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Staqnd
Lehrplan für
Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen
an allgemeinbildenden Schulen
Deutsch als Zweitsprache
2000/2009/2018

Dieser Lehrplan für die Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen tritt
am 1. August 2018 in Kraft.
Impressum
Der Lehrplan wurde erstellt durch Lehrerinnen und Lehrer an allgemein- und berufsbildenden Schulen
in Zusammenarbeit mit dem
Sächsischen Staatsinstitut für Bildung und Schulentwicklung
- Comenius-Institut -
Eine teilweise Überarbeitung des Lehrplans erfolgte nach Abschluss der Phase der begleiteten Lehr-
planeinführung 2009 durch das Sächsische Bildungsinstitut.
Eine weiterführende Überarbeitung erfolgte durch das Landesamt für Schule und Bildung in Zusammen-
arbeit mit Fachberaterinnen Deutsch als Zweitsprache/Migration der Standorte des Landesamtes für
Schule und Bildung.
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Carolaplatz 1
01097 Dresden
www.smk.sachsen.de
Download
www.bildung.sachsen.de/apps/lehrplandb/

Deutsch als Zweitsprache
DaZ
2018
3
Inhaltsverzeichnis
Hinweise für den Benutzer
4
Teil Grundlagen
6
Die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten
6
Steuerung des Integrationsprozesses
9
Organisation des Unterrichts
9
Leistungsermittlung und -bewertung
10
Fachdidaktische Prinzipien
11
Lernen lernen
13
Spezieller Teil Lehrplan Deutsch als Zweitsprache
14
Ziele, Inhalte und Methoden des Unterrichts
14
Erste Etappe: Vorbereitung auf die schrittweise Integration in eine Regelklasse
14
Zweite Etappe: Schrittweise Integration in eine Regelklasse
23
Dritte Etappe: Entwicklung bildungssprachlicher Kompetenzen
32

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
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2018
DaZ
Hinweise für den Benutzer
Gliederung
Der Lehrplan ist gegliedert in einen grundlegenden und einen speziellen
Teil. Der erste Teil stellt schulpolitische und schulpädagogische Grund-
lagen der Integration sowie didaktische Prinzipien des Unterrichts von
Deutsch als Zweitsprache dar, auf denen die Angaben zur Planung und
Durchführung des Unterrichts im speziellen Teil beruhen.
Der spezielle Teil folgt im Aufbau der sächsischen Konzeption zur In-
tegration von Migranten. Er ist nach dem Grad der Beherrschung des
Deutschen in drei Etappen gegliedert.
Ziel der Etappe
Jeder Etappe ist jeweils eine allgemeine Zielstellung vorangestellt. Sie
enthält eine zusammenfassende Charakterisierung der Etappe.
Ziel des Lernbereichs
Aus stofflogischen Gründen sind die Etappen im Lehrplan in Lernberei-
che eingeteilt. Sie sind in einem kommunikativ orientierten Unterricht als
Einheit zu betrachten und frei kombinierbar. Jede Etappe umfasst vier
Lernbereiche zur Erreichung der spezifischen Zielstellungen für die
Sprachhandlungen Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben. Jedem
Lernbereich ist eine Zielstellung vorangestellt, die ebenso wie die in der
linken Spalte ausgewiesenen Lerninhalte verbindlich ist. Die rechte Spal-
te enthält unverbindliche thematische Anregungen sowie Beispiele und
Hinweise, zum Teil altersspezifisch.
Inhalte
Hinweise
Methodische
Erläuterungen
Jedem Lernbereich bzw. dem Wahlbereich werden methodische Erläu-
terungen nachgestellt. Die Bestimmung geeigneter Themen, die Wahl
geeigneter Methoden und die Schwerpunktsetzung liegen grundsätzlich
in der Verantwortung des einzelnen Lehrers. Die Anordnung der Inhalte
im Lehrplan schreibt nicht die Reihenfolge der Erarbeitung im Unterricht
vor.
Verweisdarstellungen
Verweise auf Lernbereiche des gleichen Faches und anderer Fächer so-
wie auf überfachliche Ziele werden mit Hilfe folgender grafischer Ele-
mente veranschaulicht:
1. Etappe, LB 2
Verweis auf Lernbereich des gleichen Faches
MU, Kl. 5, LB 2
Verweis auf Klassenstufe, Lernbereich eines ande-
ren Faches
Sozialkompetenz
Verweise auf ein Bildungs- und Erziehungsziel
(s. Ziele und Aufgaben der allgemeinbildenden
Schulen)
Lehrer, Schüler,
Vorbereitungsklasse,
Vorbereitungsgruppe
Die Bezeichnungen werden im Lehrplan generalisierend für Lehrerin-
nen/Lehrer und Schülerinnen/Schüler gebraucht. Ebenso wird die Be-
zeichnung „Vorbereitungsklasse“ generalisierend für Vorbereitungsgrup-
pe bzw. Vorbereitungsklasse verwendet.

Deutsch als Zweitsprache
DaZ
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5
Abkürzungen
GS
Grundschule
OS
Oberschule
LB
Lernbereich
DE
Deutsch
DaZ
Deutsch als Zweitsprache
MA
Mathematik
EN
Englisch
BIO
Biologie
GE
Geschichte
GEO
Geographie
GK
Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung
ETH
Ethik
MU
Musik
SU
Sachunterricht
WTH
Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
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DaZ
Teil Grundlagen
Die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten
Grundsätze der Integration an allgemeinbildenden Schulen
Kinder und Jugendliche verschiedener Nationalitäten besuchen sächsische Schulen. Sie besitzen mit
ihrer lebensweltlichen Mehrsprachigkeit ein besonderes Bildungspotential. Im Schulgesetz für den Frei-
staat Sachsen wird ausgeführt, dass der Erziehungs- und Bildungsauftrag durch das Recht eines jeden
jungen Menschen auf eine seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprechende Erziehung und Bildung
ohne Rücksicht auf Herkunft oder wirtschaftliche Lage bestimmt wird. Aus dieser Bestimmung folgt, dass
für Schüler mit Migrationshintergrund wie für alle Schüler die gleichen Chancen zur Wahrnehmung von
Bildungsmöglichkeiten zu gewährleisten sind.
Die sächsische Konzeption zur Integration von Migranten ist durch die Gleichwertigkeit der unterrichtli-
chen und sozialen Komponente gekennzeichnet. Integration bedeutet Teilhabe am gesellschaftlichen,
politischen, sozialen und kulturellen Leben außerhalb der Schule ebenso wie an regulären Unterrichts-
und Bildungsangeboten der Schule.
Daraus ergeben sich vielfältige Anforderungen an die zuständigen Behörden und die Lehrer sächsischer
Schulen. Gemeinsam tragen sie eine besondere Verantwortung dafür, wie Bildungsprozesse zu einer
gelingenden Integration beitragen und sich bei allen Schülern ein pluralistisches Verständnis entwickelt.
Die besondere Bildungsberatung durch Vertreter der Schulaufsicht, die sich anschließende Bildungsbera-
tung durch ausgebildete Betreuungslehrer, der Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache, der her-
kunftssprachliche Unterricht und die Möglichkeit, die Sprache des Herkunftslandes an Stelle einer
Fremdsprache anzuerkennen, stellen unverzichtbare Kernelemente zur Erreichung dieser Zielstellung
dar.
Die Gliederung des Integrationsprozesses in Etappen
Für den Bildungserfolg in der Bundesrepublik Deutschland sind der Gebrauch der deutschen Sprache auf
bildungssprachlichem Kompetenzniveau und eine schnellstmögliche Teilnahme am Regelunterricht von
zentraler Bedeutung.
Der Integrationsprozess bedarf einer besonders sorgfältigen pädagogischen Planung. Die sprachliche
Vorbereitung und die Teilnahme am regulären Bildungsangebot sind in ein zielgerichtetes Verhältnis zu-
einander zu bringen. Dazu sieht der Lehrplan Deutsch als Zweitsprache einen individuellen schrittweisen
Übergang in Regelklassen allgemeinbildender Schulen vor, der sich in drei Etappen gliedert. Neu zuge-
wanderte Schüler werden dabei in den Vorbereitungsklassen in zwei Etappen an allgemeinbildenden
Schulen auf die vollständige Integration in eine Regelklasse und damit auf eine gleichberechtigte Teilha-
be am Regelunterricht vorbereitet. Zeitlich und inhaltlich variiert dieser individuelle Integrationsprozess in
erheblichem Maße, in Abhängigkeit von den Vorkenntnissen, dem bisherigen Bildungsweg und den Per-
sönlichkeitsmerkmalen der Schüler. Bei Bedarf ist auch für Schüler mit Migrationshintergrund, die schon
längere Zeit in der Bundesrepublik Deutschland leben oder hier geboren sind, der Besuch einer Vorberei-
tungsklasse möglich.
Erste Etappe
In der ersten Etappe soll die sprachliche Grundlage für die Fähigkeit zur Teilnahme am Regelunterricht
und am sozialen Leben der unmittelbaren Umwelt gelegt werden. Ziel der ersten Etappe ist es, Grundla-
gen für bildungssprachliche Kompetenzen zu legen bzw. in Abhängigkeit von den individuellen Lernfort-
schritten auszubauen. Dabei ist die Heterogenität zu beachten. Schüler mit stark unterbrochener Bil-
dungslaufbahn oder ohne bisherige schulische Erfahrungen sind grundsätzlich mit der Institution Schule
vertraut zu machen. Im Verlauf der ersten Etappe beobachtet und diagnostiziert der Betreuungslehrer die
sprachliche Entwicklung der Schüler auf der Grundlage der Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweit-
sprache für die Primarstufe
1
(Klassenstufen 3 und 4) bzw. für die Sekundarstufe I (Klassenstufen 5 bis
10), um mit den Fachlehrern, Personensorgeberechtigten und den Schülern die nächsten weiteren Integ-
rationsschritte zu vereinbaren. Bei diesen Vereinbarungen ist zu berücksichtigen, dass die sprachliche
1
In den Klassenstufen 1 und 2 stellen die Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Primarstufe
eine Orientierung für den Lehrer zur Beobachtung der sprachlichen Entwicklung der Schüler dar.

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Entwicklung ebenso eine Rolle spielt wie die Persönlichkeit, die soziale Integration, die fachlichen Kennt-
nisse, die persönlichen Interessen, die Fähigkeiten und Wünsche des Schülers.
Der Prozess der Teilintegration soll entsprechend den individuellen Voraussetzungen so früh wie möglich
einsetzen. Darüber hinaus ist bei Schülern an Schulen der Sekundarstufe I langfristig in Abhängigkeit von
der Interessenlage neben einer Fortsetzung der Bildungslaufbahn auf dem ersten Bildungsweg ggf. auch
eine Fortsetzung der Bildungslaufbahn auf dem zweiten Bildungsweg in den Blick zu nehmen.
Zweite Etappe
Der Unterricht Deutsch als Zweitsprache ändert je nach sprachlicher Entwicklung der Schüler in der zwei-
ten Etappe seinen Charakter. Im Mittelpunkt steht die Ausbildung mündlicher und schriftlicher kommuni-
kativer Handlungsfähigkeit mit besonderem Gewicht auf dem Ausbau bildungssprachlicher Fähigkeiten.
In enger Zusammenarbeit zwischen Betreuungslehrern, Klassenlehrern, Fachlehrern und Personensor-
geberechtigten wird für jeden Schüler auf der Grundlage der Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweit-
sprache für die Primarstufe
2
(Klassenstufen 3 und 4) bzw. für die Sekundarstufe I (Klassenstufen 5 bis
10) festgelegt, wie die weitere Integration bis zum endgültigen Übergang in die Regelklasse erfolgt. Es
wird entschieden, welche Fächer in welcher Reihenfolge besucht werden und wie lange die Vorberei-
tungsklasse besucht wird.
Bei den Entscheidungen über die Wahl der Fächer und der Bildungsgänge empfiehlt es sich, eine Rei-
henfolge von weniger sprachbetonten hin zu stärker sprachbetonten Fächern zu planen. Auch in der
zweiten Etappe sind die Kenntnisse, Fähigkeiten und Neigungen der Schüler als Entscheidungskriterien
einzubeziehen.
Der Betreuungslehrer bereitet die Schüler in Deutsch als Zweitsprache auf die sprachlichen Anforderun-
gen des Fachunterrichts vor. Darauf aufbauend leisten die Fachlehrer die spezifische sprachliche Arbeit
des jeweiligen Faches und tragen damit zur gesamtsprachlichen Entwicklung des Schülers bei. Zur indi-
viduellen Gestaltung dieses Prozesses ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Betreuungs- und Fach-
lehrern erforderlich, denn bereits mit Beginn der zweiten Etappe ist die Umsetzung sprachlicher Bildung
in allen Fächern und damit sprachbewusster Unterrichtskonzepte entscheidend für die sprachliche Ent-
wicklung der Schüler.
Dritte Etappe
Der dritten Etappe kommt in allen Schularten eine besondere Bedeutung zu. Die Schüler sind voll in die
Regelklassen allgemeinbildender Schulen integriert.
Um das der jeweiligen Klassenstufen gemäße Niveau der Bildungssprache zu erreichen, müssen sich die
Lehrer aller Fächer ihrer sprachlichen Bildungsaufgabe bewusst sein, sie als Teil ihrer Arbeit verstehen
und annehmen sowie die sprachliche Didaktisierung des Fachunterrichts umsetzen. Die fachintegrative
sprachliche Bildung nimmt somit den größeren Teil im Rahmen der dritten Etappe ein.
Das Fach Deutsch als Zweitsprache wird bildungslaufbahnbegleitend weiter unterrichtet, um gezielt an
den bildungssprachlichen Kompetenzen mit besonderem Gewicht auf dem Ausbau der fächerspezifi-
schen sprachlichen Fähigkeiten zu arbeiten. Dazu stimmt sich der Deutsch als Zweitsprache unterrich-
tende Lehrer mit den anderen Fachlehrern der Regelklasse ab, um in Abhängigkeit von den Lernvoraus-
setzungen der Schüler sowie den fach- und bildungssprachlichen Anforderungen des jeweiligen Fachun-
terrichts individuelle Schwerpunkte im Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache auszuwählen und zu
gestalten. Dieser Prozess wird durch die Arbeit mit den Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache
für die Primarstufe
2
(Klassenstufen 3 und 4) bzw. für die Sekundarstufe I (Klassenstufen 5 bis 10) oder
Sekundarstufe II begleitet.
2
In den Klassenstufen 1 und 2 stellen die Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Primarstufe
eine Orientierung für den Lehrer zur Beobachtung der sprachlichen Entwicklung der Schüler dar.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
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Schematische Darstellung des individuellen Übergangs zwischen den Etappen
Erste Etappe
Zweite Etappe
Dritte Etappe
DaZ
grundlegend
DaZ
hinführend
DaZ
begleitend im Fachunter-
richt und additiv im DaZ-
Unterricht
Teilintegration von weniger sprach-
betonten zu stärker sprachbetonten
Fächern
Sprachliche Bildung in allen Fächern

