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Nachfolgegeschehen in Sachsen
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Von Generation zu Generation

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Vorwort
Der inhabergeführte Mittelstand ist das Rückgrat der sächsischen Wirtschaft. Für
die Zukunft unserer Wirtschaftsstruktur ist es wichtig, dass das Know-how und die
Arbeitsplätze erhalten bleiben. Der Freistaat Sachsen misst dem Gelingen von
Unternehmensnachfolgen deshalb eine große Bedeutung bei und möchte dafür
möglichst gute Rahmenbedingungen schaffen. Wir unterbreiten für Übergeber und
Übernehmer vielfältige Angebote, die sie bei diesem Prozess unterstützen sollen.
Dazu gehören z. B. unsere jährlichen Aktionstage Unternehmensnachfolge, unser
Online-Nachfolgeportal oder die Broschüre „In guten Händen“, die wir in diesem
Jahr neu auflegen werden.
Seit 2011 zeichnet die Bürgschaftsbank Sachsen unter unserer Schirmherrschaft
gelungene Unternehmensnachfolgen mit dem „Sächsischen Meilenstein – Preis
für erfolgreiche Unternehmensnachfolge“ aus, um mit guten Beispielen Mut zu
machen. Es existiert auch ein breites Spektrum an finanziellen Instrumenten für
Unternehmensnachfolgen, die wir in einer Broschüre übersichtlich zusammenge-
fasst veröffentlicht haben.
Prognosen gehen davon aus, dass allein altersbedingt jedes Jahr über 1.000 Unter-
nehmensnachfolgen in Sachsen anstehen. Ein Nachfolgeprozess ist in der Regel
langwierig und meist nicht einfach. Unternehmer sollten ihn daher rechtzeitig an-
gehen. Die zu klärenden Fragen sind vielfältig. Sie beschränken sich nicht nur
darauf, einen geeigneten Nachfolger zu finden oder einen angemessenen Kauf-
preis zu erzielen. Auch wenn für viele Unternehmer ihr Steuerberater zunächst
einmal der erste Ansprechpartner ist, können die sächsischen Industrie- und
Handelskammern und die sächsischen Handwerkskammern wichtige Partner für
Rat und individuelle Unterstützung sein.
Die sächsischen Industrie- und Handelskammern, die sächsischen Handwerks-
kammern und der Landesverband der Freien Berufe e. V. legen nun erstmals eine
abgestimmte gemeinsame Erhebung zur Situation in Sachsen vor.
Die Ergebnisse werden nicht nur uns, sondern alle, die sich für Unternehmens-
nachfolgen engagieren, dabei unterstützen, die Angebote weiter zu schärfen oder
noch passfähiger zu machen.
Deshalb bedanke ich mich bei den Kammern und dem Landesverband der Freien
Berufe e. V. für diese Erhebung und setze weiterhin auf die bewährte gute Zu-
sammenarbeit, um auch in Zukunft dieses Thema weiter voranbringen zu können.
Martin Dulig
Sächsischer Staatsminister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr

3
Von Generation zu Generation – Nachfolgegeschehen in Sachsen
2.764
Unternehmen
haben
geantwortet
Die Zahl der Selbstständigen in Sachsen liegt laut Statistischem Landesamt bei ca. 220.000,
wovon für einen nicht unbedeutenden Teil in den kommenden Jahren die Frage nach der
Weitergabe steht. Dies hängt maßgeblich davon ab, ob das Unternehmen
übergabereif
und
übernahmewürdig
ist. Übergabereif ist ein Unternehmen, wenn sich dessen Inhaber innerhalb
der nächsten fünf Jahre aus persönlichen Gründen aus der Geschäftsführung zurückzieht.
Als übernahmewürdig gilt es, wenn die zu erwartenden Gewinne höher sind als die zu
erwartenden Einkünfte eines potenziellen Nachfolgers aus einer abhängigen Beschäftigung
plus Erträge aus einer alternativen Kapitalanlage.
