Versuche im deutschen Gartenbau 2016
Zierpflanzen
Bei der Nachdüngung von Cyclamen in torfreduzierten Substraten ist ein
reduziertes Phosphorangebot sinnvoll
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Stephan Wartenberg | Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG),
Abteilung Gartenbau Dresden-Pillnitz | Pillnitzer Platz 3| 01326 Dresden |
stephan.wartenberg@smul.sachsen.de | 0 35 1 – 26 12 82 00
Versuchsfrage und Versuchshintergrund
Torfreduzierte Substrate können aus Komposten oft hohe Vorräte an Phosphor enthalten. Wie ist die
Nährlösung zur Bewässerungsdüngung bei Topfcyclamen anzupassen? Kann möglicherweise auf eine
Phosphornachdüngung verzichtet werden?
Ergebnisse im Detail
Pflanzen von acht Cyclamensorten wurden in drei torfreduzierten Substraten und mit
unterschiedlicher Phosphornachdüngung über die Nährlösung der Bewässerungsdüngung kultiviert.
Bei gleich bleibendem Stickstoff- und Kaliumniveau wurde dabei die Phosphornachdüngung
ausgehend von dem neuen, niedrigeren Empfehlungswert für torfbasierte Substrate halbiert bzw.
ganz ausgesetzt. Die Nährstoffverhältnisse in der Nährlösung lagen so für N : P
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von 1 : 0,2 über 1:
0,1 bis zu 1 : 0,0. Details sind in den Kultur- und Versuchshinweisen angegeben.
Substratanalysen zu Kulturbeginn wiesen gegenüber torfbasierten Standardsubstraten keine beson-
ders hohen Gehalte an pflanzenverfügbarem Phosphor (CAL-Aufschluss) auf. Im Verlauf des Ver-
Die Ergebnisse – kurzgefasst
Am LfULG in Dresden-Pillnitz erfolgte 2016 die Kultur von Standardcyclamen in drei verschiedenen
torfreduzierten Substraten. Durch eine Abstufung der Phosphornachdüngung unterhalb des für
torfbasierte Substrate empfohlenen Richtwertes sollte untersucht werden, ob der meist höhere
Phosphorgehalt torfreduzierter Substrate besser genutzt werden kann. Die torfreduzierten Substrate
selbst verursachten eine hohe Nährstoffdynamik beim pflanzenverfügbaren Phosphor aber auch
hinsichtlich des mineralischen Stickstoffs. Obwohl der pflanzenverfügbare Phosphor in den Substraten
zu keinem Zeitpunkt kritisch niedrig war, führte die Reduzierung der Phosphornachdüngung zu einer
Reduzierung der Sprossmasse. Die Pflanzenqualität wurde dennoch durchgängig als sehr gut
beurteilt. Bei der Nachdüngung von Topfcyclamen kann das N : P
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-Verhältnis von 1 : 0,25 für
Torfsubstrate bei torfreduzierten Substraten auf 1 : 0,1 verändert werden. Aus Sicherheitsgründen
sollte die Phosphornachdüngung jedoch nicht völlig ausgesetzt werden.

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Bei der Nachdüngung von Cyclamen in torfreduzierten Substraten ist ein
reduziertes Phosphorangebot sinnvoll
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suches waren starke Schwankungen des pflanzenverfügbaren Phosphors im Substrat festzustellen.
Die, wenn auch im niedrigen Bereich, differenzierte Phosphornachdüngung hatte darauf keinen
wesentlichen Einfluss. Auch in den Varianten ohne Phosphornachdüngung kam es zeitweise zu einem
Anstieg des pflanzenverfügbaren Phosphors. Am Kulturende waren die Unterschiede zwischen den
Substraten größer als die der P-Nachdüngungsvarianten (siehe Abb. 1). Offensichtlich unterschieden
sich die drei untersuchten Substrate in der Nachlieferung und möglicherweise auch Festlegung von
pflanzenverfügbarem Phosphor. Alle drei Substrate wiesen aber eine starke P-Dynamik auf. In keinem
Fall und zu keinem Zeitpunkt wurde jedoch der kritische Bereich unterhalb von 30 mg P
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(CAT) je
Liter erreicht. Nach den Analyseergebnissen der Substrate lag in allen Varianten und in allen
Kulturabschnitten eine ausreichende Phosphorversorgung vor.
Abb. 1: Verlauf der Gehalte an pflanzenverfügbarem Phosphor im Substrat bei der Kultur von
Standardcyclamen in torfreduzierten Substraten mit abgestufter Phosphornachdüngung (LfULG
Dresden-Pillnitz 2016)
Die hohe, aber substratspezifische Nährstoffdynamik wurde auch bei der Nachverfolgung des mine-
ralischen Stickstoffs (Nmin) während des Kulturverlaufs deutlich. Trotz gleicher Stickstoffzufuhr kam
es zu deutlichen Unterschieden beim Nmin in den Substraten (siehe Abb. 2). Bei „Floradur Pot Bio“
trat zunächst ein drastischer Anstieg ein, was auf eine zusätzliche Stickstoffquelle im Substrat
hinweist. Ein deutlicher Abfall des pflanzenverfügbaren Stickstoffs im Substrat war dagegen bei
„Vogteier Sondermischung Container“ zu beobachten. Dies ist ein deutliches Signal für eine
Stickstofffestlegung oder andere Stickstoffverluste im Substrat. Das „Kleeschulte Topfsubstrat (ohne
Ton)“ variierte im mittleren Bereich. Bei diesem, offenbar N-stabilisierten Substrat kam es bei der
Datum
04.7.16
01.8.16
29.8.16
26.9.16
24.10.16
21.11.16
P
2
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(CAL) in mg/l
250
200
150
100
50
0
Vogteier SM Container / 1 : 0,0
Vogteier SM Container / 1 : 0,1
Vogteier SM Container / 1 : 0,2
Floradur Pot Bio / 1 : 0,0
Floradur Pot Bio / 1 : 0,1
Floradur Pot Bio / 1 : 0,2
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,0
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,1
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,2
Substrat / N : P
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in der
Nachdüngung

