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PRAXISPOOL
GANZTAGSANGEBOTE
Impulse und Anregungen zur Umsetzung
des Qualitätsrahmens Ganztagsangebote
Praxisbeispiel Qualitätsmerkmal
»Gestaltung der Zeitstruktur«
Die Zeitstruktur am »Förderzentrum am
Bergbaummuseum« in Oelsnitz im Erzgebirge

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darf zu stärken oder Absprachen mit den Bezugslehrerinnen und –lehrern zu treffen. Vor der Ein-
führung dieser neuen Zeitstruktur zum Schuljahr 2012/13 stieß der offene Beginn im Kollegium
eher auf Ablehnung und war mit der Befürchtung verbunden, unnötig Zeit zu verschwenden. Mitt-
lerweile genießt dieses Element großen Zuspruch. So wird der »offene Beginn« längst als selbstver-
ständliche Phase des Ankommens in einem bedürfnisorientierten, rhythmisierten Schultag angese-
hen, die sich positiv auf den weiteren Tagesverlauf auswirkt. Konzentriert starten die Schülerinnen
und Schüler beider Förderschwerpunkte 08:10 Uhr in den ersten 90-minütigen Unterrichtsblock.
Während im FSP »geistige Entwicklung« im Anschluss die gemeinsam gestaltete Frühstückspause
stattfindet, können sich die Schülerinnen und Schüler im FSP »Lernen« draußen austoben. An den
zweiten Unterrichtsblock schließt die Mittagspause an, die aufgrund der gesetzlichen Vorgaben
im FSP »geistige Entwicklung« länger ist und daher die Hofpause vor dem Essen einschließt. Bei
ungeeigneter Witterung bietet die bewegte Gangpause mit abwechslungsreichen Spielgeräten eine
gute Alternative zum Außengelände. Einen Ort der Entspannung bietet nach dem Mittagessen der
Snoezelenraum.
Während beide Schulteile vormittags zeitlich parallel im Blockmodell laufen, variiert dies am
Nachmittag. Im FSP »Lernen« sind die fünfte, sechste und siebte Einheit Einzelstunden (à 45 Mi-
nuten), um v.a. Fächer wie Musik und Kunst oder Geschichte und Gemeinschaftskunde einzubau-
en. Im FSP »geistige Entwicklung« schließt der Tag nach der fünften Stunde mit einem weiteren
90-minütigen Block.
Die Organisation von Unterricht und GTA verteilt sich am FSZ Oelsnitz auf Vor- und Nachmittag.
Dabei gibt es je nach FSP und Klassenstufen verschiedene Modelle. Am Montag findet in der Unter-
stufe des FSP »Lernen« im ersten Block stets ein Morgenkreis mit anschließendem Förderband statt.
Die Klassen 1 bis 4 werden hier in den Angeboten Reiten, Zahlenkiste, Yoga, Sprach- und Metho-
denkiste gefördert. Dienstags und donnerstags bietet das Mittagsband für die Klassen 5 und 6 im
FSP »Lernen« in der sechsten Stunde eine Möglichkeit zur Reaktivierung durch Musik, Kunst oder
Sport, um dem Nachmittagstief vorzubeugen. Vergleichbar finden sich Schülerinnen und Schüler
des FSP »geistige Entwicklung« montags in der fünften und sechsten Stunde zu den sog. Neigungs-
gruppen zusammen. Zudem wählen die Schülerinnen und Schüler beider Förderschwerpunkte am
Nachmittag zwischen den Angeboten Fußball, Yoga, Kunst, Tanzen/Zumba, wofür sie sich für ein
Schuljahr verpflichtend eintragen. In diesem Nachmittagsangebot sind die Kinder und Jugendli-
chen beider FSP gemeinsam aktiv. Parallel bietet die Hausaufgabenbetreuung Unterstützung bei
individuellem Förderbedarf.
