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Nummer 54, seit 1999

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Fotos: Pönitz, JVA Chemnitz
Doreen Schietzold:
Mein persönliches Fazit ist, dass ich doch mit Gewissheit sagen
kann, dass bei der Gartenarbeit nicht nur Zeit eine Rolle spielt,
sondern auch unsere Geduld
geprüft wird.
Lassen auch Sie sich von den Impressionen des JVA-Gartens begeistern -
so schön kann Gefängnis sein!

Haft Leben
3
Versöhnung ……………………………………….. 4 bis 6
„VEB Druckhaus“ - Open-Air……………………………
7
Fragen an den Anstaltsbeirat, Teil 1…..………. 8 und 9
Hier abnehmen - leichtgemacht……...……... 10 und 11
HL - Low Carb - Rezepte …………..….…….………... 12
Die Minimalismus-Lüge …………………………….….
13
Neuer Pfändungsfreibetrag ……………..…………….
14
Patientenrecht - ein Einblick……………..…………….
15
Gibt es eine Alternative für die Haft?….…... 16 und 17
Mutter Teresa……………...…………………… 18 und 19
Knackfrischer Genuss aus……………………………….
dem „eigenen“ Garten….………………..……
20 und 21
HL- Post und Gedichte.…..…………………………….. 22
HL- Song….....………………………………….…………. 23
Kirche 2017….....…………………………………...…….. 24
Nach(t)gedanken...………………………………………. 25
HL - Preisrätsel...……..………..……………… 26 und 27
Impressum……..………………………………………..... 29
HL - Rezepte……………………………………………….
30
Rätsel…….……………………………... 28 und 31 bis 33
Kolumne „Ellis Kaffeekränzchen“…………………….
34
Inhaltsverzeichnis
Die Redaktion „HaftLeben“ bedankt sich bei mü für das handgemalte
Titelbild. Wir wünschen Anna und Daniela alles Gute für die Zukunft!
Danke für eure Mitarbeit in der Redaktion „HaftLeben“.
„Aber der Strich, der das
Gute vom Bösen trennt,
durchkreuzt das Herz
eines jeden Menschen.
Und wer mag von seinem
Herzen ein Stück
vernichten?“
aus "Der Archipel Gulag"
Alexander Solschenizyn
(1918-2008)

4
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
HL- Thema: Versöhnung
Die Kraft der Versöhnung
(HL/ KS) Schmerz, Trauer, Bitterkeit, Verzweiflung,
Angst, Ärger, Zorn, Hass oder Wut zeugen von
Grenzverletzung, die einer Klärung, Befriedung und
Heilung bedarf.
Oftmals braucht es zwischen den miteinander im
Streit liegenden Menschen eine Vermittlung durch
andere, unbeteiligte.
Diese Vermittlung hat das Anliegen, eine gegen-
seitig annehmbare Mitte der strittigen Sichtweisen/
Standpunkte zu finden. Dabei gilt es mit Mitgefühl,
Einfühlungsvermögen und zielführenden Fragen
den jeweils zugrunde liegenden Bedürfnissen der
miteinander zerstrittenen Menschen zu helfen
gemeinsam eigene Lösungen zu finden, die aus
der eigenen menschlichen Weisheit und Kraft der
Betroffenen durch diese Unterstützung entwickelt
werden.
Denn in der eigenen Einsicht liegen immer die
besten Lösungen. Letztlich braucht es für alle
Beteiligten
Sicherheit,
Harmonie,
Freiheit,
Anerkennung, Wertschätzung.
Feindbilder behindern jegliche Verständigung, die
zu einer Einigung führen.
Wichtig ist es dabei zu verstehen, dass jeder
Mensch nur sich selbst ändern kann - nicht andere.
Es braucht für diese Selbstheilung Wahrhaftigkeit,
Selbstliebe und Selbstvertrauen.
Wenn es den Beteiligten möglich ist, sollten sie
versuchen, miteinander im Gespräch zu bleiben,
sich nicht gekränkt oder resigniert entziehen und
schweigen. Gelingt dies nicht, verstärken sich in
der Zwischenzeit die Trennung und eventuell
vorhandene Feindbilder. Um sich miteinander
sinnvoll zu verständigen, ist es wichtig, die eigenen
Ängste und wenn möglich auch die der Gegenseite
wahrzunehmen
und
miteinander
darüber
zu
sprechen. Dies ist ein erster Schritt, die gestörte
Beziehungsebene zu klären, um später gemeinsam
Lösungen für die strittige Sachebene zu finden.
In Beziehungsstörungen ist es wichtig,
miteinander
um die Beziehung zu kämpfen, nicht gegen-
einander
.
Wichtig ist es letztlich, in der Lage zu sein,
einander auch zu vergeben und zu verzeihen -
auch um sich selbst zu befreien. Dazu gehört es
auch, einander für das Gute zu danken.
Eigene und fremde Verletzungen gilt es wahr-
zunehmen, mitzuteilen, zu betrauern, zu verstehen
und loszulassen.
Als Regeln gelten: ausreden lassen, zuhören, keine
Beleidigungen, keine Zwischenrufe - Achtsamkeit.
Und wenn möglich, sich in Gelassenheit üben.
Wer Frieden will, muss seine Feinde verstehen.
Richtig versöhnen
Von Eric Hegmann, „beziehungsweise“ - Magazine“
(Red. HL gekürzt) Wenn die Emotionen brodelten,
fällt Verzeihen und Versöhnen vielen Paaren
schwer. Auch Langzeitpaare, die in harmonischen
Partnerschaften leben, streiten sich. Konflikt-
potenzial
gibt
es
überall:
Kindererziehung,
Schwiegereltern, Urlaubsziel oder Haushaltskasse.
Richtig streiten ist schon nicht einfach, aber die
richtige Versöhnung festigt am Ende die Bindung
und gibt Zuversicht, gemeinsam auch die nächsten
Probleme lösen zu können.
Zur Versöhnung gehört eine Klärung des
Konfliktes
Oder zumindest die Perspektive, dass eine Klärung
möglich ist. Es gibt viele Wege, einen Streit zu
beenden.
Die Emotionen abkühlen lassen
Wenn wir hitzig streiten, übernehmen das Unter-
bewusste und das Reptiliengehirn die Herrschaft
über Körper und Verstand. Da wird nicht mehr
abgewogen, sondern entweder geflohen oder aus
vollem Rohr zurückgeballert. Ruhe- und Erholungs-
zeiten einplanen und gewähren sind wichtig.
Einer muss den ersten Schritt zur Versöhnung
machen
Wer nach dem Streit auf den Partner zugeht, ist
nicht der Schwache, sondern der Mutige. Denn er
riskiert bei schlechtem Timing (siehe Punkt 2) eine
womöglich heftige Gegenreaktion. Das klappt
vielleicht nicht beim ersten Mal, aber die Aussage:
„Danke, dass du auf mich zugehst, aber ich
benötige noch einen Moment für mich“ wird Ihrem
Partner
ausreichend
Lob
und
Anerkennung
signalisieren.
Versöhnen kommt vor Verzeihen
Wer sich versöhnt, der zeigt seine Bemühung, den
anderen zu verstehen und seine Meinung zu
akzeptieren. Dazu gehört, jeden Gedanken an
Bestrafung und Rache aufzugeben.
Finden Sie ein Ritual der Versöhnung
Ja, das kann natürlich der Klassiker (Liebesspiel)
Ein Tipp aus der Praxis: Nehmen Sie sich
einfach in den Arm!
Quelle:
https://www.beziehungsweise-magazin.de/ratgeber/
kommunikation-konflikte/erfolgreiche-paare-befolgen-diese-5-tipps-zur-
versoehnung/

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Haft Leben
5
(HL/RIFI) Ist eine Versöhnung nach einem tiefen
Bruch überhaupt möglich?
Eine Frage, die sich viele Gefangene hier in der
JVA stellen. Sind die Menschen, denen ich
materiellen Schaden oder - schlimmer - körperliche
und seelische Wunden zugefügt habe, bereit, sich
mit mir zu versöhnen? Und liebe Menschen aus
meinem Umfeld, egal ob aus der Familie oder dem
Freundeskreis … können sie sich gedanklich mit
den von mir begangenen Taten aussöhnen?
Versöhnung: der Wortbedeutung nach mit SÜHNE
verwandt; hat mit irgendwelchen Söhnen nichts zu
tun. Sühne stammt von dem althochdeutschen
"suona" ab, das eine Gerichtsverhandlung, ein
Urteil, aber auch Friedensschluss umschreibt. Ver-
söhnung ist ursprünglich ein theologischer und
folglich auch philosophischer Begriff, der in-
zwischen nicht nur in der Politik und Psychologie,
sondern auch in unserer Alltagssprache ange-
kommen ist.
Wenn ein begangener Schaden oder eine Schuld
nicht durch direkte, adäquate WiederGUTmachung
möglich ist, soll juristisch Gerechtigkeit durch Strafe
erfolgen bzw. hergestellt werden … Schuld soll
gesühnt, also abgetragen werden und dadurch der
geschädigten Person so etwas wie Genugtuung
verschaffen.
Aber
auch
schuldig
gewordene
Menschen
wünschen sich durchaus Sühne und versuchen,
diese durch Selbstbestrafung in Form von Verzicht
oder das Verrichten von Sonderleistungen zu
erlangen. In jedem Vollzugsplan sind die bereits
erfolgten oder noch zu leistenden Beiträge zur
Entschädigung aufgeführt, neben der Auseinander-
setzung mit und Reflektion der Tat und ihren häufig
weitreichenden Auswirkungen.
Aber zu einer dauerhaften Versöhnung ist die
Bereitschaft aller beteiligten Parteien nötig - frei-
willig und ohne äußeren Zwang. Und dabei spielt
eine Versöhnung mit MIR selbst die entscheidende
Rolle.
Bin ich mit mir und all meinen Umständen
ausgesöhnt und suche nicht nach Ausflüchten,
dann kann nach der Akzeptanz der eigenen Schuld
und aufrichtiges Bitten um Verzeihung eine positive
Annäherung und im günstigsten Fall eine Annahme
der Entschuldigung erfolgen und dann hoffentlich
die Versöhnung.
HL- Thema: Versöhnung
(HL/jaha) Es gibt seit Kurzem eine Sendung auf
die ein neues Annäherungsmodell
aus dem psychotherapeutischen
Bereich vorstellt:
Beginn einer Versöhnung ausschließlich durch
intensiven Augenkontakt. Dieser wird nonverbal für
etwa zehn Minuten gehalten und gibt so die
Möglichkeit, ohne Anschuldigungen oder verletzen-
de Worte mein Gegenüber in Ruhe zu betrachten
und die gesamte Bandbreite der in Augen und
Mimik ausgedrückten Gefühle wahrzunehmen …
ob nun Angst, Hass, Verachtung, Trauer, Ekel,
Liebe, Sehnsucht, Freude, Verständnis, Zuneigung-
und diese auch zu spiegeln. Es gibt Momente, in
denen ich mir hier in dieser JVA-Welt die
Bereitschaft von so manchem Mit-Menschen, egal
ob auf der Gefangenen- oder Bedienstetenseite,
wünsche, dieses Experiment einfach mal gemein-
sam mit mir auszuprobieren. Ich finde die Idee und
den Ansatz, nonverbal eine Versöhnung einzuleiten
beziehungsweise eine Bereitschaft dafür aufzu-
bauen,
total
spannend
und
bin
tatsächlich
neugierig, ob so etwas ohne Fernsehkameras im
medienfreien Leben eine reelle Chance hätte. Wie
schnell sich gerade hier in der JVA Missver-
ständnisse zu hochexplosiven Situationen auf-
schaukeln können, ist eigentlich jeder bekannt.
Aber wie sollte so ein Szenario wohl aussehen?
Voraussetzung dafür ist meiner Meinung nach die
Fähigkeit, bei allen Beteiligten Respekt und
Empathie zu empfinden. Das sehe ich hier
innerhalb der Mauern bei einem großen Teil der
Menschen nicht gegeben - so dass ich allen, die
auch
noch
nicht
völlig
abgestumpft
oder
misanthropisch durchs Leben stampfen, einen
Moment der Stille und der Besinnung wünsche …
und Möglichkeiten, das Verzeihen ohne Worte mal-
hoffentlich erfolgreich - auszuprobieren!