Deutsch als Zweitsprache
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Steuerung des Integrationsprozesses
Die Integration der Schüler liegt als gesamtschulische Aufgabe in der gemeinsamen Verantwortung der
Schulleitung und aller beteiligten Lehrer. Der Betreuungslehrer, der zugleich der Fachlehrer für Deutsch
als Zweitsprache ist, trägt eine besondere Verantwortung. Er nimmt Aufgaben wahr, die weit über den
Unterricht in Deutsch als Zweitsprache hinausgehen. Dem Betreuungslehrer obliegt es, zusammen mit
der Schulleitung und den Fachlehrern für die aktive Umsetzung der sächsischen Konzeption zur Integra-
tion von Migranten in Zusammenarbeit mit der zuständigen Schulaufsichtsbehörde zu sorgen.
Der Betreuungslehrer ist für den gesamten schulischen Integrationsprozess als Berater, Mentor und In-
tegrationsbegleiter verantwortlich. Er nimmt folgende Aufgaben in enger Kooperation mit Schulleitung und
Lehrerteam wahr, wobei in Abhängigkeit vom individuellen Integrationsprozess der Schüler unterschiedli-
che Schwerpunkte im Aufgabenspektrum zu setzen sind:
-
Sensibilisierung aller an der schulischen Integration beteiligten Personen im Sinne einer Aktivierung
der emotionalen, kognitiven und insbesondere der motivationalen Einstellungen zu den Themen
Migration, Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache zur Schaffung eines integrationsfördern-
den Schulklimas
- Beratung von Schulleitungen, Lehrern, Schülern und Personensorgeberechtigten zu Rahmenbedin-
gungen, zur Entwicklung von sprachbewussten Unterrichtskonzepten und zur Kooperation mit allen
schulischen Beteiligten
-
Abstimmung der individuellen Maßnahmen zur schrittweisen Integration in den Regelunterricht unter
Beachtung der Spezifik der Schulart
-
Erarbeitung von Festlegungen zur Teilintegration und zu individuellen Integrationsmaßnahmen
-
Koordination der schulischen und außerschulischen Integrationsprozesse
- Kooperation mit allen an der Integration beteiligten Partnern im Rahmen der innerschulischen und
außerschulischen Netzwerkarbeit (Schulaufsicht, andere Behörden, Jugendmigrationsdienste, Aus-
länder- und Integrationsbeauftragte, Migrantenorganisationen, Wohlfahrtsverbände, religiöse Ge-
meinden und Initiativen)
In allen Etappen des Integrationsprozesses ist die Kooperation der beteiligten Lehrkräfte von besonderer
Wichtigkeit. Auch hierbei fällt dem Betreuungslehrer ein wesentlicher Teil der Verantwortung zu, z. B. die
rechtzeitige Absprache der ersten Integrationsschritte, die Unterstützung bei der Kontaktaufnahme des
Schülers mit seinen Fachlehrern, die gemeinsame Besprechung der weiteren Integrationsschritte und die
Aufstellung der individuellen Stundenpläne der Schüler in der zweiten Etappe, die Information der Kolle-
gen über diese Stundenpläne, die Abstimmung von Unterrichtsinhalten zwischen dem Regelunterricht
und dem Unterricht des Deutschen als Zweitsprache.
Organisation des Unterrichts
Klassen- und Gruppenbildung
Klassen bzw. Gruppen im Fach Deutsch als Zweitsprache sind altersbezogen zu bilden. Das gilt auch für
die während des Schuljahres neu hinzukommenden Schüler.
Für die Grundschule können gemäß Schulordnung höchstens zwei aufeinanderfolgende Klassenstufen
zusammengefasst werden. Für die Oberschule bzw. das Gymnasium können gemäß der jeweiligen
Schulordnung höchstens drei aufeinanderfolgende Klassenstufen zusammengefasst werden.
3
Folgende Klassen- und Gruppenbildung wird empfohlen:
für die Grundschule
-
Schüler der Klassen 1 und 2
-
Schüler der Klassen 3 und 4
für die Oberschule/das Gymnasium
-
Schüler der Klassen 5 bis 7
-
Schüler der Klassen 8 bis 10
Für die Klassen- und Gruppenbildung ist die Schulaufsicht verantwortlich.
3
Für die Förderschulen gilt eine vergleichbare Klassenbildung.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
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Innere Differenzierung
Auch eine relativ altershomogene Klassen- und Gruppenzusammensetzung bedeutet keine homogene
Ausgangslage der Lernsituation. Es lernen in der Regel in ein und derselben Klasse Schüler unterschied-
licher Herkunftssprachen sowie Schüler mit und ohne Vorkenntnisse in der deutschen Sprache. Darüber
hinaus werden im Verlaufe des gesamten Schuljahres neue Schüler in die Vorbereitungsklasse aufge-
nommen.
Der Betreuungslehrer gestaltet den Unterricht in der Vorbereitungsklasse binnendifferenziert. Mit Beginn
der zweiten Etappe entwickelt er in enger Kooperation mit den Fachlehrern individuelle Lern- und Inte-
grationspläne für die Schüler und passt diese den jeweiligen Lernvoraussetzungen im Integrationspro-
zess an.
Teilintegration
Im Mittelpunkt allen pädagogischen Handelns steht die individuelle Integrationsperspektive des einzelnen
Schülers. Das Ziel eines möglichst zeitigen Übergangs in die Regelklasse muss allen Beteiligten stets
gegenwärtig sein.
Während der zweiten Etappe hat die Teilnahme an ausgewählten Fächern in einer Regelklasse zuneh-
mend Vorrang vor dem Unterricht in der Vorbereitungsklasse, wobei es pädagogische Gründe geben
kann, vorübergehend anders zu entscheiden.
Für die Teilnahme am Unterricht in einer Regelklasse sollte der Schüler in Abstimmung zwischen dem
Betreuungslehrer und den jeweiligen Fachlehrern konkrete Arbeitsaufgaben erhalten. Im Rahmen des
Unterrichts in der Vorbereitungsklasse reflektieren die Schüler den Fachunterricht in der Regelklasse.
Ausgewählte Inhalte aus dem Regelunterricht dienen als Sprachanlässe im Fach Deutsch als Zweitspra-
che.
In besonders
pädagogisch begründeten Ausnahmefällen nach Prüfung und Entscheidung durch die Schul-
aufsicht kann der Unterricht anderer Fächer in dieser Etappe zeitlich begrenzt im Rahmen der Vorberei-
tungsklasse stattfinden.
Leistungsermittlung und -bewertung
Die Ermittlung, Beurteilung und Bewertung von Leistungen liegen in der pädagogischen Verantwortung
des Lehrers. Grundlage für die Beurteilung von Leistungen in Deutsch als Zweitsprache ist der vorliegen-
de Lehrplan unter Berücksichtigung der variablen zeitlichen Ausdehnung des Lernprozesses.
Der Betreuungslehrer informiert die Personensorgeberechtigten bei Aufnahme des Schülers über die
sächsische Konzeption zur Integration von Migranten und die Anforderungen des Lehrplans Deutsch als
Zweitsprache. Er bespricht regelmäßig die sprachliche Entwicklung mit dem Schüler und seinen Perso-
nensorgeberechtigten auf der Grundlage der Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die
Primarstufe
4
(Klassenstufen 3 und 4) bzw. für die Sekundarstufe I (Klassenstufen 5 bis 10) und lässt
ihnen eine schriftliche Einschätzung, in die auch Aussagen zum Verhalten eingehen, zukommen.
Eine Benotung findet während der ersten und zweiten Etappe nicht statt, weder in Deutsch als Zweitspra-
che noch in den Fächern, an denen der Schüler im Rahmen der Teilintegration teilnimmt. Das schließt
andere Formen der Leistungsermittlung und -bewertung nicht aus. Über die Form des Mitteilens von Leis-
tungs- und Verhaltensbewertungen an die Schüler entscheidet der Lehrer nach pädagogischem Ermes-
sen. In Betracht kommen mündliche wie schriftliche Verbalbeurteilungen oder visuelle Symbole. Der Leh-
rer hat in jedem Falle darauf zu achten, dass dem Schüler die Grundlage und der Bezugsrahmen der
jeweiligen Leistungsbewertung bewusst sind.
In der dritten Etappe erfolgt eine Benotung in allen Fächern wie bei allen Schülern. Der bildungslauf-
bahnbegleitende Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache wird nicht zusätzlich benotet.
4
In den Klassenstufen 1 und 2 stellen die Niveaubeschreibungen Deutsch als Zweitsprache für die Primarstufe
eine Orientierung für den Lehrer zur Beobachtung der sprachlichen Entwicklung der Schüler dar.

