Euro auch für die Revitalisierung des Naturdenkmals
„Paul-Schindler-Park“ in Bad Elster
eingesetzt werden.
42
http://www.sn-pl.eu/de/kurzinfo/index.html
; (Zugriff am 22. Juni 2011).
43
http://www.ziel3-cil3.eu/de/programm/index.html
; (Zugriff am 22. Juni 2011).

31
4.
Stiftungen
Wie in allen Bundesländern gehört auch in Sachsen das bürgerliche Engagement zu den
tragenden Säulen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege. Insbesondere Stiftungen
setzen sich inhaltlich als auch finanziell dabei für den Erhalt des kulturellen Erbes ein. Bei-
spielhaft wird im Folgenden das Wirken von sechs Stiftungen
44
aufgezeigt:
Die
Deutsche Bundesstiftung Umwelt
(DBU) ist seit ihrer Gründung im Jahr 1991 stark in
Sachsen engagiert. Mit
über 28 Mio. Euro
in 142 Projekten konnte sie in Modellvorhaben
zur Bekämpfung anthropogener Umweltschäden an wertvollen Kulturgütern beitragen. Ge-
förderte Objekte waren u. a. der Meißener Dom, die Thomaskirche in Leipzig, die Dresdner
Frauenkirche, die Festung Königstein, aber auch das Umgebindehaus als Ausdruck einer
Volksbauweise oder der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Die DBU förderte auch die Klöster
St. Marienstern und St. Marienthal. Hier findet seit 1994 die Internationale Sommerakademie
der DBU statt.
Die 1985 gegründete private
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
(DSD) mit Sitz in Bonn
konnte dank privater Spenden und aus Mitteln der Lotterie GlücksSpirale, der Rentenlotterie
von Lotto, seit 1991 allein in Sachsen über 680 Projekte fördern und dafür einen Betrag von
rund 50 Mio. Euro
zur Verfügung stellen. Neben ihrem Bemühen um den Erhalt der Baukul-
tur sorgt sich die Stiftung auch darum, das Bewusstsein in der Öffentlichkeit für die Dringlich-
keit von Denkmalschutz und Denkmalpflege zu stärken. Dazu gibt sie neben anderen Initiati-
ven die Zeitschrift MONUMENTE heraus und koordiniert bundesweit den Tag des offenen
Denkmals.
In den vergangenen Jahrzehnten hat die
Dussmann Gruppe
deutschlandweit unterschiedli-
che kulturelle und soziale Projekte unterstützt. Ein besonderes Anliegen waren dem Multi-
dienstleister dabei stets kunsthistorische Unternehmungen. So auch im Bundesland Sach-
sen, wo sich Dussmann seit über zwanzig Jahren im Bereich Denkmalschutz und -pflege
engagiert. Zu den geförderten Projekten gehören unter anderem: Stiftung Bach-Archiv Leip-
zig, Kirchenbezirk Leipzig, Marcolini-Palais Dresden, Dach der Loschwitz-Kirche, Mahlwerk
der Zschoner Mühle, Orgel der Christophoruskirche Dresden, Brunnen „Stürmische Wogen“
Dresden, Rathausturm Dresden-Pieschen, Rebecca-Brunnen Dresden, Turmabschluss der
St.-Annen-Kirche Dresden, Brunnen Dreikönigskirche Dresden, Schloss Zuschendorf Pirna,
Kirchturm Radeberg, Orgel der Friedenskirche Radebeul.
Die
Ostdeutsche Sparkassenstiftung
(OSS) ist ein Gemeinschaftswerk aller Sparkassen
Sachsens, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts. Seit ihrer Er-
richtung im Jahre 1995 hat die Stiftung gemeinsam mit den Sparkassen vor Ort allein im
Freistaat Sachsen für 535 Projekte eine Gesamtsumme von über 18,6 Mio. Euro bereitge-
stellt. Im Bereich der Denkmalpflege wurden insgesamt
209 Projekte mit rd. 7,7 Mio. Euro
gefördert. Die für die Projekte erforderlichen Finanzmittel werden aus Erträgen des Stiftungs-
vermögens, dem überörtlichen Zweckertrag der Sparkassenlotterie „PS-Lotterie-Sparen" und
den projektbezogenen Zusatzspenden der Sparkassen aufgebracht.
