Pressesprecher Landesamt für Archäologie: Dr. Christoph Heiermann (0351) 8926 603
Pressesprecherin Landeskriminalamt Sachsen: Silke Specht, Telefon: (0351) 855 2010
PRESSEMITTEILUNG
Landesamt für Archäologie mit
Landesmuseum für Vorgeschichte
Landeskriminalamt Sachsen
Dresden, den 19. Januar 2006
Gemeinsame Pressemitteilung des Landesamtes für Archäologie mit Landesmuseum für Vorgeschichte
und des Landeskriminalamtes Sachsen
„Raubgräber“ in sächsischen Gefilden
Das Landesamt für Archäologie teilte dem Landeskriminalamt Sachsen Ende September 2005 mit,
dass „Raubgräber“ ohne erforderliche Genehmigung Grabungen mit dem Ziel, Kulturdenkmale zu
entdecken, im Bereich des Freistaates Sachsen durchführen.
Im konkreten Fall zeigte das Landesamt für Archäologie an, dass auf einer Internetseite ein Hortfund
von Münzen mit einem hohen Anteil sächsischer Prägungen von einer Person zur Bewertung und Be-
gutachtung der Funde durch die Forumteilnehmer abgebildet wurde. Weitere abgebildete Funde ließen
eindeutig erkennen, dass es sich um kultur- und landesgeschichtlich wichtige Objekte handelt.
Angesichts der einschlägigen Kommunikation zu den im Internet vorgeführten Objekten lag die Ver-
mutung nahe, dass die Objekte aus ungenehmigten Grabungen stammen und die einstellende Person
im Freistaat Sachsen wohnhaft ist.
Eindeutige Hinweise zu Fundorten und Personen wurden im Forum vermieden. Umschreibungen der
Örtlichkeiten ließen aber Schlussfolgerungen zu, dass es sich die Fundorte im nördlichen und nordöst-
lichen Bereich von Sachsen befinden.
Im Zuge der Ermittlungen durch das Landeskriminalamt Sachsen konnte eine 42jährige im Umkreis
von Dresden wohnende männliche Person namhaft gemacht werden, welche in Verdacht steht, für die
Einstellung der archäologischen Objekte im Internet bzw. die illegalen Grabungen verantwortlich zu
sein.
Auf Beschluss des Amtsgerichtes Meißen wurden im Dezember 2005 die Wohnung und die Ge-
schäftsräume des Tatverdächtigen durchsucht. Ein Sachverständiger des Landesamtes für Archäologie
war während der polizeilichen Aktion anwesend und unterstützte durch seinen Sachverstand.
Im Ergebnis der Durchsuchung wurden nahezu 700 Objekte, darunter zahlreiche Münzen, Fingerringe,
Petschaften (Siegelstempel), Tuch- und Wartenplomben aber auch gotischer Gewandschmuck ebenso
wie mittelalterlicher Gewandschmuck und mittelalterliche Sporen, Armbrustbolzen, ein gotischer
Schlüssel sowie eine bronzezeitliche Sichel und andere archäologisch wertvolle Gegenstände, deren
Herkunft an Ort und Stelle nicht nachgewiesen werden konnte, sichergestellt.
Nach ersten Auswertungen durch Sachverständige des Landesamtes für Archäologie stellen die aufge-
fundenen Exponate bedeutende Werte für die Archäologie des Freistaates Sachsen dar, wobei der fi-
nanzielle Wert nicht eindeutig beziffert werden kann.
Aufgrund des unbedachten Verhaltens von „Raubgräbern“, die archäologische Funde nicht sachge-
recht bergen, sondern deren Kontext undokumentiert zerstören, gehen dem Freistaat Sachsen eine
Vielzahl von wertvollen Geschichtszeugnissen für die antike und mittelalterliche Geschichte des Lan-
des verloren.

Pressesprecher Landesamt für Archäologie: Dr. Christoph Heiermann (0351) 8926 603
Pressesprecherin Landeskriminalamt Sachsen: Silke Specht, Telefon: (0351) 855 2010
Besitzerstolz, übersteigerte Geltungssucht und Gewinnstreben der „Schatzsucher“ führen häufig zu
einem unersetzlichen Verlust an historischen Informationen.
Archäologische Funde müssen sachgerecht ausgegraben werden, um sie möglichst unzerstört zu ber-
gen. Um die Funde zu verstehen und für die Wissenschaft nutzbar zu machen müssen Archäologen
den Kontext aus dem sie stammen, sei es ein Grab, eine Siedlung oder ein Opferplatz, kennen. Nur
dann sind die archäologischen Funde zweifelsfrei zu datieren und in ihrer Funktion anzusprechen.
„Schatzsuche“ ohne die erforderliche Genehmigung ist kein Kavaliersdelikt, sondern stellt einen Ver-
stoß gegen das Sächsische Denkmalschutzgesetz sowie gegen die Europäische Konvention von Malta
zum Schutz des archäologischen Erbes dar.
Anmerkung:
Nach dem „Gesetz zum Schutz und zur Pflege der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen“, dem Säch-
sischen Denkmalschutzgesetz (Sächs.DSchG) vom 3. März 1993 sind archäologische Nachforschun-
gen genehmigungspflichtig. Dadurch soll sichergestellt werden, dass sowohl archäologische Funde als
auch wichtige Fundzusammenhänge unzerstört bleiben und nicht als historische Quellen für Öffent-
lichkeit und Wissenschaft verloren gehen. Funde und Fundzusammenhänge müssen gemeldet werden.
In Sachsen gilt das »große Schatzregal« (von lat. „regalis“ = königlich, königliches Vorrecht).
Alle beweglichen archäologischen Kulturdenkmäler, deren Eigentümer nicht mehr ermittelt werden
können, sind somit Eigentum des Freistaates Sachsen. Das Landesamt für Archäologie hat die Aufga-
be, die Funde zu sichern, wenn nötig zu restaurieren und für die wissenschaftliche Auswertung und die
Nachwelt zu bewahren. Der Öffentlichkeit werden die Funde durch Ausstellungen und Publikationen
zugänglich gemacht und vorgestellt.
Wer ohne die erforderliche Genehmigung Grabungen mit dem Ziel Kulturdenkmale zu entdecken,
durchführt, kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft werden.
Das Landesamt für Archäologie Sachsen mit Landesmuseum für Vorgeschichte hat 120 ehrenamtliche
Mitarbeiter, darunter auch einige, die eine Genehmigung der Fachbehörde zur Prospektion mit dem
Metalldetektor. Diese arbeiten sehr eng mit der Fachbehörde zusammen und sind unverzichtbare Part-
ner der archäologischen Denkmalpflege.
Genehmigungen stellt die Fachbehörde aus. Sie ist erreichbar unter
http://www.archsax.sachsen.de
.
Dort finden Sie auch weitere Hinweise zum sächsischen Denkmalschutzgesetz und zum Umgang mit
Sondengängern.