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Fachdidaktische Prinzipien
Für den Unterricht des Deutschen als Zweitsprache gelten durchgehende Prinzipien, die sich aus allge-
meinen didaktischen Erkenntnissen und der spezifischen sprachlichen und kulturellen Situation neu zu-
wandernder Kinder und Jugendlichen ableiten. Sie werden bei den Zielen der Etappen und der Lernbe-
reiche im Lehrplan nicht eigens ausgewiesen, sondern hier zusammengefasst dargestellt. Bei den inhalt-
lichen und methodischen Hinweisen werden an geeigneten Stellen Vorschläge zu ihrer Realisierung ge-
macht, so dass ihre durchgehende Berücksichtigung gewährleistet werden kann.
Den folgenden fachdidaktischen Prinzipien liegen zwei Voraussetzungen zugrunde: die Umsetzung der
sprachlichen Bildung durchgängig in allen Lernbereichen und Etappen sowie die Wertschätzung, Aner-
kennung und Förderung der lebensweltlichen Mehrsprachigkeit der Schüler als eine Ressource mit indi-
vidueller, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung.
Entwickeln der sprachlichen Handlungsfähigkeit in altersspezifischen kommunikativen Situationen
Beim Zweitspracherwerb handelt es sich um die Aneignung einer neuen Sprache in der zielsprachlichen
Umgebung. Deutsch als Zweitsprache wird in sozialer Interaktion in der zielsprachlichen Umgebung un-
gesteuert und im Unterrichtsfach Deutsch als Zweitsprache gesteuert erworben. Aufgrund der lebenswelt-
lichen Bedeutung des Deutschen als Zweitsprache geht der Unterricht vom Sprachhandlungsbedarf der
Schüler aus, greift ihre aktuellen Erfahrungen mit dem Deutschen als Zweitsprache auf und initiiert au-
ßerunterrichtliche Sprachkontakte. Für die Unterrichtsplanung sind die außerunterrichtlich erworbenen
Sprachkenntnisse immer wieder als aktivierendes Potential festzustellen und als Unterrichtsgegenstand
zu nutzen.
Entfaltung der individuellen lebensweltlichen Mehrsprachigkeit
Der Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache ist Teil des Gesamtkonzepts „Sprachliche Bildung“, das
für zwei- und mehrsprachig aufwachsende Schüler die Entfaltung der individuellen lebensweltlichen
Mehrsprachigkeit vorsieht. Er trägt zu einer positiven Einstellung zur Mehrsprachigkeit und zu einem be-
wussten Umgang mit Sprachenvielfalt bei. Das Zulassen und Einbeziehen der Herkunftssprachen sowie
das Herausbilden der Fähigkeit zum Vergleichen sprachlicher Erscheinungen in Herkunfts-, Zweit- und
Fremdsprachen sind im Deutsch als Zweitsprache-Unterricht daher selbstverständlich.
Entwickeln der sprachlichen Handlungsfähigkeit im Fachunterricht
Während das Prinzip Entwicklung der sprachlichen Handlungsfähigkeit in altersspezifischen kommunika-
tiven Situationen auf den außerschulischen Kommunikationsbedarf der Schüler gerichtet ist, fokussiert
dieses Prinzip die Entwicklung sprachlicher Handlungsfähigkeit im Fachunterricht. Beide Prinzipien zu-
sammen gewährleisten die in der sächsischen Konzeption zur Integration von Migranten geforderte
Gleichwertigkeit schulischer und gesamtgesellschaftlicher Partizipation.
Im Fachunterricht benötigte bildungs- und fachsprachliche Kompetenzen im Deutschen erwerben die
Schüler auf Grundlage von bereits erworbenem, aber sprachunabhängig verfügbarem Sachwissen sowie
im Unterricht Deutsch als Zweitsprache und auch außerschulisch erworbenen alltagssprachlichen Aus-
drucksweisen. Mit von Etappe zu Etappe zunehmender Bedeutung von Fach- und Bildungssprache steigt
der Bedarf an Unterstützung bei der Entfaltung sprachlicher Handlungsfähigkeit im Fachunterricht. Dies
soll aber nicht dazu führen, dass fachunterrichtliche Aufgaben vom Unterricht des Deutschen als Zweit-
sprache übernommen werden. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, die alltagssprachlichen Ausdrucks-
weisen verfügbar zu machen, die die Voraussetzung
für den Erwerb von Fach- und Bildungssprache sind.
Dabei sollten Themen gewählt werden, die vor allem als Gegenstand von Fachunterricht geeignet sind, um
das Verstehen von Fachtexten exemplarisch einzuüben und allgemeine Fähigkeiten der Text-
erschließung zu erwerben.
Entwickeln von Spracherwerbsstrategien
Gesteuerter Spracherwerb im Unterricht und ungesteuerter Spracherwerb in Alltagssituationen greifen
ineinander. Die Anforderungen an fachsprachliches Lernen im Regelunterricht und an bildungssprachliche
Kompetenz im Medium der Zweitsprache sind sehr hoch. Deshalb genügt es nicht, nur konkrete Sprach-
kenntnisse zu vermitteln. Die Schüler werden gezielt mit vielfältigen Sprachlernstrategien vertraut ge-
macht. Dazu zählen z. B. sich sprachliche Erscheinungen bewusst zu machen, Bezeichnungen zu erfra-
gen, Bedeutungen zu erschließen, Formen und Verwendungsweisen untereinander, auch zwischen den
Sprachen, zu vergleichen und Hilfsmittel effektiv zu nutzen sowie Lesestrategien.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
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Entwickeln der interkulturellen Handlungsfähigkeit in der Migrationsgesellschaft
Das Leben in einer Migrationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts ist durch hochfrequente Begegnungen
mit Menschen vielfältiger sozialer, kultureller und geografischer Herkunft und durch verschiedene indivi-
duelle biografische Erfahrungen gekennzeichnet. Sie bringen verschiedene Denktraditionen, Verhaltens-
weisen, Normen und Wertesysteme mit. Die Weiterentwicklung der Kompetenzen im Umgang mit dieser
sprachlichen und kulturellen Vielfalt stellt im Freistaat Sachsen eine fortlaufende Aufgabe des Bildungs-
wesens dar.
Die Schüler sollen zu einem sensiblen und zugleich selbstkritischen Umgang mit Anderssein befähigt
werden. Auch der Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache ist diesem Ziel verpflichtet und bietet
Möglichkeiten, die komplexe Vielfalt der Migrationsgesellschaft zu erkunden. Der erste Ansatzpunkt für
die pädagogische Arbeit sind die Erfahrungen und Wahrnehmungen der Schüler selbst. Der Unterricht,
der durch Vertrauen auf die Akzeptanz persönlicher Äußerungen gekennzeichnet ist, thematisiert und
reflektiert die Auseinandersetzung der Schüler mit ihrer Mehrfachzugehörigkeit zu verschiedenen gesell-
schaftlichen Gruppen. Die Schüler werden dabei unterstützt, ihre ggf. hybriden Identitäten in der Migrati-
onsgesellschaft selbstbewusst weiterzuentwickeln.

Deutsch als Zweitsprache
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Lernen lernen
Lernkompetenz
Die Entwicklung von Lernkompetenz zielt darauf, das Lernen zu lernen. Un-
ter Lernkompetenz wird die Fähigkeit verstanden, selbstständig Lernvor-
gänge zu planen, zu strukturieren, zu überwachen, ggf. zu korrigieren und
abschließend auszuwerten. Zur Lernkompetenz gehören als motivationale
Komponente das eigene Interesse am Lernen und die Fähigkeit, das eige-
ne Lernen zu steuern.
Strategien
Im Mittelpunkt der Entwicklung von Lernkompetenz stehen Lernstrategien.
Diese umfassen:
- Basisstrategien, welche vorrangig dem Erwerb, dem Verstehen, der
Festigung, der Überprüfung und dem Abruf von Wissen dienen
- Regulationsstrategien, die zur Selbstreflexion und Selbststeuerung hin-
sichtlich des eigenen Lernprozesses befähigen
- Stützstrategien, die ein gutes Lernklima sowie die Entwicklung von Mo-
tivation und Konzentration fördern
Techniken
Um diese genannten Strategien einsetzen zu können, müssen die Schüler
die zunehmend erworbenen konkreten Lern- und Arbeitstechniken selbst-
ständig anwenden und ggf. deren Anzahl gezielt erweitern.
Bei diesen
Techniken handelt es sich um:
- Techniken der Beschaffung, Überprüfung, Verarbeitung und Aufberei-
tung von Informationen (z. B. Lese-, Schreib-, Mnemo-, Recherche-,
Strukturierungs-, Visualisierungs- und Präsentationstechniken)
- Techniken des Arbeits-, Zeit- und Lernmanagements (z. B. Arbeitsplatz-
gestaltung, Hausaufgabenmanagement, Arbeitsvorbereitung, Selbst-
kontrolle)
- Motivations- und Konzentrationstechniken (z. B. Selbstmotivation, Ent-
spannung, Prüfung und Stärkung des Konzentrationsvermögens)
- Kooperations- und Kommunikationstechniken (z. B. Gesprächstechni-
ken, Arbeit in verschiedenen Sozialformen)
Ziel
Ziel der Entwicklung von Lernkompetenz ist es, dass Schüler ihre eigenen
Lernvoraussetzungen realistisch einschätzen können und in der Lage sind,
individuell geeignete Techniken situationsgerecht zu nutzen.
Verbindlichkeit
Für eine nachhaltige Wirksamkeit muss der Lernprozess selbst zum Unter-
richtsgegenstand werden. Gebunden an Fachinhalte sollte ein Teil der Un-
terrichtszeit dem Lernen des Lernens gewidmet sein. Der Lehrplan bietet
dazu Ansatzpunkte und Anregungen.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
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Spezieller Teil Lehrplan Deutsch als Zweitsprache
Ziele, Inhalte und Methoden des Unterrichts
Erste Etappe:
Vorbereitung auf die schrittweise Integration in eine Regelklasse
In der ersten Etappe werden als Grundlagen für bildungssprachliche Kompetenzen alltagssprachliche
Fähigkeiten im Deutschen auf- und ausgebaut. Die Schüler erwerben grundlegende Fähigkeiten zur
Kommunikation in der deutschen Sprache.
Dazu erwerben die Schüler einen Elementarwortschatz und die Fähigkeit, mit diesem Wortschatz einfa-
che Sätze zu bilden. Sie erlernen die Aussprache des Deutschen und absolvieren, soweit erforderlich,
den Prozess der Alphabetisierung bzw. des Zweitschrifterwerbs in der deutschen Sprache. Sie lernen zu
sprachlichen Mitteln, die sie einsetzen wollen, Auskunft einzuholen.
Sie können am Ende der ersten Etappe Alltagsdialoge führen und sich mit ihrer unmittelbaren sozialen
Umwelt mündlich verständigen sowie hörend einfache Texte verstehen. Sie haben sich grundlegende
Elemente für den Gebrauch der deutschen Schriftsprache angeeignet und verfassen sowie verstehen
einfache schriftliche Texte.
Lernbereich 1:
Mündliche und schriftliche Sprachhandlungen zur Bewältigung elementarer
kommunikativer Situationen
Die Schüler sind in der Lage, Sozialkontakte unter Verwendung der deutschen Sprache aufzubauen. Sie
können Gegenstände und Personen, Erscheinungen und Tätigkeiten ihrer Umgebung benennen und mit
einfachen sprachlichen Mitteln beschreiben. Sie verstehen wesentliche Informationen, die in schriftlichen
oder mündlichen Äußerungen und unterrichtstypischen Arbeitsanweisungen enthalten sind, und können
darauf sach- und situationsgerecht reagieren. Sie sind in der Lage, Fragen und Bitten mündlich und
schriftlich zu formulieren und einfache Dialoge zu führen.
Herstellen, Weiterführen und Beenden sprachlicher
Kontakte
Anrede, Begrüßung, Abschied, Dank, Unter-
richtsrituale
spielerische Dialoge, Dialoge mit Handpuppen,
Kreisspiele, Lieder, sportliche Betätigung, Rollen-
spiele, Videosequenzen
SU, MU, EN
Erbitten von sprachlicher Hilfe
Artikulation von Nichtverstehen
Bitten um nochmaliges Zeigen, um Wiederholung
oder Übersetzung
Auslösen von Handlungen und Reagieren auf
Handlungen anderer
-
Bitten, Auffordern
-
Zustimmen, Ablehnen
Weg zeigen, zusammen spielen, etwas einkau-
fen, etwas ausleihen,
-
Operatoren der Reproduktion und Reorganisa-
tion
Ankreuzen, Aufzählen, Einordnen, Kennzeichnen,
Nennen, Unterstreichen, Wiedergeben
Einholen und Erteilen von Informationen
-
Sprechen und Schreiben über Schule und Un-
terricht
Fachbezeichnungen
Uhrzeit und andere Zeitangaben
MA, GS
Arbeitsanweisungen und Arbeitsformen
Erfragen von Bezeichnungen und Bedeutungen,
Unterrichtsmaterialien, Fachräumen
-
Sprechen und Schreiben über Persönliches
und Familie
Vorstellung unter Angabe von Namen, Vornamen,
Alter, Herkunft und Adresse

Deutsch als Zweitsprache
Erste Etappe
DaZ
2018
15
Freunde, Familienmitglieder, Verwandtschafts-
verhältnisse
Anschauungstafel, Familienfotos, Schülersteck-
brief
-
Sprechen und Schreiben über Erscheinungen
und Gegenstände der Umwelt
Schulweg, Verkehrszeichen, Fahrzeuge, Teile
des Fahrrads und ihre Funktionen
Tiere, Gesundheit, Krankheit, Sport, Wohnung,
Tageslauf, Freizeiteinrichtungen, Geschäfte, Klei-
dung, Spielzeug
Feiertage
SU, ETH
Spiele
möglichst einfache Spiele mit festgelegten
Sprechformeln
Umgang mit natürlichen Zahlen
in Abhängigkeit von den Vorkenntnissen
Grundrechenarten, Jahreszahlen, Datum
MA
Lernen lernen: Konzentrationstechniken
Methodische Erläuterungen
Die erste Etappe ist eine Zeit der Begegnung mit Neuem: neuen Mitschülern, einer neuen oder überhaupt
einer Schule, einer neuen räumlichen und sozialen Umgebung. Kennenlernaktivitäten, die so bemessen
sind, dass sie bewältigt werden und Vertrauen entstehen lassen, stellen daher die bevorzugten Sprach-
lernaktivitäten der Anfangszeit dar. Der Lehrer richtet seine Aufmerksamkeit darauf, welche Elemente der
neuen Sprache – auch unter Einbeziehung erster sprachlicher Erfahrungen aus der ggf. erfolgten Alpha-
betisierung bzw. des Zweitschrifterwerbs – schon verstanden werden. Er ermutigt zum Gebrauch der
neuen Sprache durch angemessene Themenwahl, Einstellung des Sprechtempos auf Verstehensmög-
lichkeit, gezielte Verwendung und Wiederholung einfacher Wörter und Aussagen. Damit bereitet der Leh-
rer die Schüler auf die schrittweise Teilhabe am Unterricht einer Regelklasse vor. Signale des Interesses
für die Herkunftssprachen der Schüler können dazu beitragen, das Vertrauen in die neue Umwelt zu stär-
ken.
Im Unterricht sollen Wendungen und Dialoge geübt werden, die dem Lernenden ermöglichen, Entschei-
dungen zu artikulieren – ja oder nein zu sagen, dieses oder jenes zu wählen, zum einen oder zum ande-
ren Partner zu sprechen – und Kommunikationsmöglichkeiten außerhalb des Unterrichts zu nutzen.
Beim Sprechen und Schreiben über Schule und Unterricht, über Persönliches und Familie, über Erschei-
nungen und Gegenstände der Umwelt können sich Anlässe für erste interkulturelle Vergleiche ergeben,
die als Sprech- und Schreibanlässe aufgegriffen werden. Dabei nehmen die Schüler interkulturelle Vielfalt
im Kontext ihrer Migrationssituation sowie unterschiedliche Normen, Werte und Sichtweisen wahr. Sie
entdecken, dass es in unterschiedlichen sprachlich-kulturellen Kontexten unterschiedliche partner- und
situationsbezogene Regeln gibt. Gerade im Kontext von Flucht ist jedoch darauf zu achten, dass Themen
wie beispielsweise Familie und Persönliches für die Schüler mit traumatischen Erfahrungen verknüpft
sein können und die Thematisierung besondere Sensibilität und Empathiefähigkeit seitens der Lehrer
bedarf.
Im Rahmen der ggf. erfolgten Alphabetisierung in der deutschen Sprache erwerben die Schüler grundle-
gende mündliche und schriftliche Sprachhandlungsfähigkeiten. Dabei werden diese Schüler unter Beach-
tung ihrer Lernfortschritte individuell an die Inhalte des Lernbereichs 1 schrittweise herangeführt. Dies
erfordert ein stark binnendifferenziertes Vorgehen des Lehrers.
Da der Zweitspracherwerb nach Spracherwerbsstufen und nicht nach Altersstufen erfolgt, können Lernin-
halte des Lernbereichs 1, die im Fachunterricht der Regelklassen der Grundschule nicht ausgewiesen
sind, für den Erwerb der deutschen Sprache bedeutsam sein. Es liegt in der Verantwortung des Lehrers,
diese Spezifik in Abhängigkeit von den Lernausgangslagen der Schüler im Unterricht Deutsch als Zweit-
sprache differenziert zu gestalten. Das gilt ebenfalls für die Lernbereiche 2, 3 und 4.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
16
2018
DaZ
Lernbereich 2:
Wortschatz, Wortformen, Satzbau
Die Schüler erwerben Grundkenntnisse der Morphologie und der Syntax der deutschen Sprache sowie
einen Elementarwortschatz zur Ausführung der im Lernbereich 1 genannten Sprachhandlungen. Sie ken-
nen die wichtigsten Formen von Verben, Substantiven und Artikeln. Ausgehend von Erfahrungen in All-
tagssituationen oder aus gesteuert aufgebauten Sprachhandlungsmöglichkeiten können sie einfache
Sätze bilden und zu zusammenhängenden Äußerungen verbinden. Sie kennen die grundlegenden
grammatischen Begriffe, mit deren Hilfe der Zweitspracherwerb bewusst gemacht werden kann.
Wortschatz
-
Aufbau des Elementarwortschatzes zur Aus-
führung der im Lernbereich 1 genannten
Sprachhandlungen
.
Internationalismen
vorwiegend am Beispiel der Bezeichnungen für die
Unterrichtsfächer, Berufsbezeichnungen und öffent-
lichen Einrichtungen
.
Ober- und Unterbegriffe
Techniken der Beschaffung, Verarbeitung und
Aufbereitung von Informationen
gezielte Erschließung und Speicherung von Wort-
schatz, Einsatz von Lernkartei, Lernplakat und
Wortnetz
Lernen lernen
Wortformen
-
Formen des Substantivs
.
Deklination im Singular und Plural
.
Nominativ und Akkusativ
Fachbegriffe: bestimmter und unbestimmter
Artikel, Substantiv bzw. Nomen
-
Formen des Verbs
.
Präsens
Konjugation regelmäßiger und unregelmäßiger
Formen
Fachbegriffe: Verb und Personalpronomen
.
Anfänge der Perfektbildung
Verwendung von haben und sein
Bildung des Partizips II
-
Grundform des Adjektivs
.
prädikative Verwendung
Fachbegriff: Adjektiv
Einfache Sätze
Fachbegriffe: Aussagen, Fragen und Aufforderun-
gen, Satz
-
Satzarten
Stellung der finiten Verbform beachten
.
Aussagesatz
.
Fragesatz
Ergänzungs- und Entscheidungsfragen
.
Aufforderungssatz
-
Satzmuster
Subjekt + Verb
Subjekt + sein + Adjektiv oder Substantiv
Subjekt + Verb + Objekt
Subjekt + Modalverb +Vollverb im Infinitiv
Subjekt + Modalverb + Objekt + Vollverb im Infini-
tiv
-
Erweiterung einfacher Sätze
.
Adverbialangaben des Ortes und der
Zeit
.
Negation
mit nicht und kein

