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Die Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften
in Sachsen
Fachtagung

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Inhaltsverzeichnis
Gleichstellungshinweis
Ist zur besseren Lesbarkeit nur auf die weibliche oder
männliche Person Bezug genommen, so sind damit immer
beide Gruppen gemeint.
Vorwort
..........................................................................
4
Die Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften
in Sachsen
.....................................................................
6
Einführung
..................................................................
12
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst ................................ 12
Podiumsbeiträge
......................................................
16
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat .....................................................16
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung
beim Verband Deutscher Maschinen-
und Anlagenbau ....................................................... 24
Prof. Dr. Ludwig Hilmer
Rektor der Hochschule Mittweida .....................28
Diskussion
..................................................................
32
Podiumsbeiträge und Diskussion
...................
52
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig ..........................53
Prof. Dr. Tobias Zschunke
Prorektor Forschung
Hochschule Zittau/Görlitz
................................55
Prof. Dr. Andreas Leson
Leiter Geschäftsfeld PVD- und
Nanotechnik, Fraunhofer-Institut
für Werkstoff- und Strahltechnik
IWS Dresden .............................................................57
Martin Reichel
Geschäftsführer der
Bayerischen Forschungsallianz GmbH ............58
Fazit
..............................................................................
78
Teilnehmer
..................................................................
82

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4 |
Vorwort
Die Hochschullandschaft im Freistaat Sachsen
ist mit vier Universitäten, fünf Kunsthoch-
schulen und fünf Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften (HAW) sehr gut aufgestellt. Für
jeden akademischen Bildungsbedarf gibt es da-
mit die entsprechende Bildungsstätte. Das An-
gebot der Hochschulen wird ergänzt durch die
Berufsakademie mit ihren sieben Standorten
der Studienakademien. Im Hochschulentwick-
lungsplan 2025 sind die strategischen Entwick-
lungslinien und -profile festgelegt. Trotzdem
werden alle Hochschularten auch separat wei-
terentwickelt. Das gilt auch für die HAW. Sie
sind eine wichtige Säule der akademischen
Ausbildung. Ihre Absolventen nehmen als drin-
gend benötigte Fachkräfte in technischen, sozi-
alen oder gestalterischen Berufen wichtige
Schlüsselpositionen in Unternehmen und Insti-
tutionen der Regionen ein. Zudem wird die For-
schung immer wichtiger. Die einst Fachhoch-
schulen genannten Einrichtungen ersetzen die
bei den meist kleinen und mittelständischen
Unternehmen fehlenden Abteilungen Forschung
und Entwicklung. Kurz gesagt: Die HAW decken
zum Teil den Forschungsbedarf der regionalen
Wirtschaft und tragen stark zur Einführung
neuer Produkte und Produktionsprozesse bei.
Erhöhter gesellschaftlicher Fachkräftebedarf,
zunehmende Forschungsleistungen und die
Rekrutierung eigenen Personals – das sind
stark veränderte gesellschaftliche Ansprüche
an diese Hochschulart. Dem muss und soll
die Wissenschaftspolitik Rechnung tragen.
Deshalb haben wir alle Beteiligten – Rektoren,

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In stitutsleiter, Studierende, Unternehmer, Ver-
bandsvertreter und andere zu einer Fachtagung
am 11. Mai 2017 in das Wissenschaftsministe-
rium eingeladen. Wir haben diskutiert, welche
Rolle bundesweit und ganz generell den HAW
zukommt, wie sich die sächsischen Einrichtungen
positionieren und was die wichtigsten Probleme
sind, deren Lösung zeitnah angegangen werden
sollte. Wichtige Bewertungen brachte der »Blick
von außen« des Wissenschaftsrates. Denn mit
einigen Schwierigkeiten sind die sächsischen
HAW nicht allein. Die Personalentwicklung, die
Besetzung der Professuren, die Erweiterung der
Studienangebote, besonders in den Sozialbe-
rufen, die Vernetzung mit außeruniversitären
Forschungsinstituten, die Kooperation mit den
regionalen gesellschaftlichen Akteuren treiben
die Rektorate bundesweit um. Dass diese Hoch-
schulart gestärkt werden muss, steht außer
Zweifel. Doch wo angesetzt werden muss,
wurde von den Tagungsteilnehmern diskutiert.
Dabei war allen Beteiligten klar, dass es nicht
darum geht, Universitäten und Fachhochschulen
anzugleichen. Ihre Funktionen sind so unter-
schiedlich, dass eher eine stärke Typendifferen-
zierung nötig ist. Denn die HAW erfüllen Auf-
gaben, die die Universitäten nicht erfüllen
können, sie sind stark an die Anwendung orien-
tiert, decken vorwiegend den regionalen Fach-
kräftebedarf und kooperieren mit der Wirtschaft
vor Ort. Damit die HAW dem gerecht werden
können, müssen sie weiter gestärkt werden.
Dazu gehören vor allem neue Wege zur Gewin-
nung und Entwicklung geeigneten Personals,
eine Aufwertung der Stellen und das Etablieren
von starken, nachhaltigen Strukturen für die
Forschung.
Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaf-
ten sind bei Studierenden, bei Unternehmern
und Kommunen stark nachgefragt. Das ver-
deutlicht die gute Rolle, die diese Hochschulen
im akademischen Bildungssystem spielen. Diese
starke Position wollen wir bedarfsgerecht aus-
bauen. Dafür haben wir uns im Ministerium mit
etwa 80 Teilnehmer getroffen.
Zum Nachlesen sind die Wortbeiträge der Tagung
in dieser Broschüre dokumentiert.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für
Wissenschaft und Kunst

Die Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften
in Sachsen

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Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Die Hochschule für Technik, Wirtschaft und
Kultur Leipzig (HTWK Leipzig) vereint praxisorien-
tierte Lehre und anwendungsnahe Forschung.
Regionales Alleinstellungsmerkmal ist ihr breites
ingenieurwissenschaftlich-technisches Profil.
Mehr als 40 Studiengänge der Ingenieurwissen-
schaften, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften,
angewandten Medien- und Informationswis-
senschaften sowie Informatik und Mathematik
ermöglichen eine wissenschaftlich fundierte
und praxisorientierte Ausbildung. Momentan
sind etwa 6 200 Studierende immatrikuliert.
Herausragend positioniert sich die HTWK mit
ihren seltenen Studiengängen rund um das Buch.
So gibt es für das Studium »Buch- und Medien-
produktion« nur noch einen weiteren vergleich-
baren Abschluss an der Hochschule der Medien
in Stuttgart. Auch den Studiengang Museologie
kann man außer an der HTWK Leipzig nur noch
in Würzburg studieren.
Vernetzung wird großgeschrieben: Langfristige
und vielfältige Kooperationen mit Unternehmen
aus der Region, Deutschland und Europa sowie
zahlreiche eingeworbene Forschungsprojekte
belegen die Leistungsstärke der Hochschule. Mit
einem Drittmittelaufkommen von mehr als
zehn Millionen Euro gehört die HTWK Leipzig zu
den forschungsstärksten Hochschulen für An-
gewandte Wissenschaften (HAW) in Deutschland.
Derzeit promovieren mehr als 70 Nachwuchs-
wissenschaftler in kooperativen Verfahren, un-
terstützt vom 2016 neu gegründeten Graduier-
tenzentrum.
Die Profillinien der HTWK Leipzig bündeln die Lehr-
und Forschungskompetenzen in »Bau & Ener-
gie«, »Ingenieur & Wirtschaft«, »Life Science &
Engineering« sowie »Medien & Information«.
Die Hochschule bekennt sich damit zur Einheit
von Lehre und Forschung.
Die Hochschule wurde 1992 neu gegründet. Die
Traditionslinien ihrer Vorgängereinrichtungen in
Leipzig (Technische Hochschule, Bauhochschule,
Lehrstätten für Bibliothekare, Buchhändler und
Museologen) reichen in direkter Linie bis in das
Jahr 1838 zurück. Nach 1992 kamen die Bereiche
Wirtschaftswissenschaften und Sozialwesen neu
hinzu.
Hochschule für Technik und
Wirtschaft Dresden
Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
(HTW Dresden) ist mit über 5 000 Studieren den
die zweitgrößte Hochschule der Landeshaupt stadt.
Im Jahr 1992 gegründet, reiht sie sich heute ein
in die Spitzengruppe der deutschen Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften. Die 36 Studien-
gänge in den Bereichen Bauingenieurwesen,
Elektrotechnik, Maschinenbau, Infor matik, Wirt-
schaftswissenschaften, Geoinformation, Land-
bau, Umwelt, Chemie und Gestaltung führen zu
den Abschlüssen Bachelor, Master und Diplom.
Der Campus der HTWK im Leipziger Süden.

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8 |
»Praktisch mehr erreichen« lautet das Motto der
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden.
Lehre und Forschung sind an der HTW Dresden
eng miteinander verbunden und stark praxiso-
rientiert. Die Studierenden können sich schon
früh an Forschungsprojekten beteiligen, sie pro-
fitieren von engen Kontakten zu Industriepart-
nern und haben darüber hinaus die Möglichkeit,
im Rahmen von kooperativen Promotionsverfah-
ren zu promovieren.
Die Forschung an der HTW Dresden orientiert
sich vor allem an den vier Profillinien Mobilsysteme
und Mechatronik, Nachhaltige Lebensgrundlagen,
Informationssysteme, Unternehmensführung
und Gründung. Mit ihrer anwendungsorientieren
Forschung ist die Hochschule ein wichtiger Part-
ner insbesondere von mittelständischen Unter-
nehmen in Sachsen und sehr gut vernetzt mit
den zahlreichen Technologie- und Forschungs-
zentren des Wissenschaftsstandorts Dresden.
Die Gründungsschmiede der HTW Dresden unter-
stützt junge Start-ups aus dem Umfeld der
Hochschule bei der Entwicklung und Durchfüh-
rung innovativer Geschäftsideen und vermittelt
Kontakte zu Kooperationspartnern in Wirtschaft
und Industrie.
Neben hervorragenden Studienbedingungen
und einer erstklassigen Ausbildung erwartet die
Studierenden in Dresden ein Umfeld mit hoher
Lebensqualität, Kunst und Kultur, tollen Freizeit-
angeboten und einer herrlichen Landschaft.
Die an der HTW Dresden erworbenen Abschlüsse
genießen große Anerkennung bei Unternehmen
sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen.
Das belegen nicht nur aktuelle Studien und Hoch-
schulrankings, sondern vor allem die erfolgrei-
che Vermittlung der Absolventen in die Praxis.
Hochschule Mittweida
Vor 150 Jahren als private technische Lehran-
stalt für Maschinenbauer gegründet, ist die
Hochschule Mittweida heute mit einem Profil
von Ingenieur-, Natur- und Wirtschaftswissen-
schaften bis hin zu Medien und Sozialer Arbeit
breit aufgestellt. Wie in den Anfängen ist die
Hochschule Mittweida eine weltoffene Hoch-
schule mitten in der Stadt. 6 350 Studierende
waren im Sommersemester 2017 in mehr als
50 Studiengängen an fünf Fakultäten einge-
schrieben. Typisch für Mittweida sind anwen-
dungsnahe und interdisziplinäre Studiengänge.
Manches gibt es so auch nur hier wie »All-
gemeine und Digitale Forensik« oder das cross-
mediale »Medienmanagement«. Neben dem
Direktstudium gibt es berufsbegleitende und
weiterbildende Angebote.
Auch in Wissenstransfer und Forschung ist die
Hochschule Mittweida stark. »Exzellenzbereiche«
der Hochschule Mittweida sind die Laserforschung
und die Digitale Forensik. Im Jahr 2016 wurde der
Neubau des »Laserinstitut Hochschule Mittweida«
fertiggestellt – als erster und einer von bislang
nur drei exzellenten Forschungs neubauten an
Fachhochschulen, an denen sich der Bund finan-
Die HTW Dresden verfügt über eine moderne Bibliothek.

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| 9
ziell beteiligt hat. Die IT-Forensik-Spezialisten
der Hochschule Mittweida arbeiten seit 2017
mit dem Fraunhofer-Institut für Sichere In-
formationstechnologie (SIT) in Darmstadt bei
Forschung und Weiterbildung zusammen.
Das im Jahr 2014 eröffnete Zentrum für Medien
und Soziale Arbeit gehört zu den modernsten
akademischen Ausbildungszentren Europas im
Medienbereich. Verteilt auf 5 700 Quadratme-
tern und vier Etagen finden sich hier neben
Hörsälen und Seminarräumen ein hochmoder-
nes Fernsehstudio, Tonstudios und der hoch-
schuleigene Radiosender »99drei Radio Mitt-
weida«. Der sendet nicht nur für den Campus,
sondern rund um die Uhr an sieben Tagen in der
Woche für die Stadt und ist damit der einzige von
Studierenden betriebene Lokalsender Deutsch-
lands. Viele weitere Produktionen und Events
machen das Medienstudium in Mittweida ein-
zigartig praxisnah.
Als eine der ersten Partnerhochschulen des
Spitzensports in Deutschland bietet die Hoch-
schule Mittweida Leistungssportlern besondere,
an Trainings- und Wettkampfzeiten angepasste
Studienbedingungen.
Westsächsische Hochschule Zwickau
Die
Westsächsische Hochschule Zwickau (WHZ)
geht auf die 1897 gegründete Ingenieurschule
Zwickau zurück, die sich um den Bereich Kraft-
fahrzeugtechnik verdient gemacht hat. Auch
heute nimmt die Technik einen großen Stellen-
wert an der Fachhochschule ein. Die Bereiche
Wirtschaft, Sprachen, Gesundheit und Gestal-
tung sind zusätzliche Säulen, auf denen das
Studium an der WHZ fußt.
Etwa 4 600 Studierende sind aktuell in einem
der 50 Studiengänge an acht Fakultäten einge-
schrieben. Ungefähr 300 von ihnen kommen aus
dem Ausland. Junge Leute aus knapp 50 Ländern
entscheiden sich jedes Jahr für ein Studium an
der WHZ. Neben den Bachelor- und Masterab-
schlüssen verleiht die Hochschule weiterhin das
Diplom. 15 Studiengänge schließen damit ab.
Dazu zählen unter anderen die Fachrichtungen
Maschinenbau, Kraftfahrzeugtechnik und Wirt-
schaftsingenieurwesen.
Die technischen Studiengänge werden von einem
gestalterischen und interkulturellen Studienan-
gebot ergänzt. Das Studium der Wirtschaft wird
zum Beispiel mit einer Fremdsprache kombi-
niert, wobei Französisch, Spanisch/Portugiesisch
oder Chinesisch zur Auswahl stehen. Pflege- und
Ge sundheitsmanagement und Gebärdensprach-
dolmetschen erweitern das Spektrum.
Neben Zwickau betreibt die Hochschule Standorte
im erzgebirgischen Schneeberg und in den vogt-
ländischen Städten Reichenbach und Markneu-
kirchen. Studenten der Studiengänge Holzgestal-
tung, Modedesign und Textilkunst/Textildesign
studieren an der Fakultät Angewandte Kunst in
Schneeberg. Angehende Musikinstrumentenbauer
erlernen ihr Handwerk in Mark neukirchen und im
Das Hauptgebäude der Hochschule Mittweida.

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10 |
Reichenbacher Hochschulteil sitzt das Institut
für Textil- und Ledertechnik, das voraussichtlich
im Jahr 2020 nach Zwickau umziehen wird.
Seit Jahren nehmen Zwickauer Studenten erfolg-
reich am internationalen Konstruktions wett be-
werb »Formula Student« teil. Dabei planen, bauen
und fahren sie ein eigenes Rennauto. Das aktu-
elle Fahrzeug heißt »eRnst« und ist be reits der
elfte Formula-Student-Flitzer aus Zwickau.
Hochschule Zittau/Görlitz
»Studieren ohne Grenzen«: Es gibt kaum bessere
Studienorte, um ein solches Motto Wirklichkeit
werden zu lassen, wie die Städte Zittau und Görlitz.
Regional geprägt durch die Einbettung ins Drei-
ländereck Deutschland, Tschechien und Polen
erwartet die Studierenden eine praxisnahe Hoch-
schule. Diese überzeugt durch intensive Betreu-
ung, eine moderne Ausstattung und zahlreiche
Kontakte zu regionalen, nationalen und inter-
nationalen Unternehmen und Einrichtungen. Das
sind optimale Voraussetzungen für ein effekti-
ves Studium und sehr gute Berufsaussichten.
Die hohe Vermittlungsquote der Absolventen
ist ein Beweis dafür. Die beiden Standorte sind
etwa 36 Kilometer voneinander entfernt. 469 Be-
schäftigte, davon 119 Professoren, kümmern sich
um die rund 3 200 Studierenden, die in den mehr
als 40 Studiengängen der Ingenieur-, Natur-,
Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an sechs
F
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k
ult
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.
Internationalität ist eine Säule der Hochschule.
Sie unterhält zu insgesamt 122 Hochschulen in
38 Ländern Partnerschaften: von Südafrika bis
in die USA, von Mexiko über Großbritannien bis
nach Russland und China. Dazu gehört auch das
weltweit einzigartige trinationale Hochschul-
netzwerk »Neisse University«. Das englisch-
sprachige Bachelorstudium in diesem Netzwerk
beginnt in der Tschechischen Republik, findet im
zweiten Jahr in Polen statt und endet in Deutsch-
land. Integraler Teil des Studiums ist ein Praktikum,
das in jedem Land der Welt durchgeführt werden
kann.
Wer sich mit der Vielfalt der Kommunikation und
deren Auswirkungen auf Individuen und Grup-
pen befassen möchte, kann am Standort Görlitz
Kommunikationspsychologie studieren – ein in
Deutschland einzigartiger Bachelorstudiengang.
Auch der Studiengang Soziale Gerontologie ist
Der August-Horch-Bau der Westsächsischen
Hochschule Zwickau.
Das Hermann-Heitkamp-Haus an der
Hochschule Zittau/Görlitz.

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selten. Gleiches gilt für die interdisziplinären
Studiengänge Wohnungs- und Immobilienwirt-
schaft, Ökologie und Umweltschutz sowie Inte-
grative Managementsysteme.
Zwei Abschlüsse mit einem Studium – das ist mit
dem einzigartigen Masterstudiengang Mecha-
Als Ergebnis eines Wettbewerbs unter Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften und
kleinen und mittleren Universitäten in ganz
Deutschland wurde das Konsortium aus den
fünf sächsischen Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften in Dresden, Leipzig, Mittweida,
Zittau/Görlitz und Zwickau als »Innovative
Hochschule« für eine Förderung vorgesehen.
Das gemeinsame, als exzellent ausgezeichnete
Projekt »Saxony
5
– Smart University Grit« wird ab
Januar 2018 über fünf Jahre gefördert. Kernidee
des Kooperationskonzeptes ist eine stärkere Zu-
sammenarbeit der Hochschulen beim Transfer
und der Kooperation mit Unternehmen und
Organisationen. Angelehnt an die modernste
Organisationsform von elektrischen Energie-
netzen wird im Projekt Smart University Grid der
Transferverbund Saxony
5
(sprich Saxony high five)
die Wissensströme intelligent vernetzen, um sie
besser am Bedarf der Partner in Wissenschaft,
Wirtschaft und Gesellschaft auszurichten.
Letztlich sollen neue Erkenntnisse und Erfin-
dungen schneller zum Wohle der Bürger und
Verbraucher in innovative Produkte und Dienst-
leistungen umgesetzt werden und umgekehrt soll
der Bedarf an innovativen Entwicklungen ziel-
gerichteter den Weg in die Hochschulen finden.
tronik möglich. Er schließt mit einem Doppelab-
schluss gemeinsam mit der Technischen Universi-
tät in Liberec ab. Neben den Diplom-, Bachelor- und
Masterstudiengängen bietet die Hochschule
mit dem Kooperativen Studium mit integrierter
Ausbildung die Möglichkeit, ein Studium mit
einer Berufsausbildung zu verknüpfen.

Die Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften
in Sachsen
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst
Einführung
Fachtagung

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| 13
Wir wenden uns mit der heutigen Fachtagung
dem Thema »Zukunft der Hochschulen für An-
gewandte Wissenschaften (HAW)« zu. Nachdem
wir den Hochschulentwicklungsplan verabschie-
det haben, der uns Sicherheit bis 2025 gibt, und
die Zielvereinbarungen bis 2020 unterschrieben
wurden, haben wir ruhiges Fahrwasser, um über
die Zukunft nachdenken zu können. Mit dem
Hochschulentwicklungsplan haben wir es ge-
schafft, dass der Stellenabbau vom Tisch ist.
Damit haben die Hochschulen endlich den Kopf
frei, um über ihre Entwicklungspotentiale nach
-
zudenken. Es geht darum, wie sich unsere Hoch-
schulen in den nächsten Jahren profilieren und
aufstellen sollen.
Die Hochschulen für Angewandte Wissen-
schaften
spielen in Sachsen eine große Rolle,
mittlerweile in der gesamten Bundesrepublik.
Der Hochschulpakt des Bundes hat die Studen-
tenpotentiale stark in Richtung HAW verscho-
ben. In Sachsen ist ungefähr ein Viertel der
Studierenden an den HAW eingeschrieben, in
den westdeutschen Ländern über 40 Prozent.
Das ist eine spannende Entwicklung, die sicher
auch in dem einen oder anderen Bundesland
darin begründet ist, dass die Lehre an den HAW
kostengünstiger ist als an den Universitäten.
Wenn man es auf den Bedarf pro Student und
pro Jahr ausrechnet, dann ist die Lehre an den
Hochschulen für Angewandte Wissenschaften
günstiger. Es war vielleicht die einzige Möglich-
keit, um in den anderen Bundesländern ausrei-
chend Studienplätze zu schaffen.
In Sachsen ist es anders gelaufen.
Wir haben
es den Universitäten und den Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften freigestellt, die Zahl
der Studierenden auf dem Level von 2005 kon-
stant zu halten. Das war ein Kraftakt. Wir haben
in Sachsen die Immatrikulationszahlen von 2005
aufrechterhalten, sogar erhöht auf mittlerweile
105 000 Studierende an den staatlichen Hoch-
schulen. Die Zahl unserer eigenen Hochschulzu-
gangsberechtigten, also der Abiturienten und
Fach oberschulabsolventen aus Sachsen, ist je-
doch in dieser Zeit halbiert worden. Jetzt stei-
gen sie allmählich wieder an. Heute haben wir
ungefähr 13 000 bis 13 500 Hochschulzugangs-
berechtigte, immatrikulieren aber 20 000 Stu-
dierende. Ein nicht unerheblicher Anteil dieser
jungen Leute studiert an den Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften. Wir haben uns im
Hochschulentwicklungsplan vorgenommen, die-
se Zahl in den nächsten Jahren zu stabilisieren, so
dass sie im prozentualen Anteil ansteigend ist –
dann 27 Prozent. Das Gewicht verlagert sich
auf die Hochschulen für Angewandte Wissen-
schaften und wir wissen, dass das ein Spagat
ist. Deshalb kämpfen wir natürlich auch darum,
dass es zum Hochschulpakt nach 2020 einen
Anschlusspakt gibt, um die Kapazitäten tat-
sächlich so hoch halten zu können.
Die HAW sind noch wichtiger für die regionale
Fachkräfteversorgung
als die Universitäten,
die wesentlich stärker auch bundesweit Studie-
rende anziehen. Die Zusammenarbeit innerhalb
Dr. Eva-Maria Stange

14 |
der Region ist für die HAW eines der zentralen
Elemente. Die Verbindung zu den kleinen und
mittelständischen Unternehmen ist für das
Wirtschaftsland Sachsen existenziell. Auch die
Universitäten mit ihrer Größe und ihren Profi-
len bringen einen großen Beitrag, aber die regi-
onale Verbundenheit und der Zugang gerade
für kleine und mittelständische Unternehmen
zu ihren Fachhochschulen in der Region ist noch
viel enger und bedeutender. Ein Beispiel ist der
Strukturwandel in der Lausitz: Wir haben hier
nur eine Hochschule für Angewandte Wissen-
schaften in Zittau/Görlitz und die Studienaka-
demie in Bautzen. Dann haben wir glücklicher-
weise eine Fraunhofer-Einrichtung, die sich dazu
bekannt hat, mit der HAW ein gemeinsames
Anwendungszentrum aufzubauen. Das ist gut
so, denn Fraunhofer-Institute und die HAW sind
im Profil sehr nahe an der anwendungsnahen
Forschung. Daher sollte die Zusammenarbeit
auf alle Fälle weiter ausgebaut werden. Die
Bedeutung für die regionale Wirtschaft ist als
Innovationsmotor nicht hoch genug einzu-
schätzen. Das ist auch einer der wesentlichen
Gründe, weshalb wir über die Zukunft der HAW
im Freistaat nachdenken.
Die HAW sind nicht nur stark in den Technik-
und Naturwissenschaften,
sondern auch in
den Sozial-, Geistes-, Kultur- und Pflege-
wissenschaften. Das ist eine Bandbreite, die für
den Fachkräftenachwuchs von großer Bedeutung
ist. Beispiele sind die frühkindliche Bildung und
die Pflege. Hier wird europaweit diskutiert, in
diesen Bereichen von der bisher reinen fach-
schulischen Ausbildung zumindest einen Teil
der Beschäftigten akademisch auszubilden.
Diese Bereiche müssen akademisiert werden,
damit wir Wissenschaft und Forschung voran-
treiben. Ohne dieses Standbein an den Hochschu-
len für Angewandte Wissenschaften oder den
Universitäten – die frühkindliche Bildung ist an
der Universität Leipzig im Ausbau – würden
diese Bereiche auch irgendwann forschungs-
mäßig vertrocknen. In den letzten Jahren konnte
ein wichtiger Schritt von der rein fachschuli-
schen und sehr praxisorientierten Ausbildung
hin zu einer hochschulischen Ausbildung, die
aber gleichzeitig die Praxisnähe nicht verliert,
gegangen werden. Das war einer der wesentli-
chen Akzeptanzschritte, damit diese Bereiche in
die Fachhochschulen integriert werden können.
Eine Rolle wird heute sicher das Thema »ko-
operative Promotionen« spielen.
Sachsen ist
eines der Bundesländer, das die meisten koope-
rativen Promotionen hat. Wir hatten in den
Jahren von 2012 bis 2014 – so die letzten Statis-
tiken – 154 kooperative Promotionen. An der Ge-
samtzahl der Promotionen im Freistaat sind das
fünf Prozent. Das klingt zwar wenig, aber wir
müssen uns den bundesweiten Durchschnitt an-
sehen: Dort sind es nur zwei Prozent der Promo-
vendinnen und Promovenden, die in kooperativen
Promotionen zwischen Fachhochschulen und
Universitäten ihre Promotion erreichen. Ich er-
wähne das deshalb, weil die Frage des Nach-
wuchses für unsere Dozentinnen und Dozenten
ein ganz zentraler Punkt ist. Wenn man sich
nicht selber die Möglichkeit geben kann, eigenen
Nachwuchs zu entwickeln, indem auch Promo-
tionen ermöglicht werden, dann ist das sehr
schwierig. Dazu wird sicher Frau Dr. Behrenbeck
mehr sagen, weil dies auch ein Thema des Wis-
senschaftsrates war. Der Wissenschaftsrat hat
sich zweimal mit den Fachhochschulen, später
dann Hochschulen für Angewandte Wissen-
schaften, beschäftigt: 2010 und 2016. Ich kann
mich gut an eine Diskussion im Wissenschafts-
rat erinnern, die mittlerweile zehn Jahre zurück-
liegt. Damals habe ich versucht, das partielle
Promotionsrecht einzuführen. Das wurde unter

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| 15
»Tagesordnungspunkt Null«, ohne Protokoll im
Wissenschaftsrat, geführt. Mittlerweile haben das
partielle Promotionsrecht ein oder zwei Länder
eingeführt. Damals war es für einige Mitglieder
im Wissenschaftsrat undenkbar, dass eine Fach-
hochschule ein eigenes Promotionsrecht be-
kommt. Ich erwähne das, weil wir an den HAW
dringend den Bereich der Forschung ausbauen
müssen und somit das Thema Promotion an
Bedeutung gewinnt.
Wir haben in Sachsen eine ganze Menge getan,
um das voranzubringen, einerseits mittels des
Haushaltes des Wissenschaftsministeriums For-
schungsprojekte zu unterstützen und damit eine
Hebelfunktion zu erreichen, denn die Drittmittel-
fähigkeit unserer HAW ist sehr gut. Beim zwei-
ten Punkt hat uns der Bund geholfen, indem er
das BAföG finanziert. Wir können die Mittel
nun
auch für die HAW verwenden. Diese haben
nun die Möglichkeit, sich personell besser aus-
zustatten und eine Grundlage dafür zu schaffen,
damit überhaupt Projektmittel eingeworben
werden können. Wir wünschen uns mehr. Es
wäre gut, wenn wir den Mittelbau an den Fach-
hochschulen stärker ausbauen könnten, wenn
Forschung ein wirkliches Standbein der HAW
wird. Aber die HAW sind keine kleinen Universi-
täten und sie werden es auch nicht werden. Die
HAW haben ein eigenes Profil, und dieses eigene
Profil muss auch ihre Zukunft bestimmen. Dazu
gehören aus meiner Sicht noch weitere Punkte,
die wir in den nächsten Jahren entwickeln müssen,
aber es soll eine klare Profilbildung neben den
Universitäten sein. Das wäre jedenfalls mein
Wunsch für die nächsten Jahre.
Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange und Moderator Dr. Tobias D. Höhn auf dem Podium.

