image
Handbuch zur Altlastenbehandlung
Landesamt für Umwelt und Geologie
Grundsätze
Teil 1

2
Impressum
Handbuch zur Altlastenbehandlung
Teil 1 Grundsätze
Herausgeber:
Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie
Öffentlichkeitsarbeit
Zur Wetterwarte 11, D-01109 Dresden
E-Mail:
Abteilung2@lfug.smul.sachsen.de
(kein
Zugang für elektronisch signierte sowie für verschlüsselte elektronische Do-
kumente)
Bearbeiter:
Referat Grundwasser, Altlasten
Abteilung Wasser, Abfall
Redaktionsschluss:
Juni 2003
Druck:
Sächsische Druck- und Verlagshaus AG
Tharandter Str. 23-27, D-01159 Dresden
Versand:
Sächsisches Digitaldruckzentrum GmbH
Tharandter Str. 31-33, D-01159 Dresden
Fax: 0351/4203180 (Versand)
E-Mail:
versand@sdv.de
(kein Zugang für elektronisch signierte sowie für verschlüsselte elektronische Dokumente)
Auflage:
600
Bezugsbedingungen:
Diese Veröffentlichung kann von der Sächsischen Digitaldruckzentrum GmbH kostenfrei bezogen werden.
Hinweis:
Diese Veröffentlichung wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (LfUG) herausge-
geben. Sie darf weder von Parteien noch von Wahlhelfern im Wahlkampf zum Zwecke der Wahlwerbung verwendet werden. Auch ohne zeitli-
chen Bezug zu einer bevorstehenden Wahl darf die Druckschrift nicht in einer Weise verwendet werden, die als Parteinahme des Landesam-
tes zugunsten einzelner Gruppen verstanden werden kann. Den Parteien ist es gestattet, die Druckschrift zur Unterrichtung ihrer Mitglieder zu
verwenden.
Copyright:
Diese Veröffentlichung ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch die des Nachdrucks von Auszügen und der fotomechanischen Wie-
dergabe, sind dem Herausgeber vorbehalten.
Gedruckt auf 100% Recyclingpapier
Oktober 2003
Artikel-Nr. L III-2-2/1
Das Sächsische Landesamt für Umwelt und Geologie ist im Internet
(www.umwelt.sachsen.de/lfug).

image
3
Vorwort
Die Behandlung von Altlasten kann einen hohen Stellwert bei Investitions-
entscheidungen wie z. B. bei der Brachflächenrevitalisierung einnehmen. Grund-
stücksbelastungen bedeuten Einschränkungen in der Nutzbarkeit bzw. bedeutende
finanzielle Aufwendungen für die Sanierungsvorhaben.
Die Bewertung von altlastverdächtigen Flächen bzw. Altlasten erfolgt auf der recht-
lichen Grundlage des Bundesbodenschutzgesetzes und der Bundesbodenschutzver-
ordnung.
Das Handbuch zur Altlastenbehandlung dient der Untersetzung des Handlungsrah-
mens, der durch die Gesetzgebung vorgegeben ist. Ziel ist es, einen zusammen-
fassenden Überblick zur Altlastenmethodik speziell in Sachsen für Behörden, Gut-
achter und Betroffene zu geben.
Der vorliegende Handbuchteil 1 ordnet die rechtlichen und fachlichen Regelungen
der Altlastenbehandlung den einzelnen Bearbeitungsstufen nach Bodenschutzrecht
zu. Aufbauend darauf werden Erläuterungen zu den Zielen und Inhalten, den be-
hördlichen Entscheidungen und Möglichkeiten der Klassifizierung des Handlungsbe-
darfes gegeben. In den einzelnen Kapiteln wird auf die weiter führenden methodi-
schen Materialien (Handbuchteile 2 - 9 und Materialienbände) des Freistaates Sach-
sen verwiesen.
Prof. Dr.-lng. habil. Michael Kinze
Präsident des Sächsischen Landesamtes
für Umwelt und Geologie

4
Inhaltsverzeichnis
1.
Einführung.......................................................................................................................8
2.
Altlastenbehandlung in Sachsen...................................................................................9
3.
Rechtliche Grundlagen.................................................................................................12
4.
Stufenkonzept der Altlastenbehandlung ....................................................................13
4.1
Grundsätze der Altlastenbehandlung .....................................................................13
4.2
Wirkungspfadabhängige Betrachtung ....................................................................15
4.3
Regelablauf ............................................................................................................17
4.4
Klassifizierung des Handlungsbedarfs ...................................................................20
5.
Erfassung.......................................................................................................................21
5.1
Gliederung der Erfassung.......................................................................................21
5.2
Erhebung (FEB)......................................................................................................21
5.2.1
Ziele der Erhebung .............................................................................................21
5.2.2
Gesetzliche Regelungen.....................................................................................21
5.2.3
Fachliche Vorgaben und Ablauf..........................................................................21
5.2.4
Formale Erstbewertung ......................................................................................23
5.2.5
Behördliche Entscheidung..................................................................................25
5.3
Historische Erkundung (HE)...................................................................................25
5.3.1
Ziele der HE........................................................................................................25
5.3.2
Gesetzliche Regelungen.....................................................................................25
5.3.3
Fachliche Vorgaben und Ablauf..........................................................................26
5.3.4
Gefährdungsabschätzung HE.............................................................................27
5.3.5
Behördliche Entscheidung..................................................................................28
6.
Orientierende Untersuchung (OU)...............................................................................28
6.1
Ziele der OU ...........................................................................................................28
6.2
Gesetzliche Regelungen ........................................................................................28
6.3
Fachliche Vorgaben und Ablauf der OU.................................................................29
6.4
Gefährdungsabschätzung OU................................................................................30
6.5
Behördliche Entscheidung......................................................................................31
7.
Detailuntersuchung (DU)..............................................................................................31
7.1
Ziele der DU ...........................................................................................................31
7.2
Gesetzliche Regelungen ........................................................................................31
7.3
Fachliche Vorgaben und Ablauf der DU.................................................................32
7.4
Gefährdungsabschätzung DU................................................................................33
7.5
Behördliche Entscheidung......................................................................................36
8.
Sanierungsuntersuchung (SU)....................................................................................36
8.1
Ziele der SU............................................................................................................36
8.2
Gesetzliche Regelungen ........................................................................................36
8.3
Fachliche Vorgaben und Ablauf .............................................................................37
8.4
Sanierungsentscheid..............................................................................................40
8.5
Behördliche Entscheidung......................................................................................41
9.
Sanierung (SAN)............................................................................................................41
9.1
Ziele der Sanierung ................................................................................................41
9.2
Gesetzliche Regelungen ........................................................................................41
9.3
Fachliche Vorgaben und Ablauf .............................................................................42
9.4
Klassifizierung des Handlungsbedarfs nach der Sanierung...................................44
9.5
Behördliche Entscheidung......................................................................................44
9.6
Nachsorge..............................................................................................................44
10.
Überwachung............................................................................................................45
10.1
Ziele der Überwachung ..........................................................................................45

5
10.2
Gesetzliche Regelungen ........................................................................................46
10.3
Fachliche Vorgaben und Ablauf der Überwachung................................................46
10.4
Bewertung der Ergebnisse der Überwachung........................................................48
10.5
Behördliche Entscheidung......................................................................................48
11.
Ausnahmen vom Regelverfahren ...........................................................................48
12.
Grundsätze der Finanzierung..................................................................................51
13.
Literaturverzeichnis .................................................................................................52
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1
Grobablauf der Altlastenbehandlung............................................................8
Abbildung 2
Zuordnung der Handbuchteile zu den Bearbeitungsstufen ..........................9
Abbildung 3
Schwerpunkte der Altlastenbehandlung in Sachsen ..................................10
Abbildung 4
Entwicklung des Erfassungsstandes 1991 - 2001......................................11
Abbildung 5
Handlungsbedarf mit Kostenschätzung pro Bearbeitungsstufe..................12
Abbildung 6
Quelle, Ausbreitung und Einwirkung der Schadstoffe ................................14
Abbildung 7
Wesentliche Wirkungspfade bei der Altlastenbehandlung .........................16
Abbildung 8
Regelablauf der Altlastenbehandlung nach Bundesbodenschutzrecht ......19
Abbildung 9
Grundsätzlicher Ablauf Erhebung, Formale Erstbewertung .......................23
Abbildung 10
Prinzipschema Formale Erstbewertung......................................................24
Abbildung 11
Grundsätzlicher Ablauf historische Erkundung...........................................26
Abbildung 12
Prinzipschema Bewertung mittels R-Wert-Verfahren bei HE und OU........27
Abbildung 13
Grundsätzlicher Ablauf orientierende Untersuchung..................................29
Abbildung 14
Grundsätzlicher Ablauf der Detailuntersuchung.........................................32
Abbildung 15
Unterschiede OU und DU...........................................................................34
Abbildung 16
Ausbau von GW-Prüfstellen in Abhängigkeit vom Schadstoffinventar.......35
Abbildung 17
Grundsätzlicher Ablauf der Sanierungsuntersuchung................................38
Abbildung 18
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr..............................................................39
Abbildung 19
Grundsätzlicher Ablauf der Sanierung........................................................43
Abbildung 20
Aufgaben der Überwachung.......................................................................46
Abbildung 21
Ablauf der Überwachung zur Entscheidung über den Gefahren-
tatbestand in der DU...................................................................................47
Abbildung 22
Mögliche Abweichungen vom Regelablauf.................................................50
Verzeichnis der Tabellen
Tabelle 1
Gesetzliche Vorschriften.............................................................................13
Tabelle 2
Bewertungskriterien für HE und OU ...........................................................16
Tabelle 3
Ziele, Inhalte und Methoden der Bearbeitungsstufen.................................18
Tabelle 4
Priorisierung nach Formaler Erstbewertung...............................................25
Anlagenverzeichnis
Anlage 1
Inhalte der Gutachten in den einzelnen Bearbeitungsstufen
Anlage 2
Klassifizierung des Handlungsbedarfs in den einzelnen Bearbeitungsstufen
Anlage 3
Materialien zur Altlastenbehandlung des Freistaates Sachsen und der AG
Qualitätssicherung des Altlasten-Länder-Ausschusses (ALA) der LABO
Anlage 4
Einsatz von DV-Programmen in den einzelnen Bearbeitungsstufen
Anlage 5
Beispielfall: Tankstelle mit Kfz-Werkstatt

6
Abkürzungsverzeichnis
A
Ausscheiden aus der weiteren Bearbeitung (Handlung)
AVFL
Altlastverdächtige Fläche
B
Belassen, kein Handlungsbedarf bei derzeitiger Nutzung (Handlung)
BBodSchG Bundes-Bodenschutzgesetz
BBodSchV
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung
C
Überwachung erforderlich (Handlung)
DU Detailuntersuchung
E
Erkundung bzw. Sanierung der Fläche erforderlich (Handlung)
FEB
Erhebung und Formale Erstbewertung
GW Grundwasser
HE historische Erkundung
OU orientierende Untersuchung
SächsABG
Sächsisches Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetz
SAN Sanierung
SU Sanierungsuntersuchung

7
Stichwortverzeichnis
Altablagerung
12
Altlast
7,
12
, 13, 30, 35
altlastverdächtige Fläche
13
Altstandort
13
Anhaltspunkte
24, 26
konkrete Anhaltspunkte
48
Bearbeitungsstufen
16
Detailuntersuchung
16, 17, 30–
35
, 48
Erfassung
16, 17,
20
27
formale Erstbewertung
16, 17,
20
24
historische Erkundung
16, 17, 20,
24
27
orientierende Untersuchung
16, 17, 18,
27
30
Sanierung
16, 18,
40
44
Sanierungsuntersuchung 16, 17,
35
40
, 49
Bewertung
17, 22, 25, 26, 29, 32, 39, 47
Dekontamination
36,
38
, 43
Expositionsabschätzung
32
Gefährdungsabschätzung
26, 29, 30, 32
Gefahrenabwehr
30, 37, 38, 39, 41, 44, 48
Gesetze
Bundes- Bodenschutzgesetz
11
, 12, 13, 16, 20, 21, 30, 35, 40, 42, 43, 45, 48, 49
Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung
11
, 16, 24, 29, 30, 36, 39, 44, 46, 48, 49
Sächsisches Abfallwirtschafts- und Bodenschutzgesetz
12
hinreichender Verdacht
14, 19, 27,
30
Maßnahmenwerte
29, 30, 32
Nachsorge
36, 38, 39, 43
Prüfwerte
27, 29, 32, 33
Sächsisches Altlastenfachinformationssystem
Siehe
SalfaWeb
Sächsisches Altlastenkataster
18
SalfaWeb
19
Sanierungsziel
16, 33, 35, 36, 42
Schutzgüter
13
, 16, 24, 25, 27, 29, 31, 39
Sicherung
36,
38
, 43
Überwachung
18, 19, 35, 40, 43,
44
Wirkungspfad
14
, 15, 27, 29, 30, 39

 
1. Einführung
8
1. Einführung
Dieses Handbuch verfolgt das Ziel, einen zusammenfassenden Überblick zur Altlastenme-
thodik speziell in Sachsen für Behörden, Gutachter und Betroffene zu geben.
Altlasten (ausführliche Begriffserläuterung siehe Kapitel 4.1) sind das Ergebnis des unsach-
gemäßen Umganges mit Schadstoffen und stellen im konkreten Fall ein schwer kalkulierba-
res Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar. Sie können Einschränkungen
in der Nutzbarkeit von Grundstücken und bedeutende finanzielle Belastungen verursachen.
Die öffentliche Diskussion ist teilweise von erheblichen Unsicherheiten geprägt. Je nach Inte-
ressenlage sind neben maßloser Übertreibung auch Vertuschung und Verharmlosung fest-
zustellen. Für behördliche Entscheidungen, für eine verlässliche Regionalentwicklung und für
eine Ansiedlung wirtschaftlicher Unternehmen sind jedoch belastbare Aussagen erforderlich.
Keine Altlast oder altlastverdächtige Fläche
Altlastverdächtige Fläche
stufenweise Untersuchung
Erkundung mit Gefährdungsabschätzung zur Klärung vorliegender Gefahren bzw.
eingetretener Schäden
Sanierung **
Beseitigung von
Gefahren bzw.
eingetretenen Schäden
Sanierungs--
bedarf ? *
ja
nein
Über-
wachung
fraglich
Sanierte Altlast
Regelablauf der Altlastenbehandlung
Altlast
(gesicherte)
Restkontami-
nationen?
ja
nein
* Gefahr bzw. Schaden
** Gefahrenabwehr bzw.
Schadensbeseitigung
Abbildung 1 Grobablauf der Altlastenbehandlung
Ob und in welchem Umfang Verunreinigungen des Bodens und von Gewässern zu sanieren
sind, wird erst im Rahmen von Untersuchungen festgestellt (Abbildung 1).
Eine sachgemäße Altlastenbehandlung verfolgt deshalb vorrangig folgende Ziele:
Erfassen von Schadstoffherden, von denen Gefährdungen für Mensch und Umwelt
ausgehen können

 
1. Einführung
9
Beschreibung der Sachlage und Prüfung, ob konkrete Gefahren bestehen und ab-
zuwehren sind sowie
im Bedarfsfall Ermittlung und Durchführung geeigneter Maßnahmen zur Abwehr
konkreter Gefahren.
In den achtziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurde begonnen, für Altlasten und
altlastverdächtigen Flächen (AVFL) fachliche und rechtliche Regelwerke zu schaffen /1/ /2/.
Wegen der Vielseitigkeit der Thematik der Altlastenbehandlung sind diese Regelwerke durch
methodische Anleitungen (Abbildung 2 und Anlage 3) auch heute noch zu untersetzen.
Gleichzeitig ist zu beachten, dass neben dem Bodenschutzrecht andere Rechtsbereiche wie
z. B. Polizei- und Ordnungs-, Wasser- oder Abfallrecht zu berücksichtigen sind (s. Kap. 3).
Dieses Altlastenhandbuch gibt einen Handlungsrahmen für die Bearbeitung von Altlasten
und altlastverdächtige Flächen (AVFL) vor. Jeder Einzelfall ist jedoch durch seine konkreten
Randbedingungen geprägt.
HE - historische Erkundung, OU - orientierende Untersuchung, DU - Detailuntersuchung, SU -
Sanierungsuntersuchung, SAN - Sanierung
Bearbeitungsstufen
Erhebung
HE
OU
DU
SU
SAN
Handbuchteile
1 Grundsätze
2
Erhebung
und
Formale Erst-
bewertung
3 Grundwasser
7
Detail-
unter-
suchung
8
Sanierungs-
unter-
suchung
9
Sanierung
4 Boden
5 Oberflächenwasser
6 Luft
Erfassung
Untersuchung
Gefährdungsabschätzung
Sanierungsvorbereitung
und -durchführung
HE - historische Erkundung, OU - orientierende Untersuchung, DU - Detailuntersuchung, SU -
Sanierungsuntersuchung, SAN - Sanierung
Bearbeitungsstufen
Erhebung
HE
OU
DU
SU
SAN
Handbuchteile
1 Grundsätze
2
Erhebung
und
Formale Erst-
bewertung
3 Grundwasser
7
Detail-
unter-
suchung
8
Sanierungs-
unter-
suchung
9
Sanierung
4 Boden
5 Oberflächenwasser
6 Luft
Erfassung
Untersuchung
Gefährdungsabschätzung
Sanierungsvorbereitung
und -durchführung
Abbildung 2
Zuordnung der Handbuchteile zu den Bearbeitungsstufen
2.
Altlastenbehandlung in Sachsen
Die Altlastensituation in Sachsen ist durch folgende Sachverhalte geprägt (Abbildung 3):

2. Altlastenbehandlung in Sachsen
10
ungeordnete Abfallverbringung bis ca. 1990 vor allem in zahlreichen kleinen Depo-
nien, u. a. in Tagebaurestlöchern
keine technischen Schutzsysteme bei Ablagerungen (fehlende Abdichtungen, keine
Gas- bzw. Sickerwasserfassung)
Vorhandensein zahlreicher industrieller Kontaminationen durch unsachgemäße
Produktions-, Lagerungs-, Transportprozesse und Abfallbeseitigung
zahlreiche Hinterlassenschaften eines extensiven Bergbaus und seiner Verhüt-
tungs- und Veredlungsprozesse (insbesondere Stein- und Braunkohle, Nicht-Eisen-
Metallurgie, Uranerzaufbereitung)
keine bzw. unzureichende Beseitigung von Kriegseinwirkungen und deren Folgen.
*
Angaben sind Schätzgrößen aus bearbeiteten Fällen nach SALKA; bei ca. 60 % der Fälle sind mehrere
Wirkungspfade relevant
*
ortsnahe Haus-
müllentsorgung
Abfall-
entsorgung
Industriemüll
Havarien
Industrie-
zentren
örtlich
davon Boden und GW
ca. 50 %
davon nur Boden
ca. 35 %
davon nur GW
ca. 10 %
Boden / Grundwasser
ca. 95 %
Bodenluft
ca. 20 %
Oberflächenwasser
ca. 10 %
relevante
Wirkungspfade*
Bergbau
(Erze, Kohle)
Hütten-
industrie
Rüstung und
Militär
Metallver-
arbeitung
Dienstleistungen
Energieerzeugung
(z.B. Gaswerke)
chemische
Industrie
Schwerpunkt-
Branchen
Schadstoff-
gemische
fehlende
Abdichtungen
Grundwasser-
wiederanstieg
Mehrfach-
ursachen
Kriegsein-
wirkungen
Besonder-
heiten
*
Angaben sind Schätzgrößen aus bearbeiteten Fällen nach SALKA; bei ca. 60 % der Fälle sind mehrere
Wirkungspfade relevant
*
ortsnahe Haus-
müllentsorgung
Abfall-
entsorgung
Industriemüll
Havarien
Industrie-
zentren
örtlich
davon Boden und GW
ca. 50 %
davon nur Boden
ca. 35 %
davon nur GW
ca. 10 %
Boden / Grundwasser
ca. 95 %
Bodenluft
ca. 20 %
Oberflächenwasser
ca. 10 %
relevante
Wirkungspfade*
Bergbau
(Erze, Kohle)
Hütten-
industrie
Rüstung und
Militär
Metallver-
arbeitung
Dienstleistungen
Energieerzeugung
(z.B. Gaswerke)
chemische
Industrie
Schwerpunkt-
Branchen
Schadstoff-
gemische
fehlende
Abdichtungen
Grundwasser-
wiederanstieg
Mehrfach-
ursachen
Kriegsein-
wirkungen
Besonder-
heiten
Abbildung 3
Schwerpunkte der Altlastenbehandlung in Sachsen
Die weitgehende Einstellung der industriellen Produktion der ehemaligen volkseigenen Be-
triebe hatte nicht nur positive Umweltauswirkungen. Wertvolles Wissen über Havarien,
Technologieabläufe ging unter anderem durch die Entlassung zahlreicher älterer Mitarbeiter
verloren. Die Schließung z. B. von chemischen Reinigungen, welche häufig das benötigte
Brauchwasser über eigene Brunnen förderten und damit die bereits eingetretene Grundwas-
serverunreinigungen de facto „sanierten“, führte zur Ausbreitung der im Grundwasser vor-
handenen Schadstoffe.
Durch die umfassende Erhebung der AVFL und Altlasten, welche bereits 1991 begann
(Abbildung 4), besteht inzwischen ein sehr guter Überblick über die vorhandenen kontami-
nierten Flächen in Sachsen.

2. Altlastenbehandlung in Sachsen
11
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
Anzahl der Altlasten bzw. altlastverd. Flächen
militär. und Rüstungsaltlasten
135
154
780
617
676
667
704
718
536
510
480
Altstandorte
7.137
9.814
10.056
11.809
18.428
21.120
22.203
22.197
18.776
18595
18106
Altablagerungen
5.167
7.799
8.003
8.194
8.752
9.211
9.334
9.382
8.680
8592
8594
1991
1992
1993
1994
1995
1996
1997
1998
1999
2000
2001
12.439
17.767
18.839
20.620
27.856
30.998
32.241
32.297
27.992
27.697
27.180
Abbildung 4
Entwicklung des Erfassungsstandes 1991 - 2001
Nach Auswertung und Extrapolation von Datenbeständen zur Altlastensituation in verschie-
denen Bundesländern werden bei flächendeckender Erfassung in etwa 15 bis 25 % der
AVFL Maßnahmen zur Gefahrenabwehr erforderlich sein /3/. In der Mehrzahl der Fälle be-
steht bei der aktuellen Nutzungssituation kein Handlungsbedarf. Vergleicht man den derzei-
tigen Bearbeitungsstand mit dem erwarteten Untersuchungs- und Sanierungsbedarf, so sind
folgende Punkte festzustellen (Abbildung 5):
Die Erhebung und Formale Erstbewertung sind weitestgehend abgeschlossen. Bis-
lang wurden ca. 20.000 Fälle einer historischen Erkundung unterzogen. Die orien-
tierende Untersuchung liegt bisher für die Hälfte der erwarteten Anzahl vor. Eine
Detailuntersuchung wurde bislang für ca. 1/3 der erwarteten Anzahl durchgeführt.
Für ca. 1/4 aller zu sanierenden Altlasten wurden Konzeptionen erarbeitet, welche
systematisch umgesetzt wurden und werden.