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6
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
HL- Thema: Versöhnung
(HL/PJO)
Verzeihen ohne Worte
- so wie es
momentan in einer Fernsehshow suggeriert wird -
funktioniert nicht, jedenfalls nicht bis nur 100 %igen
Versöhnung. Aber es ist ein Anfang. Für eine
Versöhnung bedarf es oft mehr als nur eine
verbale Entschuldigung und einige tiefe Blicke in
die Augen des anderen. Meist sind die Konflikte
sehr eskaliert und die Betroffenen sind tief verletzt.
So kommt es nicht selten zu kompletten Kontakt-
abbrüchen. Es sind sehr viele Gefühle im Spiel,
Gedanken an die Zeiten, als noch alles in Ordnung
war. Auch wir hier haben oft das Gefühl, wir sollten
oder wollen das eine oder andere Geschehene
rückgängig machen.
Der erste Schritt zu einer Versöhnung ist wohl der
schwierigste - Kontakt wieder aufzunehmen zu der
Person, die uns stark verletzt hat. Oft ist die
Schwierigkeit, das Konfliktgespräch auch neutral
und objektiv führen zu können, denn die eigenen
Gefühle sind hier viel stärker und oft haben wir
keine Möglichkeit, diese einfach so auszuschalten.
Hier kann es auch hilfreich sein, einen
sogenannten Mediator hinzuzuholen. Dieser kann
eine Person sein, die neutral beiden Seiten
gegenübersteht - beispielsweise eine Freundin,
Mutter, Vater. Aber es gibt auch professionelle
Mediatoren - oft üben dies Juristen aus, z. B.
Anwälte - und werden eben auch bei wirtschaft-
lichen, politischen Konflikten gebucht.
Wir können euch bei einem Konflikt im Verwand-
ten- und Bekanntenkreis folgende Tipps geben,
damit es eventuell gar nicht bis zum Äußersten
kommt:
Im Streit nicht den Gegenüber kritisieren oder
urteilen.
Eure negativen Gefühle erstmal für euch
verarbeiten, mit einer dritten vertrauten
Person darüber sprechen.
Für sich klären, was genau einen gekränkt
hat. Welche Erwartungen habe ich an den
anderen.
Positive und negative Seiten, Stärken und
Schwächen auflisten.
Einen zeitnahen Termin zur Absprache
finden: hier sollten alle Dinge abgestellt sein,
welche stören könnten, z. B. Handy klingeln,
Radio, weitere fremde Personen in
Gesprächsnähe.
Meine persönliche Erfahrung mit
Versöhnung
(HL/ PJO) Ich habe meine persönliche Versöhnung
erst erfahren, als ich straffällig geworden bin. Mit
der persönlichen Versöhnung spreche ich vor allem
auch mit der Versöhnung mit mir selbst.
Jahrelang hat mich meine Mutter schikaniert, wo es
nur ging. Den Kontakt habe ich nie abgebrochen zu
ihr, dazu war ich einfach zu schwach; habe das
Spiel gespielt, war für sie die perfekte Tochter - von
meinem wirklichen Leben wusste sie jedoch nichts.
Sie kannte keine Freunde von mir, keinen
Tagesablauf. Es war immer falsch, mit wem ich
mich befreundet war, was ich überhaupt für einen
Tagesablauf hatte. Sie wusste nichts von meinen
Träumen und meinen Wünschen - ja sie wusste
noch nicht einmal, dass ich studiere. Ich führte
irgendwie ein Doppelleben.
Als es dann zum Äußersten kam und ich straffällig
wurde, erzählte ich natürlich meiner Mutter nichts -
bis die Kripo meine Mutter als Zeugin anschrieb.
Nun fiel das gesamte Kartenhaus zusammen - ich
habe jahrelang meine Mutter belogen, bin straffällig
geworden - das war mein Preis. Damals dachte ich,
jetzt ist es endlich geschafft, der Kontakt bricht ab,
ich habe meine Ruhe. Ich kann mich sozusagen
einfach zurückziehen ohne Kampf.
Doch es passierte etwas ganz anderes - meine
Mutter und ich sprachen uns endlich mal aus, ohne
Beurteilung, ohne Wertung des anderen. Wir haben
uns zugehört, wussten das erste Mal, was der
andere denkt und fühlt. Was seine Motive waren,
so zu sein, wie er eben ist.
Wir haben erkannt, dass wir beide Fehler gemacht
haben, beide falsche Erwartungen an den anderen
hatten. Nur langsam haben wir uns nach diesem
langen Gespräch auch wieder angenähert -
dennoch wissen wir, dass wir oft gemeinsam
darüber sprechen müssen, was alles uns bewegt.
Heute ist sie neben meinem Ehemann die
wichtigste Person in meinem Leben.
Ich kann euch alle nur bitten, versucht die Chance
zu nutzen, eine Versöhnung zu erreichen. Es hilft
auch einem selbst.
Foto: Reinhard Sandbothe / pixelio.de

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Haft Leben
7
Oben ohne
War das abgefahren?
Ein heißer Sommertag, heiße Girls, heiße Moves
und coole Mucke.
Das alles "oben ohne", weil zum ersten Mal Open
Air für uns. Der 19. August war hot, hot, hot und ihr
Mädels wart spitze.
Eure Partylaune und die tolle Stimmung waren ein
fantastisches Dankeschön an VEB Druckhaus. So
haben sich die vielen, zweimal wöchentlich
stattfindenden Proben für uns Peter (Git. +
Gesang), Tobi (Bass), Armin (Keyboard + Git.) und
Rero (Drums + Gesang) wirklich gelohnt. Für ein
Publikum wie euch tragen wir das gesamte
Equipment gern von unserem Proberaum aus der
dritten Etage herunter. Dank der finanziellen
Unterstützung des Gefangenenhilfevereins "Wer
nichts wagt … e.V." sind wir mit Technik und
Instrumenten gut ausgestattet.
Fünf von den für euch gespielten Songs waren
Eigenkompositionen und Dank der musikalischen
Vorbelastung
dreier
Bandmitglieder
ist
die
Umsetzung eigener Ideen auch durchführbar.
Dennoch mussten sich Peter und Rero, die schon
länger in der Band sind, immer wieder neu
orientieren, da bedingt durch Entlassungen oder
Verlegungen ein reges Kommen und Gehen bei der
Bandbesetzung herrscht.
Da heißt es dann oft kühlen Kopf zu bewahren, zu
probieren, was musikalisch umsetzbar ist, gemein-
sam üben, üben, üben und zu hoffen, dass die
beiden Bediensteten, welche die Musikgruppe
betreuen, bei bester Gesundheit bleiben.
Wenn alles so läuft wie geplant (aber wann tut es
dann schon mal), kommen wir in diesem Jahr zu
insgesamt sechs Auftritten, von denen drei in
anderen sächsischen Gefängnissen stattfanden.
Das absolute Highlight ist und bleibt für uns der
Auftritt in Chemnitz.
Wenn die Stimmung steigt, ihr lauthals mitsingt, so
manch "schlüpfrige" Kopfbedeckung präsentiert
und heiße Dancemoves zeigt, dann wissen wir von
der Band:
Das war richtig abgefahren!
Sollte die eine oder andere noch Fragen an einen
von uns haben, schreibt doch einfach mal.
(Rero für VEB Druckhaus)
Ach ja! Noch ein Verslein für die Liebhaber
melancholischer Stimmungen:
Ein gelbes Blatt sinkt sanft und still
Herab durch zartes Spinngeweb‘
Der Schwalben zwitschernd Rufe klingen
Wie Abschiedsgrüße, so man will
Bald zieh‘n sie fort, ich bleibe hier
Mein Herz jedoch geht auf die Reise
Ein Blick ringsum, mit Wehmut, zeigt
Auch dieser Sommer stirbt, ganz leise
(Rero W. 2016)
Liebe Grüße aus Waldheim!
Rero
Kontaktadresse:
JVA Waldheim
Band „VEB Druckhaus“
Dresdener Straße 1a
04736 Waldheim
Foto: Archiv, HL, 03/2015

8
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Fragen an den Anstaltsbeirat, Teil 1
1.
„HaftLeben“: Gibt es Erhebungen, dass in
anderen sächsischen JVAs oder in
Frauengefängnissen in anderen
Bundesländern, mit ähnlichen gesetzlichen
Grundlagen, häufiger der offene Vollzug genutzt
wird?
Anstaltsleitung:
Der Anstaltsleitung sind keine
statistischen Erhebungen bekannt, die einen
unmittelbaren Rückschluss darauf zulassen, dass
unter den gleichen Rahmenbedingungen in
anderen sächsischen Justizvollzugsanstalten oder
im Frauenvollzug anderer Bundesländer häufiger
der offene Vollzug genutzt wird als im
Frauenvollzug der Freistaaten Sachsen und
Thüringen.
2.
„HaftLeben“: Warum müssen hier in der
JVA Chemnitz gewünschte Lockerungen
besonders hartnäckig und meist nur durch
einschalten der Anwälte „erkämpft“ werden?
Anstaltsleitung:
Es ist nachvollziehbar, dass in
manchen Fällen die Vorstellungen der betroffenen
Gefangenen, betreffend ihre Eignung für
Lockerungen des Vollzuges, gegenüber der
diesbezüglichen Auffassung des
Behandlungsteams variieren. Insofern bleiben in
einigen Fällen die Ergebnisse der Vollzugs- und
Eingliederungsplanungen hinter den Vorstellungen
der einzelnen Gefangenen – teils deutlich – zurück.
Es ist falsch, dass besondere Hartnäckigkeit bzw.
die Einschaltung von Anwälten relevanten Einfluss
auf die Lockerungsgewährung haben. Die
Entscheidung über die Gewährung von
Lockerungen erfolgt stets nach intensiver
Abwägung einzelfallbezogen. Unzutreffend ist auch
die Annahme, dass grundsätzlich jeder
Gefangenen in Anwendung von § 42 Abs. 4
SächsStVollzG/ § 19 Abs. 4 SächsJStVollzG
Lockerungen zu gewähren sind. Es ist ein anderer
Prognosemaßstabe für die Lockerungsformen
anzulegen. Dieser Maßstab ist allen
Vollzugsabteilungsleitungen aber bekannt.
Entsprechend der gesetzlichen Voraussetzungen
werden den Gefangenen die vertretbaren
Lockerungen gewährt.
3.
„HaftLeben“: Gibt es hier keine
Alternativen für die Möglichkeiten der fehlenden
Resozialisierung bei Personen ohne
Lockerungen?
Anstaltsleitung:
Auch ohne die
Lockerungseignung können Gefangene
Maßnahmen zur Förderung der Resozialisierung in
Anspruch nehmen. Im Rahmen der Vollzugs- und
Eingliederungsplanung werden die zur Erreichung
des Vollzugsziels erforderlichen Maßnahmen
bedarfsgerecht angeboten. Namentlich zu nennen
sind neben der Suchtberatung unter anderem die
Schuldner- und Erziehungsberatung, die Angebote
des ProFamilia e.V. und des ISONA e.V. sowie die
vielfältigen Gruppenangebote der hiesigen
Fachdienste (z.B. allgemeines soziales
Kompetenztraining, R&R, Mütter-
Kompetenztraining, BPG, Achtsamkeitstraining
etc.), für die es einer Lockerungseignung nicht
bedarf. Zur Sicherstellung des
Übergangsmanagements stehen den Gefangenen
außerdem die Angebote des TÜV Rheinland zur
beruflichen Wiedereingliederung zur Verfügung. Bei
Einbindung darin werden den Gefangenen in der
Mehrzahl der Fälle Lockerungen in Begleitung mit
externen Personen aus dem Kreis der Anstalt
gewährt. Im Einzelfall erfolgen aber auch
Ausführungen. Dasselbe gilt für die individuelle
Betreuung durch die Fachdienste und den
allgemeinen Vollzugsdienst der Anstalt. Auch diese
realisieren Außenkontakte mit dem Ziel der
Resozialisierung im Wege der Ausführung.
4.
„HaftLeben“: Ist man verpflichtet auf die
Lockerungsstation zu gehen, wenn man bereits
fast alle Lockerungen erhält?
Anstaltsleitung:
Aus Gründen der effektiven
Vollzugsorganisation werden Strafgefangene auf
die 6. Station des Hafthauses 1 in den
Wohngruppenvollzug verlegt, wenn sie mindestens
Lockerungen des Vollzuges in Begleitung
zugelassener, externer Kontaktpersonen (z.B.
Angehörige) erhalten, die nicht aus dem Kreis der
Anstalt kommen, oder aber wenn die Gefangenen
in der Außenbeschäftigung eingesetzt werden.
Jugendstrafgefangene, die nicht aus dem
Jugendvollzug ausgenommen sind, verbleiben
unabhängig vom Lockerungsstatus grundsätzlich
im Wohngruppenvollzug des Hafthauses 3, es sei
denn sie werden in den offenen Vollzug verlegt. Die
Verlegung auf die 6. Station ist bei vorhandenen
Kapazitäten im Regelfall erforderlich, da andernfalls
die Außenbeschäftigung und die bewilligten
Lockerungen nicht ordnungsgemäß durchgeführt
werden können. Dem Wunsch, auf der bisherigen
Station zu verbleiben, kann daher überwiegend
nicht entsprochen werden. Nachteile entstehen den
Gefangenen durch die Verlegung nicht, da die
Vollzugsbedingungen auf der 6. Station im
Vergleich zu den anderen Stationen erheblich
gelockert sind.

