Rahmenhygieneplan
für ambulante Pflegedienste
erarbeitet vom:
Länder-Arbeitskreis
zur Erstellung von Hygieneplänen nach §§ 23 und 36 IfSG
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im RP Stuttgart
Gesundheitsamt im Bezirksamt Spandau von Berlin
Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg
Landesamt für Gesundheit und Soziales Mecklenburg-Vorpommern
Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen Sachsen
Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt
Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz
Autorenkollektiv:
aktuell:
Dr. Bertram Geisel, Baden-Württemberg; Dipl.-Med. Gudrun Widders, Berlin-Spandau; Antje Schmidt,
Brandenburg; Dr. Margret Seewald, Brandenburg; Dr. Rosmarie Poldrack, Mecklenburg-Vorpommern;
Dr. Axel Hofmann, Sachsen; Dr. Claudia Kohlstock, Sachsen-Anhalt; Dr. Bernhard Schicht, Sachsen-
Anhalt; Alexander Spengler, Thüringen
mit Unterstützung von Mitgliedern der Sektion „Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken- und
Altenpflege/Rehabilitation“ der DGKH
Stand: Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Der Landespflegeausschuss nimmt den Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegediens­
te zustimmend zur Kenntnis und empfiehlt die Anwendung in den Pflegediensten.
4. Dezember 2013
Landespflegeausschuss

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Inhaltsverzeichnis
1
Einleitung.............................................................................................................5
2
Risikobewertung, Hygienemanagement, Verantwortlichkeiten......................5
2.1
Risikobewertung ...................................................................................................5
2.2
Hygienemanagement............................................................................................5
2.3
Verantwortlichkeiten .............................................................................................6
2.3.1 Ansprechpartner des ambulanten Pflegedienstes, wichtige Telefonnummern,
Verantwortliche .....................................................................................................7
3
Hinweise für Pflegebedürftige und Angehörige zur Hygiene
im Wohnumfeld ...................................................................................................8
4
Basishygiene.....................................................................................................10
4.1
Reinigung, Desinfektion und Instrumentenaufbereitung.....................................10
4.1.1
Grundsätzliche Hinweise .................................................................................10
4.1.2
Händehygiene .................................................................................................10
4.1.3
Flächen/Gegenstände.....................................................................................11
4.1.4
Instrumentenaufbereitung/Sterilisation ............................................................12
4.2
Wäschehygiene und Bekleidung ........................................................................13
4.3
Umgang mit Lebensmitteln durch das Personal .................................................14
4.4
Abfallbeseitigung ................................................................................................15
4.5
Erste Hilfe ...........................................................................................................15
5
Spezielle Anforderungen nach Infektionsschutzgesetz ................................16
5.1
Belehrung von Personal, das Speisenzubereitung vornimmt .............................16
5.2
Vorgehen bei meldepflichtigen Erkrankungen ....................................................16
6
Anforderungen nach der Biostoffverordnung ................................................17
6.1
Gefährdungsbeurteilung .....................................................................................17
6.2
Arbeitsmedizinische Vorsorge ............................................................................18
6.2.1
Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung ...................................................18
6.2.2
Impfungen für die Beschäftigten......................................................................18
7
Sondermaßnahmen beim Auftreten bestimmter
Infektionskrankheiten/Parasitenbefall.............................................................19
7.1
Durchfallerkrankungen .......................................................................................19
7.2
Kopflausbefall .....................................................................................................19
7.3
Skabies (Krätze) .................................................................................................20
8
Hygiene bei speziellen Behandlungs- und Pflegemaßnahmen, Umgang mit
Medikamenten ...................................................................................................21
8.1
Behandlungsmaßnahmen...................................................................................21
8.2
Umgang mit Medikamenten ................................................................................24
8.3
Pflegemaßnahmen..............................................................................................24
3

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Anlagen:
Anlage 1 Hygienemaßnahmen beim Auftreten multiresistenter Krankheitserreger (MRE)
26
Anlage 2 Literaturverzeichnis
28
Anlage 3 Reinigungs- und Desinfektionsplan (Muster)
32
Anlage 4
Belehrung gemäß § 43 Abs. 1 IfSG: Gesundheitsinformationen für den Umgang
mit Lebensmitteln, schriftliche Erklärung
(ist bei Bedarf einzufügen.)
Hinweis:
Zur Vereinfachung und besseren Lesbarkeit wird im vorliegenden Rahmenhygieneplan darauf
verzichtet, bei jedem personenbezogenen Begriff jeweils die weibliche oder männliche Form
zu nennen. Selbstverständlich sind beide Geschlechter ausdrücklich gemeint.
4

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
1
Einleitung
Für viele pflegebedürftige Menschen ist erstrebenswert, Pflege und Betreuung in der
häuslichen Umgebung der eigenen bzw. der Wohnung von Angehörigen oder in Wohn­
gemeinschaften in Anspruch zu nehmen. Durch häusliche Krankenpflege kann für Be­
troffene zunächst ein Krankenhausaufenthalt verkürzt werden (sog.
Krankenhausver­
meidungspflege
). Durch entsprechende ambulante ärztliche Behandlung ist es möglich,
die bisherigen Therapiemaßnahmen weiter zu führen und deren Ergebnisse zu sichern
(sog.
Sicherungspflege
).
Um den zu Betreuenden eine ganzheitliche Pflege und Versorgung auf hohem Niveau
zukommen zu lassen, bedarf es ambulanter Pflegeunternehmen, die mit fachkompeten­
tem Personal in erforderlichem Umfang ausgestattet und organisatorisch in der Lage
sind, alle notwendigen Leistungen nach den allgemein anerkannten medizinisch-
pflegerischen Erkenntnissen bedarfsgerecht und wirtschaftlich zu erbringen. Gleichzeitig
muss den Bedürfnissen der zu Pflegenden nach weitestgehender Selbstbestimmung
sowie nach physischem und psychischem Wohlbefinden Rechnung getragen werden.
2
Risikobewertung, Hygienemanagement, Verantwortlichkeiten
2.1
Risikobewertung
Der Wandel im Gesundheitswesen hat dazu geführt, dass zunehmend medizinisch-
pflegerische Leistungen aus den Krankenhäusern in die stationäre oder ambulante Pfle­
ge verlagert werden.
Obwohl das Infektionsrisiko im Privathaushalt deutlich niedriger ist als in medizinischen
Einrichtungen, muss berücksichtigt werden, dass für ältere Menschen, für Personen mit
bestimmten Vorerkrankungen sowie mit vorliegender Abwehr- oder Immunschwäche
eine erhöhte Infektionsgefahr besteht. Zudem sind individuelle Besonderheiten wie inva­
sive Pflegemaßnahmen am Pflegebedürftigen sowie mögliche Infektionsquellen im häus­
lichen Umfeld zu berücksichtigen.
Ein zunehmendes Problem in der ambulanten Pflege sind außerdem Besiedlungen oder
Infektionen mit multiresistenten Krankheitserregern.
2.2
Hygienemanagement
Es ist notwendig, Infektionskrankheiten vorzubeugen und Infektionen rechtzeitig zu er­
kennen, um ihre Weiterverbreitung zu verhindern.
Deshalb sind in einem
Hygieneplan
innerbetriebliche Verfahrensweisen zur Infektions­
hygiene festzulegen.
Der vorliegende Rahmenhygieneplan gibt als Expertenkonsens ambulanten Pflegediens­
ten Empfehlungen für die Erarbeitung ihres spezifischen Hygieneplanes als
verbindli­
ches Instrument zur Einhaltung der Infektionshygiene
. Die aufgeführten Hygiene­
maßnahmen sind Beispielinhalte, die der konkreten Situation bzw. dem Spektrum der
durch den Pflegedienst zu Betreuenden angepasst werden müssen.
Zu berücksichtigen sind neben den fachlichen Empfehlungen der Kommission für Kranken­
haushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am Robert Koch-Institut (RKI) oder von
Fachgesellschaften auch Vorschriften des Arbeitsschutzes (TRBA 250), Vorgaben der Bun­
desländer (z.B. Abfallvorschriften) sowie andere fachliche Empfehlungen.
5

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
2.3
Verantwortlichkeiten
Der
Leiter des ambulanten Pflegedienstes
trägt die Verantwortung für die Sicherung
der hygienischen Erfordernisse und nimmt seine Verantwortung durch Anleitung und
Kontrolle der Mitarbeiter sowie durch Beratung und Aufklärung der Pflegebedürftigen
und deren Familienangehörigen wahr.
Zur Organisation und Überwachung des Hygienemanagements sollte der Leiter die Un­
terstützung durch einen fachkompetenten Hygienebeauftragten, vorzugsweise eine Pfle­
gefachkraft mit fachspezifischer Weiterbildung als Hygienebeauftragte in Pflegeeinrich­
tungen, in Anspruch nehmen.
Die Etablierung einer Hygienekommission oder eines anderen Gremiums, das sich mit den
Fragen der Infektionsprävention befasst, ist zu empfehlen.
Die Sicherung der personellen, materiell-technischen und räumlichen Voraussetzungen der
Einrichtung liegt in der Verantwortlichkeit des jeweiligen
Trägers/Leiters
des Unternehmens.
Der
Hygieneplan
ist unter Berücksichtigung der Infektionsrisiken individuell an die Erfordernis­
se des konkreten ambulanten Pflegedienstes anzupassen und in folgenden Schritten zu erar­
beiten:
Festlegungen von Überwachungsmaßnahmen (z.B. regelmäßige Kontrollen vor Ort)
Überprüfung des Hygieneplans auf Effizienz und Aktualität
Schulungen für alle Mitarbeiter zu hygienischen Grundsätzen, z.B. zu Standardhygie­
nemaßnahmen, zur Händedesinfektion, Aufbereitung von Medizinprodukten sowie zu spe­
ziellen Hygienefragen, wie zum Umgang mit Trägern multiresistenter Erreger, sind im Hy­
gieneplan festzulegen und zu dokumentieren (Aufstellen eines Schulungsplans)
Der Hygieneplan muss für alle Beschäftigten des ambulanten Pflegedienstes (Pflegefach-,
Pflegekräfte, angelernte Kräfte) in den Diensträumen der Einrichtung jederzeit zugänglich und
einsehbar sein.
Er ist jährlich hinsichtlich seiner Aktualität zu überprüfen und ggf. zu ändern. Das Prüf- bzw.
Änderungsdatum ist zu dokumentieren.
Die Beschäftigten werden mindestens einmal pro Jahr hinsichtlich der erforderlichen Hy­
gienemaßnahmen belehrt. Die
Belehrung
ist schriftlich zu dokumentieren.
Die Überwachung der Einhaltung der Hygienemaßnahmen soll regelmäßig sowie aus
aktuellem Anlass erfolgen. Die Ergebnisse werden schriftlich dokumentiert.
6