 
2. Altlastenbehandlung in Sachsen
12
Handlungsbedarf und Kosten Altlastenbehandlung in Sachsen
*
Amtsermittlung
durch Verpflichtete
*(Teilflächenbezogen)
50
250
35
25
8
2
0,2
0
50
100
150
200
250
Kosten in TEuro
C
SAN
SU
DU
OU
HE
FEB
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
40.000
FEB
HE
OU
DU
SU
SAN
Überwachung
Anzahl
Stand 2001
noch erwarteter Bearbeitungsbedarf
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
35.000
40.000
FEB
HE
OU
DU
SU
SAN
Überwachung
Anzahl
Stand 2001
noch erwarteter Bearbeitungsbedarf
Abbildung 5
Handlungsbedarf mit Kostenschätzung pro Bearbeitungsstufe
3. Rechtliche Grundlagen
Am 1. März 1999 ist das Gesetz zum Schutz des Bodens (Bundes- Bodenschutzgesetz –
BBodSchG) /4/ vollständig in Kraft getreten. Als für das Umweltmedium Boden spezifisches
Schutzgesetz schließt es eine wesentliche Lücke des Umweltrechts des Bundes. Zur Kon-
kretisierung des BBodSchG hat die Bundesregierung nach Anhörung der beteiligten Kreise
die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) /5/ vom 12. Juli 1999 erlas-
sen. Zu den Grundsatzentscheidungen des BBodSchG gehört die Herstellung der Verbin-
dung zwischen vor- und nachsorgendem Bodenschutz. Die Altlastenbehandlung mit Nut-
zungsbezug bildet dabei den Schwerpunkt.

 
3. Rechtliche Grundlagen
13
Tabelle 1
Gesetzliche Vorschriften
Spezielle Vorschriften
Bodenschutz- und Altlastenrecht
Sonstige Vorschriften zum Schutz des
Bodens und der Gewässer (Bsp.)
Europäi-
sche Union
keine Regelungen, die sich aus-
schließlich mit dem Schutz des Bo-
dens befassen
EU Wasserrahmenrichtlinie
Richtlinie 80/68/EWG des Rates vom
17.12.1979 über den Schutz des Grundwas-
sers gegen Verschmutzung durch bestimmte
gefährliche Stoffe
Europäisches Bodenschutzpapier (Soil Pro-
tection Communication)
Bundes-
republik
Deutsch-
land
Bundes-Bodenschutzgesetz
(BBodSchG)
Bundes-Bodenschutz- und Altlasten-
verordnung (BBodSchV)
Verordnung zur Umsetzung der Richtlinie
80/68/EWG (Grundwasserverordnung)
Wasserhaushaltsgesetz (WHG)
Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW-
/AbfG)
Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)
Bundesimmissionsschutzgesetz (BImSchG)
Chemikaliengesetz (ChemG)
Bundesberggesetz (BBergG)
Strafgesetzbuch (StGB)
Baugesetzbuch (BauGB)
Freistaat
Sachsen
Sächsisches Abfallwirtschafts- und
Bodenschutzgesetz (SächsABG)
Sächsisches Polizeigesetz (SächsPolG)
Sächsisches Wassergesetz (SächsWG)
Sächsisches Naturschutzgesetz (Sächs-
NatSchG)
4.
Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
4.1 Grundsätze der Altlastenbehandlung
Das BBodSchG definiert in § 2 Abs. 5 eine Altlast wie folgt:
Altlasten im Sinne dieses Gesetzes sind:
stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle
behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind (Altablagerungen), und

4. Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
14
Grundstücke stillgelegter Anlagen und sonstige Grundstücke, auf denen mit umwelt-
gefährdenden Stoffen umgegangen worden ist, ausgenommen Anlagen, deren Still-
legung einer Genehmigung nach dem Atomgesetz bedarf (Altstandorte) durch die
schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren für den einzelnen oder die
Allgemeinheit hervorgerufen werden
Davon unterschieden werden so genannte altlastverdächtige Flächen. Sie sind nach § 2
Abs. 6 BBodSchG folgendermaßen definiert:
Altlastverdächtige Flächen sind Altablagerungen und Altstandorte, bei denen der Verdacht
schädlicher Bodenveränderungen oder sonstiger Gefahren für den einzelnen oder die All-
gemeinheit besteht.
Grundsätzlich gelten für die Einordnung einer entsprechenden Fläche bzw. eines Industrie-
standortes als Altlast bzw. altlastverdächtige Fläche folgende Kriterien:
örtlich begrenzte Schadstoffanhäufung
anthropogene Entstehung der Verunreinigungen
zeitlicher Abschluss des Umgangs mit umweltgefährdenden Stoffen
Gefährdung oder Schädigung von Schutzgütern.
Jeder Schritt der Altlastenbehandlung bezieht sich auf den Zusammenhang zwischen einer
Schadstoffquelle, deren Ausbreitung und Wirkung auf Schutzgüter (Abbildung 6).
konkretes
Schutz-
Objekt
Altlast
Altstandort,
Altablagerung
Pfad
Direktkontakt,
Wasser,
Luft, Boden,
Nahrung
Ort der
Beurteilung
Kontaktmedium
Wirkstelle
Schadherd (Quelle)
Transportmedium
Schutzgut
Wirkstelle = Ort der konkreten Schadenswirkung
Abbildung 6 Quelle, Ausbreitung und Einwirkung der Schadstoffe
Das Vorliegen konkreter Gefahren bzw. die Feststellung bereits eingetretener Schäden rich-
tet sich immer an Schutzgütern aus. Messwerte aus dem Bereich der Altlast oder aus deren

 
4. Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
15
Umgebung (Ausbreitungspfade) sind dahin zu interpretieren, welche Konzentrationen
und/oder Frachten ein Schutzgut erreichen werden.
Aus den allgemeinen Grundlagen des Verwaltungshandelns und aus den speziellen Rechts-
grundlagen der Altlastenbehandlung ergeben sich folgende Grundsätze, die sich sowohl in
der Methodik zur Altlastenbehandlung widerspiegeln, als auch bei der Einzelfallbehandlung
zu berücksichtigen sind:
Gefahr bzw. eingetretener Schaden als Handlungsgrundlage
Ein hinreichender Verdacht des Vorliegens einer Gefahr ermächtigt die Behörde zu
einem belastenden Verwaltungsakt gegenüber Dritten (Verpflichteten). Dies erfordert
eine Sachverhaltsermittlung (Amtsermittlung) durch die Behörde.
Angemessenheit/Verhältnismäßigkeit von Maßnahmen
Entsprechend den gesetzlichen Vorgaben und in Anbetracht meist hoher Kosten und
beschränkter finanzieller Mittel ist i. d. R. ein abgestuftes Vorgehen (wechselnde Fol-
ge von Informationserhebung und Entscheidungen) erforderlich.
Gleichbehandlung der Fälle
Die beträchtliche Anzahl des betrachteten Fallkollektivs (Abbildung 4) macht die
Vorgabe eines Handlungsrahmens (methodische Handlungsvorschrift, Abbildung 8)
für die Einzelfallbehandlung erforderlich.
Einzelfallentscheidung bei jeder AVFL bzw. Altlast
Im Rahmen der Altlastenbehandlung existiert ein pflichtgemäßes Ermessen der Be-
hörde bei der Bewertung der Notwendigkeit und des Umfanges von Maßnahmen un-
ter dem Verhältnismäßigkeitsaspekt, was unter Abwägung der konkreten Situation im
vorgegebenen Handlungsrahmen (Ermessensspielraum) erfolgt.
4.2 Wirkungspfadabhängige Betrachtung
Die Untersuchung und ggf. Sanierung ist in Abhängigkeit von den im Einzelfall relevanten
Wirkungspfaden durchzuführen (Abbildung 7).
Daraus ergibt sich folgender grundlegender Betrachtungsablauf:
Stoffbewertung
Standortbewertung
Nutzungsbewertung
Obwohl sich viele AVFL und Altlasten über Gefahren für das Schutzgut Grundwasser defi-
nieren, sind die anderen Wirkungspfade und Schutzgüter nicht zu vernachlässigen
(Abbildung 3). Daraus folgt, dass bei der Altlastenbehandlung zunächst alle relevanten Wir-
kungspfade und Schutzgüter zu betrachten sind. Wirkungspfade und Schutzgüter, die dann
nicht relevant sind, scheiden aus der weiteren Betrachtung aus.

image
image
image
4. Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
16
Wichtige Wirkungspfade
1 Boden - Mensch (Direktkontakt)
2 Boden – Pflanze - Mensch
3 Boden – Sickerwasser – Grundwasser
4 Bodenluft - Luft (über Innenraum oder Außenluft) – Mensch
5 Boden – Oberflächenwässer - Mensch
1
2
3
4
5
Schadstoff-
ausbreitung
über das
Sickerwasser
Schadstoffausbreitung
im Grundwasser
Schadstoff-
ausbreitung
über die
Bodenluft
Abbildung 7
Wesentliche Wirkungspfade bei der Altlastenbehandlung
Tabelle 2
Bewertungskriterien für HE und OU
Grundwasser
Oberirdische Ge-
wässer
Boden
(Direktkontakt)
Luft
Stoff-
bewertung
- Humantoxikologie
- Messungen im Boden
(Sickerwasser) und
Grundwasser
- Humantoxikologie und
Ökotoxikologie
- Messungen im Boden
(Sickerwasser) und
Gewässern
- Humantoxikologie
- Messungen im Boden
(Trockensubstanz)
- Humantoxikologie
- Messungen in der
Boden- und Raumluft
Stoffaustrag aus der kontaminierten Fläche
- Lage zum Grundwasser
- vorhandene Barrieren
- Stoffeigenschaften
- Schadstoffmenge
- Standortverhältnisse
- Bodenarten
- Sickerwassermenge
- Lage zu Gewässern
- vorhandene Barrieren
- Stoffeigenschaften
- Schadstoffmenge
- Standortverhältnisse
- Bodenarten
- Überschwemmungshäu-
figkeit
- Vorflutverhältnisse
- Lage zu Objekten
menschlicher Nutzung
- vorhandene Barrieren
- Stoffeigenschaften
- Schadstoffmenge
- Standortverhältnisse
- Tiefenlage der Konta-
mination
- Verwehungsmöglich-
keiten
- Lage und Art von
Schutzobjekten
- vorhandene Barrieren
- Stoffeigenschaften
- Schadstoffmenge
- Standortverhältnisse
- Ausbreitungsrichtung
durch Flüchtigkeit und
Löslichkeit
Standort-
bewertung
Stoffeintrag in das Schutzgut (über Kontaktmedium)

 
4. Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
17
Grundwasser
Oberirdische Ge-
wässer
Boden
(Direktkontakt)
Luft
- GW-Geschütztheit
- Untergrundeigenschaf-
ten (Boden, anstehen-
des Gestein)
- Kontaktmöglichkeit und
Entfernung zu Gewäs-
sern
- Entwässerung
- Kontaktmöglichkeit und
Entfernung zu Men-
schen (z. B. Bewuchs)
- Kontaktmöglichkeit und
Entfernung zu Gebäu-
den und Grundwasser
Stoffverhalten im Schutzgut
- Abbau- und Aufnahme-
prozesse
- Mächtigkeit GW-Körper
- Fließgeschwindigkeit
und Richtung des GW
- Abbau-, Aufnahme und
Verdünnungsprozesse
- Wasservolumen
- Abbau- und Aufnahme-
prozesse
- Abbau-, Aufnahme und
Verdünnungsprozesse
- Luftaustausch in Räu-
men
Nutzungs-
bewertung
- GW nicht nutzbar
- Nutzung als TW lang-
fristig nicht vorgesehen
- Nutzung außer TW
- Nutzung als TW ohne
Aufbereitung möglich
- Gebiet in künftiger TW-
Versorgung
- in TW-Schutzzone
- Trinkwasser
- Berufs- und Sport-
fischerei
- Bewässerungswasser
- Brauchwasser
- Badegewässer
- allgemeiner Vorfluter
- Kinderspielflächen
- Wohngebiete
- Park- und Freizeitanla-
gen
- Gewerbe, Industrie
- Ackerbau/Nutzgarten
- Grünland
- Innenraumluft
- Raumluft
- Geruch
- Explosionsgefahr
- Grundwasserverunrei-
nigungen
Sind mehrere Schutzgüter betroffen, besteht ggf. die Notwendigkeit getrennter Untersuchun-
gen und Bewertungen. Gleiches gilt für die Festlegung von vorläufigen Sanierungszielen am
Ende der Detailuntersuchung (s. Kap. 7).
Die Auswahl eines optimalen Sanierungsszenarios in der Sanierungsuntersuchung hat dem-
zufolge auch unter Einbeziehung aller relevanter Schutzgüter zu erfolgen (s. Kap. 8).
4.3 Regelablauf
Der Regelablauf besteht entsprechend den gesetzlichen Grundlagen (BBodSchG /
BBodSchV) aus folgenden Bearbeitungsstufen (Abbildung 8 und Tabelle 3):
Erfassung, wird in Sachsen untergliedert in die
-
Erhebung (mit Formaler Erstbewertung FEB - s. Kap. 5.2) und
-
Historische Erkundung (HE – s. Kap. 5.3)
Orientierende Untersuchung (OU – s. Kap. 6)
Detailuntersuchung (DU – s. Kap. 7)
Sanierungsuntersuchung (SU – s. Kap. 8)
Sanierung (SAN – s. Kap. 9)
Überwachung/Nachsorge (C – s. Kap. 9 bzw. 10)
In begründeten Fällen können einzelne Bearbeitungsstufen zusammengefasst oder ausge-
lassen werden (s. Kap. 11).

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
4. Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
18
Die einzelnen Stufen gliedern sich jeweils in einen Bearbeitungs- und einen Bewertungsteil.
Nach Letzterem trifft die zuständige Behörde eine Entscheidung, ob und in welcher Form
Handlungsbedarf besteht.
Tabelle 3
Ziele, Inhalte und Methoden der Bearbeitungsstufen
Stufe
Handb.
Teil
Ziele
Inhalt, Methoden
Erfassung
1. Teil:
Erhebung
(FEB)
1
Erhebung von AVFL (spezifisch nach
Altstandorte und Altablagerungen)
Erste grobe Priorisierung
1
Recherche in Unterlagen
Erhebung weniger, aber relevanter Daten
zur AVFL (z. B. Größe, Abfallart, Industrie-
branche), Schadstoffausbreitung und Ge-
bietsnutzung
Formale Erstbewertung
Erfassung
2. Teil:
Histori-
sche Er-
kundung
(HE)
3,4,5,6
Prüfung der Anhaltspunkte für eine
AVFL
Selektion relevanter und irrelevanter
Pfade und Schutzgüter
Erste Gefährdungsabschätzung für
relevante Transportpfade und
Schutzgüter
Festlegung des weiteren Handlungs-
bedarfs und Priorisierung
1
beprobungslose Ermittlung und Auswer-
tung aller vorliegenden Daten zur AVFL, zu
relevanten Transportpfaden und Schutzgü-
tern (keine technische Untersuchung)
formalisierte Bewertung mittels R-Wert-
Verfahren
Orientie-
rende Un-
tersu-
chung
(OU)
3,4,5,6
Nachweis bzw. Widerlegung des
hinreichenden Gefahrenverdachtes
an Hand konkreter Anhaltspunkte
Qualifizierte Gefährdungsabschät-
zung für die relevanten Wirkungs-
pfade und Schutzgüter
Festlegung des weiteren
Handlungsbedarfs
1
und Priorisierung
Technische Erkundung zur Gewinnung
erforderlicher bewertungsrelevanter Daten
am Schadstoffherd, Transportpfad und
Schutzgut; Abstellung auf den Ort der Be-
urteilung
Orientierende Messungen (geringe[s]
Probenanzahl, Analysenspektrum)
Abschätzung der Prüfwertrelevanz und
Vergleich mit Prüf-, Orientierungs- und
Maßnahmenwerten
Detailun-
tersu-
chung
(DU)
7
endgültige Feststellung der Gefah-
rensituation und des Handlungsbe-
darfes durch abschließende Gefähr-
dungsabschätzung
bei nachgewiesenen Altlasten:
Definition vorläufiger Sanierungszie-
le zur Abwehr von Gefahren bzw. zur
Beseitigung von Gewässerschäden
Technische Erkundung zu messbaren und
ggf. prognostizierenden Parametern wie
Stoffspektrum und Kontaminationsaus-
breitung; Abgrenzung Schadherd
Expositionsabschätzung für alle relevan-
ten Wirkungspfade und Schutzgüter
ggf. Prognose (Simulation) von Schad-
stoffverhalten und Schutzgutbeeinflus-
sung
Vergleich mit Maßnahmenwerten
Sanie-
rungsun-
tersu-
chung
(SU)
8
Auswahl des optimalen
(verhältnismäßigen) Szenarios zur
Erreichung des Sanierungszieles
Vorbereitung des Sanierungsent-
scheides mit dem endgültigen Sanie-
rungsziel
Erstellung und Vergleich von Varianten zur
Gefahrenabwehr mittels ökologischer und
ökonomischer Kriterien
Rückkopplung und ggf. Hinterfragung der
vorläufigen Sanierungsziele im Rahmen
des Ermessensspielraumes
Sanierung
9
Abwehr der nachgewiesenen Gefah-
Planung und Durchführung von Dekonta-
1
Mehrerer Flächen untereinander in einem Gebiet

4. Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
19
(SAN)
ren bis zur Erreichung der Sanie-
rungsziele
Erfolgskontrolle
ggf. nachträgliche Wiederherstellung
der Sicherungswirkung
minations-, Sicherungs-, Schutz- oder Be-
schränkungsmaßnahmen
Erneute Durchführung von Maßnahmen
zur Gefahrenabwehr
Überwa-
chung /
Nachsorge
C
Überwachung der AVFL
Überwachung der sanierten Altlast
(i.d.R. bei Sicherungsmaßnahmen)
ggf. nachträgliche Wiederherstellung
der Sicherungswirkung
Technische Untersuchung der Einhaltung
von gefahrenbezogenen Konzentrationen
Technische Untersuchung der nachhalti-
gen Einhaltung der Sanierungsziele
Erneute Durchführung von Maßnahmen
zur Gefahrenabwehr
Die Ergebnisse der einzelnen Stufen werden in der Regel in gutachterlicher Berichtsform
vorgelegt (s. Anlage 1). Die ermittelten Daten werden im Sächsischen Altlastenkataster
(SALKA) erfasst.
Mit Abschluss einer Bearbeitungsstufe ist eine Klassifizierung des weiteren Handlungsbedar-
fes (s. Kap. 4.4) erforderlich.
Eine Überwachung, welche nach mehreren Bearbeitungsstufen möglich ist (s. Kap. 10), be-
inhaltet die zeitversetzte Bestimmung von Konzentrationen, Frachten und Mobilitätszustän-
den bei unverändertem Wirkungspfad und Schutzgut (Nutzung).
Keine Altlast oder altlastverdächtige Fläche
Altlastverdächtige Fläche
Orientierende Untersuchung
§ 2 (3) V
Detailuntersuchung
§ 2 (3) G
Sanierungsuntersuchung
§ 13 (1) G + § 6 (1, 3) V
Erfassung
§ 3 (1) V
Sanierungsplanung
§ 13 (1) G + § 6 (2, 3) V
Sanierungsdurchführung
§ 1 und 4 (3) G + § 5 (1, 3) V
Anhalts-
punkte?
§ 3 (3) V
hinreichender
Gefahrenverdacht?
§ 4 (1) V
Sanierungs-
bedarf ?
§ 4 (4) V
Altlast
Sanierung ver-
hältnismäßig ?
§ 4 (7) V
ja
§ 9 (1) G
ja
§ 9 (2) G
ja
§ 4 (2, 3) G
ja
nein
§ 10 G
nein
§ 4 (2) V
nein
nein
Sanierte Altlast
Altlastenbehandlung nach Bundesbodenschutzrecht
- Inhalte nach BBodSchG und BBodSchV -
Nachsorge § 5 (3) V
fraglich
§ 3 (7) V
Über-
wachung
§ 15 G
Über-
wachung
§ 15 G
Erläuterung:
G - BBodSchG
V - BBodSchV
Abbildung 8
Regelablauf der Altlastenbehandlung nach Bundesbodenschutzrecht

 
4. Stufenkonzept der Altlastenbehandlung
20
Zahlreiche Software-Programme unterstützen die Altlastenbearbeitung, ersetzen jedoch nie
die ingenieurtechnische, naturwissenschaftliche und rechtliche Betrachtung durch entspre-
chende Fachleute. Eine aktuelle Übersicht ist im Sächsischen Altlastenfachinformationssys-
tem SalfaWeb
(
http://www.umwelt.sachsen.de/lfug/
)
→salfaweb enthalten.
4.4 Klassifizierung des Handlungsbedarfs
Der Entscheidungsprozess am Ende jeder Bearbeitungsstufe führt zu einer entsprechenden
Klassifizierung. Diesbezüglich sind folgende Klassen zu unterscheiden:
A
-
Ausscheiden aus der weiteren Bearbeitung und Archivieren
B
-
Belassen (Bearbeitung nur bei Nutzungsänderung)
C
-
Überwachung / Nachsorge
E
-
weitere Bearbeitung (Untersuchung, Sanierung)
Handlungsbedarf
A
Fälle können aus der weiteren Bearbeitung ausscheiden, wenn:
sich ein Altlastenverdacht nicht bestätigt hat oder ausgeräumt wurde,
eine Gefahr oder ein Schaden beseitigt wurde und die Notwendigkeit einer Neube-
wertung aufgrund der Veränderung der Nutzungs- und/oder der Expositionsbedin-
gungen auch in Zukunft nicht besteht.
Handlungsbedarf
B
Fälle sind in der Bearbeitung zu belassen, wenn bei derzeitiger Nutzung keine Gefahren be-
stehen, bei möglicher Änderung der Nutzungs- und/oder der Expositionsbedingungen aber
Gefahren auftreten können. Diese Fälle sind bei Eintritt veränderter Bedingungen einer Neu-
bewertung zu unterziehen.
Handlungsbedarf
C
Fälle sind in der weiteren Bearbeitung zu überwachen, wenn
wiederkehrende Untersuchungen zur Gefährdungsabschätzung notwendig sind
im Ergebnis durchgeführter Maßnahmen zur Gefahrenabwehr die Wirksamkeit kon-
trolliert werden soll
Handlungsbedarf
E
Fälle, bei denen sich der hinreichende Verdacht des Vorliegens einer Altlast bestätigt hat
(Stufe HE und OU) oder Gefahren bzw. bereits eingetretene Schäden festgestellt wurden
(Stufe DU und SU), sind i. d. R. weiter zu untersuchen bzw. zu sanieren.
Die Möglichkeiten zur Klassifizierung des Handlungsbedarfes in den einzelnen Bearbei-
tungsstufen enthält Anlage 2.