Insgesamt entsteht auf diese Weise ein »angenehmer Wechsel zwischen An- und Entspannung für
die Schülerinnen und Schüler sowie ein Wechsel zwischen lehrplangebundenen und lehrplanferne-
ren Lerneinheiten«, wie die GTA-Koordinatorin und Fachleiterin im FSP »geistige Entwicklung« Anja
Rottluff die dahinterliegende Idee beschreibt. Schulen, die sich auf den Weg zur Umstellung ihrer
Zeitstruktur begeben wollen, empfiehlt sie, kleinschrittig vorzugehen. Man könne nicht alles mit
einem Mal umstellen.
Die Stundenplanänderungen und die Einführung von Unterrichtsblöcken waren für das Förderzen-
trum der erste Schritt und bedurften einer einjährigen Vorbereitung. Zudem wurde im Schuljahr
2012/13 zunächst eine Testphase bis zu den Weihnachtsferien eingeräumt. Doch die neuen Zeiten
ZEITSTRUKTUR
Die Zeitstruktur am »Förderzentrum am Bergbaummuseum« -
Schule mit den Förderschwerpunkten Lernen und geistige Entwicklung
Für die Schülerinnen und Schüler des
Förderzentrums am Bergbaummuse-
um in Oelsnitz im Erzgebirge öffnen
sich die Türen zum Klassenzimmer
täglich ab 07:45 Uhr. Nach und nach
treffen die 48 Schülerinnen und Schü-
ler mit dem Förderschwerpunkt (FSP)
»geistige Entwicklung« sowie weitere
173 mit dem FSP »Lernen« im Schul-
haus ein. Mit diesem offenen Beginn
haben sie die Möglichkeiten, in Ruhe
anzukommen, den Tag mit einem Spiel
zu starten, sich auf den anstehenden
Unterricht vorzubereiten, sich bei Be-
Das Förderzentrum am Bergbaummuseum in Oelsnitz/Erzgebirge
Ganzheitliche Förderung im
rhythmisierten Unterrichtsalltag
ÜBERBLICK
Schule:
Förderzentrum »Am Bergbaumuseum«
Oelsnitz/Erzgeb.
Schulträger:
Erzgebirgskreis
Schulleitung:
Frau Andrea Guderian
GTA-Koordination:
Frau Anja Rottluff
Ganztagsschulform:
teilweise gebunden
Schülerzahl:
221 Schüler/-innen (1,5-zügig)
Personal:
30 Lehrkräfte
9 pädagogische Fachkräfte
mit unterschiedl. sozial- oder
heilpädagogischer oder thera-
peutischer Qualifikation im FSP
»geistige Entwicklung«
externe Partner, z.B. für Tanz
und Reiten
GTA-Spezifik:
bewegte Schule
KONTAKT
Anschrift:
Turleyring 39
09376 Oelsnitz/Erzgebirge
Telefon:
037298 94144
E-Mail:
fsz-sl@gmx.de
Homepage:
www.fsz-oelsnitz.de

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bewährten sich zunehmend; fast wie von selbst überzeugten sich die Kolleginnen und Kollegen am
Förderschulzentrum nach und nach gegenseitig, dass die veränderte Zeitstruktur besonders für ihr
Schülerklientel geeignet ist und flexiblere Lernbedingungen erst ermöglicht. Schrittweise flossen
weitere Elemente wie das Mittags- und das Förderband in das GTA-Konzept ein. Diese unterstützen
wiederum das ganzheitlich gedachte und bewegungsfreundliche Schulkonzept, konnten jedoch
erst durch die umgestellte Zeitstruktur im Tagesverlauf untergebracht werden. Darüber hinaus bie-
tet der eingeführte Blockunterricht viele Vorteile, wie Anja Rottluff aufzeigt. Die Schülerinnen und
Schüler müssen sich auf weniger Fächer pro Tag vorbereiten, und somit weniger Unterrichtsmate-
rialien mitbringen. Es entsteht mehr effektive Lernzeit innerhalb eines Blockes. Besonders betont
Anja Rottluff den Wegfall von 5-Minuten-Pausen, in denen ein Zimmerwechsel fast unmöglich
gewesen war. So werden nun im Sinne der Lernenden und Lehrenden stressbehaftete Übergänge
vermieden. Falls es ausnahmsweise innerhalb eines Blockes zu zwei verschiedenen Einzelstunden
kommt, wechseln die Lehrerinnen und Lehrer die Räume.
