Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft für
Immissionsschutz
Hinweise
zur Messung, Beurteilung und Verminderung
von Erschütterungsimmissionen
(Stand 06.03.2018)
1
Geltungsbereich
2
Schädliche Umwelteinwirkungen durch Erschütterungen
2.1
Schädlichkeit von Erschütterungseinwirkungen
2.2
Messung und Beurteilung von Erschütterungseinwirkungen
3
Immissionswerte
3.1
Einwirkungen auf Gebäude und andere bauliche Anlagen
3.2
Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden
4
Hinweise zur Beurteilung
4.1
Einwirkungen auf Gebäude und andere bauliche Anlagen
4.2
Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden
5
Erschütterungen bei Baumaßnahmen
5.1
Einwirkungen auf Gebäude und andere bauliche Anlagen
5.2
Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden
6
Verminderung von erheblichen Belästigungen durch Erschütterungsimmissionen
6.1
Aktive Schutzmaßnahmen
6.2
Ausbreitungsweg
6.3
Passive Schutzmaßnahmen
6.4
Maßnahmen zur Verminderung erheblicher Belästigungen, insbesondere bei nur
vorübergehend betriebenen Anlagen (z. B. Baustellenanlagen)
Anhang: Hinweise zu ausgewählten Einzelfällen

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1
Geltungsbereich
Diese Hinweise dienen dem Schutz der Allgemeinheit und der Nachbarschaft vor schädlichen
Umwelteinwirkungen durch Erschütterungen sowie der Vorsorge gegen schädliche
Umwelteinwirkungen durch Erschütterungen. Sie enthalten Beurteilungsmaßstäbe zur Konkretisierung
der Anforderungen aus § 5 Abs. 1 Nrn. 1 und 2 und § 22 Abs. 1 des Bundes-Immissionsschutzgesetzes
(BImSchG) sowie Anmerkungen zur Vorsorge. Hierzu siehe insbesondere Gliederungs-Nr. 6.1.
Die Hinweise gelten für genehmigungsbedürftige und nicht genehmigungsbedürftige Anlagen
einschließlich Baustellen.
Diese Hinweise bilden keine geeignete Beurteilungsgrundlage für Erschütterungsimmissionen bei
besonderen Nutzungen von Gebäuden und Grundstücken. Besondere Nutzungen von Gebäuden und
Grundstücken sind Nutzungen, die gegenüber Erschütterungseinwirkungen in besonderem Maße
empfindlich sind. Derartige Nutzungen liegen bei Arbeitsstätten mit erschütterungsempfindlichen
Apparaturen oder Fertigungsgeräten (z. B. Elektronenmikroskope, Laser-Einrichtungen usw.) vor.
Zur Prognose von Erschütterungen werden in diesen Hinweisen keine Handlungsanleitungen gegeben.
Eine Anleitung zur Vorermittlung von Erschütterungen enthält DIN 4150-1:2001-06 "Erschütterungen
im Bauwesen – Teil 1: Vorermittlung von Schwingungsgrößen".
In diesen Hinweisen sind auch keine Handlungsempfehlungen zur Beurteilung der
Erschütterungseinwirkung aus Straßen- und Schienenverkehr enthalten. Hinweise dazu enthalten DIN
4150-2, 6.5.2 und 6.5.3.
2
Schädliche Umwelteinwirkungen durch Erschütterungen
Eine für Anlagenbetreiber und Überwachungsbehörden gleichermaßen bundesweit rechtsverbindliche
Klärung der Frage, wann Erschütterungsimmissionen auf bauliche Anlagen und auf Menschen in
Gebäuden als schädliche Umwelteinwirkungen anzusehen sind, existiert nicht. Die Bewertung der
Erheblichkeit von Belästigungen bzw. Nachteilen durch Erschütterungseinwirkungen i.S. des BImSchG
ist daher anhand von Regelwerken sachverständiger Organisationen oder von einzelfallbezogenen
Gutachten vorzunehmen.
Die unter Nr. 2.2 genannten Normen können als antizipierte Sachverständigengutachten zur
Konkretisierung des Begriffs der schädlichen Umwelteinwirkung herangezogen werden. Sie dürfen
jedoch nicht schematisch angewandt werden.
2.1
Schädlichkeit von Erschütterungseinwirkungen
Erschütterungsimmissionen sind schädliche Umwelteinwirkungen im Sinne von § 3 Abs. 1 BImSchG,
wenn sie nach Art, Ausmaß oder Dauer geeignet sind, Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebliche
Belästigungen für die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft herbeizuführen. Diese Hinweise enthalten
Beurteilungsmaßstäbe für die Grenzen der Schädlichkeit von Erschütterungsimmissionen, die auf
Gebäude und auf Menschen in Gebäuden bei üblicher Nutzung einwirken. Werden diese
Beurteilungsmaßstäbe eingehalten, ist immer auch der Gefahrenschutz, insbesondere der
Gesundheitsschutz von Menschen, sichergestellt.

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a) Erschütterungseinwirkungen auf Gebäude
Erschütterungseinwirkungen auf Gebäude übersteigen die Grenze der schädlichen
Umwelteinwirkungen, wenn sie geeignet sind, erhebliche Nachteile hervorzurufen. Unter Nachteilen
sind dabei Vermögenseinbußen, insbesondere durch Schäden an Gebäuden und Gebäudeteilen, zu
verstehen. Die Verminderung der bestimmungsgemäßen Nutzbarkeit eines Gebäudes ist in der Regel ein
erheblicher Nachteil. Erschütterungen, die geeignet sind, Schäden an Gebäuden zu verursachen, die
deren Standfestigkeit beeinträchtigen oder die Tragfähigkeit von Decken oder anderen Bauteilen
vermindern, sind stets als schädliche Umwelteinwirkungen anzusehen. Im Übrigen hängt die Bewertung
von Erschütterungseinwirkungen von der Gebäudeart und der Nutzung der Bauten ab.
Bei Wohngebäuden und in ihrer Konstruktion und/oder ihrer Nutzung gleichartigen Bauten sowie bei
besonders erhaltenswerten (z. B. unter Denkmalschutz stehenden) Bauten sind darüber hinaus
Erschütterungseinwirkungen als schädliche Umwelteinwirkungen anzusehen, wenn sie geeignet sind
-
Risse im Putz von Decken und/oder Wänden,
-
Vergrößerung von bereits vorhandenen Rissen in Gebäuden oder
-
Abreißen von Trenn- und Zwischenwänden von tragenden Wänden oder Decken
zu verursachen.
Bei gewerblich genutzten Bauten (siehe Tabelle 2, Zeile 1) sind Erschütterungseinwirkungen, die die
Standfestigkeit nicht berühren, in der Regel keine schädlichen Umwelteinwirkungen.
b) Erschütterungseinwirkungen auf Menschen in Gebäuden
Erschütterungseinwirkungen auf Menschen in Gebäuden können erhebliche Belästigungen
hervorrufen. Belästigungen ergeben sich aus der negativen Bewertung von Erschütterungseinwirkungen
und deren Folgeerscheinungen (z. B. sichtbare Bewegungen oder hörbares Klappern von Gegenständen).
Zur Belästigung tragen auch die mit Erschütterungen verbundenen Beeinträchtigungen
bestimmungsgemäßer Nutzungen von Gebäuden und Gebäudeteilen bei. Die Erheblichkeit hängt nicht
nur vom Ausmaß der Erschütterungsbelastung, sondern auch von anderen Faktoren (siehe DIN 4150-2,
4) ab, die die Zumutbarkeit für den betroffenen Menschen bestimmen. Ein Hinweis auf die Fühlbarkeit
der Erschütterungseinwirkung ist in DIN 4150-2, Anhang D "Erläuterung zu Abschnitt 6" gegeben.
Tabelle 1: Zusammenhang von Wahrnehmung und KB
Fmax
, abgeleitet aus den Angaben in DIN 4150-2,
Anhang D.
Maximalwert der Bewerteten
Schwingstärke KB
Fmax
Beschreibung der Wahrnehmung
0,1 bis 0,2
Beginn der Wahrnehmung. In Wohnungen bereits störend.
0,3
bei ruhigem Aufenthalt in Wohnungen überwiegend gut spürbar und
damit stark störend