Haft Leben
9
Fragen an den Anstaltsbeirat, Teil 1
5.
HaftLeben: Muss ich meine Ablehnung in
den offenen Vollzug zu gehen begründen?
Anstaltsleitung:
Grundsätzlich
besteht
keine
Verpflichtung der Gefangenen, eine ablehnende
Haltung zu begründen. Aus folgenden Erwägungen
heraus ist es jedoch angezeigt, die Hintergründe zu
ermitteln:
Ausweislich
der
Vorschriften
des
§
15
SächsStVollzG und des § 13 SächsJStVollzG ist
die Verlegung in den offenen Vollzug nicht mehr an
die Zustimmung der Gefangenen geknüpft. Die
Gesetzesbegründung
führt
dazu
aus:
"Die
Zustimmung der Gefangenen zur Unterbringung im
offenen
Vollzug
ist
nicht
erforderlich.
Den
Gefangenen soll keine Wahlmöglichkeit eingeräumt
werden. Die Weigerung der Gefangenen, im
offenen Vollzug untergebracht zu werden, wird
allerdings
bei
der
Eignungsprüfung
zu
berücksichtigen sein."
Die Justizvollzugsanstalt Chemnitz hat in der
Vergangenheit von einer Verlegung regelmäßig
Abstand genommen, wenn die Gefangene diese
ablehnte. Dies letztendlich auch unter dem
Gesichtspunkt, dass die Weigerung ein gewichtiges
Indiz im Rahmen der Eignungsprüfung im Sinne
des § 15 Abs. 2 SächsStVollzG / § 13
SächsJStVollzG für eine Unterbringung im offenen
Vollzug darstellt.
Auch mit Blick auf die Wertungen des § 42 Abs. 4
SächsStVollzG/ § 19 Abs. 4 SächsJStVollzG ist die
Anstalt nunmehr dazu übergegangen, Gefangene
auch ohne ihre ausdrücklich erklärte Zustimmung in
den offenen Vollzug zu verlegen. Nicht wenige
inhaftierte Frauen verweigern die Zustimmung zur
Verlegung allein unter dem Gesichtspunkt, sich auf
der jeweiligen Station eingelebt sowie eingerichtet
zu haben und die anstehenden Veränderungen zu
scheuen. Solche Erwägungen müssen zukünftig
unberücksichtigt bleiben. Soweit die Weigerung die
Eignung zur Unterbringung im offenen Vollzug nicht
berührt, erfolgt die Verlegung dorthin, wobei die
Justizvollzugsanstalt Chemnitz bemüht ist, eine
positive Grundeinstellung der Gefangenen dazu zu
fördern. Soweit die Weigerung die Eignung berührt,
muss
die
Gefangene
dies
aber
auch,
erforderlichenfalls
im
Vollzugs-
und
Eingliederungsplan
dokumentiert,
gegen
sich
gelten lassen.
Ausnahmsweise kann trotz bestehender Eignung
für den offenen Vollzug ein Verbleiben im
geschlossenen Vollzug in Betracht kommen. Dies
gilt insbesondere dann, wenn die Gefangene an
besonderen
Maßnahmen
im
geschlossenen
Vollzug,
namentlich
Bildungs-
und
Behandlungsmaßnahmen,
teilnimmt
und
eine
Fortsetzung im offenen Vollzug nicht gesichert
werden kann.
6.
HaftLeben: Ist es wirklich notwendig auf
einem Antrag zur Vorsprache beim Arzt / med.
Dienst einen Grund zu nennen? Unterliegt dies
nicht dem Datenschutz?
Anstaltsleitung:
Die
Gefangenen
der
Justizvollzugsanstalt
Chemnitz
sind
nicht
verpflichtet, außerhalb des medizinischen Dienstes
einen
Grund
für
die
erbetene
Konsultation
anzugeben. Eine Befragung zu den Gründen der
Vorstellung erfolgt aus Gründen der Koordination
unter Beachtung des Datenschutzes ausschließlich
durch das Personal des medizinischen Dienstes.
Dabei wird allein das Ziel verfolgt, zu koordinieren,
ob eine Vorstellung beim Arzt gewünscht ist oder
aber
ein
Termin
beim
medizinischen
Krankenpflegepersonal ausreicht.
7. HaftLeben: Unterliegen die bei der Justiz
angestellten Ärzte der Schweigepflicht?
Anstaltsleitung:
Das ärztliche Personal
der
Justizvollzugsanstalt unterliegt im Grundsatz der
Schweigepflicht, sofern es nicht davon entbunden
wird.
In
Anwendung
von
§
98
Abs.
2ff.
SächsStVollzG ggf. i.V.m. § 88 SächsUHaftVollzG/
§ 90 Abs. 2ff. SächsJStVollzG bestehen jedoch im
Einzelfall Offenbarungspflichten auch ohne die
Zustimmung
oder
gegen
den
Willen
der
Gefangenen.
8. Warum kann/ darf nur ein Arzt
die
Gesundheitsausweise ausstellen? Warum hat
dieses Recht nicht auch der Vertretungsarzt?
Anstaltsleitung:
Die gesetzlichen Vorgaben der §§
42, 43 des Infektionsschutzgesetzes gelten auch
für den Umgang mit Lebensmitteln innerhalb einer
Anstalt.
Es
entspricht
den
derzeitigen
Gegebenheiten,
dass
die
in
der
Justizvollzugsanstalt
Chemnitz
derzeit
tätigen
Vertragsärzte über keine notwendige Beauftragung
durch das Gesundheitsamt verfügen.
Die Redaktion „HaftLeben“ bedankt sich bei der
Anstaltsleitung für umfangreiche Beantwortung
unserer Fragen.
Teil 2 folgt in der Dezemberausgabe

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10
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Hier abnehmen - leichtgemacht
Teil 1: Figur- und Gewichtsprobleme
(HL/KG/DA) Zu wenig Bewegung, Kohlehydrat-
reiche
Ernährung
mit
Glutamaten
und
Geschmacksverstärkern,
zu
wenig
Geld
um
gesunde frische Lebensmittel zu erwerben, Frust,
Angst, Einsamkeit - alles Indikatoren für falsches
Essverhalten, die dazu führen können, dass man
schnell zunimmt, oder sich vorhandene Gewichts-
probleme verstärken.
Aus der Ernährungsforschung ist bekannt, dass die
Kalorienaufnahme an das Alter anzupassen ist - je
älter, desto langsamer der Stoffwechsel und der
Abbau von zu viel aufgenommener Nahrung oder
Fett. Überhaupt ist der Körperfettanteil, ein dicker
Bauch sehr oft die Quelle von Erkrankungen des
Herz-Kreislaufsystems.
Allerdings
gibt
es
hier
Möglichkeiten,
dem
entgegenzutreten, wenn man den Willen und die
Disziplin hat:
Welche Möglichkeiten gibt es in einer JVA?
Essverhalten:
Beispiel 1:
Grundsätzlich zwischen den Mahlzeiten 5 Stunden
NICHTS essen, keine Snacks, keine Naschereien,
kein Obst - nur trinken: Mineralwasser, ungesüßte
Tees, Kaffee mit fettreduzierter Milch (auf jegliche
Art von Getränken mit Zucker, Fruchtzucker oder
Zuckerersatz ist zu verzichten)
Frühstück, Mittagessen, Abendessen einhalten
(nach 20 Uhr nichts mehr essen) und wenn möglich
die 5 Stunden Pause dazwischen einhalten.
WARUM?
Der Körper produziert beim Essen Insulin, wenn
man nicht isst, entfällt dies, und der Körper
verarbeitet die aufgenommene Nahrung, verwertet
das Fett.
Isst man z. B. 2 Stunden nach dem Mittagessen
ein Stück Kuchen, unterbricht der Körper die
Fettverbrennung, parkt alles nicht Verwertete erst
mal in den Fettzellen, der Insulinspiegel fährt hoch
und der Körper stürzt sich auf die Verwertung der
neuen Nahrung - die in den Fettzellen geparkte
Nahrung verbleibt dort - für vermeintlich schlechte
Zeiten
Beispiel 2:
5 Mahlzeiten am Tag, dies bedeutet gut Frühstück,
Mittagessen, Abendbrot und zwischen durch
vormittags und nachmittags je 1 Snack, der
eiweißhaltig sein sollte, z. B. Stück Käse, kleiner
Naturjoghurt, natürlich geht auch Obst. Ansonsten
die Mahlzeiten sowie unten beschrieben.
Lebensmittel/angebotene Nahrung:
Grundsätzlich - bezogen auf die Nahrung vom
Haus: statt zwei weiße Brötchen nur eines, lieber
auf Brot zurückgreifen, auf Margarine verzichten
(oder nur sehr sparsam verwenden), Marmelade
ein Teelöffel, weitestgehender Verzicht auf die
Soßen im Mittagessen, bei Nudeln nur die halbe
Portion. Wenn es mittags Nudeln gibt, abends nur
1 Brot und lieber das Obst, den Salat oder den
Joghurt essen. Gibt es mittags Reis, die Hälfte der
Portion für den nächsten Tag abends aufheben und
mit Obst oder Wurst vermischen und als Salat
essen. Verzicht auf den erhältlichen Malzkaffee,
dies ist eine Kalorienbombe, den Tee nur
ungesüßt. Vom süßen Essen am Samstag nur die
Hälfte und das erst später, weil die Zeit zwischen
Frühstück und Mittag zu kurz ist. Verzicht auf die
„Semmelknödel“ (geschmacklose Kalorienbombe)
Fakt: ohne das Stück Schokolade, den Bonbon
oder die Handvoll Chips geht es nicht - allerdings
sollte die Umstellung auf die neue Essgewohnheit
begonnen werden, indem man 4 Wochen komplett
darauf verzichtet. Danach ja - aber in Maßen und
immer direkt nach dem Essen. Dies ist überhaupt
ein wichtiger Punkt
bei jeder Mahlzeit nach-
einander alles essen, immer ein Stück Obst dazu
und das Stückchen Süßigkeit zum Schluss oder
den Joghurt. Der nachmittägliche Kaffee mit dem
Stück Kuchen muss entfallen. Wer das gar nicht
schafft, 4 Wochen zu verzichten, sollte abends statt
Chips ein paar Salzstangen oder eine Handvoll
Nüsse essen. Früh 1 Stück Zartbitter Schokolade
schadet auch nicht.
Lebensmittel / Einkauf:
Auf der Liste sollte stehen: frisches Gemüse,
frisches Obst (die ersten 3 Monate keine Trauben
wegen dem hohen Fruchtzuckergehalt und der
Kohlehydrate).

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Haft Leben
11
Hier abnehmen - leichtgemacht
Fotos: by-sassi / pixelio.de + Archiv, HaftLeben
Naturjoghurt, Käse, Müsli, magere Wurst, mageres
Fleisch,
Fisch,
Olivenöl,
Rapsöl,
Eier,
Vollkornprodukte, Rama zum Braten und körnige
Fleisch- oder Gemüsebrühe, Knäckebrot und
Eiweißbrot,
Frischkäseaufstrich,
Nüsse,
Studentenfutter.
Wer es ganz genau nehmen möchte, der sollte
viele hochwertige Vollkornprodukte kaufen (Reis,
Mehl, Brot, Brötchen, Nudeln). Dies ist allerdings
eine Preisfrage, da die Produkte sehr teuer sind.
Vielleicht findet man ein/mehrere Partner, die
mitmachen wollen, das wäre preisgünstiger und vor
allem auch motivierend.
Daraus resultiert:
Morgens:
Beispiel 3:
Knäckebrot oder 2 Eiweißbrot entweder mit
Aufstrich oder magerer Wurst und Käse, dazu
1 Naturjoghurt oder 1 Obst (wer etwas Süßes
benötigt: z. B. 1 Tel. Marmelade in den Joghurt ist
genehmigt)
Kaffee mit 1,5 % Milch, ohne Zucker oder
ungesüßten Tee
Beispiel 4:
1 Vollkornbrötchen oder Naturjoghurt mit Müsli/
Haferflocken nach Belieben mit frischem Obst
mischen oder einfach nur mit frischem Obst,
natürlich kann man auch hier, wer auf süßes nicht
verzichten kann, dann ist jetzt der Zeitpunkt, dies
am Morgen zu tun - in Maßen!
Während des Tages viel Mineralwasser trinken
oder/und ungesüßten Tee oder ungesüßten Kaffee,
da Getränke auch das Hungergefühl nehmen.
Trinken ist der wichtigste Aspekt, da es die
überschüssigen Gifte ausspült.
Mittags:
Vom angebotenen Essen maximal die Hälfte, auf
die Soße nach Möglichkeit verzichten. Oder auch
Kohlenhydrate von Fetten trennen z. B. nur Fleisch
und Gemüse essen und Nudeln, Reis und
Kartoffeln weglassen.
Abends:
-
möglichst vor 20 Uhr essen
Für die ersten 3 Tage eine Gemüsesuppe kochen.
Anschließend gilt die Regel: 1 Abend ohne
Kohlehydrate (also kein Brot, Brötchen, Nudeln,
Reis etc.) à erlaubt ist Obst, Gemüse, Tomate/
Mozzarella, Naturjoghurt, Joghurtdrinks oder ein
Eiweißdrink, Spiegeleier, Käse, Salat, Thunfisch
ohne Öl - 1 Abend Kohlehydrate, z. B. 100 g
Spaghetti mit selbstgemachter Tomatensoße, ein
Reissalat, gebratener Reis mit Kokosmilch etc.…
Zum
Abschluss eine Handvoll Nüsse oder
Studentenfutter.
Nach 4 Wochen sind dann ein Dickmann oder ein
Stück Schokolade erlaubt.
Natürlich sind abends Eiweiße wichtig, da sie
sättigen und so der nächtlichen Heißhungerattacke
entgegenstehen. Außerdem, wer früh noch satt ist
hat abends
„zu viel“
gegessen.
Beim Braten die Pfanne nur mit Fett auspinseln,
nur „gute“ Öle verwenden oder RAMA zum Braten.
Ganz wichtig sind Bewegung und Sport, um die
Stoffwechselumstellung zu unterstützen!
Die hier angebotenen Möglichkeiten sollten daher
genutzt werden:
Hofgang:
Wechsel zwischen schnelle Gehen und leichtem
Joggen - (mind. 3 x die Woche).
Sportgruppe/Kraftsportgruppe: hier sind der Cross-
trainer, Stepper, Ruder und/oder das Laufband zu
empfehlen, leichte Hantelübungen unterstützen den
Muskelaufbau und den Fettabbau, Sit-Ups die
Rückbildung des Bäuchleins.
Wer Kenntnis und Interesse an Yoga hat, sollte
dies
unbedingt
in
seinen
Tagesablauf
mit
einbinden, weil dies Körper, Geist und Seele
unterstützt, motiviert und heilt.
Ganz wichtig, zuerst müsst ihr das auch selbst
wollen und dies fängt im Kopf an, euer Körper
verlangt nicht den ganzen Tag nach Essen und
ihr habt nicht den ganzen Tag Hunger, dies
spielt sich im Kopf ab. Auch solltet ihr nur so
viel essen bis ihr satt seid, satt heißt nicht
vollgefressen!
Fortsetzung folgt….