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Bei der Nachdüngung von Cyclamen in torfreduzierten Substraten ist ein
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bedarfsorientierten N-Nachdüngung zu keinen großen Veränderungen des Stickstoffgehaltes im
Substrat.
Die Höhe der Phosphornachdüngung hatte Einfluss auf die Entwicklung des N-Niveaus im Substrat.
Bei „Kleeschulte Topfsubstrat (ohne Ton)“ und „Floradur Pot Bio“ führte die Reduzierung oder das
völlige Aussetzen der Phosphornachdüngung zu einem Anstieg des Nmin im Substrat. Offensichtlich
konnte hier durch das geringere P-Angebot ein Teil des Stickstoffs von der Pflanze nicht aufge-
nommen werden.
Abb. 2: Verlauf der Gehalte an mineralischem Stickstoff im Substrat bei der Kultur von
Standardcyclamen in torfreduzierten Substraten mit abgestufter Phosphornachdüngung (LfULG
Dresden-Pillnitz 2016)
Die wesentlichen Unterschiede in den pflanzenverfügbaren Nährstoffen zwischen den drei
torfreduzierten Substraten führten zu deutlichen Unterschieden in der Sprossmasse (Abb. 3). Bei den
beiden Substraten mit höherem Stickstoffangebot trat durch die Reduzierung des Phosphors in der
Nährlösung für die Bewässerungsdüngung eine deutliche Abnahme der Sprossmasse auf. Das
Substrat mit durchgehend niedrigem Nmin wies insgesamt eine niedrigere Sprossmasse auf, die
durch die unterschiedliche Phosphornachdüngung praktisch nicht beeinflusst wurde.
Datum
04.7.16
01.8.16
29.8.16
26.9.16
24.10.16
21.11.16
Mittelwert Nmin im mg/l
500
400
300
200
100
0
Vogteier SM Container / 1 : 0,0
Vogteier SM Container / 1 : 0,1
Vogteier SM Container / 1 : 0,2
Floradur Pot Bio / 1 : 0,0
Floradur Pot Bio / 1 : 0,1
Floradur Pot Bio / 1 : 0,2
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,0
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,1
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,2
Substrat / N : P
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in der
Nachdüngung

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Bei der Nachdüngung von Cyclamen in torfreduzierten Substraten ist ein
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Abb. 3: Deutliche Unterschiede in der Sprossmasse bei Standardcyclamen im 12er Topf mit
torfreduzierten Substraten bei abgestufter Phosphornachdüngung (LfULG Dresden-Pillnitz 2016)
Diese messbaren und deutlichen Unterschiede in der Sprossmasse spielten bei der Bewertung des
Gesamteindruckes jedoch keine große Rolle. Die Pflanzen in der durch den N-Entzug
gekennzeichneten „Vogteier Sondermischung Container“ wurden insgesamt nur geringfügig
schlechter benotet als die in den beiden anderen Substraten. Die durch die unterschiedliche
Phosphornachdüngung verursachte Abstufung in der Sprossmasse bei den anderen Substraten führte
nur beim „Kleeschulte Topfsubstrat (ohne Ton)“ und völlig ausgesetzter P-Nachdüngung zu einer
minimal niedrigeren Boniturnote (Abb. 4). In allen Varianten der Substrate und der Nachdüngung
wurden durchweg vermarktungsfähige Pflanzen erzeugt.
Die Abbildung 5 gibt das Aufblühverhalten der Versuchsvarianten wieder. In der Tendenz blühten die
Pflanzen in der „Vogteier Sondermischung Container“ geringfügig später, insbesondere bei der
Nachdüngung mit N : P
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von 1 : 0,2. Wie beim Gesamteindruck sind diese Unterschiede im
Aufblühverhalten jedoch als wirtschaftlich unbedeutend einzustufen.
Bei Einsatz von torfreduzierten Substraten in der Kultur von Topfcyclamen kann das N : P
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-
Verhältnis von 1 : 0,25 für Torfsubstrate auf 1 : 0,1 verändert werden. Die torfreduzierten Substrate
unterscheiden sich jedoch in Ihrer Nährstoffdynamik auch für Phosphor wesentlich. Aus
Sicherheitsgründen sollte die Phosphornachdüngung deshalb nicht völlig ausgesetzt werden.
Substrat
Kleeschulte Topfsubstrat
Floradur Pot Bio
Vogteier SM Containersubstrat
(ohne Ton)
Mittelwert Sprossmasse in g
300
200
100
0
Fehlerbalken: Konfidenzintervall 95%
1 : 0,0 : 1,3
1 : 0,1 : 1,3
1 : 0,2 : 1,3
N:P2O5:K2O in der
Nachdüngung

