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Sächsischer
Verfassungsschutzbericht 2013
Sie zu achten und zu Schützen
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aller Staatlichen gewalt
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Deutsche
Volk
bekennt
Menschenrechte
GeMeinschaft
frieDen
Wel t
GerechtiGkeit
unVerletzlichen
jeDer

Verfassungsschutzbericht 2013

2
|
Inhaltsverzeichnis
Vorwort ................................................................................................................................
6
I
Verfassungsfeindliche Zielsetzungen ...................................................................................... 8
1.
Rechtsextremismus ............................................................................................................. 8
2.
Linksextremismus ............................................................................................................. 10
3.
Islamismus und Ausländerextremismus ...........................................................................11
II
Extremismus im Freistaat Sachsen .................................................................................. 13
1.
Rechtsextremismus ........................................................................................................... 13
1.1
Personenpotenzial ................................................................................................................................................13
1.2
NeoNatioNalsozialisteN
............................................................................................................................................. 17
1.3
NatioNaldemokratische Partei deutschlaNds (NPd) ...........................................................................................29
1.4
JuNge NatoNaldemokrateN
(JN) .............................................................................................................................. 58
1.5
die rechte .................................................................................................................................................................. 70
1.6
Subkulturelle Rechtsextremisten .................................................................................................................... 72
1.7
Rechtsextremistische Musikgruppen und Konzerte ............................................................................... 75
1.7.1
Rechtsextremistische Musikgruppen ............................................................................................................ 75
1.7.2
Rechtsextremistische Konzerte ....................................................................................................................... 81
1.8
Rechtsextremistische Vertriebsszene ............................................................................................................ 84
1.9
Rechtsextremistische Publikationen ............................................................................................................ 89
1.10
Nutzung von Immobilien durch Rechtsextremisten ............................................................................. 91

|
3
1.11
Ausblicke zum Rechtsextremismus ............................................................................................................... 93
1.12
Regionale Beschreibung rechtsextremistischer Bestrebungen .......................................................... 95
1.12.1
Landkreis Bautzen ............................................................................................................................................... 95
1.12.2
Chemnitz (Stadt) ................................................................................................................................................... 98
1.12.3
Dresden (Stadt) ....................................................................................................................................................102
1.12.4 Erzgebirgskreis......................................................................................................................................................110
1.12.5
Landkreis Görlitz .................................................................................................................................................. 114
1.12.6
Landkreis Leipzig ................................................................................................................................................. 116
1.12.7
Leipzig (Stadt) .......................................................................................................................................................120
1.12.8
Landkreis Meißen ................................................................................................................................................126
1.12.9
Landkreis Mittelsachsen ...................................................................................................................................130
1.12.10
Landkreis Nordsachsen .....................................................................................................................................134
1.12.11
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge .........................................................................................139
1.12.12
Vogtlandkreis ........................................................................................................................................................143
1.12.13
Landkreis
Zwickau ...............................................................................................................................................146
2.
Linksextremismus ...........................................................................................................150
2.1
Personenpotenzial ..............................................................................................................................................150
2.2
autoNome ..................................................................................................................................................................153
2.3
Anarchistische Gruppierungen ......................................................................................................................171
2.4
Orthodoxe linksextremistische Parteien und Organisationen ..........................................................178
2.5
rote hilfe
e. V. (RH) ..............................................................................................................................................180
2.6
Kennzeichen und Symbole, die von Linksextremisten verwendet werden .....................................183
2.7
Linksextremistische Publikationen (Auswahl) .........................................................................................186
2.8
Ausblick zum Linksextremismus ...................................................................................................................187
2.9
Regionale Beschreibung linksextremistischer Bestrebungen ...........................................................191
2.9.1
autoNome
in Leipzig ..............................................................................................................................................193
2.9.2
autoNome
in Dresden ...........................................................................................................................................199
2.9.3
autoNome
in Chemnitz ........................................................................................................................................204
2.9.4
Linksextremisten außerhalb der Städte Leipzig, Dresden und Chemnitz .....................................206
3.
Islamismus und Ausländerextremismus .........................................................................211
3.1
Personenpotenzial .............................................................................................................................................211
3.2
Islamismus – salafistische Bestrebungen ................................................................................................212
3.3
arbeiterPartei kurdistaNs (PKK) ...........................................................................................................................216

4
|
4.
Hintergründe / Phänomenübergreifende Betrachtungen .....................................................220
4.1
Der Bürgerkrieg in Syrien und seine extremistischen Reflexionen in Sachsen .........................220
4.1.1
Hintergrund ..........................................................................................................................................................220
4.1.2
Reaktionen der islamistischen und ausländerextremistischen Szene in Sachsen ....................222
4.1.3
Reaktionen der rechtsextremistischen Szene in Sachsen ..................................................................223
4.1.4
Reaktionen der linksextremistischen Szene in Sachsen ....................................................................224
4.1.5
Fazit ..........................................................................................................................................................................225
5.
Politisch motivierte Kriminalität – Straftaten mit extremistischem
Hintergrund .....................................................................................................................226
5.1
Politisch motivierte Kriminalität „rechts“ – Straftaten mit rechtsextremistischem
Hintergrund ...........................................................................................................................................................226
5.2
Politisch motivierte Kriminalität „links“ – Straftaten mit linksextremistischem
Hintergrund ...........................................................................................................................................................227
5.3
Politisch motivierte Ausländerkriminalität – Straftaten mit ausländerextremistischem
Hintergrund ...........................................................................................................................................................228
III
Spionageabwehr, Geheim- und
Sabotageschutz, Mitwirkungsaufgaben ..........................229
1. Spionageabwehr..............................................................................................................229
1.1
Spionageaktivitäten fremder Nachrichtendienste ................................................................................230
1.1.1
Russische Nachrichtendienste .......................................................................................................................230
1.1.2
Chinesische Nachrichtendienste ...................................................................................................................231
1.1.3
Arabische und nordafrikanische Nachrichtendienste ..........................................................................231
1.1.4
Westliche Nachrichtendienste .......................................................................................................................232
1.2
Wirtschaftsspionage, Proliferation und Wirtschaftsschutz ..............................................................232
1.2.1
Wirtschaftsspionage ..........................................................................................................................................232
1.2.2
Proliferation ..........................................................................................................................................................233
1.2.3
Wirtschaftsschutz ...............................................................................................................................................233
2.
Geheim- und Sabotageschutz, Mitwirkungsaufgaben .................................................235
2.1
Sicherheitsüberprüfungen (Personeller Geheimschutz) und
Sabotageschutzüberprüfungen .....................................................................................................................235
2.2
Materieller Geheimschutz ...............................................................................................................................237

|
5
2.3
Zuverlässigkeitsüberprüfungen sowie Prüfung von Versagens- oder
Ausschlussgründen ............................................................................................................................................237
IV Verfassungsschutz...........................................................................................................239
1.
Verfassungsschutz auf einen Blick ................................................................................239
2.
Glossar der Verfassungsschutzbehörden .......................................................................246
3.
Gesetze ............................................................................................................................257
Gesetz über den Verfassungsschutz im Freistaat Sachsen
(Sächsisches Verfassungsschutzgesetz – SächsVSG) ..........................................................................257
Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses
(Artikel 10-Gesetz) ..............................................................................................................................................275
V
Erwiesene extremistische Organisationen / Gruppierungen, die im
Verfassungsschutzbericht 2013 genannt werden .......................................................290
VI
Stichwortverzeichnis ......................................................................................................293
VII
Verzeichnis der Orte, Landkreise, Regionen, Länder .....................................................298
VIII
Abkürzungsverzeichnis ...................................................................................................302

image
6
| Vorwort
Vorwort
des Sächsischen Staatsministers des Innern Markus Ulbig
für den Sächsischen Verfassungsschutzbericht 2013
Liebe Leser,
der Verfassungsschutz bleibt auch in Zukunft
unverzichtbares Element der sächsischen Si-
cherheitsarchitektur. Im Sinne einer wehrhaften
Demokratie gilt es, Radikalisierungstendenzen
rechtzeitig zu erkennen und Druck auf extre-
mistische Szenen auszuüben. Der vorliegende
Bericht dokumentiert dabei den seit zwei Jahren
laufenden Reformprozess beim Landesamt für
Verfassungsschutz Sachsen. Landkreisspezifi-
sche Extremismuslagebilder, Ist-Analysen und
potenzielle Entwicklungsszenarien zu extremis-
tischen Strömungen sowie ein eigenes Kapitel
zum Syrien-Konflikt und seinen Auswirkungen
auf die Sicherheit in Sachsen – das alles ist auch
Ausdruck des neuen Selbstverständnisses im
Landesamt als moderner, transparenter und bür-
gerorientierter Nachrichtendienst.
Auch im Berichtsjahr 2013 spielte die Aufarbei-
tung des NSU-Gesamtkomplexes für Politik und
Öffentlichkeit eine wichtige Rolle. Bereits im De-
zember 2012 hatten sich die Innenminister der
Länder auf umfassende Maßnahmen verständigt,
mit denen Fehler und Versäumnisse aufgedeckt
und entsprechende Konsequenzen gezogen wer-
den sollten. Darüber hinaus habe ich im Jahr
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern

image
Vorwort |
7
2012 eine hochrangige Expertenkommission zur
Evaluierung des sächsischen Verfassungsschut-
zes einberufen, die im Februar 2013 ihren Bericht
vorgelegt hat. Die Kommission wertete die Ereig-
nisse und das Tätigwerden des Landesamtes vor
allem im Zusammenhang mit dem NSU aus und
gab über 80 Handlungsempfehlungen ab. Ich
habe daraufhin im März 2013 eine Projektgrup-
pe eingesetzt, welche die Umsetzung begleitet
hat. Inzwischen konnten die Empfehlungen der
Expertenkommission vollständig umgesetzt wer-
den. Der sächsische Verfassungsschutz ist damit
grundlegend neu aufgestellt.
Selbstverständlich spielte im Berichtsjahr auch
die aktive Auseinandersetzung mit extremisti-
schen Bestrebungen eine große Rolle. Ein Bei-
spiel dafür ist die öffentliche Debatte um ein
neues Verbotsverfahren gegen die NPD: Der
Bundesrat hat bereits am 14. Dezember 2012 die
Einleitung eines solchen Verfahrens beschlossen.
Die Antragsschrift wurde am 3. Dezember 2013
beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Die
Länder sehen in dem maßgeblich auch von den
Verfassungsschutzbehörden zusammengetra-
genen Material eine geeignete Grundlage, das
Verfahren erfolgreich abschließen zu können.
Diese Haltung wurde vom Sächsischen Staats-
ministerium des Innern aktiv mitgetragen. Das
Beispiel zeigt: Neben einem unverzichtbaren
gesamtgesellschaftlichen Engagement brauchen
wir einen leistungsfähigen Verfassungsschutz,
der als „Fernlicht der Demokratie“ fungiert und
damit seiner gesellschaftlichen Frühwarnfunkti-
on gerecht wird. Unser Ziel muss nach wie vor
sein, verloren gegangenes Vertrauen in die Ar-
beit der deutschen Sicherheitsbehörden wieder
zurück zu gewinnen. Ich bin davon überzeugt,
dass es durch die bereits umgesetzten Maßnah-
men sowie die noch anstehenden Vorhaben ge-
lingen wird.
Der vorliegende Bericht belegt: Die Mitarbeite-
rinnen und Mitarbeiter des sächsischen Landes-
amtes für Verfassungsschutz leisten dazu einen
wertvollen Beitrag. Ihre Expertise und ihre ge-
sammelten Erkenntnisse sind ein entscheidender
Baustein im Fundament unserer Demokratie. Für
ihren Einsatz und die Qualität ihrer Arbeit be-
danke ich mich ausdrücklich und bin mir sicher,
dass sie den angestoßenen Reformprozess mit
vollem Einsatz fortsetzen werden.
Markus Ulbig
Sächsischer Staatsminister des Innern

8
| I Verfassungsfeindliche Zielsetzungen
I
Verfassungsfeindliche Zielsetzungen
der freiheitlichen demokratischen Grundord-
nung, wie das Recht des Volkes, die Staats-
gewalt durch Wahlen auszuüben, oder das
Recht auf Bildung und Ausübung einer Op-
position, fehlen.
Fremdenfeindlichkeit, auch in Form von
Rassismus und Antisemitismus
Nach der Vorstellung von Rechtsextremisten
soll das deutsche Volk vor der Integration
„rassisch minderwertiger Ausländer“ und vor
einer „Völkervermischung“ bewahrt werden.
Es wird befürchtet, dass die „Rasse“ des deut-
schen Volkes infolge einer „Durchmischung
mit fremdem Blut“ untergehen würde.
Die Ausgrenzung jener Menschen, die nicht
dem rassischen Ideal der Rechtsextremisten
entsprechen, widerspricht dem Grundsatz der
Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetz,
welcher in unserer Verfassung garantiert ist.
Die Würde des Menschen, die bedingungs-
und voraussetzungslos jedem Menschen ei-
gen ist, wäre von der biologisch-genetischen
Teilhabe an der Volksgemeinschaft abhängig.
Antisemitismus ist ein Kennzeichen fast aller
rechtsextremistischen Strömungen. Er tritt
in unterschiedlichen Varianten religiöser,
1. Rechtsextremismus
Der Rechtsextremismus ist weltanschaulich,
organisatorisch und in seinem äußeren Erschei-
nungsbild ein vielgestaltiges Phänomen. Er stellt
kein ideologisch einheitliches Gefüge dar, son-
dern weist unterschiedliche Ausprägungen na-
tionalistischer, rassistischer und antisemitischer
Ideologieelemente auf. Vorherrschend ist dabei
stets die Auffassung, die Zugehörigkeit zu einer
Ethnie, Nation oder Rasse bestimme den Wert
eines Menschen. Individuelle Rechte und gesell-
schaftliche Interessenvertretungen treten zu-
gunsten kollektivistischer „volksgemeinschaftli-
cher“ Konstrukte zurück (Antipluralismus).
Folgende Ideologiefragmente stellen rechtsex-
tremistisches Gedankengut dar, welches von
den verschiedenen Strömungen im deutschen
Rechtsextremismus in zum Teil unterschiedli-
cher Gewichtung vertreten wird:
„Volksgemeinschaft“ als Souverän zu Las-
ten der Freiheitsrechte des Einzelnen
Der Staat wird als eine ethnisch-rassisch ho-
mogene „Volksgemeinschaft“ angesehen. Der
vermeintlich einheitliche Wille des Volkes soll
dabei von staatlichen Führern intuitiv um-
gesetzt werden („Völkischer Kollektivismus“).
In einem so verstandenen autoritären Staat
würden damit wesentliche Kontrollelemente

I Verfassungsfeindliche Zielsetzungen |
9
kultureller sowie rassistischer Ausprägung
auf. Häufig werden dabei Theorien, wie die
Behauptung einer „jüdischen Weltverschwö-
rung“, oder einer jüdisch dominierten Welt-
wirtschaft verbreitet.
Revisionismus
Unter Geschichtsrevisionismus versteht man
die Leugnung oder Verharmlosung der na-
tionalsozialistischen Verbrechen und der
deutschen Schuld am Ausbruch des Zweiten
Weltkriegs. Auch werden der Holocaust und
andere Verbrechen der Nationalsozialisten
insbesondere durch eine Gleichsetzung mit
Handlungen der Siegermächte des Zweiten
Weltkriegs relativiert. Die Leugnung des an
den europäischen Juden begangenen Völ-
kermords erfüllt den Straftatbestand der
Volksverhetzung. Revisionisten im engeren
Sinne propagieren eine verfälschende Ge-
schichtsbetrachtung, indem sie anstreben,
die Erkenntnisse der seriösen Geschichtswis-
senschaft von einem vermeintlich wissen-
schaftlichen Standpunkt aus zu widerlegen.
Von Gebietsrevisionismus ist die Rede, wenn
Rechtsextremisten die Anerkennung der
deutschen Gebietsverluste, die aus den bei-
den Weltkriegen resultierten, verweigern oder
sogar weitere Gebiete – entgegen den ver-
traglichen Verpflichtungen, die Deutschland
seit 1918 beziehungsweise seit 1945 einge-
gangen ist – für Deutschland beanspruchen.
Revisionistische Positionen bilden ein wich-
tiges Bindeglied zwischen den verschiedenen
rechtsextremistischen Strömungen.
Fehlende Distanz zum historischen Natio-
nalsozialismus
Durch ihre Äußerungen zeigen Rechtsextre-
misten häufig – zumindest mittelbar – eine
wohlwollende Haltung gegenüber dem Na-
tionalsozialismus. Vermeintlich positiv zu
bewertende Handlungen der historischen
Nationalsozialisten werden überbetont oder
beschönigt. Widerstandskämpfer gegen das
NS-Regime werden diffamiert. Auch glorifi-
zieren Rechtsextremisten nationalsozialisti-
sche Funktionsträger aus dieser Zeit, z. B. Ru-
dolf Heß, den ehemaligen Stellvertreter Adolf
Hitlers. Darüber hinaus lehnen sie sich zum
Teil eng an Sprache und Programmatik dieser
Zeit an.
Verächtlichmachen von Verantwortungs-
trägern und Institutionen des demokrati-
schen Verfassungsstaates
Unter Rechtsextremisten kommt es vielfach
zu einer Verunglimpfung des demokrati-
schen Verfassungsstaats und seiner Reprä-
sentanten. Deutsche Politiker werden dabei
als korrupte Handlanger ausländischer, ins-
besondere US-amerikanischer Interessen,
diffamiert, und es wird ihnen die Fähigkeit
abgesprochen, die Probleme des Landes lösen
zu können. Rechtsextremisten streben auf
diese Weise an, sich als alleinige Wahrer der
Interessen des deutschen Volkes darzustellen
und den politischen Gegner als Verräter zu
diskreditieren.

10
| I Verfassungsfeindliche Zielsetzungen
2. Linksextremismus
Gewalt ist in Teilen der linksextremistischen
Szene – bei den
autoNomeN
– allgemein akzep-
tierter Grundkonsens. Die eigene Militanz wird
dabei im Wesentlichen mit zwei Begründungen
legitimiert: Zum einen handelt es sich um die
Gegengewalt, mit der man sich gegen die un-
gerechtfertigte Gewaltausübung des Staates
wehre; zum anderen gebe es politische Anliegen,
die den Einsatz von Gewalt rechtfertigen und
eine Vermittlung des Gewalteinsatzes ermög-
lichten. Diese Gewalt richtet sich gegen Sachen,
kann aber auch Personen, wie tatsächliche oder
vermeintliche Rechtsextremisten, Polizeibeamte
und andere Repräsentanten staatlicher Einrich-
tungen, zum Ziel haben.
Linksextremisten streben die Überwindung der
parlamentarischen Demokratie und die Außer-
kraftsetzung der freiheitlichen demokratischen
Grundordnung an. An deren Stelle wollen sie
eine sozialistische bzw. kommunistische Ge-
sellschaft oder eine „herrschaftsfreie“ anar-
chistische Gesellschaft etablieren. Ihr politi-
sches Handeln richten sie dementsprechend an
revolutionär-marxistischen oder anarchistischen
Vorstellungen aus. Damit treten sie für eine Dik-
tatur über die Mehrheit ein, die auch mit einer
Bevormundung Andersdenkender einhergehen
würde. Die von Linksextremisten häufig genann-
ten Werte „Gleichheit“, „Freiheit“ und „Gerech-
tigkeit“ stellen sich bei genauerem Hinsehen als
Synonyme für die Negierung demokratischer
Errungenschaften (z. B. die Gewaltenteilung),
vor allem aber für die Einschränkung persön-
licher Freiheitsrechte dar. Dies betrifft z. B. die
Beseitigung des Rechts auf Eigentum. Auch
wenn das Grundziel aller Linksextremisten – die
Abschaffung der Demokratie – alle Fraktionen
eint, bestehen hinsichtlich der Vorstellungen zur
angestrebten Ordnung, des dorthin führenden
Wegs und der anzuwendenden Mittel erhebliche
Differenzen.
Linksextremisten bringen sich in gesellschaftli-
che Proteste ein und versuchen, diese für ihre
extremistischen Ziele zu instrumentalisieren.
Bei Aktivitäten von Nichtextremisten, an denen
sich Linksextremisten beteiligen, besteht daher
immer die Gefahr, dass solche Aktionen außer
Kontrolle geraten, wenn Linksextremisten unab-
hängig agieren und ihre gewaltbereite Strategie
umsetzen.

I Verfassungsfeindliche Zielsetzungen |
11
3.
Islamismus und Ausländerextremismus
Gruppierungen von Ausländern werden als ex-
tremistisch beurteilt, wenn sich ihre Ziele gegen
die freiheitliche demokratische Grundordnung
richten. Die Verfassungsfeindlichkeit einer aus-
länderextremistischen Zielsetzung kann sich
auch daraus ergeben, dass sich diese wider den
Gedanken der Völkerverständigung oder auf die
Anwendung von Gewalt bzw. darauf hinzielende
Vorbereitungshandlungen richtet.
Wesentliche gemeinsame Merkmale ausländer-
extremistischer Bestrebungen sind:
das Ziel, die in den jeweiligen Herkunftslän-
dern herrschende Gesellschaftsordnung, zu-
nehmend aber auch jene in Deutschland, ab-
zuschaffen und sie durch eine Ordnung zu
ersetzen, die der Ideologie der jeweiligen ex-
tremistischen Organisation entspricht,
die Gefährdung auswärtiger Belange der Bun-
desrepublik Deutschland durch Anwendung
von Gewalt oder darauf gerichtete Vorberei-
tungshandlungen
1
,
Äußerungen und Aktivitäten, die sich gegen
den Gedanken der Völkerverständigung, ins-
besondere das friedliche Zusammenleben der
Völker, richten.
Im Einzelnen lassen sich ausländerextremistische
Bestrebungen untergliedern in
islamisch-extremistische (d. h. islamistische),
linksextremistisch-separatistische,
extrem nationalistische.
Islamistische Organisationen
zielen darauf,
die westlichen, freiheitlichen demokratischen
Gesellschaftsordnungen durch ein auf Koran
und Scharia (islamisches Rechts- und Wertesys-
tem) basierendes Gesellschaftssystem zu erset-
zen. Nach ihren Vorstellungen regelt der Islam
alle Lebensbereiche einer Gesellschaft. Insofern
könne auch alle staatliche Herrschaft nicht dem
menschlichen Willen entspringen, sondern gehe
einzig von Gott (Allah) aus. Eine Trennung von
Staat und Religion widerspricht daher ihrer Auf-
fassung von einer Staats- und Gesellschafts-
ordnung und wird als unislamisch verurteilt.
Innerhalb des Islamismus gibt es zur Errichtung
der angestrebten „islamischen“ Herrschaft un-
terschiedliche Strategien. Dabei sind Organisa-
tionen aktiv, die entweder Terrorismus ausüben
oder solche, die zwar Gewalttaten befürworten,
jedoch aus unterschiedlichen Gründen selber
keine Gewalt zur Erreichung ihres Ziels einset-
zen und schließlich Organisationen, die sowohl
Terror als auch Gewalteinsatz verurteilen. Letz-
tere setzen mit ihren ideologischen Vorstellun-
gen auf eine allmähliche Durchdringung der
Gesellschaft. Auch sie streben die Abschaffung
der grundlegenden Prinzipien der freiheitlichen
demokratischen Grundordnung an. Dazu gehört
z. B. die Abschaffung der Volkssouveränität, des
Mehrparteienprinzips und des Rechts auf Bil-
dung und Ausübung einer parlamentarischen
Opposition.
Linksextremistisch-separatistische
Ausländer -
gruppierungen
streben nach der revolutionä-
1
Von einer Gefährdung der auswärtigen Belange spricht man dann, wenn durch die Bestrebungen das friedliche Zusammenleben der Völker oder die
Beziehungen zu anderen Regierungen beeinträchtigt werden. Ausländerextremistische Organisationen verbinden mit ihrer Propaganda u. a. die Ver-
unglimpfung der jeweiligen Heimatregierung.

12
| I Verfassungsfeindliche Zielsetzungen
ren Zerschlagung der jeweiligen Staatsordnung
in ihren Herkunftsländern die Errichtung eines
sozialistischen bzw. kommunistischen Systems
an. Einige dieser Gruppierungen verfolgen dabei
ethnisch motivierte Unabhängigkeitsbestrebun-
gen.
Extrem nationalistische Ausländerorganisa-
tionen
vertreten ein übersteigertes National-
bewusstsein, das anderen Nationen oder Per-
sonen anderer Nationalität die Gleichwertigkeit
abspricht.
Die meisten der linksextremistisch-separatis-
tischen bzw. extrem nationalistischen Auslän-
derorganisationen nutzen die Bundesrepublik
Deutschland, um von hier aus gewaltsame Ak-
tionen in ihrem jeweiligen Heimatstaat vorzube-
reiten, etwa durch Aufrufe zu Gewalt oder durch
die Beschaffung finanzieller oder sonstiger Mit-
tel. Solche Bestrebungen gefährden durch die
Anwendung von Gewalt oder hierauf gerichtete
Vorbereitungshandlungen die auswärtigen Be-
lange der Bundesrepublik Deutschland. Sie rich-
ten sich zudem gegen den Gedanken der Völker-
verständigung.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
13
2
Die Zahlenangaben sind teilweise geschätzt und gerundet. Den Verfassungsschutzbehörden liegen nicht zu allen in den Zahlenangaben erfassten
Personen Einzelerkenntnisse vor.
3
Hierzu zählen Tatverdächtige rechtsextremistischer Gewaltstraftaten und Personen, bei denen Anhaltspunkte für eine Gewaltbereitschaft vorliegen.
II Extremismus im Freistaat Sachsen
1.
Rechtsextremismus
1.1 Personenpotenzial
Überblick in Zahlen
2
In der Bundesrepublik Deutschland geht das
rechtsextremistische Personenpotenzial seit
Jahren zurück. Bis zum Jahr 2012 war dieser
Trend auch im Freistaat Sachsen zu beobachten.
Im Jahr 2013 stagnierte die Zahl der Rechtsex-
tremisten in Sachsen bei ca. 2.500 (2012: 2.500)
jedoch.
Rückläufig waren die Personenpotenziale bei
den
NeoNatioNalsozialisteN
und bei der
NatioNalde­
mokratischeN Partei deutschlaNds
(NPD). Kompen-
siert wurden die Rückgänge durch einen
Zuwachs bei den subkulturell geprägten Rechts-
extremisten, bei den
JuNgeN NatioNaldemokrateN
(JN) und durch den im Oktober 2013 gegrün-
deten sächsischen Landesverband der rechtsex-
tremistischen Partei
die rechte
. Mit dieser Partei
war neben der NPD zunächst wieder eine zweite
rechtsextremistische Partei im Freistaat Sachsen
vertreten. Der sächsische Landesverband löste
sich jedoch am 18. März 2014 wieder auf.
Die
NeoNatioNalsozialisteN
stellen in Sachsen
nach wie vor die größte Gruppe im Bereich der
rechts extremistischen Bestrebungen dar. Mit
einem leichten Rückgang auf 980 (2012: 1.000)
behauptet sich diese Gruppe stabil im rechtsex-
tremistischen Spektrum.
Die anhaltenden Mitgliederverluste bei der NPD
– ihr gehörten im Jahr 2013 ca. 670 Personen an
(2012: 700) – wurden durch einen Zuwachs bei
den JN-Mitgliedern teilweise ausgeglichen.
Die Partei
die rechte
konnte in ihrem Gründungs-
jahr in Sachsen zehn Personen für sich gewin-
nen.
Der subkulturell geprägten rechtsextremis-
tischen Szene gehörten im Jahr 2013 ca. 850
Personen an (2012: ca. 800).
Für das Jahr 2013 wird das gewaltbereite rechts-
extremistische Personenpotenzial
3
im Freistaat
Sachsen auf ca. 830 Personen geschätzt. Zu
diesem Spektrum zählen vor allem Angehörige
der rechtsextremistischen subkulturellen Szenen
aber auch der neonationalsozialistischen Struk-
turen sowie der rechtsextremistischen Parteien.