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2.2
Messung und Beurteilung von Erschütterungseinwirkungen
Die Normen
DIN 4150 "Erschütterungen im Bauwesen",
-
Teil 3:2016-12 "Einwirkungen auf bauliche Anlagen",
-
Teil 2:1999-06 "Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden,"
DIN 45669 "Messung von Schwingungsimmissionen",
-
Teil 1:2010-09 "Schwingungsmesser: Anforderungen und Prüfungen",
-
Teil 1:2012-12 "Schwingungsmesser: Anforderungen und Prüfungen - Berichtigung zu
DIN 45669-1:2010-09",
-
Teil 2:2005-06 "Messverfahren"
enthalten sachverständige Angaben zur Messung und Beurteilung der Einwirkung von Erschütterungen
auf Gebäude und auf Menschen in Gebäuden.
Die verwendeten Schwingungsmesssysteme müssen den Anforderungen der DIN 45669-1genügen. Seit
der letzten Kalibrierung des Messsystems dürfen nach DIN 45669-1 nicht länger als drei Jahre
vergangen sein. Bei der Durchführung der Messung sind die Vorgaben aus DIN 45669-2 zu beachten.
Maßgebend für die Beurteilung von Gebäudeschwingungen sind die maximalen
Schwinggeschwindigkeiten, die in den horizontalen Schwingungsrichtungen auf der obersten
Deckenebene auftreten. In vertikaler Schwingungsrichtung treten die maximalen
Schwinggeschwindigkeiten meistens in der Mitte frei schwingender Deckenfelder auf. Zur Beurteilung
einer kurzzeitigen Einwirkung auf bauliche Anlagen dürfen ersatzweise auch Messungen am
Gebäudefundament erfolgen.
Zur Ermittlung der Erschütterungseinwirkung auf Menschen in Gebäuden muss die Messung auf dem
Fußboden des am stärksten betroffenen, schutzbedürftigen Raumes nach DIN 4109-1, 3.16 (DIN 4109-
1:2018-01 "Schallschutz im Hochbau – Teil 1: Mindestanforderungen") erfolgen. Aus Messungen am
Gebäudefundament können die zur Beurteilung der Erschütterungseinwirkung auf Menschen in
Gebäuden notwendigen Beurteilungsgrößen nicht eindeutig berechnet werden. Mit weiteren
Kenntnissen, insbesondere über die Schwingungsübertragung im Gebäude, ist lediglich eine
Abschätzung möglich. Sollen Anordnungen auf Messergebnisse gestützt werden, sind die auftretenden
Erschütterungsimmissionen unbedingt am maßgeblichen Immissionsort zu erfassen.
Für Erschütterungseinwirkungen von außen auf schutzbedürftige Räume gelten die
Beurteilungsmaßstäbe der DIN 4150-2. In ihrem Anwendungsbereich markieren die Anhaltswerte der
DIN 4150-2 die Schwelle zwischen schädlichen und nicht schädlichen Umwelteinwirkungen. Diese
Markierung stellt keine scharfe Grenze dar. Sie ist aber eine geeignete Grundlage für eine
Immissionsbeurteilung, die auch die besonderen Umstände des Einzelfalls berücksichtigt.
Zur Beurteilung von selbst verursachten Schwingungseinwirkung am Arbeitsplatz sind die Vorgaben der
VDI 2057 Blatt 1:2017-08 "Einwirkung mechanischer Schwingungen auf den Menschen - Ganzkörper-
Schwingungen", VDI 2057 Blatt 1 Berichtigung:2017-10" Einwirkung mechanischer Schwingungen auf
den Menschen - Ganzkörper-Schwingungen - Berichtigung zur Richtlinie VDI 2057 Blatt 1:2017-08"
und VDI 2057 Blatt 3:2017-03 " Einwirkung mechanischer Schwingungen auf den Menschen -
Ganzkörperschwingungen an Arbeitsplätzen in Gebäude" und der Lärm- und Vibrations-
Arbeitsschutzverordnung zu beachten. Darin wird die Schwingungseinwirkung anhand einer bewerteten
Schwingbeschleunigung beurteilt. Die aus diesen Regelwerken stammenden Beziehungen zwischen
Beurteilungswert und Wahrnehmung sind nicht mit den Beurteilungsgrößen aus DIN 4150-2
vergleichbar und können bei der Beurteilung von Immissionen nicht verwendet werden.

