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KULTUSMINISTER
KONFERENZ
~
Bundesagentur für Arbeit
Rahmenvereinbarung
über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung
zwischen
der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit
(Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 15.10.2004 i. d. F. vom 01.06.2017)

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Präambel
Die Rahmenvereinbarung zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK) und der
Bundesagentur für Arbeit (BA)
in der Fassung vom 15.10.2004 hat die Jahrzehnte
währende gute
und
vertrauensvolle Zusammenarbeit weiter gefestigt und
institutionalisiert.
Auf dieser Grundlage
und
vor dem
Hintergrund
neuer
Entwicklungen
in Gesellschaft, Technologie und Arbeitswelt sind die beiden
Kooperationspartner übereingekommen, auf Basis des jeweiligen gesetzlichen
Auftrags der Länder und der BA zur beruflichen Orientierung gemeinsame
Handlungsstrategien
zu entwickeln. Diese können nur im Verbund mit den relevanten
Partnern
in den Kommunen, Ländern und auf Bundesebene Gestaltungskraft
erlangen.
Die Vereinbarungen
auf Landesebene
stellen
ausgezeichnete
Muster für
handlungsorientierte
Absprachen
zwischen
den
Partnern
dar
und
sollen
kontinuierlich weiterentwickelt werden. Die Kooperationspartner beschränken
sich
daher - dem Subsidiaritätsprinzip folgend - darauf, mit zentralen Eckpunkten und
Empfehlungen einen gemeinsamen Rahmen zu schaffen, der es den Akteuren „vor
Ort" erlaubt,
in dezentraler Verantwortung die vorhandenen Spielräume optimal zu
nutzen.
Angesichts der rasanten Entwicklung moderner Kommunikationsmittel
und der
fortschreitenden
Digitalisierung
vieler
Lebensbereiche
sprechen
sich
die
Kooperationspartner
für
eine
strukturelle
Öffnung
in
Richtung
neuer,
mediengestützter Formen der Zusammenarbeit aus. Diese basiert weiterhin auf
den
jeweiligen gesetzlichen Aufträgen und orientiert sich an den jeweiligen Bedarfen.
Grundlagen der Zusammenarbeit am Übergang Schule - Beruf
Die Kooperationspartner sind sich einig, dass allen jungen Menschen ein
erfolgreicher Übergang von der allgemeinbildenden und beruflichen Schule in
Ausbildung oder Studium sowie danach in eine qualifizierte Tätigkeit und in das
Erwerbsleben ermöglicht werden muss. Die Kooperationspartner setzen sich
zum
Ziel, maßgeblich dazu beizutragen, dass alle jungen Menschen bestmöglich
Kompetenzen aufbauen, ihre Talente entfalten
und am gesellschaftlichen Leben
teilnehmen können. Wirksame berufsbezogene Unterstützungsstrukturen bauen auf
dem Fundament einer erfolgreichen schulischen Bildung auf. Das gemeinsame Motto
„Kein junger Mensch darf verloren gehen" ist dabei handlungsleitend.
Kernziel
der beruflichen
Orientierung
ist die
Förderung
der individuellen
Kompetenzen der Schülerinnen
und Schüler zur Gestaltung des Übergangs von der
Schule
in den Beruf beziehungsweise in schulische oder duale Ausbildung oder
Studium.
Zu diesem Zweck sollen die Schülerinnen und Schüler befähigt werden,
ihren individuellen Prozess der Berufs- und Studienorientierung erfolgreich
zu
durchlaufen, um eine fundierte und eigenverantwortliche Berufswahlentscheidung
treffen
zu können.
Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung
zwischen der Kultusmin
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sterkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit

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Die nachhaltige Integration in Ausbildung, Studium und Erwerbsleben soll nach
Bedarf
individuell
begleitet
und
unterstützt
werden.
Die
systematische
Zusammenarbeit von Schule, Berufsberatung und weiteren Akteuren gewährleistet
eine ganzheitliche Unterstützung von jungen Menschen
am Übergang Schule -
Beruf.
Gemeinsame
Fortbildungen
von
Lehrerinnen
und
Lehrern
mit
Beratungsfachkräften tragen zum Erreichen der vereinbarten Ziele bei.