Podiumsbeiträge
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung, Wissenschaftsrat
Rolle der Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften im
Wissenschaftssystem bundesweit
Podiumsbeiträge
Fachtagung – Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften in Sachsen

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| 17
Es gibt Dinge, die muss man Personen in die-
sem Raum gar nicht erklären, den allermeisten
sind sie vertraut. Das sind Fragen wie: Welche
Probleme haben die Fachhochschulen zum Bei-
spiel bei der Personalgewinnung und welche
Folgen hat das für die Hochschulen für Ange-
wandte Wissenschaften? Diese Probleme sind
möglicherweise im bundesweiten Überblick noch
einmal andere als die spezifischen in Ihrer Region.
Der Wissenschaftsrat macht solche Beobach-
tungen immer mit Blick auf das ganze System,
manches mag für die einzelne Hochschule nicht
immer genau zutreffen. Das bitte ich zu bedenken.
Mit dem Blick auf das Gesamtsystem
haben
wir beobachtet, dass es Probleme gibt, Profes-
suren zu besetzen, geeignete Bewerberinnen und
Bewerber zu finden in den MINT-Fächern, be-
sonders in den Technikwissenschaften, aber
auch in den Fächern, in denen Berufe akademi-
siert werden, z.B. Gesundheitsberufe, frühkind-
liche Bildung. Das sind sehr junge Fächer, in
denen es erst wenige Personen gibt, die promo-
viert sind. Wenn Professuren frei bleiben, aus
welchen Gründen auch immer, muss man das
ausgleichen, dann müssen fluktuierende Ver-
tretungen und Lehrbeauftragte diese Aufgaben
übernehmen. Außerdem leiden Fachhochschulen
darunter, dass insgesamt die Personalstruktur
nicht dem gewachsenen Aufgaben spek trum
ent spricht. Frau Stange hat angesprochen, dass
zum Beispiel eine Grundstruktur für die For-
schung fehlt, aber auch viele andere Aufgaben
müssen die Professorinnen und Professoren oft
selber machen. Es macht die Professur für Per-
sonen aus Unternehmen, die schon eine gewisse
Führungs spanne haben, unattraktiv, wenn sie
als FH-Professorinnen und Professoren gar
keine Mitarbeiter haben werden und wieder
selber am Kopierer stehen. Wir müssen konsta-
tieren, dass die Professorinnen und Professoren
an Fachhochschulen stark belastet sind mit
Aufgaben, die eigentlich nicht ihrer Qualifika-
tion entsprechen. Und dass viele Professuren
nicht leicht oder gar nicht zu besetzen sind.
Damit können die Hochschulen ihre Leistungs-
potentiale gar nicht ausschöpfen.
Wir haben uns das etwas systematischer an-
geschaut:
Was sind denn die genauen Ursa-
chen? Und eine ist immer noch, vielleicht auch in
Sachsen, dass viele grundsätzlich geeignete Per-
sonen Fachhochschulen gar nicht kennen und
daher als Arbeitgeber nicht in Betracht ziehen. Die
meisten sind in der Vergangenheit an Universitä-
ten ausgebildet worden und natürlich auch pro-
moviert worden, sie waren noch nie an einer
Fachhochschule und kennen sie nicht von innen.
Vielleicht haben sie ein paar Vorurteile, aber prin-
zipiell ist ihnen dieser Sektor unbekannt. Außer-
dem befinden sich die Fachhochschulen immer
in Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern. Hinzu
kommt: Das Anforderungsprofil an Fachhoch-
schul-Professoren ist sehr hoch – man muss ja drei
verschiedene Berufungsvoraussetzungen erfüllen:
1) Man muss eine Qualifikation in der Forschung
haben und zwar auf Promotionsniveau. 2) Man
muss Lehrerfahrung und Lehrkompetenz haben.
Dr. Sabine Behrenbeck

18 |
Das ist ja klar bei einem so lehrorientierten Hoch-
schul-Typ. 3) Und man muss eine berufspraktische
Erfahrung haben außerhalb der Wissenschaft.
Die dritte Berufungsvoraussetzung
unterschei-
det die Fachhochschulen von den Universitäten.
Für eine FH-Professur sind Sektorenwechsel
notwendig: Man ist aus der Wissenschaft in ein
Unternehmen oder in eine Einrichtung gegangen.
Und von dort muss man wieder zurückgeholt
werden in die Wissenschaft. Der Sektorenwech-
sel vor der Berufung macht es den Fachhoch-
schulen nicht leicht, mit diesen Personen über-
haupt in Kontakt zu kommen. Die sind auch oft
gar nicht auf der Suche nach einem neuen Job,
denn sie haben schon einen. Das ist auch ein
Unterschied zu den Universitäten, auf deren Pro-
fessuren sich prekär beschäftigter wissenschaft-
licher Nachwuchs im Überfluss bewirbt und man
kann sozusagen aus dem Vollen schöpfen. Aber
die Fachhochschulen bilden nicht nur ihren Nach-
wuchs nicht selber aus, sondern sie müssen die
Bewerberinnen und Bewerber von außen auf sich
aufmerksam machen. Wenn es dann auch noch,
wie es glücklicherweise aktuell der Fall ist, für
Akademiker Vollbeschäftigungen gibt und in
manchen Branchen schon händeringend Fach-
kräfte gesucht werden, dann ist es nicht einfach,
sich als Fachhochschule in der Konkurrenz gegen
Unternehmen und Universitäten durchzusetzen.
Dafür sind die Rahmenbedingungen, auch was
die Besoldungsstruktur angeht, nicht wirklich
konkurrenzfähig. Viele Ingenieure verdienen in
der Industrie das Doppelte. Wissenschaftliche
Freiheit und das Zusammenarbeiten mit Stu-
denten sind sehr erstrebenswert, aber es erfor-
dert auch sehr viel intrinsische Motivation, auf
die Hälfte seines Gehaltes zu verzichten.
Die Empfehlungen haben drei Probleme
in
den Blick genommen und Lösungsvorschläge
erarbeitet. Zum einen geht es um die Unter-
stützung von Karrierewegen – das heißt, man
muss Wege in die Fachhochschulen bahnen. Im
Moment verläuft das relativ unstrukturiert. Zum
Zweiten muss die Fachhochschulprofessur attrak-
tiver ausgestaltet werden. Und zum Dritten muss
man für das gesamte wissenschaftliche und auch
für das nicht-wissenschaftliche Personal an Fach-
hochschulen – einschließlich der Professorinnen
und Professoren – eine interessante Personal-
entwicklung anbieten. Idealerweise sollte man
das alles bündeln. Die Fachhochschulen sind ja
Experten für Vernetzung, deshalb haben wir sie
auch »Vernetzungsinstanzen ersten Ranges«
genannt. Insofern würde es Sinn machen, diese
Kompetenz zu nutzen, um Vernetzungsstrukturen
bei diesen Personalproblemen einzuführen.
Zur Lösung dieser drei Problemfelder
haben
wir jeweils Instrumente vorgeschlagen: Für die
Unterstützung von Karrierewegen werden so-
genannte »Tandemprogramme« und »kooperative
Promotionen« angeregt; zur Attraktivitätsstei-
gerung haben wir die Schwerpunktprofessur, die
gemeinsame Professur und die Teilzeit-Professur
vorgeschlagen; für die systematische Personal-
entwicklung raten wir zu Fortbildungsangeboten,
Mentoring und Coaching – das ist nicht beson-
ders originell, aber das kostet auch Geld.
Zur Personalgewinnung soll es künftig leichter
werden,
den Weg auf eine Professur zu finden.
Er führt immer über die Promotion. Es soll den
Fachhochschulen erleichtert werden, Absolven-
ten des eigenen Hochschultypus später berufen
zu können, denn die kennen die Fachhochschule
schon. Für die Fachhochschulabsolventen liegt
die erste Hürde beim Zugang zur Promotion,
weil Fachhochschulen diese selbst nicht anbieten.
Der Wissenschaftsrat hat als Königsweg den
der kooperativen Promotion vorgeschlagen. Er

| 19
hat das Promotionsrecht der Universitäten mit
der Pflicht zur Kooperation verknüpft. Die Uni-
versitäten haben dafür zu sorgen, dass alle, die
für eine Promotion geeignet sind, unabhängig
davon, wo sie studiert haben, zugelassen werden.
Sie können dabei nicht so vorgehen, dass sie diese
Person immer an sich binden, sondern auch die
Arbeit in der Forschung an Fachhochschulen soll
solchen Promovierenden möglich sein und damit
eben auch die Betreuung durch Fachhochschul-
Professorinnen und -Professoren. Auf diesem
Weg gibt es aber Probleme. Die haben auch damit
zu tun, dass es Vorurteile an Universitäten gibt
über Forschung an Fachhochschulen.
Unabhängig davon muss man bedenken:
Wir
haben in Deutschland im internationalen Ver-
gleich eine sehr hohe Promotionsquote, es gibt
viele Drittmittel für Projekte, in denen Promo-
vierende beschäftigt werden können. Darum sind
viele Universitätsprofessorinnen und -profes-
soren bereits sehr ausgelastet und haben keine
freien Kapazitäten mehr, um weitere Doktoran-
dinnen und Doktoranden aus Fachhochschulen
zu betreuen oder mit FH-Kolleginnen und -Kolle-
gen zu kooperieren. Zumal wenn es dafür kein
Geld gibt, keine Stipendien oder Projektmittel
für die Promotion, denn es gibt ja an Fachhoch-
schulen keine Qualifikationsstellen, sondern nur
Stellen, weil man Drittmittel eingeworben hat.
Wir empfehlen daher, die kooperative Promotion
auszubauen, während und nach der Promotion
den Erwerb von Lehrkompetenz zu ermöglichen.
Und Kompetenz ist mehr als Lehrerfahrung.
Wenn man die Promotion und auch Lehr-
kompetenz
erworben hat, fehlt noch die Praxis-
erfahrung. Es ist nicht beabsichtigt, Karriere-
wege an Universitäten nachzuahmen. Die sind
auch nicht so nachahmungswert, denn sie sind
bekanntermaßen verbesserungsbedürftig. Wir
fordern auch nicht dazu auf, möglichst viele
In- House-Karrieren zu erzeugen, also eigene
Absol venten nach dem Master noch mit einem
Forschungsprojekt an die Fachhochschule zu
binden, zu promovieren und dann auch zu be-
rufen. Sondern es ist wichtig, dass die Berufs-
erfahrung außerhalb der Wissenschaft erhalten
bleibt. Und zwar nicht als eine Art von besse-
rem Praktikum, sondern nach einer Auswahl
durch das Unternehmen soll man dort mit an-
spruchsvollen Aufgaben betraut werden. Das ist
wichtig für den Praxisbezug der Lehre, aber das
ist auch wichtig für Transfer und Vernetzung mit
den Praxispartnern. Und es soll leichter werden,
mit geeigneten Personen für eine Professur schon
früh, also während der Promotion oder Praxis-
phase in Beziehung zu treten, sie während der
Praxisphase an sich zu binden und für dieses
Berufsziel Professur zu interessieren. Dazu sollen
die Tandem-Programme dienen.
Wenn man in einem Unternehmen
für ein
solches Programm ausgewählt wurde, dann ist
man mit einem kleinen Teil seiner Arbeitszeit
bereits in der Fachhochschule tätig, sei es in der
Lehre, in der Betreuung von Praktika und Ab-
schlussarbeiten von Studierenden, für die Wei-
terbildung, mit einem gemeinsamen Forschungs-
oder Entwicklungsprojekt oder im Transfer. Man
kann also testen, ob der Beruf FH-Professur eine
Option wäre und auch die Hochschule gewinnt
einen Eindruck von der Eignung. Es ist eigentlich
nicht vorgesehen, dass die Personen im Tan-
dem-Programm auch ein Gehalt an der Fach-
hochschule beziehen. Aber der Arbeitgeber muss
damit einverstanden sein und auch davon pro-
fitieren, dass diese Person mit einem Teil ihrer
Arbeitszeit sich in der Fachhochschule enga-
giert, auf eine Weise, die für das kooperierende
Unternehmen und die Fachhochschule vorteil-
haft ist. Wir haben uns vorgestellt, dass die

image
20 |
Programmteilnahme eine Art von Auszeich-
nung sein kann. Aber das bedeutet nicht, dass
am Ende garantiert die Berufung steht. Sondern
am Ende ist man berufbar. Es wird also ein Pool
von Bewerben herangebildet, der für eine Fach-
hochschulprofessur in Frage kommt. Natürlich ist
eine Fachhochschule, die ein solches Programm
gemeinsam mit Unternehmen betreibt, gut be-
raten, sich bei der Teilnehmerauswahl zu über-
legen, in welchen Fächern sie demnächst Re-
krutierungsbedarf hat. Aber sie kann auch nicht
darauf vertrauen, dass eine Person, die in die-
sem Tandem-Programm gefördert wurde, sich
damit verpflichtet hat, sich auf eine Professur zu
bewerben. Das ist kein Tenure-Track-Programm.
Wir sind viel gefragt worden,
welche Unter-
nehmen sich denn auf so etwas einlassen würde,
weil sie doch Gefahr liefen, ihre besten Leute an
eine Fachhochschule zu verlieren. Wir haben aber
auch von vielen Unternehmen gehört, dass sie
dringend auf solch ein Programm warten, denn
sie brauchen ja qualifizierte FH-Absolventen als
Fachkräfte und sie suchen leichtere Kooperati-
onsmöglichkeiten mit Fachhochschulen. Außer-
dem liefert auch die Motivation eine Begrün-
dung: Die meisten Fachhochschulprofessoren
haben sich für diesen Beruf entschieden, weil
sie die Management-Karriere und die große
Führungsspanne im Unternehmen nicht woll-
ten, sondern wieder mehr inhaltlich, fachlich
arbeiten wollten. Das heißt, dies könnte eine
Version der Expertenkarriere sein, von denen
Unternehmen nicht immer genügend anzu-
bieten haben. Insofern können wir uns eine
Win-win-Situation vorstellen: Mit dem Tandem-
Programm kann das Unternehmen eine Person
ein paar Jahre länger halten, als es ihr sonst
vielleicht gelungen wäre. Und sie gewinnt auch
beim Wechsel der Person an die FH einen Koope-
rationspartner. Natürlich können die Teilneh-
merinnen und Teilnehmer an einem Tandem-
Programm sich auch gegen eine Bewerbung auf
eine FH-Professur entscheiden, trotzdem kann
Dr. Sabine Behrenbeck erläutert die Position des Wissenschaftsrates.

| 21
eine intensive Kooperationsbeziehung weiter
bestehen. Es geht nicht um Zwang oder Ver-
pflichtung, sondern um Möglichkeiten und da-
rum, auf diesen Karriereweg aufmerksam zu
machen und den Bewerberpool zu vergrößern.
Zusammengefasst:
Für den Karriereweg zur
FH- Professur kommt es darauf an, Hürden ab-
zubauen, Sektorenwechsel zu kompensieren und
den Erwerb aller drei Berufungs-Voraussetzungen
zu unterstützen, aber keine nicht durch irgend-
etwas zu ersetzen. Nach der Berufung soll die
Professur, sowohl was die zeitliche Aufgaben-
verteilung als auch was die Aufgabenschwer-
punkte angeht, flexibler und so attraktiver aus-
gestaltet werden. Das erste Instrument dafür
ist die Schwerpunktprofessur, mit der Aufgaben-
schwerpunkte in verschiedenen Leistungsdimen-
sionen (Lehre, Forschung, Infrastruktur, Transfer)
vergeben werden, und zwar befristet und leis-
tungsorientiert.
Dafür sind zwei Aspekte zu beachten:
Indi-
viduen wollen sich entwickeln in den dreißig
Jahren Berufsleben, die nach der Berufung noch
vor ihnen liegen, und Fachhochschulen wollen
sich auch entwickeln. Personal- und Organisa-
tionsentwicklung müssen zusammenpassen. Das
gilt auch bei der Vergabe von Schwerpunkt-
professuren, die in Beziehung stehen müssen
zur Entwicklungsstrategie der Fachhochschule
und zu ihren Schwerpunkten. Wir sehen das als
Personalentwicklungsmöglichkeiten nach einer
Berufung. Natürlich kann man über diese auch
in einem Berufungsverfahren reden. Und weil
solche Schwerpunkte Zeitaufwand und Kon-
zentration brauchen, kann man in der Zeit nicht
dasselbe Lehrdeputat absolvieren wie sonst.
Nun kann man stutzen und fragen:
Ein Pro-
fessor mit dem Schwerpunkt Lehre? Das haben
wir doch schon an den Fachhochschulen mit
18 Stunden Lehre. Und wenn man dem jetzt
Lehrdeputat abnimmt, dann hat er doch keinen
Schwerpunkt mehr in der Lehre. Es ist aber ein
Unterschied, ob ich mein Lehrdeputat erfülle
und meine Veranstaltung absolviere oder ob ich
mich zum Experten für Lehre und innovative
Weiterentwicklung von Lehrformaten und Stu-
dienangebote an der Fachhochschule entwickeln
möchte. Ob ich zum Beispiel digitale Lehrfor-
mate einführen möchte, ob ich neue Studien-
gänge konzipieren will. Das alles im laufenden
Geschäft zu machen, häufig mit einer starken
Überlastung verbunden. Und das gilt für alle
Leistungsdimensionen. Im Durchschnitt sollte das
Deputat elf Semester-Wochenstunden betragen,
vielleicht auch mal mehr oder mal weniger, das
kann die Fachhochschule ja selbst entscheiden.
Das ist immer noch mehr als bei einer Universi-
täts-Professur – aber es ist deutlich weniger als
an Fachhochschulen üblich, selbst nach Anrech-
nung von Funktionen und Sonderaufgaben.
Wir haben vorgeschlagen,
dass diese Schwer-
punktprofessuren intern in einer Art von Wett-
bewerb vergeben werden, also man muss sich
mit Vorleistungen darum bewerben und man
hat das nicht ein für alle Mal. Denn auch der
eigene Schwerpunkt kann sich ändern. Man hat
das erst einmal für drei oder fünf Jahre, das kann
man aushandeln. Auch dazu braucht die Fach-
hochschule ein Konzept. Dann kann das ver-
längert werden, wenn die Fachhochschule sagt:
Ja, wir wollen auch diesen Schwerpunkt weiter
aus bauen und zwar mit dieser Person bzw.
diesen Personen. Oder man findet eine andere
Fi nan zierungsmöglichkeit und kann einen neu-
en Schwerpunkt in Angriff nehmen. Wir haben
gesagt, etwa 15 Prozent der Professuren an
Fachhochschulen sollten einen Aufgabenschwer-
punkt haben.

image
22 |
Wir haben uns auch Gedanken darüber ge-
macht,
was das für die Kapazitäten heißt. Das
war für die Länder ein wichtiger Aspekt, wie
man die Lehrkapazitäten dabei erhalten bezie-
hungsweise ausbauen kann. Es wird Sie nicht
überraschen: Das kostet Geld. Das Land muss sich
entscheiden, ob es die Studienkapazität erhalten
oder ausbauen will, das ist unterschiedlich teuer.
Um die FH-Professur attraktiv
auch für Per-
sonen zu machen, die nicht komplett aus ihrem
Beruf aussteigen wollen oder die eine Vollzeit-
tätigkeit an der Fachhochschule mit ihren sons-
tigen Lebensumständen gerade nicht vereinbaren
können, haben wir zwei weitere Instrumente
vorgeschlagen: die Gemeinsame und die Teilzeit-
professur. Damit vergrößert man die Zahl der
Personen, die sich überhaupt für eine Fachhoch-
schulprofessur bewerben können. Die gemein-
same Professur gibt es bereits in der Realität,
sie heißt dann auch neudeutsch »Shared Pro-
fessorship«. Das meint: Eine Person ist mit der
Hälfte der Arbeitszeit in einem Unternehmen
angestellt und mit der anderen Hälfte der Zeit
an einer Fachhochschule, sei es verteilt auf jeden
Tag, auf verschiedene Wochentage oder block-
weise verteilt auf das Jahr. Das scheint sehr gut
zu funktionieren, ist aber nicht sehr verbreitet.
Wir haben festgestellt,
dass sich die Berufs-
wege in drei Weisen entwickeln können: Man
bleibt in beiden Arbeitsverhältnissen oder man
geht ganz an die Fachhochschule oder man geht
ganz zurück ins Unternehmen. Was dabei erhalten
bleibt, ist die Kooperation zwischen dem Unter-
nehmen und der Fachhochschule. Die Teilzeit-
professur ist nicht nur für Personen attraktiv,
die Familienpflichten haben, sondern sie ist auch
attraktiv für Freiberufler und für Personen, die
ein eigenes kleines Unternehmen haben, das sie
nicht aufgeben wollen. Die Fachhochschule ge-
winnt mit beiden Varianten eine Person, deren
Bezug in die Berufspraxis ständig auf dem
neues ten Stand ist.
Neben der Personalentwicklung
von Profes-
sorinnen und Professoren muss man aber auch
Personal aus Verwaltung und Wissenschaft, aus
der Laborbetreuung und der Qualitätssicherung,
interessante Entwicklungsmöglichkeiten anzu-
bieten. Dazu muss man eine Ausnahme von der
Regel vorsehen, wonach der übliche Weg die
außer hochschulische Berufspraxis nach der Pro-
motion vorsieht. Denn es kann ja sein, dass es
Talente gibt, die nach einer Praxisphase als wis-
senschaftliche Mitarbeiter oder als Lehrkräfte für
besondere Aufgaben an die Fachhochschule ge-
gangen sind und nicht promoviert haben, aber das
Talent dazu haben. Und für diese kann durch aus
im Einzelfall auch eine solche Reihenfolge einmal
umgedreht werden, so dass man sie wäh rend der
Beschäftigung an der Hochschule unterstützt,
noch ein Promotionsvorhaben zu beginnen.
Ich hatte am Anfang erwähnt,
wir fänden es
ideal, wenn diese verschiedenen Instrumente an
der Hochschule gebündelt würden. Die sind dann
auch leichter für Außenstehende erkennbar. Es
liegt daher nahe, vorzuschlagen, dafür eine stabile
Dr. Sabine Behrenbeck bei ihren Ausführungen.

| 23
und sichtbare Form wie eine Kooperationsplatt-
form einzusetzen. So können sowohl Bewerber
von außen, aber auch potentielle Kooperations-
partner erkennen: Diese Fachhochschule hat fol-
gende Angebote, dahin kann ich mich wenden
mit meinem Anliegen. Für diese Kooperations-
plattform gibt es ganz viele praktische Umset-
zungsmöglichkeiten in der Realität. Und sie ent-
wickeln sich weiter. Am Anfang müssen noch nicht
alle dieser Maßnahmen schon enthalten sind. Es
kann auch sein, dass eine Maßnahme sich zu
einem Nukleus für eine solche Kooperations-
plattform entwickelt. Das ist etwas Lebendiges,
mit dem man auch etwas ausprobieren kann.
Zuletzt ist wichtig:
Viele dieser Empfehlungen
können Fachhochschulen sofort angehen, an-
deres braucht rechtliche und finanzielle Voraus-
setzungen. Die Länder sind aufgefordert worden
bzw. haben sich im Wissenschaftsrat quasi selber
den Prüfauftrag erteilt, zu schauen, in welchen
Fächern und an welchen Standorten man mehr
Professuren braucht, um die Betreuungsverhält-
nisse zu verbessern, aber auch wo die Besoldung
angehoben werden muss, auf W3- Niveau zum
Beispiel. Bund und Länder sind gebeten worden,
ein Förderprogramm für diese Kooperations-
plattformen aufzulegen, aber auch Anschub-
finanzierungen für die verschiedenen Instrumente
zu leisten. Dieses Programm ist zumindest in den
Eckpunkten bereits von Frau Wanka angekündigt
worden, und die Länder waren nicht völlig taub
auf diesem Ohr, aber es wird sicherlich bis zur
Bundestagswahl nicht mehr zu einer endgültigen
Ausarbeitung eines Programms kommen. Wir
hoffen, dass dann 2018 alle durchstarten werden.
Wir haben den Ländern
auch ein paar Richt-
werte an die Hand gegeben, um die Kernmerkmale
von Fachhochschulen zu beschreiben, damit sie
bei aller Veränderung und Differenzierung sie
selbst bleiben dürfen. Und das bedeutet eben zum
Beispiel, um gute Betreuungsverhältnisse und
kleine Lerngruppen zu sichern, müssen 80 Pro-
zent der grundständigen Lehre durch haupt-
berufliches Lehrpersonal abgedeckt werden,
vorzugsweise Professorinnen und Professoren,
und nicht durch Lehrbeauftragte. Die sind eine
gute Ergänzung, eine wichtige Ergänzung. Aber
sie sollten die Lehre an Fachhochschulen nicht
hauptsächlich betreiben.
Sie sind hier in Sachsen in einer günstigen
Situation.
Nach unseren Berechnungen wird
hier sogar 91 Prozent der Lehre durch hauptberuf-
liches Personal abgedeckt – herzlichen Glück-
wunsch! Aber es gibt Länder, in denen wir bis zu
40 Prozent Lehre durch Lehrbeauftragte gefun-
den haben, und da haben wir doch einen erheb-
lichen Veränderungsbedarf gesehen. Die zweite
Empfehlung ist eine angemessene Unterstüt-
zung in allen Bereichen der Hochschule, also
für Lehrunterstützung, Forschungsstrukturen,
Infrastrukturbetreuung, Wissenschaftsmanage-
ment, um die Professoren zu entlasten, damit sie
ihre Kernaufgaben wahrnehmen können. Dazu
haben wir als Grundnorm empfohlen: ein wissen-
schaftlicher Mitarbeiter auf drei Professoren.
Wir meinen damit Personen aus der Grundaus-
stattung, wir meinen nicht Personen aus Dritt-
mitteln. Sie wissen am besten, wie groß dieses
Delta in Sachsen noch ist. Damit möchte ich
schließen und danke für Ihre Aufmerksamkeit.