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
2.3.1 Ansprechpartner des ambulanten Pflegedienstes, wichtige Telefonnummern, Ver­
antwortliche
Ansprechpartner (Name, Funktion, Adresse, Telefon, E-Mail-Adresse)
Träger der Einrichtung:
Leiter der Einrichtung:
Hygienebeauftragter:
Wichtige Telefonnummern
Rettungsstelle (Notarzt)
Tel.: ___________
Gesundheitsamt
Tel.: ___________
Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsbehörde
Tel.: ___________
Giftnotrufzentrale
Tel.: ___________
Verantwortlichkeiten
Maßnahme
Verantwortlicher (Name)
Telefonnummer
Erstellung und Aktualisierung
des Hygieneplans
Erstellung und Kontrolle des
Reinigungs-und Desinfekti­
onsplans
Überwachung der Einhaltung
der Hygienemaßnahmen
Durchführung und Dokumen­
tation von Schulungen zu Hy­
gienethemen
Durchführung und Dokumen­
tation der Belehrungen nach
§§ 42/43 IfSG
Verantwortlich für die Erste
Hilfe
7

3
Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Hinweise für Pflegebedürftige und Angehörige zur Hygiene im Wohnumfeld
Eine wesentliche Voraussetzung zur Infektionsprävention im Privathaushalt ist die Ein­
haltung allgemeiner Hygieneregeln durch alle im Haushalt lebenden Personen, um mög­
liche Infektionsquellen im häuslichen Milieu auszuschließen. Dazu ist ein angemessenes
Hygieneverhalten notwendig, unabhängig davon, ob eine Beteiligung an der Pflege er­
folgt.
Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes bzw. der Hausarzt geben hierzu Hinweise
und Empfehlungen. Die Entscheidung über die durchzuführenden Maßnahmen liegt
beim Pflegebedürftigen bzw. dessen Angehörigen.
Folgende Schwerpunkte sind besonders zu beachten:
Gründliches Reinigen (Wasser + Haushaltsreiniger) insbesondere von Flächen und
Gegenständen, die am wahrscheinlichsten für eine Verbreitung von Infektionserre­
gern sind:
-
Feuchtbereiche, z.B.
Toilettenbecken, Waschbecken, Waschschüssel, Armaturen
-
häufig frequentierte Kontaktflächen, z.B.
Toilettensitze, Griffe und Türklinken
-
Lebensmittelkontaktflächen, z.B.
Arbeitsflächen in der Küche, Kühlschrankinnen­
flächen, Koch- und Essutensilien
-
Utensilien zur Nassreinigung, z.B.
Wasch- und Abwaschlappen, Wischlappen,
häufig wechseln und bei mindestens 60°C in der Maschine waschen.
Ein Einsatz von Desinfektionsmitteln ist nur in Ausnahmesituationen notwendig!
Verunreinigungen mit Blut, Stuhl, Urin oder Erbrochenem sind sofort zu beseitigen
und die betroffenen Flächen oder Materialien anschließend gründlich zu reinigen.
Blutverschmutzte Wäsche ist bei mehr als 60°C separat waschen.
Gegenstände des persönlichen Bedarfs, die mit Blut in Berührung gekommen sind
(Rasierer, Zahnbürsten, Nagelschere usw.), dürfen
nicht
gemeinsam benutzt wer­
den.
Träger/Ausscheider von Erregern
, die hauptsächlich fäkal-oral übertragen werden
(Salmonellen, Shigellen usw.), müssen auf sorgfältigste Händehygiene achten!
Aufgrund eines
höheren Infektionsrisikos für Neugeborene, betagte Menschen,
Schwangere und abwehr- oder immungeschwächte Menschen
ist besonders auf die
konsequente Einhaltung der routinemäßig durchzuführenden Hygienemaßnahmen zu
achten, wenn genannte Personen im Haushalt Kontakt haben.
Hinweise zur Händehygiene
Im Privathaushalt ist gründliches Händewaschen mit fließendem Wasser und Seife die
Voraussetzung zur Verhinderung von Infektionen:
vor Einnahme bzw. Verabreichung von Speisen und Medikamenten
vor dem Einsetzen von Kontaktlinsen oder Zahnprothesen
nach der Toilettenbenutzung
nach Kontakt mit Sekreten (Nasensekret, Speichel) oder Ausscheidungen (Erbro­
chenes, Stuhl, Urin)
nach Kontakt mit potenziell kontaminierten Reservoiren (z.B. Abflüsse in Küche oder
Sanitärbereich)
nach Kontakt mit Haustieren und deren Pflege
nach sichtbarer Verschmutzung der Hände
8

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Die Verwendung von Händedesinfektionsmitteln im Hausgebrauch ist nur in besonderen
Situationen und nicht routinemäßig notwendig (z.B. Betreuung eines Pflegebedürftigen
mit einer Infektion). Bei vorhersehbarem Kontakt mit Blut oder Ausscheidungen sollten
zur Vermeidung von Kontaminationen Einmalschutzhandschuhe getragen werden.
Umgang mit Lebensmitteln
Um lebensmittelbedingte Erkrankungen zu verhindern, müssen im Umgang mit Lebens­
mitteln die Hygieneregeln eingehalten werden, die eine ordnungsgemäße Zubereitung,
Lagerung und Verabreichung erfordern.
Folgendes ist zu berücksichtigen:
Händewaschung vor dem Umgang mit Lebensmitteln
Die Genusstauglichkeit des Lebensmittels (visuell und geruchlich) und das Haltbar­
keitsdatum sind zu prüfen.
Bei der Anlieferung von Speisen müssen die Transportbehälter sauber sein. Das
angelieferte Essen muss in einwandfreiem Zustand sein. Bei den angelieferten Spei­
sen sollen die geforderten Temperaturen (mindestens 65°C für warme und nicht über
15°C für kalte Speisen) eingehalten werden.
Längere Standzeiten sind bei warmen Speisen zu vermeiden (bei Warmhaltung der
Speisen maximal 2 Stunden).
Zu Speisen, die nicht mehr erhitzt werden, darf kein Rohei hinzu gegeben werden.
Tee sollte mehrmals täglich mit kochendem Wasser zubereitet werden (längere
Standzeiten >4 Stunden sind zu vermeiden).
9

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
4
Basishygiene
4.1
Reinigung, Desinfektion und Instrumentenaufbereitung
4.1.1 Grundsätzliche Hinweise
Eine gründliche und regelmäßige Desinfektion der Hände der Mitarbeiter sowie eine
gründliche Reinigung bzw. ggf. Desinfektion der vom Pflegedienst benutzten Flächen
und Gegenstände ist wesentliche Voraussetzung für einen guten Hygienestatus.
Der Einsatz von Desinfektionsmitteln erfolgt nach Abwägung einer Infektionsgefähr­
dung. Bei speziellen Handlungsabläufen (z.B. bei invasiven Maßnahmen), die eine
Desinfektion zwingend erfordern, sind entsprechende Festlegungen zu treffen.
Eine gezielte Desinfektion ist dort erforderlich, wo Kontaktmöglichkeiten zu Krank­
heitserregern sowie das Risiko der Weiterverbreitung bestehen (z.B. Verunreinigun­
gen mit Erbrochenem, Blut, Stuhl, Urin).
Eine effektive Desinfektion kann nur erreicht werden, wenn das geeignete Mittel in
der vorgeschriebenen Konzentration und Einwirkzeit verwendet wird.
Die Desinfektionsmittel sind nach dem Anwendungsgebiet aus der aktuellen Desin­
fektionsmittel-Liste des Verbundes für Angewandte Hygiene e.V. (VAH-Liste) mit der
entsprechenden Konzentration und Einwirkzeit auszuwählen (ggf. nach Rücksprache
mit dem Gesundheitsamt).
Die anzuwendenden
Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen
sind in einem
Reinigungs- und Desinfektionsplan aufzuführen, der gut sichtbar in der Dienststelle
ausgehängt wird. Er ist mindestens jährlich auf seine Aktualität zu überprüfen und
ggf. zu ändern. Das Prüf- bzw. Änderungsdatum ist zu dokumentieren.
Bei Auftreten
meldepflichtiger übertragbarer Krankheiten (Infektionskrankheiten)
oder bei begründetem Verdacht sind spezielle Maßnahmen erforderlich, die vom Ge­
sundheitsamt veranlasst oder mit diesem abgestimmt werden.
4.1.2 Händehygiene
Übertragungen von Infektionserregern (Kontaktinfektionen) erfolgen hauptsächlich
über die Hände. Konsequente
Händehygiene ist die wichtigste und wirksamste Maß­
nahme zur Infektionsverhütung
. Sie dient sowohl dem Schutz der Pflegebedürftigen
als auch dem Personalschutz.
Die Erfassung des Händedesinfektionsmittelverbrauches als Parameter für die Compli­
ance kann deshalb Bestandteil des Hygienemanagements sein.
Für den Hausbesuch sind vom Personal des ambulanten Pflegedienstes Händedesinfek­
tionsmittel, Flüssigseife und Einweghandtücher mitzuführen. Die Benutzung von Stück­
seife und textilen Gemeinschaftshandtüchern ist abzulehnen!
Bei vorhersehbarem Kontakt mit Blut oder Ausscheidungen sind
Einmalschutzhand­
schuhe
zu tragen.
Die Anforderungen an
das Händewaschen
die Händepflege
das Tragen von Einmalschutzhandschuhen
die hygienische Händedesinfektion (auch nach Ablegen benutzter Einmalhandschuhe)
sind im Hygieneplan auf der Grundlage der Empfehlungen der Kommission für Krankenhaus­
hygiene und Infektionsprävention (KRINKO) am RKI zur “Händehygiene” sowie der TRBA 250
festzulegen.
10