14
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
4
Die angegebenen Werte sind teilweise geschätzt und gerundet. Den Verfassungsschutzbehörden liegen nicht zu allen in den Zahlenangaben erfassten
Personen Einzelerkenntnisse vor. Die Gesamtzahl ergibt sich rechnerisch unter Abzug von hier bekannten Doppelmitgliedschaften.
RechtsextRemistische
PaRteien
2013: ca. 680
2012: ca. 700
nationaldemokRatische PaRtei
deutschlands
(NPD)
2013: ca. 670
2012: ca. 700
die Rechte
(Landesverband
Sachsen)
2013: ca. 10
neonationalsozialisten
2013: ca. 980
2012: ca. 1.000
subkultuRell gePRägte
RechtsextRemisten
2013: 850
2012: 800
sonstige oRganisationen
2013: ca. 10
2012: ca. 20
Rechtsextremisten im Freistaat Sachsen
4.000
3.000
2.000
1.000
0
2.800
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2.700
2.670
2.600
2.500
2.500
Anzahl der Rechtsextremisten im Freistaat Sachsen
(insgesamt: ca. 2.500 [2012: 2.500 / bundesweit 2012: 22.150]
4

image
image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
15
Regionale Verteilung der Rechtsextremisten im Freistaat Sachsen – absolut
Regionale Verteilung der Rechtsextremisten im Freistaat Sachsen – je 10.000 Einwohner

image
16
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Entwicklung der Verteilung von Rechtsextremisten im Freistaat Sachsen seit 2003
3.500
3.000
2.500
2.000
1.500
1.000
500
0
2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
sonstige
subkulturelle
Neonationalisten
rex. Parteien
Die regionalen Schwerpunkte lagen wie im Vor-
jahr in den Landkreisen Erzgebirge, Sächsische
Schweiz-Osterzgebirge und in der Stadt Leipzig.
Hier waren rechtsextremistische Potenziale von
etwa 250 - 300 Personen zu verzeichnen. Dahinter
folgten die Landkreise Mittelsachsen, Zwickau und
die Landeshauptstadt Dresden, wo der rechtsex-
tremistischen Szene jeweils ca. 200 - 250 Personen
angehörten. Im Landkreis Meißen und im Vogt-
landkreis waren mit jeweils etwa 50 -100 Personen
landesweit (wie 2012) die geringsten rechtsex-
tremistischen Personenpotenziale festzustellen. Im
Landkreis Görlitz ist der Anteil der Rechtsextremis-
ten je 10.000 Einwohner angestiegen.
Organisatoren der Demonstrationen von Rechtsextremisten in Sachsen 2012

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
17
1.2
NeoNatioNalsozialisteN
Entwicklungen – Aktivitäten
Verunsicherung und Strategiewechsel
Zahlreiche Vereinsverbote
5
bundesweit hatten
bereits im Jahr 2012 zu einer Verunsicherung der
sächsischen
NeoNatioNalsozialisteN
geführt, in de-
ren Folge man sich strategisch auf die Stärkung
des szeneinternen Zusammenhaltes ausrichtete.
Es waren verstärkt interne Veranstaltungen und
Vernetzungstreffen von Führungskräften durch-
geführt worden. Der Fokus lag auf der überre-
gionalen Vernetzung sowie dem Erhalt und der
Erschließung eigener nationaler Objekte als
Rückzugsorte.
Das Verbot der neonationalsozialistischen Grup-
pierung
NatioNale sozialisteN döbelN
am 18. Febru-
ar 2013 durch das Sächsische Staatsministerium
des Innern war ein harter Schlag für die neona-
tionalsozialistische Szene in Sachsen.
„Das heutige Verbot der
NatioNaleN sozialisteN dö­
belN
reiht sich ein in eine seit 2012 verstärkte und
weiter andauernde Welle der Repression. Erinnert
sei hier unter anderem an das vorgehen gegen das
aktioNsbüNdNis mittelrheiN
, den
NatioNaleN WiderstaNd
dortmuNd
, die
kameradschaft aacheNer laNd
oder
auch die SPREELICHTER.“
6
5
Beispielsweise des
Aktionsbündnis Mittelrhein
, der
WiderstAndsbeWegung in südbrAndenburg
und des
nAtionAlen WiderstAndes dortMund
.
6
Internetseite nETZWERkmITTE.com, „Verbotsapparat schlägt erneut zu – nationale Sozialisten Döbeln verboten“.
Organisatoren der Demonstrationen von Rechtsextremisten in Sachsen 2013

image
18
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Dieses Verbot in den eigenen Reihen führte zu
weiteren Erschütterungen und dem wiederhol-
ten Versuch der strategischen Neuausrichtung
in weiten Teilen der neonationalsozialistischen
Szene Sachsens. Diese lässt sich hauptsächlich
an drei Punkten festmachen, denen ein hohes
Sicherungsbedürfnis vor weiteren staatlichen
Maßnahmen zugrunde liegt.
Zum einen drängten Teile der Szene unter das
organisatorische Dach der NPD-Jugendorga-
nisation
JuNge NatioNaldemokrateN
(JN), um dort
durch das Parteienprivileg geschützt zu sein. Die
JN wiederum öffneten sich bereitwillig für Pro-
tagonisten aus der neonationalsozialistischen
Szene und nahmen auch ehemalige Mitglieder
der verbotenen
NatioNaleN sozialisteN döbelN
in ih-
ren Reihen auf.
Entsprechend führte der JN-Landesverband
Sachsen am 5. Oktober 2013 in Döbeln (Lkr.
Mittelsachsen) eine Demonstration unter dem
Motto „Der Drang nach Freiheit – Gegen Polizei-
repression und Willkür“ durch. Diese Veranstal-
tung richtete sich gegen staatliche Maßnahmen,
insbesondere gegen das Verbot der „N
atioNaleN
s
ozialisteN döbelN
“.
Die Ablehnung der angeblichen staatlichen Re-
pression manifestierte sich in der Verunglimp-
fung des sächsischen Innenministers Markus
Ulbig. Dieser wurde in drei von der JN auf der
Internetplattform YouTube veröffentlichten Vi-
deos (zuletzt am 2. Oktober 2013) als „verrückt
nach Verboten“ dargestellt. Eine als Ulbig mas-
kierte Person wird dabei in Zwangsjacke gezeigt.
Eine entsprechend maskierte Person lief auch im
Demonstrationszug mit. Diese gezielten Provo-
kationen in Richtung des sächsischen Innenmi-
nisters verdeutlichen, welche tiefgreifende Ver-
unsicherung das Organisationsverbot der
Natio­
NaleN sozialisteN döbelN
in der Szene ausgelöst hat.
Auf dem im Demonstrationszug mitgeführten
Großtransparent mit der Aufschrift „Menschen-
recht bricht Staatsrecht“ stehen ein Signet mit
einer schwarzen Fahne sowie das JN-Signet ne-
beneinander. Damit sollte verdeutlicht werden,
dass die JN mit freien Strukturen gleichberech-
tigt zusammenarbeiten und möglicherweise be-
reits mit diesen verschmolzen sind.
Foto: LfV Sachsen.
Einige neonationalsozialistische Strukturen hin-
gegen, für die ein Zusammengehen mit den JN
keine Option darstellt, wählten einen zweiten
Weg, in dem sie im Jahr 2013 in der Öffentlich-
keit nicht unter eigenem Namen, sondern ledig-
lich unter Kampagnenbezeichnungen auftraten.
So hoben die
NatioNaleN sozialisteN chemNitz
(NSC)
die Kampagne „Raus in die Zukunft“ aus der Taufe.
Themenschwerpunkt der öffentlichkeitswirk-
samen Aktivitäten dieser Kampagne bildeten
Demonstrationen und Kundgebungen gegen
die Asylbewerbererstaufnahmeeinrichtung im
Chemnitzer Stadtteil Ebersdorf.
Die
freieN kräfte dresdeN
bedienen sich seit meh-
reren Jahren der Kampagnenbezeichnung „a
tioNsbüNdNis gegeN das VergesseN
“, um Aktionen
rund um den 13. Februar zur Erinnerung an die
Bombardierung der Stadt Dresden im Jahr 1945,
durchzuführen.

image
image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
19
Quelle: Facebookseite der Kampagne „Raus in die Zukunft“.
Im Juni 2013 übernahmen sie zusätzlich die neo-
nationalsozialistische Jahreskampagne „Tag der
Deutschen Zukunft – Unser Signal gegen Über-
fremdung“ (TddZ), welche am 7. Juni 2014 in
einer bundesweiten Demonstration in Dresden
gipfeln soll. Hier steht wie auch in Chemnitz die
Agitation gegen die Aufnahme von Asylbewer-
bern in Deutschland im Vordergrund.
Quelle: Twitteraccount der Kampagne „Tag der deutschen
Zukunft“.
Während sich die Chemnitzer Kampagne „Raus
in die Zukunft“ auf ein Agieren vor Ort in Chem-
nitz beschränkte fanden Aktionen Im Rahmen
der TddZ-Kampagne sachsenweit statt. So wurde
eine Kundgebung in Plauen sowie eine weitere
in Freiberg veranstaltet. Hier konnte man für die
Planung und Durchführung auf die vor Ort eta-
blierten neonationalsozialistischen Strukturen
reVolutioNäre NatioNale JugeNd VogtlaNd
sowie auf
die
freieN NatioNalisteN freiberg
zurückgreifen.
Sowohl die Chemnitzer Kampagne „Raus in die
Zukunft“ als auch die von Dresden aus geführ-
te Kampagne „Tag der deutschen Zukunft“ sol-
len durch ihre scheinbar unverfänglichen und
positiv zukunftsgewandten Bezeichnungen die
agierenden rechtsextremistischen Strukturen
verschleiern. Dies hat zum einen das Ziel, sich
weniger angreifbar für Sicherheitsbehörden zu
machen, zum anderen sollten aber auch Nicht-

20
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
extremisten zu öffentlichkeitswirksamen Veran-
staltungen mobilisiert werden. Obwohl man mit
dem Thema Anti-Asyl bewusst Ängste beim Bür-
ger zu schüren versuchte, konnte dieses Ziel mit
Teilnehmerzahlen im zweistelligen bzw. niedri-
gen dreistelligen Bereich jedoch nicht erreicht
werden.
Bemerkenswert ist, dass die NPD mit der glei-
chen Taktik in der Lage war in Schneeberg bis
zu 1.800 Menschen zum Anti-Asylthema auf
die Straße zu bringen, unter denen sich jeweils
nur bis zu 250 Rechtsextremisten befanden. Die
drei Demonstrationen im Oktober und November
2013 in Schneeberg wurden unter der bewusst
volkstümlich gewählten Bezeichnung 1. bis
3. „Schneeberger Lichtellauf“ durch den Vorsit-
zenden des örtlichen NPD-Kreisverbandes an-
gemeldet. Die NPD trat als Veranstalterin nicht
öffentlich in Erscheinung.
Zum Dritten führte man bewusst nur noch an-
gemeldete Veranstaltungen wie Kundgebungen
oder Demonstrationen durch, um keine An-
griffsfläche für ordnungsrechtliche Maßnahmen
zu bieten. Bis auf eine Einzelaktion im Februar
kam es im Jahr 2013 zu keiner unangemeldeten
rechtsextremistischen Demonstration.
Nach dem erneuten Scheitern anlässlich des
13. Februar in Dresden eine bundesweite Groß-
demonstration durchzuführen, wurde die Durch-
führung von Großveranstaltungen im Jahr 2013
nicht mehr angestrebt.
Die Vorgehensweise, kleinere angemeldete Ver-
anstaltungen unter Kampagnenbezeichnungen
mit regionalem Teilnehmerkreis durchzuführen,
hatte eine Konsolidierung im Demonstrations-
aufkommen der parteiungebundenen neonatio-
nalsozialistischen Strukturen im Jahr 2013 zur
Folge.
20 von insgesamt 44
7
im Freistaat Sachsen
durchgeführten öffentlichkeitswirksamen Aktio-
nen, wie Kundgebungen und Demonstrationen,
gingen auf das Konto der
NeoNatioNalsozialisteN
(2012 12 von insgesamt 37; 2011 34 von insge-
samt 47).
Deutlich wurde außerdem, dass die Szene nach
wie vor hervorragend vernetzt und kampagnen-
fähig ist, ihr allerdings über bereits etablierte
Protagonisten hinaus kaum Mobilisierungspo-
tenzial zur Verfügung steht.
Historie und Strukturentwicklung
Personenpotenzial geht leicht zurück
Das Potenzial der
NeoNatioNalsozialisteN
ging im
Jahr 2013 mit ca. 980 Personen leicht zurück.
Dies ist vor allem auf das Verbot der
NatioNaleN
s
ozialisteN döbelN
zurückzuführen. In dessen Folge
schlossen sich – wie bereits erwähnt – ehemalige
Mitglieder der Kameradschaft aber auch weitere
NeoNatioNalsozialisteN
den JN an. Der leichte Rück-
gang des Personenpotenzials hat jedoch keinen
Einfluss auf die von den
NeoNatioNalsozialisteN
ausgehenden Gefahren. Sie verfügen zudem
weiterhin über gefestigte Strukturen, die mit der
NPD und besonders mit den JN zusammenarbei-
ten. Beide Szenen profitieren dabei voneinander.
NeoNatioNalsozialisteN
sind überwiegend in feste-
ren kameradschaftsähnlichen Strukturen or-
ganisiert, die Szene vermeidet es jedoch, ihre
Strukturen als Kameradschaften zu bezeichnen.
Stattdessen werden bevorzugt wechselnde Be-
griffe wie
freie kräfte
,
NatioNaler WiderstaNd, Na­
tioNale sozialisteN
oder aber Eigennamen wie z. B.
reVolutioNäre NatioNale JugeNd
(RNJ) gewählt, die
oft einen auf einen Ort bzw. eine Region hinwei-
senden Namenszusatz haben.
7
In die Statistik wurden keine reinen Wahlkampfkundgebungen der nPD aufgenommen.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
21
Sie haben in der Regel eine Führungsperson,
einen relativ stabilen Mitgliederstamm und
agieren vordergründig regional begrenzt. Die
Führungspersonen unterliegen einer geringen
Fluktuation und sind überwiegend langjähri-
ge ideologisch gefestigte Szeneangehörige, die
ein Vertrauensverhältnis zueinander aufgebaut
haben. Sie sind dadurch überregional hervorra-
gend vernetzt und es besteht eine überregiona-
le Mobilisierungs- und Kampagnenfähigkeit im
Freistaat Sachsen sowie zu den angrenzenden
Bundesländern aber auch im gesamten Bundes-
gebiet.
Im Gegensatz zu den subkulturellen Rechtsex-
tremisten legen
NeoNatioNalsozialisteN
ein erhöhtes
Augenmerk auf eigene politische Aktionen. Sie
treffen sich regelmäßig zu politischen Schu-
lungen bzw. zur Planung politischer Aktivitäten
oder nehmen an überregionalen rechtsextremis-
tischen Veranstaltungen teil. So beispielswei-
se an den durch die neuen Kampagnen orga-
nisierten Kundgebungen oder an den jährlich
wiederkehrenden öffentlichkeitswirksamen Ver-
anstaltungen anlässlich historischer Daten wie
z. B. die Bombardierung deutscher Städte im
Zweiten Weltkrieg, die durch die örtlichen neona-
tionalsozialistische Szenen organisiert werden.
8
Für die Mobilisierung zu Veranstaltungen nutzt
die Szene weiterhin das Internet auch mit dort
angebotenen sozialen Netzwerken, wie z. B. Fa-
cebook, vk.com und den Kurznachrichtendienst
Twitter. Deutlich wurde, dass sich Organisations-
verbote auch auf das Agieren der Szene im In-
ternet auswirken. Einzelne neonationalsozialis-
tische Strukturen äußern sich nicht ideologisch,
um ihr Bekenntnis zum Rechtsextremismus nicht
offen bekannt zu machen. Zudem ist die Veröf-
fentlichung ideologischer Ausarbeitungen stark
zurückgegangen. Informierte die Szene noch
in den Vorjahren unter Rubriken wie „Weltan-
schauung“, „Wer wir sind“ und „Was wir wollen“
ausführlich und mit teilweise intellektuellem
Anspruch verbunden über das eigene extremisti-
sche Weltbild, so wurden im Jahr 2013 lediglich
aktuelle Ereignisse, Entwicklungen und Einflüsse
auf die Szene auf sprachlich eher niedrigerem
Niveau veröffentlicht.
8
Z. B.: 13. Februar Dresden, 5. märz Chemnitz.
Personenpotenzial der
NeoNatioNalsozialisteN
im Freistaat Sachsen
1.500
1.000
500
0
2003
2004
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
110
170
270
550
720
910
950
970
1.000
1.000
980

image
22
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Beispielhaft werden die folgenden neonationalsozialistischen Gruppierungen bzw. Strukturen
genannt:
NatioNale SozialiSteN ChemNitz (NSC)
Chemnitz
Freie kräFte DreSDeN (FkD)
Dresden
Freie kräFte leipzig
Leipzig
aktioNSbüNDNiS erzgebirge
Erzgebirgskreis
NatioNale SozialiSteN hoyerSwerDa
Landkreis Bautzen
NatioNale SozialiSteN geithaiN
Landkreis Leipzig
Freie kräFte kohreNer laND
Landkreis Leipzig
Freie kräFte iN mittelSaChSeN
Landkreis Mittelsachsen
Freie NatioNaliSteN Freiberg
Landkreis Mittelsachsen
revolutioNäre NatioNale JugeND (rNJ)
Vogtlandkreis
Freie kräFte DelitzSCh-eileNburg
Landkreis Nordsachsen
Freie kräFte iN NorDSaChSeN
Landkreis Nordsachsen
Freie kräFte SäChSiSChe SChweiz / oSterzgebirge
Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Freie kräFte zwiCkau / NatioNale SozialiSteN zwiCkau
Landkreis Zwickau
Die neonationalsozialistischen Strukturen in Sachsen, von denen die
NatioNaleN sozialisteN
D
öbelN
(seit 18. Februar 2013) und die
NatioNaleN sozialisteN ChemNitz
(seit 28. März 2014)
verboten sind, verteilen sich folgendermaßen:

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
23
autoNome NatioNalisteN
(AN)
Im Freistaat Sachsen bestand 2013 mit den
au­
toNomeN NatioNalisteN aue
lediglich eine Gruppie-
rung, die sich selbst öffentlich als
autoNome Na­
tioNalisteN
bezeichnet hat.
Transparent bei einer Demonstration am 17. Juni 2012 in
Dresden.
Gruppierungen, die die Selbstbezeichnung
auto­
Nome NatioNalisteN
verwenden, weisen bereits seit
mehreren Jahren bei öffentlichkeitswirksamen Ak-
tivitäten und in ihrem äußeren Erscheinungsbild
keine Unterschiede zu anderen neonationalsozia-
listischen Personenzusammenschlüssen auf.
Einige Elemente der AN, wie auch die schwar-
ze Kleidung, sind im Freistaat Sachsen von fast
allen neonationalsozialistischen Gruppierungen
übernommen worden und prägen deren öf-
fentlichkeitswirksame Aktivitäten und äußeres
Erscheinungsbild. Auch die in der Vergangen-
heit von den AN artikulierten Ideologieelemente
– neben dem klassischen neonationalsozialisti-
schen Gedankengut insbesondere der Antika-
pitalismus und Antiamerikanismus – sind von
anderen
NeoNatioNalsozialisteN
aufgegriffen und
thematisiert worden.
Insoweit hat das Phänomen der AN zu einer Ver-
änderung der parteiungebundenen ideologisier-
ten Rechtsextremisten in Bezug auf deren Akti-
onsformen und dem optischen Erscheinungsbild
geführt.
Ideologie / Politische Zielsetzung der
NeoNatioNalsozialisteN
Die
NeoNatioNalsozialisteN
dominieren das rechts-
extremistische Spektrum außerhalb des Par-
teienbereichs. Auch zahlenmäßig bilden sie die
größte Szene innerhalb des rechtsextremisti-
schen Milieus. Sie unterscheiden sich von den
subkulturell geprägten Rechtsextremisten ins-
besondere durch ihren Organisationsgrad und
den Versuch, ihre Ideologie kontinuierlich zu
verbreiten. Im Vordergrund stehen politische
Aktivitäten sowie die Organisation von rechts-
extremistischen Demonstrationen oder Propa-
gandaaktionen. Dabei orientieren sie sich ideo-
logisch an einem totalitären, nationalistischen
und rassistischen Führerstaat mit einer Ein-
heitspartei nach dem Vorbild der historischen
Nationalsozialisten. Sie streben eine Staatsform
an, die im Widerspruch zur freiheitlichen demo-
kratischen Grundordnung auf einer „Volksge-
meinschaft“ basieren soll. Nach dem Verständ-
nis der historischen Nationalsozialisten aus der
Zeit des Naziregimes mussten die Angehörigen
dieser „Volksgemeinschaft“ dabei der „arischen
Rasse“ angehören und sich zur Weltanschauung
des Nationalsozialismus bekennen. Die Begriffe
„Staat“ und „Staatsgebiet“ wurden durch „Volk“
und „Lebensraum“ ersetzt, wobei mit „Lebens-
raum“ das Territorium des ethnisch definierten
Volkes gemeint war.
Die Durchführung von „Zeitzeugenvorträgen“,
bei denen Zeitzeugen des Naziregimes von ihren
Erfahrungen im Kampf für den Nationalsozialis-
mus berichten, wird zum Anlass für eine glori-

24
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
fizierende Darstellung der Ereignisse jener Zeit
genommen.
Die „deutsche Rasse“ wird als Elite dargestellt,
alles Andersartige als minderwertig diffamiert.
„Wir alle hier verkörpern das Gesunde, das Star-
ke, das Wehrhafte. Wir verkörpern den Wider-
stand, wir sind in der Lage uns standhaft den
Fäulnissen der heutigen Zeit entgegen zu stellen.
Der Widerstand, wie er sich heute hier zusam-
mengefunden hat, ist die letzte Anhäufung ge-
sunden deutschen Lebens. Wir verachten das
Schwache, wir verabscheuen alles Kranke da
draußen, denn wir sind die Zukunft. Leben heißt
Kampf.“
9
Ein anderes Beispiel, das auf das von Rechts-
extremisten befürchtete Aussterben der „deut-
schen Rasse“ abzielt:
„Doch gleichzeitig hat man bevölkerungspoliti-
sche Erwägungen nicht nur ignoriert, sondern
das Wachstum des deutschen Volkes durch den
gepredigten Konsumglauben an Wohlstand und
Vergnügen so behindert, dass der Bestand des
deutschen Volkes heute äußerst gefährdet ist.
Man hat nicht einmal den Wert des zukünftigen
Steuerzahlers und Lastenträgers anerkannt, ge-
schweige denn den biologischen Wert deutscher
Kinder.“
10
In den letzten Jahren wurde die von Nationalso-
zialisten propagierte „Volksgemeinschaft“ stär-
ker in den Vordergrund gestellt. Im Rahmen der
sogenannten „Volkstodkampagne“ sowie auch
der im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen
9
Internetseite SPREELICHTER, Beitrag: „Leben heißt kampf“, derzeit nicht mehr abrufbarer „Audiomitschnitt der Eröffnung des kampfsportturniers des
Widerstandes“ am 27. november 2010 im Großraum Dresden.
10
Internetseite
http://www.verdictum.info.
11
„nationaler Sozialismus als Identitäre Weltanschauung“,
http://ab-leipzig.com
(Aktionsbündnis Leipzig – Der Widerstand in deiner Stadt).
12
„nationaler Sozialismus als Identitäre Weltanschauung“,
http://ab-leipzig.com
(Aktionsbündnis Leipzig – Der Widerstand in deiner Stadt).
„Werde unsterblich“-Kampagne wird das deut-
sche Volk als „Rassegemeinschaft“ verstanden,
die es zu retten gelte. Dem deutschen Volk gehö-
re hiernach an, wer zur sogenannten „arischen
Rasse“ zähle.
Neonationalsozialistische Bestrebungen wäh-
len insbesondere die Person Adolf Hitlers zum
Vorbild, orientieren sich aber auch an antikapi-
talistischen und sozialrevolutionären Gedanken.
Insbesondere wenn
NeoNatioNalsozialisteN
als
auto­
Nome NatioNalisteN
(AN) agierten, wird ein antika-
pitalistischer Ansatz verfolgt, der in jüngerer Zeit
auch von weiten Teilen der
NeoNatioNalsozialisteN
übernommen wurde.
Der Begriff der „Volksgemeinschaft“ ist bei den
heutigen
NeoNatioNalsozialisteN
mit einem biologis-
tischen Weltbild verbunden, das fremde Kulturen
und damit auch Menschen mit Migrationshinter-
grund ausschließt und mit der Vernichtung des
vermeintlich Minderwertigen einhergeht.
„Das deutsche Volk selbst ist ein Konglomerat aus
unterschiedlichen, aber miteinander verwandten
Rassen, von denen jedoch alle zum europäischen
Lebensraum und zur übergeordneten weißen
Großrasse gehören.“
11
„Für uns als Europäer wird zweifelsohne die Fä-
higkeit zur geistigen Kulturschöpfung, zum
Ackerbau und zur Lagerwirtschaft, zur wissen-
schaftlichen Untersuchung und zum technischen
Fortschritt von einer höheren Bewertung zeugen
als die Fähigkeit zur Antilopenjagd mit Holzspee-
ren, zum mehrstimmigen Gesang und zur
Schmerzresistenz bei für uns obskuren Selbstver-
stümmelungsbräuchen (…)“.
12

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
25
„Wenn wir nun als politisch motivierte Kämpfer
im 21. Jahrhundert vor der Tatsache stehen, dass
unser Volk innerhalb von nur wenigen Generati-
onen durch Massenzuwanderung und Rassenver-
mischung, durch Negativauslese und Verdum-
mung sowie durch körperliche und seelische
Degeneration in seinem Bestand als über lange
Zeiträume hinweg gewachsene organische Ge-
meinschaft bedroht ist (…).“
13
„Denn erst, wenn eine lebensgesetzlich richtige
Politik sämtliche schädlichen Einflüsse eindämmt,
welche eine Entartung des Volkscharakters, d. h.
den Verlust seiner Identität zur Folge haben und
Maßnahmen ergreift, um die gesunden und po-
sitiven Anlagen innerhalb des Volkes bei gleich-
zeitiger Pflege des völkischen Erbgutes zu ver-
mehren, so kann man von einer identitären
Politik sprechen.“
14
„(…) denn eine Mischbevölkerung aus arabisch-
afrikanisch-europäischen Mulatten wird in 100
Jahren mit Sicherheit nicht das Erbe vergangener
deutscher Kulturschöpfer fortsetzen, da eine
Veränderung im genetischen Bestand automa-
tisch auch eine Veränderung des seelisch-geisti-
gen Zustandes mit sich bringt, der sich am Ende
in einem veränderten Ausdruck von Kultur und
Lebensgefühl bemerkbar macht.
Ist dieser Punkt erreicht, so hat das deutsche
Volk seine Identität verloren.“
15
Dementsprechend ist ein ethnisch homogener
Staat Ziel neonationalsozialistischer Aktivitäten.
„Die Machthaber in der BRD versuchen den Be-
griff ‚Volk’ bewusst umzudeuten. Denn wenn man
13
„nationaler Sozialismus als Identitäre Weltanschauung“,
http://ab-leipzig.com
(Aktionsbündnis Leipzig – Der Widerstand in deiner Stadt).
14
„nationaler Sozialismus als Identitäre Weltanschauung“,
http://ab-leipzig.com
(Aktionsbündnis Leipzig – Der Widerstand in deiner Stadt).
15
„nationaler Sozialismus als Identitäre Weltanschauung“,
http://ab-leipzig.com
(Aktionsbündnis Leipzig – Der Widerstand in deiner Stadt).
16
„Die Demokraten und der ‚Volksbegriff’!“,
www.pinselstriche.org.
nämlich durch die Staatsangehörigkeit auch au-
tomatisch Volksangehöriger wird, ist das Problem
‚Volkstod’ für sie gelöst, solange nur Zuwanderer
kommen und die möglichst viele Kinder haben.“
16
Militanz – Gewaltbereitschaft
Die neonationalsozialistische Szene hat grund-
sätzlich eine starke Affinität zu Waffen und
Sprengstoffen.
NeoNatioNalsozialisteN
verzichten
jedoch vor allem aus taktischen Gründen auf
öffentliche Aufrufe zu Gewalt zur Durchsetzung
politischer Ziele. Doch schon durch die Anleh-
nung an die NS-Ideologie finden sich in ihrem
Weltbild Einstellungsmuster, die eine Neigung zur
Gewaltanwendung und -befürwortung belegen.
Bei Hausdurchsuchungen, die die Polizei im
Rahmen von Ermittlungsverfahren bei
NeoNatio­
NalsozialisteN
durchführte, wurden immer wieder
Waffen gefunden.
Abweichend vom taktischen Verhalten der
Neo­
NatioNalsozialisteN
im Freistaat Sachsen geht die
Gruppierung
NatioNale sozialisteN hoyersWerda
in
Hoyerswerda vor. Unbeeindruckt von möglichen
strafrechtlichen Konsequenzen und mit großer
Brutalität betreibt man hier klassische Anti-An-
tifa-Arbeit. Das Feindbild ist dabei klar umrissen,
der politisch Andersdenkende, die „Zecke“.
Nachdem man im Oktober 2012 ein Pärchen in
seiner Wohnung überfiel und diese Hoyerswer-
da verlassen mussten, bestreifte man offenbar
im Jahr 2013 gezielt die Hoyerswerdaer Innen-
stadt auf der Suche nach Opfern. Im Mai und im
September gipfelte diese Suche in von Gruppen-
mitgliedern verübten Körperverletzungen gegen
vermeintliche „Zecken“.