Podiumsbeiträge
Ansprüche der Wirtschaft an
das Studium an den Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Fachtagung – Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften in Sachsen
Podiumsbeiträge

image
| 25
Die Anforderungen des Maschinenbaus an das
Studium in Hochschulen für Angewandte Wis-
senschaften heißt mein Thema. Ich bitte um
Verständnis, dass ich mich in meinem Vortrag
natürlich nur auf den Maschinen- und Anlagen-
bau beziehen kann. Ich weiß, hier sind auch viele
Vertreterinnen und Vertreter anderer Fachrich-
tungen anwesend. Sie wissen auch, dass die
Ingenieurwissenschaft ganz speziell ist, weil
wir dort schon seit Langem einen hohen Praxis-
bezug im Studium haben. Das möchte ich kurz
voranstellen.
Ganz kurz einige Informationen, Daten, Fakten
zum Maschinen- und Anlagenbau und zum VDMA.
Wir vertreten mehr als 3 200 Mitgliedsunter-
nehmen im Maschinen- und Anlagenbau und
ganz wichtig ist, dass unsere Industrie extrem
mittelständisch geprägt ist. Wir haben eine
Durchschnittsgröße von etwa 150 Mitarbeitern
je Unternehmen. Wir haben zwar auch große
Mitglieder, wie z. B. Siemens, aber eben auch
ganz kleine mit zwei bis drei Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern. Trotz dieser geringen Betriebs-
größe hat unsere Industrie einen Exportanteil
von rund 75 Prozent. Das zeigt, dass viele unse-
rer Unternehmen in ihren Nischen, mit ihren
Produkten am Weltmarkt führend sind und das
zeichnet
eben unsere Industrie aus.
Kurz zur Beschäftigungssituation:
Die Zahl
der Beschäftigten ist in den letzten Jahren konti-
nuierlich angestiegen von 850 000 im Jahr 2006
bis heute auf über eine Million. Wir sind durch die
mittelständische Prägung der größte industrielle
Arbeitgeber in Deutschland. Wir beschäf ti gen
mehr Menschen als die Automobilindustrie oder
die Chemie.
Auch die Zahl der Ingenieurinnen und Inge-
nieure
ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen,
und zwar von 1982 bis 2016 von etwa 74 000 auf
190 000. 1982 lag der Anteil der Ingenieurinnen
und Ingenieure noch bei 7 Prozent, heute sind es
17 Prozent. Das heißt, wir haben es mit einem Trend
zur Höherqualifikation in der Branche zu tun.
Kommen wir zum Arbeitsmarkt für Ingeni-
eurinnen und Ingenieure.
Wir führen alle drei
Jahre eine sogenannte Ingenieur-Erhebung durch.
Die letzte stammt aus dem Jahr 2016. Hier haben
wir unter anderem unsere Unternehmen gefragt:
Was erwarten Sie? Wie wird sich der Arbeits-
markt weiterentwickeln? 57 Prozent der Unter-
nehmen sagen: Unser Ingenieurbedarf steigt.
Im Bereich der beruflichen Fachkräfte ist der
Druck jedoch höher. Dadurch, dass die Zahlen
der Schüler zurückgehen und die Studienanfän-
gerzahlen steigen, verringert sich das Potenzial
für die berufliche Ausbildung immer weiter. Hier
steuern wir wirklich auf ein Problem, einen Fach-
kräftemangel zu. Viele merken das jetzt schon,
insbesondere in den ländlichen Regionen. Und
je kleiner der Betrieb ist, desto höher ist der Druck.
In einer anderen Untersuchung
haben wir ge-
schaut, wie hoch denn der Anteil der FH-Studie-
renden an allen Studierenden der Elektrotechnik
Dr. Jörg Friedrich

26 |
und des Maschinenbaus ist. In unserer Industrie
arbeiten ja auch viele Elektroingenieurinnen und
-ingenieure. Der Anteil der Studierenden an Fach-
hochschulen im Verhältnis zu Studierenden an
allen Hochschulen ist eher gleich geblieben bzw.
leicht gesunken. Das heißt, die Fachhochschulen
konnten in unserem Bereich nicht vom allgemeinen
Studierendenhoch der letzten Jahre profitieren.
Zum Thema Studienabbruch:
Wir als VDMA
und unsere Unternehmen machen sehr viel, um
junge Menschen für Technik zu begeistern – vom
Kindergarten bis zur Schule. Viele fangen dann
ein Studium der Ingenieurwissenschaften an.
Leider müssen wir feststellen, dass dann etwa
30 bis 50 Prozent ihr Studium wieder aufgeben.
Und das beschäftigt uns sehr, nicht weil wir viel
in Werbung investiert haben. Es ist vor allem
für die jungen Leute frustrierend, ein Studium
abbrechen zu müssen. Ziel muss es daher sein,
mehr junge Leute zum Studienerfolg zu führen,
allerdings ohne Abstriche von der Ausbildungs-
qualität zu machen.
Wir arbeiten seit vier Jahren unter dem Na-
men »Maschinenhaus«,
so heißt dieses Projekt,
gemeinsam mit den Hochschulen an diesem
Thema. Bundesweit arbeiten wir eng mit 40 Hoch-
schulen – Universitäten und Fachhochschulen –
zusammen, um gemeinsam zu überlegen, wie
man mehr Studienerfolg erreichen kann. Unter
diesen 40 Hochschulen sind allein sechs aus
Sachsen. Und damit sind Sie hier im Land Spitzen-
reiter im Projekt. Mit den Hochschulen führen
wir sogenannte Transfers durch, welche jeweils
aus fünf Workshops bestehen. Wir haben mitt-
lerweile 200 Veranstaltungen durchgeführt, bei
denen jedes Mal jemand vom VDMA sowie Be-
rater vom HIS-Institut für Hochschulentwick-
lung vor Ort waren und sich gemeinsam mit den
Hochschulen überlegt haben, wie man das Thema
Studienerfolg angehen kann. Im Fokus stand und
stehen dabei immer Ausgangslage und Ziele der
jeweiligen Hochschule. Erst vor zwei Tagen haben
wir unseren Hochschulpreis »Bestes Maschinen-
haus 2017« vergeben. Er ist mit 100.000 Euro
dotiert und in diesem Jahr an die HAW Hamburg
gegangen.
Darüber hinaus führen wir im Maschinenhaus-
Projekt
zwei Mal im Jahr sogenannte Erfah-
rungsaustausche durch. Dabei geht es vor allem
darum, das Netzwerk mit den Leuten zu pfle-
gen, die sich mit dem Thema Studienerfolg be-
schäftigen. Daraus entstanden sind mittlerweile
auch 60 Best-Practice-Beispiele, die wir in einer
sogenannten Tool-Box zusammengefasst haben,
die online verfügbar ist. Dort zu finden sind u. a.
Beispiele für Unterstützungskurse und Tutoren-
und Mentorenprogramme.
Kommen wir zum Thema Studium und Lehre.
Wir haben eine Umfrage gemeinsam mit dem
VDI und der Mercator-Stiftung durchgeführt
und haben gefragt: Welche Absolventen präfe-
riert ihr in eurem Unternehmen, was ist euch
wichtig? Zur Frage Absolventen aus Fachhoch-
schule oder Universität sagten die meisten:
»Wir präferieren keinen bestimmten Hochschul-
typ.« Doch es ist eine leichte Tendenz zum Fach-
hochschulabschluss abzulesen. Eine Frage war:
Sollen die Studiengänge eher breit angelegt sein
oder wollen Sie eher eine starke Spezialisierung?
Die Antwort war – und das gilt vor allen Dingen
für den Bachelor – Wir wollen lieber grundständig
ausgebildete junge Leute, die sich dann im Laufe
der Praxis stärker spezialisieren. Und das ist auch
das, was ich immer wieder von Verantwortlichen
aus der Praxis höre.
Im Bereich Forschung und Entwicklung
präfe-
rieren unsere Unternehmen eher Absolventen,

| 27
die einen Master oder Diplom von der Uni vor-
zuweisen haben. Ein eindeutiges Ergebnis der
Befragungen war: Wir brauchen mehr Praxis-
orientierung. Ich glaube, das ist ein ganz zentra-
ler Punkt. Das gilt beim Bachelor ebenso wie beim
Master. Hier sollten die Hochschulen schauen,
wie sie das hinbekommen. Ein Punkt könnte hier
sicher auch eine bessere Vernetzung sein, wie
es Frau Dr. Behrenbeck gerade geschildert hat.
Uns interessierte daher auch:
Was verbirgt sich
hinter Praxisorientierung, wodurch zeichnet sie
sich denn aus? Fragen, die wir unseren Unter-
nehmen in einer eigenen Umfrage gestellt haben.
Interessant war, dass rund 44 Prozent der Be-
fragten sagen, dass Praxisorientierung zu 60 Pro-
zent durch fachliche Kompetenz geprägt ist und
nicht unbedingt durch überfachliche Kompe-
tenzen. Wir hatten vermutet, dass Praxisorien-
tierung stärker mit überfachlichen Kompetenzen
in Verbindung gebracht wird. Aber welche Fak-
toren liefern Beiträge zur Praxisorientierung?
Dies sind vor allem Praktika, Abschlussarbeiten
in Unternehmen, Berufspraktika in der Lehre,
Unternehmensexkursionen und duale Studien-
angebote. Unternehmen haben damit schon viel-
fältig Erfahrungen. Vor allem im Bereich Prak-
tika und Abschlussarbeiten betätigen sich fast
100 Prozent unserer Unternehmen in diesem Feld.
Sie kooperieren also schon intensiv mit den Hoch-
schulen.
Zum Abschluss noch das Thema »Anforde-
rungen an das Personal«.
Wir haben die Hoch-
schulleitung und Dekane in einer Untersuchung
gefragt, was ihnen bei einer Berufung der Pro-
fessorinnen und Professoren wichtig ist. Hier
wurde geantwortet, dass vor allem die Industrie-
tätigkeit sehr gut auf die Arbeit in der Hoch-
schule vorbereitet. Ich möchte hier noch einmal
betonen, dass ein solches Ergebnis vor allem
auf die spezielle Situation im Maschinen- und
Anlagenbau zurückzuführen ist, der traditionell
durch eine enge Zusammenarbeit zwischen
Hochschulen und Unternehmen geprägt ist. Wir
merken aber auch, dass es immer mehr andere
Kriterien gibt, die bei Berufungen immer wich-
tiger werden, z. B. die Anzahl der Publikationen
oder der Zitationsindex. Das halten wir für eine
eher kontraproduktive Entwicklung.
Fünf Thesen zum Abschluss.
Am Primat der
Lehre für Fachhochschulen sollte festgehalten
werden, die Studierenden sollten idealerweise
eng betreut werden. Wir wissen, das kostet Geld.
Aber das sollte es uns gerade in der Situation,
wo wir auf einen Nachwuchsmangel zusteuern,
wert sein. Wir glauben, dass die Forschung in
den Fachhochschulen vor allem der Verbesse-
rung der Lehre dienen sollte. Ich kann nur sagen,
hier sehen wir einen großen Mehrwert für un-
sere Unternehmen, vor allem in der engen Ko-
operation vor Ort. Das habe ich ja auch schon
mehrfach deutlich gemacht, dass das eine große
Stärke ist. Die Praxisorientierung ist ein wesent-
liches Element im Fachhochschulstudium und
sollte es auch bleiben. Dazu benötigt man auch
Professorinnen und Professoren aus der Praxis.
Wir glauben, dass die Fachhochschulen ein zen-
trales Element zur Deckung des Fachkräftebe-
darfs sind und dies auch bleiben sollten. Wir
sehen hier die große Profilierungschance, da kön-
nen wir Ministerin Stange nur zustimmen. Unis
»light« sollten die Fachhochschulen nicht wer-
den, sondern sie sollten versuchen, sich stärker
zu differenzieren und zu profilieren.

Rolle der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften
in Sachsen
Prof. Dr. Ludwig Hilmer
Rektor der Hochschule Mittweida
Fachtagung – Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften in Sachsen
Podiumsbeiträge

image
| 29
Ich möchte mit einigen grundsätzlichen Bemer-
kungen einleiten. Wir haben anschließend im
zweiten Teil Gelegenheit, dass wir den einen oder
anderen Schattenbereich ansprechen. Ich darf
auch ankündigen, dass die sächsischen HAW
etwa im Herbst eine konzeptionelle Grundsatz-
position vorlegen wollen. Es ist ein Papier, in dem
wir uns miteinander verständigt haben, wie wir
die Zukunft gestalten wollen.
Zwei Beobachtungen aber heute seien voran-
gestellt.
Erstens: Wir sehen uns in einem Entwick-
lungsprozess. In einem viertel Jahrhundert er-
innern wir uns natürlich an das Jahr 1992 und auch
daran, dass wir keineswegs in das System einer
herkömmlichen, sprich damals bundesdeutschen
Fachhochschule gehen wollten. Die meisten von
unseren Institutionen kommen eher aus dem
sekundären Bereich und alle haben einen Ausflug
ins Universitäre hinter sich, in Form der Ingenieur-
hochschule. Lassen Sie mich eine sprachliche Re-
miniszenz aufgreifen: überholen, ohne einzuholen.
Die sächsischen Fachhochschulen
haben der
Forschung traditionell immer hohen Wert bei-
gemessen. Sie gehört zum Selbstverständnis:
insofern überholen. Nur der historischen Red-
lichkeit wegen, das Promotionsrecht natürlich
auch. Das zweite aber ist »einzuholen«, was sich
nicht verändert hat, was wir nicht bewältigt
haben, ist das Umfeld, die Wirtschaftsstruktur.
Und nun kommt es manchmal vor, wenn wir
auf der Überholspur fahren, dass wir im Rück-
spiegel westdeutsche Fachhochschulen sehen,
die uns aggressiv aufblinken, oft auch noch mit
Hilfe ihrer Landesregierungen. Das ist das Erste,
dass wir diesen Entwicklungsprozess natürlich
nicht am Ende sehen. Zweitens, ja selbstver-
ständlich sind wir Akteure einer starken Kon-
vergenz. Das ist aber kein nostalgisches Selbst-
bewusstsein. Da gibt es ganz andere Treiber. Mir
erschien relativ romantisch, zu denken, man
jagt einem Normierungs- und Standardisie-
rungsregime namens Bologna über Europa und
hat nachher die gleiche differenzierte Hoch-
schulstruktur. Das kann auf keinen Fall so sein.
Dann sind wir alle der Internationalisierung
und Globalisierung
verpflichtet, ebenso wie der
Digitalisierung. Die Digitalisierung ist ein Phäno-
men, das uns in eine neue Welt führt. Die digi-
talisierte, die digitale Hochschulbildung ist global
und sie wird über Länderspezifika hinweg-
gehen. Ich darf biografisch einflechten, ich habe
vor 25 Jahren meine Berufungsvorlesung ge-
halten über die Auswirkungen der Digitalisie-
rung auf die Medienkonvergenz. 25 Jahre lang
habe ich damit gekämpft, dass Fernsehen, Zei-
tung, Radio dachten, sie sind unverändert. Heute
sind sie Ausspielwege und die »Musik« spielt in
den veränderten Rahmenbedingungen, nämlich
im Netz. So wird es auch im Hochschulwesen
sein. Die Informationsgesellschaft und -wirtschaft
werden die Formen, auch die Organisationsfor-
men, von Lehre und Forschung bestimmen.
Nun wenn Sie befürchten,
es kommt jetzt so
eine revolutionäre HAW-Positionierung, noch
Prof. Dr. Ludwig Hilmer

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30 |
ein Wort zur Gefahr der kleinen Universitäten.
Das wollen wir natürlich nicht sein. Kann sich
jemand vorstellen, dass die sächsischen HAW
etwas Kleines sein wollen? Wenn, dann sind wir
eher spezielle oder Fach-Universitäten. Aber Sie
wissen, neue Begriffe sind ganz schwer gängig.
Also ich denke, wir sind Fachhochschulen mit
dem Leistungsspektrum der angewandten Wis-
senschaften. Damit sind wir ganz glücklich. Wir
sind Hochschulen für typische Bildungsbiogra-
fien, mit vielfältigen Profilen, aber diese Profile
sind keine Reparatur-Profile. Wir sind – und ich
nehme ein weiteres, diesmal wirklich böses
Wort auf – wir sind keine »Caritas-Universität« für
Menschen, die zu kurz gekommen sind. Ja, wir
haben ganz typische Studienanfänger. Viele kom-
men aus einem, was man früher zweiter, dritter
Bildungsweg nannte. Die Hochschulzugangsbe-
rechtigung ist demokratisiert, sie ist ausgeweitet
worden. Wir haben oft die erste Generation, die
sich dem Studium widmet. Aber all das sind
gesellschaftliche Prozesse und es sind eben
keine sozialen und zweitrangigen Wege.
Wo liegt also unsere Spezifik?
D
e
r
D
r
ei
kl
an
g
Lehre, Forschung, Transfer – ja, der ist ganz
geeignet für unser Selbstverständnis, so sehen
wir uns. Aber, und das ist charakteristisch, es
sind nicht drei Aufgaben. Jeder Auftrag, und
jetzt gehe ich nochmal in die Sprache der Wis-
senschaft, von den drei Aufgaben sind jeweils
zwei Hilfswissenschaften für die andere. Lassen
Sie uns kurz die drei durchgehen.
Beim Transfer und dritter Mission
doch ein
direkter Vergleich mit den Universitäten: Transfer
ist für uns in jedem Falle rekursiv, wenn Sie so
wollen, quasi transfersymbiotisch. Third- Mission
benötigt eine Rückfahrkarte. Transfer schafft für
uns Legitimation und sie ist eben konstitutiv
für unseren Hochschultyp, Kollegin Grande wird
das im Einzelnen noch ausführen. Wenn wir
nun
die Universitäten betrachten, dann sehen
wir dort eindrucksvolle Transferleistungen. Aber
wir denken, Transfer ist dort »nice to have«, um
jetzt im Idiom dieser Third-Mission zu bleiben.
Haben Sie keine Angst, dass die Fachhochschu-
len ihre Unabhängigkeit verlieren, wenn wir so
transferorientiert sind. In Lehre und Forschung
sind wir unabhängig, denn unsere Transferpart-
ner sind pluralistisch, sie sind überwiegend mit-
telständisch. Um es deutlich zu sagen, in fast
allen Fällen sind wir die Stärkeren, denn wir
haben gerade hier in Sachsen Ersatzfunktion.
Zur Lehre:
Unsere Bachelorprogramme sind
eindeutig berufsqualifizierend. Und das ist
ebenfalls konstitutiv für unseren Hochschultyp.
Kompromisslose Berufsorientierung beeinflusst
Lehre. Sie ist didaktisch wie organisatorisch
natürlich sichtbar bei uns. Ich darf erinnern an
Rektor Prof. Dr. Ludwig Hilmer bei seinem Vortrag.

| 31
das begleitete Praktikum, an die Abschluss-
arbeiten, die wir in den Unternehmen schreiben
lassen, aber auch natürlich an die Art unserer
Berufungen. Und das gilt sowohl für die Gruppe
der Professorinnen und Professoren als auch
für das dramatische Dilemma im Bereich unseres
Mittelbaus.
Forschung:
In unserem jüngsten Antrag zur
Innovativen Hochschule haben wir die histori-
schen Wurzeln unseres Typs nochmals heraus-
gearbeitet. Forschung verbindet sich bei uns
ideal mit Transfer. Unser Bundesdurchschnitt
pro Kopf oder unser Aufkommen in der For-
schung liegen deutlich über dem Bundesdurch-
schnitt. Darauf sind wir stolz, das ist wichtig,
das ist charakteristisch. Aber wir müssen auch
beachten, wir »ernähren« uns überwiegend aus
Programmforschung. Und wir haben eben diesen
Auftrag, zum Ersatz beizutragen und Impulse
zu setzen. Das Forschungsspektrum der HAW
sollte von der anwendungsnahen Grundlagen-
forschung, über Applikationsforschung bis hin
zur Transferforschung gehen und dann eben bis
zum Transfer selbst. Explizite Grundlagenfor-
schung sollte bei uns möglich sein. Aber jetzt
nehme ich das Wort wieder auf, bei uns ist es
eben nicht konstitutiv, sondern »nice to have«.
Wenn ich abschließend einige Entwicklungs-
fragen
und Barrieren noch aufführe, möchte ich
Sie alle mit dem Buchstaben P wie Paula beginnen
lassen: Personalentwicklung. Das Wichtigste
für uns ist Mittelbau, das zweite Mittelbau und
das dritte Mittelbau. Mehr Mittelbau für Lehre,
Forschung und Transfer und vor allem die Not-
wendigkeit, die Entwicklung unseres Mittelbaus
mit dem Aufbau, der Akquise, der Gewinnung,
der Fortbildung unserer Professorinnen und
Professoren zu verbinden. Das ist unsere Kern-
aufgabe. Der Hochschulpakt hat es gezeigt, die
Staatsministerin hat es aufgezeigt, die Attraktivi-
tät von Fachhochschulen hängt nicht an ihrem
Fächerspektrum, sie hängt nicht am Bedarf der
Wirtschaft. Die Attraktivität hängt allein an der
Personalausstattung.
Der zweite Punkt: die Pflege der Disziplinen.
Nein, die wollen wir nicht. Wir wollen tatsäch-
lich keine kleinen Unis werden, aber wir benöti-
gen Zugang zu mehr Disziplinen. Die Welt wird
interdisziplinär und die Aufteilung, die wir jetzt
haben, ist anachronistisch. Die Naturwissen-
schaftler bedienen sich geisteswissenschaftli-
cher Methoden und umgekehrt ist es genauso.
Da kann es nicht sein, dass wir anachronistisch
einteilen und sie trennen.
Drittens: das Promotionsrecht. »Nice to have«.
Was wir konstatieren können: Wir haben eine
sehr, sehr gute gelebte Praxis. Wir wollen unse-
re Partner, die sächsischen Universitäten, auch
die in Deutschland und der Welt, nicht verlieren.
Wir haben glänzende Erfahrungen. Aber wir
haben sie vor allem dort, wo unsere Professo-
rinnen und Professoren aus diesen Universitä-
ten kommen. Wir haben sie vor allem dort, wo
wir gleiche Fächer haben. Und dort sind wir auf
Augenhöhe, manchmal werden wir sogar hofiert.
Aber wir haben auch Diskriminierung. Was wir
benötigen, ist ein überindividueller Zugang
unserer Absolventinnen und Absolventen zur
Promotion. Wie wir das machen, können wir
besprechen. Wir wollen diesen Diskurs nicht zu
Beginn belasten, aber wir müssen das Thema
lösen.