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12
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
HL - Low Carb - Rezepte
Von BambulaA, Quelle:
www.Chefkoch.de
Pizzaboden aus Thunfisch
Zutaten für 4 Personen:
3 Dosen
Thunfisch, im eigenen Saft
6 Eier
4 Scheiben Kochschinken
160 g Käse, geriebener nach Belieben
Salz, Pfeffer, Oregano, Tomatensauce
Zubereitung
Arbeitszeit: ca. 15 Min. / Koch-/Backzeit: ca. 30 Min. / Schwierigkeitsgrad: simpel / Kalorien p. P.: keine
Angabe
Zwei Eier in einer Schüssel gut verrühren. Thunfisch abtropfen lassen und zu den Eiern hinzugeben und
gut durchkneten. Den Thunfisch auf ein Backblech mit Backpapier geben und eine runde Form formen.
Der Boden sollte so 0,4 - 0,6 cm dick sein. Den Thunfisch im vorgeheizten Backofen für 10-15 Min bei
180 °C backen.
Nach den 10-15 Minuten den Pizzaboden aus dem Ofen nehmen und mit Tomatensoße bestreichen und
mit Salz, Pfeffer und Oregano würzen. Schinkenscheiben klein reißen und die Pizza belegen. Die Pizza
mit Käse bestreuen. Ei aufschlagen und auf die Pizza geben.
Danach die Pizza wieder in den Ofen geben und ca. 20 Min backen bis das Ei durch ist und der Käse eine
schöne goldene Farbe hat.
Die Pizza kann je nach Geschmack belegt werden.
Von milti123, Quelle:
www.Chefkoch.de
Low Carb Burgerbrötchen 'Oopsies'
Zutaten für 3 Portionen
3 mittelgroße Eier
100 g
Frischkäse, 16 % oder auch 0,2 %
etwas
Salz und evtl. Sesam
Zubereitung
Arbeitszeit: ca. 5 Min. / Koch-/Backzeit: ca. 25 Min.
Die Eier trennen und das Eigelb mit dem Frischkäse und Salz vermengen. Das Eiweiß schön steif
schlagen und unter die Masse heben.
Die Masse in 6 Häufen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech geben. Nach Belieben die
Burgerbrötchen mit Sesam bestreuen.
Bei 150 °C ca. 25 Minuten goldbraun backen.
Man benötigt für einen Burger 2 Brötchen, Ober- und Unterseite. Belegen könnt ihr euren Burger nach
den gegebenen Möglichkeiten sowie Lust und Laune.

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Haft Leben
13
Die Minimalismus-Lüge
(HL/PJO) Die jungen Leute nehmen Besitz nicht
mehr so wichtig - heißt es oft. Sie fühlen sich
fortschrittlich dabei. Doch hier in der JVA wird der
Trend von draußen vorgeschrieben.
Von Diogenes, dem antiken Philosophen, der in
einer Tonne hauste, ist folgende Anekdote
überliefert. Er soll dabei beobachtet worden sein,
wie er Statuen angebettelt hat. Natürlich ließ sein
Flehen die Steinfiguren vollkommen ungerührt -
und natürlich wusste Diogenes das. Er war der
Meinung, dass das Betteln ohne Aussicht auf Erfolg
ihm als mentales Training diene: Er wolle sich darin
üben, dass ihm Wünsche abgeschlagen werden.
Ich käme nie auf die Idee, als Verzichtsübung
Steinfiguren anzubetteln. Aber ich wäre auch nie
auf die Idee gekommen, dass ich diesen Verzicht
mal im Gefängnis erlebe. Besitz ist hier relativ, es
wird genau geregelt, was wir auf unserem Haft-
räumen erlaubt ist: 2 Jeans, 2 Jogginghosen,
2 Pullover ... 1 Gabel, 1 Messer ... etc. - so schreibt
es die Hausordnung vor. Draußen kann ich euch
gar nicht sagen, wie viele Kleidungsstücke in
meinem Kleiderschrank verborgen sind, die einen
mehr, die anderen weniger getragen. Wobei ich
auch zugebe, dass viele von den Dingen, welche
ich "draußen" besitze, lange Zeit gar nicht wollte -
sie wurden mir beispielsweise durch meine Eltern
oder meine Freunde aufgezwungen. Ja - es gehört
irgendwie dazu, es zu haben, ob man es braucht
oder nicht. Das Gefühl des Besitzes ist mitunter ein
gutes beruhigendes Gefühl und selten wird
nachgefragt, ob es wirklich sinnvoll ist.
Hier hinter Gittern übt man sich in Verzicht -
gezwungenermaßen. Wenn die T-Shirts einem
nicht mehr gefallen, kann man hier nicht einfach
losgehen und diese neu kaufen. Man kann sie nicht
jeden Tag tauschen, weil es die Anzahl nicht
hergibt und irgendwann hat man das Gefühl, diese
T-Shirts auch einfach nicht mehr sehen zu können.
Eine begrenzte Anzahl an Sachen zu besitzen,
dient hier der Ordnung und Sicherheit - draußen
gibt es mittlerweile eine Bewegung, der sich
Menschen anschließen, die sehr minimalistisch
leben und es werden jeden Tag mehr.
Den Minimalisten ist Besitz nicht mehr so wichtig.
"Mein Haus, mein Auto, mein Boot?" - von wegen.
Mittlerweile sind den Deutschen ein modernes
Smartphone wichtiger als ein eigenes Auto* -
Tendenz
steigend.
Die
ganz
radikalsten
Minimalisten versuchen, einem amerikanischen
Blogger nachzueifern, der vor einigen Jahren dazu
aufrief, den Besitz auf 100 Dinge zu begrenzen und
damit eine Bewegung los trat. 100 Dinge sind
wirklich sehr wenig - aber sie sind eben alle nicht
lebensnotwendig. Und doch finde ich, dass es sich
komisch anfühlt, wenn man den Besitz vorge-
schrieben bekommt. Draußen ist es eine Trend-
bewegung - hier ist es wieder ein Zwang. Und ein
Zwang hat nun mal diesen bitteren Beigeschmack.
Denn wirklich befreiend ist Verzicht doch erst, wenn
man weiß, dass man ihn nicht nötig hätte. Es hilft
natürlich gegen Verbitterung, wenn man sich
einredet, dass man die Dinge, die man nicht
erreichen kann, gar nicht erst haben wollte. Unser
vorauseilender
Verzicht
hat
insofern
etwas
Befreiendes. Die Individualität, heute das wichtigste
Statussymbol - aber Individualität ist uns irgendwie
hier genommen. Wir sollen uns hier an die
Hausordnung halten und wir können uns noch für
das rote oder das blaue T-Shirt entscheiden. Die
Anzahl an Besitz steht jedoch fest. Ob wir an dem
Trend
Minimalismus
überhaupt teilnehmen
wollen, werden wir
nicht gefragt.
Ob wir nach der Haft
minimalistisch
leben
werden,
wage
ich
doch zu bezweifeln,
aber Besitz werden
wir auch anders ein-
ordnen
als
manch
anderer.
Glaubt mir, ich
stimme auf jeden Fall zu, dass gemeinsame
Erlebnisse mit der Familie, Freunden viel mehr
wiegen als mancher Besitz und diese sind somit
UNBEZAHLBAR
.
* Umfrage des Beratungsunternehmens Prophet von 2015

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14
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Seit 1. Juli 2017 gilt ein neuer Pfändungsfreibetrag
Zum 1. Juli 2017 sind die Pfändungsfreigrenzen stark gestiegen. Die neuen Freigrenzen wurden bereits
im Bundesgesetzblatt (BGBl. Teil I Nr. 18 v. 07.04.17, S. 750ff.) veröffentlicht. Die Erhöhung war längst
überfällig, da die letzte im Jahre 2015 stattfand.
Viele Menschen sind hoch verschuldet. Daher ist es wichtig zu wissen, ab welchem monatlichem Betrag
Gläubiger pfänden lassen können. Seit dem 1. Juli 2017 gilt der nicht-pfändbare Grundbetrag 1.133,80
EUR statt bisher: 1.073,88 EUR.
Dieser Grundfreibetrag erhöht sich noch einmal, wenn Kinder im Hause leben und damit gesetzliche
Unterhaltspflichten zu erfüllen sind.
Für das erste Kind kommen dann noch einmal 426,71 EUR statt bisher: 404,16 EUR dazu. Für das jeweils
zweite, dritte, vierte und fünfte Kind 237,73 EUR statt der bisherigen 225,17 EUR. Wie viel bei den
jeweiligen Nettoeinkommen einer Person genau zu pfänden ist, ergibt sich aus der Pfändungstabelle.
Die neue Tabelle hat auch Folgen für das P-Konto. Denn hier erhöhen sich ebenfalls die Freibeträge.
Somit liegt der einfache Grundfreibetrag ohne Kindergeld und Unterhaltspflichten bei 1133,80 EUR.
Kommt eine Unterhaltspflicht hinzu, liegt der Freibetrag bei 1560,51 EUR ohne das Kindergeld.
Der Freibetrag soll garantieren, dass einem Schuldner eine existenzsichernde Grundlage verbleibt und
der Gläubiger diese nicht „wegpfänden“ kann. Somit bleiben auch die Rechte der Unterhaltsberechtigten
des Unterhaltspflichtigen gewahrt. Der höchste Grundfreibetrag, der inklusive aller Unterhaltspflichtigen
gestattet wird, liegt bei 2511,43 EUR. Bislang lag dieser Höchstbetrag bei 2378,72 EUR. (sb)
Quelle:
http://www.gegen-hartz.de/mobile/mobil/nachrichtenueberhartziv/neue-pfaendungsfreibetrag-seit-2017.php
Stand: 02.08.2017
Foto: made_by_nana-fotolia

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Haft Leben
15
Patientenrecht - ein Einblick
(HL/PJO) Die Rechte aller Patienten wurde 2013 im
Bürgerlichen Gesetzbuch verankert.
Sie gelten auch für uns als Patienten in Haft. So ist
der Arzt entsprechend verpflichtet, den Patienten
über die Diagnose und die etwaigen Behandlungs-
methoden aufzuklären.
Grundsätzlich stellt jede Behandlung einen Eingriff
in den Körper dar und jeder hat das Recht, eine
Behandlung abzulehnen bzw. zu befürworten.
Ohne die Einwilligung des Patienten kann der Arzt
nichts unternehmen. Dazu ist es eben notwendig,
vollumfänglich als Patient aufgeklärt zu sein, um
überhaupt eine Möglichkeit zu haben, eine Ent-
scheidung zu treffen.
Ebenso hat der Patient die Möglichkeit, bei einem
anstehenden operativen Eingriff eine Zweitmeinung
einzuholen.
Sollte es einmal notwendig werden, dass ihr einen
Behandlungsfehler vermutet, liegt die Beweislast bei
dem Patienten. Dass heißt, ihr müsst beweisen,
dass ein Behandlungsfehler vorliegt. Dies ist
mitunter sehr schwierig, da hilft es auch, die
Einsicht in die Patientenakte vornehmen zu lassen.
Denn auch wenn es nicht um einen Behand-
lungsfehler geht, sind dies alles Daten, die über
euch gespeichert werden.
Eventuell
private
Krankenversicherungsunter-
nehmen erhalten hier einige Ausschnitte an
Informationen, bei denen es schwierig werden
könnte, dass eine private Krankenversicherung oder
auch Zusatzversicherung (beispielsweise für Zahn-
ersatz) abgeschlossen werden kann.
Denn wenn mal ein falscher Diagnoseschlüssel
gespeichert wurde, habt ihr es schwer, euch
entsprechend abzusichern.
Dazu habt ihr das Recht, eure Patientenakte
einzusehen - auch hier in der JVA Chemnitz. Im
§ 630g BGB ist dieser Anspruch auch gesetzlich
geregelt, demnach muss der Arzt oder das Personal
der Arztpraxis euch unverzüglich Einsicht geben.
Ihr könnt zwar vertröstet werden, wenn ihr gerade
den Praxisablauf dadurch stören würdet, aber in
diesem Fall muss euch ein zeitnaher Termin
benannt werden. Wenn ihr auch Kopien aus eurer
Patientenakte haben möchtet, habt ihr einen
Anspruch darauf. Nur die Kosten müsst ihr für die
Kopien selbst tragen.
Grundsätzlich ist es schwierig, die Patientenrechte
im Einzelfall zu klären, da evtl. viele Umstände eine
Rolle spielen - eben auch gerade im Fall eines
Verdachtes auf Behandlungsfehler.
Wenn ihr persönliche Fragen zu eurem Recht als
Patient habt, könnt ihr euch gern auch schriftlich an
die Unabhängige Patientenberatung Deutschland
(Tempelhofer Weg 62, 12347 Berlin) wenden.
Diese
Organisation
berät
euch
kostenfrei,
unabhängig und neutral zu allen Fragen im
Patientenrecht, zu medizinischen Anliegen oder
auch zu Arzneimitteln - ebenso zu Versicherungs-
fragen - beispielsweise Schulden durch Beiträge an
die Krankenversicherung.
Foto: Ligamenta Wirbelsäulenzentrum / pixelio.de