26
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
NeoNatioNalsozialisteN
kennzeichnet zudem die ge-
radezu kultartige Verehrung eines kriegerischen
Ideals.
„Die Geburt, mit der das Leben beginnt, und der
Tod, der es endet, sind Kampf, wie auch das Le-
ben, dass zwischen ihnen liegt, nur ein einziges
Ringen des Menschen mit sich und der Umwelt
ist. Diesen Kampf führt der Mensch nicht für sich
alleine, sondern auch für seine Familie, seine Sip-
pe und sein Volk, um diese zu schützen und zu
erhalten. Für den nordischen Mann wird der
Kampf so zur Pflicht und zur Ehre.“
17
„Nie ist es ganz undeutscher Haß oder gierige
Neid gewesen, die ihn die Waffen haben ergrei-
fen lassen, immer hat der Deutsche nur zur Ver-
teidigung des Vaterlandes, seiner Freiheit, seiner
Ehre und seines Glaubens die ihm aufgezwunge-
nen Kriege durchgeführt und als Sieger ist er in
seiner ritterlichen Großmütigkeit fast stets um
die Früchte seines Sieges betrogen worden.
Es gibt kein eindrucksvolleres Bild hierfür als den
Umfang der Grenzen Deutschlands um das Jahr
1000 und um das Jahr 1937. All diese Kämpfe ha-
ben unzählige Blutsopfer, und zwar gerade der
wertvollsten, besonders kämpferisch eingestellte
Männer gefordert.“
18
Entsprechend populär ist Kampfsport in der neo-
nationalsozialistischen Szene.
NeoNatioNalsozialisteN
trainieren Kampfsport und
beteiligen sich an Kampfsportturnieren sowohl
als Zuschauer als auch als Kämpfer.
Bereits Ende November 2010 fand unter dem
Motto „LEBEN HEIßT KAMPF“ ein Kampfsport-
turnier der rechtsextremistischen Szene im Frei-
17
„Leben heißt auch kämpfen!“,
www.pinselstriche.org.
18
„Leben heißt auch kämpfen!“,
www.pinselstriche.org,
Fehler im Original.
19
Ursprünglich veröffentlicht auf der Internetseite SPREELICHTER, Beitrag: „Leben heißt kampf“ – „Audiomitschnitt der Eröffnung des diesjährigen
kampfsportturniers des Widerstandes“ am 27. november 2010 im Großraum Dresden. Erneut veröffentlicht auf
www.pinselstriche.org
als Einleitung
zum Beitrag „Leben heißt auch kämpfen!“ am 20. August 2012.
staat Sachsen statt. In der später im Internet
veröffentlichten Eröffnungsrede zu dieser Ver-
anstaltung heißt es:
„Der Kampf, den wir führen, der uns prägt, der
unser Leben schon seit Jahren bestimmt und bis
ans Ende bestimmen wird, ist kein Kampf gegen
einzelne Personen. Kein Kampf gegen einzelne
Missstände, kein Kampf für Anpassungen oder
Reformen. Es ist der Kampf um das Ganze, der
Kampf gegen Willkür und gegen Unterdrückung.
Der Kampf gegen Heuchelei, Materialismus und
Dekadenz. Es ist der Kampf des Idealismus gegen
den Materialismus. Der Kampf um Freiheit und
Selbstbestimmung, der Kampf um unsere Zu-
kunft. Der Kampf um die Existenz eines Volkes.
Was sich heute noch abstrakt anhören mag, wird
in nicht allzu ferner Zukunft ein Gesicht bekom-
men.“
19
Dieses Zitat verdeutlicht, dass es den
NeoNatio­
NalsozialisteN
um mehr geht, als nur um Körper-
ertüchtigung und gegenseitiges Kräftemessen.
Vielmehr soll Einigkeit im Kampf um eine neue
Gesellschaftsordnung, die in der sogenannten
„Volksgemeinschaft“ besteht, demonstriert und
zur Durchsetzung ideologischer Ziele auch per-
sönlicher Einsatz erfolgen. In der Volksgemein-
schaft haben Schwäche und Krankheit keinen
Platz. Vielmehr spielen die Förderung und Er-
haltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit
eine tragende Rolle.
Bereits im Jahr 2012 gab es Hinweise auf eine
Beteiligung von Rechtsextremisten an einem
Kampfsportturnier. So fand am 29. September
2012 in Schildau eine Kampfsportveranstaltung

image
image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
27
statt, deren ca. 400 Gäste nach Einschätzung der
Polizei dem Äußeren nach vorrangig der rechten
Szene zugerechnet wurden.
www.groundandpound.de
Am 2. März 2013 wurde ebenfalls in Schildau die
Kampfsportveranstaltung „Sachsen kämpft II“
durchgeführt, bei der es sich um die Fortfüh-
rungsveranstaltung des Turniers von 2012 an
gleicher Stelle handelte. An der Veranstaltung
waren Rechtsextremisten als aktive Kämpfer, lo-
gistische Unterstützer und Zuschauer beteiligt.
Die über 500 Teilnehmer waren nach Einschät-
zung der Polizei nahezu in Gänze der rechten
Szene zuzuordnen.
Szeneinterne Betreuung von inhaftierten
R
e
c
hts
e
xt
r
e
mis
t
e
n
„Eine politische Bewegung kann gut daran ge-
messen werden, wie sie mit ihren Toten, aber ins
Besondere mit ihren Inhaftierten umgeht. Der
Staat hat dafür im Vorfeld gesorgt, dass es bis
vor Kurzem keine bundesweit organisierte Gefan-
genenhilfe gab – das haben wir nun geändert!
Wir wollen da auf keinen Fall eine Struktur kopie-
ren oder fortführen, sondern bauten eine VÖLLIG
neue auf.“
20
Der Bundesinnenminister hatte die „h
ilfsorgaNisa­
tioN für NatioNale gefaNgeNe uNd dereN aNgehörige
e. V.“
(HNG) mit Verfügung vom 30. August 2011 ver-
boten, da deren Zwecke sowie ihre Tätigkeit den
Strafgesetzen zuwider liefen und sie sich gegen
die verfassungsmäßige Ordnung richtete. Das
Verbot ist nach seiner Bestätigung durch das
Bundesverwaltungsgericht seit dem 19. Dezem-
ber 2012 bestandskräftig. Die HNG war bis zu
ihrem Verbot die größte bundesweit aktive neo-
nazistische Vereinigung.
Seit dem Jahr 2012 betreut die „GefangenenHil-
fe“ inhaftierte Rechtsextremisten. Ihre Zielrich-
tung und Aktivitäten stellt die „Gefangenen-
Hilfe“ auf einer eigenen Internetseite, in einem
eigenen Facebook-Profil, auf Faltblättern sowie
bei Infoständen und internen Veranstaltun-
gen vor. Eigenangaben zufolge handelt es sich
bei der „GefangenenHilfe“ um einen in Schwe-
den eingetragenen Verein, der vor allem in der
Bundesrepublik Deutschland darauf abzielt, „in-
haftierte Freunde“ durch Spendensammlungen
zu unterstützen. Zu ihren Aufgaben zählt die
„GefangenenHilfe“ zudem die Berichterstattung
über staatliches Vorgehen, die Vermittlung von
Anwälten und die Korrespondenz mit Inhaf-
tierten, darunter auch Inhaftierten sächsischer
Justizvollzugsanstalten. Initiator der „Gefange-
nenHilfe“ ist ein in Dresden wohnhafter Rechts-
extremist.
20
Interview mit der „GefangenenHilfe“, veröffentlicht seit november 2012 u. a. auf der Internetseite Infoportal24. Schreibweise wie im Original.

28
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Verhältnis der
NeoNatioNalsozialisteN
zur
NatioNalDemokratisCheN Partei DeutsChlaNDs
(NPD) bzw. deren Jugendorganisation
JuNge
N
atioNalDemokrateN
(JN)
Das Verhältnis der
NeoNatioNalsozialisteN
zur NPD
ist zum einen davon abhängig, wie sich die NPD
selbst positioniert. Immer dann wenn die Partei
durch offenkundig enge Verbindungen zur neo-
nationalsozialistischen Szene einen Imagescha-
den befürchtet, bemüht sie sich um öffentliche
Distanz.
Zum anderen haben regionale Umstände einen
großen Einfluss auf die Zusammenarbeit zwi-
schen Partei und den
NeoNatioNalsozialisteN
.
Dies soll hier exemplarisch an den drei Großstäd-
ten Chemnitz, Leipzig und Dresden dargestellt
werden.
Der mit dem Führungswechsel an Bundes- und
Landesspitze der NPD Ende 2011 und Anfang
2012 verbundene öffentliche Kurswechsel der
Partei mit seiner künftigen Ausrichtung auf eine
„seriöse Radikalität“ stieß insbesondere im NPD-
Kreisverband Chemnitz auf Widerstand.
Insbesondere in der NPD aktive ehemalige
freie
k
räfte
waren offenbar nicht bereit, ihre eigenen
ideologischen Positionen aufzugeben bzw. zu
verbergen, um in den Genuss von logistischen
und finanziellen Mitteln der NPD zu kommen.
Sie traten aus dem NPD-Kreisverband aus und
sind bis heute nicht bereit mit der NPD zusam-
menzuarbeiten.
In Dresden existiert seit mehreren Jahren eine
enge Zusammenarbeit zwischen dem NPD-Kreis-
verband Dresden und den Dresdner
NeoNatioNal­
sozialisteN
. Es kommt zu gemeinsamen Treffen,
Absprachen zu geplanten Aktivitäten sowie zur
gemeinsamen Teilnahme an Veranstaltungen,
vor allem anlässlich der jährlichen Aktivitäten
im Zusammenhang mit dem Gedenken an die
Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945
und im Gedenken an den Arbeiteraufstand am
17. Juni 1953 in der DDR. Allerdings war das
Verhältnis zwischen der NPD und den
freieN
k
räfteN dresdeN
keineswegs immer harmonisch.
Phasen der Annäherung wechseln sich mit Pha-
sen größerer Distanz ab. Im Jahr 2013 war eher
ein distanziertes Verhältnis feststellbar, welches
wohl mit der inhaltlichen Ausrichtung der NPD
zusammenhängt.
Diese Distanz zeigt sich auch in einem Statement
zum Rücktritt des NPD-Bundesvorsitzenden Hol-
ger APFEL am 19. Dezember 2013, welches auf
der den
freieN kräfteN dresdeN
zuzurechnenden
NETZWERKMITTE.com veröffentlicht wurde.
„Wir nehmen die Ereignisse zur Kenntnis und
werden in den kommenden Wochen und Mona-
ten den weiteren Weg der Partei aufmerksam
und mit Interesse verfolgen.“
21
Dreh- und Angelpunkt in der Stadt Leipzig ist die
gemeinsame Nutzung der Kreisgeschäftsstelle
der NPD in der Odermannstraße 8. Das von der
Partei gemietete Treffobjekt nutzen sowohl NPD,
JN als auch
NeoNatioNalsozialisteN
für zum Teil ge-
meinsame Veranstaltungen. Auch im Jahr 2013
führten die Rechtsextremisten zahlreiche Vor-
tragsveranstaltungen und Treffen sowie zwei
rechtsextremistische Konzertveranstaltungen im
Objekt Odermannstraße durch.
Die NPD ist offensichtlich auf solche Veranstaltun-
gen zur Finanzierung des Objektes angewiesen.
In den Städten Chemnitz und Dresden hingegen
verfügen die neonationalsozialistischen Struktu-
ren über eigene Treffobjekte und können dahin-
gehend unabhängig von der NPD agieren.
Die NPD wird im Jahr 2014 für den Landtags-
wahlkampf wieder auf Angehörige der neonatio-
21
„Holger APFEL zurückgetreten“, nETZWERkmITTE.com, 20. Dezember 2013.

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
29
nalsozialistischen Szene als Wahlhelfer angewie-
sen sein. Die Einstellung dieser Szene hingegen
wird künftig auch davon abhängen, ob der Partei
der Wiedereinzug in den sächsischen Landtag
gelingt und man somit weiter logistisch und fi-
nanziell von ihr profitieren kann.
Das Verhältnis der parteiungebundenen
Neo­
NatioNalsozialisteN
zur NPD-Jugendorganisation
JuNge NatioNaldemokrateN
(JN) ist ebenfalls regio-
nal unterschiedlich ausgeprägt. Die JN konnten
infolge des Verbotes der
NatioNaleN sozialisteN
d
öbelN
ihr Personenpotenzial erhöhen und sind
in einigen Regionen mit der örtlichen neonatio-
nalsozialistischen Szene verschmolzen.
So waren nach dem Rückzug des ehemaligen
sächsischen JN-Landesvorsitzenden und Leipzi-
ger JN-Stützpunktleiters Tommy NAUMANN im
Jahr 2012 die Aktivitäten des Stützpunktes fast
völlig zum Erliegen gekommen. Der im Jahr 2013
neu belebte Stützpunkt rekrutiert sich zum gro-
ßen Teil aus dem Potenzial der
NeoNatioNalsozia­
listeN
.
In der Stadt Dresden hingegen besteht neben
den
freieN kräfteN dresdeN
seit Dezember 2012
der JN-Stützpunkt Dresden. Hier sind keine per-
sonellen Überschneidungen bekannt. Der Stütz-
punkt entfaltete im Jahr 2013 keine öffentlich-
keitswirksamen Aktivitäten.
Die
NeoNatioNalsozialisteN
in Sachsen pflegen
grundsätzlich einen pragmatischen Umgang mit
den JN. Sie profitieren u. a. davon, wenn Veran-
staltungen unter JN-Label angemeldet werden,
und man selbst nicht öffentlich als Anmelder in
Erscheinung treten muss. Die JN ihrerseits sind
mit 70 Mitgliedern dauerhaft auf die
NeoNatio­
NalsozialisteN
als Mobilisierungspotenzial ange-
wiesen.
1.3
NatioNaldemokratische Partei deutschlaNds (NPd)
NatioNalDemokratisChe Partei DeutsChlaNDs (NPD)
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Gründung:
1964
Sitz:
Halberstadt (Sachsen-Anhalt)
Mitglieder 2013 in Sachsen:
ca. 670
Mitglieder 2012 in Sachsen:
ca. 700
Mitglieder 2012 bundesweit:
ca. 5.400
Vorsitz Bund:
APFEL, Holger (bis 19. Dezember 2013
22
)
Vorsitz Freistaat Sachsen:
SZYMANSKI, Holger
Teil-, Nebenorganisationen:
JuNge NatioNalDemokrateN (JN), riNg NatioNaler FraueN (rNF),
kommuNalpolitiSChe vereiNiguNg (kpv)
Publikation:
DEUTSCHE STIMME
Kennzeichen:
22
APFEL erklärte an diesem Tag seinen Rücktritt vom Amt des Bundesvorsitzenden.

30
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Historie und Strukturentwicklung
Die 1964 gegründete NPD ist aus der ehemaligen
deutscheN reichsPartei
hervorgegangen. Die NPD-
Jugendorganisation
JuNge NatioNaldemokrateN
(JN)
wurde 1969 gegründet.
Nachdem Mitglieder der NPD aus den alten Bun-
desländern 1989 erste Kontakte in die damalige
DDR geknüpft und bei Leipziger Montagsdemon-
strationen Flugblätter verteilt hatten, gründeten
Aktivisten am 24. März 1990 in der Messestadt
einen Vorläufer der sächsischen NPD unter der
Bezeichnung
mitteldeutsche NatioNaldemokrateN
(MND). Am 2. September 1990 gründeten die
Mitglieder der MND den sächsischen Landes-
verband der NPD. In Erfurt (Thüringen) fand am
7. Oktober 1990 ein Vereinigungsparteitag statt,
auf dem sich die auf dem Gebiet der ehemaligen
DDR neu gegründeten NPD-Strukturen mit den
Landesverbänden der alten Bundesländer zu ei-
ner Gesamtpartei zusammenschlossen.
Strukturentwicklung und Mitgliederzahlen der
NPD im Freistaat Sachsen unterlagen seit der
Gründung erheblichen Schwankungen. Hatte die
NPD anfangs noch über 400 Mitglieder, die in
rund 16 Kreisverbänden (bei damals noch über
40 Landkreisen) organisiert waren, sank die Mit-
gliederzahl bis 1994 auf unter 100 Personen. Erst
nach einer im Jahr 1995 erfolgten organisato-
rischen Straffung auf sieben Kreisverbände und
durch intensive Werbung im Rahmen von soge-
nannten „Freundeskreisveranstaltungen“ stieg
die Anzahl der Mitglieder wieder an. Hierzu trug
auch eine strategische Orientierung auf öffent-
lichkeitswirksame Aktivitäten wie beispielsweise
Großdemonstrationen bei. Den Zenit dieser Ent-
wicklung erreichte der sächsische NPD-Landes-
verband im Jahr 1998 mit ca. 1.400 Mitgliedern
und 20 Kreisverbänden. Trotz der Gründung
zweier weiterer Kreisverbände im Jahr 1999
sank die Mitgliederzahl stark auf schließlich
ca. 1.000 Personen. Der Rückgang war u. a. auf
zwei Faktoren zurückzuführen. Aus wahltakti-
schen Gründen verzichtete die NPD auf öffent-
lichkeitswirksame Aktivitäten, um potenzielle
Wähler mit dem martialischen Erscheinungs-
bild von Demonstrationsteilnehmern nicht zu
verschrecken. Intern setzten in der NPD zudem
Diskussionen über einen politischen Kurswechsel
zum Sozialismus ein. Die Partei verband Ideolo-
gieelemente des Sozialismus und der Volksge-
meinschaft zu einer These, die sie als „volksbezo-
genen deutschen Sozialismus“ beschrieb.
Erst nach dem Einzug der NPD in den Sächsi-
schen Landtag im Jahr 2004 erholte sich der Mit-
gliederbestand wieder etwas. Seit dem Jahr 2007
ist die NPD im Freistaat Sachsen flächendeckend
vertreten, dennoch stagnierte die Mitglieder-
zahl zunächst und sank in den letzten Jahren
kontinuierlich. Im Jahr 2013 verfügte die NPD
in Sachsen nur noch über rund 670 Mitglieder.
Die Partei verlor damit seit ihrem Höchststand
im Jahr 1998 insgesamt mehr als 50 % ihrer
Mitglieder sowie über 30 % gegenüber dem Zwi-
schenhoch nach der Sächsischen Landtagswahl
2004 (ca. 1.000 Mitglieder im Jahr 2005).
Seit dem Jahr 2008 verfügt die NPD – nach ei-
ner Reduzierung der Anzahl der Kreisverbände
entsprechend der Kreisgebietsreform – über
13 Kreisverbände. Damit ist sie im Freistaat
Sachsen nach wie vor flächendeckend in allen
Landkreisen und kreisfreien Städten vertreten.
Die Partei ist seitdem bestrebt, ihre Strukturen
durch die Gründung von Ortsgruppen weiter
auszubauen. Allerdings lösten sich einhergehend
mit dem Mitgliederrückgang einige Ortsver-
bandstrukturen wieder auf bzw. wurden zusam-
mengefasst.

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
31
NPD-Strukturen im Freistaat Sachsen
Mitgliederzahl und Anzahl der Kreisverbände der NPD im Freistaat Sachsen
1.200
900
600
300
0
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
850
800
800
700
760
670
50
40
30
20
10
0
13
13
13
13
13
13
20
850
Mitglieder
Anzahl der Kreisverbände

image
image
32
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Mitglieder der NPD sind im Freistaat Sachsen
darüber hinaus in der NPD-Frauenorganisation
riNg NatioNaler fraueN
(RNF) sowie in der
kom­
muNalPolitischeN VereiNiguNg
(KPV) organisiert. Der
RNF verfügt in Sachsen über vier Regionalgrup-
pen. Der RNF zeigt hinsichtlich Mitgliederzahl
und Strukturen eine stagnierende Tendenz. Nur
gelegentlich beteiligt er sich an NPD-Veranstal-
tungen. Die KPV ist eine bundesweit agierende
Organisation mit der Aufgabe, kommunale Man-
datsträger der NPD zu schulen.
Quelle:
www.ds-aktuell.de
Mit der
deutscheN stimme Verlagsgesellschaft
mbH
mit Sitz in Riesa (Landkreis Meißen) besitzt die
NPD ein rechtsextremistisches Versandunter-
nehmen. Die Geschäftsbilanzen des Verlages,
welcher neben der Herausgabe des Parteiorgans
DEUTSCHE STIMME auch mit Publikationen,
Tonträgern und Devotionalien handelt, gestalte-
ten sich in den letzten Jahren sehr negativ. Der
Verlag geriet durch Missmanagement in eine
schwierige finanzielle Lage. Nur mit finanzieller
Unterstützung der NPD-Sachsen konnte offen-
bar eine Insolvenz noch verhindert werden.
An der schwierigen finanziellen Situation des
Verlages hat sich offensichtlich auch im Jahr
2013 nichts geändert. So habe der NPD-Funktio-
när Udo PASTÖRS auf dem Bundesparteitag im
April 2013 von einem „diffusen Konzept“ gespro-
chen und beklagt, dass die Partei immer wieder
finanziell zuschießen müsse, um eine Insolvenz
abzuwenden. Zur gleichen Zeit mussten die Be-
treiber des Verlages nach einer Entscheidung der
„Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medi-
en“ (BPjM) auch ihr Online-Angebot umstellen.
Gleich eine Vielzahl von Produkten des Verlages
wurden von der BPjM indiziert. So sei die Kriegs-
führung der Wehrmacht im II. Weltkrieg anhand
etlicher Produkte positiv dargestellt und der
Nationalsozialismus verharmlost worden. Die
Inhalte einiger Angebote würden zudem Auslän-
der diskriminieren. Schließlich sind Äußerungen
auf dem Portal wie „Das Reich kommt wieder“
oder Aussagen zur „geraubten Heimat“ durch die
Bundesprüfstelle kritisch bewertet worden.
Die Aktivitäten des Verlages waren im Jahr 2013
ebenfalls rückläufig. Das jährliche Pressefest des
Verlages fand nicht statt.
Quelle: http.//hier-und-jetzt-magazin.de

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
33
Einnahmen der sächsischen NPD
200.000
175.000
150.000
125.000
100.000
75.000
50.000
25.000
0
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Mandatsträgerbei-
träge, siehe Fußnote
unmittelbar einge-
nommene staatliche
Mittel
staatliche Mittel
gesamt (einschließ-
lich Mandatsträger-
beiträge = mittelbar
eingenommene
staatliche Mittel)
Mitgliederbeiträge
27.241
65.500
109.186
174.686
144.600
143.104
161.800
161.456
145.444
136.837
114.800
95.454
109.200
70.900
74.544
85.738
52.159
29.800
29.282
47.650
52.600
72.166
18.795
16.026
22.285
21.672
14.598
89.290
23
mandatsträgerbeiträge sind Abgaben von mandatsträgern an die Partei.
sen den größten Anteil unter den Landesverbän-
den an diesem Ergebnis des Bundesverbandes.
Die Einnahmequellen der sächsischen NPD setz-
ten sich überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen,
Spenden sowie staatlichen Leistungen zusam-
men. Die staatlichen Leistungen fließen der NPD
unmittelbar in Form der Wahlkampfkostenrück-
erstattung sowie mittelbar über Mandatsträger-
beiträge
23
zu.
Die Einnahmen der NPD in Form von unmittelba-
ren staatlichen Zuschüssen sind seit ihrem ers-
ten Einzug in den Sächsischen Landtag im Jahr
2004 gesunken. Die Partei kompensierte dies
bisher durch eine Steigerung der Einnahmen aus
mittelbaren staatlichen Mitteln (Mandatsträ-
gerbeiträge). Im Jahr 2011 stieg der Zufluss an
staatlichen Mitteln um rund 15.000 Euro, dage-
gen sanken die Einnahmen aus der Mandatsträ-
gerumlage stärker, sodass die Gesamteinnahmen
dieser Kategorie nun eine sinkende Tendenz auf-
weisen.
Der NPD-nahe Verein
bilduNgsWerk für heimat uNd
NatioNale
I
deNtität
e. V. gab im Jahr 2013 eine Aus-
gabe der Publikation HIER & JETZT heraus. Die
Publikation enthält Beiträge, die auf rechtsextre-
mistischer Ideologie basieren oder einen Bezug
zur rechtsextremistischen Szene aufweisen. In
der Publikation werden – aus rechtsextremisti-
scher Sicht – alternative Modelle einer Gesell-
schaftsordnung sowie politische Hintergründe
und kulturelle Aspekte thematisiert. Darüber
hinaus scheint der Verein aktuell kaum aktiv
zu sein. Auf seiner Homepage verweist das Bil-
dungswerk lediglich auf eine Veranstaltung im
Juni 2012.
Finanzquellen der NPD in Sachsen
In dem Rechenschaftsbericht der NPD aus dem
Jahr 2011 wird im Unterschied zum Vorjahr ein
finanzieller Gewinn des Bundesverbandes der
NPD in Höhe von rund 114 Tausend Euro aus-
gewiesen. Mit einer positiven Bilanzsumme von
rund 90,5 Tausend Euro hatte die NPD in Sach-

34
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Der Anstieg der Beitragseinnahmen im Jahr 2011
ist nicht auf einen Anstieg der Mitgliederzahlen
zurückzuführen, sondern auf eine Anhebung
der Mitgliedsbeiträge ab Januar 2011. An Spen-
den konnte die NPD in Sachsen mit rund 43.796
Euro etwas weniger einnehmen als im Jahr zu-
vor (2010: 50.644 Euro). Einer der sieben Spen-
der eines Betrages über 10.000 Euro stammt aus
Sachsen.
Nach 2007 stieg bei der sächsischen NPD der
Anteil an Ausgaben für Wahlkämpfe stark an.
Diese Ausgaben entstanden im Zusammenhang
mit den Kommunalwahlen 2008 und 2009 so-
wie der Landtagswahl 2009. Sie reduzierten sich
im Jahr 2010 auf ca. 5 Tausend Euro, sodass der
Landesverband trotz sinkender Einnahmen eine
positive Bilanz im Jahr 2010 aufweisen konnte.
Im darauffolgenden Jahr war wieder ein leichter
Anstieg der Ausgaben für Wahlkämpfe zu ver-
zeichnen.
Belastend für die finanzielle Lage der NPD wirkte
sich eine Entscheidung des Bundesverwaltungs-
gerichtes Leipzig aus. Im Dezember 2012 bestä-
tigte es den Anspruch des Bundestagspräsiden-
ten auf die Rückzahlung zu viel gezahlter staatli-
cher Mittel zur Parteienfinanzierung in Höhe von
1,27 Mio. Euro. Da die Partei die Rückzahlung
nicht leisten konnte, begann die Bundestags-
verwaltung im Januar 2013, die vierteljährlichen
Abschlagszahlungen der staatlichen Mittel ein-
zubehalten. Hiergegen wandte sich die Partei mit
einer einstweiligen Anordnung erfolgreich an
das Bundesverfassungsgericht. Das Gericht er-
klärte die Einbehaltung der Abschlagszahlungen
für das zweite und dritte Quartal 2013 daraufhin
für unzulässig, weil die NPD ohne die staatlichen
Mittel im anstehenden Bundestagswahlkampf
benachteiligt gewesen wäre. Diese beiden Aus-
zahlungen, so hatte der Bundesschatzmeister er-
klärt, würden den Finanzbedarf der NPD bis zur
Bundestagswahl am 22. September 2013 decken.
600.000
500.000
400.000
300.000
200.000
100.000
0
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
Geschäftsbetrieb
polit. Arbeit
Wahlkämpfe
Gesamtausgaben
55.622
407
0
129.746
369.702
5.089
121.237
34.769 39.669
44.628
54.166
81.009
150.331
79.557
97.306
74.549
395.775
154.925
175.153
305.478
520.537
149.293
32.018
26.498
48.047
102.725
25.401
51.528
Ausgaben der sächsischen NPD

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
35
Einen am 20. Dezember 2013 beim Bundes-
verfassungsgericht gestellten Antrag auf Er-
lass einer einstweiligen Anordnung, nach dem
der Bundestag verpflichtet werden sollte, Ab-
schlagszahlungen in Höhe von 303.414,05 Euro
ohne Verrechnung zu zahlen, hat das Gericht mit
Beschluss vom 28. Januar 2014 abgelehnt.
Auch wenn die NPD durch die oben genannte
Rückzahlung finanziell belastet wird, ist nicht
davon auszugehen, dass die Partei vor dem fi-
nanziellen Ruin steht. Mit Spendeneinnahmen,
Mitgliedsbeiträgen und den staatlichen Leis-
tungen stehen der Partei Einnahmen zur Verfü-
gung, die ihre Handlungsfähigkeit aufrechter-
halten. Dabei kommt den beiden finanzstarken
NPD-Fraktionen in Sachsen und Mecklenburg-
Vorpommern mit ihren Kompensationsmöglich-
keiten bei Mandatsträgerbeiträgen besondere
Bedeutung zu. Finanziell belastend für die Partei
werden die im Jahr 2014 anstehenden Wahlen
sein. Da der NPD die Bedeutung eines Wiederein-
zuges in den Sächsischen Landtag 2014 bewusst
ist, ist ein mit großem finanziellen Aufwand ver-
bundener Wahlkampf zu erwarten.
Ideologie / Politische Zielsetzung
Die NPD strebt die Abschaffung der freiheitlichen
demokratischen Grundordnung an. An ihre Stel-
le will die Partei einen autoritär geführten Staat
etablieren, in dem sich der Einzelne der Gemein-
schaft unterzuordnen hat. Er soll seine individu-
elle Freiheit in diesem Staat nur soweit ausleben
können, wie sie der Gemeinschaft Nutzen bringt.
In dieser Gesellschaft kommt eine Person nur
dann in den Genuss des Schutzes der Gemein-
schaft, wenn sie durch ihre Abstammung qualifi-
ziert ist, Bestandteil der Gemeinschaft zu sein. Im
Gegensatz zum Grundgesetz, welches die Würde
des Menschen als oberstes und unveräußerliches
Prinzip schützt und das für alle Menschen gültig
ist, spricht die NPD die Menschenwürde nur den
Mitgliedern einer Volksgemeinschaft der Deut-
schen zu. Alle Menschen, welche nach Ansicht
der Rechtsextremisten nicht Bestandteil dieser
„Volksgemeinschaft“ sind, werden als Bedrohung
der „deutschen Volkssubstanz“ angesehen, so-
lange sie sich in Deutschland aufhalten. Die NPD
verweigert ihnen Grundrechte und weist ihnen
einen niedrigeren Rechtsstatus zu. Diese Posi-
tionen weisen Parallelen zur Programmatik der
historischen Nationalsozialisten auf. Die Partei
versucht zwar, sich der Bevölkerung gegenüber
als harmlose „Kümmerer und Schutzmacht“ zu
präsentieren, die Programmatik und die Äuße-
rungen führender Parteifunktionäre offenbaren
allerdings die menschenverachtende Ideologie
der NPD, welche nicht mit den Grundwerten der
freiheitlichen demokratischen Ordnung verein-
bar ist.
Schaffung einer ethnisch homogenen
Volksgemeinschaft
Die NPD strebt die Schaffung einer nach „immer-
wirkenden Naturgesetzen“ bestimmten „neuen
Ordnung“ in Form einer „Volksgemeinschaft“ an.
„Die NPD bekennt sich zur Volksgemeinschaft
und zum Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die
Volksgemeinschaft ist die Voraussetzung für die
Solidargemeinschaft und damit für den sozialen
Staat, der auch im Grundgesetz gefordert wird.
Das nationale Selbstbestimmungsrecht wiede rum
ist die Voraussetzung für einen demokratischen
Staat.“
24
Diese Volksgemeinschaft sieht die Partei als
„Schutz- und Solidargemeinschaft“. Nur in ihr gebe
es Sicherheit, Teilhabe und Zusammengehörigkeit:
24
Holger APFEL am 11. Juli 2008, Sächsischer Landtag, Plenarprotokoll 4/115, S. 9453.