 
5. Erfassung
21
5. Erfassung
5.1 Gliederung der Erfassung
Die Erfassung wird durch die Länder geregelt (§ 11 BBodSchG) und gehört zur Amtermitt-
lungspflicht der Behörde. Im Freistaat Sachsen gliedert sich die Erfassung in
Erhebung mit formaler Erstbewertung (FEB)
historische Erkundung (HE) mit Bewertung (s. Kap. 5.3)
Die große Anzahl der AVFL machte diese Trennung erforderlich, um mit geringem Aufwand
relativ schnell einen Gesamtüberblick zur Altlastensituation in Sachsen zu bekommen.
Die Erfassung erfolgt grundsätzlich ohne analytische Untersuchungen.
5.2 Erhebung (FEB)
5.2.1 Ziele der Erhebung
Das Ziel der Erhebung ist die Gewinnung grundlegender Angaben über Lage und Bezeich-
nung der AVFL sowie über den Grund des Anfangsverdachtes für ausgehende Gefahren
bzw. eingetretene Schäden. Flächen ohne Anfangsverdacht sind auszusortieren.
Die Daten der Erhebung werden auf dem Formblatt zur Formalen Erstbewertung FEB zu-
sammengefasst, welches gleichzeitig der Bewertung dient.
Mit der FEB wird zunächst mit wenigen aussagefähigen Daten eine preiswerte, aber grobe
Sichtung und Priorisierung der verschiedenen AVFL untereinander angestrebt.
5.2.2 Gesetzliche Regelungen
Die Erhebung erfolgt entweder nach einer Anzeige von Verantwortlichen (für die nach § 10
Abs. 2 SächsABG eine unverzügliche Anzeigepflicht für bekannt gewordene bzw. verursach-
te Altlasten besteht) bzw. Betroffenen oder weil sonstige Erkenntnisse über AVFL vorliegen.
Das Vorliegen von Anhaltspunkten (§ 9 Abs. 1 BBodSchG und § 3 Abs. 1 BBodSchV) ist zu
prüfen. Spezielle Vorschriften zur Erhebung existieren nicht. Die Erhebung und FEB ist aber
ein in Sachsen eingeführtes und bewährtes Verfahren zur Priorisierung und Wahrung der
Verhältnismäßigkeit.
5.2.3 Fachliche Vorgaben und Ablauf
Die Erhebung (Abbildung 9) besteht aus einer Recherche in vorhandenen Unterlagen, der
Datenerfassung und Bewertung weniger, aber relevanter Daten zur AVFL (Größe, abgela-

5. Erfassung
22
gerte Abfallarten bei Altablagerungen bzw. der Branche bei Altstandorten, Bodenverhältnis-
sen und Nutzungen auf bzw. im Umfeld der AVFL). /6/
Der Verdacht auf eine Altlast begründet sich auf vermutete oder bekannte örtlich begrenzte
anthropogene Schadstoffherde (Altablagerungen oder Altstandorte). Zu Beginn der Altlas-
tenbehandlung ist die Gefährdung von Schutzgütern i. d. R. noch nicht belegbar. Der Nach-
weis tatsächlicher Schadstofffreisetzungen in die Umwelt ist im Regelfall Gegenstand späte-
rer Untersuchungen.
Ein Altstandort (§ 2 Abs. 5 Nr. 1 BBodSchG) kann vorliegen, wenn Produktion, Lagerung
oder Umgang mit umweltgefährdenden Stoffen in relevanten Mengen stattgefunden hat. Die
Ursache für die Schadstofffreisetzungen (z. B. Fahrlässigkeit oder Unwissenheit) ist nicht
relevant für die Feststellung eines Altlastenverdachtes. Branchen, bei denen umweltgefähr-
dende Stoffe erfahrungsgemäß eingesetzt oder frei werden, sind bekannt und werden ent-
sprechend berücksichtigt. Bei einem Standort einer altlastenrelevanten Branche mit längerer
Nutzung vor 1990 kann häufig von einer AVFL ausgegangen werden.
Eine Altablagerung (§ 2 Abs. 5 Nr. 2 BBodSchG) ist als AVFL aufzunehmen, wenn es sich
um eine Ablagerung handelt, auf der vor In-Kraft-Treten des Abfallrechtes der BRD (d. h. in
Sachsen vor dem 01.07.1990) unbekannte Stoffe abgelagert wurden oder bekannte Stoffe,
von denen eine Umweltgefährdung ausgeht, wie z. B.:
Siedlungsabfälle
Gewerbe- und Sonderabfälle oder
kontaminierter Bodenaushub.
Ablagerungen in örtlichem und ursächlichem Zusammenhang mit Altstandorten werden
grundsätzlich nicht als gesonderte AVFL erfasst, sondern im Rahmen der weiteren Fallbe-
handlung als Teilflächen des Standortes ausgewiesen (z. B. Ölteich auf einem Gaswerksge-
lände). Ausnahmen sind fallkonkret zu klären, wenn z. B. das Schadstoffpotenzial der Abla-
gerung offensichtlich dominant oder andersgeartet gegenüber dem Altstandort ist. Ein Min-
destvolumen zur Erhebung einer Altablagerung ist nicht vorgesehen, entscheidend ist der
Gefahrenverdacht.

 
5. Erfassung
23
(Selbst-)Anzeige
Vermutung der
Vorlage von
Anhaltspunkten?
Datenerfassung zur Formalen Erstbewertung
getrennt für
Altablagerungen bzw. Altstandorte
Formale Erstbewertung
Erhebung
Altlastverdächtige Fläche
Keine altlastverdächtige Fläche
historische
Erkundung
ja
nein
Amtsermittlung
(Erkenntnisse der Behörde)
Abbildung 9
Grundsätzlicher Ablauf Erhebung, Formale Erstbewertung
5.2.4 Formale Erstbewertung
Fachliche Grundlagen der Bewertung
Die Daten der Erhebung sind Basis für die FEB. Es erfolgt eine Punktbewertung mittels Ver-
knüpfung der Angaben
zum Schadstoffherd
zu den Wirkungspfaden und
zu Schutzgütern (Schwerpunkt: Mensch und Grundwasser).
Boden und Luft werden in dieser Bearbeitungsstufe nur als Pfade, nicht als Schutzgüter be-
rücksichtigt (Abbildung 10).

5. Erfassung
24
Formale Erstbewertung
Altablagerungen
bzw.
Altstandorte
Matrix
Schadstoffherd
Matrix
Pfad
Matrix
Schutzgüter
m
1
m
2
a
b
c
m
1
aa = m
2
+ max a (Aab)
aa = m
2
* max a (
Ast
)
m
1
Ausgangsrisiko
abc
Wirkungsfaktor
m
1
+ abc (Aab)
m
1
* abc
(Ast
)
Bewertungszahl
abc = aa+max b+max c (Aab)
abc = aa*max b*max c (
Ast
)
Abbildung 10
Prinzipschema Formale Erstbewertung
Bei fehlender Genauigkeit der Eingangsdaten gehen in die Bewertung Datenbereiche ein.
Die Verknüpfung der im Sinne der Gefährdung “ungünstigsten” Werte führt zu einer Ma-
ximalbewertung (worst case) und ist Ausdruck der höchsten zu erwartenden Gefährdung.
Ein niedriger Maximalwert kann für eine Entscheidung zum Ausscheiden (von Negativfällen)
aus dem Altlastenverdacht herangezogen werden.
Die Verknüpfung aller “günstigen” Werte führt zur Minimalbewertung als Widerspiegelung
der mindestens zu erwartenden Gefährdung. Ein hoher Minimalwert sollte Anlass sein, die
Dringlichkeit des weiteren Handlungsbedarfs zu prüfen einschließlich der Einleitung von So-
fortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr. Liegen Minimal- und Maximalbewertung weit ausein-
ander, so ist dies Ausdruck einer geringen Datenschärfe und sollte eine kritische Kontrolle
der Verwertbarkeit des Bewertungsvorgangs anregen.
Priorisierung nach Formaler Erstbewertung
Das Ordnungskriterium für die Erstellung von Prioritätslisten bildet das arithmetische Mittel
aus Minimal- und Maximalwert, das als Ausdruck der mit der größten Wahrscheinlichkeit zu
erwartenden Umweltgefährdung interpretiert werden kann (realistic case). Die Priorisierung
der AVFL nach den Bewertungsergebnissen ist wesentliche Entscheidungsgrundlage für die
Dringlichkeit des weiteren Handlungsbedarfes.

 
5. Erfassung
25
Tabelle 4
Priorisierung nach Formaler Erstbewertung
Empfohlene
Bewertungsergebnisse (Punkte)
Priorität
Altablagerungen
Altstandorte
1. Dringlichkeit
90
200
2. Dringlichkeit
70...89
140...199
spätere Bearbeitung möglich
30...69
30...139
Zurückstellen 0...29 0...29
Nach statistischer Auswertung und repräsentativer fachlicher Einzelfallkontrolle bisher erho-
bener Fälle in Sachsen wurden die in Tab. 4 enthaltenen Handlungsempfehlungen des LfUG
abgeleitet.
5.2.5 Behördliche Entscheidung
Im Ergebnis der Erhebung mit Formaler Erstbewertung legt die Behörde fest, ob ein An-
fangsverdacht vorliegt und eine HE durchzuführen ist. Fälle mit offensichtlichem Negativver-
dacht sind aus der weiteren Bearbeitung auszuschließen, da es sich dann weder um AVFL
noch um Altlasten handelt.
Mit Unterstützung der FEB legt die Behörde die Priorität der weiteren Bearbeitung fest.
5.3 Historische Erkundung (HE)
5.3.1 Ziele der HE
Kann im Ergebnis einer Erhebung mit Formaler Erstbewertung der Verdacht des Vorliegens
einer Altlast nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden, ist im Rahmen der
HE das Vorhandensein von Anhaltspunkten gemäß § 3 Abs. 1 BBodSchV für eine AVFL zu
prüfen. Die HE gehört außer bei nach Umweltrahmengesetz freigestellten Fällen zur
Amtsermittlungspflicht der Behörden.
Die für die Gefährdungsabschätzung relevanten Pfade und Schützgüter sind zu ermitteln
und zu begründen. Mittels einer beprobungslosen Erkundung, welche eine Ortsbegehung
einschließt, erfolgt für die relevanten Pfade und Schutzgüter eine erste Gefährdungsab-
schätzung. Danach sind über die Notwendigkeit und Dringlichkeit sowie den Umfang weite-
rer (technischer) Untersuchungen zu befinden. Datengrundlage bilden alle vorliegenden In-
formationen.
5.3.2 Gesetzliche Regelungen
Das Vorliegen von Anhaltspunkten entsprechend § 9 Abs. 1 BBodSchG und § 3 Abs. 1
BBodSchV ist zu prüfen. Spezielle Regelungen für eine HE existieren nicht.

 
5. Erfassung
26
Die Duldungs-, Mitteilungs-, Auskunfts- und Vorlagepflicht der Verpflichteten ist im § 10 des
SächsABG geregelt.
5.3.3 Fachliche Vorgaben und Ablauf
In der HE erfolgt die Auswertung aller vorliegenden Daten ohne zusätzliche technische Erkun-
dungen (Abbildung 11). Die Datenaufnahme und Bewertung. orientiert sich dabei an einer
formalisierten Bewertungsmethode (baden-württembergisch-sächsisches R-Wert-Verfahren).
Grundsätzlich sind mittels historischer Recherchen Angaben über die Art und den Umfang
vorhandener Kontaminationen, deren mögliche Ausbreitung sowie über betroffene Schutzgü-
ter zu ermitteln. Dabei sind folgende Medien zu betrachten:
Boden, Direktkontakt Boden-Mensch (s. Handbuch Teil 4; /8/)
Grundwasser (s. Handbuch Teil 3; /7/)
Oberflächenwasser (s. Handbuch Teil 5; /9/)
Luft (s. Handbuch Teil 6; /10/)
Durch Aktenrecherche, Befragung von Zeitzeugen und Ortsbegehungen sind die erforderli-
chen Informationen zu beschaffen.
Sichtung der vorhandenen Informationen
Durchführung der historischen Recherche
Auswahl der relevanten Medien (Wirkungspfade und Schutzgüter)
- Boden (Direktkontakt Boden - Mensch)
- Grundwasser (über Sickerwasser)
- Oberflächenwasser
- Luft
Formalisierte Gefährdungsabschätzung
für relevante Wirkungspfade und Schutzgüter
historische Erkundung
Orientierende
Untersuchung
Anhalts-
punkte?
Keine altlastverdächtige Fläche
ja
nein
Abbildung 11
Grundsätzlicher Ablauf historische Erkundung

 
5. Erfassung
27
5.3.4 Gefährdungsabschätzung HE
Fachliche Grundlagen der Bewertung
Die Gefahrenlage ist für die relevanten Schutzgüter und Pfade verbal zu beschreiben und
mit dem in Abbildung 12 gezeigten Algorithmus zu quantifizieren (z. B. Pfad Sickerwasser für
das Schutzgut Grundwasser).
Die formalisierte Bewertung der betroffenen Schutzgüter beinhaltet die Verknüpfung der
Schadstoffgefährlichkeit, der Risiken für die Ausbreitung und die Schutzgutgefährdung unter
Berücksichtigung der Nutzungssituation am Standort (Abbildung 12).
Die Bewertungszahl (R-Wert) wird auf der Grundlage des Baden-württembergisch-
sächsischen R-Wert-Verfahren mit dem Programm GEFA ermittelt und dient insbesondere
zur behördeninternen Priorisierung verschiedener AVFL untereinander.
Baden-württembergisch-sächsisches R-Wert-Verfahren
Matrix
Schadstoffherd
Matrix
Pfad
Matrix
Schutzgut
m
I
r
0
Ausgangsrisiko infolge
Stoffgefährlichkeit
r
I
= m
I
* r
0
R
Bewertungszahl
r
II
= m
II
* r
I
r
III
= m
III
* r
II
r
IV
= m
IV
* r
m
II
m
III
m
IV
Tatsächliches Gefahrenrisiko infolge des
Schadstoff
aus
trages aus der AVFL
Tatsächliches Gefahrenrisiko infolge des
Schadstoff
ein
trages in das Schutzgut
Tatsächliches Gefahrenrisiko infolge des
Schadstoff
transportes
und der Wirkung im
Schutzgut
Gewichtetes Gefahrenrisiko unter
Beachtung der Bedeutung des Schutzgutes
Für die Ableitung des Handlungsempfehlung
maßgebliches Gefahrenrisiko
Abbildung 12
Prinzipschema Bewertung mittels R-Wert-Verfahren bei HE und OU
Klassifizierung des Handlungsbedarfs
Die Einschätzung des weiteren Handlungsbedarfs erfolgt an Hand der vorliegenden Anhalts-
punkte. Der ermittelte R-Wert sollte als Indiz für die Dringlichkeit von Maßnahmen berück-
sichtigt werden.

 
5. Erfassung
28
Bei Flächen mit festgestellten Anhaltspunkten und einem hohen R-Wert sollte eine OU mög-
lichst zeitnah erfolgen (E). Liegen Anhaltspunkte vor, von denen jedoch bei der gegenwärti-
gen Nutzung offensichtlich keine Gefährdung von Schutzgütern zu erwarten ist, besteht der-
zeit keine Notwendigkeit weiterer Untersuchungen (B). Kann der Verdacht des Vorliegens
einer Altlast mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, scheidet die
AVFL aus der weiteren Betrachtung aus (A).
5.3.5 Behördliche Entscheidung
Im Ergebnis der HE ist die Entscheidung über das Vorliegen von Anhaltspunkten und damit
über den weiteren Handlungsbedarf zu treffen. Für weiter zu untersuchende Fälle sind die
relevanten Wirkungspfade und die betroffenen Schutzgüter zu definieren und ein auf den
gutachterlichen Vorschlägen basierendes Erkundungsprogramm vorzugeben.
An Hand der ermittelten R-Werte kann eine Priorisierung der Fälle vorgenommen werden.
6.
Orientierende Untersuchung (OU)
6.1 Ziele der OU
Das Ziel der OU ist die Feststellung oder Widerlegung eines hinreichenden Verdachtes des
Vorliegens einer Altlast. Dazu wird durch analytischen Nachweis vorhandener Schadstoffe
der in der HE belegte Verdacht wirkungspfadbezogen für die betroffenen Pfade und Schutz-
güter untersucht.
Bei der OU liegen i. d. R. nicht alle erforderlichen Informationen für eine abschließende Ge-
fährdungsabschätzung vor. Die Bewertung erfolgt deshalb insbesondere auch an Hand von
Prüfwerten nach BBodSchV.
Die OU gehört grundsätzlich zur Amtsermittlung der Behörde. Regelmäßige Ausnahmen
bestehen bei nach Umweltrahmengesetz freigestellten Flächen.
6.2 Gesetzliche Regelungen
Nach der Erfassung besteht weiterer Handlungsbedarf, wenn Anhaltspunkte (§ 9 Abs. 1, § 3
Abs. 1 BBodSchV) oder Erkenntnisse über bereits eingetretene Schäden vorliegen.
Definition der OU (§ 2 Nr. 3 BBodSchV)
Gebot der OU ((§ 9 Abs. 1 BBodSchG, § 3 Abs. 3 BBodSchV)
Anforderungen an Probennahme, Analytik und Untersuchung (Anhang 1
BBodSchV)
Bewertung der Ergebnisse der OU (§ 4 Abs. 1-3 BBodSchV)
Bewertung, wenn keine Prüf-(oder Maßnahmen)werte festgesetzt sind (§ 4 Abs. 5
BBodSchV)
Prüf-(und Maßnahmen)werte und deren Anwendung (Anhang 2 BBodSchV)

 
6. Orientierende Untersuchung
29
Vorliegen konkreter Anhaltspunkte (§ 3 Abs. 4 Satz 1 BBodSchV)
Duldungs-, Mitteilungs-, Auskunfts- und Vorlagepflichten (§ 10 SächsABG)
6.3 Fachliche Vorgaben und Ablauf der OU
Die OU (Abbildung 13) baut auf den Ergebnissen der HE auf, insbesondere auf
den ausgewiesenen relevanten Pfaden und Schutzgütern
den bekannten (vermuteten) Schadstoffherden sowie
dem angenommenen Schadstoffspektrum.
Im Rahmen der OU sind an wenigen exponierten Stellen durch Probennahmen und Analytik
Kernfragen der Gefahrensituation zu klären:
Liegen tatsächlich die vermuteten relevanten Schadstoffe vor?
Haben sich Schadstoffe in Richtung Schutzgut ausgebreitet, wenn ja gegebenen-
falls wie weit?
Erreichten bzw. schädigten die Schadstoffe bereits das Schutzgut?
Technische Untersuchung nach Analyseplanung
Betrachtung der Schadstoffkonzentrationen
an den Orten der Beurteilung (Kontaktmedium)
Gefährdungsabschätzung, insbesondere auch durch
Vergleich mit Prüf- bzw. Orientierungswerten
Auswahl der relevanten Wirkungspfade und Schutzgüter
- Direktkontakt Boden - Mensch
- Wirkungspfad Boden - Grundwasser ( - Mensch)
- Wirkungspfad Boden - Nutzpflanze ( - Mensch)
- Sonstige Wirkungspfade
orientierende Untersuchung
hinreichen-
der Gefahren-
verdacht?
Keine altlastverdächtige Fläche
Detailuntersuchung
ja
nein
Abbildung 13
Grundsätzlicher Ablauf orientierende Untersuchung
Der Erkundungsaufwand wird durch geeignete Vorgehensweise (geringe Anzahl von Auf-
schlüssen und Proben, geringes Analysenspektrum mit Summenparametern) im Vergleich
zur nachfolgenden DU niedrig gehalten.

