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Beförderung gefährlicher Güter
Hinweise zum Kapitel 1.10 ADR
Vorschriften für die Sicherung

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Inhalt
1. Weshalb besondere Sicherung? ......................................................................... 3
1.1. Was heißt Security?
3
1.2. Gesetzliche Grundlagen in der BRD
3
1.3. Weitere Hinweise
3
2. Freistellungen/Maßnahmen ................................................................................. 4
2. 1. Freistellungen
4
2. 2. Was gilt für alle Gefahrgüter bzw. für alle an der Beförderung Beteiligten?
4
3. Unterweisung ....................................................................................................... 5
4. Hohes Gefahrenpotenzial .................................................................................... 5
5. Sicherungspläne................................................................................................... 6
6. Gefährliche Güter mit hohem Gefahrenpotenzial .............................................. 6

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1.
Weshalb besondere Sicherung?
In Folge der Ereignisse vom 11. September 2001 war es erforderlich, auch für die Beförderung gefährlicher
Güter Sicherungsmaßnahmen gegen mögliche terroristische Gefahren zu treffen.
Basierend auf den Empfehlungen der UN wurden Maßnahmen zur Sicherung - im englischen security - in die
Gefahrgutvorschriften aufgenommen. Diese Vorschriften gelten seit dem 1. Juli 2005 und dienen dazu, das
Risiko des Missbrauchs gefährlicher Güter für terroristische Zwecke zu minimieren und für sichere
Gefahrguttransporte zu sorgen.
Diese Broschüre dient der grundsätzlichen Information. Weiterführende Informationen sind insbesondere aus
den Leitfäden der Verbände (BGL, DSLV, VCH, VCI, VDV, VPI und MWV) erhältlich.
1 .1. Was heißt Security?
Security
steht für Maßnahmen der
Sicherung
, im Unterschied zu Safety -Sicherheit.
Nach den Gefahrgutvorschriften (siehe Kapitel 1.10 ADR) versteht man unter "Sicherung" die Maßnahmen
oder Vorkehrungen, die zu treffen sind, um den Diebstahl oder den Missbrauch gefährlicher Güter, durch den
Personen, Güter oder die Umwelt gefährdet werden können, zu minimieren.
1. 2. Gesetzliche Grundlagen in der BRD
für die Verkehrsträger Straße und Eisenbahn
Gesetz über die Beförderung gefährlicher Güter (GGBefG)
Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB)
Gefahrgutbeauftragtenverordnung (GbV)
Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR)
Übereinkommen für die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter (RID)
1. 3. Weitere Hinweise
www.bmvbw.de/gefahrgut
www.gefahrgut-online.de
www.der-gefahrgut-beauftragte.de
www.gesetze-im-internet.de

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2.
Freistellungen/Maßnahmen
2. 1. Freistellungen
Die Anwendung des Kapitels 1.10 ADR ist bei Einhaltung der Bedingungen für eine der in Abschnitt
1.1.3 ADR genannten Freistellungen oder Sondervorschriften nicht vorgeschrieben.
Hiervon ausgenommen sind nach Abschnitt 1.10.4 ADR bestimmte Stoffe und Gegenstände der Klassen
1 und 7.
Die Freistellung von der Anwendung des Kapitels 1.10 ADR gilt auch bei Einhaltung der Mengengrenzen
in Absatz 1.1.3.6.3 ADR bzw. der berechneten Punkte nach Absatz 1.1.3.6.4 ADR für Beförderungen in
loser Schüttung oder in Tanks.
2. 2. Was gilt für alle Gefahrgüter bzw. für alle an der Beförderung Beteiligten?
Alle an der Beförderung gefährlicher Güter beteiligten Personen müssen im Rahmen ihrer betrieblichen
Verantwortlichkeit die im Kapitel 1.10 ADR aufgeführten Vorschriften für die Sicherung beachten, (siehe
auch §§ 2 und 17 - 34 a GGVSEB).
Gefährliche Güter dürfen nur Beförderern zur Beförderung übergeben werden, deren Identität in
geeigneter Weise festgestellt wurde. Jedes Mitglied der Besatzung eines Zuges bzw. eines Fahrzeugs, mit
dem gefährliche Güter befördert werden, muss während der Beförderung einen amtlichen Lichtbildausweis
mit sich führen, (siehe auch Nr. 1-31 RSEB).
Zu empfehlen ist, bei Übergabe bzw. Empfang gefährlicher Güter, die Identität nicht nur festzustellen
sondern zu dokumentieren. Diese Maßnahme soll dazu dienen, dass kein Unberechtigter Zugriff auf die
gefährlichen Güter hat und die Übergabe nachvollziehbar ist.
Bereiche innerhalb von Terminals für das zeitweilige Abstellen, Plätze für das zeitweilige Abstellen,
Fahrzeugdepots und Rangierbahnhöfen, die für das zeitweilige Abstellen während der Beförderung
gefährlicher Güter verwendet werden, müssen ordnungsgemäß gesichert, gut beleuchtet und, soweit
möglich und angemessen, für die Öffentlichkeit unzugänglich sein.
Das betrifft nicht das Halten und Parken im öffentlichen Verkehrsraum (siehe auch Kapitel 8.4 ADR und
Anlage 2 Nr. 3.3 GGVSEB und Nr. 8-5.1 RSEB).
Die
für
die
Unternehmen
und
für
die
behördlichen
Gefahrgutkontrollen
vorgeschriebenen
Sicherheitsüberprüfungen werden um Maßnahmen der Sicherung erweitert, (siehe auch Abschnitt 1.8.1 ADR
und 7.5.1 ADR).

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3.
Unterweisung
Unterweisung der Beteiligten
Die in Kapitel 1.3 ADR festgelegte erstmalige Unterweisung und Auffrischungsunterweisung muss auch
Bestandteile beinhalten, die der Sensibilisierung bezüglich der Fragen der Sicherung dienen.
Die Unterweisung muss sich diesbezüglich auf die Arten der Sicherungsrisiken, deren Erkennung und
auf die Verfahren zur Verringerung dieser Risiken sowie die bei Beeinträchtigung der Sicherung zu
ergreifenden Maßnahmen beziehen.
Sie muss ggf. Kenntnisse über Sicherungspläne entsprechend dem Arbeits- und Verantwortungsbereich
des Einzelnen und dessen Rolle bei der Umsetzung dieser Pläne vermitteln.
Im Rahmen dieser Unterweisung soll bewusst gemacht werden, dass die gefährlichen Güter nicht nur ein
stoffliches Gefahrenpotenzial haben, sondern auch missbräuchlich eingesetzt werden können.
Insbesondere sollten auch Fahrzeugführer besonders bezüglich möglicher Gefahren während der
Beförderung sensibilisiert und unterwiesen werden.
Die Informationsbroschüren des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur geben einen
Überblick über einige wichtige Sicherheitsbestimmungen, die bei der Beförderung gefährlicher Güter zu
beachten sind.
4.
Hohes Gefahrenpotenzial
Was gilt für Gefahrgüter mit hohem Gefahrenpotenzial?
Gefährliche Güter mit hohem Gefahrenpotenzial sind solche, bei denen die Möglichkeit eines Missbrauchs
zu terroristischen Zwecken und damit die Gefahren schwerwiegender Folgen, wie Verlust zahlreicher
Menschenleben und massive Zerstörungen bestehen.
Die Liste der gefährlichen Güter mit hohem Gefahrenpotenzial ist im Abschnitt 1.10.3.1.2 ADR enthalten.
Dazu gehören beispielsweise alle zur Beförderung zugelassenen ansteckungsgefährlichen Stoffe der
Kategorie A, alle giftigen Stoffe der Verpackungsgruppe I, alle explosiven Stoffe und Gegenstände mit
Explosivstoff der Unterklassen 1.1, 1.2 und 1.5, ätzende Stoffe der Verpackungsgruppe I in Tanks in einer
Menge größer als 3.000 Liter, entzündbare flüssige Stoffe der Verpackungsgruppen I und II in Tanks in einer
Menge größer als 3.000 Liter.

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5.
Sicherungspläne
Die an der Beförderung gefährlicher Güter mit hohem Gefährdungspotenzial beteiligten Beförderer und
Absender sowie andere Beteiligte gemäß den Abschnitten 1.4.2 und 1.4.3 ADR und § 27 Abs. 3 GGVSEB
müssen Sicherungspläne einführen und anwenden.
Jeder Sicherungsplan muss mindestens folgende Elemente nach Absatz 1.10.3.2.2 ADR beinhalten:
Zuweisung der Verantwortlichkeiten im Bereich der Sicherung nur an Personen
mit ausreichender Kompetenz und Qualifikation
Verzeichnis der gefährlichen Güter mit hohem Gefahrenpotenzial
Bewertung der üblichen Transportvorgänge und der sich daraus ergebenden Sicherungsrisiken,
einschließlich der transportbedingten Aufenthalte
Maßnahmen zur Verringerung der Sicherungsrisiken einschließlich Unterweisung, Sicherungspolitik
(Maßnahmen bei erhöhter Bedrohung), Betriebsverfahren (z. B. Zugang zu gefährlichen Gütern während
der Zwischenlagerung), zur Verringerung der Sicherungsrisiken zu verwendende Ausrüstungen
Meldeverfahren für Bedrohungen und Zwischenfälle
Verfahren zur Bewertung, Erprobung, Überprüfung und Aktualisierung der Sicherungspläne
Informationsschutz
Generell kann bei den zu treffenden Maßnahmen und insbesondere kann im Zusammenhang mit den
Sicherungsplänen
auf
das
vorhandene
Sicherheitsmanagement
(hinsichtlich
Werkschutz,
Informationsschutz, Brand- und Katastrophenschutz, Umwelt-, und Störfallrecht, Infektionsschutz-,
Strahlenschutz- und Sprengstoffrecht usw.) zurückgegriffen werden, welches ggf. in Bezug auf die
Sicherungsvorschriften im Gefahrgutrecht zu ergänzen ist.
Zu verwenden sind jederzeit funktionsfähige Vorrichtungen, Ausrüstungen oder Verfahren zum Schutz
gegen Diebstahl der Fahrzeuge bzw. deren Ladung. Die Anwendung dieser Schutzmaßnahmen darf aber
die Reaktion auf Notfälle nicht gefährden!
Der Schutz der Ladung und des Fahrzeugs kann nicht nur durch technische Vorrichtungen und
Ausrüstungen (Wegfahrsperren, Schlösser u. dgl.) gewährleistet werden, sondern auch durch
organisatorische Maßnahmen wie konkrete Arbeits- und Verhaltensanweisungen, Routenvorgabe und
-überwachung. Sofern dies geeignet ist und die notwendigen Ausrüstungen bereits vorhanden sind,
sollten Telemetriesysteme oder andere Methoden oder Vorrichtungen, die eine Transportverfolgung von
gefährlichen Gütern mit hohem Gefahrenpotenzial ermöglichen, eingesetzt werden.
6.
Gefährliche Güter mit hohem Gefahrenpotenzial
Kapitel 1.10 ADR: Vorschriften für die Sicherung
Abschnitt 1.10.3 ADR: Vorschriften für gefährliche Güter mit hohem Gefahrenpotenzial
Gefährliche Güter mit hohem Gefahrenpotenzial sind solche, bei denen die Möglichkeit eines Missbrauchs zu
terroristischen Zwecken und damit die Gefahr schwerwiegender Folgen, wie Verlust zahlreicher
Menschenleben und massive Zerstörungen, besteht.
Die Liste der gefährlichen Güter mit hohem Gefahrenpotenzial ist in Tabelle 1.10.3.1.2 ADR enthalten. Die
in der nachstehenden Tabelle aufgeführten gefährlichen Güter sind, sofern sie in Mengen befördert
werden, welche die in der Tabelle angegebenen Mengen überschreiten, gefährliche Güter mit hohem
Gefahrenpotenzial.

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Klasse
Unter-
klasse
Stoff oder Gegenstand
Menge
Tank (Liter)
lose Schüttung
(kg)
Versandstück
(kg)
1
1.1
explosive Stoffe und Gegenstände mit
Explosivstoff
a)
a)
0
1.2
explosive Stoffe und Gegenstände mit
Explosivstoff
a)
a)
0
1.3
explosive Stoffe und Gegenstände
mit Explosivstoff der
Verträglichkeitsgruppe C
a)
a)
0
1.5
explosive Stoffe und Gegenstände mit
Explosivstoff
a)
a)
0
2
entzündbare Gase (Klassifizierungscodes,
die nur den Buchstaben F enthalten)
3.000
a)
b)
giftige Gase (Klassifizierungscodes, die
den/die Buchstaben T, TF, TC, TO, TFC
oder TOC enthalten) mit Ausnahme von
Druckgaspackungen
0
a)
0
3
entzündbare flüssige Stoffe der Verpackungs-
gruppen I und II
3.000
a)
b)
desensibilisierte explosive flüssige Stoffe
0
a)
0
4.1
desensibilisierte explosive Stoffe
a)
a)
0
4.2
Stoffe der Verpackungsgruppe I
3.000
a)
b)
4.3
Stoffe der Verpackungsgruppe I
3.000
a)
b)
5.1
entzündend (oxidierend) wirkende flüssige
Stoffe der Verpackungsgruppe I
3.000
a)
b)
Perchlorate, Ammoniumnitrat und
ammoniumnitrathaltige Düngemittel
3.000
3.000
b)
6.1
giftige Stoffe der Verpackungsgruppe I
0
a)
0
6.2
ansteckungsgefährliche Stoffe der
Kategorie A
a)
0
0
7
radioaktive Stoffe
3000 A1 (in besonderer Form) bzw. 3000
A2 in Typ B- oder Typ C- Versandstücken
8
ätzende Stoffe der Verpackungsgruppe I
3.000
a)
b)

8
Bei der zuständigen Arbeitsschutzbehörde im Freistaat Sachsen erhalten Sie weitere Auskünfte:
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
Wilhelm-Buck-Straße 2, 01097 Dresden
Tel.: 0351 564-0
Fax: 0351 451008 8576
E-Mail: poststelle@smwa.sachsen.de
Internet:
http://www.arbeitsschutz.sachsen.de
|
http://www.smwa.sachsen.de
Landesdirektion Sachsen – Abteilung 5 Arbeitsschutz
Postanschrift:
09105 Chemnitz
Besucheranschriften:
Dienststelle Dresden
Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden
Tel.: 0351 825-5001
Fax: 0351 825-9700
E-Mail:
post.asd@lds.sachsen.de
Internet:
http://www.lds.sachsen.de
Dienststelle Bautzen
Käthe-Kollwitz-Straße 17/ Haus 3, 02625 Bautzen
Telefon: 03591 273-400
Telefax: 03591 273-460
Unterabteilung 5, Arbeitsschutz Chemnitz
Reichsstraße 39, 09112 Chemnitz
Tel.: 0371 3685-0
Fax: 0371 3685-100
E-Mail: post.asc@lds.sachsen.de
Dienststelle Zwickau
Lothar-Streit-Straße 24, 08056 Zwickau
Telefon: 0375 39032-0
Telefax: 0375 39032-20
Unterabteilung 5, Arbeitsschutz Leipzig
Braustraße 2, 04107 Leipzig
Tel.: 0341 977-5001
Fax: 0341 977-1199
E-Mail: post.asl@lds.sachsen.de
Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
in Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Verbraucherschutz Sachsen-Anhalt
und der Landesdirektion Sachsen
Redaktionsschluss:
Dezember 2014