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16
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Gibt es eine Alternative für die Haft?
Zum nachfolgenden Text verweisen wir nochmal ausdrücklich auf das
abgedruckte Impressum auf Seite 29.
(HL/KS) Gefängnis als Einrichtung ist längst
überholt und braucht grundlegende Veränderung.
Diese Erkenntnis beginnt endlich im gesell-
schaftlichen Bewusstsein anzukommen.
Mittlerweile
treten
immer
mehr
fachkundige
Menschen für menschenwürdige und damit radikale
- an die Wurzel gehende - Alternativen zum
Strafvollzug ein.
So sagt zum Beispiel Prof. Dr. Bernd Maelicke:
„Menschen wegzusperren ist einfach und führt
meistens zu nichts.“ Eine seiner bekanntesten
Veröffentlichungen dazu ist: „Das Knast-Dilemma -
Wegsperren oder resozialisieren?“
Der Berliner Professor Dr. Heinz Cornel aus Berlin
verlangt, dass sich alle Interventionen daran
messen lassen müssen, dass sie der sozialen
Gerechtigkeit und der Vermeidung von Leid
verpflichtet sind - nicht einer Tradition des ver-
geltenden Strafens, des Einsperrens und der
Herrschaft der Privilegierten.
Auch Strafrechtsprofessor Dr. Feest und Dr.
Volkmar Schöneburg kritisieren den derzeitigen
Strafvollzeug.
Dr. Thomas Galli war Gefängnisdirektor in Sachsen
und ist jetzt als Rechtsanwalt in Augsburg tätig.
Seit vielen Jahren hat auch er sich in der
Öffentlichkeit
immer
dafür
ausgesprochen,
gesellschaftliche Alternativen Haft und Gefängnis-
unterbringung zu schaffen.
Im
Nachwort
seines
aktuellen
Buches
'Die
Gefährlichkeit des Täters' beschreibt er sinnvolle
Alternativen zur Haft - aufgrund seiner jahrelangen
Sachkenntnis von deren Folgen für die davon
Betroffenen und für die Gesellschaft.
Kein Mensch wird durch Wegsperren besser. Strafe
heilt kein schädigendes Verhalten. Absurd und
radikal ist es, Menschen wegzusperren, die nicht
schwerkriminell sind. Derzeit werden (mindestens!)
90 Prozent aller Gefangenen ihrer Freiheit beraubt,
ohne dass es sinnvoll, angemessen und mensch-
lich ist.
Staatliche Gewalt überträgt sich immer auch auf die
Menschen.
Alternativen schaffen statt Angst schüren
Nach der Haft ist es noch schwieriger, in der
Gesellschaft wieder Fuß zu fassen.
Der Strafvollzug kostet jährlich mehrere Milliarden
Euro.
Ausbildungs- und Behandlungsmaßnahmen in
offenen Strukturen sind außerhalb des Gefäng-
nisses
erfolgversprechender,
fruchtbarer
und
wirkungsvoller.
Gemeinnützige Tätigkeiten mit
alternativen ambulanten Maßnahmen sind sinn-
voller als Strafe sowohl für die betroffenen
Menschen wie auch für ihr soziales Umfeld und für
die Gesellschaft.
Solche alternativen Maßnahmen sowie mehr
Unterstützung für Opfer und deren Angehörige sind
sinnvoller als kostenintensiver Freiheitsentzug.
Allerdings ist es notwendig, dass die Gesellschaft
alles tut, um Gewalt grundsätzlich zu verhindern.
Dies bedeutet das gesellschaftliche Miteinander zu
verbessern - anstatt die Lösung des Problems der
Gewalt ausschließlich in den Tätern zu suchen.
Denn das Gefährliche und Böse hängt fast immer
mit den sozialen Umständen zusammen - und für
diese sind wir alle mit verantwortlich und diese
können wir selbst auch verändern, damit die
Gesellschaft endlich wirklich menschlich wird.
Dennoch hat die Gesellschaft das Recht und die
Pflicht, jene auszuschließen und ihnen die Freiheit
zu nehmen, die (immer wieder) anderen Menschen
Gewalt zufügen.
Viele der Täter (alle!?) waren selbst Opfer
Aber nicht alle Opfer werden zu Tätern: über 90 %
der Gewaltverbrechen werden von Männern verübt
und Frauen sind vorwiegend die Opfer.
Die Redaktion der „HaftLeben“ dankt
Dr. Galli für die Schenkung seines
neuen Buches
„Die Gefährlichkeit des Täters“
anlässlich seiner Lesung im April 2017
in Chemnitz.

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Haft Leben
17
Gibt es eine Alternative für die Haft?
Frauen richten die erlittene Gewalt im Allgemeinen
gegen sich selbst.
Schmerz und hilflose Wut an Straftätern auszu-
lassen nützt niemanden.
Verursachtes Leid kann ohnehin nicht wieder gut
gemacht werden - kein Kind wird wieder lebendig,
wenn der Täter möglichst hart bestraft wird.
Therapie ist nicht ausreichend und nicht verlässlich
wirkungsvoll.
Was macht man aber nun mit denen, die
anderen massiv schaden?
Schwerverbrecher müssen so gesichert unter-
gebracht sein, dass sie anderen Menschen keine
Gewalt
zufügen
können
-
allerdings
unter
menschenwürdigen Bedingungen, die heilen helfen
statt zusätzlich zu traumatisieren.
Bei diesen wenigen höchst gewalttätigen Menschen
hat die Gesellschaft das Recht und die Pflicht,
überhaupt keinerlei Gefahr von ihnen zu dulden.
Bundesweit sind es höchstens einige Hundert, die
eines gesicherten und ggf. lebenslangen Freiheits-
entzuges bedürfen.
Entscheidend
ist
es
diesen
unvermeidbaren
Freiheitsentzug für die wenigen schweren Straftäter
zum Schutz der Allgemeinheit verlässlich zu
sichern.
Grundlage dieser Insellösung wären allein die Taten
der Betroffenen.
Der Freiheitsentzug für diese wenigen, andere
gefährdenden Menschen sollte in einem nach
außen mehrfach gesicherten Bereich erfolgen, in
denen die Betroffenen nach innen weitgehend
selbstverantwortlich
und
selbstbestimmt
leben
können und gemeinnützige Arbeit im Sinne der
Wiedergutmachung leisten, deren Erträge für das
Gemeinwohl eingesetzt werden.
Grundsätzlich sollte dieser Freiheitsentzug bis zum
Lebensende dauern. In gerechtfertigten Fällen kann
diese Entscheidung im hohen Alter der Täter
nochmals überprüft werden. Und da ist es sinn-
stiftend,
wenn
solche
Täter
in
den
Dorf-
gemeinschaften Arbeiten leisten, die der gesamten
Gesellschaft dienen.
Zur Einschränkung von Gewalt in diesen gesicher-
ten Inseln bzw. Dorfgemeinschaften braucht es in
diesen Einrichtungen natürlich massive staatliche
Kontrolle.
Red.: Wenn ihr selbst Anregungen und Einfälle zu
Alternativen zu Haft und Gefängnis habt - so schickt
sie bitte an die Redaktion. Wir werden sie sammeln
und an die oben genannten Fachleute sowie an
andere geeignete Stellen weiterleiten, damit es bald
ein mehr an Freiheit und Würde für alle gibt.
Fotos, links: Zimmermann, 20170427_1
rechts: Archiv der HL, LR 04/2017

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18
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Mutter Teresa - war zweimal in Chemnitz
Trotzdem - Mutter Teresa
und die Missionarinnen der Nächstenliebe -
auch hier in Chemnitz!
(HL/KS) Menschen können oberflächlich, unver-
nünftig und selbstsüchtig sein.
Liebe diese Menschen trotzdem.
Wenn du Gutes tust, kann es sein, dass Menschen
dir eigennützige Hintergedanken unterstellen.
Tue trotzdem Gutes.
Menschen bemitleiden Verlierer und folgen meist
den Gewinnern.
Hilf trotzdem ein paar von den Verlierern.
Viele Menschen brauchen wirklich Hilfe, doch es
kann sein, dass sie dich angreifen, wenn du
versuchst, ihnen zu helfen.
Hilf diesen Menschen trotzdem.
Gib der Welt das Beste, was du hast und du wirst
zum Dank dafür einen Tritt erhalten.
Gib der Welt trotzdem das Beste, was du
hast.
Letztendlich ist es dann eine Angelegenheit
zwischen dir und Gott.
Sowieso war es nie eine Angelegenheit
wischen dir und anderen.
Mutter Teresa
wurde 1910 als Gonxha (Blütenknospe) Bojaxhiu in
einer
wohlhabenden
katholischen
Familie
in
Albanien geboren. Schon als 12-jährige entschied
sie sich für ein Leben als Ordensfrau und wurde mit
18 Jahren Novizin bei den Loretoschwestern in
Irland. Nach zwei Jahren wurde sie nach Bengalen/
Indien gesandt. Bei ihrer Einkleidung nahm sie den
Ordensnamen Teresa an (nach der Therese von
Lisieux). In Kalkutta war sie 17 Jahre als Lehrerin
und später Schulleiterin an der Klosterschule tätig.
Mutter
Teresa
sprach
fließend
Bengali.
1946 verspürte sie den Ruf von Jesus den Ärmsten
der Armen zu helfen. 1950 gründete sie die
Ordensgemeinschaft
der
Missionarinnen
der
Nächstenliebe in Kalkutta. Die Schwestern halfen
Sterbenden, Waisen, Obdachlosen, Kranken -
insbesondere den Leprakranken.
Heute gehören ihrem Orden weltweit über 5000
Ordensschwestern und über 500 Ordensbrüder an
- in 710 Häusern in 133 Ländern der Erde.
Für ihr Wirken erhielt Mutter Teresa zahlreiche
Preise, darunter 1979 auch den Friedensnobel-
preis.
Mutter Teresa starb 1997 im Alter von 87 Jahren.
2003 erfolgte ihre Seligsprechung und 2016 ihre
Heiligsprechung.
Unvergessen für die Mission sowie für die
Gemeinde St. Joseph sind die Besuche von Mutter
Teresa am 27.-29. September 1984 und am 18./19.
März 1988 in Chemnitz.
Am 18.12.1983 eröffneten vier Ordensfrauen der
"Missionarinnen der Nächstenliebe" eine Nieder-
lassung in Chemnitz.
Anschrift:
Missionarinnen der Nächstenliebe
Gießerstraße 2
09130 Chemnitz
Telefon: 0371/4015030
Aufopferungsvoll helfen die vier Ordensschwestern
sozial Benachteiligten, Alten und Kranken und
begleiten Sterbende. Sie verteilen Lebensmittel
und betreiben eine kostenlose Suppenküche für
Bedürftige.
Außerdem
gehen
die
vier
Schwestern
der
Chemnitzer
Gemeinschaft
auch
täglich
zu
Bedürftigen, Einsamen und bieten ihre Hilfe an.
Sie bieten für Frauen, Kinder und Männer
kostenfreie Notunterkünfte an.
Wenn ihr möchtet, kommen die Missionarinnen der
Nächstenliebe auf Wunsch auch in die JVA
Chemnitz, um gefangenen Frauen zuzuhören und
mit ihnen zu sprechen.
Wenn ihr einen Besuch der Ordensschwestern
wünscht, so teilt dies bitte mittels Antrag an die
Pastorin Anne Straßberger oder Pater Bernhard
mit, die dann alles Weitere dafür veranlassen.