Deutsch als Zweitsprache
Erste Etappe
DaZ
2018
17
Methodische Erläuterungen
Für die Wortschatzvermittlung sind in der ersten Etappe Dinge, Personen und Geschehnisse der real
wahrnehmbaren Umwelt die ersten und wichtigsten Lerngelegenheiten; hinzu kommen spielerisch-
aktionale und bildliche Darstellungen. Das aktive Erfragen von Bezeichnungen und Bedeutungen durch
die Schüler sollte geübt und in allen denkbaren Situationen angewandt werden. In solchen offenen Situa-
tionen können die Schüler auch ihren außerunterrichtlich und außerschulisch erworbenen Wortschatz zur
Geltung bringen. Um den ungesteuerten Spracherwerb zu unterstützen, gibt der Lehrer den Schülern bei
formalem oder inhaltlichem Verständnis dieses Wortschatzes Hilfe. Methodisch können für die Erarbei-
tung des Wortschatzes altersspezifisch Bildwörterbücher, Bild-Wort-Karteien oder Sprachlern-Apps zum
Einsatz kommen. Bei der Behandlung von Internationalismen kann neben dem Herausheben der Ge-
meinsamkeiten auch auf Kontraste im lexikalischen Bereich hingewiesen werden.
Grammatische Erscheinungen werden häufig zuerst über „Klang“ und Funktion in sprachlichen Handlun-
gen oder Texten wahrgenommen. Diese Wahrnehmungen sollen im Unterricht aufgegriffen werden und
können dort mit Übungen zum Trainieren der Bedeutung, z. B. Wort- und Satzassoziationsaufgaben,
Mini-Dialoge und handelnder Umgang mit Materialien und Gegenständen bearbeitet werden. Je nach
Alter und Vorkenntnissen kann der Lehrer Methoden zur Bewusstmachung grammatischer Erscheinun-
gen einsetzen, z. B. Signalgrammatik, Fingerzeichen für die Zuordnung von Artikeln zu Substantiven oder
Bewegungsspiele bei der Stellung des Verbs im Frage- und Aussagesatz. Um den Schülern grammati-
sche und semantische Besonderheiten der deutschen Sprache plausibel machen zu können, sind grund-
legende Kenntnisse des Lehrers über die Herkunftssprachen der Schüler hilfreich.
Lernbereich 3:
Aussprache und Orthografie
Am Ende der ersten Etappe können die Schüler gelernte Wörter und Sätze mit Betonung lesen. Sie arti-
kulieren die Laute und Lautverbindungen des Deutschen verständlich; sie wissen, welche Laute oder
Lautverbindungen ihnen noch Schwierigkeiten bereiten.
Sie kennen die elementaren Regeln der Großschreibung und die wichtigsten Interpunktionszeichen.
Artikulation
in Abhängigkeit von Lautsystemen der Her-
kunftssprachen
-
Vokale
Unterscheidung von kurzen und langen Vokalen
Umlaute und Diphthonge
unbetontes e:
gemacht, Straße
Knacklaut: beim Neueinsatz von Vokalen
-
Konsonanten
vokalisierter r-Laut:
Vater, dir, mehr
der Knacklaut (beim Neueinsatz von Vokalen)
h-Laut
Unterscheidung von ich- und ach-Laut
Konsonantenverbindungen ts - z,
ks -
x,
sp, st, schl
,
schr, str, ft, bst
,
ng, pf
Intonation
-
Grundlagen: Wortakzent, Satzakzent, Satzme-
lodie und Pausen
Stammsilbenbetonung
Schlüsselwörter im Satz
Aussage-, Frage- und Aufforderungssätze
Orthografie
-
Sicherung des altersspezifischen Wortschat-
zes
nach kommunikativen Bedürfnissen des Schülers
Lernen lernen
-
Regelkenntnis
.
Großschreibung am Satzanfang
.
Großschreibung der Substantive
.
Großschreibung von „Sie“
LB 2

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
18
2018
DaZ
-
Interpunktion
.
Punkt
.
Fragezeichen
.
Ausrufezeichen
Methodische Erläuterungen
Artikulation und Intonation sollten möglichst "nebenbei" gelernt werden. Wenn Unsicherheiten oder Un-
vollkommenheiten bei der Artikulation oder Intonation auftauchen, sollte die sachbezogene Kommunikati-
on nur im nötigen Umfang durch sprachbezogene Übungen unterbrochen werden. Dabei wendet man
bewusstmachende Methoden an, wie sprachkontrastive Erklärungen, Hörunterscheidungsübungen, De-
monstration von Mundhaltung und Zungenstellung – evtl. mit Spiegel – , Sprechübungen mit Minimalpaa-
ren wie lügen
liegen, Sätze mit gehäuftem Auftreten eines Lautes oder Lautkontrastes, Zungenbrecher.
Wechselnde Sprechfärbung wie Flüstern und Rufen sowie begleitende Körperbewegungen können hilf-
reich sein.
Schrift und Orthografie verlangen bewusstes Arbeiten von Anfang an. Das gilt auch für Spontanschrei-
bungen, die in der ersten Etappe durchweg zugelassen werden sollten. Sie lassen erkennen, welche
Schreibstrategien der Schüler entwickelt und welche Schreiblernaufgaben er noch vor sich hat.
Lernbereich 4:
Textrezeption
Die Schüler verstehen hörend oder lesend kurze, einfache Texte. Sie sind in der Lage, verschiedene
Textsorten zu unterscheiden.
Texte verstehen
ästhetisches Empfinden
-
Verstehen mündlicher Erzählungen und Erklä-
rungen
einfache alltagssprachliche Texte in deutlicher
Aussprache bei normalem Sprechtempo
Verstehen der Aussageinhalte, Heraushören von
Sprechern, Sprecherwechseln und Stimmungsla-
gen der Sprecher
Lehrervortrag, Schülerbeiträge, kurze Video-
Sequenzen, Sequenzen aus Hörbüchern und
-spielen
LB 1
-
Verstehen einfacher schriftlicher Texte
beschreibende, berichtende, informierende und
appelative Texte
Tafelbilder, Notizen
einfache schriftliche Anweisungen und Arbeits-
pläne
Lieder und Reime
Textsorten unterscheiden
Erzählungen, Märchen, Bildergeschichten,
Sachtexte, Kinderbücher, Comics, Lieder, Reime
Schulbuchtexte, Texte in Nachschlagewerken
Methodische Erläuterungen
Die Textrezeption bezieht sich sowohl auf mündliche als auch schriftliche Sprache. Die mündlichen Er-
zählungen und Erklärungen sowie die einfachen schriftlichen Texte sind nicht nur Muster zum Nachspre-
chen und Nachspielen oder Gegenstand einfacher Textanalysen, sondern auch Objekte der Veränderung
wie Weiterführen abgebrochener Szenen, alternative Verläufe, Übertragung auf ähnliche Situationen,
Rollenwechsel. Es werden erste Grundlagen für das Verstehen schriftsprachlicher Texte gelegt.
Dabei können Erfahrungen der Schüler in den Herkunftssprachen bei der Rezeption von Texten einbezo-
gen werden.

Deutsch als Zweitsprache
Erste Etappe
DaZ
2018
19
Wahlbereich: Alphabetisierung/Zweitschrifterwerb
Dieser Wahlbereich richtet sich sowohl an Schüler, die bislang nicht lesen und schreiben gelernt haben
bzw. deren Lese- und Schreibkompetenzen nicht ausreichen, den Anforderungen des Alltags zu entspre-
chen, als auch an Schüler, die den Prozess der Alphabetisierung bereits in ihrer Herkunftssprache absol-
viert haben. Da Alphabetisierung und Zweitschrifterwerb basale mündliche Sprachkompetenzen voraus-
setzen, steht der Wahlbereich Alphabetisierung/Zweitschrifterwerb in einem engen Zusammenhang mit
den anderen Lernbereichen, vor allem mit dem Lernbereich 1.
Schüler der Klassenstufen 1 und 2, die beim Eintritt in die Vorbereitungsklasse noch nicht in ihrer Her-
kunftssprache alphabetisiert wurden, sollten so bald wie möglich am Deutschunterricht der Regelklasse,
Lernbereich 2 „Schriftspracherwerb“ teilnehmen; für sie muss der Unterricht in Deutsch als Zweitsprache
die allgemeinsprachlichen Grundlagen für die Teilnahme bereit stellen. Durch eine enge Zusammenarbeit
zwischen dem Lehrer der Vorbereitungsklasse, dem Deutschlehrer der Regelklasse und der Lehrkraft
des herkunftssprachlichen Unterrichts kann der Schriftspracherwerb unterstützt werden.
Die Schüler erwerben im Wahlbereich Alphabetisierung/Zweitschrifterwerb grundlegende schriftsprachli-
che Kenntnisse in der deutschen Sprache, um einfache Texte lesen und schreiben zu können. Vor dem
Erwerb grundlegender schriftsprachlicher Kenntnisse erlangen die Schüler erste mündliche Fähigkeiten
und Kenntnisse der deutschen Alltagssprache. Sie lernen verschiedene Spracherwerbsstrategien kennen
und anwenden. Sie sind in der Lage, aus ihrem Repertoire der Situation, ihrer Persönlichkeit und ihren
Lernvoraussetzungen entsprechende Strategien auszuwählen und einzusetzen, um das eigene Lernen
zu steuern.
Ziel der Alphabetisierung für Schüler der Klassenstufen 3 und 4 sowie der Sekundarstufe I ist es, Grund-
lagen des Funktionsprinzips der Alphabetschrift zu vermitteln. Die Schüler erlernen die Buchstaben –
Grapheme – und ihre Lautwerte – Phoneme. Sie können sie als Buchstaben bzw. Buchstabenkombinati-
onen aufschreiben, können Buchstaben in Laute und Silben umsetzen und diese abstrakten Gebilde als
sinnhafte Wörter lesen. Sie entwickeln ihre Schreibmotorik und können Groß- und Kleinbuchstaben von-
einander unterscheiden. Sie erlernen das Anlegen und Üben eines Sicht- und Schreibwortschatzes. Die
Schüler wenden bei der Verschriftlichung orthografische und morphematische Strategien an, d. h. sie
greifen Regelelemente, z. B. Schreibung des [ʃ]-Lauts – Stiefel statt „Schdiefl“, und Merkelemente, z. B.
Schreibung von F und V, Vogel statt „Fogel“, zurück und können die Schreibung von Wörtern zum Teil
bereits aus dem Wortstamm herleiten, z. B. Hand – Hände. Die Schüler entwickeln eine erste orthografi-
sche und grammatische Intuition.
Ziel des Zweitschrifterwerbs ist die Entwicklung schriftsprachlicher Fähigkeiten in der deutschen Schrift
und damit deren Erwerb bzw. die Weiterentwicklung bereits vorhandener schriftsprachlicher Fähigkeiten.
Die Schüler kennen die Buchstaben des deutschen Alphabets und ihre Lautwerte. Sie erkennen Auffällig-
keiten, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Verschriftung der deutschen Sprache und ihren
Herkunftssprachen. Sie entwickeln Schreibsicherheit im deutschen Alphabet.
Mit diesem Wahlbereich werden erste Grundlagen für den Umgang mit einfachen deutschen Texten ge-
legt. Die Schüler nutzen nach Möglichkeit vorhandene Lernstrategien und erwerben weitere Lernstrate-
gien, vor allem zum Trainieren von Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit.
Alphabetisierung
Grundlegende mündliche Sprachfähigkeit
LB 1
Erfassen der Vorkenntnisse in der deutschen
Sprache
Orientierung an den Interessen, Bedarfen und Er-
fordernissen der Schüler mit Bezug auf deren Le-
benswelt
schriftfreie Verfahrensweisen der Sprachvermitt-
lung
Einsatz von Audioaufnahmen, Postern, Filmen und
topografischen Karten
Fotos, Bilder, Bildfolgen oder Collagen in Verbin-
dung mit Hörtexten
Einbeziehung nonverbaler Komponenten