Die
Stiftung Umgebindehaus
setzt sich seit 2004 für den Erhalt der Volksbauweise in der
Oberlausitz ein. Bislang konnten 57 Förderverträge mittels der Kleinprojektförderung für res-
tauratorische Arbeiten mit
78.000 Euro
unterstützt werden. Parallel wurde in den Jahren
2008/09 ein komplexes Fördervorhaben umgesetzt. In diesem galt es, konkrete individuelle
Maßnahmen zu entwickeln, Umgebindehäuser denkmalgerecht und modellhaft zu sanieren,
sowie innovative Lösungsmöglichkeiten bei der Umsetzung zu entwickeln. Im Ergebnis wur-
den 14 öffentliche und private Bauvorhaben an Umgebindehäusern mit
145.000 Euro
finan-
ziell unterstützt. Im Rahmen der Sonderfinanzierung der Sparkassen Oberlausitz-Nieder-
44
In alphabetischer Reihenfolge.

32
schlesien und Bautzen werden seit 2004 für Kauf bzw. Kauf und Sanierung eines Umgebin-
dehauses bis zu 100.000 Euro bereitgestellt. Seit 2004 erhielten über 68 neue Umgebinde-
hauseigentümer diese Sonderfinanzierung.
Die
Wüstenrot Stiftung
ist eine gemeinnützige und unabhängige Organisation, die bundes-
weit u. a. Denkmalprojekte operativ initiiert, konzipiert und durchführt. Im Fokus liegt dabei
die Erhaltung und Pflege von gefährdetem kulturellem Erbe des 20. Jahrhunderts. Die Wüs-
tenrot Stiftung ist einem Denkmalbegriff verpflichtet, der die gesamte Bau- und Nutzungsge-
schichte ernst nimmt und mit den ästhetischen Qualitäten der Originalsubstanz abwägt. Stif-
tungsmittel von über
4 Mio. Euro
kamen so den Menschen in Sachsen für die Gebäude in
Hellerau, Hans Scharouns Haus Schminke in Löbau und das Biblische Haus in Görlitz zugu-
te.
5.
Steuerliche Vergünstigungen
Neben den Förderprogrammen sind steuerliche Vergünstigungen von überragender Bedeu-
tung für die Erhaltung und Nutzung von Kulturdenkmalen.
Wichtigstes Instrumentarium der steuerlichen Förderung sind im Einkommensteuerrecht die
§§ 7i ff. des Einkommensteuergesetzes (EStG), die Eigentümern von Kulturdenkmalen für
bestimmte Aufwendungen attraktive Steuervorteile einräumen. Diese Steuervergünstigungen
sind für die Erhaltung und sinnvolle Nutzung von Kulturdenkmalen unverzichtbar, weil aus-
reichende direkte Subventionen aus den Denkmalförderprogrammen nicht zur Verfügung
stehen und zu erwarten ist, dass in Zukunft weitere Mittelkürzungen zu Gunsten anderer Be-
reiche erfolgen werden. Mit den steuerlichen Anreizen werden Eigentümer zu hohen Investi-
tionen in ihre Kulturdenkmale motiviert. Des Weiteren wird mit den Steuervergünstigungen
erreicht, dass kostenintensive denkmalpflegerische Forderungen eher akzeptiert und die
Durchsetzung denkmalrechtlicher Auflagen damit wesentlich erleichtert werden. Schließlich
wird schon durch das einkommensteuerrechtliche Erfordernis der Abstimmung der Baumaß-
nahmen eine enge Zusammenarbeit der Denkmaleigentümer mit den Denkmalbehörden er-
reicht.
Daneben gehen von der steuerlichen Förderung erhebliche positive Folgewirkungen aus.
Nach Angaben des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e. V.
aus dem Jahr 2008 setzt ein Euro Steuermindereinnahmen im Denkmalbereich 15 Euro an
Folgeinvestitionen in Gang. Soweit der Staat im Rahmen der steuerlichen Förderung nach
§§ 7i und 10f EStG z. B. im Jahr 2010 auf insgesamt 86 Mio. Euro Steuereinnahmen verzich-
tet hat
45
, wurden dadurch alleine im gleichen Jahr Folgeinvestitionen in Höhe von knapp 1,3
Mrd. Euro ausgelöst.