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3
Immissionswerte
Die Immissionswerte in Tabelle 2 und Tabelle 3 berücksichtigen die in Nr. 2.2 genannten
Erkenntnisquellen.
Die Immissionswerte der Tabelle 2 kennzeichnen für den überwiegenden Teil der heute vorhandenen
Gebäude eine Schwelle, bei deren Einhaltung eine Verminderung der bestimmungsgemäßen Nutzbarkeit
als Folge von Erschütterungseinwirkungen nach den bisherigen Erfahrungen nicht eintritt. Bei der
Überschreitung der Immissionswerte nimmt aber das Risiko derartiger Beeinträchtigungen zu.
Die Immissionswerte der Tabelle 3 und Tabelle 4 stellen auf die Vermeidung erheblicher Belästigungen
von Menschen in Gebäuden ab. Tabelle 3 gibt Immissionswerte für Situationen an, in denen
Erschütterungsquellen über mehrere Monate und Jahre auf Immissionsorte einwirken. Sie dienen zur
Festlegung der Schwellen zwischen schädlichen und nicht schädlichen Umwelteinwirkungen. Die
Immissionswerte der Tabelle 4 gelten für tagsüber einwirkende Erschütterungen von Baustellen und
stellen Zumutbarkeitsmaßstäbe nach Maßgabe von Nr. 5.2 bereit.
Die Immissionswerte der Tabelle 3 und Tabelle 4 wurden über viele Jahre im praktischen Einsatz
bestätigt und dienen auch in der Rechtsprechung als Orientierungshilfe zur Konkretisierung der
Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG). Die Immissionswerte können daher
in typischen Fällen zur Beurteilung der Belästigung durch Erschütterungsimmissionen als Arbeitshilfe
herangezogen werden. Bei atypischen Fällen ist im Einzelnen zu prüfen, ob die Immissionswerte
aufgrund von Art, Ausmaß und Dauer der Erschütterungseinwirkungen geeignet sind, deren
Erheblichkeit und Zumutbarkeit sachgerecht zu beurteilen.
3.1
Einwirkungen auf Gebäude und andere bauliche Anlagen
Die Immissionswerte für die Beurteilung der Einwirkungen auf Gebäude (Tabelle 2) sind nach der
Gebäudeart und nach der Dauer der Einwirkungen gestaffelt. Grundlage hierfür sind die Anhaltswerte
nach DIN 4150-3:2016-12. Die Zuordnung der Gebäude zu den Zeilen nach Tabelle 2 erfolgt durch
Inaugenscheinnahme.
Für Hausanschlussleitungen bis zu einem Abstand von 2 m zum Bauwerk gelten die Anhaltswerte für
das Fundament des Bauwerks. Für die Beurteilung der Erschütterungseinwirkung auf erdverlegte
Rohrleitungen und massive Bauteile können die Anhaltswerte aus DIN 4150-3, 5.2, 5.3 und 6.2
herangezogen werden.
Für die Beurteilung kurzzeitiger Erschütterungseinwirkungen dürfen auch am Gebäudefundament
ermittelte Messwerte verwendet werden. Die zugehörigen Immissionswerte (Tabelle 2, Spalte 3 bis
Spalte 5) sind frequenzabhängig. Ein Verfahren zur Bestimmung der maßgebenden Frequenz ist jedoch
nicht festgelegt. Unterschiedliche Verfahren zur Frequenzbestimmung können zu voneinander
abweichenden Ergebnissen und damit auch zu unterschiedlichen Immissionswerten führen.
Zur Ermittlung frequenzunabhängiger und eindeutiger Beurteilungsgrößen ist deshalb das in DIN 4150-
3, Anhang B und DIN 45669-1, Anhang E beschriebene Verfahren bevorzugt anzuwenden. Das Signal
der Schwinggeschwindigkeit wird dabei, dem zu untersuchenden Gebäudetyp entsprechend,
frequenzbewertet. Durch diese Frequenzbewertung werden höherfrequente Signalanteile, entsprechend
der frequenzabhängigen Gewichtung der Immissionswerte in Tabelle 2, abgesenkt. In der resultierenden
bewerteten Schwinggeschwindigkeit v
iBn
ist die Frequenzabhängigkeit der Immissionswerte bereits
berücksichtigt und als Beurteilungsgröße kann unmittelbar das Betragsmaximum von v
iBn
mit dem in
Tabelle 2 aufgeführten, frequenzunabhängigen Immissionswert vergleichen werden. Der Index i
entspricht den drei zueinander orthogonalen Schwingungsrichtungen x, y und z. Das größte
Betragsmaximum der drei Einzelkomponenten wird mit dem Immissionswerte aus Tabelle 2, Spalte 2
verglichen. Die zu verwendenden Bewertungsfilter sind für jeden Gebäudetyp unterschiedlich. Mit dem

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Index n ist deshalb die Zeile aus Tabelle 2 anzugeben, die dem zugrunde gelegten Gebäudetyp
entspricht. Durch die vom Gebäudetyp abhängigen, unterschiedlichen Frequenzbewertungen sind die
resultierenden bewerteten Schwinggeschwindigkeiten nicht unmittelbar ineinander umrechenbar.
Sind die Immissionswerte eingehalten oder unterschritten, ist davon auszugehen, dass keine schädlichen
Umwelteinwirkungen im Sinne des BImSchG vorliegen.
Werden die Immissionswerte überschritten, kommen Anordnungen nach §§ 17 oder 24 BImSchG in
Betracht. Sind außerdem konkrete Anzeichen für Schäden im Sinne von erheblichen Nachteilen als
Folge von Erschütterungen erkennbar, ist das Ermessen der zuständigen Behörde nach § 17 Abs. 1 Satz
2 BImSchG und ggf. auch nach § 25 Abs. 2 BImSchG eingeschränkt; sie darf dann nur bei einem
atypischen Sachverhalt von einer nachträglichen Anordnungen absehen. Dabei ist zu beachten, dass an
baulichen Anlagen Risse nicht nur durch Erschütterungen verursacht werden können; sie entstehen auch
zum Beispiel durch ungleichmäßige Setzungen des Bauwerks oder durch ungleichmäßige Dehnungen
verschiedener Baumaterialien bei Temperaturänderungen.
Werden Überschreitungen der Immissionswerte festgestellt, ohne dass konkrete Schäden erkennbar sind,
kann die Anordnung von Maßnahmen zurückgestellt werden, wenn der Anlagenbetreiber für die
betroffenen Gebäude das Maß der Erschütterungseinwirkungen, die voraussichtlich nicht zu Schäden
führen, gutachterlich feststellen lässt und wenn dieses Maß nicht überschritten wird.
Sollen Immissionen nach Tabelle 2 begrenzt werden, ist zu prüfen, ob nicht ohnehin wegen der
belästigenden Wirkung von Erschütterungen auf den Menschen die Erschütterungseinwirkungen
weitergehend gemindert werden müssen.
Starke Erschütterungen können vor allem in locker bis mitteldicht gelagerten nicht bindigen Böden
(Sande, Kiese) zu Sackungen des Bodens und damit zu Setzungen von Gründungskörpern führen. Das
gilt besonders für häufige Erschütterungen, für gleichförmige Sande und für Böden unterhalb des
Grundwasserspiegels. Nähere Informationen enthält DIN 4150-3, Anhang C. Ob schädliche
Umwelteinwirkungen durch erschütterungsbedingte Sackungen verursacht werden, ist im Einzelfall
durch einen Sachverständigen zu ermitteln.

