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Schulwesen
Komposition Bildungseinrichtung
Leistungen
Standort
Geschlecht
Lehrkräfte
Abitur
Lehrkräfte Förderung BerufSozialer Status
Einzugsbereiche
Zuwanderung
Beteiligung
Tagespflege
Ganztag
Abbrecher
Personal
Grundschule
Jugendliche Kompetenzen
Standorte Betreuung
Migrationshintergrund
Altersstufen Kita
Oberschule
Gymnasium
Anfänger
Übergänge
Erzieheri
nnen
Erzieherinnen
Bildungsherkunft
Plätze Abschlüsse F
reie Träger Inklusion Familien
im Spiegel der Nationalen
Bildungsberichterstattung 2018
BILDUNG IN SACHSEN
Stefan Kühne | Kai Maaz | Svenja Mank | Jessica Ordemann | Stefan M. Schulz

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IMPRESSUM
Gegenüber der am 23.01.2019 veröffentlichten Printversion des Berichts handelt es sich bei der vorliegenden
Fassung um eine aktualisierte PDF‐Datei (Stand: 07.02.2019).
Autorinnen und Autoren
Stefan Kühne
Kai Maaz
Svenja Mank
Jessica Ordemann
Stefan M. Schulz
2D‐Piktogramm‐Symbole
www.info.graphics
Layout und Gestaltung
Stefan Kühne, Svenja Mank
Herstellung
Stoba‐Druck GmbH
Am Markt 16
01561 Lampertswalde
www.stoba‐druck.de
Herausgeber
DIPF | Leibniz‐Institut für Bildungsforschung und
Bildungsinformation
Rostocker Straße 6
60323 Frankfurt am Main
Warschauer Straße 34‐38
10243 Berlin
www.dipf.de
ISBN
978‐3‐88494‐250‐5 (Print)
978‐3‐88494‐251‐2 (Online)
Die
elektronische
Fassung
dieses
Werks
ist
lizenziert
unter
der
Creative
Commons
„Namensnennung – Weitergabe unter gleichen
Bedingungen 3.0 Deutschland“ Lizenz.
Der Bericht wurde im Auftrag und mit Mitteln des
Sächsischen Staatsministeriums für Kultus erstellt.

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Stefan Kühne | Kai Maaz | Svenja Mank | Jessica Ordemann | Stefan M. Schulz
BILDUNG IN SACHSEN
im Spiegel der Nationalen
Bildungsberichterstattung 2018
(aktualisierte Fassung, Februar 2019)

INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung ......................................................................
1
1 Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern .............................
4
2 Trend zu höherer Bildung .......................................................
14
3 Leistungsdisparitäten im Schulwesen .............................................
19
4 Heterogenität in den Bildungseinrichtungen .......................................
24
5 Regionale Disparitäten .........................................................
32
Zusammenfassung zentraler Befunde ...............................................
36
Abbildungsverzeichnis ............................................................
41
Quellenverzeichnis ...............................................................
43

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1
Einleitung
EINLEITUNG
Seit 2006 werden alle zwei Jahre die Bildungsvoraussetzungen, Bildungswege
und Bildungsergebnisse von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen im
deutschen
Bildungswesen
bereichsübergreifend
in
einem
Nationalen
Bildungsbericht dokumentiert. Mit
Bildung in Deutschland 2018
wurde im Juni
2018 die nunmehr 7. umfassende empirische Bestandsaufnahme von einer
wissenschaftlich unabhängigen Autorengruppe
P0F
1
P
vorgelegt. Sie soll vor allem für
Entscheidungsträgerinnen und ‐träger in Bund und Ländern eine Grundlage für
fundierte Diskussionen und Entscheidungen schaffen.
Der Nationale Bildungsbericht bietet aufgrund seines systematischen Indikatorenansatzes und durch seine
vielfältigen Analysen im Ländervergleich einen geeigneten Ausgangspunkt für eine länderspezifische
Aufbereitung und Vertiefung. So besteht im vorliegenden Bericht
das Hauptanliegen darin, die Situation
des sächsischen Bildungssystems vor dem Hintergrund der Entwicklungen auf Bundesebene einzuordnen:
Zeigen sich in Sachsen ähnliche Trends wie in Gesamtdeutschland? Wo gibt es markante Abweichungen
von Entwicklungen anderer Länder? Bestehen in Sachsen oder in bestimmten Regionen des Freistaates
besondere Herausforderungen?
Will man diese Fragen unter Rückgriff
auf Befunde der Nationalen Bildungsberichterstattung
beantworten, erfordert dies eine problemorientierte Zuspitzung, d. h. eine Fokussierung auf ausgewählte
Trends und Problemlagen. Werden also im Nationalen Bildungsbericht bereichs‐ und länderübergreifend
Informationen zu politischen, rechtlichen und fachlichen Entwicklungen systematisiert und durch
repräsentative, fortschreibbare Daten unter der Leitidee von Bildung im Lebenslauf analysiert, gilt
es im
Folgenden aus dieser Gesamtschau jene Befunde herauszugreifen, die eine Verortung Sachsens im Spiegel
der wichtigsten nationalen Entwicklungen ermöglichen.
Repräsentative
Länderdaten
sind
insofern
eine
notwendige
Bedingung,
um
unterhalb
der
gesamtstaatlichen Ebene – hier für das Land Sachsen – Stand und Entwicklungsperspektiven
nachzuzeichnen. Zentrale Entwicklungstrends können sich aber auch aus Datengrundlagen
ergeben, die
sich
länderspezifisch
nicht
auswerten
lassen,
z. B.
aus
Ergebnissen
der
internationalen
Schulleistungsstudien wie IGLU oder PISA oder aus dem Nationalen Bildungspanel (NEPS). Wo immer
nötig und möglich wurden daher für diesen Bericht zusätzliche Daten recherchiert, Sonderauswertungen
initiiert oder eigene Analysen auf erweiterter Datenbasis durchgeführt. Dies schließt nicht zuletzt
viele
kleinräumige Datenaufbereitungen ein, um Ergebnisse von
Bildung in Deutschland 2018
auf kommunaler
Ebene im Vergleich der 13 Landkreise und kreisfreien Städte des Freistaates Sachsen zu vertiefen.
1
Die Mitglieder der Autorengruppe Bildungsberichterstattung, die den Bericht gemeinsam verantwortet, gehören den
folgenden Institutionen an: DIPF | Leibniz Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (Federführung),
Deutsches Jugendinstitut (DJI), Deutsches Zentrum für Hochschul‐ und Wissenschaftsforschung (DZHW), Leibniz‐Institut
für Bildungsverläufe (LIfBi), Soziologisches Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie die Statistischen
Ämter des
Bundes und der Länder.

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2
Einleitung
Übergreifende Trends und Problemlagen im deutschen Bildungswesen
In der Gesamtschau aller Einzelbefunde von
Bildung in Deutschland 2018
hat die Autorengruppe eine
Reihe von Trends und Problemlagen identifiziert, die bereichsübergreifend – von der frühen Bildung
bis
zur Weiterbildung – für die derzeitige Entwicklung des Bildungswesens prägend sind.
Abb. 1: Überblick der bildungsbereichsübergreifenden Trends auf gesamtdeutscher Ebene
Eine sechste und letzte Entwicklungslinie hebt auf das Schwerpunktkapitel des Bildungsberichts 2018 –
Wirkungen und Erträge von Bildung – ab, wofür jedoch maßgebliche Daten auf Landesebene nicht
reanalysiert werden konnten. Entsprechende Befunde finden aus diesem Grund im vorliegenden Bericht
keine Berücksichtigung. Die übrigen Trends und Problemlagen markieren wichtige Handlungsfelder,
denen seitens
der Bildungspolitik und ‐verwaltung sowie der Bildungspraxis in Deutschland verstärkte
Aufmerksamkeit zu widmen ist. Sie bieten zugleich einen Ansatzpunkt für landesspezifische Analysen des
Bildungsgeschehens, da nicht davon auszugehen ist, dass über die Länder hinweg dieselben
Herausforderungen in allen Handlungsfeldern bestehen. Hier setzt der vorliegende Bericht an. Er nutzt die
skizzierten
Entwicklungslinien als Gliederungsprinzip für eine Situationsbeschreibung des sächsischen
Bildungssystems. Auch wenn dabei nicht alle Bildungsbereiche in gleicher Weise berücksichtigt werden,
1
Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern
Es gibt eine langjährige Tendenz steigender Teilnehmerzahlen im Bildungswesen.
Dies wird sich mittelfristig fortsetzen – insbesondere durch erhöhte Geburten‐
und Zuwanderungszahlen sowie die zunehmende Erwerbstätigkeit von Müttern,
aber auch aufgrund veränderter Bildungsaspirationen und ‐entscheidungen.
2
Trend zu höherer Bildung
Im Vergleich mit früheren Kohorten streben immer mehr Menschen höhere
Bildungsabschlüsse an und erreichen diese. Dies wird u. a. beim Erwerb
allgemeinbildender Schulabschlüsse und der steigenden Studiennachfrage
deutlich.
3
Anhaltende Disparitäten zwischen Bildungsbenachteiligten und Leistungsspitze
Nicht alle Menschen halten mit dem Trend der steigenden Bildungsbeteiligung
Schritt. Mit den vielfältigeren Möglichkeiten, Bildungsverläufe individuell zu
gestalten, könnte die Kluft zwischen denen, die ihre Bildungserfolge Schritt für
Schritt steigern, und jenen mit schlechteren Start‐ und Entwicklungschancen
größer werden.
4
Wachsende Heterogenität in den Bildungseinrichtungen
Die Entwicklung in den Bereichen Migration oder Inklusion, aber auch strukturelle
Anpassungen der Bildungsangebote führen dazu, dass die Bildungseinrichtungen
immer unterschiedlicheren Ausgangslagen der Teilnehmenden gerecht werden
müssen.
5
Unterschiedliche Entwicklungsperspektiven von Bildungsregionen
Zur Entstehung von Disparitäten tragen auch regionale Unterschiede bei.
Passungsprobleme zwischen Bildungsangebot und ‐nachfrage können
Folgeeffekte für die Attraktivität der Regionen als Wohn‐, Bildungs‐ und Arbeitsort
haben.

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3
Einleitung
sondern der Schwerpunkt auf den vorschulischen und den schulischen Bereich gelegt und Berufs‐,
Hochschul‐ sowie Weiterbildung weitgehend unberücksichtigt bleiben, können auf diesem Wege –
entlang der zentralen gesamtdeutschen Trends und Problemlagen – für Sachsen wichtige Hinweise auf
mögliche Handlungsbedarfe gegeben werden.
Der vorliegende Bericht fußt damit auf den konzeptionellen Grundlagen und den empirischen Analysen
des Nationalen Bildungsberichts. Er ist aber nicht als umfassende indikatorengestützte Analyse über alle
Bildungsbereiche und ‐stufen angelegt, sondern richtet vor dem Hintergrund der wesentlichen
länderübergreifenden Trends den Fokus auf sachsenspezifische Befunde. Dabei soll gezeigt werden, ob
und inwieweit sich die bundesweiten Herausforderungen mit denen in Sachsen
decken und in welchen
Bereichen sich landesspezifische Besonderheiten identifizieren lassen.

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4
Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern
(1) ZUWACHS AN BILDUNGSTEILNEHMERINNEN UND ‐TEILNEHMERN
Die indikatorengestützten Analysen des Nationalen Bildungsberichts 2018 verweisen auf eine langjährige
Tendenz steigender Teilnehmerzahlen im Bildungssystem, die sich auch mittelfristig fortsetzen dürfte.
Dieser Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern kann grob zwei Ursachen zugeschrieben
werden: Einerseits werden Bildungsangebote aufgrund eines veränderten Bildungsverhaltens
in der
Bevölkerung stärker nachgefragt – vor allem im frühkindlichen
Bereich und im Hochschulwesen, aber z. B.
auch in Form der Ganztagsbetreuung im Schulalter. Die Teilnehmerzahlen nehmen andererseits auch
aufgrund
gesamtgesellschaftlicher
Trends
in
den
Schlüsselbereichen
Demografie,
Wirtschaft,
Erwerbstätigkeit sowie Familien‐ und Lebensformen zu.
Sozioökonomische und ‐demografische Rahmenbedingungen von Bildung
Nachdem über viele Jahre die Anzahl der Geburten in Deutschland rückläufig
war, ist seit 2011 ein
kontinuierlicher Wiederanstieg zu beobachten. Zwischen 2005 und 2017 lag der prozentuale Zuwachs in
Sachsen bei 13 % und ist damit nur unwesentlich niedriger als im gesamten Bundesgebiet (Abb. 1.1). Je
Altersjahrgang müssen damit in Sachsen Bildungsangebote für ca. 4.000 Kinder mehr bereitgestellt
werden als noch
2005.
Darüber hinaus bedingen Migrationsbewegungen einen Anstieg bei den Teilnehmerzahlen im
Bildungssystem – unter anderem infolge des Zuzugs von Schutz‐ und Asylsuchenden, aber auch durch die
EU‐Binnenwanderung. Trotz eines Anstiegs des Ausländeranteils seit 2005 von 2,8 auf 4,0 % der
Bevölkerung weist Sachsen einen nach wie vor weit unterdurchschnittlichen Bevölkerungsanteil
mit
nichtdeutscher Staatsangehörigkeit auf. Gut die Hälfte dieser Personen stammt aus den Staaten der EU,
ca. 30 % der ausländischen Bevölkerung, die 2016 in Sachsen wohnte, sind Schutz‐ und Asylsuchende.
Abb. 1.1: Entwicklung ausgewählter Rahmenbedingungen von Bildung in Sachsen (SN) und
Deutschland (D)
Quelle: Statistisches Bundesamt, GENESIS‐Online Datenbank 2018, eigene Berechnungen
0
2
4
6
8
10
12
14
SN
D
+13,1
+14,4
0
2
4
6
8
10
12
SN
D
2016
2005
4,0
10,9
0
10
20
30
40
50
SN
D
2017
2005
49
51
0
10
20
30
40
50
60
SN
D
2017
2005
42
48
Prozentuale
Geburtenentwicklung
2017 ggü. 2005
Anteil der ausländischen
Bevölkerung
2005 und 2016
Erwerbstätigenquote in
der Bevölkerung
2005 und 2017
Anteil der Familien an
der Gesamtbevölkerung
2005 und 2017
in %
in %
in %
in %

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5
Die Arbeitsmarktlage in Sachsen ist aufgrund der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit – mit dem höchsten
Bruttoinlandsprodukt aller ostdeutschen Länder – vergleichsweise gut. Dies spiegelt sich darin wider, dass
die Erwerbstätigenquote seit 2005 um 6 Prozentpunkte auf 49 % der Bevölkerung gestiegen ist und nah
am Vergleichswert Deutschlands liegt (51 %). Da ein Großteil
dieser
Arbeitsverhältnisse in
Vollzeitbeschäftigung ausgeübt wird, stellt dies auch größere Anforderungen an verlässliche Bildungs‐ und
Betreuungskapazitäten für die Kinder der erwerbstätigen Frauen und Männer.
Analog zur bundesweiten Entwicklung kann auch für Sachsen ein sukzessiver Rückgang an traditionell
geprägten Lebens‐ und Haushaltsstrukturen beobachtet werden. Lebten 2005 noch 48 % der sächsischen
Bevölkerung in Familien, also Elternteile und ihre Kinder, waren es 2017 nur noch 42 %. Darin spiegelt sich
auch die Alterung der Gesellschaft wider, also eine wachsende Zahl älterer Menschen mit längerer
Lebenserwartung, die durch den aktuellen Zuwachs bei den jüngeren Altersgruppen nicht kompensiert
wird.
Diese sozioökonomischen und ‐demografischen Entwicklungen verlaufen
in den kreisfreien Städten und
Landkreisen des Freistaates keineswegs parallel. Insbesondere die Ballungsräume tragen zu der positiven
Veränderung der demografischen und ökonomischen Ausgangslage bei. Blickt man z. B. in einer
Langzeitbetrachtung vertiefend auf die regionale Geburtenentwicklung, so waren die Geburtenzahlen bis
zum Jahr 2000 überall rückläufig und blieben seitdem in
den meisten Kreisen deutlich unter dem Niveau
von 1990 (Abb. 1.2). Die kreisfreien Städte verzeichnen im letzten Jahrzehnt wieder eine Zunahme der
Geburtenzahlen, die zuletzt in Dresden und Leipzig sogar die Werte vor der Wiedervereinigung
überstiegen
.
Abb. 1.2: Geburtenentwicklung in den kreisfreien Städten und Landkreisen Sachsens 1990, 2000,
2005, 2008 und 2016 (Anzahl der Lebendgeborenen)
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Bevölkerungsstatistik, eigene Darstellung
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
1990
2000
2005
2010
2016
Jahr
LK Nordsachsen
LK Leipzig
Leipzig, Stadt
LK Sächs. Schweiz‐Osterzgebirge
LK Meißen
LK Görlitz
LK Bautzen
Dresden, Stadt
LK Zwickau
LK Vogtlandkreis
LK Mittelsachsen
LK Erzgebirgskreis
Chemnitz, Stadt
Anzahl