1
Dieser Einordnung des IfM Bonn zufolge stehen von 2014 bis 2018 in Sachsen
5.300 übernahmewürdige und übergabereife Unternehmen zur Übergabe an. Ob die
Übergabe erfolgreich durchgeführt wird, ist für die Wirtschaft und viele Familien von
existenzieller Bedeutung.
Vor diesem Hintergrund haben die sächsischen Industrie- und Handelskammern,
Handwerkskammern und der Landesverband der Freien Berufe Sachsen e. V. im Herbst
2016 und Frühjahr 2017 ihre Mitgliedsunternehmen zur Unternehmensnachfolge befragt.
Folgende Kernfragen wurden dabei untersucht:
Wann ist die Unternehmensnachfolge geplant?
Wie sind Sie auf den Prozess der Nachfolge vorbereitet?
Wo und wie suchen Sie nach potenziellen Kandidaten?
Wo liegen die größten Herausforderungen?
Befragt wurden Seniorunternehmer ab einem Alter von 50 Jahren (Inhaber, geschäfts-
führende Gesellschafter, Geschäftsführer). 2.764 Unternehmen haben geantwortet.
Die Umfrageergebnisse bilden die Grundlage für die Einschätzung der Nachfolgesituation in
Sachsen. Die Ergebnisse tragen dazu bei, die Interessen der sächsischen Wirtschaft
gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit nachhaltig und fundiert zu vertreten. Darüber
hinaus erhalten die betroffenen Unternehmer wertvolle Impulse und wichtige Anregungen.
Wie komplex der Prozess der Nachfolgesuche und der Übergabe ist, zeigen die wichtigsten
Ergebnisse der vorliegenden Befragung:
Auf den Punkt gebracht:
1
Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM Bonn), Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2014 bis 2018, 2013
72 Prozent
haben keine
konkrete
Nachfolge-
regelung
48 Prozent
unschlüssig:
Schenkung/
Erbfolge oder
Verkauf oder
Verpachtung
20 Prozent
planen
Schließung
Dienstleistung,
Handel und
Handwerk
besonders stark
betroffen
27 Prozent
planen
familien-
interne
Nachfolge
nur die Hälfte
hat Notfall-
Regelungen
Finden eines
Nachfolgers,
Vertragsgestaltung
und Sicherung der
Altersvorsorge größte
Herausforderungen
1

4
Struktur der zur Übernahme anstehenden Unternehmen
Überwiegend
kleinste und
kleine
Unternehmen aus
Dienstleistung,
Handel und
Handwerk
91 Prozent der antwortenden Unternehmen sind inhabergeführt (Inhaber von Einzel-
unternehmen oder geschäftsführende Gesellschafter). Die befragten Unternehmer sind
überwiegend älter als 50 Jahre, nur vier Prozent sind jünger. Ein Drittel der Unternehmer ist
sogar bereits 65 Jahre und älter.
Die Branchenverteilung der antwortenden Unternehmen repräsentiert die Struktur der
sächsischen Wirtschaft. Mit insgesamt 61 Prozent sind die Dienstleistungsbranche, das
Handwerk und der Handel am häufigsten vertreten.
Zwei Drittel der Unternehmen sind Einzelunternehmen bzw. Einzelpraxen, nur ein Viertel
firmiert als GmbH bzw. UG.
Knapp ein Drittel beschäftigt keine und 60 Prozent der Betriebe weniger als 20 Mitarbeiter.
20 und mehr Mitarbeiter haben zehn Prozent der befragten Unternehmen.
92 Prozent der Betriebe sind mit einem Jahresumsatz bis zu 2,5 Mio. Euro klassische KMU.
Knapp ein Drittel davon gaben an, einen Umsatz von nicht mehr als 50.000 Euro pro Jahr zu
generieren.
Altersstruktur der befragten Unternehmer
Geplante Nachfolgeregelungen
60 Prozent der Unternehmen bleibt noch Zeit ihre Nachfolge optimal zu planen.
Die restlichen 40 Prozent streben ihre Übergabe bis 2019 an.