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
20
2018
DaZ
Nichtverstehen signalisieren
Umschreibungen, Rückfragen
positiver Umgang mit Sprachwechsel und Eigen-
bildungen
Phonem-Graphem-Beziehung
-
Laute
Lautwerte der Buchstaben
Einführung nach Häufigkeit des Gebrauchs der
Buchstaben oder auf der Basis von persönlichen
Wörtern und Sätzen
eigene Anlauttabellen als Gedankenstütze
differenzierte Schriftarten der Groß- und Klein-
buchstaben, Druck- und Schreibschrift
kontrastiv zu Herkunftssprachen
-
Lautkomplexe und Wörter
Silben und Wortbausteine, Morpheme
Buchstabenkombinationen, wie ck, ch, sch, st, sp,
ng, nk, qu, pf, ph, chs, tz, ig, lich
Diphthonge und Umlaute
Lesetechniken
Lernen lernen
-
Analyse und Synthese
Weglassen, Hinzufügen oder Austauschen von
Lauten und Silben
Silbenanzahl erkennen
Anbahnen von Rhythmusgefühl, Sprachmelodie
und Wortakzent
-
Lesen von Wörtern, Sätzen und einfachen
Sätzen
Erfassen der Wortgestalt als Ganzes
wort- und zeilenübergreifendes Lesen
Anbahnen sinnerfassenden Lesens in immer
größer werdenden Sinneinheiten
Satzgrenzen und -intonation
Vorlesen, auch lautes und stilles Lesen allein
Nutzung interessendifferenzierter Textangebote
unterschiedlicher Lebensbereiche
Nutzung verschiedener Medien
Schreiben von Druckbuchstaben
Schreibschrift
-
feinmotorische Vorübungen
Körper-, Hand- und Stifthaltung
Auge-Hand-Koordination
Üben der Formen und Bewegungsabläufe
Erproben verschiedener Schreibwerkzeuge und
-unterlagen
Einsatz von Schreibprogrammen am PC oder Apps
beim Tablet/Smartphone
-
Buchstabenformen
Druckschrift
Unterscheiden von Groß- und Kleinbuchstaben,
Beachtung der Schreibrichtung
Einsatz von Schreibprogrammen am PC oder Apps
beim Tablet/Smartphone
Übungen zum Vierliniensystem
Üben der Formen und Bewegungsabläufe
-
Schreiben einzelner Wörter und kurzer Sätze
Wortabstände, Groß- und Kleinschreibung, Satz-
zeichen
Beachten von Buchstabenverbindungen und Diph-
thongen

Deutsch als Zweitsprache
Erste Etappe
DaZ
2018
21
Zweitschrifterwerb
Grundlegende Sprachfähigkeit
LB 1
Erfassen der sprachlichen Voraussetzungen
Orientierung an den Interessen, Bedarfen und
Erfordernissen der Schüler mit Bezug auf deren
Lebenswelt
Einbeziehung nonverbaler Komponenten
Nichtverstehen signalisieren
Umschreibungen, Rückfragen
positiver Umgang mit Sprachwechsel und Eigen-
bildungen
Einsatz von Audioaufnahmen, Postern, Filmen und
topografischen Karten
Fotos, Bilder, Bildfolgen oder Collagen in Verbin-
dung mit Hörtexten
Phonem-Graphem-Beziehungen
Laute und Buchstaben in Abhängigkeit von den
schriftsprachlichen Kenntnissen
Lautwerte der Buchstaben
Mehrfachbelegung von Graphemen, verschiedene
Verschriftlichungen von Phonemen, wie f und v
Lesen
differenzierte Schriftarten der Groß- und Klein-
buchstaben, Druck- und Schreibschrift, Gliedern in
Silben und Wortbausteine
Buchstabenkombinationen: ck, ch, sch, st, sp, ng,
nk, qu, pf, ph, chs, tz, ig, lich
Diphthonge und Umlaute
Lernen lernen: Lesetechniken
Schreiben von Druckbuchstaben
Groß- und Kleinbuchstaben
Übungen zum Vierliniensystem
Schreibrichtung beachten
Einsatz von Schreibprogrammen am PC oder Apps
beim Tablet/Smartphone
Üben der Formen und Bewegungsabläufe
Methodische Erläuterungen
Alphabetisierung
Die Ziele und Inhalte des Wahlbereichs Alphabetisierung/Zweitschrifterwerb zur Alphabetisierung richten
sich an Schüler der Klassenstufen 3 und 4 sowie der Sekundarstufe I, die bislang nicht bzw. nicht ausrei-
chend lesen und schreiben gelernt haben. Im Mittelpunkt steht die generelle Einführung in die Schrift-
sprache. Die Schüler lernen die Funktion von Schrift kennen und erwerben elementare schriftsprachliche
Kenntnisse. Der Prozess der Alphabetisierung erfolgt in der deutschen Sprache. Dies erfordert die vo-
rausgehende Aneignung sprachlicher Mittel im Deutschen als Zweitsprache im Mündlichen, also eine
längere Phase des kommunikativen Spracherwerbs. Die dabei aufgebauten alltagsbezogenen Deutsch-
kenntnisse sind der Gegenstand der Verschriftlichung. Dementsprechend werden Sprachhandlungsan-
lässe sowohl aus dem außerschulischen als auch schulischen Bereich und Erlebnisse der Schüler als
Ausgangspunkt des Lernprozesses genutzt.
Anders als bei der Alphabetisierung erstsprachig deutscher Grundschulkinder spielt die phonologische
Bewusstheit bei der Alphabetisierung neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher eine deutlich geringere
Rolle, da Vorerfahrungen in der deutschen Sprache noch weitgehend fehlen. Die Schüler lernen das Le-
sen und Schreiben in der deutschen Sprache u. a. durch Memorisierung von Wortbildern und Abschrei-
ben. Die Alphabetisierung beginnt auf der Phonem-Graphem-Ebene, darauf aufbauend erschließen sich
die Schüler die Silben- bzw. Morphem-Ebene und gelangen über die Wortebene zur Ebene einfacher
Sätze und Texte. Für die Einführung der Buchstaben des deutschen Alphabets empfiehlt sich eine Buch-

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
22
2018
DaZ
stabenprogression unter Beachtung von Vorkommenshäufigkeit, akustischen Prinzipien, optischer Ein-
prägsamkeit, Unverwechselbarkeit, Vorkommen in den Herkunftssprachen und Kombinations-
möglichkeiten als eine sinnvolle Verwendung. Die Schüler lernen Einzellaute bzw. Lautgruppen zu analy-
sieren und werden in der weiteren Progression in den Lernbereichen schrittweise zur bewussten auditi-
ven Wahrnehmung mit Leseübungen befähigt. Lesen wird von Rhythmusgefühl, Sprachmelodie und
Wortakzent der Sprache beeinflusst.
Schüler mit fehlender oder geringer Stifterfahrung benötigen feinmotorische Vorübungen, um sie zur vi-
suomotorischen Koordination, dem Zusammenspiel von Schreibbewegung und visueller Kontrolle über
Lesbarkeit und Richtigkeit des Geschriebenen zu befähigen. Ihnen sollen Erfahrungen mit unterschiedli-
chen Schreibwerkzeugen ermöglicht werden, wobei der Tripoden-Griff mit verschiedenen Haltemöglich-
keiten im Interesse der Entwicklung eines flüssigen und leserlichen Schriftbildes zu bevorzugen ist.
Die Methoden der Alphabetisierung im Unterricht orientieren sich an den Lernvoraussetzungen der Schü-
ler. Für Schüler, die bislang nicht lesen und schreiben gelernt haben, kommen u. a. die Silbenmethode,
die analytische Methode, die phonetische Methode, der Spracherfahrungsansatz, der Schrifterfahrungs-
ansatz und der Ansatz nach Montessori infrage. Darüber hinaus können auch die Morphemmethode und
der Fertigkeitsansatz Anwendung finden. Die Nutzung von landeskundlichen Fundstücken als Unter-
richtsgegenstand greift den bei lese- und schreibunkundigen Schülern stärker ausgeprägten visuellen
Aneignungsweg auf. So können z. B. Fotos aus dem alltäglichen Leben Lese- und Schreibanlässe bieten.
Zweitschrifterwerb
Die Ziele und Inhalte des Wahlbereichs Alphabetisierung/Zweitschrifterwerb zum Zweitschrifterwerb rich-
ten sich an Schüler der Klassenstufen 3 und 4 sowie der Sekundarstufe I, die den Prozess der Alphabeti-
sierung bereits in ihrer Herkunftssprache absolviert haben. Sie beherrschen die Schrift in ihrer Herkunfts-
sprache und sind im Lesen und Schreiben geübt. Im Mittelpunkt des Zweitschrifterwerbs steht der Erwerb
eines zweiten bzw. eines weiteren Schriftsystems, der deutschen Schrift. Dies erfordert die vorausgehen-
de Aneignung sprachlicher Mittel im Deutschen als Zweitsprache im Mündlichen. Die dabei aufgebauten
alltagsbezogenen Deutschkenntnisse sind der Gegenstand der Verschriftlichung. Dementsprechend wer-
den Sprachhandlungsanlässe sowohl aus dem außerschulischen als auch schulischen Bereich und Er-
lebnisse der Schüler als Ausgangspunkt des Lernprozesses genutzt.
Anders als bei der Alphabetisierung erstsprachig deutscher Grundschulkinder spielt die phonologische
Bewusstheit beim Zweitschrifterwerb neuzugewanderter Kinder und Jugendlicher eine deutlich geringere
Rolle, da Vorerfahrungen in der deutschen Sprache noch weitgehend fehlen. Bei der Umsetzung des
Unterrichts ist daher zu beachten, dass die Schüler die phonologische Bewusstheit für die deutsche
Sprache gemeinsam mit ihren schriftsprachlichen Kenntnissen entwickeln müssen. Dabei ist auf einen
konstruktiven Umgang mit Transfers aus der Erstschrift, z. B. von typischen Schreibmustern und Überge-
neralisierungen, zu achten. Die Erstschrift der Schüler erfordert unterschiedliche Schwerpunktsetzungen
und damit auch ein differenziertes methodisches Vorgehen beim Zweitschrifterwerb:
- Lateinische Erstschrift: Für die Schüler, die z. B. in Französisch, Polnisch, Tschechisch, Türkisch oder
Vietnamesisch alphabetisiert sind, liegt der Schwerpunkt des Zweitschrifterwerbs bei der Neuzuord-
nung und Erweiterung der aus der Herkunftssprache bekannten Phonem-Graphem-Beziehung.
- Kyrillische Erstschrift: Schüler, die z. B. in Bulgarisch, Russisch oder Serbisch alphabetisiert sind,
erlernen das deutsche Alphabet mit der für die deutsche Sprache verbindlichen Phonem-Graphem-
Beziehung kennen.
- Konsonantenschrift als Erstschrift: Z. B. Arabisch alphabetisierte Schüler erwerben mit dem deutschen
Alphabet eine lateinische Buchstabenschrift, in welcher abweichend von der Ausgangsschrift auch
Vokale notiert werden. Darüber hinaus erlernen sie eine andere Schreibrichtung sowie Groß- und
Kleinbuchstaben.
- Zeichenschrift als Erstschrift: Z. B. im Chinesischen alphabetisierte Schüler lernen die generelle Funk-
tionsweise einer Buchstabenschrift mit einer speziellen Phonem-Graphem-Beziehung kennen.
Die Alphabetisierung bzw. der Zweitschrifterwerb sollte nach Möglichkeit sowohl in der Primarstufe als
auch in der Sekundarstufe I in enger Zusammenarbeit zwischen den Lehrkräften der Vorbereitungsklasse
und den Lehrkräften des herkunftssprachlichen Unterrichts erfolgen, da ein koordiniertes Vorgehen den
Prozess der Alphabetisierung bzw. des Zweitschrifterwerbs unterstützt.