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Haft Leben
19
Mutter Teresa - war zweimal in Chemnitz
Mutter Teresa zu Besuch in Chemnitz - im Gespräch mit Pfarrer
Staeger
Quelle:
http://st-joseph.verantwortungsgemeinschaft-chemnitz.de/
Die vier Ordensschwestern im Garten des Missionshauses in der Gießerstraße 2 in Chemnitz
Von links: Schwester Magnifica M.C, Schwester Cilinia M.C, Oberin Schwester Pauline M.C und
Schwester Fulginia M.C
Mutter Teresa
Fotos S. 18 und 19, unten, HL/LR, 08/2017

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20
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Knackfrischer Genuss aus dem „eigenen“ Garten
(Doreen Schietzold )
Um mich eben kurz vorzu-
stellen: Ich heiße Doreen Schietzold und bin die
Gärtnerin vom Haus 3. Ich genieße eine sehr gute
Zusammenarbeit mit unserem Gartenverantwort-
lichen Herrn Pönitz. Ich möchte euch eine kleine
Geschichte über unseren Garten, die Arbeit darin
und mein persönliches Erleben in diesem Garten
erzählen. Es ist ein wundervolles Projekt, was hier
in der JVA Chemnitz im Haus 3 ins Leben gerufen
wurde und wir dürfen dankbar sein, dass es hier
inmitten der Mauern frisches Gemüse zu ernten
gibt. Nicht zu vergessen sind die frischen Kräuter
hinter unserem Gewächshaus, die geschmacklich
sowie auch optisch unsere Salate verfeinern. Aus
Petersilie,
Schnittlauch,
Knoblauch,
Frühlings-
zwiebeln und Kapuzinerkresse lässt sich natürlich
eine schmackhafte Kräuterbutter zubereiten. Auch
Liebstöckel, Majoran und Thymian in einem
sonnigen Gelb schmücken unser Kräuterbeet und
dienen zur geschmacklichen Unterstützung von
Eintöpfen oder herzhaften Speisen. Zitronenmelisse
und frische Minze sind auch sehr beliebt und
ermöglichen gerade im Sommer ein erfrischendes
Getränk. Für kältere Tage lässt sich ein wohltuender
Tee daraus zaubern.
Um es euch bildlich besser zu verstehen zu geben:
unsere Anbaufläche, die einst aus Wiese bestand,
beträgt ca. 90 Quadratmeter, davon gehört knapp
die Hälfte unserem Gemüsebeet. Bei diesem
machen wir gute Erfahrungen mit der Anbau-
kombination von Tomaten und Paprika; Feldsalat
und Radieschen; Zwiebeln und Kohlrabi; Zucchini
und Freilandgurken; Kürbis und Buschbohnen wie
auch Stangenbohnen. Natürlich nicht kreuz und
quer, es ist ganz wichtig, zwischen den einzelnen
Pflanzen ausreichend Platz zur Luftzirkulation zu
lassen … und auf die richtige Nachbarschaft kommt
es an: es hat sich in der Praxis bewährt,
unterschiedliche Gemüsearten in einem Beet
anzupflanzen. So lassen sich die Nährstoffe im
Boden optimal nutzen, da Pflanzen derselben Art
nicht so stark miteinander in Konkurrenz treten. Um
Pflanzen zu schützen, sollten wir beim Gießen
darauf achten, dass die Blätter nicht nass werden
und somit an den Wurzeln gießen. Hilfreich ist
zudem ein sonniger und gleichsam luftiger Standort.
Dann hat es auch der Grauschimmel schwer, sich
zu behaupten. Dieser Pilz tritt vor allem an
geschwächten Pflanzen auf. Auch ein Kartoffelfeld
hat einen Platz gefunden.
Unser Gewächshaus rundet unseren Garten ab.
Hier arrangieren sich Gurken- und Paprikapflanzen,
Kohlrabi sowie Miniwassermelonen, im Moment
klein wie Tischtennisbälle … aber schön anzu -
schauen.
Wenn man überlegt, wie viel Arbeit es war … und
doch so eine wundervolle grüne Oase daraus
entstanden ist. Wenn ich jetzt die Pflanzen so sehe
und darüber nachdenke, dass es einst ein ganz
kleiner Samen war, aus dem dies entstanden ist -
und nun in einer solchen Vielfalt Früchte trägt,
staune ich immer mehr, was in so einem
Samenkorn zu unserem Wohle drinsteckt. Lasst
euch das in aller Ruhe mal bewusst werden: in
einem Samen stecken die Form, Farbe, Größe,
aber auch der Geruch und ganz entscheidend der
Geschmack
und all die Dinge, die unsere
Gesundheit unterstützen … Wahnsinn!
Rückschläge muss man auch im Garten hinnehmen
- und nicht aufgeben. Natürlich kann es passieren,
dass ein gelegter Samen nicht aufgeht. Dann steckt
man eben einen neuen und sollte dabei Geduld
aufbringen und nicht erwarten, dass von heute auf
morgen sofort Erfolge zu sehen sind. Auch
passieren kann, dass man nach dem Einpflanzen
bzw. Umsetzen einer Pflanze später feststellen
muss, dass sie eingegangen ist. Ortswechsel oder
Lageveränderung bedeuten für Pflanzen auch
Stress. Außerdem schleichen Schnecken, diese
Übeltäter, in verschiedenen Varianten in unseren
Garten und sind bei ihrer Nahrungssuche kaum
wählerisch, sondern stürzen sich förmlich auf alles,
was im heimischen Obst- und Gemüsebeet so
wächst.

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Haft Leben
21
Knackfrischer Genuss aus dem „eigenen“ Garten
Foto:s: JVA-C, Pönitz
Doch seht ihr, auch unsere Natur muss sich in
dieser Welt behaupten und ist nicht von äußeren
Einflüssen befreit. Wir gehören zu ihr - dies ist kein
Terrain, in dem alles getrennt voneinander ist und
so ein Garten lässt einen dem wieder näher-
kommen. Dabei geht es nicht darum, wer es
verdient und wer nicht oder wer was kann und wer
nicht … denn Garten kann jeder!!
Hier geht es vielmehr darum, verlorenes wieder zu
entdecken oder gar nie entdecktes Land zu finden.
Ich bin der Meinung, dass so ein Gartenprojekt ein
guter Ansatzpunkt zur Resozialisierung ist; genau
an dieser Stelle einen Samen zu legen und
ES
wachsen lassen. Das, woran wir am häufigsten
denken oder worauf wir die meiste Aufmerksamkeit
richten, wird sich als unser Leben manifestieren.
Wie alle Gesetze der Natur beweist auch diese
äußerste Perfektion. WIR erschaffen unser Leben -
was auch immer wir säen, ernten wir! Unsere
Gedanken sind Samen und die Ernte, die wir
einbringen, ist abhängig von den Samen, die wir
säen. Es gibt etwas in uns, das uns unabhängig
von Herkunft oder sozialem Umfeld innere Stärke
gibt. Sogenannte resiliente Menschen sind wie
Stehaufmännchen: Sie können angestoßen werden
und geraten aus dem Gleichgewicht, doch sie
fallen nicht um: nach einigem Hin- und Herpendeln
finden sie ihren Schwerpunkt und richten sich
wieder auf. Vergleichen lässt sich die Fähigkeit von
resilienten Menschen, sich von Rückschlägen zu
erholen mit der Fähigkeit eines Baumes, sich
optimal an veränderte Bedingungen anzupassen.
Ist
eine
Stelle
aufgrund
von
Belastungen
besonderen Spannungen ausgesetzt, produziert
der Baum weiteres Holz, um diese Spannung
auszugleichen. Jeder Ast wird so konstruiert, dass
er unter der enormen Pflanzenmasse, die an ihm
hängt, nicht bricht. Je größer die Belastung, umso
dicker wird der Ast. Selbst bei uns haften negative
Einflüsse viel schneller und heftiger, wenn wir
geschwächt sind. Der Wunsch, im individuellen
Bewusstsein unsere eigene universelle Natur zu
erkennen, den absoluten Wert von Leben, Licht
und Liebe. Obwohl es die Quelle allen Lebens ist,
sind wir Menschen die einzigen Geschöpfe, die
sich ihres angeborenen Bewusstseins bewusst
sind; wir sind die einzigen Geschöpfe die wissen,
dass sie wissen. Diese einzigartige Fähigkeit zur
Selbstreflexion gibt uns im System der Natur ein
höchstes Ziel - ja, eine Verantwortlichkeit. Ich
denke, es wird Zeit, dass wir umdenken und längst
verlorene Dinge wieder wahrnehmen. Auch ,indem
wir so einen Garten voller Blütenpracht und
frischem Gemüse nicht nur als schönes Hinter-
grundbild oder Vorratskammer bzw. zum Verzehr
wahrnehmen! Natürlich schmeckt das Gemüse
gleich viel besser, wenn man es selbst angebaut
hat und weiß, wo es herkommt. Fakt ist auch, wie
groß die Freude ist, wenn wir auf das eigen
Erschaffene blicken, das zu Beginn aus einem
einzigen Gedanken entstand.
Ich möchte euch den Anreiz
dafür
geben, euch
nicht getrennt von der Natur, sondern als Teil von
und verbunden mit IHR zu sehen! Lasst uns ein
Stück von dem in uns bewahren, von einer Zeit, als
wir noch staunend auf Dinge geblickt und mit
wundervoller Fantasie die Welt betrachtet haben.
Lasst uns anfangen, die Dinge, die uns umgeben,
nicht nur anzuschauen, sondern HINZUSEHEN.
Wir nehmen große Dinge wahr und übersehen das
Kleine ….
Mein persönliches Fazit ist, dass ich doch mit
Gewissheit sagen kann, dass bei der Gartenarbeit
nicht nur
Zeit
eine Rolle spielt, sondern auch
unsere
Geduld
geprüft wird. Bringt man sie auf,
werden zur Belohnung unsere Vorstellungen
sichtbar. Das Bild verändert sich - nimmt Gestalt
an, wenn man etwas dafür tut: es ist ein Geben
und Nehmen; wir geben dem Garten unsere
Fürsorge und Liebe - und der Garten gibt uns zum
einen frisches Gemüse … aber auch eine Aufgabe
und Verantwortung, an der wir wachsen! Wir
gewinnen an Erfahrung und Selbstvertrauen;
dürfen eins sein mit ihm.
Ich lebe im Hier und Jetzt … Momente der Stille …
ganz bei mir selbst. Folgende Worte umfassen
meine Zeit in diesem Garten: absoluter innerer
Frieden, Dankbarkeit und Liebe. Der Faden möge
niemals reißen, der uns verbindet!
Danksagung: Mein Dank gilt zunächst Herrn
Pönitz, der mich mit Geduld und ohne Tadel an
diesen Garten herangeführt hat und mir immer mit
Rat und insbesondere Tat zur Seite stand.
Zusätzlich hat beim Gewächshausaufbau auch
Frau Förster mitgewirkt, Danke dafür; aber auch an
Sylvi Schmidt, die mir stets bei großen Aufgaben
im Garten geholfen hat.
Dank auch an alle Bedienstete, die mir den
Gartenzutritt ohne Probleme ermöglicht haben.

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22
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Bild: Bernd Kasper / pixelio.de
HL- Post und Gedichte
Steven K.
, 38/192/99, dunkelblond, Augenfarbe blau,
sportlich, Single, noch bis 2019 in Haft, habe eine
Sohn (13 Jahre), mein Leben lang drogenfrei, Hobbys
sind Hunde, Oldtimer und Segeln, von Beruf
Fachinformatiker.
Chiffre_2017_3_SK_GL
Thomas
T.
,
48/172/65,
kurz
+
dunkelblond,
Augenfarbe blau, sportlich, in Scheidung, in U-Haft, 2
Söhne (20/23 J.), 2 Töchter (21/24 J.), Hobbys sind
Reisen und sonst für alles zu haben, Beruf
Schwimmbadbauer und Haustechniker
Chiffre_2017_3_TT_GL
Patrick B.
, 27/182/95, dunkelblond, Augenfarbe grau-
Grün, sportlich, im Training, in einer Beziehung aber
gegen einen netten BK hat wohl niemand etwas, in U-
Haft seit 05/17, 1 Sohn (7 J.), Hobbys Kampfsport und
Hunde,
bin
von
Beruf
Groß-
und
Einzelhandelskaufmann
Chiffre_2017_3_PB_GL
Tino R.
, 35/173/78, Haarfarbe braun, Augenfarbe grau
-grün, normale Statur, in U-Haft seit 06/17, 1 Sohn (8
J.), Hobbys Universum, Fußball und 2. Weltkrieg,
Beruf Tiefbau und Ladenbauer
Chiffre_2017_3_TR_GL
Christian L.
, 25/176/77, Haarfarbe braun, Augenfarbe
grün, normale Statur, zzt. noch vergeben - nur verläuft
es sich gerade im Sande, U-Haft seit 04/17, Hobbys
Kochen, Reisen und Spaß haben, Beruf Koch und
Lagerist
Chiffre_2017_3_CL_GL
Enrico S.
, 36/172/70, Haarfarbe braun, Augenfarbe
grün-grau, sportlich, geschieden, noch bis Nov. 2018
in Haft, 2 Kinder (Junge 7 J./Mädchen 8 J.), Beruf
Autolackierer, Telekommunikationstechnik, und Papa
Chiffre_2017_3_ES_GL
Marcel Christian S.
, 29 Jahre, normale Statur und
sportlich, tätowiert, bin solo und versuche auf diesem
Wege eine nette Brieffreundin zu finden, evtl. später
auch mehr, 2 Kinder (Junge und Mädchen), Hobbys
Fahrrad fahren, draußen sein und mit Freunden treffen
Chiffre_2017_3_MCS_GL
------------------------------------------------------------------------
In der Nacht blüht Mond
über den schneebedeckten Gipfeln
der drei heiligen Berge
singt mit den Sternen
und wartet auf die Sonne,
die kommen wird den neuen Tag zu gebären
Inmitten des Grüns schlängeln sich
HerzWege ins Künftige
hin zum Feuer vollkommener HinGabe
Im uralten Kreis der Steine
über dem ein Regenbogen
das VerBundenSein aller Wesen verkündet
Die Schwingen der Freiheit breiten sich aus
bei Tag und bei Nacht
Die Zeit der Wunder und Zauber hat begonnen
(K. S.)
Sollte einer dieser Herren euer Interesse geweckt
haben, dann verseht euren Brief mit Absender und
einer
70-Cent-Briefmarke
, hier
keine
Chiffre-
nummer drauf schreiben! Steckt diesen Brief bitte in
einen
zweiten
Umschlag, wo ihr die
jeweilige
Chiffrenummer
darauf vermerkt und übergebt
diesen Brief dem jeweiligen Stationsbediensteten.
Bitte zwecks „Postkontrolle“ der Bediensteten beide
Umschläge
nicht
zukleben!
Die Briefe werden zur Vervollständigung der
Adressen an einen von der Anstalt benannten
Bediensteten weitergeleitet. Die Adressen werden in
Zusammenarbeit mit Herrn Richter umgehend
vervollständigt und so kommt eure Post ganz
schnell auf den richtigen Weg.