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Händewaschen
reduziert die Keimzahl auf den Händen, jedoch werden Übertragungs­
wege
nicht
wirksam unterbrochen. Die Händedesinfektion ist immer dem Waschen vor­
zuziehen und die Händewaschung auf das Nötigste zu beschränken.
Die
hygienische Händedesinfektion
dient der Abtötung von Infektionserregern.
Sie ist erforderlich:
vor Kontakt zum Pflegebedürftigen
vor aseptischen Tätigkeiten
vor dem Umgang mit Lebensmitteln
vor dem Verlassen der Wohnung
nach Kontakt mit potentiell infektiösen Materialien
nach Kontakt zum Pflegebedürftigen
nach Ablegen der Einmalschutzhandschuhe
nach Kontakt mit Oberflächen in unmittelbarer Umgebung des zu Pflegenden
nach dem Niesen und Husten
nach Tierkontakt
ggf. nach der Toilettenbenutzung
Durchführung der Händedesinfektion:
3 - 5 ml des Präparates werden in die trockenen Hände eingerieben, wobei Finger­
kuppen, Fingerzwischenräume, Daumen und Nagelfalze besonders zu berücksichti­
gen sind.
Während der vom Hersteller geforderten Einwirkzeit (in der Regel 30 sec.) müssen
die Hände vom Desinfektionsmittel feucht gehalten werden.
Die Präparate zur Händedesinfektion sollen in der Liste des Verbundes für Angewandte
Hygiene e.V. (VAH-Liste) gelistet sein. Bei der Pflege von Personen, die an einer virus­
bedingten Infektionskrankheit erkrankt sind (auch bei Verdacht), müssen Mittel ange­
wendet werden, deren Wirksamkeit belegt ist.
Sichtbare grobe Verschmutzungen
(z.B. durch Ausscheidungen) sind vor der Desin­
fektion mit Zellstoff oder einem desinfektionsmittelgetränkten Einmaltuch zu entfernen.
In Pflegezentralen ist außerdem eine hygienisch einwandfreie Ausstattung der Hand­
waschplätze nach TRBA 250 erforderlich mit:
fließendem warmen und kalten Wasser
möglichst handkontaktfrei bedienbarer Einhebelmischbatterie
Spender für Waschlotion und Desinfektionsmittel
Einmalhandtücher mit Spender und Abwurf
Hautschutz- und Hautpflegepräparaten.
4.1.3 Flächen/Gegenstände
Im Privathaushalt sind im Umfeld des Pflegebedürftigen Reinigungsmaßnahmen, vor­
zugsweise eine Feuchtreinigung, ausreichend.
Desinfektionsmaßnahmen sind besonderen Situationen (z.B. während der MRSA-
Sanierung) bzw. Anlässen vorbehalten (z.B. nach sichtbarer Kontamination oder Desin­
fektion nicht mehr benötigter Hilfsmittel/ Geräte wie Rollstühle, Pflegebetten, Inhalations­
geräte usw. vor der Rückgabe zur erneuten Nutzung). Die Flächendesinfektion ist als
Wischdesinfektion mit Mitteln, die VAH-gelistet sind, auszuführen (siehe auch: Empfeh­
11

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
lungen der KRINKO: „Anforderungen an die Hygiene bei der Reinigung und Desinfektion
von Flächen“).
Bei den Desinfektionsmaßnahmen ist Schutzkleidung zu tragen (Kittel/Schürze, Schutz­
handschuhe).
4.1.4 Instrumentenaufbereitung/Sterilisation
Sofern nicht grundsätzlich Einwegmaterial/-instrumente verwendet werden, ist eine
Aufbereitung erforderlich.
Die Aufbereitung von Instrumenten bzw. Medizinprodukten hat so zu erfolgen, dass eine
Weiterverbreitung bzw. Übertragung von obligat pathogenen und fakultativ pathogenen
Krankheitserregern sicher ausgeschlossen wird, wie es in der Empfehlung der KRINKO
„Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten“ entspre­
chend dem
Medizinproduktegesetz (MPG) und der Medizinprodukte-
Betreiberverordnung (MPBetreibV)
gefordert wird.
Benutzte Instrumente sind sicher in festen, durchstichsicheren, desinfizierbaren und ver­
schlossenen Transportbehältnissen zur Wiederaufbereitung zu transportieren.
Instrumentenaufbereitung und Sterilisation sind nur von
sachkundigem Personal
auszufüh­
ren. Wenn Instrumente aufbereitet werden müssen, sollte mindestens ein Mitarbeiter die
Sachkunde besitzen (Sachkundelehrgang zum „Erwerb der Sachkenntnis gemäß § 4 Abs. 3
MPBetreibV für die Instandhaltung von Medizinprodukten in der ärztlichen Praxis“).
Für alle aufzubereitenden Instrumente ist eine Risikoeinstufung vorzunehmen.
Benutzte Instrumente sind in der Reihenfolge Reinigen, Desinfizieren (in zerlegter
Form), Spülen, Trocknen, Pflegen, Prüfen auf Funktionsfähigkeit, ggf. Verpacken,
Sterilisieren und sachgerechte Lagerung wieder aufzubereiten.
Einmalinstrumente sind nicht wieder aufzubereiten.
Bei der
Desinfektion
sind thermische und chemische Verfahren möglich.
Die
maschinelle Aufbereitung
im Reinigungs- und Desinfektionsautomaten ist aus
hygienischer Sicht zu bevorzugen.
Bei der Verwendung von Reinigungs- und Desinfektionsgeräten sowie von Sterilisa­
toren sind die Aufbereitungsprozesse zu validieren. Manuelle Abläufe sind in Stan­
dardarbeitsanweisungen festzulegen.
Bei der
manuellen Aufbereitung
wird die Einwirkzeit des Desinfektionsmittels vom
Einlegen des letzten Instrumentes an gerechnet. Instrumente mit Hohlräumen müs­
sen luftblasenfrei in die Lösung eingetaucht werden. Die Desinfektionslösung ist ent­
sprechend den Herstellerangaben sowie bei optischer Verschmutzung zu wechseln.
Der Einsatz eines viruziden Desinfektionsmittels ist ggf. zu prüfen.
Bei der
Sterilisation
sind Verpackungen entsprechend dem angewandten Verfahren
zu verwenden. Eine Setverpackung (anwendungsgerechte Sets) ist zu bevorzugen.
Die Durchführung der Sterilisation ist in einem Chargenbuch zu dokumentieren und
das Sterilgut mit dem Sterilisationsdatum, der Chargennummer und dem Verfallsda­
tum zu versehen.
Die Entnahme des Sterilgutes hat unter aseptischen Bedingungen unmittelbar vor
dem Gebrauch zu erfolgen. Zur Entnahme sind sterile Einmalhandschuhe, ggf. eine
sterilisierte Pinzette, zu verwenden.
Im Anschluss an die Aufbereitung ist Sorge für eine
sachgerechte Lagerung
der
Instrumente zu tragen.
Für die Aufbereitung der Instrumente ist ein
verantwortlicher Mitarbeiter
zu benen­
nen.
12

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Lagerfristen für Sterilgut nach DIN 58953, Teil 8
DIN-gerechte
Sterilverpackung
Lagerung
im Sterilbarrieresystem
(alt: Primärverpackung)
Lagerung
im Verpackungssystem
(alt: Lagerverpackung)
Lagerart
ungeschützt
geschützt
in Schränken
oder Schubla­
den
Lagerungszeit
alsbaldiger
Verbrauch
innerhalb von
maximal 48
Stunden
6 Monate
jedoch nicht
länger als
gem. Verfalls­
datum
5 Jahre
sofern keine andere Verfallsfrist
vom Hersteller festgelegt ist
4.2
Wäschehygiene und Bekleidung
Pflegebedürftiger:
Wäschewechsel
Der Wäschewechsel soll in Abhängigkeit vom Verschmutzungsgrad der Wäsche und der
Pflegebedürftigkeit des zu Pflegenden erfolgen:
-
Bei sichtbarer Verschmutzung sofort, sonst Bettwäsche alle 2 Wochen, bei Bett­
lägerigen wöchentlich,
-
Handtücher mindestens 2 x wöchentlich,
-
Waschlappen täglich, nach Möglichkeit Einmalgebrauch,
-
Unterwäsche täglich.
Wäschebehandlung
-
Leibwäsche, Bettwäsche, Handtücher, Waschlappen sind bei mindestens 60°C
zu waschen.
-
Mit Blut, Stuhl, Urin oder Erbrochenem verunreinigte Wäsche ist nach Möglichkeit
mit einem 90-95
°
C-Programm oder alternativ mit einem desinfizierenden Wasch­
verfahren zu waschen.
Personal:
Arbeitskleidung
Das Pflegepersonal sollte Arbeitskleidung aus Gewebe tragen, das mit einem nachweis­
lich wirksamen desinfizierenden Waschverfahren gewaschen werden kann. Für die
Hauskrankenpflege gibt es keine vorgeschriebene Arbeitskleidung. Dennoch ist zu emp­
fehlen, eine spezielle Arbeitskleidung, die zu Dienstantritt angelegt wird, zu tragen.
Eine Trennung zwischen privater und Arbeitskleidung ist jederzeit sicher zu stellen.
Falls Arbeitskleidung mit Krankheitserregern kontaminiert ist, ist sie zu wechseln und mit
einem nachweislich wirksamen desinfizierenden Waschverfahren zu waschen (s. TRBA
250, Kapitel 4.1.3.1). Da eine Kontamination der Arbeitskleidung meist nicht sicher aus­
geschlossen werden kann, sollte grundsätzlich ein desinfizierendes Waschverfahren
eingesetzt werden. Für Haushaltswaschmaschinen werden Waschtemperaturen von
>80°C empfohlen, da diese Geräte für chemothermische Verfahren in der Regel nicht
geeignet sind.
13

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Schutzkleidung und persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Siehe TRBA 250/ BGR 250 und GUV-R 2106.
Bei einer Möglichkeit der Kontamination mit Körperflüssigkeiten und Ausscheidungen ist
durch das Personal Schutzkleidung und persönliche Schutzausrüstung zu tragen (Kittel
bzw. Schürze, Handschuhe, Mund-Nasen-Schutz).
Schutzkleidung
(bzw. Einmalschutzkleidung, z.B. Schutzkittel oder -schürzen) ist beim
Einsatz mit Infektionsgefährdung zu tragen.
Einmalhandschuhe
sind bei Tätigkeiten zu tragen, bei denen die Hände mit Blut, anderen
Körperflüssigkeiten, Ausscheidungen, Eiter oder Erbrochenem in Berührung kommen kön­
nen.
Geeignete Schutzhandschuhe sind auch zu tragen, wenn benutzte Instrumente, Geräte
oder Flächen desinfiziert und gereinigt werden oder ein Kontakt zu hautschädigenden Stof­
fen besteht.
Mindestens ein eng anliegender, mehrlagiger und im Nasenbereich modellierbarer
Mund­
Nasen-Schutz
in FFP1-Qualität sowie ggf. eine Schutzbrille sind z.B. bei Kontakt zu Er­
brochenem/ bei Erbrechen sowie beim herkömmlichen Absaugen zu tragen.
Der Arbeitgeber hat PSA einschließlich geeigneter Schutzkleidung in ausreichender Stück­
zahl zur Verfügung zu stellen und für die Reinigung, Desinfektion und Instandhaltung zu
sorgen.
PSA einschließlich Schutzkleidung ist nach Abschluss der Tätigkeit am Pflegebedürf­
tigen abzulegen und zu entsorgen (Einmalprodukte). Mehrfach nutzbare PSA, ein­
schließlich Schutzkleidung, verbleibt in der Wohnung bei sachgerechter Lagerung mit
Schutz der sauberen Seite. Er ist mindestens wöchentlich, bei Verunreinigung sofort,
zu wechseln.
Für Schmutzarbeiten und Arbeiten mit besonderen aseptischen Anforderungen ist
separate Schutzkleidung zu verwenden.
Verschmutzte Schutzkittel sind so zu sammeln, dass keine Gefährdung davon aus­
geht. Sie sind desinfizierend zu waschen (siehe auch „Anforderungen der Hygiene
an Wäsche aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes ...“.
4.3
Umgang mit Lebensmitteln durch das Personal
Werden durch das Pflegepersonal Lebensmittel zubereitet und/oder gereicht, ist Folgen­
des zu berücksichtigen:
Händewaschung/Händedesinfektion vor dem Umgang mit Lebensmitteln
Das Personal soll sich optisch und durch Geruchswahrnehmung von der Ge­
nusstauglichkeit des Lebensmittels überzeugen, das Haltbarkeitsdatum ist zu prüfen.
Bei der Anlieferung von Speisen müssen die Transportbehälter sauber sein und die
geforderten Temperaturen (mindestens 65°C für warme und nicht über 15°C für kalte
Speisen) eingehalten werden. Das angelieferte Essen muss in einwandfreiem Zu­
stand sein; nicht verwertete Speisen können u. U. bei entsprechender Kühllagerung
später verbraucht werden.
Vermeidung von längeren Standzeiten bei warmen Speisen (bei Warmhaltung der
Speisen maximal 2 Stunden).
Keine Zugabe von Rohei zu Speisen, die nach Zugabe nicht mehr erhitzt werden.
Tee sollte mindestens zweimal täglich mit kochendem Wasser zubereitet werden
(längere Standzeiten sind zu vermeiden).
Zur Belehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz siehe 5.1.
14