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Tabelle 2: Immissionswerte zur Beurteilung von Erschütterungseinwirkungen auf Gebäude in mm/s
Spalte
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Zeile
Gebäudeart
Kurzzeitige Erschütterungen
Dauererschütterungen
Fundament
oberste
Deckenebene,
horizontal
Vertikale
Decken
schwingungen
oberste
Deckenebene,
horizontal
Vertikale
Decken
schwingungen
frequenz-unabhängig
Frequenzen
***)
10
Hz
10 – 50
Hz
50 - 100
*)
Hz
1
Gewerblich genutzte Bau-
ten, Industriebauten und
ähnlich strukturierte
Bauten
20
20
20 bis 40
IW(f) = 0,5*f + 15
40 bis 50
IW(f) = 0,2*f + 30
40
20
10
10
2
Wohngebäude und in ihrer
Konstruktion und/oder
Nutzung gleichartige
Bauten
5
5
5 bis 15
IW(f) = 0,25*f + 2,5
15 bis 20
IW(f) = 0,1*f + 10
15
20
5
10
3
Bauten, die wegen ihrer
besonderen Erschütter-
ungsempfindlichkeit nicht
denen nach Zeile 1 und 2
entsprechen und besonders
erhaltenswert (z. B. unter
Denkmalschutz stehen)
sind
3
3
3 bis 8
IW(f) = 0,125*f + 1,75
8 bis 10
IW(f) = 0,04*f + 6
8
**)
2,5
**)
Messwerte nach DIN 4150-3
Betragsmaximalwerte der bewerteten
Schwinggeschwindigkeit der größten
Komponente in mm/s
v
iBn
Betragsmaximalwerte der Schwinggeschwindigkeit in mm/s
der größten Komponente
der größten
Komponente in
horizontaler
Schwingungs–
richtung
in vertikaler
Schwingungs–
richtung
der größten
Komponente in
horizontaler
Schwingungs–
richtung
in vertikaler
Schwingungs–
richtung
*)
Bei Frequenzen über 100 Hz sollen die Anhaltswerte für 100 Hz angesetzt werden.
**)
Das Maß der noch unschädlichen Erschütterungseinwirkungen ist im Einzelfall festzustellen.
***)
Die Immissionswerte für Frequenzen von 10 bis 50 Hz sowie von 50 bis 100 Hz sind frequenzabhängig und durch lineare Interpolation zwischen den Immissionswerten der jeweiligen Zeilen zu ermitteln. Die Gleichungen, mit denen
für eine Frequenz f der zugehörige Immissionswert IW(f) berechnet werden kann, sind unter den Immissionswerten an den Grenzen des jeweiligen Frequenzbereiches aufgeführt.

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3.2
Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden
Tabelle 3 enthält Immissionswerte in Abhängigkeit von Gebietsart und Tageszeit der Einwirkungen.
Grundlage hierfür sind die Anhaltswerte nach DIN 4150-2. Die Zuordnung des Einwirkungsortes zu den
in Tabelle 3 aufgeführten Gebieten ist nach folgenden Grundsätzen vorzunehmen:
Maßgeblich für die Zuordnung sind die Festsetzungen in den Bebauungsplänen. Sonstige in
Bebauungsplänen festgesetzte Flächen für Gebiete und Anlagen sowie Gebiete und Anlagen, für die
keine Festsetzungen bestehen, sind entsprechend der Schutzbedürftigkeit zu beurteilen.
Wenn gewerblich, industriell oder hinsichtlich ihrer Erschütterungsauswirkungen vergleichbar genutzte
und zum Wohnen dienende Gebiete aneinander grenzen (Gemengelage), können die für die zum
Wohnen dienenden Gebiete geltenden Immissionswerte auf einen geeigneten Zwischenwert der für die
aneinander grenzenden Gebietskategorien geltenden Werte erhöht werden, soweit dies nach der Pflicht
zur gegenseitigen Rücksichtnahme erforderlich ist. Die Immissionswerte für Kern-, Dorf- und
Mischgebiete sollen dabei nicht überschritten werden. Es ist vorauszusetzen, dass der Stand der
Erschütterungsminderungstechnik eingehalten wird.
Für die Höhe des Zwischenwertes ist die konkrete Schutzwürdigkeit des betroffenen Gebietes
maßgeblich. Wesentliche Kriterien sind die Prägung des Einwirkungsgebietes durch den Umfang der
Wohnbebauung einerseits und durch Gewerbe- und Industriebetriebe andererseits, die Ortsüblichkeit der
Erschütterungen und die Frage, welche der unverträglichen Nutzungen zuerst verwirklicht wurde. Liegt
ein Gebiet mit erhöhter Schutzwürdigkeit nur in einer Richtung zur Anlage, so ist dem durch die
Anordnung der Anlage auf dem Betriebsgrundstück und die Nutzung von Minderungsmöglichkeiten (s.
Anhang) Rechnung zu tragen.
Die in Tabelle 3 genannten Gebiete entsprechen folgenden Gebietsfestsetzungen nach
Baunutzungsverordnung:
Baugebiet BauNVO
Gebiete nach Tabelle 3 Zeile
Industriegebiete
(§ 9)
1
Gewerbegebiete
(§ 8)
2
Kerngebiete
(§ 7)
3
Urbane Gebiete
(§ 6a)
3
Mischgebiete
(§ 6)
3
Dorfgebiete
(§ 5)
3 oder 4
1)
besondere Wohngebiete
(§ 4a)
3 oder 4
1)
allgemeine Wohngebiete
(§ 4)
4
reine Wohngebiete
(§ 3)
4
Kleinsiedlungsgebiete
(§ 2)
4
Kurgebiete, Klinikgebiete, sonstige
Sondergebiete
(§ 11)
5
1)
je nach Schwerpunkt der Nutzung