»Die sächsischen Fachhochschulen
haben Vorteile gegenüber den
westdeutschen Hochschulen.
Sie haben eine deutlich bessere
Betreuungssituation. Ihre
Gruppengrößen sind kleiner,
ihre Prüfungslasten geringer.«
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung, Wissenschaftsrat
Fachtagung – Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften in Sachsen
Diskussion

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| 33
Dr. Tobias D. Höhn
Moderator
Vielen Dank den drei Referenten für ihre sehr
informativen Vorträge. Jetzt sind Sie alle, meine
sehr verehrten Damen und Herren, aufgefor-
dert, sich einzubringen. Vielleicht brennt Ihnen
das Eine oder Andere schon unter den Nägeln und
Sie möchten dazu direkt Stellung nehmen. Wir
möchten jetzt miteinander über das Gehörte
diskutieren.
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Ich fand den Vortrag von Prof. Hilmer groß-
artig, weil er mit Selbstbewusstsein und Souve-
ränität einherging. Es gibt Vieles, das andere
über Fachhochschulen nicht wissen, manche
haben vielleicht auch Vorurteile. Darum wäre es
wichtig, die Kenntnis über Fachhochschulen zu
verbreiten. Die Fachhochschulen haben die
Chance der Bologna-Reform für sich erkannt
und haben sich mit dem Master-Bereich ein
Studiensegment erobert und damit auch die
Forschungsorientierung, das war für sie ein
großer
Entwicklungsschub. Das wissen nicht
alle potentiellen Kooperationspartner an den
Universitäten. Es ist immer schlecht, aus einer
Position der Schwäche heraus Kooperationen
einzugehen. Es geht um Augenhöhe. Stellen Sie
auch Ihrerseits Augenhöhe her, wenn Sie in
solche Kooperationsanbahnungen gehen! Und
die Kooperation mit den Universitäten scheint
hier in Sachsen gut zu funktionieren. Das ist ein
Riesenpfund, mit dem Sie wuchern können. Sie
sind natürlich auch international unterwegs.
Aber was Ihre Studierenden und auch Ihre Pro-
fessoren angeht, gewinnen sie diese haupt-
sächlich im deutschen Sprachraum, insofern ist
diese Kooperation mit den regionalen Partner-
universitäten wichtig. Ich freue mich, dass die
hier gelingt und möglicherweise müssen Sie das
Geheimnis dieser guten Partnerschaft bundes-
weit etwas mehr publik machen.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Bei den kooperativen Promotionen ist die TU Dres-
den mit 77 kooperativen Promotionen von 144,
bezogen auf die Jahre 2012 bis 2014, ganz vorn.
Interessant ist zu sehen, dass die kooperativen
Promotionen vor allem mit den benachbarten
Fachhochschulen stattfinden. Unsere Fachhoch-
schulen kommen nicht aus der Position der
Schwäche. Das Thema Attraktivität macht sich
an etwas fest, dass Herr Hilmer deutlich gemacht
hat. Das ist das Stichwort Mittelbau, also Aus-
stattung der Professur, denn es geht immer um
die Frage: Wie gewinne ich die Professur? Zur
Frage der Professur gehört die Ausstattung
und die Möglichkeit, Forschung zu betreiben,
die meist anwendungsnahe Forschung ist. Die
Dr. Sabine Behrenbeck

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34 |
HAW haben von sich aus keine Position der
Schwäche, sondern durch bestimmte struktu-
relle Merkmale derzeit eine Schwäche.
Eine Frage an Herrn Friedrich, da mich ein
Punkt überrascht hat. In der Frage: »Wo erwer-
ben die Studierenden ihre Praxisorientierung?«
wurde von den Unternehmen neben Praktika
und Abschlussarbeiten mit 80 Prozent das duale
Studium angegeben. Das hat mich sehr gewun-
dert. Aber vielleicht können Sie zu dem Begriff
»duales Studium« mehr sagen, denn wir haben
in Sachsen auch noch die Berufsakademie, die
in der Tat ein duales Studium anbietet. Auch
die HAW haben das kooperative Studium im
Angebot. Wir versuchen, das auch immer sau-
ber abzugrenzen. Der zentrale Unterschied ist,
dass sich die Studierenden bei der Berufsaka-
demie vorher einen Ausbildungsplatz organi-
sieren und einen Ausbildungsvertrag haben
müssen und dann immatrikuliert werden, wo-
hingegen beim kooperativen Studium in der
Regel zunächst die Immatrikulation erfolgt und
dann der Koope rationsvertrag mit dem Unter-
nehmen abgeschlossen wird. Was verstehen
Sie, also die Unternehmen, unter dem Begriff
»duales Studium«?
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Hier spielen der Föderalismus und die unter-
schiedlichen Systeme beim dualen Studium eine
Rolle. Deswegen haben wir alle unterschiedli-
chen Formen unter dem Titel »duales Studium«
zusammengefasst, wohlwissend, dass das nicht
wirklich präzise ist. Es geht aber dabei immer
um eine Kopplung der Ausbildung oder eines
praktischen Teils, der in Unternehmen stattfindet,
mit dem Studium. Hier gibt es in den Bundes-
ländern sehr unterschiedliche Formate.
Prof. Dr. Holger Brandes
Rektor der Evangelischen Hochschule Dresden
Eine Frage an Frau Behrenbeck. Das Modell mit
den Schwerpunktprofessuren hat vielleicht eine
gewisse Attraktivität, aber wir haben schon Ins-
trumente zur Deputatsreduktion. Die können
die Hochschulen flexibel ansetzen, sowohl in der
Qualität der Lehre wie in der Forschung. Und
aus meiner Praxis wäre es viel sinnvoller, den
Spielraum für diese Instrumente zu vergrößern.
Ich bin etwas skeptisch, eine neue Form einzu-
Dr. Eva-Maria Stange
Dr. Jörg Friedrich

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| 35
führen, die eventuell im Haus andere Konkur-
renzen lostritt. Wenn ich mehr Flexibilität hätte,
also die 18 Semesterwochenstunden Pflichtde-
putat zu reduzieren beispielsweise auf 16 und
dann mehr Spielraum zu haben, wäre das nicht
ein viel flexibleres Instrument als eine neue
Form flächendeckend einzuführen?
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Eine flexibel einsetzbare Deputatsreduktion an-
stelle einer Schwerpunktprofessur mag Vorteile
haben, aber wenn alle ein niedrigeres Deputat
haben, werden die Studienkapazitäten gesenkt.
Und das ist in einer Phase, in der die Studien-
nachfrage bundesweit steigt, politisch kaum
vermittelbar. Außerdem: Wenn jeder eine De-
putatsreduktion bekommt, werden damit keine
Schwerpunkte markiert. Die Idee hinter dem
Instrument war, dass die Fachhochschule diese
Schwerpunktprofessuren außer für Personal-
entwicklung auch dafür nutzen kann, um ihre
Schwerpunkte auszubauen und sichtbar zu
machen. Natürlich bringt das Konkurrenz in den
Lehrkörper, weil nicht jeder eine Schwerpunkt-
professur
hat, aber sich darum bewerben kann.
Und zwar in jeder Leistungsdimension, so dass
nicht nur die Forschungsaktiven auf Belohnungs-
und auf Entlastungsstrukturen zugreifen können,
sondern alle, die sich einer der Leistungsdimen-
sionen besonders engagieren und bis jetzt keine
Honorierung oder Entlastung dafür erwarten
konnten. Mit diesem Instrument kann man Depu-
tatsreduktionen nicht mehr nur für Funktionen
und Ämter oder für Forschungsprojekte einset-
zen, sondern auch für Engagement in Lehre und
Transfer oder Infrastrukturentwicklung. Eine
Hochschule kann also z. B. in der Lehre eine
neue Methode ent wickeln und auf mehrere
Fächer oder Studiengänge ausbreiten, außer-
dem diesen Ansatz forschend begleiten. Die
Hochschule kann das sichtbar machen, indem
man mehrere, fünf oder sieben Professuren,
diesem Schwerpunkt zuordnet.
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Frau Dr. Behrenbeck, ich möchte darauf Bezug
nehmen. Ich glaube, wir waren allesamt sehr er-
freut über das Papier, weil es die Diskussion um
die Weiterentwicklung der Fachhochschulen
um einen ganz wichtigen Aspekt bereichert: Wie
kann man wirklich investieren in eine HAW-spe-
zifische und -förderliche Personalentwicklung?
Das ist grundsätzlich und umfassend zu begrü-
ßen. Ich habe mich in einer HRK-Arbeitsgruppe
auch mit dem Papier beschäftigt, die AG hat
einen eigenen Vorschlag eingebracht. Die Situ-
ation ist in den verschiedenen Bundesländern
außerordentlich differenziert. Beispielsweise ist
das Thema Lehrbeauftragte in Sachsen über-
haupt nicht vergleichbar mit der problematischen
Prof. Dr. Holger Brandes

image
36 |
Situation in anderen Bundesländern. So gilt es
auch für andere Dinge. Mein Wunsch oder meine
Anregung ist: Wenn es ein Bundesprogramm gibt,
sollte man sehr viel Wert darauf legen, eine zu-
mindest länderspezifische Fokussierung auf be-
stimmte Modelle und Strategien zu ermöglichen.
Eine einheitliche Lösung, die für alle gleicher-
maßen passt, kann es nicht geben. Es ist durch-
aus vorstellbar, dass manche Dinge uns eher be-
hindern würden in unserer Entwicklung, als dass
sie uns helfen. Wir brauchen dringend Unter-
stützung, flankierende Maßnahmen, aber eben
in einer Weise, wie sie uns bei unserem jetzigen
heutigen Entwicklungsstand dann auch wirk-
lich hilft.
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Wir beobachten auch, dass die Lage nicht nur in
den Ländern, sondern auch in den Fächern und
an den Standorten sehr unterschiedlich ist. Da-
rum wird ein Modell, das zu detailliert beschrie-
ben wird, eher unattraktiv, weil es nicht mehr
flexibel und auf unterschiedliche Fälle anpass-
bar erscheint. Wenn es aber möglichst offen
dargestellt
wird, dann werden wir gefragt, wie
das gemeint sei. Bitte fassen Sie das auf als
eine Aufforderung zum Experiment.
Das muss aber die Politik auch bedenken: Bei
Experimenten kann auch mal etwas schief gehen.
Das ist so, wenn man etwas erprobt. Es gibt
zum Beispiel erste Kooperationsplattformen.
Eine hat sich inzwischen in eine andere Rich-
tung entwickelt. Sie ist in Straubing und von
der TU München zusammen mit anfangs zwei
Fachhochschulen eingerichtet worden. Dann sind
weitere Fachhochschulen und noch eine weitere
Universität dazu gekommen und irgendwann
hat die Uni gesagt: »Das wird zu viel Abstim-
mungsaufwand, wir nehmen das jetzt unter
unsere Fittiche.« Jetzt ist das keine Kooperati-
onsplattform mehr. Die Dinge entwickeln sich
weiter. Und insofern ist das ein dynamischer
Prozess, das gilt auch für Tandemprogramme
oder den Umgang mit Schwerpunktprofessuren
oder die Nutzung von Kooperationsplattfor-
men. Da wünschen wir uns Mut und Fantasie
und auch von Bund und Ländern die Bereitschaft,
hier Experimentierspielräume zu gewähren.
Prof. Dr. Ludwig Hilmer
Rektor der Hochschule Mittweida
Unser Altdirektor Schmidt hat Vergleiche vom
Schnellboot und von Zerstörern benutzt. Ich
denke, das ist nicht notwendig. Natürlich haben
wir eine gewisse Fähigkeit zur Flexibilisierung
auch deswegen, weil wir die Fähigkeit zur Be-
schränkung haben. Wir wollen und müssen
ausprobieren. Wir haben ja, noch dazu auch in
Sachsen, spezifisch die Situation, dass wir nun
25 Jahre nach 1992 eine Pensionierungswelle
haben. Wir haben zudem die Vorteile der Über-
Prof. Dr. Gesine Grande

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| 37
lastprofessuren. Es gibt ja aus meiner früheren
Heimat Bayern den Spruch: »Selten Unglück, wo
nicht ein Glück dabei ist.«
Der Personalabbau, da kann man nichts Gutes
erkennen, außer vielleicht die Überlastprofes-
sur, wo ich dann am Ende ein Umswitchen
zwischen den Berufungsgebieten habe. Ich will
das jetzt nicht ausdehnen. Die Flexibilisierung,
das Improvisieren, das wollen wir gerne ma-
chen und ich sagte eingangs: Wir fühlen uns in
einem Entwicklungsprozess und wir sind uns
bewusst, dass wir uns verändern müssen und
wir greifen gerne nach all dem, was sich jetzt
eröffnet.
Prof. Dr. Friedrich Albrecht
Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz
Wir brauchen noch mehr Flexibilisierung im Sinne
von Personalentwicklung oder der Möglichkeit
zur Personalentwicklung. Die Aufgaben haben
sich sehr stark verändert. Am Primat der Lehre
wird festgehalten. Das ist das Kernelement einer
Hochschule für Angewandte Wissenschaften,
besonders die Praxisorientierung. Das ist abso-
lutes Selbstverständnis, aber die Herausforde-
rungen,
die in den letzten zehn, fünfzehn Jahren
dazugekommen sind, sind doch noch andere:
Wettbewerbliche Mittel haben enorm zugenom-
men, die Herausforderungen mit der außeruni-
versitären Forschung zu kooperieren, Beispiel
Fraunhofer, auch usw. Eine neue Herausforde-
rung ist Transfer und Wirkung in die Region.
Insofern finde ich den Aufschlag Schwerpunkt-
professur absolut richtig und wichtig. Damit
könnten wir dann auch sehr gut operieren, weil
andere Dinge auch noch hinzugekommen sind.
Da ist das große Thema Profilierung, das seit dem
letzten Hochschulentwicklungsplan als Aufgabe
dazu gekommen ist. Es ist ganz deutlich er-
kennbar, dass alle Hochschulen, auch die Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften auf-
gefordert sind, ihre Schwerpunkte zu stärken.
Und das heißt eben auch, andere Bereiche dann
zurückzufahren beziehungsweise diesen weniger
Gewicht beizumessen. Und in diesem Prozess
der Entwicklung der Profilierung, da stehen wir
erst am Anfang. Das bedeutet auch, dass wir
intern alle Möglichkeiten nutzen müssen, um
Ressourcensteuerung zu betreiben. Eine Schwer-
punktprofessur wäre eine Möglichkeit.
Ich möchte noch zwei Hinweise in eine andere
Richtung geben: Flexibilisierung in Richtung
Tenure-Track, so dass wir von W2 auf W3 auch
intern weiterschreiben können. Ein Problem ist
bei einer Berufung die Frage W2 oder W3. Wir
haben zu 15 Prozent die Möglichkeit, als W3 aus-
zuschreiben. Das ist sehr gut. Aber wenn man
schon bei der Erstberufung sich auf W3 fest-
legen muss, kauft man auch die Katze im Sack und
es wäre günstiger, das im Sinne einer Aufstiegs-
regelung umsetzen zu können. Also das wäre
eine – ich weiß, da gibt es verfassungsrecht-
liche Bedenken – Möglichkeit in der Richtung
Prof. Dr. Ludwig Hilmer

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38 |
flexibler zu werden. Und das andere auch in
Puncto der Abminderungen beziehungsweise zur
7-Prozent-Regelung zu Forschung und Trans-
fer. Da gibt es auch Aussagen, dass diese sieben
Prozent nicht mehr adäquat sind. Ich bin durch-
aus ein Freund davon, bei den 18 SWS zu bleiben.
Aber die Spielräume für Reduktion von Lehrdepu-
tat sollten erhöht werden. Diese sieben Prozent
sollten erhöht werden, vielleicht auf 10 Prozent.
Damit hätten wir dann im Rahmen unserer Mög-
lichkeiten viel mehr Flexibilität, gerade in Rich-
tung des Profilierungsauftrags, intern zu steuern.
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Ich möchte darauf verzichten, diese Aufstiegs-
idee Tenure-Track zu nennen. Tenure bedeutet
Dauerprofessur und auf der sind die W2-Pro-
fessoren schon. Wir haben auch darüber disku-
tiert, ob es immer eine W3-Professur sein muss
oder ob es eher darum geht, die Besoldung in
Höhe von W3 zu haben. Eine W3-Professur ist
ein neues Amt. Da entsteht das rechtliche Er-
fordernis, ein neues Amt auch neu ausschreiben
zu müssen und für externe Bewerber zu öffnen.
Darum
muss man Möglichkeiten suchen, ein
Gehalt in Höhe von W3 zu bezahlen, auch ruhe-
gehaltsfähig, ohne jedes Mal ein neues Amt zu
vergeben. Wenn es allerdings um die Vergabe
einer W3-Professur im Sinne einer Beförderung,
als Heraushebung aus dem Lehrkörper ohne
Ausschreibung und Wettbewerb geht, dann muss
die rechtliche Voraussetzung geschaffen werden.
Herr Hilmer, Sie haben gesagt, manchmal gibt
es Drängler auf der Autobahn, die hupen oder
blinken sich an Ihnen vorbei, und die kommen
oft auch aus Westdeutschland. Die sächsischen
Fachhochschulen haben aber auch Vorteile
gegenüber den westdeutschen Hochschulen,
weil sie im Bundesdurchschnitt besser dastehen.
Sie haben eine deutlich bessere Betreuungs-
relation. Sie haben eine Betreuungsrelation von
35:1. Im Bundesdurchschnitt sind die bei 45:1
und gerade in den westdeutschen Hochschu-
len, gerade auch in attraktiven Städten, sind sie
noch höher.
Das heißt: Ihre Gruppengrößen sind kleiner,
Ihre Prüfungslasten sind geringer. Das ist Ihr
Vorteil, mit dem Sie auch werben können. Auch
Ihre Betriebsgrößen sind kleiner. Sie haben hier
eine Spreizung zwischen 3 200 und 7 000 Stu-
dierende an den Fachhochschulen, das sind im
Durchschnitt 5 000. Und im Bundesdurchschnitt
ist die Betriebsgröße schon fast bei 7 000 gelan-
det. Also auch da sind Sie wendiger und schnel-
ler in der Konkurrenz.
Auf der anderen Seite haben Sie mehr Professu-
ren im Verhältnis zu den Studierenden. Das gibt
Ihnen die Möglichkeit, auch bei den Schwerpunk-
ten vielleicht sogar über die 15 Prozent, die wir
empfohlen haben, hinauszugehen und nicht nur
bescheiden von sieben auf zehn Prozent.
Prof. Dr. Friedrich Albrecht

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| 39
Prof. Dr. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule
für Technik und Wirtschaft Dresden
Ich möchte noch ein Wort zu den Promotionen
und zur Entwicklung von Professuren sagen.
Wir sind im Papier der Hochschulrektorenkon-
ferenz zusammen mit der TU Dresden sehr po-
sitiv erwähnt worden und deswegen auch ein
Dank an die TU, die durch die Öffnung der Fa-
kultäten erreicht hat, dass ein guter Zugang
unserer Promovenden möglich ist. Das ist auch
durch unsere gemeinsame Kooperationsverein-
barung möglich geworden.
Trotzdem weiß ich, dass das nicht überall so ist,
also nicht an allen Hochschulen und sicherlich
auch in manchen Fachgebieten. Ich beobachte
das auch an einigen, vor allen Dingen jungen
Kollegen, die erst einmal eine Scheu aufbauen,
diesen Schritt zu gehen, weil es keinen definier-
ten Weg gibt oder er ist zumindest noch nicht
hinreichend nach außen dargelegt. Wir haben
zwar eine ganze Menge erreicht, wenn man es
aber von den Studierendenzahlen her sieht, sind
es ungefähr ein Prozent, die in Promotionsver-
fahren eingebunden sind. Wenn man aber be-
trachtet, wie viele davon für eine spätere Pro-
fessur geeignet sind, so sind es aus der eigenen
Erfahrung vielleicht zehn bis 20 Prozent davon.
Das heißt also, wenn man mehr potentielle Be-
werber erhalten will, muss man oben tatsäch-
lich noch etwas mehr tun.
Es sind außerdem nicht unbedingt die wissen-
schaftlich Besten, die dann am erfolgreichsten
lehren können. Bei vielen geht das glücklicher-
weise zusammen, aber es gibt eben auch wirk-
lich gute Wissenschaftler, die nur mäßig gut
lehren. Nun kann man da auch gegensteuern mit
Maßnahmen, vielfach merkt man aber schon an
der ganzen Persönlichkeit, ob jemand für eine
Professur geeignet ist oder nicht. Dort muss man
dann ansetzen und die Geeigneten speziell för-
dern, damit später alle Voraussetzungen erfüllt
sind. Über den Praxisanteil haben wir ja bereits
diskutiert.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Ich hadere mit dem Begriff Schwerpunktpro-
fessur, auch wenn ich dem Positionspapier im
Wissenschaftsrat zugestimmt habe. Ich habe zu-
gestimmt aus genau den Gründen, die schon
genannt wurden. Mir geht es nicht um das, was
mit der Schwerpunktprofessur verbunden ist.
Da muss man mehr Spielräume schaffen, um
das zu realisieren. Ich hadere mit dem Begriff.
Aber wenn ein Programm kommt, beispielsweise
vom Bund, dann müssen wir mit diesem Begriff
auch umgehen. Die Sache an sich finde ich voll-
kommen richtig. Möglichkeiten für Abminde-
rungen sind aber heute schon gegeben. Es stellt
sich eher die Frage: Wie viel Potential habe ich?
Prof. Dr. Roland Stenzel

image
40 |
Ich möchte einen zweiten Punkt unterstreichen.
Wir sind mit dem Bund im Gespräch zur Um-
setzung des Artikels 91b Grundgesetz. Hier gibt
es einige Punkte, bei denen wir sehr nahe beiei-
nander sind und dann gibt es Punkte, bei denen
wir noch unterschiedliche Positionen haben.
Ich möchte die kurz anreißen, bei denen unter-
schiedliche Position bestehen. Die neuen Mög-
lichkeiten des Artikels 91b zu nutzen, bedeutet,
dass der Bund auch nachhaltig im Bereich Lehre
und nicht nur im Sinne von Projektfinanzierung
unterstützen kann wie beim Hochschulpakt.
Das ist die zentrale Frage: Wie sieht eine nach-
haltige Finanzierung im Anschluss an den
Hochschulpakt aus? Herr Hilmer hat zu Recht
das Thema Überlastprofessuren genannt. Das
ist, wenn auch eine merkwürdige Formulierung,
eine sächsische Erfindung. Mit Hochschulpakt-
mitteln werden Stellen kompensiert, die durch
den Stellenabbau wegfielen. Das bedeutet aber
auch, dass diese Stellen mit Auslaufen des
Hochschulpakts nicht mehr vorhanden sind.
Die Frage ist also: Was kommt nach dem Hoch-
schulpakt? Wie gelingt es uns, nachhaltig Struk-
turen zu finanzieren? An diesem Punkt bin ich
wieder bei der Schwerpunktprofessur. Was wir
nicht brauchen, ist ein Bund-Länder-Programm,
in dem der Bund auf Grundlage eines Wettbe-
werbes für einige Jahre Projekte fördert. Ich
spreche hier eine unterschiedliche Auffassung
von Bund und Ländern an. Die Länder wollen
eine dauerhafte Finanzierung.
Wir haben also nicht das Problem, dass die
HAW nicht flexibel sind. Für die sächsischen HAW
kann ich das mit Sicherheit sagen. Was wir
brauchen, ist eine strukturelle Weiterentwick-
lung. Wenn man sich anschaut, was an Bundes-
mitteln in die Forschung geht – ich spreche hier
nicht von der Exzellenzinitiative, sondern von
DFG- Mitteln und von Bundesprogrammen – dann
ist das deutlich mehr, als für die Fachhochschulen
zur Verfügung gestellt wird. Hier brauchen wir
Bewegung im System, denn die Fachhochschu-
len haben bedeutendes Gewicht. 25 Prozent der
Studentinnen und Studenten studieren in Sach-
Bei der Fachtagung ging es auch um die Frage, wie die Finanzierung nach dem Hochschulpakt gesichert werden soll.

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| 41
sen an Fachhochschulen. Die Differenz in der
Finanzierung zwischen Universitäten und Fach-
hochschulen ist nicht mehr zu rechtfertigen.
Das heißt aber nicht, dass bei den Universitäten
gekürzt werden soll, sondern dass wir eine an-
dere Umverteilung brauchen. An diesem Punkt
sind wir mit dem Bund im Gespräch, denn es
geht um Nachhaltigkeit. Über die Mittel und
Instrumente sind wir uns schnell einig, aber wie
diese Nachhaltigkeit gestaltet werden kann,
darüber nicht. Deswegen gibt es derzeit auch
eine Zurückhaltung in all diesen Punkten, bei
denen wir uns inhaltlich schon haben verstän-
digen können, aber in der Art und Weise der
Nachhaltigkeit noch nicht.
Dr. Tobias D. Höhn
Moderator
Mehr Mittel für Forschung, das hört sich gut
an. Herr Friedrich, ich möchte gerne darauf zu-
rückkommen: Sie hatten gesagt, die Unterneh-
men, die Sie befragt hatten, hätten sich gegen
zu stark spezialisierte Studiengänge und eher für
eine grundständigere Ausbildung ausgesprochen.
Sie hatten gesagt, mehr Praxisorientierung und
die Industrietätigkeit bereiten auch gut auf eine
anstehende
Professur vor. Wenn Sie das nun
hören, gerade auch die Empfehlungen des Wis-
senschaftsrates, wie ist die Position Ihres Ver-
bandes? Mit welchen Forderungen treten Sie an
die Politik heran?
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Ein Thema ist natürlich das der Finanzierung.
Hier sind wir als Wirtschaftsverband meist ord-
nungspolitisch unterwegs und sagen: »Der Staat
soll weniger Geld ausgeben.« Auf der anderen
Seite bin ich Bildungspolitiker im Verband, der
da sagt: »Wir müssen mehr und intelligent in
Bildungspolitik investieren.« Also da streite ich
genauso mit meinen Kollegen im Verband dar-
über, so wie das Bildungspolitiker in der Politik
auch tun. Jemand aus der Wirtschaft wird immer
sagen: Wenn ihr irgendetwas bewegen wollt,
wenn ihr euch profilieren und verändern wollt,
dann braucht ihr eine verlässliche Finanzierung.
Die sollte aber nicht zwingend über Programme
und Verwaltungsstrukturen erfolgen, denn die
setzen zu enge Rahmenbedingungen. Idealer-
weise bekommen Bildungseinrichtungen Gelder
pro Student oder Schüler zugewiesen und haben
höchstmögliche Gestaltungsfreiheit. Über die
vorgegebenen Personal- und Beamtenstellen
sind ja meist schon 80 bis 90 Prozent des Bud-
gets fixiert. Das betrifft in besonderem Maße
die staatlichen Schulen. Um sich aber flexibel
aufstellen und anpassen zu können, braucht
eine Organisation größtmöglichen Handlungs-
spielraum. Ich weiß, das ist für Politik schwer zu
realisieren, bedingt durch die gesetzlichen Rah-
menbedingungen. Aber da sollte zumindest
ein Bestreben sein, die Rahmenbedingungen
Dr. Tobias D. Höhn

42 |
flexibler zu gestalten. Dann werden viele Dinge,
die wir heute besprechen, vielleicht einfacher,
beispielsweise auch die Frage: Wie kann ich
jemanden in die Hochschule hineinholen, den
ich vielleicht sonst nicht bekommen hätte?
Finanzielle Flexibilität, denke ich, ist sicher ein
Kernpunkt.
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Ich möchte das kurz ergänzen, weil das beides
gut ineinandergreift. Frau Dr. Stange sagt, wir
brauchen Investitionen in die Infrastruktur. Das
sehen wir genauso. Und diese möglichst so, dass
sie Lehre und Forschung angemessen finanzieren
und dass wir genügend Flexibilität sicherstel-
len, damit wir Schwerpunkte setzen können. Ich
sehe das eigentlich genauso wie Frau Stange:
Schwerpunktprofessuren können am Ende eines
hochschulspezifischen Konzeptes ein Instrument
sein, das man im Moment für angemessen hält,
aber es können auch andere sein, die viel besser
passen.
Wir müssen den Sockel erhöhen, damit wir diese
Gestaltungsfreiheit wieder gewinnen. Im Mo-
ment können wir das nicht. Im Moment können
wir nur je nach Ausschreibung von irgendwelchen
Programmmitteln sagen, »Damit können wir
jetzt das machen und dann können wir da mit
das machen« und sind vollkommen abhängig
von solchen äußeren Entwicklungen. Das halte
ich zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht mehr
für ausreichend, um im Wettbewerb mitzuhal-
ten. In anderen Bundesländern gibt es sehr viel
Unterstützung auch finanzieller Art. Es wäre
wirklich schade, wenn wir unsere gute Position
aufs Spiel setzen.
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Also man kann sich ja schon fragen, ob es viel-
leicht besser privaten Stiftungen zukommt, nur
Impulsfinanzierung zu geben. Und ob man nicht
eigentlich davon ausgehen muss, dass der Staat,
wenn er einer Hochschule oder einem Hoch-
schultyp Aufgaben gibt, diese Aufgaben dann
auch finanziell untersetzen muss. Man nennt das,
glaube ich, Gewährleistungspflicht. Das hat nicht
immer auch stattgefunden. Es sind den Hoch-
schulen und Universitäten in den letzten Jahr-
zehnten sehr viele Aufgaben zugewachsen und
zugewiesen worden, ohne dass das Budget je-
des Mal aufgestockt worden wäre. So hat die
Forschung als gesetzliche Aufgabe der Fachhoch-
schule nicht unbedingt dazu geführt, dass über-
all Grundstrukturen für Forschung geschaffen
und finanziert worden sind.
Wir haben in den letzten Jahrzehnten, und da-
ran ist der Wissenschaftsrat auch nicht un-
schuldig, eine immer stärkere Drittmittelfinan-
zierung bekommen. Das betrifft die Universitäten
noch stärker als die Fachhochschulen, sie leiden
auch teilweise unter der Abhängigkeit von Dritt-
mitteln. Der Wettbewerb ist etwas überzogen
worden. Im Moment scheint sich die Politik in
Bund und Ländern schon ziemlich einig zu sein,
dass wir wieder einen Schritt zurück in Rich-
tung mehr Grundausstattung gehen müssen. Die
Frage ist: Wie kann man die positiven Erfah-
rungen aus den Wettbewerben auswerten und
nutzen? Einfach nur mehr Grundausstattung ist
auch noch keine Lösung, die automatisch zum
Guten führt. Es stellt sich zum Beispiel die Frage:
Ist eine nachhaltige Finanzierung immer auch
eine ewige Finanzierung? Wie vermeidet man,
sich selbst einzubetonieren? Wie kann man dafür

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sorgen, dass die Flexibilität auch in den Hoch-
schulen flexibel genutzt wird? Das heißt, es
muss ständig entschieden werden, ob das Geld,
da wo es jetzt ist, bleibt. Das fällt den Hoch-
schulen oft schwer – Prioritäten zu setzen und
Ressourcen umzuverteilen. Das bringt Unruhe
und Konflikte. Mit Hilfe von Wettbewerben
kann man Neues ausprobieren und neue Stan-
dards setzen, um dann zu sagen: »Wir haben
nun erkannt, was sich bewährt hat, und das
überführen wir jetzt auch in eine langfristige
Finanzierung.«
Das ist vielleicht ein gutes Prinzip. Dazu müsste
aber zum Beispiel auch der Hochschulpakt ge-
nutzt werden und man kann fragen: »Wir haben
ja auch Begleitforschung. Was hat sich denn be-
währt? Was läuft denn gut? Was wollen wir
denn jetzt eigentlich grundsätzlich haben und
welchen Anteil machen wir jetzt zum Spielgeld,
mit dem man die nächste Verbesserung erpro-
ben kann?« Nicht jeder Versuch wird erfolgreich
sein, dann kann man ein befristetes Vorhaben
auch mal beenden. Da müsste eine neue Balance
gefunden werden, so dass die Qualitätstreiber
im System bleiben, aber nicht permanent die
Grundausstattung aushungern.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Ausprobieren ist richtig, und das machen wir
auch an einige Stellen. Der Hochschulpakt hatte
aber einen anderen Zweck. Der Hochschulpakt
war nie unter dem Gesichtspunkt der Evaluierung
gedacht, er musste die doppelten Abiturienten-
jahrgänge auffangen. Die Instrumente, die da-
für genutzt worden sind, waren nicht wirklich
systematisch. Für Sachsen war der Hochschul-
pakt – und ist es immer noch – ein Einmal- Effekt.
Es ging darum, die steigenden Studierenden-
zahlen seit 2008 aufzunehmen. Aber diese star-
ken Abiturientenjahrgänge im Westen sind auch
irgendwann beendet und das spüren unsere
Hochschulen bei den Immatrikulationen. Seit 2016
ist der letzte doppelte Abiturientenjahrgang
Das Podium in der Diskussion.