 
6. Orientierende Untersuchung
30
Bei der OU sind die in der HE begründeten relevanten Wirkungspfade und Schutzgüter zu
betrachten. Untersetzende methodische Regelungen enthalten die Handbuchteile 3 – 6 und
die entsprechenden Materialienbände (siehe Anlage 3):
Mensch, Direktkontakt Boden - Mensch (s. Handbuch 4; /8/)
Grundwasser (s. Handbuch Teil 3; /7/)
Oberflächenwasser (s. Handbuch Teil 5; /9/)
Boden (s. Handbuch Teil 4; /8/)
Luft (s. Handbuch Teil 6; /10/)
In Abhängigkeit von den betroffenen Wirkungspfaden und Schutzgütern sind Erkundungen
zu nachfolgenden Bereichen mittels geeigneter Methoden durchzuführen:
Schadstoffspezifik (z. B. vorhandene Schadstoffe, Lokalisation der Kontaminati-
onsausbreitungen)
Standortspezifik (z. B. bodenkundliche, geologische Verhältnisse)
Nutzungsspezifik (z. B. Flächennutzung, vorhandene Grundwasserbrunnen).
6.4 Gefährdungsabschätzung OU
Fachliche Grundlagen der Bewertung
Maßstab für die Bewertung der Gefahrenlage ist der Vergleich der Schadstoffkonzentratio-
nen (gemessen oder prognostiziert) an den Orten der Beurteilung (Kontaktmedium, Über-
gangsbereich von der gesättigten zur ungesättigten Bodenzone für das Schutzgut Grund-
wasser bzw. Bodenoberfläche für die menschliche Gefährdung) mit den zugehörigen Prüf-
bzw. Maßnahmenwerten nach Anhang 2 BBodSchV. Ergänzend dazu sind die Orientie-
rungswerte nach /25/ heranzuziehen. Die Schadstoffmengen im Schutzgut selbst können im
Gegensatz zur DU noch nicht maßgebend berücksichtigt werden. Gleiches gilt für die örtli-
che und zeitliche Entwicklung der Konzentrationsverläufe.
Für den häufigsten Wirkungspfad (Altlast)-Boden-Grundwasser ist der Ort der Beurteilung
der Übergangsbereich von der ungesättigten in die gesättigte Zone des Sickerwassers in
das Grundwasser.
Klassifizierung des Handlungsbedarfs
Nach einer OU ist folgende wesentlichen Klassifizierung möglich (in Klammer: Handlungs-
bedarf):
Der Altlastenverdacht ist ausgeräumt (A), was grundsätzlich bei Prüfwertunter-
schreitung für die sensibelste Nutzung der Fall ist.
Der Altlastenverdacht besteht nicht bei der jetzigen Nutzung (B). Dies ist z. B. bei
einer als Industrie- und Gewerbegrundstück genutzten Fläche der Fall, wo die fest-
gestellten Schadstoffkonzentrationen zwar die Prüfwerte für diese Nutzung unter-
schreiten, jedoch über den Prüfwerten für andere Nutzungen liegen.
Werden die Prüfwerte für die derzeitige Nutzung überschritten oder wird auf Grund
einer nachvollziehbaren Untersuchung eine Überschreitung prognostiziert, besteht

 
6. Orientierende Untersuchung
31
ein hinreichender Altlastenverdacht, so dass eine Detailuntersuchung (DU) geboten
ist (E).
6.5 Behördliche Entscheidung
Im Ergebnis der OU ist die Entscheidung über das Vorliegen eines hinreichenden Verdach-
tes einer Altlast und damit über eine Anordnungsgrundlage für weitere Maßnahmen zur Un-
tersuchung nach § 9 Abs. 2 BBodSchG gegenüber dem Verpflichteten zu treffen. Die Behör-
de hat dahingehend einen Ermessensspielraum, da sie prüfen muss, ob Gründe zur Entsa-
gung einer DU vorliegen.
Wenn die Beseitigung erkannter Gefahren mit einfachen Mitteln möglich ist, kann nach § 3
Abs. 5 BBodSchV von einer DU abgesehen werden.
Mit der Anordnung einer DU ist ein Erkundungsprogramm entsprechend der relevanten Wir-
kungspfade vorzugeben und die betroffenen Schutzgüter sind zu benennen.
7. Detailuntersuchung (DU)
7.1 Ziele der DU
Die Ziele der DU bestehen - bezogen auf die Gegebenheiten des Einzelfalls - in
einer abschließenden Gefährdungsabschätzung (d. h. der Verdacht des Vorliegens
einer Altlast ist auszuräumen oder die AVFL wird zur Altlast) und
(bei Altlasten) der Vorgabe von Kriterien für die nachfolgende Gefahrenabwehr
(Festlegung vorläufiger Sanierungsziele für die SU).
In der DU sind auch Aussagen zum Ausmaß der Gefahren sowie zur räumlichen Abgren-
zung der Kontaminationsbereiche von minder belasteten Teilflächen zu treffen. Zu klären
sind die mobilen und mobilisierbaren Schadstoffanteile für die maßgeblichen Wirkungspfade.
Gegebenenfalls sind spezielle Untersuchungen notwendig.
Im Rahmen von Untersuchungsanordnungen kommen auch wiederkehrende Untersuchun-
gen der Schadstoffausbreitung und der hierfür maßgebenden Umstände in Betracht.
7.2 Gesetzliche Regelungen
Definition der DU (§ 2 Nr. 4 BBodSchV)
Gebot der DU ((§ 9 Abs. 2 BBodSchG, § 3 Abs. 4 Satz 2 BBodSchV)
zusätzliche Anforderungen an die DU (§ 3 Abs. 5 BBodSchV)
Wiederkehrende Untersuchung (§ 3 Abs. 7 BBodSchV)
Anforderungen an Probennahme, Analytik und Untersuchung (Anhang 1
BBodSchV)
Maßnahmen -(und Prüf)werte und deren Anwendung (Anhang 2 BBodSchV)
Duldungs-, Mitteilungs-, Auskunfts- und Vorlagepflichten (§ 10 SächsABG)

 
7. Detailuntersuchung
32
Des Weiteren ist der Rahmenerlass des SMUL /11/ zu beachten.
Für die Bewertung der Ergebnisse der DU ist Folgendes zu beachten:
Bewertung der DU (§ 4 Abs. 4 BBodSchV)
Bewertung/Berücksichtigung von Erkenntnissen aus der Grundwasseruntersuchung
und deren Verhältnismäßigkeit (§ 4 Abs. 7 BBodSchV)
7.3 Fachliche Vorgaben und Ablauf der DU
Im Regelfall konzentriert sich die DU neben dem Schadstoffherd auf die in der OU relevan-
ten Pfade und Schutzgüter. Im Unterschied zur OU sind im Rahmen der DU jedoch alle für
die abschließende Gefährdungsabschätzung maßgeblichen und mit verhältnismäßigen Mit-
teln erreichbaren Informationen zu erheben (Abbildung 14).
Festlegung der Erkundungsstrategie
- Betroffene Schutzobjekte (gegenwärtige und geplante Nutzungen)
- Betroffene Schutzgüter
- Relevante Wirkungspfade
- Relevante Kontaktmedien
- Relevante Transfermedien
- Relevante Hintergrundgehalte
- Endgültige Charakterisierung von Kontaminationen (Schadherd)
- Ermittlung der Schadstoffverteilung
- Klärung der für die Expositionsabschätzung relevanten Parameter
- Erstellen des Beprobungsplanes
Technische Erkundung
Prognose der Schadstoffausbreitung
Expositionsabhängige Gefährdungsabschätzung
ggf. Festlegung vorläufiger Sanierungsziele
Detailuntersuchung
Sanierungs-
bedarf ?
Keine altlastverdächtige Fläche
Sanierungs-
untersuchung
ja
nein
fraglich
Abbildung 14
Grundsätzlicher Ablauf der Detailuntersuchung
Der Erkundungsstrategie ist bei der DU besondere Sorgfalt zu widmen, um hinreichend be-
lastbare und aussagefähige Entscheidungsvorschläge ableiten zu können. Im Unterschied
zur OU sind bei der DU im Regelfall mehrere und anspruchsvollere Untersuchungen (z. B.
Einzelstoffe, Eluate) erforderlich. Dazu sind in Abhängigkeit von den betroffenen Schutzgü-
tern und Wirkungspfaden gegebenenfalls mehrere Gutachter bzw. Sachverständige einzu-
beziehen. Erforderlich sind im Allgemeinen detaillierte Daten:

 
7. Detailuntersuchung
33
zum Schadherd (Stoffmenge, räumliche Verteilung, Mobilisierbarkeit, Austragsraten
und Umsetzungsverhalten)
zur Schadstoffausbreitung (aktuelle Schadstoffverbreitung, Ausbreitungsgeschwin-
digkeit und -richtung, Abbau- und Sorptionsverhalten, Ermittlung der gegenwärtigen
und erwarteten Konzentration und Fracht an den Schutzgütern)
zu den Schutzgütern (Definition der gegenwärtigen und künftigen objektkonkreten
Nutzung sowie des sich daraus ergebenden Schutzanspruches, tolerabler Schad-
stofffrachten und Konzentrationen).
Bei der abschließenden Gefährdungsabschätzung sind (unter der Beachtung der Verhält-
nismäßigkeit) angemessene Prognoseinstrumente zu verwenden (z. B. Laborversuche, Si-
mulationsmodelle).
Basierend auf einer umfassenden Sachverhaltsbeschreibung und der Wertung der Gefah-
rensituation ist der erforderliche Handlungsbedarf abzuleiten. Beim Verdacht einer gegensei-
tigen Beeinflussung mehrerer AVFL, Altlasten und Schutzgüter ist dieser Umstand in die
Wertung einzubeziehen (integrale Betrachtung).
Einzelheiten regelt das Handbuch Teil 7 /12/.
7.4 Gefährdungsabschätzung DU
Fachliche Grundlagen der Bewertung
In der DU ist eine abschließende Gefährdungsabschätzung vorzunehmen.
Die Gefährdungsabschätzung ist sowohl für den aktuellen Zustand als auch für die künftige
Schadstoffverteilung (Prognose) vorzunehmen. Für diese räumliche und zeitliche Abschät-
zung stehen u. a. folgende Instrumente zur Verfügung:
Laborversuche
Feldversuche
Abschätzungen und einfache Berechnungen
Modellierungen
Häufig zu prognostizierende Größen sind (räumliche und zeitliche Entwicklungen der)
Schadstoffkonzentrationen im Sickerwasser und Grundwasser.
Die Gefährdungsabschätzung auf dem Niveau der DU stellt eine Einzelfallbeurteilung dar,
die sich einer Formalisierung weitgehend entzieht. Formalisierte Bewertungsverfahren (z. B.
die Methodik UMS /13/) können daher die Entscheidungsfindung nur unterstützen. Ausge-
hend von den toxikologischen Grundlagen sind einzelfallspezifische Expositionsabschätzun-
gen durchzuführen.
Da Maßnahmenwerte fast völlig fehlen und Prüfwerte in der DU grundsätzlich nachrangig
und niemals ausschließlich anzuwenden sind, müssen andere schadstoffspezifische Krite-
rien wie z. B. Menge (Fracht), zeitliche Entwicklung, räumliche Verteilung, Wirkungsdauer

7. Detailuntersuchung
34
und Höhe der Schadstoffkonzentration bei der Gefährdungsabschätzung herangezogen
werden.
Zu beachten ist außerdem, dass die DU im Gegensatz zu OU nicht an den Kontaktmedien
(Orten der Beurteilung) endet, sondern die Auswirkungen der Schadstoffe in den jeweiligen
Schutzgütern zu betrachten sind (also an den Wirkstellen, Abbildung
6
).
Wenn im Ergebnis der DU ein Handlungsbedarf festgestellt wird, ist als abschließender
Schritt quasi durch Rückwärtsrechnung hin zur Altlast durch die Gutachter ein Vorschlag für
vorläufige Sanierungsziele zu erarbeiten (Abbildung
15
). Ziel ist es, vorläufige Sanierungs-
ziele für eine tolerable Schadstoffbelastung zu ermitteln. Die alleinige Verwendung von
Prüfwerten führt zwar dazu, dass nach einer Sanierung keine Gefahren mehr vorhanden
sind, ist jedoch regelmäßig unverhältnismäßig und damit nicht vollziehbar.
SH
TM
KM
endgültige Schadherdabgrenzung
repräsentative Messwerte bzw. Prognosen
orientierende Messwerte bzw. Prognosen
OU
DU
Erkundung
Gefährdungsabschätzung
SH
TM
KM
OW
PW
MW
SG
Standard-
Expositionsszenarium
hinreichender Verdacht ?
SG
MW
einzelfallbezogene
Expositionsabschätzung
Tatbestand einer Gefährdung?
ja
SG
tolerierbare
Schadstoffbelastung
SH
TM
KM
vorläufige Sanierungszielwerte
Ort der Beurteilung
SH= Schadherd
KM = Kontaktmedium
PW= Prüfwert
SG=Schutzgut
TM= Transportmedium
OW= Orientierungswert
MW= Maßnahmenwert
Abbildung 15
Unterschiede OU und DU
Sind bereits Schadstoffe in das Grundwasser gelangt, müssen einige Besonderheiten be-
rücksichtigt werden. In diesen Fällen ist u. A. die gegenwärtige und zukünftig zu erwartende
Ausdehnung der Kontamination bzw. Fahnen zu ermitteln (Eine Prognose ist zu erstellen).
Natürlich ablaufende Prozesse (z. B. biologischer Abbau, chemische Umsetzung, physikali-
sche Effekte) sind bei der Bestimmung der zukünftigen Ausbreitung der Schadstoffe zu be-
rücksichtigen /14/. Wichtig ist auch die Beachtung des Mischverhaltens der Schadstoffe mit
Wasser. Zu unterscheiden sind spezifische Schadstoffeigenschaften (vorwiegend auf-
schwimmende oder absinkende sowie leicht lösliche Substanzen, Abbildung 16).

7. Detailuntersuchung
35
Bei der Betrachtung der Verhältnismäßigkeit von Untersuchungs- und der Sanierungsmaß-
nahmen bezüglich des Grundwassers sind besonders folgende Kriterien zu berücksichtigen:
Höhe der Schadstoffkonzentrationen im Gewässer
Räumliche Ausdehnung sowie deren zeitlicher Verlauf
Schadstofffrachten
Die vorhandene bzw. künftige Nutzung des Grundwassers für den relevanten Abstrombe-
reich ist in die Betrachtungen einzubeziehen. Anhand solcher Kriterien kann dann ein
Grundwasserschaden vorläufig auch als tolerierbar eingeschätzt werden.
Wird nach dieser Bewertung ein nicht tolerabler Schaden im Grundwasser festgestellt, ist
dieser zu sanieren.
Filterbereich (bei
spezifisch
schweren
Inhaltstoffen)
Grundwasser
Ort der Beurteilung
Fließrichtung
Schadstoff-
fahne
Schadherd
Sickerwasser /
GW-Neubildung
Niederschlag
Konzentration der Gehalte
an spezifisch leichten
Inhaltsstoffen
Konzentration der Gehalte
an spezifisch schweren
Inhaltsstoffen
Filterbereich
(bei spezifisch
leichten
Inhaltstoffen)
Schadstoff-
fahne
GW-Mess-/
Prüfstelle
Schadherd
Abbildung 16
Ausbau von GW-Prüfstellen in Abhängigkeit vom Schadstoffinventar
Klassifizierung des Handlungsbedarfs
Zur Ableitung des weiteren Handlungsbedarfes kann folgende Übersicht als Orientierung
dienen:
Bei festgestelltem Sanierungsbedarf ist eine SU vorzunehmen. Die Durchführung
von Sofortmaßnahmen ist zu prüfen. Kriterien dafür sind eine bestehende oder un-
mittelbare Gefahr für die menschliche Gesundheit (z. B. Trinkwasserversorgung)
oder eine drohende gravierende Verschlechterung der Situation (z. B. massiver
Schadstoffeintrag) (E).
Kann mit dem aktuellen Kenntnisstand keine endgültige Entscheidung getroffen
werden, ob eine Altlast bzw. ein nicht tolerabler Grundwasserschaden vorliegt und

 
7. Detailuntersuchung
36
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zielführend (verhältnismäßig) sind, ist die Fläche
zu überwachen (C).
Wird bei nutzungsabhängiger
Bewertung festgestellt, dass keine Gefahren vorlie-
gen, besteht demzufolge keine Altlast. Die Fläche scheidet zwar aus der weiteren
Bearbeitung aus, kann jedoch nicht aus dem Kataster gelöscht werden, da bei Nut-
zungsänderung die Gefahrenlage erneut zu prüfen ist (B).
Wird bei nutzungsunabhängiger
Bewertung bzw. Bewertung der sensibelsten Nut-
zung festgestellt, dass keine Gefahren vorliegen, besteht kein Altlastenverdacht.
Die Fläche scheidet aus der weiteren Bearbeitung aus und wird archiviert (A).
7.5 Behördliche Entscheidung
Auf der Grundlage der Ergebnisse der DU ist das Vorliegen einer Altlast festzustellen oder
zu widerlegen.
Sind Gefahren abzuwehren oder Schäden zu beseitigen, ist zur Vorbereitung der Durchfüh-
rung von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr regelmäßig eine SU zu veranlassen. Dafür sind
vorläufige Sanierungsziele festzulegen, welche aus der abschließenden Gefährdungsab-
schätzung herzuleiten sind.
Die Ergebnisse der DU sind unter Beachtung der Gegebenheiten des Einzelfalls zu bewer-
ten. Bei der Feststellung des weiteren Handlungsbedarfs hat die Behörde einen Ermessens-
spielraum. Dieser ergibt sich z. B. aus der Bewertung des Zeitraums für das Eintreten von
Gefahren oder den Kriterien für die Tolerierung eingetretener Grundwasserschäden.
8. Sanierungsuntersuchung (SU)
8.1 Ziele der SU
Ziel der Sanierungsuntersuchung ist die Einzelfall bezogene Ermittlung der technisch und
wirtschaftlich geeigneten, rechtlich zulässigen und verhältnismäßigen Sanierungsvariante für
die dauerhafte Abwehr von Gefahren, erheblichen Nachteilen oder Belästigungen für den
Einzelnen oder die Allgemeinheit unter Berücksichtigung der planungsrechtlich zulässigen
Nutzung des Standortes. Ergebnis soll ein Sanierungskonzept sein, dass die Sanierungszie-
le festlegt, die Beiträge der Beteiligten und Betroffenen berücksichtigt und die vollständige
Umsetzung der Sanierungsarbeiten einschließlich der Überwachung beinhaltet. Das ausge-
arbeitete Sanierungskonzept ist die Grundlage für die Erstellung des Sanierungsplanes. Die
SU obliegt grundsätzlich dem nach BBodSchG Verpflichteten.
8.2 Gesetzliche Regelungen
Definition der SU (§ 13 Abs. 1 BBodSchG)
Grundsätze für die Sanierung von durch Altlasten und von Altlasten verursachte Ge-
wässerkontaminationen, zulässige Maßnahmen (§ 4 Abs. 3 BBodSchG)

 
8. Sanierungsuntersuchung
37
Nutzungsbezug und Anforderungen an die Sanierung von Gewässern (§ 4 Abs. 4
BBodSchG)
Dekontaminationen für nach dem 1. März 1999 entstandene Altlasten (§ 4 Abs. 5
BBodSchG)
Verhältnismäßigkeit von Sanierungsmaßnahmen an Gewässern (§ 4 Abs. 7
BBodSchV)
Anforderungen an die Sanierung und die Eignung von Maßnahmen
-
Dekontaminationsmaßnahmen (§ 5 Abs. 1 BBodSchV)
-
Sicherungsmaßnahmen (§ 5 Abs. 3, 4 BBodSchV)
-
Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen (§ 5 Abs. 5 BBodSchV)
-
Umlagerung etc. von Boden-Material (§ 13 Abs. 5 BBodSchG)
Maßgaben für die Prüfung einer SU (§ 6 Abs. 1 BBodSchV)
Prüfkriterien und -umfang der SU (Anhang 3 Nr. 1 BBodSchV)
8.3 Fachliche Vorgaben und Ablauf
Die SU ist grundsätzlich keine technische Untersuchung. Es findet ein Abwägungsprozess
zur Auswahl der erforderlichen, geeigneten und angemessenen Methode zur Erreichung des
Sanierungszieles statt. Demzufolge sind nicht nur die Verfahren (Kernleistungen) zur Sanie-
rung zu betrachten, sondern zusätzlich auch alle Maßnahmen zur Vor- und Nachbereitung
sowie zur Begleitung und Nachsorge (Sanierungsszenarien).
Ausgangsbasis der SU sind vorläufige Sanierungsziele. Erst mit Abschluss der Verhältnis-
mäßigkeitsbetrachtung der Sanierung können auf der Basis einer behördlicherseits erfolgten
Bestätigung des favorisierten Sanierungsszenarios endgültige Sanierungsziele festgelegt
werden, welche mit technischen Maßnahmen erreichbar sind. Die im Ergebnis der DU defi-
nierten vorläufigen Sanierungszielwerte (Abbildung
15
), wie z. B.:
maximal zulässige Schadstoff(-rest-)konzentration
maximal zulässige Schadstofffracht (Menge) oder
Reduzierung der Schadstoffmenge um einen bestimmten Prozentsatz (z. B. um 90%)
bzw. Kombinationen dieser Kriterien, sind der Maßstab für die Auswahl und den Vergleich
von Sanierungsszenarien.
Der grundsätzliche Ablauf der SU ist in Abbildung 17 dargestellt. Bezüglich der Details wird
auf das Handbuch Teil 8 verwiesen /15/.

8. Sanierungsuntersuchung
38
Projektvorbereitung und Grundlagenermittlung
Vorauswahl
Erarbeitung von Sanierungsszenarien
Änderung der
Sanierungsziele
ggf. Überwachung
behördlicher
Sanierungsentscheid
fachliche Bewertung der Sanierungsszenarien
Kostenschätzung
Nutzen - Kosten -Betrachtung
Sanierungsuntersuchung
Sanierung
verhältnis-
mäßig ?
Sanierung
ja
nein
Abbildung 17
Grundsätzlicher Ablauf der Sanierungsuntersuchung
Hauptauswahlkriterien beim Vergleich von Sanierungsszenarien sind die Art, Ausbreitung
und Menge der Schadstoffe. In die Betrachtung sind auch Veränderungen des Bodens nach
der Sanierung, das Verbleiben von Restkontaminationen und rechtliche, organisatorische
und finanzielle Gegebenheiten, welche für die Durchführung der Maßnahmen von Bedeu-
tung sind, einzubeziehen.
Für die Vorauswahl sind als Sanierungsmaßnahmen zu unterscheiden (Abbildung 18) De-
kontaminationsverfahren und
Sicherungsverfahren.
Ist deren Anwendung nicht möglich, unzumutbar oder unverhältnismäßig, sind
Schutz- (z. B. Zaunbau) oder
Beschränkungsmaßnahmen (z. B. Abschalten einer Trinkwasserbrunnens)
zu ergreifen. Sie dienen zur Gefahrenabwehr, sind aber keine Sanierungsmaßnahmen, d. h.
die Altlast bleibt erhalten.

8. Sanierungsuntersuchung
39
Sanierungsmaßnahmen
Grundsätzliche Zuordnung der Maßnahmen zur Gefahrenabwehr
Schadstoffherd
Pfad
Schutzgüter
Einwirkungen auf ...
Dekontaminationsmaßnahmen
Sicherungsmaßnahmen
Schutz- und Beschränkungsmaßnahmen
Beseitigung des Schadstoffherdes
Verhinderung der Ausbreitung der Schadstoffe
Einschränkung der Nutzung von Schutzgütern
Abbildung 18
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr
Dekontaminationsverfahren beseitigen den Schadstoff (wirken also auf den Schadstoffherd
direkt) durch Auskofferung (ex situ) oder Behandlung im Boden (in situ). Man unterscheidet
thermische, physikalische, biologische, pneumatische oder chemische Verfahren.
Sicherungsverfahren verhindern die Ausbreitungen (Emissionen und Transmissionen) der
gasförmigen, flüssigen oder festen Schadstoffe bzw. den direkten Kontakt des Menschen mit
der Altlast. Im Gegensatz zur Dekontamination verbleiben aber die Schadstoffe (gesichert)
am Standort. Beispiele sind
Abdichtungen der Oberfläche (zur Verhinderung der Gasausbreitung, des direkten
Kontaktes mit dem Menschen bzw. zur Unterbindung des Zutritts von Wasser)
Immobilisierungsverfahren (Beimischung von Bindestoffen zur Fixierung der Schad-
stoffe)
das Anlegen von Sperrbrunnen im Grundwasser sowie
den Bau von vertikalen Abdichtungssystemen (z. B. Schlitzwände).
Sicherungen sind zwar kurzfristig oft kostengünstiger als Dekontaminationen. Es verbleibt
jedoch ein Restrisiko, welches zu überwachen ist. Lässt die Sicherungswirkung nach, ist
diese im Rahmen der Nachsorge wiederherzustellen. Die langfristigen Maßnahmen und Kos-
ten sind zwingend bei der Erarbeitung der Sanierungsszenarien zu berücksichtigen.