 
Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
4.4
Abfallbeseitigung
(siehe auch „Anforderungen der Hygiene an die Abfallentsorgung“)
Abfälle sind nach den Anforderungen der LAGA Mitteilung 18 „Vollzugshilfe zur Entsorgung von
Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes“ ordnungsgemäß zu sammeln und zu ent­
sorgen. Es sind die landesrechtlichen Regelungen und regionalen Besonderheiten der Ab­
fallentsorgungssatzungen zu beachten.
Art der Abfälle/Abfallschlüssel
Entsorgung
Zeitschriften, Papier,
Kunststoff, Glas, Verpa­
ckungsmaterial, Kü­
chenabfälle
Hausmüll, hausmüllähn­
liche Abfälle (Siedlungs­
abfälle)
Abfälle, an deren Entsorgung
aus infektionspräventiver, um­
welthygienischer Sicht keine
besonderen Anforderungen zu
stellen sind.
AS 200301
[ehem. Gruppe A]
wie Hausmüll, jeweiliges Erfas­
sungssystem (Verwertung oder
Restmüll)
Papier, Abfall, spezielle Glas­
container
gelber Sack, gelbe Tonne
Biotonne
geöffnete Ampullen,
Spitze und scharfe Gegenstände
alle geöffneten Ampullen, be-
Kanülen; Lanzetten;
nutzten Kanülen; scharfe, spitze u.
scharfe, spitze, zer-
AS 180101
[ehem. Gruppe B]
zerbrechliche Gegenstände (
auch
brechliche Gegenstände
gesicherte Instrumente
) sind in
bruch- u. durchstichsicheren, ver­
schließbaren Einwegbehältern
(Nummer 4.1.1.4 TRBA 250) zu
sammeln, u. können über den
Hausmüll entsorgt werden (ge­
meinsam mit 180104 möglich)
Wund-, Gipsverbände,
Abfälle, an deren Entsorgung
in reißfesten, feuchtigkeitsbe-
Einwegwäsche, -artikel,
aus infektionspräventiver Sicht
ständigen und dichten Behältnis-
Stuhlwindeln u.a., die
innerhalb der Einrichtung be­
sen (Beutel) zu sammeln u. ver­
mit Blut, Sekreten, Ex-
sondere Anforderungen zu stel­
schlossen zu entsorgen. Entsor­
kreten behaftet sind
len sind.
AS 180104
[ehem. Gruppe B]
gung mit Siedlungsabfällen mög­
lich, wenn Bedingungen für
180104 eingehalten werden.
größere Flüssigkeitsmengen
können unter Beachtung hygieni­
scher Gesichtspunkte dem Ab­
wasser zugeführt werden
Die Abfälle sind dem Hausmüll so zuzuführen bzw. der Standort der Abfallbehälter muss so
gewählt sein, dass keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht (z.B. keine Zugriffsmöglichkeit
für spielende Kinder).
Altmedikamente sind getrennt zu erfassen; ihre Entsorgung erfolgt in Absprache mit der Apo­
theke bzw. der kommunalen Abfallberatung (Schadstoffmobile, Wertstoffsammlung); sie sind
vor dem Zugriff Unberechtigter bzw. von Kindern zu sichern.
4.5
Erste Hilfe
Durch den Leiter/Träger der Einrichtung ist zu veranlassen, dass das Personal entsprechend
den staatlichen Arbeitsschutzvorschriften i. V. m. der Unfallverhütungsvorschrift BGV/GUV-V
A1 „Grundsätze der Prävention" vor Beginn der Tätigkeit und danach mindestens jährlich zu
Gefahren und Maßnahmen zum Schutz einschließlich der Ersten Hilfe unterwiesen wird. Er hat
15

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
dafür zu sorgen, dass zur Ersten Hilfe die erforderlichen Einrichtungen sowie Sachmittel ver­
fügbar sind.
5
Spezielle Anforderungen nach Infektionsschutzgesetz
5.1
Belehrung von Personal, das Speisenzubereitung vornimmt
Personal, das im Rahmen der hauswirtschaftlichen Tätigkeiten mit der Zubereitung von
Speisen beauftragt ist, muss über eine Bescheinigung des Gesundheitsamtes gemäß
§ 43 IfSG verfügen (außer examiniertes Pflegepersonal). Erfolgt durch (sonstiges) Pfle­
gepersonal in der Regel nur eine Hilfe bei der Nahrungsaufnahme kann hiervon eben­
falls abgesehen werden. Eine Belehrung durch den Arbeitgeber ist vor Aufnahme der
Tätigkeit und im Weiteren im Abstand von 2 Jahren erforderlich.
5.2
Vorgehen bei meldepflichtigen Erkrankungen
Nach § 6 und § 7 IfSG sowie Sächsischer IfSGMeldeVO sind bestimmte Infektionskrank­
heiten bzw. der Nachweis bestimmter Infektionserreger meldepflichtig. Grundsätzlich ist
nach § 8 IfSG der
feststellende Arzt
verpflichtet, das Auftreten bzw. den Verdacht der
im § 6 genannten Erkrankungen bzw.
der Leiter des diagnostizierenden Labors
die im
§ 7 verzeichneten Erreger innerhalb von 24 Stunden dem zuständigen
Gesundheitsamt
namentlich zu melden.
Ist das jedoch primär nicht erfolgt, so muss die Meldung nach § 8 (1) Nr. 5 durch einen
Angehörigen eines anderen Heil- oder Pflegeberufs,
der für die Berufsausübung oder
die Führung der Berufsbezeichnung eine staatlich geregelte Ausbildung oder Anerken­
nung haben muss (z.B. Krankenschwester, Altenpflegerin), erfolgen. Dies gilt nach § 6
(1) Nr. 5 auch beim Auftreten von 2 oder mehr gleichartigen Erkrankungen, wenn ein
epidemiologischer Zusammenhang anzunehmen ist.
Wichtige Sofortmaßnahmen
Information des behandelnden Arztes
Verständigung von Angehörigen
Feststellung möglicher Infektionsquellen (z.B. Sicherung von Nahrungsmittelresten)
ggf. Isolierung Betroffener in Absprache mit dem behandelnden Arzt/ Gesundheits­
amt
Wichtige Meldeinhalte
(§ 9 IfSG)
Art der Erkrankung bzw. des Verdachtes
Name, Vorname, Geburtsdatum
Kontaktpersonen (Personal, Angehörige)
16

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Meldewege nach Infektionsschutzgesetz (vereinfacht)
Beschäftigter des amb. Pflegedienstes (§ 8)
feststellender Arzt (§ 6)
Gesundheitsamt
Labor (§ 7)
Die im Bundesland ggf. bestehende zusätzliche Meldeverordnung ist darüber hin­
aus zu beachten (in Sachsen: IfSGMeldeVO).
6
Anforderungen nach der Biostoffverordnung
6.1
Gefährdungsbeurteilung
Beschäftigte im Bereich der ambulanten Pflege können beim beruflichen Umgang mit Men­
schen durch ihre Tätigkeit biologische Arbeitsstoffe (Krankheitserreger, Mikroorganismen wie
Viren, Bakterien, Pilze, die Infektionen, sensibilisierende oder toxische Wirkungen verursa­
chen) freisetzen und mit diesen direkt oder im Gefahrenbereich in Kontakt kommen. Gemäß §
5 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) ist der Arbeitgeber verpflichtet, bei biologischen Einwirkun­
gen durch eine Beurteilung der arbeitsplatzbedingten Gefährdungen die notwendigen Schutz­
maßnahmen zu ermitteln. Diese allgemein gültige Vorschrift wird für Tätigkeiten mit biologi­
schen Arbeitsstoffen in der Biostoffverordnung (BioStoffV) und in der Technischen Regel für
Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 400 "Handlungsanleitung zur Gefährdungsbeurteilung bei
Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen" konkretisiert.
Es ist davon auszugehen, dass Beschäftigte von ambulanten Pflegediensten im Rahmen der
Körper- und Behandlungspflege durch den Kontakt zu Blut, Sekreten und Exkreten Krank­
heitserregern der Risikogruppe 2 und/oder 3 ausgesetzt sind. Eine Übertragung von Hepatitis,
Tuberkulose, Herpesinfektionen, Magen-Darm-Infektionen u.a. ist möglich. Diese Tätigkeiten
sind im Sinn der BioStoffV nicht gezielte Tätigkeiten. Eine Schutzstufenzuordnung einzelner
Tätigkeiten erfolgt in Abhängigkeit von der Infektionsgefährdung. Bei Tätigkeiten mit Kontakt
zu Körperflüssigkeiten (z.B. Wund- und Verbandspflege, Injektion, Blutentnahme, Verlet­
zungsmöglichkeit durch spitze und scharfe Arbeitsmittel) besteht eine erhöhte Infektionsge­
fahr. Dafür sind Maßnahmen der Schutzstufe 2 festzulegen. Eine hohe Ansteckungsgefahr
z.B. über Aerosole kann zu einer höheren Schutzstufenzuordnung bzw. zu weitergehenden
Schutzmaßnahmen führen. Liegen keine entsprechenden Tätigkeiten bzw. Gefährdungen vor,
ist beim beruflichen Umgang mit Menschen die Schutzstufe 1 (Allgemeine Hygienemaßnah­
men) ausreichend. Hierunter fallen Tätigkeiten, bei denen kein oder selten Kontakt zu Körper­
flüssigkeiten besteht, z.B. Hilfe bei der Nahrungsaufnahme, An- und Auskleiden, Begleitung
beim Verlassen und Wiederaufsuchen der Wohnung, Verabreichen von Medikamenten, haus­
wirtschaftliche Tätigkeiten. Eine Einzelfallprüfung ist notwendig.
Zur Gefährdungsbeurteilung und zu den erforderlichen Arbeitsschutzmaßnahmen siehe
TRBA/ BGR 250 “Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitsdienst und der Wohlfahrtspflege”.
Enthalten sind auch Regelungen zum Schutz vor Verletzungen durch spitze oder scharfe In­
strumente - Bereitstellung und Verwendung geeigneter Abfallbehältnisse (Nr. 4.1.1.4), Maß­
nahmen zur Minimierung von Verletzungs-, Infektionsgefahren durch gebrauchte Arbeitsgeräte
(Nr.4.1.2.8), Ersatz spitzer, scharfer, zerbrechlicher Arbeitsgeräte (Nr. 4.2.4), Aufbereitung von
17