Deutsch als Zweitsprache
Zweite Etappe
DaZ
2018
23
Zweite Etappe:
Schrittweise Integration in eine Regelklasse
Die zweite Etappe befähigt die Schüler zur Bewältigung der Anforderungen ihrer näheren und weite-
ren sozialen Umwelt sowie ausgewählter unterrichtlicher Anforderungen in der deutschen Sprache.
Sie erweitern ihr grammatisches Repertoire in der deutschen Sprache und bauen ihren Wortschatz
zur Vorbereitung auf den weiteren Lebens- und Bildungsweg aus. Darüber hinausgehenden sprachli-
chen Anforderungen stellen sie sich im Regelunterricht und im außerschulischen Bereich. Im Rahmen
der Vorbereitungsklasse nutzen die Schüler vielfältige Möglichkeiten, in den Regelklassen gelernte
Fachinhalte zu thematisieren, zu reflektieren und zu vertiefen.
Im Mittelpunkt steht die Ausbildung mündlicher und schriftlicher Sprachhandlungsfähigkeit mit beson-
derem Gewicht auf dem Ausbau bildungssprachlicher Kompetenzen. Am Ende der zweiten Etappe
sind die Schüler in der Lage, sich mündlich zu verständigen und sich im Fachunterricht einer Regel-
klasse sprachlich aktiv zu beteiligen. Sie können sprachentlastete Sachtexte sinnerfassend lesen und
sind fähig, Beschreibungen, Berichte und Erklärungen selbstständig zu verfassen und dabei weitge-
hend normgerecht zu schreiben.
Lernbereich 1:
Mündliche und schriftliche Sprachhandlungen zur Bewältigung kommunika-
tiver Anforderungen
Die Schüler können sich über Themen ihrer Lebenswelt und des Unterrichts mündlich verständigen.
Sie haben gelernt, entsprechende Schrifttexte ihrer Umwelt zu verstehen sowie Notizen und kleinere
Texte dazu zu verfassen. Sie sind fähig, dem Regelunterricht in den ausgewählten Fächern im We-
sentlichen zu folgen, bei Bedarf nachzufragen und erste schriftliche Aufgaben zu bearbeiten. Sie kön-
nen eigene Interessen und Bedürfnisse ausdrücken und Beobachtungen oder Meinungen von sich
aus mitteilen.
Sprachverwendung im schulischen und außer-
schulischen Bereich
Lernen lernen: Kommunikationstechniken
-
mündliche und schriftliche Sprachhandlungen
im Unterricht
Berichten, Beschreiben, Erklären, Erzählen und
Nennen
Mitschriften
ausgewählte Fächer im Prozess der individuel-
len schrittweisen Integration in eine
Regelklasse
-
mündliche und schriftliche Sprachhandlungen
in formellen Situationen
Verhalten bei Unfällen und Notsituationen
Behördenbesuche
.
Kontaktaufnahme
Höflichkeitsformen
Vergleich verschiedener Konventionen
.
Führen von Telefongesprächen
-
Regeln des gemeinschaftlichen Zusammen-
lebens
Grundlagen für menschliches Zusammenleben,
Vermeiden von Konflikten durch Regeln
Verständnis von Rechtsstaat und Demokratie
Werteorientierung
.
Sinn und Funktion von Regeln
.
Piktogramme zu Geboten und Verboten
.
Zusammenleben in der Schule und im
Land
Pflichten und Rechte
Hausordnung
Jugendschutzgesetz
Sozialkompetenz
-
Erbitten von sprachlicher Hilfe
Bitten um Bedeutungserklärung

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
24
2018
DaZ
-
Schreiben
Briefform, E-Malis, Blogs und Foren
persönliche Mitteilungen und Wünsche
ab Klasse 8 auch: Schreiben von offiziellen
Briefen
WTH, Klasse 8, LB 1 „Berufsorientierung“
Darlegen von Meinungen und Wertungen
-
Urteilen
-
Gefallen und Missfallen
-
Ausdruck von Interessen
im Hinblick auf Fächer des Regelunterrichts o-
der Arbeitsgemeinschaften
Zukunftsvorstellungen und -wünsche, Berufs-
wünsche
Vorschlagen und Verabreden
Unterstützen, Widersprechen und Richtigstellen
Einholen und Erteilen von Informationen
mündliche und schriftliche Formen
Lernen lernen: Techniken der Beschaffung,
Überprüfung, Verarbeitung und Aufberei-
tung von Informationen
-
Darstellen des eigenen Lebens
Erzählen persönlicher Erlebnisse
Migrationsgeschichte, Sprachenbiografie
ab Klasse 8: Lebenslauf, Bewerbungsschreiben
Vorstellungsgespräch
Berufswahlpass, Lebensordner
Gespräche über Speisen, Weitergeben und
Ausprobieren von Rezepten, Informationen
über Nahrungsmittel und gesunde Ernährung
SU, BIO, WTH
Gespräche über Kleidungsstücke und Mode,
Informationen über zweckmäßige Kleidung
-
Berichten über Freizeitaktivitäten
Gespräche über Hobbys, Informationen über
Freizeit- und Kultureinrichtungen, Vereine,
Sportstätten, Spielplätze, Jugendtreffs
Wegbeschreibung, Sehenswürdigkeiten, Stadt-
teile, Ausflugsplanung, Informationen über den
Freistaat Sachsen und die Bundesrepublik
Deutschland
SU, GEO, GE, GK
-
Beschreiben des eigenen Befindens
Arztbesuch
Körperteile, Krankheiten, Schmerzen, Beein-
trächtigungen, Verletzungen
-
Berichten über den Unterricht in einer Regel-
klasse
Besprechen der Fächerwahl des individuellen
Stundenplans, Berichten über Fachunterricht
einer Regelklasse, Einschätzung des eigenen
Verstehens im Fachunterricht einer Regelklasse
Erzählen und Begründen
Abfolge von Ereignissen
Vorschläge, Entschuldigungen, naturwissen-
schaftliche und technische Beobachtungen

Deutsch als Zweitsprache
Zweite Etappe
DaZ
2018
25
Methodische Erläuterungen
Die zweite Etappe ist durch thematische Breite gekennzeichnet. Auch in dieser Etappe wird noch viel
mit Beispieltexten gearbeitet, in denen die Schüler neue sprachliche Mittel zur Bewältigung kommuni-
kativer Situationen kennenlernen. Mit zunehmender Verfügung von Redemitteln wächst die Fähigkeit,
Dialoge zu variieren und selbst zu gestalten. Bei der Sprachverwendung im schulischen und außer-
schulischen Bereich reflektieren die Schüler interkulturelle Vielfalt im Kontext ihrer Migrationssituation
sowie verschiedene Normen, Werte, Verhaltensweisen und Formen des Zusammenlebens. Sie er-
kennen, dass kommunikativer Erfolg in unterschiedlichen sprachlich-kulturellen Kontexten von unter-
schiedlichen adressatenbezogenen Regeln abhängt.
Bei der Darstellung des eigenen Lebens ist gerade im Kontext Flucht darauf zu achten, dass biografi-
sche Themen mit traumatisierenden Erfahrungen verknüpft sein können und die Thematik daher be-
sondere Sensibilität und Empathiefähigkeit seitens der Lehrer bedarf.
Zu Beginn der zweiten Etappe steht das Hörverstehen von Erzählungen, Ton- und Vidoeszenen sowie
Lehrerinformationen im Vordergrund. Übungen zum Verstehen von gesprochenem und geschriebe-
nem Text haben überwiegend die Form von mündlichen Besprechungen, die auch zu bildnerischen
Umsetzungen der Ergebnisse, zu Wortgittern, Stichworttabellen o. Ä. führen können. Das verstehende
Lesen ist in engem Zusammenhang mit Lernbereich 4 primär auf die vollständige inhaltliche Erfas-
sung kleiner Texte gerichtet, wobei die Schüler ihre bereits erworbenen Fähigkeiten selbständiger
Bedeutungserschließung einbringen.
Schriftsprachliches Handeln – rezeptiv und produktiv – spielt zunehmend eine Rolle. Die Schreibpro-
zesse bedürfen in der zweiten Etappe einer sehr sorgfältigen methodischen Begleitung: motivierende
thematische Impulse; Zusammentragen, Ordnen und persönliches Auswählen sprachlichen Materials;
gemeinsame und individuelle Schreibversuche; kooperatives Schreiben, Schreiben von Paralleltexten,
redaktionelle und normbezogene Überarbeitung, Schreibkonferenzen, Umgang mit Nachschlagewer-
ken; „Veröffentlichung“ und Rezeption in der Klasse, zur Rezeption von Schrifttexten vgl. Lernbereich
4.
Durch die Beteiligung an unterrichtlicher Kommunikation im Rahmen der individuellen schrittweisen
Integration erhöht sich der Anteil des ungesteuerten sowie des bildungssprachlichen Spracherwerbs.
Der Lehrer des Deutschen als Zweitsprache sollte die dabei erworbenen Sprach- und Fachkenntnisse
aufgreifen, systematisieren und in seinem Unterricht mit den sprachlichen Lernprozessen verknüpfen.
Da der Zweitspracherwerb nach Spracherwerbsstufen und nicht nach Altersstufen erfolgt, können
Lerninhalte des Lernbereichs 1, die im Fachunterricht der Regelklassen der Grundschule nicht aus-
gewiesen sind, für den Erwerb der deutschen Sprache bedeutsam sein. Es liegt in der Verantwortung
des Lehrers, diese Spezifik in Abhängigkeit von den Lernausgangslagen der Schüler im Unterricht
Deutsch als Zweitsprache differenziert zu gestalten. Das gilt ebenfalls für die Lernbereiche 2, 3 und 4.
Lernbereich 2:
Wortschatz, Wortformen, Satzbau
Die Schüler sind in der Lage, einfache und zusammengesetzte Sätze zu bilden und in kleineren Tex-
ten situations- und adressatengerecht verschiedene Satzarten einzusetzen. Sie können grammatische
Formen erkennen und anwenden. Den Schülern wird bewusst, dass Kenntnisse über die Sprache
helfen, sich in verschiedenen Situationen korrekt zu äußern sowie eigene und fremde Äußerungen zu
korrigieren. Sie kennen die angegebenen grammatischen Termini. Sie erweitern auf der Grundlage
von produktiven Wortbildungsmöglichkeiten ihren Wortschatz, wenden ihn an und verfügen damit über
einen Wortschatz, der die Teilnahme am Regelunterricht unterstützt.
Wortschatz
-
Aufbau eines individuellen Wortschatzes in
Vorbereitung auf den weiteren Lebens- und
Bildungsweg
im Sinne einer Hinführung zu fach- und bil-
dungssprachlichen Registern
-
Wortbildung
.
Zusammensetzung
Beziehung Grundwort und Bestimmungswort
.
Ableitung
Präfixbildung, Suffixbildung, Verkleinerungsfor-
men

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
26
2018
DaZ
Aufbau und Bewusstmachen semantischer Bezie-
hungen
auch vergleichend
-
Beziehungen im Satz und im Text
übliche Substantiv-Verb-Koppelungen, übliche
Adjektiv-Substantiv-Kopplungen
bildungssprachliche Kollokationen
-
Beziehungen zwischen gleichartigen Wort-
schatzelementen
Wortfelder: Ober-, Unter- und Nebenbegriffe zu
einem Zentralbegriff
Gegensatzbegriffe
-
sprachlicher Transfer
Beziehungen zwischen verschiedenen Spra-
chen
Internationalismen
Lesetechniken
Erschließung von Wortbedeutungen aus dem
Kontext
Lernen lernen
Sensibilisieren von Stilebenen
Die Schwester gibt Ihnen das Rezept.
gezielte Aktivierung und Erweiterung des Wort-
schatzes
ab Klasse 3: Nutzung von ein- und zweisprachi-
gen Wörterbüchern sowie Übersetzungs-Apps
Wortformen
-
Formen des Substantivs
Dativ und Genitiv
ab Klasse 5: Genitiv
Fachbegriff: Genus
-
Formen des Pronomens
Personal- und Possessivpronomen
Akkusativ und Dativ
Singular und Plural
-
Formen des Verbs
Fachbegriffe: Präsens, Perfekt, Präteritum und
Futur I
.
Präteritum
war, hatte, wurde, konnte, wollte, musste
weitere regelmäßige und unregelmäßige
Formen
.
Futur I
rezeptiv (Erzähltexte, Nachrichten)
.
Passiv
rezeptiv in Fachtexten
Passiversatzformen
.
Konjunktiv II
hätte, würde, wäre und Modalverben
-
Formen des Partizips
Partizip I, Partizip II, attributiver Gebrauch
-
Formen des Adjektivs
.
Formen bei attributivem Gebrauch im
Nominativ, Akkusativ und Dativ Singular
und Plural
mit bestimmten, unbestimmten Artikel und
Nullartikel
.
Steigerungsformen
regelmäßige Formen von Komparativ und Su-
perlativ
unregelmäßige Formen
Fachbegriff: Steigerung