 
8. Sanierungsuntersuchung
40
Aus den möglichen Sanierungsszenarien sind diejenigen auszuwählen, welche für den
Standort einsetzbar sind. Nicht verwendbare Verfahren sind aus der weiteren Betrachtung
auszuschließen.
Bei der Erarbeitung möglicher Sanierungsszenarien muss die Komplexität der Maßnahmen
zur Gefahrenabwehr dargestellt werden. So kann z. B. die Sanierung einer Deponie aus ei-
ner Oberflächenabdeckung, einer Gasfassung sowie einer Sickerwasserfassung inklusive
diverser Behandlungsanlagen bestehen. Deshalb sind oftmals auch Szenarien für verschie-
dene Sanierungszonen zu entwickeln.
Die fachliche Bewertung der Sanierungsszenarien ist getrennt von den Kosten vorzuneh-
men. In die fachliche Bewertung sind zwingend solche Effekte einzubeziehen, welche die
unmittelbar zu sanierende Fläche, relevante Wirkungspfade und Schutzgüter betreffen.
Für die unterschiedlichen Sanierungsszenarien sind Kostenschätzungen vorzunehmen. Da-
bei sind die Sanierungsszenarien in Einzelmaßnahmen zu trennen, um eine Vergleich- und
Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten, wie z. B.:
Kernleistungen (z. B. Aufbringen einer Oberflächenabdeckung)
Vorleistungen (z. B. Planungsleistungen)
Bau- und Verfahrensbegleitende Leistungen (z. B. Zäune, Baustelleneinrichtungen)
Folgeleistungen (z. B. Überwachungen und Nachsorge) .
Die Kosten für die Kernleistungen sind dabei durch die Verknüpfung von spezifischen Kosten
mit Ansätzen zu berechnen, beispielsweise Menge (z. B. Anzahl Brunnen), Kubatur
(z. B. zu sanierender Boden), Fläche (z. B. der Oberflächenabdeckung), Zeitdauer (der Sa-
nierungsmaßnahme) oder Arbeitseinsatz (Personal- und Gerätekosten). Zur Bestimmung der
spezifischen Kosten wird die Verwendung entsprechender Übersichten empfohlen, z. B.
MALBO 5 des Landes Nordrhein-Westfalen /16/.
In der Nutzen-Kosten-Betrachtung werden abschließend die Ergebnisse der fachlichen Be-
wertung der Sanierungsszenarien und Kostenschätzung gegenübergestellt. Darauf aufbau-
end wird das Szenario ausgewählt, was bei optimiertem Kosteneinsatz die bestmöglichste
Erfüllung der Ziele der Sanierung erwarten lässt. Wird festgestellt, dass eine Sanierung un-
verhältnismäßig ist, sind die Sanierungsziele zu korrigieren. In diesem Fall muss nicht die
gesamte SU wiederholt werden, sondern es sind nur entsprechende Anpassungen vorzu-
nehmen.
8.4 Sanierungsentscheid
Fachliche Grundlagen der Bewertung der SU
Die fachliche Bewertung erfolgt an Hand der Kriterien nach Anhang 3 Nr. 1 BBodSchV.
Zur Kategorisierung der einzelnen Parameter sowie bezüglich des Vorgehens bei der Nut-
zen-Kosten-Betrachtung enthält das Handbuch Teil 8 (Sanierungsuntersuchung) /15/ ent-
sprechende Erläuterungen.

 
8. Sanierungsuntersuchung
41
Klassifizierung des Handlungsbedarfs
Im Regelfall wird sich nach der SU die Durchführung einer Sanierung anschließen (E). Nur
wenn eine Sanierung gegenwärtig technisch nicht durchführbar oder unverhältnismäßig ist,
ist eine Überwachung (C) zwingend erforderlich.
8.5 Behördliche Entscheidung
Die zuständige Behörde prüft das vorgeschlagene Sanierungsszenario als Grundlage für die
anschließende Planung der Sanierung. Eingeschlossen ist vor allem die Prüfung der Ver-
hältnismäßigkeit von Maßnahmen.
Bei Unverhältnismäßigkeit oder technischer Undurchführbarkeit der Sanierungsmaßnahmen
ist die Altlast zunächst zu überwachen.
Bei Verhältnismäßigkeit ist das optimale Sanierungsszenario zu bestätigen. Die Erstellung
eines Sanierungsplans oder die Sanierung ist anzuordnen.
Sanierungszielwerte sind stets so festzulegen, dass sie nachprüfbar (=messbar) sind. Dies
kann z. B. einerseits in den zu sanierenden Umweltmedien selbst geschehen (z. B. durch die
Errichtung von Messstellen), bzw. auch in den entsprechenden, die Sanierung betreffenden
Stoffströmen (z. B. als Anlagenüberwachungsparameter)
9. Sanierung (SAN)
9.1 Ziele der Sanierung
Die Ziele der Sanierung bestehen
in der Beseitigung oder Verminderung von den Schadstoffen ausgehenden Gefah-
ren, und / oder
in der langfristigen Verhinderung oder Verminderung der weiteren Ausbreitung von
Schadstoffen.
Die Sanierung dient damit der Beseitigung bestehender Gefahren bzw. nicht tolerierbarer
Schäden.
9.2 Gesetzliche Regelungen
Definition des Sanierungsplans (§ 13 Abs. 1 BBodSchG)
Ausnahme vom Anlagengebot für die Beseitigung von Abfällen nach § 27 KrW-
/AbfG (§ 13 Abs. 5 BBodSchG)
Behördliche Sanierungsplanung (§ 14 BBodSchG)
Umlagerung etc. von Material gemäß § 13 Abs. 5 BBodSchG, Anforderungen (§ 5
Abs. 6 BBodSchV)
Maßgaben für die Erstellung des Sanierungsplans (§ 6 Abs. 2 BBodSchV)

 
9. Sanierung
42
Inhalt des Sanierungsplans (Anhang 3 Nr. 2 BBodSchV)
1.
Darstellung der Ausgangslage
2.
Darstellung der Maßnahmen, Eignungsnachweis
3.
Eigenkontrollmaßnahmen zu Ausführung und Wirksamkeit
4.
Eigenkontrollmaßnahmen der Nachsorge / Überwachung
5.
Zeit- und Kostenplan.
Die Behörde hat bei ihrem Handeln die Wahl zwischen:
der Verbindlichkeitserklärung des Sanierungsplans nach § 13 Abs. 6 BBodSchG,
was die Vorlage desselben voraussetzt, oder
einer Sanierungsanordnung gemäß § 10 Abs. 1 BBodSchG.
Grundsätzlich sind zwei Arten des behördlichen Verwaltungshandelns möglich/19/:
Erlass eines Verwaltungsaktes oder
Abschluss eines öffentlich-rechtlichen Vertrages (Sanierungsvertrag nach § 13 Abs.
4 BBodSchG, insbesondere wenn die Kriterien für die Notwendigkeit der SU nach §
13 Abs. 1 BBodSchG nicht erfüllt sind).
Bestätigte Sanierungspläne entfalten hinsichtlich anderer behördlicher Entscheidungen (z. B.
nach Immissionsschutzrecht) eine Konzentrationswirkung.
9.3 Fachliche Vorgaben und Ablauf
Die Sanierung umfasst die Planung, Ausschreibung, Vergabe, Durchführung und Kontrolle
von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bzw. die Beseitigung von Schäden (Abbildung 19).
Bezüglich der Teilschritte der Sanierung wird auf das Handbuch Teil 9 verwiesen /19/.
Die Sanierungsplanung umfasst in Anlehnung an den § 55 HOAI drei Teilschritte
Entwurfsplanung
Genehmigungsplanung
Ausführungsplanung.

9. Sanierung
43
Projektvorbereitung
Sanierungsplanung, ggf. Erstellung eines Sanierungsplanes
Vorbereitung der Sanierung (Leistungsvergabe)
Sanierungsausführung
Abschluss der Sanierung (Erfolgskontrolle)
Behördliche Anordnung zur Sanierung gemäß § 10 (1) bzw.
Bestätigung des Sanierungsplanes gemäß § 13 (6) BBodSchG
Sanierung
dauerhafte
und vollständige
Gefahren- und Scha-
densbeseitigung?
Keine altlastverdächtige Fläche
Sanierte Altlast
mit Nachsorge
ja
nein
Abbildung 19
Grundsätzlicher Ablauf der Sanierung
Die Entwurfsplanung ist der erste Planungsschritt und untersetzt planerisch das behördlich
bestätigte Sanierungsszenario. Die Genehmigungsplanung endet mit einem durch die Be-
hörden zu genehmigenden Plan, welcher die Erfüllung der Sanierungsziele bei Berücksichti-
gung der gesetzlichen Bestimmungen der Bereiche Boden- und Naturschutz, Abfall, Immis-
sionsschutz, Wasser, Luftreinhaltung u. A. nachweist. Mit der sich anschließenden Ausfüh-
rungsplanung werden die Ergebnisse der Entwurfs- und Genehmigungsplanung durch stu-
fenweise Erarbeitung und Darstellung der Lösung bis zur ausführungsreifen Lösung präzi-
siert.
Die Anforderungen an einen Sanierungsplan im Einzelnen regelt Anhang 3 Nr. 2 BBodSchV.
Ein vorzulegender Sanierungsplan nach BBodSchG muss mindestens die Anforderungen
einer Genehmigungsplanung erfüllen. Auf der Grundlage des Sanierungsplanes kann die
zuständige Behörde die Sanierung anordnen oder den vorgelegten Sanierungsplan für ver-
bindlich erklären. Detaillierte Ausführungen zum Sanierungsplan nach BBodSchG sind in
/18/ enthalten.
Bei der Vergabe der Leistungen sind, soweit es sich um öffentliche Mittel (bzw. anteilig den
größten Teil davon) handelt, die entsprechenden Gesetze bzw. Vergabevorschriften des
Bundes und des Landes zu beachten. Näheres dazu wird in /21/ ausführlich dargestellt. Die
eigentliche Durchführung der Sanierung beinhaltet die Umsetzung von Maßnahmen vor Ort
zur Dekontamination bzw. Sicherung. Auch Kombinationen von Dekontaminations- und Si-

 
9. Sanierung
44
cherungsmaßnahmen sowie Kombinationen aus Sicherungsmaßnahmen mit Schutz- und
Beschränkungsmaßnahmen können im Einzelfall zur Sanierung geeignet und zulässig sein.
Zum Abschluss der Sanierung ist der Nachweis des Sanierungserfolges erforderlich.
9.4 Klassifizierung des Handlungsbedarfs nach der Sanie-
rung
Bei vollständiger Beseitigung der Kontaminationen im Boden bzw. Grundwasser (nur bei
Dekontaminationen möglich) besteht kein weiterer Handlungsbedarf (A).
In allen übrigen Fällen verbleiben die Flächen als “sanierte Altlasten” im Kataster (B). Sind
darüber hinaus (Rest-)Kontaminationen vorhanden (insbesondere bei Sicherungen) ist ggf.
eine Überwachung (C) notwendig. Ergibt diese ein Nachlassen der Sanierungswirkung, sind
entsprechende Maßnahmen zur nachträglichen Wiederherstellung der Sanierungswirkung zu
ergreifen (Nachsorge).
9.5 Behördliche Entscheidung
Im Rahmen des Sanierungsprozesses werden mindestens 2 behördliche Entscheidungen
getroffen.
Nach Vorlage eines Genehmigungsplans bzw. eines Sanierungsplans nach BBodSchG, also
noch vor dem unmittelbaren Sanierungsbeginn, ist dieser zu prüfen und wird angeordnet
bzw. für verbindlich erklärt.
Nach der Sanierung bestätigt die Behörde den Sanierungserfolg und damit die Erfüllung ih-
rer Anordnung bzw. der Verbindlichkeitserklärung.
Bei gesicherten Altlasten ist in der anschließenden Nachsorgephase (s. Kap. 9.6) eine Ü-
berwachung der Dauerhaftigkeit des Sanierungserfolges vorzunehmen und gegebenenfalls
die Sanierungswirkung wiederherzustellen. Dieser Prozess unterliegt der Eigenkontrolle der
Verpflichteten, der die Ergebnisse der Behörde auf Verlangen mitzuteilen hat (§ 15 Abs. 2
und 3 BBodSchG).
9.6 Nachsorge
Nachfolgend werden unter dem Nachsorgebegriff Maßnahmen bzw. Aufwendungen zur
Wiederherstellung der Sanierungswirkung verstanden. Die Überwachung bei Sicherungs-
maßnahmen ist Teil der Nachsorge und ist im nachfolgenden Kapitel zusammen mit der
sonstigen Überwachung beschrieben.
Wird bei der Kontrolle des Sanierungserfolges, z. B.:
die örtliche und zeitliche Entwicklung der Schadstoffverteilung
der Zustand von Bauwerken zur Sicherung

 
9. Sanierung
45
die Überwachung relevanter Parameter (z. B. Grundwasserströmung und -stand,
Sickerwasseraustritte)
ein Nachlassen der Wirkung bzw. der Einhaltung der (dauerhaft zu gewährleistenden) Sanie-
rungsziele festgestellt, sind Nachbesserungen vorzunehmen, z. B.:
Reparatur bzw. Instandsetzung von Bauwerken und Einrichtungen (z. B. Dichtun-
gen, Gas- und Wasserfassungen)
zusätzliche Maßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Nichteintreten der Dauerhaftigkeit
des beabsichtigten Sanierungserfolges. Art und Umfang nachsorgender Maßnah-
men sind objektkonkret im Sanierungsplan zu benennen und bei Bedarf am Ende
der Sanierung zu konkretisieren.
10. Überwachung
10.1 Ziele der Überwachung
Gemäß § 15 Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) unterliegen Altlasten und
altlastverdächtige Flächen, soweit erforderlich, der Überwachung durch die zuständige
Behörde. Die Überwachung von altlastverdächtigen Flächen und Altlasten beinhaltet die
Beobachtung und Dokumentation von gefahrenrelevanten Sachverhalten für Mensch und
Umwelt mit dem Ziel relevante Veränderungen bzw. eine Gefahr rechtzeitig zu erkennen. Am
Ende ist eine Entscheidung zum weiteren Vorgehen zu treffen. Im Rahmen der stufenweisen
Bearbeitung nach Sächsischer Altlastenmethodik kann eine Überwachung während bzw.
nach folgenden Bearbeitungsstufen notwendig werden (Abbildung 20):
1.
Orientierende Untersuchung (nur in Ausnahmefällen) und Detailuntersuchung
Ein Gefahrenverdacht konnte in der OU bzw. ein Gefahrentatbestand in der
DU weder bestätigt noch ausgeräumt werden.
Modellierungsergebnisse aus der DU sollen in der Praxis verifiziert werden.
2. Sanierungsuntersuchung
Nach Abschluss der SU wird eine Ausführung der Sanierung aus rechtlichen, techni-
schen oder finanziellen Gründen als unverhältnismäßig eingeschätzt.
3. Sanierung
sanierungsbegleitende Kontrolle
Im Rahmen der Nachsorge muss die Wirksamkeit von Sicherungsmaß-
nahmen auf ihre Dauerhaftigkeit überprüft werden (§ 5 Abs. 3 BBodSchV).
(siehe Kapitel 9).
4.
Weiterhin können Überwachungsmaßnahmen erforderlich sein, wenn trotz festge-
stelltem Handlungsbedarf erforderliche Maßnahmen auf Grund der finanziellen
Situation, wegen geringer Priorität oder anderer Gründe zeitlich verschoben
werden.

 
10. Überwachung
46
Keine Altlast oder altlastverdächtige Fläche
Altlastverdächtige Fläche
Orientierende Untersuchung
Detailuntersuchung
Sanierungsuntersuchung
Erfassung
(Erhebung und historische Erkundung)
Sanierung
Anhalts-
punkte?
hinreichender
Gefahrenverdacht?
Sanierungsbedarf?
Altlast
Sanierungsverhältnis
mäßig?
ja
ja
ja
nein
ja
nein
nein
nein
Über
-
wachung
Über-
wachung
fraglich
Gesicherte Altlast
Überwachung
Latente Gefahrenzustände
Signalgebung bei
konkreten Gefahren
konkrete Gefahrenzustände
Signalgebung bei
Verschlechterung
Kontrolle
Sanierungserfolg
Signalgebung bei
konkreten Gefahren
Sanierungs-
begleitende Kontrolle
Abbildung 20
Aufgaben der Überwachung
10.2 Gesetzliche Regelungen
Wiederkehrende Untersuchung (§ 3 Abs. 7 BBodSchV)
Behördliche Überwachung und Eigenkontrolle (§ 15 BBodSchG)
Anforderungen an Probennahme und Analytik (Anhang 1 BBodSchV)
bei sanierten Altlasten:
Inhalt des Sanierungsplanes (Anhang 3 Nr. 2 BBodSchV)
-
Eigenkontrollmaßnahmen zu Ausführung und Wirksamkeit
-
Eigenkontrollmaßnahmen der Nachsorge bzw. Überwachung
Duldungs-, Mitteilungs-, Auskunfts- und Vorlagepflichten § 10 SächsABG
10.3 Fachliche Vorgaben und Ablauf der Überwachung
Die Überwachung umfasst die Beobachtung vorhandener Schadstoffkonzentrationen und
deren räumliche bzw. zeitliche Ausbreitung bzw. bei sanierten Altlasten auch die Kontrolle
der vorhandenen technischen Anlagen und Einrichtungen.
Beispielhaft ist der Ablauf der Überwachung zur Feststellung bzw. zum Ausschuss des Ge-
fahrentatbestandes in der DU in Abbildung 21 dargestellt. Der Umfang der Überwachung ist
in einem Überwachungsprogramm festzulegen. Der Inhalt des Überwachungsprogramms
wird durch die Ergebnisse der vorangegangenen Bearbeitungsstufe bestimmt.

10. Überwachung
47
Festlegung des Überwachungsprogramms
- Untersuchungsmedien, Messstellen
- Parameterumfang
- Kontrollwerte
- Probenahmeverfahren
- Analyseverfahren, Messverfahren
- Kontrollzeitraum
- Kontrollintervall
Durchführung des Kontrollprogramms
Überwachung nach DU
Keine altlastverdächtige Fläche
ja
Überschreitung von
Kontrollwerten oder
Ende ?
nein
Sanierungsbedarf ?
Auswertung der Ergebnisse mit Bewertung
fraglich
nein
ja
Sanierungs-
untersuchung
Abbildung 21
Ablauf der Überwachung zur Entscheidung über den Gefahrentatbe-
stand in der DU
Wird bei einer Altlast eine Verschärfung der Gefahrensituation bzw. eine Ausbreitung eines
eingetretenen Gewässerschadens festgestellt, ist erneut über Maßnahmen zur Gefahrenab-
wehr zu befinden. Gleiches gilt, wenn bei gesicherten Altlasten die Sicherungswirkung nach-
lässt. Ggf. muss aufgrund der Erkenntnisse aus der Überwachung gesicherter Altlasten so-
gar die nachträgliche Wiederherstellung der Sicherungswirkung gefordert werden. Dies er-
gibt sich aus der Forderung der dauerhaften Überwachung der Sicherungswirkung nach § 5
Abs. 3 BBodSchV.
Maßnahmen zur Ausnutzung bzw. Unterstützung des natürlichen Selbstreinigungsvermö-
gens (natural attenuation) bedürfen stets einer Überwachung, um die im Untergrund ablau-
fenden biologischen, chemischen bzw. physikalischen Prozesse beurteilen zu können.