Erwartungsgemäß zeigt sich, je älter die Unternehmer sind, desto schneller soll die Übergabe
stattfinden. Zwei Drittel der über 65-jährigen möchte in den nächsten drei Jahren abgeben.
Geschätzter Zeitraum für Übergabe
4%
7%
32%
24%
24%
9%
70 und älter
65 bis 69
60 bis 64
55 bis 59
50 bis 54
jünger als 50
32%
28%
28%
unmittelbar
12%
in 1 bis 3 Jahren
in 4 bis 6 Jahren
in über 7 Jahren
Ein Drittel der
Unternehmer sind
bereits 65 Jahre und
älter. Zwei Drittel
davon planen eine
Übergabe in den
nächsten drei Jahren
2

5
Stabwechsel oft
noch nicht in
Sicht
In zahlreichen Unternehmen ist die Nachfolge nicht verbindlich geregelt. Denn wird nach
einer konkreten Nachfolgeregelung gefragt, so haben unabhängig vom Unternehmeralter
durchschnittlich nur 28 Prozent eine solche im Auge. Im Umkehrschluss wissen 72 Prozent
noch nicht, wem und wie sie ihr Lebenswerk übergeben werden. Diese Zahlen sind
alarmierend, wenn davon ausgegangen werden kann, dass ein Drittel dieser Unternehmer in
den nächsten drei Jahren den Generationswechsel realisiert haben möchte.
Handlungsbedarf besteht bei 67 Prozent der Unternehmer, die älter als 65 Jahre sind und
aktuell keine Nachfolgeregelung haben. Unter Berücksichtigung der mitunter langwierigen
Nachfolgersuche und Umsetzung der Nachfolge ist es in diesen Fällen wichtig, zeitnah die
Unterstützungsangebote der Kammern und Verbände in Anspruch zu nehmen, um das
Überleben des Unternehmens zu sichern.
Dabei überrascht es nicht, dass es größenabhängige Unterschiede gibt. Je mehr Mitarbeiter
die Unternehmen haben und je höher ihr Umsatz ist, desto eher gibt es eine konkrete
Nachfolgeregelung. Dennoch zeigt sich auch hier deutlicher Unterstützungsbedarf. Denn nur
die Hälfte der Betriebe mit mehr als 50 Mitarbeitern und mehr als 2,5 Mio. Euro Umsatz
können schon eine konkrete Lösung für den Generationswechsel aufweisen.
Größenunabhängig haben bei den Handwerksbetrieben bereits 35 Prozent eine konkrete
Nachfolgeregelung, bei den IHK-Unternehmen sind es 26 Prozent, bei den Freiberuflern
bisher nur 23 Prozent.
Unternehmertypen
Wer soll das Unternehmen übernehmen?
Überwiegend
familieninterne
Nachfolgelösung
angestrebt
Ist eine Nachfolgeregelung getroffen, so gibt es tendenziell auch eine konkrete Nachfolge-
lösung. Jedes dritte Unternehmen geht davon aus, dass es im Eigentum und auch unter der
Leitung der Familie bleiben wird. Dabei wird in Industrieunternehmen auffällig oft eine
familieninterne Nachfolge angestrebt, hier plant knapp die Hälfte der Unternehmen einen
solchen Weg.
Es zeigt sich auch, dass je höher die Umsätze des Unternehmens sind, desto eher wird die
Übertragung in der Familie favorisiert. Ab 250.000 Euro Umsatz und ab vier Mitarbeitern
erachten Unternehmer ihr Unternehmen tendenziell als übernahmewürdiger für die eigenen
Kinder.
Knapp ein Viertel sucht nach einem familienexternen Nachfolger.