image
36
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
„Entscheidend ist die glaubwürdige Positionie-
rung der NPD als Schutzmacht der ‚kleinen Leu-
te’. Dieser potentiell nationalrevolutionären
Mehrheit im Volk muß klar werden, dass die
Volksgemeinschaft in der Globalisierungsära die
einzig denkbare Schutz- und Solidargemein-
schaft ist; nur sie verbürgt durch emotional un-
terfütterte Zusammengehörigkeitsgefühle sozi-
ale Teilhabe und Sicherheit.“
25
Die „ethnisch homogene Volksgemeinschaft“ ist
das Kernelement der Weltanschauung der NPD.
Aus ihr leitet sich ein völkisches Menschen-
bild in Gestalt des Vorrangs der Gemeinschaft
gegenüber dem Individuum ab. Nur wenn ein
Mensch nach diesem Verständnis Bestandteil der
„Volksgemeinschaft“ ist, wird ihm seine Freiheit
garantiert. Dies allerdings nur soweit, wie er der
Gemeinschaft nützt.
„Erst die Volksgemeinschaft garantiert die per-
sönliche Freiheit; diese endet dort, wo die Ge-
meinschaft Schaden nimmt.“
26
„An allen Stellen, an denen Einzelinteressen mit
Gemeinschaftsinteressen kollidieren, haben die-
se zugunsten des Erhaltes der Gemeinschaft zu-
rückzutreten“.
27
Hier zeigt sich eine Parallele zum Programm der
NSDAP, wonach die „Tätigkeit des einzelnen […]
nicht gegen die Interessen der Allgemeinheit
verstoßen (darf), sondern (…) im Rahmen des
Gesamten zum Nutzen aller erfolgen (müsse).“
28
Die NPD verwendet den Begriff „Volksgemein-
schaft“ im Sinne der nationalsozialistischen
Lehre. Die historischen Nationalsozialisten de-
finierten sie als „die auf blutmäßiger Verbun-
denheit, auf gemeinsamem Schicksal und auf
gemeinsamen politischen Glauben beruhende
Lebensgemeinschaft eines Volkes, der Klassen-
und Standesgegensätze wesensfremd sind“. Die
NPD versteht diese Volksgemeinschaft als eine
annähernd „ethnisch homogene“ Gruppe von
Menschen, die aufgrund „gemeinsamer Sprache,
Geschichte, Kultur, Schicksal, etc.“
29
entsteht.
NPD-Publikation.
„Deutscher ist, wer deutscher Herkunft ist und
damit in die ethnisch-kulturelle Gemeinschaft
des deutschen Volkes hineingeboren wurde. Eine
25
Jürgen GAnSEL, „Weckruf an die ‚kleinen Leute’ im Volk“, Internetmeldung der nPD Sachsen vom 3. Februar 2011.
26
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 6.
27
Wahlprogramm der nPD zur Bundestagswahl 2002, S. 77.
28
Programm der nSDAP vom 13. April 1920. Schreibweise wie im Original.
29
Internetseite der nPD, Beitrag „national-revolutionäre Gesundheitspolitik“.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
37
Volkszugehörigkeit kann man sich genauso wenig
aussuchen wie die eigenen Eltern – Volks
zu-
gehörigkeit ist Schicksal. In eine Volksgemein-
schaft kann man nicht einfach ein- oder austre-
ten wie in einen Sportverein, man wird in sie
hineingeboren.
(...) Ein Afrikaner, Asiate oder Orientale wird nie
Deutscher werden können, weil die Verleihung
bedruckten Papiers (des BRD-Passes) ja nicht die
biologischen Erbanlagen verändert, die für die
Ausprägung körperlicher, geistiger und seelischer
Merkmale von Einzelmenschen und Völkern ver-
antwortlich sind. (...) Angehörige anderer Rassen
bleiben deshalb körperlich, geistig und seelisch
immer Fremdkörper, egal, wie lange sie in Deutsch-
land leben. Sie mutieren durch die Verleihung ei-
nes Passes ja nicht zu Deutschen.“
30
Diese Ausführungen in den Argumentationshil-
fen lassen wieder einen Bezug auf das Programm
der NSDAP erkennen, wo es im Punkt 4 heißt:
„Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse
ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen
Blutes ist ...“.
Rassistische, fremdenfeindliche Ideologie-
Elemente
Der Wert eines Menschen bestimmt sich nach
Vorstellung der NPD nach der Zugehörigkeit zu
einer Ethnie bzw. Rasse. Hieraus resultieren eine
rassistisch gefärbte Fremdenfeindlichkeit und
der übersteigerte Nationalismus der NPD. Die
Rechtsextremisten grenzen die in ihren Augen
„Nicht-Deutschen“ nicht nur aus, sondern sie
diffamieren sie als minderwertig und stellen sich
selbst als Elite dar.
„Die Grundlagen unserer ethnischen Exklusivität,
unseres geistig-kulturellen Erbes, aber auch un-
serer wissenschaftlich-technischen und damit
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sind in Gefahr
(…) Die Leistungsgesellschaft braucht Leistungs-
träger. Leistungsträger finden sich aber vermehrt
in den zentraleuropäischen Völkern, nicht bei den
afrikanischen Hottentotten. Begabungen und In-
telligenz sind nun einmal ungleich verteilt – und
das deutsche Volk ist eines der begabtesten Völ-
ker in der Welt. Für unsere Begabungen haben wir
uns auch nicht zu schämen! Im Gegenteil! Des-
halb darf es keine Zuwanderung von Dummen
und Primitiven in unser Land geben (…).“
31
„So geht deutsche Intelligenz zunehmend ins
Ausland, während ausländische Dummheit mit
sozialschmarotzerischen Neigungen ungebremst
ins Land kommt. Die deutsche Volkssubstanz
wird neben der Auswanderung guter Köpfe durch
den andauernden Geburtenboykott der vielen be-
ruflich ‚Gestrandeten’ geschwächt.“
32
Ein NPD-Mitglied aus Schleswig-Holstein unter-
stellte Ausländern sogar sinngemäß, ihre eige-
nen Erbanlagen – mit Duldung der Politik – beim
„deutschen Volk“ aufbessern zu wollen.
„Erinnern wir uns, wie die ‚Hamburger Morgen-
post’ dem Herrn Rechtsanwalt Rieger in großer
Aufmachung vorwarf, Arier züchten zu wollen.
Das will man verhindern. Aber was geschieht zur
Zeit? Ein noch deutsches Volk wird von Negriden,
Asiaten und Orientalen unterwandert und als
Rohstoff für eine Veränderung der eigenen Erb-
anlagen genutzt, Und das mit Duldung solcher
politisch tätigen Vertreter!“
33
30
Broschüre WORTGEWAnDT Argumente für mandats- und Funktionsträger, 2012, Seite 18 /19.
31
Internetseite der nPD-Fraktion Sachsen.
32
Internetseite der nPD, Artikel „Der Globalisierungstod des Bürgertums“.
33
SCHLESWIG-HOLSTEIn-STImmE, Ausgabe mai-Juni 2008, Seite 14.

38
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Die damalige Vorsitzende der NPD-Frauenorgani-
sation
riNg NatioNaler fraueN
(RNF) sieht in der Rolle
der Frau eine Bewahrerin „des rassischen Erbes“.
„Die Frau sieht ihre Selbstverwirklichung darin,
Schicksalsgefährtin des Mannes, Hüterin des
Heimes, der Sitte und der Kultur und Bewahrerin
des rassischen Erbes zu sein. Das darf man heu-
te ja da schon wieder nicht sagen mit dem rassi-
schen Erbe, weil ja Multi-Kulti heute propagiert
wird, aber deswegen ist es für uns ganz beson-
ders wichtig, unser Blut rein zu halten.“
34
Den zentralen Aussagen des Grundgesetzes zu
Menschenwürde und Gleichheitsrechten setzt
die Partei mit ihrem Verlangen nach „Reinhal-
tung der Rasse“ zum Schutze der „deutschen
Volkssubstanz“ rassistisch geprägte Forderungen
entgegen, die wiederum eine Anlehnung an die
Zeit des Nationalsozialismus erkennen lassen.
Menschenwürde und Ausschluss von
Grundrechten
Zwar bekennt sich die Partei in ihrem Partei-
programm formal zur Menschenwürde und zur
Gleichheit vor dem Gesetz, allerdings konterka-
riert sie diese Aussage mit Forderungen zur un-
terschiedlichen Behandlung von Deutschen und
Nichtdeutschen und indem sie die Wahrung der
Menschenwürde nur auf die eigene Ethnie be-
schränkt:
„Die Würde des Menschen als soziales Wesen
verwirklicht sich vor allem in der Volksgemein-
schaft.“
35
„… das ‚Begrüßungsgeld‘ für Neugeborene, das
‚Müttergehalt‘ und das von der NPD geforderte
Familiendarlehen haben ausschließlich deutsche
Familien zu fördern.“
36
„Der Staat hat jedem Deutschen zu ermöglichen,
durch Arbeit seinen und den Lebensunterhalt seiner
Familie aus eigener Kraft bestreiten zu können.“
37
„Eigentum an deutschem Grund und Boden kann
nur von Deutschen erworben werden.“
38
„Ausländer sind aus dem deutschen Sozialversiche-
rungswesen auszugliedern und einer gesonderten
Ausländersozialgesetzgebung zuzuordnen.“
39
Diese Forderungen verdeutlichen, dass die NPD
Menschen, welche nicht in ihrem Sinne Bestand-
teil der Volksgemeinschaft sind, systematisch
einen niedrigeren Rechtsstatus zusichert und
Grundrechte verweigern will. Wer nicht nach der
Definition der NPD Bestandteil der Volksgemein-
schaft ist, wird als Fremdkörper betrachtet. Diese
Menschen will die NPD ausgrenzen, benachtei-
ligen und ausschließen. Sie sind in den Augen
der Rechtsextremisten minderwertig und sollen
Deutschland verlassen. Vor diesem ideologischen
Hintergrund sind besonders die ausländer- und
islamfeindlichen Kampagnen der NPD zu sehen.
Forderung nach Wiedereinführung des alten
Staatsbürgerschaftsrechts
Im Hinblick auf die angestrebte „Volksgemein-
schaft“ fordert die NPD in ihrem aktuellen Par-
teiprogramm aus dem Jahr 2010 die Wieder-
34
Videobeitrag auf der Internetseite VOLkSFROnT mEDIEn.org.
35
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 6.
36
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 7.
37
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 8.
38
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 9.
39
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 11.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
39
einführung einer Staatsbürgerschaft, die aus-
schließlich an die Abstammung von deutschen
Eltern anknüpft (Abstammungsprinzip):
„Durch massenhafte Einbürgerungen wird das
deutsche Staatsbürgerrecht aufgeweicht und das
Existenzrecht des deutschen Volkes in Frage ge-
stellt. Um diese Fehlentwicklung zu stoppen, muß
das ursprüngliche, auf dem Abstammungsprinzip
fußende Staatsbürgerschaftsrecht wieder einge-
führt werden.“
40
Streben nach Überwindung des gegenwärtigen
politischen Systems
Die NPD positioniert sich offen als Systemal-
ternative. Sie will den Staat weder reformieren,
noch an seiner Gestaltung im Rahmen des par-
lamentarischen Prozesses mitwirken, sondern
das gegenwärtige politische Gesellschaftssystem
abschaffen. Deshalb greift die Partei den Staat in
diffamierender Art und Weise an und bringt so
den Willen zur Überwindung des Systems zum
Ausdruck.
„Die NPD stellt die Systemfrage, sie will den so-
zialen, demokratischen und nationalen Volksstaat
schaffen und stellt dieses Ideal der etablierten
‚Demokratie-Karikatur’ namens BRD entgegen.“
41
„In der Tat wollen wir das liberalkapitalistische
System der BRD überwinden und die Fehler die-
ser repräsentativen Demokratie beseitigen (…)“
42
Ähnlich äußerte sich der bis Dezember 2013 am-
tierende Bundesvorsitzende Holger APFEL in einem
Flugblatt der NPD Sachsen aus dem Jahr 2009:
„Wir sind zur Stelle, wenn die etablierten Volks-
betrüger kungeln und mauscheln. (…) Die NPD
steht außerhalb des Kartells der etablieren Par-
teien. Ja, die NPD versteht sich als grundsätzliche
Alternative zu den Versagerparteien und ihrem
System, das das Volk politisch entmündigt und
wirtschaftlich verarmen läßt.“
43
Der maßgebliche Parteiideologe Jürgen GAN-
SEL verdeutlicht in einem Artikel, dass die Partei
kein Interesse an der Mitgestaltung des demo-
kratischen Willensbildungsprozess hat, sondern
daran arbeiten will, eine den Parteienpluralismus
erstickende Gegenmacht aufzubauen.
„Das alles ist systemimmanenter Volksbetrug!
Hier hilft kein bloßer Politikerwechsel, weil durch
den Austausch eines Volksbetrügers durch einen
anderen nichts gewonnen ist, sondern nur ein ra-
dikaler, also an die Wurzel des Übels gehender
Politikwechsel. (...) So wie das System von unten
nach oben fault, muss die NPD von unten nach
oben politische Gegenmacht aufbauen. In den
Städten, Gemeinden und Landkreisen haben wir
uns als Stachel im Fleisch der Volksbetrüger und
als Schutzmacht der ‚kleinen Leute’ unseres Vol-
kes festzusetzen – parlamentarisch wie außer-
parlamentarisch.
44
Absage an das Mehrparteienprinzip –
Parlamentarismus ist nur Mittel zum Zweck
Anstelle der repräsentativen Demokratie strebt
die Partei einen Staat mit plebiszitärem Präsi-
dialsystem an, in dem es kein demokratisches
Mehrparteiensystem mehr geben soll:
40
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 12.
41
Broschüre HEImAT BEWAHREn. FREIHEIT ERkämPFEn, Seite 15.
42
Der damalige nPD-Parteivorsitzende VOIGT in der DEUTSCHEn STImmE, April 2011, Seite 16.
43
Flugblatt des nPD Landesverbandes Sachsen 2009.
44
Artikel „Die Systemkrise beginnt im kommunalen Unterbau“, Internetseite der nPD.

40
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
„Demokratie heißt Volksherrschaft, während Li-
beralismus die Herrschaft von Parteien und Inte-
ressengruppen meint, deren Bühne und Exekuti-
onsorgan volksabgehobene Parlamente sind. Im
Liberalismus reißen sich Parteien und Interessen-
gruppen den Staat unter den Nagel und machen
ihn zum Schacher- und Kompromißobjekt. (…) Wir
wollen das gemeinwohlschädigende Parteienre-
gime eindämmen und ein neues Gemeinwesen mit
einem volksgewählten Präsidenten und Volksab-
stimmungen in allen Lebensfragen der Nation
schaffen. Ein solches plebiszitäres Präsidialsystem
würde die deutsche Politik aus dem Würgegriff
der Blockparteien und der eigensüchtigen Inter-
essengruppen befreien. (…) Demokratisch sind wir
nicht nur deshalb, weil wir eine wahre Volksherr-
schaft an die Stelle der liberalistischen Parteien-
und Interessengruppen-Herrschaft setzen wollen,
sondern auch, weil wir entschieden für eine deut-
sche Volksherrschaft anstelle einer multikulturel-
len Bevölkerungsherrschaft eintreten.“
45
Der so angestrebte „Nationalstaat“ trägt autori-
täre Züge und steht im Kontrast zum pluralis-
tischen Weltbild des Grundgesetzes. Auch im
Parteiprogramm verdeutlicht die NPD ihre ab-
lehnende Haltung zum Mehrparteiensystem:
„Zentrale Eckpunkte einer politischen Neuord-
nung sind: die Festschreibung einklagbarer sozi-
aler Grundrechte und der Grundpflichten, die
Direktwahl des mit mehr Machtbefugnissen aus-
gestatteten Präsidenten der Deutschen durch das
Volk und die Stärkung der Gesetzgebung durch
Volksentscheide auf allen Ebenen. Dadurch wird
die gemeinwohlschädigende Dominanz der Par-
teien zurückgedrängt und das Volk in seinen
Rechten gestärkt.“
46
Die Beteiligung am parlamentarischen Wil-
lensbildungsprozess ist für die Partei nur Mit-
tel zum Zweck. Die NPD beteiligt sich nicht an
parlamentarischer Arbeit, um zur Ausgestaltung
der Demokratie beizutragen, sondern um sich
finanzielle und informationelle Ressourcen zu
erschließen und für ihre Zwecke auszunutzen.
Der ehemalige Bundesvorsitzende Holger APFEL
führt zu den von der NPD als „Schwatzbude“ ver-
unglimpften Parlamenten aus:
„Ein Parlament ist Mittel zum Zweck, nicht mehr
und nicht weniger. (…) Und so nutzen wir die Land-
tagsbühne als Politikwerkstatt, als Plattform zur
Entwicklung politischer Visionen; um uns mit Herr-
schaftswissen und geistigem Rüstzeug im Kampf
gegen die Feinde unseres Landes auszustatten.
Und natürlich um unsere Gegner mit ihren eigenen
Waffen zu schlagen und ihnen jeden Tag aufs Neue
die Maske vom Gesicht zu reißen.“
47
Affinität zum historischen Nationalsozia-
lismus
Auch wenn sich die NPD unter Führung von Hol-
ger APFEL bemüht zeigte, „rückwärtsgewandte
Themen“ zu vermeiden und ihren Funktionsträ-
gern empfahl, „sich mit dem Hinweis auf Gegen-
wartsaufgaben“ nicht auf die Themenkomplexe
Holocaust, Kriegsschuldfrage 1939 und Natio-
nalsozialismus „festnageln“ zu lassen, zeigen die
zuvor angeführten Parallelen zwischen der NPD
und der NSDAP-Programmatik sowie die positive
Bezugnahme auf die Zeit der nationalsozialisti-
schen Diktatur zwischen 1933 und 1945, dass
sich die Partei in ihren Staatsvorstellungen am
„Dritten Reich“ orientiert.
45
Broschüre WORTGEWAnDT Argumente für mandats- und Funktionsträger, 2012, Seite 51.
46
Parteiprogramm der nPD 2010, Seite 8.
47
Internetmeldung der sächsischen nPD Sachsen.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
41
„Nur weil es etwas schon im Dritten Reich gab,
muß es nicht automatisch schlecht sein. Wir sind
keine Partei, die etwas nur deshalb ablehnt, weil
es das auch schon zwischen 1933 und 1945 ge-
geben hat, z. B. echt fortschrittliche Gesetze auf
dem Gebiet der Sozial- und Familienpolitik, des
Tier- und des Naturschutzes (…). Die Forderung
‚Gemeinnutz geht vor Eigennutz’ ist doch nicht
falsch, nur weil von Nationalsozialisten erhoben
wurde.“
48
Die erwähnte „Forderung“ ist im Programm der
NSDAP zu finden. Offensichtlich hat diese Partei
für die NPD nicht nur in Bezug auf ihre Ideolo-
gie, sondern auch in strategisch-taktischen Fra-
gen eine Vorbildfunktion. Dies untermauert der
stellvertretende Bundesvorsitzende Karl RICHTER
in einem Thesenpapier zur künftigen Positionie-
rung der NPD:
„Im Gegensatz zu uns war die NSDAP in Stil, Auf-
treten und Methoden eine ultramoderne Massen-
partei, die es damit konkurrenzlos erfolgreich in
die Mitte des Volkes schaffte. Dort müssen wir
auch hin!“
49
Der NPD-Funktionär Jürgen GANSEL sieht – of-
fenbar bewundernd – neben der KPD auch die
NSDAP im Kontrast zu den etablierten Parteien
der heutigen Bundesrepublik Deutschland.
„Dieser Allparteien-Typus hat dafür gesorgt, daß
alle programmatischen Kanten der Systempartei-
en rückstandslos abgeschliffen und die unter-
schiedlichen Parteiidentitäten weitgehend erlo-
schen sind. Alles – von der CDU bis zur Linken –
verkocht zu einer Einheitssoße, die wie übelrie-
chende Gülle über dem ganzen Land liegt. In der
Weimarer Krisenzeit gab es mit der NSDAP und
der KPD noch Weltanschauungsparteien, deren
Anhänger mit viel Herzblut und Opferbereitschaft
um wirkliche Systemalternativen rangen. (...) Nun
regiert Merkel als programmverhungerte Kom-
promiß-Moderatorin eine ‚bürgerliche’ Koalition,
unter deren linksliberaler Dunstglocke in den
Bundesländern ein regelrechter Koalitionsinzest
stattfindet: jeder treibt es mit jedem. (...) Ein Gel-
ber für die Gelben, eine Schwarze für die Schwar-
zen und alle Buntscheckigen zusammen für die
Grünen. Hier wächst zusammen, was in seiner
Deutschenfeindlichkeit wirklich zusammenge-
hört. Jede Systempartei koaliert mit jeder – die
BRD ist ein politischer Swinger-Club.“
50
Nach dem Vorbild des historischen Nationalso-
zialismus strebt die NPD die Wiederherstellung
des deutschen Reiches als „Schutz- und Trutz-
bündnis des Deutschen Volkes“
51
an.
„Die Hauptaufgabe der deutschen Nationaldemo-
kratie besteht deshalb in der Wiederherstellung
der vollen Handlungsfähigkeit des Deutschen
Reiches.“
52
„Gerade auch der Blick auf den selbst öffentlich
nicht länger wegzuleugnenden, sich stärker und
schneller vollziehenden Austausch unseres ange-
stammten Volkes gegen Angehörige fremder Kul-
turen und Religionen auf deutschem Territorium
beweist, wie sehr die Souveränität eines Reichs-
körpers als Bollwerk und Schild von Nöten wäre.
(…) Halten wir dieses Vermächtnis aufrecht (…)
48
WORTGEWAnDT Argumente für mandats- und Funktionsträger, 2012, Seite 53.
49
Thesenpapier „Raus aus dem Vergangenheitsghetto – Gegenwart gestalten“ von karl RICHTER, Juni 2011.
50
Artikel „Endstadium des Parlamentarismus“ von Jürgen GAnSEL, Dezember 2009.
51
Internetseite der nPD, meldung über den „Präsidiumsbeschluß zur V-mann-Hysterie – Jetzt erst recht!“.
52
Europawahlprogramm der nPD 2003, Seite 6.

42
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
um den Fortbestand unseres verbliebenen Volks-
körpers in kultureller Identität, sozialer Sicher
-
heit und nationaler Souveränität sichern. Ja zu
Deutschland – ja zum Reich!“
53
Das von der NPD angestrebte „Reich“ orien-
tiert sich deutlich am „Dritten Reich“. Die Par-
tei versucht dabei, Geschehnisse aus der Zeit
des Nationalsozialismus zu verharmlosen bzw.
zu rechtfertigen. So leugnet sie die Schuld der
Nationalsozialisten am Ausbruch des Zweiten
Weltkrieges. Der Angriff auf Polen habe „auf je-
den Fall der Abwehr einer deutlich angezeigten
militärischen Bedrohung gegen das Reich“
54
gedient. Auch hinsichtlich des millionenfachen
Massenmordes an den europäischen Juden
spricht die NPD verharmlosend von gewissen
„Fehlentwicklungen“ im „Dritten Reich“
55
.
Aktivitäten
Teilnahme der NPD an der Bundestagswahl
2013 – die Ergebnisse
An der Bundestagswahl am 22. September 2013
beteiligte sich die NPD bundesweit mit Direkt-
kandidaten und Landeslisten. Das Ergebnis fiel
mit 1,3 % (560.828 Stimmen) um 0,2 % geringer
aus als bei der Bundestagswahl 2009 (1,5 %). Die
Partei hat damit 74.697 Stimmen verloren.
Zwar erreichte die NPD in Sachsen mit 3,3 %
der Zweitstimmen bundesweit das beste Ergeb-
nis unter den NPD-Landesverbänden. Aber auch
hier musste sie im Vergleich zur Bundestagswahl
2009 einen Verlust von 0,7 Prozentpunkten hin-
nehmen. Dagegen stieg das Ergebnis bei den
Erststimmen um 0,2 Prozentpunkte. Aus ihrer
Sicht erzielte sie gute Wahlergebnisse auch in
Thüringen
(3,2 %),
Mecklenburg-Vorpommern
(2,7 %), Brandenburg (2,6 %) und Sachsen-An-
halt (2,2 %).
In allen Wahlkreisen des Freistaates Sachsen
sank das Zweitstimmenergebnis der NPD im Ver-
gleich zu 2009. Im Wahlkreis Sächsische Schweiz
erzielte sie mit 5,1 % (- 0,5 Pro zentpunkte) nach
wie vor ihr bestes Ergebnis. Mit 4,2 % (-1,3 %)
in Görlitz, 4,1 % (- 0,9 %) in Bautzen und 4,0 %
(-1,0 %) im Erzgebirgskreis erreichte die NPD
auch in anderen grenznahen Regionen relativ
hohe Wahlergebnisse. Ebenso wie im Jahr 2009
erzielte sie dagegen in den Wahlkreisen der
Großstädte Leipzig (2,4 und 1,5 %), Dresden (2,7
und 2,3 %) sowie Chemnitz (2,3 %) ihre niedrigs-
ten Ergebnisse.
Aus den nachfolgenden Grafiken ist die Vertei-
lung der Zweitstimmen in Sachsen in den Jahren
2009 und 2013 ersichtlich:
53
DEUTSCHE STImmE, Ausgabe Februar 2011, Seite 11. Schreibweise wie im Original.
54
DEUTSCHE STImmE, Artikel „Imperialistischer Raubzug oder nationaler notwehrakt?“, August 2003, S. 20.
55
DEUTSCHE STImmE, Artikel „Die BRD feiert die niederlage Deutschlands“ von Jürgen GAnSEL, Juli 2004, S. 4.

image
image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
43
Bundestagswahl 2009 – Zweitstimmenergebnis der NPD nach Wahlkreisen
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen (Bild bearbeitet).
Bundestagswahl 2013 – Zweitstimmenergebnis der NPD nach Wahlkreisen
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen.
in Prozent
unter 2.9
2.9 bis unter 3.6
3.6 bis unter 4.2
4.2 bis unter 4.9
4.9 und mehr
in Prozent
unter 2.9
2.9 bis unter 3.6
3.6 bis unter 4.2
4.2 bis unter 4.9
4.9 und mehr

44
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Der Vergleich der Grafiken zeigt, dass die Säch-
sische Schweiz nach wie vor die stärkste Region
der NPD ist. Die großen Städte Leipzig, Dresden
und Chemnitz sind abermals die Gebiete mit
den niedrigsten Wahlergebnissen der Partei. In
den Regionen Görlitz, Bautzen, Meißen und dem
Erzgebirgskreis verlor die NPD die meisten Stim-
men; die Wahlergebnisse glichen sich den in den
Regionen Mittelsachsen und Nordsachsen er-
zielten Ergebnissen an.
Im Vogtlandkreis gingen die Wahlergebnisse nur
leicht zurück und glichen sich den in den Wahl-
kreisen Zwickau, Leipzig-Land und Chemnitzer
Umland erreichten Ergebnissen an. Es ist auffäl-
lig, dass die NPD in den Wahlkreisen die besten
Ergebnisse erzielte, in denen sie auch über die
stabilsten Strukturen verfügt.
Die sächsische NPD hält das Ergebnis ange-
sichts „der gestiegenen Wahlbeteiligung und der
„Konkurrenz durch die medienhofierte (Schein-)
‘Alternative für Deutschland‘“ für „ganz pas sabel“.
Es liege „angesichts der enormen Medienpräsenz
der ‚Alternative für Deutschland‘“ im Rahmen
der Erwartungen und zeige nach Auffassung des
Landesvorsitzenden Holger SZYMANSKI,
„daß
unter den veränderten Rahmenbedingungen der
Wahlen des Jahres 2014 in Sachsen auch Platz
für zwei Parteien rechts der bürgerlichen Partei-
en CDU und FDP“ vorhanden sei.
Jetzt gelte es,
die Partei
„organisatorisch noch stärker zu ma-
chen“,
um „auf die kommende Umbruchsituation
aufgrund einer sich wieder verschärfenden Lage
an den internationalen Finanzmärkten sowie
einer Zuspitzung der Euro-Krise bestmöglich
vorberei tet“
56
zu sein.
Das Bundespräsidium der NPD stellte nach der
Wahl fest, dass sich das Wahlergebnis trotz
„leichter Stimmverluste“ bei 1,3 % stabilisiert
habe. Der Partei sei es „aufgrund strukturel-
ler Defizite“ noch nicht gelungen, viele Wähler
zu mobilisieren. Mit Blick auf die kommenden
Landtagswahlen in einigen Bundesländern sei
das wichtigste Ziel der weiteren politischen Ar-
beit der Wiedereinzug in den Sächsischen Land-
tag und der erstmalige Einzug in die Landtage
von Thüringen und Brandenburg. Das Hauptziel
der Wahlkämpfe werde darin bestehen, „neue
Wähler zu erreichen“ und „die Protestwähler der
Bundestagswahl“
57
an die Partei zu binden.
Der rückläufige Trend bei den Wahlergebnissen
der NPD hält – wenn auch abgeschwächt – noch
an. Der Partei gelang es nicht, neue Wählergrup-
pen zu erschließen. Auch potenzielle Protest-
wähler konnten zu dieser Wahl mit den Themen-
schwerpunkten „Anti-Euro“ und „Asylpolitik“
nur in geringem Umfang erreicht werden. Die
Bedingungen waren für die NPD im Vergleich zur
letzten Bundestagswahl schwieriger. Neue Par-
teien besetzten im Wahlkampf Themen, welche
bisher von der NPD propagiert worden waren
und traten auch in Sachsen mit Landeslisten und
Direktkandidaten an. Damit verlor die NPD ihre
bisherige Alleinstellung bei Themen wie der Wie-
dereinführung der D-Mark.
Gleichwohl verhinderte die Partei mit einem pro-
vokativen Wahlkampf, dass das Ergebnis unter
die für die Partei wichtige Schwelle von 0,5 Pro-
zentpunkten fiel. Der damit verbundene Verlust
der Teilnahme an der Parteienfinanzierung hätte
die Partei existenziell bedroht. Die Reaktionen
von NPD-Funktionären auf die Wahlergebnisse
in den ostdeutschen Bundesländern lassen da-
rauf schließen, dass sich die Partei bei den kom-
56
Auszug von der Internetseite der nPD Sachsen.
57
Auszug von der Internetseite der nPD.