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44 |
durch. Wir sind gespannt, wie sich die Studie-
rendenzahlen in den nächsten Jahren entwickeln
werden. Die Zahl unserer eigenen Hochschulzu-
gangsberechtigten hat sich halbiert. Sie steigen
zwar wieder leicht an, aber es werden viel mehr
junge Leute immatrikuliert als wir haben. Schon
deshalb ist es für die ostdeutschen Länder von
besonderem Interesse, was nach dem Hoch-
schulpakt kommt. Wir diskutieren hier im Land
eine Absenkung bis 2025 auf 95 000 Studieren-
de, was im Wesentlichen nicht unsere Fach-
hochschulen betrifft, sondern vor allem die
Universitäten. Wir wollen in den nächsten Jah-
ren den Anteil der Studierenden an den Fach-
hochschulen erhöhen. Ich bin davon überzeugt,
dass die Studierendenzahlen im Osten auf rela-
tiv natürliche Art und Weise sinken werden,
denn der Einmaleffekt ist nicht mehr da. Es mag
nicht auf jede Uni zutreffen, das ist eine andere
Frage, aber in der Summe wird es so eintreten.
Unsere westlichen Kollegen, die die Fachhoch-
schulen ausgebaut haben, haben andere Themen.
Denn sie haben noch hohe Studierendenzahlen –
und vermutlich länger als wir, weil sie selber
starke Abiturientenjahrgänge haben. Zum ande-
ren haben sie wirklich auch feste Stellen. Es stellt
sich insgesamt die Frage: Wie sieht die Fortset-
zung des Hochschulpaktes aus, wenn er nicht
darauf zielt, mehr Studienplätze zu schaffen?
Seitens der Länder wird das Ziel derzeit so defi-
niert: Anhebung der Grundfinanzierung. Daher
ist es nicht so einfach, aus der Hochschulpakt-
phase positive Schlussfolgerungen zu ziehen,
die wir strukturell verankern können.
Etwa 80 Teilnehmer haben sich zur Fachtagung im Saal des SMWK eingefunden.

| 45
Prof. Dr. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule
für Technik und Wirtschaft Dresden
Ich möchte noch ergänzen, dass sich die Hoch-
schulrektorenkonferenz am Dienstag mit dieser
Sache auseinandergesetzt hat und ein einfa-
ches Modell mit zwei Säulen vorgeschlagen
hat. In einer Säule soll tatsächlich die Grundfi-
nanzierung erhöht werden, möglichst der grö-
ßere Anteil, aber auch ein wettbewerblicher Teil
soll bleiben. Ein solches Modell sollte weiter
verfolgt werden; es ist zumindest durch die HRK
mehrheitlich verabschiedet worden. Und warum
soll man das jetzt nicht verfolgen?
Dr. Tobias D. Höhn
Moderator
Lassen Sie mich etwas provokativ fragen: In
vielen Referaten hieß es immer wieder: »Wir wol-
len keine kleinen Universitäten werden. Keine
»Light«-Universität oder keine Spezial- Universität.
Aber trotzdem reden wir sehr viel von Forschung.
Das ist ja auch gut so, aber der Erfolg der Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften liegt
ja sehr stark auch auf der anwendungsbezogenen
Lehre. Diese kommt – zumindest in den Rede-
beiträgen – jetzt gar nicht mehr so richtig vor, wird
nicht mehr richtig postuliert, so mein Eindruck.
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Ich denke, das ist eine vollkommen überflüssige
Diskussion. Erstens: In den Hochschulgesetzen
aller Bundesländer ist die angewandte Forschung
als eine der drei Kernaufgaben von Hochschulen
der Angewandten Wissenschaften verankert.
Zweitens: Wir verstehen uns als Hochschulen mit
einem ganz klaren, leidenschaftlichen Engage-
ment für wissenschaftsbasierte, anwendungso-
rientierte Lehre. Wie wollen Sie die denn machen,
wenn Sie nicht zugleich Wissenschaft betrei-
ben? Die Zeiten haben sich geändert und ich
glaube, das hat überhaupt nichts damit zu tun,
dass wir kleine Universitäten haben wollen. Wir
haben ein anderes Profil, auch eine andere Iden-
tität. Ich habe keine Ahnung, wie man heutzu-
tage Bachelor- und Master-Studiengänge an-
bieten soll ohne ein stetiges weitreichendes
Engagement in der angewandten Forschung.
Darüber hinaus sind die Bedarfe nach Forschung,
Entwicklung, Transfer in der Region und über-
regional, die wir als Hochschulen der Angewand-
ten Wissenschaften bedienen könnten und auch
zu unserer eigenen Profilierung nutzen könnten,
noch lange nicht abgedeckt. Also, ich finde, diese
Kontroverse hilft niemandem.
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Ich möchte aus Sicht unserer Industrie eine Bahn
brechen für die aktuelle Aufgabenteilung. Es ist
sicher deutlich geworden, dass wir sehr erfolg-
reiche mittelständische Unternehmen am inter-
nationalen Markt haben. Diese hätten wir nicht,
wenn wir nicht eine breite Hochschullandschaft
hätten. Die Hochschulen kooperieren häufig eng
mit den Unternehmen, sonst würde der Mittel-
stand gar nicht so gut funktionieren. Und ich
glaube, genau das zeichnet auch das System
Deutschland aus. Das ist zwar ein sehr komplexes
System und für andere Leute kaum zu verstehen,
mit dem Studium und der beruflichen Ausbil-
dung, aber am Ende erfolgreich.

46 |
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Wir werden immer wieder mit dem Vorwurf
konfrontiert, dass wir der Wirtschaft ihre Fach-
kräfte wegnehmen, weil wir zu stark akademi-
sieren. Zum einen ist der Anteil von Ingenieuren
in den kleinen und mittelständischen Unter-
nehmen deutlich gestiegen und die Prognose ist,
dass er weiter steigt. Herr Friedrich, was sagen
Sie als Wirtschaftsvertreter dazu?
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Diese Frage können die Hochschulen nicht lösen
und man kann ihnen auch keinen Vorwurf ma-
chen, dass sie zu stark akademisieren, denn das
ist ja ihr Auftrag. Wenn man aber die Ausgangs-
lage feststellt, dann haben Sie diese beschrieben.
Uns gehen die gut qualifizierten Facharbeiter
aus. Bei vielen Menschen gilt das Studium als
der Königsweg. Ob er das ist, ist eine ganz andere
Frage. Wir glauben, beides, Studium und beruf-
liche Ausbildung, sind gleichwertige Karrierewege.
Unser Auftrag als Wirtschaft ist es daher, den
Karriereweg der beruflichen Bildung zu stärken.
Politik und Wirtschaft müssen sicherstellen, dass
da keine Einbahnstraßen sind. Beide Wege sind
wichtig und sollten durchlässig sein.
Prof. Dr. Holger Brandes
Rektor der Evangelischen Hochschule Dresden
Dieser Aspekt der offenen Hochschule mit be-
rufsbegleitenden Studiengängen bedeutet eine
hohe Durchlässigkeit zwischen tertiärem und
sekundärem Bildungssystem. Es geht darum, die
Durchlässigkeit zu erhöhen. Wir spüren das im
Pflegebereich, dass wir auch die klassische Pflege-
ausbildung auf Berufsfachschulen-Niveau auf-
werten, wenn wir eine Durchlässigkeit zum Hoch-
schulsystem schaffen. Wir bekommen andere
Bewerberinnen und Bewerber, im Kita-Bereich
ist es ähnlich. Das heißt nicht automatisch, dass
die Hochschulausbildung die Alternative sein
muss, sondern da können Hochschulen Modelle
entwickeln, wo die Übergänge sehr fließend sind.
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Ich möchte kurz anknüpfen, denn ich glaube,
dass hier Wirtschaft und Hochschulen gemein-
sam gefordert sind. Die Zielgruppen sind dabei
die Eltern und die jungen Leute, die studieren
möchten oder eine Ausbildung beginnen. Bisher
war die Diskussion stark geprägt von der Frage
nach dem Königsweg. Die eigentliche Frage ist
doch, was ist für den einzelnen jungen Menschen
das Richtige ist. Manche junge Leute werden von
den Eltern ins Studium hineingetrieben, obwohl
das nicht das Richtige für sie ist. Hier müssen
wir gemeinsam aufklären und deutlich machen,
dass alle Wege offen stehen.
Wilfried Rosenberg
Leiter Kreisverband,
Bundesverband mittelständische Wirtschaft
Beim Stichwort Akademisierung muss ich sagen,
Frau Staatsministerin, wir schließen uns dem
nicht an. Es braucht die Vielschichtigkeit der
Wege. Natürlich muss man sehen, das ist letzten
Endes ein Kampf um Quantitäten und auch um

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| 47
Qualitäten. Wenn wir weniger Schulabsolventen
haben, dann ist das Gerangel um die einzelnen
Köpfe da. Ich halte es für wichtig, in diesem
Zusammenhang auch noch stärker das Thema
Gymnasium mit ins Auge zu nehmen. Das ist ja
die Frage, wie denn da eine sinnvolle Entschei-
dung für einen Karriereweg getroffen wird. Un-
sere Erfahrung in der Arbeit mit dem Gymnasi-
um ist, dass es ziemlich turbulent zugeht. Wir
müssen früher Karrierewege deutlicher machen
und die Frage beantworten, wo ein Studium
hinführt. Bei dem Thema geht es auch um den
Studienabbruch.
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Wir haben uns darüber Gedanken gemacht, wie
man die Beratung individueller gestalten kann. Es
gibt derzeit viele Beratungs- und Informations-
angebote, viele junge Leute kapitulieren vor der
verwirrenden Fülle und fragen doch lieber Eltern
und Lehrer, was sie machen könnten. Wir haben
eine Art von Bildungsnavigator durch diesen
Informationsdschungel vorgeschlagen. Ein Indi-
viduum soll in der Lage sein, den für sich selbst
geeigneten
Weg zu finden. Dazu gehört, dass
man in den Schulen nicht wie bisher in der ach-
ten Klasse Berufsberatung und in der elften oder
zwölften Klasse dann Studienberatung macht,
sondern in der elften und zwölften Klasse auch
noch einmal Berufsberatung. Es geht darum,
dass das gesamte Spektrum möglicher Ausbil-
dungswege und Berufsverläufe, die sich daran
anschließen können, eröffnet wird.
Wir sollten darüber nachdenken, ob es nicht
auch einen weiterbildenden Bachelor offiziell
braucht. Es gibt ihn derzeit nur in drei Bundes-
ländern als Abweichung von den ländergemein-
samen Strukturvorgaben der KMK. Aber vom
Einzelnen her gedacht, kann sich doch an eine
Berufsausbildung sehr klug ein weiterbildender
Bachelor anschließen. Ich habe kürzlich das
Argument gelesen, warum wir das gerade in
den neuen, zu akademisierenden Berufen brau-
chen. Menschen, die akademisch ausgebildet
sind, können auch mit Forschungsstudien um-
gehen. Wenn ich mit Wissenschaft nie in Be-
rührung gekommen bin, dann kann ich damit
nicht arbeiten.
Nach einer Berufsausbildung kann es in verschie-
dene Richtungen weitergehen, auch in ein Studi-
um. Dafür gibt es auch geeignete Formate, zum
Beispiel berufsbegleitende Angebote. Bei den
dualen Angebote haben die Fachhochschulen
eine große Kompetenz, denn sie sind sehr nah
dran an dem Bedarf der Unternehmen und der
Einrichtungen, weil sie schon mit denen zusam-
menarbeiten. Es kommt nicht von ungefähr,
dass die allermeisten dualen Studienangebote
von Fachhochschulen kommen. Die Universitä-
ten tun sich an der Stelle deutlich schwerer,
und das ist auch in Ordnung. Es muss nicht jede
Hochschule alles machen.
Wilfried Rosenberg

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48 |
Karl-Heinz Herfort
Hauptabteilungsleiter Berufsbildung,
Handwerkskammer Dresden
Kurz zum Akademisierungswahn und den ange-
sprochenen Vorwürfen der Wirtschaft. Das will
ich so nicht gelten lassen, denn kritische Signale
kommen selbst aus dem hochschulischen Be-
reich. Die Gründe dafür sollten ernst genom-
men werden. Es gibt mit Blick auf die Entwick-
lung der Studienabbrüche offenbar viele junge
Menschen, die ganz einfach nicht studierfähig
sind. Was bisher diskutiert wurde, ist vom Ansatz
her in Ordnung. Allerdings führen uns Schuld-
zuweisungen nicht weiter. Weder die Eltern noch
die Schule allein können in die Pflicht genommen
werden. Wir müssen uns ernsthaft überlegen,
wie wir dieses Thema gemeinsam in den Griff
bekommen. Denn die Frage kann doch hier nur
heißen: Wie bringen wir unsere jungen Leute
auf den jeweils passenden Weg? Es gibt gute
Ansätze dabei. Die Berufs- und Studienorien-
tierung in Sachsen hat sich in den letzten zehn
Jahren gut entwickelt. Aber wir sind noch nicht
bei dem Punkt angelangt, dass jeder seinen pas-
senden Weg findet. Wir müssen unterstützend
dafür sorgen, dass die noch viel zu häufigen
Fehlallokationen zurückgedrängt werden. Hierbei
trägt
jeder einzelne am Unterstützungsprozess
beteiligte Akteur eine ganz konkrete Verantwor-
tung im Kontext einer gesamtgesellschaftlichen
Herausforderung.
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Wir diskutieren ja über die Fragen, wie man die
jungen Leute gut ausbilden kann und wie wir
unsere Wirtschaft und das Wissenschaftssystem
voranbringen können. Jeder hat hier ja seine eige-
nen Aufgaben zu erledigen. Wir müssen uns vor
allem um die Schnittstellen, um die Übergänge,
kümmern. Wir dürfen nicht das Schwarzer-Peter-
Spiel spielen. Wir sollten uns nicht gegenseitig
vorwerfen, ob die Schulabgänger ausbildungs-
fähig oder studierfähig sind. Das bringt nichts,
denn wir müssen mit den Leuten umgehen, die
wir haben. Wir sollten uns eher fragen, wie wir
sie bestmöglich weiterqualifizieren und unter-
stützen können. Natürlich können wir gegenseitig
Anforderungen formulieren. Aber wir sollten so
zusammenarbeiten, dass alle einen hohen Nutzen
davon haben.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Zu allen Zeiten gab es Klagen der Hochschul-
lehrer, genauso wie es Klagen der Lehrer gege-
ben hat. Die Frage ist aber, ob die Berufs- und
Stu dien orientierung richtig läuft. Von jenen mit
Hochschulzugangsberechtigung im Freistaat ge-
hen nur 70 Prozent in den darauffolgenden fünf
Jahren zum Studium. Das sind die Zahlen von
Karl-Heinz Herfort

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2010, die sich nicht sonderlich verändert haben.
Bei den Mädchen sind es nur zwei Drittel, bei
den Jungen 75 Prozent, bei denjenigen aus den
beruflichen Gymnasien oder aus der Fachober-
schulausbildung sind es nur knapp über 50 Pro-
zent. Mich beschäftigt die Frage, wo die Berufs-
orientierung am Gymnasium stattfindet. In
diesem Punkt hat sich etwas bewegt, aber aus
meiner Sicht nicht ausreichend. Viele junge Leute
stehen mit ihrem Abitur da und wissen nicht,
was sie machen sollen. Ich spreche mich aus-
drücklich für die Kooperation und für die Durch-
lässigkeit aus.
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Wir brauchen viele gleichwertige Karrierewege,
auch wenn die nicht alle zum selben Ziel füh-
ren. Aber sie bergen möglicherweise für das
Individuum die Chance, die optimale Entwick-
lung zu erreichen. Hier geht es auch um mehr
Aufklärung. Und dazu gehört auch neben dem
Versprechen »Aufstieg durch Bildung« der Hin-
weis: Studium ist anstrengend. Um diese An-
strengung erfolgreich zu bestehen, sind echte
Entscheidungen
wichtig anstelle von Verlegen-
heitslösungen. Ein Studium ist nicht die einzige
Möglichkeit, sich zu bilden. Wir haben schon
einmal empfohlen, Selbsttests obligatorisch zu
machen. Man kann sich immer noch einschrei-
ben, auch wenn der Test gesagt hat »denkbar
ungeeignet«. Aber man weiß dann, dass das
Scheiternsrisiko groß ist und man sich beson-
ders anstrengen muss. Es gibt noch viele Mög-
lichkeiten für die Hochschulen, zu einer guten
Entscheidung zu Beginn des Studiums beizu-
tragen.
Prof. Dr. Ludwig Hilmer
Rektor der Hochschule Mittweida
Ich denke, wir müssen akzeptieren, dass es für
viele Eltern und auch eben auch Kinder ein Hoch-
schulabschluss und eine Laufbahn in akade-
mischen Berufen ihr Traum ist. Wir haben eine
Gesellschaft, ein Grundgesetz, das sich nach den
Bedürfnissen der Menschen ausrichtet. Und eins
wissen wir ganz gewiss: Die staatliche Len kung
von Ausbildung geht immer schief. Und das
liegt nicht an der Inkompetenz der Lenker. Es
geht um den Punkt, wie kann ich politisch die
Finanzen dazu kriegen, dass ich genügend aus-
bilde? Ich möchte aber durchaus selbstkritisch
auf eines hinweisen. Natürlich gibt es Klagen aus
den Hochschulen, die Studienbewerber seien
nicht mehr studierfähig. Ja, waren wir denn je
so naiv, zu denken, wenn wir den Hochschul-
zugang öffnen, dass die Studierenden dann
plötzlich passend sind? Die Studieneingangs-
phase ist unsere Aufgabe, das macht Sachsen
gut. Nach dieser Studieneingangsphase kann
man beurteilen, ob die Studierenden das Ziel
schaffen.
Dr. Sabine Behrenbeck

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50 |
Für die Diskussion im zweiten Teil der Tagung haben neben der Ministerin und dem Moderator neue Podiumsmitglieder Platz genommen.

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| 51

Fachtagung – Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften in Sachsen
»Die sächsischen HAW wollen
ihre Stärken in Studium und Lehre
erhalten und ausbauen.«
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Podiumsbeiträge und Diskussion

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| 53
Lehre, Personalentwicklung
und -gewinnung
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Zur Ausgangslage: Lehre, Forschung und Transfer
sind die drei konstitutiven Missionen der HAW.
Dabei spielt die wissenschaftsbasierte, anwen-
dungsorientierte Lehre im Selbstverständnis
der HAW und in ihrem alltäglichen Engagement
weiterhin eine herausragende Rolle.
Unsere Absolventen sind als Fachkräfte ge-
fragt.
HAW haben eine deutlich höhere Binde-
quote als Universitäten. Ein großer Anteil unse-
rer Absolventen startet die berufliche Karriere
in Unternehmen und der Wirtschaft der Region,
oft bereits vor dem Abschluss des Studiums.
Die HAW tragen wesentlich dazu bei, den Fach-
kräftebedarf in Sachsen, insbesondere im Inge-
nieurbereich, zu decken.
Lehre und Studium an einer HAW
weisen
traditionell Besonderheiten auf wie die hohe
Anwendungsorientierung, die enge Verbindung
zur Praxis, die obligatorische Verankerung von
Praktika, oft begleitete Praktika in verschiedenen
Berufsfeldern, kleine Gruppen im Studium und
die persönliche Beziehung zwischen Lehrenden
und Studierenden. Das macht uns so erfolgreich,
auch dabei, hochqualifizierte Absolventen für
die Berufspraxis auszubilden sowie den Zugang
zu akademischer Bildung und erfolgreichem Stu-
dienabschluss für Bildungsaufsteiger und auch
für beruflich Qualifizierte ohne Abitur zu ermög-
lichen. Auch wenn wir keine Caritas-Universität
sind, ist es so, dass beide Gruppen in den letzten
Jahren quantitativ erheblich an Bedeutung ge-
wonnen
haben, ihr Anteil an allen Studierenden
wird in den nächsten Jahren sicherlich weiter
erheblich wachsen und das auch zukünftig
insbesondere an unseren HAW.
Die sächsischen HAW
wollen ihre Stärken in
Studium und Lehre erhalten und ausbauen. Wir
werden in Innovationen in der Lehre investie-
ren, in neue Lehr- und Lernformen, Vorkurse,
didaktische Angebote, digitale Formate, die den
Studierenden mit ihren sehr unterschiedlichen
Voraussetzungen einen erfolgreichen Studien-
abschluss ermöglichen. Das geht sicher nicht ohne
neue Ansätze und Anstrengungen für Personalent-
wicklung und -gewinnung von wissenschaftlichem
Nachwuchs und Professorinnen und Professoren.
Und es geht nicht ohne geeignete Rahmenbe-
dingungen, die das notwendige ganzheitliche
Engagement unserer Professorinnen und Pro-
fessoren in Lehre, Forschung und Transfer ohne
Burnout ermöglichen und dazu motivieren.
Die Zukunft: Die sächsischen HAW
wollen
auch zukünftig die wachsenden Anforderungen
in Lehre und Studium, Forschung und Transfer
mit großem Erfolg meistern und – das ist uns
Prof. Dr. Gesine Grande

54 |
wichtig – im bundesweiten Wettbewerb um Stu-
dierende, Drittmittel und Personal eine Chance
auf die 1. Liga behalten oder zurückgewinnen. Des-
wegen schlagen wir folgende Investitionen vor.
Erstens:
zusätzliches lehr- und forschungsunter-
stützendes Personal. Die sächsischen HAW brau-
chen eine wirksame Entlastung der Professorinnen
und Professoren von qualifikationsinadäquaten
Aufgaben. Die Zahl dauerhaft verfügbarer Stellen
zur Erfüllung allgemeiner Hochschulaufgaben ist
auch aus Sicht des Wissenschaftsrates zu gering.
Zweitens:
eine auskömmliche Grundfinanzie-
rung für Lehre und Forschung. Mit befristeten
Projektmitteln kann weder in der Lehre noch im
Forschungsmanagement eine verlässliche per-
sonelle Infrastruktur aufgebaut werden. Frau
Behrenbeck hat es gerade eben auch quantifi-
ziert, der Wissenschaftsrat empfiehlt die Finan-
zierung einer wissenschaftlichen Mitarbeiter-
stelle für jeweils drei Professuren. Das könnte
ein gutes Richtmaß sein.
Drittens:
Anpassung von Personalstruktur,
-einsatz und -bestand an das gewandelte Auf-
gabenprofil der HAW und neue Anforderungen
an die digitale Lehre. Dabei sind bewährte
Merkmale der HAW wie die besondere Rolle der
professoralen Lehre zu garantieren.
Viertens:
Schaffung einer nachhaltigen Infra-
struktur – und ich spreche hier von Infrastruk-
tur für den wissenschaftlichen Nachwuchs. Wir
brauchen Nachhaltigkeit für die mit befristeten
Landesmitteln aufgebauten Qualifizierungspro-
gramme für Nachwuchswissenschaftler an den
sächsischen HAW. Und zum Thema Promotionen:
Wir sind Bundessieger bei den kooperativen Pro-
motionen, aber die anderen Bundesländer inves-
tieren massiv in Infrastruktur wie gemeinsame
Graduiertenkollegs, -plattformen und Graduier-
teninstitute. Und da sehe ich, dass das Licht
nicht mehr hinter uns blinkt, sondern vielleicht
auf der Autobahn wir schon die Rücklichter sehen.
Fünftens:
Freiräume für die Weiterbildung und
Qualifizierung von bereits berufenen Professor-
Innen. Hier geht es darum, Möglichkeiten für
befristete und leistungsbezogene Tätigkeits-
schwerpunkte oder der befristeten Freistellung
von Dienstaufgaben für eine außerhochschuli-
sche Praxisphase oder zur Forschung – die wir
schon haben – stärker zu nutzen und die ent-
sprechenden Voraussetzungen zu schaffen. Ich
denke an das Phänomen, dass viele ihre De-
putats ermäßigungen gar nicht wahrnehmen,
weil sie keinen adäquaten Ersatz für die Lehr-
verpflichtung finden.
Sechstens und letztens:
innovative Modelle der
Personalgewinnung und einer flexibleren Aus-
gestaltung von Professuren. Ziele sind, die Pro-
fessur an einer HAW noch attraktiver zu machen
und die Verschränkung von Hochschule und
Praxis für beide Seiten gewinnbringend weiter-
zuentwickeln. Gemeinsam mit dem SMWK würden
wir hier gerne über die Eignung und Ausgestal-
tung von Vorschlägen des Wissenschaftsrates
wie Tandem-Programme, Teilzeitprofessuren
oder gemeinsame Professuren diskutieren und
diese modellhaft erproben und evaluieren.