 
10. Überwachung
48
10.4 Bewertung der Ergebnisse der Überwachung
Fachliche Grundlagen der Bewertung
Abhängig von der Veranlassung der Überwachungsmaßnahme und der Bearbeitungsstufe
sind die Ergebnisse der durchgeführten Überwachungszyklen an Hand der festgelegten Kon-
trollparametern auszuwerten. Wurde im Ergebnis von Überwachungsmaßnahmen eine ge-
änderte Sachlage festgestellt, hat eine erneute Bewertung der AVFL, Altlast oder gegebe-
nenfalls der sanierte Altlast zu erfolgen. Zusätzlich zu berücksichtigen sind folgende Aspek-
te:
Überwachung von Bauwerken und Einrichtungen bei sanierten Altlasten
Konzentrationen, Frachten und Mobilitätszustände vorhandener (Rest-) Kontamina-
tionen und
Änderungen der Flächennutzung.
10.5 Behördliche Entscheidung
Die zu treffenden Entscheidungen entsprechen den Entscheidungen der erreichten Bearbei-
tungsstufen (OU - s. Kap. 7.5, DU - s. Kap. 8.5, SU - s. Kap. 9.5, SAN – s. Kap. 10.5) und
den zu überwachenden Sachverhalten.
11. Ausnahmen vom Regelverfahren
Das Regelverfahren (stufenweise Untersuchung, Bewertung und Sanierung) soll die Verhält-
nismäßigkeit der erforderlichen Maßnahmen gewährleisten. Im Normalfall ist dieses Verfah-
ren praktikabel, da zu Beginn der Altlastenbehandlung folgende Situation vorliegt:
Es besteht nur ein geringer Kenntnisstand über das Vorliegen, die Verteilung und
Ausbreitung von Schadstoffen sowie über Schäden an Schutzgütern, so dass eine
abschließende, sachgerechte und bestandsfeste Entscheidung zum Handlungsbe-
darf nicht möglich ist.
Die Schadstoffausbreitung erfolgt bereits über längere Zeiträume (oft Jahre bzw.
Jahrzehnte). Dementsprechend sind übereilte Reaktionen hinsichtlich der Abwehr
von Gefahren und der Beseitigung von Schäden nicht erforderlich.
Treffen diese Voraussetzungen nicht zu oder liegen andere zwingende Gründe vor, hat die
Behörde ihr Handeln an diese Situation anzupassen. Folgende Ausnahmen bestehen:
Wegfall einzelner Bearbeitungsstufen
Zusammenfassung mehrerer Stufen
Gefahrenabwehr mit einfachen Mitteln
Anordnung von Sofortmaßnahmen.
Zeitbezogene Abweichungen vom Regelverfahren sind insbesondere zulässig bei:

12. Grundsätze der Finanzierung
49
Gefahr im Verzug: ohne sofortiges Eingreifen wird der drohende, nicht unerhebliche
Schaden eintreten bzw. wird der Erfolg von Maßnahmen ohne sofortiges Eingreifen
beeinträchtigt oder verhindert
Einfachen und überschaubaren Sachlagen: eine abschließende, sachgerechte, be-
standsfeste Entscheidung zur Gefahrenlage ist sofort möglich
Fachbezogene Abweichungen vom Regelverfahren sind insbesondere möglich bei:
Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr bei Gefahr im Verzug. Sie ersetzen grund-
sätzlich nicht die anschließende weitere Bearbeitung nach dem Regelverfahren, ih-
re Auswirkungen sind jedoch im weiteren Verlauf zu berücksichtigen.
Gefahrenabwehr mit einfachen Mitteln auf einer frühen Bearbeitungsstufe wenn ein
hinreichender Überblick über die Gefahrenlage besteht und einfache, nahe liegen-
de Abwehrmaßnahmen jegliche weitere Gefährdung durch Schadstoffe verhindern.
Die weitere Regelbehandlung wird dann abgebrochen.
Zusammenfassen von Stufen des Regelverfahrens verkürzt den Verfahrensweg,
um bei besonderer zeitlicher Dringlichkeit im Einvernehmen mit dem Pflichtigen
Zeitgewinn zu erzielen. Inhalte und Entscheidungsmöglichkeiten zwischen den Stu-
fen dürfen dabei nicht eingeschränkt werden.
Wegfall einzelner Stufen des Regelverfahrens unter der Voraussetzung, dass der
Kenntnisstand der im Regelverfahren folgenden Stufe bereits erreicht ist. Dieser
Kenntnisstand ist als Entscheidungsgrundlage zu dokumentieren.
Die orientierende Untersuchung kann entsprechend § 9 Abs. 2 BBodSchG wegfallen, wenn
bereits nach der Erfassung konkrete Anhaltspunkte vorliegen, welche die Durchführung einer
DU rechtfertigen.
Der Wegfall der Detailuntersuchung ist nach § 3 Abs. 5 BBodSchV möglich, "wenn die von
schädlichen Bodenveränderungen oder Altlasten ausgehenden Gefahren, erheblichen
Nachteile oder erheblichen Belästigungen nach Feststellung der zuständigen Behörde mit
einfachen Mitteln abgewehrt oder sonst beseitigt werden können". Dies setzt also die zwei-
felsfreie Feststellung des Sanierungsbedarfes voraus.

12. Grundsätze der Finanzierung
50
Keine Altlast oder AVFL
nutzungsabhängig
Keine Altlast oder AVFL
nutzungsunabhängig
Altlastverdächtige Fläche (AVFL)
Orientierende Untersuchung
Detailuntersuchung
Sanierungsuntersuchung
Erfassung
(Erhebung und historische Erkundung)
Sanierung
Anhalts-
punkte?
hinreichen -
der Gefahren -
verdacht?
Sanierungs -
bedarf ?
Altlast
Sanierung
verhältnis-
mäßig ?
ja
ja
ja
nein
ja
nein
nein
nein
Über-
wachung
Über-
wachung
Über-
wachung
fraglich
fraglich
Sanierte Altlast
mit Nachsorge
Altlastenbehandlung nach Bundesbodenschutzrecht
- Mögliche Abweichungen vom Regelablauf-
OU not -
wendig?
nein
DU not -
wendig?
nein
SU not -
wendig?
nein
nutzungs-
unabhängige
Bewertung?
ja
nein
Klassifizierung Handlungsbedarf
:
Ausscheiden aus der weiteren Bearbeitung
Belassen im Kataster (Gefahr bei Nutzungsänderung)
Überwachung
A
B
C
B
A
C
Abbildung 22
Mögliche Abweichungen vom Regelablauf
Nach § 13 Abs. 1 BBodSchG und § 7 BBodSchV kann auf die Durchführung einer Sanie-
rungsuntersuchung verzichtet werden, wenn "Gefahren, erhebliche Nachteile oder erhebli-
che Belästigungen mit einfachen Mitteln abgewehrt oder sonst beseitigt werden können".
Analoges gilt für die Sanierungsplanung, wenn es keiner behördlichen Genehmigungen zur
Sanierung bedarf.
Es wird jedoch aus Gründen der Effektivität sowie des sparsamen Mitteleinsatzes empfoh-
len, die Inhalte der einzelnen Bearbeitungsstufen sinngemäß abzuarbeiten.

 
12. Grundsätze der Finanzierung
51
12. Grundsätze der Finanzierung
Entsprechend § 4 Abs. 2, 3 und 6 BBodSchG und § 12 Abs. 2 SächsABG bestehen folgende
grundsätzliche Verpflichtete bei der Finanzierung von Altlasten:
der Verursacher (Handlungsstörer), z. B. Betreiber einer Tankstelle
der Gesamtrechtsnachfolger des Verursachers einer Altlast,
der Eigentümer (Zustandsstörer), z. B. Grundstückseigentümer,
der Inhaber der tatsächlichen Gewalt, z. B. Pächter,
der Eigentümer, welcher sein Eigentum aufgibt bzw. aufgegeben hat (Verzicht),
der frühere Eigentümer eines Grundstücks, wenn er sein Eigentum nach dem 1.
März 1999 übertragen hat und die schädliche Bodenveränderung oder Altlast hier-
bei kannte oder kennen musste,
wer aus handelsrechtlichem oder gesellschaftsrechtlichem Rechtsgrund für eine ju-
ristische Person einzustehen hat, der ein Grundstück, das mit einer schädlichen
Bodenveränderung oder einer Altlast belastet ist, gehört.
Grundsätzlich haben die Verpflichteten die Kosten zur DU, SU und SAN und Überwachung
bzw. Nachsorge selbst zu tragen. Dies trifft jedoch nicht für die Feststellung des hinreichen-
den Verdachtes des Vorliegens einer Altlast zu, wo die Behörde eine Amtsermittlungspflicht
hat. Diese besteht regelmäßig bis zur Stufe der OU. Eine Ausnahme existiert bei nach Um-
weltrahmengesetz /22/ freigestellten Fällen, da auf Grund der Anzeige einer investitions-
hemmenden Altlast durch den Verpflichteten bereits der Verdacht des Vorliegens einer Alt-
last Grundlage für die Freistellung war.
Kann keiner dieser Pflichtigen belangt werden, muss die zuständige Ordnungsbehörde bei
Gefahr im Verzug in Ersatzvornahme gehen (§ 12 Abs. 3 SächsABG).
Eine finanzielle Unterstützung der Pflichtigen ist möglich durch:
Altlastenregelungen im Rahmen der Altlastenfreistellung /23/ bzw.
staatliche Zuschüsse für Kommunen und Private /24/.
Details regeln entsprechende Programme der Europäischen Union, des Bundes und des
Freistaates Sachsen.

 
13. Literaturverzeichnis
52
13. Literaturverzeichnis
/1/ Franzius, V.: Altlasten: Definitionen und Dimensionen. in: Gossow, V. (Hrsg): Altlastensanierung:
genehmigungsrechtliche, bautechnische und haftungsrechtliche Aspekte. Bauverlag, Wiesbaden;
Berlin 1992.
/2/ Der Rat der Sachverständigen für Umweltfragen: Sondergutachten Altlasten II. Metzler-Poeschel,
Stuttgart 1995.
/3/ Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Altlasten-Aktuell Nr. 7 / 2000.
/4/ Gesetz zum Schutz des Bodens (BBodSchG) vom 17. März 1998 (BGBl. I S. 502).
/5/ Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) vom 12. Juli 1999 (BGBl. I S. 1554).
/6/ Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: Handbuch zur Altlastenbehand-
lung Teil 2, Erhebung und Formale Erstbewertung, Dresden 1997.
/7/ Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: Handbuch zur Altlastenbehand-
lung Teil 4, Grundwasser, Dresden, 1995.
/8/ Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft: Handbuch zur Altlastenbehand-
lung Teil 3, Boden, Dresden 1995.
/9/ Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Handbuch zur Altlastenbehandlung Teil 5,
Oberflächenwasser, Dresden 2001.
/10/ Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Handbuch zur Altlastenbehandlung Handbuch
Teil 6, Luft, Dresden 2001.
/11/ Rahmenerlass Altlasten – Grundwasser, Bewertungen und Festsetzung vorläufiger Sanierungs-
zielwerte am Ende der Detailuntersuchung, Dresden 2000
/12/ Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Handbuch zur Altlastenbehandlung Handbuch
Teil 7, Detailuntersuchung, Dresden 2002.
/13/ ARGE Fresenius-focon: UMS-System zur Altlastenbeurteilung. F&E Vorhaben 109 01 215 des
BMU, Umweltbundesamt, Mai 1997.
/14/
http://www.epa.gov/swerust1/oswermna/index.htm.
/15/ Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Sächsisches Landesamt für Um-
welt und Geologie: Handbuch zur Altlastenbehandlung Teil 8, Sanierungsuntersuchung, Dresden
1999.
/16/ Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen: Leistungsbuch Altlastensanierung und Flächenentwick-
lung. Arbeitshilfe zur Kostenermittlung bei der Sanierungsuntersuchung und Sanierungsplanung
von Altlasten und der Ermittlung kontaminierter Brachflächen (MALBO 5), Essen, 1998.
/17/ BVerfG, Beschluss vom 16.02.2000 - 1 BvR 315/99
/18/ Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Altlasten-Aktuell Nr. 8 / 2000 „Der Sanie-
rungsplan nach BBodSchG“, Erlass des SMUL vom 16.02.2001
/19/ Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) i. d. F. vom 21. September 1998 (BGBl. I S. 3050).
/20/ Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Sächsisches Landesamt für Um-
welt und Geologie: Handbuch zur Altlastenbehandlung Handbuch Teil 9, Sanierung, Dresden
2000.
/21/ Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Materialien zur Altlastenbehandlung: Arbeits-
hilfe Vergabe, aktualisierte Ausgabe 2003

13. Literaturverzeichnis
53
/22/ Umweltrahmengesetz der DDR (UWG) vom 29. Juni 1990 (GBl. I, S. 42, S. 649) in der Fassung
des Art. 12 des Hemmnisbeseitigungsgesetzes vom 22. März 1991 /BGBl. I, 1991, S. 766).
/23/ Verwaltungsabkommen über die Regelung der Finanzierung der ökologischen Altlasten (VA Alt-
lastenfinanzierung) i. d. F. vom 1. Januar 1995 (BAnz S. 7905).
/24/ Richtlinie für die Förderung von Maßnahmen der Altlastenbehandlung im Freistaat Sachsen des
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft vom 25. Januar 2000
/25/ Sächsisches Landesamt für Umwelt und Geologie: Materialien zur Altlastenbehandlung in Sach-
sen 1/2002: Bewertungshilfen bei der Gefahrenverdachtsermittlung in der Altlastenbehandlung

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
Anlage 1
54
Inhalte der Gutachten in den einzelnen Bearbeitungsstufen
Stufe
Inhalte
Form
Erhebung
(FEB)
Aufnahme der altlastverdächtigen Fläche
Datenerfassung mit Formaler Erstbewertung
Erfassungs-
blatt
Historische
Erkundung
(HE)
Nennung der relevanten Wirkungspfade und Schutzgüter
Informationen zur möglichen Kontaminationssituation
Ergebnisse der Bewertung mit dem baden-württembergisch-
sächsischen Verfahren (R-Wert)
Gutachten zur
HE
Orientierende
Untersuchung
(OU)
Nennung der untersuchten Wirkungspfade und Schutzgüter
Untersuchungsergebnisse (orientierende Messwerte und
Prognosen)
Vergleiche mit Prüf-, Maßnahme- und Orientierungswerten
Darstellung der Kontaminationssituation
Belegung des hinreichenden Gefahrenverdachtes
Ergebnisse der Bewertung mit GEFA (R-Wert)
Gutachten zur
OU
Detailunter-
suchung
(DU)
Nennung der untersuchten Wirkungspfade und Schutzgüter
Untersuchungsergebnisse (repräsent. Messwerte, Prognose)
Belegung des Gefahrentatbestandes im Ergebnis der einzel-
fallbezogenen Expositionsabschätzung
endgültige räumliche Abgrenzung des Schadherdes
Ableitung vorläufiger Sanierungsziele
Gutachten zur
DU
Sanierungsun-
tersuchung
(SU)
Übersicht der betrachteten Sanierungsszenarien
Report der durchgeführten fachlichen und kostenseitigen
Bewertungen sowie Kosten-Nutzen-Betrachtungen
Darstellung des optimalen Sanierungsszenarios
Vorschlag für endgültige Sanierungszielwerte
Sanierungs-
konzeption
Sanierung
1. Sanierungs-
planung
(SANplanung)
Zusammenfassung der Gefährdungsabschätzung und der
Sanierungsuntersuchungen
Angaben über bisherige und künftige Nutzung
Darstellung Sanierungsziele mit hierzu erforderlichen Dekon-
taminations-, Sicherungs-, Schutz-, Beschränkungs- und Ei-
genkontrollmaßnahmen, zeitliche Durchführung, Antragsun-
terlagen für behördliche Genehmigungen
Sanierungs-
plan
bzw.
Genehmi-
gungsplan
2. Sanierungs-
durchführung
(SAN)
Bericht zur Sanierung
Nachweis des Erreichens der Sanierungsziele
Sanierungs-
bericht
Überwachung/
Nachsorge
(C)
Untersuchungsergebnisse, Entscheidung zum weiteren
Vorgehen
Einhaltung der Sanierungsziele
ggf. Darstellung der Maßnahmen zur nachträglichen Wieder-
herstellung der Sanierungswirkung
Überwa-
chungs-
bericht

Anlage 2
55
Klassifizierung des Handlungsbedarfs in den einzelnen Bearbeitungsstufen
Ergebnis / Bewertung
Handlungsbedarf
Kategorie
Erfassung
keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Altlast
A
(löschen)
keine Altlast/ AVFL
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Altlast
E
(HE)
altlastverdächtige
Fläche
Historische Erkundung
keine Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Altlast, Notwendig-
keit einer Neubewertung aufgrund möglicher Änderung der Nut-
zungs- und/oder Expositionsbedingungen nicht gegeben
A
(Archivieren)
keine Altlast/ AVFL
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Altlast bestehen,
bei derzeitiger Nutzung ist offensichtlich keine Gefährdung von
Schutzgütern zu erwarten
B
altlastverdächtige
Fläche
Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Altlast festgestellt
E
(OU)
altlastverdächtige
Fläche
Orientierende Untersuchung
Schadstoffkonzentrationen kleiner Prüfwert für sensibelste Nut-
zung und keine sonstigen Feststellungen
A
(Archivieren)
keine Altlast/ AVFL
Schadstoffkonzentrationen kleiner Prüfwert für aktuelle Nutzung
jedoch über dem Prüfwert für andere Nutzungen, und keine
sonstigen Feststellungen, Neubewertung bei Nutzungsänderung
erforderlich
B
altlastverdächtige
Fläche
Schadstoffkonzentrationen größer Prüfwert oder Überschreitung
wird prognostiziert
E
(DU)
altlastverdächtige
Fläche
Detailuntersuchung
hinreichender Verdacht hat sich nicht bestätigt, Notwendigkeit
einer Neubewertung aufgrund möglicher Änderung der Nut-
zungs- und/oder Expositionsbedingungen sind nicht gegeben
A
(Archivieren)
keine Altlast/ AVFL
hinreichender Verdacht hat sich nicht bestätigt, Neubewertung
bei möglicher Änderung der Nutzungs- und/oder Expositionsbe-
dingungen erforderlich
B
altlastverdächtige
Fläche
hinreichender Verdacht besteht weiterhin, zur abschließenden
Gefährdungsabschätzung sind wiederkehrende Untersuchungen
erforderlich
C
altlastverdächtige
Fläche
Fläche ist eine Altlast, Sanierungsuntersuchung zur Festlegung
von Gefahrenabwehrmaßnahmen
E
(SU)
Altlast
Sanierungsuntersuchung

Anlage 2
56
Ergebnis / Bewertung
Handlungsbedarf
Kategorie
Gefahrenabwehr ist gegenwärtig festgestelltem Schadensbild
technisch nicht durchführbar oder nicht mit angemessenen Auf-
wand möglich
C Altlast
Maßnahmen zur Gefahrenabwehr sind erforderlich und mit an-
gemessenem Aufwand möglich
E
(SAN)
Altlast
Sanierung
vollständige Beseitigung der Kontaminationen (nur bei Dekon-
tamination)
A
(Archivieren)
keine Altlast/ AVFL
Gefahr ist abgewehrt, Wirksamkeit der Gefahrabwehrmaßnah-
men nachgewiesen (überwacht), Neubewertung bei Änderung
der Nutzungs- und/oder Expositionsbedingungen erforderlich
B sanierte Altlast
Gefahr ist beschränkt abgewehrt, nachteilige Veränderungen
der Schadenssituation können nicht ausgeschlossen werden
C sanierte Altlast
A - Ausscheiden aus der weiteren Bearbeitung
B - Belassen, keine weitere Bearbeitung, Handlungsbedarf nur bei Nutzungsänderung
C - Überwachen, ggf. Nachsorge (nach Sanierung)
E - Untersuchungs- bzw. Sanierungsbedarf

Anlage 3
57
Materialien zur Altlastenbehandlung des Freistaates Sachsen (Stand 05/2003)
Erfassung
(FEB und HE)
Technische Untersuchung
(OU und DU)
Sanierungsuntersuchung,
-planung und -durchführung
Fernerkundungs-
methoden
Historische Erkundung
Probennahme bei der techni-
schen Erkundung von Altlasten
Biologische Erkundungsmetho-
den
Vor-Ort-Analytik
Bewertungshilfen bei der Gefah-
renverdachtsermittlung in der
Altlastenbehandlung
Materialien zur Simulation in der
ungesättigten und gesättigten
Bodenzone
Immobilisierung
Oberflächensicherung
Mikrobiologische Sanie-
rungsverfahren
Vorversuche im Rahmen
der Sanierungsuntersu-
chung
Wertermittlung von altlast-
behafteten Grundstücken
Branchenbezogene Merkblätter zur Altlastenbehandlung
Arbeitshilfe für die Vergabe von Leistungen zur Altlastenbehandlung
Arbeitsschutz
Leitfaden Recht
Materialien zur Altlastenbehandlung der AG Qualitätssicherung des Altlasten-Länder-
Ausschusses (ALA) der Länderarbeitsgruppe Boden (LABO) – Stand 05/2003
Erfassung
(FEB und HE)
Technische Untersuchung
(OU und DU)
Sanierungsuntersuchung,
-planung und -durchführung
Untersuchungsstrategie
Gewinnung von Boden-, Boden-
luft- und Grundwasserproben
Probenbehandlung
Vor-Ort-Analytik
Chem. analytische Untersu-
chungen - Laborverfahren
Biologische Verfahren in der
Laboranalytik
Interpretation und Beurteilung
der Untersuchungsergebnisse
Simulation von Grundwas-
serströmungs- und Transport-
prozessen

Anlage 4
58
Übersicht von DV-Programmen in den einzelnen Bearbeitungsstufen (Stand 05/2003)
Programm
Inhalt
Bearbeitungsstufe
[Entwickler]
FEB HE
OU
DU
SU
SAN
SALKA Sächsisches Altlastenkataster, Speicherung
und Auswertung aller relevanten Daten, die bei
der Erfassung, Untersuchung, Bewertung, Sa-
nierung und Überwachung von AVFL und Alt-
lasten anfallen [Sachsen]
x x x x x x
GEFA
formalisierte Bewertung zur Priorisierung
[Sachsen, Baden-Württemberg]
x x
XUMA
AMOR
Erstellung von Analyseplänen zur Untersu-
chung von AVFL [Sachsen, Baden-
Württemberg]
x x
STARS
Stoffdatenbank mit chem., phys., biol., toxikol.
u. a. Eigenschaften von 943 altlastenrelevanten
Stoffen [Sachsen, Baden-Württemberg, Um-
weltbundesamt]
x x x x
ARDAT
Recherche- und Informationssystem über ab-
fallrelevante Daten von ca. 4.700 chemischen
Stoffen, Zubereitungen und ausgewählten Er-
zeugnissen aus der Produktion der DDR [Bund,
Sachsen]
x x
DASIMA
Datenbank zur hierarchischen Suche und Aus-
wahl von Simulationsprogrammen [Sachsen]
x x x
RefAS
Referenzdatenbank Altlastensanierung, Litera-
turquellen über Erfahrungen von Sanierungen
in Deutschland bis Mitte 90er Jahre [Baden-
Württemberg]
x x
BOBAN
Bodenbehandlungsanlagen, Übersicht aller in
Deutschland vorhandenen stationären Boden-
behandlungsanlagen [Baden-Württemberg]
x
TERESA
Technologieregister Sanierung Altlasten, Über-
sicht aller in Deutschland verfügbaren Sanie-
rungsverfahren [Umweltbundesamt]
x x
UHYDRO
Erfassungsprogramm für Daten zu Bohrungen,
Sondierungen, Pumpversuchen und anderen
Untersuchungen zum geologischen Untergrund
[Sachsen]
x x x

 
Anlage 5
59
Beispielsfall:
Tankstelle mit Kfz-Werkstatt, Waschan-
lage und Großgarage
Inhaltsverzeichnis
0
Vorbemerkungen.........................................................................................................60
1
Kenntnisstand und Ausgangssituation ........................................................................60
2
Verpflichtungslage.......................................................................................................60
3
Stufenweise Bearbeitung.............................................................................................61
3.1
Erhebung..............................................................................................................61
3.2
Historische Erkundung.........................................................................................62
3.3
Orientierende Untersuchung................................................................................64
3.4
Detailuntersuchung ..............................................................................................67
3.5
Sanierungsuntersuchung .....................................................................................70
3.6
Sanierung.............................................................................................................75
Anhang - Lageplan .............................................................................................................79
Tabellenverzeichnis
Tab. 1:
Ergebnisse der HE...............................................................................................62
Tab. 2:
Stoff- und Mengenübersicht.................................................................................63
Tab. 3:
Bewertung mit GEFA in der Stufe HE ..................................................................63
Tab. 4:
Untersuchungsparameter Grundwasser ..............................................................65
Tab. 5:
Untersuchungsparameter Boden .........................................................................65
Tab. 6:
Untersuchungsparameter Luft..............................................................................66
Tab. 8:
Lageabhängige Schadstoffkonzentrationen im Grundwasserleiter......................69
Tab. 9:
Favorisierte Sanierungszonen und -varianten......................................................71
Tab. 10:
Übersicht zu Sanierungsszenarien.......................................................................71