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Medizinprodukten (Nr. 7.1) und Verhalten bei Stich-, Schnittverletzungen einschließlich Doku­
mentation, Meldepflichten (Nr. 4.5). Zum Thema siehe auch Anlage 1 Literatur - wichtige recht­
liche Grundlagen und fachliche Standards.
6.2
Arbeitsmedizinische Vorsorge
Bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen hat der Arbeitgeber in Abhängigkeit der Ge­
fährdungsbeurteilung für eine angemessene arbeitsmedizinische Vorsorge zu sorgen (§§ 15
BioStoffV i.V.m. Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV)). Hierzu gehört
neben der arbeitsmedizinischen Beurteilung der Gefährdungen, der Beratung und der Unter­
richtung der Beschäftigten nach §§ 8, 12a BioStoffV, dass bei Tätigkeiten nach Anhang Teil 2
ArbMedVV mit beruflicher Exposition gegenüber bestimmtem Mikroorganismen eine spezielle
arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung veranlasst (
Pflichtuntersuchung
) und für Tätig­
keiten, die nicht einer Pflichtuntersuchung unterliegen, eine Untersuchung angeboten (
Ange­
botsuntersuchung
) werden muss. Ist eine Pflichtuntersuchung erforderlich, ist diese Voraus­
setzung für die Tätigkeit.
6.2.1 Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung
Für Beschäftigte ambulanter Pflegedienste besteht durch regelmäßigen Kontakt zu Körper­
flüssigkeiten sowie Verletzungsgefahren u.a. eine Expositionsmöglichkeit gegenüber Hepatitis
B- und C-Viren. Vom Arbeitgeber sind die entsprechenden
arbeitsmedizinischen Vorsorge­
untersuchungen zu veranlassen
. Erfolgt eine ambulante Pflege von Kindern, sind auch ver­
pflichtende arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen hinsichtlich bestimmter impfpräven­
tabler Infektionskrankheiten wie Keuchhusten, Masern, Mumps oder Röteln erforderlich.
Sind keine Pflichtuntersuchungen zu veranlassen und wird im Ergebnis der Gefährdungsbeur­
teilung eine Infektionsgefährdung durch nicht gezielte Tätigkeiten der Schutzstufe 3 festge­
stellt bzw. sind bei nicht gezielten Tätigkeiten der Schutzstufe 2 die Schutzmaßnahmen nicht
ausreichend, hat der Arbeitgeber hierzu
arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen
an­
zubieten (z.B. bei vorliegender HIV-Erkrankung oder Tuberkulose).
Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen sind grundsätzlich anzubieten, wenn sich Be­
schäftigte eine Erkrankung zugezogen haben, die auf eine Tätigkeit mit biologischen Arbeits­
stoffen zurückzuführen ist. Dies gilt auch für Beschäftigte mit vergleichbaren Tätigkeiten. Ein
Untersuchungsangebot ist ebenfalls zu unterbreiten, wenn infolge einer Exposition mit einer
schweren Infektionskrankheit gerechnet werden muss und Maßnahmen der postexpositionel­
len Prophylaxe möglich sind bzw. eine Erkrankung aufgetreten ist, bei der die Möglichkeit ei­
nes ursächlichen Zusammenhangs mit der Tätigkeit besteht.
Mit der Durchführung der speziellen arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen ist ein
Facharzt für Arbeitsmedizin oder ein Arzt mit der Zusatzbezeichnung „Betriebsmedizin“ zu be­
auftragen, vorrangig der Betriebsarzt (§ 3 Abs. 2 ArbMedVV).
6.2.2 Impfungen für die Beschäftigten
Werden Tätigkeiten mit impfpräventablen Mikroorganismen entsprechend Anhang Teil 2
ArbMedVV durchgeführt, ist den Beschäftigten im Rahmen der Pflichtuntersuchung nach ärzt­
licher Beratung eine
Impfung anzubieten
. Die Kosten sind vom Arbeitgeber zu tragen.
Bei Beschäftigten der ambulanten Pflege, bei denen mit einer Infektionsgefährdung durch Blut
zu rechnen ist, soll ein aktueller Impfschutz gegen Hepatitis B-Viren vorliegen. Besteht bei der
Pflege eine Exposition gegenüber durch Luft übertragbaren impfpräventablen biologischen
18

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Arbeitsstoffen der Risikogruppe 2, so ist vorrangig eine Schutzimpfung anzubieten (z.B. In­
fluenza, vgl. Nummer 4.2.8 TRBA 250).
Hinweis: Die rechtliche Verknüpfung von Pflichtuntersuchung und Impfangebot schließt nicht
aus, dass nach Gefährdungsbeurteilung auch für Tätigkeiten mit impfpräventablen biologi­
schen Arbeitsstoffen, für die eine Angebotsuntersuchung erforderlich ist, ein Impfangebot nach
ärztlicher Beratung ausgesprochen wird.
Unabhängig von einer durch den Arbeitgeber anzubietenden Impfung sollte im Interesse des
öffentlichen Gesundheitsschutzes entsprechend den Impfempfehlungen der Ständigen Impf­
kommission am Robert Koch-Institut (STIKO) bzw. der Sächsischen Impfkommission (SIKO)
ein vollständiger, altersgemäßer und ausreichender Impfschutz gegeben sein. Eine Beratung
durch das Gesundheitsamt oder den Hausarzt wird empfohlen.
7
Sondermaßnahmen beim Auftreten bestimmter Infektionskrankheiten/
Parasitenbefall
7.1
Durchfallerkrankungen
Umsetzung geeigneter Maßnahmen in Absprache mit dem behandelnden Arzt und
ggf. mit dem Gesundheitsamt (z.B. hygienische Maßnahmen wie hygienische Hände-
und Flächendesinfektion mit einem viruziden Hände- bzw. Flächendesinfektionsmit­
tel)
ggf. angemessene Distanzierungsmaßnahmen in Abhängigkeit vom jeweiligen Erre­
ger
Aufklärung des Erkrankten bzw. der Kontaktpersonen zu den erforderlichen Hygie­
nemaßnahmen
7.2
Kopflausbefall
unverzügliche Behandlung mit einem wirksamen Mittel aus der Liste des Bundesam­
tes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)
Eine
Wiederholungsbehandlung
ist nach 8-10 Tagen zwingend erforderlich, um die
nach der ersten Behandlung geschlüpften Larven abzutöten.
Aus kosmetischen Gründen können die leeren Nissen nach der 2. Behandlung nass
ausgekämmt werden.
Reinigen von Kämmen, Haarbürsten und Haargummis mit heißem Seifenwasser
Information aller Personen mit engem Kontakt zu den Betroffenen, um eine Befalls­
kontrolle und bei Feststellen von Läusen bzw. Nissen (Läuseeiern) eine sofortige Be­
handlung durchführen zu können (ggf. Beratung durch Ihr Gesundheitsamt).
Alle Eihüllen (leere Nissen), die weiter als 1 cm von der Kopfhaut entfernt sind, sind
leer, da die Läuselarven dann schon geschlüpft sind.
Die Übertragung erfolgt nur über direkten Haarkontakt.
Die Gefahr einer indirekten Übertragung über Mützen, Kopfkissen oder ähnliches ist
nach Meinung vieler Fachleute nicht möglich, da die Kopflaus speziell an das Kopf­
haar angepasst ist und ohne den Wirt nicht überleben kann (stirbt spätestens nach 3
Tagen; meist besteht bereits nach 24 Stunden wegen Austrocknung keine Anste­
ckungsgefahr mehr).
Bei sehr starkem Befall sollten jedoch trotzdem vorsorglich Mützen, Schals, Bettwä­
sche, Schlafanzüge und Handtücher bei 60°C gewaschen werden. Alternativ können
19

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
die Textilien auch in einem gut verschließbaren Plastiksack für 3 Tage aufbewahrt
werden.
Insektizidsprays sind nicht nötig!
Haustiere spielen keine Rolle bei der Übertragung.
7.3
Skabies (Krätze)
Information des Gesundheitsamtes bei Häufungen
sofortiges Einschalten eines Dermatologen oder eines dermatologisch versierten
Infektiologen zur Diagnostik und Therapie
Isolierung von an Skabies erkrankten Personen
Begrenzung der Betreuung auf möglichst wenige Pflegekräfte/Personen
Tragen von langärmliger Schutzkleidung und von Einmalhandschuhen bei Kontakt
mit Betroffenen
konsequente Kontrolle und Mitbehandlung aller Kontaktpersonen, auch des Pflege­
personals, unabhängig davon, ob Skabies-verdächtige Läsionen vorliegen
Wäschewechsel (Körperkleidung, Unterwäsche, Bettwäsche, Bettdecken, Handtü­
cher) mind. 1 x täglich, bis nach Behandlung und abschließender Kontrolle durch den
Hautarzt keine lebenden Krätzmilben mehr beim Patienten nachgewiesen werden
Bett- und Körperwäsche bei mindestens 60°C waschen
Oberbekleidung kann einer chemischen Reinigung unterzogen werden
Schlecht waschbare Textilien können in verschweißten Plastiksäcken bei Zimmer­
temperatur 14 Tage aufbewahrt werden. Danach sind die Milben abgestorben.
Entwesung von Matratzen, Polstermöbeln, Sofakissen und Fußbodenbelägen mit
gründlichem, wiederholten Absaugen mit einem starken Staubsauger (Staubbeutel
sofort entsorgen), alternativ Einsatz eines Heißdampfgeräts.
mit Krätzmilben kontaminierte textile Gegenstände und Schuhe können auch einge­
froren werden (Temperatur unter -10°C)
Eine chemische Entwesung der Räume ist nicht erforderlich.
20