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Tabelle 3: Immissionswerte (IW) für die Beurteilung von Erschütterungsimmissionen in Wohnungen und vergleichbaren schutzbedürftigen Räumen.
Spalte
1
2
3
4
5
6
7
Zeile
Einwirkungsort
tags
nachts
IW
u
IW
o
IW
r
IW
u
IW
o
IW
r
1
Einwirkungsorte, in deren Umgebung nur gewerbliche Anlagen und
gegebenenfalls ausnahmsweise Wohnungen für Inhaber und Leiter der
Betriebe sowie für Aufsichts- und Bereitschaftspersonen untergebracht
sind (vergleiche Industriegebiete § 9 BauNVO)
0,40
6,0
0,20
0,30
0,60
0,15
2
Einwirkungsorte, in deren Umgebung vorwiegend gewerbliche Anlagen
untergebracht sind (vergleiche Gewerbegebiete § 8 BauNVO)
0,30
6,0
0,15
0,20
0,40
0,10
3
Einwirkungsorte, in deren Umgebung weder vorwiegend gewerbliche
Anlagen noch vorwiegend Wohnungen untergebracht sind (vergleiche
Kerngebiete § 7 BauNVO, Urbane Gebiete §6a BauNVO, Mischgebiete
§ 6 BauNVO, Dorfgebiete § 5 BauNVO)
0,20
5,0
0,10
0,15
0,30
0,07
4
Einwirkungsorte, in deren Umgebung vorwiegend oder ausschließlich
Wohnungen untergebracht sind (vergleiche reines Wohngebiet § 3
BauNVO, allgemeine Wohngebiete § 4 BauNVO,
Kleinsiedlungsgebiete § 2 BauNVO)
0,15
3,0
0,07
0,10
0,20
0,05
5
Besonders schutzbedürftige Einwirkungsorte, z. B. in Krankenhäusern,
in Kurkliniken (§ 11 BauNVO).
0,10
3,0
0,05
0,10
0,15
0,05
Beurteilungsgrößen nach DIN 4150-2
KB
Fmax
KB
Fmax
KB
FTr
KB
Fmax
KB
Fmax
KB
FTr

image
Die Beurteilung der Immissionen erfolgt mit Hilfe der Tabelle 3 und in Anlehnung an DIN 4150-2, 6.2
auf folgende Weise:
-
Ist KB
Fmax
kleiner oder gleich dem (unteren) Immissionswert IW
u
, dann ist die Anforderung
dieser Hinweise eingehalten.
-
Ist KB
Fmax
größer als der (obere) Immissionswert IW
o
, dann ist die Anforderung dieser Hinweise
nicht eingehalten.
-
Für selten auftretende, kurzzeitige Einwirkungen ist die Anforderung dieser Hinweise
eingehalten, wenn KB
Fmax
kleiner als IW
o
ist (siehe Nr. 4.2).
-
Für häufigere Einwirkungen, bei denen KB
Fmax
größer als IW
u
aber kleiner oder gleich IW
o
ist,
ist für die Entscheidung als weiterer Prüfschritt die Bestimmung der Beurteilungs-
Schwingstärke KB
FTr
nach DIN 4150-2, 6.4 erforderlich. Ist KB
FTr
nicht größer als der
Immissionswert IW
r
(IW
r
ist der Immissionswert zum Vergleich mit der Beurteilungs-
Schwingstärke KB
FTr
) nach Tabelle 3, dann sind die Anforderungen dieser Hinweise ebenfalls
eingehalten.
Abbildung 1: Struktogramm zur Veranschaulichung des Beurteilungsverfahrens der
Erschütterungsimmissionen nach den Vorgaben der DIN 4150-2.
Bei Einhaltung der Werte der Tabelle 3 und Tabelle 4 ist zu erwarten, dass auch die Sekundäreffekte in
der Regel nicht zu einer erheblichen Belästigung führen. Treten in Einzelfällen erhebliche
Sekundäreffekte auf und lassen sich diese nicht auf einfache Weise abstellen (z. B. Resonanzen), so
erfordern sie Untersuchungen im Einzelfall. Für die Beurteilung des von schwingenden
Raumbegrenzungsflächen abgestrahlten sekundären Luftschalls sind die maßgebenden akustischen
Regelwerke (insbesondere die TA Lärm sowie bei tieffrequenten Geräuschimmissionen die DIN
45680:1997-03 "Messung und Bewertung tieffrequenter Geräusche in der Nachbarschaft" in Verbindung
mit dem Beiblatt 1 zu dieser Norm) heranzuziehen.

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Bei der Beurteilung von Erschütterungsimmissionen in Gewerbebetrieben hat sich das Schutzziel nicht
an besonders empfindlichen Nutzungen (siehe oben Nr. 1, Geltungsbereich, 3. Abs.) zu orientieren,
sondern an solchen, die für Gewerbebetriebe üblich sind. (z. B. am Aufenthalt von Personen in
Büroräumen).
4
Hinweise zur Beurteilung
Wird der Vergleich von Messergebnissen mit Immissionswerten durchgeführt, um bei festgestellten
schädlichen Umwelteinwirkungen bestimmte Maßnahmen anzuordnen, muss sichergestellt sein, dass
Überschreitungen der Immissionswerte nicht auf messtechnischen Unsicherheiten beruhen. Bei der
messtechnischen Ermittlung von Schwinggeschwindigkeiten oder KB-Werten treten erfahrungsgemäß
Unsicherheiten von bis zu ± 15 % auf. Sollen Anordnungen auf die Messergebnisse gestützt werden, ist
in der Regel vom durch Messung ermittelten Wert ein Abzug von 15 % vorzunehmen. Wird das
Näherungsverfahren nach DIN 4150-2, 7 angewendet, können größere Unsicherheiten auftreten.
4.1
Einwirkungen auf Gebäude und andere bauliche Anlagen
Tabelle 2 unterscheidet zwischen kurzzeitigen Erschütterungen und Dauererschütterungen.
Erschütterungen gelten nur dann als kurzzeitig, wenn ihre Häufigkeit und Dauer für
Materialermüdungen und für Resonanzerscheinungen unerheblich ist (z. B. einzelne
Sprengerschütterungen). An- und Abschaltvorgänge mit einer Einwirkung von nur wenigen Sekunden
können separat als kurzzeitige Einwirkungen beurteilt werden.
4.2
Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden
Besonderheiten für vereinzelt auftretende Sprengerschütterungen:
Als kurzzeitig einwirkende Erschütterungen im Sinne von DIN 4150-2, 6.5.1, Satz 1 gelten Ereignisse
mit einer Einwirkdauer von wenigen Sekunden pro Ereignis.
Als wenige Male pro Jahr im Sinne von DIN 4150-2, 6.5.1, letzter Satz gelten Sprengerschütterungen
bei bis zu 10 Ereignissen pro Jahr.
Andere Maßnahmen im Sinne der Anmerkung zu DIN 4150-2, 6.5.1, auf die von der
Überwachungsbehörde hingewirkt werden kann, sind beispielsweise: Ankündigung in Zeitungen oder
mit Handzetteln, telefonische/persönliche Vorwarnung, Kombination der Vorwarnung mit gezielten
Informationen und Benennung von Verantwortlichen.
5
Erschütterungen bei Baumaßnahmen
Baustellen sind in der Regel nicht genehmigungsbedürftige Anlagen im Sinne des BImSchG. Sie sind u.
a. so zu errichten und so zu betreiben, dass schädliche Umwelteinwirkungen verhindert werden, die nach
dem Stand der Technik vermeidbar sind, und nach dem Stand der Technik unvermeidbare schädliche
Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß beschränkt werden.
5.1
Einwirkungen auf Gebäude und andere bauliche Anlagen
Für die Beurteilung von Erschütterungseinwirkungen auf Gebäude bei Baumaßnahmen gelten die
Ausführungen in Nr. 3.1 dieser Hinweise sinngemäß.