 
Anlage 5
60
0
Vorbemerkungen
Der nachfolgende Fall soll die Grundsätze der Altlastenbehandlung exemplarisch darstellen.
Auf Grund der aus der Realität abgeleiteten Probleme ergeben sich Abweichungen zu der im
Handbuch beschriebenen Vorgehensweise.
1
Kenntnisstand und Ausgangssituation
Die exemplarisch betrachtete Tankstelle existiert seit 1930 und liegt in einem Wohngebiet.
Das Grundstück ist ca. 1600 m² groß und befindet sich 800 m nördlich im direkten unterirdi-
schen Einzugsgebiet einer Trinkwasserfassung und in der Zone III des für diese Trinkwas-
serfassung behördlich ausgegrenzten Wasserschutzgebietes. Im Süden grenzt das Grund-
stück an eine Straße. In westlicher, nördlicher und östlicher Richtung befinden sich von
Grünflächen umgebene Wohnhäuser.
Außer den tanktechnischen Anlagen mit Unterflurtanks und Zapfsäulen existieren auf dem
Grundstück ein Wohnhaus, eine früher als Kfz-Werkstatt genutzte Großgarage und eine still-
gelegte PKW-Waschanlage. Weitere umweltrelevante Einrichtungen auf dem Grundstück
sind eine zentrale Befüllstelle, drei Leichtflüssigkeitsabscheider und zwei Hebebühnen.
1992 wurden im Rahmen von Baumaßnahmen im Bereich der Zapfsäulen ca. 40 cm Boden
ausgehoben und die Fläche mit 20 cm mineralöldichtem Beton versiegelt. Im Umfeld der
anderen o. g. Einrichtungen ist der Boden durch eine nicht mineralöldichte Betondecke un-
terschiedlicher Mächtigkeit und Beschaffenheit versiegelt. Niederschlagswässer werden über
einen mehrstufigen Ölabscheider in die öffentliche Kanalisation abgeleitet.
2 Verpflichtungslage
Die ehemals volkseigene Tankstelle wurde verkauft und weiter betrieben. Im Zuge geplanter
Umbauarbeiten wurde durch den Eigentümer ein Gutachten, mit dem Ziel der Identifizierung
und Dokumentation vorhandener Kontaminationen sowie der Einschätzung möglicherweise
vom Standort ausgehender Gefahren für die Umwelt in Auftrag gegeben. Mit der Übergabe
dieses Gutachtens an die zuständige Behörde erfolgte de facto eine Selbstanzeige des Ei-
gentümers nach § 10 Abs. 2 SächsABG.
Die Verpflichtungslage war im vorliegenden Fall einfach, da Eigentümer und Verursacher
(Zustands- und Handlungsstörer) dieselben Personen sind.
Da aus dem Bauantrag zum Umbau der Tankstelle nicht hervor ging, dass Sanierungsmaß-
nahmen für Boden und Grundwasser vorgesehen sind, jedoch Verschmutzungen des Bo-
dens vermutet wurden, wies die zuständige Behörde auf die Notwendigkeit von Untersu-
chungen und ggf. von Maßnahmen zur Gefahrenabwehr hin.
Schließlich wurde die wasser- und bodenschutzrechtliche Anordnung zum befristeten
Weiterbetrieb der Tankstelle und zur weiteren Untersuchung bzw. Sanierung des Tankstel-
lengrundstücks erlassen. Ein geeignetes Sanierungskonzept musste als Grundlage für die

 
Anlage 5
61
Bescheidung des Bauantrages vorliegen, um das Erfordernis von Gefahrenabwehrmaßnah-
men zu fixieren, die spätestens baubegleitend beginnen sollten.
Zur Untersuchung und Eingrenzung der bereits im Gutachten festgestellten Kontaminationen
wurden zunächst in einer behördlichen Anordnung Boden-, Bodenluft- und Grundwasserun-
tersuchungen festgelegt, die der Altlastenbearbeitungsstufe DU entsprechen. Als Begrün-
dung wurde aufgeführt, dass bereits an Hand des privaten Gutachtens konkrete Anhalts-
punkte für einen hinreichenden Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung oder Altlast
nach § 9 Abs. 2 BBodSchG vorliegen. Als relevante Schadstoffe wurden Mineralölkohlen-
wasserstoffe (MKW) und leichtflüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) genannt.
3 Stufenweise Bearbeitung
3.1 Erhebung
3.1.1 Ziele und Inhalt
Eine erste Einschätzung der AVFL auf der Basis allgemeinverfügbarer Kenntnisse fand mit-
tels Formblättern zur Erhebung und Formalen Erstbewertung statt. Aus der Kombination ge-
fahrbegünstigender Umstände wurde eine grobe Prioritätensetzung zur Weiterbehandlung,
im Vergleich zu anderen AVFL, abgeleitet.
Tankstellen sind entsprechend § 2 Abs. 5 Pkt. 2 BBodSchG - ... sonstige Grundstücke, auf
denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist, ...- Altstandorte.
3.1.2 Ergebnisse
Aufgrund des Nachweises des Umgangs mit umweltgefährlichen Stoffen, wurde das Grund-
stück als altlastverdächtige Fläche registriert.
Mit dem Ergebnis der Formalen Erstbewertung von Minimalwert = 239 und Maximalwert =
250 wurde die Tankstelle in die höchste Prioritätengruppe eingestuft (1. Dringlichkeitsstufe
wenn Bewertungsergebnis >200). Die relativ geringe Spannbreite weist dabei auf die gute
Datenlage für eine genaue Bewertung hin.
3.1.3 Empfehlungen des Gutachters
Die HE und technische Untersuchung des Grundstücks ist dringend notwendig.
3.1.4 Handlung der Behörden
Der Fall wurde im Sächsischen Altlastenkataster (SALKA) erfasst und in die Prioritätenliste
des Freistaates Sachsen aufgenommen.

 
Anlage 5
62
3.2 Historische Erkundung
3.2.1 Ziele und Inhalt
Die für die Gefährdungsabschätzung relevanten Pfade und Schutzgüter waren auszuwählen.
Durch Aktenrecherche, Befragung von Zeitzeugen und Ortsbegehungen wurden die erfor-
derlichen Informationen beschafft. Die Auswertung aller vorliegenden Daten erfolgte ohne
zusätzliche technische Untersuchungen. Über den Umfang und Inhalt weiterer (technischer)
Untersuchungen war zu befinden.
3.2.2 Ergebnisse
Die HE für das Tankstellengrundstück kam u. a. zu folgenden Erkenntnissen:
Tab. 1:
Ergebnisse der HE
1930
Inbetriebnahme der Tankstelle mit zwei Zapfsäulen und vier einwandigen Unter-
flurtanks (T1 bis T4)
Errichtung des Wohn- und Geschäftshauses
ca. 1955
Errichtung der Großgarage mit 800 m² als nicht unterkellerter Ziegelbau, Beton-
fußboden mit Kanalisation, Hebebühne und Werkstatteinbauten, Waschanlage
mit 96 m²
1962
Austausch der Tanks T1 und T2 gegen T5 (VK) und von T4 durch T6 (MÖ)
1967
Aushebung und Entfernung der Tanks T6 und T3
Letztmalige Prüfung von Tank T5, kein Hinweis zur Auslagerung, wahrscheinlich
Verfüllung
Einbau der Tanks T7 und T8 (MÖ), T9 (VK) und T10 und T11 (MÖ)
Wahrscheinlich Einbau eines Leichtflüssigkeitsabscheiders für Werkstatt und
Waschanlage
Entstehung einer Befüllungsanlage zum Befüllen der Vergaserkraftstoff-Tanks
1976
Einbau der Tanks T12 (VK) sowie T13 und T14 (MÖ)
Schließung der Werkstatt
Wahrscheinlich keine Nutzung der Tanks T13 und T14
1988
Schließung der Waschanlage
1992
Neuverlegung der Kraftstoff- und Ölleitungen
Erneuerung der Befüllungsanlage und der Zapfsäulen
VK – Vergaserkraftstoff, MÖ – Motorenöl, T -Tank
Havarien oder Überfüllungen und Leckagen sind aus der Vergangenheit nicht bekannt.
Folgende Kontaminationsschwerpunkte auf der Gesamtfläche sind somit zu betrachten:
Zapfsäuleninsel
Tanklagerbereich mit Waschplatz und Leichtflüssigkeitsabscheider
Werkstattbereich

 
Anlage 5
63
Mit folgenden Stoffen und Mengen wurde umgegangen:
Tab. 2:
Stoff- und Mengenübersicht
Stoff
Zeitraum
Umsatz pro Monat
(Schätzungen)
Benzin seit 1930
bis zu 300.000 l
Motorenöl, Schmiermittel seit 1930
bis zu 3.000 l
Waschbenzin, diverse
Reinigungsmittel
1955 bis 1988
unbekannt
Es ergaben sich daher folgende relevante Schutzgüter / Schadstoffpfade:
Boden - Grundwasser
Boden - Mensch (Direktkontakt)
Boden - Luft
Die Bewertung mit dem baden-württembergisch-sächsischen Verfahren (Programm GEFA)
wurde für die oben angegebenen Medien mit folgendem Ergebnis vorgenommen:
Tab. 3:
Bewertung mit GEFA in der Stufe HE
Schadstoffpfad/
Schutzgut
Schutzobjekt r
0
m
I
m
II
m
III
m
IV
R Handlungsbe-
darf
Grundwasser 1. GW-Leiter 5,5 1,4 1,6 1,3 1,7 12,7 OU
Boden
Wohnbebauung 5,5 0,6 0,9 0,9 1,0 2,4 OU
Luft Innenraumluft im
angrenzenden
Wohngebäude
5,5 1,1 1,4 1,0 1,4 10,8 OU
3.2.3 Empfehlungen des Gutachters
Durchführung einer orientierenden Untersuchung für das Tankstellengelände für alle rele-
vanten Schutzgüter / Schadstoffpfade.
3.2.4 Handlung der Behörden
Die OU der Tankstelle wurde vom Eigentümer selbständig und auf eigene Kosten in Auftrag
gegeben, weshalb behördliches Handeln nicht nötig war.

 
Anlage 5
64
3.3 Orientierende Untersuchung
3.3.1 Ziele und Inhalt
Inhalt der orientierenden Untersuchung war eine qualitative Einschätzung des Gefährdungs-
potentials der Tankstelle anhand erster Messungen. Es sollten konkrete Anhaltspunkte für
das Vorliegen einer Altlast gefunden bzw. der Altlastverdacht widerlegt werden.
Nach Festlegung der stofflichen Parameter mussten die bodenkundlichen, geologischen und
hydrogeologischen Parameter erhoben werden. An Hand der in der HE ermittelten Lage der
Kontaminationsschwerpunkte erfolgte die Festlegung eines Beprobungsplanes.
3.3.2 Ergebnisse
Vor Beginn der Arbeiten existierten keine augenscheinlichen Hinweise auf das Vorhanden-
sein von Boden- und Grundwasserkontaminationen. Im Umfeld der Zapfsäulen und Befüll-
schächte waren keine Ölverunreinigungen erkennbar. Lediglich im Umfeld der Hebebühnen
fiel eine Schwarzfärbung des Bodens auf.
Lage der Bohrpunkte (siehe Lageplan):
3 Grundwassermessstellen; Teufe: bis 10 m
5 Aufschlüsse im Zapfsäulenbereich; Teufe: bis 5,5 m
8 Aufschlüsse im Tanklagerbereich; Teufe: bis 6 m
2 Aufschlüsse im Werkstattbereich; Teufe: bis 5 m
Bei Verdachtsflächen, bei denen ein oberirdischer Schadstoffeintrag zu vermuten war, wurde
die Bohrung bis ca. 3 m abgeteuft, bei vermutlich unterirdischen Eintragsquellen erfolgte die
Bohrung bis 2 m unter die Basis der entsprechenden Anlage.
Der erforderliche Umfang für eine OU wurde damit überschritten. Da aber schon zu Beginn
der Untersuchungen mit weitergehenden Maßnahmen gerechnet werden konnte und eine
anschließende DU sehr wahrscheinlich war, konnten hier gewonnene Analysenergebnisse
später mit herangezogen werden.
Ermittelte geologische und hydrologische Daten:
Grundwasserflurabstand 5 bis 9 m
GW-Fließgeschwindigkeit 0,3 m/d
GW-Fließrichtung nach Norden auf den Vorfluter ausgerichtet
unter einer 3 m sandig bis kiesigen Auffüllung stehen schluffige fein- bis mittelsan-
digeTalsande an, 3-10 m inhomogene Flussschotter mit stark schluffigen und stark
grobkiesigen Bereichen
kf-Wert ca. 10
-3
m/s
Untersuchungsprogramm und Ergebnisse:
Im ersten Schritt wurde mit dem Programm XUMA-A
MOR
ein Proben- und Analysenplan ermit-
telt. Änderungen zum vorgegebenen Untersuchungsprogramm ergaben sich z. T. aus dem

Anlage 5
65
erweiterten Umfang der Untersuchungen und aus standortspezifischen Bedingungen. Auf
Schwermetall- und Tensidanalysen wurde beispielsweise verzichtet, da beide Stoffgruppen
geringere Stoffgefährlichkeiten aufweisen und sie bei der derzeitigen vollständigen Versiege-
lung der Flächen als immobil betrachtet werden konnten. Im Zapfsäulenbereich sind die in
den oberen Bodenschichten eventuell enthaltenen Schwermetalle (insbesondere Quecksil-
ber) beim 40 cm tiefen Bodenaushub während der Versiegelung 1992 beseitigt wurden.
Im Ergebnis der OU wurden auf dem Gelände erhebliche Einträge an Mineralölkohlenwas-
serstoffen und Aromaten festgestellt. Ein LHKW- Eintrag war nicht nachzuweisen.
Ergebnisse der Beprobungen werden in den Tabellen 4, 5 und 6 dargestellt. Die Prüf- bzw.
Orientierungswerte sind dem Materialienband „Bewertungshilfen“ /25/ zu entnehmen.
Wirkungspfad Boden – Grundwasser:
Grundwasser
Tab. 4:
Untersuchungsparameter Grundwasser
Parameter
max. Messwert [μg/l]
Geringfügigkeitsschwelle [μg/l]
(LAWA)
Summe BTEX
39.700
20
MKW 35.000 200
Sickerwasser(prognose)
Eluatwerte wurden nicht bestimmt, da der Schaden im Grundwasser bereits eingetreten ist
und Rückschlüsse aus Untersuchungen im Grundwasser nach Anhang 1 (3.3) BBodSchV
zulässig sind.
Die Grundwassermesswerte im unmittelbaren Abstrom überschreiten die Sickerwasserprüf-
werte nach BBodSchV. Am Ort der Beurteilung liegt folglich ebenfalls eine Prüfwertüber-
schreitung vor.
Wirkungspfad Boden - Mensch:
Boden (Beprobungsort nach BBodSchV, Anhang 1, Tab. 1)
Tab. 5:
Untersuchungsparameter Boden
Parameter
max. Messwert [mg/kg TS]
Prüf- bzw. Orientierungs-
wert [mg/kg TS]
Nutzung als Wohngebiet
MKW 10.800 1000
2
BTEX
Benzol 0,0077 0,2
1
Toluol 0,26 10
1
Ethylbenzol < 0,005 20
2

 
Anlage 5
66
Parameter
max. Messwert [mg/kg TS]
Prüf- bzw. Orientierungs-
wert [mg/kg TS]
Nutzung als Wohngebiet
Xylole 51 10
1
1
vorläufiger Prüfwert, im Auftrag des UBA abgeleitet,
2
Orientierungswert, im Auftrag des LfUG abgeleitet
Wirkungspfad Bodenluft - Innenraumluft - Mensch:
Tab. 6:
Untersuchungsparameter Bodenluft
Parameter
max. Messwert [mg/m
3
]
Orientierungswert [mg/m
3
]
Bodenluft bei TF 1:100
BTEX
Benzol 212 0,4
2
Toluol 760 250
2
Ethylbenzol 54 20
2
Xylole 1658 250
2
MKW 2683 -
n-Alkane 1343 -
3
Orientierungswert (siehe Materialienband „Handhabung von Orientierungswerten...“)
TF = Transferfaktor (Verhältnis Bodenluft zu Raumluft)
Leitparameter für weitere Untersuchungen soll Benzol sein.
Zusammenfassend konnte festgestellt werden, dass für alle untersuchten Wirkungspfade
Überschreitungen der Prüf- bzw. Orientierungswerte stattgefunden haben. Somit liegt der
hinreichende Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung nach § 9 Abs. 2 BBodSchG
vor.
Die Bewertung anhand der Kriterien für die OU im Bewertungsprogramm GEFA führte bei
allen betrachteten Schutzgütern zum Handlungsbedarf einer DU.
3.3.4 Empfehlungen des Gutachters
Durch den Gutachter wurde Handlungsbedarf zur Gefahrenabwehr bzw. Schadensbegren-
zung festgestellt, da am Standort eine erhebliche Grundwasserschädigung festgestellt wur-
de, die sich auf die nahe liegende Trinkwasserfassung auswirken kann. Der Pfad Bodenluft –
atmosphärische Luft – Mensch wird als nicht relevant eingeschätzt. Zum Pfad Bodenluft –
Innenraumluft – Mensch wird eine Messung der Innenraumluft der bewohnten, zum Schad-
herd nächstliegenden, Räume vorgeschlagen. Die Durchführung einer Detailuntersuchung
wird empfohlen.
3.3.5 Handlung der Behörden
Durch die zuständige Behörde wurde auf der Basis des BBodSchG eine wasser- und boden-
schutzrechtliche Anordnung mit folgendem Inhalt erlassen:

 
Anlage 5
67
DU mit Boden-, Bodenluft-, Innenraumluft- und Grundwasseruntersuchungen und der
Bestimmung der horizontalen und vertikalen Ausdehnung der Kontaminationen
3.4 Detailuntersuchung
3.4.1 Ziele und Inhalt
Bestandteile der DU waren vertiefte weitere Untersuchungen zur Feststellung von Menge
und räumlicher Verteilung der Schadstoffe, ihren Ausbreitungsmöglichkeiten in Boden,
Grundwasser und Luft sowie ihrer Aufnahmemöglichkeit durch den Menschen. Ziel war eine
abschließende Gefährdungsabschätzung des Tankstellengeländes mit der Entscheidung, ob
eine Altlast vorliegt und saniert werden muss oder nicht.
Da bereits mit der OU eine erhebliche Kontamination des Bodens und des Grundwassers
festgestellt und damit das Vorliegen einer Altlast bestätigt wurde, war die DU schwerpunkt-
mäßig zur Eingrenzung der bereits festgestellten Kontaminationen und zur Ableitung vorläu-
figer Sanierungsziele zu nutzen.
3.4.2 Ergebnisse
Neben weiteren 10 Rammkernsondierungen bis zu einer maximalen Endteufe von 7 m u.
GOK wurden zusätzlich auch drei GW-Messstellen mit einer Abschlusstiefe von 10 m nie-
dergebracht. Dabei wurden die Bohransatzpunkte so gewählt, dass zum einen die neuralgi-
schen Bereiche der Tankstelle erfasst und zum zweiten eine Eingrenzung der schon bekann-
ten Kontaminationen möglich wurde. Die Ergebnisse der vorhergehenden Erkundungen wur-
den zur Auswertung herangezogen.
Die Gesamtmenge der im Boden vorhandenen Schadstoffe wurde auf rund 2000 kg MKW
und 100 bis 200 kg Aromaten abgeschätzt.
Bodenuntersuchung
Nach Auswertung aller Analysenergebnisse konnte festgestellt werden, dass sich der
Schwerpunkt der Kontamination im südlichen Abschnitt der Tankstelle im Bereich der Zapf-
straße und der südlichen Lagertanks befand. Weitere kleine Kontaminationsherde wurden im
unmittelbaren Umfeld der beiden nördlichen kleinen Lagertanks festgestellt. Im südlichen
Tankstellenbereich war eine Eingrenzung der Kontamination in Richtung der bestehenden
Bausubstanz nicht möglich. Diese setzte sich wahrscheinlich unterhalb des Verkaufsgebäu-
des bzw. unterhalb des Werkstattgebäudes fort.
Im Bereich der Zapfsäulen wurden Konzentrationen von MKW bis zu 3.260 mg/kg TS und
von BTEX bis zu 567 mg/kg TS in einer Tiefe > 4 m angetroffen. Vertikal wurden Schadstoffe
bis in eine Tiefe von 8,6 m u. GOK festgestellt. Es erfolgte somit eine direkte Kontamination
des bei 7 m anstehenden Grundwassers.
Im Tanklagerbereich wurden im Bereich der Eintragsstellen zwischen 10.000 und 17.000
mg/kg TS MKW bestimmt. Tiefer liegende Bereiche waren mit bis zu 3.000 mg/kg MKW be-
lastet. Die BTEX-Gehalte nahmen mit der Teufe auf bis zu 600 mg/kg zu. Die Verunreinigun-