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Haft Leben
23
HL - Song - Sowieso von Mark Forster
Ey stranges kleines Leben,
verläuft auf Seitenwegen.
Ich such die Mitte,
doch mein Glück liegt
meist daneben.
So selten Flugrakete,
bin mehr so Zugverspätung,
doch die Ernte kommt immer,
mann es ist gut gesät und
ich hab keinen Stress mit Warten,
geh auch durch schlechte Phasen,
ich bin geduldig und nehme zum
Schluss die besten Karten.
Und fällt der Jenga-Turm,
egal gibt eh Verlängerung,
Halt neuer Plan dann,
ey Leben ist Veränderung.
Egal was kommt,
es wird gut, sowieso,
Immer geht ne neue
Tür auf, irgendwo.
Auch wenn's grad nicht
so läuft, wie gewohnt.
Egal, es wird gut, sowieso.
Verrückte, bunte Reise,
mal Tinnitus und mal leise,
Der Bizeps wächst vom
Steuerrad-Rumgereiße
So selten fitte Planung
Bin mehr so dritte Mahnung,
Doch immer sicher im Gemetzel
dank der schicken Tarnung.
Ich schätze Wegbegleiter,
auch wenn alles seine Zeit hat,
mal 11 Freunde, dann
doch „One on One"-Karate-Fighter.
Und streikt der Sendeton,
Bleibt immer die Erinnerung.
Halt neuer Plan dann, im Blick
nach vorn steckt Linderung.
Egal was kommt,
es wird gut, sowieso,
Immer geht ne neue
Tür auf, irgendwo.
Auch wenn's grad nicht
so läuft, wie gewohnt.
Egal, es wird gut, sowieso.
Egal was kommt,
es wird gut, sowieso,
Und immer geht ne neue
Tür auf, irgendwo.
Und auch wenn's grad nicht
so läuft, wie gewohnt.
Egal, es wird gut, sowieso.
Egal was kommt,
es wird gut, sowieso,
Immer geht ne neue
Tür auf, irgendwo.
Auch wenn's grad nicht
so läuft, wie gewohnt.
Egal, es wird gut, sowieso.
Egal was kommt,
es wird gut, sowieso,
Immer geht ne neue
Tür auf, irgendwo.
Auch wenn's grad nicht
so läuft, wie gewohnt.
Egal, es wird gut, sowieso.
Auch wenn's grad nicht
so läuft, wie gewohnt.
Egal, es wird gut, sowieso.
Quelle:
http://www.songtexte.com/songtext/mark-forster/sowieso-
b1ee16a.html
Mark Forster (* 11. Januar 1984 in Kaiserslautern;
bürgerlich Mark Ćwiertnia) ist ein deutscher Sänger
und Songwriter.
Seit 2013 engagiert sich Forster als Botschafter für
Herzenssache, für die Kinderhilfsaktion.
Am 21. April 2017 erschien mit Sowieso die dritte
Singleauskopplung aus Tape. (lt. Wikipedia)

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24
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Kirche 2017
Vergeben, aber nicht vergessen
Damals, am Abend, war meine Mutter überfallen
und niedergeschlagen worden. Die Handtasche
wurde geraubt mit geringem Bargeld, aber auch
ihren Papieren und ihrem Hausschlüssel. Für die
Täter, die später verurteilt worden waren, war nur
das Geld wichtig. Für meine Mutter bedeutete dies
aber viel Zeit für Behördengänge und finanzielle
Einbußen. Die finanziellen und zeitaufwendigen
Folgen des Überfalls waren nicht schön, aber
verschmerz-
und lösbar. Den Tätern hatte sie
vergeben können, als sie von deren Situation
erfahren hatte. Meine Mutter handelte gemäß den
Worten aus der Bibel, wo es heißt
:
„Seid aber
gegeneinander gütig, mitleidig, einander ver-
gebend, wie auch Gott in Christus euch vergeben
hat.“ (Eph. 4,32) Vergessen konnte sie die Tat
natürlich nicht.
Vergeben hat nichts mit Schwäche zu tun. Es ist
ein Zeichen von Stärke und ein bewusster Schritt.
Denn wenn ich vergebe, gebe ich (auch innerlich)
den Täter frei und erlange somit selbst innerliche
Freiheit. Die Tat als solche wird dadurch nicht
besser, aber sie bestimmt nicht mehr die Gefühle
meiner Gegenwart und Zukunft. Sprich: Sie
beherrscht mich nicht mehr. Und wenn man nicht
vergeben kann? Dann hilft vielleicht der Blick auf
Jesus, der in seinem größten ihm zugefügten Leid
zum mitgekreuzigten Verbrecher am Kreuz sagt:
„Wahrlich, ich sage dir, heute wirst du mit mir im
Paradies sein“. (Lk. 23,43)
Eine weitere Begebenheit möchte ich hinzufügen,
bei der der Täter die katastrophalen Folgen nicht
einschätzen konnte. Herr H. war nach langer Zeit
endlich zum Vorstellungsgespräch in einer Firma
eingeladen worden. Es war ihm bereits mitgeteilt
worden, dass die Firma auf Grund seiner
Fähigkeiten nur noch die „Formalität“ des
Vorstellungsgespräches einhalten müsse. Herr H.
machte sich auf den Weg. Am Auto war ein
Reifenstecher am Werk gewesen. Herr H. konnte
deshalb den Termin in der Firma nicht wahr-
nehmen. Den erhofften Posten hatte er nun nicht
erhalten. Soll hier einem Menschen vergeben
werden, der vielleicht nur aus Langeweile, Frust,
oder Alkoholeinfluss die Zukunftsplanung eines
anderen durchkreuzt hatte? Kann ein solch
Geschädigter die Situation überhaupt vergessen?
Vielleicht sind Sie als Gefangene schon einmal
darauf hingewiesen worden, nach Abbüßung der
Strafe zu Geschädigten zu gehen, falls dies
möglich ist. Ein solcher Schritt ist nicht leicht. Bei
Geschädigten wird sich, was die Folgen der Tat
betrifft, wenig geändert haben. Es besteht aber
vielleicht die Möglichkeit, wenigstens zu hören: Ich
vergebe Dir.
Papst Johannes Paul II war schwer verletzt worden
durch einen Attentäter. Weltweit wurden später
Bilder gezeigt, wie der Papst ins Gefängnis
gegangen war, um Vergebung auszusprechen.
Dies
war
ein
großer,
ungewöhnlicher
Akt.
Vergessen konnte Papst Johannes Paul II das
Attentat nie. Er hatte bis zu seinem Lebensende
darunter gelitten.
Ich vergebe Dir. Bei Menschen sind wir nicht so
sicher, ob dies wirklich der Fall ist. Bei Gott sind wir
sicher, wenn wir diese Worte hören, die der
Priester in der hl. Beichte im Auftrage Gottes sagen
darf. Ein solches Wort erleichtert unser Leben, was
unsere Schuld betrifft. Falls Sie anderer Meinung
sind, reden Sie mich einfach an.
P. Bernhard
(kath. Gefängnisseelsorger)

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Haft Leben
25
Nach(t)-gedanken
BAG-S-Wegweiser im Druck
Der neu überarbeitete Ratgeber für Inhaftierte,
Entlassene und deren Angehörige ist gedruckt. Er
wird als Broschüre ab Ende August wieder
versendet.
Die Schutzgebühr beträgt nach wie vor 1.50 € plus
Versandkosten. Vorab können Sie den Wegweiser
auf unserer Homepage einsehen und kostenlos
runterladen. Die 18. Auflage ist "runderneuert": Wir
haben
nicht
nur
die
sozialgesetzlichen
Bestimmungen und Kontaktadressen aktualisiert.
Erstmals unternehmen wir den Versuch, die
Broschüre in einfacher, d.h. in verständlicher
Sprache
anzubieten.
Bestellungen bitte an: info(at)bag-s.de oder an:
Bundesarbeitsgemeinschaft für Straffälligen-
hilfe (BAG-S) e.V.
Oppelner Str. 130
53119 Bonn
Einladung
Im Juli habe ich Post vom Justizministerium
erhalten. Erst war ich sehr erstaunt, später sogar
überrascht. Für meine ehrenamtliche Arbeit sollte
ich von Herrn Staatsminister Gemkow im Rahmen
einer
Feierstunde
im
Sächsischen
Staatsministerium für Justiz eine Dankesurkunde
erhalten. Leider konnte ich an dieser Veranstaltung
aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen.
Hiermit möchte ich allen danken, die mich für die
Anerkennung vorgeschlagen haben.
Blick hinter die Gitter
Nicht viele Menschen vor den Gefängnismauern
hatten schon einmal die Gelegenheit hinter die
Gitterstäbe
genauer
hinzusehen.
Der
freie
Journalist
Alexander
Krützfeldt
hat
in
den
vergangenen Monaten viel Zeit investiert, um in die
Welt hinter Gittern einzutauchen.
Das Projekt „Acht Häftlinge” begleitet Männer bei
der Aufnahme ins Gefängnis, beschreibt ihre
Einsamkeit und ihr Ausgeliefertsein. Sie berichten
von den Hierarchien unter Gefangenen, von
Gangs, Gewalt, Drogen und der medizinischen
Versorgung.
Wir veröffentlichen zurzeit jeden Tag eine neue
Folge in dieser achtteiligen Serie. Gleichzeitig
berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ in Print
(Red.:
Sie
können
die
Berichte
selbst
in
der
Gefangenenbücherei ausleihen/ nachlesen. Dort
sind die jeweiligen Zeitungen, lt. Anstaltsleitung,
vorhanden).
Der „Bayerische Rundfunk“ hat zudem einen
dreiteiligen Podcast produziert.
Folge
1:
Die
Ohnmacht
des
Anfangs
(correctiv.org),
Link:
https://correctiv.org/recherchen/justiz/
artikel/2017/08/16/folge-1-die-ohnmacht-des-
anfangs/
Folge 2:
Das Gesetz der Familie
(correctiv.org),
Link:
https://correctiv.org/recherchen/justiz/
artikel/2017/08/17/folge-2-die-geheime-macht/
Folge
3:
Liebe
unter
Generalverdacht
(correctiv.org),
Link
:
https://correctiv.org/recherchen/justiz/
artikel/2017/08/18/liebe-unter-generalverdacht/
Folge
4:
Im
Wartezimmer
hinter
Gittern
(correctiv.org),
Link:
https://correctiv.org/recherchen/justiz/
artikel/2017/08/19/folge-4-wartezimmer-hinter-
gittern/
Multimedia-Spezial der SZ
(süddeutsche.de),
Link
:
http://gfx.sueddeutsche.de/apps/e280625/
www/
BR-Podcast: Über Schmuggel hinter Gittern
(br.de),
Link:
http://www.br.de/nachrichten/kranker-knast-1-
drogen-100.html
Alles Stand: 23.08.2017
Werte Leserinnen und Leser der Chemnitzer
Gefangenenzeitung „HaftLeben“,
ich empfehle Ihnen diese hier abgedruckten
Hinweise auszuschneiden und Ihren Verwanden
oder Interessenten zu übergeben. Ich denke, dass
diese Artikel einiges an Fragen oder eventuellen
Problemen
erklären
und
zudem
einen
interessanten Blick hinter Gitter gewährt.
Bei einer Anforderung an die
E-Mail:
HaftLeben@live.de
stellen wir Ihnen diese Links gern digital zur
Verfügung.
Ihr manchmal schlafloser
Lutz Richter

26
Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Haft Leben-Preisrätsel
1. Was schmeckt meist ofenfrisch am besten?
A: Blechkuchen
B: Nickelbrot
C: Eisensplittertorte
D: Stahlplätzchen
2. Objektiv und Okular sind die
Hauptbestandteile...?
A: eines Mikroskops
B: einer Taschenlampe
C: eines Spiegels
D: einer Brille
3. Was züchten Pilzfreunde häufig im eigenen
Garten?
A: Rothüte
B: Blauhelme
C: Braunkappen
D: Gelbmützen
4. Eine Haspel leistet gute Dienste ...?
A: beim Reiben von Käse
B: beim Aufwickeln von Seilen
C: als Zusatz beim Erkältungstee
D: als Saum bei Textilien
5. Kalt- und Warmhäuser findet man in ...?
A: einem Thermalbad
B: einem Fotolabor
C: einer Weinbrauerei
D: einem botanischen Garten
6. Was dient meist nicht der Tierhaltung?
A: Pferdestall
B: Vogelkäfig
C: Hundehütte
D: Fischschuppen
7. Was ist durchaus genießbar?
A: Kanonbirne
B: Granatapfel
C: Haubitzpflaume
D: Raketkirsche
8. Deutschlands wohl berühmtester
Restauranttester heißt Christian ...?
A: Gaum
B: Zung
C: Rach
D: Speiseröhr
9. Woran hat man vor allem im Sommer Freude?
A: Dampfwalzenstrand
B: Baggersee
C: Kranballermann
D: Gabelstaplerbad
10. Obwohl schon seit 1912 im Programm, ist
der olympische Fünfkampf namentlich immer
noch ...?
A: modern
B: up to date
C: brandneu
D: aktuell
11. Wo fanden 1989 die ersten Montags-
Demonstrationen statt, die am Beginn der
deutschen Wiedervereinigung standen?
A: Rostocker Neptunwerft
B: Leipziger Nicolaikirche
C: Berlin Alexanderplatz
D: Dresdner Staatsbibliothek
12. Wo sind Borretsch, Kerbel, Petersilie,
Kresse, Sauerampfer und Schnittlauch
Hauptbestandteile?
A: Leipziger Allerlei
B: Thüringer Klöße
C: Frankfurter Grüne Sauce
D: Aachener Printen
13. Viele Leute trinken gerne ...?
A: ruhigen Saft
B: stummes Bier
C: stilles Wasser
D: schweigsamen Fusel