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
8
Hygiene bei speziellen Behandlungs- und Pflegemaßnahmen, Umgang mit
Medikamenten
Im Folgenden werden Hinweise zu den wichtigsten medizinischen und pflegerischen
Maßnahmen unter Berücksichtigung von hygienischen Schwerpunkten dargelegt. Da
diese Maßnahmen den gleichen Hygienestandards entsprechen müssen wie im Kran­
kenhaus, sind als Basis die jeweiligen
Empfehlungen der KRINKO (s. Quelle)
, sofern
vorhanden, zu verwenden.
Maßnahmen der Behandlungspflege werden auf der Grundlage ärztlicher und durch die Kran­
kenkasse genehmigter Verordnungen durchgeführt (Delegations- und Haftungsrecht).
Der Pflegedienst muss im Zusammenhang mit seiner Durchführungsverantwortung bei ärztlich
delegierten Interventionen mögliche Diskrepanzen der ärztlichen Verordnung in Bezug auf
Hygienestandards oder den aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse dokumentieren
und die Rücksprache mit dem behandelnden Arzt belegen.
8.1
Behandlungsmaßnahmen
Injektionen/Punktionen
Quelle: Anforderungen an die Hygiene bei Punktionen und Injektionen
Die vorgeschriebenen Desinfektionsmaßnahmen (Hände- und Hautdesinfektion)
sind korrekt auszuführen. Einmalhandschuhe sind zu tragen.
Auf die Verwendung von sterilem Instrumentarium ist zu achten (Verwendbarkeits­
fristen dürfen nicht überschritten, Verpackung muss intakt sein).
Nutzung von gesicherten Instrumenten für Injektionen und Blutabnahmen.
Zu applizierende Medikamente sind auf Verfallsdatum, Verfärbungen/Trübungen
und Ausflockungen zu prüfen, vorgeschriebene Lagerungsbedingungen sind zu kon­
trollieren.
Der Inhalt größerer Ampullen, die kühl gelagert wurden, ist vor der Applikation in der
Hand auf Körpertemperatur zu erwärmen.
Während der Injektion ist der Patient zu beobachten, bei auftretenden Nebenwir­
kungen ist die Injektion ggf. abzubrechen.
Die Entsorgung gebrauchter Spritzen, Sicherheitskanülen und Materialien ist unter
Vermeidung von Verletzungs- und Infektionsgefahren in durchstichsicheren Behält­
nissen über den Hausmüll vorzunehmen.
Die Dokumentation über die Injektion ist mit Datum/Uhrzeit, Name des Medikamen­
tes und Signum des Ausführenden ordnungsgemäß zu führen.
Insulininjektionen mit PEN
Eine Hautantiseptik ist analog der subkutanen Injektion durchzuführen.
Einmalkanülen sind vor jeder Injektion neu aufzusetzen.
Vor Injektionen durch den Patienten selbst muss er darauf hingewiesen werden,
dass Penkanülen Einmalprodukte sind und wiederholte Anwendungen zu Dosierun­
genauigkeiten führen.
Wundverbände/ Verbandwechsel
Quelle: Anforderungen der Krankenhaushygiene an Wundverband und Verbandwechsel
21

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Ein Verbandwechsel ist bei sezernierenden Wunden ggf. mehrmals täglich, bei Ver­
schmutzung und Durchnässung sofort, erforderlich.
Alle für den Verbandwechsel benötigten Materialien/Instrumente sind in ausreichen­
dem Umfang bereitzuhalten (möglichst als Set).
Schutzkleidung (Schutzkittel oder Einmalschutzschürze) ist anzulegen, sie verbleibt
ggf. in der Wohnung und wird nach Verschmutzung sofort gewechselt, sonst spätes­
tens wöchentlich.
Arbeitsflächen sind zu desinfizieren.
Vor dem Anlegen der Schutzhandschuhe (ggf. sind sterile Handschuhe zu tragen)
ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen (niemals Wunden mit der
bloßen Hand berühren).
Der alte Verband wird mit einer Pinzette abgenommen (Handschuhwechsel, wenn
versehentlich der alte Verband berührt wurde).
Wundreinigung und -antiseptik sind entsprechend ärztlicher Anordnung durchzufüh­
ren.
Das Anlegen eines sterilen Wundverbandes erfolgt unter aseptischen Bedingungen
(sterile Pinzette oder sterile Handschuhe).
Gebrauchtes Material wird sofort in verschlossenen Behältnissen in den Hausmüll
entsorgt, wieder verwendbares Instrumentarium wird in geeigneten Behältern zur
Wiederaufbereitung befördert.
Absaugung/ Pneumonieprophylaxe
Quelle: Prävention der nosokomialen Pneumonie
Anwendung geeigneter Präventionsmaßnahmen zur Pneumonieprophylaxe: regel­
mäßige Querlüftung, kräftiges Abhusten, Atemschulung, Atemgymnastik, vorsichti­
ges Abklopfen, Vibrationsmassage.
Zu beachten ist: Atemtrainer sind Einmalgeräte und deshalb nur personenbezogen
anzuwenden, wieder verwendbare Geräte (z.B. Vibrationsmassagegeräte) müssen
nach jedem Patienten desinfiziert werden (Wischdesinfektion, Materialverträglichkeit
beachten).
Einmaltaschentücher oder Zellstoff mit abgehustetem Schleim sind unmittelbar nach
den Behandlungsmaßnahmen im Abfallbeutel zu entsorgen.
Das Absaugen von Schleim oder Sekret ist dann erforderlich, wenn der Patient nicht
in der Lage ist, selbständig abzuhusten. Es soll verhindert werden, dass durch Aspi­
ration eine Pneumonie entstehen kann. Außerdem soll eine Verbesserung der At­
mung erreicht werden.
Vor und nach dem Absaugen ist eine hygienische Händedesinfektion erforderlich.
Einmalhandschuhe sind anzulegen.
Die eingesetzten Absaugkatheter müssen steril sein; für jeden Absaugvorgang ist
ein neuer Absaugkatheter einzusetzen.
Bei der Wiederaufbereitung der Trachealkanülen ist der Zustand des Tracheo­
stomas ausschlaggebend. Bei noch nicht abgeheilter Tracheotomiewunde muss die
Kanüle steril sein.
Bei abgeheilter Tracheotomiewunde ist es zulässig, gereinigte Trachealkanülen ein­
zusetzen. Dazu wird die Kanüle gründlich unter fließendem Wasser von außen und
innen mit einer sauberen Bürste gereinigt. Die Bürste kann im Anschluss im Ge­
schirrspüler aufbereitet werden, ansonsten ist sie abzukochen.
Mit der Sekretauffangflasche kann wie zuvor beschrieben verfahren werden. Der
Absaugschlauch muss manuell gereinigt und anschließend mindestens 3 min aus­
gekocht werden.
22

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Inhalation/ Sauerstoffinsufflation
Quelle: Prävention der nosokomialen Pneumonie
Zur Inhalation ist nur steriles Inhalat einzusetzen.
Mundstücke/Masken- und Schlauchsysteme sowie Inhalatbehälter müssen einmal
täglich desinfiziert werden, z.B. thermisch durch Abkochen oder im Geschirrspüler
bei 65°C.
Mundstücke sind nach jeder Anwendung unter fließendem Wasser zu reinigen.
Bei der Sauerstoffinsufflation:
Grundsätzlich sind personengebundene Geräte für Patienten mit Atemwegsinfektion
einzusetzen.
Die Nasenbrille ist personengebunden zu nutzen und nach jeder Anwendung zu rei­
nigen (Wechsel nach sichtbarer Verschmutzung bzw. zweimal pro Woche).
Der Verlängerungsschlauch ist nach sichtbarer Verschmutzung, Kondensatbildung,
jedoch spätestens wöchentlich zu wechseln.
Zur Befeuchtung eingesetztes Wasser muss steril sein.
Sprudlerbehälter (Sauerstoffgeräte) sollten nach Möglichkeit als geschlossenes Sys­
tem zum Einsatz kommen (Standzeit nach Herstellerangaben, bis zu 3 Monaten);
nicht geschlossene Systeme müssen täglich gereinigt, desinfiziert und getrocknet
werden; sie sind nach chemischer Desinfektion unmittelbar vor der Anwendung mit
sterilem Wasser auszuspülen und zu befüllen.
Katheterisierung der Harnblase
Quelle: Empfehlungen zur Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen
Es sind geschlossene Drainagesysteme zu verwenden.
Bei Entleerung des Urindrainagebeutels darf der Ablassstutzen nicht mit dem Auf­
fanggefäß in Kontakt kommen. Hahn und Ablassstutzen sind zu sprühdesinfizieren.
Das Auffanggefäß wird nach Entleerung gereinigt.
Bei der Katheterpflege sind Einmalhandschuhe zu tragen. Nach Ablegen der Hand­
schuhe ist eine hygienische Händedesinfektion durchzuführen.
Zur Reinigung des Meatus urethrae sind Wasser und Seife (Einmalwaschlappen) zu
benutzen.
Inkrustationen sind mit Wasser oder Seifenlösung getränktem Tupfer oder Kom­
presse schonend zu entfernen.
Auf die perianale Hygiene ist zu achten.
Bei suprapubischen Kathetern ist täglich bzw. bei Bedarf ein Verbandwechsel sowie
eine gründliche Inspektion der Eintrittsstelle (Rötung, Schwellung, Schmerzen) vor­
zunehmen. Bei blander Eintrittsstelle kann der Verband nach jeweils 2 Tagen ge­
wechselt werden. Transparenzverbände sind alternativ zu empfehlen. In der Regel
kann bei lang liegendem suprapubischen Katheter die Punktionsstelle lediglich
durch ein Pflaster abgedeckt werden.
23

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
8.2
Umgang mit Medikamenten
Die Lagerung von Medikamenten muss trocken, zugriffsicher, staub- und lichtge­
schützt erfolgen, wenn vom Hersteller vorgeschrieben im Kühlschrank (+2°C bis +8
°C, Temperaturkontrolle).
Verfallsdaten sind regelmäßig zu kontrollieren, verfallene Medikamente müssen als
Sondermüll entsorgt werden (Rückführung in die Apotheke oder entsprechend den
kommunalen Entsorgungsregularien).
Mehrdosenbehältnisse (z.B. Augentropfen) sind mit einem Anbruchdatum zu verse­
hen und nur zeitlich begrenzt zu verwenden. Dabei sind die produktspezifischen
Herstellerinformationen zu beachten. Die Entnahme von Salben und Cremes muss
aseptisch erfolgen (Tuben, ggf. Einmalspatel).
Bei Desinfektion der Durchstichmembranen von Mehrdosisbehältnissen ist wie bei
Kapillarblutentnahmen und Injektionen zu verfahren.
8.3
Pflegemaßnahmen
Sondenernährung
Es besteht die Gefahr der Keimvermehrung durch unsachgemäße Lagerung und
Manipulationen an den Sonden und Überleitungssystemen.
Vor Verabfolgung der Nahrung bzw. Spülen der Sonden sind die Hände zu desinfi­
zieren.
Spülspritzen, Gefäße für die Spülflüssigkeit und Ernährungsspritzen sind nach jeder
Mahlzeit gründlich zu reinigen sowie trocken und staubfrei zu lagern (die Spülspritze
ist nach Möglichkeit täglich zu wechseln, Gefäße für die Spülflüssigkeit sind im Ge­
schirrspüler oder durch Abkochen thermisch aufzubereiten).
Die Sonde ist nach jeder Mahlzeit zu spülen (gekochtes Wasser, frisch zubereiteter,
fruchtsäurefreier Tee, frisches stilles Mineralwasser).
Überleitungssysteme sind nur einmal zu verwenden. Die Sonde ist bis zur nächsten
Verabreichung zu verschließen.
Sterile Sondennahrung ist zu bevorzugen. Angebrochene sterile Nahrung darf ent­
sprechend den Herstellerangaben im Kühlschrank aufbewahrt werden (i.d.R. maxi­
mal 24 Stunden). Angerührte Nahrung muss umgehend verbraucht werden.
Bei der PEG (perkutane endoskopische Gastrostomie) müssen die Eintrittspforten
der Sonden gepflegt werden, der Verbandwechsel ist regelmäßig unter sterilen Be­
dingungen oder bei Verunreinigung notwendig. Bei blander Eintrittspforte ist ein
Verband nicht erforderlich.
Stomapflege (Uro- und Enterostoma)
Bei der Versorgung im Bett ist eine Einmalunterlage zu verwenden.
Das Pflegepersonal hat mindestens eine Schürze (z.B. Einmalschürze) und Einmal­
handschuhe zu tragen und die hygienische Händedesinfektion durchzuführen.
Stomasysteme sind staubgeschützt zu lagern.
Gebrauchte Materialien sind sofort zu entsorgen.
Eine sorgfältige Pflege der peristomalen Haut ist durchzuführen.
Hautpflege/Dekubitusprophylaxe
Hautschonende Waschpräparate sind zu verwenden.
24