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Abb. 4: Weitgehend gleiche Bewertung des Gesamteindruckes bei Standardcyclamen im 12er Topf
mit torfreduzierten Substraten bei abgestufter Phosphornachdüngung (1 = sehr schlecht bis 9 = sehr
gut, LfULG Dresden-Pillnitz 2016)
Abb. 5: Nur geringe Unterschiede im Aufblühverhalten bei Standardcyclamen im 12er Topf mit
torfreduzierten Substraten bei abgestufter Phosphornachdüngung (LfULG Dresden-Pillnitz 2016)
Substrat
Vogteier
SM Containersubstrat
Kleeschulte Topfsubstrat
Floradur Pot Bio
(ohne Ton)
Mittelwert Gesamteindruck
9
7
5
3
1
Fehlerbalken: Konfidenzintervall 95%
1 : 0,0 : 1,3
1 : 0,1 : 1,3
1 : 0,2 : 1,3
N:P2O5:K2O in der
Nachdüngung
Blühdatum (5 Blüten)
19.9.16
03.10.16
17.10.16
31.10.16
14.11.16
28.11.16
Anteil blühender Pflanzen in % kumulativ
100
80
60
40
20
0
Vogteier SM Container / 1 : 0,0
Vogteier SM Container / 1 : 0,1
Vogteier SM Container / 1 : 0,2
Floradur Pot Bio / 1 : 0,0
Floradur Pot Bio / 1 : 0,1
Floradur Pot Bio / 1 : 0,2
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,0
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,1
Kleeschulte Topfsubstrat / 1 : 0,2
Substrat / N : P
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in der
Nachdüngung

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Abb. 6: Torfreduzierte Substrate und eine abgestufte, knappe Phosphornachdüngung führten bei
Standardcyclamen im 12er Topf zu Unterschieden in der Sprossmasse aber durchgängig
vermarktungsfähiger Qualität (LfULG Dresden-Pillnitz 2016)

 
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Kultur- und Versuchshinweise
Versuchsaufbau
Faktor A:
P-Grunddüngung
A 1
Kleeschulte Topfsubstrat (ohne Ton)
A 2
Floradur Pot Bio
A 3
Vogteier Sondermischung Containersubstrat
Faktor B:
P-Nachdüngung
bei ca. 600 mg N/Pfl und 780 mg K
2
O/Pfl
B 1
N : P
2
O
5
= 1 : 0,2 (120 mg P
2
O
5
/Topf)
B 2
N : P
2
O
5
= 1 : 0,1 (60 mg P
2
O
5
/Topf)
B 3
N : P
2
O
5
= 1 : 0,0 (0 mg P
2
O
5
/Topf)
Sorten: ’Premium Abanico Magenta’, ’Halios Falbala Rose’, ’Tianis Rouge écarlate’, ’Super Serie Allure
Pure White’, ’Super Serie Allure Neon Pink’, ’Super Serie Allure Red’, ’Maxora Fringed White’ (7504),
’Maxora Fringed Deep Rose’ (7506)
Versuchsablauf
Topfen: KW 25, 12 cm-Plasttopf, Substrate siehe oben
Klimatisierung: Heizen Tag/Nacht 16/16 °C, Lüften Tag/Nacht 18/19 °C; bis KW 38 Befeuchtung
Tag/Nacht 40/30 % relative Luftfeuchte; nach Abhärtung Schattiersollwert 50 klx
Bewässerung: Mischwasser mit jeweils 50 % Regen- und Brunnenwasser, Anstau bei Bedarf
Düngung: Varianten siehe oben, Wochenportionen jeweils 1/20 der Gesamtmenge über die Bewässe-
rungsdüngung, eingesetzte Dünger: P- freier Basisdünger 14,7-0-30, Krista MKP 0-42-34 und
YaraCalcinit 15,5-0-0
Rücken: KW 30 auf Endstand
Pflanzenschutz: Atheta coriaria, Hypoaspis miles, Amblyseius cucumeris, Orius laevigatus, Chryso-
perla carnea, Aphidoletes aphidimyza; KW 34+35 Korrekturspritzungen gegen Raupen des
Traubenwicklers mit Conserve
Kulturende: KW 48
Literatur
KOCH, ROBERT; DEGEN, BARBARA: (2015): Phosphoreinsatz lässt sich auch bei Cyclamen verringern.
in Gärtnerbörse 11/2015, S. 42-44