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
45
menden Landtagswahlen den Wiedereinzug in den
Sächsischen Landtag und den Ersteinzug in die
Landtage von Thüringen und Brandenburg erhofft.
Der bis Dezember 2013 amtierende Bundes-
parteivorsitzende Holger APFEL formulierte im
Dezember 2012 gegenüber der Presse als stra-
tegisches Ziel der NPD die Fraktionsbildung auf
europäischer Ebene. Danach würde eine „Hyste-
risierung“ eine Aufmerksamkeit erzeugen, die
drei Monate später den Wiedereinzug in den
Sächsischen Landtag sichern würde. Dann wür-
den Brandenburg und Thüringen folgen – so die
Hoffnung APFELs.
58
NPD-Wahlkampfaktivitäten – mit teils
geringer Resonanz auch in Sachsen
Quelle: Facebookseite der NPD Dresden.
Die Strategie der NPD im Wahlkampf zielte da-
rauf ab, unter Einsatz von geringen Mitteln mög-
lichst hohe mediale Aufmerksamkeit zu erlangen.
Spitzenfunktionäre der Partei fuhren im Rahmen
einer „Deutschlandtour“ mit dem sogenannten
„NPD-Flaggschiff“
59
durch Deutschland und
führten Kundgebungen unter dem Motto „Asyl-
flut und Eurowahn stoppen – NPD in den Bun-
destag“ in ausgesuchten Städten durch. Dabei
lag der Fokus eindeutig auf Orten in den alten
Bundesländern, vor allem in Nordrhein-Westfa-
len. Im bevölkerungsreichsten Bundesland hoffte
die Partei offenbar vor allem mit ihrer ausländer-
feindlichen Thematik als „echte Alternative“ zu
ihrer Konkurrenzpartei
die rechte
zu punkten. Die
Partei kämpfte im Rahmen ihrer Tour mit allen
Mitteln um mediale Aufmerksamkeit, sei es mit
der provokanten Wiedergabe von Hitlers Lieb-
lingsmarsch, dem „Badenweiler Marsch“, oder
den ausländerfeindlichen Ausführungen von
Holger APFEL, der von „muslimischer Landnah-
me“ sprach und deshalb wegen Volksverhetzung
angezeigt wurde. Mehrfach löste die Polizei we-
gen solcher Vorfälle die NPD-Kundgebungen auf.
Um mediales Interesse zu erzeugen, nutzte die
Partei auch Proteste gegen ein neues Asylbewer-
berheim in Berlin-Hellersdorf und führte in der
Nähe eine eigene Kundgebung durch. Der Erfolg
der NPD-Tour hielt sich jedoch in Grenzen. Nur
regionale Medien griffen die Veranstaltungen
auf, und oft blieb der Partei der erhoffte Erfolg
durch Proteste politischer Gegner verwehrt.
Im Wahlkampf hatte die NPD vor allem mit The-
men, wie Rentenpolitik oder Asylmissbrauch
sowie der seit Ende 2011 laufenden Anti-Euro-
Kampagne, die mit der Forderung nach der Wie-
dereinführung der D-Mark verbunden wurde,
für sich geworben. Dies spiegelte sich deutlich
in Wahlplakaten und Flugblättern wider, die u. a.
nachfolgende Losungen enthielten:
58
Artikel „Braune kreide fressen“, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 1. Dezember 2012.
59
Es handelt sich um einen mit nPD-Werbung versehenen LkW.

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46
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
„Maria statt Scharia, weil der Islam eben nicht zu
Deutschland gehört“
„Geld für die Oma statt für Sinti und Roma, weil
uns deutsche Rentner wichtiger sind als Wirt-
schaftsflüchtlinge aus aller Welt“
„Asylflut stoppen, da der hierzulande praktizier-
te Asylmißbrauch nicht länger zulasten der Steu-
erzahler und der inneren Sicherheit gehen darf“
Quelle:
www.npd.de
Auch Im Freistaat Sachsen führte die NPD einen
provokativen Wahlkampf. Sie beschränkte sich
dabei überwiegend auf die Durchführung kleiner
Kundgebungen und Informationsstände. Aus-
gangspunkt bildete eine Kundgebung am 17. Au-
gust 2013 unter dem Motto „Maria statt Scharia
– Gegen die Islamisierung Deutschlands“ vor der
Al Rahman-Moschee in Leipzig. Daran beteilig-
ten sich ca. 70 Personen. Es zeigte sich dabei
deutlich, wie die NPD im Wahlkampf den Angst-
faktor „Bedrohung durch Islamisten“ nutzte, um
fremdenfeindliche Ressentiments zu schüren:
„Islamisten sind dabei nicht etwa nur als beson-
ders extreme Vertreter ihres Glaubens anzusehen,
sondern sie verkörpern den Islam vielmehr in sei-
ner unverfälschten Form, mit der die Mehrzahl
der in Deutschland lebenden Muslime gänzlich
oder zumindest in weiten Teilen konform geht.
(…) Wegen der rasant steigenden Verauslände-
rung im allgemeinen und der massiven Ausbrei-
tung islamistischer Strukturen im besonderen ist
Leipzig für die Sachsen-NPD ein Schauplatz, an
dem sich zeigen wird, wie intakt noch das eth-
nisch-kulturelle Immunsystem der Sachsen ge-
gen die Landnahme aus dem Morgenland ist.“
60
Mit dem Thema „Anti-Euro“ versuchte die NPD
am 22. August 2013 in Oschatz (Landkreis Nord-
sachsen), eine von der Bundeskanzlerin besuchte
Wahlkampfveranstaltung zu stören. Anhänger
der NPD, der JN und der
freieN kräfte
waren an-
lässlich der Veranstaltung mit „Anti-Euro Plaka-
ten“ nach Oschatz gekommen.
Wahlkampfaktivitäten waren auch in den Re-
gionen Dresden und Ostsachsen feststellbar.
Regelmäßig beteiligten sich Mitglieder des NPD-
Kreisverbandes Dresden. Die Themen wurden
dabei oft dem jeweiligen Standort angepasst. So
wurde zum Beispiel bei einem Informationsstand
am Dresdner Flughafen ein Plakat eingesetzt,
welches sich gegen Fluglärm richtete.
60
Auszug von der Internetseite der nPD Sachsen.

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II Extremismus im Freistaat Sachsen |
47
Die Tour des Bundesvorstandes führte im Sep-
tember 2013 – allerdings mit offensichtlich
verhaltener Resonanz – nach Sachsen. Ledig-
lich zwischen 12 und 50 NPD-Mitglieder und
Funktionäre beteiligten sich an Kundgebungen
des Parteivorstandes in Leipzig, Zwickau und
Dresden. Die Abschlussveranstaltung fand mit
ca. 50 Teilnehmern am 21. September 2013 in
Meißen statt.
Foto: Facebookseite der NPD Dresden.
Bundespartei
Spannungen in der NPD und die „Freundes-
kreise Udo Voigt“
Während sich der sächsische NPD-Landesver-
band nach internen Konflikten und gestiege-
nen Parteiaustritten im Jahr 2012 im Berichts-
jahr noch relativ stabil präsentierte, vermittelte
die Partei auf Bundesebene kein geschlossenes
Bild. So sah sich der damalige Parteivorsitzen-
de APFEL bis zu seinem Rücktritt im Dezember
2013 aufgrund des von ihm verfolgten Kurses
mit deutlicher Kritik konfrontiert. Parteiinterne
und -externe Gegner ergriffen im Rahmen so-
genannter „Freundeskreise Udo Voigt“ für den
früheren NPD-Vorsitzenden Udo VOIGT Partei.
Ihr Bestreben ist es, VOIGT wieder an der Spit-
ze der Bundes-NPD zu etablieren. Initiator der
„Freundeskreise“ war Frank ROHLEDER aus Rei-
chenbach (Vogtlandkreis), ein ehemaliger NPD-
Bundesfunktionär aus Sachsen.
Udo VOIGT, Frank ROHLEDER, Uwe MEENEN (v. l. n. r).
Foto:
www.wohin-deutscherechte.de
Unter der Überschrift „Organisierter Wille be-
deutet Macht“ wird auf einer von ROHLEDER
im Januar 2013 neu eingerichteten Internet-
seite mitgeteilt, dass in den vorangegangenen
Wochen in 15 Orten sogenannte „Freundeskrei-
se Udo Voigt“ gegründet worden seien. Diesen
sollen Personen angehören, die den ehemaligen
NPD-Vorsitzenden VOIGT
„in seiner politischen
Arbeit zum Zusammenschluss aller patriotischen
Kräfte in Deutschland unterstützen wollen“.
Die
Unterzeichner einer Erklärung sehen darin
„die
Chance, nationale Kräfte über die Parteigren-
zen zu sammeln und ihr Potential zu bündeln,
um den gemeinsamen Kampf für ein besseres
Deutschland neu zu beleben“.
61
Es hat sich somit
offensichtlich eine Front gegen die NPD-Bun-
desführung unter APFEL etabliert, der sowohl
NPD-Mitglieder als auch parteiungebundene
Rechtsextremisten angehören. Ehemalige Weg-
61
Auszug von der Internetseite des „Freundeskreis Udo Voigt“.

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48
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
gefährten sehen VOIGT als einigende Kraft, da
unter seiner Führung auch jene „ewiggestrigen“
Hardliner toleriert worden seien, die unter APFEL
aus der Partei gedrängt worden seien.
Der Bundesparteitag der NPD im April 2013 bot
den Gegnern des zu diesem Zeitpunkt noch am-
tierenden Bundesvorsitzenden Holger APFEL
die Gelegenheit, die Machtverhältnisse und die
Stimmung in der Partei auszuloten. Die Delegier-
ten trafen sich am 20. und 21. April in Weinheim
(Baden-Württemberg), um auf dem 34. ordentli-
chen Parteitag einen neuen Vorstand zu wählen.
Dabei wurde die Parteiführung noch unmittelbar
vor dem Parteitag intern angegriffen.
Der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD
in Hamburg, Thomas WULFF, übte scharfe Kritik
an der Parteiführung und warb für VOIGT. Die
Vorstandswahl werde den weiteren Weg der
„De-Solidarisierung und Entzweiung, der Inef-
62
Artikel „nPD am Boden – Eine Partei zerstört sich selbst!“, Internetseite
www.naso-mzbi.de.
63
Auszug von der Internetseite des „Freundeskreis Udo Voigt“.
fektivität und des politischen Verrates zemen-
tieren“. VOIGT komme hingegen der Verdienst zu,
unter seiner Führung die „vollkommene Akzep-
tanz gegenüber jungen nationalsozialistischen
Führungskadern aus der freien Bewegung“
62
er-
reicht zu haben. Der frühere Bundesvorsitzende
Udo VOIGT, der im Vorfeld des Parteitags durch
die Initiative „Freundeskreis Udo Voigt“ und pro-
vokative Kritik am aktuellen Kurs der NPD für
Unruhe gesorgt hatte, zog es vor, nicht am Par-
teitag teilzunehmen.
Seine Kandidatur „zum jetzigen Zeitpunkt“ wäre
„dem notwendigen inneren Zusammenhalt“ der
NPD „nicht dienlich“ – aus diesem Grund stehe
er derzeit nicht „zur Wahl als Parteivorsitzender
zur Verfügung“
63
Stattdessen trat der Berliner
Parteifunktionär und VOIGT-Anhänger Uwe MEE-
NEN an, der die Wahl schließlich mit 21,5 % der
Stimmen verlor. Aber auch das schlechte Ergebnis
von APFEL (lediglich 70,9 %) zeigt, dass der Partei
die innere Geschlossenheit fehlt.
Holger APFEL
Foto:
www.ds-aktuell.de
Uwe MEENEN
Foto:
www.npd-berlin.de

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
49
Im Dezember 2013 trat der Bundesvorsitzende
Holger APFEL überraschend von allen Ämtern
zurück und verließ die Partei. Offenbar haben
Kräfte aus dem Umfeld der sächsischen NPD-
Fraktion zusammen mit sächsischen JN- und
NPD-Funktionären APFEL unter einen immen-
sen Druck setzen können, dem dieser nicht
standhielt. Der bis dahin stellvertretende NPD-
Bundesvorsitzende Udo PASTÖRS übernahm die
Führung der Partei bis zur Neuwahl eines neuen
Vorsitzenden. Am Ende des Jahres 2013 und vor
Beginn des wichtigen Wahljahres 2014 befand
sich die NPD somit in einer äußerst desolaten
Situation.
Auch die immer näher rückende Europawahl
sorgte für Zündstoff innerhalb der NPD-Füh-
rung. Nach dem Wegfall der Fünfprozenthürde
im Jahr 2012 und Klagen gegen das im Jahr 2013
in Kraft getretene Wahlgesetz mit einer Dreipro-
zenthürde
64
erhoffen sich Funktionäre lukrative
Posten im Europaparlament. Neben dem Vorsit-
zenden der NPD-Fraktion von Mecklenburg-Vor-
pommern Udo PASTÖRS sah sich auch der stell-
vertretende Bundesvorsitzende Karl RICHTER,
der auch wegen schlechter Wahlergebnisse zur
Bundestagswahl 2013 in Bayern in Kritik geraten
war, als Spitzenkandidat der Partei für die Euro-
pawahl berufen. Auch der ehemalige Bundesvor-
sitzende Udo VOIGT kandidierte und wurde bei
einem Parteitag am 18. Januar 2014 in Kirchheim
mit 93 Stimmen zum Spitzenkandidaten gekürt.
Der amtierende Vorsitzende Udo PASTÖRS muss-
te mit 71 Stimmen eine erste parteiinterne Nie-
derlage einstecken.
Sachsen
Wie die Bundestagswahl 2013 zeigte, setzte
sich der Negativtrend der Partei nicht nur auf
Bundesebene fort. Er spiegelte sich auch beim
sächsischen NPD-Landesverband wider. Obwohl
die NPD in Sachsen mit einem Zweitstimmener-
gebnis von 3,3 % das beste Ergebnis im Vergleich
zu den anderen NPD-Landesverbänden erzielte,
musste sie auch hier einen Stimmenrückgang
(0,7 %) verzeichnen. Deutlich gesunken war zu-
dem die Zahl der von der NPD 2013 organisierten
Demonstrationen. Nachdem sie 2012 noch 25
derartige Veranstaltungen initiiert hatte, waren
es 2013 nur noch 15.
Der Anschein einer „Kümmerer-Partei“
Neben den Aktivitäten im Zusammenhang mit der
Bundestagswahl war die Partei im Rahmen ihrer
„Graswurzelarbeit“ 2013 vor allem mit solchen Ak-
tionen in Erscheinung getreten, die in der Öffent-
lichkeit das Bild einer „Kümmerer-Partei“ vermitteln
sollen. Dazu zählten verschiedenste Themen und
Sachverhalte, die vor allem das Sicherheitsempfin-
den der Bürger betrafen. Anlässe dafür waren z. B.
die Hochwasserkatastrophe im Juni 2013 oder die
Unterbringung von Asylbewerbern. Bei den von der
NPD ausgehenden Aktivitäten handelte es sich z. B.
um „Fluthilfeaktionen“ oder einen sogenannten
„1. Sozialen Tag der NPD“, bei dem NPD-Mitglieder
u. a. als Blutspender auftraten. Aber auch frem-
denfeindliche Aktionen gegen Asylbewerber oder
auch eine Mahnwache gegen die steigende Anzahl
von Straftaten durch Ausländer zählten dazu.
Der sächsische NPD-Funktionär Jürgen GANSEL
beschrieb die dabei von der Partei favorisierte
64
mit Urteil vom 26. Februar 2014 (Az.: 2 BvE 2/13) hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die geltende Drei-Prozent-Sperrklausel für die
Wahl zum Europäischen Parlament verfassungswidrig und nichtig sei. Die Sperrklausel verstoße gegen die Grundsätze der Wahlrechtsgleichheit und
der Chancengleichheit der Parteien.

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50
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Strategie in einem Artikel in der Parteizeitung
DEUTSCHE STIMME. Dort hieß es:
„(…) der Normalbürger überwindet seine andres-
sierte Scheu vor der nationalen Opposition erst
dann, wenn er sich und seine Familie sozial, kör-
perlich oder finanziell bedroht sieht. (…) Die NPD
muß deshalb als Schutzmacht gegen die lebens-
konkreten Fährnisse wahrgenommen werden, als
einzige Kraft, die Volkes Stimme spricht, die sich
kümmert, die Flagge zeigt, die Finger in die ge-
sellschaftliche Wunden legt, den Herrschenden
Dampf macht, Klartext spricht oder überhaupt
etwas macht anstatt nur zu reden.“
65
Quelle: Facebookseite der NPD Leipzig.
Die Aussage verdeutlicht, mit welchen Mitteln
die Partei versuchte, die Bürger für ihre Zwe cke
65
Artikel in der DEUTSCHEn STImmE nr. 11 / 2012, S. 17.
zu instrumentalisieren: Sie griff einmal mehr
Themen auf, die bei Teilen der Bevölkerung für
Unsicherheit sorgen und das Bedürfnis nach
Schutz hervorrufen können. Suggerierend, dass
der Staat diesen Schutz nicht biete, schürte die
Partei ein Klima der Angst, um sich selbst als
Schutzmacht zu präsentieren. Dass die sächsi-
sche NPD mit dieser Vorgehensweise durchaus
Erfolge erzielen kann, zeigte sich im Berichtsjahr
im Zusammenhang mit Protesten gegen die Un-
terbringung von Asylbewerbern oder den Bau
einer Moschee in Leipzig. So war es ihr gelungen,
Protestpotenzial aus dem nicht extremistischen
Spektrum zur Teilnahme an eigenen Demonstra-
tionen zu mobilisieren und so ihre fremdenfeind-
lichen Positionen zu verbreiten. Teilweise agierte
die Partei dabei im Hintergrund und forcierte
über Internetgruppen auf Facebook den Protest.
Die Partei wird bei den anstehenden Wahlkämp-
fen im Jahr 2014 ihr Augenmerk hauptsächlich
auf diese beiden Themen legen und damit versu-
chen, Wähler für sich zu gewinnen.
Am 23. März 2013 führte die Partei einen bun-
desweiten „1. Sozialen Tag der NPD“ durch, um
sich mit sozialen und karitativen Aktivitäten vor
Ort als „Kümmerer“ medienwirksam in der Öf-
fentlichkeit zu präsentieren, hatte dabei aber nur
mäßigen Erfolg. In einem Mitteilungsblatt appel-
lierte der NPD-Parteivorstand an die Parteimit-
glieder, das „wahre Wesen der Nationaldemokra-
ten“ im praktizierten Einsatz „für unsere Heimat
und Mitbürger“ zu verdeutlichen. Dabei sei es
nicht immer ratsam, unmittelbar als NPD auf-
zutreten, da städtische und kirchliche Einrich-
tungen sonst grundsätzlich die Hilfe ablehnen
würden. Dort müsse man „ohne Markenzeichen“
tätig werden. Beim Reinigen von Grünflächen
oder Spielplätzen sei es dagegen möglich, als
NPD in Erscheinung zu treten.

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II Extremismus im Freistaat Sachsen |
51
Quelle: Facebookseite der NPD.
Weitere Möglichkeiten für ein soziales Engage-
ment seien Sach- oder Geldspenden für soziale
Einrichtungen, wie die Tafeln, Tauschbörsen für
Kinderbekleidung oder Spielzeug, Essensausga-
ben, Kinderfeste bzw. Kinder- und Altenpflege.
Darüber hinaus könnten auch Fußbälle für die
Jugendabteilung von Sportvereinen gesponsert
oder Blumen in eine „trostlose Gegend“ ge-
pflanzt werden. Dem Aufruf der Parteiführung
folgten offenbar nur wenige Mitglieder. Ent-
gegen den sonst üblichen überzogenen Propa-
gandameldungen fanden sich nur auf einem
Facebook-Profil der JN-Nordsachsen Hinweise
auf lediglich drei solcher Aktionen.
Auch der NPD-Kreisverband Niederschlesien-
Oberlausitz unterbreitete Bürgern ein Hilfsan-
gebot. „Aufgrund zunehmender Nachfrage“ gebe
es bei dem Kreisverband die Möglichkeit für „Be-
schäftigte (…) im Niedriglohnbereich oder soge-
nannte Bedarfsgemeinschaften mit lediglich ei-
nem Einkommen“
66
, ihre Hartz IV-Bescheide mit
einem Excel-Programm überprüfen zu lassen.
Um auf die angeblich steigende Zahl von Über-
griffen ausländischer Täter auf Deutsche und die
vermeintliche Tatenlosigkeit verantwortlicher
Politiker aufmerksam zu machen, veranstaltete
die NPD am 27. März 2013 in der Dresdner Neu-
stadt eine Mahnwache. Sie thematisierte dabei
unter dem Motto „Erst Kirchweyhe, nun Dresden
– Wann wachen die verantwortlichen Politiker
endlich auf?“ einen Zwischenfall in der Stadt, bei
dem ein 24-jähriger Mann bei einer Auseinan-
dersetzung durch einen mutmaßlich ausländi-
schen Täter verletzt wurde. An der Mahnwache
beteiligten sich rund 50 Personen. Abgeschirmt
von der Polizei äußerte der damalige Bundesvor-
sitzende Holger APFEL: „Steinwürfe, Flaschen-
würfe können uns nicht abhalten zu zeigen, dass
diese Stadt die Stadt der Deutschen und nicht
der Stadtteil des antifaschistischen Abschaums
und von marodierenden Ausländerbanden ist.“
67
Anlässlich des Gedenkens an den Volksaufstand
von 1953 in der DDR veranstaltete die NPD im
Juni 2013 in Dresden einen öffentlichen Auf-
marsch. Die Veranstaltung stand unter dem Mot-
to „Tradition verpflichtet: 1813 – 1953 – 2013
‚Heimat bewahren – Souveränität schaffen‘“.
Begleitet von Protesten politischer Gegner mar-
schierten rund 120 Rechtsextremisten durch die
Dresdner Innenstadt. Neben Funktionären und
Mitgliedern der NPD und der JN aus der Region
beteiligten sich u. a. auch Angehörige der
Natio­
NaleN sozialisteN halle / merseburg
, der
freieN kräfte
d
resdeN
und Mitglieder der
kameradschaft leiPzig
m
öckerN
.
Quelle: Facebookseite der NPD Dresden.
66
Auszug von der Internetseite des nPD-kreisverbandes niederschlesien-Oberlausitz.
67
Holger APFEL in einem Video, das auf der Homepage der nPD Sachsen eingestellt wurde.

image
52
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Noch stärker als bei den vergangenen Veranstal-
tungen übertrugen die Rechtsextremisten die
damalige Situation auf die heutige Zeit. Den As-
pekt einer (vermeintlich aktuellen) Unterdrückung
aufgreifend bezogen sie sich nicht nur auf den
17. Juni 1953, sondern auch auf die Völkerschlacht
1813. In einer Internetmeldung heißt es dazu:
„In seiner Rede schlug Apfel einen Bogen von den
Befreiungskriegen 1813-1815 über die Gründung
des Deutschen Reiches 1871 und den 17. Juni
1953 als Fanal des deutschen Freiheitskampfes
bis zur heutigen Fremdherrschaft der EU-Dikta-
tur über die seit 1990 wiedervereinigten Deut-
schen in den alten Bundesländern und der ehe-
maligen DDR.“
68
Mit der Übertragung dieser Gedanken auf die
heutige Zeit sehen sich die Rechtsextremisten
in der Tradition im Kampf gegen Unterdrückung
und beschwören eine Revolution.
Foto: Facebookseite der JN Leipzig.
Die Organisation der Veranstaltung lag in die-
sem Jahr vollständig in den Händen der NPD und
nicht bei den
freieN kräfteN
, die auch als Redner
nicht auftraten. Auf einer den
freieN kräfteN dres­
deN
zuzurechnenden Internetseite wird diese Zu-
rückhaltung wie folgt begründet:
„Nach der öffentlichen Distanzierung des Lan-
desverbandes im vergangenen Jahr von der For-
derung der
NatioNaleN sozialisteN
– die BRD als
Rechts- und Organisationsform auf deutschem
Boden sei abzuschaffen, da sie ebenso wie die
ehemalige DDR ein Konstrukt der Fremdherr-
schaft darstellt – trat nunmehr die NPD als allei-
niger Veranstalter auf.“
69
Die Aussage deutet darauf hin, dass sich das seit
längerer Zeit angespannte Verhältnis zwischen
Teilen der neonationalsozialistischen Szene und
der NPD nunmehr auch auf das Verhältnis zwi-
schen der NPD und den
freieN kräfteN
in Dresden
auswirkt. Ursächlich für dieses teils schlechte
Verhältnis dürfte u. a. der vom ehemaligen NPD-
Bundesvorsitzenden Holger APFEL propagierte
Kurs der „Seriösen Radikalität“ sein, der auch
eine Distanzierung der Partei von gewaltbereiten
Teilen der Szene beinhaltete.
Auch im Zusammenhang mit der Hochwasserka-
tastrophe im Juni 2013 präsentierte sich die NPD
als „Kümmerer“-Partei. Der NPD-Landesverband
Sachsen rief seine Mitglieder und Sympathisanten
dazu auf, ihre gegen das Hochwasser ankämpfen-
den Landsleute tatkräftig zu unterstützen:
„Angesichts der katastrophalen Situation in wei-
ten Teilen Sachsens gilt es jetzt, den Hochwas-
seropfern so gut wie möglich beizustehen und
überall da zu helfen, wo Not am Mann ist. Wie bei
der Flut vor elf Jahren sind auch diesmal wieder
Nationaldemokraten ebenso wie viele Aktivisten
der
freieN kräfte
vor Ort und packen an, wo Hilfe
68
Auszug von der Internetseite des nPD kreisverbandes Dresden.
69
Auszug von der Internetseite nETZWERkmITTE.