Deutsch als Zweitsprache
Zweite Etappe
DaZ
2018
27
-
Präpositionen
in Orts- und Zeitangaben sowie bei Präpositio-
nalobjekten
.
mit Akkusativ
.
mit Dativ
.
Wechselpräpositionen
.
Verschmelzung von Präposition und
Artikel
am, beim, zum, im, vom
ins, ans, ums, fürs
Einfache Sätze
-
Satzarten
Fragesatz
Ergänzungsfragen mit wem und wen und Prä-
positionen
Ergänzungsfragen mit warum
-
Satzmuster
Subjekt + Verb + Präpositionalobjekt
Subjekt + Verb + Dativobjekt
Subjekt + Verb + Akkusativobjekt + Präposi-
tionalobjekt
Subjekt + Verb + Dativobjekt + Akkusativobjekt
Fachbegriffe: Subjekt und Objekt
Wortstellung im Satz
Verben mit den Präfixen be-, er-, ver-, zer-
Verbalklammer
trennbare Verben
Perfekt produktiv und rezeptiv
Futur I produktiv und rezeptiv
Inversion
Ich bin am 25. März in Dresden. – Am 25. März
bin ich in Dresden. – In Dresden bin ich am
25. März.
-
Erweiterung einfacher Sätze
.
Adverbialbestimmungen
Präpositionalangaben des Ortes und der Zeit
Adverbial- und Präpositionalangaben der Art
und Weise, der Einschätzung von Sachverhal-
ten
.
Negation
mit kein, nie, nichts, niemand
Weiterführung mit sondern
.
Attribute
Adjektivattribute, Adverbialattribute, Präpositio-
nalattribute
ab Klasse 5: Genitivattribute rezeptiv
.
Vergleiche mit als und wie
.
Verben mit Infinitiv
schwimmen gehen, sprechen lernen, kommen
sehen, warten lassen
Fachbegriff: Infinitiv
.
Infinitiv mit zu
Verbindung von Sätzen
ab Klasse 5: Fachbegriff: Konjunktion
-
Satzverbindungen durch Konjunktionen
und, aber
-
Satzanschlüsse durch rückverweisende
Adverbien
dann, dahin, vorher, deshalb
-
Pronominalisierung

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
28
2018
DaZ
Satzgefüge
-
mit Konjunktionen als Nebensatzeinleitungen
dass, ob, weil, wenn, damit
temporal: als
-
Relativsätze
Rezeptiv, ab Klasse 5: produktiv und rezeptiv
Methodische Erläuterungen
Als Grundmuster wird in drei Schritten gearbeitet: Neue grammatische Erscheinungen werden an
Texten wahrgenommen, herausgehoben und erklärt; die verstandene Erscheinung wird geübt; das
Geübte wird – wiederum in Texten: Schrifttexte, Rollenspiele, Dialoge – angewendet.
Bestimmte grammatische Erscheinungen des Deutschen sind so komplex oder unregelmäßig, dass
die richtige Anwendung nicht auf einmal erworben werden kann. Dazu zählen der Artikelgebrauch, die
Perfektbildung und die Adjektivdeklination. Sie werden durch Einzelbeispiele – oft über unvollkomme-
ne Zwischenformen – erworben.
Für mündliche Übungen empfehlen sich Mini-Dialoge, auch Reihungen von Sätzen oder Ausdrücken
nach gleichbleibendem Muster; ein Beispiel hierfür ist das „Kofferpackspiel“.
Schriftliche Übungen zum Einsetzen, Umformen und Kombinieren gewinnen für das Grammatiklernen
in der zweiten Etappe zunehmend an Bedeutung. Je nach Vorkenntnissen können die Anlage eigener
grammatischer Schemata, Versuche eigener Regelformulierungen – auch im Vergleich mit der Her-
kunftssprache sowie die eigenständige Benutzung eines einfachen grammatischen Nachschlagewerks
hinzukommen.
In der Primarstufe sind grammatische Fachbegriffe nicht in den Vordergrund zu stellen. In der Primar-
stufe sowie in der Sekundarstufe I ist die Ausgestaltung des Lernbereichs „Wortschatz, Wortformen
und Satzbau“ im Sinne einer Hinführung zu fach- und bildungssprachlichen Registern und damit einer
Vorbereitung und Begleitung zur Teilnahme an ausgewählten Fächern in einer Regelklasse zu verste-
hen.
In der zweiten Etappe wird die visuelle Bedeutungsvermittlung
(Wort <=> Bild)
in zunehmendem Maße
ergänzt und zum Teil abgelöst durch sprachliche Verfahren
(Wort <=> Wort),
z. B. durch Benennung
oder Beschreibung von Zweckbestimmung(en) eines Gegenstandes oder Vorgangs
(Bank <=> man
kann darauf sitzen
) bzw. Situation(en) seines Vorkommens (
Bank <=> steht im Park
) oder Zuordnung
zu einem übergeordneten Begriff (
Fluss <=> Wasser
) oder gleichgeordneten Begriff (
Dorf <=> kleine
Siedlung
).
Es ist in dieser Etappe vorrangiges Ziel, über Bedeutungen sprechen zu lernen. Bedeutungserklärun-
gen mit Hilfe der Herkunftssprache können effektiv sein. Es sollte dabei aber darauf geachtet werden,
dass den Schülern nicht suggeriert wird, dass jederzeit sogenannte 1:1-Übersetzungen oder 1:1-
Entsprechungen möglich wären.
Persönliche Phrasen und Wortschatzkarteien der Schüler sollten vielfältige Darstellungsformen auf-
nehmen: Bedeutungserklärungen in der Herkunftssprache, Umschreibungen bzw. Definitionen auf
Deutsch, Beispielsätze, grafische Darstellungen von semantischen Beziehungen und – wo es sinnvoll
ist – Bilder und Zeichnungen. Es kann zusätzlich mit einsprachigen Wörterbüchern, mit zweisprachi-
gen Wörterbüchern und Übersetzungs-Apps gearbeitet werden.

Deutsch als Zweitsprache
Zweite Etappe
DaZ
2018
29
Lernbereich 3:
Aussprache und Orthografie
Die Schüler können am Ende der zweiten Etappe Wörter und Sätze verständlich artikulieren und into-
nieren. Sie sind in der Lage, nach Vorbereitung kurze, altersgerechte Texte sinnentsprechend vorzu-
lesen. Die rezeptiven Fähigkeiten sind so weit ausgeprägt, dass auch typische alltagssprachliche Va-
riationen wie dialektale Anklänge und Lautauslassungen verstanden werden.
Die Schüler schreiben geübte Wörter und Texte weitgehend richtig und können sich gezielt über un-
bekannte oder ungewisse Schreibungen informieren.
Artikulation
Konsonantenhäufungen
in Abhängigkeit von aktuellen Erfordernissen
des Regelunterrichts
LB 1 und 4
Intonation
Hinführung zu einem sinngerechten, lebendigen
und abwechslungsreichen Sprechen in zusam-
menhängenden Redebeiträgen
Orthografie
Ausbau des orthographisch gesicherten Wort-
schatzes
-
Vokalkürze und Vokallänge
Doppelkonsonanzschreibung einschließlich
ck,
dt
und
tz
h
als Längezeichen,
ie
, Doppelvokalschreibung
-
Suffixe -lich und -ig
-
Interpunktion
.
Komma
in Aufzählungen und Satzgefügen
-
orthografische Strategien
.
eigene orthografische Unsicherheiten
wahrnehmen
.
Lösungswege erkennen
.
gezielt orthografische Informationen be-
schaffen
Methodische Erläuterungen
Auf die wichtigsten Aspekte des Lernbereichs 3 wurde schon bei der ersten Etappe hingewiesen:
durchgehende Bedeutungsvermittlung, Verbindung von Rezeption und Produktion, Bevorzugung des
Lernens in Kommunikationssituationen.
Die Rechtschreibübungen sollten möglichst in sinnvollen Textzusammenhängen stattfinden. Als or-
thografische Strategie sollte geübt und gefördert werden, den Lehrer oder fortgeschrittene Schüler
nach einer bestimmten Schreibung zu fragen. Darüber hinaus sollten Hilfsmittel wie Schülerkartei,
Klassenkartei, ein- oder zweisprachige Wörterbücher, Übersetzungs-Apps oder Computer-Recht-
schreibprogramme genutzt werden.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
30
2018
DaZ
Lernbereich 4:
Textrezeption
Die Schüler können am Ende der zweiten Etappe Sachtexte ohne größeren Informationsverlust erfas-
sen. Sie sind grundsätzlich in der Lage, sich Lehrbuchtexte ihrer Klassenstufe verstehend zu erschlie-
ßen, Informationen der Lehrer zu verarbeiten und Aufgaben schriftlich zu lösen. Sie lernen unter-
schiedliche Strategien zur Texterschließung kennen.
Strategien zur Texterschließung
DE, Kl. 1/2, LB Lesen/Mit Medien umgehen
Sekundarstufe I:
globales Textverstehen: Erkennen, worum es in
einem Text geht
orientierendes Textverstehen: Herausfinden, ob
ein Text Informationen zu einem bestimmten
Thema, Antworten auf bestimmte Fragen enthält
kursorisches Textverstehen: möglichst rasches
Erfassen der wesentlichen Aussagen eines Tex-
tes
selektives Textverstehen: Heraussuchen einer
gewünschten Information aus einem Text
Texterschließung
Fachunterricht in den Regelklassen
-
authentische, alltagssprachliche Texte
Ausgehen von kommunikativen Bedürfnissen
der Schüler und ihren sprachlichen Erfahrungen
persönliche und offizielle Schreiben, Hinweista-
feln, Gebrauchsanweisungen, Spielregeln, Arti-
kel in Zeitungen (Kinderseite, Sport) und Kinder-
und Jugendzeitschriften, Comics, eigene Schrift-
texte
-
Texte des Regelunterrichts
in Abstimmung mit dem jeweiligen Fachlehrer
Hinführen zum Verstehen von Fachtexten
-
kurze, einfache literarische Texte
Gedichte, Lieder, Hörspielszenen, Geschichten,
Märchen, Sprachspiele u. a.; auch Texte in den
Herkunftssprachen, Nutzung von Übersetzun-
gen und zwei- bzw. mehrsprachigen Textaus-
gaben
-
Schrift- und Medientexte
gezielte Auswahl
Einführung in die Nutzung von öffentlichen
Bibliotheken und Mediatheken
Methodische Erläuterungen
Im Verlauf der zweiten Etappe und im Zuge der sukzessiven Integration in den Fachunterricht gewinnt
das Leseverstehen an Bedeutung, zugleich steigt das Anforderungsniveau der Texte. Das Verstehen
von Fachtexten und ab Klasse 5 das Verstehen von Fachvorträgen sollte geübt und mit unterschiedli-
chen Verfahren – schriftlich und mündlich – überprüft werden, wozu auch die Bearbeitung von Sach-
und Fachtexten gehört. Hinführungen in der Form inhaltlicher oder sprachlicher Vorbereitung und der
Vorlage vereinfachter, bearbeiteter oder sprachlich entlasteter Texte unterstützen das Textverständnis
der Schüler. Bei der Textarbeit selbst werden die bereits erworbenen grammatischen und lexikalisch-
semantischen Kenntnisse und Fähigkeiten (vgl. Lernbereich 2) zur Bedeutungsermittlung im Kontext
eingesetzt. Dabei werden die Schüler unterstützt, indem der Lehrer die jeweils notwendigen alltags-
und bildungssprachlichen Mittel unter Beachtung der Lernvoraussetzungen der Schüler und des Un-
terrichtsgegenstandes gestaltet. Für den Aufbau und die schrittweise Erweiterung des Bildungs- und
Fachwortschatzes wird ab Klasse 3 das Anlegen einer fortlaufenden Wortschatz- und Phrasenliste
oder eines Glossars zur Erfassung fach- und bildungssprachlicher Kollokationen beispielsweise mit
einem Textverarbeitungsprogramm empfohlen. In enger Abstimmung mit den jeweiligen Fachlehrern
der Regelklassen erschließen sich die Schüler anhand von Fach- und Sachtexten Merkmale verschie-