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Haft Leben
27
14. Wobei greift der Handwerker zur Kelle?
A: Laminat futtern
B: Fliesen fressen
C: Wände verputzen
D: Tapeten mampfen
15. Beim Boxen heißt es immer wieder.... ?
A: Hochzeitsnacht für lau
B: Bräutigam zum Nulltarif
C: Braut geschenkt
D: Ring frei
Verschiedene Preise u.a.
(Produktbeispiele)
Aus allen Einsendungen mit mindestens
acht richtigen Antworten werden die Gewinner
gezogen. Meistens eine Gewinnerin pro Station.
Leider nur für die JVA Chemnitz!
Wie mache ich mit?
Die Lösungen bitte auf dem Lösungsbogen
ankreuzen und mit Name, Haftraumnummer,
Alter sowie ob Raucher oder Nichtraucher
angeben.
Lösungsblatt
ausschneiden
und
in
den
Briefkasten der Redaktion (z. B. Ausgang zum
Hof) bis zum
09.11.2017
einwerfen.
Name, Vorname:
________________________________________
Haftraum: __________
Alter:
__________
Nichtraucher
Raucher
Juni
2017
A
B
C
D
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
Die Redaktion dankt dem Sponsor Rudolf H.
für die zur Verfügung gestellten Preise!
Haft Leben-Preisrätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
HL - Rätsel

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Haft Leben
29
HL - Impressum
Auflösung des Rätsels aus „HaftLeben“ 02-2017
1 - B, 2 - C, 3 - D,
4 - A, 5 - A, 6 - D,
7 - A, 8 - B, 9 - C,
10 - D, 11 - C, 12 - B,
13 - B, 14 - C, 15 - D,
Gewonnen haben diesmal:
EG: Mandy M.
Stat. 1: Nicci B.
Stat. 2: Susann B.
Stat. 3: Jessica R.
Stat. 4: Keine Beteiligung
Stat. 5: Christin Doller
Stat. 6: Katharina B.
Stat. 7: Anika S.
Haus III: Lisa S.
Die Gewinne werden erst Ende
September 2017 verteilt
(Alle Stationsangaben gültig zum Zeitpunkt der
Abgabe)
Herzlichen Glückwunsch!
Reproduktionen von Artikeln, auch nur auszugs-
weise, nur mit schriftlicher Genehmigung der
Redaktion „HaftLeben“ und gegen kostenfreie
Zusendung eines Belegexemplars.
Für namentlich gekennzeichnete Beiträge (alle
angegebenen Kürzel sind mit Klarnamen hinter-
legt), übernimmt die Redaktion lediglich die presse-
rechtliche Verantwortung, diese müssen nicht
unbedingt die Meinung der Redaktion wiedergeben.
Bei eingesandten Manuskripten und Leserbriefen
setzen wir das Einverständnis zum honorarfreien
Abdruck und zur sinnwahrenden Kürzung voraus.
Für eingesandte Manuskripte, Briefe und Unter-
lagen jeglicher Art wird keine Haftung über-
nommen.
Herausgeberin:
Frau König-Bender,
Anstaltsleiterin der JVA Chemnitz (V. i. S. d. P.)
HL-Redaktionsteam: ASTI, DA, PJO, KS, RIFI,
jaha, KG
Betreuer:
Herr Richter
ehrenamtlicher Betreuer
Frau Gläser
ehrenamtliche Betreuerin
Frau Böttcher
Bedienstete, JVA-Chemnitz
Anschrift:
Redaktion „HaftLeben“ -
Gefangenenzeitung der JVA Chemnitz
Reichenhainer Straße 236
09125 Chemnitz
E-Mail:
HaftLeben@T-Online.de oder
HaftLeben@Live.de
Redaktionsschluss für die Ausgabe 04/2017:
09.11.2017
Bild: Lizenzfrei Pixelio.de

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
HL - Rezepte
Abbildungen ähnlich,
Bilderquelle:
www.Chefkoch.de
Tiramisu leicht a la Krissi & Betty
(wenig Zucker, wenig Fett)
Zutaten für 4 Portionen
500 g Quark (oder Mascarpone)
1 Packung Sahne
1 Packung Löffelbiskuits
2 Becher Kaffee oder Cappuccino
1-2 Bananen
Zucker und eventuell Vanillezucker
Kakao- oder Cappuccinopulver
Den Quark mit der flüssigen oder geschlagenen Sahne
verrühren, je nach Geschmack die gewünschte Menge
Zucker und Vanillezucker dazugeben. Die
Löffelbiskuits in einer Auflaufform auslegen und mit
Kaffee oder Cappuccino leicht tränken. Darauf dünne
Bananenscheiben und die Quark- Sahnemasse
verteilen. Oben drauf Kakao- oder Cappuccinopulver
stäuben.
Wer es fester mag, schlägt die Sahne steif. Süßen nach Geschmack. Wem die Kalorien nichts
ausmachen, nimmt Mascarpone - ansonsten Magerquark.
Guten APPETIT
Thunfisch- oder Hähnchen-Pizza (mit Quark-Ölteig)
6 EL Raps- oder Olivenöl
350 g Mehl
250 g Kräuter- oder Speisequark
1 Prise Salz, etwas Zucker
(Tipp: Für einen dickeren Teig 500 g Mehl und 1/4 bis
1/2 l Milch nehmen)
Belag:
Tomatensoße aus Tomatenmark, klein gewürfelte
Zwiebeln, Knoblauch, etwas Vegi-Brühe
Thunfisch (2 Dosen in Öl)
oder
Hähnchenfleisch (aus
der Dose bei Massak)
mit Mais (Dose bei Massak), Zwiebeln (gern auch
rote), Knoblauch, geriebener Gouda
Quark, (Milch), 6 EL Öl und eine Prise Salz/Zucker in einer Schüssel mischen. Das Mehl hinzugeben und
gut durchkneten. Den Teig mit einem gemehlten Nudelholz gleichmäßig dünn ausrollen und vorsichtig
(am besten zu zweit) auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech heben. Mit einer Gabel mehrfach in den
Teig stechen, damit sich beim Backen keine Blasen bilden. Im Backofen maximal 10 min vorbacken
(dann wird der Teig knuspriger).
In der Zwischenzeit fein gewürfelte Zwiebeln, etwas Knoblauch (den Knoblauch später hinzugeben, denn
er darf nicht anbrennen - sonst wird die Soße bitter!) in heißem Öl goldbraun andünsten. Eine halbe Tube
Tomatenmark dazu und etwas Zucker (1 EL) mit dünsten. Mit dem Vegi-Gewürz und 200 ml heißem
Wasser eine Brühe herstellen, zur Pfanne geben und etwas köcheln lassen, bis es reduziert. Die
Tomatensoße auf den vorgebackenen Teig geben und dann mit den o. g. Zutaten belegen.
Im vorgeheizten Backofen (Umluft) bei 200 °C ca. 15 bis 20 Minuten goldbraun backen.
Bon Appetit! ;)

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Haft Leben
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HL - Rätsel
HL -
Rätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
HL - Rätsel
HL -
Rätsel

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Haft Leben
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HL - Rätsel

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Gefangenenzeitung „Haft Leben“, JVA Chemnitz
Nr. 54, 2017
Ellis Blick auf die Toleranz
Elli schlich über die langen Gänge in der JVA. Es
war sehr ruhig, tagsüber sind die meisten Frauen in
ihren Arbeitsbetrieben oder sind in ihren Haft-
räumen eingeschlossen. Es war wirklich gespens-
tisch ruhig. Doch dann wurde die Ruhe durch-
brochen, sie spitzte die Ohren und setze sich in
eine Ecke, so dass sie nicht gesehen werden
konnte.
Der Schlüssel drehte sich im Schloss um, so laut
und etwas poltrig, dass sich Elli jedes Mal erschrak.
Wie das nur die Frauen aushalten, sie hören
oftmals nur den Schlüssel, ohne irgendetwas zu
sehen. Aber nun war nicht nur die Bedienstete
erschienen, hinter ihr schlich eine Frau entlang,
welche eine Art großen Sack hinter sich herzog.
Die Frau schien neu hier zu sein, denn Elli hatte sie
bis jetzt nicht wahrgenommen. Sie wirkte sehr
traurig
und
ein
wenig
eingeschüchtert.
Die
Bedienstete blieb vor einer der eisernen Türen
stehen und schloss diese auf: „Hier können Sie
sich erstmal einrichten. Weitere Informationen
bekommen Sie vom Stationsbediensteten!“ sagte
die Bedienstete. So ging die Frau in die Zelle,
danach wurde die Tür sofort wieder verschlossen,
als ob sie sonst irgendwohin flüchten könnte. Es
wurde wieder ruhig auf dem Gang. Elli blieb in ihrer
Ecke noch eine Weile sitzen und fragte sich, wie es
der Frau jetzt geht - ganz allein mit ihren
Gedanken. Elli schlich sich vor die Tür und setzte
sich genau davor und versucht zu lauschen, ob sie
etwas hören konnte. Aber es war ruhig, auch keine
anderen Geräusche drangen durch die Tür - so
dass Elli sich entschloss, durch die Tür zu gehen.
Glücklicherweise besaß sie die Fähigkeit, durch
geschlossene Türen zu gehen.
Die Frau saß auf dem Bett, der große Sack stand
mitten im Raum. Sie wirkte total in Gedanken, Elli
näherte sich ihr vorsichtig, dabei sah sie, dass der
Frau dicke Tränen über das Gesicht liefen. Sie hielt
etwas in der Hand, aber das konnte Elli nicht
erkennen. Plötzlich erschrak die Frau und sprang
vom Bett auf: „Wo kommst du denn her?“ Elli
schlang sich um ihre Beine und schnurrte. „Du
Arme, ich kann dir sicherlich nicht helfen, aber
vielleicht möchtest du über deinen Kummer mit mir
sprechen?“ Die Frau kauerte sich zu Elli hinunter
und zeigte Elli, was sie in den Händen hielt - ein
Foto. Auf diesem waren 2 glückliche Kinder, ein
Mann und die Frau zu sehen: „Das ist meine
Familie - hier waren wir noch glücklich.“ Ja
glücklich sahen sie wirklich auf dem Foto aus. Wie
eine richtige Familie - was ist nur passiert? „Weißt
du, kleine Katze - ich habe unter den Erwachsenen
keine Freunde gefunden und dann so einen großen
Fehler gemacht. Dafür wurde ich verurteilt, dafür
sitze ich meine Strafe nun ab - getrennt von meinen
Kindern und von meinem Mann. Aber das
Schlimmste fing erst hier an; ich war bis eben auf
einer anderen Station in einem anderen Haus
untergebracht. Doch die Frauen haben mich
beleidigt, mich bespuckt und mich geschlagen. Sie
wissen nichts von mir, keiner hat mit mir
gesprochen und trotzdem verurteilen sie mich. Nun
wurde ich schutzverlegt.“ Schutzverlegt - wie das
klingt, denkt Elli - im Gefängnis, wo es doch eigent-
lich am sichersten sein sollte, sind wohl nicht alle
gleich. Elli überlegt eine Weile und getraut sich gar
nicht zu fragen, warum sie denn so schlecht von
den anderen behandelt wurde. Dann überlegt sie
jedoch weiter und kam zu dem Entschluss, dass
diese Art und Weise nicht gerechtfertigt ist. Es gibt
sicherlich schlimmere Straftaten als andere. Aber
das Urteil fällt der Richter. Die Strafe muss verbüßt
werden - und die Freiheit zu verlieren ist das
härteste. Elli merkt jedoch gerade, dass sich jeder
sein eigenes Urteil über jemanden bildet und ist
traurig
darüber,
dass
dies
ohne
jegliche
Informationen über einen Menschen erfolgt. Betrug
ist nicht gleich Betrug, Totschlag nicht gleich
Totschlag - denkt Elli - es klingt komisch, aber
hinter jeder Tat stehen ein Schicksal, ein Motiv
oder auch ganz andere Ursachen. Elli ist traurig
über die Frauen, die bereits länger hier sind und es
der Frau noch schwerer machen. Elli sagt nur: „Der
Mensch ist umso größer je mehr er selbst ist.
Versuche einfach DU zu sein - je stärker du bist,
umso einfacher wirst du es hier haben. Das ist
schwer, aber vermutlich nur der Weg, der hier
funktioniert.“ Elli verabschiedete sich von der Frau
und rannte raus den Gang. Alle die sie traf,
versuchte sie, zu mehr Toleranz und Weitsicht
aufzurufen. Wir alle haben Fehler gemacht, wir alle
büßen und vor allem wollen wir alle akzeptiert
werden. Wie oft hört Elli, dass die Frauen Angst
davor haben, nicht noch einmal verurteilt zu werden
- von der Gesellschaft. Und gerade hier - wo wir
alle am ähnlichsten sind, gibt es so großen Streit.
Jeder hat eine Chance verdient - ohne Vorurteile.
Wir sehen nur mit dem Herzen gut. Das
Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!
Eure miauende Elli
Kolumne - „Ellis“ Kaffeekränzchen

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Haft Leben
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HaftLeben 03-2017 (Foto-Quelle: Tim Reckmann, pixelio)
HaftLeben 03-2017 (Foto-Quelle: Dietmar Meinert, pixelio)
HaftLeben 03-2017 (genehmigt
www.beziehungsweise-magazin.de
)
HaftLeben 03-2017 (Foto-Quelle: pixabay, frei, Foto-Ort: Wales)

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Das Geheimnis der Veränderung besteht darin,
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Sokrates
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was er selbst nie erlebt hat.
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