Ziel der Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung ist, durch präventive
und
systematisch aufeinander abgestimmte Unterstützungsangebote bei jedem jungen
Menschen ein hohes Maß
an individueller Berufswahlkompetenz zu erreichen, um
damit Brüche in der Bildungsbiografie, Ausbildungs- und Studienabbrüche der jungen
Menschen
zu vermeiden. Die jungen Menschen sollen befähigt werden
,
die eigene
Berufsbiografie als individuellen Prozess aktiv
zu gestalten. Bei Bedarf erhalten sie
neue Angebote zur beruflichen Orientierung. Die Einbeziehung von weiteren
Partnern ist für die Umsetzung
im Sinne dieser Vereinbarung unabdingbar
.
Junge Menschen benötigen
in einer komplexer werdenden Umwelt frühzeitige,
umfassende, verständliche und strukturierte Informations
-
, Erfahrungs-
,
und
Beratungsangebote. Schule und Berufsberatung koordinieren diese Angebote
gemeinsam.
Betriebe,
Verwaltungen,
Hochschulen,
schulische
Ausbildungs-
einrichtungen
und
andere
wie
Arbeitnehmer-
und
Arbeitgebervertretungen,
Verbände, Kammern und Gewerkschaften leisten dabei einen wichtigen Beitrag.
Eltern und Erziehungsberechtigte sind konsequent
in den Prozess der beruflichen
Orientierung einzubeziehen.
Es gilt dabei, für alle Beteiligten einen möglichst hohen
Informationsstand
sicherzustellen.
In
diesem
Zusammenhang
kommt
der
Netzwerkarbeit aller Akteure
im Berufswahlprozess eine besondere Bedeutung zu.
KMK und BA verstehen den Prozess der beruflichen Orientierung als umfassende
gemeinsame Aufgabe von Schule und Berufsberatung,
zu der Informations
-
bereitstellung, Möglichkeiten zur Gewinnung praktischer Erfahrungen, individuelle
Beratung und Begleitung sowie Unterstützung bei der Ausbildungsstellensuche oder
Studienwahl zählen.
Um Unterstützungsangebote für junge Menschen gewährleisten zu können, ist es
wichtig, Kenntnis über deren Verbleib nach dem Besuch einer allgemeinbildenden
Schule zu erhalten. Auf Länder- oder regionaler/lokaler Ebene sollten unter
Berücksichtigung der Regelungen zum Datenschutz sowie der jeweiligen regionalen
Möglichkeiten Verfahren sowie Regelungen zur Erhebung, Übermittlung und Nutzung
der erforderlichen Individualdaten abgestimmt werden,
um Jugendliche gezielt
ansprechen
zu können. Dazu gehören zum Beispiel Einverständniserklärungen der
Schülerinnen
und Schüler bzw
.
deren Eltern und Erziehungsberechtigten.
KMK und BA wollen die Umsetzung dieser Rahmenvereinbarung
in regelmäßigen
Abständen
überprüfen.
Konkrete
Absprachen
hierzu
trifft
die
Ständige
Kontaktkommission KMK-BA.
Rahmenvere
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nbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung
zwischen der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit

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Eckpunkte der Zusammenarbeit am Übergang Schule - Beruf
Berufliche Orientierung in der Schule beginnt so früh wie möglich und bedarf
einer curricularen Verankerung.
Der erfolgreiche Schulabschluss
und die Befähigung, eine Ausbildung bzw.
ein Studium aufzunehmen und erfolgreich abzuschließen, sind grundlegende
Ziele.
Abgestimmte
und systematische Konzepte der beruflichen Orientierung
unterstützen
die
selbständige
und
eigenverantwortliche
Berufswahl-
entscheidung junger Menschen.
Berufliche Orientierung bereitet junge Menschen auf die Notwendigkeit des
lebenslangen Lernens vor. Die Jugendlichen werden
in die Lage versetzt,
Berufswahl als Prozess
und nicht als einmalige Entscheidung zu verstehen.
Berufliche
Orientierung
ist
frei
von
geschlechtsspezifischen
Rollenvorstellungen
sowie
Klischeezuschreibungen
und
erweitert
das
Berufswahlspektrum.
Berufliche Orientierung berücksichtigt den Förderbedarf benachteiligter junger
Menschen, zum Beispiel Menschen mit Migrationshintergrund.