Anlage 5
68
gen konnten im Boden bis in die grundwassergesättigte Zone, d. h. bis 9,3 m u. GOK nach-
gewiesen werden. Darüber hinaus wurden sowohl oberflächennah als auch in Tiefen > 5 m
u. GOK und dazwischen hohe Gehalte an MKW und BTEX analysiert.
Generell kann ausgesagt werden, dass sich die Bodenkontaminationen nicht auf die unge-
sättigte Bodenzone beschränken, sondern im südlichen Tankstellenbereich in die grundwas-
sergesättigte Bodenzone vorgedrungen sind. Diese vertikale Ausbreitung der Schadstoffe
wird durch die am Standort vorherrschenden sandigen und kiesigen Bodenschichten be-
günstigt.
Im Werkstattbereich wurden nur geringfügig erhöhte Werte für alle Untersuchungsparameter
festgestellt, so dass für diesen teil des Grundstückes der Altlastenverdacht widerlegt werden
konnte.
In größerer Entfernung vorhandene sensible Bodennutzungen konnten durch die festgestell-
ten Kontaminationen nicht gefährdet werden.
Bodenluft- und Innenraumluftuntersuchungen
Zwei der durchgeführten Rammkernsondierungen im Bereich der südlichen Tanks waren
bereits während der OU zu temporären Bodenluftbrunnen ausgebaut worden. Hier waren
bereits die stärksten organoleptischen Auffälligkeiten des Bodens aufgetreten.
In der Bodenluft wurden wiederholt sehr stark erhöhte Gehalte an MKW, BTEX und n-
Alkanen festgestellt.
Durch die weitgehende Versiegelung des Geländes ist ein Schadstoffaustrag in die Umge-
bungsluft praktisch nicht möglich. Die Gefahr des Entweichens der Schadstoffe in die atmo-
sphärische Luft besteht nur bei Erdbaumaßnahmen.
Innenraumluftmessungen mit dem Leitparameter Benzol ergaben keine erhöhten Gehalte.
Grundwasseruntersuchungen
Im Rahmen der DU wurde eine Stichtagsmessung an insgesamt 12 Messstellen durchge-
führt, die sich im Anstrom, im Zapfsäulenbereich, im Bereich des Fernfüllschachtes, an der
nördlichen und östlichen Grundstücksgrenze, im Abstrom und in der TW-Schutzzone II be-
fanden.
Die Fließrichtung des Grundwassers nach Nordost bzw. Nordwest wurde bestätigt.
Folgende Übersicht zeigt Maximalkonzentrationen von tatsächlich im Grundwasserleiter lie-
genden Messstellen:

 
Anlage 5
69
Tab. 8:
Lageabhängige Schadstoffkonzentrationen im Grundwasserleiter
anstromig innerhalb des
Geländes
abstromig
Geringfügigkeits-
schwelle (LAWA)
[μg/l]
MKW [μg/l]
n.n.
3.000
1.300
200
Summe BTEX [μg/l]
30,9
21.440
14.120
20
Benzol [μg/l]
5,4
967
271
-
Im Anstrom wurden keine MKW, aber geringe Gehalte für BTEX nachgewiesen.
Die Untersuchungsergebnisse der Messstellen an der östlichen Grundstücksgrenze und im
Zapfsäulenbereich überschritten die Geringfügigkeitsschwellen für beide Stoffe um ein viel-
faches.
Im näheren Abstrom konnte für MKW, BTEX und Benzol zwar ein Verdünnungseffekt regist-
riert werden, die Geringfügigkeitsschwellen wurden jedoch auch hier deutlich überschritten.
Das Schadstoff-Rückhaltevermögen des Bodens im Umfeld der Eintragsstellen war er-
schöpft, so dass dem langfristigen Eintrag der mobilen Schadstoffe in das Grundwasser
nichts entgegen stand. Das großräumige Vorhandensein einer auf dem Grundwasserspiegel
schwimmenden Schadstoffphase, aus der vor allem große Mengen an Aromaten im Grund-
wasser in Lösung gehen, war ebenso wahrscheinlich.
Durch den guten Zustand der Oberflächenversiegelung im Tankstellenbereich ist die Versi-
ckerung der ausgetragenen Schadstoffe mit dem Niederschlagswasser allerdings einge-
schränkt.
Vom Standort geht eine erhebliche Gefährdung der menschlichen Gesundheit durch belaste-
tes Grundwasser in der bedrohten TW- Schutzzone aus.
3.4.3 Empfehlungen des Gutachters
Es muss sichergestellt werden, dass die Schadstoffbelastung in der ungesättigten Boden-
zone soweit reduziert wird, dass weitere Schadstoffeinträge vom Boden in das Grundwasser
unterbunden werden. Der kontaminierte Boden in der ungesättigten Zone muss einschließ-
lich der darin enthaltenen Bodenluft saniert werden. Das bereits kontaminierte Grundwasser
soll einer Reinigung unterzogen werden.
3.4.4 Handlung der Behörden
Die zuständige Behörde erlässt die Anordnung zur SU.
Folgende vorläufige Sanierungszielwerte – messbare Konzentrationen! - wurden im Rahmen
der Anordnung festgelegt:

 
Anlage 5
70
Boden:
MKW
BTEX
Benzol
500 mg/kg TS
10 mg/kg TS
1 mg/kg TS
Grundwasser:
MKW
BTEX gesamt
Benzol
200 μg/l
30 μg/l
5 μg/l
Bodenluft:
BTEX gesamt
Benzol
20 mg/m
3
5 mg/m
3
Die Zielwerte im Boden dürfen bei beliebigen Sohl- und Stoßbeprobungen nicht mehr über-
schritten werden. Sie leiten sich nicht automatisch von den Prüf- bzw. Orientierungswerten
des Direktkontaktes Boden – Mensch ab, sondern verstehen sich als tolerierbare Restkon-
zentrationen im gesamten Bodenbereich.
Für das Grundwasser sind die Zielwerte dann erfüllt, wenn die aufgeführten Schadstoffkon-
zentrationen über die gesamte Teufe des Aquifers bei Verlassen des Tankstellengrundstü-
ckes nicht mehr überschritten werden und auch die Bodenluftwerte die angegebenen Sanie-
rungszielwerte nicht überschreiten.
3.5 Sanierungsuntersuchung
3.5.1 Ziele und Inhalt
Mit der SU sind die unter ökologischen und ökonomischen Bedingungen optimalen Szena-
rien auszuwählen. Aufgrund der diffusen Belastungen in der ungesättigten Bodenzone und
im Grundwasser sowie wegen der Wohnbebauung sind verschiedene Sanierungszonen zu
betrachten.
Stand der Technik ist bei Tankstellen eine Bodendekontamination durch die Auskofferung
der kontaminierten Bereiche.
3.5.2 Ergebnisse
Aufteilung von Sanierungszonen und Vorauswahl von Sanierungsvarianten
Auf der Grundlage sämtlicher Ergebnisse - wie z. B. der ermittelten Schadherde, der betrof-
fenen Wirkungspfade, der Fläche und Nutzung - erfolgte eine sinnvolle Aufteilung in Sanie-
rungszonen unter Berücksichtigung grundsätzlich geeigneter Sanierungsverfahren (Siche-
rungs- und/oder Dekontaminationsverfahren).
Zunächst wurde durch eine Vorauswahl eine erste Selektion solcher Sanierungsverfahren
durchgeführt, mit denen die Sanierungszielwerte erreicht werden konnten. Zur Erarbeitung
von Sanierungsszenarien war jedoch ein Ausschluss von Sanierungsvarianten hinsichtlich
Umsetzbarkeit und Eignung unter standortspezifischen Verhältnissen erforderlich (vgl. Eig-

Anlage 5
71
nungsmatrix Handbuch SU), weshalb schließlich die im Folgenden genannten Varianten fa-
vorisiert wurden:
Tab. 9:
Favorisierte Sanierungszonen und -varianten
1 Sanierungszone A:
Ungesättigte Bodenzone
Bodenaustausch (on site oder off site)
2 Sanierungszone B:
Bodenluft
Aktive pneumatische Maßnahme (in-situ-
Bodenluftabsaugung)
3
Sanierungszone C:
Grundwasser
Aktive hydraulische Maßnahme (Grundwasser-
Entnahme und -Behandlung)
Erarbeitung von Sanierungsszenarien
Für jede Sanierungszone wurden getrennt standortspezifische Sanierungsszenarien entwi-
ckelt, von denen die letztendlich angewandten Szenarien im Folgenden zusammengefasst
sind. In allen Szenarien sind wichtige Angaben zum Emissions- und Arbeitsschutz sowie zu
Genehmigungserfordernissen enthalten, die hier nicht detailliert aufgeführt werden.
Die als geeignet ausgewählten Sanierungsszenarien wurden ausführlich, unter Berücksichti-
gung sämtlicher erforderlicher Nebenmaßnahmen ausgearbeitet und hinsichtlich Art und
Umfang der Leistungen dargelegt.
Nachfolgend ist der zusammengefasste Inhalt der Szenarien in einer Übersicht dargestellt.
Tab. 10: Übersicht zu Sanierungsszenarien
Sanierungszone A
Ungesättigte Bodenzo-
ne
Sanierungszone B
Bodenluft
Sanierungszone C
Grundwasser
Verfahren und
Zweck
Sanierung durch Boden-
aushub
Entnahme des Bodens
zur weiteren Behand-
lung (off site)
.
Sanierung durch Boden-
luftabsaugung
Reduzierung des Ge-
samtgehaltes an flüch-
tigen Schadstoffen im
Boden und Abreinigung
der geförderten Boden-
luft.
Hydraulische Sanierung
des Grundwassers
Förderung von Grund-
wasser mit dem Ziel der
Dekontamination; Re-
duzierung der Beein-
trächtigung des Grund-
wasserhaushaltes
durch Infiltration.
Sanierungs-
bereich
Bereich der Zapfstraße
Bereich der südlichen
Behälter
Bereich der nordöstli-
Bereich der Zapfstraße
Bereich der Behälter an
der südöstlichen
Grundstücksgrenze
Standort der Sanie-
rungsanlage im nördli-
chen Grundstücksbe-
reich
Hauptsanierungsbrun-

Anlage 5
72
Sanierungszone A
Ungesättigte Bodenzo-
ne
Sanierungszone B
Bodenluft
Sanierungszone C
Grundwasser
chen Behälter
bis max. 4 m u. GOK
Tiefen > 4 m u. GOK
nen im Bereich des
vorhandenen Pegels
GWM 3
zweiter Sanierungs-
brunnen im Bereich der
Messstelle GWM 2
Schluckbrunnen im Um-
feld der GWM 1
Zeitaufwand
und Menge
8 – 10 Tage
ca. 600 m³ verunreinigte
Bodenmassen
12 – 18 Monate
mindestens 12 Monate
Leistungen
Vorleistungen
Baufreiheit
Baustelleneinrichtung
S/W-Bereich
Oberflächenabdeckung
Errichtung Brunnen
Errichtung Bodenluft-
absauganlage
Bodenluftabsaugver-
such zur Ermittlung der
Dimension, Abreini-
gungstechnologie und
Dauer
Errichtung Brunnen
(Saug- und Schluck-
brunnen)
Errichtung Wasserreini-
gungsanlage
Pumpversuch zur Mo-
dellierung hydraulischer
Sanierungsszenarien
Kernleistungen
Bodenaushub und Se-
paration entsprechend
der Verunreinigung
Transport
Entsorgung (Bodenbe-
handlung)
Luftabsaugung
Abreinigung der Boden-
luft
Förderung des konta-
minierten Grundwas-
sers
Abreinigung des Grund-
wassers
Infiltration in den Unter-
grund
Bau- und ver-
fahrensbeglei-
tende Maß-
nahmen
Planung
Analytik
Planung
Analytik
Planung
Analytik
Folgeleistun-
gen
Analytik (Überwachung) Analytik (Überwachung)

Anlage 5
73
Nutzen – Kosten – Betrachtung
Die geeigneten Sanierungsszenarien wurden im Rahmen von Kosten-Nutzen-Betrachtungen
(fachliche Bewertung aller Sanierungsszenarien und Kostenschätzung) vergleichend gegen-
übergestellt und durch Priorisierung bewertet. Im Folgenden sind lediglich einzelne Argu-
mente der Betrachtungen dargestellt.

Anlage 5
74
Sanierungszone A: Ungesättigte Bodenzone (Sanierung durch Bodenaushub und off-
site- Entsorgung)
+
Eine Ex-situ- Behandlung des belasteten Bodens ist im Vergleich zur In-situ-
Maßnahme an der erkundeten Stelle weniger zeitintensiv bei sichererem Sanie-
rungserfolg. In-situ- Maßnahmen sind jedoch kostengünstiger und platzsparen-
der.
+
Eine Off-site- Sanierung durch Bodenaushub und Behandlung fern dem Gelände
des Kontaminationsortes spart Platz- und Zeit. Auf dem Gelände der Tankstelle
ist das Platzangebot sehr beschränkt. Eine zügige Abarbeitung der aufeinander
folgenden Sanierungsmaßnahmen ist möglich. Es fallen allerdings Transportkos-
ten an.
+
Ökonomisch günstig erfolgt der Bodenaustausch im Zusammenhang mit den
geplanten Baumaßnahmen, bei denen die kontaminierten Bereiche ohnehin er-
fasst werden. Es können in kurzen Zeiträumen große Mengen Boden kosteneffi-
zient saniert werden.
Die Durchführung der Auskofferung bereichsweise über die ungesättigte Boden-
zone hinaus bis in den wassergesättigten Bereich ist wegen der tief reichenden
Kontaminationen sowie der sich unmittelbar daran anschließenden Gebäude
und Straße nur mit umfangreichen Baugrubensicherungs- und Aushubmaßnah-
men möglich, die unverhältnismäßig wären.
Sanierungszone B: Bodenluft (Sanierung durch Bodenluftabsaugung)
+
Wo aufgrund der vorhandenen Bausubstanz sowie der Tiefe der Verunreinigun-
gen ein Bodenaustausch nicht möglich ist, kann durch Bodenluftabsaugung die
Schadstoffkonzentration reduziert werden, ohne dass größere Eingriffe in den
Untergrund notwendig werden.
+
Durch die Absaugung wird vermehrt Frischluft angesaugt, so dass die biologi-
schen Aktivitäten im Boden erhöht werden und ein zusätzlicher Abbau erfolgt.
Die nach der Bodenluftabsaugung im Boden verbleibenden Mineralöle werden
immobiler.
Überlegungen, aufgrund der starken Kontamination der Bodenluft und aus
Gründen des Arbeitsschutzes und des Immissionsschutzes für anwohnende
Bürger, vor Ausbau der Tanks und Bodenauskofferung eine Bodenluftabsau-
gung durchzuführen, wurden aus Kosten-Nutzen-Gründen verworfen.

 
Anlage 5
75
Sanierungszone C: Grundwasser (Hydraulische Sanierung des Grundwassers)
+
Die Infiltration des gereinigten Grundwassers hat neben der Einsparung der Ein-
leitgebühren den Vorteil, dass eine Sanierungszelle geschaffen wird, in welcher
die kontaminierten Bereiche der grundwassergesättigten Bodenzone von saube-
rem Wasser durchströmt und die Belastungen im Boden schneller eluiert wer-
den.
+
Beim Einsatz einer Stripanlage zur Grundwasseraufbereitung ist die gleichzeiti-
ge Nutzung der Abreinigungsanlage aus der Bodenluftabsaugung möglich.
Für die Sanierung nach diesem Konzept spricht die Tatsache, dass aufgrund der lokalen
Gegebenheiten (Altlast reicht mit hoher Wahrscheinlichkeit bis unter die bestehenden Ge-
bäude) mit dieser Variante alle Bereiche des Sanierungsgebietes erfasst werden. Darüber
hinaus sind umfangreiche Sicherungsmaßnahmen der Gebäude, kostenintensive Baugru-
bensicherungen und Wasserhaltungsmaßnahmen nicht erforderlich.
3.5.3 Empfehlungen des Gutachters
Unter Zugrundelegung der Kostenkalkulation sowie aus fachlicher Sicht wird die Aufteilung in
Sanierungszonen sowie die kombinierte Sanierung mit Anwendung der beschriebenen
Szenarien vorgeschlagen:
(1) Bodenaustausch mit off-site- Behandlung im grundwasserungesättigten Bereich
(2) Bodenluftabsaugung für Tiefen 4 m bis 7 m unter Gelände
(3) Hydraulische Grundwassersanierung für den grundwassergesättigten Bereich
Die vorläufigen Sanierungszielwerte sollten als endgültige Zielwerte definiert werden, da sie
mit einem vertretbaren Aufwand erreichbar sind.
Eine Sanierungsplanung (Entwurfs- und Genehmigungsplanung) ist durchzuführen.
3.5.4 Handlung der Behörden
Anordnung zur Aufstellung eines Sanierungsplanes nach § 13 BBodSchG. Die Entwurfspla-
nung ist mit der Behörde abzustimmen.
Die vorläufigen Sanierungsziele werden zu endgültigen Sanierungszielen erklärt.
3.6 Sanierung
3.6.1 Ziele und Inhalt
Die Phase der Sanierung beinhaltete folgende Abschnitte:
Planung
Durchführung und
Nachweis des Sanierungserfolges.

 
Anlage 5
76
Aufgrund der Komplexität des Falles und der Verschiedenartigkeit der erforderlichen Maß-
nahmen (3 Sanierungszonen) war in Abstimmung mit den Behörden ein Sanierungsplan zu
erstellen.
3.6.2 Ergebnisse
Sanierungsplanung
Die Sanierungsplanung beinhaltet auf der Basis der für die einzelnen Sanierungszonen ab-
geleiteten optimalen Sanierungsszenarien die planerische Umsetzung der Vorhaben in den
Stufen
Entwurfsplanung und
Genehmigungsplanung
Ausführungsplanung
für die einzelnen Sanierungszonen, die im Folgenden zusammengefasst dargestellt werden.
Sanierungszone A: Sanierung der ungesättigten Bodenzone durch Bodenaushub
Technische Planung:
Die Sanierungsmaßnahmen sollen in zwei Abschnitte unterteilt werden:
Abschnitt 1: Sanierung Behälterbereich entlang der östlichen Grundstücksgrenze
Die Freilegung und Hebung der Tanks erfolgt von Nord nach Süd. Da
die Baugrube aus Platzgründen sukzessive wieder verfüllt werden
muss, erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden bezüglich
den Sanierungsergebnissen. In die offenen Baugruben werden die
neuen Behälter eingelagert.
Abschnitt 2: Sanierung Zapfstraße an der südlichen Grundstücksgrenze entlang
der Straße
Es wird ähnlich vorgegangen wie in Abschnitt 1, nur dass auf der ge-
samten Länge der Baugrube, das Gebäude sowie die Straße gesichert
werden müssen. Der Bodenaushub beginnt an der westlichen Baugru-
be und wird Richtung Osten durchgeführt.
Rechtliche Planung:
Baugenehmigung
Entsorgungsnachweise Boden
Sanierungszone B: Sanierung der Bodenluft durch Bodenluftabsaugung
Technische Planung:
Die genaue Anzahl und Lage der Bodenluftabsaugstrecken wurde von den Ergebnissen der
Sanierungsbegleitung des Bodenaustausches abhängig gemacht. (Schließlich wurde eine
horizontale Bodenluftdrainage jeweils auf der Baugrubensohle in beiden Sanierungsberei-
chen errichtet.)

 
Anlage 5
77
Zur Abreinigung der kontaminierten Bodenluft wird eine katalytische Oxidationsanlage ein-
gesetzt.
Rechtliche Planung:
Entsorgungsnachweis Filtermaterial
Sanierungszone C: Hydraulische Sanierung des Grundwassers
Technische Planung:
Unmittelbar nach Abschluss der Bodensanierung durch Bodenaustausch erfolgt die Errich-
tung der beiden Sanierungsbrunnen mit einer Gesamtentnahme von 1,1 m
3
/h.
Der Brunnenbau erfolgt unmittelbar nach Teilverfüllung der Baugrube.
Aufgrund der Vorversuche und der hohen Konzentrationen an gelösten MKW und BTEX im
Grundwasser ist der Einsatz einer Stripanlage zur Grundwasseraufbereitung vorgesehen.
Die Stripluft der Desorptionsanlage des Grundwassers wird - wie die abgesaugte Bodenluft
der Bodenluftabsauganlage - über eine katalytische Oxidationsanlage abgereinigt.
Rechtliche Planung:
wasserrechtliche Erlaubnis für Entnahme
wasserrechtliche Erlaubnis für Betrieb einer Abwasserbehandlungsanlage
wasserrechtliche Erlaubnis für Wiedereinleitung ins Grundwasser
Die Darstellung der durchzuführenden Maßnahmen und der Nachweis ihrer Eignung erfolg-
ten u. a. durch die Anfertigung eines Lageplans mit den entsprechenden Sanierungsberei-
chen und dem Bauzeitenablaufplan, wo zeitliche Länge und Reihenfolge der Maßnahmen
aufgeführt wurden.
Sanierungsplan §13 BBodSchG
Nach § 13 BBodSchG enthält der Sanierungsplan
eine Zusammenfassung der Ergebnisse der DU / SU
Angaben über die bisherige und zukünftige Nutzung
den Entwurfs- und Genehmigungsplan
Der Sanierungsplan wurde durch die zuständige Behörde per Verwaltungsakt für verbindlich
erklärt.

 
Anlage 5
78
Durchführung
Der Verpflichtete musste, da er mit öffentlichen Finanzmitteln unterstützt wurde, die Sanie-
rungsmaßnahme ausschreiben. Dazu erfolgte auf der Basis der Ausführungsplanung eine
Ausschreibung und Leistungsvergabe nach VOB und VOL.
Die für März geplanten Bodenaushubmaßnahmen konnten aufgrund strenger Witterung erst
Mitte April beginnen.
In der Boden- bzw. in der Strippluft erniedrigten sich die anfänglich hohen Gehalte an leicht-
flüchtigen Kohlenwasserstoffen während der Maßnahmen derart, dass eine elektrische Zu-
heizung zur Erhöhung der Reaktionstemperatur nötig war. Da der Vorteil einer Abreinigung
der Bodenluft mittels katalytischer Oxidation in den niedrigen Betriebskosten durch auto-
thermen Betrieb bei hohen Schadstoffkonzentrationen liegt und die Effizienz so nicht mehr
gegeben war, wurde die Anlage auf Luftaktivkohle umgerüstet. Sowohl die Stripluft der De-
sorptionsanlage als auch die Bodenluft der Bodenluftabsauganlage wurde nachfolgend über
Luftaktivkohle abgereinigt.
Sanierungserfolg
Die Sanierungszielwerte für Grundwasser, Boden und Bodenluft wurden erreicht.
Die Kontrolle des Sanierungserfolges erfolgte sanierungsbegleitend und nach Abschluss der
Dekontaminationsmaßnahmen durch Beprobung von Boden, Grundwasser und Luft nach
dem Qualitätssicherungsprogramm.
3.6.3 Empfehlungen des Gutachters
Der Schadherd ist im Fall der Tankstelle vollständig entfernt worden. Durch die schon lange
vorliegende Kontamination insbesondere des Grundwassers sollte eine 6-monatige Überwa-
chung zur Kontrolle des Sanierungserfolges stattfinden.
3.6.4 Handlung der Behörden
Verbindlichkeitserklärung des Sanierungsplanes. Bestätigung des Sanierungserfolges.

image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
image
 
Anlage 5
79
Anhang - Lageplan:
Tanks
Bohrungen
Grundwassermessstelle
Waschhalle
Hebebühne
Garagen
Wohn- und Verkaufsfläche
Zapfinsel
Befüllungs-
anlage
Grundwasser-
Fließrichtung