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Forschung an Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften
Prof. Dr. Tobias Zschunke
Prorektor Forschung
Hochschule Zittau/Görlitz
Kollege Hilmer hatte eingangs darauf hinge-
wiesen, dass wir uns mit den sächsischen HAW
in einem eher schwachen wirtschaftlichen Um-
feld befinden – im Vergleich auch zu den HAW
der anderen Bundesländer. Daraus erwächst
dann auch der Wunsch, dass die HAW auch Teil
einer Innovationsmaschinerie, eines Innovations-
motors sein mögen. Daraus leitet sich weiterhin
ab, dass die Rolle der HAW hier ein wenig anders
ist als in den großen wirtschaftlichen Zentren,
wo die HAW sich befähigen, den Anforderungen
der Wirtschaft gerecht zu werden, dort mitzu-
arbeiten und das Tempo aufzunehmen.
Unsere Aufgabe ist es hingegen mehr,
aktiv
zu einem Beleben des Innovationsgeschehens in
der Wirtschaft beizutragen, Innovationen in der
Wirtschaft voranzubringen, diese in der Breite zu
unterstützen und auf diese Art und Weise für ein
Vorankommen der Wirtschaft beizutragen. Die
HAW ist in diesem Bereich ein ganz besonderer
Akteur, wenn auch nicht der Einzige. Warum die
HAW besonders dafür geeignet ist, wurde heute
deutlich. Das eine ist die Vita der Professoren,
deren Praxisnähe in ihrer Berufslaufbahn.
Zweitens ist es die Praxisnähe der Studien-
gänge,
die hier eine Rolle spielt. Das Ganze führt
dazu, dass wir Mitglieder der HAW auf Augen-
höhe mit Unternehmern arbeiten oder zu min-
destens die Chance auf Agieren auf Augenhöhe
mit Personen aus der Wirtschaft haben. Eine
besondere Schwierigkeit klang heute auch schon
an: die besondere Lehrbelastung der Professo-
ren,
die den Spielraum für diese Tätigkeit ver-
ringert. Was leiten sich daraus für Anforderun-
gen ab? Erstens: Es wird eine ganz spezielle, der
Forschung und Entwicklung gewidmete Grund-
finanzierung benötigt. Auch das klang schon an.
Es muss damit eine Basis geschaffen werden,
um flexibel Aufträge und Anfragen aus der Wirt-
schaft zu bearbeiten, um Projektmittel zu bean-
tragen, um damit dann auch die Rolle der etwas
erweiterten Innovationsabteilung der kleinen
Unternehmen, wie es auch in der Innovations-
strategie des Freistaates Sachsen von uns ver-
langt wird, zu übernehmen.
Um das noch konkreter zu machen:
Wir brau-
chen dafür die geeigneten Menschen, die den
Professoren dabei zur Seite stehen. Wir brauchen
Menschen, die das »Wissenschafts-Gen« in sich
haben, die forschen, kreativ tätig sind, die flexibel
auf Anforderungen eingehen, die aber durchaus
gar nicht unbedingt das Ziel des eigenen wis-
senschaftlichen Vorankommens haben müssen,
wie es an der Universität vielleicht üblich ist.
Also Menschen, die eine ganz spezielle Qualifi-
kation haben, die im gewissen Sinne auch eine
Exzellenz ist – aber etwas anderen Maßstäben
Prof. Dr. Tobias Zschunke

56 |
gehorcht. Wir brauchen Menschen, die aktiv
Forschung betreiben, aber auch eine Dienstleis-
terrolle mit eigener Aktivität im wirtschafts-
nahen Innovationsprozess übernehmen kön-
nen. Welchen Weg müssen wir dahin gehen?
In Sachsen sind wir auf dem richtigen Weg.
Die Umwidmung der BAföG-Mittel zugunsten
der Hochschulen wurde angesprochen. Die
Trends, die sich da am Horizont andeuten, sind
genau die richtigen. Das läuft in die richtige
Richtung. Natürlich ist es klar, dass diejenigen,
die für das finanzielle Wohlbefinden eines Ge-
meinwesens zuständig sind, sich scheuen, lang-
fristige Bindungen einzugehen. Somit muss man
aber sagen, dass die Aufgabe des Voranbringens
der Innovation der Wirtschaft eine Art Vorsorge-
aufwendung ist, die finanzieller Mittel bedarf.
Deshalb ist es ein guter Weg, hier in diese an-
gesprochene Stärkung der Grundfinanzierung
zu investieren und auf eine wohldosierte Weise
die Projektfinanzierung zurückzufahren. Natür-
lich sind Projekte etwas, was Dynamik, Flexi-
bilität bringt. Aber wir müssen auch für unsere
wichtigen Leute Verhältnisse schaffen, in denen
sie dauerhaft gut arbeiten können. Die Wirk-
samkeit für die Wirtschaft entsteht durch Be-
harrlichkeit, Kontinuität und Verlässlichkeit.
Das müssen wir im Auge behalten und vielleicht
auch noch mal das Bild des Maschinenhauses
anders aufgreifen: Man könnte die HAW bei
dieser Aufgabenstellung als Maschinenhaus des
Transfers Wissenschaft/Wirtschaft betrachten.
Wir müssen da die Aufmerksamkeit für die Öl-
kanne im Betrieb verstärken und nicht vernach-
lässigen.

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Zusammenarbeit der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften
mit Forschungsverbünden
Prof. Dr. Andreas Leson
Leiter Geschäftsfeld PVD- und
Nanotechnik, Fraunhofer-Institut für
Werkstoff- und Strahltechnik IWS Dresden
Fraunhofer macht angewandte Forschung, und die
hat sich über die letzten Jahrzehnte sehr gut ent-
wickelt. Fraunhofer lebt von der Zusammenarbeit
mit der Wirtschaft, sie macht typischerweise fast
bis zu 50 Prozent des Budgets in Form von Auf-
tragsforschung aus der Wirtschaft aus. Wir wissen
also, wo der Schuh manchmal kneift. Wir haben
also eine Rückkopplung mit dem Markt. Das hängt
mit dem Finanzierungsmodell zusammen. Fraun-
hofer hat auch eine Grundfinanzierung. Die Grund-
finanzierung ist gekoppelt an das, was wir in der
Wirtschaft machen. Wenn wir auf Themen setzen,
die für die Wirtschaft nicht interessant sind, dann
geht auch die Grundfinanzierung zurück. Ich
denke, diese Rückkopplung ist eigentlich das,
was bei uns den Erfolg ausmacht. In sofern, es
muss nicht immer nur Grundfinanzierung sein.
Es hilft auch manchmal, wenn man Sachen an
Erfolg koppelt und das in Projektform macht.
Fraunhofer macht angewandte Forschung,
das
machen die HAW auch. Da stellt sich die Frage, ist
das nun Konkurrenz oder muss man sich dort ge-
genseitig kritisch betrachten? Wir sehen es ganz
anders und sind den umgekehrten Weg gegangen.
Zum einen merken wir selber, viele von unseren
Mit arbeitern und Mitarbeiterinnen kommen aus
HAW. Damit beziehen wir unser Personal auch
dorther, was sehr hilfreich ist. Wir haben auch viele
Mitarbeiter, die eingebunden sind in den HAW
und dort beispielsweise als Professoren hin gehen.
Diese Verbindung hat es immer schon gegeben.
Wir haben im letzten Jahr auch eine stärker in-
stitutionalisierte Form der Zusammen arbeit ge-
startet und mit der Hochschule in Zwickau ein
so genanntes Anwendungszentrum gegründet, das
Fraunhofer betreibt. Jeder bringt seine Stärken
mit. Wir haben die direkte Anbindung an die Stu-
denten und viele laufende Diplomarbeiten. Das
Know-how ist auch natürlich auch dort vor han-
den. Es geht doch darum, nicht die Konkurrenz zu
sehen, sondern unsere Stärken zusammenbrin-
gen. Jeder hat seine jeweils spezifischen Stär ken.
Ich denke, dieses Konkurrenzdenken ver hin dert
manchmal viele gute Ansätze. Wir haben dieses
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sich
mit Oberflächentechnologie und optischer Mess-
technik. Da möchte ich nicht ins Detail gehen.
Wir sind auf einem guten Weg, haben zehn Leute,
die aktuell dort arbeiten und auch laufende Stu-
dienarbeiten. Wir haben auch schon viele Indus-
triekontakte geknüpft und Projek te gestartet.
Ich denke, das ist ein gutes Beispiel für die
beidseitige Kooperation und dessen Vorteile.
Prof. Dr. Andreas Leson

image
58 |
EU-Förderung an Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften
Martin Reichel
Geschäftsführer der
Bayerischen Forschungsallianz GmbH
Mein Thema heute ist europäische/internationale
Forschungs- und Innovationsförderung. Das
Thema Forschung und Innovation ist für die Hoch-
schulen der Angewandten Wissenschaften von
besonderer Bedeutung, das haben Sie schon
deutlich zum Ausdruck gebracht, insbesondere
dass Sie daraus eine wissenschaftsgeleitete und
anwendungsorientierte Lehre abbilden wollen.
Das heißt, Sie müssen und wollen am Ende des
Tages Forschungs- und Entwicklungsvorhaben
in Ihren Einrichtungen durchführen. Dafür be-
darf es Geld. Nicht alles kann dabei grundfinan-
ziert betrieben werden. Es bedarf entsprechen-
der Drittmittel und das können dann eben auch
europäische Mittel, derzeit insbesondere aus dem
Rahmenprogramm »Horizon 2020«, sein.
Es ist unsere Hauptaufgabe
als bayerische
Forschungsallianz, die Universitäten, die Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften und
die kleinen und mittelständischen Unternehmen
in Bayern bei der Beantragung und auch bei
der Abwicklung von solchen europäischen For-
schungs- und Entwicklungsvorhaben zu beglei-
ten und zu unterstützen. Weil es etwas anderes
ist, als ein vom BMBF oder vom Land gefördertes
Vorhaben zu beantragen, haben sich in Bayern
die Universitäten und HAW zusammengetan und
die Bayerische Forschungsallianz als GmbH im
Jahr 2006 gegründet. Das heißt, die beiden
Hoch schulverbünde Universität Bayern e. V. und
Hochschule Bayern e. V. sind unsere Gesellschaf-
ter. Finanziert wird die Bayerische Forschungs-
allianz zu rund 80 Prozent über eine Zuwen-
dung
des Freistaats Bayern.
Sie wissen, dass 80 Milliarden Euro
in dem
Rahmenprogramm der EU für Forschung und
Innovation Horizon 2020 zur Verfügung ste-
hen, auf die man sich bewerben kann. Die Er-
folgsraten für die Antragsteller sind nicht be-
sonders berauschend, wenn man es neutral
anschaut. Es ist aber das größte Rahmenpro-
gramm für Forschung und Innovation weltweit
und letztlich erlangt der Forscher/Wissenschaft-
ler bei einer Beteiligung eine internationale
Sichtbarkeit und Einblicke in Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben in den weiteren Mit-
gliedsstaaten der EU. Er erlangt Kenntnisse über
andere Strukturen und unterschiedliche For-
schungs- und Innovationssysteme, aber auch
Kenntnisse darüber, wie ggf. Probleme in ande-
ren Ländern angegangen und wie sie idealer-
weise gelöst werden können. Diesen Mehrwert
muss man meines Erachtens in den Vordergrund
stellen, wenn man sich an europäischen Förder-
initiativen beteiligt. Nicht nur den rein monetä-
ren Aspekt. Die Beantragung, Abwicklung und
Administration von solchen Projekten ist durch-
aus aufwendig, das konstatiere ich. Neben dem
Martin Reichel

image
| 59
Geld erlangt jeder einzelne, der sich daran be-
teiligt, jedoch zusätzliche Fähigkeiten und Kennt-
nisse, die für seine weiteren Forschungs- und
Entwicklungsvorhaben wichtig sein können. Das
sollte man ebenfalls berücksichtigen. Zudem
wollen die Hochschulen für Angewandte Wissen-
schaften eine internationale Sichtbarkeit erzielen.
Wo und wie können sie diese erzielen? Im For-
schungs- und Entwicklungsbereich sicherlich
durch eine Beteiligung an europäischen Entwick-
lungsvorhaben – nicht nur durch die wissen-
schaftlichen Publikationen, sondern auch durch
die Beteiligung an solchen Projekten, den Aus-
tausch mit den internationalen Kollegen und die
Veröffentlichung von Projektergebnissen. Die in-
ternationale Sichtbarkeit ist durchaus auch ein
Thema für die Personalgewinnung. Studierende
und Lehrende suchen zunehmend Hochschulen,
die eine internationale Sichtbarkeit und ein in-
ternationales Umfeld haben. Wenn ich sehe, dass
es bislang 18 Projekt anträge aus dem Freistaat
Sachsen von HAW seit dem Start von Horizon
2020 gibt, dann bin ich davon überzeugt, dass dies
gesteigert werden kann. Von diesen 18 Projektan-
trägen sind bislang drei erfolgreiche gewesen,
was durchaus eine gute Quote ist. Wenn man es
so will, dann ist die Grundlast aber noch zu ge-
ring. Vor dieser Herausforderung stehen wir in
Bayern aber genauso. Aus dem Freistaat Bayern
werden zwar deutlich mehr Anträge von den
Hochschulen für Angewandte Wissenschaften bei
der EU eingereicht, aber im Vergleich zu Univer-
sitäten nur ein sehr geringer Anteil. Wir hatten die
Probleme gehört: Mittelbau und all diese The-
men. Wenn Sie sich international positionieren
wollen – und das wollen Sie –, dann werden Sie
bei Ihren eigenen Mitarbeitern aber Werbung für
die Beteiligung an internationalen Forschungs-
und Entwicklungsprojekten machen müssen,
vielleicht auch für eine überobligatorische Be-
teiligung an Horizon 2020 und dem sicherlich
nachfolgenden 9. Rahmenprogramm der EU.

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60 |
Dr. Tobias D. Höhn
Moderator
Ich danke den vier Herrschaften für die kurzen
Eingangsstatements. Jetzt starten wir in die
Diskussion über die wichtigsten Aufgaben der
HAW – Lehre, Forschung und Transfer. Und wir
möchten mit Ihnen darüber reden, wie den
HAW geholfen werden kann, den Anforderungen
der Wirtschaft gerecht zu werden.
Dr. Claudia Maicher
MdL, Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Wir haben heute viel von Kooperationen mit
außeruniversitären Forschungseinrichtungen
gesprochen. Ich möchte auf die Kooperationen
der HAW untereinander eingehen. In den letzten
Jahren hat sich in Sachsen zwischen den HAW
ein enges Zusammenarbeiten gezeigt, auch was
die Begleitung der sächsischen Hochschulpolitik
angeht. Zu Haushaltsentscheidungen, Personal-
ausstattungen und HEP wurde sich gemeinsam
geäußert, als eine Stimme in der Hochschul-
landschaft.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die
Zusammenarbeit
der Hochschulen für Ange-
wandte Wissenschaften und die Rolle von
Forschungsverbünden. Was braucht es für
Strukturen für Kooperationen der HAW im
Forschungsbereich? Welches Potential sehen
Sie, gerade bei größeren Ausschreibungen für
gemeinsame Forschungsprojekte?
Was braucht es auch mit Blick auf die fehlenden
Haushaltsstellen – auch im Vergleich zu den Uni-
versitäten – zur Unterstützung für Transfer-
aktivitäten? Dabei spielen nicht nur Patentan-
meldungen oder die Verwertung von Patenten,
sondern auch die Beratung für die schutzrecht-
liche Sicherung eine wichtige Rolle. Welche Un-
terstützung bräuchten die HAW dafür noch
stärker?
Prof. Dr. Tobias Zschunke
Prorektor Forschung,
Hochschule Zittau/Görlitz
Prof. Hilmer hatte schon darauf hingewiesen,
dass wir historisch auf eine Zusammenarbeit der
staatlichen Fachhochschulen verweisen können.
Das Ganze hat auch noch eine lebendige Kom-
ponente. Es ist im gewissen Sinne eine Graswur-
zelbewegung. Vielleicht nicht ganz unten von
den Wurzeln, aber zumindest so, dass es tat-
sächlich seit Jahren eine lebendige Zusammen-
arbeit gibt zwischen den Prorektoren Forschung
und daraus induziert dann auch in den gemein-
samen Teams.
Was braucht es dann noch stärker? Es ist wichtig,
die aus der Wirtschaft an uns herangetragenen
Fragestellungen schnell und flexibel bearbeiten
zu können. Der Unternehmer sagt zu uns: »Ich
habe jetzt ein Problem, welches ich in zwei
Dr. Claudia Maicher

image
| 61
Wochen gelöst haben will.« Selbst wenn wir in
der Lage sind, dieses fachliche Problem mit Hilfe
von Wirtschaftsdrittmitteln durch die Um-
schichtung von Arbeitsverträgen durch einen
unserer Experten schnell zu lösen, bleibt die
Frage: »Wie beschäftigen wir den Forschungs-
mitarbeiter dann nach diesen zwei Wochen
weiter?« Er oder sie muss dann also wieder in
eine geeignete Finanzierung überführt werden,
um sich bereit und sachkundig zu halten, gele-
gentlich wieder neue schnell zu erledigende
Innovationsaufgaben aus der Wirtschaft über-
nehmen zu können.
Bisher und in der Frage zielte die Diskussion auf
die ebenfalls sehr wichtigen begleitenden For-
schungsmanagementaufgaben ab. Diese bedür-
fen ebenfalls einer Stärkung, die wir HAW auch
gemeinsam organisieren müssen, um im Bereich
Forschungsmanagement, Forschungsorganisa-
tion, Projektgestaltung, Projektentwicklung und
Ideenentwicklung strukturiert voranzukommen.
Es bedarf wohldosierter Grundausstattung für
die Finanzierung der flexiblen Angebote für die
Wirtschaft und der dauerhaften Forschungs-
organisationsaufgaben.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Es ist durchaus zu Recht kritisch von Herrn Reichel
eingeschätzt worden, dass wir in Sachsen Nach-
holbedarf haben, was das Einwerben von Mit-
teln anbetrifft. Aus dieser Erkenntnis bauen wir
die Zentrale EU-Serviceeinrichtung Sachsen
(ZEUSS) auf. Es gibt bereits an der Technischen
Universität Dresden mit dem European Project
Center etwas Ähnliches wie die Konstruktion
als GmbH in Bayern. Bayern hat es von Anfang
an vielleicht etwas klüger gemacht, indem sich
alle Hochschulen an der GmbH beteiligt haben.
Damit entsteht natürlich ein großes Interesse,
dass die GmbH auch für alle Hochschulen ar-
beitet.
Wir haben festgestellt, dass wir dringend Unter-
stützung für jene benötigen, die nicht beim
European Project Center Beratung suchen. Wir
erhoffen uns mit der Serviceeinrichtung ZEUSS,
die derzeit vom Freistaat Sachsen finanziert wird,
bei der Einwerbung von Projekten aus Horizon
2020 erfolgreicher zu werden. Wir wissen nicht,
was Sachsen nach 2019 an EU-Förderung er-
hält. Wir bemühen uns derzeit, die Förderungen
auf hohem Niveau fortzusetzen. Für die Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften geht
es beim Einwerben europäischer Mittel auch
um europäische und internationale Sichtbarkeit
der Forschungsleistungen der HAW. Oftmals ist
es eine Frage von finanziellen und personellen
Kapazitäten, inwieweit sich die HAW beteiligen
können. Wir haben im Bundesvergleich gesehen
kleine HAW. Damit sind bei diesen aufwändigen
Programmen auch die Ressourcen endlich. Aber
durch ZEUSS werden wir deutlich aufholen und
den HAW helfen können.
Prof. Dr. Tobias Zschunke

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62 |
Martin Reichel
Geschäftsführer der
Bayerischen Forschungsallianz GmbH
In Summe ist Sachsen im Bundeslandvergleich bei
der Einwerbung von europäischen Fördermitteln
auf Rang 6. Wenn man die Größe mit anderen
Bundesländern ins Verhältnis setzt, dann ist das
ein sehr gutes und respektables Ergebnis. Da kann
Sachsen durchaus stolz sein. Die Kritik, die ich
geäußert habe, hat sich in Richtung der Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften in Sach-
sen gerichtet und diese gilt auch für Bayern. Na-
türlich gibt es den Forschungsauftrag in den
Hochschulgesetzen erst seit 2006, damit hat die
Forschung an diesem speziellen Hochschultyp
bei weitem nicht eine so lange Tradition wie an den
Universitäten, aber dennoch ist es nun schon
eine längere Periode mit diesem offiziellen Auf-
trag. Es gilt daher nun zu prüfen, wo und wie man
nachjustieren kann. Wichtig ist es, die Beteili-
gungswilligkeit von den Forschenden an den Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften zu er-
höhen. ZEUSS ist hier sicher der richtige Weg und
eine wichtige Unterstützung. Ich bin davon über-
zeugt, dass man schon durch das Schreiben von
Anträgen sein Forschungsprofil schärfen kann.
Prof. Dr. Tobias Zschunke
Prorektor Forschung,
Hochschule Zittau/Görlitz
Die Ergebnisse von ZEUSS zeigen sich möglicher-
weise erst in einigen Jahren. Es ist ein sehr lang-
wieriger Prozess, der da in Gang gesetzt werden
muss. Wenn er dann aber läuft, entwickelt er
eine Eigendynamik, welche uns in fünf oder
zehn Jahren sehr freuen wird.
Dr. Tobias D. Höhn
Moderator
Ich möchte den Fokus noch auf einen anderen
Aspekt lenken: Welche Kooperationsmöglich-
keiten sehen Sie in anderen Bereichen, beispiels-
weise zwischen HAW und Universitäten beim
Thema Administration?
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Hier müssen wir nicht in die Zukunft schauen,
denn das ist jetzt schon existenziell. Die HAW
haben ein breites Netzwerk an Kooperations-
partnern auf verschiedenen Ebenen, wir haben
es hier in Sachsen mit den kooperativen Pro-
motionen. Darüber hinaus haben wir sehr gute
Erfahrungen bei Kooperationen mit den Univer-
sitäten. Ich kann ein Beispiel nennen zwischen
meiner Hochschule und der Universität Leipzig.
Dort haben wir in den letzten Jahren eine Ab-
stimmung von Studien- und Prüfungsordnun-
gen erreicht, so dass die Studierenden beider
Hochschulen wechselseitig Veranstaltungen
besuchen und auch Prüfungen ablegen können.
Die Kooperationen mit der Universität Leipzig
Martin Reichel

| 63
reichen bis hin zu vielfältigen Verflechtungen
im Bereich der Forschung. In Leipzig haben wir
den Vorteil, dass wir komplementär zu einer
nicht-ingenieurwissenschaftlichen Universität
aus gerichtet sind. Ich denke, alle HAW haben un-
terschiedliche Kooperationen mit Fraunhofer-
Instituten wegen der Gemeinsamkeiten im Bereich
der angewandten Forschung und der Potentiale,
die wir schöpfen können. Die könnten wir selber
nie aus eigenen Kräften heraus aufstellen. Sicher
gibt es da auch immer auch Konkurrenz, aber
wir sind so klein, dass wir völlig ungefährliche
Konkurrenten in diesem Feld sind. Wichtig sind
unsere traditionellen, sicherlich auch einmaligen
Kooperationsnetzwerke in die Regionen, in die
Wirtschaft, in die Unternehmen, in kommunale
und andere Einrichtungen hinein.
Prof. Dr. Andreas Leson
Leiter Geschäftsfeld PVD- und
Nanotechnik, Fraunhofer-Institut für
Werkstoff- und Strahltechnik IWS Dresden
Vielleicht zur Konkurrenz: Ich sehe das nicht so,
jeder hat seine Stärken. Die HAW haben eine
ganz enge Bindung zur regionalen Industrie.
Man kann ja einfach gemeinsam auftreten, je-
der kann seine Stärken einbringen.
Prof. Dr. Roland Stenzel
Rektor, Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden
Es gibt ja hier in Dresden das Netzwerk DRESDEN-
concept mit einer gemeinsamen Technologie-
plattform. Alle Einrichtungen stellen ihre Groß-
geräte zur gegenseitigen Nutzung zur Verfügung.
Jeder weiß, dass solche Geräte teuer sind und eine
zeitlich bedingte Lebensdauer haben. Der Versuch
ist, etwas gemeinsam zu nutzen. Darüber hinaus
gibt es in Möglichkeiten, wo Kollegen in der Ausbil-
dung zusammenarbeiten, die Einrichtung gemein-
sam nutzen bis hin zu gemeinsamen Praktika.
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Ich habe eine Frage zum bevorstehenden Gene-
rationswechsel: Wie kann man Kooperation
und Vernetzung, die immer auf interpersonel-
len Beziehungen beruht, über diese Schwelle
hinwegretten? Das ist ja eine große Herausfor-
derung, wenn eine Generation geht. Die nimmt
ihre Kontakte mit. Wie kann man gestalten,
dass es eine Übergabe auch der Kontakte gibt.
Haben Sie hierzu Ideen?
Prof. Dr. Tobias Zschunke
Prorektor Forschung,
Hochschule Zittau/Görlitz
Die eine Antwort ist, dass man den Generations-
wechsel staffelt, so dass dadurch Expertise dauer-
haft Bestand hat. Hier das Stichwort Mittelbau:
Ein stabiler Mittelbau kann einen Generations-
wechsel dann auch so abfedern, dass die Kontakte
zur Wirtschaft und anderen erhalten bleiben.
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Es ist tatsächlich eine gute Frage. Wenn man
ganz ehrlich ist, vollständig lösen kann man das
nicht, niemand kann das. Ein Teil der Kontakte
und Netzwerke sind immer personengebunden,

image
64 |
die kann man auch nicht weitergeben. Man kann
verschiedene Dinge tun. Die Erfahrung, die wir
in den letzten Jahren gemacht haben, ist: Je
breiter wir aufgestellt sind, je mehr Schultern es
an der Hochschule gibt, von Personen, die sel-
ber aktiv forschen und vernetzt sind, die Träger
vom Transfer sind, desto unabhängiger werden
wir von einzelnen, besonders herausragenden
Personen. Ich glaube, da haben wir HAW noch
viel Luft nach oben, wenn wir ganz ehrlich sind.
Unsere gute Dynamik im Bereich Forschung und
Transfer, ich will jetzt nicht Falsches sagen, aber
die wird von 20 Prozent oder
1
/
3
unserer Profes-
soren getragen. Das ändert sich langsam und
wir arbeiten auch sehr daran. Gerade vor dem
Hintergrund dieser Abhängigkeit sind wir gefor-
dert, eine gute Personalgewinnung zu machen.
Darum geht es bei jeder Berufung, dass die von
uns berufenen Kollegen wirklich alle Kompeten-
zen, die wir brauchen – Lehre, Forschung und
Transfer – abdecken. Wir können es uns heut-
zutage fast nicht mehr leisten, nur Professorin-
nen und Professoren für die Lehre zu berufen.
Prof. Dr. Ludwig Hilmer
Rektor der Hochschule Mittweida
Uns ist das Problem bewusst. Wir haben keine
Lösung, aber ich will an zwei Aspekten zeigen,
wie bewusst uns das ist. Erster Aspekt: For-
schung. Wir haben tatsächlich das Problem,
wenn Kollegen in Pension gehen, dann geht mit
ihnen ein ganzes Forschungsgebiet. Eine ge-
wisse Perspektive bildet, dass wir über den
Forschungsatlas der Hochschulrektorenkonfe-
renz auch solche kritischen Massen bilden. Da
gibt es Kriterien, wie viel Geld und wie viel
Personen nötig sind, um einen Forschungs-
schwerpunkt zu bilden. Das erweist sich – ob-
wohl es zunächst schwierig ist, aufgenommen
und erkannt zu werden – am Ende als hilfreich,
wenn es mehrere Schultern gibt. Jetzt ist es
natürlich auch ein Problem, wenn Sie überra-
gende Persönlichkeiten haben, die können Sie
nicht klonen. Also wir sehen auch hier die Indi-
vidualisierung, die wir bisher hatten, die müssen
wir aufgeben.
Zweiter Aspekt: Wie kann man die Kontakte
zwischen den verschiedenen Hochschultypen
erhalten? Wenn wir nicht über Geld oder Pro-
motionsrecht sprechen, dann sind wir sehr eng
beieinander. Ich möchte nur einen Vorschlag
referieren. Kollege Barbknecht von der Uni Frei-
berg hat uns eingeladen, mit den neuberufenen
Professoren nach Freiberg zu kommen, damit
sie dort die Fakultäten kennenlernen, damit
dort etwas in Richtung kooperativer Promotion
vorangeht. Das sind ganz kleine Anfänge.
Hermann Jaekel
Referatsleiter, SMWK
Noch einmal zur Wirtschaft: Ich habe den Ein-
druck, dass die Hochschulen ihrerseits reichlich
Lösungen, Projekte und Transfermöglichkeiten
Prof. Dr. Ludwig Hilmer