Zu den Folgewirkungen der Steuervergünstigungen nach §§ 7i ff. EStG gehören zudem vor
allem die Förderung der Beschäftigung im Baubereich und im Baunebengewerbe, die Erhal-
tung von hochqualifizierten Fachkräften in Spezialberufen, die Belebung des Tourismus
durch die Erhöhung des kulturellen Angebots sowie eine Verbesserung der Lebensqualität
und damit der Attraktivität des Standortes. Mit der Erhaltung der Bausubstanz wird auch die
Umwelt geschont, da für Neubauten erforderliche Rohstoffe eingespart werden.
Der 22. Subventionsbericht
46
der Bundesregierung sieht wegen der bewährten Anreizwirkung
zum Erhalt von Kulturdenkmalen eine Beibehaltung der Steuervergünstigungen vor.
45
22. Subventionsbericht, Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Finanzhilfen des
Bundes und der Steuervergünstigungen für die Jahre 2007 – 2010, Berlin Januar 2010, S. 263 f,
http://www.bundesfinanzministerium.de/nn_4542/DE/Wirtschaft__und__Verwaltung/Finanz__und_
_Wirtschaftspolitik/Finanzpolitik/Subventionspolitik/100113__Subventionsbericht__anl__Druck,tem
plateId=raw,property=publicationFile.pdf
; (Zugriff am 12. Mai 2011).
46
Siehe Fußnote 45.

33
VII.
Denkmalschutz und Denkmalpflege als wichtiger Impulsgeber für die erfolgrei-
che Entwicklung des Freistaates Sachsen
In den letzten 20 Jahren haben der Denkmalschutz und die Denkmalpflege nicht nur dazu
beigetragen, dass das wertvolle kulturelle Erbe Sachsens für nachfolgende Generationen
erhalten bleibt. Es kann vielmehr auch festgestellt werden, dass sie über ihren eigentlichen
Wirkungsbereich hinaus wichtige Impulse zur erfolgreichen Entwicklung des Freistaates
Sachsen gegeben haben.
Wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Impulse
In Zeiten der Globalisierung üben kulturelle Kerne eine anziehende Wirkung auf Investoren
für innovative Unternehmensansiedlungen aus. Tradition und Hightech zeigen sich als zwei
Seiten einer Medaille und tragen gemeinsam zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung
bei, wie sich an Freiberg mit Solarworld, Dresden als Mikroelektronikstandort, Zwickau mit
VW-Niederlassung und Leipzig mit BMW-Niederlassung zeigt. Wirtschaftansiedlungen zie-
hen auch hochqualifizierte Arbeitskräfte an und stärken somit die Kaufkraft der Region.
Die wirtschafts- und arbeitsmarktpolitischen Impulse, die von der sächsischen Kulturland-
schaft insgesamt ausgehen, sind erheblich. Insbesondere örtliche Handwerksbetriebe, vor-
wiegend mittelständisch geprägt, profitieren von der Denkmalpflege. So konnten durch die
Bereitstellung der Finanzmittel im Denkmalschutz und in der Denkmalpflege in den letzten
zwei Jahrzehnten erhebliche Folge- und Begleitinvestitionen bei den Bauherren und Eigen-
tümern generiert werden. Nach Erfahrungen der Denkmalschutzbehörden kann davon aus-
gegangen werden, dass ein Anteil von einem Euro an staatlichen Fördermitteln bis zu zehn
Euro an privatem Kapital aktiviert. Dies belebte vor allem die regionale Bauwirtschaft und
trug damit auch unmittelbar zu einer nachhaltigen Förderung und Stärkung des sächsischen
Mittelstandes in diesem Sektor bei. Die umfangreichen Baumaßnahmen im Fürst-Pückler-
Park in Bad Muskau haben beispielsweise nicht nur ein außergewöhnliches Denkmalen-
semble vor dem Verfall gerettet. Die Investitionen in das Denkmal brachten gleichzeitig Ar-
beit in eine der strukturschwächsten Regionen Sachsens.