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II Extremismus im Freistaat Sachsen |
53
70
Auszug von der Internetseite der nPD Sachsen.
71
Ebenda.
gebraucht wird, ob bei der Freiwilligen Feuerwehr
in den am schlimmsten betroffenen Städten und
Gemeinden oder bei individueller Hilfe.“
70
„Überall dort, wo die volkstreue Opposition an
den Dämmen, in den Straßen, an den Häusern,
wo Hilfe benötigt wird, im Einsatz ist, sollen Euch
die Bürgerinnen und Bürger wahrnehmen“
71
Bei ihren Aktionen trugen die NPD-Mitglieder
u. a. T-Shirts mit dem aufgedruckten Slogan „Na-
tionale Solidarität – Fluthelfer 2013“. Sie verkün-
deten die Einrichtung eines Spendentopfes und
berichteten in Facebook fotowirksam über ihre
Aktivitäten.
Weitere Aktivitäten der sächsischen NPD –
Vorbereitung der Wahlen 2014
Am 12. Januar 2013 wählten die Delegierten
der sächsischen NPD in Doberschütz, Ortsteil
Sprotta (Landkreis Nordsachsen), einen neuen
Landesvorstand. Als einziger Kandidat für den
Landesvorsitz trat der Leiter des Parlamen-
tarischen Beratungsdienstes der NPD-Fraktion
Holger SZYMANSKI an. Er wurde nach Parteian-
gaben einstimmig gewählt.
Holger SZYMANSKI
Quelle:
www.npd-dresden.de
Der ehemalige Vorsitzende Mario LÖFFLER gab
nach nur einem Jahr den Vorsitz ab, stellte sich
Quelle:
www.ds-aktuell.de
Holger APFEL
Foto:
www.npd-sachsen.de

54
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
jedoch als Stellvertreter zur Verfügung. In seiner
Rede führte er persönliche Gründe für diesen
Schritt an und dementierte Internetmeldungen,
wonach Meinungsverschiedenheiten zwischen
ihm und seinem Vorgänger Holger APFEL ursäch-
lich dafür gewesen seien.
Ebenfalls im Januar 2013 wählten die Mitglieder
des NPD-Kreisverbandes Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge Thomas SATTELBERG mit 95 %
der Stimmen zum neuen Kreisvorsitzenden. SAT-
TELBERG gilt als Gründer und Vordenker der im
Jahr 2001 verbotenen neonationalsozialistischen
Kameradschaft „s
kiNhead sächsische schWeiz
“ (SSS).
Er wurde zu einer Haftstrafe verurteilt, da er den
organisatorischen Zusammenhalt dieser verbo-
tenen Organisation aufrechterhalten hatte. Da-
mit stellte die NPD einmal mehr unter Beweis,
dass sie Mitgliedern verbotener neonationalisti-
scher Vereinigung eine Heimat bietet.
Der Februar 2013 stand, wie in den Vorjahren
auch, im Zeichen der Aktivitäten im Zusammen-
hang mit dem Gedenken an die Bombardierung
Dresdens am 13. Februar 1945. Die Organisa-
tion der Aktivitäten der Rechtsextremisten in
Dresden oblag dem „a
ktioNsbüNdNis gegeN das Ver­
gesseN
“, dessen Hauptinitiator den neonational-
sozialistischen
freieN kräfteN dresdeN
angehört.
Auch wenn in Dresden das Verhältnis zwischen
den
freieN kräfteN
und der NPD eher als distan-
ziert gilt, führte das Thema die Rechtsextremis-
ten zusammen. Nach einer Kranzniederlegung
auf dem Heidefriedhof begaben sich Mitglieder
und Funktionäre der NPD in die Innenstadt, um
an dem angemeldeten Trauermarsch teilzuneh-
men. Der ursprünglich geplante Marsch schei-
terte jedoch an den Protesten politischer Gegner.
Lediglich etwa 30 Rechtsextremisten, darunter
Abgeordnete und Mitarbeiter der NPD-Fraktion
im Sächsischen Landtag, erreichten die Pillnitzer
Straße und demonstrierten verspätet. Etwa 270
Personen wurden im Bereich Lennèplatz blo-
ckiert. Dort führten die Rechtsextremisten eige-
nen Angaben zufolge eine Kundgebung durch,
auf der die NPD-Landtagsabgeordneten aus
Mecklenburg-Vorpommern Udo PASTÖRS und
Stefan KÖSTER sowie der Berliner NPD-Landes-
vorsitzende Sebastian SCHMIDTKE, ein ehemals
führender Aktivist der
autoNomeN NatioNalisteN
in
Berlin, als Redner auftraten.
Von Oktober bis Dezember 2013 waren die Aktivi-
täten der sächsischen NPD auf die Vorbereitung
der 2014 anstehenden Wahlen ausgerichtet. Das
von der NPD bei der Bundestagswahl in Sachsen
erzielte Ergebnis von 3,3 % macht einmal mehr
deutlich, dass der von der Partei erhoffte Wie-
dereinzug in den Sächsischen Landtag im Jahr
2014 nicht selbstverständlich ist.
Kurz nach der Bundestagswahl deuteten Ver-
lautbarungen auf NPD-Internetseiten darauf
hin, dass die Themen „Asyl“ und „Islamismus“
Kernthemen des NPD-Wahlkampfes sein wür-
den. Entsprechende Kampagnen sind bereits im
Internet gestartet worden. Zur Nutzung dieses
Mediums für kommunikative Zwecke führte Jür-
gen GANSEL aus:
„Hierbei spielt Facebook als niedrigschwellige
Kontaktmöglichkeit eine ganz entscheidende Rol-
le, um sich schnell und anonym an den ‚netten
Rechten von nebenan’ wenden zu können. So
werden Vorurteile abgebaut und ortsnahe Kon-
taktnetze aufgebaut. Die genannten Vorausset-
zungen einer Schnell-Mobilisierung via Facebook
sind in Mitteldeutschland eher gegeben als in
Westdeutschland und in Kleinstädten eher als in
Großstädten.“
72
72
Artikel in DEUTSCHE STImmE nr. 11/2012, S. 17.

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II Extremismus im Freistaat Sachsen |
55
Die NPD im Erzgebirge folgte im September 2013
dieser Strategie. Der Vorsitzende des NPD-Kreis-
verbandes Erzgebirge Stefan HARTUNG gründe-
te eine Facebook-Gruppe mit der Bezeichnung
„Schneeberg wehrt sich“. Hintergrund war die
geplante Unterbringung von Asylbewerbern in
der ehemaligen Jägerkaserne in Schneeberg. Die
Gruppe, so HARTUNG, formuliere „den Protest
gegen die Ansiedlung krimineller Asylbetrüger in
Schneeberg“.
Für den 19. Oktober 2013 meldete HARTUNG
eine Kundgebung in Schneeberg unter dem Mot-
to „Schneeberg wehrt sich gegen den Asylmiss-
brauch“ an. Im Internet wurde die Veranstaltung
dagegen unter der unverfänglichen Bezeichnung
„1. Schneeberger Lichtellauf“ beworben. Da sich
die Partei bei der Mobilisierung und Durchfüh-
rung im Hintergrund gehalten hatte – sie rech-
nete dabei mit 300 Teilnehmern –, beteiligten
sich zwischen 1.000 und 1.500 Personen an der
Kundgebung. Darunter befanden sich etwa 200
Rechtsextremisten. Im Ergebnis wurde deutlich,
dass bei Veranstaltungen sowohl die Wahl des
Themas als auch der verschleierte NPD-Hinter-
grund Bürger zur Teilnahme an Protesten be-
wegen können, die sonst nicht zum typischen
Mobilisierungspotenzial der Rechtsextremisten
gehören.
Von diesem Erfolg beflügelt, beschlossen die
Rechtsextremisten, im November 2013 erneut
in Schneeberg Aufmärsche zu organisieren. Am
2. November 2013 fand der von HARTUNG initi-
ierte „2. Schneeberger Lichtellauf“ statt, an dem
insgesamt etwa 1.800 Personen teilnahmen,
darunter ca. 250 Rechtsextremisten. Als Redner
traten HARTUNG selbst und der stellvertreten-
de NPD-Landesvorsitzende Mario LÖFFLER auf.
Unter dem Motto „Fragt uns Bürger! Wir sagen
NEIN zum Asylmissbrauch“ demonstrierten die
Extremisten ihre Nähe zur Bevölkerung und
suchten gezielt den Schulterschluss mit dem
bürgerlichen Spektrum.
Bestärkt durch den großen Zuspruch in- und
außerhalb der rechtsextremistischen Szene or-
ganisierte Stefan HARTUNG am 16. November
2013 den dritten „Schneeberger Lichtellauf“. Die
Veranstalter verzeichneten mit insgesamt etwa
1.500 Teilnehmern (davon ca. 250 Rechtsextre-
misten sowie 250 Hooligans) wieder eine bei
rechtsextremistischen Veranstaltungen in der
Regel ungewöhnlich hohe Beteiligung.
Darüber hinaus initiierte die NPD vereinzelt
Facebook-Gruppen, in deren Rahmen sich of-
fensichtlich auch nicht extremistische Personen
an Diskussionen zum Thema „Asyl“ beteiligten.
Fotos: Facebookseite „Schneeberg wehrt sich“.
Stefan HARTUNG (Redner).

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56
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Umgekehrt brachte sich die Partei aber auch in
Diskussionen nicht extremistischer Facebook-
Gruppen ein.
Am 14. November 2013 führte die von Rechtsex-
tremisten maßgeblich beeinflusste Bürgerinitia-
tive „Rötha wehrt sich“ eine Kundgebung unter
dem Motto „NEIN zu Asylmissbrauch – Mut zur
Demokratie“ in Rötha (Landkreis Leipzig) durch.
An der Veranstaltung nahmen ca. 120 Personen
teil, davon etwa 50 Rechtsextremisten. Als Red-
ner traten bei dieser Veranstaltung NPD- und
JN-Funktionäre auf.
In Leipzig wiederum sind Proteste gegen die Un-
terbringung von Asylbewerbern auf die NPD zu-
rückzuführen. Als bekannt wurde, dass ein ehema-
liges Gymnasium im Stadtteil Schönefeld für die
Aufnahme von Asylbewerbern eingerichtet wurde,
meldete die Leipziger NPD für den 18. November
2013 eine Mahnwache an. Etwa 200 Teilnehmer
folgten dem Aufruf. Die Rechtsextremisten resü-
mierten nach der Veranstaltung:
„Die NPD Leipzig setzte an diesem Abend jeden-
falls ein deutliches Zeichen gegen Asylmißbrauch
und Überfremdung. Wir werden die Bürger in
Schönefeld auch in Zukunft nicht im Stich lassen.
Wir kommen wieder, denn wir sind da vor Ort, wo
deutsche Interessen verraten und verkauft wer-
den.“
73
Im Dezember 2013 setzte die NPD in Leipzig
ihre Protestaktionen gegen die Unterbringung
von Asylbewerbern in Leipzig fort. Unter dem
Motto „Kinderschutz vor Asylrecht“ fand ein
zweiter Aufmarsch der Rechtsextremisten am
7. Dezember 2013 statt. Die rund 110 Teilnehmer
gelangten jedoch wegen der Aktivitäten politi-
scher Gegner nicht bis an das Ende der geplan-
ten Wegstrecke.
Darüber hinaus beteiligten sich die NPD, die JN und
NeoNatioNalsozialisteN
in Leipzig an Protesten gegen
den Bau einer Moschee. Sie traten auf Bürgerver-
sammlungen mit Wortmeldungen in Erscheinung
oder führten selbst Kundgebungen durch.
Wie bereits bei der Asylthematik versucht die
NPD, auch mit dem Thema Moscheebau Ängs-
te und fremdenfeindliche Ressentiments in der
Bevölkerung zu schüren. So suggeriert die NPD
dem Bürger, dass sich hinter der Religion des
Islam islamistischer Terror verberge. Die Akti-
Fotos: Facebooseite der NPD Leipzig.
73
Auszug vom Facebook-Profil der nPD Leipzig.

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II Extremismus im Freistaat Sachsen |
57
vitäten der NPD in Leipzig sind, ebenso wie die
Aktionen gegen Asylbewerberheime, im Kontext
der anstehenden Wahlen zum Sächsischen Land-
tag zu sehen.
Quelle: Facebookseite der NPD Leipzig.
Für den 2. November 2013 meldete der NPD-
Landesverband Sachsen eine Kundgebung unter
dem Motto „Schöner leben ohne Moscheen“ an.
Quelle: Facebookseite der NPD Dresden.
An der Veranstaltung beteiligten sich ca. 150
Personen. Der NPD-Abgeordnete Jürgen GANSEL
schloss seine Rede mit den Worten:
„Die sächsische NPD will auch in Zukunft nur das
vertraute Gesicht der Dresdner Frauenkirche und
der Leipziger Nikolaikirche sehen! Wir wollen kei-
ne steinernen Machtsymbole einer fremdartigen
Aggressionsreligion, für die jedes Gotteshaus nur
ein weiterer Brückenpfeiler zur religiösen Erobe-
rung nicht-islamischen Landes ist. Leipzig, diese
Stadt der Völkerschlacht und der friedlichen
Volkserhebung des Herbstes 1989, hat schon ge-
nug Probleme mit Ausländerkriminalität, Asyl-
Schwindlern und der Salafisten-Bande um Has-
san DABBAGH. Deshalb braucht diese Stadt ganz
bestimmt keine neuerliche Ausländer-Provokati-
on in Gestalt der Minarett-Moschee der Ahma-
diyya-Gemeinde. Gohlis sagt Nein, Leipzig sagt
Nein und die NPD sagt Nein!‘“.
74
Ausblick
Der Rückzug APFELs wird die innerparteilichen
Konflikte auf Bundes- und Landesebene nicht
befrieden. Eine Stärkung der Position von NPD-
Führungspersonen in Sachsen, welche ursprüng-
lich aus der neonationalsozialistischen Szene
stammen, könnte eine Radikalisierung des Er-
scheinungsbildes des Landesverbandes nach sich
ziehen. Bei der Nominierung der Kandidaten zur
Landtagswahl dürften weitere Konflikte vorpro-
grammiert sein.
Auch auf Bundesebene deuten sich weitere Kon-
flikte in der Partei – gegen die ein Verbotsver-
fahren anhängig ist
75
– an. Insbesondere die
Niederlage des amtierenden Bundesvorsitzenden
Udo PASTÖRS gegen Udo VOIGT bei der Nominie-
rung zum Spitzenkandidaten der Europawahl-
liste hinterlässt den Eindruck einer anhaltenden
Führungskrise.
74
Rede, veröffentlicht auf der Internetseite des nPD Landesverbandes Sachsen.
75
Der Bundesrat beschloss im Dezember 2012, einen Antrag zum Verbot der nPD zu stellen. Die Antragsschrift wurde am 3. Dezember 2013 durch die
vom Bundesrat Bevollmächtigten beim Bundesverfassungsgericht in karlsruhe eingereicht.

image
58
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Die Aktivitäten der sächsischen NPD zum Ende
des Jahres 2013 verdeutlichen, wie und in wel-
cher Intensität der Wahlkampf im Jahr 2014
ablaufen wird. Die Rechtsextremisten werden
bestrebt sein, vor allem unter Ausnutzung der
Asylproblematik die Stimmung gegen die eta-
blierten Parteien zu schüren.
Intensiver als zur Bundestagswahl ist mit öf-
fentlichkeitswirksamen Aktivitäten im Rahmen
des Landtagswahlkampfes zu rechnen. Während
die Partei noch im Jahr 2013 bei Protesten regio-
nal wenig sichtbar in Erscheinung trat, wird sie
im Wahljahr 2014 verstärkt versuchen, sich als
Wortführer und Initiator zu inszenieren. Sollte es
der Partei nicht gelingen, beim Wähler Akzente
zu setzen und sich von Parteien, welche thema-
tisch gleiche Positionen aufgreifen, abzuheben,
drohen ihr erhebliche Stimmenverluste.
1.4
JuNge NatoNaldemokrateN
(JN)
JuNge NatioNalDemokrateN (JN)
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Gründung:
1969
Sitz:
Riesa (Sachsen)
Mitglieder 2013
in Sachsen:
ca. 70
Mitglieder 2012
in Sachen:
ca. 50
Mitglieder 2012
bundesweit:
ca. 350
Vorsitz Bund:
Andy KNAPE
Vorsitz Freistaat
Sachsen:
Paul RZEHACZEK
Publikation:
DER AKTIVIST
Kennzeichen:
Historie und Strukturentwicklung
Die JN, die Jugendorganisation der
NatioNaldemo­
kratischeN Partei deutschlaNds
, verstehen sich laut
Satzung ihrer Mutterpartei als deren „integraler
Bestandteil“.
Die JN gliedern sich in den Bundesverband, Lan-
desverbände und in einigen Bundesländern in
regional und lokal agierende Stützpunkte.
Nachdem im Freistaat Sachsen im Jahr 1995
erstmals Aktivitäten der JN festgestellt worden
waren, gründete sich 1997 in Dresden der erste
sächsische JN-Stützpunkt. Im darauffolgenden
Jahr entstand neben weiteren Stützpunkten in
Kamenz und Bischofswerda (jeweils Landkreis
Bautzen) erstmals ein sächsischer JN-Landes-
verband, welcher jedoch bereits 1999 nach
Zerwürfnissen mit dem Bundesvorstand aufge-
löst wurde. Die anschließenden Versuche, einen
neuen Landesverband zu gründen, blieben zu-
nächst erfolglos. Lediglich einzelne Stützpunkte
in den Regionen Zittau (Landkreis Görlitz) und
der Sächsischen Schweiz wurden bekannt. Diese
entfalteten jedoch kaum Aktivitäten.
Ab 2004 waren wieder Bestrebungen zu beob-
achten, Strukturen der JN aufzubauen. Im Mai
2005 wurde in Sachsen erneut ein JN-Landes-
verband gegründet. In den folgenden Jahren
entstanden mehrere JN-Stützpunkte, deren
Aktionismus unterschiedlich stark ausgeprägt
war. Während von einigen über einen längeren

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
59
Zeitraum hinweg Aktivitäten ausgingen, waren
andere Stützpunkte kaum aktiv oder wurden
mittlerweile offenbar wieder aufgelöst.
Ab Ende 2012 wurden die Strukturen der JN er-
neut ausgebaut. In Dresden, Geithain (Landkreis
Leipzig) und Werdau (Landkreis Zwickau) wur-
den neue Stützpunkte gegründet. In der ersten
Jahreshälfte 2013 wurden weiterhin je ein neuer
Stützpunkt in Limbach-Oberfrohna (Landkreis
Zwickau) und in Mittelsachsen bekannt. Letzterer
rekrutierte sich aus ehemaligen Mitgliedern der
neonationalsozialistischen Gruppierung
NatioNale
s
ozialisteN döbelN
, welche im Februar 2013 durch
den sächsischen Innenminister verboten wurde.
Neben den schon erwähnten Stützpunkten sind
die JN in Sachsen in Leipzig, Muldental (Wurzen),
Nordsachsen, in der Sächsischen Schweiz sowie
im Landkreis Meißen vertreten.
Die Mitgliederzahl der sächsischen JN, die in den
Jahren 2006 und 2007 ihren bisherigen Höchst-
stand erreicht hatte, stagnierte von 2009 bis
2012 bei ca. 50 Personen. Im Jahr 2013 ist ein
Anstieg auf ca. 70 Mitglieder zu verzeichnen.
Dieser resultiert vor allem aus dem Zulauf von
ehemaligen Anhängern der im Februar 2013 ver-
botenen neonationalsozialistischen Gruppierung
NatioNale sozialisteN döbelN
.
Mitglieder der JN im Freistaat Sachsen
120
80
40
0
90
2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
70
70
50
50
50
50
Stützpunkte der JN im Freistaat Sachsen

60
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Ideologie / Politische Zielsetzung
Das Ziel der Jugendorganisation der NPD ist die
Errichtung einer nationalistischen Volksgemein-
schaft. Die grundgesetzlich verankerten Frei-
heits- und Gleichheitsrechte sollen dabei außer
Kraft gesetzt werden. Dabei offenbaren die JN
ihre Demokratiefeindlichkeit noch unverhohle-
ner als ihre Mutterpartei.
„…Kultur-…Tradition-…Nationalismus-…Sozialis-
mus-…Volksgemeinschaft-…Das sind im Kern die
Grundlagen…unserer Weltanschauung.“
„Ihr, die ihr heute in unseren Reihen steht, lehnt
dieses System ab und steht für einen sozialisti-
schen Nationalismus,…“
76
Zur Verwirklichung dieses Ziels soll sich der Ein-
zelne unterordnen:
„Wir fordern eine Volksgemeinschaft, eine Groß-
gruppe an Menschen, die an ein gemeinsames
Schicksal gebunden sind, die gemeinsame Her-
kunft, Kultur und Ziele verfolgen, eine Gemein-
schaft, in der jeder Volksgenosse mit seinen per-
sönlichen Fähigkeiten und Kenntnissen sich
selbst zur Erhaltung und zur Erhaltung eines gro-
ßen ganzen dient: Dem Volk!“
77
Wie die NPD bedienen sich die JN typischer, in
der rechtsextremistischen Szene verbreiteter
verschwörungstheoretischer Erklärungsmuster.
Dabei wird der Bundespolitik unterstellt, sie hät-
te sich die Zerstörung des deutschen Volkes zum
Ziel gesetzt.
„Das System arbeitet seit Jahrzehnten daran,
Euch neue Identitäten zu geben. Durch Umerzie-
hung, Gehirnwäsche und Neuausrichtung.“
78
„Stets war die Zerstörung der Kultur und damit
der Eigenart ein Hauptbestandteil bundesdeut-
scher Politik.“
79
In diskriminierender Weise äußern sich die JN
über Homosexuelle und verdeutlichen damit ih-
ren menschenverachtenden Charakter.
„Den Höhepunkt machen heute ganze Paraden
aus, die, anstatt den deutschen Arbeiter zu eh-
ren, die Schwulen- und Lesbenliebe feiern. Zwie-
lichtige Gestalten, die Dank der Gleichstellung
und Gleichschaltung Aller heute ungeniert Nor-
malität für sich einfordern dürfen, haben die
Straßen deutscher Städte erobert.“
80
Die öffentliche Berichterstattung der JN offen-
bart deren gebietsrevisionistische Ansichten. So
endete ein Internetbeitrag zur „Schlesienfahrt
der JN 2012“ wie folgt:
„Zurück bleiben unvergessliche Erinnerungen…
An gelebte Kameradschaft und tief empfundene
Gemeinschaft. Erinnerungen an junge, kräftige
Deutsche, die sich aufmachen, einen Teil ihres
Reiches kennenzulernen. Unvergessene Heimat
im Osten.“
81
Mit elitären Selbstdarstellungen streben die JN
eine Vorreiterrolle innerhalb der nationalen Be-
wegung an. So äußerte Andy KNAPE vor seiner
Wahl zum JN-Bundesvorsitzenden:
76
Internetseite IDEnTITäT-SACHSEn.
77
Facebookseite der Jn mittelsachsen.
78
Internetseite IDEnTITäT-SACHSEn.
79
DER AkTIVIST, Ausgabe 2/2012, S. 34 (Schreibweise wie im Original).
80
DER AkTIVIST, Ausgabe 2/2012, S. 34 (Schreibweise wie im Original).
81
Internetseite des Jn-Bundesvorstandes.

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
61
„Mir ist es wichtig, daß wir eine schlagkräftige Ju-
gendorganisation formen, die weltanschaulich und
politisch einheitlich ausgerichtet ist und einen ent-
scheidenden Einfluß auf die gesamte nationale Be-
wegung nimmt… Was wir für die Zukunft benöti-
gen, sind aufrichtige und engagiert Mitstreiter, aus
denen sich Macher entwickeln, damit wir eine po-
litische Dominanz herausbilden können.“
82
Im Verhältnis zu ihrer Mutterpartei bemühen
sich die JN sowohl um deren Anerkennung, als
auch um Abgrenzung hinsichtlich der Belegung
der Aufgabenbereiche. So sind die JN weiterhin
bestrebt, den „vorpolitischen“ Raum zu besetzen.
„Die JN ist ein sehr gutes Instrument, um im vor-
politischen Raum effektiv und zielgerichtet seine
Arbeit zu leisten und gestalterischen Einfluß auf
die Jugendkultur unseres Landes zu nehmen.“
83
Die JN wollen eine Gegenkultur zur „grauen
Masse feiger Jasager“ schaffen. In der Öffent-
lichkeit preisen sie deshalb die entsprechende
Überzeugung und Einstellung ihrer Mitglieder
sowie deren Umsetzung in ihren eigenen Reihen.
„Wir fallen auf. Auch ohne Uniform oder Abzei-
chen auf der Brust. Also muß etwas an uns anders
sein. Liegt es an unserem Gang? Unserer aufrech-
ten Haltung? Der Art, wie wir miteinander reden?
Oder der ordentlichen Kleidung, die wir tragen?...
Haben die Menschen das Leuchten in unseren Au-
gen gesehen? Haben sie gar gespürt, daß sich die-
se Jugend nach etwas sehnt, etwas sucht?...Wir
wollen naturnah leben, brauchen nicht den Luxus,
der vermeintlich so wichtig für unser Leben ist…
Hier steht eine andere Jugend!...Hier sind Jungen
und Mädel, die darauf drängen neue Ziele zu er-
reichen und gemeinsam an ihnen zu arbeiten.“
84
Durch eine solche Selbstbeschreibung der JN
als idealistische, natur- und heimatverbundene
„Jungen und Mädel“ werden ihre menschenver-
achtenden Ziele kaschiert. So sollen neue Mit-
glieder gewonnen werden. In teilweise klischee-
hafter Darstellung versuchen die JN, sich als
ideologisch gefestigt zu präsentieren und von
der übrigen Jugend positiv abzuheben. Ziel der
JN ist es, über zunächst unpolitisch erscheinende
Aktivitäten Jugendliche an rechtsextremistisches
Gedankengut heranzuführen.
JN-Bundesverband
Der Bundesvorstand der JN verlegte seinen
Sitz im Oktober 2012 von Sachsen-Anhalt nach
Sachsen (Riesa) in die Räumlichkeiten des
deut­
sche stimme­Verlags
der NPD. Bundesvorsitzender
ist seit Ende Oktober 2012 Andy KNAPE, sein
Stellvertreter Julian MONACO.
Fünf der acht Mitglieder des neuen JN-Bundesvorstands
präsentierten sich vor ihrer Wahl im Internet
85
.
(v.l.n.r.: Pierre DORNBRACH, Julian MONACO, Andy KNA-
PE, Patrick KALLWEIT, Sebastian RICHTER).
82
DEUTSCHE STImmE Oktober 2012, S. 18 (Schreibweise wie im Original).
83
DEUTSCHE STImmE Oktober 2012, S. 18 (Schreibweise wie im Original).
84
DEUTSCHE STImmE Oktober 2012, S. 18 (Schreibweise wie im Original).
85
Facebook.

image
62
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
86
DER AkTIVIST 2/2013, S. 29.
Weitreichende Einfluss- und Kontrollmöglichkei-
ten durch die NPD ergeben sich aus der Verlegung
der Bundesgeschäftsstelle nach Riesa sowie der
Tatsache, dass vier Mitglieder des JN-Bundesvor-
standes als Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion
beschäftigt sind.
Aus dem Anstellungsverhältnis bei der NPD-Land-
tagsfraktion resultiert eine Hierarchie, aus der so-
wohl ein gewisser Erfolgsdruck als auch Rechen-
schaftspflichten folgen dürften. Darüber hinaus
haben die Mitglieder des JN-Bundesvorstandes vor
Ort direkten Einfluss auf den sächsischen Landes-
verband der JN und auch Möglichkeiten, die weite-
re Entwicklung der JN Sachsen voranzutreiben. So
wurden 2013 neue JN-Stützpunkte gegründet und
auch die Frequenz der Aktivitäten hat in Sachsen
dadurch erwartungsgemäß zugenommen.
Die NPD selber ist auf die Gewinnung junger Mit-
glieder angewiesen. Daraus resultiert ein Interesse
der NPD am Strukturausbau ihrer Jugendorgani-
sation, auch wenn die starke Verzahnung der JN
mit dem neonationalsozialistischen Spektrum die
Strategie der „Seriösen Radikalität“ der NPD un-
glaubwürdig macht.
Die Haltung der JN zu ihrer Mutterpartei erklärte der
Bundesvorstand in einer Ausgabe seiner Publikation
DER AKTIVIST. Es wurde dafür plädiert, die NPD neu
als Wahlpartei auszurichten. Durch die staatliche
Parteienfinanzierung solle der politische Kampf der
NPD durch öffentliche Mittel mitfinanziert werden.
Dem Ziel, gewählt zu werden, sei alles andere unter-
zuordnen. Notfalls solle auch an dem Namen „NPD“
nicht mehr festgehalten werden.
„Wenn der Name NPD so verrufen und unbrauch-
bar ist, dass es uns nicht mehr gelingt überall
notwendige Unterstützungsunterschriften zusam-
menzubekommen, was sollen wir dann daran
festhalten? … Wenn wir das mit sympathische-
rem Auftreten und einem neuen Namen schaf-
fen, dann her damit!“
86
Zumindest sollten die aus Sicht des JN-Bundes-
vorstandes an der NPD-Spitze bisher fehlenden
„klaren Strukturen“ geschaffen werden. Erst
dann sei die Partei in der Lage, „auch wieder in-
novativer und kreativer (zu) arbeiten“.
Das Verhältnis der JN zu ihrer Mutterpartei ist
nach wie vor ambivalent. Die auch finanzielle
Abhängigkeit zwingt die JN zur Duldung von Kri-
tik und Kontrolle. Die Strategie einer vorgescho-
benen Seriosität und die Aktivitäten der Mut-
terpartei führen immer wieder zu erheblichen
Konflikten. Dass sich die JN dem Kontrolldruck
der Mutterpartei nicht entziehen können, zeigte
sich auch an einer Untersagung der Veröffent-
lichung eines Artikels der JN in ihrem eigenem
Zentralorgan „DER AKTIVIST“ durch einen Partei-
vorstandsbeschluss der NPD. Bereits zuvor wa-
ren JN-Pressebeiträge der Zensur der NPD zum
Opfer gefallen. Neu ist, dass die JN die Zensur
öffentlich machten:

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
63
Der Bundesvorstand knüpfte im Jahr 2013 Ver-
bindungen zu Organisationen im Ausland. So
nahmen Mitglieder des JN-Bundesvorstandes
sowie der JN Dresden an einer Demonstration der
tschechischen rechtsextremistischen
arbeiterPar­
tei der sozialeN gerechtigkeit
(DSSS) am 17. No-
vember 2013 in Prag (Tschechische Republik) teil
und beteiligten sich mit einem Redebeitrag.
Ende November 2013 reisten Mitglieder des JN-
Bundesvorstandes auf Einladung der belgischen
NatioNalistischeN studeNteNVereiNiguNg
(NSV) nach
Antwerpen und nahmen an einer europäischen
Jugendkonferenz teil. Neben Vertretern der
„Identitären Bewegung“ aus verschiedenen eu-
ropäischen Ländern, der nationalistisch rechts-
extremen italienischen Bewegung
casa PouNd
und deren Studentenorganisation
blocco studeN­
tesco
sowie der rechtsgerichteten italienischen
Partei „Lega Nord“, haben auch Vertreter von
Organisationen und Parteien aus Russland und
den Niederlanden teilgenommen. Nach einem
Bericht der JN habe man gemeinsam diskutiert
und „gemeinsame Aktionen und Veranstaltun-
gen“ geplant.
Für die kommende Europawahl 2014 haben sich
Führungskräfte der JN aus ganz Deutschland auf
einer Bundesvorstandssitzung im Dezember 2013
in Leipzig für Udo PASTÖRS und Dr. Olaf ROSE als
Spitzenkandidaten der NPD ausgesprochen. Dazu
der JN-Bundesvorsitzende Andy KNAPE:
„Gerade in Zeiten des lächerlichen und zum Schei-
tern verurteilten Verbotsantrags gegen die NPD
und ihre Jugendbewegung müssen wir deutlich
machen, dass wir mit unseren besten und erfolg-
versprechendsten Kandidaten ins Rennen ums Eu-
ropaparlament gehen und zurückschlagen. Wir als
Junge Nationaldemokraten wollen, dass das Duo
PASTÖRS/ROSE unsere Basis, Aktivisten aus ver-
schiedenen Gruppen und die Wähler dazu motiviert,
bei der Europawahl die Möglichkeit zu nutzen, um
ein klares Zeichen gegen EU-Diktatur, Massenein-
wanderung und Ausbeutung zu setzen.“
87
JN als Kaderschmiede
Die JN sehen sich als Kaderschmiede für Füh-
rungspersönlichkeiten der rechtsextremistischen
Bewegung. Ihr Bundesvorstand ist bestrebt,
seine Funktionäre bundesweit einheitlich zu
ideologisieren und auszubilden, um diese als
Multiplikatoren in den regionalen JN-Strukturen
einzusetzen.
Diesem Ziel dienten auch die „Kaderwochenen-
den“, die im April und im Oktober 2013 in Riesa
stattfanden. Die Teilnehmer der Veranstaltungen
waren vom JN-Bundesvorstand unter den Funk-
tionsträgern der JN aus dem gesamten Bundes-
gebiet ausgewählt worden. Dabei wurden u. a.
weltanschauliche Grundlagen, Nationalismus,
Menschenführung und Rhetorik, aber auch die
Organisation von (Groß-)Veranstaltungen sowie
das Auftreten am Informationsstand und im
Bürgergespräch vermittelt.
Die Berichterstattung im Anschluss an die Ver-
anstaltungen nutzten die JN, um sich erneut als
ideologisch gefestigte, elitäre Gemeinschaft dar-
zustellen. So hieß es nach der Veranstaltung auf
der Internetseite des Bundesvorstands im April
2013 u. a.:
„Es gilt Tag für Tag an dem Werk der deutschen
Volksgemeinschaft zu bauen. Solche Wochenenden
dienen dabei, eine verschworene Gemeinschaft von
Kadern und Führungskräften zu schaffen.“
88
.
87
Internetseite AkTIOn-WIDERSTAnD.DE. Schreibweise wie im Original.
88
Ebenda.

image
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64
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Nach dem „Kaderwochenende“ im Oktober 2013
berichtete der JN-Bundesvorstand u. a.:
„Das Wochenende war insgesamt ein weiterer
wichtiger Schritt in Sachen Optimierung und
Ausbau von Persönlichkeiten und Fertigkeiten.
Die JN haben sich in den letzten Jahren als Ka-
derschmiede positioniert und gefestigt. Keine an-
dere nationale Gruppe kann eine solche Jugend-
arbeit vorweisen.“
89
„Kaderwochenende“ im Oktober 2013.
Foto:
www.aktion-widerstand.de
Innerhalb der Ausbildung der JN sind sportli-
che Aktivitäten, insbesondere das Treiben von
Kampfsport, von Bedeutung. Dabei sollen Dis-
ziplin, Härte und Kampfgeist trainiert sowie das
„Kaderwochenende“ im April 2013. Fotos:
www.aktion-widerstand.de
Gemeinschaftsgefühl der JN-Mitglieder gestärkt
werden.
Häufig werden sportliche Aktivitäten durch die
JN dokumentiert, um sie anschließend werbe-
wirksam einzusetzen. In ihrer Publikation DER
AKTIVIST in der Ausgabe 3/2013 wird ausführlich
zum Thema Kampfsport berichtet.
JN-Kampagnen
Seit Ende des Jahres 2012 versucht der JN-
Bundesverband mit der Kampagne „Identität
– Werde, wer du bist“, bundesweit öffentliche
Aufmerksamkeit zu erzielen. Erkennungszeichen
der Kampagne ist ein weißer Handabdruck. Die-
ser soll ein Zeichen der Abwehr gegen all jenes
sein, das nach Auffassung der JN die Identität
zerstöre. Dabei nutzt die JN den vordergründig
nicht ideologisch besetzten Begriff der „Iden-
tität“. Ausgehend von einem fortschreitenden
Identitätsverlust der Deutschen propagieren die
JN den Erhalt der Heimat und der Traditionen
sowie indirekt den Erhalt der deutschen Rasse.
Auf den Flyern der JN-Kampagne „Identität –
Werde, wer du bist“ werden überwiegend JN-
89
Internetseite AkTIOn-WIDERSTAnD.DE.

image
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II Extremismus im Freistaat Sachsen |
65
Funktionäre, wie beispielweise Andy KNAPE,
Julian MONACO, Michael SCHÄFER und Patrick
KALLWEIT abgebildet, um deren Bekanntheit zu
erhöhen. Stilistisch sind die bei der Kampagne
verwendeten Mittel zudem so gestaltet, dass sie
Interesse bei Jugendlichen wecken und an deren
Idealismus und Engagement appellieren sollen.
Dabei wird, vergleichbar mit der sogenannten
„Volkstodkampagne“ der rechtsextremistischen
Szene, ein Bedrohungsszenario entworfen, wo-
nach die eigene Jugend und Kultur durch „Isla-
misierung und die komplette Verblödung durch
US-amerikanische Konsumimperialisten“ ge-
fährdet seien. Darüber hinaus werden die Flyer
und Aufkleber durch verschiedene Schlagworte
bzw. Parolen variiert, wie z. B. „Weil Freiheit ein
Fundament braucht.“, „Familie ist Revolution.“
oder „Weil Geld und Konsum nicht alles sind.“
Die Kampagne der Bundes-JN wird vor allem bei
Facebook beworben.
Unter den Aspekt „Aufmerksamkeit mit allen
Mitteln“ fiel auch eine weitere Kampagne der
JN. In der Hoffnung mit einer „ausgefallenen
und unverbrauchten Aktion für Wirbel sorgen“
zu können, starteten JN und NPD die Kampagne
„Kondome für Ausländer und ausgewählte Deut-
sche“. Diese – an die NS-Eugenik angelehnte –
Kampagne unterstreicht das biologistische Welt-
bild der NPD. Der JN-Bundesvorsitzende Andy
KNAPE führte dazu aus:
„Mit unserer Aktion »Kondome für Ausländer und
ausgewählte Deutsche« starten wir eine bewusst
provokative Kampagne, die mit Sicherheit auch
über diesen Bundestagswahlkampf gefahren
wird.“
90
Foto:
http://werbemittel.npd.de
Foto:
www.aktion.widerstand.de
90
Auszug von der Internetseite der Jn.

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66
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Der Personalwechsel beim sächsischen Landes-
vorstand der JN im Oktober 2012 führte im Jahr
2013 zu deutlichen Veränderungen im Auftreten
der JN. Während der bis dahin tätige Landes-
vorsitzende Tommy NAUMANN die JN als eli-
täre Vereinigung verstanden wissen wollte und
für eine Aufnahme von Mitgliedern aus dem
neonationalsozialistischen Spektrum eher hohe
Hürden aufstellte, wurde mit der Wahl von Paul
RZEHACZEK eine Wende eingeleitet. RZEHACZEK
stammt ursprünglich selber aus den Reihen der
sächsischen
NeoNatioNalsozialisteN
. Sein Stellver-
treter Jens GATTER (NPD-Kreisrat in Nordsach-
sen) wurde auf dem JN-Landeskongress Mitte
Dezember 2013 von Stefan TRAUTMANN abge-
löst. Auch dieser stammt aus der neonational-
sozialistischen Szene. Er war Mitglied der im
Februar 2013 vom sächsischen Innenminister
verbotenen
NatioNaleN sozialisteN döbelN
. Damit
öffneten sich die JN erkennbar für neonatio-
nalsozialistische Strukturen. Aufgrund von Ver-
bindungen der JN-Führungspersonen zur par-
teiungebundenen rechtsextremistischen Szene
erreichten die JN einen Zulauf aus dieser Szene
und konnten auch Anstieg der Mitgliederzahlen
verzeichnen.
Mit diesem Zulauf war gleichzeitig ein Anstieg
der Aktivitäten verbunden. So stieg die Anzahl
der Demonstrationen und Kundgebungen, die
im Jahr 2013 durch die JN organisiert wurden,
auf neun (2012: 0; 2011: 3).
Am 27. April 2013 fand in Torgau eine Protestak-
tion der Rechtsextremisten gegen den „Elbe-Day“
statt. An der vom JN-Landesverband Sachsen or-
ganisierten Demonstration beteiligten sich etwa
170 Personen, darunter sowohl parteigebundene
Strukturen von NPD und JN als auch
NeoNatio­
NalsozialisteN
. Zur Teilnahme an der Veranstal-
tung wurde auf den Internetseiten der JN und
der NPD mobilisiert. Zudem war der Termin auf
mehreren regionalen und überregionalen Inter-
netseiten rechtsextremistischer Gruppierungen
sowie auf verschiedenen von Rechtsextremisten
genutzten Homepages aufgeführt.
Am 8. Juni 2013 führten die JN in Neuensalz,
Ortsteil Zobes (Vogtlandkreis), den „JN-Sachsen-
tag“ durch. Die Veranstaltung organisierte der
JN-Landesverband Sachsen mit Unterstützung
des NPD-Kreisverbandes Nordsachsen. Daran
beteiligten sich 720 Rechtsextremisten aus dem
gesamten Bundesgebiet. Anziehungskraft hatten
– wie schon bei vergleichbaren Veranstaltungen
in der Vergangenheit – hauptsächlich die Musik-
darbietungen. Die Redebeiträge der Führungska-
der stießen demgegenüber auf wenig Interesse.
Foto:
www.libertas-info.de
Auftritt der Band
luNikoff VerschWöruNg
.
Foto:
www.aktion-widerstand.de

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
67
So dürften auch beim diesjährigen „JN-Sachsen-
tag“ die Auftritte der rechtsextremistischen Bands
die luNikoff VerschWöruNg
(Berlin),
act of VioleNce
(Baden-Württemberg),
burN doWN
(Brandenburg)
und
sachseNblut
(Sachsen) der Grund für das Inte-
resse der Besucher gewesen sein.
Wie bereits zum JN-Sachsentag 2010 waren
Informationen zur Veranstaltung u. a. auf einer
eigens dafür eingerichteten Internetseite einge-
stellt worden.
Das Thema „Antirepression“ griffen die JN mit
einer Demonstration am 5. Oktober 2013 in Dö-
beln (Landkreis Mittelsachsen) auf. Der JN-Lan-
desverband organisierte diese unter dem Motto
„Der Drang nach Freiheit – Gegen Polizeirepres-
sion und Willkür“. Das Motto der Veranstaltung
ist vor allem im Kontext mit dem Verbot der
Na­
tioNaleN sozialisteN döbelN
vom 18. Februar 2013 zu
sehen. Dementsprechend attraktiv war die Teil-
nahme für ehemalige Angehörige verschiedener
verbotener Vereinigungen.
Im Vorfeld der Demonstration hatten Rechtsex-
tremisten im Rahmen einer Aktionswoche meh-
rere Informationsstände in Döbeln (Landkreis
Mittelsachsen) organisiert. Zudem hatten sich
ca. 60 Rechtsextremisten direkt vor der Demons-
tration an Protestkundgebungen in Leisnig und
in Waldheim (ebenfalls im Landkreis Mittelsach-
sen) beteiligt. An der Demonstration nahmen
schließlich etwa 350 Personen teil, die aus al-
len Regionen Sachsens sowie auch aus anderen
Bundesländern, insbesondere Brandenburg, an-
gereist waren.
Auf dem im Demonstrationszug mitgeführten
Großtransparent mit der Aufschrift „Menschen-
recht bricht Staatsrecht“ stehen das Signet mit
einer schwarzen Fahne der
freieN kräfte
sowie
das JN-Signet nebeneinander. Dies verdeutlicht
deren Zusammenarbeit. Entsprechend berichte-
ten die JN auf ihrer sächsischen Internetseite zur
Demonstration:
„Nun marschieren 350 Deutsche durch Döbeln. Aus
allen Schichten stehen sie Seite an Seite, heute ist
es egal ob Nationaldemokrat, Nationaler Sozialist
oder Patriot. Heute steht das Ziel über allen.“
Quelle:
http://de.indymedia.org
Exkurs
Die Aussage „Menschenrecht bricht Staats-
recht“ erscheint auf den ersten Blick unver-
fänglich, liegt ihr doch vermeintlich die Idee
zugrunde, wonach Menschenrechte als sol-
che nicht durch staatliche, positiv-rechtliche
Eingriffe ausgehebelt werden können. Aus
dem Recht des Einzelnen ergibt sich dem-
nach eine legitime Beschränkung staatlicher
Autorität. Die Aussage „Menschenrecht bricht
Staatsrecht“ stammt indes aus Adolf Hitlers
Buch „Mein Kampf“ und erscheint in diesem
Kontext in einem völlig anderen Licht.
Im Gegensatz zur heute herrschenden Mei-
nung ist dort nämlich nicht das universelle
Menschenrecht des jeweiligen Individuums
gemeint, sondern das Recht einer Volks-
gruppe auf Erhaltung und Reinhaltung ihrer

image
68
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Art. „Wenn durch die Hilfsmittel der Regie-
rungsgewalt ein Volkstum dem Untergang
entgegengeführt wird, dann ist die Rebellion
eines jeden Angehörigen eines solchen Volkes
nicht nur Recht, sondern Pflicht. Im Allge-
meinen aber soll nie vergessen werden, dass
nicht die Erhaltung des Staates oder gar einer
Regierung höchster Zweck des Daseins der
Menschen ist, sondern die Bewahrung ihrer
Art.“
91
Dementsprechend sei „der Selbster-
haltungstrieb der Unterdrückten immer die
erhabenste Rechtfertigung für ihren Kampf
mit allen Waffen.“
92
Hitler verkehrte den Gedanken des universel-
len Menschenrechts also ins Gegenteil, indem
er aus seinem Menschenrechtsverständnis
eine Rechtfertigung für die Ausgrenzung und
Bekämpfung „artfremden Blutes“ ableitet.
Dieses Verständnis brachte Hitler schließlich
auf die Formel „Menschenrecht bricht Staats-
recht“
93
. Die eindeutige Bezugnahme auf
diese Aussage verdeutlicht die ideologische
Nähe der Demonstrationsveranstalter zum
historischen Nationalsozialismus.
Weiterhin führten die JN im Jahr 2013 ein
Pfingst-Fußballturnier durch, an dem sich über-
wiegend Nicht-JN-Mitglieder beteiligten.
Im Rahmen der bundesweiten JN-Kampagne
„Identität – Werde, wer du bist!“ führte der JN-
Landesverband Sachsen im März 2013 mehrere
Aktionen in Form von Informationsständen in
unmittelbarer Nähe von Schulen und Verteilak-
tionen in verschiedenen sächsischen Städten
durch. An einer „Infotour“ vom 12. bis 18. März
2013 in Pirna (Landkreis Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge), Döbeln, Penig und Rochlitz (alle:
Landkreis Mittelsachsen), Eilenburg (Landkreis
Nordsachsen), Grimma (Landkreis Leipzig), Wer-
dau (Landkreis Zwickau) und Dresden beteiligten
sich der sächsische JN-Vorsitzende Paul RZEHAC-
ZEK und sein Stellvertreter Jens GATTER. Sie wur-
den vor Ort von Vertretern der jeweiligen regio-
nalen JN-Stützpunkte unterstützt. Auch ehema-
lige Mitglieder der im Februar 2013 verbotenen
NatioNaleN sozialisteN döbelN
nahmen an solchen
Aktionen teil.
Bei einem der Informationsstände in Pirna
stellten die JN einen Schirm auf, auf dessen Be-
spannung ein Hakenkreuz abgebildet war. Der
Schirm wurde von der Polizei beschlagnahmt.
Foto: Internet.
Obwohl die Aktionen in der Öffentlichkeit kaum
Beachtung fanden, stellten die JN die Aktionen
im Internet in üblicher Weise als Erfolge dar.
91
Adolf Hitler: mein kampf, Bd. 1, 851.-855. Auflage, 1943, S. 104.
92
Ebenda, S. 105.
93
Ebenda.

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
69
94
Erich Priebke war 1944 als SS-Offizier in Italien an der Erschießung von 335 Zivilisten beteiligt. Er wurde dort 1998 wegen der Beteiligung an dem
massaker in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die er letztlich im Hausarrest verbüßte.
Der Verherrlichung des Nationalsozialismus diente
die Kampagne „Freiheit für Erich Priebke“
94
. Anläs-
slich des 100. Geburtstages des NS-Kriegsverbre-
chers im Juli 2013 forderten
NeoNatioNalsozialisteN
mit zahlreichen Solidaritätsaktionen die Freilas-
sung Priebkes. Bilder der Aktionen wurden auf der
Internetseite der Kampagne veröffentlicht.
Auch die einzelnen JN-Stützpunkte veröffent-
lichten Fotos der Aktionen auf ihren Facebook-
seiten, so z. B. die JN Leipzig am 19. Juli 2013 zu
ihrer Aktion am Völkerschlachtdenkmal.
Auf den Tod Erich Priebkes am 11. Oktober 2013
reagierte die Szene mit zahlreichen Beiträgen im
Internet und bei Facebook. Vor dem italienischen
Generalkonsulat in Leipzig hielten Mitglieder der
JN Sachsen und der JN Leipzig eine Gedenkver-
anstaltung ab unter dem Motto „Niemals aufge-
ben – Im Gedenken an Erich Priebke…!“. Es ist zu
erwarten, dass Erich Priebke auch nach seinem
Tod der rechtsextremistischen Szene als Identifi-
kationsfigur dienen wird.
Vertreter der sächsischen JN beteiligten sich
auch 2013 überregional an Veranstaltungen der
rechtsextremistischen Szene. So nahmen z. B.
ca. 20 JN-Aktivisten aus Sachsen am 23. Novem-
ber 2013 an der JN-Demonstration zum Thema
„Überfremdung stoppen – nationale Freiräume
erhalten“ in Berlin teil und lieferten dort auch
einen Redebeitrag.
Die Veranstaltungen der JN zeigen, dass sich
die bisher bereits vorhandene Bindung der JN
an das neonationalsozialistische Spektrum ge-
festigt hat. Schon in den vergangenen Jahren
hatten sich bereits Vertreter der
freieN kräfte
an
Veranstaltungen der JN beteiligt oder es waren
gemeinsame Veranstaltungen durchgeführt
worden. Die JN argumentierten dabei verstärkt
mit neonationalsozialistischer Ideologie und
agitierten entsprechend.
Mit Auftritten rechtsextremistischer Bands
und Liedermacher auf Veranstaltungen der JN,
versuchen letztere ihren Einfluss innerhalb der
rechtsextremistisch orientierten Jugendszene
zu verstärken. Für öffentlichkeitswirksame Ver-
anstaltungen konnten die JN das Potenzial der
freieN kräfte
mobilisieren; dies obwohl die JN
von einigen neonationalsozialistischen Struk-
turen für gewöhnlich mit der NPD gleichgesetzt
und eine Zusammenarbeit mit der Partei bzw.
Unterstützung durch die Partei abgelehnt wer-
den. Im Gegenzug konnte die parteiungebunde-
ne Szene unter dem Schutzschirm der Jugend-
organisation einer Partei agieren.
JN im Internet
Die Selbstdarstellung im Internet hat für die JN
seit Jahren eine große Bedeutung, da deren Ak-
tionen und Veranstaltungen anderenfalls in der
Öffentlichkeit nicht oder nur von einem gerin-
Foto:
www.erich-priebke.de

image
70
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
gen Personenkreis wahrnehmbar wären. Auf ver-
schiedenen Internetseiten werden zum Teil in-
haltsgleiche Beiträge eingestellt, um eine mög-
lichst weitreichende Aufmerksamkeit zu erzielen.
Die JN nutzen die Internetauftritte, um sich vor
allem als heimatverbunden sowie geschichts-
und traditionsbewusst zu präsentieren.
Ihre Internetbeiträge stellen die JN Sachsen auf
einer Unterseite der Homepage des JN-Bundes-
verbands sowie auf Internetseiten der NPD ein.
Darüber hinaus werden anlassbezogen eigene In-
ternetseiten eingerichtet, wie beispielsweise für
die Demonstration am 5. Oktober 2013 in Döbeln
(Landkreis Mittelsachsen). Auf verschiedenen Face-
bookseiten einzelner Strukturen mobilisieren die JN
zu Aktionen bzw. berichten im Nachgang darüber.
Ausblick
Im Hinblick auf die im Jahr 2014 anstehenden
Wahlen dürfte die NPD ein besonders hohes
Interesse an einem gut organisierten und funk-
tionsfähigen JN-Landesverband haben, sodass
von Seiten der Mutterpartei mit einer starken
Unterstützung des Strukturaufbaus der JN in
Sachsen zu rechnen ist. Zu erwarten ist auch
eine Zunahme von öffentlichkeitswirksamen
Aktivitäten der JN in Sachsen. Die NPD kann
dabei von der direkten Anbindung einiger JN-
Bundesvorstandsmitglieder an die sächsische
NPD-Landtagsfraktion profitieren.
Wie sich im Jahr 2013 am Beispiel der verbotenen
NatioNaleN sozialisteN döbelN
zeigte, bieten sich die
JN als Auffangbecken für ehemalige Angehörige
verbotener Vereinigungen an. So wurde der JN-
Stützpunkt Mittelsachsen unmittelbar im Nach-
gang zu dem Verbot gegründet; er rekrutiert sich
aus ehemaligen Mitgliedern der Gruppierung.
Nicht ausgeschlossen scheint eine noch stärker
werdende neonationalsozialistische Ausrichtung
von – zumindest einzelnen – JN-Strukturen. Dies
könnte dann der Fall sein, wenn es den JN auch
2014 gelingen sollte, weitere örtliche neonational-
sozialistische Strukturen in Sachsen in die eigenen
Reihen zu integrieren.
1.5
die rechte
Die reChte, laNDesverbaND saChseN
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Gründung:
26. Oktober 2013
Auflösung:
18. März 2014
Sitz:
Mitglieder 2013:
ca. 10
Mitglieder 2012:
Vorsitz:
Sebastian-Daniel RISSE
Teil-, Nebenorganisationen:
Publikation:
keine
Kennzeichen:

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
71
Historie und Strukturentwicklung
Am 26. Oktober 2013 fand die Gründung des
sächsischen Landesverbandes der Partei D
ie
r
echte
statt. Nach nur etwa fünf Monaten ver-
kündeten die Rechtsextremisten am 18. März
2014 die Auflösung dieser Struktur in Sachsen,
die während ihres Bestehens etwa 10 Mitglieder
hatte. Der Landesverband verfügte über eine In-
ternetseite und über Profile auf „Facebook“ und
„vk.com“. Strukturen des Landesverbandes wur-
den im Berichtsjahr nicht bekannt.
Ideologie / Politische Zielsetzung
Programmatisch versuchte die Partei, sich zwi-
schen der sich „seriös radikal“ gebenden
NPd
und der islamfeindlichen Pro-Bewegung zu po-
sitionieren. Das Parteiprogramm war weitgehend
von der rechtsextremistischen
dVu
übernom-
men worden, welche mit Wirkung vom 1. Januar
2011 mit der
NPd
fusioniert hatte. Angesichts
der Herkunft einiger Führungsmitglieder ist da-
von auszugehen, dass D
ie rechte
eine neonatio-
nalsozialistische Orientierung hatte.
Aktivitäten
Quelle:
www.rechte-sachsen.com
Am 26. Oktober 2013 fand in Hessen eine Grün-
dungsveranstaltung des sächsischen Landesver-
bandes der Partei
die rechte
statt. Dort wählten
die Anwesenden nach eigenen Angaben Sebas-
tian-Daniel RISSE zum Vorsitzenden. Seine Stell-
vertreterin und zugleich Schatzmeisterin wurde
Susan SOMMERER. Zum „Landesschiedsrichter“
wurde der zur neonationalsozialistischen Szene
in Hoyerswerda zählende Maik TEICH gewählt.
Die Gründung des neuen Landesverbandes war
vom stellvertretenden Bundesvorsitzenden Pierre
LEVIEN vorangetrieben worden. Damit zeigte
sich die Parteiführung offenbar bemüht, auch
in Regionen mit starker
NPd-Dominanz
aktiv zu
werden.
Bis auf eine Vortragsveranstaltung mit dem
Bundesvorsitzenden WORCH am Wochenende
14. /15. Dezember 2013 mit 18 Teilnehmern in
Görlitz wurden seit der Gründung keine öffent-
lichkeitswirksamen Aktivitäten des Landesver-
bandes beobachtet.
Nachdem es der Partei nicht gelungen war, die
nötigen Unterstützungsunterschriften für eine
Teilnahme an der Europawahl zu erlangen, gab
der sächsische Landesverband am 18. März 2014
seine Auflösung bekannt
95
. „Meinungsverschie-
denheiten und gewisse andere Sachen“ hätten
zu dieser Entscheidung geführt. Die ehemali-
gen Mitglieder des Landesverbandes wollen sich
künftig den
freieN kräfteN
anschließen
96
.
95
Facebook.
96
Facebook.

72
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
1.6
Subkulturelle Rechtsextremisten
Ein Teil der subkulturell geprägten rechtsextre-
mistischen Szene besteht aus den Veranstaltern,
Besuchern und auftretenden Bands rechtsextre-
mistischer Konzerte. Der Ideologisierungsgrad
ist unterschiedlich ausgeprägt, die Bereitschaft
zur selbstständigen politischen Arbeit besteht
jedoch auch hier nur in wenigen Einzelfällen.
Rechtsextremistische Bands, Konzertveranstal-
ter und Produzenten von rechtsextremistischer
Musik wissen überwiegend, welche Möglichkei-
ten der Verbreitung von rechtsextremistischer
Ideologie mit ihrer Musik verbunden sind. In der
Ausgabe 3 (Dezember 2012) des Fanzines VIVA
SAXONIA wird die rechtsextremistische Band
selbststeller
wie folgt zitiert:
„Ganz einfach, wenn im Grundgesetz (… denn
eine Verfassung hat das Wirtschafts- & Verwal-
tungskonstrukt brd nicht…), jedem Bürger freie
Meinungsäußerung garantiert wird, dann ist es
unvereinbar…, dass man Bürger für die bloße Äu-
ßerung ihrer Meinung über etwas, zu Freiheits-
entzug verurteilt. (…) Für uns ist eine Indizierung
nicht mehr als ein Gütesiegel (…) Für uns als
Band ist es wieder mal Ansporn, weil wir dadurch
wissen, dass wir auf dem richtigen Weg sind!!“
Ein weiteres Beispiel für den Ideologietrans-
fer durch rechtsextremistische Bands stellt die
Dresdner Band
Priorität
18 dar. Deren Mitglieder
sind rechtsextremistische Skinheads und treten
regelmäßig bei politischen Veranstaltungen ak-
tiv in Erscheinung. Auch die Texte ihrer 2013 er-
schienen CD „Waldbrüder“ enthalten sowohl ein
Bekenntnis zur Skinheadsubkultur als auch zum
„nationalen Sozialismus“:
Die subkulturell geprägten Rechtsextremisten
zählen zur parteiungebundenen rechtsextremis-
tischen Szene. Ihr optisches Erscheinungsbild hat
sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark
gewandelt. Noch Anfang der 1990er Jahre wur-
den die Szeneanhänger in der Regel als glatz-
köpfige, mit Springerstiefeln und Bomberjacke
bekleidete Personen wahrgenommen, die zudem
meistens in Gruppen auftraten. Zwischenzeitlich
hat sich das Erscheinungsbild gewandelt und
dem „normaler Jugendlicher“ angepasst. Base-
caps, normale sportliche Kleidung und Turnschu-
he sind ebenso zu finden, wie Kapuzenshirts oder
Kleidung diverser Sportmarken. Subkulturelle
Rechtsextremisten sind deshalb in der Öffent-
lichkeit kaum noch als solche zu erkennen. Meist
ist ihre Szenezugehörigkeit nur noch anhand
spezieller Merkmale, wie Aufdru cken von Namen
rechtsextremistischer Bands auf den T-Shirts
oder die Wahl einschlägiger Kleidermarken, wie
z. B. ANSGAR ARYAN, ersichtlich.
Im Hinblick auf die Gewaltbereitschaft ist al-
lerdings kein Wandel feststellbar. Nach wie vor
zeichnet sich dieses Personenpotenzial durch
eine erhöhte Gewaltbereitschaft aus und ist für
einen erheblichen Teil der rechtsextremistischen
Straf- und Gewalttaten verantwortlich.
Subkulturell geprägte rechtsextremistische Sze-
nen existieren gleichmäßig auf den Freistaat
Sachsen verteilt und sind nur selten in einer
fes ten Struktur organisiert, z. B. in der
terror
c
reW muldeNtal
(Landkreis Leipzig). In ihrem von
rassis tischen und antisemitischen Positionen ge-
prägten Weltbild finden sich auch neonational-
sozialistische Elemente. Allerdings sind die An-
gehörigen dieser Szene in der Regel ideologisch
gering gefestigt und wenig politisch aktiv.

image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
73
Im ersten Titel „Unbeugsam“ wird ein typisches
Hohelied auf die Skinheads und den eigenen
Werdegang gesungen:
„Du bist Skinhead und dem gilt Dein Leben
Du gehst mit Stolz unentwegen
In dieselbe Schlacht Tag aus Tag ein
Für Deine Freiheit so muss es sein“
97
Das zweite Lied „Wer, wenn nicht wir“ hat hin-
gegen eindeutige politische Aussagen und ruft
zum aktiven Handeln auf:
„Unser Schlachtruf schallt durch die Nacht
Achtung Deutschland aufgewacht
Diese BRD ist am Ende
Deutsche Jugend bringt die Wende …
Wer wenn nicht wir, wann wenn nicht jetzt
Nationaler Sozialismus jetzt“
98
Das Personenpotenzial der subkulturell gepräg-
ten rechtsextremistischen Szene stieg im Jahr
2013 auf ca. 850 an (2012: ca. 800). Damit stabi-
lisiert sich die Zahl der Angehörigen dieser Szene
seit Jahren zwischen 800 und 900 Personen.
Personenpotenzial der subkulturellen rechts-
extremistischen Szene im Freistaat Sachsen
1.500
1.000
500
0
2009
2010
2011
2012
2013
850
850
800
890
890
97
Textabschrift aus dem Booklet der CD.
98
Ebenda.
hammerskiNs
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Gründung:
1987 in den USA
Anfang der 1990er Jahre in Deutschland
1993 im Freistaat Sachsen
Sitz:
Mitglieder 2013:
einzelne
Mitglieder 2012:
einzelne
Vorsitz:
Teil-, Nebenorganisationen:
Landesebene „Division“
Regionale Gliederung: „Chapter“
Publikation:
keine
Kennzeichen:

74
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Historie und Strukturentwicklung
Die
hammerskiNs
haben ihren Ursprung in den
USA. Seit Anfang der 1990er Jahre sind auch
Strukturen in Europa und Deutschland bekannt.
1993 wurde ein
hammerskiN
-Chapter von Sach-
sen aus aufgebaut. Seit der Inhaftierung des
führenden Aktivisten des Chapters Sachsen im
Jahr 2001 sind die Aktivitäten der sächsischen
hammerskiNs
stark zurückgegangen. In den letzten
Jahren konnten keine öffentlichkeitswirksamen
Aktivitäten von sächsischen
hammerskiNs
in Sach-
sen mehr festgestellt werden.
Das LfV Sachsen geht derzeit von weniger als
zehn Personen aus, die einer
hammerskiN
-Grup-
pierung aus dem Raum Westsachsen zugeordnet
werden können. Öffentlichkeitswirksame Akti-
vitäten sind von der Gruppierung auch im Jahr
2013 nicht bekannt geworden.
Ideologie / Politische Zielsetzung
Die sich als elitär verstehende Vereinigung ist
rassistisch und z. T. neonationalsozialistisch
ausgerichtet. Sie verfolgt das Ziel, weltweit alle
„weißen, nationalen“ Kräfte in einer ideellen,
rassisch „reinen“ Gemeinschaft, der sogenann-
ten
hammerskiN
-Nation, zu vereinen. Das Symbol
der
hammerskiNs
zeigt zwei gekreuzte Hämmer,
die Kraft und Stärke des „weißen Arbeiters“ ver-
deutlichen sollen.
In dem Bemühen, ein weltweites Netz der
ham­
merskiNs
aufzubauen, ist die Organisation darauf
bedacht, nur „geeignete“ Skinheads in die Be-
wegung aufzunehmen. Zu den Aufnahmebedin-
gungen der
hammerskiNs
zählen beispielsweise
absolute Drogenabstinenz, Kameradschaftlich-
keit und vor allem Zugehörigkeit zur „reinen,
weißen Rasse“. In einem Mitte der 1990er Jah-
re erschienenen Bericht in einem sogenannten
Fanzine heißt es dazu:
„Aber nicht jeder kann
hammerskiN
werden. Hier-
für bedarf es einer Reihe an proben und Bedin-
gungen. Aber wer einmal zu dieser verschwore-
nen Bruderschaft dazugehört, der kann verdammt
stolz auf sich sein. Es ist wirklich nicht einfach
hammerskiN
zu werden. (...) Die
hammerskiNs
sind
eine Gemeinschaft der Elite. (...) Über die politi-
schen Zielsetzungen der
hammerskiNs
brauche ich
wohl nicht viel zu sagen, denn das dürfte wohl
klar sein, außerdem will ich nicht das Dein Heft
auf dem Index landet.“
99
Ein damals führendes Mitglied der sächsischen
hammerskiN
-Szene äußerte sich kurz nach der
Jahrtausendwende in einer Skinhead-Publika-
tion auf die Frage, „Was bedeutet es für dich,
Hammer‘ Skin zu sein (...)?“, wie folgt:
„HS bedeutet für mich persönlich Bruderschaft
und zu einer verschworenen Gemeinde elitärer
NS
100
zu gehören, die bereit sind durch Taten et-
was zu verändern. Es ist für mich der höchste
Ausdruck einer Gemeinschaft und des Kampfes
für unsere R...e. HS vereint weiße Nationen und
baut eine eigene Nation aller!“
101
Das elitäre Selbstverständnis der
hammerskiNs
stößt in der subkulturell geprägten rechtsextre-
mistischen Szene jedoch weitgehend auf Ableh-
nung.
99
STORmFROnT nr. 4, 1997. Schreibweise wie im Original.
100
Gemeint sind vermutlich neo- bzw. nationalsozialisten.
101
DER BEWäHRUnGSHELFER, nr. 5, S. 40. „R…e“ steht vermutlich für das Wort „Rasse“.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
75
Allgemeine Aktivitäten
Seit ihrer Gründung nahmen die sächsischen
Mitglieder der
hammerskiNs
regelmäßig an Veran-
staltungen der
hammerskiNs
im In- und Ausland
teil. Sie organisierten auch eigene Veranstaltun-
gen in Sachsen. Insbesondere das seit den 1990er
Jahren existierende Chapter Sachsen organisier-
te hier mehrere Konzerte. In dieser Zeit erschie-
nen acht Ausgaben des rechtsextremistischen
Skinhead-Fanzines HASS ATTACKE, welches als
„the only official GermanHammerskinZine“ und
als „offizielle[s] Blatt der
saxoN
102
hammerskiNs
bezeichnet wurde. Zeitweise betrieben sächsi-
sche
hammerskiNs
eine eigene Homepage.
Derzeit besitzen die
hammerskiNs
innerhalb der
subkulturell geprägten rechtsextremistischen
Szene im Freistaat Sachsen eine nur untergeord-
nete Bedeutung.
102
Deutsch: sächsisch.
103
Einschließlich der thüringisch-sächsischen mischbands
brAinWAsh
und
Moshpit.
1.7
Rechtsextremistische Musikgruppen und Konzerte
1.7.1 Rechtsextremistische Musikgruppen
Im Jahr 2013 waren im Vergleich zum Vorjahr (29)
nur noch 19
103
sächsische rechtsextremistische
Musikgruppen und Bandprojekte sowie vier (im Vor-
jahr fünf) rechtsextremistische Liedermacher aktiv.
Sie traten bei rechtsextremistischen Musikveran-
staltungen auf und/oder veröffentlichten Tonträger.
Es bleibt abzuwarten, ob der signifikante Rück-
gang der rechtsextremistischen Musikgruppen
sich zu einem dauerhaften Trend entwickelt oder
es sich nur um eine Momentaufnahme handelt.
Die Anzahl der Konzertauftritte der sächsischen
rechtsextremistischen Bands ist ebenfalls deut-
Anzahl der rechtsextremistischen Bands / Bandprojekte im Freistaat Sachsen
40
30
20
10
0
16
2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
19
19
20
20
30
29
30
29

image
76
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
lich gesunken – vor allem bei Veranstaltungen im
Freistaat Sachsen. Ursache ist der Rückgang der
Konzertzahlen. Bei den Tonträger-Veröffentli-
chungen im Jahr 2013 wird dagegen mit elf Pro-
duktionen fast die Vorjahreszahl (zwölf) erreicht
– bei zahlenmäßig weniger Bands.
Die Sänger von drei weiteren sächsischen Musik-
gruppen und Bandprojekten –
moiler, oVerdressed
und
ParaNoid
– waren 2013 mit Einzeltiteln an
CD-Veröffentlichungen anderer Bands beteiligt.
Da es sich aber nicht um eigenständige Produk-
tionen handelt, werden diese Gruppen in der
Statistik nicht aufgeführt.
Auflistung rechtsextremistischer Bands und
Liedermacher im Einzelnen
104
barNy
Typ:
Liedermacher
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Chemnitz
aktiv seit:
2005
Veröffentlichungen:
CD „Liebe, Treue, Heimat“
(2010),
Split-CD „Carved in Stone“
(2011, gemeinsam mit Ken
MCLELLAN / Großbritannien)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
104
Rechtsextremistische musikgruppen und Liedermacher, zu denen offen verwertbare Erkenntnisse über Aktivitäten im Jahr 2013 vorliegen.
Rechtsextremistische Musikgruppen und Liedermacher im Freistaat Sachsen

image
image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
77
blitzkrieg
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Chemnitz
aktiv seit:
2000
Veröffentlichungen:
Split-CD „German British Ter-
rormachine“ (2001, gemeinsam
mit Band aus Großbritannien),
CD „Wir sind zurück“ (2004),
CD „In Gedenken an …“ (2007)
CD „Das letzte Bollwerk“ (2011)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
blutzeugeN
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Dresden
aktiv seit:
2011
Veröffentlichungen:
CD „Blutzeugen“ (2011)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
braiNwash
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Thüringen / Sachsen
aktiv seit:
2001
Veröffentlichungen:
Split-CD „In Defence“ (2002,
gemeinsam mit NO ALIBI / USA)
Split-EP „Support the POW´s“
(2004, gemeinsam mit
VERSZERZÖDES / Ungarn)
CD „Moments of Truth“ (2005)
CD / LP „Time to Act“ (2013)
– vgl. Abbildung
105
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
brigaDe 7
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Eilenburg
(Landkreis Nordsachsen)
aktiv seit:
2011
Veröffentlichungen:
angeblich Demo-CD (2011)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
heiliges reiCh
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Raum Chemnitz / Flöha
aktiv seit:
2013
Veröffentlichungen:
CD „Sacrum Imperium“ (2013)
– vgl. Abbildung
106
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
hoPe for the weak
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Dresden
aktiv seit:
2005
Veröffentlichungen:
Split-CD „Hardcore Hoax
United“ (2006 gemeinsam
mit
iNborNe hate
/ MV und
path
oF reSiStaNCe
/ MV)
CD „The underdogs call“
(2011)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
105
Internetseite von OPOS-r
ecords.
106
Internetseite von OPOS-r
ecords.

image
image
image
image
78
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
107
Internetseite von
leichenzug
.
108
Internetseite von
leichenzug
.
109
Internetseite von
blAspheMous terror records
.
110
Internetseite von OPOS-r
ecords.
leiCheNzug
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Wilkau-Haßlau (Landkreis
Zwickau)
aktiv seit:
2004
Veröffentlichungen:
CD „Meisterwerk” (2004)
Split-CD „Feuertod / Death in
its Nicest Forms“ (2007, ge-
meinsam mit Eviscerated / D)
CD „Das letzte Gebet“ (2010),
LP „Die flammende Rückkehr“
(2013) – vgl. Abbildung
oben
107
Split-CD „The Flaming Return
of Hyperborean Wrath“ (2013,
gemeinsam mit Pagan Flame /
Kanada) – vgl. Abbildung
Mitte
108
MLP/CD „Pfaffenschwein”
(2013) – vgl. Abbildung
unten
109
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
moiler
Typ:
Bandprojekt
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Erzgebirgskreis
aktiv seit:
2009
Veröffentlichungen:
CD „dr Haamit troi!“ (2009)
Split-CD „Musikalischer
Amoklauf” (2011, gemeinsam
mit
white rebel boyS
/ BY)
CD „Subkultur” (2012)
Aktivitäten:
Beteiligung an der CD
„Lieder für gewisse Stunden“
(2013) der Band
muSigkruppe
moshPit
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Thüringen / Sachsen
aktiv seit:
2001
Veröffentlichungen:
Split-EP „Moshpit & Path
of Resistance” (2004
gemeinsam mit
path oF
reSiStaNCe
/ MV),
CD „Mirror of an unbroken
faith“ (2008),
CD „We carry the heart” (2012)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
NeubegiNN
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Raum Torgau (Landkreis
Nordsachsen)
aktiv seit:
2001
Veröffentlichungen:
CD „Vogelfrei“ (2013) – vgl.
Abbildung
110
overDresseD
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Landkreis Mittelsachsen
aktiv seit:
2011
Veröffentlichungen:
CD „Kostprobe” (2012)
Aktivitäten:
Beteiligung an der CD
„Lieder für gewisse Stunden“
(2013) der Band
muSigkruppe

image
image
II Extremismus im Freistaat Sachsen |
79
ParaNoiD
Typ:
Bandprojekt
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Erzgebirgskreis
aktiv seit:
2009
Veröffentlichungen:
CD „Gift für Gutmenschen”
(2009)
CD „Beginn der Revolution“
(2010)
Aktivitäten:
Beteiligung an der CD „Die
Gedanken sind frei!“ (2013)
der Band
StimmeN Der Freiheit
Piattmar
Typ:
Liedermacher
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Döbeln (Landkreis Mittel-
sachsen)
aktiv seit:
2013
Veröffentlichungen:
keine bekannt
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
Priorität 18
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Dresden
aktiv seit:
2008
Veröffentlichungen:
CD „Demo 2008“ (2008)
CD „Sachsensampler Vol. 2“
(2011)
CD „Dresden” (2012)
CD „Waldbrüder“ (2013) –
vgl. Abbildung
111
Aktivitäten:
Live-Auftritte
2013
111
Internetseite von PC-r
ecords.
112
Internetseite von PC-r
ecords.
saChseNblut
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Freiberg
aktiv seit:
2010
Veröffentlichungen:
CD „Sachsensampler Vol. 2“
(2011)
CD „Der Appell“ (2013) –
Abbildung
112
Aktivitäten:
Live-Auftritte
2013
saChsoNia
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Dresden
aktiv seit:
1999
Veröffentlichungen:
CD „Herzlich Willkommen“
(2004)
CD „Unvergessen“ (2006)
Split-CD „Sächsisch Böhmi-
sche Hausmannskost“
(2009, gemeinsam mit
CON-FLICT/CZ)
CD „Amok“ (2011)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013

image
image
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80
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
113
Internetseite von OPOS-r
ecords.
114
Internetseite von OPOS-r
ecords.
115
Internetseite von
pc-records.
selbststeller
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Riesa (Landkreis Meißen)
aktiv seit:
2000
Veröffentlichungen:
Split-CD „Hinterhof
Rock ‘n‘ Roll“ (2001, gemein-
sam mit
utgarD
/ SN)
Split-CD „Tattooed Rebels“
(2002, gemeinsam mit
barJiNg DogS
/ NW)
CD „Sound of Civilwar“
(2003)
CD „Mittendurch statt dran
vorbei“ (2005)
CD „Bumm Bumm-Rattatta-
Klick Klack-Peng!“ (2010)
Split-CD „Tradition verpflich-
tet“ (2012, gemeinsam mit
the graNitS
/ SN)
CD „Letzte Option“ (2012)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
stahlfroNt
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Sachsen / Thüringen
aktiv seit:
2013
Veröffentlichungen:
CD „Wiederkehr der Ahnen“
(2013) – vgl. Abbildung
113
stimmeN Der freiheit
Typ:
Band / Bandprojekt
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Sachsen / Baden-Württemberg /
Brandenburg
aktiv seit:
2010
Veröffentlichungen:
CD „Deutsch bis ins Mark“
(2010)
CD „Die Gedanken sind frei!“
(2013) – vgl. Abbildung
114
ÜberzeuguNgstäter vogtlaND
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Vogtland
aktiv seit:
2010
Veröffentlichungen:
CD „Live im Proberaum“
(2010)
CD „Nationalist“ (2011)
CD „Wie Feuer und Flamme“
(2013) – vgl. Abbildung
115
Aktivitäten:
Live-Auftritte
2013
verboteN
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Erzgebirgskreis
aktiv seit:
2011
Veröffentlichungen:
keine bekannt
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013

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II Extremismus im Freistaat Sachsen |
81
volksNah
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Leipzig
aktiv seit:
2012
Veröffentlichungen:
keine bekannt
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
white resistaNCe
Typ:
Band
Extremismusbereich:
Rechtsextremismus
Sitz bzw. Herkunft:
Erzgebirgskreis / Landkreis
Zwickau
aktiv seit:
2000
Veröffentlichungen:
CD „We defend“ (2005)
CD „White Rock ‘n‘ Roll
Outlaws“ (2008)
Aktivitäten:
Live-Auftritte 2013
1.7.2 Rechtsextremistische Konzerte
Anhaltender Rückgang der rechtsextremis-
tischen Konzerte in Sachsen
Im Jahr 2013 wurden dem Landesamt für Verfas-
sungsschutz insgesamt 17 (2012: 30) geplante
rechtsextremistische Konzerte bekannt, darunter
15 (2012: 26) durchgeführte Veranstaltungen.
Ein rechtsextremistisches Konzert wurde im Vor-
feld verhindert und eine weitere Konzertveran-
staltung nach Beginn von der Polizei aufgelöst.
Damit ging die Anzahl der rechtsextremistischen
Konzerte im Freistaat Sachsen im zweiten Jahr in
Folge deutlich zurück und fiel auf den niedrigs-
ten Stand seit 2002.
Auch wenn die durchschnittliche Teilnehmer-
zahl im Jahr 2013 auf ca. 220 Personen anstieg
(2012: 150), so ist doch die Gesamtteilnehmer-
zahl an rechtsextremistischen Konzerten ge-
genüber dem Vorjahr um einige Hundert Per-
sonen gesunken. An der größten Veranstaltung
des Jahres, dem „Sachsentag 2013“ der
JuNgeN
NatioNaldemokrateN
am 8. Juni in Neuensalz, Orts-
teil Zobes (Vogtlandkreis), nahmen ca. 720 Per-
sonen teil.
Eine entscheidende Rolle bei der Durchführung
der rechtsextremistischen Konzerte in Sachsen
spielen seit Jahren die sogenannten Szene-Ob-
jekte. Im Jahr 2013 konzentrierte sich das Veran-
staltungsgeschehen nahezu ausschließlich auf
das bereits seit 2008 einschlägig genutzte Lokal
in Torgau, Ortsteil Staupitz (Landkreis Nordsach-
sen). Allein zehn der 14 durchgeführten Konzerte
fanden in diesem Szene-Objekt statt.
Objekt in Torgau, Ortsteil Staupitz.
Foto: LfV Sachsen.

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82
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Regionale Verteilung rechtsextremistischer Konzerte 2013 in Sachsen
Der anhaltende Rückgang der rechtsextremisti-
schen Konzerte in Sachsen dürfte zum einen auf
fehlende geeignete Konzertobjekte zurückzufüh-
ren sein. Mit der Schließung der Gaststätte „Zur
Deutschen Eiche“ in Rothenburg, Ortsteil Gehee-
ge (Landkreis Görlitz) Ende April 2012 hatte die
rechtsextremistische Szene eines ihrer wichtigs-
ten Veranstaltungslokale verloren. Bei weiteren
Szene-Objekten bestehen Nutzungsuntersagun-
gen zur Durchführung von Veranstaltungen.
Jedoch ist die rechtsextremistische Szene be-
züglich der Planung von einschlägigen Musik-
veranstaltungen in Sachsen zurückhaltender
geworden. Im Gegensatz zu früheren Jahren
wurden nur noch selten Versuche unternommen,
konspirative Konzerte zu veranstalten. Zudem
gab es 2013 auch keinerlei Bestrebungen, zur
Verfügung stehende andere Szene-Objekte (wie
beispielsweise den
deutscheN stimme Verlag
in Rie-
sa) für größere Musikveranstaltungen zu nutzen.
In dem bereits genannten Lokal in Torgau, Orts-
teil Staupitz (Landkreis Nordsachsen) versucht
die Szene, die durch behördliche Beschränkun-
gen höchstens zehn zulässigen Veranstaltungen
pro Jahr auszuschöpfen. Bei den hier agierenden
Konzertveranstaltern handelt es sich in der Regel
um langjährige Szene-Aktivisten, die auftreten-
den Bands sind zumeist überregional bekannt
und beliebt. Die gute Organisation und der nach
wie vor bestehende „Konzertbedarf“ der Szene
schlagen sich in den Teilnehmerzahlen nieder:
Die zehn Konzerte in Staupitz wurden durch-
schnittlich von rund 200 Personen besucht.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
83
Rechtsextremistische Konzerte im Freistaat Sachsen
116
60
40
20
0
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
47
40
7
48
41
7
47
43
4
30
26
4
45
42
3
45
42
3
46
36
10
17
15
2
geplante Konzerte insgesamt
davon durchgeführt
aufgelöst/verhindert
Durchschnittliche Teilnehmeranzahl pro Konzert
200
150
100
50
0
185
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
140
160
130
150
190
220
150
116
Für 2009 sind zwei durchgeführte rechtsextremistische „national Socialist Black metal“-konzerte (nSBm-konzerte) enthalten. Die nSBm-konzerte
wurden nur im Verfassungsschutzbericht 2009 in einer getrennten Statistik aufgeführt.

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84
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
1.8
Rechtsextremistische Vertriebsszene
Die rechtsextremistische Vertriebsszene hat ih-
ren Ursprung in der Skinheadszene. In dieser
Jugendsubkultur bestand eine starke Nachfrage
nach eigenen Musikstilen, welche im kommerzi-
ellen Handel jedoch nicht erhältlich waren. Die
Vertriebe richteten ihr Sortiment daher in der
Regel an den Bedürfnissen der subkulturellen
Rechtsextremisten aus. Dabei beschränkten sich
die frühen Vertriebsunternehmen der Skinhead-
szene zunächst auf den Vertrieb der eigenen Mu-
sik. Später wurde das Sortiment sukzessive um
Textilien und weitere szenerelevante Materialien
erweitert. Speziell die Bedeutung des Textilbe-
reichs ist stets weiter angewachsen. Im Bundes-
gebiet kam es zur Gründung mehrerer Textilla-
bels. Ein großer Teil der Vertriebe verfügt über
Produktionsmöglichkeiten sowohl für Tonträger
als auch für Textildruck.
Der Freistaat Sachsen stellt seit Jahren einen
bundesweiten Schwerpunkt der rechtsextre-
mistischen Vertriebsszene dar. Erste Strukturen
entwickelten sich hier bereits Anfang der 1990er
Jahre. Noch vor der Jahrtausendwende waren
mehrere rechtsextremistische Vertriebsunter-
nehmen entstanden, die bundesweite Bedeu-
tung erlangten. Mit der verstärkten Nutzung des
Internets als Vermarktungsmedium bildeten sich
in der Folgezeit im Freistaat die deutschlandweit
stärksten rechtsextremistischen Vertriebsstruk-
turen heraus.
Rechtsextremistische Vertriebsstrukturen
117
im Freistaat Sachsen
118
117
Der Oberbegriff „Vertriebsstrukturen“ umfasst Online-Versände, Läden und Label. Solche Strukturen können einzeln oder in unterschiedlicher kombi-
nation bestehen.
118
Stand: 31. Dezember 2013.

II Extremismus im Freistaat Sachsen |
85
Nach einer langen Ausbau- und Expansionspha-
se erreichten die Firmenzahlen in der rechts-
extremistischen Vertriebsszene in den Jahren
2006/2007 ihren Höhepunkt. Nachdem die Zah-
len danach zunächst stagnierten, sinkt die An-
zahl der rechtsextremistischen Vertriebsunter-
nehmen im Freistaat Sachsen seit 2010 wieder.
Dieser Rückgang hat zur Folge, dass die verblie-
benen großen Unternehmen eine beherrschende
Stellung im szeneeigenen Vertriebssektor erlangt
haben. Mit dem Jahr 2013 scheint die Konsoli-
dierung im Vertriebssektor mittelfristig abge-
schlossen zu sein, da alle im Jahr 2012 aktiven
Unternehmen ihre Vertriebstätigkeit auch im
Jahr 2013 fortgesetzt haben.
Unter den im Freistaat Sachsen zum Jahresen-
de 2013 ansässigen 13 rechtsextremistischen
Vertrieben befinden sich drei Firmen, die für die
subkulturell geprägte rechtsextremistische Ver-
triebsszene bundesweit von herausgehobener
Bedeutung sind. Hierbei handelt es sich um
Pc­
records (Chemnitz), oPos­records (Dresden)
und
froNt­records (Wurzen
/ Falkenhain, Landkreis
Leipzig). Dabei hat der
deutsche stimme
-V
erlag
der NPD (Riesa, Landkreis Meißen), als größtes
rechtsextremistisches Vertriebsunternehmen in
der Bundesrepublik Deutschland, unmittelbaren
Einfluss auf die Gesamtsituation der Vertriebs-
szene in Sachsen. Die zuzurechnenden Unter-
nehmen verfügen über mehrere tausend Kunden
im In- und Ausland. Ihr Umsatz wird auf mehrere
hunderttausend Euro jährlich geschätzt; die Ge-
winnspannen liegen im mittleren zweistelligen
Prozentbereich. Die Gewinne ermöglichen den
Geschäftsinhabern das Bestreiten des Lebensun-
terhaltes. Einige sächsische Vertriebe fungieren
sogar als Arbeitgeber, die häufig politisch gleich-
gesinnte Personen einstellen.
Durch den Rückfluss eines Teils der Gewinne in
die rechtsextremistische Szene entwickelten sich
die Vertriebsstrukturen zu einem wichtigen Kno-
tenpunkt szeneinterner Geldströme. Unterstützt
werden größere Veranstaltungen, Projekte, Ini-
tiativen oder Organisationen der rechtsextremis-
tischen Szene. Hierzu werden auch sogenannte
„Soli-Sampler“ oder „Soli-Shirts“ angeboten. Der
Begriff „Soli“ (für „Solidarität“) bedeutet, dass
der Verkaufserlös ganz oder teilweise dem ange-
gebenen Zweck (z. B. einer in Haft befindlichen
bzw. vor Gericht stehenden Person) gespendet
wird. Die Höhe der geleisteten Unterstützung
ist – neben anderen Faktoren – ausschlaggebend
für das Renommee eines Vertriebes innerhalb
der rechtsextremistischen Szene. So produzier-
te OPOS­r
ecords 2013
zugunsten der Hochwas-
seropfer eine „Soli-CD“, und PC-r
ecords
spende-
te für den gleichen Zweck aus Verkaufserlösen
stammendes Geld. Die Bedeutung der Unter-
nehmen für die rechtsextremistische Szene wird
durch ihre Unterstützung von politischen Akti-
vitäten deutlich. 2013 traten mehrere Vertriebe
als finanzielle und logistische Unterstützer bei
öffentlichen Aktivitäten der Szene in Erschei-
nung. So unterstützte z. B. der
rePro­VersaNd
aus
Radeberg (Landkreis Bautzen) mit seinen eigens
produzierten T-Shirts, Plakaten und Aufklebern
die neonationalsozialistische Szene bei sämtli-
chen Aktionen im Zusammenhang mit dem so-
genannten „Tag der deutschen Zukunft“ (TddZ).
oPos­records
aus Dresden und der
NordsachseN­
V
ersaNd (Eilenburg,
Landkreis Nordsachsen) un-
terstützten u. a. jeweils eine Demonstration.
Zur Erschließung neuer Kundenkreise haben
einzelne rechtsextremistische Vertriebsunter-
nehmen ihr Sortiment auch auf andere Szenen,
wie z. B. die Hooliganszene oder andere Jugend-
subkulturen, ausgerichtet, bei denen es Schnitt-
mengen zur rechtsextremistischen Szene gibt.
Eine weitere Möglichkeit zum Ausbau der Ge-
schäftstätigkeit ist die Gründung von Gewerben,
die sich vordergründig als unpolitisch darstellen.

86
| II Extremismus im Freistaat Sachsen
Dabei handelt es sich z. B. um Textildruckereien,
Tattoo- oder Sonnenstudios, die für Außenste-
hende kaum rechtsextremistische Bezüge er-
kennen lassen. Insofern besteht die Gefahr, dass
nicht rechtsextremistisch eingestellte Personen
die Szene ungewollt unterstützen.
Im Jahr 2013 traten vier
119
sächsische Vertrie-
be als Produzenten rechtsextremistischer Musik
in Erscheinung. Mindestens zwei
120
der Tonträ-
ger-Labels gehören hinsichtlich ihrer Produk-
tionszahlen zu den bedeutendsten in Deutsch-
land. Sächsische Labels brachten bislang rund
450 Tonträger zumeist einschlägiger rechtsex-
tremistischer Bands und Liedermacher auf den
Markt. Die Auflagenhöhe der Produktionen be-
wegt sich zwischen einigen hundert bis zu meh-
reren tausend Stück.
Um den kommerziellen Erfolg ihrer Tonträger
nicht zu gefährden sind die Produzenten be-
strebt, bei den Liedtexten und der CD-Gestaltung
nicht gegen gesetzliche Vorschriften, insbeson-
dere nicht gegen die des Straf- und Jugend-
schutzrechtes, zu verstoßen. So lassen Produ-
zenten Tonträger vor der Veröffentlichung von
Rechtsanwälten prüfen und entsprechende Gut-
achten erstellen. Jedoch entschied der Bundes-