image
| 65
bieten, die der Wirtschaft dienen können. Ich
habe manchmal umgekehrt den Eindruck, dass
diese Angebote von der Wirtschaft noch nicht
genügend wahrgenommen und auch nur unge-
nügend genutzt werden. Punktuell gibt es zwar
sicherlich sehr gute Verbindungen, aber in der
Breite nicht, aus welchen Gründen auch immer:
Unkenntnis, Zurückhaltung, vielleicht auch Furcht
vor Überfremdung oder Ähnliches. Der Bedarf
zur Kooperation dürfte jedoch groß sein. Ich
denke an fehlende eigene Forschungskapazitäten
insbesondere in unseren KMU, aber auch an das
Stichwort Unternehmensnachfolge: Die Hoch-
schulen verfügen über genügend Hilfestellungen,
demographiebedingten Schwierigkeiten zu be-
gegnen und geeignete Fachkräfte zur Nachfolge
für altersbedingt ausscheidende Mitarbeiter oder
gar für eine Unternehmensleitung auszubilden.
Sie werden aber seitens der Wirtschaft zu wenig
bis gar nicht in Anspruch genommen. Also ich
sehe da eine gewisse Schieflage zwischen der
Leistungsfähigkeit der Hochschulen unter Ein-
schluss der Berufsakademie Sachsen auf der einen
Seite und der Wahrnehmung ihrer Leistungs-
möglichkeiten in der Öffentlichkeit auf der an-
deren Seite. Sind es dann also die Hochschulen,
die noch mehr auf die Wirtschaft zugehen sollen
oder ist es nicht eben auch umgekehrt Sache der
Wirtschaft, ihrerseits verstärkt initiativ zu werden
und sich mehr den Hochschulen zuzuwenden?
Wilfried Rosenberg
Leiter Kreisverband, Bundesverband
mittelständische Wirtschaft
Das Thema »Nachfolge« halte ich in der öffent-
lichen Debatte aus Sicht des Mittelstandes zu
hoch gehangen. Viele Unternehmen helfen sich
selber und sind auf dem Wege. Es ist ein langer
Prozess, das ist auch klar. Es wird gerne von den
Medien aufgegriffen, aber ich würde es nicht zu
dramatisch sehen. Bei der Nachfolge müssen
wir schauen, von welchen Qualitäten wir hier re-
den und wo es akademischer Nachfolge bedarf.
Dort wo die Unternehmen schon eine Verbin-
dung zu den Hochschulen haben, da versuchen
die das. Es gibt bei vielen Unternehmen die
Techniker, Ingenieure, welche nach der Wende
das Unternehmen übernommen und entwickelt
haben. Heute brauchen wir mehr den Unter-
nehmer, der im Sinne von »Führer« des Unter-
nehmens arbeitet, mehr Marketingauswirkung,
nicht so der technikverliebte Ingenieur. Hier be-
steht Handlungsbedarf, dass wir auch die Unter-
nehmen in dieser Richtung nach vorne bringen.
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Sie haben einen richtigen Punkt angesprochen,
den wir natürlich auch beobachten, nämlich Ange-
bote an die kleine, mittelständische Industrie
heranzutragen. Wir als Verband müssen auch auf
sie zugehen und unseren Mitgliedern unsere
Angebote bekanntmachen, damit sie wahrge-
Hermann Jaekel

image
66 |
nommen werden. Mein Appell ist, das zu tun. Es
gibt verschiedene Netzwerke, die Sie schon haben,
also reden Sie ruhig mal mit denen auf der regio-
nalen Ebene.
Ein Punkt noch, der noch nicht zur Sprache kam
und den die Politik auf Bundesebene unterstüt-
zen könnte: Wir fordern schon seit langer Zeit
eine steuerliche Forschungsförderung. Die wür-
de sehr helfen. Es wird diskutiert, im Wahl-
kampf angesprochen und dann wieder zurück-
gezogen. Ich glaube, das wäre schon ein starkes
Mittel für den Mittelstand, dort einzusteigen.
Prof. Dr. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule
für Technik und Wirtschaft Dresden
Wir können den Generationswechsel auch nutzen,
um etwas Neues zu machen. Wir berufen ja für
30 Jahre und irgendwann hat sich auch mal ein
Forschungsgebiet erledigt. Wir können nur etwas
Neues machen, wenn wir auch die Gelegenheit
haben, neue Professoren zu berufen. Das sollten
wir im jeden Fall nutzen. Das einzige Problem,
das in vielen Fällen auftritt, ist, dass wir Studien-
anfängern gewährleisten müssen, ihren begonne-
nen Studienplan durchzustudieren. Wir müssen
das Fachgebiet praktisch vorhalten. Nun bräuchten
wir dort noch die nötige Flexibilität, um zwischen-
durch Änderungen vornehmen zu können.
Karl-Heinz Herfort
Hauptabteilungsleiter Berufsbildung,
Handwerkskammer Dresden
Herr Jaekel, Sie haben einen ganzen Fächer von
Fragen aufgemacht. Wenn diese Fragen so rele-
vant sind, wäre zu überlegen, ob eine Studie her-
ausfinden sollte, in welchem Ausmaß die Wirt-
schaft
die Angebote der Hochschulen tatsächlich
in Anspruch nimmt, gerade auch hinsichtlich der
Sicherung ihres Fach- und Führungskräfte-
nachwuchses. Ich sehe mindestens drei Koope-
rationspartner der Handwerkskammer Dresden
hier im Raum, mit denen Vereinbarungen be-
stehen, die genau in diese Richtung angelegt
sind. Wir sind auf einem guten Weg. Insoweit
schließe ich mich einer Pauschalisierung, die Wirt-
schaft sei verschlossen, nicht an. Aus meiner Sicht
geht es eher darum, Kooperationspotentiale zu
erschließen und praktische Erfolgsbeispiele stär-
ker sichtbar zu machen.
Prof. Dr. Tobias Zschunke
Prorektor Forschung,
Hochschule Zittau/Görlitz
Was das Zusammenkommen von Wirtschaft
und Hochschulen betrifft, muss man vielleicht
das Bild etwas anders sehen. Das ist keine Zu-
sammenkopplung wie bei zwei Zügen, die ent-
weder zusammengekoppelt werden oder nicht,
sondern dieses Zusammenkommen ist ein Pro-
zess wie zwei Planeten, welche umeinander krei-
Prof. Dr. Tobias Zschunke

image
| 67
sen und durch eine Gravitationswirkung langsam
näher kommen und daraus dann ein gemeinsames
Gebilde entsteht. Das heißt, das ist nicht ein-
fach formal zu lösen. Hier ist ganz große Be-
harrlichkeit und Kontinuität erforderlich, um eine
solche Unternehmensverbindung aufzubauen.
Aus Sicht der Universität ist ein Unternehmens-
kontakt so etwas wie ein scheues Reh. Da kön-
nen kleine Fehler zu einem Verjagen des Rehs
führen. Es ist ein ganz großer Erfahrungsschatz
notwendig, um den Aufbau von Unternehmens-
kontakten dann auch tatsächlich auf einer sol-
chen Basis zu führen, dass daraus Nachhaltig-
keit entsteht. Auch hier ist wieder das Plädoyer
für Kontinuität und Beharrlichkeit angebracht.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Beim Thema Unternehmensnachfolge stimme
ich Ihnen zu, das wird an manchen Stellen zu
hoch gehängt. Das hat übrigens auch das Wirt-
schaftsministerium so gespürt. Eine Unterneh-
mensnachfolgeprämie wurde von der Wirtschaft
nicht angenommen. Das war ein Zeichen dafür,
dass das Problem nicht so groß ist oder ander-
weitig gelöst wird.
Was mich mehr beschäftigt, ist das Thema Trans-
fer. Ich erinnere mich an eine Veranstaltung, in
der von Wirtschaftsvertretern gesagt wurde, man
habe nicht die Zeit, um alles zu durchforsten,
was die Hochschulen anzubieten haben. Daraus
entstand die Überlegung, ob wir Austauschplatt-
formen schaffen müssen. Im Prinzip ist »future-
SAX« diese Plattform für Wissenschaft und Un-
ternehmen. Vielleicht reicht dies aber nicht aus.
An diesem Punkt komme ich zum Thema Koope-
rationsplattform. Das war ein Stichwort aus dem
Papier des Wissenschaftsrates im Zusammen-
hang mit der Nachwuchsgewinnung, aber den-
noch mit dem Gedanken, zwischen Wirtschaft
und Hochschulen Plattformen zu schaffen, die
eine gewisse Stabilität haben. Von daher sind
diese nicht nur mit einem Zweck verbunden.

68 |
Die HAW sind in der Tat vor allem auf ihr regio-
nales Umfeld bzw. in bestimmten fachspezifi-
schen Themen spezialisiert. Bei der Zusammen-
arbeit mit Unternehmen bleibt es die regionale
Ebene. Eine Frage an die Hochschulvertreter:
Wir haben nun die Wirtschaftsregionen als In-
strument mehr oder weniger beendet. Da dieses
Instrument zu starr ist, macht es wenig Sinn, es
weiterzuführen. Stattdessen haben wir in der Ziel-
vereinbarung festgeschrieben, Transferstrukturen
aufzubauen. Transfer soll als Aufgabe gesehen
werden und kann daran anknüpfen, was bisher
erfolgreich gelaufen ist. Die Frage ist, ob wir Ko-
operationsplattformen brauchen. Brauchen wir
etwas Strukturelles im Sinne von Transfer zwi-
schen den Unternehmen und Hochschulen? Mit
den Anträgen zur innovativen Hochschule wurde
dies in Ansätzen versucht. Die Universitäten haben
sich teilweise Instrumentarien geschaffen, wie
die TU Dresden mit ihrer Transfergesellschaft.
Was können wir hier an dieser Stelle noch tun?
Wilfried Rosenberg
Leiter Kreisverband, Bundesverband
mittelständische Wirtschaft
Wir haben ja seit Jahren unser Projekt »Dresdner
Industrietage«, wo es genau um diese Verbin-
dungen geht. Es wird eigentlich immer schwie-
riger, Unternehmer zu mobilisieren. Das hängt mit
der weiteren Differenziertheit der Unternehmen
zusammen. Es wird auch schwieriger, Studie-
rende zu den Tagen der offenen Tür in den Unter-
nehmen zu bekommen. Im Grunde haben die
Unternehmen eine relativ stabile Zusammenar-
beit mit den Hochschulen. Zu fragen wäre: Ist die
Zusammenarbeit immer mit der richtigen Hoch-
schule verbunden? Vielleicht ist sie zustande
gekommen, weil er da studiert hat und da noch
Beziehungen bestehen, aber er erkennt nicht, dass
an anderer Stelle andere Partner sind. Da wäre
es
gut, wenn uns da was einfällt.
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Es gibt mehrere Grundbedingungen, eine ist Nach-
haltigkeit. Beziehungen sind die Grundlage für
Transfer, Beziehungsaufbau braucht unglaublich
viel Zeit, Geduld, Investitionen etc. Wenn ich
das jetzt aus der Perspektive der Hochschule
sagen will, dann ist Stufe 1, dass einzelne Per-
sonen einzelne Unternehmen kennenlernen. Da
entsteht etwas daraus und wird gepflegt.
Die zweite Stufe ist dann vielleicht, Formen zu
finden, wo das überindividuell gemanagt wird.
Das können Transferstellen sein. Einige HAW
haben solche Forschungs- und Transferstellen,
wo Geschäftsführer Ansprechpartner sind. In die-
sem Sinne war für Leipzig auch die Wissen-
schaftsregion ein wichtiger Schritt. Wir haben da
angefangen, solche Strukturen aufzubauen. Das
ist jetzt eben dann natürlich die Kehrseite da-
von, fehlende Kontinuität in diesem Bereich ist
tödlich. Man investiert unglaublich viel Energie
und bemüht sich um Vertrauen und kann es nicht
einlösen, weil das Projekt beendet ist.
Drittens: Wenn man es wirklich nachhaltig und
überindividuell aufstellen will, dann braucht man
eine Infrastruktur, die nicht durch Projektmittel
finanziert ist. Genau da besteht immer das Risiko,
dass das Geld morgen nicht mehr da ist. Das
Projekt »Innovative Hochschule« ist ein Ansatz,
auch wenn wir dort wieder keine nachhaltige
Finanzierung sichern können. Aber es ist der Ver-
such, alle Hochschulen mit ihren spezifischen
Profilen, Ressourcen zusammenzubinden und

image
| 69
in den Regionen hinein quasi Bedarfe aufzu-
greifen – die in so ein Netzwerk einzuspeisen
und dann zu schauen, wer kann das am besten
bedienen. Da würden wir eine ganz andere
Schlag kraft bekommen, falls es uns gelingt, das
Geld zu bekommen.
Prof. Dr. Christian Busch
Prorektor für Forschung,
Westsächsische Hochschule Zwickau
Wir müssen den Transferbedarf vermitteln und
unsere Sichtbarkeit in Richtung der Transfer-
partner erhöhen. Punkt zwei knüpft an die
Worte von Ministerin Stange an. Einen einzel-
nen singulären Schwerpunkt in Form von einer
Person halte ich für kritisch. Wir, die fünf säch-
sischen HAW, sind auch mehr auf dem Weg, dass
jede Hochschule mit einem eigenen Profil
Schwerpunktbereiche besetzt. Diese werden auf
vielfältige Art und Weise nach außen getragen
und breit kommuniziert. So soll von außen ge-
sehen werden, dass, wenn ein Unternehmen z. B.
das Problem XY hat, dieses Unternehmen sich
ge zielt an eine dieser Hochschulen wenden kann
und dort die erhoffte Hilfestellung bekommt.
Nun kann es aber sein, dass das nicht die HAW
um
die Ecke ist, also die, die geographisch am
nächsten liegt, sondern eine der vier anderen.
Da kam der Gedanke, dass sich im Rahmen der
Ausschreibung zur »Innovativen Hochschule« die
fünf sächsischen HAW zusammentun und jeder
seine Schwerpunkte in einem gemeinsamen
Projekt mit einheitlicher Transferstrategie in einen
Transfercluster einbringt. In der Summe der fünf
Hochschulen sind wir, die sächsischen HAW,
was die Themen angeht, sehr breit aufgestellt
und decken vieles ab.
Die Hochschulen schließen sich in diesem Pro-
jekt sehr sinnhaft zusammen. Somit haben wir
für die sächsische Wirtschaft/Gesellschaft ein
enorm gutes Angebot. Aber, da stimme ich Frau
Grande zu, das Ganze ist projektbasiert. Wir nen-
nen diese Projektgelder in der Hochschule gerne
»das süße Gift«. Man macht viel und wehe, das
Projekt – und damit die Finanzierung – hört dann
auf. Dann hat man oft das Problem, Strukturen
geschaffen zu haben, die dann nicht aufrecht
zu halten sind.
Wilfried Rosenberg
Leiter Kreisverband, Bundesverband
mittelständische Wirtschaft
Eine Ergänzung zum Thema Regionen: Wir haben
mit der HTW Dresden eine Befragungsstudie mit
den Unternehmen im Landkreis Bautzen und
Dresdner Unternehmen gemacht. Da gibt es auch
noch mal einen Unterschied zwischen ländlichem
Raum und Stadt. Das Thema ist, attraktive Re-
gionen brauchen attraktive Unternehmen mit
Mitarbeitern, die zu dem Unternehmen passen.
»Employed Branding«, das wären Stichworte,
die man auch gemeinsam bearbeiten kann, wie
wir es mit der HTW Dresden schon tun.
Prof. Dr. Christian Busch

image
70 |
Dr. Sabine Behrenbeck
Leiterin der Abteilung Tertiäre Bildung,
Wissenschaftsrat
Vielfach stehen die Fachhochschulen aufgrund
ihrer regionalen Ausrichtung nicht unbedingt in
Konkurrenz zueinander. Darum kann man sich
durchaus von anderen Standorten anregen lassen.
Ich nenne ein paar Beispiele. Da wäre der Cam-
pus OHL, der jetzt in Osnabrück/Ostwestfalen -
Lippe gegründet worden ist und an dem fünf
Hochschulen beteiligt sind. Der hat eine eigene
Infrastruktur bekommen, die sich nicht nur für
die Kooperation untereinander, sondern auch mit
Unternehmen als sehr nützlich erweist. Das zwei-
te Beispiel ist die Technische Hochschule Mittel-
hessen, die hat ein Zentrum gegründet für ihre
über 1 000 dualen Studierenden und bietet denen
besonders gute Studienbedingungen. Die betei-
ligten Unternehmen finanzieren das Zentrum mit
250 Euro für jeden Studierenden im Monat. Das
ist viel Geld, aber das ist auch ein Bekenntnis zu
dieser Hochschule und diesem Studienformat. Aber
sie haben gute Gründe und gute Erfahrungen
damit gemacht. Diese dualen Studierenden neh-
men konkrete Probleme aus dem Unternehmen
mit ins Studium, Probleme, die jetzt gelöst werden
sollen. Sie bearbeiten sie und speisen die Lösun-
gen wieder in das Unternehmen ein. Das haben die
Unternehmen zu schätzen gelernt. Deswegen sind
sie bereit, in diese Personen zusätzlich Geld zu
investieren. Damit ist zugleich ein Zentrum für
Kooperation entstanden. Man betreut jeden Stu-
dierenden gemeinsam. Genauso, wie die Pro-
fessoren in das Unternehmen fahren für diese
Betreuung, laden sie auch die Betreuer aus den
Unternehmen ein, wenn z.B. die Abschlussarbeit
verteidigt wird. Es gibt an dieser Stelle ganz viele
Möglichkeiten und manchmal entwickelt sich et-
was, das auf die Studierenden gerichtet war, zu
einer viel umfassenderen Kooperation.
Dr.-Ing. Ralf Steiner
Kanzler,
Westsächsische Hochschule Zwickau
Wir haben über viele Probleme gesprochen, wir
sollten vielleicht auch mal anreißen, was sehr
gut läuft in Bezug auf Kooperationen mit der
Wirtschaft und dem Transfer. Ich will auf das
zentrale Innovationsprogramm Mittelstand ver-
weisen. Das sind immer Kooperationsprojekte
zwischen den Hochschulen und der Industrie.
Gefördert werden aber im Wesentlichen die
Unternehmen. Hier ist die Westsächsische Hoch-
schule im bundesweiten Schnitt auf Platz drei.
Das sind Dinge, wo es immer darum geht, inno-
vative Produkte, Verfahren und Dienstleis-
tungen zu erbringen – das ist also der gelebte
Transfer.
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Sie haben die Ausgangslage ja geschildert. Die
Unternehmen haben häufig eine konkrete Pro-
blemstellung und dann wollen sie jemanden
Dr.-Ing. Ralf Steiner

| 71
finden, der ihnen bei der Problemlösung hilft.
Sie sagen mit Recht, das kann nicht immer an
den Personen hängen. Das funktioniert nicht
mehr, wenn diese weg sind. Vielleicht bieten
Neue Medien ja eine Lösung. Über die richtigen
Stichworte könnte ich ggf. einen Ansprechpart-
ner/eine Hochschule finden, der/die bereit wäre,
mir zu helfen. Ich weiß nicht, ob man das reali-
sieren kann, aber aus Unternehmenssicht wäre
das sicher gut.
Prof. Dr. Tobias Zschunke
Prorektor Forschung,
Hochschule Zittau/Görlitz
Der Mitarbeiter, der das flexibel und schnell
leisten könnte, ist normalerweise projektfinan-
ziert und muss die Aufgaben des Projektes unter
Überwachung des Fördermittelgebers erfüllen.
Er kann die Zusatzaufgabe möglicherweise nur
in der Freizeit oder über komplizierte Konstruk-
tionen erledigen. Zur Frage vorhin: Müssen noch
Strukturen geschaffen werden, die die Deckung
von Grundlast ermöglichen? Da müssen wir etwas
machen, da müssen wir weiterkommen!
Martin Reichel
Geschäftsführer der
Bayerischen Forschungsallianz GmbH
Das eine ist immer die technische Lösung. Ich
schaffe Datenbanken, die dann jedoch auch
gepflegt werden müssen. Dann stellt sich meist
die Frage der Datenqualität und wie mit diesen
Daten weitergearbeitet werden kann. Das wird
seit vielen Jahren diskutiert und unzählige Da-
tenbanken wurden implementiert; die perfekte
Lösung dafür gibt es bislang nicht. Auch große
Konzerne, allen voran sicherlich Google, arbeiten
daran, Suchergebnisse zu optimieren und intel-
ligente
Suchalgorithmen zu entwickeln. Das ist
ein großes Thema. Ein ganz wichtiges Thema ist
aber auch die Wissenschaftskommunikation oder
überhaupt Kommunikation. Wichtig ist, zielge-
richtet zu kommunizieren, was eine Einrichtung
macht und in welchen Bereichen sie besonders
gut aufgestellt ist. Das so zu kommunizieren, dass
es auch jemand ohne spezifisches Fachwissen
versteht, ist wichtig. Denn derjenige auf der
Industrieseite oder auch auf Seite eines Förder-
mittelgebers muss mit diesen Informationen
arbeiten. Das Thema Kommunikation wird oft
unterschätzt. Das erleben wir jetzt auch in euro-
päischen Projekten. Die EU-Kommission legt aber
extremen Wert drauf, dass über die Projekter-
gebnisse, über die Teilschritte, aber auch über
das Endergebnis, so kommuniziert wird, dass es
auch jemand, der nicht aus dem Fachbereich
kommt, verstehen kann. Ich glaube, das ist auch
ein entscheidender Faktor, der bei einer techni-
schen Lösung nicht vergessen werden darf. Man
muss die Informationen in geeigneter Form me-
dial aufbereiten.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Die Freiheit der Wissenschaft ist ein wichtiges
Thema. Ich muss ehrlich sagen, mir ist unwohl
bei dem Gedanken an Drittmittelforschung in
dieser Größenordnung, die vor allem durch Pro-
bleme der Wirtschaft getrieben ist. Wo bleibt
da die Freiheit der Forschung an den HAW?
Diese Frage ist sicherlich zugespitzt. Die DFG hat
im vergangenen Jahr zwei Milliarden Euro For-
schungsmittel zur Verfügung stellt. Die HAW haben
davon zehn Millionen Euro erhalten. Es gab eine
Anhörung im Bundestag, bei der ein Professor

image
72 |
der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg aus meiner
Sicht gute Empfehlungen gegeben hat. Eine
Empfehlung war, ob wir nicht etwas wie eine
deutsche Transfergemeinschaft brauchen, also
ein Pendant zur DFG, die sich darauf konzent-
riert, gute technologische Entwicklungen, die
nicht sofort von der Wirtschaft nachgefragt
werden, aber die gerade in HAW entstehen, zu
fördern. Die Frage ist: Brauchen wir mehr an
Forschungsmitteln für die Transferforschung,
die den HAW auch zugutekommt – analog zu dem,
was die DFG in der Grundlagenforschung macht?
Das möchte ich in den Raum stellen. ZIM ist ein
Projekt, das mit einem wirtschaftlichen Unter-
nehmen gemeinsam auf den Weg gebracht wird.
Auch dort brauchen wir zwingend den wirtschaft-
lichen Partner, um eine Innovation voranzutreiben.
Prof. Dr. Gesine Grande
Rektorin der Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Erstens: Vielleicht haben wir darüber wenig ge-
sprochen, aber ich denke, dass die reinen wirt-
schaftlichen Drittmittel an den HAW nach wie vor
nur einen Bruchteil aller Drittmittel ausmachen.
Ich denke, ich kann das für alle sächsischen HAW
sagen, dass wir uns intensiv bemühen, in den
öffentlichen Forschungsschwerpunkten auch er-
folgreich aktiv zu sein; dass diese Fördermittel
30 bis 50 Prozent unserer Drittmittel ausmachen.
Da kommen wir zur zweiten Frage: Wir müssen
über spezifische Forschungsförderung, die pass-
fähig für das Profil der HAW ist, reden. Da müs-
sen wir sicher auch über die Ausweitung der
BMBF-Projektförderung reden. Es gibt eine Stel-
lungnahme der Hochschulrektorenkonferenz, in
der gefordert wird, die HAW-spezifischen Mit-
tel jährlich um 20 Millionen Euro aufzustocken
und damit wirklich eine Wachstumsdynamik zu
erhalten.
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat sich
ja vehement geweigert, einen Bereich angewand-
te Forschung aufzunehmen. Herr Strohmeier sagt
immer, es gibt keine angewandte, keine Grund-
lagenforschung, sondern nur gute Forschung.
Wir dürften uns da ja bewerben. Das Ergebnis
sieht man. Tatsächlich begrüßen viele andere eine
solche deutsche Transfergesellschaft. Wenn sie
wirksam sein soll, dann muss diese massiv mit
Mitteln ausgestattet sein. Natürlich darf man sich
dann auch nicht täuschen, werden die Univer-
sitäten sich genauso bewerben wie die Hoch-
schulen für Angewandte Wissenschaften. Ob wir
damit das Problem insgesamt lösen, weiß ich
nicht. Ich glaube, in einem ersten Schritt wäre es
politisch extrem wichtig, die Bundesmittel beim
Bundesministerium für Bildung und Forschung
erheblich aufzustocken. Wir haben inzwischen
eine solche Überzeichnung, dass selbst Projekte,
die 97 von 100 Punkten in der Bewertung erhal-
ten, keine Förderung mehr erhalten. Sie sagen
zu Recht, man muss nur mehr Anträge schrei-
ben, dann kommt mehr raus. Aber jeder Antrag,
der geschrieben wird, der kostet massive Perso-
nalressourcen, und gerade die haben wir nicht.
Dr. Eva-Maria Stange

| 73
Prof. Dr. Ludwig Hilmer
Rektor der Hochschule Mittweida
Zum Komplex Forschung: Es ist skandalös, was
wir vom Gesamtaufkommen bekommen. Das ist
im Promillebereich, da wird man nicht betrun-
ken von dem, was wir an Bundesmitteln erhalten.
Ich möchte auf ein Instrument hinweisen, das
geradezu ideal ist. Es ist ein sächsisches Mittel,
das uns das SMWK zur Verbesserung der For-
schungs- und Drittmittelfähigkeit seit zwei Jah-
ren gibt. Es ist nahezu ein ideales Instrument,
weil wir es in unserer Gemeinschaft von fünf HAW,
mit unterschiedlichen Strukturen und Traditionen,
individuell einsetzen können. Es schlägt fast alle
Themen an, die wir besprochen haben. Beispiel
Transfer: der Transferassistent, der aus anderen
Quellen kommt und der früher den Eigenanteil an
den Hochschulen benötigte, den wir nicht hatten.
Das heißt, man kann das sofort verdoppeln. Diese
Transferassistenten sind sehr hilfreich. Sie machen
aus einer flüchtigen Bekanntschaft eine Bezie-
hung. Genauso ist es bei Europa. ZEUSS ist sehr
gut, aber wir müssen es in den Häusern verankern.
Auch dafür kann man das Geld nehmen. Eine Aus-
stattung der Mittel zur Verbesserung der For-
schungs- und Drittmittelfähigkeit in einer nach-
haltigen Form, in der die 500.000 Euro auf zwei
Millionen Euro angehoben werden, das wäre das
ideale Instrument. Dann bräuchten wir nicht mehr
diskutieren. Wenn Sie Bilanz ziehen, dann werden
Sie sehen, da haben wir Probleme, die wir heute
angesprochen haben, individuell sächsisch gelöst.
Prof. Dr. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule
für Technik und Wirtschaft Dresden
Wie ist das mit Unabhängigkeit und vielleicht
auch mit dem Vorlauf? Aus meiner Erfahrung
kann ich sagen: Natürlich muss man immer
wieder einen eigenen Vorlauf organisieren, sonst
ist man im Gleichstand. Da helfen die Projekte,
die etwas längerfristig sind, also typischerweise
3-Jahres-Projekte, unabhängig davon, mit wem.
Man hat dort immer die Möglichkeit, ein Stück
Grundlagen abzuzweigen, insbesondere, wenn
man einen Doktoranden hat, der gezwungen
ist, etwas Neues zu machen.
Eine andere Sache, die wir nicht vergessen dürfen,
ist das Forschungsfreisemester. Das können wir
kaum gewähren, weil wir die Ressourcen nicht
haben. Aber das ist sozusagen die Regenerations-
phase der Hochschullehrer, wo sie sich neuen
Themen widmen können. Da wäre natürlich auch
Bedarf.
Prof. Dr. Friedrich Albrecht
Rektor der Hochschule Zittau/Görlitz
Ich möchte unterstützen, was die Staatsminis-
terin gesagt hat. Die Transfergesellschaft kann
eine echte Alternative für unser Anliegen sein.
Der Anteil an DFG-Mitteln bei Fachhochschulen
liegt bei einem Prozent. Das wird sich auch
weiter nicht verändern, weil die Förderstrukturen
so unterschiedlich sind. Man könnte sagen, dass
sich die HAW mehr um Anträge der Deutschen
Forschungsgemeinschaft kümmern könnten, aber
Fakt ist: Das ist nicht passgenau. Wenn man
Mittel für Transfer über eine Gesellschaft bereit-
stellen würde, dann würden wir deutlich besser
partizipieren. Es wäre dann in der Tat auch ein
ausgewogenes Verhältnis – aus meiner Sicht.
Ich weiß nicht, ob das bei den Anträgen zur
innovativen Hochschule schon gesagt wurde.
Da gab es derart viele Anträge mit so viel Po-
tential, welches gar nicht abgerufen werden
kann, weil der Fördertopf viel zu klein ist.