Die wieder in altem Glanze erstrahlenden Städte und Dörfer sind Anziehungspunkte für Tou-
risten aus dem In- und Ausland. Denkmalschutz und Denkmalpflege leisten daher einen
wichtigen Beitrag auch für den Tourismus in Sachsen.
Denkmalschutz und Denkmalpflege bedingen stets eine enge Zusammenarbeit mit vielen
Partnern. Dazu zählen auch Forschungseinrichtungen, Hochschulen, Restauratoren und
Handwerker, um Neues zu entwickeln und Altes zu bewahren.
Wiederbelebung alter Handwerkskunst über die Landesgrenzen Sachsens hinaus
Die umfangreichen Sanierungen, Restaurierungen und Rekonstruktionen in den zurücklie-
genden 20 Jahren führten zu einer Wiederbelebung alter Handwerkskunst. Oftmals musste
bei den Baumaßnahmen Neuland beschritten werden, da es keine geeigneten Lösungen für
die anstehenden Aufgaben auf dem Markt gab. Das bei diesen Maßnahmen neu gewonnene
Wissen ist zwischenzeitlich über die Landesgrenzen Sachsens hinaus begehrt.
Durch die hohen Anforderungen an die denkmalpflegerische Qualität der Instandsetzung und
der städtischen Maßnahmen sind neue Maßstäbe etabliert worden. Denkmalpflegerische
Maßnahmen sind immer auch Beiträge zum nachhaltigen Umgang mit stofflichen und ener-
getischen Ressourcen sowie eine Rückbesinnung auf historische Materialien, erfolgreiche

34
Verfahren und Handwerkstraditionen. Mit der Ausbildung von Restauratoren und Geprüften
Fachhandwerkern für Denkmalpflege sowie der Realisierung von Projekten leistet das
Handwerk einen erheblichen Beitrag. Gute Beispiele dafür sind das Projekt "Umgebindeland"
im Handwerkskammerbezirk Dresden und die Zusammenarbeit des Umweltzentrum- und
Transferzentrum (UTZ) der Handwerkskammer zu Leipzig mit dem Förderverein für Hand-
werk und Denkmalpflege - Rittergut Trebsen e. V. Herausragendes Beispiel für die hand-
werkliche Kunstfertigkeit in der Denkmalpflege ist der historische Stadtkern der Stadt Görlitz.
Stabilisierung der Innenstädte und des ländlichen Raumes
Viele historisch wertvolle Stadtkerne wurden gerettet und einer neuen Zukunft zugeführt,
ebenso viele Bauten des ländlichen Kulturerbes im Rahmen der Dorfentwicklung und Integ-
rierten Ländlichen Entwicklung. Dahinter stehen nicht nur erhebliche Fördermittel, sondern
Planungsleistungen, der politische Wille von Land und Kommunen zur Erhaltung des baukul-
turellen Erbes und private Initiativen.
Die Innenstädte wurden und werden als Orte des Wohnens und Arbeitens stabilisiert.
In den sächsischen Dörfern sind authentische ländliche Baustrukturen und Einzeldenkmale
dank der Denkmalpflege und umfangreicher Förderung zahlreich erhalten. Die realisierten
Projekte zeigen, dass in den Denkmalen im ländlichen Raum Potenziale für regionale Identi-
tät, Wertschöpfung und eine vielfältige Nutzung liegen. Gerade im Hinblick auf die demogra-
fische Entwicklung sind diese Erfolge nicht gering einzuschätzen. Denkmalschutz und Denk-
malpflege können einen wichtigen Beitrag leisten, um die sich abzeichnende problematische
Entwicklung im Freistaat Sachsen zumindest abzumildern.