Motivation und pädagogische Absicht
Ausschlaggebend für die Veränderung der Zeitstruktur war, dass vor dieser Umstellung die Integ-
ration von Ganztagsangeboten in den Schultag nur im FSP »geistige Entwicklung« gelang. Mit der
Umstrukturierung sollte die Erweiterung auf den FSP »Lernen« möglich werden. Im Sinne eines
ganzheitlichen und rhythmisierten Schultags können sich dadurch, den Bedürfnissen der Schüle-
rinnen und Schüler entsprechend, Phasen der An- und Entspannung abwechseln. Das Hauptziel, die
stressigen 5-Minuten-Pausen zu vermeiden, konnte erreicht werden. Innerhalb der 90-minütigen
Blöcke gibt es mehr Raum, auf die jeweiligen Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen einzugehen.
Letztlich ist eine Pause dann erforderlich, wenn die Schülerinnen und Schüler diese benötigen und
nicht dann, wenn die Pausenklingel es vorsieht. Das Förderschulzentrum Oelsnitz versucht mit der
aktuellen Zeitstruktur eine Balance zwischen Orientierung gebender Struktur und bedarfsgerechter
Flexibilität im Sinne ihrer Schülerinnen und Schüler zu schaffen.
Erfolgsfaktoren
Schulleitung und Kollegium unterstützen das Zeitmodell und
motivieren einander
und überzeugen sich gegenseitig von Neuerungen
kein Überstülpen von Entscheidungen
»Das muss auch mal aus den innersten Reihen kommen, beim Kaffee im Lehrerzimmer
oder so …und so ist es gekommen.« (Rottluff)
stete Unterstützung durch Netzwerke und Veranstaltungen
»Zuhören, was andere Schulen so machen« (Rottluff) gab Impulse und Bestätigung.
»Die Schule verlassen und mal irgendwo anders hin und sich einfach mal austauschen -
das ist es!« (Rottluff)
Herausforderungen
Kolleginnen und Kollegen, die wenig Motivation zeigen, Schule zu überdenken
oder neu zu gestalten
Bedenken, wie »man würde den Schultag künstlich verlängern«
Lange Zeit lag die Verantwortung und Kommunikation für inhaltliche und organisatorische
Entscheidung bei einer Person. Seit dem Schuljahr 2019/20 gibt es eine Steuergruppe.
Fazit
Besonders im Schulteil mit dem FSP »geistige Entwicklung« sei es unabdingbar, das Kind ganz-
heitlich zu betrachten. So wird neben kognitiven und motorischen Fähigkeiten gleichermaßen die
Wahrnehmungsfähigkeit gefördert. Ziel ist dabei, Lerngegenstände »nicht nur auf dem Blatt Pa-
pier«, sondern mit allen Sinnen erfahrbar zu machen, betont Anja Rottluff. Neben aller Förderung
müssen Lehrende und pädagogische Fachkräfte stets den Blick auf die individuellen Bedürfnisse
der Schülerinnen und Schüler richten. Mit der veränderten Zeitstruktur und Rhythmisierung sind
größere Einheiten der Entspannung für alle am Lernprozess Beteiligten möglich
Stand:
Januar 2020
HISTORIE UND
ENTWICKLUNG
2011/12
Vorbereitung der
Umstellung der Zeitstruktur
2012/13
Einführung der neuen
Zeitstruktur inkl. Probezeitraum
2013/14
Aushandlungsbedarf im Kollegium
bezüglich der Zeitstruktur
seit 2014
erfolgsversprechende Umsetzung
MATERIAL
Wochenplan

Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
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Bürgertelefon: +49 351 56465122
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Fotos:
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
Gestaltung:
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Druck:
Digitaldruckerei Schleppers GmbH
Redaktionsschluss:
November 2020
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