Bei 23 Prozent zeichnet sich eine Nachfolgelösung durch Übergabe an externe Dritte/andere
Unternehmen oder den Verkauf an einen Investor ab. Vor allem Freiberufler nutzen eher
familienexterne Lösungen. Eine Übergabe an Mitarbeiter spielt hier kaum eine Rolle.
Und wenn doch, dann eher bei großen Unternehmen. Dabei kann dies eine gute Möglichkeit
sein, um den Mitarbeitern eine Perspektive aufzuzeigen und in Zeiten des Fachkräftemangels
diese zu binden.
29 Prozent geben offen zu, dass noch nicht absehbar ist, wer als Nachfolger infrage kommt.
Nachfolgeregelung vorhanden
familienintern
Alter des Unternehmers ca. 55 Jahre
Größe des Unternehmens > 50 Mitarbeiter
Stilllegung geplant
Alter des Unternehmers ca. 65 Jahre
Größe des Unternehmens < 20 Mitarbeiter
Notfallplanung vorhanden
inhabergeführt
Alter des Unternehmers ca. 65 Jahre
Größe des Unternehmens < 10 Mitarbeiter
1
2
3
3

6
Stilllegungen
geplant
Eine weitere ernüchternde Tatsache: Jedes fünfte Unternehmen geht davon aus, dass der
Betrieb nicht mehr weitergeführt, also stillgelegt wird. 29 Prozent dieser Gruppe führen ein
Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern. 70 Prozent beschäftigen keine Mitarbeiter,
so dass keine direkten Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt zu erwarten sind.
Überdurchschnittlich oft wollen Dienstleister ihr Unternehmen stilllegen. Diese sind
überwiegend inhabergeprägt, was für einen potenziellen Nachfolger die Weiterführung
erschwert.
Übergabestadien nach Betriebsgröße
Übergabeformen
Unternehmens-
verkauf bevorzugt
Knapp die Hälfte der befragten Unternehmer – 48 Prozent – hat noch keine Vorstellung
davon, in welcher Form die Übergabe erfolgen soll.
Von den Entschlossenen planen über die Hälfte ihr Unternehmen zu verkaufen und ungefähr
ein Drittel zu verschenken bzw. zu vererben.
Da der überwiegende Teil der Befragten eine familieninterne Lösung bevorzugt, liegt die
Vermutung nahe, dass diese Unternehmen überwiegend verschenkt bzw. vererbt werden
sollen. Für 40 Prozent kommt diese Übertragungsform in Frage. Interessant ist, dass bei
einem Generationswechsel in der Familie für 45 Prozent der Übergeber neben einer
Schenkung auch ein Verkauf bzw. eine Verpachtung denkbar ist. Dies zeigt, dass die Frage
der Gerechtigkeit innerhalb von Familien oder auch die Frage der Sicherung der Alters-
versorge der scheidenden Unternehmer immer stärker in den Fokus der Familien-
unternehmer rückt.
Bei familienexternen Übergaben dominieren erwartungsgemäß die Verkaufsabsichten.
Wie soll die Unternehmensübergabe erfolgen?
70%
23%
29%
69%
1%
8%
keine Mitarbeiter
unter 20 Mitarbeitern
ab 20 Mitarbeitern
29%
53%
5%
12%
Schenkung/Erbfolge
Verkauf
Verpachtung
sonstige Art der
Unternehmnsnachfolge
Übergabe noch nicht absehbar
Stilllegung geplant
Jedes fünfte
Unternehmen
plant
Stilllegung
48%
52%
entschieden
noch nicht
entschieden
4

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7
Herausforderungen im Nachfolgeprozess
Nachfolgersuche
als
Herausforderung
Eine Unternehmensnachfolge ist stets komplex und vielschichtig. Daher ist es wichtig zu
erfahren, wo der Schuh am meisten drückt. Denn genau an diesen Punkten muss die
Unterstützung zuerst greifen.
Die Befragung zeigt, dass unabhängig von der Unternehmensgröße, d. h. sowohl von
Umsatz- als auch Mitarbeiterzahlen, die Herausforderungen einer Unternehmensnachfolge
ähnlich relevant sind. Es zeigen sich keine signifikanten Unterschiede.