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5.2
Einwirkungen auf Menschen in Gebäuden
Die in Tabelle 4 enthaltenen Immissionswerte dienen der Beurteilung von Erschütterungseinwirkungen
auf Wohnräume oder vergleichbare schutzbedürftige Räume durch Baumaßnahmen am Tage. Sie
berücksichtigen die besonderen Aspekte von Baumaßnahmen wie zeitlich begrenzte Einwirkungen und
die zum Teil gegebene Notwendigkeit des Einsatzes von Verfahren, welche zur Realisierung der
Baumaßnahme Erschütterungen in den Baugrund einleiten müssen und damit zwangsläufig auf die
Umgebung einwirken. Daher sind für diesen Fall andere Maßstäbe hinsichtlich der Bewertung der
Erheblichkeit und Zumutbarkeit anzulegen als bei Erschütterungseinwirkungen durch stationäre
Anlagen, die grundsätzlich zeitlich unbegrenzt auf die Umgebung einwirken.
Zur Beurteilung von nächtlichen Erschütterungseinwirkungen durch Baumaßnahmen sind grundsätzlich
die Immissionswerte aus Tabelle 3 heranzuziehen. Dies gilt auch für Sprengungen. Werden bei
nächtlichen Baumaßnahmen die Immissionswerte der Tabelle 3 nicht eingehalten, sind durch besondere
Maßnahmen im Einzelfall schädliche oder erheblich belästigende Erschütterungseinwirkungen zu
vermeiden. Eine besondere Maßnahme kann z. B. das Anbieten von Hotelübernachtungen sein, so dass
nur noch die Immissionswerte bzgl. der Erschütterungseinwirkung auf Gebäude zu betrachten sind.
Bei Baustellenerschütterungen ist das in DIN 4150-2, 6.5.4 beschriebene Beurteilungsverfahren mit
folgenden Maßgaben anzuwenden:
Es gelten für tagsüber durch Baumaßnahmen verursachte Erschütterungen von höchstens 78 Tagen
Dauer die Immissionswerte der Tabelle 4. Für Erschütterungen, die über den 78. Tag der Einwirkung
hinaus gehen und für nachts auftretende Erschütterungen gelten grundsätzlich die Immissionswerte der
Tabelle 3. Für tagsüber stattfindende Baustellensprengungen gilt allein das IWB
o
-Kriterium. Werte bis
IWB
o
= 8,0 sind zugelassen, niedrigere Werte sind anzustreben.
Die Beurteilung von zeitlich begrenzten Erschütterungseinwirkungen durch Baustellen erfolgt in den
drei Stufen I, II und III (siehe auch DIN 4150-2, 6.5.4.2 Buchst. a) bis c) ):
Bei Unterschreitung der Stufe I ist nicht mit erheblichen Belästigungen zu rechnen.
Liegen die Erschütterungen zwischen den Immissionswerten der Stufen I und II und sind die unter Nr.
6.4 aufgeführten Maßnahmen durchgeführt, liegen ebenfalls in der Regel keine erheblichen
Belästigungen vor.
Überschreiten die Erschütterungseinwirkungen jedoch die Stufe II, so können die unter Nr. 6.4
beschriebenen Maßnahmen dazu beitragen, die unvermeidbaren schädlichen
Umwelteinwirkungen auf ein Mindestmaß zu beschränken.
Mit zunehmender Überschreitung der Stufe II nimmt die Wahrscheinlichkeit erheblicher Belästigungen
trotz ergriffener Maßnahmen zu. Solange die Stufe III aber nicht überschritten wird, können die
Pflichten des Betreibers als erfüllt angesehen werden, wenn alle im Einzelfall anwendbaren Maßnahmen
nach 6.4 getroffen werden.
Sofern nicht bereits bei Überschreitung der Stufe II ein erschütterungsärmeres Bauverfahren gewählt
wurde, gewinnt diese Maßnahme bei Überschreitung der Stufe III besondere Bedeutung, da von dieser
Schwelle an auch aufwendige, aber weniger erschütterungsintensive Bauverfahren zunehmend als
verhältnismäßig anzusehen sind. Bei der Ermessensausübung sind im Einzelfall außerdem andere
Aspekte, wie die Dauer der Einwirkung und andere Immissionsarten (z. B. Lärm, Staub, Gerüche) mit in
die Prüfungen einzubeziehen.
Immissionswerte für diese 3 Stufen sind in der Tabelle 4 für verschiedene Einwirkungsdauern D
zusammengestellt. Dabei wird auf eine Unterteilung für verschiedene Gebietsarten verzichtet. Die
Einteilung in Abschnitte von 6, 26 und 78 Tagen wurde von der durchschnittlichen Anzahl der

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Werktage einer Woche, eines Monats und eines Vierteljahres abgeleitet. Für besonders schutzwürdige
Gebiete (Objekte) wie z. B. Krankenhäuser oder ähnliches ist Tabelle 4 nicht anwendbar. Solche Fälle
erfordern Einzelfallentscheidungen.
Für Einwirkungsdauern D, die zwischen einem Tag und 6 Tagen liegen, werden die Immissionswerte
der Tabelle 4 linear interpoliert.
Unter der Dauer D der Erschütterungseinwirkungen in der Tabelle 4 ist die Anzahl von Tagen zu
verstehen, an denen tatsächlich Erschütterungseinwirkungen auftreten (nicht die Dauer der
Baumaßnahme an sich). Dabei sind Tage mit Erschütterungseinwirkungen, die unter den
gebietsabhängigen Werten der Tabelle 3 dieser Richtlinie für IW
u
oder IW
r
liegen, nicht mitzuzählen.

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Tabelle 4: Immissionswerte (IWB) für tagsüber auftretende Erschütterungseinwirkungen durch Baustellen
Spalte
1
2
3
4
5
6
7
8
9
Zeitdauer
D
1 Tag
6 Tage
D
26 Tage
26 Tage
D
78 Tage
Stufe
IWB
u
IWB
o
*
IWB
r
IWB
u
IWB
o
*
IWB
r
IWB
u
IWB
o
*
IWB
r
I
0,8
5,0
0,4
0,4
5,0
0,3
0,3
5,0
0,2
II
1,2
5,0
0,8
0,8
5,0
0,6
0,6
5,0
0,4
III
1,6
5,0
1,2
1,2
5,0
1,0
0,8
5,0
0,6
**
KB
Fmax
KB
Fmax
KB
FTr
KB
Fmax
KB
Fmax
KB
FTr
KB
Fmax
KB
Fmax
KB
FTr
*
Für Gewerbe- und Industriegebiete gilt IWB
o
= 6,0.
**Beurteilungsgrößen nach DIN 4150-2.