Förderung des Wertebewusstseins und des Geschichtsverständnisses in der Bevölke-
rung
Kulturdenkmale prägen die Städte und Landschaften im Freistaat Sachsen. Sie spiegeln
Sachsens reiche Geschichte und Kultur wider. Sie vermitteln den Menschen Vertrautheit und
das Gefühl von Heimat. Denkmalschutz und Denkmalpflege unterstützen daher die Entwick-
lung dieses Wertebewusstseins und Geschichtsverständnisses in der Bevölkerung und tra-
gen damit maßgeblich zur Stabilisierung der Gesellschaft bei. Dies gilt nicht nur für die natio-
nale Ebene. Grenzüberschreitende Kulturräume verbinden, wie sich eindrucksvoll am grenz-
überschreitenden Landschaftspark Fürst-Pückler-Park Bad Muskau und der Umgebinde-
hauslandschaft im Drei-Länder-Eck zeigt. Früh schon werden im Freistaat Sachsen Kinder
und Jugendliche daher für Themen der Denkmalpflege interessiert. Ein gutes Beispiel ist das
„Pegasus-Projekt – Schulen adoptieren Denkmale“ - des Sächsischen Staatsministeriums für
Kultus und Sport in Zusammenarbeit mit dem LfD.
VIII.
Ausblick
1.
Baudenkmalpflege
Nach 20 Jahren erfolgreicher Arbeit am Denkmal stehen in Sachsen weiterhin wichtige Auf-
gaben an.
Baudenkmale müssen einer sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Ein belebtes Denkmal ist
die beste Garantie für eine langfristige Erhaltung. Besonders deutlich wird dies bei Wohnbau-
ten vor dem Hintergrund städtebaulicher Problemlagen, wo Wohnungsleerstände hoch sind
und unsanierte Wohnquartiere noch nicht in den Stadtentwicklungsprozess einbezogen wer-
den konnten. Die Situation wird durch die voraussichtliche Bevölkerungsentwicklung nicht

35
leichter. Nach den Ergebnissen der 5. Regionalisierten Bevölkerungsprognose
47
wird die
Einwohnerzahl in Sachsen im Jahr 2025 voraussichtlich 3,6 bis 3,8 Millionen Einwohner
betragen. Das bedeutet einen Rückgang von 391 000 (9,4 Prozent) bzw. 522 000 Einwoh-
nern (12,5 Prozent) gegenüber 2009. Dem entsprechend werden in Sachsen kontinuierlich
weniger Wohnungen benötigt. Das Durchschnittsalter als ein Indikator für die Alterung einer
Bevölkerung steigt dabei um etwa 4 Jahre von derzeit 45,9 Jahre auf 49,3 Jahre bzw. 50,1
Jahre. Aufgrund der oft nach der Wende erlebten Arbeitslosigkeit werden die Rentenein-
kommen zurückgehen und die Altersarmut in Sachsen steigen.
Im ländlichen Raum stellen Industriedenkmale, Schlösser, Herrenhäuser, Villen, große bäu-
erliche Höfe sowie Umgebindehäuser Denkmalpfleger weiterhin vor große Herausforderun-
gen. Diese oft leer stehenden Objekte sind häufig in einem sehr schlechten Zustand. Ein
großer Teil der Denkmale wird in den nächsten 10 Jahren unwiederbringlich verloren gehen,
wenn nicht intelligente Lösungen gefunden werden.
Die in den letzten Jahren entstandenen „Wächterhäuser“, insbesondere in Leipzig, zeigen
beispielhaft einen Lösungsweg auf, ein leerstehendes Gebäude durch Zwischennutzung
wieder zu beleben und vor weiterem Verfall zu sichern. Künftig gilt es noch stärker, kreative
und lösungsorientierte Wege zu finden. Auch im Bereich der Förderung gilt es zumindest,
das aktuelle Niveau zu halten. So ist eine Fortführung des Landesprogramms Denkmalpflege
sowie des Programms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ unerlässlich für den Substanzerhalt
der sächsischen Kulturdenkmale.
Denkmalschutz und Denkmalpflege beschäftigen sich nicht erst seit den Vorkommnissen in
Fukushima/Japan mit wesentlichen Fragen aus dem Bereich der Umwelt- und Klimapolitik.
Aufgrund der aktuellen Entwicklungen wird vor allem die energetische Verbesserung von
denkmalgeschützten Gebäuden weiterhin ein zentrales Thema bleiben. Die Denkmalpflege
ist hier bereit, Kompromisse einzugehen. Die vom SMI im Zusammenwirken mit Denkmalei-
gentümern, Denkmalbehörden, Planern und Wissenschaftlern erarbeitete Handlungsanlei-
tung „Energetische Sanierung von Baudenkmalen“ ist eine gute Hilfestellung im Umgang mit
den ökologischen und denkmalpflegerischen Herausforderungen.