Das Finden eines geeigneten Nachfolgers ist über alle Branchen hinweg das überwiegend
genannte Problem. Diese Einschätzung wird maßgeblich dann relevant, wenn kein familien-
oder unternehmensinterner Nachfolger in Sicht ist. In diesen Fällen schätzen knapp
50 Prozent der Unternehmen die Nachfolgersuche als sehr relevant ein.
Im direkten Kontext zur Suche eines Nachfolgers steht die Frage nach einem angemessenen
Kaufpreis. Naturgemäß ist diese Fragestellung vor allem bei Übertragungen an Investoren
oder andere Unternehmen von zentraler Bedeutung. Für die Hälfte der Unternehmer, die
diesen Weg der Firmenübergabe anstreben, ist dies die größte Herausforderung.
Wird die Kaufpreisfindung als eine solche gesehen, so steht dies erwartungsgemäß im
direkten Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Situation und der Altersvorsorge.
Stellt die Nachfolgeplanung an sich eine große Herausforderung dar, dann stehen das
Finden eines Nachfolgers und die Klärung rechtlicher und finanzieller Aspekte im direkten
Zusammenhang.
Bei der Übergabe innerhalb der Familie ist die Belastung mit Erbschafts- bzw. Schenkungs-
steuer ein zentrales Thema. Während das Erbrecht insgesamt betrachtet bei nur 13 Prozent
der Befragten bereits als sehr relevant eingeschätzt wird, ist dies bei familieninternen Nach-
folgen für 27 Prozent und damit doppelt so vielen Unternehmen sehr relevant. Dies kann auf
die fehlende Planungssicherheit in Zusammenhang mit der Reform der Erbschaftssteuer
zurückgeführt werden. Auch emotionale Hürden und familiäre Hintergründe werden höher
bewertet als bei der Übergabe an Dritte.
Überraschenderweise spielen emotionale Hürden eine untergeordnete Rolle.
Die Beratungspraxis in den Kammern zeigt, dass der Großteil der Unternehmensnachfolgen
daran scheitern, dass Unternehmer ihr Lebenswerk nicht „loslassen können“ oder „familiäre
Hintergründe“ den Übergabeprozess behindern. Überraschend daher, dass gerade diese
Herausforderungen von den Unternehmern als „wenig“ bis „gar nicht“ relevant eingeschätzt
werden. Entgegen der Erfahrungen der Kammern gaben nur sieben bzw. acht Prozent an,
hier eine Herausforderung zu sehen.
Was sind die Herausforderungen für eine erfolgreiche Übergabe?
(Mehrfachnennungen möglich)
19%
28%
16%
17%
13%
21%
19%
14%
21%
7%
8%
21%
16%
22%
22%
13%
20%
22%
25%
21%
13%
12%
18%
12%
21%
20%
13%
13%
13%
16%
15%
20%
16%
13%
18%
14%
13%
17%
11%
13%
11%
12%
24%
26%
29%
26%
27%
28%
45%
35%
32%
34%
32%
35%
38%
Nachfolgeplanung
Finden eines Nachfolgers
Steuerliche Aspekte
Rechtliche Aspekte
Erbrecht
Vertragsgestaltung
Finden eines angemessenen…
wirtschaftliche Situation
Altersvorsorge
„Nicht loslassen können“
Familiäre Hintergründe
sehr relevant
relevant
wenig relevant
nicht relevant
keine Angabe
5

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8
Der perfekte Nachfolger
Nachfolger mit
fachlicher bzw.
technischer
Kompetenz sind
gefragt
Ob interne oder externe Nachfolge – die Unternehmer sind sich durch die Bank hinweg
darüber im Klaren, dass der Übergabeprozess dauern wird.