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Ober- und Unterkörper sind mit gesonderten Waschlappen und Handtüchern zu wa­
schen und abzutrocknen. Im Rahmen der Dekubitusprophylaxe ist die Haut sorgfäl­
tig abzutrocknen.
Mindestens wöchentlich sollte geduscht oder ein Wannenbad genommen werden.
Wenn nicht anders möglich, ist eine Ganzkörperwäsche vorzunehmen.
Gegenstände zur Haar-, Bart- und Nagelpflege sind personengebunden anzuwen­
den. Bei Verunreinigungen mit Blut ist zu desinfizieren.
Eine regelmäßige Hautpflege ist durchzuführen (und insbesondere bei der Dekubi­
tusprophylaxe zu beachten).
Bei bettlägerigen Pflegebedürftigen ist erforderlich: tgl. Inspektion der Prädilektions­
stellen, bei Hautrötungen (Dekubitus Grad I) sofortige Anwendung weicher Auflagen,
30°-Seitenlagerung, 2-stündiger Lagewechsel ist abzusichern, Laken nicht zu straff
spannen, Faltenbildung vermeiden.
Bei Dekubitalulcera ist eine sachgerechte Wundpflege durchzuführen, die Kontrolle
auf Infektionszeichen ist dabei vorzunehmen.
Mund- und Zahnpflege
Mindestens zweimal täglich sind Mund- und Zahnpflege durchzuführen.
Antiseptische Spülungen sind bei immunsupprimierten Personen sowie bei Foetor
ex ore (Mundgeruch) sinnvoll (ggf. Beratung durch den behandelnden Zahnarzt).
bei Schwerstpflegebedürftigen:
Das Auswischen des Mundes erfolgt mit einem sterilisierten, mit Mundpflegelösung
getränkten, an einer Klemme befestigten Tupfer.
Für jeden Vorgang ist ein frischer Tupfer zu verwenden. Das Material ist täglich zu
erneuern und tagsüber staubgeschützt aufzubewahren.
Einmal-Mundpflegesets sind dabei bevorzugt anzuwenden.
Haar-, Nagelpflege und Rasur
Das Waschen des Kopfhaares ist mindestens einmal wöchentlich durchzuführen.
Dabei sollten alkaliseifenfreie Haarwaschmittel verwendet werden.
Nagelpflege: Entfernung sichtbaren Schmutzes, sorgfältige Behandlung des Nagel­
falzes und der -haut, Nägel so kürzen, dass sie zirkulär etwas überstehen.
Die Rasur soll täglich erfolgen.
Reinigung des äußeren Gehörganges
Täglich, manuell mit einem mit Leitungswasser angefeuchteten dünnen Lap­
pen/Tuch ohne Benutzung von Seife oder Reinigungs- bzw. Lösungsmitteln.
Wattetupfer sind nach einmaliger Benutzung zu verwerfen.
Nasenpflege
Verhinderung des Wundwerdens im Naseneingangsbereich durch Auftragen von
Wundheilsalbe oder pflegender Öle.
Borken und Verunreinigungen sind schonend zu entfernen.
25

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Anlage 1
Hygienemaßnahmen beim Auftreten multiresistenter Krankheitserreger (MRE)
(z.B. Methicillinresistenter Staphylococcus aureus - MRSA, multiresistente gram-
negative Erreger wie ESBL/ 3MRGN und 4MRGN)
Patienten mit einer Infektion mit einem multiresistenten Krankheitserreger werden in der
Regel nicht bis zur Heilung ihrer Grundkrankheit im Krankenhaus behandelt.
Zum Zeitpunkt der Entlassung aus der stationären Behandlung kann mitunter noch eine
Besiedlung (Kolonisation), z.B. mit MRSA (Nasen-Rachenraum, Wundflächen), vorlie­
gen.
Eine begonnene Therapie sollte unbedingt im häuslichen Bereich weitergeführt und be­
endet werden.
Normale soziale Kontakte unter Familienangehörigen stellen unter diesen Umständen
kein Risiko dar. Dagegen besteht eine Gefährdung für Personen mit großflächigen Wun­
den, nässenden Ekzemen, oder für Abwehr- und Immungeschwächte, auf die u. U. multi­
resistente Erreger übertragen werden können, wenn Hygienemängel in der Pflege be­
stehen.
Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste müssen zur Problematik der multiresistenten Erre­
ger
umfassend
und
aktuell geschult
sein.
Die Festlegungen regionaler MRE-Netzwerke sind zu berücksichtigen, z.B. die Verwen­
dung eines MRE-Überleitungsbogens.
Homepage des MRE-Netzwerkes Sachsen mit Materialien für ambulante Pflegedienste:
www.gesunde.sachsen.de/MRE.html
Wichtigste und wirksamste Maßnahme zur Prävention von multiresistenten Keimen ist
die Händehygiene:
Das Tragen von Schutzkleidung (möglichst Einmalschutzkleidung) ist bei allen Pfle­
gemaßnahmen notwendig, bei allen Tätigkeiten am und mit dem zu Pflegenden.
Das Tragen von Einmalschutzhandschuhen ist notwendig, wenn die Gefahr des
Kontakts mit Ausscheidungen oder Blut bzw. mit multiresistenten Erregern besiedel­
ten Körperoberflächen oder Gegenständen besteht.
Nach Ablegen der Einmalschutzhandschuhe ist eine hygienische Händedesinfektion
erforderlich.
Beim Verlassen des Zimmers ist eine hygienische Händedesinfektion durchzufüh­
ren.
Gegenstände und Flächen sind bei Kontamination einer Wischdesinfektion zu unter­
ziehen.
Entsorgungsgüter sind sofort in geeigneten verschließbaren Plastiksäcken/-tüten
dem Müll beizugeben; spitze und scharfe Gegenstände, von denen eine Verlet­
zungsgefahr ausgehen kann, sind in durchstichsicheren Behältnissen verpackt in
den Müll zu geben.
Sofern nicht grundsätzlich Einwegmaterial als Schutzkleidung getragen wird, ist tex­
tile Schutzkleidung mit einem desinfizierenden Waschverfahren zu waschen (s. 4.2).
Bei der Pflege eines MRE-kolonisierten/-infizierten Patienten sollte immer ein geeig­
neter Mund-Nasen-Schutz getragen werden, um durch unbewussten Hand-Mund-
Nasenkontakt eine Eigenkontamination zu verhindern.
Bei der Gefahr der Erregerübertragung durch Aerosole, z.B. bei der Tracheo­
stomapflege, sollte in Abhängigkeit der Risikogruppenzuordnung des Erregers min­
destens ein eng anliegender, mehrlagiger und im Nasenbereich modellierbarer
Mund-Nasen-Schutz in FFP1-Qualität oder ein partikelfiltrierender Atemschutz der
26

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Klasse 1 (FFP1-Halbmaske) getragen werden (die herkömmliche OP-Maske ist hier­
für nicht geeignet).
Sollte eine Sanierung aus Gründen der Infektionsprävention im Rahmen der häuslichen Pflege
notwendig sein und keine sanierungshemmenden Faktoren vorliegen, sind alle dazu erforderli­
chen Maßnahmen mit dem behandelnden Hausarzt abzusprechen und sorgfältig durchzufüh­
ren:
Zur Verhinderung von Übertragungen des Erregers auf andere Menschen ist eine konsequen­
te Händehygiene zu beachten: z.B. Händewaschen nach dem Toilettengang und nach Husten,
Niesen oder Naseputzen.
Sanierungen werden mit dem Ziel durchgeführt, den Erreger vollständig zu beseitigen.
Alle Maßnahmen sind konsequent über 5 bis 7 Tage durchzuführen:
Dekontamination des Nasenraumes mit geeigneten Präparaten
Dekontamination der Haut durch tägliche Ganzkörperwaschung unter konsequenter
Einbeziehung des Kopfhaares, anschließend Waschlappen und Handtücher wech­
seln
infizierte Hautstellen täglich behandeln
antiseptische Behandlung der Mundhöhle und des Rachenraumes durch Austupfen,
Spülen oder Gurgeln mit Antiseptika
Desinfektion persönlicher Gegenstände (z.B. Zahnprothese, Brille, Haarbürste, Ra­
sierapparat).
Zum Zähneputzen sind Einmalzahnbürsten oder das Einlegen der Zahnbürste in ein
Schleimhautantiseptikum bis zum nächsten Zähneputzen zu empfehlen.
täglicher Wäschewechsel (Leib- und Bettwäsche) vor der Wiederbenutzung nach
erfolgter Waschung
27