48
Zum Jahresende soll mit
allen Beteiligten eine erste Auswertung erfolgen.
Entsprechend den Empfehlungen des Denkmalrates vom 3. Dezember 2010 sind die Einfüh-
rung eines Anzeigeverfahrens als Verfahrenserleichterung und weitere Maßnahmen zur Op-
timierung des Verwaltungsvollzuges geplant. Insbesondere soll ein Leitbild für den Freistaat
Sachsen und Leitlinien zu zentralen Themen der Denkmalpflege erarbeitet werden.
Eine wichtige Aufgabe bleibt auch die Öffentlichkeitsarbeit sowie die Kinder- und Jugendar-
beit. Denkmalschutz und Denkmalpflege brauchen die Akzeptanz und das Engagement der
Bevölkerung. Das baukulturelle Erbe kann zudem nur dann auch für zukünftige Generationen
bewahrt werden, wenn die nachwachsende Generation frühzeitig für diese Werte sensibili-
siert wird. Projekte wie der „Tag des offenen Denkmals“ oder das bereits genannte Pegasus-
Projekt werden daher vom SMI unterstützt. Weiter plant das SMI die Einführung eines Denk-
malschutzpreises im Freistaat Sachsen, mit dem Denkmaleigentümer für ihr außergewöhnli-
ches Engagement am baukulturellen Erbe Sachsens gewürdigt werden sollen.
2.
Archäologische Denkmalpflege
Die archäologische Denkmalpflege wird auch zukünftig von der Weiterentwicklung nicht-
invasiver Untersuchungsmethoden geprägt sein. Neben den Stadtkernen sind die archäolo-
47
www.statistik.sachsen.de.
48
Sächsisches Staatsministerium des Innern, Energetische Sanierung von Baudenkmalen,
Handlungsanleitung für Behörden, Denkmaleigentümer, Architekten und Ingenieure, 1. Auflage
Februar 2011.

36
gischen Denkmale im ländlichen Raum mit großer Sorgfalt zu schützen. Sie unterliegen auf-
grund der modernen Bearbeitungsmethoden der Land- und Forstwirtschaft einem ständigen
Veränderungsprozess, der mittelfristig zu ihrer Zerstörung führt. Die archäologische Denk-
malpflege in Sachsen steht daher in Zusammenarbeit mit dem LfULG, dem Landesverein
sächsischer Heimatschutz e.V. und anderen Organisationen in engem Dialog mit land- und
forstwirtschaftlichen Betrieben. In einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförder-
ten Modellprojekt wurden z. B. Möglichkeiten ermittelt, Landwirte als Partner in Lösungsstra-
tegien einzubeziehen. Im Bereich Forstwirtschaft führt das LfA seit 2009 regelmäßig und mit
großer Resonanz Schulungen durch.
Immer aktueller wird der Untersuchungsgegenstand „Montanarchäologie“. Die Sicherungsar-
beiten von Altbergbau durch das Oberbergamt werden seit 2008 regelmäßig begleitet. Das
reiche montanarchäologische Erbe und die besondere Lebensqualität, die Sachsen diesem
Erbe verdankt, aber auch aktuelle wirtschaftliche Bestrebungen im Erzgebirge führen zu ei-
ner engen Kooperation von Sächsischem Oberbergamt, dem Bergarchiv Freiberg und dem
LfA, um Bergbaurelikte zu erfassen, zu dokumentieren und ggf. zu bergen.
Gleichrangig neben den Aktivitäten im Gelände selbst müssen die Anstrengungen voran ge-
trieben werden, die in den Grabungen der letzten 20 Jahre geborgene hochrangige archäo-
logische Überlieferung durch qualifizierte Auswertungen und wissenschaftliche Bearbeitun-
gen zu erschließen und die Ergebnisse in der Öffentlichkeit bekannt zu machen.
Ende 2013 wird das neue Landesmuseum im „Haus der Archäologie und Geschichte“ in
Chemnitz eröffnet. Das ehemalige Kaufhaus Schocken, in dem das Museum untergebracht
ist, soll das neue und viel beachtete Schaufenster der (sächsischen) Archäologie werden.