Zentrales Thema bei der
Unternehmensnachfolge ist die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Ein klares
Anforderungsprofil des ausscheidenden Unternehmers zur Auswahl eines Nachfolgers kann
diesem in der Regel zu mehr Objektivität verhelfen und damit das Ergebnis verbessern.
Kaufmännische Fähigkeiten und fachlich/technische Kompetenz werden eher von kleineren
Unternehmen betont. Vermutlich spielt das Fehlen einer zweiten Führungsebene hierbei
ebenso eine Rolle, wie die Aufgabenteilung im Unternehmen.
Während bei Großbetrieben die Aufgaben klar strukturiert sind und die Führungskompetenz
im Vordergrund steht, müssen in der Masse der Firmen die Übernehmer neben strategischen
Entscheidungen auch operative Aufgaben wahrnehmen. Unternehmen, deren Umsatz über
zehn Mio. Euro liegt, gaben an, dass die soziale Kompetenz des Nachfolgers eine enorme
Bedeutung für das Gelingen der Unternehmensnachfolge hat.
Überraschenderweise spielen Kriterien wie Führungs- und unternehmerische Erfahrung bei
der Nachfolgerwahl eher eine untergeordnete Rolle.
Welche Eigenschaften halten Sie beim Nachfolger für besonders wichtig?
(Mehrfachnennungen möglich)
Was tun, wenn der Chef plötzlich ausfällt? - So sorgen die Unternehmer vor
Viele Unter-
nehmen ohne
Notfallplanung
Die aktuelle Umfrage sollte auch ermitteln, ob sich die Unternehmer mit dem Szenario
befasst haben, was mit ihrer Firma bei ihrem (vorübergehenden oder längeren) Ausfall
passiert.
Jedes zweite Unternehmen ist nicht angemessen vorbereitet. Nur knapp die Hälfte der
Befragten hat mit einem Notfallplan vorgesorgt.
Je größer das Unternehmen, desto eher sind entsprechende Vorkehrungen für den Notfall
getroffen. Bei Unternehmen größer 50 Mitarbeitern haben mindestens vier von fünf
entsprechende Vorsorgeregelungen. Kleinstunternehmer, in deren Firmen größenbedingt
keine zweite Führungsebene vorhanden ist, scheinen diese Thematik zu unterschätzen.
Ein unvorhergesehener Übergabefall belastet bei diesen Betrieben vor allem die Familie und
ist besonders existenzbedrohend.
Notfallregelungen wurden überwiegend dann bereits getroffen, wenn auch die Nachfolge
geregelt ist bzw. familieninterne Nachfolgen geplant sind.
Wenn Regelungen getroffen wurden, so sind dies zumeist innerbetriebliche Regelungen,
wie Vertretungsregelungen, Vollmachten und die Sicherung von Passwörtern. Lediglich
30 Prozent haben ein geeignetes Testament bzw. einen Erbvertrag.
43%
28%
27%
23%
25%
16%
18%
23%
35%
32%
36%
35%
36%
37%
7%
9%
12%
16%
14%
18%
18%
7%
6%
6%
4%
5%
6%
5%
20%
21%
23%
21%
21%
23%
22%
Fachliche/ technische
Kompetenz
Kaufmänische Kompetenz
soziale Kompetenz
Berufserfahrung
Branchenkenntnisse
Führungserfahrung
Unternehmerische Erfahrung
sehr relevant
relevant
wenig relevant
nicht relevant
keine Angabe
6

9
Sind für einen Notfall Regelungen getroffen? Wenn ja, welche?
Beratungs- und Informationsbedarf
Steuerberater und
Kammern geben
Rat
Die vorliegende Befragung macht deutlich, wie umfangreich und komplex der Prozess der
Übergabe an einen Nachfolger ist und welche unterschiedlichen Fragestellungen auf den
Unternehmer zukommen. Immerhin fühlen sich 41 Prozent der Befragten nicht ausreichend
informiert und vorbereitet auf die Unternehmensnachfolge.