image
74 |
Dr. Ronald Werner
Leiter der Abteilung
Hochschulen im SMWK
Wir haben schon viel über das Thema Nach-
wuchsgewinnung gesprochen und was der Wis-
senschaftsrat an Empfehlungen verabschiedet
hat. Dabei gibt es Elemente, die darauf zielen,
dass zwischen Wirtschaft/Unternehmen und den
Hochschulen für Angewandte Wissenschaften ein
enges Zusammenwirken stattfindet. Ich nenne die
Stichworte »Tandem-Programm«, »Teilzeitpro-
fessur«. Hier geht es darum, dass jemand, der
für einen gewissen Zeitumfang im Unterneh-
men verbleibt, gleichzeitig an der Hochschule als
Dozent tätig ist – oder eben eine gemeinsame
Professur, sprich dass sich das Unternehmen
und Hochschule auf ein gemeinsames Verfahren
verständigen. Mich würde interessieren – da wir
ja in der nächsten Zeit als Bund und Länder ge-
meinsam in die Debatte eintreten –, wie solche
Instrumente gestaltet werden können und wie
ein Bund-Länder-Programm aussehen kann. Wie
ist die Sicht der Wirtschaft auf solche Modelle?
Frau Behrenbeck hatte von einer Win-win-Situ-
ation gesprochen. An die Parteien der Wirt-
schaft gerichtet: Wie sehen Sie solche Modelle?
Ist das für Sie etwas, das realistisch umsetzbar
ist? Was gibt es für Gesichtspunkte aus Ihrem
Blickwinkel, die für die weitere Debatte von In-
teresse sind?
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung beim Verband
Deutscher Maschinen- und Anlagenbau
Ich sehe keine Alternative zu Kooperationsmo-
dellen. Sie brauchen enge Beziehungen unter-
einander, damit sich jemand bereit erklärt, aus
Martin Reichel (links) mit Wilfried Rosenberg im Gespräch

image
| 75
der Wirtschaft in die Hochschule zu wechseln.
Alles, was Kooperation fördert – das können
Teilzeitmodelle sein oder andere Dinge, die je-
manden in den Bereich der Hochschule hinein-
ziehen –, ist dazu geeignet. Bei dem Erfolg
spielen viele Faktoren eine Rolle. Letztlich ist
das eine persönliche Entscheidung, wenn je-
mand seinen Job in der Wirtschaft aufgibt und
sich lieber für Freiheit in der Forschung ent-
scheidet. Ein Stellenangebot allein wird sicher
kaum jemanden dazu bewegen.
Wilfried Rosenberg
Leiter Kreisverband, Bundesverband
mittelständische Wirtschaft
Die Frage ist natürlich: Wie weit treibt die Wirt-
schaft so etwas voran? Ich denke, das Thema
steuerliche Forschungsförderung wäre ein Im-
puls von Seiten der Unternehmen, zu sagen: Da
können wir uns mehr engagieren. Ich habe da
auch nichts weiter hinzuzufügen, außer der Tat-
sache, dass wir immer zu allgemein über Wirt-
schaft reden. Ich schaue auf die kleinen, mittel-
ständischen Unternehmen. Das müsste noch mal
stärker fokussiert werden.
Dr. Eva-Maria Stange
Sächsische Staatsministerin
für Wissenschaft und Kunst
Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich an
der Diskussion so intensiv beteiligt haben. Für
mich ist heute eine Reihe von neuen Anregun-
gen hinzu gekommen. Wir sind in einer span-
nenden Zeit, nämlich vor den Verhandlungen
der Umsetzung des Artikels 91b. Auf der einen
Seite müssen dem Land die HAW etwas wert
sein. Hier wird schon viel geleistet. Andererseits
wollen wir auch den Bund nicht aus der Verant-
wortung entlassen. Daher ist mir wichtig, dass
wir auch mit Unterstützung des Bundes nach-
haltig in die Infrastruktur der HAW investieren
und uns nicht nur um die Exzellenzinitiative für
die Universitäten kümmern, in die gerade sehr
viel Geld investiert wird. Wir müssen auch die
Fachhochschulen angemessen unterstützen. Ich
habe sehr wohl wahrgenommen, was die HAW an
Investitionen erwarten. Ich kann das alles nach-
vollziehen, versprechen kann ich nichts. Aber ich
denke, dass wir ein gewisses Umsteuern brauchen.
Wir brauchen keine massive Ausdehnung der
Lehraufträge. Das versuchen wir an den Kunst-
hochschulen einzudämmen. Aber wir brauchen
so etwas wie einen Mittelbau neben den Pro-
fessorinnen und Professoren. Das muss nicht
unbedingt einmal teurer sein. Wir brauchen die
zeitlichen Ressourcen für die Professorinnen
und Professoren, insbesondere da, wo wir profil-
bildende Bereiche haben und damit auch heraus-
ragende Wissenschaftler. Für sie müssen wir
Forschungsfreiheit gewährleisten, das heißt
auch, Absenkungen des Lehrdeputats und einen
stabilen Mittelbau zu ermöglichen.
Die Erwartungshaltung an die Hochschulen, be-
sonders an die HAW, der Wirtschaft unter die
Dr. Jörg Friedrich

76 |
Arme zu greifen, ist hoch. In Sachsen haben wir
einen anderen Mittelstand als in Bayern, zum
Teil sehr kleine Betriebe. Daher möchte ich kurz
auf die Frage, was die steuerliche Abzugsfähig-
keit anbelangt, eingehen: Wir haben das hier im
Freistaat mehrfach diskutiert und die Frage ist
in der Koalition nicht strittig. Sie ist nur momen-
tan mit dem Bundesfinanzminister nicht durch-
setzbar. Ob die Frage der Steuer aber tatsächlich
ein Anreiz für unsere kleinen und mittelständi-
schen Unternehmen ist, sich verstärkt in For-
schung zu engagieren, bleibt offen. Dieses Anreiz-
instrument ist eher für große Unternehmen ein
Instrument. Hier, da muss man dem Bundesfi-
nanzminister Recht geben, kann es eher zu Mit-
nahmeeffekten kommen. Jene, die ohnehin schon
in Forschung investieren, erhalten dann steuer-
liche Vergünstigungen.
Insgesamt freue ich mich auf die für den Herbst
angekündigten Anregungen im Grundsatzpa-
pier zur Zukunft der HAW. Für uns ist bei den
Verhandlungen zwischen Bund und Ländern klar:
Wir wollen eine nachhaltige Absicherung der
Mittel, die wir bisher für den Hochschulpakt
erhalten haben. Es geht um etwa fünf Milliar-
den Euro. Wenn es gelingt, dieses Geld für die
Hochschulen insgesamt in den nächsten Jahren
zu sichern und nachhaltig in die Hochschulfi-
nanzierung zu geben, dann können wir auch
nachweisen, dass das gut angelegtes Geld auch
bei der Entwicklung der Hochschulen für Ange-
wandte Wissenschaften ist.
Wir werden Ihre Anregungen gründlich prüfen
und wollen die weitere Entwicklung mit Ihnen
gemeinsam auf den Weg bringen. Ich wünsche
mir, dass sich die HAW weiterhin so erfolgreich
entwickeln. Die Arbeit der HAW untereinander,
aber auch mit dem Ministerium, läuft sehr kon-
struktiv, denn wir haben ein gemeinsames Ziel.
Wir schätzen die Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften genauso wie unsere starken
Universitäten. Und wir wollen ihnen auch helfen,
ihre Potentiale auszuspielen.
Die Diskussion ist gerade jetzt richtig. Wir sind
im Generationswechsel, wir verlieren eine Ge-
neration von Hochschullehrern. Das sind die,
die oft aus einem universitären Status kamen.
Sie durften damals selbst ihre Promotionen
begleiten und haben starke Forschung betrie-
ben. Diese verlieren wir jetzt und wir brauchen
mindestens genauso gute Hochschullehrer und
Hochschullehrerinnen, die genau mit diesem
Ansatz, nicht nur Lehre, sondern auch gute For-
schung zu machen, in unseren HAW arbeiten.
Daher brauchen wir jetzt auch viele der Instru-
mente, über die wir heute besprochen haben,
um das zu schaffen.

image
| 77

Hochschulen für Angewandte
Wissenschaften kennen ihre
Stärken und wollen keine kleinen
Unis sein
Fachtagung – Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften in Sachsen
Fazit

| 79
Das Selbstvertrauen der fünf Hochschulen für
Angewandte Wissenschaften in Sachsen ist
groß. Tatsächlich kommt ihnen im sächsischen
Hochschulsystem eine besondere und weitere
wachsende Bedeutung zu. Sie bilden akade-
misch und zugleich anwendungsbezogen die
Fach- und Führungskräfte aus, die nicht nur die
kleinen und mittelständischen Unternehmen,
sondern auch die öffentliche Hand sowie soziale
Einrichtungen für ihre tägliche Praxis benötigen.
Zunehmend ziehen sie Studierende aus dem
gesamten Bundesgebiet und dem Ausland an.
Mit der Gewissheit, mit anerkannten Leistungen
als Partner und Motor der Regionen zu wirken,
formulieren sie voll Selbstvertrauen und eigen-
ständig ihre Gleichwertigkeit im Verhältnis zu den
Universitäten. Sie sehen sich als deren Partner,
ebenso wie zur Berufsakademie Sachsen.
Die Ansprüche der Gesellschaft an diese Hoch-
schulart wachsen. Dies verlangt zusätzliche
wissenschaftliche Mitarbeiter, zunehmende For-
schung, Wissenstransfer in die Regionen an
den Hochschulen selbst.
Wie das gelingen kann, welche Rolle bundes-
weit und generell den HAW zukommt, wie sich
die sächsischen Einrichtungen positionieren
und was zentralen Herausforderungen sind und
wie sie angegangen werden sollten, darüber
diskutierten Rektoren, Institutsleiter, Studie-
rende, Unternehmer, Verbandsvertreter und
Abgeordnete auf Einladung von Staatsministerin
Dr. Eva-Maria Stange im Wissenschaftsminis-
terium.
Sehr klar wurde dabei, dass die HAW keine
»kleinen« Universitäten oder keine Uni »light«
sind und dies auch nicht werden wollen. Weil
sie prinzipiell nichts »Kleines« sein wollen. Die
Beteiligten wissen, dass sie etwas ganz Eigenes,
Besonderes sind, Spezialisten für besondere
Bildungsbiografien. In Lehre und Forschung
unabhängig, bedienen sie in enger Kommunika-
tion mit der Praxis einen Bedarf an akademi-
scher Bildung und Forschung, den sonst keine
andere Bildungsstätte stillt. Sie sind in dem,
was sie tun, stark und einzigartig, zumal sie als
forschende Dienstleister in Sachsen sogar eine
Ersatzfunktion für die oft fehlenden Forschungs-
abteilungen der kleinen und mittelständischen
U
n t
er
n
eh
m
en
e
i
n
n
eh
m
en
.
Schon traditionell sind die sächsischen HAW
besser aufgestellt und damit auch attraktiver,
als die in den westlichen Bundesländern. Die Be-
treuungsrelation ist günstiger. Während sich im
Bundesdurchschnitt ein Professor um 45 Stu-
dierende zu kümmern hat, sind es im Freistaat
35 Studierende. Mit 3 200 bis 7 000 Studieren-
den pro HAW sind sie überschaubarer, so dass
niemand so schnell verloren geht. Zugleich be-
weglicher können sie in Wechselwirkung rasch
Impulse aus der Praxis in die Lehre und For-
schung integrieren. Die Drittmitteleinnahmen
aus der EU, vom Bund, nicht unerheblich auch
gefördert aus dem Landeshaushalt, aber auch
aus der Wirtschaft liegen an einzelnen HAW
bereits bei über 10 Millionen Euro pro Jahr und
sind, bezogen auf eine Professur, damit doppelt
so hoch wie im Bundesschnitt. Das Primat in
der Lehre bleibt bestehen. Wegen ihrer Leistun-
gen ist der Freistaat bereit, die HAW in ihrem
Bestand abzusichern und in ihrem Ausbau und
ihrer Entwicklung weiter zu fördern.
Obwohl sich die Zahl der eigenen Hochschulzu-
gangsberechtigten im Freistaat bis 2010 hal-
biert hatte, konnten die Studierendenzahlen durch
die Gewinnung von ausländischen Studenten und
aus den westlichen Bundesländern auf dem
hohen Niveau von 2005 gehalten werden. Auch

80 |
bis 2025 soll dieses Niveau gehalten werden.
Das kann aber nur gelingen, wenn die Fach-
hochschulen sich auch weiter profilieren. Dazu
formulierte die Tagung wichtige Bedarfe und
Forderungen, die alle drei Aufgaben Lehre, For-
schung und Transfer betreffen. Prioritäten wur-
den dabei nicht festgelegt, weil die Entwicklung
aller drei Bereiche essentiell ist.
Der Generationswechsel bei den Professorinnen
und Professoren vollzieht sich auch an den
HAW. Um die potentiellen Kandidaten konkur-
rieren die Hochschulen mit Wirtschaftsunter-
nehmen, die sich auch um die raren Fachkräfte
etwa in den Ingenieurwissenschaften bemühen
und oft die attraktiveren Beschäftigungsverhält-
nisse bieten können. So führen demographische
Effekte und die gute wirtschaftliche Lage zu
Engpässen bei der Nach- oder Neubesetzung
von Professuren. In einzelnen neuen Bereichen
wie z. B. den Gesundheitsfachberufen oder der
Pflege gibt es noch unzureichend qualifiziertes
wissenschaftliches Personal. Auch deshalb for-
dern die Fachhochschulen Hilfe beim Aufbau
eines akademischen Mittelbaus. Damit kann der
zukünftige Professorennachwuchs selbst aus-
gebildet werden.
Außerdem sollen sogenannte Schwerpunktpro-
fessuren für bestimmte Fachgebiete eingerichtet
und die Kapazitäten für unterstützende wissen-
schaftliche Mitarbeiter geschaffen werden. Zu-
sätzliches lehr- und forschungsunterstützendes
Personal sollte die Professorinnen und Profes-
soren entlasten. Gemeinsam wird mit dem Bund
über Programme zur Personalgewinnung bera-
ten, um die Attraktivität von HAW-Professuren
zu steigern und den unabdingbaren beruflichen
Praxisvorlauf vor einer Berufung an die Hoch-
schule abzusichern.
Mehr Flexibilität und neue Möglichkeiten der
Personalentwicklung werden gefordert, um sich
einen Mittelbau selbst entwickeln und damit eine
attraktive berufliche Perspektive an den Hoch-
schulen anbieten zu können. Dafür sei eine Ent-
wicklung der Infrastruktur für den wissenschaft-
lichen Nachwuchs in Form von Graduiertenzentren
und mehr kooperativer Promotionen mit Univer-
sitäten unablässig. Gleiches gilt für eine flexiblere
Ausgestaltung der Professuren. Forschungs-
starke Bereiche sollen dabei gefördert werden.
Tandem-Programme, Teilzeitprofessuren und
ge meinsame Berufungen könnten mögliche
Wege aufzeigen.
Attraktivere Beschäftigungsverhältnisse könnten
dabei helfen, Experten aus der Wirtschaft zu ei-
nem Wechsel an eine Hochschule für An gewandte
Wissenschaften zu bewegen. Perspektiven und
Entwicklungsmöglichkeiten für Nachwuchswis-
senschaftler sind ausbaufähig. Unbefristete Ar-
beitsverhältnisse sollten für dauerhafte Aufgaben
geschaffen werden. Be fris tungen sind in ihrer
Dauer für Dritt mit tel projekte verbindlicher zu
gestalten, Qualifizierungsstellen sind mit Ver-
einbarungen zu verknüpfen.
Die Digitalisierung von Lehre und Forschung stellt
auch an die Hochschulen für Angewandte Wis-
senschaften neue Herausforderungen, bei deren
Bewältigung sie sich Unterstützung wünschen.
Um stärker in ihre Regionen wirken und den
Transfer von Forschungsleistungen und weiteren
Kompetenzen in Wirtschaft und Gesellschaft
ausbauen zu können, wurde auf der Fachtagung
mehrfach gefordert, dies mit einer Kooperations-
plattform oder einer Transfergesellschaft zu
unterstützen. So könnte die Wirkung bestehen-
der Netzwerke und Kooperationen der HAW in

| 81
den Regionen verstärkt werden. Positiv aufge-
nommen wurde die Gründung der Zentralen
EU-Serviceeinrichtung Sachsen ZEUSS im
SMWK. Diese unterstützt die Hochschulen bei
der erfolgreichen Einwerbung von EU-Förder-
mitteln aus Horizon 2020. Ihre Verankerung in
den Hochschulen muss noch geleistet werden.
Dass alle geforderten strukturellen und strate-
gischen Notwendigkeiten teuer sind, wissen die
Beteiligten. Dennoch oder gerade deswegen
wurde auch über Geld geredet, so über die Stär-
kung der Grundfinanzierung der Hochschulen.
Nur dies schaffe die nötige Nachhaltigkeit und
Flexibilität für die Personalgewinnung und den
Ausbau der Forschung. Projektfinanzierung auch
über eine lange Dauer sei selten nachhaltig. Ver-
stetigt werden müsse auch die Unterstützung aus
Hochschulpaktmitteln des Bundes nach 2020, dem
offiziellen Ende dieses Programms von Bund und
Ländern. Staatsministerin Dr. Eva-Maria Stange
verwies auf die laufenden Verhandlungen zwi-
schen Bund und Ländern.
Der geänderte Grundgesetzartikel 91b macht eine
Beteiligung des Bundes an der Finanzierung der
Hochschulen auch dauerhaft möglich. Dies wäre
eine wichtige Ergänzung zur Forschungsförde-
rung über die Exzellenzstrategie für die Univer-
sitäten und würde auch die HAW mit ihrem
Auftrag als wichtige Innovationsmotoren in ihren
Regionen für Wirtschaft und Gesellschaft stärken.

Teilnehmer
Fachtagung – Zukunft der Hochschulen
für Angewandte Wissenschaften in Sachsen

| 83
Name
Funktion
Einrichtung
Kai Ahlborn
Referent
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Prof. Dr.
Friedrich Albrecht
Rektor
Hochschule Zittau/Görlitz
Prof. Dr.
Gundolf Baier
Prorektor für Bildung
Westsächsische
Hochschule Zwickau
Sylvia Bäßler
Kanzlerin
Hochschule Mittweida
Dr. Sabine
Behrenbeck
Leiterin der Abteilung
Tertiäre Bildung
Wissenschaftsrat
Birgit Benz
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Helene Betuch
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Prof. Dr.
Holger Brandes
Rektor
Evangelische Hochschule Dresden
Prof. Dr.
Kerry-U. Brauer
Direktorin
Berufsakademie Sachsen –
Studienakademie Leipzig
Franziska Brech
Referatsleiterin
Sächsische Staatskanzlei
Prof. Dr.
Christian Busch
Prorektor für Forschung
Westsächsische
Hochschule Zwickau
Prof. Dr.
Hui-fang Chiao
Prorektorin für Internationales
Westsächsische
Hochschule Zwickau
Michael Döring
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Gerald Eisenblätter
Referent
SPD-Fraktion im
Sächsischen Landtag
Romy Fach
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Aline Fiedler
MdL
CDU-Fraktion im
Sächsischen Landtag

84 |
Name
Funktion
Einrichtung
Dr. Jörg Friedrich
Abteilungsleiter Bildung
Verband Deutscher
Maschinen- und Anlagenbau
Prof. Dr.
Marlies W. Fröse
Prorektorin
Evangelische Hochschule Dresden
Uwe Gaul
Staatssekretär
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Prof. Dr.
Gesine Grande
Rektorin
Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Prof. Dr.-Ing. habil.
Andreas Hänsel
Direktor
Berufsakademie Sachsen –
Staatliche Studienakademie Dresden
Prof. Dr. Monika
Häußler-Sczepan
Prorektorin für Studium und
Qualitätssicherung
Hochschule Mittweida
Prof. Dr. Christa
Maria Heidger
Prorektorin Bildung und
Internationales
Hochschule Zittau/Görlitz
Prof. Dr. Swantje
Heischkel
Kanzlerin
Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Karl-Heinz Herfort
Hauptabteilungsleiter Berufsbildung
Handwerkskammer Dresden
Prof. Dr.
Ludwig Hilmer
Rektor
Hochschule Mittweida
Dr. Tobias D. Höhn
Moderator
Karin Hollstein
Kanzlerin
Hochschule Zittau/Görlitz
Gregor Hummel
Leiter der Geschäftsstelle
Hochschulrat Hochschule
Zittau/Görlitz
Hermann Jaekel
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Ulrike Jung
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Dr. Julia Köhler
Referentin
Hochschule Mittweida
Dr. Walter Kühme
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Martin Kühne
Referent
Sächsisches Staatsministerium für
Wissenschaft und Kunst

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Name
Funktion
Einrichtung
Dr. Ramona Kusche
Referentin
Hochschule Mittweida
Prof. Dr.
Andreas Leson
Leiter Geschäftsfeld PVD- und
Nanotechnik
Fraunhofer-Institut für Werkstoff-
und Strahltechnik IWS Dresden
Peter Lönnecke
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Dr. Claudia
Maicher
MdL
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
im Sächsischen Landtag
Holger Mann
MdL
SPD-Fraktion
im Sächsischen Landtag
Christoph Meier
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Beate Menke
Parlamentarische Beraterin
CDU-Fraktion
im Sächsischen Landtag
Magdalena Metzler
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Prof. Hans
Müller-Steinhagen
Rektor
Technische Universität Dresden
Christoph Neuberg
Geschäftsführer Industrie/Außen-
wirtschaft
IHK Chemnitz
Olivia Neumann
Referentin
Technische Universität Chemnitz
Christian Neumann
Vorstandsmitglied im Bildungswerk
der Sächsischen Wirtschaft e. V.
Vereinigung der
Sächsischen Wirtschaft e. V.
Monika Niehues
Kanzlerin
Hochschule für Technik und
Wirtschaft Dresden
Adelheid Noack
Mitarbeiterin
Fraktion DIE LINKE
im Sächsischen Landtag
Gordon Guido
Oswald
Geschäftsführer
Studentenrat
Hochschule Mittweida
Johannes Pförtner
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Gudrun Poppe
Sachbearbeiterin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst

86 |
Name
Funktion
Einrichtung
Prof. Dr.
Konrad Rafeld
Direktor
Berufsakademie Sachsen – Staat-
liche Studienakademie Glauchau
Martin Reichel
Geschäftsführer
Bayerische Forschungsallianz
GmbH
Dr. Philipp
Reichmann
Juristischer Geschäftsleiter
Universitätsklinikum Dresden
Wilfried Rosenberg
Leiter Kreisverband
Bundesverband
mittelständische Wirtschaft
Dipl-Ing.
Sabine Scholz
Forschungsmanagement
Hochschule Zittau/Görlitz
Dr. Marzena
Schöne
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wirtschaft und Arbeit
Dr. Eva-Maria
Stange
Staatsministerin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Dr.-Ing.
Ralf Steiner
Kanzler
Westsächsische Hochschule
Zwickau
Prof. Dr.
Roland Stenzel
Rektor
Hochschule für Technik und
Wirtschaft Dresden
Prof. Dr.
Gerhard Thiem
Prorektor für Forschung und
Entwicklung
Hochschule Mittweida
Dr. Ronald Werner
Abteilungsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Max Winkler
Mitglied im Studierendenrat
Hochschule für Technik,
Wirtschaft und Kultur Leipzig
Dr. Gretel
Wittenburg
Referentin
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Dr. Reinhard
Zimmermann
Referatsleiter
Sächsisches Staatsministerium
für Wissenschaft und Kunst
Prof. Dr. Tobias
Zschunke
Prorektor Forschung
Hochschule Zittau/Görlitz

image
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Wigardstraße 17, 01097 Dresden
www.smwk.sachsen.de
Redaktion:
Pressestelle Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
Redaktionsschluss:
Juli 2017
Gestaltung und Satz:
Ö GRAFIK agentur für marketing und design
Fotos:
Titel: Westsächsische Hochschule Zwickau, Stephan Floss;
Veranstaltungsdokumentation sowie Vorwort: Martin Förster
Druck:
Lößnitz-Druck GmbH
Auflage:
2.000
Bezug:
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