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6
Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern
Neben steigenden Geburtenzahlen ist seit einigen Jahren auch das sächsische Wanderungssaldo positiv,
d. h. es ziehen mehr Menschen in den Freistaat als fort. Allerdings profitieren einige Landkreise davon
kaum. So sind in einer kleinräumigen Darstellung (Abb. 1.3) vor allem die Städte Leipzig, Dresden und
Chemnitz als primäre Orte für Wanderungen über
die Kreisgrenzen erkennbar – nicht nur mit Blick auf die
Zuwanderung ausländischer, sondern auch deutscher Personen. Die Mehrzahl der Landkreise verzeichnet
hingegen mehr Fort‐ als Zuzüge von deutschen Personen, während Ausländerinnen und Ausländer in
größerem Umfang zugezogen sind als den jeweiligen Kreis verlassen haben. Offen bleibt dabei in
qualitativer Hinsicht,
wie die Gruppen jeweils zusammengesetzt sind. So ist z. B. je nach Bildungsstand von
einem selektiven Wanderungsverhalten in Abhängigkeit der lokalen Arbeitsmarktlage auszugehen. Auch
ist das Alter der Zu‐ und Fortziehenden für die einzelnen Stufen des Bildungswesens entscheidend. Hier
bedarf
es
künftig
vertiefender
Analysen,
die
neben
den
Wanderungsbewegungen
auch
Pendlerbewegungen zwischen
den Kreisen nach Wohn‐ und Bildungsort aufschlüsseln.
Abb. 1.3: Wanderungssaldo* der Zuzüge und der Fortzüge (über die Kreisgrenzen) 2014 bis 2016 nach
Ausländerstatus (Anzahl)
* Differenz zwischen der Anzahl der in den Kreis zugezogenen und der aus dem Kreis fortgezogenen Personen, d. h. bei
positiven Werten überwiegt die Zahl der Zuzüge und bei negativer Bilanz die Zahl der Fortzüge aus einem Kreis.
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, eigene Darstellung
‐2.000
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
2014
‐2.000
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
2015
‐2.000
0
2.000
4.000
6.000
8.000
10.000
12.000
14.000
16.000
2016
LK Nordsachsen
LK Leipzig
Leipzig, Stadt
LK Sächs. Schweiz‐Osterzgeb.
LK Meißen
LK Görlitz
LK Bautzen
Dresden, Stadt
LK Zwickau
LK Vogtlandkreis
LK Mittelsachsen
LK Erzgebirgskreis
Chemnitz, Stadt
Deutsche
Ausländerinnen und Ausländer
Anzahl

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7
Entwicklung der Angebote in der Kindertagesbetreuung
Abgesehen von einer Erhöhung der Geburten‐ und Zuwanderungszahlen haben auch die stärkere
Akzentuierung der ersten Lebensjahre als Bildungszeit sowie Fragen der Vereinbarkeit von Familie und
Beruf zu Mehrbedarfen im Bildungssystem geführt. Dies spiegelt der massive, weiter anhaltende Ausbau
der Kindertagesbetreuung in Deutschland wider. In Sachsen hat sich seit 2006 die Anzahl der
Kindertageseinrichtungen um 317 bzw. 11 % auf 2.947 Einrichtungen erhöht. Wenngleich dieser Trend in
allen sächsischen Regionen beobachtet werden kann, zeigen sich – auch durch Geburtenentwicklung
bedingte – regionale Unterschiede. Der mit Abstand größte Anstieg an genehmigten Kita‐Plätzen ist
zwischen 2007 und
2017 in den Städten Dresden (+67 %) und Leipzig (+61 %) zu konstatieren. In den
Landkreisen fiel der Ausbau mit einem Plus von 20 bis 34 % moderater aus. Durchgängig ist die Anzahl der
Einrichtungen im Verhältnis zu den Plätzen deutlich weniger gestiegen. Dies lässt darauf schließen, dass
der Ausbau vorwiegend
innerhalb bestehender Einrichtungen vorangetrieben wurde – sei es durch die
Einrichtung neuer oder die Vergrößerung der vorhandenen Gruppen.
Abb. 1.4: Kindertageseinrichtungen 2007 und 2017 (Anzahl) und Entwicklung der Anzahl genehmigter
Plätze (Veränderung in %) nach Kreisen
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, eigene Berechnungen
Inanspruchnahme der Tageseinrichtungen und Tagespflege
Richtet man den Blick auf die Teilnehmerzahlen, besuchten im Jahr 2017 knapp 56.900 unter 3‐jährige
Kinder eine sächsische Tageseinrichtung oder eine öffentlich geförderte Tagespflege, die für diese
Altersgruppe ein gleichrangiges Angebot ist. Das sind gut 24.000 bzw. 73 % mehr Kinder als 2006. Die
Betreuungsquote
stieg damit von 34 auf 51 % der gleichaltrigen Kinder und damit auch deutlich stärker als
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
Chemnitz, Stadt
LK Erzgebirgskreis
LK Mittelsachsen
LK Vogtlandkreis
LK Zwickau
Dresden, Stadt
LK Bautzen
LK Görlitz
LK Meißen
LK Sächsische Schweiz‐Osterzgebirge
Leipzig, Stadt
LK Leipzig
LK Nordsachsen
2017
2007
+20 %
+22 %
+27 %
+29 %
+30 %
+31 %
+33 %
+33 %
+34 %
+34 %
+61 %
+67 %
Anzahl der Kindertageseinrichtungen
+19 %
Entwicklung
der Plätze

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8
Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern
in den anderen ostdeutschen Ländern (von 39 auf 51 % seit 2006). Weniger ausgeprägt sind die
Länderunterschiede bei den über 3‐Jährigen. Trotz hohem Ausgangsniveau gab es auch hier seit 2006
einen Zuwachs in Sachsen, der den Bundestrend und auch die Steigerungsrate der ostdeutschen Länder
insgesamt deutlich übersteigt. Mit einer Betreuungsquote
von 96 % ist inzwischen eine fast vollständige
Abdeckung in Sachsen erreicht.
Vor allem bei den unter 3‐Jährigen, deren Betreuungssituation und ‐entwicklung sich regional
unterschiedlich darstellt, ist daher ein differenzierterer Blick auf die kleinräumige Ebene aufschlussreich.
Während etwa im Erzgebirgskreis seit 2006 die Betreuungsquote um 21 Prozentpunkte anstieg, waren
es
in der Stadt Chemnitz lediglich 4 Prozentpunkte, sodass beide Regionen heute eine identische
Betreuungsquote erreichen. Auffällig sind zudem die unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen zwischen
Tageseinrichtungen und Tagespflege; letztere spielt vor allem in den Ballungszentren eine größere Rolle
bei der Bedarfsdeckung. Sonstige systematische
Stadt‐Land‐Unterschiede sind aber weder bei der
Gesamtbetreuungsquote noch
bei den Steigerungsraten erkennbar. Insgesamt ist die regionale
Betreuungssituation heute ausgeglichener als noch im Jahr 2006.
Abb. 1.5: Betreuungsquote der unter 3‐Jährigen in Tageseinrichtungen und ‐pflege 2006 und 2016
nach Kreisen (in % der gleichaltrigen Bevölkerung)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, eigene Berechnungen
Pädagogisches Personal in der Kindertagesbetreuung
Mit der Expansion der frühkindlichen Betreuung war und bleibt eine hinreichende Personalausstattung
notwendig verbunden. Mit insgesamt ca. 32.000 pädagogisch Tätigen in Kindertageseinrichtungen oder
Tagespflege haben sich die Personalkapazitäten in Sachsen zwischen 2007 und 2017 um gut 10.000
Beschäftigte bzw. 49 % erhöht. Der Personalaufwuchs bleibt damit
hinter dem Bundeswert von +67 %
zurück, was wiederum mit den erheblichen Ausbauanstrengungen in Westdeutschland zusammenhängt.
28
44
39
41
49
46
47
45
48
45
48
43
34
54
53
5
7
6
4
3
1
3
9
5
3
5
9
13
2
3
0
10
20
30
40
50
60
Deutschland
Freistaat Sachsen
Chemnitz, Stadt
LK Erzgebirgskreis
LK Mittelsachsen
LK Vogtlandkreis
LK Zwickau
Dresden, Stadt
LK Bautzen
LK Görlitz
LK Meißen
LK Sächsische Schweiz‐
Osterzgebirge
Leipzig, Stadt
LK Leipzig
LK Nordsachsen
Tageseinrichtung 2016
Tagespflege 2016
Gesamt 2006
in %

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9
Inwiefern die Zunahme der Personalkapazitäten mit den beschriebenen, steigenden Betreuungsquoten in
Sachsen
Schritt
hält,
lässt
sich
nur
in
Kenntnis
des
konkreten
Personaleinsatzes
(z. B.
Beschäftigungsumfang, Gruppengröße und Besuchsdauer) abschätzen. Anhaltspunkte geben hierfür die
Personalschlüssel, welche die Relation zwischen pädagogischen Fachkräften und betreuten Kindern in
Form von Vollzeitbeschäftigungs‐ und Ganztagsäquivalenten umrechnen. In
Sachsen sind diese
Betreuungsrelationen in allen Gruppenformen wesentlich ungünstiger als im Bundesmittel (Abb. 1.6). In
den Jahren von 2015 bis 2018 wurden allerdings in Sachsen die gesetzlichen Personalschlüssel im Bereich
der Krippe von 1:6 auf 1:5 gesenkt, im Bereich des Kindergartens von 1:13 auf 1:12. Durch diese
Verbesserung stehen den
Einrichtungen insgesamt ca. 20 % mehr Personalstellen zur Verfügung. Ab 2019
ist eine weitere Verbesserung der personellen Ausstattung durch die Einführung gesetzlich geregelter
Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit („Vor‐ und Nachbereitungszeiten“) vorgesehen.
Abb. 1.6: Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen 2017 in Deutschland und Sachsen nach
Gruppenformen (Ganztagsinanspruchnahme‐ je Vollzeitbeschäftigungsäquivalent; Median)
Quelle: Bertelsmann Stiftung, Länderreport frühkindliche Bildungssysteme 2017 , eigene Darstellung
Um die verbesserten Betreuungsschlüssel mit genügend Fachpersonal abzudecken, wurden die
Ausbildungskapazitäten in den letzten 10 Jahren an den sächsischen Fachschulen mehr als verdoppelt.
2017 befanden sich knapp 7.000 Fachschülerinnen und ‐schüler in einer Ausbildung zur staatlich
anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher, dagegen waren es 2007 noch ca. 2.400
Fachschülerinnen
und ‐schüler. Gleichwohl liegen die Personalschlüssel in Sachsen noch weit entfernt von
den fachlich empfohlenen Werten. Es bedarf daher weiterer Anstrengungen zur Fachkräftesicherung –
nicht zuletzt aufgrund des hohen Ersatzbedarfs infolge des absehbaren altersbedingten Ausscheidens
eines großen Teils der Fachkräfte.
Entwicklung der Schulangebote und Schülerzahlen in öffentlicher und freier Trägerschaft
Die Teilnehmerzahlen im Schulwesen waren aufgrund der demografischen Entwicklung nach der
Wiedervereinigung in Ostdeutschland über viele Jahre rückläufig. Dies zog in der Folge die Schließung von
über 1.000 Schulen nach sich. Im Schuljahr 2017/18 gab es in Sachsen 1.293 öffentliche Schulen, 66
weniger als 2007/08 (‐5 %), während der Rückgang
im gesamten Bundesgebiet etwas stärker ausgeprägt
6,4
7,7
11,8
13,1
10,7
4,3
4,4
8,1
9,1
6,8
0
2
4
6
8
10
12
14
Gruppen mit
ausschließlich unter
3‐Jährigen
Gruppen mit
ausschließlich unter
4‐Jährigen
Für 2‐Jährige
geöffnete Gruppen
mit ab 3‐Jährigen
Gruppen mit
ausschließlich ab 3‐
Jährigen
Sonstige,
altersübergreifende
Gruppen
Sachsen
Deutschland
1:
1:
1:
1:
1:
1:
1:
Fachkraft : Kind

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10
Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern
war (‐8 %). Aufgrund des zeitgleichen starken Anstiegs der Schulen in freier Trägerschaft (+50 % von 149
auf 223 Privatschulen) ist aber die Veränderung der Gesamtzahl der sächsischen Einrichtungen sogar
leicht positiv. Dies liegt vor allem an einem Ausbau der Gymnasialangebote, deren Zahl sich seit 2007 um
24 Schulen erhöhte,
davon allein 20 in freier Trägerschaft. Ein Blick auf die regionale Ebene zeigt, dass –
mit Ausnahme der Städte Dresden und Leipzig – in allen Landkreisen die Anzahl der Schulen in
öffentlicher Trägerschaft rückläufig ist bzw. stagniert, und private Schulträger teils erheblich an
Bedeutung gewonnen haben (Abb. 1.7).
Abb. 1.7: Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien im Jahr 2017/18 sowie Veränderung gegenüber
2007/08 nach Kreisen (Anzahl)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, eigene Berechnungen
Abb. 1.8: Schülerinnen und Schüler an Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien 2017/18 (Anzahl)
sowie Veränderung gegenüber 2007/08 (in %) nach Kreisen
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, eigene Berechnungen
‐2
‐3
‐5
‐3
‐7
/
‐4
‐4
‐3
/
+1
‐3
‐3
‐2
‐4
‐4
‐3
‐4
‐3
‐3
‐2
/
/
/
‐1
‐2
/
‐1
/
/
/
+4
/
‐1
/
/
+3
‐1
/
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100110 120
Chemnitz, Stadt
LK Erzgebirgskreis
LK Mittelsachsen
LK Vogtlandkreis
LK Zwickau
Dresden, Stadt
LK Bautzen
LK Görlitz
LK Meißen
LK Sächs. Schweiz-Osterzgebirge
Leipzig, Stadt
LK Leipzig
LK Nordsachsen
Anzahl
Grundschule
Oberschule
Gymnasium
Öffentliche Trägerschaft
+1
+2
/
+2
+2
+3
+2
+2
/
/
+3
+1
+1
+1
+3
+2
+3
+4
+5
+4
+3
+2
+1
+1
/
+1
+3
+2
+1
/
+3
+3
/
/
+1
/
+1
+5
+1
0 10 20 30
Freie Trägerschaft
+20 %
+1 %
+5 %
‐1 %
+2 %
+43 %
+7 %
+1 %
+12 %
+15 %
+50 %
+13 %
+6 %
+28 %
+ 5 %
+18 %
+10 %
+3 %
+41 %
+14 %
+10 %
+32 %
+27 %
+45 %
+29 %
+25 %
+5 %
‐7 %
‐5%
/
+1 %
+47 %
+1%
‐8%
+6 %
+3 %
+28 %
‐15 %
+5 %
0
10.000
20.000
30.000
40.000
Chemnitz, Stadt
LK Erzgebirgskreis
LK Mittelsachsen
LK Vogtlandkreis
LK Zwickau
Dresden, Stadt
LK Bautzen
LK Görlitz
LK Meißen
LK Sächsische Schweiz‐Osterzgebirge
Leipzig, Stadt
LK Leipzig
LK Nordsachsen
Anzahl
Grundschule
Oberschule
Gymnasium
Öffentliche Trägerschaft
0
5.000 10.000
+62 %
+74 %
+197 %
+50 %
+117 %
+109 %
+82 %
+50 %
+66 %
+187 %
+ 100 %
+117 %
+48 %
Freie Trägerschaft

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11
Im Schuljahr 2017/18 wurden im Freistaat insgesamt ca. 311.000 Schülerinnen und Schüler an einer
Grundschule, Oberschule oder an einem Gymnasium unterrichtet. Damit stieg die Schülerzahl gegenüber
2007/08 um 11 % an, deutlich stärker als die Schulangebote und entgegen dem Bundestrend insgesamt
rückläufiger Schülerzahlen. Ein vertiefender Blick auf die Kreisebene zeigt, dass
der stärkste Anstieg der
Schülerzahlen in den kreisfreien Städten Dresden und Leipzig zu beobachten ist (Abb. 1.8). Differenziert
nach öffentlichen und freien Trägern ist vor allem in den ländlichen Gebieten ein überproportional großer
Anteil des Anstiegs auf Einrichtungen in freier Trägerschaft zurückzuführen, während die öffentlichen
Schulen in vielen Kreisen sogar
weniger Schülerinnen und Schüler als 2007/08 verzeichnen. Mit der
Verdopplung der Privatschülerzahlen auf ca. 34.400 Kinder und Jugendliche ergibt sich nunmehr ein
Schüleranteil
von 9,9 % an Schulen in freier
Trägerschaft (0,9 Prozentpunkte
mehr
als im
Bundesdurchschnitt).
Die insgesamt steigenden Schülerzahlen werden perspektivisch auch die beruflichen Schulen vor neue
Herausforderungen stellen.
Dort war die Schülerzahl zwar in der vergangenen Dekade rückläufig (‐39 %),
da der drastische Geburtenrückgang nach 1990 zeitlich versetzt erst ab 2006 in den beruflichen Schulen
wirksam wurde. Gleichwohl werden aber die seit der Jahrtausendwende wieder stärker besetzten
Geburtskohorten in Sachsen allmählich ins berufliche Schulwesen übergehen und erneute
Mehrbedarfe
mit sich bringen.
Ganztägige Bildung und Betreuung
Neben dem generellen Zuwachs an Schülerinnen und Schülern ist in den Schulen hinsichtlich der
zeitlichen Inanspruchnahme ebenfalls eine expansive Entwicklung zu beobachten. Im vergangenen
Jahrzehnt wurde in allen Ländern und in sämtlichen Schularten die Ganztagsbetreuung ausgebaut, sodass
mittlerweile die Mehrheit der Schulen Ganztagsangebote
vorhält. Hinzu kommen im Primarbereich
ganztägige Angebote in Horten, deren statistische Abgrenzung von den Ganztagsschulen allerdings in
Sachsen und einigen anderen Ländern schwierig bleibt.
Abb. 1.9: Ausgewählte Aspekte ganztägiger Bildung und Betreuung im Schulalter für Sachsen (SN)
und Deutschland (D)
Quelle: Sekretariat der KMK, Datensammlung Allgemeinbildende Schulen in Ganztagsform in den Ländern in der
Bundesrepublik Deutschland, Deutsches Jugendinstitut, KiBS 2017, eigene Darstellung
97
67
0
20
40
60
80
100
SN
D
in %
2016
2006
Anteil der
Ganztagsschulen
0
20
40
60
80
100
SN
D
in %
Offene Form
Gebundene Form
Schüleranteil im
Ganztag 2016
79
42
2
28
98
64
7
0
20
40
60
80
100
SN
D
in %
Unerfüllte
Elternwünsche
Kinder in
Betreuung
Kein
Betreuungs‐
bedarf
Ganztagsbedarfe im
Grundschulalter 2017

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12
Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern
Obwohl Ganztagsbetreuung in Sachsen traditionell einen hohen Stellenwert hat, wird im letzten Jahrzehnt
auch hier eine nochmalige Steigerung sichtbar (Abb. 1.9). Durch die Ausbaubemühungen stellte 2016 mit
97 % nahezu jede Schule in Sachsen Ganztagsangebote bereit; im Bundesdurchschnitt sind es dagegen nur
zwei Drittel der allgemeinbildenden Schulen. Die Beteiligungsquote stieg seit
2006 von 47 auf 79 % aller
sächsischen Schülerinnen und Schüler, nur Hamburg verzeichnet heute eine höhere Inanspruchnahme. Es
lässt sich vermuten, dass damit von Seiten der Eltern bestehende Bedarfe weitestgehend gedeckt sind.
Zumindest für den Grundschulbereich liefern Studienergebnisse entsprechende Hinweise: In der Mehrzahl
der Länder weicht demnach das bereitgestellte
Betreuungsangebot für Grundschulkinder noch von den
elterlichen Bedarfen ab, sodass 2017 auf Bundesebene 7 % der Elternwünsche unerfüllt blieben. In
Sachsen zeigt sich demgegenüber eine vollständige Abdeckung der von den Eltern angegebenen Bedarfe.
Personalausstattung im Schulwesen
Trotz des Anstiegs der Schülerzahlen in der vergangenen Dekade ist der Personalbestand an sächsischen
allgemeinbildenden
Schulen nicht gewachsen, sondern um ‐2 % auf ca. 26.500 voll‐ und
teilzeitbeschäftigte Lehrerinnen und Lehrer im Jahr 2017 gesunken. Betrachtet man ausschließlich
öffentliche Schulen, beläuft sich der Rückgang auf ‐11 %, während sich an Schulen in freier Trägerschaft
der Personalbestand in allen Kreisen erhöht und im gesamten Freistaat mehr
als verdoppelt hat. In
einigen Landkreisen unterrichten heute 10 % weniger Lehrerinnen und Lehrer als vor 10 Jahren (Abb.
1.10). Demgegenüber ist in den Städten Leipzig und Dresden ein starker Zuwachs an Lehrkräften
festzustellen.
Abb. 1.10: Entwicklung des Lehrkräftebestands* der allgemeinbildenden Schulen in Sachsen 2007 bis
2017 nach Kreisen (Veränderung in %)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, Schulstatistik 2017/18, eigene
Berechnungen
Personalbestand
Prozentuale Entwicklung
2007 bis 2017
Rückgang um mehr als 10 %
Rückgang um bis zu 10 %
Aufwuchs um bis zu 10 %
Aufwuchs um 10 bis 20 %
LK
Zwickau
LK
Leipzig
Leipzig
LK Nordsachsen
Dresden
LK
Meißen
LK Mittelsachsen
Chemnitz
LK Sächsische
Schweiz‐Osterzgebirge
LK
Bautzen
LK
Görlitz
LK
Erzgebirgs‐
LK
kreis
Vogtlandkreis
* Voll‐ und teilzeitbeschäftigte Lehrkräfte, ohne stundenweise Beschäftigte
‐2 % Ø Sachsen
+3 % Ø Deutschland

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13
Die Personalsituation wird sich nicht zuletzt durch die große Zahl älterer Lehrerinnen und Lehrer weiter
verschärfen. Wenngleich sich der Anteil der unter 35‐jährigen Lehrkräfte in Sachsen seit 2006 auf 13 %
verdreifacht hat, stieg ebenso der Anteil der über 50‐Jährigen kontinuierlich und deutlich von 45 auf 59 %
(Abb.
1.11). Bundesweit entwickelte sich dieser Anteil gegenläufig von 50 % im Jahr 2006 auf 41 % bis
2016, womit Sachsen im innerdeutschen Vergleich vor besonderen Herausforderungen steht,
altersbedingt ausscheidendes Personal zu ersetzen. Bereits jetzt wird der Situation durch vermehrte
Einstellungen von Lehrkräften ohne grundständige Lehramtsausbildung begegnet. 2016 war jede dritte
Neueinstellung in den Schuldienst eine solche Seiteneinsteigerin bzw. ein solcher Seiteneinsteiger, womit
Sachsen unter allen Ländern den höchsten Wert aufweist.
Abb. 1.11: Über 50‐jährige Lehrkräfte sowie Seiteneinsteigerinnen und ‐einsteiger in den Schuldienst
2006, 2011 und 2016 in Sachsen und Deutschland (in %)
Quelle: Sekretariat der KMK, Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Schulstatistik 2016/17, eigene Berechnungen
45
50
51
47
59
41
60
50
40
30
20
10
0
2016
2011
2006
Anteil der hauptberuflichen Lehrkräfte im Alter von
50 Jahren und mehr
in % aller Lehrkräfte
6
3
3
5
35
8
0 10 20 30
2016
2011
2006
Anteil der Seiteneinsteigerinnen
und Seiteneinsteiger
in % aller Neueinstellungen
Deutschland
Sachsen

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14
Trend zu höherer Bildung
(2) TREND ZU HÖHERER BILDUNG
Abgesehen von einem rein quantitativen Zuwachs an Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern haben
sich auch in qualitativer Hinsicht die Bildungsbeteiligung und ‐ergebnisse in Deutschland verändert. Der
zunehmende
Besuch
höherqualifizierender
Bildungseinrichtungen
und
das
Erreichen
höherer
Kompetenzen und Bildungsabschlüsse zeugen in den vergangenen Jahren von einem anhaltenden Trend
zu höherer Bildung. Wie sich das sächsische
Bildungssystem vor diesem Hintergrund entwickelt hat, wird
im Folgenden anhand verschiedener Kennziffern mit Fokus auf das Schulwesen nachgezeichnet.
Übergang in den Sekundarbereich I
Ein erstes Indiz für die gestiegene Bildungsbeteiligung liefern Daten zum Übergang in die verschiedenen
Bildungsgänge des Sekundarschulsystems, einer Schlüsselstelle individueller Bildungsverläufe. Sachsen ist
das einzige Bundesland, das
– abgesehen von Förderschulen – neben dem Gymnasium nur eine weitere
Sekundarschulart vorhält, die keine Abituroption anbietet. An diesen Oberschulen werden die
Schülerinnen und Schüler mit dem Erwerb des Haupt‐ oder mittleren Schulabschlusses auf den Übergang
in berufliche Bildungswege vorbereitet, wo sie unter anderem auch eine Hochschulzugangsberechtigung
erwerben können. Neben verschiedenen
Möglichkeiten auf beruflichem Wege die allgemeine
Hochschulreife zu erwerben (z. B. Berufsausbildung mit Abitur), wird auch die Fachhochschulreife in
Sachsen anders als in den meisten Ländern nur an berufsbildenden Schulen vergeben. Seitens der
sächsischen Bildungspolitik und der Kammern wird solchen beruflichen Qualifizierungswegen besondere
Bedeutung beigemessen, etwa durch Initiativen zur Stärkung
der Oberschule, der dualen Ausbildung und
eben beruflicher Wege zur Studienberechtigung. Inwiefern sich diese Strategie bereits auf die Übergange
in den Sekundarbereich ausgewirkt hat, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Tatsächlich ist aber der
Anteil der sächsischen Schülerinnen und Schüler, die nach der Grundschule den direkten Weg zum Abitur
an einem Gymnasium
einschlagen, entgegen dem Bundestrend zwischen 2007 und 2017 von 46 auf 43 %
gesunken, während der Anteil der Oberschuleinmündungen entsprechend anstieg.
Der Blick auf die regionale Ebene zeigt, dass die Gymnasiallaufbahn vor allem in den Ballungszentren
überdurchschnittlich große Bedeutung behält (Abb. 2.1). Während in Dresden und Leipzig mehr als jedes
zweite Kind in Jahrgangsstufe 5 auf ein Gymnasium übergeht, ist dies in der Mehrzahl der Landkreise
lediglich jede bzw. jeder Dritte. Die größten Rückgänge in der Gymnasialquote verzeichneten zwischen
2007 und 2017 neben der Stadt Chemnitz die Regionen Bautzen, Mittelsachsen und der Vogtlandkreis.
Dies ist insofern bemerkenswert, als für die meisten
Kreise sowie den Freistaat insgesamt im letzten
Jahrzehnt eine steigende Anzahl an Gymnasien, d. h. ein Ausbau der Angebote aufgezeigt werden konnte,
vornehmlich durch freie Träger (vgl. Abschnitt 1). Dennoch gehen in Sachsen heute nach der Grundschule
weniger Kinder auf das Gymnasium über als noch vor 10 Jahren. Im Folgenden
gilt es daher, ein weiteres
Augenmerk auf die alternativen Wege zur Studienberechtigung zu legen.

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15
Abb. 2.1: Gymnasialbeteiligung in Sachsen 2007 und 2017 nach Kreisen (in % aller Fünftklässlerinnen
und ‐klässler, die zuvor die Grundschule besucht haben)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Schulstatistik, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, eigene
Berechnungen
Abschlusserwerb an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen
Ein Rückgang der Gymnasialübergänge wäre dann problematisch, wenn sich auch der (auf den
unterschiedlichen
Wegen)
insgesamt
erreichte
Bildungsstand
und
damit
verbundene
Beschäftigungsperspektiven ebenfalls negativ entwickeln würden. Blickt man auf die erreichten
Schulabschlüsse in Sachsen, so entwickeln sich die Abschluss‐ und Abgängerquoten weiter positiv,
wenngleich sie
auch unter Einschluss der beruflichen Schulen leicht hinter dem Bundestrend
zurückbleiben (Abb. 2.2).
So sank zwischen 2006 und 2016 der Anteil von Jugendlichen mit Hauptschulabschluss von 18 auf 12 %,
der Anteil mittlerer Abschlüsse blieb auf einem stabil hohen Niveau von 51 % und der Absolventenanteil
mit allgemeiner Hochschulreife stieg
von 30 auf 39 %. Im Ländervergleich sind damit der Anteil an
Jugendlichen, die an allgemeinbildenden Schulen einen Hauptschulabschluss erwerben, am niedrigsten
und der Anteil von Jugendlichen mit mittlerem Abschluss demgegenüber bundesweit am höchsten.
Überdurchschnittlich viele sächsische Schülerinnen und Schüler gehen von der Schule ab, ohne zumindest
einen Hauptschulabschluss erreicht zu
haben. Im Schuljahr 2016/17 waren es gut 2.500 Jugendliche bzw.
8 % der gleichaltrigen Bevölkerung – also 2 Prozentpunkte mehr als im Bundesmittel. Auch fiel mit 1
Prozentpunkt der Rückgang dieser Abgängerquote ohne Hauptschulabschluss geringer aus als in
Deutschland insgesamt (‐1,9 Prozentpunkte seit 2006). Diese Gruppe ist von zunehmenden
Übergangsschwierigkeiten in Ausbildung und Arbeitsmarkt bedroht. Schulabschlüsse können jedoch in
vielen Fällen nachgeholt werden. So fällt der Anteil der an beruflichen Schulen nachgeholten
Schulabschlüsse in Sachsen mit
35 % aller Hauptschulabschlüsse besonders groß aus, während in
Deutschland insgesamt nur 20 % der erreichten Hauptschulabschlüsse auf berufliche Schulen entfallen.
LK
Zwickau
LK Leipzig
Leipzig
LK Nordsachsen
LK Meißen
LK
Mittelsachsen
Chemnitz
LK Sächsische
Schweiz‐
Osterzgebirge
LK Bautzen
LK
Görlitz
LK
Erzgebirgskreis
LK
Vogtlandkreis
Dresden
2017
LK
Zwickau
LK Leipzig
Leipzig
LK Nordsachsen
Dresden
LK
Meißen
LK
Mittelsachsen
Chemnitz
LK Sächsische
Schweiz‐
Osterzgebirge
LK
Bautzen
LK
Görlitz
LK
Erzgebirgskreis
LK
Vogtlandkreis
2007
Gymnasialquote Jg. 5
Unter 40 %
40 bis unter 45 %
45 bis unter 50 %
Mehr als 50 %
43 %
Ø Sachsen
42 %
Ø Deutschland
46 %
Ø Sachsen
40 %
Ø Deutschland

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16
Trend zu höherer Bildung
Abb. 2.2: Absolventinnen und Absolventen/Abgängerinnen und Abgänger 2006 und 2016 nach
allgemeinbildenden und beruflichen Schulen (in % der gleichaltrigen Wohnbevölkerung)
Quelle: Sekretariat der KMK, Schüler, Klassen, Lehrer und Absolventen der Schulen, eigene Darstellung
Wenn Jugendliche die Schule ohne oder mit Abschluss verlassen und später noch (weitere)
Schulabschlüsse erwerben, was deutschlandweit zunehmend der Fall ist, werden sie in der Statistik
zeitversetzt mehrfach erfasst. Je häufiger dies der Fall ist, desto mehr übersteigt die Summe der
aufgezeigten Abgänger‐ und Abschlussquoten 100 %. Damit lässt sich näherungsweise
abschätzen, wie
viele Personen über die Zeit noch einen (höherqualifizierenden) Schulabschluss erreichen. In Sachsen sind
es weniger als im Bundesdurchschnitt, wo alle Abschlussquoten über den Werten Sachsens liegen. Dies ist
unproblematisch,
sofern
sich
den
Jugendlichen
mit
ihrem
Erstabschluss
hinreichende
Anschlussperspektiven (z. B. in die duale Berufsausbildung) eröffnen. Aufgrund fehlender Individualdaten
kann dies aber nicht zweifelsfrei geklärt werden.
Zumindest eine Annäherung ermöglicht die Integrierte Ausbildungsberichterstattung, die Anfängerzahlen
aller Anschlussbildungsgänge des Sekundarbereichs I zuzüglich des Studiums an Hochschulen kombiniert
(Abb. 2.3). Danach befindet sich in Sachsen unter allen Anfängerinnen und Anfängern des
Ausbildungsgeschehens
der
Großteil
in
beruflicher
Ausbildung,
d. h.
in
einem
dualen
oder
vollzeitschulischen Ausbildungsverhältnis zum Erwerb eines Berufsabschlusses. Das Gewicht der
Berufsausbildung hat zwischen 2011 und 2016 zwar auf 39 % aller Anfängerinnen und Anfänger
abgenommen, bleibt jedoch über dem Bundesmittel von 34 %. Insbesondere die Jugendlichen mit
mittlerem Schulabschluss schlagen diese Wege der beruflichen Qualifizierung ein. Unterdurchschnittlich
bleibt demgegenüber in
Sachsen analog zu den vorher aufgezeigten Übergangs‐ und Abschlussquoten die
Einmündung in Bildungsgänge zum Erwerb einer Hochschulreife – sei es an allgemeinbildenden oder an
beruflichen Schulen. Ihr Anteil hat sich aber seit 2011 von 18 auf 23 % aller Anfängerinnen und Anfänger
des Ausbildungsgeschehens stärker erhöht als in Deutschland insgesamt. Jugendliche
mit mittlerem
Abschluss nehmen diese indirekten Wege zum Abitur also zunehmend in Anspruch. Hier bleibt
abzuwarten, ob sich dies künftig in steigenden Absolventenzahlen mit Hochschulzugangsberechtigung
niederschlagen wird, die gegenwärtig in Sachsen noch hinter den Quoten anderer Länder zurückbleiben.
Insbesondere in jenen Ländern, die nach schulstrukturellen Reformen im allgemeinbildenden Bereich
0
10
20
30
40
50
2006
2016
2006
2016
2006
2016
2006
2016
2006
2016
in %
Hauptschul‐
abschluss
Mittlerer
Abschluss
Fachhoch‐
schulreife
Ohne
Hauptschul‐
abschluss
Allgemeinbildende Schulen
Berufliche Schulen
Bundesdurchschnitt
Allgemeine
Hochschul‐
reife
9
8
18
12
52
51
7
8
30
39

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17
c
heute neben dem Gymnasium ebenfalls nur eine weitere Sekundarschulart vorhalten, die allerdings auch
die Abituroption anbietet, ist im letzten Jahrzehnt eine weit größere Steigerung der Abiturquote zu
konstatieren.
Abb. 2.3: Verteilung der sächsischen Anfängerinnen und Anfängern im Ausbildungsgeschehen auf die
Sektoren 2011 und 2016 nach schulischer Vorbildung (in %)
Quelle: Statische Ämter des Bundes und der Länder, Integrierte Ausbildungsberichterstattung 2011 und 2016, eigene
Berechnungen
Unter
Einschluss
aller
nachgeholten
Abschlüsse
und
unter
Berücksichtigung
der
beruflichen
Qualifizierungswege ist der Bildungsstand der sächsischen Bevölkerung im jungen Erwachsenenalter
höher als in allen anderen Bundesländern (Abb. 2.4). 92 % der 25‐ bis unter 35‐Jährigen in Sachsen
verfügen mindestens über einen Abschluss des Sekundarbereichs II, d. h. einen formalen Bildungsstand
auf dem Niveau einer Studienberechtigung oder eines Ausbildungsabschlusses. Deutschlandweit sind es
87 % – allerdings mit steigender Tendenz zwischen 2007 und 2017 (+2 Prozentpunkte), während sich in
Sachsen kein Positivtrend abzeichnet (‐1 Prozentpunkt)
.
Abb. 2.4: Anteil der 25‐ bis unter 35‐Jährigen, die mindestens einen Abschluss des Sekundar‐
bereichs II erreicht haben, 2007 und 2017 nach Ländern (in %)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich 2009 und
2018, eigene Darstellung
0
10
20
30
40
2011
2016
2011
2016
2011
2016
2011
2016
Übergangsbereich
(Berufsvorbereitung
und ‐orientierung)
Berufsausbildung
(Duales System oder
Schulberufssystem)
Bildungsgänge zum
Erwerb der Fach‐/allg.
Hochschulreife
Studium
Mit Fach‐ oder allgemeiner Hochschulreife
Mit mittlerem Abschluss
Mit/ohne Hauptschulabschluss
Deutschland insgesamt
87
88
90
88
88
82
88
87
88
84
84
84
82
92
87
84
92
0
20
40
60
80
100
D BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH
in %
2017
2007
in %

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18
Trend zu höherer Bildung
Für eine kleinräumige Betrachtung stehen solche Daten nicht zur Verfügung. Richtet man den Blick allein
auf die Abschlusskonstellationen allgemeinbildender Schulen, lassen sich gleichwohl regionale
Besonderheiten erkennen (Abb. 2.5): Überdurchschnittlich hohe Anteile von Schülerinnen und Schülern
mit allgemeiner Hochschulreife verzeichnen vor allem die drei kreisfreien Städte und der Landkreis
Zwickau, mit steigender
Tendenz seit 2006. Auch in den Landkreisen Bautzen, Vogtland‐ und
Erzgebirgskreis erhöhte sich der Abiturientenanteil um mehr als 2 Prozentpunkte, bleibt aber unter einem
Drittel aller Schulabgänge und ‐abschlüsse. Am gegenüberliegenden Pol des Qualifikationsspektrums sind
bei den Abgängeranteilen ohne Hauptschulabschluss in Chemnitz, Mittelsachsen und der Sächsischen
Schweiz‐Osterzgebirge die deutlichsten
Verschlechterungen beobachtbar. Trotz positiver Entwicklung
zählt allerdings auch die Stadt Leipzig zu den Regionen mit mehr als 10 % Abgängerinnen und Abgängern
ohne Abschluss.
Abb. 2.5: Regionale Abschlusskonstellationen der allgemeinbildenden Schulen in Sachsen 2016 nach
Kreisen und Abschlussarten (in % aller Abgängerinnen und Abgänger/Absolventinnen und
Absolventen) und ausgewählte Veränderungen gegenüber 2006 (in Prozentpunkten)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kommunale Bildungsdatenbank 2018, eigene Berechnungen
0 20 40 60 80 100
in %
Ohne Hauptschulabschluss
Mit Hauptschulabschluss
Mit mittlerem Abschluss
Mit allgemeiner Hochschulreife
‐0,1
‐2,4
‐1,9
+1,5
‐0,1
‐1,4
‐0,6
‐0,6
‐1,7
‐0,7
‐0,7
±0,0
+4,4
‐0,3
‐0,6
+1,4
+2,2
‐1,3
‐0,3
+2,4
+6,2
+0,9
+2,6
‐1,4
+0,7
+2,2
+1,0
+1,9
LK Nordsachsen
LK Leipzig
Leipzig, Stadt
LK Sächs. Schweiz‐Osterzgebirge
LK Meißen
LK Görlitz
LK Bautzen
Dresden, Stadt
LK Zwickau
LK Vogtlandkreis
LK Mittelsachsen
LK Erzgebirgskreis
Chemnitz, Stadt
Freistaat Sachsen

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19
(3) LEISTUNGSDISPARITÄTEN IM SCHULWESEN
Zwar ist in den letzten Jahren eine positive Entwicklung der Bildungsbeteiligung in Deutschland zu
verzeichnen, jedoch kommen nicht alle Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmer mit dem Trend zu
höherer Bildung mit. Während zunehmend Teile der Bevölkerung höhere Bildungseinrichtungen besuchen
und höhere formale Abschlüsse erzielen, verbleibt eine große Zahl an Personen mit geringen
Bildungserfolgen.
Dies zeigen bereits die Abgänger‐ und Absolventenquoten im allgemeinbildenden
Schulsystem (vgl. Abschnitt 2). Internationale Studien weisen sogar auf eine zunehmende Kluft hin. In der
Lesekompetenz etwa hat sich zwischen 2001 und 2016 der Anteil besonders leistungsschwacher
Grundschulkinder in Deutschland erhöht. Ihr Abstand zur ebenfalls wachsenden Leistungsspitze hat sich
damit –
anders als in fast allen Vergleichsstaaten – vergrößert. Um diesen gesamtdeutschen Tendenzen
für Sachsen nachzugehen, werden im Folgenden die Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz
herangezogen, die im Ländervergleich allerdings erst seit 2009 regelmäßig überprüft werden.
Kognitive Kompetenzen im Primarbereich
Bildungsstandards, die länderübergreifend definieren, was Schülerinnen und Schüler zum jeweiligen
Zeitpunkt der Schullaufbahn können
sollten, werden in Kompetenzstufenmodellen abgebildet. Für den
Primarbereich wurden sie in den Jahren 2011 und 2016 in den Fächern Deutsch und Mathematik
untersucht. Greift man die Ergebnisse für den Kompetenzbereich Lesen als zentrale Basiskompetenz
heraus, erreichten 2016 auf Bundesebene zwei Drittel (66 %) der Viertklässlerinnen und ‐klässler den
Regelstandard (Kompetenzstufe
III) oder übertrafen diesen. In Sachsen erzielten mit 74 % signifikant mehr
Grundschülerinnen und ‐schüler diese Leistungen (Abb. 3.1).
Abb. 3.1: Verteilung der Schülerinnen und Schüler in Jg. 4 auf die Kompetenzstufen 2011 und 2016* in
Sachsen und Deutschland nach Fächern (in %)
* Statistisch signifikante Veränderungen gegenüber 2011 sind mit einem Pfeil gekennzeichnet (p < .05).
Quelle: Stanat u.a., IQB Bildungstrend 2016, eigene Darstellung
0
20
40
60
80
100
2011
2016
2011
2016
in %
Deutsch (Lesen)
Sachsen
Deutschland
2011
2016
2011
2016
Mathematik (Globalskala)
Sachsen
Deutschland
Kompetenzstufe V
(Optimalstandard)
Kompetenzstufe IV
(Regelstandard Plus)
Kompetenzstufe III
(Regelstandard)
Kompetenzstufe II
(Mindeststandard)
Kompetenzstufe I

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20
Leistungsdisparitäten im Schulwesen
Die Gruppe derjenigen, deren Lesekompetenz nicht den Minimalanforderungen der Bildungsstandards
entspricht (unter Kompetenzstufe II), ist demgegenüber in Sachsen mit 7 % kleiner als in allen anderen
Ländern (bis zu 26 %) und deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (13 %).
Die Leseleistungen und ihre Verteilung auf die Kompetenzstufen sind gegenüber dem Vergleichsjahr 2011
stabil geblieben. Lediglich für Gesamtdeutschland hat sich der Schüleranteil, der im Lesen hinter dem
Mindeststandard zurückbleibt, leicht verringert. Anders verhält es sich bei den mathematischen
Kompetenzen. Hier gibt es nicht nur eine signifikante Erhöhung bei den Leistungsschwachen
(Kompetenzstufe I und II), sondern einen gleichzeitig sinkenden Anteil leistungsstarker Schülerinnen und
Schüler
(Kompetenzstufe IV und V). Für Sachsen sind die Veränderungen nicht statistisch bedeutsam.
Zudem schneiden die sächsischen Kinder wie im Lesen auch in Mathematik deutlich besser ab als im
Bundesmittel. Ein vertiefender Blick auf die Leistungsspitze offenbart 2016 in nahezu allen
Kompetenzbereichen überdurchschnittlich hohe Anteile an Schülerinnen und Schülern in Sachsen, deren
Leistungen die Regelanforderungen der KMK‐Standards teils weit übertreffen (Abb. 3.2). Im
Trendvergleich zu 2011 hat sich die Größe dieser Gruppe aber auch in Sachsen leicht, wenn auch nicht
signifikant reduziert.
Abb. 3.2: Schüleranteil in Jg. 4 in Sachsen und Deutschland, deren Leistungen 2016 den Regelstandard
übertreffen (Kompetenzstufe IV und V), nach Kompetenzbereichen (in %; Veränderung
gegenüber 2011 in Prozentpunkten)
* Statistisch signifikante Veränderungen gegenüber 2011 sind kursiv markiert (p < .05).
Quelle: Stanat u.a., IQB Bildungstrend 2016, eigene Darstellung
Unabhängig von dieser Trendentwicklung bleibt aber ein auffälliger Kontrast, wenn man die Gruppe der
leistungsstärksten Kinder in Bezug zur Quote der Gymnasialübergänge (43 % im Schuljahr 2017/18) setzt:
Obwohl überdurchschnittlich viele sächsische Viertklässlerinnen und ‐klässler hohe Kompetenzen in
nahezu allen Bereichen aufweisen, sind die gymnasialen Übergangsquoten im Ländervergleich nur
durchschnittlich. Umgekehrt
gilt in Deutschland insgesamt also, dass anteilig mehr Kinder nach der
0 10 20 30 40 50
Lesen
Zuhören
Orthografie
Globalskala
Zahlen & Operationen
Raum & Form
Muster & Strukturen
Größen & Messen
Daten, Häufigkeit & Wahrscheinlichkeit
Deutschland
Sachsen
in %
Mathematik
Deutsch
‐3,3
‐2,7
‐5,0
‐1,0
‐6,7
‐3,2
‐5,7
‐8,0
‐4,0
‐6,4
‐5,3
‐5,6
‐1,9
‐2,1
‐4,4
‐1,8
‐8,1
/

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21
Grundschule auf ein Gymnasium übergehen, als in Jahrgangsstufe 4 die Regelanforderungen der
Bildungsstandards übertreffen. Wenngleich eine enge lineare Kopplung zwischen Kompetenz und
Übergangsentscheidung nicht anzunehmen ist, da z. B. auch soziale und motivationale Aspekte sowie der
Elternwille ausschlaggebend sind, bleibt dies im Ländervergleich bemerkenswert. Man wird den Befund
nicht nur mit
den bildungspolitischen Bemühungen zur Stärkung der Oberschule und alternativer Wege
zum Abitur in Zusammenhang bringen können, sondern auch als Indiz für eine relativ strikte
Leistungsselektivität sächsischer Gymnasien werten dürfen. Denkbar ist allerdings ebenso, dass das
Angebot an Gymnasien vor allem im ländlichen Raum hinter den Elternwünschen zurückbleibt. Eine
steigende Gymnasialnachfrage
legt zumindest die zahlenmäßige Entwicklung der sächsischen Gymnasien
seit 2007 nahe, deren Standortnetz anders als für die Grund‐ und Oberschulen in den meisten Kreisen
ausgebaut worden ist, vor allem durch private Träger (vgl. Abschnitt 1). Hier sind auch die mittelfristigen
Auswirkungen einer Gesetzesänderung von 2018 im Auge zu behalten, die in
Sachsen den Elternwillen bei
der Wahl des Bildungsweges nach der Grundschule gestärkt hat (§ 34 SächsSchulG).
Kognitive Kompetenzen im Sekundarbereich I
Für den Sekundarbereich I wurden in den Jahren 2009 und 2015 die sprachlichen Kompetenzen in den
Fächern Deutsch und Englisch am Ende der 9. Jahrgangsstufe erhoben. Bildungsstandards werden hier
in
integrierten Kompetenzstufenmodellen getrennt für den Hauptschul‐ und den mittleren Abschluss auf
derselben Metrik abgebildet: Für den Hauptschulabschluss wurde Kompetenzstufe Ib als Mindeststandard
definiert; Regelstandard ist die Kompetenzstufe II. Letztere entspricht zugleich dem Mindeststandard für
den mittleren Schulabschluss.
Wie im Primarbereich zeichnet sich für den Kompetenzbereich Lesen im Fach Deutsch auch
in
Jahrgangsstufe 9 ein günstigeres Bild für die sächsischen Schülerleistungen ab als auf Bundesebene. Im
Trendvergleich werden die Befunde zunächst ohne Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer
Förderung berichtet, da für diese Gruppe 2009 keine Aussagen möglich waren (Abb. 3.3). Gemessen an
den Standards für den mittleren Abschluss verfehlten im Jahr
2015 im Kompetenzbereich Lesen 11 % der
sächsischen
Jugendlichen
am
Ende
der
9. Jahrgangsstufe
die
Mindestanforderungen
(unter
Kompetenzstufe II), während 62 % den Regelstandard erreichten oder übertrafen (Kompetenzstufen III
und IV). Länderübergreifend erreicht demgegenüber mit 50 % nur die Hälfte den Regelstandard, mit
durchschnittlich 22 % blieben auch doppelt so viele
Jugendliche hinter dem Mindeststandard zurück wie
in
Sachsen.
Der
Anteil
der
besonders
leistungsstarken
Sekundarschülerinnen
und
‐schüler
(Kompetenzstufe V) ist mit 3,4 % wiederum insgesamt geringer als in Sachsen (5,9 %). Im Fach Englisch
ergibt sich für Sachsen ein ähnliches Befundmuster, wenngleich deutlich mehr Jugendliche sowohl hinter
dem Mindeststandard zurückbleiben (21
%) als auch Spitzenleistungen erzielen (14 % auf Kompetenzstufe
V) als in Deutsch. Hier gibt es also auch auf Landesebene eine größere Kluft zwischen Leistungsschwachen
und ‐starken.
Zwischen 2009 und 2015 ist allerdings der Anteil an Schülerinnen und Schülern, deren Leistungen im
Englisch‐Leseverstehen unter dem Mindeststandard liegen, in Sachsen (‐16
Prozentpunkte) deutlich
stärker zurückgegangen als im Bundestrend (‐5,5 Prozentpunkte) und liegt damit nun unter dem
Bundesdurchschnitt (Abb. 3.3). Auch im Fach Deutsch ist der Rückgang besonders leistungsschwacher

image
image
22
Leistungsdisparitäten im Schulwesen
Deutsch
Englisch
Sekundarschülerinnen und ‐schüler substanziell, während dieser Anteil länderübergreifend sogar leicht
auf 22 % gestiegen ist. Eine demgegenüber nur geringfügig kleiner gewordene Gruppe besonders
leistungsstarker Schülerinnen und Schüler (nicht signifikant) deutet damit in Sachsen auf eine Abnahme
der Leistungsheterogenität hin. Bestehende Leistungsdisparitäten haben sich in diesem Bereich also
tendenziell sogar verringert.
Abb. 3.3: Schüleranteil in Jg. 9 in Sachsen (SN) und Deutschland (D), die 2009 und 2015* im
Leseverstehen der Fächer Deutsch und Englisch den Mindeststandard für den mittleren
Schulabschluss nicht erreicht bzw. den Optimalstandard erreicht haben (in % aller
Schülerinnen und Schüler; ohne sonderpädagogische Förderung)
* Statistisch signifikante Veränderungen sind mit einem Pfeil gekennzeichnet (p < .05).
Quelle: Stanat u.a., IQB Bildungstrend 2015, eigene Darstellung
Besonders im Hinblick auf die Standards für den Hauptschulabschluss schneiden die sächsischen
Schülerinnen und Schüler bei den Leseleistungen im Fach Deutsch sehr positiv ab: Selbst unter Einschluss
der Jugendlichen mit sonderpädagogischer Förderung fällt der Anteil der Neuntklässlerinnen und ‐klässler,
die den Mindeststandard (unter Kompetenzstufe Ib) im Lesen nicht erreichen, mit 4
% sehr gering aus –
kleiner als in allen anderen Ländern und deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 9 % (Abb. 3.4).
Stellt man diesem Befund die Quote der Abgängerinnen und Abgänger gegenüber, die ohne
Schulabschluss die allgemeinbildende Schule verlassen, fällt im Ländervergleich ein bemerkenswertes
Missverhältnis auf: In der Mehrheit der
Länder überwiegt der Schüleranteil unterhalb des
Mindeststandards gegenüber dem Anteil ohne Abschluss an der gleichaltrigen Bevölkerung. In allen
ostdeutschen Ländern sowie in Schleswig‐Holstein liegen beide Werte dagegen entweder eng beieinander
oder es gehen sogar mehr Jugendliche ohne Abschluss ab, als den Mindeststandard im Lesen verfehlen –
in Sachsen doppelt so
viele (8 %) wie unterhalb des Mindeststandards bleiben (4 %).
Zweifelsohne entscheidet hier nicht allein die Lesekompetenz in der 9. Jahrgangsstufe darüber, ob und
welcher Schulabschluss erreicht wird. Gleichwohl stellt sich die Frage, welche Kopplung zwischen
0
5
10
15
20
25
30
35
40
Sachsen Dtl.
Sachsen Dtl.
Sachsen Dtl.
Sachsen Dtl.
in %
2015
2009
Mindeststandard
nicht erreicht
Optimalstandard
erreicht
Mindeststandard
nicht erreicht
Optimalstandard
erreicht
SN
D
SN
D
SN
D
SN
D

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23
Kompetenzen und Zertifikaten vertretbar oder angemessen wäre. Hier bedarf es länderübergreifend
weiterer Forschung, durch die unter anderem zu prüfen wäre, inwieweit dieser Befund mit der
Schülerzusammensetzung (z. B. Migrationshintergrund oder Bildungshintergrund der Eltern, vgl. Abschnitt
4) oder auch Unterschieden in der sonderpädagogischen Förderung in Verbindung steht. Aufgrund der
eingeschränkten Möglichkeiten in
Sachsen und anderen Ländern, an Förderschulen etwa im Schwerpunkt
„Lernen“ einen regulären Abschluss zu erwerben, könnte dies zu höheren Abgängerzahlen ohne
Hauptschulabschluss beitragen, wenngleich das Kompetenzniveau den Regelanforderungen für den
Hauptschulabschluss entsprechen mag
.
Abb. 3.4: Schulabgänge ohne Hauptschulabschluss und Schülerinnen und Schüler, die in Jg. 9 den
Mindeststandard für den Hauptschulabschluss (Lesen) nicht erreichen, im Jahr 2015 nach
Ländern (in %; mit sonderpädagogischer Förderung)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Schulstatistik 2015/16, IQB Bildungstrend 2015, eigene Darstellung
9
10
7
14
7
17
11
10
9
8
10
10
9
4
8
5
8
0
5
10
15
20
D BW BY BE BB HB HH HE MV NI NW RP SL SN ST SH TH
in %
Schülerinnen und Schüler, die den Mindeststandard nicht erreichen (in % der Neuntklässlerinnen und ‐klässler)
Schulabgänge ohne Abschluss (in % der gleichaltrigen Bevölkerung)

image
24
Heterogenität in den Bildungseinrichtungen
(4) HETEROGENITÄT IN DEN BILDUNGSEINRICHTUNGEN
Bereits in den vorstehenden Analysen finden sich Hinweise darauf, dass die Zusammensetzung der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Bildungswesen heterogener wird, ihre Ausgangslagen für den
Bildungserwerb also von einer größeren Vielfalt geprägt sind als noch vor 10 oder 20 Jahren. Grob lässt
sich dies an der Entwicklungsdynamik in drei Bereichen festmachen: Erstens
verändert sich mit den
quantitativ skizzierten
Migrationsbewegungen
auch in qualitativer Hinsicht, was Kinder und Jugendliche
beim Eintritt ins Bildungssystem mitbringen, z. B. im sprachlichen Bereich. Zweitens ergeben sich unter
dem Stichwort
Inklusion
aus der 2009 ratifizierten UN‐Konvention über die Rechte von Menschen mit
Behinderungen neue Anforderungen an gleichwertige Bildungsoptionen
und gleichberechtigte Teilhabe
von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Unterstützungsbedarfen. Und drittens führt auch die
Öffnung und Durchlässigkeit der Bildungseinrichtungen, die im längeren gemeinsamen Lernen oder in der
fortschreitenden Entkopplung von Schulart und Abschluss zum Ausdruck kommt, zu Veränderungen der
sozialen und leistungsbezogenen Zusammensetzung
der Schülerschaft. Inwiefern die Bildungsinstitutionen
auch in
Sachsen, wo es keine Entkopplung von Schulart und ‐abschluss im Sekundarbereich I gibt,
zunehmend immer unterschiedlicheren individuellen Ausgangslagen gerecht werden, wird im Folgenden
näher betrachtet.
Migration
Analog zu der aufgezeigten Bevölkerungsentwicklung (vgl. Abschnitt 1) schlagen sich die steigenden
Zuwanderungszahlen auch in der Teilnahme an Kindertagesbetreuung nieder. Deutschlandweit erhöhte
sich zwischen 2012 und 2017 der Anteil der betreuten Kinder, die mindestens ein im Ausland geborenes
Elternteil haben: im Krippenalter von 17 auf 20 % der unter 3‐Jährigen,
weniger deutlich im
Kindergartenalter (von 29 auf 30 % der 3‐ bis unter 6‐Jährigen).
In Sachsen wird in der Kindertagesbetreuung eine ähnliche Steigerung des Migrationsanteils verzeichnet,
wenngleich weiterhin auf sehr geringem Gesamtniveau (Abb. 4.1). Mit 6 % der unter 3‐Jährigen bzw. 9 %
der 3‐ bis unter 6‐Jährigen
bleibt der Anteil mehr als dreimal geringer als im Bundesdurchschnitt.
Insgesamt hat in Deutschland inzwischen mehr als jedes 4. Kind in Kindertagesbetreuung mindestens ein
im Ausland geborenes Elternteil. Damit verbundene potenzielle Herausforderungen, z. B. für den
Spracherwerb der Kinder, stellen sich in Sachsen selbst in den Ballungszentren Leipzig (14 %),
Dresden
(12 %) und Chemnitz (11 %) weniger massiv. Gleichwohl ist es möglich, dass sich innerhalb der Städte
Problemlagen in bestimmten Einrichtungen konzentrieren und damit wohnortbezogen durchaus eine
größere Heterogenität der Ausgangslagen auftritt.

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25
Abb. 4.1: Anteil der Kinder in Kindertagesbetreuung, die mindestens ein im Ausland geborenes
Elternteil haben, in Deutschland und Sachsen 2012 und 2017 sowie nach Kreisen 2017
(in % aller gleichaltrigen Kinder in Tageseinrichtungen oder ‐pflege)
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Kinder‐ und Jugendhilfestatistik 2012 und 2017, eigene Berechnungen
Im Schulbereich waren die Anzahl und der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit nichtdeutscher
Staatsangehörigkeit in Sachsen über viele Jahre rückläufig.
P1F
2
P
Seit 2012 hat sich ihre Zahl aber mehr als
verdoppelt, allein die Grundschulen verzeichneten im Schuljahr 2016/17 zusätzlich mehr als 3.700 Kinder
mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit und damit einen Anstieg von 6,6 auf 10,5 % aller Schülerinnen und
Schüler. Dies unterstreicht die enormen Integrationsleistungen, die seit dem Höhepunkt des
Zuwanderungsaufkommens 2015
im deutschen Schulwesen erbracht wurden und werden. Über alle
allgemeinbildenden Schulen hinweg stieg der Ausländeranteil seit 2012 von 2,1 auf 4,2 %; dies entspricht
etwa dem Durchschnitt in der Gesamtbevölkerung Sachsens (vgl. Abschnitt 1).
Insgesamt wachsen aber deutlich mehr Schülerinnen und Schüler in Sachsen zwei‐ oder mehrsprachig auf,
sind entweder selbst
zugewandert oder ihre Eltern oder Großeltern, als bei alleiniger Betrachtung ihrer
gegenwärtigen Staatsangehörigkeit. Der Schüleranteil mit einem entsprechenden Migrationshintergrund
lag in Sachsen 2016/17 bei 8,9 %, also doppelt so hoch wie der Ausländeranteil (Abb. 4.2). Unter dieser
weiten Migrationsdefinition gibt es im Schulalter – anders als in der Kindertagesbetreuung –
nur noch
zwei Landkreise mit Migrationsanteilen unter 5 %. In den Städten Leipzig, Dresden und Chemnitz hat
wiederum auch im Schulwesen mehr als jede bzw. jeder Achte einen Migrationshintergrund. Ihre
Verteilung auf die einzelnen Schularten unterscheidet sich zwischen den Kreisen des Freistaates nur
geringfügig. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund besuchen vor
allem Oberschulen
überdurchschnittlich häufig. Dies ist insofern bemerkenswert, als in allen Kreisen – mit Ausnahme des
2
Dies liegt unter anderem an der Änderung des Staatsangehörigkeitsgesetzes im Jahr 2000, wonach in Deutschland
geborene Kinder zusätzlich zur nichtdeutschen Staatsangehörigkeit ihrer Eltern die deutsche Staatsangehörigkeit
erwerben können. Dies führt in Statistiken zu rückläufigen Anteilen nichtdeutscher Personen bzw. zu einer
Unterschätzung der Gesamtpopulation mit Migrationshintergrund.
17
20
29
30
4
6
7
9
0
5
10
15
20
25
30
2012 2017 2012 2017
Unter 3‐
Jährige
3‐ bis unter
6‐Jährige
Deutschland
Sachsen
Bis unter 5 %
5 bis unter 10 %
10 % und mehr
LK
Zwickau
LK Leipzig
Leipzig
LK Nordsachsen
Dresden
LK Meißen
LK Mittelsachsen
Chemnitz
LK Sächsische Schweiz‐
Osterzgebirge
LK Bautzen
LK
Görlitz
LK Erzgebirgs‐
kreis
LK
Vogtlandkreis
0‐ bis unter
6‐Jährige 2017
in %

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26
Heterogenität in den Bildungseinrichtungen
Erzgebirgskreises – der Migrationsanteil an den Oberschulen teilweise weit über dem entsprechenden
Anteil an Förderschulen liegt. Die Aufnahme in Regelschulen überwiegt folglich, so dass die
migrationsbezogene
Heterogenität
vor
allem
die
Grund‐
und
Oberschulen
vor
besondere
Herausforderungen stellen dürfte. In den drei kreisfreien Städten sowie den Landkreisen Zwickau und
Leipzig besuchen sogar
anteilig mehr Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund ein Gymnasium
als eine Förderschule. In der Fläche und im Vergleich zu den Oberschulen haben allerdings
Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Sachsen seltener einen Migrationshintergrund. Gleichwohl kann
daraus nicht per se auf ein geringes Ausmaß an Heterogenität an jedem Gymnasium geschlossen werden.
Abb. 4.2: Schüleranteil mit Migrationshintergrund 2016/17 nach allgemeinbildenden Schularten und
Kreisen in Sachsen (in %)
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Schulstatistik 2016/17, eigene Berechnungen
Inklusion
Heterogenität und Individualität stehen auch im Zentrum der UN‐Behindertenrechtskonvention, die 2009
von Bund und Ländern ratifiziert wurde. Trotz anhaltendem Trend zu inklusionsorientierten Angeboten in
der frühen Bildung und im Schulwesen zeigt der Bildungsbericht 2018, dass in den meisten Ländern nach
wie vor ein erheblicher Anteil der Menschen mit Behinderungen
in gesonderten Einrichtungen gefördert
wird – so auch in Sachsen.
Im
Schulbereich,
wo
diagnostizierten
Entwicklungs‐
oder
Lernbeeinträchtigungen
durch
sonderpädagogische Förderung entsprochen wird, zeigen sich für Sachsen mehrere Entwicklungen.
Einerseits werden immer mehr Kinder und Jugendliche mit sonderpädagogischem Förderbedarf in
allgemeinbildenden Regelschulen, d. h. inklusionsorientiert beschult (Abb. 4.3). Im Schuljahr 2016/17
waren es 2,8 % aller Schülerinnen und Schüler, was exakt dem Bundesdurchschnitt und einer erheblichen
Steigerung seit 2000/01 (0,2 %) entspricht. Mit einer parallelen Verringerung des Förderschulbesuchs ging
LK Zwickau
LK Leipzig
Leipzig
LK Nordsachsen
Dresden
LK Meißen
LK Mittelsachsen
Chemnitz
LK Sächsische Schweiz‐
Osterzgebirge
LK Bautzen
LK Görlitz
LK Erzgebirgskreis
LK Vogtland‐
kreis
Bis unter 5 %
5 bis unter 10 %
10 % und mehr
Schüleranteil mit
Migrationshintergrund an
allen allgemeinbildenden
Schulen 2016/17
8,9 %
Ø Sachsen
Migrationsanteil (in % aller Schülerinnen und
Schüler der jeweiligen Schulart)
40
20
0
Förderschule
Gymnasium
Oberschule
Grundschule

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27
c
dies andererseits jedoch nicht einher. Während andere Länder die Förderschule weitgehend abgeschafft
haben und sich im gesamtdeutschen Mittel die Förderschulbesuchsquote von 4,6 auf 4,3 % leicht
verringert hat, besuchen heute in Sachsen mit 5,7 % mehr Kinder und Jugendliche eine Förderschule als
2000/01 (5,4 %). Parallel werden aber auch immer mehr
Schülerinnen und Schüler in Regelschulen
sonderpädagogisch gefördert, so dass sich seit dem Jahr 2000 die Förderquote insgesamt von 5,7 auf
8,5 % aller sächsischen Schülerinnen und Schüler erhöhte.
Abb. 4.3: Sonderpädagogische Förderung in Deutschland und Sachsen 2000/01 und 2016/17 nach
Förderort (in % aller Schülerinnen und Schüler im Alter der Vollzeitschulpflicht)
Quelle: Sekretariat der KMK, Sonderpädagogische Förderung in Schulen, eigene Darstellung
In allen Regionen Sachsens wird weiterhin ein relativ dichtes Förderschulnetz vorgehalten (Abb. 4.4), das
gemessen an der Bevölkerungsdichte und Schülerzahl über die Kreise hinweg weitgehend ausgeglichen
ist. Insgesamt hat sich seit dem Jahr 2000 die Anzahl der Förderschulen von 189 auf 155 Einrichtungen
verringert (‐18 %), besonders deutlich in den
Landkreisen Leipzig, Meißen und im Erzgebirgskreis. Eine für
den Bildungsbericht 2018 initiierte schulstatistische Umfrage in den Ländern gestattet zudem erstmals
eine Gegenüberstellung des Angebots an inklusiv arbeitenden Schulen. Sachsen zählt danach zu jenen
Ländern mit einer überdurchschnittlich breiten Infrastruktur an Regelschulen, die Schülerinnen und
Schüler auch sonderpädagogisch fördern. Zwar variiert
dieser Anteil durchaus im innersächsischen
Regionalvergleich und fällt insbesondere an der Peripherie des Freistaates etwas niedriger aus. Doch
selbst dort praktizieren mehr als drei Viertel aller Schulen sonderpädagogische Förderung. In Sachsen
insgesamt liegt dieser Inklusionsanteil mit 89 % aller allgemeinbildenden Regelschulen deutlich über dem
Bundesdurchschnitt von 66 %. Trotz anhaltend dichtem
Förderschulangebot ist die Öffnung der sonstigen
Schulen für Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf also weit vorangeschritten.
Wendet man den Blick von den Angebotsstrukturen hin zur Beteiligung, so ergibt sich im kleinräumigen
Vergleich ein etwas anderes Bild (Abb. 4.5). Obwohl z. B. in Chemnitz weder das Angebot an
Förderschulen noch an
inklusionsorientierten Regelschulen am größten ist, fällt der Schüleranteil mit
sonderpädagogischer Förderung hier am höchsten aus (12 % aller Schülerinnen und Schüler). Auffällig ist
aber vor allem, dass kein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Anteil inklusiv arbeitender Schulen
und dem Anteil inklusiv unterrichteter Schülerinnen und Schüler zu erkennen ist: Im Landkreis Meißen
arbeiten
bspw. überdurchschnittlich viele Regelschulen inklusiv, im Vogtlandkreis deutlich weniger. Beide
4,6
4,3
5,4
5,7
0,7
2,8
0,2
2,8
0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
2000/01
2016/17
2000/01
2016/17
Deutsch‐
land
Sachsen
in %
An Förderschulen
An sonstigen allgemeinbildenden Schulen
8,5 %
5,7 %
7,1 %
5,3 %
Förderquote insg.

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28
Heterogenität in den Bildungseinrichtungen
Kreise verzeichnen aber bei Schülerinnen und Schülern vergleichbar hohe Inklusionsanteile, etwa 40 %
derjenigen mit Förderbedarf werden dort in Regel‐ und nicht in Förderschulen unterrichtet.
Abb. 4.4: Anzahl der Förderschulen und Anteil der sonstigen allgemeinbildenden Schulen, die
Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung unterrichten, 2016/17 nach
Kreisen in Sachsen
Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Regionalstatistik, KMK‐Länderumfrage zur Schulstatistik 2016/17,
eigene Berechnungen
Abb. 4.5: Schüleranteil mit sonderpädagogischer Förderung an allen Schülerinnen und Schülern
2016/17 und Inklusionsanteil 2005/06 gegenüber 2016/17 nach Kreisen in Sachsen (in %)
Quelle: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen, Schulstatistik 2005/06 und 2016/17, eigene Berechnungen
LK Zwickau
LK Leipzig
Leipzig
LK Nordsachsen
Dresden
LK Meißen
LK
Mittelsachsen
Chemnitz
LK Sächsische
Schweiz‐
Osterzgebirge
LK Bautzen
LK Görlitz
LK Erzgebirgs‐
kreis
LK
Vogtlandkreis
Förderschulen 2016/17
Förderschulen, die seit 2000/01 geschlossen wurden
75 bis unter 85 %
85 bis unter 90 %
90 bis unter 95 %
95 bis 100 %
Anteil der Regelschulen mit
mindestens einem sonder‐
pädagogisch geförderten Kind
2016/17
89 % Ø Sachsen
66 % Ø Deutschland
LK Zwickau
LK Leipzig
Leipzig
LK Nordsachsen
Dresden
LK Meißen
LK Mittelsachsen
Chemnitz
LK Sächsische
Schweiz‐Osterzgebirge
LK Bautzen
LK Görlitz
LK Erzgebirgskreis
LK Vogtlandkreis
Schüleranteil mit sonder‐
pädagogischem Förderbedarf
in allen allgemeinbildenden
Schulen 2016/17
Unter 6 %
6 bis unter 8 %
8 bis unter 10 %
Mehr als 10 %
Inklusionsanteil (in % aller Schülerinnen
und Schüler mit Förderbedarf)
2005/06
2016/17
60
40
20
0

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29
Zu vermuten ist, dass sich dahinter Unterschiede in den spezifischen Förderschwerpunkten der
Schülerinnen und Schüler sowie deren einzelschulischer Verteilung verbergen. So könnten sich in
manchen Regionen Schwerpunktschulen herausgebildet haben, die von vielen Schülerinnen und Schülern
mit bestimmten Förderbedarfen besucht werden, in anderen Landesteilen könnte sich die gleiche Anzahl
an Schülerinnen und
Schülern auf deutlich mehr Schulen verteilen, die dann als Einzelschule jeweils nur
wenige Kinder mit unterschiedlichen Schwerpunkten aufnehmen. Auch Pendlerbewegungen könnten eine
Rolle spielen. Hier bedürfte es weiterer, vertiefender Analysen. Ohne Einzelschuldaten lässt sich nicht
bewerten, inwiefern es sich um die punktuelle Aufnahme einzelner Kinder und Jugendlicher in wenige
Klassen
oder um eine quantitativ für viele Klassen bedeutsame Zunahme der Heterogenität handelt.
Bundesdaten der IQB‐Bildungstrends verweisen darauf, dass in fast jeder zweiten Klasse des Primar‐ und
in gut jeder sechsten Klasse des Sekundarbereichs I sonderpädagogische Förderung stattfindet und dabei
überwiegend ein bis zwei Schülerinnen und Schüler in den Klassenverbund aufgenommen
werden.
Soziale und leistungsbezogene Schülerzusammensetzung
Wie bereits verschiedentlich hervorgehoben wurde, bedeuten globale Veränderungen in der
Zusammensetzung der Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmer nicht zwangsläufig eine zunehmende
Heterogenität in allen Einrichtungen oder Lerngruppen. Je nachdem wie sich die Kinder und Jugendlichen
mit
unterschiedlichen
Ausgangslagen
auf
einzelne
Standorte
verteilen,
können
manche
Bildungseinrichtungen vor größere
Herausforderungen gestellt sein als andere. Dieser Frage näherte sich
der Nationale Bildungsbericht 2018 anhand sozialstruktureller und leistungsbezogener Merkmale auf
Basis des IQB‐Bildungstrends 2015, der für die vorliegende Darstellung nochmals gesondert für Sachsen
ausgewertet wurde. Ziel war es, jenseits der vielfach belegten sozialen Disparitäten im Schulartbesuch
auch innerhalb der Schularten die
Heterogenität der einzelschulischen Lernmilieus aufzuzeigen – vor
allem in jenen Ländern, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten Schularten zusammengelegt haben.
Betrachtet man zunächst ausgewählte sozialstrukturelle und leistungsbezogene Merkmale der
Schülerschaft im Schulartvergleich insgesamt, ergeben sich an sächsischen Oberschulen und Gymnasien
ähnliche Kompositionsprofile wie auf Bundesebene (Abb. 4.6): Der mittlere Sozialstatus
der Schülerschaft,
der anhand des höchsten beruflichen Status der Eltern ermittelt wurde, liegt an den Oberschulen deutlich
niedriger als an Gymnasien. Gleiches gilt für den Bildungsstand der Eltern: 9,6 % der Oberschülerinnen
und ‐schüler entstammen einer Familie, in denen kein Elternteil über einen Abschluss des
Sekundarbereichs II verfügt, in Gymnasien sind
dies nur 1,5 %.
Auffällig ist zudem, dass die Gymnasiastinnen und Gymnasiasten in Jahrgangsstufe 9 einen etwas höheren
Migrationsanteil (11 %) aufweisen als die Oberschulen (9 %).
P2F
3
P
Dies gilt zwar – auf höherem Niveau – auch
im bundesweiten Vergleich von Gymnasium und Schulart mit mehreren Bildungsgängen. Doch haben in
den anderen Ländern die übrigen nichtgymnasialen Schularten deutlich höhere Schüleranteile mit
Migrationshintergrund (47 % an Hauptschulen, 31 % an Realschulen und 34 % an Integrierten
3
Diese Abweichung von der Schulstatistik (vgl. Abb. 4.2), wo der Migrationsanteil an Oberschulen höher als an
Gymnasien ausfällt, konnte nicht aufgeklärt werden. Mögliche Ursachen sind zum einen die unterschiedlichen
Definitionen (in der Schulstatistik zuzüglich der Familiensprache und der Zuwanderung der Großeltern), zum anderen
der Fokus auf Jahrgangsstufe 9 (in der
Schulstatistik alle Jahrgangsstufen).

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30
Heterogenität in den Bildungseinrichtungen
c
Gesamtschulen). Im zweigliedrigen Schulsystem Sachsens ist eine solche Konzentration nicht
festzustellen.
Abb. 4.6: Ausgewählte Merkmale der Schülerschaft in Jahrgangsstufe 9 an Schularten mit mehreren
Bildungsgängen und Gymnasien in Sachsen (SN) und Deutschland (D) 2015 (Mittelwerte)
* Geringe Lesekompetenz: Leseleistungen unter Kompetenzstufe II; Migrationshintergrund: Mindestens ein Elternteil
im Ausland geboren; Niedrige Bildungsherkunft: Eltern ohne Hochschulreife oder Berufsabschluss
Quelle: IQB Bildungstrend 2015, gewichtete und imputierte Daten (Schülergewicht und Schulgewicht), Sonderauswertung
des IQB, eigene Darstellung
In sächsischen Gymnasien ist darüber hinaus mit 0,8 % ein geringerer Anteil von Schülerinnen und
Schülern als in Deutschland insgesamt (3,5 %) zu verzeichnen, die im Lesen unter dem Mindeststandard
für den mittleren Abschluss bleiben (unter Kompetenzstufe II); ein erneuter Hinweis darauf, dass bei der
Schulwahl die leistungsbezogene Selektivität in den
Gymnasien Sachsens stärker wirkt als im gesamten
Bundesgebiet (vgl. Abschnitt 3). In den Oberschulen verfügen demgegenüber 18 % über solche allenfalls
basalen Lesekompetenzen. Dies sind ebenfalls deutlich weniger als an anderen Schularten mit mehreren
Bildungsgängen in Deutschland (30 %), was als Indiz für die schulartübergreifende Sicherung von
Mindeststandards in Sachsen
gedeutet werden kann.
Um Aufschluss über die tatsächliche Heterogenität einzelner schulischer Lernmilieus zu gewinnen, reicht
allerdings ein Schulartvergleich solcher mittleren Ausprägungen nicht aus. Hier gilt es, die Variation
zwischen den Schulen in den Blick zu nehmen. Für eine übersichtliche Darstellung jenseits einzelner
Schülermerkmale, die auch nicht voneinander unabhängig sind, wurde aus
den durchschnittlichen
Ausprägungen
der
vier
Merkmale
Sozialstatus,
Lesekompetenz,
Migrationshintergrund
und
Bildungsherkunft mittels so genannter Faktorenanalysen ein Kompositionsindex je Schule gebildet. Dieser
ermöglicht eine kompakte Beschreibung des jeweiligen Schulmilieus, indem in einem Wert ausgedrückt
wird, ob an der betreffenden Schule eher viele oder nur wenige Problemlagen zusammenfallen: Je höher
dieser
Kompositionsindex,
desto
günstiger
ist
die
soziale
und
leistungsbezogene
Schülerzusammensetzung (Abb. 4.7). Fasst man die Ergebnisse zunächst über alle Länder hinweg
zusammen, so weist die Mehrheit der Hauptschulen und Gesamtschulen sehr ungünstige Indexwerte auf,
44
18
9
10
59
0,8
11
1,5
0
20
40
60
Mittlerer sozialer Status
(in HISEI‐Punkten)
Anteil mit geringer
Lesekompetenz*
(in % aller Schülerinnen
und Schüler)
Anteil mit
Migrationshintergrund*
(in % aller Schülerinnen
und Schüler)
Anteil mit niedriger
Bildungsherkunft*
(in % aller Schülerinnen
und Schüler)
SN ‐ Oberschule
SN ‐ Gymnasium
D ‐ Schulart mit mehreren Bildungsgängen
D ‐ Gymnasium

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31
C
Quelle:
während der Großteil der Gymnasien mit einer deutlich privilegierteren Schülerzusammensetzung
arbeitet – und zwar unabhängig vom sonstigen Schulartangebot je Land. Dies gilt auch für die sächsischen
Gymnasien, deren Kompositionsindex bis auf wenige Ausnahmen durchweg über jenem der Oberschulen
liegt,
und
die
teilweise
zu
den
Schulen
mit
der
über
alle
Länder
hinweg
günstigsten
Schülerzusammensetzung zählen.
Abb. 4.6: Verteilung der Schulen* des Sekundarbereichs I im Jahr 2015 in Sachsen nach Schularten
und Kompositionsindex der Schülerschaft (Jg. 9) sowie niedrigste und höchste Indexwerte
für Gesamtdeutschland
* Jede Säule repräsentiert eine Schule (aus der Stichprobe des IQB‐Bildungstrends), für die mittels Faktorenanalyse ein
Kompositionsindex aus den Schülermerkmalen Migrationshintergrund, Leseleistung unter Kompetenzstufe II, höchster
Bildungsstand im Elternhaus sowie höchster beruflicher Status im Elternhaus ermittelt wurde.
Quelle: IQB Bildungstrend 2015, Sonderauswertung des IQB, eigene Darstellung
Trotz der augenscheinlichen Aufteilung zwischen Oberschulen auf der einen und Gymnasien auf der
anderen Seite ist hervorzuheben, dass auch die Oberschulen in Sachsen im innerdeutschen Vergleich
günstigere bzw. ausgeglichenere Ausgangslagen vorfinden als an nichtgymnasialen Schularten anderer
Länder. Gemessen an der Situation vieler Haupt‐ und Gesamtschulen, in denen sich deutschlandweit
besonders problematische
Ausgangslagen der Schülerschaft weitaus stärker kumulieren, arbeiten selbst
jene Oberschulen mit den ungünstigsten Kompositionsindizes noch mit vergleichsweise geringen
Problemlagen. Dies wird man vor allem auf den niedrigeren Schüleranteil mit Migrationshintergrund
sowie auf die kleinere Gruppe besonders leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler in Sachsen
zurückführen können. Es deutet aber auch darauf hin,
dass sich Kinder und Jugendliche mit
Migrationshintergrund, geringen Kompetenzen, niedrigem Sozialstatus sowie Bildungshintergrund der
Eltern gleichmäßiger als in anderen Ländern auf die einzelnen Schulstandorte verteilen. Insgesamt
zeichnet sich also in Sachsen keine größere Kluft zwischen Schulen in sehr schwieriger und denen in
mehrfach privilegierter Lage ab.
‐4
‐3
‐2
‐1
0
1
2
3
Kompositionsindex (z‐standardisiert)
Integrierte Gesamtschule
Hauptschule
Oberschule
Gymnasium
problematischer
privilegierter
Sachsen
Deutschland
(Minima)
Deutschland
(Maxima)

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32
Regionale Disparitäten
(5) REGIONALE DISPARITÄTEN
Neben einer ländervergleichenden Gesamtschau der Entwicklungen im deutschen Bildungswesen
beschreibt der Bildungsbericht immer wieder auch Sachverhalte auf kleinräumiger Ebene. Da in aller
Regel innerhalb der Länder eine noch größere Variation sichtbar wird als zwischen diesen, kann so
unterhalb globaler Mittelwerte auf lokale Problemlagen und Handlungsbedarfe aufmerksam gemacht
werden. Im Zuge der
Erarbeitung des vorliegenden Berichts wurde aus diesem Grund die Datenbasis für
den
Freistaat
Sachsen
ergänzt,
soweit
regionale
Aufgliederungen
der
gesamtdeutschen
und
länderspezifischen Kennziffern verfügbar waren (vgl. Abschnitt 1 bis 4). Resümierend sollen diese Befunde
nun im Gesamtzusammenhang und mit Blick auf mögliche lokalspezifische Entwicklungstrends und
Problemlagen in den einzelnen Stadt‐
und Landkreisen diskutiert werden.
Regionale Trends bei den sozioökonomischen Rahmenbedingungen
Zunächst unterscheiden sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, in denen kommunale
Bildungsprozesse eingebettet sind, wie in Abschnitt 1 exemplarisch aufgezeigt wurde. Neben den dort
ausgewählten Kennziffern zur regionalen Geburtenentwicklung und Zu‐ bzw. Abwanderung sind für das
Bildungswesen auch ökonomische Faktoren von kleinräumiger Bedeutung,
die in der Regel in einem
wechselseitigen Verhältnis stehen und für die betreffende Region Standortvorteile oder ‐nachteile mit
sich bringen. Mit Blick auf die Entwicklung von Rahmenbedingungen der Bildungslandschaft wird
nachfolgend auf eine Typisierung des Bundesinstituts für Bau‐, Stadt‐ und Raumforschung (BBSR)
zurückgegriffen. Diese gestattet es, über alle Regionen
Deutschlands hinweg auf Basis demografischer
(z. B. Wanderungsbewegungen) und ökonomischer (z. B. Gewerbesteuereinnahmen) Kennziffern eine
Abgrenzung zwischen wachsenden und schrumpfenden Regionen vorzunehmen. Die aktuellste BBSR‐
Typisierung auf Gemeinde‐ und auf Kreisebene basiert auf Indikatoren für den Zeitraum 2010 bis 2015
(www.raumbeobachtung.de).
Nimmt
man
diese
5‐stufige
Klassifikation
von
‚überdurchschnittlich
schrumpfend‘
bis
‚überdurchschnittlich wachsend‘ – als Grundlage eines innersächsischen Vergleichs, so lässt sich eine
Polarisierung zwischen den Kreisen beobachten (Abb. 5.1): Eine prosperierende Entwicklung verzeichnen
demnach im Freistaat ausnahmslos die kreisfreien Städte, während alle Landkreise schrumpfen.
Hervorzuheben ist allerdings, dass die Problematik schrumpfender Städte und Gemeinden innerhalb der
Landkreise nicht flächendeckend
greift. So gibt es einige prosperierende Mittel‐ und Kleinstädte – vor
allem in den Landkreisen Meißen, Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und Leipzig –, die als zentrale Orte
für die gesamte Region an Bedeutung gewonnen haben, während die Umlandgemeinden schrumpfen.
Hier zeigen sich also in kleinerem Maßstab, nämlich zwischen einzelnen Gemeinden, ähnliche
Polarisierungstendenzen wie
zwischen den Stadt‐ und Landkreisen insgesamt.

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33
c
Abb. 5.1: Stadt‐ und Landkreise Sachsens nach ihrer sozioökonomischen Entwicklung 2010 bis 2015
gemäß BBSR‐Typisierung* wachsender und schrumpfender Regionen
Stadt‐ und Landkreise
Punktzahl (BBSR‐Indikatorik)*
Regionstyp
Leipzig, Kreisfreie Stadt
●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●
Überdurchschnittlich wachsend
Dresden, Kreisfreie Stadt
●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●
●● ●●●●
Wachsend
Chemnitz, Kreisfreie Stadt
●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●
●● ●●●●
Wachsend
Nordsachsen
●●●●● ●●●●
● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Schrumpfend
Sächsische Schweiz/Osterzgebirge
●●●●● ●●●●
● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Schrumpfend
Vogtlandkreis
●●●●● ●●●●
● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Schrumpfend
Leipzig
●●●●● ●●●
●● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Schrumpfend
Meißen
●●●●● ●●
●●● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Schrumpfend
Zwickau
●●●●● ●●
●●● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Schrumpfend
Bautzen
●●●●●
●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Überdurchschnittlich schrumpfend
Görlitz
●●●●●
●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Überdurchschnittlich schrumpfend
Erzgebirgskreis
●●●●●
●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Überdurchschnittlich schrumpfend
Mittelsachsen
●●●●
● ●●●●● ●●●●● ●●●●● ●●●●
Überdurchschnittlich schrumpfend
* Je höher die Punktzahl (Maximum 24), desto positiver die Entwicklung in den einzelnen demografischen und
wirtschaftlichen Kennziffern im Zeitraum 2010 bis 2015; vgl.
www.raumbeobachtung.de
(„Wachsen und
Schrumpfen von Städten und Gemeinden im bundesweiten Vergleich“)
Quelle: Bundesinstitut für Bau‐, Stadt‐ und Raumforschung, eigene Darstellung
Das Zusammenspiel von Bevölkerungsverlusten, selektiver Abwanderung bzw. Zuwanderung, von
Arbeitslosigkeit und geringerer Wirtschaftskraft kann in den betroffenen Regionen die kommunalen
Finanzspielräume stark einschränken. Es birgt damit auch die Gefahr einer zunehmenden Ausdünnung der
Versorgung mit Dienstleistungen und Gütern, so auch im Bildungssystem. Für die Attraktivität als Wohn‐,
Arbeits‐ oder Ausbildungsort hat dies nachteilige Auswirkungen, weitere Abwanderungs‐ oder
Schrumpfungsprozesse könnten die Folge sein. Demgegenüber stellen sich in Chemnitz, Dresden, Leipzig
oder
auch in Stadtgemeinden wie Meißen, Radeberg oder Freital andere Herausforderungen als die
Sicherung einer infrastrukturellen Mindestversorgung. Dort müssen immer vielfältigere, qualitativ
hochwertige Bildungsangebote für eine wachsende Anzahl an Kindern und Jugendlichen bereitgehalten
werden, deren Lernausgangslagen sich stärker voneinander unterscheiden dürften als im ländlichen
Raum. Hier bedarf es vor Ort passgenauer
Angebote für eine wachsende, immer heterogener
zusammengesetzte Teilnehmerschaft im Bildungswesen.
Regionale Unterschiede in der Entwicklung des Bildungswesens
Ein linearer Zusammenhang zwischen der demografischen und ökonomischen Situation auf der einen und
der regionalen Bildungsangebote, ‐teilnahme und ‐ergebnisse auf der anderen Seite scheint in den
sächsischen Stadt‐ und Landkreisen nicht zu bestehen (Abb.
5.2). Weder verzeichnen die wachsenden
kreisfreien Städte durchweg eine überdurchschnittlich positive Entwicklung, noch die schrumpfenden
Landkreise eine gegenläufige. Angesichts der unterschiedlichen Zeitintervalle, die hier beobachtet
wurden, sind allerdings auch keine unmittelbaren Wechselwirkungen zu erwarten. So mag die jüngere
sozioökonomische Entwicklung erst in den kommenden Jahren allmählich (weitere) Konsequenzen für die
Bildungslandschaft haben.

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34
Regionale Disparitäten
Abb. 5.2: Regionalspezifische Entwicklung ausgewählter Bildungsaspekte als positive und negative
Abweichungen vom sächsischen Gesamttrend* nach Kreisen
Quelle: Eigene Darstellung auf Basis der regional aufgeschlüsselten Kennziffern in den Abschnitten 1 bis 4
Kennziffern zur
Entwicklung des
Bildungswesens
Stadt‐ und Landkreise
(nach Schrumpfungs‐/Wachstumstrend)
Ø
Sachsen
insg.
Leipzig, Stadt
Dresden, Stadt
Chemnitz, Stadt
Nordsachsen, LK
Sächsische Schweiz‐
Osterzgebirge, LK
Vogtlandkreis, LK
Leipzig, LK
Meißen, LK
Zwickau, LK
Bautzen, LK
Erzgebirgskreis, LK
Görlitz, LK
Mittelsachsen, LK
Betreuungsquote der
unter 3‐Jährigen
2016 ggü. 2006 (in %‐Pkt.)
+17 %‐Pkt.
+11
+18
+9
+14
+21
+18
+17
+19
+13
+20
+22
+16
+21
Personal in der
Kindertagesbetreuung
2016 ggü. 2006 (in %)
+49 %
+73
+84
+42
+32
+45
+29
+34
+34
+34
+36
+48
+31
+40
Grundschul‐ und
Oberschulstandorte
2017 ggü. 2007 (in %)
‐1,3 %
+4,9 +4,3
‐3,2
‐4,3
+1,3
‐1,3
‐3,8
‐1,4
‐5,2
‐0,9
‐1,6
‐1,1
‐6,4
Gymnasialstandorte
2017 ggü. 2007 (in %)
+17 %
+21
+37
+43
+17
/
/
+50
+11
+23
/
+8
‐10
+9
Förderschulstandorte
2016 ggü. 2000 (in %)
‐18 %
‐5
‐11
‐27
‐20
‐8
+14
‐42
‐31
‐13
‐25
‐29
‐24
‐7
Inklusionsanteil der
sonderpäd. Förderung
2016 ggü. 2005 (in %‐Pkt.)
+23 %‐Pkt.
+26
+16
+21
+31
+18
+32
+40
+28
+27
+16
+26
+13
+18
Personal an allgemein‐
bildenden Schulen
2017 ggü. 2007 (in %)
‐3 %
+21
+20
‐1
‐11
‐6
‐10
‐4
‐9
‐7
‐13
‐10
‐19
‐11
Übergangsquote ins
Gymnasium
2017 ggü. 2007 (in %‐Pkt.)
‐3,3 %‐Pkt.
‐2,6
‐3,4
‐7,4
‐5,8
‐4,4
‐6,0
‐1,1
‐5,4
‐1,9
‐5,9
‐3,8
‐3,4
‐6,7
Abgängeranteil ohne
Hauptschulabschluss
2017 ggü. 2007 (in %‐Pkt.)
‐0,3 %‐Pkt.
‐1,9
‐0,6
+4,4
‐0,1
+1,5
‐1,7
‐2,3
‐0,7
‐0,6
‐1,4
0,0
‐0,1
+1,5
Absolventenanteil mit
allg. Hochschulreife
2017 ggü. 2007 (in %‐Pkt.)
+1,9 %‐Pkt.
+2,2 +6,2 +1,0
‐0,6
‐1,3
+2,6 +1,4 +0,7 +0,9 +2,4 +2,2
‐0,3
‐1,4
Positivste Abweichung vom Durchschnitt (Günstigster Wert aller Kreise)
*
Mittelwert Sachsen
Negativste Abweichung vom Durchschnitt (Ungünstigster Wert aller Kreise)

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35
Ein systematischer Zusammenhang, wonach sich prosperierende Kreise auch im Bildungsbereich
durchgängig besser entwickeln würden als Kreise mit Schrumpfungstendenz, zeigt sich aktuell also nicht.
Dies spricht auch dafür, dass von den kommunalen Entscheidungsträgerinnen
und ‐trägern auf die
teilweise ähnlichen demografischen und wirtschaftlichen Ausgangslagen durchaus unterschiedlich
reagiert wurde. So lassen sich – auch
innerhalb der wachsenden oder schrumpfenden Kreistypen – eine
Reihe von regionalen Besonderheiten erkennen. Auf einige dieser Aspekte soll im Folgenden eingegangen
werden.
Wie schon für die einzelnen Trends in den gesonderten Regionaldarstellungen aufgezeigt wurde (vgl.
Abschnitt 1 bis 4), fallen auch in der Gesamtschau der verschiedenen Aspekte früher und schulischer
Bildung zunächst die Ballungszentren Leipzig und Dresden ins Auge. Nicht nur bei der Entwicklung der
Teilnehmerzahlen und des Personalbestands schneiden beide Städte überdurchschnittlich gut ab, sondern
auch bezüglich der Bildungserfolge (z. B. Gymnasialübergänge oder Abgänge ohne Schulabschluss)
verzeichnen Leipzig und Dresden im Zeitverlauf eine bessere Entwicklung als die meisten anderen
Regionen
Sachsens. Dies gilt nicht für Chemnitz als weitere kreisfreie Stadt mit Wachstumstrend. Hier
findet sich sachsenweit der geringste Ausbaugrad früher Bildungsangebote, der größte Rückgang der
Übergangsquote ans Gymnasium (trotz überdurchschnittlichem Ausbau der Gymnasialstandorte) und
auch die deutlichste Verschlechterung des Anteils an Schulabgängen ohne Abschluss. So gingen in
Chemnitz mit 13
% aller Schulabgänge und ‐abschlüsse 2016 mehr Jugendliche als in allen anderen
Regionen von der Schule ab, ohne zumindest den Hauptschulabschluss erreicht zu haben. Man wird dies
zwar auch auf die wachsende Heterogenität der Schülerschaft zurückführen dürfen, allerdings gilt dies in
gleichem Maße auch für Dresden und Leipzig. Da deren Trendentwicklung
in eine positive Richtung weist,
bleibt die Diskrepanz zwischen den kreisfreien Städten erklärungsbedürftig. Hier bedarf es vertiefender
Analysen.
Zwischen den (schrumpfenden) Landkreisen sind die Unterschiede ebenso groß. Dabei sticht
insbesondere der Landkreis Leipzig positiv hervor: Hier wurden die Gymnasien am stärksten ausgebaut
und das Förderschulangebot im Einklang mit der UN‐Konvention
weiter abgebaut als in allen anderen
Regionen Sachsens. Zugleich gingen die Gymnasialübergänge kaum zurück und die Abgänge ohne
Schulabschluss wurden am deutlichsten reduziert. Damit hat das Bildungswesen im Leipziger Land eine
vergleichbar positive Entwicklung erfahren wie in Dresden oder Leipzig.
Demgegenüber stehen vor allem die Kreise mit überdurchschnittlich stark schrumpfender Demografie und
Wirtschaft vor großen Herausforderungen, denn hier fällt die Bilanz über das letzte Jahrzehnt und über
nahezu alle Indikatoren hinweg negativ bzw. unterdurchschnittlich aus. Besonders in den Landkreisen
Görlitz und Mittelsachsen zeichnet sich ein Negativtrend ab, etwa bei der Anzahl von Grund‐, Oberschulen
oder Gymnasien sowie beim Lehrkräftebestand,
bei der Gymnasial‐ und Abiturientenquote und den
Abgängen ohne Schulabschluss. Hier wird es in den kommenden Jahren darauf ankommen, trotz
rückläufiger Bevölkerungs‐ sowie rezessiver Arbeitsmarktentwicklung eine Mindestversorgung in der
schulischen Infrastruktur aufrechtzuerhalten, Personalkapazitäten in früher und schulischer Bildung zu
sichern oder auszubauen, und zugleich die Qualitätssicherung in den Einrichtungen vor Ort
zu stärken,
z. B. durch geeignete Unterstützungssysteme.

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36
Zentrale Befunde
ZUSAMMENFASSUNG ZENTRALER BEFUNDE
Der vorliegende Bericht bilanzierte Stand und Entwicklung des Bildungswesens in Sachsen auf Basis
ausgewählter Indikatoren des Nationalen Bildungsberichts 2018. Er orientierte sich an fünf
übergreifenden Trends und Problemlagen, die die Autorengruppe Bildungsberichterstattung für das
deutsche Bildungswesen als Ganzes identifiziert hat und ermöglicht damit eine Verortung des Freistaates
sowie seiner Stadt‐ und
Landkreise im Spiegel der wichtigsten Entwicklungstrends. In der abschließenden
Zusammenfassung werden die Ergebnisse entlang der fünf Trends resümiert, um besondere
Auffälligkeiten herauszuarbeiten und so Hinweise auf bildungspolitische Handlungsfelder oder
Forschungsbedarfe zu geben.
Angesichts steigender Teilnehmerzahlen anhaltend hohe Personalbedarfe
Wie
auch
die
übrigen
Länder
ist
Sachsen
mit
einer
wachsenden
Zahl
an
Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmern konfrontiert. Die Hintergründe dieser
bundesweiten, weiter anhaltenden Expansion liegen einerseits in den steigenden
Geburten‐ und Zuwanderungszahlen, von denen vor allem die Ballungszentren betroffen
sind. Steigende Teilnehmerzahlen ergeben sich andererseits aber auch aus einem
veränderten Bildungsverhalten. So
nutzen auch in Sachsen immer mehr Kinder immer
früher Angebote der Kindertagesbetreuung und nehmen schulische Ganztagsangebote
vermehrt in Anspruch. Dies ist nicht nur einer steigenden Erwerbstätigenquote
(insbesondere von Frauen) zuzuschreiben, sondern auch einer stärkeren Akzentuierung der
ersten Lebensjahre als Bildungszeit.
Die mit dem Ausbau einhergehende Erhöhung der Betreuungsquoten übersteigt in
Sachsen
sowohl bei den unter 3‐Jährigen als auch bei den 3‐ bis 6‐Jährigen die Steigerungsraten der
meisten anderen ostdeutschen Länder. Zwar deuten die Betreuungsschlüssel (Kinder pro
Fachkraft)
darauf
hin,
dass
auch
die
Personalsituation
mit
der
gestiegenen
Inanspruchnahme
Schritt
gehalten
hat.
Hinter
den
fachlich
empfohlenen
Personalschlüsseln bleibt Sachsen aber –
auch im Ländervergleich – nach wie vor zurück.
Auch im Schulwesen stiegen die Teilnehmerzahlen, nachdem die Anzahl der Schülerinnen
und Schüler lange Zeit rückläufig war. Verdoppelt hat sich dabei im letzten Jahrzehnt die
Anzahl der Privatschülerinnen und ‐schüler, während die öffentlichen Schulen seit 2007 in
vielen Kreisen sogar sinkende Schülerzahlen
verzeichnen. Bemerkenswert ist, dass sich im
selben Zeitraum die Zahl der Schulen nicht analog zur Gesamtschülerzahl erhöht hat. Es
werden also mehr Kinder und Jugendliche in weniger Schulen beschult – vor allem im
Primarbereich. Auch der Personalbestand ist in Sachsen trotz steigender Schülerzahlen
leicht zurückgegangen. Während in den Städten Leipzig und
Dresden sogar ein spürbarer
Personalaufwuchs stattgefunden hat, ist die Lehrkräfteversorgung vor allem in den

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37
ländlichen Kreisen ungünstiger als noch vor 10 Jahren. Wie angespannt die
Personalsituation
ist,
verdeutlicht
nicht
zuletzt
ein
steigender
Anteil
an
Seiteneinsteigerinnen und ‐einsteigern in den Schuldienst, der in Sachsen mit 35 % aller
Neueinstellungen im Jahr 2016 bundesweit am höchsten ausfiel. Zudem sind 59 % aller
Lehrkräfte 50 Jahre alt oder
älter, sodass allein der Ersatzbedarf altersbedingt
ausscheidender Lehrkräfte mittelfristig die Personalrekrutierung zu einer zentralen
Herausforderung macht.
Bildungsstand auf hohem Niveau, bleibt im Trend aber hinter anderen Ländern zurück
Soweit sich Bildungsbeteiligung und Bildungsstand anhand zentraler Kennziffern des
sächsischen Schulwesens beschreiben lassen, ist der Trend zu höherer Bildung hier
schwächer ausgeprägt als in vielen anderen Bundesländern. Zum einen ist nach wie vor der
Anteil an Jugendlichen, die ohne Hauptschulabschluss die Schule verlassen, höher als im
Bundesdurchschnitt und weniger stark zurückgegangen.
Zum anderen steigt die
Absolventenquote mit allgemeiner Hochschulreife weniger deutlich und bleibt wiederum
hinter dem Bundeswert zurück.
Sachsen verfolgt allerdings mit der im Ländervergleich relativ strikten Zweigliedrigkeit des
Schulsystems
das
Ziel,
die
Oberschule
und
die
anschließenden
beruflichen
Qualifizierungswege zu stärken. Tatsächlich hat nach der Grundschulzeit die Oberschule an
Gewicht
gewonnen,
während
in
fast
allen
anderen
Ländern
der
Trend
zur
Gymnasiallaufbahn weiter anhält. Die Absolventenquote mit mittlerem Abschluss ist
dementsprechend in Sachsen besonders hoch, der Großteil dieser Jugendlichen mündet
anschließend in eine berufliche Ausbildung ein, zwar mit rückläufigen Anteilen aber nach
wie vor häufiger als im Bundesmittel. Gestiegen ist demgegenüber der Anteil
an
Jugendlichen, die nach dem mittleren Abschluss Bildungsgänge zum Erwerb einer (Fach‐)
Hochschulreife
besuchen,
wenngleich
die
Absolventenzahlen
mit
Hochschulzugangsberechtigung noch hinter den Quoten anderer Länder zurückbleiben.
Insgesamt
ist
nicht
zuletzt
auch
aufgrund
der
großen
Dominanz
beruflicher
Ausbildungswege in Sachsen der Bildungsstand der 25‐ bis unter 35‐Jährigen höher als
in
allen anderen Bundesländern. Nirgends erreichen mehr Erwachsene bis zu diesem Alter
einen Bildungsstand auf Niveau des Sekundarbereichs II.
Vergleichsweise geringe Leistungsdisparitäten bei insgesamt hohem Kompetenzniveau
Anders als für das Bundesgebiet insgesamt deuten vorliegende Schulleistungsstudien
darauf hin, dass die Schere zwischen leistungsstarken und leistungsschwächeren
Schülerinnen und Schülern in Sachsen nicht weiter auseinander gegangen ist. Sowohl im
Primar‐ als auch im Sekundarbereich erreichen die sächsischen Kinder und Jugendlichen

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38
Zentrale Befunde
höhere Kompetenzen als in den meisten anderen Ländern. Eine überdurchschnittlich große
Gruppe sehr leistungsstarker Schülerinnen und Schüler, die den Regelstandard übertreffen,
steht dabei einer vergleichsweise kleinen Gruppe Leistungsschwacher gegenüber, die
unterhalb des Mindeststandards bleiben.
In der Tendenz hat sich im Primarbereich allerdings der überdurchschnittliche Schüleranteil
mit Spitzenleistungen leicht reduziert. Gemessen an
den hohen Schülerleistungen in
nahezu allen Kompetenzbereichen gehen in Sachsen generell vergleichsweise wenige
Kinder nach der Grundschule auf das Gymnasium. Das Leistungsniveau ist daher auch an
den Oberschulen entsprechend hoch, was für die bildungspolitischen Bemühungen zur
Stärkung dieser Schulart (und anschließender beruflicher Qualifizierung) spricht.
Da der Anteil der Jugendlichen mit
besonders geringen Kompetenzen in Jahrgangsstufe 9
seit 2009 sogar substanziell reduziert worden ist, haben sich im Sekundarbereich I die
Leistungsdisparitäten verringert. Eine auffällige Besonderheit zeigt sich im Ländervergleich:
Sachsen ist das Land mit dem geringsten Anteil kompetenzschwacher Leserinnen und Leser
in Jahrgangstufe 9, hat aber überdurchschnittliche Abgängerquoten ohne Abschluss. In den
meisten Ländern verlassen deutlich weniger Schülerinnen und Schüler die Schule, ohne
mindestens den Hauptschulabschluss erreicht zu haben, obwohl dort weit mehr
Neuntklässlerinnen und Neuntklässler im Lesen nicht den Mindeststandard für den
Hauptschulabschluss erreichen. Die Sicherung von Mindeststandards gelingt demzufolge in
Sachsen besser als in anderen Ländern, ohne dass sich dies
im formalen Bildungsabschluss
vieler Jugendlicher niederschlägt. Hier sollten vertiefende Untersuchungen unternommen
werden, die insbesondere die erreichten Kompetenzen und Zertifikate von Jugendlichen
mit Förderbedarf in den Blick nehmen. Deren Möglichkeiten, einen regulären
Schulabschluss zu erwerben, scheinen in manchen Förderschwerpunkten begrenzt,
wenngleich die Standards für den Hauptschulabschluss erreicht werden könnten.
Zunehmend heterogene Ausgangslagen der Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmer
Die Heterogenität der Lernausgangslagen hat deutlich zugenommen. Mit Blick auf die
angesprochenen Zuwanderungszahlen, die insbesondere 2014 und 2015 in allen Ländern
verzeichnet wurden, stieg in Sachsen der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund
sowohl in der Kindertagesbetreuung als auch im Schulwesen, vor allem in den städtischen
Zentren. Für die einzelnen Einrichtungen mag
dieser Anstieg spürbare Veränderungen mit
sich bringen, im Ländervergleich bleiben diese Migrationsanteile allerdings weiter deutlich
unter dem Durchschnitt.
Neben der größeren sprachlichen und kulturellen Vielfalt infolge von Migrationsprozessen
führen auch die Inklusionsbestrebungen dazu, dass die individuellen Ausgangslagen der
Bildungsteilnehmerinnen und ‐teilnehmer unterschiedlicher werden. Im letzten Jahrzehnt
wurde die inklusionsorientierte sonderpädagogische
Förderung in Regelschulen deutlich

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39
ausgebaut,
so
dass
heute
mehr
Kinder
und
Jugendliche
mit
Lern‐
und
Entwicklungsbeeinträchtigungen gemeinsam mit Gleichaltrigen ohne Behinderungen die
Schule besuchen. Dies ging allerdings in Sachsen nicht mit einem Abbau des
Förderschulbesuchs einher. Obwohl heute in fast allen Kreisen weniger eigenständige
Förderschulen angeboten werden als im Jahr 2000, besuchen sogar mehr Kinder
und
Jugendliche eine Förderschule. Zeitgleich stieg der Anteil inklusiv beschulter Kinder und
Jugendlicher in Regelschulen, wobei bislang unklar bleibt, ob es sich eher um die
punktuelle Aufnahme einzelner Schüler in wenige Klassen oder um eine quantitativ für
viele Klassen bedeutsame Zunahme der Heterogenität handelt. Forschungsbedarf besteht
insbesondere hinsichtlich der Frage,
wie sich in Abhängigkeit wohnortnaher Angebote
Schülerinnen und Schüler mit ihren jeweiligen Förderschwerpunkten auf die verschiedenen
Einrichtungen und Klassen verteilen und welche Rolle dabei Pendlerbewegungen (auch
über Kreisgrenzen) spielen.
Und schließlich verweisen Sonderauswertungen der IQB‐Bildungstrends darauf, dass auch
die soziale und leistungsbezogene Zusammensetzung der Schülerschaft zwischen den
einzelnen Schulen stark
variieren kann. Für Sachsen zeigt sich wie in den anderen Ländern,
dass die Gymnasien mit einer deutlich privilegierteren Schülerzusammensetzung arbeiten
als an den nichtgymnasialen Schularten, hier der Oberschule. Gemessen an der Kumulation
problematischer Ausgangslagen an vielen Hauptschulen oder Gesamtschulen in anderen
Bundesländern finden in Sachsen aber auch die Oberschulen im
Ländervergleich eher
günstige und ausgeglichene Ausgangslagen vor. Die Segregationstendenzen sind also eher
gering, d. h. Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund, geringen Kompetenzen,
niedrigem Sozialstatus oder Bildungshintergrund der Eltern konzentrieren sich weniger an
einzelnen Schulstandorten als es in anderen Ländern der Fall ist.
Unterschiedliche Entwicklungsperspektiven der regionalen Bildungslandschaften
Das Bildungswesen entwickelt sich in den einzelnen Regionen des Freistaates sehr
unterschiedlich. In der Gesamttendenz lässt sich ein zunehmendes Stadt‐Land‐Gefälle
konstatieren, wenngleich weder alle Ballungszentren noch alle dünn besiedelten Gebiete
eine gleichförmige Entwicklung vollziehen. Dresden und Leipzig sind sowohl in
sozioökonomischer Hinsicht als auch mit Blick auf das Bildungswesen
als Zentren mit
überdurchschnittlich positiver Entwicklung hervorzuheben, während in Chemnitz die
Problemlagen bei einer Vielzahl der beobachteten Indikatoren zugenommen haben. Im
ländlichen Raum gibt es zwar prosperierende Mittel‐ und Kleinstädte, insgesamt aber sind
alle Landkreise in Sachsen von einer rückläufigen demografischen und wirtschaftlichen
Entwicklung gekennzeichnet. Dies hat sich allerdings bislang
nicht durchgehend negativ auf
das Bildungswesen ausgewirkt. Der Landkreis Leipzig verzeichnet beispielsweise eine
ausgesprochen positive Entwicklung der Bildungsangebote, ‐beteiligung und ‐ergebnisse. In

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40
Zentrale Befunde
Görlitz
oder
Mittelsachsen
wiederum,
Landkreisen
mit
überdurchschnittlicher
Schrumpfung der Bevölkerungs‐ und Wirtschaftsstruktur, spiegelt sich ein solcher Trend
auch in fast allen hier beobachteten Bereichen früher und schulischer Bildung wider.
Will man den im Ländervergleich sehr guten Status‐Quo in vielen Bereichen des
sächsischen Bildungssystems in den kommenden Jahren aufrechthalten und Fortschritte
erzielen, gilt es daher einerseits, in den Städten für eine wachsende Anzahl an Kindern und
Jugendlichen mit immer unterschiedlicheren Lernausgangslagen qualitativ hochwertige,
passgenaue Bildungsangebote vorzuhalten. Andererseits sollte mit Blick auf die
Gleichwertigkeit der Lebens‐ und Entwicklungschancen der Kinder und Jugendlichen
verstärktes Augenmerk auf die frühkindliche und schulische Daseinsvorsorge in
strukturschwachen
Regionen gerichtet werden. Will man (weitere) Schrumpfungs‐ bzw.
Abwanderungstendenzen
vermeiden,
ist
einer
zunehmenden
Ausdünnung
der
Bildungsinfrastruktur im ländlichen Raum entgegenzuwirken oder auf anderem Wege die
Zugänglichkeit und Qualitätssicherung früher und schulischer Bildung sicherzustellen.

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41
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abb. 1:
Überblick der bildungsbereichsübergreifenden Trends auf gesamtdeutscher Ebene
S. 2
Abb. 1.1:
Entwicklung ausgewählter Rahmenbedingungen von Bildung in Sachsen und
Deutschland
S. 4
Abb. 1.2:
Geburtenentwicklung in den kreisfreien Städten und Landkreisen Sachsens 1990,
2000, 2005, 2008 und 2016 (Anzahl der Lebendgeborenen)
S. 5
Abb. 1.3:
Wanderungssaldo der Zuzüge und der Fortzüge (über die Kreisgrenzen) 2014 bis
2016 nach Ausländerstatus (Anzahl)
S. 6
Abb. 1.4:
Kindertageseinrichtungen 2007 und 2017 (Anzahl) und Entwicklung der Anzahl
genehmigter Plätze (Veränderung in %) nach Kreisen
S. 7
Abb. 1.5:
Betreuungsquote der unter 3‐Jährigen in Tageseinrichtungen und ‐pflege 2006 und
2016 nach Kreisen (in % der gleichaltrigen Bevölkerung)
S. 8
Abb. 1.6:
Personalschlüssel in Kindertageseinrichtungen 2017 in Deutschland und Sachsen
nach Gruppenformen (Ganztagsinanspruchnahme‐ je
Vollzeitbeschäftigungsäquivalent; Median)
S. 9
Abb. 1.7:
Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien im Jahr 2017/18 sowie Veränderung
gegenüber 2007/08 nach Kreisen (Anzahl)
S. 10
Abb. 1.8:
Schülerinnen und Schüler an Grundschulen, Oberschulen und Gymnasien 2017/18
(Anzahl) sowie Veränderung gegenüber 2007/08 (in %) nach Kreisen
S. 10
Abb. 1.9:
Ausgewählte Aspekte ganztägiger Bildung und Betreuung im Schulalter für Sachsen
und Deutschland
S. 11
Abb. 1.10: Entwicklung des Lehrkräftebestands der allgemeinbildenden Schulen in Sachsen
2007 bis 2017 nach Kreisen (Veränderung in %)
S. 12
Abb. 1.11: Über 50‐jährige Lehrkräfte sowie Seiteneinsteigerinnen und ‐einsteiger in den
Schuldienst 2006, 2011 und 2016 in Sachsen und Deutschland (in %)
S. 13
Abb. 2.1:
Gymnasialbeteiligung in Sachsen 2007 und 2017 nach Kreisen (in % aller
Fünftklässlerinnen und ‐klässler, die zuvor die Grundschule besucht haben)
S. 15
Abb. 2.2:
Absolventinnen und Absolventen/Abgängerinnen und Abgänger 2006 und 2016
nach allgemeinbildenden und beruflichen Schulen (in % der gleichaltrigen
Wohnbevölkerung)
S. 16
Abb. 2.3:
Verteilung der sächsischen Anfängerinnen und Anfängern im Ausbildungsgeschehen
auf die Sektoren 2011 und 2016 nach schulischer Vorbildung (in %)
S. 17
Abb. 2.4:
Anteil der 25‐ bis unter 35‐Jährigen, die mindestens einen Abschluss des Sekundar‐
bereichs II erreicht haben, 2007 und 2017 nach Ländern (in %)
S. 17
Abb. 2.5:
Regionale Abschlusskonstellationen der allgemeinbildenden Schulen in Sachsen
2016 nach Kreisen und Abschlussarten (in % aller Abgängerinnen und
Abgänger/Absolventinnen und Absolventen) und ausgewählte Veränderungen
gegenüber 2006 (in Prozentpunkten)
S. 18
Abb. 3.1:
Verteilung der Schülerinnen und Schüler in Jg. 4 auf die Kompetenzstufen 2011 und
2016 in Sachsen und Deutschland nach Fächern (in %)
S. 19

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42
Abbildungsverzeichnis
Abb. 3.2: Schüleranteil in Jg. 4 in Sachsen und Deutschland, deren Leistungen 2016 den
Regelstandard übertreffen (Kompetenzstufe IV und V), nach Kompetenzbereichen
(in %; Veränderung gegenüber 2011 in Prozentpunkten)
S. 20
Abb. 3.3: Schüleranteil in Jg. 9 in Sachsen und Deutschland, die 2009 und 2015 im Leseverstehen
der Fächer Deutsch und Englisch den Mindeststandard für den mittleren
Schulabschluss nicht erreicht bzw. den Optimalstandard erreicht haben (in % aller
Schülerinnen und Schüler; ohne sonderpädagogische Förderung)
S. 22
Abb. 3.4: Schulabgänge ohne Hauptschulabschluss und Schülerinnen und Schüler, die in Jg. 9
den Mindeststandard für den Hauptschulabschluss (Lesen) nicht erreichen, im Jahr
2015 nach Ländern (in %; mit sonderpädagogischer Förderung)
S. 23
Abb. 4.1: Anteil der Kinder in Kindertagesbetreuung, die mindestens ein im Ausland geborenes
Elternteil haben, in Deutschland und Sachsen 2012 und 2017 sowie nach Kreisen 2017
(in % aller gleichaltrigen Kinder in Tageseinrichtungen oder ‐pflege)
S. 25
Abb. 4.2: Schüleranteil mit Migrationshintergrund 2016/17 nach allgemeinbildenden Schularten
und Kreisen in Sachsen (in %)
S. 26
Abb. 4.3: Sonderpädagogische Förderung in Deutschland und Sachsen 2000/01 und 2016/17
nach Förderort (in % aller Schülerinnen und Schüler im Alter der Vollzeitschulpflicht)
S. 27
Abb. 4.4: Anzahl der Förderschulen und Anteil der sonstigen allgemeinbildenden Schulen, die
Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung unterrichten, 2016/17
nach Kreisen in Sachsen
S. 28
Abb. 4.5: Schüleranteil mit sonderpädagogischer Förderung an allen Schülerinnen und Schülern
2016/17 und Inklusionsanteil 2005/06 gegenüber 2016/17 nach Kreisen in Sachsen
(in %)
S. 28
Abb. 4.6: Ausgewählte Merkmale der Schülerschaft in Jahrgangsstufe 9 an Schularten mit
mehreren Bildungsgängen und Gymnasien in Sachsen und Deutschland 2015
(Mittelwerte)
S. 30
Abb. 4.6: Verteilung der Schulen des Sekundarbereichs I im Jahr 2015 in Sachsen nach
Schularten und Kompositionsindex der Schülerschaft (Jg. 9) sowie niedrigste und
höchste Indexwerte für Gesamtdeutschland
S. 31
Abb. 5.1: Stadt‐ und Landkreise Sachsens nach ihrer sozioökonomischen Entwicklung 2010 bis
2015 gemäß BBSR‐Typisierung wachsender und schrumpfender Regionen
S. 33
Abb. 5.2: Regionalspezifische Entwicklung ausgewählter Bildungsaspekte als positive und
negative Abweichungen vom sächsischen Gesamttrend nach Kreisen
S. 34

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43
QUELLENVERZEICHNIS
Dieser Bericht basiert in weiten Teilen auf Sekundäranalysen des Nationalen Bildungsberichts 2018:
Autorengruppe
Bildungsberichterstattung
(2018):
Bildung
in
Deutschland
2018.
Ein
indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Wirkungen und Erträgen von Bildung.
Bielefeld: W.
Bertelsmann.
Auf der Homepage
www.bildungsbericht.de
sind sämtliche Tabellen der Nationalen Bildungsberichte als
elektronische Datenblätter abrufbar.
Darüber hinaus greift
der Bericht auf ergänzende Veröffentlichungen und Datenquellen zurück:
Bock‐Famulla, K., Strunz, E., Löhle, A. (2017):
Länderreport Frühkindliche Bildungssysteme 2017
.
Gütersloh: Bertelsmann Stiftung.
Sekretariat der Kultusministerkonferenz (2018):
Datensammlung Allgemeinbildende Schulen in
Ganztagsform in den Ländern in der Bundesrepublik Deutschland 2012 – 2016
. Berlin: KMK.
Sekretariat der Kultusministerkonferenz (2018):
Schüler,
Klassen, Lehrer und Absolventen der Schulen
2007 bis 2016
. Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz. Dokumentation Nr. 215.
Berlin: KMK.
Sekretariat der Kultusministerkonferenz (2018):
Sonderpädagogische Förderung in allgemeinbildenden
Schulen 2007 – 2016
. Statistische Veröffentlichungen der Kultusministerkonferenz. Dokumentation
Nr. 214. Berlin: KMK.
Stanat, P., Schipolowski, S., Rjosk, C., Weirich, S., Haag, N. (Hrsg.)
(2017):
IQB‐Bildungstrend 2016.
Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im zweiten
Ländervergleich
. Münster/New York: Waxmann.
Stanat, P., Böhme, K., Schipolowski, S., Haag, N. (Hrsg.) (2016):
IQB‐Bildungstrend 2015. Sprachliche
Kompetenzen am Ende der 9. Jahrgangsstufe im
zweiten Ländervergleich. Zusätzlicher
Ergebnisbericht für Sachsen
.
Berlin: IQB.
Statistisches Bundesamt (2017):
Bildung und Kultur – Allgemeinbildende Schulen
. Fachserie 11, Reihe 1.
Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.
Statistisches Bundesamt (2017):
Bildung und Kultur – Berufliche Schulen
. Fachserie 11, Reihe 2.
Wiesbaden: Statistisches Bundesamt.
Statistisches Bundesamt (2017):
Bildung und Kultur – Private Schulen
. Fachserie 11, Reihe 1.1.
Wiesbaden: Statistisches
Bundesamt.
Statistische Ämter des Bundes und der Länder:
Kommunale Bildungsdatenbank
. Düsseldorf: Statistische
Ämter des Bundes und der Länder. (
https://www.bildungsmonitoring.de
)
Statistisches
Bundesamt:
GENESIS‐Online
Datenbank
.
Wiesbaden:
Statistisches
Bundesamt.
(
https://www‐genesis.destatis.de/genesis/online
)
Statistische Ämter des Bundes und der Länder (2018):
Kindertagesbetreuung regional 2017
. Wiesbaden:
Statistisches Bundesamt.

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