Typische Informationsmedien sind Broschüren und Fachzeitschriften, Veranstaltungen/
Workshops/Seminare und das Internet. Jeweils ein Drittel der Unternehmen nutzen die
Kammern/Fachverbände sowie die Steuerberater/Wirtschaftsprüfer als Unterstützer. Da sich
die steuerlichen Hürden positiv abhängig zu rechtlichen Hürden verhalten, muss immer das
„Gesamtpaket“ betrachtet werden. Allein der Gang zum Steuerberater reicht nicht aus.
Insgesamt haben ca. ein Viertel der Unternehmer noch keine Beratung in Anspruch
genommen. Besonders hoch ist diese Zahl bei kleinen Betrieben unter 250.000 Euro Umsatz.
Eine Besonderheit stellen hier die Freiberufler dar. Sie nahmen mit knapp 53 Prozent in
hohem Maße Unterstützungsangebote ihrer berufsständischen Kammer wahr.
Bei der Frage nach einem angemessenen Kaufpreis ist die fachliche Überprüfung des
Unternehmenswertes durch den Steuerberater/Wirtschaftsprüfer von Bedeutung. 29 Prozent
aller Unternehmen greifen auf diesen Sachverstand zurück. Bei familieninternen Nachfolgen
sind es aufgrund erbschafts- und schenkungssteuerrechtlicher Fragen sogar 35 Prozent der
Unternehmen.
Aufgrund der starken regionalen Vernetzung mit der Wirtschaft nutzen Unternehmen auf
Investorensuche vor allem die Unterstützung der Kammern und Fachverbände.
Diejenigen Unternehmen, die ihre Nachfolgelösung bereits kennen, nutzen eher eine
Beratung, als Unternehmen, bei denen die Übergabe noch nicht absehbar ist. 40 Prozent der
Unternehmen die stilllegen möchten, haben bisher keine Beratung in Anspruch genommen
und scheinen die Notwendigkeit nicht zu sehen.
Welche Unterstützer nutzen die Unternehmen?
(Mehrfachnennung möglich)
49%
51%
Ja
Nein
63%
30%
7%
Grundlegende Regelungen (z. B.
Vertretungen, Vollmachten,
Passwörter)
Geeignetes Testament/
Erbvertrag
Sonstige Regelungen für den
Notfall
30%
29%
23%
10%
4%
5%
Fachverbände/Kammern
Steuerberater/Wirtschaftsprüfer
bisher keine Beratung in Anspruch genommen
Rechtsanwalt/Notar
Unternehmensberater
Kreditinstitut
7

10
Fazit und Ausblick
Nach wie vor
hoher Handlungs-
bedarf bei der
Unternehmens-
nachfolge!
Damit die
Nachfolge
wirklich gelingt
Die Regelung der eigenen Unternehmensnachfolge ist unternehmerische Pflicht und
Herausforderung zugleich. Die Frage ihrer offenen Unternehmensnachfolge bleibt für viele
KMU aber ein wunder Punkt und ein sensibles Thema, das aus einer Vielzahl von Gründen
oft verdrängt wird.
Die frühzeitige Nachfolgeplanung und Regelung der Unternehmensnachfolge ist wichtig, wird
jedoch weiter unterschätzt. In Sachen Nachfolge besteht also noch Handlungsbedarf, denn
der überwiegende Teil der Unternehmen, in denen eine Nachfolgeregelung in absehbarer
Zeit notwendig wird, hat hier offenbar noch Aufgaben zu erfüllen, weil die Nachfolge nicht
gelöst ist. Vor allem kleine Unternehmen sind wenig auf die Herausforderungen vorbereitet.
Hier gilt es, die Unternehmer weiter rechtzeitig zu sensibilisieren.
Die familieninterne Nachfolge stellt in Sachsen mit 27 Prozent die bevorzugte Nachfolge-
lösung dar. Alle anderen streben eine familienexterne Lösung an bzw. wissen noch nicht, wer
als Nachfolger infrage kommt. Das Finden eines geeigneten Nachfolgers ist für Viele eine
große Herausforderung. Unterstützungsangebote der Kammern greifen den Bedarf auf.