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6
Verminderung von erheblichen Belästigungen durch Erschütterungsimmissionen
6.1
Aktive Schutzmaßnahmen
Erschütterungen lassen sich am wirkungsvollsten durch Maßnahmen an der Erschütterungsquelle selbst
vermindern. Dazu eröffnet der heutige Stand der Technik vielfältige Möglichkeiten.
Für die Minderung oder Vermeidung von Erschütterungen existiert eine Reihe häufig eingesetzter und
bewährter Maßnahmen:
-
Schaffung optimaler Betriebsbedingungen, Wartung und Pflege von Maschinen und
Werkzeugen, Vermeidung unnötiger Lagerspiele, Verwendung scharfer Werkzeuge (Bohrer,
Meißel usw.), Wahl der richtigen Temperatur der Werkstücke beim Schmieden,
-
Übergang zu einer anderen Technik (z. B. Ersetzen von "Einrütteln" von Spundbohlen durch
"Einpressen" oder unwuchtfreies Anlaufen von Rüttlern oder Vibrationsbären),
-
sorgfältiges Auswuchten oder Einsatz von Massenausgleichern,
-
Auswahl unschädlicher Erregerfrequenzen,
-
Schwingungsisolierung mit Feder- und Dämpfungselementen, die den Kräften und Massen der
Maschinen und gegebenenfalls der Masse des Fundamentes entsprechend dimensioniert werden.
Neben der Verminderung der Erschütterungen in der Nachbarschaft ermöglicht diese Art der
Schwingungsisolierung auch eine Reduzierung der Masse der Unterkonstruktion (Fundament).
Die Verminderung der Erschütterungsbeanspruchung betrieblicher Einrichtungen kann
erheblich sein. Stützen der Unterkonstruktion können in die Gebäudestruktur integriert werden;
Höhenausgleich und Nivellierung sind auch nachträglich leicht möglich.
Alle diese Maßnahmen müssen in jedem Einzelfall sorgfältig auf ihre Einsatzmöglichkeit geprüft
werden. Insbesondere muss darauf geachtet werden, dass nach Durchführung der Maßnahmen nicht
andere unbeabsichtigte Resonanzen entstehen können. Insbesondere aktive Schutzmaßnahmen können
auch zur Vorsorge gegen schädliche Umwelteinwirkungen durch Erschütterungen durchgeführt werden.
6.2
Ausbreitungsweg
Erschütterungen werden in der Regel durch den Boden übertragen, wobei die mechanischen
Eigenschaften des Bodens die Ausbreitung häufig in unvorhergesehener Weise beeinflussen.
Erschütterungen nehmen im Allgemeinen mit dem Abstand von der Quelle ab, ihre Wirkungen können
deshalb durch Vergrößerung des Abstandes im Normalfall vermindert werden.
Untersuchungen zeigen, dass die Ausbreitung von Schwingungen im Erdboden durch vertikal
eingebrachte Schlitze oder Kanäle rechtwinklig zur Ausbreitungsrichtung (mit gasgefüllten Matten)
behindert werden kann. Die Schlitze wirken wie Schallschirme im akustischen Bereich und sollen
möglichst nahe an der Quelle eingesetzt werden. Sie haben in einigen Fällen zu einer spürbaren
Verminderung der Erschütterungen geführt. Wegen der Abmessungen solcher Bauwerke in Relation zur
Wellenlänge sind Maßnahmen an der Quelle zu bevorzugen.
6.3
Passive Schutzmaßnahmen
An den zu schützenden baulichen Anlagen können durch Veränderungen der Schwingungseigenschaften
des Bauwerks oder von Bauteilen die Einwirkungen von resonanzbedingten Erschütterungen vermieden
oder gemindert werden. Wegen des Aufwandes bei der erforderlichen Versteifung des genannten

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Bauwerks oder von Bauteilen oder der Anbringung von Zusatzmassen sollten Versuche in dieser
Richtung jedoch nur auf Einzelfälle beschränkt bleiben, zumal kaum vorhergesagt werden kann, ob die
Maßnahmen Erfolg haben werden. Erfolgreich aber aufwendig ist auch die Abfederung von Gebäuden,
über die vereinzelt berichtet wurde. Durch das Anbringen von Schwingungstilgern (elastisch gekoppelte
Zusatzmassen) an Bau- oder Maschinenteilen können Resonanzschwingungen vermindert werden. Da
die Maßnahmen nicht an der verursachenden Anlage getroffen werden, lassen sie sich in aller Regel nur
mit Zustimmung der Betroffenen realisieren.
6.4
Maßnahmen zur Verminderung erheblicher Belästigungen, insbesondere bei nur vorübergehend
betriebenen Anlagen (z. B. Baustellenanlagen)
Die psychischen Auswirkungen von Erschütterungseinwirkungen können vermindert werden
durch:
-
Umfassende Information der Betroffenen z. B. über die Maßnahmen, die Verfahren, die Dauer
und die zu erwartenden Erschütterungen aus dem Betrieb.
-
Aufklärung über die Unvermeidbarkeit von Erschütterungen und die damit verbundenen
Belästigungen sowie Empfehlungen über Verhaltensweisen zur Minderung von
Erschütterungswirkungen auf die Betroffenen.
-
Einrichtung einer Anlaufstelle für Beschwerden.
-
Zusätzliche betriebliche Maßnahmen zur Minderung und Begrenzung der Belästigungen
(Pausen, Ruhezeiten usw.).
-
Nachweis der tatsächlich auftretenden Erschütterungen durch Messungen sowie deren
Beurteilung bezüglich der Einwirkungen auf Menschen und Gebäude.
-
Nachweis des Nichtentstehens von Gebäudeschäden durch Beweissicherung.
Anhang: Hinweise zu ausgewählten Einzelfällen
Erschütterungen von Schmiedehämmern haben sich in einer Reihe von Fällen wirksam durch die
Verwendung eines schwingungsisolierten Fundamentes verringern lassen; im Allgemeinen wurde eine
etwa 80 %ige Verminderung der Erschütterungen gegenüber einer festen Gründung erreicht. Bei der
Neuaufstellung von größeren Schmiedehämmern ist die schwingungsisolierte Gründung heute nicht
wesentlich teurer als die feste Gründung. Dies gilt in gleicher Weise für die sog. Direktabfederung von
Schmiedehämmern und Schmiedepressen, bei der die Isolierelemente nicht unterhalb eines
Fundamentes, sondern direkt unter der Schabotte angeordnet werden.
Bei größeren Schmiedekurbelpressen entstehen durch den Anfahrimpuls beim Einrückvorgang des
Kurbeltriebs, beim eigentlichen Arbeitsvorgang und beim Abbremsen starke horizontale Kräfte, die zu
niederfrequenten Erschütterungen in horizontaler Richtung führen. Diese lassen sich durch entsprechend
dimensionierte schwingungsisolierte Fundamente wirksam vermindern. Bei der elastischen Aufstellung
ist in der Regel ein relativ großes Fundament zur Erhöhung des Trägheitsmoments erforderlich.
Pressen für die Blechverarbeitung lassen sich im Allgemeinen mit Feder-Dämpfer-Elementen direkt
abfedern, ohne dass ein abgefedertes Fundament, wie bei Schmiedehämmern und Schmiedepressen,
erforderlich ist. Auch bei dieser direkten Abfederung konnten die Erschütterungen gegenüber fester
Aufstellung um etwa 80 % vermindert werden.
Bei Webmaschinen kann durch eine Aktivisolierung eine gute Isolierung erreicht werden. Die
Auslegung der elastischen Lagerung hängt von der Bauart der Webmaschinen, deren Drehzahl und von
betrieblichen Gegebenheiten ab. Eine sehr gute Isolierung wird erzielt, wenn eine oder mehrere
Webmaschinen auf einer gemeinsamen Grundplatte montiert werden und die gesamte Fundamentplatte
elastisch gelagert wird.

