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Pegasus 2012 – Schulen adoptieren Denkmale
Bildungsreihe für LehrerInnen und SchülerInnen am 27.09.2012, Dresden-Friedrichstadt
Am 27. September fand im Rahmen des Programms „Pegasus – Schulen adoptieren
Denkmale“ ein Bildungstag statt, an dem 95 Schülerinnen und Schüler mit ihren Lehrerinnen
und Lehrern teilnahmen. Zur Exkursion hatten das Staatsministerium für Kultus und das
Landesamt für Denkmalpflege eingeladen. Dieses Jahr waren Denkmalentdeckungen in der
Dresdner Friedrichstadt das zentrale Thema.
Im Festsaal des Marcolini-Palais wurden die Teilnehmenden von Sabine Hunger
(Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt), Sabine Webersinke (Landesamt für Denkmalpflege)
und Ralf Seifert (Staatsministerium für Kultus) begrüßt. Hier erfuhren die Anwesenden
bereits einiges zur Geschichte der Friedrichstadt, die einst ein Fischerdorf außerhalb
Dresdens war. Namentlich wurde dieses Gebiet zuerst als das Dorf
Oztrov
erwähnt. Das
altsorbische Wort bedeutet „Flussinsel“ und beschreibt, dass dieses hochwasserfreie Gebiet
einst wie eine Insel westlich der Weißeritzmündung lag.
Nachdem Frau Hunger eine Einführung zur Anlage gegeben hatte, durften wir die ältesten
und
geschichtsträchtigsten
Räume
des
Palais
besichtigen:
das
chinesische
und
pompejanische Zimmer. Diese Räumlichkeiten bedürfen eines besonderen Schutzes, denn
die Wandtapeten der Zimmer sind so kostbar, dass allein unsere Atmung sie gefährden
würde. Nur etwa 10 Personen dürfen an einem Tag die Räume betreten. Wir durften
ausnahmsweise von der Tür aus hineinsehen.
Anschließend wurden wir durch die Gartenanlage des heutigen Krankenhauses geführt. Die
Teilnehmenden bemerkten, dass selbst kleine Statuen und Brunnen eine lebendige
Geschichte haben können. Abschließend besichtigten wir den berühmten Neptunbrunnen,
einer der bedeutendsten Barockbrunnen Dresdens.

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Die Schülerinnen und Schüler erkunden die Gartenanlage hinter dem Marcolini-Palais.
Nach einer kurzen Trinkpause liefen wir auf die andere Seite des Krankenhauses, wo uns
Herr Dr. Bernhard Sterra vom Amt für Kultur und Denkmalschutz auf die Architektur in der
Friedrichstraße aufmerksam machte. Es stehen sich hier ein vor kurzem restauriertes
Fachwerkhaus, alte abrissbereite Ruinen und neuere Architektur der 90er Jahre gegenüber.
Herr Dr. Arndt Kiesewetter führte uns danach über die Friedrichstraße zum Alten
Katholischen Friedhof. Dort weihte er uns zunächst in die Entstehung und Bedeutung des
Friedhofs ein. Er ist eine der ältesten noch erhaltenen Begräbnisstätten Dresdens. Als er
1724 eingeweiht wurde, war er der erste katholische Friedhof der Stadt. Der Bedarf einer
Begräbnisstätte und auch die polnischen Namen auf vielen Grabsteinen erklären sich aus der
sächsischen Geschichte. August der Starke konvertierte, um die polnische Königskrone
erlangen zu können, im Jahr 1697 zur katholischen Kirche. Aus diesem Grund kamen mehr
und mehr katholische Künstler, Gelehrte und Beamte in die Hauptstadt Sachsens.
Dr. Kiesewetter berichtet von Geschichte, die sich um einen Grabstein rankt.
Im Friedhof stehen auch einige Grabmäler berühmter Künstler: Im Alter von 80 Jahren schuf
Balthasar Permoser, einer der bedeutendsten Bildhauer des Barock, seinen eigenen
Grabschmuck. Das Sandsteinwerk ist zum Schutz vor der Witterung in einen Anbau der
kleinen Kapelle des Friedhofs gebracht worden. Am Ende der Führung sahen wir uns das
Grab von Carl Maria von Weber an. Es wurde 1844 auf Wunsch Richard Wagners nach
Dresden überführt und von Gottfried Semper erbaut. Wir streiften in diesem kleinen
Friedhof die Themen Politik, Religion, Musik, die bildenden Künste und einiges mehr. Dieser
Ort zeigte uns, wie die Geschichte von Denkmalen einen interdisziplinären Zugang möglich
macht.
Nach einem kurzen Fußmarsch über den Flutgraben nahmen wir im Sportgymnasium einen
Mittagsimbiss ein. Das Gymnasium befindet sich im Messeareal und ist ein Beispiel für die
Weiternutzung alter Anlagen. Im ehemaligen Städtischen Vieh- und Schlachthof entstand in
den 90er Jahren das heutige Messegelände. Das Ensemble besteht aus historischen
Gebäuden des ehemaligen Erlwein'schen Schlachthofes sowie neu errichteten Bauten. Die
Teilnehmenden wurden von Schülerinnen und Schülern des Sportgymnasiums mit der

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Anlage vertraut gemacht. Danach führten Felix Liebig (Kultur!ngenieur) und Antje Meichsner
durch das Messegelände. Die Schülerinnen und Schüler konnten anhand alter Diafotos und
selbst aufgenommener Bilder vergleichen, was sich hier über die Jahre verändert hat.
Präsentation von Ergebnissen der Diasafari.
Beim Treffen auf dem Messegelände.
Zur gleichen Zeit konnten die Grundschüler im Sportgymnasium Architektur und deren
Veränderung durch die Zeit erleben. Frau Reichle vom Forum für Baukultur e.V. brachte den
Kindern Bilder aus verschiedenen Jahrhunderten einer fiktiven Straße mit. So konnten die
Schülerinnen und Schüler entdeckend lernen, wie sich die Architektur vom Mittelalter bis
heute entwickelt hat. Bereits nach kurzer Zeit konnten die SchülerInnen erkennen, wo die
Unterschiede lagen, was sich wie verändert hatte. Gründe hierfür sowie die Namen der
einzelnen Bauelemente erklärte ihnen Frau Reichel „ganz nebenbei“. Anschließend haben
die Schülerinnen und Schüler eigene Häuser verschiedener Giebelarten gestalten können.
Am Ende konnten sie diese zu ihrer eigenen Straße zusammenlegen.
Bunt ging es zu bei den Grundschülern
im Programm
„Die Torstraße- Häuser erzählen
Geschichte“
Die Lehrerinnen und Lehrer widmeten sich währenddessen einer Raumerforschung durch
das Messegelände. Ulrich Finger von der MESSE Dresden GmbH führte durch den
ehemaligen Städtischen Schlacht- und Viehhof.
Der Bildungstag von Pegasus bot den Teilnehmerinnen und Teilnehmern verschiedene
Programmpunkte, die auf die besondere Geschichte von Dresden-Friedrichstadt aufmerksam

machten. Abseits viel betretender Wege fanden wir hier Denkmäler, die einiges über die
sächsische und europäische Geschichte berichten konnten.
Bericht von Maria Schott, Praktikantin im Staatsministerium für Kultus