Nachfolger und Übergeber werden durch entsprechende Nachfolgebörsen bzw. individuelles
Matching zusammengebracht. Diese Aktivitäten müssen jedoch noch besser bekannt
gemacht werden. Beispielsweise gaben nur vier Prozent der Unternehmer an, bei der
Nachfolgersuche Unternehmensbörsen zu nutzen.
Drei Kernanforderungen werden seitens der Unternehmer an ihre Nachfolger gestellt, das
sind die Fachkompetenz, kaufmännisches Denken sowie die persönliche Eignung.
Kaufmännische Fähigkeiten und die fachlich/technische Kompetenz werden eher von
kleineren Unternehmen betont. Erfahrungsgemäß gibt es am ehesten im kaufmännischen
Bereich und bei den unternehmerischen Kenntnissen Defizite bei den Nachfolgern. Hier
können gezielte Qualifizierungsangebote für Nachfolger ansetzen.
Viele Unternehmer vertrauen bei der Beratung auf ihren Steuerberater. Die Unternehmens-
nachfolge ist aber ein interdisziplinäres Thema, das strategisch angegangen werden muss.
Es sind betriebswirtschaftliche, bewertungstechnische, steuerliche sowie rechtliche Fragen
zu klären. Hinzu kommt nach wie vor die Unterschätzung emotionaler Hürden. Eine
ganzheitliche und koordinierte Unterstützung ist angeraten. Ein neutraler Prozessbegleiter
kann zum Gelingen des Generationswechsels beitragen. Hier sind die Kammern ein wichtiger
erster Ansprechpartner mit Lotsenfunktion.
Es besteht Handlungsbedarf das Wissen und Angebot zum Thema Unternehmensnachfolge
den Unternehmern übersichtlich und transparent zu vermitteln. Hier sind Institutionen wie
Kammern und Verbände sowie Beratungsunternehmen gleichermaßen gefragt, sich am
Bedarf der Unternehmen zu orientieren. Bestehende Unterstützungsangebote sollten in allen
Regionen Sachsens noch besser gebündelt und abgestimmt werden.
Nach wie vor haben viele Unternehmen keinen Notfallplan. Da jedes Unternehmen,
unabhängig vom Unternehmeralter und einer vorhandenen Nachfolgeregelung,
Vorkehrungen für den Notfall getroffen haben sollte, besteht weiter Aufklärungs- und
Handlungsbedarf, um die Zukunft der Unternehmen nicht zu gefährden. Einige Kammern
und Institutionen bieten Notfall-Handbücher mit Informationen sowie Checklisten an.
8
Unternehmer
weiter rechtzeitig
sensibilisieren
Nachfolgebörsen
und individuelles
Matching besser
bekannt machen
Qualifizierungs-
angebote für
Nachfolger
ausbauen
Unterstützungs-
angebote
in Sachsen noch
besser bündeln und
abstimmen
Aufklärung
zur Notfallplanung
weiter forcieren
Handlungsempfehlungen:

Herausgeber:
Industrie- und
Handelskammer Dresden
Langer Weg 4
01239 Dresden
Handwerkskammer
Dresden
Am Lagerplatz 8
01099 Dresden
Landesverband der Freien
Berufe Sachsen e. V.
Bertolt-Brecht-Allee 22
01309 Dresden
Industrie- und
Handelskammer Chemnitz
Straße der Nationen 25
09111 Chemnitz
Handwerkskammer
Chemnitz
Limbacher Straße 195
09116 Chemnitz
Industrie- und
Handelskammer zu Leipzig
Goerdelerring 5
04109 Leipzig
Handwerkskammer
zu Leipzig
Dresdner Straße 11-13
04103 Leipzig
Redaktionsschluss: Mai 2017
Auszugsweise Verwendung nur mit Quellenangabe

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