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Zur Verminderung von Erschütterungen, die von Sägegattern ausgehen, haben sich
-
große Abstände von schutzbedürftigen Gebäuden (Darauf ist insbesondere in Gebieten mit hoch
anstehendem Grundwasser zu achten.),
-
große Fundamentmassen,
-
Änderungen der Drehzahl, falls Anregung in Resonanz vorliegt (Die geänderte Drehzahl kann
allerdings an anderer Stelle zu Resonanz führen.),
-
Einbau spezieller Massenausgleichssysteme und die
-
Auslegung des Fundamentes als Schwingfundament (Lagerung eines Fundamentblockes großer
Masse auf Federisolatoren/Schwingungsdämpfern in einer Fundamentwanne) bewährt.
Von Schrottplätzen ausgehende Erschütterungen lassen sich durch schwingungsisolierte Aufstellung von
Shreddern, Scheren und Fallwerken vermindern.
Die von Schwingrinnen, Auspackrosten und -rohren in Gießereien ausgehenden Erschütterungen können
durch doppelelastische Aufstellung vermindert werden. Bei Resonanzen kommen Drehzahländerungen
in Betracht. Rüttel-Pressmaschinen lassen sich schwingungsisoliert aufstellen.
Schwingungsisolierte Aufstellungen zur Erschütterungsminderung sind ferner an Automaten zur
Nagelherstellung, Bauschuttrecyclinganlagen, Betonsteinfertigern, Druckmaschinen, Prallmühlen,
Pressen und Stanzen erfolgreich durchgeführt worden.
Erschütterungen von Gewinnungssprengungen können durch sprengtechnische Maßnahmen
eingeschränkt werden. Auf die Größe der bei Sprengungen entstehenden Erschütterungen haben
verschiedene Parameter wesentlichen Einfluss, insbesondere die Sprengstoffmenge je Zündzeitstufe und
die Entfernung zu den schutzbedürftigen Objekten. Durch Verringerung der Lademenge (ohne Erhöhung
der Verspannungen im Gebirge) und durch Vergrößerung der Entfernung zwischen Sprengstelle und
schutzbedürftigen Objekten wurde eine Verminderung der Erschütterungsamplituden erreicht. Durch
entsprechende Wahl von Zündfolge (Verzögerungssprengungen, durch Verwendung von Zeitzündern),
Vorgabe, Bohrlochabstand, Sprengstoffmenge je Zündzeitstufe sowie durch geeignete Wahl der
Abbaurichtung und Berücksichtigung der geologischen bzw. hydro-geologischen und örtlichen
Verhältnisse, konnten Sprengerschütterungen gemindert werden.
Bei Sprengungen im Wasser ist eine erhebliche Verminderung der Erschütterungen durch Anordnung
eines Luftschleiers im Wasser zwischen der Sprengstelle und dem Immissionsort erreicht worden.
Erschütterungen durch Baugrubensprengungen können ähnlich wie bei den standortgebundenen
Steinbruchbetrieben durch Veränderung der Sprengstoffmengen, der Zündzeitfolge usw. gemindert
werden. Ggf. sind andere Bauverfahren, wie Aufbrechen mit Meißel oder hydraulischen
Gesteinsbrechern notwendig. Zur Verminderung von Erschütterungen durch Aufmeißeln kommt der
Einsatz von Fräsen in Betracht. Bei Abbruchsprengungen ist meist die Fallenergie des gesprengten
Bauwerkes für die Stärke der verursachten Erschütterungen maßgebend. Minderungen können hierbei
durch Verkleinerung der abgesprengten Massen und die Anwendung von Fallbetten (Aufschüttungen)
erzielt werden.
Erschütterungen, die bei Baumaßnahmen durch Vibrationsgeräte, Rammen oder Rüttler hervorgerufen
werden, sind häufig durch Änderungen der Betriebsbedingungen dieser Geräte vermindert worden.
Resonanz in Geschossdecken oder anderen Bauteilen beim Einsatz von Vibrationsbären kann durch
unwuchtfreies An- und Abfahren vermieden werden. Erschütterungen durch schwere Rammgeräte
konnten, wenn dies die Bodenverhältnisse zuließen, durch Ausweichen auf andere Arbeitsverfahren, z.
B. Bohren oder Schlitzen (Schlitzverfahren), vermindert werden. Es muss eine sorgfältige Prüfung der
technischen und geologischen Voraussetzungen für den Einsatz entsprechender Geräte erfolgen.
Bei Einsatz von Rüttlern und Bodenverdichtern treten gelegentlich Resonanzschwingungen in einzelnen
Bauteilen, besonders von Geschossdecken in Gebäuden auf. Diese sind fast immer nur im Nachhinein
durch Änderung der Erregerfrequenzen, durch die Wahl eines anderen Baugerätes oder eines anderen
Bauverfahrens zu beeinflussen. Ein- und Ausschaltvorgänge in unmittelbarer Nachbarschaft von

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Gebäuden sind zu vermeiden. Die durch Vibrationsrammen verursachten Erschütterungsimmissionen
können durch Spülverfahren oder durch Vorbohren vermindert werden. Bei Einpressverfahren zum
Einbringen oder zum Ziehen von Rammgütern werden praktisch keine Erschütterungen verursacht.