Die Konzepte zur beruflichen Orientierung berücksichtigen die Bedarfe von
Menschen mit Behinderungen und die Herausforderungen der Inklusion.
Die Agenturen für Arbeit sind über die Landeskonzeptionen der beruflichen
Orientierung an Schulen systematisch eingebunden. Die konkrete Umsetzung
erfolgt durch die Schulen
und die Berufsberatung vor Ort. Ziel ist eine
individualisierte berufliche Orientierung. Weitere Partner werden gemäß
dem
jeweiligen Berufsorientierungskonzept der Schule hinzugezogen.
Die Abstimmung regionaler Beratungs-
und Begleitstrukturen zwischen
Schule, Agentur für Arbeit, Jobcenter, Jugendhilfe, weiteren Beratungsstellen
wie Sucht- oder Schuldnerberatung sowie anderen öffentlichen
und privaten
Institutionen wird weiter intensiviert.
Die Akteure der Rechtskreise des SGB
II, SGB III und SGB VIII und ggf.
weitere Partner verständigen sich bspw. in Jugendberufsagenturen auf eine
Kooperation mit dem Ziel der Integration von jungen Menschen
in Ausbildung,
Studium
und Beruf. Dies setzt gute Kommunikationsstrukturen voraus und
bietet gute Anknüpfungspunkte an schulische Förderkonzepte.
Die Kooperationspartner streben Harmonisierung, z.B. der Rechtsanwendung,
und Transparenz der verschiedenen Teilangebote an, um künftige Strategien,
bspw.
im Übergangsbereich, institutionell weiter zu entwickeln.
Die Agenturen für Arbeit weiten ihr Angebot
an den Schulen aus. Dies erfolgt
im Rahmen einer stärkeren und früheren Präsenz. Veranstaltungen für
Klassen
und Gruppen, Sprechstunden, individuelle berufliche Beratung und
Angebote für Eltern unterstützen die berufliche Orientierung der Jugendlichen
und fügen sich in das Konzept der jeweiligen Schule ein.
Angebote der BA beginnen
in der Regel drei Jahre vor Schulabschluss in den
Sekundarstufen 1 und
II, für Schulen mit Oberstufen auch in der
Sekundarstufe
1.
Die Schulen unterstützen den gesetzlichen Auftrag der BA zur beruflichen
Orientierung
am Beratungsort Schule. In Abstimmung mit dem jeweiligen
Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung
zwischen der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit

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Träger des Sachaufwandes der Schulen werden nach Möglichkeit geeignete
Räumlichkeiten
und Ausstattungen in den Schulen bereitgestellt.
Betriebspraktika von Schülerinnen
und Schülern sind ein wichtiger Bestandteil
der beruflichen Orientierung. Hilfreich ist eine lokale
bzw. regionale
Koordinierung durch die Beteiligten. Schule
und Berufsberatung unterstützen
dabei durch Vor-
und Nachbereitung im Unterricht und individuelle Beratung
der Schülerinnen
und Schüler.
Die
Kooperationspartner empfehlen,
konkrete
Inhalte
und
Modalitäten der
Zusammenarbeit, auch mit Dritten,
in Vereinbarungen zwischen den Ländern und
den Regionaldirektionen der BA festzulegen oder fortzuschreiben
und damit
dauerhaft die Basis für eine systematische
und vertrauensvolle Ausgestaltung einer
effektiven beruflichen Orientierung der Schülerinnen
und Schüler zu schaffen.
Dauer der Vereinbarung
Die
bisherige
Rahmenvereinbarung
vom
15.10.2004
.
tritt
am
Tage
der
Unterzeichnung
der
vorstehenden
Rahmenvereinbarung
außer
Kraft.
Die
vorstehende Rahmenvereinbarung tritt mit dem Datum der Unterzeichnung
in Kraft
und hat eine Laufzeit zunächst bis zum 31.12.2022. Sofern sie nicht bis 3 Monate vor
Laufzeitende schriftlich gekündigt wird, verlängert sich die Geltungsdauer der
Vereinbarung
um jeweils 1 Jahr.
Stuttgart,
1.Juni2017
1
Dr. Susanne Eisenmann,
Detlef Scheele,
Präsidentin der Kultusministerkonferenz
Vorsitzender des Vorstands der
Bundesagentur für Arbeit
Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufsberatung
zwischen der Kultusministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit