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Jahresbericht 2011
STAATSMINISTERIUM
FÜR SOZIALES UND
VERBRAUCHERSCHUTZ
der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits-
und Veterinärwesen (LUA)

 
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Inhaltsverzeichnis
Sachberichte über wichtige Ereignisse, Untersuchungsschwerpunkte
und Untersuchungsergebnisse
Vorwort .............................................................................................................................................................................................................................................................................................. 5
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und umweltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
Übersicht über das Leistungsspektrum ................................................................................................................................................................................................................................6
EHEC O104 in Sachsen – Rückblick auf den Ausbruch ..................................................................................................................................................................................................7
Multiresistente gramnegative Erreger in der Humanmedizin - ein zunehmendes Problem .......................................................................................................................... 9
Diagnostik von Darminfektionen - nicht nur EHEC waren 2011 von Bedeutung ............................................................................................................................................. 11
Virologische und molekularbiologische Untersuchungstätigkeit in der Humanmedizin ..............................................................................................................................13
Schwerpunkte der serologischen Diagnostik ...................................................................................................................................................................................................................14
Novellierte Trinkwasserverordnung seit 1. November 2011 in Kraft ......................................................................................................................................................................15
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen, Kurorthygiene ..................................................................................................................................................16
Infektionsepidemiologische Erfassung, Berichts- und Beratungstätigkeit .........................................................................................................................................................18
Umweltmedizinische und umwelthygienische Untersuchungs- und Beratungstätigkeit.............................................................................................................................20
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen
Amtliche Futtermittelüberwachung
Übersicht über das Leistungsspektrum ..............................................................................................................................................................................................................................23
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittelhygiene ..................................................................................................................................................................................................24
Getreide/ Getreideerzeugnisse/ Süßwaren/ Tee/ Kaffee/ Kakao/ Fette/ Öle/ Feinkosterzeugnisse/Speiseeis ..........................................................................................27
Obst/ Obsterzeugnisse/ Gemüse/ Gemüseerzeugnisse/ Gewürze/ Fertiggerichte .............................................................................................................................................32
Getränke ..........................................................................................................................................................................................................................................................................................35
Nahrungsergänzungsmittel / Diätetische Lebensmittel ..............................................................................................................................................................................................37
Kosmetische Mittel .....................................................................................................................................................................................................................................................................40
Bedarfsgegenstände ...................................................................................................................................................................................................................................................................42
Pestizide / Dioxine .......................................................................................................................................................................................................................................................................43
Pharmakologisch wirksame Stoffe .......................................................................................................................................................................................................................................47
Amtliche Außendienstaufgaben ............................................................................................................................................................................................................................................48
Veterinärmediznische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
Übersicht über das Leistungsspektrum ..............................................................................................................................................................................................................................51
Pathologische Diagnostik .........................................................................................................................................................................................................................................................51
Parasitologische Diagnostik ....................................................................................................................................................................................................................................................56
Spezielle Bakteriologie und Mykologie ...............................................................................................................................................................................................................................57
Milchhygienische Untersuchungen/ Mastitisdiagnostik .............................................................................................................................................................................................59
Serologie/ Virologie/ diagnostische Molekularbiologie ................................................................................................................................................................................................61
Elektronenmikroskopie in der Komplexdiagnostik als Anstoß für gezielte weiterführende Diagnostik ..................................................................................................65
Projekte des Fachgebietes Veterinärmedizinische Informatik, Epidemiologie und Berichtswesen ............................................................................................................66
Verwaltung, Organisation und Qualitätsmanagement
Die Aufgaben der Verwaltung im Rückblick auf 20 Jahre LUA .................................................................................................................................................................................67
Überarbeitung der LUA-Benutzungsgebührenverordnung ........................................................................................................................................................................................68
Qualitätsmanagement-Akkreditierung ...............................................................................................................................................................................................................................69
Öffentlichkeitsarbeit ...................................................................................................................................................................................................................................................................69
Abkürzungsverzeichnis ..............................................................................................................................................................................................................................................................70
Tabellarische Darstellung der Untersuchungsleistungen und
Öffentlichkeitsarbeit
(nur als pdf-Dokument - siehe Homepage:
www.lua.sachsen.de
> Publikationen > Jahresberichte
)
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und umweltbezogene Diagnostik und Beratungstätigkeit
1.1: Klinische Mikrobiologie (Bakteriologie, Mykologie) - Einsendungen im Jahr 2011 ................................................................................................................................1

2 │
1.2: Klinische Mikrobiologie (Bakteriologie, Mykologie) - Untersuchungen im Jahr 2011 ........................................................................................................................... 1
1.3: Erregerspektrum der Blutkulturen im Jahr 2011 ................................................................................................................................................................................................... 2
1.4: Gezielte Anforderungen zum Nachweis von MRSA und ESBL im Jahr 2011 ............................................................................................................................................2
1.5: Untersuchte Humanproben mit Nachweis von MRSA / caMRSA und ESBL im Jahr 2011 ..................................................................................................................3
1.6: Mykobakteriologie - Einsendungen humanmedizinischer Materialien im Jahr 2011 ...........................................................................................................................3
1.7: Mykobakteriologie - durchgeführte Untersuchungen im Jahr 2011 ............................................................................................................................................................ 3
1.8: Erregerspektrum der angezüchteten Mykobakterien im Jahr 2011 ..............................................................................................................................................................3
1.9: Untersuchungen auf darmpathogene Erreger (Bakterien / Viren / Parasiten) im Jahr 2011 ..............................................................................................................4
1.10: Spektrum der nachgewiesenen darmpathogenen Erreger im Jahr 2011 .................................................................................................................................................... 4
1.11: Spektrum der nachgewiesenen Salmonellen-Serovare im Jahr 2011 .......................................................................................................................................................... 5
1.12: Spektrum der nachgewiesenen Shigella-Arten im Jahr 2011 .......................................................................................................................................................................... 5
1.13: Spektrum der nachgewiesenen Campylobacter-Arten im Jahr 2011 ...........................................................................................................................................................6
1.14: Spektrum der nachgewiesenen Serotypen von intestinalen E. coli (außer EHEC) im Jahr 2011 ....................................................................................................... 6
1.15: Spektrum der nachgewiesenen EHEC-Serovare im Jahr 2011 ........................................................................................................................................................................7
1.16: Spektrum der nachgewiesenen Serogruppen von Yersinia enterocolitica im Jahr 2011 .....................................................................................................................8
1.17: Nachweis von darmpathogenen Viren im Jahr 2011 ..........................................................................................................................................................................................8
1.18: Klinische Parasitologie - Einsendungen im Jahr 2011 ........................................................................................................................................................................................8
1.19: Ergebnisse der helminthologischen Untersuchungen im Jahr 2011 ............................................................................................................................................................ 8
1.20: Ergebnisse der protozoologischen Untersuchungen im Jahr 2011 ...............................................................................................................................................................9
1.21: Entomologie und Schädlingskunde - Untersuchungsumfang und Artenspektrum im Jahr 2011 ...................................................................................................9
1.22: Virusanzucht / Virustypisierung und Neutralisationsteste im Jahr 2011 ...................................................................................................................................................9
1.23: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Virus-Antikörper und -Antigene im Jahr 2011............................................................................................10
1.24: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Bakterien-Antikörper und -Antigene im Jahr 2011................................................................................... 11
1.25: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Parasiten-Antikörper und -Antigene im Jahr 2011 ................................................................................... 11
1.26: Serologisch-immunologische Untersuchungen auf Pilz-Antikörper und -Antigene im Jahr 2011 ...............................................................................................12
1.27: Nukleinsäurenachweise mit PCR im Jahr 2011 ...................................................................................................................................................................................................12
1.28: Untersuchungen von zentralen Trinkwasserversorgungsanlagen (ZWVA) im Jahr 2011 ...................................................................................................................13
1.29: Beanstandungen bei zentralen Wasserversorgungsanlagen (ZWVA) im Jahr 2011 .............................................................................................................................13
1.30: Untersuchungen von EU-Badegewässerproben im Jahr 2011 ......................................................................................................................................................................14
1.31: Einstufung der mikrobiologischen Qualität der EU-Badegewässer in Sachsen in der Badesaison 2011 durch die Europäische Kommission ...........14
1.32: Pollenmessstation LUA Sachsen, Standort Chemnitz - Dekadenmittel der Pollenbelastung der Luft von 5 Pfl anzenarten für die
Pollenvorhersage im Vergleich der Jahre 2009, 2010 und 2011 ...................................................................................................................................................................15
1.33: Ausgewählte hygienische Untersuchungen im Jahr 2011 ..............................................................................................................................................................................16
1.34: Erfasste Infektionskrankheiten im Freistaat Sachsen - Jahresvergleich 2011 (Datenstand: 01.03.2012) zu 2010 ..................................................................16
1.35: Influenza-Sentinel 2010/2011 - Aufschlüsselung der Probeneinsendungen und der positiven Infl uenzavirus-Genomnachweise nach
territorialen Gesichtspunkten .....................................................................................................................................................................................................................................18
1.36: Influenza-Sentinel 2010/2011 - Probeneinsender, Probenzahl, positive Proben und Positivrate nach PCR-Diagnostik ......................................................18
1.37: Influenza-Sentinel 2010/2011 - Probeneinsendungen, Influenzavirusnachweise (mittels PCR) und Positivraten .................................................................19
Amtliche Lebensmitteluntersuchung
2.1: Übersicht über Probeneingänge und Beanstandungen ...................................................................................................................................................................................21
2.2: Untersuchung amtlicher Lebensmittelproben 2011 ..........................................................................................................................................................................................23
2.3: Untersuchung von Erzeugnissen, die dem Weinrecht unterliegen .............................................................................................................................................................26
2.4: Untersuchung von Tabakerzeugnissen ...................................................................................................................................................................................................................26
2.5: Untersuchung amtlicher Bedarfsgegenständeproben .....................................................................................................................................................................................26
2.6: Untersuchung kosmetischer Mittel ..........................................................................................................................................................................................................................26
2.7: Untersuchung ausgewählter Warengruppen aufgeschlüsselt nach Produktgruppen ........................................................................................................................27
2.8.1:
Bestimmung von Fettsäuregehalten........................................................................................................................................................................................................................29
2.8.2: Transfettsäure-Gehalte in sächsischen Produkten ............................................................................................................................................................................................29
2.9: Zusatzstoffuntersuchungen in Lebensmitteln und Kosmetika 2011 ..........................................................................................................................................................30
2.10: Beispiele aus der Untersuchung kosmetischer Mittel – Vitamine .............................................................................................................................................................30
2.11: Beispiele aus der Untersuchung kosmetischer Mittel – PAK in schwarzen Tattoofarben .................................................................................................................31
2.12: Elementanalytik 2011: Anzahl der Proben und Beanstandungen ................................................................................................................................................................31
2.13.1: Untersuchungen auf Dioxine und dioxinähnliche polychlorierte Biphenyle (incl. Proben NRKP) ..............................................................................................32
2.13.2: Mykotoxine, ausgewählte Untersuchungsergebnisse ...................................................................................................................................................................................33
2.14: Untersuchungen von Lebensmitteln auf Bestandteile aus gentechnisch veränderten Pfl anzen (GVP) im Jahr 2011 ...........................................................34
2.15: Untersuchungen auf Allergene ..................................................................................................................................................................................................................................34
2.16: Pflanzenschutzmittel-Rückstandssituation in Lebensmitteln pfl anzlichen und tierischen Ursprungs .......................................................................................35
2.17: Beanstandete Proben aufgrund von unzulässigen Pfl anzenschutzmittel-Gehalten ...........................................................................................................................36
2.18: Untersuchung auf ausgewählte organische Schadstoffe ...............................................................................................................................................................................37
2.19: Untersuchung von Lebensmitteln auf PAK ...........................................................................................................................................................................................................37

│3
2.20.1: NRKP - Anzahl der Untersuchungen in den einzelnen Stoffgruppen (nach RL 96/23/EG) für verschiedene Tierarten nach Probenahme
von tierischen Erzeugnissen oder an Tieren im Erzeugerbetrieb ..............................................................................................................................................................38
2.20.2: Proben aus der amtlichen Lebensmittelüberwachung .................................................................................................................................................................................39
2.20.3: Zusammenstellung von positiven Proben (MRL-Überschreitungen oder Nachweis verbotenen bzw. nicht zugelassener Stoffe) ..............................39
2.20.4: Zusammenstellung von Proben mit Rückständen pharmakologisch wirksamer Stoffe, deren Konzentrationen die zulässigen
Höchstwerte bzw. den MRPL nicht überschreiten ..........................................................................................................................................................................................40
2.21: NRKP - Anzahl der Untersuchungen in den einzelnen Stoffgruppen (nach RL 96/23/EG) für verschiedene Tierarten nach Probenahme an
Tieren im Schlachtbetrieb .............................................................................................................................................................................................................................................40
2.22: Bakteriologische Fleischuntersuchung und biologischer Hemmstofftest 2011 .....................................................................................................................................41
2.23: Salmonellenfunde aus der bakteriologischen Fleischuntersuchung ..........................................................................................................................................................41
2.24: Salmonellenfunde und nachgewiesene Serovare in Lebensmitteln 2011 ................................................................................................................................................41
2.25: Nachweise von Listeria monocytogenes in Lebensmitteln 2011 ..................................................................................................................................................................42
2.26: Nachweise von Campylobacter in Lebensmitteln 2011 ....................................................................................................................................................................................42
2.27: Nationaler Rückstandskontrollplan – Biologischer Hemmstofftest 2011 ................................................................................................................................................42
2.28: Chemische Untersuchungen tierischer Lebensmittel 2011 ............................................................................................................................................................................43
2.29: Lose Wasserproben 2011 (WC 59) .............................................................................................................................................................................................................................43
2.30: Untersuchung von Lebensmitteln auf Aromastoffe .........................................................................................................................................................................................44
Veterinärmediznische Tierseuchen- und Krankheitsdiagnostik
3.1: Sektionen ...........................................................................................................................................................................................................................................................................45
3.2: Untersuchungen zur Überwachung und Nachweis von ausgewählten anzeigepflichtigen Tierseuchen ...................................................................................46
3.3: Untersuchungen zur Überwachung und Nachweis von ausgewählten meldepfl ichtigen Tierkrankheiten ...............................................................................46
3.4: Tollwutuntersuchungen - Tierarten .........................................................................................................................................................................................................................47
3.5: Tollwutuntersuchungen und Nachweise - Trend ...............................................................................................................................................................................................47
3.6: Tollwut - Kontrolluntersuchungen von Füchsen ................................................................................................................................................................................................48
3.7: TSE Untersuchungen ......................................................................................................................................................................................................................................................48
3.8: TSE Untersuchungen - Trend ......................................................................................................................................................................................................................................48
3.9: Parasitologie - Proben und Untersuchungen ......................................................................................................................................................................................................49
3.10: Parasitologie - Untersuchungen und Ergebnisse ...............................................................................................................................................................................................49
3.11: Parasitologie - ausgewählte Erregernachweise ..................................................................................................................................................................................................51
3.12: Parasitologie der Fische - Untersuchungen und Ergebnisse .........................................................................................................................................................................52
3.13: Bakteriologie, Mykologie - Probenarten, Anzahl und Untersuchungen ...................................................................................................................................................53
3.14: Untersuchungen auf Salmonellen ............................................................................................................................................................................................................................53
3.15: Ausgewählte Ergebnisse der Salmonellentypisierung ausgewählter Tierarten ......................................................................................................................................54
3.16: Untersuchungen auf Campylobacter spp. aus Kot- und Organproben .....................................................................................................................................................54
3.17: Andrologische und gynäkologische Proben .........................................................................................................................................................................................................55
3.18: Mastitisdiagnostik - Proben und Untersuchungen nach Kategorien ........................................................................................................................................................55
3.19: Mastitisdiagnostik - Erregernachweise ..................................................................................................................................................................................................................56
3.20: Serologische Untersuchungen und Ergebnisse ...................................................................................................................................................................................................57
3.21: Virusnachweise - Anzüchtungen ..............................................................................................................................................................................................................................58
3.22: Sonstige Antigen Nachweise (ELISA/ Immunfl uoreszenztest/ Hämagglutination) ..............................................................................................................................59
3.23: Molekularbiologie ............................................................................................................................................................................................................................................................59
3.24: BVDV - Untersuchungen und Ergebnisse - Trend ..............................................................................................................................................................................................61
3.25: Blauzungenkrankheit - Untersuchungen und Ergebnisse ..............................................................................................................................................................................62
3.26: Aviäre Infl uenza - Untersuchungen und Ergebnisse ........................................................................................................................................................................................62
3.27:
Untersuchungen auf Paratuberkulose (Stand: 19.03.2012) ...........................................................................................................................................................................62
3.28: Elektronenmikroskopie - Virusnachweise ..............................................................................................................................................................................................................62
Öffentlichkeitsarbeit
Publikationen.................................................................................................................................................................................................................................................................................65
Lehrtätigkeit ...................................................................................................................................................................................................................................................................................66
Vorträge ...........................................................................................................................................................................................................................................................................................67
Sonstige Öffentlichkeitsarbeit ................................................................................................................................................................................................................................................72
Praktikantenbetreuung..............................................................................................................................................................................................................................................................72
Mitarbeit in zentralen Gremien, Ausschüssen, Arbeitsgruppen ...............................................................................................................................................................................73
Teilnahme an Betriebskontrollen, Durchführung von Inspektionen, Begehungen vor Ort ...........................................................................................................................75

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│5
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit diesem Heft legt die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen
Sachsen (LUA) den Jahresbericht für das Jahr 2011 vor.
Anhand von ausgewählten Schwerpunkten wird über Untersuchungs- und Leistungsbereiche
der LUA in der Humanmedizin, Lebensmitteluntersuchung und Veterinärmedizin berichtet.
Die Daten zum kompletten Leistungsspektrum einschließlich der Untersuchungsergebnisse sind
in der Internetpräsentation
(http://www.lua.sachsen.de)
vorzugsweise der bewährten Tabellen-
darstellung zu entnehmen.
Auch das Jahr 2011 bot reichlich Herausforderungen insbesondere für die Diagnostikstrecken
wo Kompetenz, Flexibilität und Leistungsvermögen der LUA wiederum erfolgreich unter Beweis
gestellt wurden.
Zu nennen sind hier die über Nacht erforderlichen Untersuchungen im Rahmen des EHEC-
Geschehens sowohl in der Humandiagnostik als auch der amtlichen Lebensmitteluntersuchung
(Gurke, Tomate u. Co).
1.018 zusätzliche Stuhlproben waren mittels verschiedener z. T. neuer Methoden auf EHEC zu
untersuchen, desgleichen ca. 600 Lebensmittelproben (entspricht 3-facher Anzahl des Jahres
2010). Dabei gehörte Sachsen zu den Bundesländern mit geringer Erkrankungshäufi gkeit.
Auch das EuGH-Urteil vom November 2011 zu Pollen gentechnisch veränderter Pfl anzen in
Honig erforderte ad hoc 31 relativ komplizierte ungeplante Honiguntersuchungen.
Die amtliche Lebensmitteluntersuchung von insgesamt ca. 24.400 Proben erbrachte in der Be-
urteilung eine Beanstandungsquote von 12,3 %, die damit etwas höher als im Vorjahr liegt.
Strukturell wurde durch die Integration der amtlichen Futtermittelüberwachung eine bessere
Verzahnung mit der amtlichen Lebensmitteluntersuchung erreicht.
Im Bereich der Tierseuchendiagnostik war die LUA im letzten Jahr bei der Abklärung von Verlus-
ten in Gefl ügelbeständen gefordert, so z. B. hinsichtlich des Ausschlusses von Aviärer Infl uenza
(Gefl ügelpest, Vogelgrippe). Letztlich wurde diese doch als niedrig pathogene Form in Proben
aus 9 Beständen diagnostiziert.
Die LUA defi niert sich als wichtiger Bestandteil des präventiven Verbraucher- und Infektions-
schutzes. Überwachende Untersuchungen von Personengruppen, Nutztierbeständen und Le-
bensmitteln belegen auch 2011 anhand der LUA-Ergebnisse die Unbedenklichkeit, Lebensmit-
telsicherheit und den bestehenden Impfschutz in der Bevölkerung.
Im Sinne des Gemeinwohles sind somit negative LUA-Ergebnisse und fehlende Beanstandun-
gen – gute Ergebnisse.
Den Mitarbeitern der LUA sowie den Behörden des öffentlichen Gesundheitsdienstes sei für das
Engagement und die gute Zusammenarbeit gedankt.
Im Namen aller, bei der Erstellung dieses Berichtes Beteiligten, wünsche ich Ihnen eine inter-
essante Lektüre.
Dr. Gerlinde Schneider
Präsidentin m. d. W. b.
Vorwort
Dr. Gerlinde Schneider, Präsidentin m. d. W. b.

 
6 │
In der
Abteilung Medizinische Mikrobio-
logie
wurde vorwiegend im Auftrag der
Gesundheitsämter des Freistaates Sachsen
die mikrobiologische Labordiagnostik auf
bakterielle, virale, parasitäre und/oder Pilz-
Infektionserreger aus menschlichen Unter-
suchungsmaterialien sowie aus Trink- und
Badewasserproben durchgeführt. Die Was-
serproben wurden darüber hinaus festgeleg-
ten chemischen Analysen unterworfen. Auf-
grund des Vorhandenseins eines modernen
Labors der Schutzstufe 3 konnte auch mit
Krankheitserregern, die ein erhöhtes Gefähr-
dungspotenzial besitzen, also mit Keimen der
Risikogruppe 3, gearbeitet werden.
Schwerpunktmäßig wurden somit folgende
Untersuchungsaufgaben wahrgenommen:
Diagnostik zum Nachweis und zur Abklä-
rung von (Infektions-)Erregern
beim Auftreten bevölkerungsmedizi-
nisch relevanter übertragbarer Krank-
heiten (z. B. bei Häufungen, Ausbrü-
chen, in Gemeinschaftseinrichtungen
etc.)
nosokomialer Infektionen sowie mit
speziellen und Multi-Resistenzen (z. B.
MRSA, VRE, ESBL-Bildner, Carbapene-
mase-Bildner)
sexuell übertragbarer Infektionen (STI)
mit bevölkerungsmedizinischer Rele-
vanz bei Asylbewerbern
im Rahmen von Sentinels (z. B. Infl uen-
za-Sentinel, Enterovirus-Surveillance)
mit bevölkerungsmedizinischer Rele-
vanz bei derem neuen Auftreten oder
bei deren schneller Verbreitung (emer-
ging infectious diseases)
mit erhöhtem Gefährdungspotenzial
(z. B. Erreger der Risikogruppe 3 wie
Mycobacterium tuberculosis
)
Diagnostik von Schädlingen (z. B. stechen-
de Arthropoden wie Läuse, Flöhe)
Kontrolle von Trinkwasser aus zentralen
Wasserversorgungsanlagen hinsichtlich
bakteriologischer und chemischer Indika-
torparameter
Kontrolle von EU-Badegewässern und
„wilden Badestellen“ hinsichtlich bakte-
riologischer Indikatorparameter, ggf. ein-
schließlich Blaualgen.
Auch die Beiträge im Textteil stellen nur ei-
men, die neben der Labordiagnostik geleistet
wurden, bilden einen weiteren Aufgaben-
Schwerpunkt in der Abteilung Medizinische
Mikrobiologie.
Arbeitsgebiete der
Abteilung Hygiene und
Umweltmedizin, Infektionsepidemiologie,
Gesundheitsberichterstattung
sind umwelt-
bedingte Erkrankungen, Kommunalhygiene,
Badegewässerhygiene, Hygiene von Gesund-
heits- und Gemeinschaftseinrichtungen, Kur-
orthygiene sowie Infektionsepidemiologie
einschließlich Gesundheitsberichterstattung.
Die Tätigkeit der in den Bereichen
Umwelt-
medizin, Kommunalhygiene, Hygiene der
Gesundheitseinrichtungen, Hygiene der
Gemeinschaftseinrichtungen und Kurort-
hygiene
arbeitenden Fachgebiete war im Jahr
2011 auf folgende Schwerpunkte ausgerich-
tet:
Stellungnahmen zu umwelthygienischen
Problemen
Umweltmedizinische Expositions- und
Gefährdungsabschätzung, Immissions-
probleme
Gesundheitsverträglichkeitsprüfungen im
Rahmen von Planungs- und Genehmi-
gungsverfahren
Umsetzung der Sächsischen Badegewäs-
ser-Verordnung, Erstellung von Bade-
gewässerprofi len, Berichterstattung zu
Trinkwasser und Badegewässern gemäß
EU-Richtlinien und Weiterleitung über das
Umweltbundesamt und das Bundesminis-
terium für Gesundheit an die Kommission
der Europäischen Gemeinschaft
Untersuchungen, Stellungnahmen und
Beratungen zur Umsetzung hygienischer
Anforderungen in Gesundheits- und Ge-
meinschaftseinrichtungen
Länderübergreifende Mitarbeit an der Er-
arbeitung von Empfehlungen und Richtli-
nien zum Thema Hygiene
Beurteilung von Anträgen zur staatlichen
Anerkennung als Erholungsort aus hygie-
nischer Sicht
Pollenmessstelle in Kooperation mit der
Stiftung Deutscher Polleninformations-
dienst.
An die Fachgebiete herangetragen wurden
verschiedene hygienische Fragestellungen,
nige Haupttätigkeitsfelder vor, ohne dass sie
jedoch das gesamte Arbeitsspektrum abbilden
können.
Das Jahr 2011 war in der Abteilung Medizini-
sche Mikrobiologie durch die diagnostischen
und organisatorischen Herausforderungen
geprägt, die sich im Rahmen des Auftretens
von EHEC O104 ergaben. So war ein Vielfa-
ches der üblicherweise auf EHEC eingesand-
ten Probenmaterialien zu untersuchen und
die Diagnostik musste kontinuierlich den
neuesten Erkenntnissen bzgl. Erregereigen-
schaften angepasst werden (s. „EHEC O104
in Sachsen - Rückblick auf den Ausbruch“).
Selbstverständlich wurde auch vorsorglich
ein 24-Stunden-Labor-Rufbereitschaftsdienst
während der Dauer des 33. Evangelischen Kir-
chentages eingerichtet, der in der Zeit vom
01.06. bis 05.06.11 mit ca. 120.000 Teilneh-
mern in Dresden stattfand.
Ein weiteres Kern-Tätigkeitsfeld war im Be-
richtsjahr wiederum die Mitwirkung im 2010
ins Leben gerufenen sächsischen MRE-Netz-
werk (s. auch „Multiresistente gramnegative
Erreger in der Humanmedizin - ein zuneh-
mendes Problem“). Hierbei unterstützten
LUA-Mitarbeiter als Mitglieder bzw. Leiter die
AG Hygienemaßnahmen/Kommunikation und
die AG Surveillance und Antibiotika-Strategie
sowie die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG)
MRE. In diesem Zusammenhang wurden im
Auftrag der Gesundheitsämter 24 regionale
Fortbildungen abgehalten. Die AG Surveil-
lance und Antibiotika-Strategie führte u. a.
jeweils 1 Machbarkeitsstudie mit den mikro-
biologischen Laboratorien in Sachsen bzgl. Er-
fassung von Antibiotika-Resistenzdaten und
den sächsischen Krankenhäusern hinsichtlich
Erhebung des Antibiotika-Verbrauchs durch.
Durch ihre Untersuchungstätigkeit unter-
stützt die Abteilung Medizinische Mikrobio-
logie die Gesundheitsämter des Freistaates
Sachsen in ihrer Aufgabe, die im Infektions-
schutzgesetz verankerte und im öffentlichen
Interesse liegende Verhütung und Bekämp-
fung von Infektionskrankheiten umzusetzen.
Aber auch intensive Beratungs-, Vortrags-,
Fortbildungs- und Schulungstätigkeit sowie
die Erstellung verschiedenster Informations-
materialien, Empfehlungen und Stellungnah-
Humanmedizinische infektions-, hygiene- und
umweltbezogene Diagnostik und Beratungs-
tätigkeit
Übersicht über das Leistungsspektrum

 
│7
die oft engen Zusammenhang mit mikrobio-
logischen Problemen aufwiesen. Auch An-
fragen zur Bau- und Siedlungshygiene und
Bauprojekte zu verschiedenartigen Gemein-
schaftseinrichtungen waren zu bearbeiten.
Auf der Grundlage des Gesetzes über den
Öffentlichen Gesundheitsdienst im Freistaat
Sachsen war wie in den vergangenen Jahren
auch im Jahre 2011 eine ausgedehnte Bera-
tungs- und Untersuchungstätigkeit zu ver-
zeichnen.
Zusammenfassung der Meldedaten zu Infek-
tionskrankheiten aus den regionalen säch-
sischen Gesundheitsämtern, Überprüfung,
Bewertung und Weiterleitung dieser Daten
und von in Sachsen erhobenen Daten zum
Impfstatus von Kindern in Kindertagesstätten
und Schulen an das Robert Koch-Institut sind
Aufgaben des Fachgebietes „
Infektionsepi-
demiologie, Gesundheitsberichterstattung,
humanmedizinische Informationssysteme“
.
Auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand
gehaltene Empfehlungen zur Verhütung und
Bekämpfung bestimmter epidemiologisch be-
deutsamer übertragbarer Krankheiten (Herd-
bekämpfungsprogramme), die von beiden
humanmedizinischen Abteilungen der LUA
verfasst werden, und zu Schutzimpfungen
und anderen Maßnahmen der spezifi schen
Prophylaxe geben dem Sozialministerium,
Gesundheitsämtern, Krankenhäusern und
Ärzten vor Ort ein wichtiges Instrument bei
ihren Anstrengungen zur Prävention in die
Hand. Umfangreiche Beratungstätigkeit, ins-
besondere beim gehäuften Auftreten von In-
fektionskrankheiten und im Rahmen von Er-
krankungsausbrüchen, ist hiermit verbunden.
Krankheitsbezogene Analysen, epidemiolo-
gische Einschätzungen, Gesundheitsbericht-
erstattung sowie die Weitergabe wissen-
schaftlicher Informationen in Vorträgen und
Veröffentlichungen ergänzen die Tätigkeit
des Fachgebietes.
Die humanmedizinischen Abteilungen der
LUA übernehmen gemäß der Gemeinsamen
Verwaltungsvorschrift des SMS und des SMI
für eine Bereitschafts- und Reaktionsplanung
zur Bekämpfung außergewöhnlicher Gefah-
ren und Schadenslagen durch Bedrohungen
von Menschen mit Infektionserregern die
epidemiologische Schlüsselfunktion für den
Ansatz des Managements und der Kontrolle
auf dem Gebiet der Humanmedizin. Dazu ge-
hören die
Interpretierung der Untersuchungsergeb-
nisse und Erarbeitung entsprechender
Schlussfolgerungen
Erarbeitung von speziellen Maßnahmeplä-
nen zur Verhütung und Bekämpfung über-
tragbarer Krankheiten
wissenschaftliche Beratung der Krisen-
stäbe Infektionsschutz der Behörden des
öffentlichen Gesundheitsdienstes.
EHEC O104 in Sachsen – Rückblick auf den
Ausbruch
Epidemiologie in Deutschland
Im Frühsommer 2011 ereignete sich in Nord-
deutschland ein dramatischer Ausbruch von
Erkrankungsfällen des hämolytisch-urämi-
schen Syndroms (HUS) und blutigen Durch-
fällen. Laut Abschlussbericht des Robert
Koch-Instituts vom September 2011 erkrank-
ten zwischen dem 1. Mai und dem 4. Juli 2011
(„Ausbruchszeitraum“) insgesamt 3.842 Men-
schen nach Infektion durch enterohämorrha-
gische
Escherichia coli
(EHEC) des Serovars
O104:H4. Hiervon litten 2.987 Personen an
akuter Gastroenteritis mit blutigen Diarrhöen;
855 der Patienten entwickelten ein HUS. Dies
war somit der bisher größte EHEC-bedingte
Krankheitsausbruch in Deutschland. Was die
Anzahl der HUS-Fälle anbelangt, wurde eine
Häufung von diesem Ausmaß zuvor weltweit
noch nicht beschrieben.
Es erkrankten - im Gegensatz zu den norma-
lerweise registrierten Fällen von EHEC- bzw.
HUS-Erkrankungen, die vor allem in der Al-
tersgruppe der Kleinkinder auftreten - vor-
wiegend Erwachsene, insbesondere Frauen.
68 % der HUS-Patienten und 58 % der an
EHEC-Gastroenteritis Erkrankten waren weib-
lichen Geschlechts. Insgesamt 35 (4,1 %) der
HUS- und 18 (0,6 %) der EHEC-Patienten ver-
starben an den Folgen der Erkrankung.
Überwiegend betroffen waren die fünf nörd-
lichsten Bundesländer Hamburg, Schleswig-
Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern
und Niedersachsen. Nachdem durch eine
Vielzahl epidemiologischer Studien das In-
fektionsvehikel (Bockshornkleesamen aus
Ägypten, vertrieben durch einen Betrieb in
Niedersachsen) identifi ziert werden konn-
te und ein entsprechender Vertriebsstopp
vollzogen war, wurden deutschlandweit nur
noch vereinzelte Sekundärübertragungen
(v. a. über Haushaltskontakte, Laborinfektio-
nen oder Kontamination von Lebensmitteln
durch EHEC-Ausscheider) registriert. Derzeit
deutet nichts darauf hin, dass sich der Erreger
O104:H4, der bisher nicht beim Tier, nicht in
Lebensmitteln und nur selten beim Menschen
beschrieben worden war, nach Ende des Aus-
bruchs endemisch in Deutschland etabliert
hat.
Epidemiologie in Sachsen
Von allen 16 Bundesländern war Sachsen
mit am wenigsten vom EHEC/HUS-Ausbruch
betroffen. Mit nur drei übermittelten HUS-
Fällen bildete Sachsen das Schlusslicht in
dieser Ausbruchs-Meldekategorie. Diese drei
in der 21. bzw. 22. Kalenderwoche (KW) 2011
gemeldeten Erkrankungen betrafen Frauen
im Alter von 31, 34 bzw. 60 Jahren aus un-
terschiedlichen Land- und Stadtkreisen Sach-
sens (LK Bautzen, SK Chemnitz, SK Dresden),
die sich mutmaßlich in Norddeutschland (LK
Nordvorpommern bzw. LK Rügen) mit dem
Erreger infi ziert hatten, im Krankenhaus be-
handelt werden mussten, aber wieder voll-
ständig genesen sind.
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
1
6
11
16
21
26
31
36
41
46
51
Anzahl aller Infektionen
Meldewochen
davon O104
EHEC-Nachweise
5-Jahres-Mittelwert
Abb. 1: EHEC-Infektionen in Sachsen, 2011

image
8 │
Gerade während wie auch nach dem großen
Ausbruchsgeschehen galt dem Erreger EHEC
besondere Aufmerksamkeit, was sich auch in
einer deutlich höheren Untersuchungsfre-
quenz niederschlug. Abbildung 1 verdeutlicht
die Zunahme der EHEC-Nachweise in Sachsen
ab der 21. Kalenderwoche 2011.
Von den insgesamt im Jahr 2011 übermit-
telten 177 gastroenteritischen EHEC-Erkran-
kungen und 70 asymptomatischen Keim-
ausscheidern gehörten allerdings nur neun
Erkrankte und zwei Ausscheider mit Nachweis
des Serovars O104:H4 zum Ausbruch. Unter
den neun Erkrankten waren sieben Frauen,
auch die zwei Ausscheider waren weiblich.
Die jüngste Patientin war 16, die älteste 66
Jahre alt. Sieben der Patienten mussten hos-
pitalisiert werden. Auch diese Erkrankten -
aus verschiedenen Land- und Stadtkreisen
Sachsens - hatten sich nachweislich überwie-
gend im Norden Deutschlands infi ziert.
Untersuchung von menschlichen Proben
auf EHEC
Am 25.05.2011 wurde das Virulenzprofi l des
Ausbruchsstamms O104:H4 durch das Nati-
onale Referenzzentrum (NRZ) für Salmonel-
len u. a. bakterielle Enteritiserreger und das
Konsiliarlabor für HUS (Universität Münster,
Prof. Karch) näher charakterisiert: Shigatoxin
2 (
stx2
) positiv, Shigatoxin 1 (
stx1
) negativ,
Intimin (
eae
) negativ, Enterohämolysin (
hly
)
negativ. Es wurde auch ein für enteroaggre-
gative
E. coli
charakteristisches Virulenzplas-
mid nachgewiesen, das u. a. für einen zuvor
noch nie bei EHEC beschriebenen Adhäsions-
fi mbrientyp codiert. Der Ausbruchsstamm
wies darüber hinaus eine Resistenz gegen
Cephalosporine der 3. Generation auf (ESBL-
Extended Spectrum ß-Lactamase-Bildner).
Klinisch zeichnete sich der Stamm durch
eine im Vergleich zu O157 verlängerte Inku-
bationszeit (8 versus 3-4 Tage), jedoch eine
verkürzte Latenz zwischen dem Auftreten von
gastroenteritischen Symptomen und HUS
(durchschnittlich 5 versus 7 Tage) aus.
Die Diagnostik auf EHEC an der LUA umfasst
i. d. R. den Antigennachweis von Shigatoxin 1/
Shigatoxin 2 mittels ELISA (enzyme linked im-
munosorbent assay) sowie als Bestätigungs-
test eine Real-Time-PCR (Polymerase-Ketten-
Reaktion) auf die Shigatoxin 1-/Shigatoxin
2-Gene in einer Stuhlanreicherungskultur.
Zeigt letztere ein positives Ergebnis, wird
die Isolierung des Erregers aus der Anrei-
cherungsbouillon sowie seine weitere Diffe-
renzierung angestrebt. Nach Bekanntwerden
der besonderen Erregereigenschaften wurden
zusätzlich zum üblichen Untersuchungsab-
lauf alle in der PCR Shigatoxin 2-positiven
Bouillons zusätzlich auf ein Selektivmedium
zum Nachweis ESBL-bildender Bakterien auf-
gebracht (Abb. 2).
Das NRZ für Salmonellen u. a. bakteriel-
le Enteritiserreger am Robert Koch-Institut
publizierte mit zunehmender Kenntnis der
phäno- und genotypischen Eigenschaften
des Ausbruchsstammes fortwährend Hinwei-
se zur erreger-spezifi schen Labordiagnostik.
Im molekularbiologischen Laborbereich der
Humanmedizin konnte so zeitnah der PCR-
Nachweis des O-Gruppen-assoziierten Gens
(
wzx
O104
) sowie des H4-Flagellin-Gens (
fl iC
)
von EHEC O104 in der Routinediagnostik
etabliert werden. Diese konnten in der Folge
zusätzlich neben den Genen der Virulenzfak-
toren Shigatoxin 1 (
stx1
) und 2 (
stx2
) sowie
Intimin (
eae
) bestimmt werden.
An die LUA wurden in den 2 Ausbruchsmo-
naten, verglichen mit demselben Zeitraum
des Vorjahres, 1.018 zusätzliche Stuhlproben
zur Untersuchung auf EHEC eingesandt. In
diesem Zusammenhang wurden neben 828
zusätzlichen ELISAs auch ca. 350 zusätzliche
PCR-Untersuchungen auf Shigatoxin 1- und
Shigatoxin 2-Gen durchgeführt. Während
der Ausbruchsdauer verdreifachte sich somit
das auf EHEC-Untersuchungen eingegangene
durchschnittliche Probenaufkommen fast,
die Anzahl der durchgeführten PCR-Unter-
suchungen auf Shigatoxin 1- und Shigatoxin
2-Gene verachtfachte sich beinahe. Insge-
samt konnten im Untersuchungsgut der LUA
8 Nachweise von EHEC O104:H4 geführt wer-
den.
Doch auch nach Ende des Ausbruchs waren
weiterhin überdurchschnittlich viele Untersu-
chungsanforderungen auf EHEC zu verzeich-
nen. Insgesamt wurden im Berichtsjahr 5.876
Stuhlproben auf EHEC untersucht, im Ver-
gleich zu jährlich durchschnittlich ca. 2.700
Proben im Zeitraum 2000-2010. 2011 wurde
bei 8,2 % der Proben Shigatoxin-Gen in der
PCR nachgewiesen, in den Jahren 2000-2010
waren durchschnittlich 5,8 % der Proben
EHEC-positiv.
Der Anstieg der gemeldeten Erkrankungen an
EHEC in Sachsen um 136 % im Jahr 2011 ge-
genüber 2010 lässt sich am ehesten durch die
im Zuge des Ausbruchs häufi ger angestrebte
EHEC-Diagnostik bei gastrointestinalen Sym-
ptomen erklären.
Untersuchung von Lebensmitteln auf EHEC
Enterohämorrhagische
E. coli
gehören zu
den bedeutendsten Ursachen für lebensmit-
telassoziierte Erkrankungen des Menschen.
Dabei gelten Rohmilch, Rohmilchprodukte,
Rindfl eisch, Wildfl eisch und Hackfl eisch als
die besonders risikobehafteten Lebensmit-
tel. Vereinzelt erfolgten auch Nachweise in
pfl anzlichen Lebensmitteln.
Auch in der LUA Sachsen wurden Lebens-
mittel bereits in der Vergangenheit routine-
mäßig auf EHEC untersucht. Dabei handelte
es sich vor allem um Lebensmittel tierischer
Herkunft. Die Nachweisraten waren jedoch
immer gering (Tab. 1).
Durch den EHEC-Ausbruch im Frühsommer
des Jahres 2011 wurden das Untersuchungs-
spektrum und der -umfang schlagartig er-
weitert und dem jeweiligen Stand der Aufklä-
rung des Geschehens angepasst. Lebensmittel
pfl anzlicher Herkunft standen ab sofort im
Fokus der Untersuchungen. Insbesondere
handelte es sich dabei um Gurken und To-
maten, um erdnahes Obst und Gemüse von
sächsischen Erzeugern sowie um Sprossen
und Samen.
An der LUA Sachsen wurden allerdings auch
unabhängig vom Ausbruchsgeschehen Un-
tersuchungen auf EHEC im Rahmen von bun-
desweiten Überwachungsprogrammen (BÜP)
und im Rahmen des Zoonosemonitorings
durchgeführt. Bei den BÜP handelte es sich
zum einen um die Untersuchung von Soja-
und Mungobohnensprossen und zum ande-
ren um die Untersuchung von Schabefl eisch.
Aufgrund der Sachlage wurde das zuerst
genannte Programm im Juni vergangenen
Jahres dann auch auf andere Sprossen und
Samen erweitert. Im Ausbruchszeitraum wur-
de bei diesen Programmen die Probenahme
allerdings forciert.
In Sachsen wurde zur Klärung der Beteiligung
von Obst und Gemüse am Ausbruchsgesche-
hen auch ein landesweites Überwachungs-
programm (LÜP) initiiert. Dieses Programm
umfasste die Untersuchung von erdnah
gezüchtetem Obst und Gemüse sowie von
Bewässerungswasser von sächsischen Erzeu-
gern pfl anzlicher Lebensmittel.
Alle diese Maßnahmen führten dazu, dass
im Jahre 2011 an der LUA Sachsen deutlich
Abb. 2: Wachstum von EHEC O104:H4 auf ESBL-
Screening-Agar

 
│9
mehr Lebensmittel auf EHEC untersucht wur-
den als in den zurückliegenden Jahren. Auch
eine Probe Bockshornkleesamen aus Ägypten
war dabei. Aber weder im Samen selbst noch
in den daraus gezüchteten Sprossen konnten
EHEC nachgewiesen werden. Dies war auch
bei allen anderen Lebensmitteln pfl anzlicher
Herkunft der Fall (Tab. 1).
Bei den tierischen Lebensmitteln gelang der
Nachweis von EHEC in lediglich 3 Proben. Da-
bei handelte es sich im Jahre 2010 um eine
Probe Schabefl eisch und im Jahre 2011 um
zwei Proben Rindfl eisch (1x Rindergulasch
und 1x Rinderkugel).
Die EHEC-Nachweise in diesen Lebensmittel-
proben standen allerdings nicht im Zusam-
menhang mit dem Ausbruchsgeschehen. Bei
den isolierten Stämmen handelte es sich um
folgende Serovare:
Schabefl eisch
O18ab/23:H25 (stx2, e-hly
(Enterohämolysin) positiv)
Rindergulasch
O153:H25
(stx1, stx2, e-hly positiv)
Rinderkugel
O8:H19
(stx2, e-hly positiv)
Aufgrund der Bedeutung von EHEC als Ur-
sache lebensmittelassoziierter Erkrankungen
werden die Untersuchungen auch im Jahre
2012 sowohl im Rahmen von Überwachungs-
programmen als auch in der Routinediagnos-
tik weitergeführt.
Die während des Ausbruchszeitraums in der
LUA untersuchten 19 Bewässerungswasser-
Proben aus Gartenbau- und Landschaftsbe-
trieben waren EHEC-negativ.
Fazit
Sachsen war vom EHEC/HUS-Ausbruch nur
marginal betroffen. Erkrankungsraten, wie
sie in den nördlichen Bundesländern auftra-
ten, hätten sicherlich auch hier den personell
knapp besetzten öffentlichen Gesundheits-
dienst belastet und an seine Grenzen ge-
bracht.
In den ersten Wochen fanden tägliche Tele-
fonkonferenzen zwischen RKI und den Lan-
desstellen (SMS, LUA) statt, die ab Ende Juni
wieder im üblichen wöchentlichen Rhythmus
abgehalten wurden. Lageberichte des RKI,
ergänzt mit Informationen zur Situation in
Sachsen durch die LUA, wurden zunächst
täglich, später wöchentlich verfasst und wei-
tergeleitet.
Gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) müssen
eine Erkrankung vom behandelnden Arzt bzw.
ein Erregernachweis vom diagnostizierenden
Labor innerhalb von 24 Stunden an das zu-
ständige Gesundheitsamt gemeldet werden.
Dieses gibt die entsprechenden Daten nach
Überprüfung in eine elektronische Datenbank
ein. Spätestens bis zum dritten Arbeitstag der
folgenden Woche wird die Information an
die jeweilige Landesbehörde (in Sachsen die
LUA) elektronisch übermittelt und von dort
innerhalb einer weiteren Woche elektronisch
an das RKI weitergeleitet. Während des EHEC/
HUS-Ausbruchs bat das RKI um eine tägliche
Übermittlung der HUS-Meldungen. Eine sol-
che kurzfristige Datenweitergabe an das RKI
ist gerade während solcher spezieller Aus-
bruchsgeschehen sicherlich sinnvoll. Der (vor
allem auch politisch und öffentlich) kritisierte
Meldeverzug entstand vor allem auf der Mel-
destrecke von Arzt bzw. Labor an das Gesund-
heitsamt. Auch wurden - wohl im Eifer des
Gefechts - die gesetzlich vorgeschriebenen
Meldewege in Einzelfällen nicht eingehalten
und die Meldungen erreichten die Gesund-
heitsämter erst über Umwege. Demzufolge
gilt es, die bundesweite Einführung einer
elektronischen Meldung durch die Arztpraxen
und Laboratorien an die Gesundheitsämter
voranzutreiben. Gerade die LUA Sachsen, die
ihre Laborergebnisse bereits in elektronischer
Form an die einsendenden Gesundheitsämter
meldet, ist ein gutes Beispiel dafür, dass dies
prinzipiell möglich ist.
Infektionen mit resistenten gramnegativen
Erregern sind schwierig zu therapieren und
im Vergleich zu empfi ndlichen Erregern mit
einer höheren Letalität und einem verlänger-
ten stationären Aufenthalt assoziiert. Klinisch
bedeutsam sind vor allem Resistenzen gegen-
über den bei schweren Infektionen eingesetz-
ten primär bakteriziden Antibiotikagruppen
der Acylureidopenicilline, Cephalosporine
der 3./4. Generation, Carbapeneme und Flu-
orochinolone. Von Multiresistenz im enge-
ren Sinne, entsprechend einer Defi nition der
Kommission für Krankenhaushygiene und In-
fektionsprävention am Robert Koch-Institut
(RKI), spricht man, wenn gegen mindestens
3 dieser 4 Wirkstoffgruppen Resistenzen vor-
liegen.
Die enzymatische Inaktivierung bestimmter
ß-Laktam-Antibiotika wie Penicilline und
Cephalosporine der 1./2. Generation durch
ß-Laktamasen ist ein weit verbreiteter Re-
sistenzmechanismus nicht nur bei gramne-
gativen Bakterien. ESBL (extended spectrum
ß-lactamases) haben gegenüber diesen „her-
kömmlichen“ ß-Laktamasen ein erweitertes
Wirkspektrum, welches auch Cephalospo-
rine der 3./4. Generation und Aztreonam
beinhaltet. Die Fähigkeit zur Bildung dieser
Enzyme wird in zunehmendem Umfang bei
Escherichia coli
und
Klebsiella pneumoniae,
aber auch bei zahlreichen anderen Entero-
bakterien-Spezies beobachtet. Die zugrunde
liegenden Genomsequenzen sind meist auf
Plasmiden lokalisiert. Der Austausch solcher
resistenz-kodierender Plasmide zwischen ver-
schiedenen gramnegativen Bakterien-Spezies
ist möglich.
Die Diagnostik auf ESBL-Bildner erfolgt an der
LUA entsprechend den derzeit gültigen fach-
lichen Vorgaben. An einen Screening-Test,
Multiresistente gramnegative Erreger in der
Humanmedizin - ein zunehmendes Problem
Tab. 1: Überblick über an der LUA Sachsen durchgeführte Untersuchungen auf EHEC in den
Jahren 2010 und 2011
Lebensmittel
2010
2010 positiv
2011
2011 positiv
Rohmilch
37
0
55
0
Käse
51
0
50
0
Hackfleisch, Fleischzubereitungen
94
1x Schabefleisch
228
2x Rindfleisch
Sprossen, Samen
57
0
Obst, Gemüse
125
0
Gewürze, Kräuter
35
0
Fertiggerichte
13
0
sonstiges
8
0
8
0
gesamt
190
1
571
2

image
10 │
der mittels Cefpodoxim-enthaltenden Agar-
medien und/oder mittels MHK-Bestimmung
für Cefotaxim, Ceftazidim und Cefpodoxim in
der Mikrobouillondilution durchgeführt wird,
schließt sich im positiven Falle ein Bestäti-
gungstest an. Als Bestätigungsteste werden
Synergieteste eingesetzt, wobei das Wachs-
tumsverhalten des Keimes unter Einwirkung
von Dritt-Generations-Cephalosporinen je-
weils mit und ohne Inhibitor beurteilt wird.
Im Jahr 2011 betrug an der LUA der Anteil der
ESBL bildenden
E. coli
an allen
E. coli
-Isolaten
aus klinischen Materialien bei nicht vorselek-
tierten Patienten 9,2 % (7,0 % im Jahr 2008)
(Abb. 1). Zum Vergleich können Daten der An-
tibiotika-Resistenz-Surveillance in Deutsch-
land (ARS), einem im Ausbau befi ndlichen
laborgestützten Surveillance-System des RKI
zur Erfassung von Resistenzdaten aus der
klinischen Routinediagnostik, herangezogen
werden. Auch hier ist im Zeitraum 2008 bis
2011 - bei Betrachtung der Cefotaxim-Resis-
tenz von
E. coli
-Isolaten als Marker für ESBL
bildende Stämme - ein Anstieg des Anteils
resistenter Isolate aus stationären Einsen-
dungen von 6,9 % auf 9,8 % zu verzeichnen
(Datenquelle: RKI: ARS, https://ars.rki.de, Da-
tenstand 15.03.2012).
In Vergleich zu den Resistenzen gegenüber
den Penicillinen, Cephalosporinen oder Chi-
nolonen treten Resistenzen gegen die vor-
wiegend zur kalkulierten Therapie schwerer
Infektionen, z. B. im Intensivmedizinbereich,
eingesetzten Carbapeneme zwar noch ver-
gleichsweise selten in Deutschland auf, neh-
men aber ebenfalls zu. In den zurückliegen-
den Jahren konnten bei Enterobakterien und
Nonfermentern eine Reihe Carbapenem-inak-
tivierender Enzyme (Carbapenemasen) identi-
fi ziert und in verschiedene Gruppen klassi-
fi ziert werden (z. B. Metallo-ß-Laktamasen
wie IMP, VIM, NDM; OXA; KPC). Die zugrunde
liegenden Genabschnitte können chromo-
somal aber auch plasmid-kodiert vorliegen
und somit wiederum zwischen verschiedenen
Bakterien-Spezies übertragen werden. Carba-
penemase-Bildner sind resistent gegen alle
ß-Laktam-Antibiotika, evtl. kann Aztreonam
noch wirksam sein. Gleichzeitig liegen oft
Resistenzen gegen weitere Substanzgruppen
vor, so dass im Fall einer behandlungsbedürf-
tigen Infektion nur noch wenige Therapieop-
tionen bestehen.
Am Nationalen Referenzzentrum (NRZ) für
gramnegative Krankheitserreger in Bochum
wurden im Zeitraum 01. Mai bis 30. November
2011 insgesamt 426 Carbapenemase-bilden-
de Bakterienstämme bestätigt, im gesamten
Jahr 2010 waren 289 Nachweise zu verzeich-
nen gewesen. Aufgrund lokal unterschiedli-
chen Einsendeverhaltens an das NRZ können
diese Zahlen zwar nicht als repräsentativ
angesehen werden, stellen aber zumindest
den ansteigenden Trend an Carbapenemase-
Nachweisen in Deutschland dar.
Erstmals traten im Jahr 2011 auch in Einsen-
dungen, die die LUA über die Gesundheitsäm-
ter erreichten, Carbapenemase-Bildner auf.
Erreger mit diesem Resistenzmuster wurden
im Berichtsjahr 11-mal in klinischen Materi-
alien und 7-mal in Umgebungsuntersuchun-
gen (Abklatschproben) nachgewiesen. Es han-
delte sich dabei um
K. pneumoniae
mit KPC-2
und um
Pseudomonas aeruginosa
mit IMP-
15. Isolate, die verdächtig im Hinblick auf
Carbapenemase-Bildung sind, fallen im An-
tibiogramm durch erhöhte minimale Hemm-
konzentrationen gegenüber einem oder meh-
reren Carbapenemen auf. Die phänotypische
Bestätigung erfolgt im Varia-Labor der LUA
mit dem sogenannten modifi zierten Hodge-
Test (Abb. 2). Metallo-ß-Laktamasen können
im Fachgebiet Bakteriologie auch im Rahmen
von MHK-Bestimmungen durch Nachweis
ihrer Hemmbarkeit durch EDTA diagnosti-
ziert werden. Positive Testergebnisse werden
durch Einsendung der Isolate an das NRZ in
Bochum mittels Identifi zierung der entspre-
chenden resistenz-vermittelnden Genomse-
quenzen bestätigt.
Um der zunehmenden Häufi gkeit multire-
sistenter gramnegativer Bakterien entge-
genzuwirken, bestehen abgesehen von kran-
kenhaushygienischen Maßnahmen weitere
relevante Handlungsfelder. Vor allem ist hier
der indikationsgerechte Einsatz von Antibio-
tika bei gleichzeitig zurückhaltender Anwen-
dung sogenannter Reserve-Antibiotika zu
nennen. Dies betrifft nicht nur den Bereich der
Humanmedizin, sondern insbesondere auch
die Tierproduktion. Im Zoonose-Monitoring
2009 des Bundesinstituts für Risikobewer-
tung waren u. a. 6,2 % der
E. coli
-Isolate von
Hähnchenfl eisch ESBL-Bildner. Das Bundes-
ministerium für Ernährung, Landwirtschaft
und Verbraucherschutz beabsichtigt nun eine
Änderung des Arzneimittelgesetzes, um den
Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung stärker
zu reglementieren. Laut einer Untersuchung
des Verbraucherschutzministeriums Nord-
rhein-Westfalen in 182 Betrieben wurden
im Zeitraum Februar bis Juni 2011 96 % der
Masthühner antibiotisch behandelt, wobei
etwa in der Hälfte der Fälle die Behandlungs-
dauer mit nur 1 bis 2 Tagen deutlich unter
den Zulassungsbedingungen der verabreich-
ten Wirkstoffe lag. Ebenfalls bedenklich im
Hinblick auf Begünstigung von Resistenzent-
wicklungen ist die rezeptfreie Verfügbarkeit
von Antibiotika in 15 EU-Mitgliedsstaaten
- eine EU-weite Verschreibungspfl icht wäre
dringend geboten.
Abb. 1: Entwicklung des Anteils an ESBL bildenden
E. coli
im humanmedizinischen Untersuchungsmaterial der
LUA
39
60
84
93
113
715
863
976
942
1223
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
2007
2008
2009
2010
2011
Isolate
E. coli
davon ESBL
Abb. 2: Modifi zierter Hodge-Test zum phänotypischen
Nachweis einer Carbapenemase-Bildung:
Ein mit einem Carbapenem-sensiblen Indika-
torbakterium (I) homogen beimpfter Agar wird
mittig mit einem Meropenem-Testblättchen
bestückt. Anschließend werden Carbapenema-
se-verdächtige Bakterienstämme (1,2,3) radiär
in einem Impfstrich aufgetragen. Die Ablesung
erfolgt nach 24-stündiger Inkubation. Ein bo-
genförmiges Wachstum des Indikatorstammes
entlang eines Teststammes auf das Merope-
nem-Blättchen zu zeigt Carbapenemase-Bil-
dung des Teststammes an (im Bild zu sehen bei
den Isolaten 1 und 2, Isolat 3 dient als Nega-
tivkontrolle).

image
 
│11
Akute infektiöse Gastroenteritiden sind die
mit Abstand am häufi gsten auftretenden
meldepfl ichtigen Erkrankungen in Deutsch-
land. Dem Robert Koch-Institut wurden
2011 bundesweit 288.000 Fälle infektiöser
Darmerkrankungen (Datenstand: 18.01.2012),
in Sachsen 42.175 übermittelt. Im Vergleich
zum Vorjahr gab es im Freistaat Sachsen die
größten Veränderungen bei den viralen Gas-
troenteritis-Erregern und bei Erkrankungen
durch enterohämorrhagische (EHEC) sowie
andere
Escherichia coli
-Pathovare (s. „EHEC
O104 - Rückblick auf den Ausbruch“). So nah-
men Norovirus-Infektionen im Vergleich zu
2010 um 38 % auf ca. 13.000 Fälle ab, wäh-
rend sich die Erkrankungen durch Rotaviren
mit ca. 9.700 Meldungen fast verdoppelten
(Zunahme um 82 %).
In der LUA Sachsen wurden im Berichtsjahr
54.905 Untersuchungen auf darmpathogene
Bakterien, Viren und Parasiten durchgeführt
(Abb. 1), bei 3.885 (7,1 %) gelang ein Erreger-
Nachweis (Tab. 1 und 2; s. Homepage LUA,
Tab. 1.9-1.20).
Bakteriologische Diagnostik
Zur bakteriologischen Diagnostik wurden
2011 insgesamt 12.036 Stuhlproben mit
36.626 Untersuchungsanforderungen ein-
gesandt. Während Salmonellen, Shigellen,
pathogene
E. coli, Campylobacter
spp., Yer-
sinien,
Vibrio cholerae
sowie die Verursacher
von Lebensmittelintoxikationen,
Staphylo-
coccus aureus
und
Bacillus cereus
, kulturell
angezüchtet und anschließend biochemisch
identifi ziert und serologisch differenziert
werden, steht bei enterohämorrhagischen
E. coli
(EHEC) und
Clostridium diffi cile
der
Toxin-Nachweis im Vordergrund. Fällt dieser
positiv aus, so wird die kulturelle Isolierung
der Erreger angestrebt.
Am häufi gsten wurde im Untersuchungs-
gut der LUA die Diagnostik auf
Salmonellen
angefordert, in 10,0 % gelang der Nachweis
von
Salmonella enterica
(Tab. 1 und Tab. 2,
Abb. 2). Mit 53,6 % der Erstisolate war
S.
Enteritidis der dominierende unter den
insgesamt nachgewiesenen 33 Salmonel-
len-Serovaren (s. Homepage LUA, Tab. 1.11).
S.
Enteritidis war auch der Erreger des größten
lebensmittel-assoziierten Enteritisausbruchs
in Sachsen im Berichtszeitraum. In 5 Kinder-
tagesstätten und einer Schule erkrankten ins-
gesamt 116 Personen mit gastroenteritischen
Symptomen. Bei Umgebungsuntersuchungen
wurden weitere 60 Ausscheider identifi ziert.
S.
Enteritidis wurde ebenfalls bei 7 Mitar-
beitern des betreffenden Speiseversorgers
nachgewiesen. Mit 19,1 % und 15,1 % der
Erstisolierungen waren
S.
Typhimurium und
S.
Typhimurium Variante Copenhagen die
zweit- und dritthäufi gsten Serovare im Un-
tersuchungsgut, alle anderen waren deutlich
seltener. Salmonellen-Erkrankungen kamen
als Einzelfälle, heimtier-assoziierte Infekti-
onen oder familiäre Häufungen und lebens-
mittel-assoziierte Ausbrüche, beispielsweise
nach Verzehr von Knüppelkuchen mit Rohei-
zusatz bei einem Kindergeburtstag, vor.
Bei einem starken Anstieg der Untersu-
chungsanforderungen von 2.771 in 2010
auf 5.876 im Jahr 2011 waren Shigatoxin-
bildende
E. coli
(
EHEC
) die am zweithäu-
fi gsten nachgewiesenen bakteriellen Darm-
pathogene. Die Positivenrate lag bei 8,2 %.
Die anzüchtbaren EHEC-Isolate, die für die
Bestimmung weiterer Virulenzfaktoren an
das Nationale Referenzzentrum für Salmo-
nellen und andere Enteritiserreger gesandt
wurden, waren 48 Serovaren zuzuordnen (s.
Homepage LUA, Tab. 1.15). Wie in den letzten
Jahren standen non-O157-Stämme im Vor-
dergrund. Es dominierten Häufungen von je-
weils wenigen Fällen in Familien und Kinder-
einrichtungen sowie Infektionen bei Personal
im Lebensmittelbereich. Einzelne Personen
waren bis zu 6 Monate lang Ausscheider von
Shigatoxin.
Parasitologische Diagnostik
Im Jahr 2011 wurden 2.251 Stuhlproben auf
Parasitenstadien untersucht, davon 1.621 für
die Zentrale Ausländerbehörde Sachsen. Das
zu den Flagellaten zählende Protozoon
Gi-
ardia lamblia
, das sowohl asymptomatische
Verläufe als auch akute und chronische Diar-
rhöen verursachen kann und zu den häufi gs-
ten Darmparasiten zählt, prädominierte mit
einer Positivenrate von ca. 10 % auch in un-
serem parasitologischen Untersuchungsgut
(s. Homepage LUA, Tab. 1.18-1.20). In 4,3 %
der entsprechend mikroskopisch untersuch-
ten 1.741 Stuhlproben fanden sich Wurmeier.
Sie konnten am häufi gsten dem Fadenwurm
Ancylostoma duodenale
, einem Hakenwurm,
der nach einer Lungenpassage den Dünndarm
befällt, sowie dem Zwergbandwurm
Hymeno-
lepis nana
zugeordnet werden. Ca. 90 % der
Wurmeier-Nachweise wurden bei Asylbewer-
bern erhoben.
Virologische Diagnostik
Nach wie vor spielen die viralen Erreger bei
Erkrankungen mit gastrointestinaler Symp-
tomatik eine herausragende Rolle. Noroviren
sind hierbei mit ca. 320 Fällen pro 100.000
Einwohner, die in Sachsen im Jahr 2011 ge-
meldet wurden, weiterhin der prädominante
Erreger. Dies spiegelt sich sowohl bei der Zahl
der angeforderten viralen Untersuchungen
als auch bei der Nachweisrate, wo sie den
ersten Platz in unserem Untersuchungsgut
einnehmen, wider (Tab. 1 und Tab. 2). In ca.
Diagnostik von Darminfektionen - nicht nur
EHEC waren 2011 von Bedeutung
Abb. 1: Materialien zum Nachweis von Darmpathogenen, die je nach Untersuchungsanforderungen eingesetzt
werden

image
12 │
einem Drittel der auf Virusdiagnostik einge-
sandten Stuhlproben waren Noroviren nach-
weisbar.
Aufgrund der geringen Infektionsdosis (< 100
Viruspartikel), die für die Auslösung einer
Erkrankung notwendig ist, und der hohen
Umweltresistenz sowie der - neben der fäkal-
oralen - zusätzlichen aerogenen Übertragung
der Noroviren durch Aufnahme virushaltiger
Tröpfchen, die während des Erbrechens frei-
gesetzt werden, kommt es immer wieder zu
Häufungen in Gemeinschaftseinrichtungen
wie z. B. Kindertagesstätten und Altenpfl ege-
heimen.
Neben Noroviren waren Rotaviren in unserem
Untersuchungsgut die zweithäufi gsten vira-
len Erreger von Erkrankungshäufungen mit
gastrointestinaler Beteiligung. Astroviren so-
wie ein gleichzeitiges Vorkommen von Noro-
und Rotaviren in einer Einrichtung waren
sehr selten. Die höchsten Nachweisraten für
Noroviren fanden sich in den Monaten Januar
bis März, Rotaviren traten verstärkt von Feb-
ruar bis Mai auf.
Tab. 1: Untersuchungen auf darmpathogene Erreger (Bakterien / Viren / Parasiten) im Jahr
2011
Parameter Untersuchungen
Salmonellen
8.772
Shigellen
8.757
Campylobacter spp.
5.910
Enterohämorrhagische Escherichia coli (EHEC )
5.876
Yersinia enterocolitica
2.723
Intestinale Escherichia coli-Pathovare (außer EHEC)
2.158
Clostridium difficile (Toxine A+B)
1.326
Vibrionen
1.012
Lebensmittelvergifter
92
Bakterienstämme zur Differenzierung
30
Noroviren
4.023
Rotaviren
2.936
Adenoviren
2.743
Astroviren
2.659
Helminthen
1.741
Giardia lamblia
2.012
Entamoeba histolytica
1.919
Cryptosporidien
200
andere darmpathogene Protozoen
16
Summe
54.905
Tab. 2: Spektrum der nachgewiesenen darmpathogenen Erreger im Jahr 2011
Erreger
Anzahl der Nachweise
Nachweise in % zur
Anzahl der durchgeführ-
ten Untersuchungen
Nachweise in % zur
Gesamtzahl der nachge-
wiesenen darmpathoge-
nen Erreger
Salmonellen
876
10,0
22,6
EHEC (Toxin-Nachweis)
479
8,2
12,3
Campylobacter spp.
321
5,4
8,3
Clostridium difficile
(Toxine A+B)
142
10,7
3,7
Intestinale Escherichia
coli-Pathovare
(außer EHEC)
64
3,0
1,7
Yersinia enterocolitica
36
1,3
0,9
Shigellen
20
0,2
0,5
Noroviren
1.321
32,8
34,0
Rotaviren
271
9,2
7,0
Adenoviren
36
1,3
0,9
Astroviren
24
0,9
0,6
Helminthen
75
4,3
1,9
Giardia lamblia
203
10,1
5,2
Entamoeba histolytica
4
0,2
0,1
Cryptosporidien
13
6,5
0,3
Gesamtzahl der nachge-
wiesenen darmpathoge-
nen Erreger
3.885
7,1
100,0
Abb. 2: Wachstum von
S.
Enteritidis auf Leifson-Agar

 
│13
Überblick über die durchgeführte Diagnos-
tik
Das Spektrum der virologischen und moleku-
larbiologischen Untersuchungstätigkeit um-
fasst im PCR-Laborbereich den Nachweis und
die Identifi zierung/Typisierung von Viren und
Bakterien sowie den Nachweis bakterieller
Toxin- und Resistenzgene, im virologischen
Laborbereich die Virusanzucht innerhalb spe-
zieller Fragestellungen und den Antikörper-
nachweis mittels Neutralisationstest.
Im Einzelnen sind das:
Untersuchungen im Rahmen des sächsi-
schen Infl uenza-Sentinels
Untersuchungen im Rahmen der bundes-
weiten Enterovirus-Surveillance
Nachweis viraler Gastroenteritis-Erreger
im Zusammenhang mit Erkrankungen in
Gemeinschaftseinrichtungen, einschließ-
lich Umgebungsuntersuchungen und
Nachkontrollen
Screening-Untersuchungen im Rahmen
der STI (sexuell übertragbare Infektionen)-
Prävention
Untersuchungen im Rahmen des Herdbe-
kämpfungsprogramms „Pertussis“
Erregersuche im Rahmen des Herdbe-
kämpfungsprogramms „Meningitis/Enze-
phalitis“
Diagnostik bei Verdacht auf Hepatitis-
Erkrankung einschließlich Umgebungsun-
tersuchungen
Differentialdiagnostik im Zusammenhang
mit impfpräventablen Erkrankungen ein-
schließlich Umgebungsuntersuchungen
Immunstatus-Bestimmungen impfpräven-
tabler Erkrankungen mittels Neutralisati-
onstest
Serviceleistungen für andere Fachgebiete:
Nachweis von multiresistenten Erre-
gern mittels molekularbiologischer Me-
thoden
Nachweis von Vertretern des Myco-
bacterium tuberculosis-Komplexes bei
klinischen Tuberkulose-Verdachtsfällen
einschließlich Typisierung und Bestim-
mung von Resistenzmarkern sowie Di-
agnostik atypischer Mykobakterien
Nachweis von Noroviren in Lebensmit-
telproben und in Abstrichen von Ober-
fl ächen
Identifi zierung und/oder Typisierung
von mikrobiologischen Erregern, die
mit anderen Methoden nicht eingeord-
net werden können, mittels Sequenzie-
rung für alle Fachbereiche der LUA
Spezialuntersuchungen:
Genotypisierung von Rotaviren im
Rahmen des Begleitprogramms zur
Rotavirusimpfung
Die Probenzahlen aller durchgeführten vi-
rologischen und molekularbiologischen Un-
tersuchungen einschließlich ausgewählter
Nachweisraten sind auf der LUA Homepage
(Tab. 1.9, Tab. 1.10, Tab. 1.22, Tab. 1.27) ver-
öffentlicht.
Nachfolgend wird auf wenige ausgewählte
Untersuchungen näher eingegangen, die auf-
grund ihrer Untersuchungszahlen und/oder
ihrer Bedeutung für den ÖGD von besonde-
rem Interesse sind.
Diagnostik von STI (sexuell übertragbaren
Infektionen)
Die LUA Sachsen bietet zur Unterstützung
der Präventionsarbeit der AIDS/STI-Bera-
tungsstellen der Gesundheitsämter die mo-
lekularbiologische Diagnostik der häufi gsten
sexuell übertragbaren Infektionen an. Diese
beinhaltet den Nachweis von
Chlamydia
trachomatis, Neisseria gonorrhoeae
, Herpes-
simplex-Virus Typ 1 und 2 sowie von huma-
nen Papillomaviren (HPV).
C. trachomatis
und
N. gonorrhoeae
zäh-
len zu den weltweit am häufi gsten sexuell
übertragenen bakteriellen Erregern. Chlamy-
dien sind zwar in der Zellkultur anzüchtbar,
die Methode der Wahl bei der Chlamydien-
Diagnostik ist jedoch die PCR. Zum Nachweis
von
N. gonorrhoeae
kann sowohl die PCR
als auch die kulturelle Anzucht eingesetzt
werden. Die molekularbiologische Methode
bietet den Vorteil der Schnelligkeit und der
unproblematischen Transportbedingungen.
Sie eignet sich deshalb besonders für Scree-
ning-Untersuchungen, wie sie von den STI-
Stellen angeboten werden. Da über die PCR
keine Aussagen zu möglichen Resistenzen bei
N. gonorrhoeae
getroffen werden können,
stellt der kulturelle Nachweis nach wie vor
ein wichtiges diagnostisches Verfahren dar,
das regelmäßig parallel angefordert werden
sollte. Dies trifft insbesondere unter dem As-
pekt zunehmender Antibiotika-Resistenzen
bei Gonokokken zu.
Im Berichtsjahr wurden in der LUA 3.834 Ab-
striche mittels PCR auf
C. trachomatis
unter-
sucht. In 111 (2,9 %) Proben wurde
C. tra-
chomatis
-DNA nachgewiesen. In den 3.712
auf
N. gonorrhoeae
untersuchten Abstrichen
wurde in 88 (2,4 %) erreger-spezifi sche DNA
detektiert.
Molekularbiologische Untersuchungen
von Staphylococcus aureus-/MRSA-/CA-
MRSA-Isolaten
Methicillin-resistente
S. aureus
(MRSA)-
Stämme zählen aufgrund der eingeschränk-
ten Therapiemöglichkeiten zu den wichtigsten
nosokomialen Problemkeimen. Referenzme-
thode für die Labordiagnostik von MRSA-
Stämmen ist der molekularbiologische Nach-
weis des
mecA
-Gens mittels PCR-Methode,
die an der LUA etabliert ist. Im Berichtsjahr
wurden 83 MRSA-verdächtige Kulturproben
mittels
mecA
-Gen-PCR untersucht. Bei 65
Proben (78,3 %) konnte dabei der MRSA-Ver-
dacht bestätigt werden.
Ein wesentlicher Pathogenitätsfaktor von
S. aureus
-Stämmen kann die Bildung von
Panton-Valentin Leukozidin (PVL) sein. PVL ist
ein aus zwei Komponenten (lukF, lukS) beste-
hendes porenbildendes Toxin, das besonders
mit Haut- und Weichteil-Infektionen (Leit-
symptom: Furunkulose) sowie nekrotisieren-
den Pneumonien assoziiert ist. Dabei ist die
PVL-Bildung bei
S. aureus
-Stämmen nicht
zwingend mit Methicillin-Resistenz verbun-
den, sondern kann auch bei Methicillin-sen-
siblen
S. aureus
-Stämmen (MSSA) auftreten.
Die Labordiagnose von PVL erfolgt an der LUA
durch
lukF/lukS
-Gennachweis mittels PCR bei
Kulturisolaten von
S. aureus
. Im Berichtsjahr
wurden 12 Stämme auf PVL-Bildung unter-
sucht, wobei diese bei 7 Isolaten nachgewie-
sen werden konnte. Dabei zeigten vier der
PVL-positiven
S. aureus
-Stämme keine Anti-
biotika-Resistenz gegenüber Methicilllin und
waren in der
mecA
-Gen-PCR negativ.
Bei Methicillin-resistentem
S. aureus
kann
klinisch-epidemiologisch zwischen hospi-
tal acquired MRSA (HA-MRSA), community
acquired MRSA (CA-MRSA) sowie mit der
Tiermast assoziertem MRSA (livestock as-
sociated, LA-MRSA) unterschieden werden.
CA-MRSA verursachen überwiegend Infek-
tionen im ambulanten Bereich, sie können
den Pathogenitätsfaktor PVL produzieren.
Da beim Auftreten PVL-bildender CA-MRSA
auch außerhalb des Krankenhauses Umge-
bungsuntersuchungen bei Kontaktpersonen,
insbesondere bei Familienangehörigen und
Geschlechtspartnern, sowie bei einem posi-
tiven Ergebnis auch Sanierungsmaßnahmen
angezeigt sind - für das Gesundheitsamt
somit Handlungsbedarf besteht - wurde die
Virologische und molekularbiologische Untersu-
chungstätigkeit in der Humanmedizin

image
 
14 │
Meldepfl icht akuter CA-MRSA-Infektionen in
die 2011 novellierte sächsische IfSGMelde-
VO (Änderung der Verordnung über die Er-
weiterung der Meldepfl icht für übertragbare
Krankheiten und Krankheitserreger nach dem
Infektionsschutzgesetz) aufgenommen.
Pertussis-Diagnostik
Die Untersuchungen im Rahmen des Säch-
sischen Herdbekämpfungsprogramms „Per-
tussis“ sind seit Jahren ein weiterer Schwer-
punkt der molekularbiologischen Diagnostik.
In Ergänzung des Beitrags „Zu ausgewählten
Infektionskrankheiten: Masern und Pertus-
sis“ soll nur hinzugefügt werden, dass sich
der Anstieg der gemeldeten Pertussis-Fälle in
2011 auch in einer sehr deutlichen Zunahme
der Probeneinsendungen für die Pertussis-
PCR widerspiegelte (2010: 2.013 Materialien,
2011: 3.353 Materialien). Gleichzeitig war die
Nachweisrate von 6,5 % auf 9,3 % gestiegen.
Schwerpunkte der serologischen Diagnostik
Das Fachgebiet Serologie, impfpräventable
Erkrankungen kooperiert eng mit den STI/
AIDS-Beratungsstellen der Gesundheitsäm-
ter, deren Arbeit u. a. zum Ziel hat, den Schutz
der Bevölkerung vor der Weiterverbreitung
von Hepatitis-Viren, HIV, Syphilis-Erregern
und anderen sexuell übertragbaren Infekti-
onserregern durch Infektionsquellenermitt-
lung zu befördern. Des Weiteren unterstützt
das Serologie-Labor die Gesundheitsämter
bei der Ermittlung des Immunstatus bzgl.
impfpräventabler Erkrankungen sowie bei
der Aufklärung epidemiologischer Zusam-
menhänge beim Auftreten von Infektions-
krankheiten wie z. B. Hepatitis-Erkrankungen
in Gemeinschaftseinrichtungen. Insgesamt
wurden im Serologie-Labor im Berichtsjahr
13.345 Proben 53.246 Einzelbestimmungen
unterworfen (s. Homepage LUA, Tab. 1.23-
1.26).
Untersuchungen zum Nachweis von Antikör-
pern gegen
HIV
wurden bei insgesamt 8.213
Blutproben durchgeführt (s. Homepage LUA,
Tab. 1.23). Als Screening-Test in der HIV-Dia-
gnostik wird ein Mikropartikel-Enzym-Immu-
no-Assay (MEIA) eingesetzt, mit dem sowohl
der Nachweis von Antikörpern gegen HIV 1
und HIV 2 als auch von HIV-p24-Antigen ge-
führt werden kann. In diesem Suchtest zeig-
ten 98,2 % aller Seren ein negatives Ergebnis.
Die reaktiven und grenzwertigen Proben (151
von 8.213) wurden zusätzlich im Bestäti-
gungstest (Immunoblot) überprüft (Abb.1).
Bei 100 Proben, die 61 Personen mit HIV-
Erstdiagnose zuzuordnen waren, wurde die
HIV-Infektion mittels Immunoblot bestätigt.
Dies entspricht einer patienten-bezogenen
Positivenrate von 0,7 %.
Eine wesentliche Aufgabe im Rahmen der
Hepatitis
-Diagnostik ist vor allem die Be-
urteilung der Infektiosität von Personen mit
nachgewiesener Hepatitis-Virusinfektion.
An Hepatitis A Erkrankte scheiden den Erreger
bereits 1 bis 2 Wochen vor dem Auftreten der
Krankheitssymptome über den Stuhl aus und
sind somit infektiös. In der Inkubationsphase
ist das Virus auch im Blut nachweisbar. Auch
der serologische Nachweis von IgM-Antikör-
pern gegen das
Hepatitis A-Virus
(HAV) ist
bei entsprechender Symptomatik ein Zeichen
einer akuten oder zumindest kürzlichen In-
fektion. Die fäkal-oral übertragene Hepatitis
A-Erkrankung kann durch die Hepatitis A-
Impfung wirksam verhindert werden. Beim
Auftreten von Hepatitis A-Erkrankungen in
Gemeinschaftseinrichtungen, Lebensmittel-
betrieben etc. sind meist umfangreiche Um-
gebungsuntersuchungen notwendig, wenn
der Immunstatus der Kontaktpersonen nicht
bekannt ist. Im Berichtsjahr konnten bei 56 %
der Untersuchten HAV-Antikörper nachge-
wiesen werden. Verdacht auf eine akute oder
kürzliche HAV-Infektion ergab sich aufgrund
entsprechender IgM-Antikörper-Nachweise
in 3 Fällen (s. Homepage LUA, Tab. 1.23).
Bei Verdacht auf eine akute oder chronische
Hepatitis B-Virus
(HBV)-Infektion erfolgt
initial der Nachweis von HBs-Antigen und
HBc-Antikörpern. Im positiven Fall schließt
sich der Nachweis von HBc-IgM-Antikörpern,
HBe-Antigen und HBe-Antikörpern an. HBs-
Antigen-Positivität und damit potentielle In-
fektiosität lag bei 1,6 % der insgesamt unter-
suchten und bei 3,2 % der von der Zentralen
Ausländerbehörde eingesandten Seren vor (s.
Homepage LUA, Tab. 1.23). HBe-Antigen, das
ein Marker für die Virusreplikation ist und
dessen Nachweis somit für eine hohe Virämie
und Infektiosität spricht, wurde bei 13 Pati-
enten nachgewiesen.
Nach durchgemachter Hepatitis B persis-
tieren die HBc-Antikörper lebenslang. Die-
ser Durchseuchungsmarker wurde zu 6,9 %
gefunden. Die von den Gesundheitsämtern
zur Bestimmung der Immunitätslage nach
Impfung/Erkrankung angeforderte HBs-Anti-
körper-Diagnostik zeigte bei 56 % der Unter-
suchten ein positives Ergebnis.
Die
Hepatitis C-Virus
(HCV)-Infektion wird
v. a. durch Blutprodukte übertragen. In die-
sem Zusammenhang wird auch die Nachkon-
trolle der geschädigten Familien nach „Anti-
D-Immunprophylaxe 1978/79“ in der LUA
durchgeführt. Im Immunoblot, der Antikörper
gegen einzelne HCV-Antigene detektiert und
der immer bei positivem Screening-MEIA als
Ergänzungstest erforderlich ist, wurden 1,9 %
(109/5.615) aller entsprechend untersuchten
Seren als HCV-Antikörper-positiv erkannt (s.
Homepage LUA, Tab. 1.23). Ob es sich hierbei
um akute, chronische oder ausgeheilte HCV-
Infektionen handelt, wird mittels molekular-
biologischer Verfahren geklärt.
Abb. 1: Immunoblot zum Nachweis von Antikörpern gegen HIV1

 
│15
Große Bedeutung kommt nach wie vor der
Diagnostik der
Syphilis
(Lues) zu. Die se-
xuelle Übertragung und Weiterverbreitung
dieser Erkrankung sowie konnatale Infekti-
onen mit dem Erreger
Treponema pallidum
können durch frühzeitiges Erkennen mittels
serologischer Antikörperbestimmung und
sofort einsetzender antibiotischer Therapie
wirkungsvoll bekämpft werden. Bei akuten
und behandlungsbedürftigen Infektionen fi n-
den sich i. d. R. hohe Titer im TPPA (
Trepo-
nema pallidum
-Partikel-Agglutinationstest),
T. pallidum
-spezifi sche Bandenmuster im
IgM-Immunoblot sowie der Nachweis von
Lipoid-Antikörpern (CMT - Cardiolipin-Mikro-
fl ockungstest).
Antikörper gegen
T. pallidum
waren in 275 der
getesteten 4.272 Seren vorhanden (s. Home-
page LUA Tab. 1.24). Somit zeigten 6,4 % der
Untersuchten eine Seronarbe, die den statt-
gehabten Kontakt mit dem Erreger anzeigt
und die weiterführende Untersuchungen auf
Infektionsaktivität/Behandlungsbedürftigkeit
erforderlich macht. Von einer aktiven/be-
handlungsbedürftigen
T. pallidum
-Infektion
war bei 39 Personen auszugehen, da sie ent-
sprechende IgM-Antikörper im Immunoblot
aufwiesen. Doppelinfektionen mit HIV und
T. pallidum
wurden in 18 Fällen beobachtet.
Die Erste Verordnung zur Änderung der Trink-
wasserverordnung (TrinkwV) vom 3. Mai 2011
wurde am 11. Mai 2011 im Bundesgesetzblatt
veröffentlicht. Den Wortlaut der ab 1. Novem-
ber 2011 in Kraft getretenen Fassung fi ndet
man im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2011
Teil I Nr. 61, S. 2371. Zum geänderten Ver-
ordnungstext gehören die amtliche Begrün-
dung in der Bundesratsdrucksache 530/10
vom 02.09.2010 sowie die Begründungen in
der Bundesratsdrucksache 530/10 (Beschluss)
vom 26.11.2010. Der Verordnungstext der
Bundesratsdrucksache ist nicht völlig iden-
tisch mit dem veröffentlichten Text, da sich
im Bundesratsverfahren noch Änderungen
ergeben haben. Die Änderungen des Bun-
desrates sind somit auch in der Begründung
nicht enthalten.
Zielstellung der Novellierung
Die Trinkwasserverordnung vom 21. Mai 2001
(TrinkwV 2001) war seit dem 1. Januar 2003
über acht Jahre in Kraft. Während dieser Zeit
der Anwendung hat sie sich als eine gute
rechtliche Grundlage für den Trinkwasser-
bereich bewährt. Diese Verordnung enthielt
aber auch verbesserungsbedürftige Passagen.
Dies zeigte sich in zahlreichen Änderungs-
vorschlägen aus den einzelnen Bundeslän-
dern (Vollzug der TrinkwV 2001 ist Länder-
aufgabe), den verschiedenen Fachverbänden,
dem Umweltbundesamt (UBA) und der Trink-
wasserkommission (TWK) des Bundesministe-
riums für Gesundheit (BMG) beim UBA.
Diese betreffen die folgenden Aspekte:
Klarstellungen
Berücksichtigung neuer wissenschaftli-
cher Erkenntnisse
Genauere Anpassung an die Vorgaben der
Europäischen Trinkwasserrichtlinie
Änderung von Regelungen, die sich in der
Praxis nicht bewährt haben
Schließung von Regelungslücken
Änderungen mit dem Ziel der Entbürokra-
Novellierte Trinkwasserverordnung seit
1. November 2011 in Kraft
tisierung
Praktikablere Gestaltung
Steigerung des hohen Qualitätsstandards
des Trinkwassers
Übersicht über die Änderungen
Im Wesentlichen sind die folgenden Paragra-
phen betroffen:
§ 2 Anwendungsbereich
§ 3 Begriffsbestimmungen
Trinkwasser
Wasserversorgungsanlagen
Gewerblich bzw. öffentlich
Technischer Maßnahmenwert (für Le-
gionellen)
Versorgungsgebiet
Messunsicherheiten
§ 5 (4) Minimierungsgebot für mikrobiolo-
gische Parameter
§ 8 2. Stelle der Einhaltung bei ange-
schlossenen Apparaten - Sicherungsein-
richtung
§ 10 (alt) neu aufgeteilt in die §§ 9 und 10
§ 13 bzw. § 16 Änderung der Anzeige-
pfl ichten
§ 14 Änderung der Untersuchungspfl ich-
ten
§ 15 Änderung der Anforderung an die
Untersuchungsstellen für Trinkwasser
§ 17 Einführung der Branchenzertifi zie-
rung für Verfahren und Produkte
§ 18 Überwachung von Lebensmittelbe-
trieben
§ 18 bzw. § 19 Überwachung durch die
Gesundheitsämter
§ 21 Änderung der Meldepfl ichten
Änderungen hinsichtlich mikrobiologischer
Anforderungen
Es gibt keine Forderung mehr nach gene-
reller Freiheit von Krankheitserregern und
die neue Formulierung in § 4 Abs. 1 lau-
tet: „Trinkwasser muss so beschaffen sein,
dass durch seinen Genuss oder Gebrauch
eine Schädigung der menschlichen Ge-
sundheit insbesondere durch Krankheits-
erreger nicht zu besorgen ist.“
Der Parameter Coliforme Bakterien ist jetzt
Indikatorparameter in Anlage 3. Diese An-
passung an die EU-Trinkwasserrichtlinie
entspricht auch besser seiner trinkwasser-
hygienischen Bedeutung.
Für
Legionella
spp. wurde ein technischer
Maßnahmenwert von 100 KBE/100 ml für
Trinkwasser in Anlagen der Trinkwasser-
Installation eingeführt.
Änderungen hinsichtlich chemischer An-
forderungen
Cadmium: Absenkung des Grenzwertes für
Cadmium von 5 μg/l auf 3 μg/l.
Es erfolgte die Anpassung an den gesund-
heitlichen Leitwert der WHO. Bei den zen-
tralen Wasserversorgungsanlagen im Frei-
staat Sachsen ergaben sich dadurch keine
Grenzwertüberschreitungen.
Uran: Neuaufnahme eines Grenzwertes
für Uran in Höhe von 10 μg/l. Der Grenz-
wert ist sowohl für Erwachsene als auch
für Säuglinge und Kleinkinder gültig. Er
entspricht dem schon 2004 vom Umwelt-
bundesamt empfohlenen gesundheitlich
lebenslang duldbaren Höchstwert. Diese
Empfehlung wurde von den sächsischen
Gesundheitsämtern bereits in den Folge-
jahren gemeinsam mit den Wasserversor-
gern umgesetzt. Dabei wurden Wasser-
versorgungsanlagen geschlossen oder mit
einer effi zienten Aufbereitungstechnolo-
gie auf der Basis von selektiven Ionenaus-
tauschern ausgerüstet.
Grundlage für diese Entscheidungen wa-
ren auch die seit 1999 an der LUA erfolg-
ten umfassenden Uranuntersuchungen in
den sächsischen Trinkwässern.

image
 
16 │
Beratungs- und Untersuchungstätigkeit
Auch 2011 war ein Schwerpunkt die Beratung
zu Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern
und Altenpfl egeeinrichtungen, die sich aus
dem Auftreten von Erregern mit besonderen
Resistenzen und Multiresistenzen (multire-
sistente bakterielle Erreger – MRE), insbeson-
dere MRSA (Methicillinresistente Staphylo-
coccus aureus) und ESBL (Extended Spectrum
Betalactamase)-Bildner sowie Clostridium
diffi cile ergeben.
Im Berichtsjahr wurde die Arbeit in den auf
Landesebene etablierten Arbeitsgemeinschaf-
ten im Rahmen des Netzwerks multiresisten-
ter Erreger im Freistaat Sachsen fortgesetzt
und intensiviert. Die Tätigkeiten der AGs wur-
den u. a. auch auf einer Fachtagung im Bil-
dungszentrum Meißen am 27. September den
interessierten Zuhörern vermittelt. Weiterhin
war die LUA in zahlreichen Fortbildungen auf
regionaler Netzwerkebene eingebunden.
In der AG Hygienemaßnahmen/ Kommu-
nikation konnten verschiedene Dokumen-
te entwickelt werden, die innerhalb der AG
konstruktiv diskutiert wurden. Die AG kon-
zentrierte sich zunächst auf den ambulanten
Bereich, da hier am ehesten noch Defi zite
bestehen und Empfehlungen sowie Kenntnis-
se zum Umgang mit MRE nur unzureichend
vorhanden sind. Diese Dokumente werden
den regionalen Netzwerken als einheitliche
Vorgaben zur Verfügung gestellt. Als erstes
Dokument konnte ein Musterüberleitungsbo-
gen MRE erstellt werden, mit dem wichtige
Informationen zum Vorliegen eines multire-
sistenten Erregers sowie im Falle von MRSA
auch zum Stand einer eventuellen Sanierung
beim jeweiligen Patienten/ Pfl egebedürftigen
in standardisierter Form weitergegeben wer-
den können.
Aufgrund der in den letzten Jahren zuneh-
menden öffentlichen Diskussion über nosoko-
miale Infektionen und multiresistente Erreger
kam es im Berichtsjahr zu einer umfangrei-
chen Novellierung des Infektionsschutzge-
setzes (IfSG) in Form des am 28. Juli 2011
verabschiedeten Gesetzes zur Änderung des
Infektionsschutzgesetzes und anderer Ge-
setze. Die inhaltlichen Neuerungen, die u. a.
die Bewertung noskomialer Infektionen und
des Antibiotikaeinsatzes und -verbrauchs, die
rechtliche Aufwertung der Empfehlungen der
Kommissionen KRINKO und ART am Robert
Koch-Institut (RKI) und die Verpfl ichtung der
Bundesländer zur Erarbeitung von Länderver-
ordnungen betreffen, wurden in zahlreichen
Vorträgen den Amtsärzten, Mitarbeitern der
Gesundheitsämter sowie Hygienefachper-
sonal der Krankenhäuser und in den Hygie-
nekommissionen der extern krankenhaushy-
gienisch betreuten Häuser vorgestellt und
in einem Beitrag in den LUA-Mitteilungen
4/2011 zusammengefasst.
Die Tätigkeiten im Bereich Kindereinrichtun-
gen und Schulen betrafen neben der Bearbei-
tung zahlreicher Bauprojekte in Amtshilfe für
die Gesundheitsämter überwiegend die Be-
antwortung telefonischer oder schriftlicher
Anfragen zum Hygieneregime, insbesondere
zum Umgang mit Wäsche und Handtüchern
sowie zu Wasserspiel- und Matschplätzen.
Zunehmende Anfragen der Gesundheitsämter
erreichten uns auch zu Kindertagesstätten
mit alternativen Betreuungsangeboten, d. h.
sogenannte „Waldkindergärten“ oder Kinder-
tagesstätten mit dem „Konzept der offenen
Arbeit“. Insbesondere bei den Waldkindergär-
ten werden dabei etablierte Strukturen und
Vorgaben, vor allem zu Raum- und Ausstat-
tungsfragen verlassen. Aus diesen Gründen
ist es oft schwierig, diese Betreuungsform
mit den bestehenden Vorgaben (Gesetz über
Kindertagesstätten in Verbindung mit der
Empfehlung des SMS zu den räumlichen An-
forderungen an Kindertageseinrichtungen) in
Einklang zu bringen. Es ist jedoch bisher im-
mer gelungen, in der Beratung der Gesund-
heitsämter einen Kompromiss zwischen der
Verwirklichung dieser Betreuungsform und
einer dennoch guten Umsetzung von Hygie-
nevorgaben zu fi nden. Unstrittig ist aber, dass
auch diese neueren Formen von Kindertages-
stätten unter die Regelungen des IfSG zu
Gemeinschaftseinrichtungen fallen und der
damit geforderte einrichtungsspezifi sche Hy-
gieneplan sich zumindest in großen Teilen am
Rahmenhygieneplan des Länderarbeitskreises
aus dem Jahre orientieren sollte.
Breiten Raum nahmen im Bereich der Hygiene
der Gesundheits- und Gemeinschaftseinrich-
tungen wie in den Vorjahren operative Tätig-
keiten ein. Diese reichten von der fachlichen
Unterstützung im Rahmen von Routinebe-
gehungen, überwiegend in Krankenhäusern,
Arztpraxen und Altenpfl egeheimen, bis hin zu
verschiedenen Probenahmen und Messungen
im Auftrag der Gesundheitsämter (s. Home-
page LUA, Tab. 1.33 und Kapitel Öffentlich-
keitsarbeit). In einzelnen Fällen wurde die LUA
von den Gesundheitsämtern auch anlassbe-
zogen zur Unterstützung bei der Aufklärung
von Schwachstellen im Hygieneregime nach
Infektionshäufungen angefragt und konnte
vor Ort ihre fachliche Kompetenz einbringen.
Im Berichtsjahr 2011 wurden ca. 20 Baupro-
jekte unterschiedlichen Umfangs zu Neu- und
Erweiterungsbauten sowie Umnutzungen
vorhandener Gebäude für Gesundheits- und
Gemeinschaftseinrichtungen im Auftrag der
Gesundheitsämter fachspezifi sch beurteilt.
Die Palette reichte von Krankenhausberei-
chen und ambulant operierenden Arztpraxen,
teils in Verbindung mit der Begutachtung von
Hygiene der Gesundheits- und Gemeinschafts-
einrichtungen, Kurorthygiene
Abb. 1: Der korrekte Umgang mit Handtüchern ist eine wichtige Komponente der Hygiene in der Kindertagesstätte.

│17
Lüftungsprojekten, über Altenpfl egeheime bis
hin zu Schulen und Kindertagesstätten.
Fortgesetzt wurde aufgrund der starken
Nachfrage auch die Vermittlung von Sach-
kenntnissen nach Sächs. Hygieneverordnung
als Voraussetzung zum Betreiben von Pier-
cing-, Tattoo-, Fußpfl ege- oder Kosmetik-
studios, sofern bei der Tätigkeit die Gefahr
blutübertragbarer Erkrankungen besteht. Die
LUA vermittelte im Rahmen eines zweitägi-
gen Kurses die notwendigen Sachkenntnisse
u. a. auf den Gebieten Anatomie, Mikrobiolo-
gie, Hygiene und Instrumentenaufbereitung.
Die Weiterbildung fand im Oktober statt und
wurde dankenswerterweise vom Gesund-
heitsamt Meißen für Teilnehmer aus dem ge-
samten Freistaat Sachsen organisiert.
Im Länderarbeitskreis zur Erstellung von Rah-
menhygieneplänen nach § 36 IfSG konnte
2011 der Rahmenhygieneplan für Rettungs-
und Krankentransportdienste abgeschlossen
werden
(www.lua.sachsen.de
> Humanmedi-
zin > Rahmenhygienepläne).
Diese umfangreiche Hygieneempfehlung war
notwendig, da auf diesem Gebiet bisher nur
wenige regionale und uneinheitliche Ausar-
beitungen existierten, andererseits aber in
den Einrichtungen selbst großer Bedarf be-
stand. Dabei wurde bei der Erarbeitung die-
ses Rahmenhygieneplanes erneut ein Bereich
aufgegriffen, für den im IfSG nicht explizit
einrichtungsspezifi sche Hygienepläne (§ 36
bzw. neu § 23) gefordert werden. Leider sind
Rettungs- und Krankentransportdienste auch
nach der Novellierung des IfSG im Sommer
2011 diesbezüglich nicht mit erfasst (s. oben).
Da aber gerade diese Gesundheitseinrichtun-
gen stark mit der Thematik multiresisten-
ter Erreger in Verbindung mit einem hohen
Durchlauf an Patienten konfrontiert werden
und dies oft unter Zeitdruck geschieht, neh-
men sie eine Schlüsselrolle in der Thema-
tik MRE und somit auch in den Netzwerken
ein. Es war daher erwartungsgemäß, dass
Vorträge der LUA zu diesem Thema stark
nachgefragt waren, so bei Fortbildungen
für Mitarbeiter von Gesundheitsämtern und
Gesundheitseinrichtungen, für Hygienefach-
personal von Krankenhäusern, Ärzte im Ret-
tungsdienst und Rettungssanitäter.
Laboruntersuchungen
Die Labordiagnostik am Standort Chemnitz
beinhaltet die gesamte Palette hygienisch-
mikrobiologischer Untersuchungen (z. B. Tes-
tung aufbereiteter Endoskope oder RDGs und
Sterilisatoren zur Aufbereitung von Medizin-
produkten, Abklatschuntersuchungen, Luft-
keimbestimmungen, Testung desinfi zieren-
der Waschverfahren). Diese Untersuchungen
wurden im Rahmen der operativen Tätigkeit
durch physikalische Untersuchungsmethoden
wie Luftpartikelzählungen, Einsatz von Tem-
peraturdatenloggern, Raumklima-, Luftströ-
mungs- und Schallmessungen ergänzt.
Die Untersuchungen wurden auch im Jahr
2011 meist im Auftrag der Gesundheitsäm-
ter durchgeführt und betrafen hauptsäch-
lich Probenahmen und Messungen in Kran-
kenhäusern, ambulant operierenden bzw.
endoskopierenden Praxen sowie Altenpfl e-
geheimen. Ferner wurden auch Materialien
direkt für andere Landesinstitutionen (z. B.
Justizvollzugsanstalten) sowie aus den kran-
kenhaushygienisch betreuten Kliniken unter-
sucht.
Die Tabelle 1 gibt eine Übersicht ausgewähl-
ter hygienischer Untersuchungen in Gesund-
heits- und Gemeinschaftseinrichtungen im
Berichtsjahr.
Mitwirkung bei der staatlichen Anerken-
nung von Kur- und Erholungsorten
Als Mitglied des Landesbeirates für Kur- und
Erholungsorte am Sächsischen Staatsminis-
terium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr
obliegt der LUA die Beurteilung der Voraus-
setzungen der Antrag auf staatliche Aner-
kennung stellenden Orte im Bereich Hygiene.
Nach Sichtung aller Gutachten und Unterla-
gen sowie Teilnahme an einer Ortsbegehung
wird zu jedem Verfahren eine schriftliche Hy-
gienebewertung abgefasst, in die alle hygie-
nerelevanten Gesichtspunkte einfl ießen.
Im Berichtsjahr 2011 konnten 2 Verfahren zur
staatlichen Anerkennung als Kur- bzw. Erho-
lungsort gemäß Sächsischem Kurortegesetz
(SächsKurG) für folgende Städte, Gemeinden
bzw. Ortsteile innerhalb des Landesbeirates
abgeschlossen und nach Abstimmung gegen-
über dem SMWA zur Prädikatisierung emp-
fohlen werden:
Diesbar-Seußlitz (Erholungsort, Gemeinde
Nünchritz, Kreis Meißen)
Eibenstock (Erholungsort, Erzgebirgskreis)
In einem weiteren Antrag kam der Landesbei-
rat zu einem negativen Votum, da diesem Ort
insgesamt wesentliche Voraussetzungen zum
Erholungsort fehlten. Kurorte standen 2011
nicht zur Prädikatisierung an.
Aufgrund der seit der Novellierung des Sächs-
KurG bestehenden Notwendigkeit der Nach-
beurteilung vergebener Prädikate nach 10
Jahren wurde innerhalb des Landesbeirates
ein Überblick über die für die nächsten Jah-
re anstehenden Orte als Planungsgrundlage
erarbeitet. Weiterhin war die LUA innerhalb
des Landesbeirates bei der Überarbeitung der
Verordnung über die Voraussetzungen der
Anerkennung als Kur- oder Erholungsort im
Freistaat Sachsen (ANVO) und der zugehöri-
gen Bekanntmachung beteiligt.
Tab. 1: Ausgewählte hygienische Untersuchungen im Jahr 2011
Art der Untersuchung
Anzahl
Überprüfung von Desinfektionsverfahren
638
RDG für chir. Instrumente, Anästhesiematerial, OP-Schuhe usw.
104
desinfizierende Waschverfahren
199
Steckbecken-RDG
284
Geschirrspülautomaten
36
Dampfdesinfektionsgeräte
6
sonstige
9
Mikrobiologische Überprüfung von Sterilisatoren
137
Dampf
71
Heißluft
66
Gas
-
Überprüfung von RLT-Anlagen (Anzahl Haupt-/ Nebenräume)
130 / 138
Luftkeimkonzentrationsbestimmungen
1.167
Luftpartikelmessungen
1.307
Messungen von Luftströmungsrichtungen
341
Messung klimaphysiologischer Parameter
268
Kontaktkulturen bzw. Abstriche zur Kontrolle von Desinfektions- und Reinigungs-
maßnahmen
5.387
Überprüfung aufbereiteter Endoskope (Anzahl Endoskope)
330
Spülflüssigkeiten
1.187
Abstriche
879
krankenhaushyg. Wasserproben (z. B. aus med. Geräten, Spülwasser)
16
Thermologger (Anzahl getesteter Geräte)
86

 
18 │
Zu ausgewählten Infektionskrankheiten:
Masern und Pertussis
Die Weltgesundheitsorganisation WHO
musste ihr Ziel, die
Masern
aus Europa zu
eliminieren, schon mehrfach verschieben.
Nach 2007 und 2010 wird nun das Jahr 2015
avisiert. Die steigende Zahl an Masernerkran-
kungen in Europa und Deutschland zeigt, dass
dieses Ziel jedoch noch sehr weit entfernt zu
sein scheint. So wurden europaweit im Jahr
2011 mehr als 30.000 Masernfälle, darunter
8 Masern-assoziierte Todes- und 27 Masern-
bedingte Enzephalitis-Fälle, registriert. 24 der
29 Berichtsländer beobachteten einen An-
stieg von Masernerkrankungen im Vergleich
zu 2010. In Deutschland wurden 2011 über
1.600 Masernfälle gemeldet, doppelt so viele
wie im Vorjahr.
Auch in Sachsen erkrankten von März bis Juni
2011 insgesamt 23 Personen an dieser Infek-
tionskrankheit. Es handelte sich um 3 Säug-
linge (< 1 Jahr), 4 Klein- bzw. Vorschulkinder
(im Alter zwischen 1 und 5 Jahren), 8 Schul-
kinder (6-15 Jahre) sowie 8 Erwachsene (zwi-
schen 20 und 57 Jahren). Die Infektionsquelle
war in einigen Fällen im Ausland (Frankreich,
Philippinen) bzw. in Bundesländern mit ho-
hen Erkrankungszahlen (Bayern) anzuneh-
men. 11 der 23 gemeldeten Erkrankten in-
fi zierten sich über familiären Kontakt, ein
Säugling durch einen Spielgefährten der be-
suchten Krabbelgruppe. Bis auf eine Patientin
waren alle Betroffenen nicht gegen Masern
geimpft. Diese 23 im Jahr 2011 registrierten
Fälle, von denen 8 im Krankenhaus behandelt
werden mussten, bedeuten einen deutlichen
Anstieg: in den letzten fünf Jahren waren in
Sachsen jeweils nur 1 bis maximal 4 Masern-
erkrankungen registriert worden.
Die Masern gelten als eliminiert, wenn eine
fortlaufende Mensch-zu-Mensch-Übertra-
gung nicht mehr stattfi nden kann und einge-
schleppte Infektionen keine weiteren Infekti-
onsketten nach sich ziehen. Um das Ziel, die
Masern zu eliminieren, zu erreichen, müssten
mindestens 95 % der Bevölkerung zweimal
geimpft sein.
Die Sächsische Impfkommission empfi ehlt
allen nach 1958 geborenen Personen, die
nicht nachweislich eine Masernerkrankung
durchgemacht haben, sich impfen zu lassen.
Prinzipiell gibt es keine Altersbegrenzung für
die Masernimpfung, nur Schwangere und im-
mungeschädigte Personen dürfen nicht ge-
impft werden. Die Masernimpfung ist zwei-
mal mit einem Mindestabstand von 4 Wochen
(besser für einen lang anhaltenden Impfer-
folg ist ein längerer Abstand von 3 Monaten)
zu verabreichen. Sollte nur einmal geimpft
werden, so muss eine Überprüfung des Imp-
ferfolges anhand einer serologischen Blut-
untersuchung erfolgen. Kinder werden nach
Impfkalender im 2. und 6. Lebensjahr geimpft.
Im Gegensatz zu Masern wird man
Keuch-
husten (Pertussis)
vermutlich niemals ganz
eliminieren können. Dies liegt unter anderem
daran, dass sowohl die Infektion als auch die
Impfung mit den derzeit verfügbaren Impf-
stoffen nur eine zeitlich begrenzte Immunität
(von maximal 10 Jahren) induzieren.
Trotz wiederholter Erweiterung der Impfemp-
fehlungen ist in den vergangenen Jahren ein
insgesamt ansteigender Trend bei dieser -
bisher nur in den Neuen Bundesländern mel-
depfl ichtigen - Erkrankung festzustellen.
Pertussis - ursprünglich eine typische Kin-
derkrankheit - entwickelte sich den in letzten
Jahrzehnten zunehmend auch zu einer Er-
wachsenenerkrankung. Das Durchschnittsal-
ter der im Freistaat an Keuchhusten erkrank-
ten Patienten sank nun aber in den letzten
Jahren von 45 Jahren im Jahr 2004 kontinu-
ierlich und lag 2011 bei nur noch 27 Jahren.
Während nach der Empfehlung einer Boos-
terimpfung der Erwachsenen aller 10 Jahre
durch die Sächsische Impfkommission im
Jahr 2007 zwar ein Rückgang der Anteile
der Neuerkrankungen in dieser Altersgruppe
erzielt werden konnte, nahmen die Erkran-
kungszahlen in der besonders gefährdeten
Risikogruppe der Säuglinge in den letzten
Jahren zu (Abbildung 1).
Im Jahr 2011 wurden in Sachsen 1.241 Per-
tussis-Erkrankungen (30 Erkrankungen pro
100.000 Einwohner) erfasst, 56 % mehr als
im Vorjahr 2010. Ähnlich hohe Erkrankungs-
zahlen wurden bisher nur 2007 (1.222 Er-
krankungen) bzw. 2009 (1.554 Erkrankungen)
registriert.
Über die Hälfte der Betroffenen (55 %) war
15 Jahre und älter. 55 Erkrankungen traten
bei Säuglingen auf, was einer Inzidenz (Neu-
erkrankungsrate) von 162 Erkrankungen pro
100.000 dieser Altersgruppe entspricht. Gera-
de Kinder im ersten Lebensjahr, bei denen der
Keuchhusten ein lebensbedrohliches Krank-
heitsbild darstellen kann, gilt es mehr zu
schützen. Kontaktpersonen von Säuglingen
(vor allem auch Eltern, Großeltern und Ge-
Infektionsepidemiologische Erfassung, Berichts-
und Beratungstätigkeit
Tab. 1: Masern in Sachsen und Deutschland
(Datenstand Deutschland, Survstat 07.03.2012)
Jahr
Sachsen
E abs.
E pro
100.000 EW
Deutschland
E abs.
darunter Todes-
fälle
E pro
100.000 EW
2005
16
0,37
780
1
0,95
2006
1
0,02
2.307
1
2,8
2007
1
0,02
566
0,7
2008
2
0,05
916
1,1
2009
2
0,05
574
0,7
2010
4
0,1
780
0,95
2011
23
0,55
1.607
2
2,0
Abb. 1: Pertussis-Erkrankungen im Freistaat Sachsen 2002 bis 2011 nach Altersgruppen
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Erkrankungen
< 1
1 - <
5
5 - < 10
10 - < 15
15 - < 25
>= 25

│19
schwister) sollten einen sicheren Impfschutz
besitzen, damit von ihnen keine Ansteckungs-
gefahr bzw. Übertragungsrisiko ausgeht.
Von den 1.241 gemeldeten Keuchhustenpa-
tienten waren 673 (54 %) ungeimpft, 330
(27 %) der Erkrankten hatten einen unvoll-
ständigen Impfschutz. Der relativ hohe Anteil
trotz Impfung erkrankter Personen von 19 %,
der in den letzten 5 Jahren zwischen 10 und
16 % betrug, ist bei dieser impfpräventablen
Erkrankung nicht ungewöhnlich, wenn auch
nicht zufriedenstellend. Insbesondere in der
Altersgruppe der Kleinkinder kommt es ver-
mehrt zu so genannten Impfdurchbrüchen
und gerade diese Altersgruppe war im Jahr
2011 im Zusammenhang mit Erkrankungs-
häufungen auch anteilig mehr betroffen als
in den Jahren zuvor. Von den 174 erkrankten
Kindern im Alter von 1 - < 5 Jahren waren 71
(41 %) geimpft.
Im Berichtsjahr kamen insgesamt 41 Pertus-
sis-Ausbrüche zur Meldung, mehr als doppelt
so viele wie in den Vorjahren (2006 – 2010).
20 dieser Erkrankungsgeschehen wurden in
Schulen, 11 in Kindertagesstätten und 7 als
familiäre Häufungen registriert. Gerade in
Kindertagesstätten kam es also zu deutlich
mehr Erkrankungsausbrüchen als in den Vor-
jahren, in denen aus diesen Einrichtungen je-
weils nur 1-3 Ausbrüche übermittelt wurden.
Für den Freistaat Sachsen wurden durch die
Landesuntersuchungsanstalt in Zusammen-
arbeit mit der AG Infektionsschutz des Lan-
desverbandes Sachsen der Ärzte und Zahn-
ärzte des ÖGD Empfehlungen zur Verhütung
und Bekämpfung von Pertussis entwickelt.
Dieses so genannte Herdbekämpfungspro-
gramm und ein kurzgefasstes Handlungs-
schema für den Umgang mit Erkrankten und
Kontaktpersonen wurden aktuell überarbeitet
und sollen dazu beitragen, den Keuchhusten
weiter zurückzudrängen, wenn er schon nicht
ausgerottet werden kann.
Novellierung der sächsischen IfSGMeldeVO
(Änderung der Verordnung über die Erwei-
terung der Meldepfl icht für übertragbare
Krankheiten und Krankheitserreger nach
dem Infektionsschutzgesetz)
Die Verordnung des Sächsischen Staatsminis-
teriums für Soziales und Verbraucherschutz
über die Erweiterung der Meldepfl icht für
übertragbare Krankheiten und Krankheitser-
reger nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG-
MeldeVO) vom 03.06.2002 wurde novelliert.
Folgende Änderungen sind mit Veröffent-
lichung der novellierten IfSGMeldeVO im
Sächsischen Gesetz- und Verordnungsblatt
Nr. 12/2011 (S. 629-630) am 15.12.2011 in
Kraft getreten:
Neu aufgenommen wurde im § 1 (Ausdeh-
nung der Meldepfl icht auf andere übertragba-
re Krankheiten) die namentliche Meldepfl icht
der Erkrankung und des Todes an invasiven
Pneumokokken-Erkrankungen, Herpes zoster
und Windpocken.
Gemäß § 2 (Ausdehnung der Meldepfl icht auf
andere Krankheitserreger) besteht nun zudem
eine namentliche Meldepfl icht von Erreger-
nachweisen, wenn diese auf eine akute In-
fektion hinweisen, für „community acquired
Methicillin-resistente Staphylococcus aure-
us“ (caMRSA).
Im § 4 (Spezifi zierung der Meldepfl icht für
übertragbare Krankheiten) wurde eine Än-
derung der Stellung von Clostridium diffi cile
vorgenommen, der jetzt – seiner Bedeutung
entsprechend - als Extra-Meldetatbestand
und nicht mehr im Rahmen der übrigen mi-
krobiell bedingten Lebensmittelvergiftungen
aufgeführt ist.
Nicht mehr meldepfl ichtig sind die Erkran-
kung Rotz, das Toxische Schocksyndrom (TSS)
sowie das Trachom (§ 1). Diese Erkrankungen
treten in Sachsen wie auch bundesweit nur
noch sehr selten bzw. gar nicht mehr auf.
Demzufolge ist aus epidemiologischer Sicht
eine erweiterte Meldepfl icht nicht mehr zu
begründen. Auch der Nachweis biogener
Amine (zum Beispiel Histamin, ehemals § 4),
die als potentielle Verursacher gastroenteri-
tischer Erkrankungen in Frage kommen, ist
nicht mehr meldepfl ichtig.
Die entsprechenden für den Freistaat entwi-
ckelten und angepassten Arzt- bzw. Labor-
Meldeformulare sind im Internet auf der Seite
www.gesunde.sachsen.de/12210.html
einge-
stellt.
Abb. 2: Pertussis-Erkrankungen im Freistaat Sachsen 2011 nach Altersgruppen
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
0
20
40
60
80
100
120
140
160
180
< 1
1 - < 5
5 - < 10
10 - < 15
15 - < 25
25 - < 45
45 - < 65
65 u. ä.
Inzidenz
Erkrankungen
Erkrankungen
Inzidenz

 
20 │
Die Themen Gesundheits- und Verbraucher-
schutz weisen inhaltlich und aufgabenbezo-
gen enge Beziehungen zum Umweltschutz
auf. Die Schnittstellen zwischen diesen bei-
den Ressorts stehen im Mittelpunkt der Ak-
tivitäten des Fachgebietes „Umweltmedizin,
Kommunalhygiene“, dessen Aufgabe darin
besteht, die im Freistaat Sachsen tätigen Ge-
sundheitsbehörden sowie andere öffentliche
Stellen und Fachbehörden im Bezugsbereich
Umwelt und Gesundheit zu beraten sowie ge-
gebenenfalls mit Untersuchungen und Stel-
lungnahmen zu unterstützen.
Auch im Berichtsjahr 2011 stand erneut ein
breites Spektrum verbraucher- und umwelt-
schutzbezogener Fragestellungen mit um-
weltmedizinischem Hintergrund auf der Ta-
gesordnung.
Das diesbezügliche Anforderungsprofi l um-
fasste sowohl fernmündliche Beratungsan-
liegen zu vermuteten Schadstoffexpositionen
bis hin zu komplexen umweltmedizinischen
Stellungnahmen und Expositionsanalysen,
einschließlich der hierzu notwendigen Probe-
nahmen und Ortsbesichtigungen. Insgesamt
wurden im Berichtsjahr 2011 an das Fach-
gebiet 712 Anfragen herangetragen. Hiervon
waren 189 Amtshilfeersuchen in Form einer
ausführlichen schriftlichen Stellungnahme,
einschließlich der dazugehörigen Ortsbe-
sichtigung und einer Probenahme für spezi-
elle Umfelduntersuchungen, abzufassen. Das
Gros der Anfragen wegen befürchteter Ge-
sundheitsrisiken stammte aus den Gesund-
heitsämtern, die hierfür in den Kommunen
oft die erste Anlaufstelle sind. Ein weiterer
Teil der an das Fachgebiet geleiteten Anfra-
gen resultiert aus umweltmedizinischen und/
oder hygienischen Auffälligkeiten, die wäh-
rend gesundheitsbehördlicher Inspektionen
in Einrichtungen nach § 8 SächsGDG festge-
stellt wurden.
Der Anfragen- und Tätigkeitsschwerpunkt lag
im Bereich der Innenraumlufthygiene (z. B.
Gesundheitsrisiken durch Innenraumchemi-
kalien und Schimmelpilze, Lüftungsprobleme
in Schulen, Hygieneanforderungen an Lüf-
tungs- und Klimaanlagen, Behaglichkeits-
und Gesundheitsaspekte in Passiv- und Nied-
rigenergiehäusern). Die Unterstützung durch
die LUA bei raumlufthygienischen Anfragen
beinhaltet sowohl die umweltmedizinische
Beratungstätigkeit als auch das Angebot von
indikationsgerechter Messtechnik.
Mit der vorhandenen Ausrüstung kann so-
wohl die Untersuchung von Schadstoffbelas-
tungen (sog. „
f
lüchtige
o
rganische
V
erbin-
dungen“, FOV) in der Innenraumluft als auch
das Erfassen bzw. Aufspüren von Schimmel-
pilzproblemen im Innenraumbereich abge-
deckt werden. Die Untersuchungstätigkeit im
Berichtsjahr umfasste insgesamt 130 kom-
plexe Innenraumanalysen auf Schadstoffe
und/oder Schimmelpilzbefall (einschließlich
Ortsbesichtigung und Probenahme) sowie zu-
sätzlich 4.191 Laboreinsendungen zur Schim-
melpilzbestimmung aus den Kommunen.
Einen weiteren kommunalhygienischen Tä-
tigkeitsschwerpunkt bildeten im Berichtsjahr
2011 wiederum die Aktivitäten zur Umset-
zung der novellierten „Sächsischen Bade-
gewässerverordnung“ (SächsBadegewVO v.
15.04.2008). Ein Novum in der aktuellen Ver-
ordnung stellt u. a. die Erstellung der sog.
„Badegewässerprofi le“ dar, eine Forderung
der EU, die erstmalig bis zum Beginn der Ba-
desaison 2011 zu erfüllen war.
Unter einem „Badegewässerprofi l“ ist die
umfassende Erhebung und Beschreibung des
Umfeldes eines an die EU meldepfl ichtigen
Badegewässers zu verstehen. Derartige Pro-
fi le wurden im Berichtsjahr für 32 EU-Bade-
gewässer erstellt. Sowohl für die betroffenen
Landkreise als auch für die LUA stellte dies
eine nicht unerhebliche Herausforderung dar,
da bis zum Schluss noch zahlreiche Abstim-
mungen zwischen den Umwelt- und Gesund-
heitsressorts sowie zwischen der LUA und
den Gesundheitsämtern erforderlich waren.
Der LUA wurden namentlich in der zugrunde-
liegenden Verordnung koordinierende Aufga-
ben bei der Umsetzung des Gesamtkonzeptes
„Sächsische Badegewässerprofi le“ zugewie-
sen.
Ein weiteres zum Fachgebiet gehörendes
Aufgabenfeld befasst sich mit der systemati-
schen Messung und Analyse der allergieaus-
lösenden Baum- und Pfl anzenpollen in der
Außenluft. Hierfür wird am Standort Chem-
nitz der LUA eine Pollenmessstelle betrieben.
Sie ist eine von nur zwei Messstellen in Sach-
sen, die wiederum Teil des gesamtdeutschen
Pollenmessnetzes und -informationsdienstes
sind. Die eigentliche Bestimmung bzw. Dif-
ferenzierung der eingefangenen Pollen wird
stets unmittelbar vor Ort (im Labor) durchge-
führt, von wo die Daten jeweils als Update an
den Deutschen Wetterdienst gemeldet wer-
den. Die allergenen Pollen zählen zu den ge-
sundheitlich bedeutsamsten Luftinhaltstof-
fen. Sie sind Bestandteil des atmosphärischen
Bioaerosols, das gegenwärtig zunehmend in
den Fokus umweltmedizinischer Diskussio-
nen rückt. Die systematische Beobachtung
gesundheitsrelevanter Umwelteinfl üsse ist
im SächsGDG als eine der Kernaufgaben des
Öffentlichen Gesundheitsdienstes verankert
(SächsGDG v. 11.12.1991).
Schließlich waren auch im Berichtsjahr 2011
wieder zahlreiche Anfragen auf die Prüfung
von Gesundheitsbelangen im Rahmen von
öffentlichen Bauvorhaben oder kommunal
bedeutsamen Anlagen- und Gebietsplanun-
gen (i. S. von Gesundheitsverträglichkeitsprü-
fungen) gerichtet. Die im Freistaat Sachsen
meistens vorhandene enge Nachbarschaft
unterschiedlicher Nutzungen - grob unter-
teilbar in Industrie/ Gewerbe/ Landwirtschaft/
Natur/ Erholung/ Wohnen - führt nicht sel-
ten zu Interessenkonfl ikten infolge von be-
fürchteten Immissionsproblemen oder kom-
plizierten Standortbedingungen. Es wurden
im Berichtsjahr zu solchen Sachverhalten 44
schriftliche Fachberatungen oder Stellung-
nahmen angefertigt, die Einschätzungen zu
prognostizierten oder bereits beklagten Expo-
sitionen bzw. Gesundheitsrisiken enthielten.
Aufgrund des komplexen Wirkungsgefüges
von Umweltfaktoren auf die Gesundheit und
der Vielzahl möglicher Noxen sind derartige
Anfragen stets mit einem hohen Arbeits-
aufwand verbunden. Gleichwohl wird die
Beteiligung an solchen Planungs- und Ge-
nehmigungsverfahren als ein wesentlicher
Bestandteil kommunal- bzw. umwelthygie-
nischer präventivmedizinischer Tätigkeit des
Öffentlichen Gesundheitsdienstes angesehen
(die Beteiligung der Behörden des ÖGD an
örtlichen Planungsvorhaben ist im SächsGDG
v. 11.12.1991 verankert).
Im Vordergrund der diesbezüglichen Amtshil-
feersuchen an die LUA standen Anlagetypen
wie Biogasanlagen und Windkraftanlagen,
die im Zuge der energie- und klimapolitisch
avisierten Zielstellungen gegenwärtig eine
starke Förderung erfahren. Einen weiteren
Schwerpunkt der Zuarbeiten durch die LUA
bildeten Tierhaltungsanlagen.
Das Fachgebiet praktiziert und fördert mit
einem Großteil seiner Tätigkeiten eine ver-
ständliche Risikokommunikation, die sehr
nah an den kommunalen Problemen ausge-
richtet ist. Die Öffentlichkeitsarbeit nimmt
deshalb im Fachgebiet einen breiten Raum
ein. So initiiert das Fachgebiet u. a. Fortbil-
dungsveranstaltungen, erstellt Informations-
Umweltmedizinische und umwelthygienische
Untersuchungs- und Beratungstätigkeit

│21
schriften zu aktuellen umwelthygienischen
und umweltmedizinischen Themen, ist betei-
ligt an der Berichterstattung und arbeitet in
verschiedenen Fachgremien bzw. speziellen
Arbeitsgruppen mit. Das handlungsleitende
Motiv für diese vom Gesetzgeber zugewie-
senen Aufgaben ist es, letztlich auf die Ver-
besserung der Umweltverhältnisse im Sinne
einer positiven Gesundheitsförderung und
umfassenden Gesundheitsvorsorge hinzuwir-
ken.
Schadstoffe in Innenräumen
Beschwerden über Qualitätsmängel der
Raumluft gehören zum ständigen Repertoire
von Anlässen, deretwegen die Gesundheits-
behörden kontaktiert werden.
Unter umweltmedizinischen Aspekten gilt die
Innenraumluft bereits deshalb als eines der
wichtigsten Umweltmedien, weil die Aufent-
haltsdauer der meisten Menschen hierzulan-
de in Innenräumen täglich über 20 Stunden
beträgt. Die Masse der eingeatmeten Innen-
raumluft erreicht somit bei Erwachsenen täg-
lich Werte zwischen 20-24 kg und rangiert
deutlich oberhalb der jeweils aufgenom-
menen Tagesmenge an Lebensmitteln oder
Trinkwasser. Deshalb ist es sehr wichtig, alle
auffälligen Entwicklungen und Erscheinun-
gen auch in diesem Hauptaufenthaltsbereich
des Menschen aufmerksam zu beobachten
und gegebenenfalls rechtzeitig auf sich an-
bahnende Probleme aufmerksam zu machen.
Der ÖGD gehört zu den wenigen Institutio-
nen, die sich behördlicherseits mit innen-
raumlufthygienischen Problemen befassen
und auf Erfahrungen und fachliche Kompe-
tenz auf diesem Gebiet verweisen können.
Die Möglichkeit des Rückgriffes auf gezielte
Untersuchungs- und Laborleistungen der
LUA ist für viele Gesundheitsämter unver-
zichtbar, insbesondere wenn es um gesund-
heitsbezogene Fragestellungen in öffentlich
bzw. gemeinschaftlich genutzten Gebäuden
(Schulen, Kitas, Sporthallen, Bibliotheken,
Hörsäle, Veranstaltungsräume, Büro- und
Verwaltungsräume) geht.
Die Inanspruchnahme von Schadstoffmes-
sungen der Innenraumluft durch die LUA
bewegt sich jährlich auf einem Niveau von
etwa 60-70 komplexen Gebäudeanalysen. Die
Abbildung 1 zeigt eine Untergliederung der
im Berichtsjahr 2011 untersuchten Gebäude-
typen nach ihrer Nutzungsart.
Um systematische Informationen über die
zahlreichen Facetten von Innenraumluftbe-
lastungen zu erhalten, wäre ein kontinuier-
liches Monitoring (ähnlich wie in der Außen-
luft) grundsätzlich wünschenswert. Dies lässt
sich allerdings gegenwärtig nicht realisieren,
da für chemische Luftbelastungen in den o. g.
Innenräumen keine gesetzlichen Regelungen
existieren (ausgenommen Gefahrstoffarbeits-
plätze). Als maßgebliche Quelle für das Wis-
sen über die aktuellen Belastungsverhältnisse
in Innenräumen dienen somit hauptsächlich
anlassbezogene bzw. beschwerdenbezogene
Schadstoffuntersuchungen.
Die Anlässe, deretwegen die Gesundheitsäm-
ter die LUA um Unterstützung ersuchen, las-
sen sich den folgenden Kategorien zuordnen:
anhaltende Geruchsbelästigungen und
Befi ndlichkeitsstörungen,
hauptsächlich
zusammenhängend mit Neubautätigkei-
ten sowie nach Sanierungs- und Renovie-
rungsarbeiten;
Hygieneprobleme in Schulen, Kinderta-
gesstätten und anderen gemeinschaftlich
genutzten Gebäuden infolge zu geringer
Luftwechselraten;
Innenraumprobleme infolge von Hava-
rien, nach Bränden oder anderen außer-
gewöhnlichen Schadensereignissen mit
einer möglichen Gesundheitsgefährdung
(z. B. Heizölkontaminationen nach Hoch-
wassereinbrüchen);
Belästigungen durch permanente Raum-
desodorierung, insbesondere bei Personen
mit Duftstoffallergien oder Personen mit
Chemikalienüberempfi ndlichkeiten;
Innenraumprobleme infolge eines Schad-
stofftransfers aus Altlasten bzw. Altabla-
gerungen.
Der Untersuchungsgang vor Ort beinhaltet
stets eine gründliche Inspektion sowie die
Erfassung des vorliegenden Beschwerden-
profi ls. Die Ergebnisse dieser Vorermittlungen
sind ausschlaggebend für die Eingrenzung
von verdächtigen Innenraumquellen und so-
mit richtungsweisend für den zielgerichteten
Einsatz der Probenahme- und Messtechnik.
Die Abbildung 2 zeigt das Spektrum der Be-
schwerden, die im Berichtsjahr der Auslöser
für die Konsultation der Gesundheitsbehör-
den waren.
Die LUA verfügt über eine moderne gaschro-
matographische Analytik, eingeschlossen eine
kompatible Probenahme, mit der ein großer
Teil der in die Raumluft gelangenden Chemi-
kalien gemäß neuesten Standards quantitativ
bestimmt werden kann (ca. 250 Einzelverbin-
dungen, sog.
F
lüchtige
O
rganische
V
erbin-
dungen, „FOV“, im Siedebereich 50-260 °C,
gemäß VDI-RL 2100 Bl. 1 und Bl. 2).
Für die Beurteilung der gemessenen Raum-
luftkonzentrationen stehen einerseits
Richt-
werte
zur Verfügung. Sie werden von einem
beim Umweltbundesamt ansässigen Exper-
tengremium erarbeitet und empfohlen. Die
Richtwerte gestatten eine differenzierte ge-
sundheitsbezogene Bewertung. Der
Richt-
wert I
(1. Stufe) markiert die untere Tole-
ranzschwelle, sie sollte nach Möglichkeit
unterschritten werden. Der
Richtwert II
(2.
Stufe) sollte auf keinen Fall überschritten
werden, da Überschreitungen nicht mehr
als gesundheitskonform gelten. Außer den
Richtwerten werden verschiedene
Leitwer-
te
empfohlen, sie beinhalten Zielvorgaben,
die aus lufthygienischer Sicht grundsätzlich
erstrebenswert sind. Der meistverwendete
Leitwert für moderne Innenräume ist die sog.
FOV-Summenkonzentration
(fachsprach-
lich:
TVOC-Wert
, abgeleitet von
t
otal
v
ola-
tile
o
rganic
c
ompounds), für den der offi ziell
empfohlene Zielwertbereich zwischen 200-
300 μg pro m
-3
liegt.
Von den 2011 untersuchten 65 Innenräumen
waren nur 38 % als vollständig ziel- und
richtwertkonform einzuschätzen. In 62 % der
Untersuchungsräume wurden die empfohle-
nen Zielwertkonzentrationen für die summa-
rische Belastung mit fl üchtigen organischen
Verbindungen (FOV-Summenkonzentration)
überschritten. Zusätzlich wiesen 43 % die-
ser Räume Richtwertüberschreitungen von
Einzelstoffen auf, bei denen aus gesund-
heitlichen Gründen vorsorglich Maßnahmen
26
21
16
2
0
5
10
15
20
25
30
Schulen
Kitas
Ämter
Krankenhäuser
Anzahl
Abb. 1: Anzahl der untersuchten Gebäudetypen nach ihrer Nutzungsart

22 │
Badegewässerhygiene
Während der Badesaison 2011 stand als we-
sentliche Herausforderung für die Gesund-
heitsbehörden des Freistaates die fristgemä-
ße Umsetzung der Vorgaben der novellierten
Badegewässerrichtlinie 2006/7/EG und der
neuen Sächsischen Badegewässerverordnung
in die Praxis an.
Im Mittelpunkt der routinemäßigen Badege-
wässerüberwachung in jeder Saison stehen
Inspektionen und Beprobungen der Gewäs-
ser durch die Gesundheitsämter sowie die
mikrobiologischen Untersuchungen der Pro-
ben zur Feststellung der Badewasserqualität
durch die Landesuntersuchungsanstalt. Im
Berichtsjahr wurden in der LUA 182 Was-
serproben von insgesamt 31 sächsischen
EU-Badegewässern auf die vorgeschriebe-
nen mikrobiologischen Indikatorparameter
Escherichia coli und Intestinale Enterokkoken
untersucht und bewertet. Die aktuellen Über-
wachungsergebnisse bestätigen erneut ein
hohes mikrobiologisches Niveau der Wasser-
qualität in sächsischen EU-Badegewässern.
Im Berichtszeitraum wurden bei keinem
Gewässer relevante bakterielle Wasserver-
unreinigungen bzw. gesundheitlich kritische
„hohe Einzelwerte“ für die Indikatorbakterien
Escherichia coli und Intestinale Enterokkoken
festgestellt.
Über die Wasserqualität der Badeseen infor-
miert die LUA jeweils aktuell auf ihrer Inter-
netseite
http://www.gesunde.sachsen.de/ba-
degewaesser.php.
Als nennenswerte Auffälligkeiten traten le-
diglich bei einer Talsperre Probleme durch
starke Vermehrungen von Cyanobakterien
(Blaualgen) der Gattung Microcystis auf, die
wegen zu geringer Sichttiefen zu Einschrän-
kungen des Badebetriebes führten.
Nach Abschluss der Badesaison 2011 erfolg-
te erstmalig die Berechnung der Konformität
und die Qualitätseinstufung der EU-Bade-
gewässer nach einem neuen, einheitlichen
Bewertungsverfahren. Die Grundlage hierfür
bildete die Gesamtheit der Überwachungs-
daten für die mikrobiologischen Indikator-
parameter Escherichia coli und Intestinale
Enterokkoken aus den zurückliegenden vier
Jahren (2008 bis 2011). In Sachsen verfüg-
ten 27 EU-Badegewässer über die für die
neue Einstufung notwendige Datenlage. Ei-
nen Überblick über die Qualitätseinstufung
einzelner Gewässer nach dem neuen Bewer-
tungsmodus gibt die Tab. 1.31 (s. Homepage
LUA). Alle darin verzeichneten Badegewässer
erfüllten durchweg die europaweit geltenden
hygienischen Anforderungen und wiesen ei-
nen „ausgezeichneten“ mikrobiologischen
Zustand auf.
Von der Europäischen Kommission wird jähr-
lich ein zusammenfassender Bericht über die
Qualität der Badeseen der vorangegangenen
Saison herausgegeben. Der letzte Bericht
„Qualität der Europäischen Badegewässer
2010“
ist
im
Internet
unter
http://www.eea.
europa.eu/de/publications/qualitaet-der-eu-
ropaeischen-badegewaesser-2010)
abrufbar.
Der auf der neuen Bewertung basierende Be-
richt für die Badesaison 2011 wird im Laufe
des Jahres 2012 erscheinen.
Die Verpfl ichtung zur Erstellung der Badege-
wässerprofi le für jedes EU-Gewässer bildet ei-
nen der Schwerpunkte der Richtlinie 2006/7/
EG und der SächsBadegewVO. In Sachsen
obliegt der LUA die Koordinierung für die Er-
stellung der EU-Badegewässerprofi le (§ 6 der
SächsBadegewVO).
Badegewässerprofi le beinhalten eine umfas-
sende Beschreibung aller relevanten Gewäs-
sermerkmale sowie eine längerfristige Qua-
litätsbewertung anhand mikrobiologischer
Überwachungsparameter und werden zur Er-
arbeitung von Maßnahmen zur nachhaltigen
Sicherstellung bzw. Verbesserung der Gewäs-
serqualität herangezogen.
Die ersten Profi le für 32 sächsische EU-Bade-
gewässer wurden unter Federführung der LUA
fristgemäß bis zum 24. März 2011 erstellt und
veröffentlicht. Eine Kurzbeschreibung für je-
des EU-Badegewässer sowie die detaillierten
Badegewässerprofi le (einschließlich Karten)
sind
unter
http://www.gesunde.sachsen.de/
badegewaesser.php
abrufbar.
Damit
wurde
den Anforderungen der Richtlinie 2006/7/EG
und der SächsBadegewVO im vollen Umfang
entsprochen. Eine Aktualisierung der Profi l-
daten für sächsische EU-Badegewässer ist für
das Jahr 2014 vorgesehen.
zur Ursachenermittlung und -beseitigung
angezeigt waren. Insgesamt wurden im Be-
richtsjahr in 15 Fällen Innenraumluftkonzen-
trationen ermittelt, die nicht mehr als ge-
sundheitlich unbedenklich galten, bei denen
dringender Handlungsbedarf bestand (d. h.
Nutzungsänderungen bzw. -einschränkun-
gen). Unter diesen Einrichtungen befanden
sich auch 10 Kindereinrichtungen, in denen
die Nutzung nicht in hergebrachter Weise
fortgesetzt werden konnte.
Unterstellt man, was empirisch belegt ist,
dass bereits auch moderate Ziel- und Richt-
wertüberschreitungen der Innenraumluft
eine wesentliche Mitursache für die o. g.
Beschwerden sein können, dann ergeben
sich aus unseren Messungen in 62 % der
herangetragenen Fälle Hinweise auf einen
wahrscheinlichen Beschwerdeauslöser im
Indoorbereich. In den meisten Fällen konnte
den Gesundheitsämtern handlungsweisen-
de Hilfe mit einer Angabe der wahrscheinli-
chen Quelle(n) angeboten werden. Unter den
wahrscheinlich gemachten Quellen bildeten
wie in den Vorjahren der Fußbodenaufbau
neben der chemischen Mauerwerkssanierung
und verschiedenen Versiegelungssystemen
den Schwerpunkt der Raumluftbelastungen.
Festzuhalten bleibt, dass die seit Jahren be-
stehenden Tendenzen von kontinuierlich an
die Gesundheitsbehörden gerichteten innen-
raumbezogenen Beschwerden für ein nicht
unerhebliches Problempotenzial bezüglich
chemischer Innenraumluftbelastungen spre-
chen. Das Gebiet ist – nicht zuletzt Dank
der Aktivitäten des ÖGD – auf der Ebene der
ernstzunehmenden Gesundheitsthemen und
dringend zu nutzenden Präventionspotenzi-
ale angelangt.
Abb. 2: Zusammensetzung des Beschwerdespektrums
18
5
8
21
17
14
6
4
Augenreizung
Mattigkeit
Atembeschwerden
Kopfschmerzen
Nasenreizung
Rachenreizung
Hautreizung
erhöhte Infektanfälligkeit

 
│23
In den beiden Abteilungen „Amtliche Lebens-
mitteluntersuchungen“ der Landesuntersu-
chungsanstalt für das Gesundheits- und Vete-
rinärwesen (LUA) an den Standorten Dresden
und Chemnitz sind 2011 auf der Grundlage
der gesetzlichen Bestimmungen 24.363 Pro-
ben untersucht und beurteilt worden. Die
Beanstandungsquote bei Lebensmitteln, Be-
darfsgegenständen, kosmetischen Mitteln
und Tabakerzeugnissen lag mit 12,3 % wie-
der etwas höher als im Vorjahr, in dem mit
10,8 % die niedrigste Beanstandungsquote
seit Bestehen der LUA zu verzeichnen war.
Die detaillierte Aufl istung der Beanstan-
dungsgründe kann den Tabellen 2.2 bis 2.7
(s. Homepage LUA) entnommen werden. Der
Tabellenteil zu diesem Jahresbericht wird
ausschließlich auf der Homepage der LUA un-
ter dem Stichwort „Publikationen“ eingestellt
(http://www.lua.sachsen.de).
Auffällig ist die
große Spannweite der Beanstandungsquo-
ten in den untersuchten Produktgruppen.
Wie in den vergangenen Jahren wurden bei
Nahrungsergänzungsmitteln am häufi gsten
Abweichungen von der Norm festgestellt (s.
Abb. 1). Dagegen stellte sich Säuglings- und
Kleinkindernahrung im Jahr 2011 als neuer
Beanstandungsschwerpunkt heraus. In die-
ser Warengruppe musste etwa jede dritte
Probe aufgrund von Verstößen gegen Kenn-
zeichnungsvorschriften beanstandet werden.
In der nachfolgenden Grafi k sind diejenigen
Produktgruppen dargestellt, deren Beanstan-
dungsquote über 20 % lag. Nur 0,2 % der
Lebensmittelproben wurden - hauptsächlich
wegen des Nachweises pathogener Keime -
als gesundheitsschädlich bewertet.
teilweise schwerwiegend verlaufenden In-
fektionen mit dem Erreger und zum anderen
im Rahmen eines kurzfristig initiierten Lan-
desüberwachungsprogramms im Sinne des
vorbeugenden gesundheitlichen Verbrau-
cherschutzes. Bei der Bewältigung derartiger
krisenähnlicher Geschehen werden die Vor-
teile einer unabhängigen, gut vernetzten und
integrierten Untersuchungseinrichtung mit
den Bereichen Amtliche Lebensmitteluntersu-
chung, Humanmedizin, Veterinärmedizin und
Futtermittelüberwachung besonders deutlich.
Durch die Integration der Amtlichen Futter-
mittelüberwachung in das Fachgebiet Amtli-
che Außendienstaufgaben wurde eine bessere
Verzahnung mit der Amtlichen Lebensmittel-
überwachung erreicht, die beispielsweise im
Rahmen eines Programms zur Kontamination
von zur Futtermittel- und Lebensmittelerzeu-
gung genutzten Überschwemmungsfl ächen
genutzt werden konnte.
Die amtliche Untersuchungstätigkeit der LUA
Sachverständigen wurde nicht selten von ei-
nem hohen medialen Interesse begleitet. Ne-
ben den bereits geschilderten Geschehnissen
erfuhr ein Urteil des Europäischen Gerichts-
hofes zum Vorkommen von Pollen aus gen-
technisch veränderten Pfl anzen in Honig eine
besondere Aufmerksamkeit durch die Presse.
Der EuGH kam zum dem für die Fachwelt
überraschenden Schluss, dass Pollen eine Zu-
tat in Honig darstellt und dass Honig damit
unter den Geltungsbereich der Verordnung
(EG) Nr. 1829/2003 über gentechnisch verän-
derte Lebensmittel und Futtermittel fällt. Da-
raus ergab sich die Notwendigkeit der quan-
titativen Untersuchung von Honig auf Pollen
von gentechnisch veränderten Pfl anzen. Aus
dem Urteil ergeben sich möglicherweise wei-
tere lebensmittelrechtliche Konsequenzen,
die zukünftig bei der Untersuchung und Be-
urteilung von Honig zu berücksichtigen sind.
Die Zusammenarbeit im Rahmen der mittel-
deutschen Kooperation (Thüringen, Sachsen-
Anhalt, Sachsen) wurde auch im Jahr 2011
erfolgreich fortgesetzt. Damit werden über-
wiegend komplizierte Einzelmethoden abge-
deckt, die parallel in allen drei Ländern nur
mit unverhältnismäßig hohem personellen
und fi nanziellen Aufwand zu etablieren wä-
ren. Derzeit wird analysiert, auf welchen Ge-
bieten die Länderkooperation zukünftig noch
weiter intensiviert werden kann.
Das Jahr 2011 war besonders durch drei
bedeutsame Geschehnisse mit zum Teil gra-
vierenden Auswirkungen auf die Lebens-
mittel- und Futtermittelsicherheit geprägt.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Abteilungen „Amtliche Lebensmitteluntersu-
chungen“ waren an der Bewältigung dieser
Ereignisse im Rahmen der Risikobewertung,
des Risikomanagements und der amtlichen
Untersuchungstätigkeit aktiv beteiligt. In
Folge der Reaktorkatastrophe in Fukushi-
ma war zu klären, ob radioaktiv belastete
Lebensmittel und kosmetische Mittel nach
Sachsen geliefert wurden. Als Grundlage der
lebensmittelrechtlichen Beurteilung der ent-
nommenen Proben in der LUA erfolgte die
Probenuntersuchung im Staatsbetrieb Staat-
liche Betriebsgesellschaft für Umwelt und
Landwirtschaft. Gleich zu Beginn des Jahres
war auch Sachsen durch einen sich bun-
desweit auswirkenden Kontaminationsfall
mit Dioxinen betroffen. Unter Verwendung
technischer Fette hergestellte Mischfutter-
mittel waren unter anderem an einen gro-
ßen Gefl ügelmastbetrieb geliefert worden.
Der effi zienten und hochfl exiblen Arbeits-
weise und der damit verbundenen schnellen
Befunderstellung in der LUA war es zu ver-
danken, dass die Aufl agen für den betroffe-
nen Betrieb innerhalb kürzester Zeit wieder
aufgehoben werden konnten, nachdem sich
die untersuchten Lebensmittelproben als un-
auffällig herausgestellt hatten. Im Laufe des
EHEC Geschehens musste eine unplanmäßig
hohe Zahl an pfl anzlichen Lebensmitteln auf
den Erreger untersucht werden. Dies geschah
zum einen hinsichtlich einer Aufklärung von
Amtliche Lebensmitteluntersuchungen
Amtliche Futtermittelüberwachung
Übersicht über das Leistungsspektrum
0 10 20 30 40 50
Weinähnliche Getränke
Konfitüren, Gelees, Marmeladen, Fruchtzubereitungen
Diätetische Lebensmittel
Spirituosen
Zusatzstoffe
Würzmittel
Bedarfsgegenstände im Körperkontakt
Honige, Brotaufstriche
Säuglings -und Kleinkindernahrung
Bedarfsgegenstände im Kontakt mit Lebensmitteln
Nahrungsergänzungsmittel
Beanstandungsquote [%]
Abb. 1: Beanstandungsquoten für ausgewählte Warengruppen

 
24 │
Die Untersuchung und Beurteilung von Arz-
neimitteln wurde vollständig an das Landes-
labor Berlin-Brandenburg abgegeben. Die
damit verbundene Abwanderung des wissen-
schaftlichen Sachverstands erweist sich ins-
besondere im Grenzbereich zwischen Lebens-
mitteln und Arzneimitteln als problematisch.
Als sehr vorteilhaft hat sich demgegenüber
die Mitte des Jahres vollzogene Zusammenle-
gung der Untersuchungsbereiche „Diätetische
Lebensmittel“ und „Nahrungsergänzungs-
mittel“ in einem Fachgebiet erwiesen. Hier
ist der häufi g phrasenhaft gebrauchte Begriff
„Synergieeffekt“ tatsächlich mit Leben erfüllt.
Neben der amtlichen Untersuchungstätigkeit
und der Beurteilung von Proben gehört die
wissenschaftliche Beratung des Sächsischen
Staatsministeriums für Soziales und Verbrau-
cherschutz ebenfalls zu den Dienstaufgaben
der LUA. Die Erarbeitung einer Vielzahl von
Stellungnahmen ist beredtes Zeugnis dafür.
Gemäß der Verordnung (EG) Nr. 882/2004
über amtliche Kontrollen zur Überprüfung
der Einhaltung des Lebensmittel- und Futter-
mittelrechts muss sichergestellt werden, dass
sich das gesamte Kontrollpersonal in seinem
Aufgabenbereich regelmäßig weiterbildet.
Dafür sind die erforderlichen Mittel bereitzu-
stellen, damit auch weiterhin amtliche Kon-
trolle auf dem aktuellen Stand von Wissen-
schaft und Technik gesichert ist. Das Personal
der LUA wendet wiederum selber einen nicht
unbeträchtlichen Zeitanteil für die Ausbil-
dung von Lebensmittelchemikern im Rahmen
des 3. Prüfungsabschnittes, sowie für die
Ausbildung von Lebensmittelkontrolleuren
und Chemielaboranten auf. Im Rahmen von
Praktika, Diplom- und Doktorarbeiten fi ndet
ein intensiver wissenschaftlicher Austausch
zu beiderseitigem Nutzen statt.
Nicht zuletzt soll die Mitarbeit vieler Sach-
verständiger in den zentralen Gremien des
Bundes und der Länder hervorgehoben
werden. Diese häufi g in ihrer Bedeutung
unterschätzten Aktivitäten tragen in her-
ausragender Weise zum „guten Ruf“ der Lan-
desuntersuchungsanstalt in der Bundesrepu-
blik Deutschland bei.
Lebensmittelmikrobiologie und Lebensmittel-
hygiene
Die Untersuchungen von tierischen und nicht-
tierischen Lebensmitteln erfolgen mittels
sensorischer, mikrobiologischer, immunolo-
gischer, chemischer, molekularbiologischer
sowie rückstandsanalytischer Verfahren.
Sie dienen im Wesentlichen der Prüfung der
Verkehrsfähigkeit sowie dem Schutz des Ver-
brauchers vor gesundheitlichen Gefahren so-
wie vor Irreführung und Täuschung. Im Fol-
genden werden auszugsweise die erhobenen
Befunde und Ergebnisse dargestellt. Auf be-
sondere Schwerpunkte im Jahr 2011, wie das
EHEC Geschehen, wird in einem gesonderten
Abschnitt eingegangen.
Milch
Bereits seit der Zähmung der Rinder vor etwa
8000 Jahren wird Milch als Nahrungsmittel
verwendet. Der früheste geschichtliche Beleg
stammt aus einer Tempelinschrift der Sume-
rer aus dem Jahre 3100 v. Chr. Dargestellt
sind das Melken von Kühen und die Milchver-
arbeitung, vermutlich die Butterherstellung.
Kuhmilch und deren Erzeugnisse zählen heu-
te zu den wichtigsten und hochwertigsten
Lebensmitteln auf dem Markt und gehören
deshalb auf einen ausgewogenen Speise-
plan. Prinzipiell kann Milch bereits nach
dem Melken als natürliches Nahrungsmittel
angesehen werden, auch wenn es vor dem
Verzehr noch erhitzt werden muss. Milch ist
von Natur aus aufgrund ihrer Funktion als
Erstnahrungsmittel für den Nachwuchs des
Menschen und der Säugetiere als Komplett-
nahrungsmittel konzipiert. Sie liefert fast alle
Nährstoffe, die der Mensch benötigt in opti-
maler Menge und Verfügbarkeit.
2011 wurden an der Landesuntersuchungs-
anstalt insgesamt 686 Milchen sensorisch,
mikrobiologisch sowie z. T. chemisch-analy-
tisch untersucht. Von diesen Proben waren
lediglich 7 Proben zu beanstanden, das ent-
spricht einer Beanstandungsquote von 1,0 %.
Bei diesen Beanstandungen handelte es sich
in 4 Fällen um sensorische Abweichungen
z. T. in Verbindung mit erhöhten mikrobio-
logischen Keimzahlen. In 2 Fällen wurden
Kennzeichnungsmängel und bei einer Milch
ein Irreführungstatbestand festgestellt. Zu-
dem gelang in 5 Rohmilchen und einem Ko-
lostrumerzeugnis der qualitative Nachweis
von Campylobacter spp. in 25 g (s. Homepage
LUA, Tab. 2.26: Nachweis von Campylobacter
in Lebensmitteln 2011).
Milcherzeugnisse
Die ersten Sauermilcherzeugnisse waren das
Ergebnis spontaner Säuerung. Sie entwickel-
ten sich regional nach den Gegebenheiten
der jeweiligen klimatischen Bedingungen.
Der schon bei 20 °C bebrütbare Kefi r hat sei-
nen Ursprung beispielsweise in den kühleren
Bergregionen des Kaukasus. Entwicklungsge-
schichtlich besteht ein enger Zusammenhang
zwischen sauren Milchprodukten und Käse.
Im Untersuchungszeitraum 2011 wurden
insgesamt 473 Proben untersucht. 4 Proben
waren nicht mehr zum Verzehr geeignet und
eine Probe erwies sich sogar als gesund-
heitsschädlich aufgrund des Vorliegens eines
harten, scharfkantigen, glasähnlichen Gegen-
standes. Ein Großteil der Beanstandungen,
und zwar 64 %, wurde aufgrund fehlerhafter
Kennzeichnungen sowie irreführender Nähr-
wertkennzeichnung ausgesprochen.
Käse
Erstaunliche Fertigkeiten in der Käseherstel-
lung entwickelten in der Vergangenheit die
Römer. Sie betrieben einen regen Handel mit
den Germanen und anderen Völkern. In ihrem
Sortiment befanden sich gesalzene und un-
gesalzene, harte und weiche Käse. Griechen,
Römer und Germanen führten Käse auf ihren
langen Jagd- und Eroberungszügen mit, da
er relativ einfach und lange gelagert werden
konnte.
2011 wurden insgesamt 6,7 % der 894 un-
tersuchten Proben beanstandet. Bei der über-
wiegenden Anzahl der beanstandeten Proben,
und zwar in 47 Fällen, konnten wie auch
schon in den Vorjahren Kennzeichnungs-
mängel sowie Irreführungstatbestände fest-
gestellt werden. Zusätzlich wiesen 13 Proben
sensorische Abweichungen auf, von denen
bei 10 Proben ein Zusammenhang mit einem
erhöhten bakteriellen Keimwachstum ermit-
telt werden konnte.
Im Jahr 2011 konnte erneut
Listeria mono-
cytogenes
qualitativ in 9 von 855 Proben
nachgewiesen werden, die entsprechenden
Keimzahlen betrugen allerdings in allen un-
tersuchten Fällen weniger als 100 KbE/g, was
als lebensmittelrechtlicher Grenzwert fest-
gelegt ist (s. Homepage LUA, Tabelle 2.25:
Nachweise von Listeria monocytogenes in Le-
bensmitteln 2011). Listerien sind in den letz-
ten Jahren durch viele Pressemitteilungen in
den Focus des Interesses gerückt. So erkrank-
ten beispielsweise Ende 2009 in Österreich
und Deutschland 33 Menschen nachweis-

│25
lich durch den Verzehr von Sauermilchkäse,
8 Menschen verstarben sogar an den Folgen
der Infektion. Listerien können bei Menschen
und Tieren eine Infektionskrankheit verursa-
chen, die Listeriose genannt wird. Als human-
pathogen wird nur die Art
Listeria monocyto-
genes
angesehen. Die Infektion erfolgt durch
Aufnahme von kontaminierter Nahrung, bei
Tieren (hauptsächlich Rind und Schaf) durch
ungenügend angesäuerte Silage, beim Men-
schen durch den Verzehr von nicht sachge-
recht hergestellten Lebensmitteln (vor allem
Fleisch-, Fisch- und Milchprodukte). Listerien
fi nden sich vor allem in nicht erhitzten tie-
rischen Lebensmitteln (z. B. Rohmilch und
Rohmilchkäse). Pfl anzliche Lebensmittel sind
im Allgemeinen weniger betroffen. Listerien
können aber durch Düngung mit tierischen
Abwässern auf Gemüse gelangen. Eine Infek-
tion verläuft bei gesunden Menschen meist
harmlos oder wird sogar kaum bemerkt. Wer-
den besonders viele Erreger aufgenommen,
kann es zu Fieber und Durchfällen kommen.
Kleinkinder oder Menschen mit geschwäch-
ter Immunabwehr können dagegen schwer
erkranken.
Hühnereier
Das Ei ist ein gesundes und zudem auch
preiswertes Lebensmittel. Eier liefern ein
umfangreiches Nährstoffangebot. 52 Pro-
zent der Eier wurden 2009 von den privaten
Haushalten im Rohzustand gekauft. Bei kaum
einem anderen Lebensmittel ist der Anteil, der
in der ursprünglichen, unverarbeiteten Form
vermarktet wird, so hoch wie beim Ei. Die
andere Hälfte wird entweder beim Verzehr in
Großküchen oder der Gastronomie sowie in
verarbeiteter Form, beispielsweise in Nudeln
oder Gebäck, konsumiert, wobei es ganz all-
gemein einen Trend hin zu mehr vorverarbei-
teten Lebensmitteln und zum Außer-Haus-
Verzehr gibt. Nachdem der Eierkonsum über
mehrere Jahre rückläufi g war, hat er sich sta-
bilisiert und lag 2010 bei 214 Eiern pro Kopf
und Jahr. Aus deutscher Produktion stehen
dem Verbraucher Eier aus der ökologischen
Erzeugung, der Freilandhaltung, der Boden-
haltung und der Kleingruppenhaltung zur
Verfügung. Klarheit über die Haltungsform
und Herkunft gibt die Eierkennzeichnung. Da
in den meisten anderen EU-Mitgliedstaaten
bis Ende 2011 die Haltung von Legehennen
noch in den herkömmlichen Batterie-Käfi gen
zulässig war, gewinnt die Angabe des Her-
kunftslandes bei den mit der Nummer 3 für
das Haltungssystem gekennzeichneten Eiern
eine gesteigerte Bedeutung.
Von den untersuchten 416 Proben Hühnerei-
er wurden 19 Proben beanstandet. Als Grün-
de sind zu nennen: Die Überschreitung der
Luftkammerhöhe sowie Mängel in der Kenn-
zeichnung der Eierverpackung. Sensorische
oder mikrobiologische Beanstandungen wie
Salmonellen wurden bei frischen Hühnereiern
nicht festgestellt.
Fisch und Fischerzeugnisse
Die Auswahl auf dem Fischmarkt ist heute
riesig. 1,28 Millionen Tonnen Fisch und Fi-
schereierzeugnisse wurden im Jahr 2010 in
der Bundesrepublik Deutschland gegessen;
das sind 15,7 kg (Fanggewicht) pro Einwoh-
ner. Trotz allem sind auf deutschen Tellern
noch immer die bewährten Klassiker ange-
sagt. In Deutschland gab es eine klare Vorlie-
be für Fische aus dem Meer. Alaska-Seelachs
(23,3 %), Hering (20,0 %), Lachs (12,8 %),
Thunfi sch (10,0 %) und Pangasius (5,6 %)
waren die am meisten konsumierten Fische.
Diese fünf Fischarten deckten rund zwei Drit-
tel des Fischverbrauches in Deutschland ab.
Die steigende Berücksichtigung einer ab-
wechslungsreichen und ausgewogenen Er-
nährung in der Bevölkerung kommt auch dem
Absatz von Fisch und Meeresfrüchten zugute.
Darüber hinaus stellen die Fischwirtschaft
und der Lebensmitteleinzelhandel dem Ver-
braucher immer mehr Hintergrundinformati-
onen über den Fang und die Herkunft der von
ihnen gehandelten Seafooderzeugnisse zur
Verfügung. Diese wachsende Anzahl an Er-
zeugnissen mit genaueren Herkunftsangaben
und Zertifi katen erleichtert den Konsumenten
somit ihre Kaufentscheidung.
Ebenso eindeutig fällt die Präferenz der Kon-
sumenten für Tiefkühlerzeugnisse aus, deren
Marktanteil über 30 % beträgt. Für das Jahr
2014 geht die Fischwirtschaft von einem
Konsum von 17,5 kg aus. Zur Unterstützung
dieses Ziels wird die Fischwirtschaft ihr An-
gebot an Produkten aus zertifi zierten Fische-
reien und Aquakulturen erweitern und die
Palette an leckeren Fisch- und Meeresfrüch-
teprodukten von guter Qualität ausweiten.
Der hohe Marktanteil sowie die gute Qua-
lität an gefrorenen Erzeugnissen spiegeln
sich auch in der Probenzahl wider. Von ins-
gesamt 416 untersuchten Planproben waren
261 tiefgefroren und davon keine zu bean-
standen. Pangasiusfi let erfreut sich beim
Verbraucher großer Beliebtheit. Hier wurden
61 Proben untersucht, sowohl sensorisch als
auch mikrobiologisch waren die Erzeugnisse
verkehrsfähig. Lediglich bei einer Probe war
die Kennzeichnung nicht korrekt. Von den
138 Proben Süßwasserfi sch wurden lediglich
drei Proben hinsichtlich ihrer Kennzeichnung
beanstandet. Zur Untersuchung eingeschickt
wurden vorrangig Forellen (frisch oder tief-
gefroren), Karpfen und Schleien.
Bei Fischerzeugnissen, hier Konserven und
Fertigpackungen, wurden 32 Proben bezüg-
lich fehlerhafter Angaben auf dem Etikett
beanstandet.
Bei einer Beschwerdeprobe „Räucherfi sch“,
die in Zusammenhang mit gesundheitlichen
Beschwerden eingereicht worden war, wurde
ein Histamingehalt von 888 mg/kg ermittelt.
Bei einer weiteren Beschwerdeprobe „Thun-
fi schsteaks“ wurde ein Histamingehalt von
7685 mg/kg ermittelt. Beide Proben sind auf
Grund ihres hohen Histamingehaltes geeig-
net, die Gesundheit zu schädigen.
An Garnelen, Shrimps und Muscheln wurden
247 Erzeugnisse untersucht und davon 9 Pro-
ben hinsichtlich fehlerhafter Angaben auf
dem Etikett beanstandet. Zwei Proben Gar-
nelen waren sensorisch und mikrobiologisch
verdorben. Bei vier Proben Garnelen wurde
Vibrio metschnikovii
und bei drei Proben
Garnelen
Vibrio parahaemolyticus
(apatho-
gen) isoliert.
In einer Probe King-Prawns, Riesengarnelen-
schwänze, wurde ein Gehalt von 0,45 μg/kg
und in einer weiteren ein Gehalt von 2,0 μg/
kg Chloramphenicol nachgewiesen. Beide
Proben wurden beanstandet.
Fleisch und Fleischerzeugnisse sowie
Wurstwaren
Von den hier untersuchten Lebensmitteln
mussten 33 (0,6 %) als gesundheitsschädlich
beurteilt werden. Vorrangig betraf dies Ha-
ckepeter und Zwiebelmettwurst (s. Homepage
LUA, Tabelle 2.24: Salmonellenfunde und
nachgewiesene Serovare in Lebensmitteln
2011). Zum Verzehr nicht geeignet waren 62
Proben auf Grund von erheblichen mikrobio-
logischen und sensorischen Abweichungen.
Lebensmittelhistologie
Es wurden im Jahr 2011 insgesamt 122 Le-
bensmittelproben histologisch untersucht.
Die Proben setzten sich aus 41 Proben Brüh-
wurst, 34 Proben Kochwurst, 17 Proben
Schinken, 10 Proben Hackfl eisch, 6 Proben
Bouletten und 14 sonstigen Proben (Fischer-
zeugnisse, Fleischsalat, Bratenfl eisch) zusam-
men. Beanstandet wurden 14 Proben (11,4 %)
aufgrund der histologischen Untersuchungs-
ergebnisse. Bei 6 Proben Schinken sowie bei
jeweils einer Probe Putenfi letbraten- und
Hähnchenfi letbratenstreifen entsprach der
histologische Befund nicht den typischen
Merkmalen eines Erzeugnisses aus gewach-
senen Muskelstücken, sondern viel mehr
dem Bild eines aus kleineren Muskelstücken
mit brätartigen Anteilen zusammengesetzten
Erzeugnisses. Bei 2 Schinken wurden his-

26 │
tologisch lose Strukturen mit Vakuolen und
kohlenhydrathaltigen Bindemitteln ermittelt.
Es handelte sich hierbei um Aliuds, d. h. um
Erzeugnisse eigener Art. Die Verkehrsbezeich-
nung dieser Proben war unzutreffend und
wurde als irreführend im Sinne von § 11 Abs. 1
Nr. 1 LFGB beurteilt. Darüber hinaus wurden
nach § 11 Abs. 2 Nr. 2 b LFGB eine Leberwurst-
konserve mit Wiederverwendung von Wurst-
brät mit anhaftender Hülle, eine Hausmacher
Leberwurst mit einer Verarbeitung von Nieren
und Lungen ohne entsprechende Angaben
im Zutatenverzeichnis sowie eine Jagdwurst
mit einer Verwendung von Separatorenfl eisch
ohne Kenntlichmachung beurteilt.
Spezielle Mikrobiologie
Salmonellen
Die Bakterien der Gattung Salmonella sind
in der Natur weit verbreitet. Sie sind heute
in vielen Ländern der Welt die wichtigsten
bakteriellen Durchfallerreger bei Menschen.
Da sie meist von Tieren, besonders durch den
Verzehr tierischer Lebensmittel, auf Menschen
übertragen werden, zählt die Salmonellose zu
den Zoonosen. In Deutschland tritt die Sal-
monellose endemisch auf und gehört neben
den akuten Atemwegserkrankungen zu den
häufi gsten Infektionskrankheiten überhaupt.
Besonders begünstigt wird die Verbreitung
der Salmonellen durch eine mangelhafte
Kühlung von Lebensmitteln. Dadurch kann
speziell im Sommer durch rapide Vermehrung
der Bakterien in Lebensmitteln rasch eine kri-
tische Infektionsdosis erreicht werden.
Nachgewiesen wurden Salmonellen bei
Fleisch und Fleischerzeugnissen sowie Wurst-
waren (s. Homepage LUA, Tabelle 2.24: Sal-
monellenfunde und nachgewiesene Serovare
in Lebensmitteln 2011). Auffällig sind die ho-
hen Nachweise von
Salmonella Typhimurium
.
Bei Eiern wurden keine Salmonellen nachge-
wiesen. Hinsichtlich der Beurteilung von Sal-
monellenbefunden sind der bestimmungs-
gemäße Verzehr sowie bei Fertigpackungen
die entsprechenden Verbraucherhinweise zu
beachten.
MRSA
MRSA steht für Methicillin-resistente
Sta-
phylococcus aureus
. Das sind gegen be-
stimmte Antibiotika resistente Keime. Beim
gesunden Menschen können sie als Besiedler
z. B. in der Nase vorkommen. Nach Verletzun-
gen haben die Träger von MRSA ein größeres
Risiko, an einer MRSA-Infektion zu erkranken.
MRSA können schwerwiegende Haut- und
Wundinfektionen oder Atemwegserkrankun-
gen verursachen. Menschen mit einem ge-
schwächten Immunsystem oder Ältere sind
hiervon besonders betroffen. Aufgrund der
Antibiotikaresistenz lassen sich MRSA-Infek-
tionen zudem nur schwer behandeln. In den
letzten Jahren wurden MRSA vermehrt auch
bei Tieren nachgewiesen. Betroffen davon
sind neben Haustieren wie Hund und Kat-
ze auch Nutztiere, vor allem Schweine und
Kälber. Während eine MRSA-Infektion bei
Haustieren meist mit einer Erkrankung ver-
bunden ist, sind Nutztiere fast ausnahmslos
symptomlose Keimträger. Besiedlungen bei
Haus- und Nutztieren unterscheiden sich in
der Regel auch durch den nachgewiesenen
MRSA-Typ. So kommen bei Nutztieren vor
allem MRSA eines Typs vor, der beim Men-
schen bisher eher selten mit Erkrankungen
verbunden war. Der Kontakt mit den lebenden
Nutztieren kann demnach für den Menschen
durchaus ein Risiko bergen, sich mit MRSA zu
infi zieren. Der Mensch kann aber auch durch
Lebensmittel mit MRSA in Kontakt kommen.
Das gesundheitliche Risiko, sich über Lebens-
mittel zu infi zieren, wird allerdings als gering
eingeschätzt. Vor Keimen, die gegen Antibio-
tika resistent sind, bieten Hygienemaßnah-
men bei Transport, Lagerung und Zubereitung
der Speisen Schutz. So sollte beispielsweise
rohes Fleisch vor dem Verzehr mindestens
zwei Minuten lang auf 70 Grad Celsius erhitzt
werden. Beim Umgang mit rohem Fleisch
sollte sorgfältig darauf geachtet werden, dass
die Keime nicht durch die Hände oder Gegen-
stände (z. B. Messer, Schneidbretter) auf an-
dere Lebensmittel übertragen werden.
An der LUA Sachsen werden Lebensmit-
tel seit 2009 im Rahmen unterschiedlicher
Programme auf das Vorkommen von MRSA
untersucht. Die Ergebnisse sind in der Tabel-
le 1 dargestellt. Es zeigt sich, dass bei rohem
Fleisch generell mit dem Auftreten von MRSA
zu rechnen ist. Die 20 untersuchten Proben
Wildschweinfl eisch wurden dagegen in kei-
nem Fall positiv getestet.
Im Jahr 2011 wurden verschiedene rohe Er-
zeugnisse wie Gefl ügelfl eisch, Rindfl eischer-
zeugnisse, sowie Wildschweinfl eisch bezüg-
lich MRSA untersucht. Von den 66 geprüften
Proben waren 11 MRSA-positiv (1 x Roula-
denfl eisch, 1 x Rindergulasch, 9 x Gefl ügel-
fl eisch).
Die LUA Sachsen wird im Jahr 2012 an dem
Untersuchungsprogramm Reset (Resistenzen
bei Mensch und Tier - gemeinsame Forschung
in Deutschland, TiHo Hannover) teilnehmen
und in diesem Rahmen weitere Lebensmittel
speziell auf ESBL-verdächtige E. coli untersu-
chen.
Campylobacter
In der Bundesrepublik Deutschland ist Cam-
pylobacter mittlerweile der häufi gste bak-
terielle Erreger von Darminfektionen. Die
durch den Keim beim Menschen verursachte
Infektionskrankheit heißt Campylobacteriose
und ist vor allem mit Durchfallerkrankungen
verbunden. Obwohl diese akuten Symptome
meist selbstlimitierend sind, treten in selte-
nen Fällen Spätfolgen wie Arthritis und das
sogenannte Guillen-Barré Syndrom auf, eine
autoimmune Erkrankung des peripheren Ner-
vensystems, welche zu Lähmungserscheinun-
gen führen kann. Das Reservoir von Campy-
lobacter bilden warmblütige Wild-, Nutz- und
Heimtiere (Vögel und Säugetiere), ohne dass
diese klinische Symptome einer Erkrankung
zeigen.
In den Untersuchungen der LUA Sachsen
wurde Campylobacter ausschließlich bei ro-
hem Gefl ügel und Gefl ügelfl eischerzeugnis-
sen wie Hähnchenbrustfi let, Putenschnitzel
oder Hähnchenklein nachgewiesen (s. Home-
page LUA, Tabelle 2.26: Nachweise von Cam-
pylobacter in Lebensmitteln 2011).
Listeria monocytogenes
Listerien sind im landwirtschaftlichen Betrieb
weit verbreitet. Es gibt verschiedene Spezies:
L. monocytogenes, L. ivanovii, L. seeligeri, L.
innocua, L. welshimeri
und
L. grayi
, wobei
nicht alle der genannten Spezies krankheits-
auslösend sind. Die Krankheit nennt man Lis-
teriose.
Tab. 1: MRSA-Untersuchungen 2009 - 2011
Lebensmittel
Probenzahl
MRSA-positiv
%
Rohmilch
15
1
6,6
Käse
50
1
2,0
Rindfleisch, -erzeugnisse
51
7
13,7
Schweinefleisch, -erzeugnisse
27
6
22,2
Hackfleisch zum Braten
14
6
42,8
Hackfleisch, Rohverzehr
7
4
57,1
Hähnchenfleisch
49
15
30,6
Putenfl eisch
66
34
51,5
Halshaut Pute
37
27
73,0
Wildschweinfleisch
20
0
0,0
Gesamt
336
101
30,0

 
│27
Der Großteil der Listeriose-Erkrankungen so-
wohl beim Menschen als auch beim Tier ist
auf Infektionen mit
L. monocytogenes
zu-
rückzuführen. In einigen wenigen Fällen wur-
de von Erkrankungen des Menschen durch
L. ivanovii
und
L. seeligeri
berichtet. Beim
Tier, insbesondere bei kleinen Wiederkäuern,
ist der Anteil der Infektionen mit
L. ivanovii
höher.
Mit einigen hundert Erkrankten pro Jahr ge-
hört die Listeriose zu den selteneren Lebens-
mittelinfektionen des Menschen. Die Infek-
tion ist für die Betroffenen aber mit einem
vergleichsweise schweren gesundheitlichen
Schaden verbunden. Die Infektionsdosis
hängt dabei stark vom Gesundheitszustand
der betroffenen Person ab, und auch die
Symptome variieren erheblich. Sie reichen
von leichten, grippeähnlichen Erkrankungen
bei gesunden Erwachsenen über systemi-
sche Infektionen bis hin zu Hirnhaut- und
Gehirnentzündungen mit einem hohen An-
teil an tödlichen Verläufen bei Menschen mit
geschwächter Immunabwehr. Infektionen bei
Schwangeren können Fehl- oder Frühgebur-
ten zur Folge haben. Die Neugeborenen kom-
men oft mit schweren Schäden zur Welt.
Im Jahr 2011 wurde
Listeria monocytogenes
hauptsächlich in Fleisch, Fleischerzeugnissen
und Wurstwaren isoliert. Bei den untersuch-
ten Erzeugnissen lag die Nachweisrate (posi-
tiv in 25 g Material) bei 5,7 %. Der Grenzwert
von 100 KbE/g Material wurde jedoch ledig-
lich bei 10 Proben überschritten (s. Homepage
LUA, Tabelle 2.25: Nachweise von Listeria mo-
nocytogenes in Lebensmitteln 2011).
Chemische Untersuchung tierischer Le-
bensmittel
Im Jahr 2011 erfolgte bei 1.307 tierischen
Lebensmitteln eine chemische Untersuchung
auf Inhalts- und Zusatzstoffe (s. Homepage
LUA, Tabelle 2.28: Chemische Untersuchun-
gen tierischer Lebensmittel). Dabei wurden
die meisten Beanstandungen wegen nicht
korrekter Kennzeichnung/Nährwertkenn-
zeichnung oder fehlender Kenntlichmachung
z. B. von Zusatzstoffen ausgesprochen. Mit-
unter waren allergene Zutaten wie z. B. Senf
in der Kennzeichnung nicht aufgeführt. Bei
mit Azofarbstoffen gefärbten Erzeugnissen
fehlte in einigen Fällen der erforderliche
Warnhinweis.
Wie in den Vorjahren erfolgten die meisten
Beanstandungen bei Fleisch- und Wurster-
zeugnissen. Zu den oben genannten Bean-
standungsschwerpunkten stimmten hier zu-
sätzlich Angaben aus dem Zutatenverzeichnis
oder die mengenmäßigen Angaben von Zu-
taten nicht mit den Analysenergebnissen
überein. Auffällig war die mitunter fehlende
Aufführung von verarbeitetem Bindegewebe
bzw. Gefl ügelhaut im Zutatenverzeichnis von
Gefl ügelwürsten bzw. die fehlende bzw. nicht
in der Reihenfolge korrekte Aufführung der
Zutaten Wasser und/oder Speck im Zutaten-
verzeichnis von Würsten allgemein.
Ein weiterer Beanstandungsschwerpunkt lag
in nicht deklarierten Wasserzusätzen meist
in Verbindung mit fehlender Fleischmengen-
angabe bei Kochschinken und anderen Koch-
pökelwaren. Acht als „Schinken“ im Verkehr
befi ndliche Proben wurden als irreführend
bezeichnet beanstandet, weil neben hohen
Wasserzusätzen der Fleischeiweißgehalt im
fettfreien Anteil als zu niedrig analysiert wur-
de.
56 Beanstandungen im Zusammenhang mit
erhöhten Fettgehalten bzw. zu niedrigen
Gehalten an BEFFE oder BEFFEF erfolgten
vorrangig bei Schabefl eisch, streichfähigen
Rohwürsten und Leberwürsten. Erhöhte Was-
ser-Eiweiß-Verhältnisse wurden außerdem
in Leberwürsten, streichfähigen Rohwürs-
ten und in Hackfl eischerzeugnissen ermit-
telt. In einer Wurst wurde ein unzulässiger
Farbstoffzusatz festgestellt. Der unzulässige
Zusatz von Ascorbinsäure wurde in 7 Hack-
fl eischprodukten beanstandet.
Beanstandungsschwerpunkt bei Fischer-
zeugnissen waren nicht korrekte Kennzeich-
nungen oder Nährwertangaben. In einer
Fertigpackung wurden Konservierungsstoffe
nachgewiesen, die nicht kenntlich gemacht
waren. In einer Probe Eismeergarnelen (Kühl-
ware) wurden unzulässige kondensierte
Phosphate festgestellt. In einer Probe Butter-
fi sch wurden 888 mg/kg Histamin ermittelt.
Die Probe war auf Grund ihres hohen Hist-
amingehaltes geeignet, die Gesundheit zu
schädigen.
Bei Milch, Milcherzeugnissen und Käse lag
der Beanstandungsschwerpunkt bei Käse.
Fünf als „Käse“ im Verkehr befi ndliche Er-
zeugnisse wurden als Imitate beanstandet.
Zwei Proben geriebener Käse enthielten mehr
Stärke als zulässig. Weitere Beanstandungen
erfolgten im Zusammenhang mit Fettgehalts-
bestimmungen in der Trockenmasse, der was-
serfreien Käsemasse und der Nichteinhaltung
von Mindestgehalten bei Standarderzeugnis-
sen. Eine Frischkäsezubereitung wurde we-
gen eines zu hohen Gehaltes an Konservie-
rungsstoff beanstandet. Eine mit mindestens
3,5 % Fett deklarierte Ziegenmilch wies nur
1,9 % Fett auf. Eine Probe von eingelegten
Käsewürfeln in Öl, die als „fettarm“ ausgelobt
wurde, musste beanstandet werden.
Bei Feinkostsalaten mit tierischen Bestandtei-
len wurde neben zahlreichen Beanstandun-
gen wegen fehlender Kenntlichmachung von
Zusatzstoffen auch ein unzulässiger Zusatz
des Süßstoffes Cyclamat festgestellt.
Die chemische Untersuchung von Eiproduk-
ten erbrachte keine Beanstandung.
Getreide/ Getreideerzeugnisse/ Süßwaren/ Tee/
Kaffee/ Kakao/ Fette/ Öle/ Feinkosterzeugnisse/
Speiseeis
Jährlich sich wiederholend liegen die Haupt-
beanstandungsgründe durchgehend bei allen
Produktgruppen bei mangelhafter oder feh-
lender Kennzeichnung der Erzeugnisse. Dabei
spielt die Zusatzstoffkennzeichnung von z. B.
Farbstoffen, Konservierungsstoffen, Emulga-
toren und Backtriebmitteln eine bedeutende
Rolle.
Darüber hinaus wurden irreführende Anga-
ben, Werbeaussagen oder Kennzeichnungs-
angaben, die nicht der Verordnung (EG) Nr.
1924/2006 über nährwert- und gesundheits-
bezogene Angaben (Health-Claims-VO) u. a.
kennzeichnungsrelevanten Bestimmungen
entsprechen, beanstandet.
Im Untersuchungsbereich
Getreide, Getrei-
deerzeugnisse und Teigwaren
wurden neben
den grundlegenden chemischen Untersu-
chungen hauptsächlich spezielle Bestimmun-
gen von Kontaminanten, Rückständen und
gentechnisch veränderten Organismen
durchgeführt. Die Beanstandungsquote lag
im Berichtszeitraum durchschnittlich bei 6 %.
Getreide
Bei Getreide wurden fünf Proben wegen
Höchstgehaltsüberschreitungen bei Cadmi-
um und jeweils eine Probe bei Ochratoxin A
bzw. Desoxynivalenol (DON) beanstandet (s.

28 │
Homepage LUA, Tabelle 2.13.2). Auf Grund
des Nachweises von Pfl anzenschutzmitteln
ergingen fünf Mitteilungen ohne Beanstan-
dung aufgrund auffälliger Befunde an die
Vollzugsbehörden, wobei Bio-Erzeugnisse
hier dreimal betroffen waren. Drei Beanstan-
dungen bezogen sich auf Kennzeichnungs-
mängel. Schädlingsbefall wurde in einer Be-
schwerdeprobe und in der dazu eingereichten
Vergleichsprobe sowie in einer normalen
Planprobe festgestellt. Außergewöhnlich war
der Fund einer Haselnuss in einer Wildreismi-
schung.
Getreideprodukte
Drei Proben Mehl, davon eine Beschwerde-
probe sowie eine Mehrkornbrotbackmischung
wurden auf Grund von Schädlingsbefall
als zum Verzehr nicht geeignet beurteilt (s.
Homepage LUA, Tabelle 2.13.2).
Je eine Probe Haferfaser und Reismehl wur-
den wegen erhöhten Aluminiumgehalten
beanstandet. Bei drei Hafer- und Weizen-
kleie-Erzeugnissen waren die angegebenen
Nährwertangaben nicht korrekt. In einem
Dinkel-Vollkornmehl wurde der Cadmium-
höchstgehalt überschritten. In einem Fall
wurde die angegebene Mehltype als irre-
führend beurteilt. Bei sechs Proben waren
Kennzeichnungsmängel zu verzeichnen, wo-
bei zwei Proben keine korrekte Allergenkenn-
zeichnung aufwiesen.
Brot/Kleingebäck
Im Bereich Brot/Kleingebäck wurden haupt-
sächlich Kennzeichnungsmängel festgestellt.
Zwei Erzeugnisse waren mit irreführenden
Nährwertkennzeichnungsangaben versehen.
Zwei Käsebrötchen wurden wegen irrefüh-
render Kenntlichmachung beanstandet. Die
Bezeichnung „Käsebrötchen“ ist nur für
Brötchen, welche
ausschließlich mit Käse
überbacken sind, zugelassen. Gemäß den
Analysenergebnissen der verwendeten Beläge
auf den Käsebrötchen bestand das Fett des
Belages allerdings nicht nur aus Milchfett.
Drei Beschwerdeproben wurden als zum Ver-
zehr nicht geeignet beurteilt, da eine Probe
Toastbrötchen schwarze Partikel enthielt, ein
Toastbrot Spuren von Tierfraß und Kotresten
aufwies und ein Mischbrot mit goldfarbenen
Glitzerbestandteilen besetzt war. Die Unter-
suchung von Laugengebäck auf (Schwer-)
metalle ergab wiederum in drei Fällen Er-
gebnisse mit erhöhten Aluminiumgehalten.
Milchbackwaren wurden gezielt auf ihren
Milchgehalt überprüft, welcher meistens der
allgemeinen Verkehrsauffassung entsprach.
Bei einigen Broten wurden Hinweise wegen
erhöhtem Kochsalzgehalt (über 2 % und sen-
sorisch auffällig) gegeben.
Teigwaren
7,8 % der Proben wurden beanstandet. Zwei
Proben enthielten unerlaubte Zusatzstoffe
(Backtriebmittel und Lauge). Eine Probe „Bio
Vollkorn-Spiralen“ erwies sich auf Grund des
erhöhten Aluminiumgehaltes als nicht siche-
res Lebensmittel.
Feine Backwaren
Im Bereich der Feinen Backwaren lag die Be-
anstandungsquote mit 15,3 % höher als bei
den vorgenannten Warengruppen. Die Haupt-
ursache der Beanstandungen stellten Kenn-
zeichnungsmängel bei 152 Proben dar, von
denen etwa die Hälfte die fehlende Angabe
kenntlichmachungspfl ichtiger
Zusatzstoffe
(Farbstoffe, Konservierungsstoffe) ausmacht.
Dominierend waren fehlende Farbstoff- und
Farbstoffwarnhinweise. Weiterhin wurden
die Acrylamidgehalte von trockenen Back-
waren, z. B. Weihnachtsgebäck u. ä. über-
prüft. Erfreulicherweise wurden nur drei Sig-
nalwertüberschreitungen (Signalwert 1000
μg/kg) bei Lebkuchen festgestellt und drei
Richtwertüberschreitungen in der Waren-
gruppe „Kekse, Cracker, Waffeln, Knäckebrot
und Ähnliches, außer Lebkuchen“, für welche
durch die EU-Kommission ein Richtwert von
500 μg/kg festgesetzt wurde (s. Homepage
LUA, Tabelle 2.18).
Für Aufsehen sorgten Lebkuchen, welche an
Schulkinder verschenkt wurden und mit Brot-
käfern und Maden „bestückt“ waren.
Auf Grund der mikrobiologischen Untersu-
chungen i. V. m. einer sensorischen Abwei-
chung wurden drei von 691 Proben Feine
Backwaren als zum Verzehr nicht geeignet be-
urteilt. Bei 38 Erzeugnissen mit nicht durch-
gebackener Füllung traten Hygienemängel
auf, die hauptsächlich durch Warnwertüber-
schreitungen bei Enterobacteriaceae, Hefen
und seltener bei den Gesamtkeimen bedingt
waren.
Speiseeis
Bei Speiseeis wurden 117 Proben (11,4 %)
beanstandet, wobei wieder vorrangig Kenn-
zeichnungsmängel bei in kleineren Betrie-
ben hergestelltem und lose abgegebenem
Speiseeis eine Rolle spielten. Im Vorder-
grund stand die fehlende Kenntlichmachung
von Farbstoffzusätzen (s. u.). Bei 28 Proben
(8 Fertigpackungen und 20 lose Speiseeise)
wurden irreführende Angaben festgestellt.
Die Beanstandungsgründe betrafen zu nied-
rige Milchfett- und Fruchtanteile bei Milcheis
bzw. Fruchteis, den unerlaubten Zusatz von
Pfl anzenfett bei Milcheis, ein im Erzgebirge
hergestelltes „Original italienisches Eis“ sowie
deutlich höhere Fettgehalte als in der Nähr-
wertkennzeichnung angegeben wurden. Sie-
ben lose abgegebene Speiseeisproben wur-
den als im Wert nicht unerheblich gemindert
beurteilt. Davon enthielten sechs Proben mit
der Bezeichnung „Stracciatella“ kakaohaltige
Fettglasur und nicht, wie nach allgemeiner
Verkehrsauffassung üblich, Schokolade. Bei
einer Probe „Milcheis Eierlikör“ wurde sen-
sorisch kein Eierlikör und analytisch kein
Alkohol festgestellt. Aus einem indischen
Restaurant wurde „Kulfi -Eis“ als nicht siche-
res Lebensmittel beanstandet, da es durch
Aufbewahrung in einer Aluminiumhülse mit
Aluminium kontaminiert war. Bei einem losen
Speiseeis Sorte „Zimt“ wurde ein erhöhter Cu-
maringehalt von 22,1 mg/kg ermittelt, der zu
einer Ausschöpfung des TDI-Wertes (0,1 mg/
kg Körpergewicht) zu 74 % geführt hätte. Von
den 1.003 mikrobiologisch untersuchten Pro-
ben wurden keine beanstandet.
Pudding, Desserts, süße Soßen
Neun Proben (6,1 %) wurden beanstandet.
Der Schwerpunkt lag bei Kennzeichnungs-
mängeln und irreführenden Angaben. Bei
einem „Himbeer-Dessertpulver“ wurden kei-
ne natürlichen Aromen verwendet, obwohl
dies bei der Kennzeichnung angegeben war.
Ein Puddingpulver mit Erdbeergeschmack
enthielt einen anderen Farbstoff als bei der
Kennzeichnung angegeben wurde. Eine Probe
„Canned Grass Jelly“ wurde wegen Kennzeich-
nungsmängeln und einer nicht zulässigen
neuartigen Lebensmittelzutat beanstandet.
Honig, -zubereitungen
Hier wurden 51 Proben (31,1 %) beanstan-
det. Bei 30 Proben wurden Kennzeichnungs-
mängel, bei 29 Proben irreführende Angaben
festgestellt, zwei Proben entsprachen nicht
der Honigverordnung und eine nicht der Ver-
ordnung (EG) Nr. 1829/2003. In einer Bio-Ho-
nig-Probe wurden Rückstände an Pfl anzen-
schutzmitteln nachgewiesen. Bei derartigen
Befunden besteht ein begründeter Verdacht
auf Verstoß gegen die Vorschriften des öko-
logischen Landbaus und ggf. gegen das Ver-
bot der irreführenden Kennzeichnung. Eine
Prüfung des Verdachts erfolgt durch die zu-
ständige Behörde gemäß Öko-Landbaugesetz
(LfULG), die seitens der LÜVÄ informiert wird.
Schwerpunkte auf analytischem Gebiet wa-
ren die Pollenuntersuchungen bei Trachten-
honigen, die Prüfung auf pharmakologisch
wirksame Stoffe sowie auf das Vorhanden-
sein von gentechnisch veränderten Pollen.
Honig mit Pollen aus GVO
Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am
6. September 2011 ein Urteil zu gentechnisch
veränderten Pollen im Honig verkündet. Das
Gericht kommt dabei zu dem Schluss, dass
der Begriff „hergestellt aus gentechnisch ver-
änderten Organismen (GVO)“ auch den un-

image
│29
gewollten und zufälligen Eintrag von Pollen
gentechnisch veränderter Pfl anzen in Honig
erfasst und Honig somit in den Geltungs-
bereich der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003
über gentechnisch veränderte Lebensmittel
und Futtermittel fällt.
Daraus ergibt sich die Notwendigkeit der Un-
tersuchung von Honig auf das Vorhandensein
derartiger GVO-Pollen.
Der Schwerpunkt der Untersuchungen in der
LUA lag bei deutschen und gemischten im-
portierten Honigen. Im Jahr 2011 wurden
48 Honigproben (davon 31 nach dem EuGH-
Urteil) auf die Anwesenheit von Pollen aus
gentechnisch veränderten Organismen un-
tersucht.
Zusätzlich zum Screening auf gentechnisch
veränderte DNA wurde die Pfl anzenspezies
bestimmt. Nach positiven Screeningergebnis-
sen wurde durch weitere Prüfungen die Art
der gentechnischen Veränderungen ermittelt
und im Falle von zugelassenen Events quan-
tifi ziert unter Bezug auf natürliche DNA der
Pfl anzenspezies (haploides Genom).
In 30 Honigen war natürliche Soja-DNA, in 27
Proben war natürliche Raps-DNA und in 13
Proben war natürliche Mais-DNA nachweis-
bar.
Gentechnisch veränderte DNA wurde in 8 Ho-
nigproben nachgewiesen.
Ein
kanadischer Raps-/Kleehonig
enthielt
DNA der gentechnisch veränderten Events
GT73 und MS8. Diese beiden Rapslinien ver-
fügen nicht über eine umfassende Lebens-
mittelzulassung, welche auch Pollen in Ho-
nig einschließt. Der Honig entsprach damit
nicht den Anforderungen der Verordnung
1829/2003.
In 7 Honigproben wurden nicht quantifi zier-
bare Spuren der zugelassenen gentechnisch
veränderten Sojalinie GTS-40-3-2 (Roundup-
Ready-Soja) nachgewiesen.
Die untersuchten 19 deutschen Honige waren
GVO-DNA-frei. Bemerkenswert ist, dass auch
in deutschen Honigproben natürliche Soja-
DNA nachweisbar war, obwohl in Deutsch-
land keine großen Sojaanbaufl ächen liegen
(
alternative DNA-Einträge über pfl anzli-
ches Material oder Zusatzfutter).
Eine verlässliche Quantifi zierung des gen-
technisch veränderten Pollenanteils am ge-
samten Pollen oder im Honig ist nach wie vor
sehr schwierig. EU-weit validierte Untersu-
chungsmethoden liegen bisher nicht vor.
Zucker
Von den 64 zur Untersuchung eingereichten
Zuckerproben wurden vier Proben (6 %) be-
anstandet. Zwei Proben wurden auf Grund
sensorischer Abweichungen (muffi g) als im
Wert nicht unerheblich gemindert beurteilt.
Eine Probe „Bio Apfelzucker“ wurde auf dem
Etikett mit der Aussage „Natürlicher süßen,
gesünder genießen“. beworben. Eine beson-
dere „Natürlichkeit“ konnte bei dem Erzeug-
nis jedoch nicht festgestellt werden, ebenso
wenig sind diese Zucker gesünder als andere
Zuckerlösungen, Sirupe oder kristallförmige
Zucker. Auch diese Erzeugnisse werden durch
Aufkonzentration aus Pfl anzensäften ge-
wonnen. Die molekulare Zusammensetzung
der Kohlenhydrate ist dabei identisch, der
Ursprung ist nicht relevant. Insofern wurde
diese Probe als irreführend gekennzeichnet
beanstandet.
Süßwaren
Im Süßwarenbereich wurden 34 Proben
(17,9 %) beanstandet. Neben Kennzeich-
nungsmängeln spielen hier entweder nicht
oder nicht korrekt deklarierte Zusatzstoffan-
gaben eine große Rolle. So wurden Farbstoffe
und Farbstoffwarnhinweise nicht korrekt an-
gegeben. Auch die Schwefelung von kandier-
ten Früchten wurde nicht kenntlich gemacht.
Aufgelöste Beutelchen mit Trocknungsmittel
machten kandierte Früchte zum Verzehr nicht
geeignet. Bei einer Probe „Mandelscheiben“
wurde die Verwendung von Fettglasur statt
von Schokolade nicht ausreichend kenntlich
Abb. 2: Burger süß
Abb. 1: Herkunft der Honigproben
Herkunft der Honigproben zur Untersuchung auf GVO 2011
Deutschland
Rumänien
Europa
Türkei
Kanada
Kuba
Brasilien
Uruguay
Unbekanntes Ausland
Ungeklärt
0
2
4
6
8
10
12
14
16
18
20
Deutschland
Rumänien
Europa
Türkei
Kanada
Kuba
Brasilien
Uruguay
Unbekanntes Ausland
Ungeklärt
Anzahl je Herkunft
Herkunft
Probenzahl, Pflanzenspezies und GVO nach Herkunft
Anzahl Honige
Soja-DNA positiv
RRSoja-DNA positiv
Raps-DNA positiv
GT73, MS8 positiv
Mais-DNA positiv

image
30 │
gemacht. Eine Probe „India Sweets“ wurde als
gesundheitsschädlich beurteilt, da der poten-
tiell genotoxische und karzinogene Farbstoff
Rhodamin B zur Anwendung kam. Eine Be-
schwerde und die dazugehörige Vergleichs-
probe „Fruchtgummi Lunch Bag“ wurden
wegen abweichenden sensorischen Eigen-
schaften als zum Verzehr nicht geeignet be-
urteilt. Außerdem fehlten die Farbstoffwarn-
hinweise in der Kennzeichnung.
Schokolade und Schokoladenerzeugnisse
Bei Schokolade und Schokoladenerzeug-
nissen wurden 13 Proben (8,2 %) vor allem
wegen Kennzeichnungsmängeln beanstan-
det. In einer „Tafel-Schokolade, feurige Ver-
suchung“ wurden nicht deklarierte Casein-
und Molkebestandteile molekularbiologisch
nachgewiesen. Eine Beschwerdeprobe und
die dazugehörige Vergleichsprobe „gefüllte
Schokoladenriegel für Kinder“ wurden auf-
grund eines „pilzigen Geschmacks“ einge-
reicht. Die sensorischen Untersuchungen be-
stätigten den Beschwerdegrund. Das Produkt
wurde als zum Verzehr durch den Menschen
ungeeignet beurteilt.
Kakao und Kaffee
Es wurde jeweils eine Probe beanstandet. In
„Schoko Drink Kalorienreduziert“ wurde mo-
lekularbiologisch Soja festgestellt, das im
Verzeichnis der Zutaten nicht angegeben war.
Die Probe „Cappuccino 2Go“ wurde laut Pro-
benahmeschein aufgrund des Verdachtes der
gefährlichen Körperverletzung von der Polizei
sichergestellt. Da es sich um ein Lebensmittel
handelt, wurde die Lebensmittelüberwachung
involviert, und es erfolgte die Probenahme
auf dem Polizeirevier. Die Probe zeigte erheb-
liche Kennzeichnungsmängel und war über-
wiegend in englischer und spanischer Spra-
che beschriftet. Das Lebensmittel als solches
war unauffällig und aus lebensmittelrechtli-
cher Sicht in Ordnung.
Bei der Verpackung handelte es sich um ein
„Verbraucherprodukt“. Verbraucherprodukte
sind gemäß § 2 Abs. 3 GPSG Gebrauchsge-
genstände und sonstige Produkte, die für
Verbraucher bestimmt sind oder unter ver-
nünftigerweise vorhersehbaren Bedingungen
von Verbrauchern benutzt werden können,
selbst wenn sie nicht für diese bestimmt
sind. Die vorliegende Probe sollte bei bestim-
mungsgemäßen Gebrauch in der Dose durch
eine exotherme Reaktion trinkwarm erwärmt
werden. Im Test wurde das Erzeugnis bis
+48°C erhitzt. Die Reaktion fi ndet im Verpa-
ckungsmantel statt, welcher sich handwarm
erwärmt, die Reaktanten kommen mit dem
Lebensmittel bei bestimmungsgemäßer Ver-
wendung nicht in Berührung. Für die Über-
wachung der Einhaltung des GPSG ist die
Gewerbeaufsicht zuständig.
Tee und teeähnliche Erzeugnisse
Hier wurden 29 Proben (16,8 %) beanstan-
det. An 22 untersuchten Proben wurden
Kennzeichnungsmängel registriert. Bei der
Untersuchung von schwarzem und grünem
Tee sowie Kräutertee wird regelmäßig auf
Pfl anzenschutzmittel geprüft (s. Homepage
LUA, Tabelle 2.16). In sechs Proben wurden
unzulässige Rückstände festgestellt. Bei
weiteren sechs Kräuterteeproben wurden
pfl anzliche Zutaten, die als nicht zugelassene
neuartige Lebensmittel zu beurteilen waren,
angegeben. Eine Teeprobe wies hinsichtlich
der Öko-Kennzeichnung Mängel auf. Bei acht
Teeproben wurden fehlerhafte Angaben im
Zusammenhang mit der Nährwertkennzeich-
nungsverordnung, Anreicherungsverordnung
und der Health-Claims-VO beanstandet. In
zwei Fällen fehlten die Farbstoffwarnhinwei-
se.
Eine Beschwerde- und eine Vergleichsprobe
„Sultan Hospitalité de Taliouine“ wurden we-
gen sensorischen Abweichungen „chemisch,
chlorartig“ und Kennzeichnungsmängeln be-
anstandet.
Fette und Öle
Zu dieser kalorienreichen Lebensmittelgruppe
gehören neben den reinen Fetten bzw. Ölen
(z. B. Rapsöl, Schweineschmalz, Frittierfette)
auch sogenannte Streichfette wie Butter und
Margarine.
Dominant waren - wie auch in den Vorjahren
- Abweichungen von geltenden Kennzeich-
nungsvorschriften. Problematisch ist nach
wie vor die sensorische, mikrobiologische und
chemische Beschaffenheit von Butter aus
handwerklicher Produktion. Nicht eingehalte-
ne Grenzwerte für Fett, Wasser und fettfreie
Trockenmasse sind bei Butter aus handwerkli-
cher und industrieller Produktion regelmäßig
zu verzeichnen.
Im Jahr 2011 erfolgte in 588 Proben eine
gaschromatographische Bestimmung des
Fettsäureprofi ls. In weiteren 318 Proben wur-
de der Gehalt an Buttersäure bestimmt und
215-mal der Cholesteringehalt ermittelt –
gegenüber den Vorjahren bedeutet dies eine
erhebliche Steigerung. Die Untersuchungen
führten in 60 Fällen zu Beanstandungen
(s. Homepage LUA, Tabelle 2.8.1).
Einen Überblick zu den Gehalten an Transfett-
säuren (TFA) in sächsischen Erzeugnissen gibt
Tabelle 2.8.2 (s. Homepage LUA). In 12 Proben
wurden TFA von mehr als 2 % gefunden.
Frittierte Lebensmittel werden von vielen
Verbrauchern gern und häufi g verzehrt. Die
zur Herstellung notwendigen Frittierfette und
-öle bedürfen daher einer besonderen Auf-
merksamkeit - insbesondere, da Frittierfette
bei den hohen Betriebstemperaturen von 140
bis 190 °C Zersetzungsprozessen unterliegen,
welche letztlich zu einem Verderb führen. Ein
solcher Verderb kann sensorisch im Frittier-
medium mit einiger Übung gut festgestellt
Abb. 3: „Fette und Öle“

image
│31
werden - in den mit solchen verdorbenen
bzw. zersetzten Fetten hergestellten Speisen
ist dies jedoch viel schlechter wahrnehmbar
und vom Käufer daher nur schwer festzustel-
len.
2011 wurden 74 Proben gebrauchte Frit-
tierfette entnommen. 19 % davon waren
von schlechter chemisch-physikalischer aber
noch akzeptabler sensorischer Qualität. Hier
wurden Befundmitteilungen erstellt, um auf
das Problem hinzuweisen. Weitere 8 % der
gebrauchten Frittierfette waren zum Verzehr
und damit auch zur Herstellung von frittier-
ten Lebensmitteln nicht mehr geeignet. In
Summe war also ca. jedes vierte Frittierfett
auffällig.
Auch 2011 wurden Fette und Öle auf ihre
Belastung mit Kontaminanten wie polyzyk-
lischen aromatischen Kohlenwasserstoffen
(PAK), Dioxinen, Benzol und Mykotoxinen
untersucht. Erfreulicherweise wurden in kei-
ner Probe relevante Gehalte festgestellt. Erst-
mals wurde im Rahmen des BÜP der Gehalt
an 3-MCPD-Fettsäureestern in ausgewählten
Proben zum Zwecke der Datensammlung be-
stimmt. Die gefundenen Werte entsprachen
denen in der Literatur (einstelliger ppm-Be-
reich). Eine Beurteilung dieser Werte ist der-
zeit noch nicht möglich, da die Forschungen
zum toxikologischen Potenzial noch nicht
abgeschlossen sind. Nur für freies, also unge-
bundenes, 3-MCPD gibt es Grenzwerte.
Gehäuft traten 2011 Öle mit einer deutli-
chen Diskrepanz zwischen den in der Nähr-
wertkennzeichnung angegebenen Mengen
und den analytisch bestimmten Gehalten an
Fettsäuren auf. Dies betraf sowohl die Angabe
der Fettsäuregruppen (gesättigte Fettsäuren,
einfach ungesättigte Fettsäuren, mehrfach
ungesättigte Fettsäuren) als auch einzelne
Fettsäuren wie Linol- und Linolensäure. Die
Erzeugnisse wurden als irreführend gekenn-
zeichnet beurteilt.
Pfl anzliche Feinkosterzeugnisse
Pfl anzliche Feinkosterzeugnisse, dazu zählen
neben Salaten aus vorwiegend pfl anzlichen
Bestandteilen auch emulgierte Soßen wie
Mayonnaise oder Dressing, hatten 2011 eine
Beanstandungsquote von 12,4 %. Der größte
Anteil entfi el auf unzureichende Kennzeich-
nung der Erzeugnisse. Dies betrifft lose Ware
genauso wie Fertigpackungen. Bei letzte-
ren ist oftmals die Angabe der verwendeten
Bestandteile (zusammengesetzten Zutaten)
mangelhaft. Zweithäufi gster Grund für die
Erstellung von Gutachten war die unzurei-
chende Kenntlichmachung von Zusatzstof-
fen, vor allem bei Salaten aus handwerklicher
Produktion (lose Ware). Aber auch irreführen-
de Angaben bei Fertigpackungen bezüglich
der ausgewiesenen Fettgehalte sind häufi g
festzustellen.
In drei Fällen wurden nicht zugelassene Zu-
satzstoffe (Süßstoffe, Farbstoffe) verwendet.
Mit ebenfalls drei Proben war die Anzahl von
aus mikrobiologischen Gründen als „nicht
sicher“ anzusehenden Erzeugnissen erfreu-
lich gering. Allerdings wurde bei weiteren 18
sensorisch unauffälligen Produkten eine Be-
fundmitteilung wegen erhöhter Keimgehalte
erstellt. Nur ein Erzeugnis musste als gesund-
heitsschädlich beurteilt werden. Es handelte
sich um einen Salat mit einem deutlich über-
höhten Jodgehalt - die Hauptzutat des Sala-
tes waren „Meeresalgen“.
Zusatzstoffe
Farb-, Süß- und Konservierungsstoffe wer-
den einer Vielzahl von Lebensmitteln aus
technologischen Gründen zugesetzt. Ent-
sprechend hoch ist die Anzahl der auf diese
Zusatzstoffe untersuchten Proben. Im Jahr
2011 wurden 2.795 Proben untersucht. Die
Anzahl der einzelnen Bestimmungen ist noch
bedeutend höher, da in vielen Lebensmitteln
mehrere Zusatzstoffgruppen analysiert wer-
den. Dabei wurden in 21 Fällen Höchstmen-
genüberschreitungen bzw. die Verwendung
nicht zugelassener Zusatzstoffe und bei 191
Lebensmitteln Mängel bei der Kenntlichma-
chung festgestellt. Eine ausführlichere Auf-
stellung der wichtigsten Zusatzstoffunter-
suchungen an der LUA befi ndet sich auf der
Homepage LUA, Tab. 2.9.
Die fehlende Kenntlichmachung von ver-
wendeten Farbstoffen bei Lebensmitteln ist
ein altbekanntes Problem. Meist wird diese
Kenntlichmachungspfl icht bei lose vertrie-
benen Waren nicht berücksichtigt. Vor allem
bei Feinen Backwaren, Speiseeis, aber auch
Süßwaren sind regelmäßig Beanstandungen
die Folge.
Seit Juli 2010 ist ein neues Problem bezüg-
lich der Kennzeichnung hinzugekommen.
So müssen sechs Azofarbstoffe - Tartrazin E
102, Chinolingelb E 104, Gelborange S E 110,
Azorubin E 122, Cochenillerot A E 124 und
Allurarot AC E 129 - mit einem zusätzlichen
Warnhinweis nach Anhang V der VO (EG)
1333/2008
(„Bezeichnung oder E-Nummer
des Farbstoffs/der Farbstoffe“: Kann Aktivi-
tät und Aufmerksamkeit bei Kindern beein-
trächtigen.
) gekennzeichnet werden, welcher
sowohl bei Fertigpackungen als auch bei loser
Ware verpfl ichtend ist.
Ausschlaggebend für die Einführung dieses
Warnhinweises war eine Studie, die sich mit
Auswirkungen von zwei Gemischen aus den
genannten Lebensmittelfarbstoffen und dem
Konservierungsmittel Natriumbenzoat auf
das Verhalten von Kindern befasst hatte. Die
Studie, die 2007 von Forschern der Univer-
sität Southampton im Vereinigten Königreich
durchgeführt wurde, deutete einen Zusam-
menhang zwischen diesen Gemischen und
Hyperaktivität bei Kindern an.
Bei Speiseeis und Feinen Backwaren wur-
den fehlende Farbstoffwarnhinweise bei lose
abgegebenen Erzeugnissen am häufi gsten
festgestellt. Aber auch Süßwaren in Fertig-
packungen wurden gelegentlich ohne Farb-
stoffwarnhinweis in den Verkehr gebracht.
Bei Desserts wurde lediglich eine Probe mit
fehlendem Farbstoffwarnhinweis zur Unter-
suchung eingereicht. Bei Teeerzeugnissen
wurde in zwei Fällen das Fehlen dieses Warn-
hinweises festgestellt. Dem gegenüber wur-
den in drei Fällen die im Zutatenverzeichnis
aufgeführten Farbstoffe, die den Warnhin-
weis auslösen, analytisch nicht nachgewie-
Abb. 4: Farbstoffe in Lutschern

image
 
32 │
Im Jahr 2011 wurden 4.021 Proben aus den
Produktgruppen Suppen, Soßen, Hülsenfrüch-
te, Schalenobst, Ölsamen, Kartoffeln und Kar-
toffelerzeugnisse, Frischgemüse, Gemüseer-
zeugnisse, Pilze, Pilzerzeugnisse, Frischobst,
Obsterzeugnisse, Konfi türen, Marmeladen
und Gelees sowie Fertiggerichte und zuberei-
tete Speisen untersucht. Davon entsprachen
461 Proben den gesetzlichen Vorgaben nicht
und mussten beanstandet werden. Mit einer
Beanstandungsrate von 11,5 % liegen die
Beanstandungen im Bereich des Vorjahres
(2010: 11,3 %). Von den 461 beanstandeten
Proben verstießen 276 Proben (= 59,9 %) ge-
gen Kennzeichnungsvorschriften. Die detail-
lierten Angaben zu den Beanstandungen in
den einzelnen Erzeugnisgruppen können der
Tabelle 2.2 (s. Homepage LUA) entnommen
werden.
Suppen, Soßen
Im Berichtsjahr waren von 107 untersuchten
Proben nur vier Proben aufgrund von Kenn-
zeichnungsmängeln zu beanstanden.
Im Rahmen eines BÜP-Programms wurden
25 Suppen und Soßen auf ihren Gehalt an
Transfettsäuren untersucht. Mit diesem bun-
desweiten Überwachungsprogramm sollten
Daten für verschiedene Lebensmittelgrup-
pen gesammelt werden, um das Gesamtbild
der Belastung von Lebensmitteln mit Trans-
fettsäuren zu vervollständigen. Drei von 25
Proben wiesen trans-Fettsäure-Gehalte von
größer 2 % bezogen auf das Fett auf (4,2 % in
Soßenbinder, 3,7 % in Soßenpaste und 9,5 %
in Bratensoßenpulver); bei allen anderen Pro-
ben lag der trans-Fettsäure-Gehalt unter 2 %.
Bei Gehalten an Transfettsäuren von größer
als 5 % im Fett ist davon auszugehen, dass
gehärtete Fettbestandteile enthalten sind.
Nach § 6 Abs. 4 Nr. 1 Anlage 1 der LMKV
müssen in Deutschland auf Fertigpackungen
gehärtete Fette mit dem Hinweis „gehärtet“
deklariert werden.
Hülsenfrüchte, Schalenobst, Ölsamen
Schalenobst wurde schwerpunktmäßig auf
Mykotoxine untersucht. Es wurden keine
Auffälligkeiten festgestellt. Bei einer Probe
Erdnüsse wurde der geltende Rückstands-
höchstgehalt für das Pestizid Heptachlor
überschritten. Sechs Proben Soja-Drinks und
jeweils eine Probe weiße Bohnen und Linsen
wurden als irreführend gekennzeichnet be-
urteilt, da der deklarierte Gehalt an Calcium,
Folsäure, Natrium, Zink bzw. Vitamin B2 nicht
mit der tatsächlichen Beschaffenheit über-
einstimmte.
Bei zwei Proben (Sojabohnengetränk und
vegetarische „Rindfl eischscheiben“) wurden
DNA-Sequenzen nachgewiesen, die spezifi sch
für eine zugelassene gentechnisch veränderte
Sojabohnenlinie sind. Es fehlte allerdings bei
beiden Proben die entsprechende Deklaration.
Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse
Kartoffeln und Kartoffelerzeugnisse wurden
schwerpunktmäßig auf Schwefeldioxid (SO
2
)
geprüft, da Schwefeldioxid und Sulfi te häufi g
zur Verhinderung von unerwünschten Braun-
färbungen eingesetzt werden. Nur bei einer
Probe Kloßteig wurde die zulässige Höchst-
menge an SO
2
überschritten.
41 Proben Speisekartoffeln von sächsischen
Erzeugern - davon 11 Proben, welche als aus
ökologischem Landbau stammend gekenn-
zeichnet waren - wurden auf Rückstände von
Pfl anzenschutzmitteln untersucht. Bei keiner
dieser Proben wurden Pfl anzenschutzmittel-
rückstände über den geltenden Rückstands-
höchstgehalten festgestellt. Fünf Proben
waren jedoch aus anderen Gründen zu bean-
standen.
Die vom Gesetzgeber geforderte Kenntlich-
machung der Behandlung von Kartoffeln
nach der Ernte zum Zwecke der Haltbarma-
chung fehlte bei zwei Kartoffelproben.
Zwei Proben Kartoffeln wurden aufgrund
ihrer Beschaffenheit als in ihrem Wert nicht
Obst/ Obsterzeugnisse/ Gemüse/ Gemüseerzeug-
nisse/ Gewürze/ Fertiggerichte
sen.
In Ergänzung zu den Untersuchungen auf
Zusatzstoffe in Lebensmitteln werden auch
Zusatzstoffe als solche amtlich untersucht
und beurteilt.
Typische Erzeugnisse sind z. B. Kutterhilfsmit-
tel, Nitritpökelsalz, Glutamat (Asia-Imbiss),
verschiedenste Farbstoffe, Konservierungs-
stoffe, Süßstoffe in Form von Tafelsüßen aber
auch Zellulose, Lecithin und Zitronensäure.
Es wurden sowohl Proben aus dem Einzel-
handel, als auch solche, welche nur für die
gewerbliche Verwendung vorgesehen sind,
eingereicht. Mit knapp 25 % liegt die Bean-
standungsquote deutlich über der der meis-
ten Lebensmittelgruppen. Bis auf wenige
Ausnahmen haben die Beanstandungen ihren
Grund in der unzureichenden Deklaration.
Diese muss seit Anfang 2010 den Anforde-
rungen der Artikel 22 und 23 der Verordnung
(EG) 1333/2008 genügen. Eine häufi ge Ab-
weichung ist z. B. die pauschale Angabe „für
Lebensmittel“ obwohl nach ZZulV Verwen-
dungsbeschränkungen bestehen. In solchen
Fällen wären Angaben wie „für Lebensmittel
-
begrenzte
Verwendung“ oder eine genaue
Angabe des Verwendungszweckes mit den
gesetzlichen Bestimmungen vereinbar. Nur
bei einer entsprechenden Kennzeichnung ist
der Verwender solcher Zusatzstoffe in der
Lage, die Anforderungen der ZZulV einzuhal-
ten.
Zu dieser Warengruppe gehören auch den
Zusatzstoffen gleichgestellte Erzeugnisse -
z. B. Vitamine. Diese üblicherweise sehr selten
eingereichten Stoffe wurden Anfang des Jah-
res wegen des Verdachtes auf Verunreinigung
mit Chloramphenicol (CAP) verstärkt beprobt.
In 18 untersuchten Vitaminen und Vitamin-
mischungen mit Herkunft China konnte in
keinem Fall CAP nachgewiesen werden.
Abb. 1: Kartoffeln, wertgemindert

image
image
image
│33
unerheblich gemindert beurteilt. Einige Kar-
toffeln waren nassfaul und wiesen einen
deutlichen fi schigen Geruch auf.
Außerdem wurde eine Probe „Speisekartof-
feln mehlig kochend“ eines sächsischen Er-
zeugers beanstandet, da in Verbindung mit
der Verkehrsbezeichnung die Angabe „Klas-
se I“ erfolgte. Die Verordnung über gesetz-
liche Handelsklassen für Speisekartoffeln
vom 06. März 1985 wurde zum 30. Juni 2011
aufgehoben. Das bedeutet, dass ab dem 01.
Juli 2011 die Begriffe „Handelsklasse“ oder
„Klasse“ nicht mehr auf den Verkaufsverpa-
ckungen, den Etiketten oder einem Schild an
der Ware erscheinen dürfen, da eine gesetz-
liche Handelsklasse für Speisekartoffeln nicht
mehr existiert.
Frischgemüse
Im Berichtszeitraum wurden 568 Proben
Frischgemüse untersucht. Mit 5,3 % ist die
Beanstandungsrate in dieser Warengruppe
sehr gering.
Ausgehend vom bisher größten EHEC-Aus-
bruch in Deutschland (im Juni/Juli 2011),
stellte die Untersuchung von frischem Gemü-
se auf EHEC-Erreger einen Untersuchungs-
schwerpunkt dar (siehe dazu „EHEC O104 in
Sachsen – Rückblick auf den Ausbruch“). Ins-
gesamt wurden 78 Gemüseproben auf EHEC
untersucht. Die Ergebnisse aller Proben fi elen
negativ aus.
Abb. 2: Schlagzeile EHEC Geschehen
Auf Rückstände von Pfl anzenschutzmitteln
wurden insgesamt 382 Proben Frischgemüse
in- und ausländischer Erzeuger untersucht.
Dabei war keine Gemüse-Probe aufgrund der
Überschreitung des Höchstgehaltes an Pfl an-
zenschutzmitteln zu beanstanden (siehe dazu
Punkt Pestizide, Dioxine).
Drei Proben Lollo Rosso Salat aus Deutsch-
land sowie eine Probe Kopfsalat eines sächsi-
schen Erzeugers wurden aufgrund der Über-
schreitung des zulässigen Höchstgehaltes an
Nitrat beanstandet.
Die weiteren Beanstandungen betrafen u. a.
das Fehlen der Angabe des Ursprungslandes,
einer Loskennzeichnung oder auch der Adres-
se des Herstellers/Inverkehrbringers bei Ge-
müse, das in Fertigpackungen in den Verkehr
gebracht wurde.
Gemüseerzeugnisse
Zwei lose gehandelte Proben (eingelegte Oli-
ven, Sauerkraut) wurden auf Grund ihres He-
febefalls, der teilweise auch mit bloßem Auge
als Kahmhaut sichtbar war, als nicht sicher
beurteilt.
Zwei Proben (Puszta-Salat, Mixed Pickles)
wurden als wertgemindert beurteilt, da sie in
ihrer Zusammensetzung von der in den Leit-
sätzen für Gemüseerzeugnisse beschriebenen
Verkehrsauffassung für derartige Produkte
abwichen. Eine Probe Antipasti fi el auf, da
trotz deklarierter Zutat „jodiertes Speisesalz“
nur Spuren von Jod im Erzeugnis nachweisbar
waren.
Pilze
Als frische Pilze gelangten überwiegend
Champignons und Pfi fferlinge zur Untersu-
chung. Die Rückstandssituation wurde an-
hand der Untersuchungen auf Schwerme-
talle und Pfl anzenschutzmittel überprüft. Bei
den 61 untersuchten Proben wurden keine
Höchstgehaltsüberschreitungen an Pfl anzen-
schutzmitteln festgestellt (ausführliche Dar-
stellung: Punkt Pestizide, Dioxine).
Des Weiteren wurden 18 Proben Wildpilze
aus dem osteuropäischen Raum, überwie-
gend frische Pfi fferlinge, auf Kontamination
mit radioaktivem Cäsium 134/137 unter-
sucht. Wegen der kürzeren Halbwertzeit wird
das Cäsium 134-Isotop generell nicht mehr
nachgewiesen. In keiner Probe überstieg die
kumulierte Radioaktivität von Cäsium-134
und Cäsium-137 den zulässigen Höchstwert
von 600 Bq/kg Frischmasse. In 13 Proben be-
trug die Radioaktivität weniger als 100 Bq/kg,
in den übrigen Proben lag sie zwischen 100
und 300 Bq/kg.
Im Rahmen des Landesüberwachungspro-
gramms (LÜP) 2011 wurden unter anderem
Wildpilze auf die Umweltschadstoffe PAK un-
tersucht. In den 5 untersuchten Proben (Pfi f-
ferlinge, Waldpilze und Schafspilze) wurden
keine erhöhten Gehalte gefunden.
Die vier Beanstandungen in dieser Waren-
gruppe wurden auf Grund von Kennzeich-
nungsmängeln ausgesprochen. So fehlten
z. B. die Angabe des Abpackers und der Los-
Nummer; bei einer Probe Bio-Champignons
fehlte die Herkunftsangabe, und die Code-
nummer der Kontrollstelle war nicht unter
dem Gemeinschaftslogo angegeben.
Pilzerzeugnisse
Überwiegend wurden Pilzkonserven sowie
getrocknete und tiefgefrorene Pilzerzeugnis-
se untersucht. Im Rahmen des Zoonose-Mo-
nitorings wurden 35 Proben getrocknete Pilze
auf Salmonellen, die zu der Gruppe der Zoo-
noseerreger gehören, untersucht. In keiner
der Proben wurden Salmonellen gefunden.
Eine Probe getrocknete Morcheln fi el durch
Schimmelbelag und deutlich schimmligen
Geruch auf. Bei der mikrobiologischen Un-
tersuchung wurden Schimmelpilze mit einem
Gehalt von 4,4 x 10
6
KbE/g Lebensmittel nach-
gewiesen. Die Differenzierung ergab Pilze der
Gattung Penicillium (
Penicillium glabrum
und
Penicillium citrinum
sowie
Hormogra-
phiella spp.
). Weitere Beanstandungsgründe
waren Schädlingsbefall und Kennzeichnungs-
mängel.
Frischobst
Insgesamt wurden 397 Proben Frischobst in-
und ausländischer Erzeuger auf Rückstände
aus Pfl anzenschutzmitteln untersucht. Da-
von waren in diesem Berichtszeitraum fünf
Proben aufgrund von Überschreitungen der
in der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 fest-
gesetzten Höchstgehalte an Pfl anzenschutz-
mitteln zu beanstanden: je eine Probe Brom-
beeren aus Mexiko (Carbaryl), Erdbeeren aus
Deutschland (Phenmedipham) und Tafeltrau-
ben aus Peru (Thiabendazol) sowie 2 Proben
Pomelo aus China (Methidathion) (siehe dazu
Punkt Pestizide, Dioxine).
Fünf Proben Zitrusfrüchte (Clementinen,
Orangen, Grapefruit) wurden beanstandet,
weil die für Zitrusfrüchte zugelassenen Scha-
lenbehandlungsmittel Thiabendazol, Imazalil
bzw. Orthophenylphenol nachgewiesen wur-
den, ohne dass die - auch bei loser Ware -
erforderliche Kenntlichmachung erfolgt war.
Zu erwähnen ist auch eine Verdachtsprobe
Mangos. Diese Probe bestand aus 12 ganzen
rötlich-grünen, mittelgroßen, festen Man-
gos. Alle Mangos wiesen auf der Oberfl äche
in unterschiedlichem Maß Rückstände einer
bräunlich violetten, z. T. leicht metallisch
Abb. 4: Verdachtsprobe Mango
Abb. 3: Frische Erdbeeren

image
34 │
glänzenden, angetrockneten Flüssigkeit auf.
Im Rahmen der durchgeführten Untersu-
chungen wurde festgestellt, dass es sich bei
dieser Substanz um ein Permanganat han-
delte (ausführlichere
Informationen dazu in
den LUA-Mitteilungen 02/2011 auf der LUA-
Homepage:
www.lua.sachsen.de
> Publikatio-
nen
>
LUA
Mitteilungen
bzw.
http://www.lua.
sachsen.de/download/lua/lua_m_2011_02.
pdf).
Obsterzeugnisse
Drei Obstkonserven wurden als irreführend
gekennzeichnet beurteilt, da ihr Abtropfge-
wicht deutlich von der jeweiligen Deklara-
tion abwich. Bei zwei Proben Feigen wurde
die zulässige Höchstmenge für Afl atoxine
überschritten. Zwei Proben Stevia-Erzeug-
nisse (Blätter und Pulver) wurden auf Grund
der fehlenden Zulassung innerhalb der EU
als nicht verkehrsfähig beurteilt. Eine Probe
Mischobst getrocknet wurde beanstandet,
da ihre Teilprobe Birnen schwefl ige Säure
in einer Menge deutlich über der zulässigen
Höchstmenge von 600 mg/kg enthielt. Das
gleiche Erzeugnis wurde schon im Vorjahr aus
demselben Grund beanstandet.
Ein Großteil der Beanstandungen erfolgte
wegen verschiedenster Kennzeichnungsmän-
gel.
Konfi türen, Gelees, Marmeladen
Im Berichtsjahr setzte sich - wie in den Vor-
jahren - der Trend fort, dass überwiegend
kleingewerblich hergestellte Konfi türen, Ge-
lees und Fruchtaufstriche zu beanstanden
waren. Hier existiert eine gewisse Unkenntnis
über die Beschaffenheits- und Kennzeich-
nungsanforderungen für die jeweiligen Pro-
dukte. Des Öfteren wurden Erzeugnisse als
Marmeladen in den Verkehr gebracht, obwohl
laut Konfi türenverordnung diese Bezeich-
nung nur für entsprechende Produkte aus Zi-
trusfrüchten vorgesehen ist. Auch die Zugabe
von Zusatzstoffen, z. B. Konservierungsstoffe
und Geliermittel aus dem verwendeten Ge-
lierzucker, wurde von diesen Herstellern recht
unkritisch gesehen und oft nicht deklariert.
Drei Proben mit Hinweisen auf eine ökolo-
gisch/biologische Produktion wurden be-
anstandet, da die diesbezüglichen Angaben
nicht vollständig bzw. nicht korrekt deklariert
wurden.
Fertiggerichte, zubereitete Speisen
Ein Untersuchungsschwerpunkt war die mi-
krobiologische Prüfung des Keimstatus ins-
besondere bei losen Essenproben aus dem
Bereich Imbiss, Gaststätten und Gemein-
schaftsverpfl egung. Nur zwei Proben waren
auf Grund von hoher Keimbelastung nicht
mehr zum Verzehr geeignet.
Wie in 2010 wurde im Berichtsjahr eine Un-
tersuchung von Speisen auf den Geschmacks-
verstärker Glutaminsäure durchgeführt. In
neun Fällen war die zulässige Höchstmenge
von 10 g/kg z. T. erheblich überschritten. Die-
se Beanstandungen betrafen ausschließlich
Gerichte aus asiatischen Gastronomiebetrie-
ben.
Lebensmittel dürfen nicht unter irreführen-
der Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung
in Verkehr gebracht werden. Im Berichtsjahr
wurden 26 Proben als irreführend beurteilt.
Beanstandet wurden z. B.:
die Angabe „Käse“ für Pizza-Mix (Imitat)
die fehlende Angabe von Putenfl eisch im
Döner
die Bezeichnung „Schinken“ für Form-
fl eischkochschinken
der zu niedrig angegebene Fettgehalt in
der Nährwertkennzeichnung
die fehlende Angabe von Schweinefl eisch
im Gulasch bzw. in Gulaschsuppe
Ein weiterer Schwerpunkt war die Prüfung auf
Zusatzstoffe und deren Kenntlichmachung.
17 Proben wurden ohne Kenntlichmachung
von vorhandenen Zusatzstoffen (Farb-, Süß-,
Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker)
angeboten. Bei drei Proben Feinkostsalaten,
die als Beilage zu einem Mittagessen gereicht
wurden, wurde der für Feinkostsalate nicht
zugelassene Süßstoff Cyclamat nachgewie-
sen.
Würzmittel
Bei Würzmitteln ist die Beanstandungsrate
mit 27,2 % überdurchschnittlich hoch. Der
überwiegende Teil der Würzmittel wurde ent-
weder als irreführend gekennzeichnet beur-
teilt, oder diese Proben wurden beanstandet,
weil die Kennzeichnung nicht den geltenden
Anforderungen entsprach. So wurde z. B. die
Bezeichnung einer Probe „WASABI-Powder“,
welche zu 76 % aus Meerrettich bestand, als
irreführend beanstandet. Ebenfalls als irre-
führend gekennzeichnet wurden verschie-
dene Speisesalze beanstandet, weil sie mit
nährwertbezogenen Angaben wie z. B. „...
enthält viele Mineralien und Spurenelemen-
te ...“ oder „reich an natürlichen Mineralien“
beworben wurden, ohne dass die dafür gel-
tenden Anforderungen der Verordnung (EG)
Nr. 1924/2006 eingehalten wurden.
Im Zusammenhang mit dem EHEC-Gesche-
hen wurden 2011 außerdem 24 Proben Curry
und Gewürzsalze, welche als Zutat Bocks-
hornkleesamen enthielten, mikrobiologisch
untersucht. EHEC wurde in keiner Probe
nachgewiesen.
Gewürze
Im Rahmen der Untersuchungen auf Rück-
stände aus Pfl anzenschutzmitteln wurden in
drei Proben Höchstgehaltsüberschreitungen
festgestellt. Dabei handelte es sich um eine
Probe Kreuzkümmel (Herkunft unbekannt)
und 2 Proben Bockshornkleeblätter aus In-
dien (siehe dazu Punkt Pestizide). Eine der
beiden Proben Bockshornkleeblätter wurde
außerdem als gesundheitsschädlich beurteilt,
da in dieser Probe Salmonellen der Gruppe W
nachgewiesen wurden. Außerdem wurde ein
25-kg-Sack Bockshornkleesamen aus Ägyp-
ten zur Untersuchung auf EHEC eingereicht.
Auch in dieser Probe konnte EHEC O104:H4
nicht nachgewiesen werden.
Die weiteren Beanstandungen in dieser Wa-
rengruppe konzentrierten sich - wie im ver-
gangenen Jahr auch - auf die folgenden drei
Schwerpunkte:
zu hoher Sandgehalt
zu geringer Gehalt an ätherischen Ölen
Kennzeichnungsmängel
fehlende deutsche Kennzeichnung
unvollständiges oder fehlendes Zuta-
tenverzeichnis
fehlende Angabe der Nennfüllmenge
fehlendes Mindesthaltbarkeitsdatum
irreführende Verkehrsbezeichnung
andere irreführende Angaben.
Abb. 5: Bockshornkleesamen

image
 
│35
Im Berichtszeitraum wurden insgesamt
1.356 Proben untersucht, wovon 192 Pro-
ben beanstandet wurden. Die Warengruppe
mit der höchsten Beanstandungsquote sind
wiederum die Spirituosen (24,0 %), gefolgt
von den Säften (16,5 %) und alkoholfrei-
en Erfrischungsgetränken (14,6 %), Aromen
(11,6 %), Bier (13,1 %) und Mineral-, Quell-
und Tafelwasser (9,7 %). Den größten Teil der
Beanstandungen machen wiederum Kenn-
zeichnungsmängel aus. Nachfolgend werden
warengruppenspezifi sch bestimmte Untersu-
chungs- und Beanstandungsschwerpunkte
dargestellt.
Mineral,- Quell- und Tafelwasser, Wasser-
spender, Mundeis, Kanisterwasser
Die Beanstandungsquote ist gegenüber dem
Vorjahr rückläufi g, da weniger Mineralwässer
als im Vorjahr auf Grund sogenannter „nicht
relevanter Metabolite“ (nrM) beanstandet
werden mussten. Dies sind Abbauproduk-
te von Wirkstoffen zugelassener Pfl anzen-
schutzmittel, die weder eine pestizide noch
eine toxische oder ökotoxische Wirkung auf-
weisen. Im Mineralwasser stellen nrM jedoch
die ursprüngliche Reinheit in Frage. Die ur-
sprüngliche Reinheit ist dann nicht mehr ge-
geben, wenn nrM den Orientierungswert von
0,05 μg/l überschreiten. Von 76 untersuchten
Proben sächsischer Herkunft mussten 12 Pro-
ben auf Grund der Gehalte an nrM beanstan-
det werden. Dabei fi elen stets die gleichen
Brunnen auf. In den Proben wurden Abbau-
produkte des Pfl anzenschutzmittelwirkstoffs
Metazachlor - hier Metazachlorsulfonsäure
und Metazachlorsäure – und ein Abbaupro-
dukt des Pfl anzenschutzmittelwirkstoffs Di-
methachlor – hier Dimethachlorsulfonsäure
– ermittelt. Beide Pfl anzenschutzmittelwirk-
stoffe werden vorwiegend als Herbizide im
Rapsanbau eingesetzt. Im Vergleich zum Vor-
jahr ist eine langsame Abnahme der Gehalte
zu verzeichnen. Auf Grund der Nutzung ande-
rer unbelasteter Brunnen und des Rückgangs
der Gehalte konnten gegen Ende des Jahres
alle am Markt befi ndlichen sächsischen Mine-
ralwässer als „sauber“ gelten.
Weitere Beanstandungen betrafen z. B. Wäs-
ser mit zu geringer Karbonisierung (3 x),
Wässer mit sensorisch relevanter Migration
von Acetaldehyd aus dem PET-Material der
Flasche in das Füllgut (2 x), ein Säuglings-
wasser mit erhöhtem Nitritgehalt, ein Tafel-
wasser mit verschleppten Citrusaromen und
eine Beschwerdeprobe mit intensiv arznei-
mittelartigem Geruch. Informationen zu mi-
krobiologischen Untersuchungsergebnissen
loser Wasserproben (Wasserspender, Mund-
eis, Kanisterwasser) enthält die Tabelle 2.29
„Lose Wasserproben (WC59)“ auf der LUA-
Homepage.
Uran in Mineral-, Quell- und Tafelwasser
Uran ist ein natürlicherweise im Gestein vor-
kommendes Element. Die in Mineral- und
anderen Grundwässern messbaren Urange-
halte sind damit in der Regel als geogen ein-
zuschätzen. Das Schwermetall stand schon
oft im Fokus des öffentlichen Interesses.
Trotz seiner toxikologischen Relevanz (siehe
Infobox auf dieser Seite) ist der Umfang der
Grenzwertfestsetzungen lange unbefriedi-
gend gewesen. Für Mineral-, Quell- und Ta-
felwasser, welches für die Säuglingsernäh-
rung ausgelobt ist, schreibt die MTVO erst seit
2006 einen Grenzwert von 2 μg/l vor. Zur Be-
urteilung von Wässern ohne diese Auslobung
griff die LUA bisher auf den vom UBA im Jahr
2005 veröffentlichten gesundheitlichen Leit-
wert für Trinkwasser in Höhe 10 μg/l und den
zugehörigen Maßnahmewert bei einer Expo-
sitionsdauer von bis zu 10 Jahren in Höhe von
20 μg/l zurück. Dabei wurden bei statistisch
gesicherter Überschreitung des Maßnahme-
wertes von 20 μg/l Beanstandungen aus-
gesprochen. Mit der Ersten Verordnung zur
Änderung der Trinkwasserverordnung trat
am 01.11.2011 ein Grenzwert von 10 μg/l für
Trinkwasser in Kraft. Auf Grund der Verweise
in der MTVO gilt dieser Grenzwert nun auch
für Quell- und Tafelwasser. Für Mineralwasser
besteht jedoch noch nach wie vor eine Rege-
lungslücke.
Infobox zu „Toxikologische Bedeutung von
Uran“
Uranverbindungen sind vor allem in che-
mischer Hinsicht stark giftig. Die dau-
erhafte Zufuhr höherer Dosen führt zu
einer Schädigung der Nierenzellen und
zu einer Verringerung der Rückresorpti-
on. Von den wissenschaftlichen Gremien
werden unterschiedliche Empfehlungen
für Höchstkonzentrationen gegeben. Die
WHO gibt für Uran aktuell einen TDI (Tole-
rable Daily Intake) von 60 μg (WHO 2011)
an. Damit wurde der frühere TDI von 0,6
μg/kg Körpergewicht (bei 60 kg Körperge-
wicht = 36 μg) angehoben. Die Anhebung
beruht insbesondere auf den Ergebnissen
einer fi nnischen Humanstudie (Kurttio et
al. (2006)). Folglich hat die WHO (2011)
ihren provisorischen Trinkwasser-Richt-
wert von ursprünglich 15 μg/l auf jetzt
30 μg/l korrigiert. UBA (2005, 2011) und
BfR (2004) empfehlen Höchstkonzentra-
tionen von 10 bzw. 15 μg/l im Trink- bzw.
Mineralwasser. Die UBA-Empfehlung von
10 μg/l hat 2011 als Grenzwert Eingang
in die Trinkwasser-Verordnung gefunden.
Je nach natürlichem Isotopenverhältnis
gewinnt Uran erst in Konzentrationsbe-
reichen von 60 – 90 μg/l auch an radio-
toxischer Bedeutung. Beim radioaktiven
Zerfall der Uranisotope im Körper werden
energiereiche Alphateilchen emittiert,
die vom umliegenden Gewebe absorbiert
werden und dort Krebs auslösen können.
Maximal zulässige Aktivitätszufuhren
sind für die natürlichen Uran-Isotope
nicht festgelegt. Für Trinkwasser ist ihr
Beitrag an der Gesamtrichtdosis von ma-
ximal 0,1 mSv/Jahr zu bemessen.
Getränke
Abb. 1: Urangehalte in Mineral-, Quell- und Tafelwässern im Untersuchungsjahr 2011

36 │
Abbildung 1 gibt einen Überblick über die im
Jahr 2011 ermittelten Urangehalte im Mine-
ral-, Quell- und Tafelwasser. Nach Auswer-
tung der 42 gemessenen Proben stellt sich die
Belastungssituation als unproblematisch dar.
Nur ein Wasser, in diesem Fall ein Quellwas-
ser, lag deutlich über dem gesundheitlichen
Leitwert und jetzigen Trinkwassergrenzwert
von 10 μg/l. Der betroffene Abfüller hat un-
terdessen Maßnahmen zur Uranreduzierung
eingeleitet und sein Marketing angepasst.
Fruchtsäfte, Fruchtnektare, Erfrischungs-
getränke
Ein Mango-Nektar enthielt unzulässigerwei-
se künstliche Aromen. Einige Beanstandun-
gen ergaben sich aus den Umstellungen, die
die Getränkehersteller auf Grund der neu-
en Kennzeichnungsvorschriften für einige
künstliche Farbstoffe durchführten. Es wur-
den Schimmelpilzkontaminationen in Geträn-
ken festgestellt, die bei einigen Proben auch
zu einer Pentadienbildung (benzinartiger
Geruch) aus dem Konservierungsstoff Sor-
binsäure führten. Bei einigen Birnensäften
wurde der zulässige Zusatz von Ascorbinsäu-
re nicht kenntlich gemacht. Bei einigen Ge-
tränken wurden Vitamine und Mineralstoffe
ausgelobt, die deklarierten Mengen wurden
jedoch deutlich unterschritten, oder es han-
delte sich nicht um relevante Mengen. Au-
ßerdem fi elen unzulässige gesundheits- oder
krankheitsbezogene Aussagen auf.
Spirituosen
Einen Untersuchungsschwerpunkt bilde-
te wieder die Kontrolle des „Zielwertes“ für
Ethylcarbamat in Steinobstbränden gemäß
Kommissionsempfehlung 2010/133/EU. In
Steinobstbränden betragen die Gehalte die-
ser toxikologisch relevanten Substanz das
100- bis 1000-fache dessen, was in anderen
Lebensmitteln vorgefunden wird. Deshalb
kommt der Minimierung dieser Substanz ge-
rade in Steinobstbränden besondere Priori-
tät zu. Die EU-Empfehlung beschreibt einen
so genannten „Verhaltenskodex“ mit einem
umfangreichen „Maßnahmebündel“ für eine
bewährte Herstellungspraxis. EC-Gehalte
über dem Zielwert von 1 mg/L stellen da-
nach eine Kontamination dar, die nach guter
Herstellungspraxis vermeidbar ist. Derartige
Spirituosen werden i. S. von Art. 14 Abs. 5
der VO (EG) Nr. 178/2002 als für den Verzehr
durch den Menschen inakzeptabel beurteilt.
Im Berichtszeitraum wurden insgesamt 33
Proben auf EC untersucht. Sie gliedern sich
in 13 Steinobstbrände, 7 Spirituosen un-
ter Verwendung von Steinobstdestillat und
13 sonstige Spirituosen. Bei zwei Proben
(Zwetschgenbrand: 1,1 mg/L, Kirschbrand:
2,5 mg/L) wurden Überschreitungen des Ziel-
wertes festgestellt. In den letzten Jahren ist
eine deutliche Tendenz zu niedrigeren EC-
Gehalten erkennbar, was eine wirkungsvolle
Umsetzung der Maßnahmen zur Reduzierung
bereits jetzt dokumentiert. Auf europäischer
Ebene läuft seit dem Jahr 2010, voraussicht-
lich bis einschließlich 2012, ein Monitoring
für EC-Gehalte in Steinobstbränden und
Steinobsttrester. Die erhobenen Daten dienen
zur Festlegung eines zukünftigen europawei-
ten EC-Höchstwertes.
Aromastoffanalytik von Spirituosen
Die Akzeptanz von Lebensmitteln wird maß-
geblich von ihrem sensorischen Eindruck
geprägt. Hierbei spielen die enthaltenen Aro-
mastoffe eine entscheidende Rolle. Deshalb
kommt die Aromastoffanalytik in der ganzen
Bandbreite der Lebensmittel zum Einsatz. De-
taillierte Angaben zu untersuchten und bean-
standeten Lebensmittelproben enthält die Ta-
belle 2.30 „Untersuchung von Lebensmitteln
auf Aromastoffe“ auf der LUA-Homepage.
Stellvertretend soll an dieser Stelle nur die
Aromauntersuchung von Spirituosen heraus-
gestellt werden.
Für eine Vielzahl von Spirituosen, sogenann-
te „originäre Brände“, stellvertretend seien
Whisky, Weinbrand oder Obstbrand genannt,
ist die ausschließliche Verwendung von be-
stimmten landwirtschaftlichen Rohstoffen
gesetzlich vorgeschrieben. Die bei der alko-
holischen Gärung entstehenden Gärungsbe-
gleitstoffe sind deshalb charakteristisch wie
ein Fingerprint. Bei den Gärungsbegleitstof-
fen handelt es sich vorwiegend um höhere
Alkohole, Aldehyde, Ketone, Ester und Terpe-
ne, die maßgeblich das Flavour der jeweiligen
Spirituose bestimmen. Die Kenntnis über ihre
Größe bzw. verschiedene Verhältniszahlen
untereinander ist hierbei ein wichtiges Kri-
terium für die Prüfung auf Authentizität.
Weiterhin können Aussagen zum mikrobio-
logischen Status der verwendeten Maische
getroffen werden. Im Berichtszeitraum wur-
den insgesamt 169 Spirituosen auf ihre Gä-
rungsbegleitstoffe geprüft. Hierbei mussten
ein Zwetschgenbrand und Aprikosengeist
ein und desselben Herstellers beanstandet
werden. Auf Grund der Analysenergebnisse
(Sensorik und vorgefundenen Gehalte an Gä-
rungsbegleitstoffen) konnte eine Verwechs-
lung nachgewiesen werden. Auch ein „Klarer“
musste beanstandet werden, da er in Bezug
auf die Gärungsbegleitstoffe von der Ver-
kehrsauffassung deutlich abwich.
Durch die Verwendung von Kräuter- und Ge-
würzauszügen bei der Herstellung gelangen
auch sogenannte unerwünschte Aromastof-
fe in Spirituosen. Neben der gewünschten
aromatisierenden Wirkung sind diese Stoffe
jedoch auch toxikologisch bedenklich. Dies
hat den Gesetzgeber veranlasst, Höchstwer-
te hierfür festzulegen (Aromastoffhöchst-
mengen nach Anhang III der VO (EG) Nr.
1334/2008). Die Überprüfung dieser Höchst-
mengen hat damit Priorität bei der Beurtei-
lung von Kräuterlikören und Bitteren. Von 78
untersuchten Spirituosen musste lediglich
eine Probe wegen Überschreitung der zuläs-
sigen Aromastoffhöchstmengen beanstandet
werden (Bitterlikör mit 1,75 mg -Asaron /kg).
Das Untersuchungsspektrum konnte 2011 um
weitere Aromastoffe (Menthofuran, Estragol
und Methyleugenol) auf nunmehr 8 von 11
mit Höchstmengen geregelten Aromastoffen
erweitert werden. In diesem Zusammenhang
sei erwähnt, dass bei der Erarbeitung einer
amtlichen Methode zur Bestimmung dieser
mit Höchstmengen geregelten Aromastoffe
intensiv mitgearbeitet wurde. Ein erster Ring-
versuch wurde erfolgreich durchgeführt.
Häufi g stellt sich die Frage, was bei der Her-
stellung an Pfl anzen bzw. -auszügen verwen-
det wurde. Interessant war in dieser Hinsicht
der Befund eines regionalen Honiglikörs.
Auf dem Etikett war das Erzeugnis als „Ohne
Aroma“ ausgelobt. Die Probe war bereits
sensorisch auffällig (deutliche Zitrusnote).
Das Aromastoffspektrum konnte den senso-
rischen Befund untermauern. Auffällig dabei
waren die hohen Anteile an Furocumarinen in
der Aromastofffraktion (47 %). Furocumari-
ne sind sekundäre Pfl anzenmetaboliten, die
vor allem in Zitrusölen (Limette, Grapefruit,
Bergamott) aber auch in Lebensmitteln (Pas-
tinaken, Sellerie) vorkommen. Toxikologisch
bedeutsam sind die Furocumarine Bergapten,
Xanthotoxin, Psoralen, Imperatorin und An-
gelicin, welche z. T. in der Probe festgestellt
wurden. Einige Furocumarine zeigen photo-
toxische Wirkung. Im Zusammenwirken mit
Sonnenlicht (UV-Strahlung) kann es zu ver-
brennungsähnlichen Symptomen kommen.
In der Medizin werden Furocumarine jedoch
auch gezielt zur Behandlung von Krankhei-
ten (Psoriasis) eingesetzt. Neben der photo-
toxischen Wirkung wirken Furocumarine z. T.
auch krebserregend.
Die DFG- Senatskommission (SKLM) hat im
Jahr 2010 eine Stellungnahme zur toxikolo-
gischen Beurteilung von Furocumarinen in
Lebensmitteln abgegeben. Hierin kommt die
Kommission zur Schlussfolgerung „dass bei
normalem Verzehr von ... furocumarinhalti-
gen Lebensmitteln kein Risiko des Auftretens
phototoxischer Wirkungen erkennbar ist.
... Eine endgültige Abschätzung des Risikos
einer krebserzeugenden Wirkung ist ... der-
zeit nicht möglich.“ Unabhängig von dieser
Einschätzung wurde das Untersuchungser-
gebnis (hoher Anteil Furocumarine in Arom-
afraktion) kritisch hinterfragt. Derartig hohe

image
image
 
│37
Nahrungsergänzungsmittel
Im Berichtsjahr wurden 367 Proben zur Un-
tersuchung eingereicht, von denen 183 nicht
den rechtlichen Bestimmungen entsprachen.
Mit 49,9 % liegt die Beanstandungsquote so-
mit nur unwesentlich niedriger als im Vorjahr
(2010: 52,5 %).
Wissenschaftliche Absicherung der Werbe-
aussagen
In der überwiegenden Zahl der Fälle (161
Proben = 43,9 %) wurden die auf den Pro-
dukten enthaltenen gesundheitsbezogenen
Werbeaussagen als wissenschaftlich nicht
hinreichend gesichert und somit als irre-
führend beurteilt. Gesundheitsbezogene An-
Furocumarinen in authentischen Zitrusölen
(Bergamott, Limette, Grapefruit, Zitrone) bis
lediglich 3 % genannt. Der Hersteller wurde
aufgefordert, seine Rezeptur offenzulegen.
Danach konnte die Aromatisierung seines
Honiglikörs (mit Limettenschalen, Limetten-
saft und Ingwer) bestätigt werden.
Letztlich wurden im Rahmen der Authenti-
zitätsprüfung auch Spirituosen (vorrangig
Fruchtsaftliköre, Obstbrände, Geiste) auf die
unzulässige Verwendung von künstlichen
Aromastoffen untersucht. Diese Untersu-
chung (Enantiomerenanalytik) ist da ange-
bracht, wo gesetzliche Regelungen die aus-
schließliche Verwendung von natürlichen
Aromastoffen vorschreiben bzw. wo durch
Bewerbung eine „Natürlichkeit“ herausge-
stellt wird. Von den 34 Spirituosen wurde
bei einer Probe eine Beanstandung ausge-
sprochen. Es handelte sich um eine Heidel-
beerlikör, welcher racemisches - Jonon und
- Undecalacton enthielt, was als Hinweis auf
die unzulässige Verwendung von künstlichen
Aromen anzusehen ist.
Abb. 2: GC-MS zur Aromastoffanalytik
gaben im Sinne der VO (EG) Nr. 1924/2006
(Health Claims-VO) dürfen nur verwendet
werden, wenn sie zugelassen und in Gemein-
schaftslisten aufgenommen sind. Vor ihrer
Aufnahme in die Listen werden die von den
Mitgliedstaaten eingereichten Health Claims
von der EFSA hinsichtlich ihrer wissenschaft-
lichen Absicherung geprüft. Ungeachtet der
Tatsache, dass die Verabschiedung der Ge-
meinschaftslisten noch aussteht, ist für eine
Vielzahl von Nährstoffen und einzelne „sons-
tige Stoffe“ die Bewertung durch die EFSA
abgeschlossen und kann somit als Grundlage
für die Beurteilung der wissenschaftlichen
Absicherung von Werbeaussagen dienen. Im
Falle negativer EFSA-Bewertungen ist davon
auszugehen, dass die betreffenden Wirkungs-
aussagen wissenschaftlich nicht hinreichend
gesichert sind und somit als unzulässige ir-
reführende Angaben im Sinne der Health
Claims-VO und des LFGB anzusehen sind.
So kam die EFSA im Ergebnis ihrer Prüfung
z. B. in folgenden Fällen zu dem Schluss, dass
eine Ursache-Wirkungs-Beziehung
nicht
festgestellt werden konnte zwischen der Auf-
nahme von
Nahrungsergänzungsmittel / Diätetische Lebens-
mittel
Abb. 1: Produktspektrum „Nahrungsergänzungsmittel“
Anteile an Furocumarinen wurden bisher in
untersuchten Lebensmitteln bzw. etherischen
Ölen nicht vorgefunden. Auf Nachfrage bei
Aromenherstellern wurden uns Gehalte an

image
38 │
Glucosamin allein oder in Kombination
mit Chondroitin und der Gesunderhaltung
der Gelenke
Cranberry bzw. daraus hergestellten
Extrakten und einem gesunden Harn-
wegssystem
verschiedenen Pfl anzenextrakten und ei-
nem Schutz der Zellbestandteile vor oxi-
dativen Schäden
L-Carnitin und einer Erhöhung des Ener-
gie- und Fettstoffwechsels
Soja-Isofl avonen und einer positiven Be-
einfl ussung der Wechseljahresbeschwer-
den.
Den Zusatzstoffen gleichgestellte Stoffe
Die Einstufung von Zutaten als „den Zusatz-
stoffen gleichgestellte Stoffe“ im Sinne des
LFGB, die ohne vorherige Zulassung nicht
verwendet werden dürfen, wird seit mehreren
Jahren durch zwei höchstrichterliche Urteile
(BVerwG - „OPC-Urteil“, BGH - „Glucosamin“)
erheblich erschwert. Da in dem letztgenann-
ten Urteil des Bundesgerichtshofes das nati-
onale Verbotsprinzip mit Erlaubnisvorbehalt
für derartige Stoffe für nicht europarechts-
konform erklärt wurde, arbeitet der deutsche
Gesetzgeber derzeit an einer Neufassung des
betreffenden Paragraphen im LFGB. Die dar-
aus resultierende Auswirkung auf die recht-
liche Bewertung von „sonstigen Stoffen“
bleibt abzuwarten. Ungeachtet dessen war
im Berichtsjahr in 16 Fällen die unzulässige
Verwendung von den Zusatzstoffen gleichge-
stellten Stoffen festzustellen.
Einstufung als Funktionsarzneimittel
In fünf Fällen wurden als Nahrungsergän-
zungsmittel in den Verkehr gebrachte Er-
zeugnisse als nicht zugelassene Funktions-
arzneimittel beurteilt. Betroffen waren vier
Proben, die als Zutat u. a. einen Ginseng-
extrakt enthielten. Anhand einer Aufberei-
tungsmonographie der Kommission E des
ehemaligen BGA konnte das Vorliegen einer
pharmakologisch wirksamen Dosis an Gin-
senosiden bestätigt werden. Zwei der vier
Proben enthielten darüber hinaus hochdo-
siertes Coffein, das in dieser Konzentration
ebenfalls als pharmakologisch wirksam be-
urteilt wurde. Bei einer als Verdachtsprobe
eingereichten Probe „Weihrauch naturrein“
handelte es sich um Kapseln mit einem Bos-
wellia serrata-Extrakt (Indischer Weihrauch).
Aufgrund der analytisch ermittelten hohen
Gehalte an Boswelliasäuren und dem Vor-
liegen einer BfArM-Entscheidung nach § 21
Abs. 4 AMG für zwei vergleichbare Weih-
rauch-Produkte erfolgte eine Einstufung als
Funktionsarzneimittel.
Diätetische Lebensmittel - Eine Produkt-
kategorie im Umbruch
Diabetiker-Lebensmittel
Nach aktuellem wissenschaftlichem Kennt-
nisstand kann Menschen mit Diabetes die
generelle Ernährungsempfehlung gegeben
werden, eine gesunde Kost zu wählen und
dies aus dem vorhandenen Lebensmittelan-
gebot zu tun. Als Folge dieser Entwicklung
entschloss sich der deutsche Gesetzgeber,
die nationale Besonderheit der Regelungen
für Diabetiker-Lebensmittel abzuschaffen.
Mit der 16. Änderung der DiätV im Okto-
ber 2010 erfolgte die ersatzlose Streichung
sämtlicher Regelungen im Zusammenhang
mit Diabetiker-Lebensmitteln. Lebensmittel
für Diabetiker dürfen noch bis zum 9. Oktober
2012 hergestellt und in den Verkehr gebracht
sowie anschließend bis zum Ende ihres Min-
desthaltbarkeitsdatums abverkauft werden.
Die zur Untersuchung eingereichten Pro-
ben von Diabetiker-Lebensmitteln stellten
mit 44 % immer noch den größten Anteil an
der Gesamtprobenzahl (240 Proben, gesamt
544). 11 % der Proben entsprachen nicht den
rechtlichen Vorgaben, wobei in den meisten
Fällen Kennzeichnungsmängel Grund der
Beanstandung waren. Dass sich diese Pro-
duktkategorie im Wandel befi ndet, wird auch
daran ersichtlich, dass gegenwärtig neben
den Pfl ichtkennzeichnungselementen der
DiätV bereits auch fakultative Kennzeich-
nungselemente auf Basis der NKV und Health
Claims-VO angegeben werden. Dabei ist zu
beachten, dass nicht in jedem Fall ein Switch
zum Lebensmittel des allgemeinen Verzehrs
ohne Weiteres möglich ist. So kann z. B. ein
„Diabetiker-Bier“, dass durch den speziellen
Brauprozess nur wenig Kohlenhydrate ent-
hält, künftig nicht als „kohlenhydratarm“
ausgelobt werden, da gemäß Health Claims-
VO bei alkoholischen Getränken mit einem
Alkoholgehalt von mehr als 1,2 % vol nur
nährwertbezogene Angaben zulässig sind, die
sich auf einen geringen Alkoholgehalt oder
eine Reduzierung des Alkoholgehaltes oder
eine Reduzierung des Brennwertes beziehen.
Diätetische Lebensmittel mit niedrigem
oder reduziertem Brennwert zur Gewichts-
verringerung - Mahlzeiten und Tagesratio-
nen zur kalorienarmen Ernährung
Für diese Lebensmittelgruppe sind im Rah-
men der DiätV strenge Festlegungen getrof-
fen, damit bei der Verwendung dieser Produk-
te eine ausreichende Nährstoffversorgung
(z. B. hinsichtlich der Vitamin- und Mineral-
stoffzufuhr) gewährleistet ist und Mangel-
erscheinungen vermieden werden. Mit einer
Beanstandungsquote von 66 % hat sich die
Zahl der Beanstandungen im Vergleich zum
Vorjahr (34 %) fast verdoppelt. In den meis-
ten Fällen entsprach die Beschaffenheit der
Proben in einzelnen oder mehreren Parame-
tern (Brennwert pro Mahlzeit, Eiweißgehalt,
Linolsäuregehalt, geforderter Mindestgehalt
an Vitaminen und Mineralstoffen) nicht den
Vorgaben des § 14a in Verbindung mit Anlage
17 DiätV. In einzelnen Fällen war die erhebli-
che Abweichung zwischen analytisch ermit-
teltem und deklariertem Nährstoffgehalt zu
beanstanden.
Abb. 2: Produktspektrum „Diätische Lebensmittel“

│39
Lebensmittel für besondere medizinische
Zwecke - Bilanzierte Diäten
Gemäß ihrer Defi nition sind bilanzierte Di-
äten Erzeugnisse, die auf besondere Weise
verarbeitet oder formuliert und für die diäte-
tische Behandlung
von Patienten mit gestörter Fähigkeit zur
Aufnahme, Verdauung, Resorption, Ver-
stoffwechslung oder Ausscheidung ge-
wöhnlicher Lebensmittel oder darin ent-
haltener Nährstoffe oder
von Patienten mit einem sonstigen medi-
zinisch bedingten Nährstoffbedarf, sofern
dieser Nährstoffbedarf nicht durch die
Modifi zierung der normalen Ernährung
oder durch andere Lebensmittel für eine
besondere Ernährung gedeckt werden
kann,
bestimmt sind. Der Hersteller/Inverkehrbrin-
ger hat erhebliche Anforderungen zu erfüllen,
wenn bilanzierte Diäten mit einer für be-
stimmte Beschwerden spezifi schen oder für
eine bestimmte Krankheit oder Störung an-
gepassten Nährstoffformulierung (§ 1 Abs. 4a
Nr. 1b bzw. 2b DiätV) in den Verkehr gebracht
werden. Dies betrifft besonders den Nachweis
der Wirksamkeit und damit die Eignung des
Mittels für den angegebenen Diätzweck so-
wie geeignete Nachweise, die den speziellen
Nährstoffbedarf von Patienten i. S. § 1 Abs.
4a DiätV belegen.
Bei den zur Untersuchung eingereichten Pro-
ben vollständig bilanzierter Diäten handelte
es sich vorwiegend um Sonden- bzw. Heil-
nahrung. Hier war nur im Einzelfall hinsicht-
lich der Nährstoffgehalte eine Abweichung
von den Vorgaben des § 14 b in Verbindung
mit Anlage 6 DiätV festzustellen. Im Unter-
schied zu den vollständig bilanzierten Diäten
stellen ergänzende bilanzierte Diäten (die sich
nicht als einzige Nahrungsquelle eignen) die
Überwachung seit mehreren Jahren vor im-
mer neue Herausforderungen. So werden die-
se Produkte u. a. angeboten zur diätetischen
Behandlung von entzündlichen Darmerkran-
kungen, Reizdarm, menopausalen Beschwer-
den, bei Reisekrankheit oder auch bei erektiler
Dysfunktion. Ebenso wie vollständig bilan-
zierte Diäten müssen sie auf vernünftigen
medizinischen und diätetischen Grundsätzen
beruhen, den Ernährungserfordernissen der
Personen entsprechen, für die sie bestimmt
sind, und ihre Verwendung muss sicher sein.
In mehreren Fällen lagen die erforderlichen
Wirksamkeitsnachweise für die eingesetzten
Stoffe, vor allem auch in der eingesetzten
Kombination, nicht vor.
Diätetische Lebensmittel für intensive
Muskelanstrengungen - Sportlerlebens-
mittel
Die Abgrenzung von „diätetischer Sport-
lernahrung“ zu anderen Lebensmitteln für
Sportler gestaltet sich in der Praxis sehr
schwierig, da auch Nahrungsergänzungsmit-
tel bzw. Lebensmittel des allgemeinen Ver-
zehrs (z. B. Getränkepulver zur Herstellung ei-
nes Proteingetränkes) für Sportler angeboten
werden, die sich in Aufmachung und Rezep-
tur kaum unterscheiden. Im Sinne der Defi -
nition des § 1 DiätV können Sportlernahrun-
gen diätetische Lebensmittel sein, wenn u. a.
aus der kontrollierten Aufnahme bestimmter
Nährstoffe ein besonderer Nutzen gezogen
werden kann und sich die Lebensmittel für
den angegebenen Ernährungszweck eignen.
Wichtige Beurteilungshilfen für die Bewer-
tung der Wirkung von Zutaten sind neben
der Stellungnahme der GDCh Arbeitsgruppe
„Fragen der Ernährung“ die Stellungnahmen
der EFSA im Zusammenhang mit der wissen-
schaftlichen Prüfung von Health Claims. Die
mit 51 % sehr hohe Beanstandungsquote re-
sultiert vor allem daraus, dass den Erzeugnis-
sen in vielen Fällen wesentliche Merkmale für
die Einstufung als diätetisches Lebensmittel
fehlen und die ausgelobten Wirkungen auf-
grund ihrer unzureichenden wissenschaft-
lichen Absicherung als irreführend beurteilt
wurden. Darüber hinaus waren in mehreren
Proben Süßstoffe und Konservierungsstoffe
enthalten, deren Verwendung für diese Le-
bensmittelkategorie nicht zulässig ist.
Lebensmittel für gesunde Säuglinge und
Kleinkinder
An die Zusammensetzung von Lebensmitteln,
die für die Ernährung gesunder Säuglinge
und Kleinkinder bestimmt sind, werden be-
sonders hohe Anforderungen gestellt, da sie
den besonderen Ernährungserfordernissen
dieser sensiblen Verbrauchergruppe gerecht
werden müssen. Die stoffl iche Beschaffenheit
von Säuglingsanfangs- und Folgenahrung,
Getreidebeikost und anderer Beikost ent-
sprach überwiegend den rechtlichen Vorga-
ben. Die Kennzeichnung und besonders die
oftmals umfangreiche Bewerbung führten
2011 häufi g zu Beanstandungen.
Bei Säuglingsanfangsnahrungen wurde vor
allem die nach DiätV nicht zulässige Bewer-
bung „nach dem Vorbild der Muttermilch“ -
oder ähnliche Angaben, die den Anschein der
Gleichwertigkeit von Säuglingsanfangsnah-
rung mit der Muttermilch erwecken - bean-
standet. Durch das Verbot dieser Angaben soll
sichergestellt werden, dass Mütter nicht vom
Stillen abgehalten werden.
Vor allem bei Beikostprodukten (z. B. Obst-
breie, Mahlzeiten mit Fleisch) werden Auslo-
bungen in Bezug auf gesundheitsfördernde
Eigenschaften einzelner Inhaltsstoffe, wie
beispielsweise „Kalzium wird für ein gesundes
Wachstum und eine gesunde Entwicklung der
Knochen bei Kindern benötigt“ oder „Eisen
trägt zur normalen kognitiven Entwicklung
von Kindern bei“ immer beliebter. Für einige
dieser in den Geltungsbereich der Health-
Claims-Verordnung fallenden Angaben über
die Entwicklung und die Gesundheit von
Kindern existieren bereits positive oder ne-
gative EFSA-Stellungnahmen. Ein Teil dieser
zugelassenen bzw. nicht zugelassenen ge-
sundheitsbezogenen Angaben wurden bereits
in Verordnungen veröffentlicht. Nicht zuge-
lassene gesundheitsbezogene Angaben, die
sich auf die Entwicklung und die Gesundheit
von Kindern beziehen, dürfen noch 6 Monate
nach Inkrafttreten der Verordnung verwendet
werden. Die Beanstandungsquote von 38 %
beruht zum größten Teil auf der Verwendung
nicht beantragter gesundheitsbezogener An-
gaben.
Im Juni 2011 wurde von der Europäischen
Kommission ein Vorschlag zur geplanten
Revision des Diätrechts vorgelegt, der weit-
reichende Veränderungen auf diesem Gebiet
vorsieht. Dem Verordnungsentwurf zufolge
soll das Konzept der „diätetischen Lebens-
mittel“ gänzlich abgeschafft werden und nur
für eine begrenzte Anzahl genau defi nierter
Lebensmittelkategorien, die für bestimmte,
besonders gefährdete Bevölkerungsgrup-
pen unverzichtbar sind - wie Säuglings- und
Kleinkindnahrung und Lebensmittel für be-
sondere medizinische Zwecke (Bilanzierte Di-
äten) -, ein neuer Rechtsrahmen entstehen.
Da jedoch nach Auffassung der Wirtschafts-
beteiligten und der amtlichen Überwachung
konkrete Regelungen für weitere Lebensmit-
telkategorien (Lebensmittel für eine kalori-
enarme Ernährung als Ersatz einer gesamten
Tagesration, Sportlernahrung, Lebensmittel
zur ernährungsphysiologischen Behandlung
bestimmter Stoffwechselerkrankungen) un-
verzichtbar sind, ist die Diskussion darüber
noch nicht abgeschlossen.

 
40 │
Von insgesamt 811 untersuchten Proben
waren 17,1 % zu beanstanden; zusätzlich
wurde vielfach schriftlich auf Mängel hinge-
wiesen, für die keine formale Beanstandung
ausgesprochen wurde. Damit ist die Bean-
standungsrate im Vergleich zum Vorjahr mit
21,6 % nur leicht gesunken.
Der weitaus größte Anteil der Beanstan-
dungen beruht auf fehlerhaften Kennzeich-
nungen der kosmetischen Erzeugnisse. Ir-
reführende Angaben wurden bei 32 % der
beanstandeten Proben registriert, wobei ein
beträchtlicher Anteil auf unzutreffende Wer-
beaussagen hinsichtlich der eingesetzten
Vitaminwirkstoffe fällt. Dazu sind spezielle
Untersuchungsergebnisse einsehbar auf der
Homepage LUA Tab. 2.10 und 2.11.
Proben mit gesundheitlichem Risiko
Im Berichtszeitraum mussten drei Kosme-
tikproben und insgesamt acht Tattoofarben
wegen einer möglichen Eignung zur Gesund-
heitsgefährdung aufgrund kritischer Inhalts-
stoffe bzw. mikrobiologischer Kontaminatio-
nen beanstandet werden.
Unter anderem wurde von einem Bürger ein
Anti-Schuppen-Shampoo als Beschwerde-
probe eingereicht, da es nach Benutzung des
Haarwaschmittels zu einem fl ächenhaften
Haarausfall von ca. 15 x 5 cm gekommen
war, wobei die Haare laut ärztlicher Diagnose
kurz über der Kopfhaut abgebrochen waren.
Die sensorische Prüfung der Beschwerdepro-
be ergab gegenüber einer chargengleichen
Vergleichsprobe deutliche Abweichungen in
Geruch, Konsistenz und Farbe. Die Beschwer-
deprobe hatte einen stark alkalischen pH-
Wert von 12,5 gegenüber der Vergleichsprobe
mit einem üblichem pH-Wert von 5,3 und
enthielt 1,6 % Thioglycolsäure. Aus den ana-
lytischen Untersuchungsergebnissen konnte
geschlussfolgert werden, dass dem Shampoo
handelsübliche Enthaarungscreme zugesetzt
worden war. Durch die Überprüfung von
Rückstellmustern und Produktionsunterla-
gen beim Hersteller konnte eindeutig belegt
werden, dass bei der Herstellung des in Rede
stehenden Anti-Schuppen-Shampoos keine
Thioglycolsäure eingetragen wurde, zumal
im fraglichen Produktionszeitraum dort kei-
ne Enthaarungscreme verarbeitet wurde. Da
der eingetretene massive, großfl ächige Haar-
ausfall zu einer starken, negativen Beein-
trächtigung des psychischen Zustandes des
Beschwerdeführers führen konnte, wurde die
Beschwerdeprobe als geeignet, die Gesund-
heit zu schädigen, beurteilt. Der Sachverhalt
wurde vom örtlich zuständigen LÜVA an die
Staatsanwaltschaft zur Prüfung und Veran-
lassung abgegeben, da nach der ordnungs-
gemäßen Herstellung des Erzeugnisses von
einer, vom LÜVA nicht zu ermittelnden, nach-
träglichen Manipulation des Antischuppen-
shampoos auszugehen war. Die Ermittlungen
zum Sachverhalt dauern zurzeit noch an.
In mehreren Flaschen eines konservierungs-
mittelfreien Shampoos
und Duschgels wurde
eine hohe mikrobiologische Kontamination
mit Gesamtkeimzahlen von bis zu 10
7
ko-
loniebildenden Einheiten (KbE) in 1 g Probe
festgestellt. Es handelte sich überwiegend
um
Enterobacter cloacae
, darüber hinaus
wurden die Mikroorganismen
Citrobacter
freundii
und
Klebsiella pneumoniae ssp.
pneumoniae
nachgewiesen. Einige Spezies
der
Enterobacter
(z. B.
Enterobacter aeroge-
nes, Enterobacter cloacae
) sind beim Men-
schen mit dem Vorkommen von Infektionen
in Verbindung gebracht worden. Diese Keime
sind fakultativ pathogen. Insbesondere Per-
sonen mit geschwächtem Immunsystem oder
Personen, die an einer ernsten Vorerkrankung
leiden, chirurgisch behandelt wurden oder
einem anderen empfi ndlichen Personenkreis
angehören, sind gefährdet. Das BfR kam in
seiner Stellungnahme zu „Keime in Duschgel“
vom Juli 2009 zu dem Schluss, dass derartig
kontaminierte Duschgele als nicht sicher für
die menschliche Gesundheit anzusehen sind.
Bei einer vorangegangenen Betriebskontrolle
wurde der Hersteller schon darauf hingewie-
sen, dass wässrige Formulierungen wie z. B.
Haarshampoos, die nicht konserviert sind,
schnell zur Verkeimung neigen und daher vor
dem ersten Inverkehrbringen eines derartigen
Erzeugnisses die mikrobiologische Stabilität
durch einen Konservierungsbelastungstest
bestätigt werden sollte.
Ein weiteres mikrobiologisches Problem stel-
len Haarfärbemittel auf Henna-Basis dar, da
diese als Naturprodukte zum Teil erhebliche
Gesamtkeimgehalte (hier bis 8x10
5
KbE/g)
aufweisen. Es wurden bei 5 von insgesamt 9
eingereichten Pfl anzenhaarfarben fehlende
Anwendungs- und Warnhinweise beanstan-
det. Der Verbraucher ist bei der Anwendung
von Pfl anzenhaarfarben-Pulver darüber zu
informieren, dass zur Zubereitung des Farb-
breis kochendes Wasser zu verwenden ist,
beim Anrühren kein Pulverstaub eingeatmet
werden darf und bei Kopfhautverletzungen
keine Anwendung von Pfl anzenhaarfarben
erfolgen sollte.
Kosmetische Mittel
Insgesamt ist der mikrobiologische Status der
untersuchten kosmetischen Mittel jedoch als
sehr gut einzuschätzen. Von den 169 mikro-
biologisch untersuchten Proben wiesen ne-
ben den erwähnten pfl anzlichen Produkten
nur weitere 3 kosmetische Mittel eine erhöh-
te Keimbelastung auf.
Gefährliche Tattoo-Farben
Im Jahr 2011 wurden 13 bunte Tattoo-Farben
(vor allem rote, orangefarbene und gelbe)
untersucht, wobei der Schwerpunkt auf der
Untersuchung von primären aromatischen
Aminen lag. Es wurden lediglich Spuren pri-
märer aromatischer Amine nachgewiesen.
Erfreulicherweise setzten die verwendeten
Pigmente auch durch reduktive Spaltung kei-
ne Amine frei.
In einer weiteren Studie wurden 13 schwarze
Tattoofarben, die ebenfalls in Tattoostudios
entnommen wurden, auf polyzyklische aro-
matische Kohlenwasserstoffe (PAK) unter-
sucht.
Die Ergebnistabelle 2.11 (s. Homepage LUA)
zeigt, dass acht Proben hohe Gehalte an PAK
aufwiesen: die Summe der 16 EPA-PAK lag im
Bereich von 17,9 bis 56,6 mg/kg und die Sum-
me der kanzerogenen PAK im Bereich von 0,2
bis 5,2 mg/kg. Die Leitsubstanz Benzo[a]pyren
wurde in vier Proben mit Gehalten von 0,2 bis
0,6 mg/kg bestimmt.
Die ermittelten PAK-Gehalte stimmen hin-
sichtlich ihrer Größenordnung mit den Resul-
taten der Untersuchung von 19 kommerziell
erhältlichen Tattoo-Farben überein, die 2010
von der Arbeitsgruppe von Prof. Bäumler der
Universität Regensburg veröffentlicht wur-
den.
Diese 16 EPA-PAK, von denen sieben als
kanzerogen eingestuft sind, wurden in den
1980er Jahren von der US-Umweltbehörde
EPA in die Liste der „prioritären Schadstoffe“
aufgenommen und werden seitdem haupt-
sächlich und stellvertretend für die mehrere
hundert Einzelverbindungen zählende Stoff-
gruppe analysiert.
Das eingereichte Probenmaterial stammte
von sechs verschiedenen Herstellern bzw.
Importeuren. In allen Erzeugnissen war als
Farbpigment ausschließlich das Kohlenstoff-
Pigment CI 77266 deklariert. Ruß ist eine be-
kannte Quelle für eine mögliche Kontamina-
tion mit PAK.
Während in Europa noch keine Reinheitsan-
forderungen für Ruß als Farbstoff in Kosme-
tika und Tätowiermitteln gelten, muss dieser
Rohstoff für die Kosmetikindustrie in den
USA frei von PAK sein.

image
image
│41
Marktanteil an Naturkosmetik bzw. naturna-
hen Produkten kontinuierlich steigt. Das lässt
sich an den Umsatzzahlen ablesen: Von 2007
bis 2009 hat sich z. B. das Umsatzvolumen
des europäischen Naturkosmetikmarktes ver-
doppelt.
Für den Verbraucher ist es jedoch kaum mög-
lich, sich in dem Dschungel der grünen Kos-
metik zurechtzufi nden.
Rechtsverbindliche Anforderungen an Na-
turkosmetik fehlen europaweit, die Überwa-
chungsbehörden können nur auf die 1992/93
vom damaligen Bundesministerium für Ge-
sundheit erarbeiteten Mindestanforderungen
an Naturkosmetik zurückgreifen.
Um einen redlichen Handel auf diesem Gebiet
zu schaffen, wurden seitens der Industrie Zer-
tifi zierungen und Naturkosmetik-Label wie z.
B. „BDIH - Kontrollierte Natur-Kosmetik“ oder
„NaTrue“ vom IKW und der Interessengemein-
schaft der führenden Naturkosmetikfi rmen
Europas sowie Label von Ecocert oder Lacon
eingeführt.
Von den 30 eingereichten Naturkosmetik-
Proben trugen 16 eines der zertifi zierten La-
bel: 7 x BDIH, 7 x NaTrue und 2 x Lacon.
Sechs der Erzeugnisse, die die Werbeaussage
„Ohne synthetische Konservierungsstoffe“
trugen, enthielten den Konservierungsstoff
Sorbinsäure. In keinem dieser Fälle stammte
die eingesetzte Sorbinsäure aus einer na-
türlichen Quelle, so dass es sich bei dieser
Werbeaussage um eine irreführende Angabe
handelte. Nach den BMG-Anforderungen und
den meisten Naturkosmetikstandards dürfen
bestimmte naturidentische Konservierungs-
stoffe - wie Sorbinsäure - enthalten sein, je-
doch muss dies speziell gekennzeichnet sein.
Unter den nicht zertifi zierten „grünen Er-
zeugnissen“ befanden sich Produkte mit
selbst kreiertem Naturkosmetik-Logo, Logos
mit Angaben wie „BIO“, „Vegan“, „Pfl anzen
aus kontrolliert biologischem Anbau“ oder
Beschreibungen wie „medizinische Pfl ege aus
der Natur“ oder „Living Nature…“.
Verstärkt aufgefallen ist in diesem Berichts-
zeitraum, dass einige große Kosmetik-Firmen
Serien mit dominierenden grünen Pfl anzen-
abbildungen sowie mit Auslobungen wie
z. B: „Pure + Natural“, „Natural Colors“ oder
„Bio….“ auf den Markt bringen, jedoch diese
„grüne Kosmetik“ keiner Zertifi zierung unter-
werfen und sich aus dem Sektor der Natur-
Bemerkenswert ist, dass alle vier Erzeugnis-
se, die die geringsten PAK-Belastungen auf-
wiesen, von ein und demselben Hersteller in
Deutschland stammen.
Es kann der Schluss gezogen werden, dass
dieser Hersteller einen Kohlenstoffpigment-
Rohstoff einsetzt, der nicht mit PAK belas-
tet ist. Demnach ist durchaus ein PAK-freies
Kohlenstoffpigment CI 77266 am Markt ver-
fügbar. Die neun anderen Erzeugnisse sind
Importprodukte, überwiegend aus den USA.
Da hinsichtlich der gesundheitlichen Relevanz
von PAK in Tätowiermitteln bisher noch keine
toxikologische Bewertung vorlag, hat die LUA
Sachsen aufgrund der Untersuchungsergeb-
nisse das BfR um eine Stellungnahme gebe-
ten. Nach Auffassung des BfR sollten dem-
nach PAK nicht in Tätowiermitteln enthalten
sein. Überschreiten Tätowiermittel die tech-
nisch unvermeidbaren Gehalte von 0,5 mg/kg
für die Summe der 16 EPA-PAK bzw. 5 μg/kg
für Benzo[a]pyren, stellen sie aus Sicht des
BfR eine ernste Gefahr i. S. von Artikel 12 der
Richtlinie 2001/95/EG (RAPEX= Schnellwarn-
system für Verbraucherprodukte) dar.
Da acht der 13 untersuchten schwarzen Tat-
toofarben diese Werte deutlich, z. T. um den
Faktor 100, überschritten, hat die LUA Sach-
sen daraufhin als erstes Labor der amtlichen
Lebensmittelüberwachung in Deutschland
diese Proben als „geeignet, die Gesundheit zu
schädigen“ beurteilt.
Naturkosmetika - immer natürlich?
Im Berichtszeitraum wurde der Naturkosme-
tik-Sektor erneut intensiv beprobt (s. Abb. 2),
um neue Entwicklungen und Trends hinsicht-
lich der Werbeaussagen zu erkennen, da der
Abb. 1: Palette farbige Tattoofarben
(Quelle: „Dermatologic Complications with Body Art“, Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2010)
Abb. 2: An der LUA untersuchte Proben zu Naturkosmetik und naturnahen Erzeugnissen

image
 
42 │
kosmetik einzelne populäre Werbeaussagen
auswählen, ohne die Gesamtheit der strengen
Forderungen echter Naturkosmetik einzuhal-
ten. Es werden u. a. einige „Ohne-Auslobun-
gen“ angegeben wie „ohne Parabene, ohne
Mineralöl, ohne künstliche Farbstoffe “. Der
Verbraucher vermutet kaum, dass derarti-
ge Produkte u. a. künstliche Duftstoffe oder
Konservierungsstoffe wie z. B. „Methyliso-
thiazolinon“ enthalten, das nach neuesten
Testergebnissen ein hohes allergenes Poten-
tial besitzt.
Unseres Erachtens ist es dringend notwendig,
eine Defi nition oder aktualisierte Mindestan-
forderungen an Naturkosmetik zu erarbeiten,
um dem Trend von „Greenwashing“ und den
ggf. daraus resultierenden irreführenden
Werbeaussagen im grünen Kosmetikbereich
seitens der Überwachung rechtssicher ent-
gegen treten zu können. Ein erster Schritt in
diese Richtung ist die Erarbeitung eines ISO-
Standards durch die Internationale Organisa-
tion für Normung.
Bedarfsgegenstände
Die Aktivitäten im Fachgebiet Bedarfsgegen-
stände im Berichtszeitraum lassen sich in
folgende wesentliche Schwerpunkte unter-
gliedern:
Betriebskontrollen im Rahmen eines Lan-
desüberwachungsprogramms (LÜP) zur
Kontrolle der Guten Herstellungspraxis
und rechtskonformen Fertigung von Le-
bensmittelkontaktmaterialien sowie wei-
tere Teamkontrollen von lokalen Betrieben
Analytische Untersuchung und Beurtei-
lung von Plan-, Verdachts- und Beschwer-
deproben
Methodenentwicklung und Sonderunter-
suchungen im Rahmen von Forschungs-
projekten der Bundesanstalt für Ernäh-
rung und Landwirtschaft (BLE) gemeinsam
mit externen Kooperationspartnern
Mitarbeit bei Gesetzgebungsinitiativen,
Aus- und Weiterbildung, wissenschaftli-
che Arbeiten
Auf ausgewählte Aspekte der genannten
Punkte soll nachfolgend eingegangen wer-
den.
Betriebskontrollen
Im Zuge des Inkrafttretens der GMP-Verord-
nung (EG) Nr. 2023/2006 sowie der Änderun-
gen der Bedarfsgegenständeverordnung mit
detaillierten Pfl ichten für die Unternehmer
zur Konformitätserklärung und zum Konfor-
mitätsnachweis wurden seit 2008 intensive
Kontrollen ansässiger Herstellerbetriebe unter
Einbeziehung von Lieferanten durchgeführt.
Diese Kontrollen wurden auch 2011 fortge-
führt und weiter intensiviert. Bestandteile
einer derartigen Kontrolle sind Begehungen
der Produktion, Abfrage und Einsichtnahme
in Rezepturen und Fertigungsverfahren (auch
der Lieferanten) sowie die Kontrolle der be-
trieblichen Qualitätssicherungssysteme und
der eigenen Prüfungen und Analysen zum
Konformitätsnachweis. Je nach Sachlage sind
analytische Überprüfungen im Rahmen einer
Stufenkontrolle und zur Kontrolle der vorge-
legten Dokumente wie auch die Dokumenten-
prüfung extern erzielter Laborergebnisse er-
forderlich. Darüber hinaus wurde maßgeblich
an der Erarbeitung eines länderübergreifend
anwendbaren Konzeptes für GMP-Kontrollen
im Rahmen von diversen Arbeitsgruppen der
Überwachungsbehörden wie auch der Wirt-
schaft mitgearbeitet, in das die in Sachsen
gewonnenen Erfahrungen ganz wesentlich
mit einfl ießen werden.
Durch intensive Dokumentenprüfungen vor
Ort in Verbindung mit eigenen analytischen
Untersuchungen können problematische
Substanzen bzw. Fertigungsschritte erkannt
werden, die im Rahmen einer ausschließ-
lichen Laboranalyse nicht oder bestenfalls
zufallsbedingt auffallen. Eine systemati-
sche analytische Überprüfung von mehreren
Tausend bis Zehntausend Substanzen, die
aktuell für die Überprüfung von Lebensmit-
telkontaktmaterialien relevant sind, ist ohne
detaillierte Informationen zu verwendeten
Ausgangsstoffen und Fertigungsverfahren
nicht möglich.
So konnten im Jahr 2011 wiederum verschie-
dene Lebensmittel-Kontaminationen, die sich
aus dem Stoffaustausch bzw. aus Stoffüber-
gängen aus Verpackungsmaterialien auf Le-
bensmittel ableiteten, bei umfassenden Kon-
trollen am Ort der Herstellung zielgerichtet
untersucht und abgestellt werden.
Analytische Untersuchung von Plan-, Ver-
dachts- und Beschwerdeproben
Im Berichtszeitraum wurden (ohne Betrach-
tung der Gruppe der Wasch- und Reini-
gungsmittel) 1.205 Proben untersucht. Eine
Beanstandungsquote für die gesamte Gruppe
der Bedarfsgegenstände anzugeben erscheint
nicht sinnvoll, da erhebliche Unterschiede
festzustellen sind. So betrug der Anteil zu
beanstandender Proben bei Lebensmittelkon-
taktmaterialien mehr als 40 %, bei Bedarfs-
gegenständen mit Körperkontakt 30 % und
bei Spielwaren lediglich 17 %. Insbesondere
bei den Lebensmittelkontaktmaterialien ist
der hohe Anteil stoffl icher Mängel auffällig.
Kennzeichnungsmängel spielen nur eine un-
tergeordnete Rolle. Nachfolgend werden aus-
gewählte Untersuchungsschwerpunkte aus
dem Bereich der Lebensmittelkontaktmateri-
alien näher erläutert:
Als besonders problematisch wurden im
Rahmen der Untersuchung farbig bedruck-
te Einweg-Pappteller erkannt, wie sie häufi g
für Partys und Kindergeburtstage verwendet
werden. Durch die Verwendung von Recyc-
lingkarton sowie in einigen Fällen auch zu-
sätzlich durch die Verwendung mineralölhal-
tiger Druckfarben wiesen die Teller in 19 von
20 untersuchten Fällen erhebliche Anteile Mi-
Abb. 1: Einweg-Teller

 
│43
neralöl auf. Mehrere Proben ergaben Gehalte
deutlich über 1000 mg/kg. Oberfl ächlich sind
derartige Teller i. d. R. mit einer Polyolefi n-
Folie als Feuchtbarriere beschichtet. Auf-
grund der besseren Löslichkeit von Mineral-
ölkomponenten in Polyolefi nen im Vergleich
zu Karton kommt es während der Lagerung
der Teller zu einer Anreicherung in der Deck-
folie. Bei nachfolgendem Lebensmittelkontakt
können dann bereits in kurzer Zeit große An-
teile des Mineralöls abgegeben werden. Re-
gelmäßig wurde in Simulationsexperimenten
mit Tenax bereits bei einfacher Benutzung ein
Übergang von mehr als 50 % der enthaltenen
Mineralölanteile festgestellt.
Hinsichtlich der rechtlichen Bewertung der
Mineralölmigration in Lebensmittel ist u. a.
auf die Stellungnahme Nr. 008/2010 des BfR
vom 09. Dezember 2009 abzustellen. Dort
wird ausgeführt, dass für aliphatische Mi-
neralöle (MOSH) ein temporärer ADI-Wert
von 0,01 mg/kg Körpergewicht (JECFA 2002)
anzuwenden sei. Daraus ergibt sich entspre-
chend den EFSA-Grundsätzen zur Ableitung
von spezifi schen Migrationsgrenzwerten
ein maximal tolerierbarer Übergang auf Le-
bensmittel in Höhe von 0,6 mg/kg, welcher
mit einer Ausnahme von allen untersuchten
Tellern überschritten wurde. Der Aromaten-
anteil (MOAH) der auf das Lebensmittel über-
gegangenen Mineralölfraktion ist darüber
hinaus besonders kritisch zu betrachten, da
hier grundsätzlich mit der Möglichkeit des
Vorhandenseins kanzerogener Substanzen
gerechnet werden muss. Dementsprechend
kann ein akzeptabler Wert für den Übergang
von MOAH auf Lebensmittel seitens der Be-
hörden der Risikobewertung derzeit nicht an-
gegeben werden.
Die für die Einwegteller wiederholt festge-
stellte, erhebliche Überschreitung der toxiko-
logisch als sicher abgeleiteten Maximalwerte
sowie die Exposition gegenüber potenziell
kanzerogenen Substanzen ist vor dem Hin-
tergrund, dass es sich hinsichtlich der Gestal-
tung in der Mehrzahl um speziell an Kinder
adressierte Produkte handelt, aus Sicht des
Verbraucherschutzes besonders kritisch zu
bewerten.
Neben der Mineralölproblematik war bei ei-
nigen Tellern darüber hinaus eine deutliche
Überschreitung der Migrationsgrenzwerte für
Diisobutylphthalat und Bisphenol A festzu-
stellen. Während die Kontamination mit Di-
isobutylphthalat durch die Verwendung eines
ungeeigneten Klebers erklärt werden kann,
fehlen gegenwärtig noch Aussagen zur Her-
kunft der z. T. außergewöhnlich hohen Gehal-
te an Bisphenol A. Vorliegende Erkenntnisse
aus einem Entscheidungshilfe-Projekt des
BMELV zeigen deutlich, dass allein durch die
Verwendung von Recyclinganteilen lediglich
geringe Bisphenol A - Kontaminationen er-
klärbar sind.
Wie in den vergangenen Jahren wurden ins-
besondere bei Papierprodukten (Servietten,
Bäcker- und Fleischerpapiere) wiederholt
Freisetzungen krebserregender aromatischer
Amine, zumeist o-Anisidin, oberhalb der zu-
lässigen Höchstmenge von 10 μg/kg Lebens-
mittel festgestellt. Ursache ist die ungenü-
gende technische Reinheit der verwendeten
Farbpigmente, die aus Arylaminen hergestellt
werden. Nach Aussage verschiedener Pig-
menthersteller stehen die in der Vergangen-
heit wieder häufi ger festzustellenden Belas-
tungen mit aromatischen Aminen ursächlich
mit der Verlagerung der Pigmentproduktion
von Europa in den asiatischen Raum und der
daraus resultierenden schlechteren Qualität
der Pigmente in Verbindung. Betroffen sind
nach den Ergebnissen der Untersuchungen
primär die Farben rot, gelb und orange. In
Konsequenz der zunehmend auftretenden
Beanstandungen fand im Dezember 2011 am
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in
Berlin ein Gespräch zwischen Vertretern der
amtlichen Überwachung und maßgeblichen
Druckfarbenherstellern statt mit dem Ziel, die
Analytik und Beurteilung zu vereinheitlichen
und einen fi rmenübergreifenden Lösungsan-
satz zu fi nden. Inwieweit die dort getroffenen
Vereinbarungen zu einer Verbesserung der Si-
tuation führen, wird im Jahr 2012 durch die
Fortführung entsprechender Untersuchungen
erkennbar sein.
Im Bereich der Küchenutensilien (Pfannen-
wender, Schöpfkellen etc.) wurde im Jahr
2011 eine Empfehlung des BfR veröffentlicht,
die derartige Erzeugnisse aus Melaminpress-
harzen aufgrund der hohen Freisetzung von
Formaldehyd und Melamin kritisch bewertet.
An der Landesuntersuchungsanstalt wurden
ergänzend dazu vergleichbare Produkte aus
Polyamid, im Kunststoffbereich für Küchen-
helfer gegenwärtig die einzige Alternative zu
Melamin, auf ihre lebensmittelrechtliche Un-
bedenklichkeit getestet. In nahezu allen Fällen
wurde Polyamid 66 verwendet, das unter den
harmonisierten Prüfbedingungen eine Mig-
ration von mehreren mg/dm
2
von cyclischen
Oligomeren aufwies. Toxikologische Daten für
diese Oligomere sind derzeit nicht verfügbar,
so dass sich die rechtliche und gesundheit-
liche Bewertung schwierig gestalten. Nach
den Grundsätzen der EFSA zur Bewertung
von Lebensmittelkontaktmaterialien wie auch
dem TTC-Konzept sind für derartige unbewer-
tete Stoffe lediglich Migrationen im unteren
ppb-Bereich akzeptabel. Die Stoffübergänge
der untersuchten Proben lagen ausnahmslos
um den Faktor 1000 bis 10000 darüber. Selbst
unter Annahme einer
in vivo
stattfi ndenden
hydrolytischen Spaltung und nachfolgenden
Freisetzung des korrespondierenden, toxiko-
logisch bewerteten Monomeren Hexamethy-
lendiamin würde der dafür anzuwendende
Grenzwert von 0,4 mg/dm
2
in nahezu allen
Fällen deutlich überschritten.
Aktuell laufen zu dieser Problematik vielfäl-
tige Gespräche unter Beteiligung von Her-
stellern und Behörden der Risikobewertung,
um Lösungsperspektiven zu erörtern und das
Verbraucherrisiko begrenzen zu können.
Pestizide / Dioxine
Im Rahmen der amtlichen Kontrollen auf
Pfl anzenschutzmittelrückstände wurden im
Berichtszeitraum 1.386 Lebensmittelproben