Deutsch als Zweitsprache
Zweite Etappe
DaZ
2018
31
dener Textsorten und lernen, kontextabhängige und nichtsprachliche Bedeutungen bei der Verwen-
dung von sprachlichen Ausdrücken zu beschreiben. Sie vertiefen ihre Kenntnisse der fach- und bil-
dungssprachlichen Morphosyntax und erhalten einen Einblick in die Verwendung von Passiv- und
Passiversatzformen, von Verben mit passivischer Bedeutung, von Funktionsverbgefügen, von Partizi-
pialkonstruktionen, von Nominalisierungen, von Genitivattributen, von Präpositionalattributen, von
Bedingungssätzen und von Proformen.
Über das Textverstehen hinaus sollten zusätzlich praktikable Umgangsweisen mit Texten gelernt wer-
den, die u. a. auch dazu dienen, begründet entscheiden zu können, ob sich ein detailliertes Lesen
lohnt. Als Übungen zur Einführung bieten sich an: Vermutungen der Schüler über den Textinhalt an-
hand von Überschriften, Unterscheiden von Wichtigem und Unwichtigem, Bebilderung, Layout, Veröf-
fentlichungsart und deren Überprüfung (globales Verstehen); Nutzung von Inhaltsübersichten, Zwi-
schenüberschriften, Registern (orientierendes Verstehen); Finden und Notieren von Schlüsselwörtern,
Herstellen einfacher Verbindungen zum Alltagswissen, Heranziehen von Hintergrundwissen zum
Textverständnis, Wiedergeben von Textinhalten mit eigenen Worten, Wiedergeben eigener Gefühle
zum Gelesenen, Zusammenfassen und Systematisieren von Textinhalten, Zusammenfassung von
Abschnitten, Anlegen einer Gliederung (kursorisches Verstehen), Aufsuchen bestimmter Begriffe (se-
lektives Verstehen) u. a.
Mit literarischen Texten sollte anders umgegangen werden. Zwar sollen auch sie in ihrer Bedeutung
erklärt und verstanden werden, wesentlich aber ist ihre kreative Aneignung. Dies geschieht durch
Zuhören und Vortragen, Nacherzählen und Ausschmücken, Aufführung oder bildnerische Umsetzung.
Kritisches Besprechen und Bewerten kommt in der Sekundarstufe I hinzu. Gedichte vorzutragen, kann
auf allen Klassenstufen ein sprachliches Vergnügen sein.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
32
2018
DaZ
Dritte Etappe:
Entwicklung bildungssprachlicher Kompetenzen
Die dritte Etappe dient der Gewinnung von Sicherheit in der deutschen Alltags- und Bildungssprache. Die
Schüler lernen, den Sprachanforderungen des Regelunterrichts und der Öffentlichkeit selbstständig zu
begegnen.
Die Vermittlung von Bildungssprache ist eine Aufgabe aller Unterrichtsfächer. Jeder Unterrichtsgegen-
stand, jede Aufgabe enthalten fachliche und sprachliche Anforderungen. Für einen erfolgreichen Lernpro-
zess muss beides im Einklang sein: Begreifen, Durchdringen der Sache und der Sprache. Unter Beach-
tung dessen, dass der Erwerb bildungssprachlicher Kompetenzen ein mehrjähriger Prozess sein kann,
sollte der Unterricht im Fach Deutsch als Zweitsprache bei Bedarf bis zur Jahrgangsstufe 12 erteilt wer-
den. Die inhaltliche Einführung von Fachwortschatz bzw. der Erwerb von fachlichen Inhalten erfolgt im
jeweiligen Fachunterricht.
Die Schüler unterhalten sich über altersgemäße und aktuelle Themen. Sie sind in der Lage, Kurzvorträge
für den Regelunterricht zu konzipieren und zu halten. Sie verstehen Texte und wissen sich bei Verständ-
nis- und Ausdrucksschwierigkeiten zu helfen. Sie können Textrezeptionsstrategien routinemäßig anwen-
den und Stilebenen und Textsorten unterscheiden. Sie sind in der Lage, eigene Textentwürfe allein oder
mit Hilfe anderer zu verbessern.
Zu diesen Zwecken erweitern sie ihren Wortschatz sowie ihre grammatischen Möglichkeiten und bezie-
hen typische fachkommunikative Sprachhandlungen, -mittel und -strukturen ein. Sie erarbeiten sich die
Fähigkeit, die semantischen Eigenheiten von Fachbegriffen sowie die syntaktischen und grammatischen
Besonderheiten von Fachtexten zu erschließen.
Lernbereich 1:
Mündliche und schriftliche Sprachhandlungen zur Bewältigung komplexer
kommunikativer Situationen
Die Schüler beherrschen zunehmend sicher sprachliche Mittel, die für eine erfolgreiche Kommunikation
im schulischen und außerschulischen Bereich erforderlich sind. Das betrifft vor allem unterrichtstypische
Sprachhandlungen wie monologische Formen, Beschreiben, Berichten, Erklären, Diskutieren sowie die
Aneignung fach- und schriftsprachlicher Handlungsmöglichkeiten durch zielgerichtete, sich an den Anfor-
derungen des Regelunterrichts orientierende Spracharbeit.
Sie lernen, zwischen den verschiedenen Ebenen und Formen sprachlichen Handelns bewusst zu unter-
scheiden und eigene Textentwürfe zielbewusst zu überarbeiten.
Kommunikation
Kommunikationsmodelle
Kommunikationsregeln
Sprachebenen
Ausdruck von Gefühlen und Irrationalem
Darlegen von Meinungen und Wertungen
Vorbereiten begründeter Stellungnahmen zu Er-
eignissen, Persönlichkeiten, Zeiterscheinungen,
die Thema des Unterrichts in der Regelklasse sind
Vorbereiten und Nachbesprechen von Diskussi-
onsrunden in der Regelklasse und im außerschuli-
schen Bereich zu aktuellen gesellschaftlichen De-
batten
Einholen und Erteilen von Informationen
Themen des Regelunterrichts
ab Klasse 4: Bildungsberatung
ab Klasse 7: Berufsorientierung
sprachliche Unterstützung bei außerschulischen
Sprachanlässen bei Behördengängen, Anträgen,
Reiseinformationen, Sozialberatung
-
Protokollieren
sprachliche Unterstützung bei der Formulierung
von Beobachtungen, von Verlauf und Ergebnissen
von Experimenten im naturwissenschaftlichen
Unterricht, von Befragungen und von Gruppen-
arbeitsergebnissen

Deutsch als Zweitsprache
Dritte Etappe
DaZ
2018
33
-
Präsentieren
sprachliche Unterstützung bei der Anfertigung von
Plakaten, Grafiken, Handouts, Bewerbungen
Üben von Kurzvorträgen
Methodische Erläuterungen
In der dritten Etappe soll sich das Gelernte bewähren und zur Grundlage für die weitere eigenständige
Aneignung der Zweitsprache werden, indem es prinzipiell möglich wird, mit den vorhandenen Sprach-
kenntnissen unter Verwendung üblicher Hilfsmittel – selbstständig neue Kenntnisse zu erwerben oder
sprachpraktisch auftretende Probleme zu klären.
Der Unterricht soll vornehmlich der Sprachberatung und Sprachreflexion dienen und hat eine vorberei-
tende Funktion auf Sprachhandlungen des Unterrichts in allen Fächern und des außerschulischen Be-
reichs:
- Planung von Redebeiträgen: Stichwörter, mündliches Üben im Voraus, Memorieren eines Erzählab-
laufs
- Besprechung von Verbesserungsmöglichkeiten für schriftliche Texte
- schriftliche Kommentierung von Textentwürfen
- Aufmerksam machen auf Stellen, die formaler Korrektur bedürfen, u. a. für die Nutzung von Hilfsmit-
teln
- Sichtung von Materialien, die für die Lösung einer Sprachaufgabe gebraucht werden
Lernbereich 2:
Wortschatz, Wortformen, Satzbau
Die Schüler sichern und vertiefen die in der zweiten Etappe erworbenen Kompetenzen. Dabei liegt das
Hauptgewicht jetzt auf den Elementen, die zur Differenziertheit des Ausdrucks und zur Kohärenz von
Texten beitragen. Die Schüler erweitern in diesem Sinne rezeptiv und produktiv ihre grammatischen Mög-
lichkeiten und ihren Wortschatz. Auch hierbei lernen sie, Stilebenen und Textsorten zu unterscheiden.
Wortschatz
-
Erweiterung des Wortschatzes
Sachtexte und literarische Texte
Unterstützung beim Verstehen und Verwenden
von fach- und bildungssprachlichen Registern
-
Wortbildung
.
Ableitung durch Präfixe und Suffixe
Verben, Substantive und Adjektive
.
Ableitungen durch Negationsbildungen
un-, miss-, nicht-
.
Nominalisierungen
Fachtexte
Nominalstil
-
Aufbau und Bewusstmachen semantischer
Beziehungen
.
Bedeutungsvielfalt von Wörtern
exemplarisch anhand eines einsprachigen oder
zweisprachigen Wörterbuchs oder eines Bild-
Wörterbuches
.
Unterscheidung von Stilebenen
speisen, essen, futtern, fressen
-
feste Wendungen und Phraseologismen
Fachbegriffe: Alltagssprache, Bildungssprache
bei Vorkommen in Texten und Gesprächen, auch
Vergleich zu Herkunftssprachen
Verben mit passivischer Bedeutung, Funktions-
verbgefüge, Partizipialkonstruktionen, Nominali-
sierungen, Genitivattribute, Präpositionalattri-
bute, Bedingungssätze und Proformen

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
34
2018
DaZ
Wortformen
-
Formen des Substantivs
.
Genitiv
Genitivattribute
Fachbegriff: Genitiv
-
Formen des Verbs
.
Passiv und Passivkonstruktionen
.
Plusquamperfekt
in Verbindung mit
nachdem
-Sätzen
.
Futur I
unter Berücksichtigung seiner modalen Kompo-
nente
.
Konjunktiv
ab Klasse 5: unregelmäßige Verben wie brächte,
gäbe, dächte, käme, wüsste
ab Klasse 7: schwache Verben und weitere starke
Verben rezeptiv
ab Klasse 8: Konjunktiv I in indirekter Rede rezep-
tiv
-
Formen des Adjektivs
weitere Festigung im Gebrauch, vgl. zweite
Etappe
-
Partikel
rezeptiv
-
graduierende Adverbien
eigentlich, ziemlich, sehr
Erweiterungen einfacher Sätze
-
Attribute
Genitivattribute
-
Satzgliedverbindungen mit sowohl – als auch
und weder – noch
-
Verben mit zu und Infinitiv
scheint zu schlafen, hat zu tun, ist zu erledigen,
fängt an/hört auf zu weinen
-
erweiterte Infinitive mit zu
ab Klasse 5: um – zu, ohne – zu, statt – zu,
anstatt – zu
Verbindung von Sätzen
-
Satzverbindungen durch Konjunktionen
denn, doch, je – desto/umso
-
Satzgefüge mit Konjunktionen
als, bevor, nachdem, während, bis, obwohl
-
komplexe Hypotaxe
Bandwurmsätze
Textaufbau durch Beziehungen zwischen Sätzen
Wiederaufgreifen von Wörtern und Bedeutungen,
Weiterführen durch Angaben und Konjunktionen,
Rückverweis durch bestimmte Artikel, Pronomen
und rückverweisende Adverbien – beim Verfas-
sen von Texten
Lerntechniken
Aufgreifen von Hinweisen aus der zweiten Etappe
und routinemäßiger Gebrauch von Lerntechniken
Methodische Erläuterungen
Grammatische Arbeit in der dritten Etappe ist vorwiegend praktische Arbeit an Texten des Fachunter-
richts. Ausdrucks- und Verstehensschwierigkeiten sollten aufgegriffen, besprochen und gelöst werden.
Bei sprachformbezogenen Übungen kann ein grammatisches Nachschlagewerk herangezogen werden.
Die in der zweiten Etappe erworbene Fähigkeit, über Bedeutungen zu sprechen, sollte geübt werden,
ebenso die Fähigkeit, Bedeutungen aus dem Kontext zu erschließen. Durch Nutzung eines Wörterbuchs
wird die Bedeutung ermittelt und kontrolliert. In Fachtexten ist besonders auf die nicht im engeren Sinne
fachlichen, aber zum Textverständnis beitragenden Wörter zu achten.

Deutsch als Zweitsprache
Dritte Etappe
DaZ
2018
35
Lernbereich 3:
Aussprache und Orthografie
Die Schüler festigen ihre Kenntnisse zum Laut- und Schriftsystem und können diese anwenden. Sie er-
weitern ihr Wissen zu orthografischen Regeln und zur Interpunktion.
Artikulation und Intonation
in Abhängigkeit vom erreichten Stand
im Kontext zusammenhängender Sprechleistun-
gen
Orthografie
-
weiterer Ausbau des orthografisch gesicherten
Wortschatzes
-
Regularitäten bei unterschiedlicher Schreibung
gleicher Laute
-
Silbentrennung
Interpunktion
-
Regeln der Kommasetzung
ab Klasse 3: Aufzählungen
ab Klasse 5: zusammengesetzte Sätze
-
weitere Interpunktionszeichen
ab Klasse 7: Semikolon, Gedankenstrich, wörtli-
che Rede
Lerntechniken
-
Nutzung von Regelwerken
ein- oder zweisprachiges Wörterbuch, Synonym-
wörterbuch, Fachwörterbuch
Methodische Erläuterungen
Verfahren der Selbst- und Partnerkontrolle stehen im Vordergrund. Für die notwendige Arbeit an Artikula-
tion und Intonation kommt vor allem die Verwendung von Audio- und Videoaufzeichnungen in Betracht.
Bei der Orthografie geht es bevorzugt um das Überarbeiten von Texten. Ein Schwerpunkt liegt auf der
Regelanwendung und der Kontrolle von Schreibungen mit Hilfe von Wörterbüchern.

Vorbereitungsgruppen/Vorbereitungsklassen an allgemeinbildenden Schulen
36
2018
DaZ
Lernbereich 4:
Textrezeption
Die Schüler lernen in der dritten Etappe Textsorten und Sprachebenen deutlicher voneinander zu unter-
scheiden. Sie erlangen Sicherheit im sprachlichen Verständnis von Alltags-, Fach- und Lehrbuchtexten.
Sie lernen, Textrezeptionsstrategien selbstständig anzuwenden.
Verstehen von Texten
Texte des Regelunterrichts
Unterstützung des Verstehens von Fachtexten
und ergänzender Fachliteratur
Unterstützung des Verstehens von literarischen
Texten, ab Klasse 5 auch: Unterstützung bei der
Interpretation
Bewusstmachen und Üben charakteristischer
fach- und bildungssprachlicher Erscheinungen
Anwenden von Strategien zur Texterschließung
-
Erkennen und Bestimmen des Rezeptions-
zieles
-
Wahl passender Strategien
Bearbeiten von Texten
-
Schreiben von Zusammenfassungen
ab Klasse 7: Unterstützung beim zusammenhän-
genden Wiedergeben von Sachtexten
Methodische Erläuterungen
Umgang mit Texten bedeutet in der dritten Etappe vor allem Arbeit an Texten des Regelunterrichts, wobei
das Verstehen von Fachtexten im Vordergrund steht. Die dafür einzusetzenden Methoden sind die glei-
chen wie in der zweiten Etappe, werden aber gezielter nach dem jeweiligen individuellen Bedarf der
Schüler ausgewählt.