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Anlage 2
Literaturverzeichnis
(Angabe der bei Redaktionsschluss aktuellen Fassungen!)
Wichtige rechtliche Grundlagen
Gesetze/ Verordnungen
(nachzulesen unter
http://www.gesetze-im-internet.de,
http://bundesrecht.juris.de,
http://frei.bundesgesetzblatt.de)
Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infekti­
onsschutzgesetz - IfSG) vom 20. Juli 2000 (BGBl. I S. 1045), zuletzt geändert durch Artikel
4 Abs. 21 des Gesetzes vom 7. August 2013 (BGBl. I S. 3154)
Verordnung des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz über
die Erweiterung der Meldepflicht für übertragbare Krankheiten und Krankheitserreger nach
dem Infektionsschutzgesetz (IfSGMeldeVO) vom 3. Juni 2002, rechtsbereinigt mit Stand
vom 16. Dezember 2012
Gesetz über Medizinprodukte (Medizinproduktegesetz – MPG) in der Fassung der Be­
kanntmachung vom 7. August 2002 (BGBl. I S. 3146), zuletzt geändert durch Artikel 4 Abs.
62 des Gesetzes vom 7. August 2013 (BGBl. I S. 3154)
Verordnung über das Errichten, Betreiben und Anwenden von Medizinprodukten (Medizin­
produkte-Betreiberverordnung – MPBetreibV) in der Fassung der Bekanntmachung vom
21. August 2002 (BGBl. I S. 3396), zuletzt geändert durch Artikel 4 des Gesetzes vom 29.
Juli 2009 (BGBl. I S. 2326)
Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der
Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit (Arbeitsschutz­
gesetz - ArbSchG) vom 7. August1996 (BGBl. I, S. 1246) zuletzt geändert durch Art. 8 des
Gesetzes vom 19. Oktober 2013 (BGBl. I S. 3836)
Verordnung über Arbeitsstätten (Arbeitsstättenverordnung - ArbstättV) vom 12. August
2004 (BGBl. I, S 2179) zuletzt geändert durch Artikel 4 der Verordnung vom 19. Juli 2010
(BGBl. I S. 960)
Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit biologischen Ar­
beitsstoffen (Biostoffverordnung – BioStoffV)
vom 15. Juli 2013 (BGBl. I S. 2514)
Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) vom 18. Dezember 2008
(BGBl. I S. 2768), zuletzt geändert durch Artikel 5 Absatz 8 der Verordnung vom 26. No­
vember 2010 (BGBl. I S. 1643)
Siebtes Buch Sozialgesetzbuch - Gesetzliche Unfallversicherung - (Artikel 1 des Ge­
setzes vom 7. August 1996, BGBl. I S. 1254), zuletzt geändert durch Artikel 6 des
Gesetzes vom 19. Oktober 2013 (BGBl. I S. 3836)
Verordnung über Anforderungen an die Hygiene beim Herstellen, Behandeln und
Inverkehrbringen von Lebensmitteln (Lebensmittelhygiene-Verordnung - LMHV) vom
8. August 2007 (BGBl. I S. 1816, 1817), zuletzt geändert durch Artikel 1 der Verord­
nung vom 14. Juli 2010 (BGBl. I S. 929)
28

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Technische Regeln
Vorschriften, Regeln, Informationen der Deutschen Unfallversicherung (DGUV)
(nachzulesen unter
www.baua.de
und
www.dguv.de/inhalt/medien/datenbank/index.jsp)
Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 400: Handlungsanleitung zur Ge­
fährdungsbeurteilung bei Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen
Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe (TRBA) 250: Biologische Arbeitsstoffe im
Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege
BGV/GUV-V A 1 „Grundsätze der Prävention“
BGV/GUV-V A 4 „Arbeitsmedizinische Vorsorge“
BGR/GUV-R A 1 „Grundsätze der Prävention“
BGR/GUV-R 189 „Benutzung von Schutzkleidung“
BGR/GUV-R 195 „Benutzung von Schutzhandschuhen“
BGR/GUV-R 206 „Desinfektionsarbeiten im Gesundheitsdienst“
BGR 208 „Reinigungsarbeiten mit Infektionsgefahr in medizinischen Bereichen“
BGR/GUV-R 500 Betreiben von Arbeitsmitteln, Kapitel 2.6: Betreiben von Wäschereien
BGI/GUV-I 853 „Betriebsanweisungen nach Biostoffverordnung“
BGI/GUV-I 8536 „Verhütung von Infektionskrankheiten“
BGI/GUV-I 8537 „ Kanülenstichverletzungen sind vermeidbar“
M612/613 „Risiko Virusinfektionen“ und M612/613-LI „Liste sicherer Produkte - Schutz vor
Schnitt- und Stichverletzungen
http://www.bgw-online.de/internet/generator/Inhalt/OnlineInhalt/Medientypen/
bgw_20themen/M612-M613-Risiko-Virusinfektion.html
Vorgehen nach Stich- und Schnittverletzungen - Begründung für das Regeluntersuchungs­
programm der BGW
http://www.bgw-online.de/internet/generator/Inhalt/OnlineInhalt/Medientypen/Fachartikel/
Regeluntersuchungsprogramm__Nadelstichverletzungen.html
Weitere Informationen zum Schutz vor Verletzungen durch spitze oder scharfe Instrumente
(Nadelstichverletzungen) unter
-
http://www.nadelstichverletzung.de/content/home.html
-
http://www.stop-nadelstich.de/
-
http://www.baua.de/de/Ueber-die-BAuA/Modellprogramm/Nadelstichverletzungen.html
Pflegeprogramm Hände – Informationen für Pflegeberufe (BGW)
29

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Wichtige fachliche Standards
Mitteilungen und Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektions­
prävention am Robert Koch-Institut in jeweils aktuell gültiger Fassung
(www.rki.de)
AWMF-Leitlinien in jeweils aktuell gültiger Fassung
(www.awmf.org/leitlinien.html)
Aktuelle Liste der vom Robert-Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel
und -verfahren
Aktuelle Desinfektionsmittelliste des Verbundes für Angewandte Hygiene (VAH)
Kleidung und Schutzausrüstung für Pflegeberufe aus hygienischer Sicht (Sektion Hygiene
in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege/Rehabilitation der DGKH, Ak­
tualisierte Fassung 2008);
www.dgkh.de
Aktuelle Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO);
www.rki.de
Aktuelle Impfempfehlungen der Sächsischen Impfkommission (SIKO);
www.slaek.de
Vollzugshilfe zur Entsorgung von Abfällen aus Einrichtungen des Gesundheitsdienstes
(LAGA, Stand September 2009)
Materialien des MRE-Netzwerkes Sachsen;
www.gesunde.sachsen.de/15542.html
30

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Weiterführende Literatur
Schulze-Röbbecke, R., (2009): Standardmaßnahmen zur Prävention der Übertragung no­
sokomialer Infektionen – Standardhygiene, Basishygiene. Krankenhaushygiene up2date 4,
S. 193-203
Nussbaum, B. (2009): Kleidung und Schutzausrüstung für Pflegeberufe aus hygienischer
Sicht. Hygiene & Medizin 3, März 2009, S. 102-107
Kramer, A. et al (2008): Hygieneanforderungen beim Umgang mit Lebensmitteln in Kran­
kenhäusern, Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen. Hygiene & Medizin 5, Mai 2008, S.
201-205
Kramer, A. et al (2009): Maßnahmeplan für MRSA in Gesundheitseinrichtungen. Hygiene &
Medizin 10, Oktober 2009, S. 402-409
Neumann, M., Schuh T. (2012): Kompendium Krankenhaushygiene. Ein Leitfaden für me­
dizinisches Personal mit einer Auswahl an Testfragen, 20. Auflage. Trier: Krankenhaus der
Barmherzigen Brüder
Steuer, W.; Ertelt, G.; Stahlhacke, M.: Hygiene in der Pflege. Kohlhammer-Verlag
2005
Bergen, P.: Hygiene für ambulante Pflegeeinrichtungen. Elsevier, Urban & Fischer
2005.
Kramer, A.; Daeschlein, G.; Chergui, B.; Wagenvoort, J.H.: Hygiene: Prüfungswissen
für Pflege- und Gesundheitsfachberufe. Elsevier, Urban & Fischer 2005.
31

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Anlage 3
Reinigungs- und Desinfektionsplan (Muster)
Reinigungs- oder Desinfekti­
onsbereich
R
einigung/
D
esinfekti­
on/
S
terilisation
Wann?
Womit?
Einwirkzeit/
Konzentration/
Zubereitung
Wie?
Wer?
Hände waschen
R
-
bei Verschmutzung
Waschlotion in Spendern
oder Flaschen
auf die feuchte Haut geben und mit Wasser
aufschäumen
Personal
-
nach Toilettenbenut­
zung
Einweghandtücher ver­
wenden
Hände desinfizieren
D
-
VOR Kontakt mit dem
Pflegebedürftigen
Mittel der VAH-Liste
Empfehlung der
VAH/
-
ausreichende Menge, ca. 3-5 ml auf
der trockenen Haut gut verreiben,
Personal
-
VOR aseptischen
gebrauchsfertig
Hautfläche soll unter der Einwirkzeit
Tätigkeiten
vom Desinfektionsmittel satt benetzt
-
VOR Umgang mit
sein,
Lebensmitteln,
-
bei sichtbarer, grober Verschmutzung
-
NACH Kontakt mit
diese vorher mit Zellstoff beseitigen,
dem Pflegebedürftigen
-
erst nach der Desinfektion (Einwirkzeit)
-
NACH Kontakt mit
Hände waschen
potentiell infektiösen
Materialien
-
NACH Kontakt mit
Oberflächen in unmit­
telbarer Umgebung
des zu Pflegenden
-
NACH Ablegen der
Einmalschutzhand­
schuhe
-
NACH Tierkontakt
Händepflege
Vor Arbeitsbeginn,
Handcreme aus Tuben
auf trockener Hautgut verreiben
Personal
am Arbeitsende,
oder Spendern
vor längeren Pausen
Umgebung des zu Pflegenden
(Griffbereich von Bett, Nachttisch
D
täglich
Desinfektionsreiniger
Empfehlung der
VAH Herstelleran-
Wischdesinfektion
Personal
32

Rahmenhygieneplan für ambulante Pflegedienste
Stand Dezember 2013 (Fassung für den Freistaat Sachsen)
Reinigungs- oder Desinfekti­
onsbereich
R
einigung/
D
esinfekti­
on/
S
terilisation
Wann?
Womit?
Einwirkzeit/
Konzentration/
Zubereitung
Wie?
Wer?
usw.) bei vorhandenen Infektio­
gaben
nen
Kontaminierte Flä­
chen/Gegenstände
D
nach Kontamination mit
Blut/ Fäkalien sofort desin-
Flächendesinfektionsmittel Empfehlung der
VAH/
Wischdesinfektion
Personal
fizieren
Herstellerangaben,
Verunreinigungen vorab mit
Nachweis der
Zellstoff entfernen
Viruzidie
Nackenrollen, Knierollen usw.
D
bei Nutzerwechsel
Flächendesinfektionsmittel Empfehlung der
VAH/ Herstelleran­
gaben
Wischdesinfektion
Personal
Steckbecken, Urinflaschen
D
nach Benutzung
Desinfektionsreiniger
Herstellerangaben
Personal
Vernebler, Sauerstoff-, Befeuch­
ter-, Absaugsysteme, Inhalatbe­
hälter,
(Mehrwegmaterial)
D, (S)
täglich,
bei Nutzerwechsel
Automat (Dienststelle)
ggf. Geschirrspüler im
Haushalt oder Auskochen
Herstellerangaben
beachten
Automat, Sterilisation falls erforderlich
Personal
Fieberthermometer
D
nach Benutzung
Desinfektionsmittel auf
Wirkstoffbasis von
Alkohol
Empfehlung der
VAH
Wischdesinfektion
Personal
33