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Abb.: Rosenkohl im September
Bild: LATTAUSCHKE G., LfULG
Abteilung Gartenbau, Gartenakademie
Söbrigener Str. 3a, 01326 Pillnitz
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/gartenakademie
Autor:
Dr. Gerald Lattauschke
aktualisierte Auflage von Thomas Rettschlag
E-Mail:
gartenakademie@smul.sachsen.de
Gartentelefon:
Donnerstag 14-17 Uhr, 0351 2612-8080; Fax: 0351 2612-8099
Redaktionsschluss:
17.02.2016
Anbau von Rosenkohl im Haus- und Kleingarten
Erntefrische Vitamine für den Winter
Bedeutung
Der Rosenkohl (wissenschaftlicher Name:
Brassica oleracea
var.
gemmifera
) ist ein traditionelles und beliebtes Frischgemüse für die
Ernte im Spätherbst und Winter. Im ersten Standjahr kann er eine Höhe
von 60-100 cm erreichen. Als Gemüse werden die in den Blattachseln
gebildeten Achselknospen (Röschen) genutzt.
Rosenkohl zeichnet sich durch einen hohen gesundheitlichen Wert und
seinen fein-herben bis zuweilen leicht nussig-süßen Geschmack aus.
Besonders hervorzuheben ist der sehr hohe Vitamin-C-Gehalt. Weitere
bedeutsame Inhaltsstoffe sind neben einem beachtlichen Gehalt an
Zitronensäure, noch Kalium und Eisen. Sortenabhängig verträgt Ro-
senkohl kurzzeitig mittlere Fröste. Ähnlich wie beim Grünkohl steigt
durch die Frosteinwirkung die Menge an Disacchariden an, was als
direkte Geschmacksverbesserung wahrzunehmen ist.
Standort
Am besten geeignet sind tiefgründige, nährstoffreiche Böden (Lehm- und Lößstandorte) mit einem
guten Wasserhaltevermögen und einer stabilen Bodenstruktur. Hier erzielt Rosenkohl die höchsten
Erträge. Leichtere Böden eignen sich aber ebenfalls, sofern sie durch hohe Humusgaben verbessert
wurden. Ein hoher Humusgehalt und Grundwasserstand sind prinzipiell von Vorteil. Die Bodenreaktion
sollte im neutralen bis leicht basischen Bereich (pH-Wert 6,8-7,5) liegen.
An das Klima stellt Rosenkohl keine besonderen Anforderungen. Obwohl maritimes Klima mit mildem
Herbst und Winter deutlich bessere Erträge hervorbringt, ist er überall problemlos zu kultivieren. Ver-
gleichsweise niedrige Temperaturen verträgt Rosenkohl gut, trotzdem können Kahlfröste zu Schädi-
gungen der Röschen führen. Meist sind dann im Inneren der Knospen braune Gewebeverfärbungen
nachzuweisen. Die Röschen sind dann als Gemüse nicht mehr zu verwenden. Ebenfalls empfindlich
reagiert die Pflanze auf Wassermangel. Beste Erträge lassen sich naturgemäß in Gebieten mit hohen
Niederschlägen erzielen.

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Abb.: Rosenkohl im Juni
Bild: LATTAUSCHKE G., LfULG
Sorten
Das Rosenkohlsortiment für den Freizeitgartenbereich besteht aus samenechten Sorten sowie aus
Hybridsorten. Durch dieses vielfältige Spektrum erhöht sich das Angebot an sorteneigenen Qualitäts-
merkmalen. So verfügen z.B. ´Crispus F
1
` und ´Cronus F
1
` über eine Resistenz gegenüber der Kohl-
hernie. Die alte Sorte ´Hilds Ideal` liefert eine Ernte im Umfang von 0,5-1,0 kg/Pflanze und Sorten mit
rötlicher Ausfärbung wie ´Falstaff` bereichern die visuelle Abwechslung.
Bei der Sortenauswahl ist es besonders wichtig, eine Sorte mit einer für den geplanten Erntezeitraum
geeigneten Entwicklungsdauer auszuwählen. Im Sortiment werden derzeit Sorten aller Reifegruppen
angeboten, d. h. für einen Erntezeitraum von September bis Ende Februar. Schwerpunktmäßig sollte
allerdings auf Sorten für die Ernteperiode ab Ende Oktober zurückgegriffen werden.
Beispiele für Rosenkohlsorten für den Anbau im Haus- u. Kleingarten
Typ
Sorte
Früh
Crispus F
1
, Diablo F
1
, Maximus F
1
, Nautic F
1
, Rosella
Mittelspät
Cronus F
1
, Cyrus F
1
, Doric F
1
, Groninger, Hilds Ideal, Roodnerf
Spät
Falstaff (rot-violett), Genius F
1
, Mercurius F
1
, Revenge F
1
Die Jungpflanzen früher Sorten werden in der Zeit zwischen Anfang bis Mitte Mai gesetzt und im Sep-
tember und Oktober geerntet. Bei mittelspäten Sorten schließt sich die Pflanzung von Mitte bis Ende
Mai und die Ernte von Mitte Oktober bis in den Dezember an. Späte Sorten sind ab Ende Mai bis An-
fang Juni, für eine Ernte von Dezember bis Februar zu setzen.
Bei späten Pflanzterminen ab Ende Mai macht auf dem Gemüsebeet vorher noch eine Kultivierung
typischer Vorfrüchte wie Erbsen, Feldsalat, Frühkartoffeln, Kohlrabi, Kopfsalat, Porree, Radies, Rettich
und Spinat Sinn. Dadurch ist die Gartennutzung optimiert. Allerdings ist auf die erhöhte Inanspruch-
nahme der Bodennährstoffe zu achten. Bei früheren Pflanzungen steht Rosenkohl dagegen als
Hauptkultur. In der Fruchtfolgegestaltung ist zu beachten, dass vor Rosenkohl 3 bis 4 Jahre keine
Kohlgewächse angebaut wurden.
Anbau
Rosenkohl wurzelt bis zu 90 cm tief und ist in der Kultur-
führung weniger anspruchsvoll als z.B. Blumenkohl. Ein
Einsatz von Mineraldünger kann unterbleiben, wenn der
Boden im Herbst durch Einarbeiten von Kompost
und/oder weiterem organischen Düngematerial ausgie-
big vorbereitet wird. Neben Phosphor und Kalium ist die
Stickstoffversorgung maßgebend. Zu intensiver Stick-
stoffeinsatz wirkt sich aber wiederum negativ auf die
Röschenbildung aus. So ist lediglich ein Eingrubbern
von etwas Hornmehl während der Kulturdauer bei hohen
Bodentemperaturen zu empfehlen.
Zum Kultivieren von Rosenkohl können Jungpflanzen
entweder im Frühbeet oder ab April im Freilandsaatbeet
selbst gezogen werden. Alternativ sind diese auch im 4er Erdpresstopf im Handel erhältlich. Die eige-
ne Anzucht beträgt ca. 5 Wochen. Zum Umpflanzen werden die Jungpflanzen ebenerdig in den Boden
(z.B. in ein abgeerntetes Beet aus Erbsen- und Kopfsalat) gesetzt, da Rosenkohl flach zu pflanzen ist.
Der optimale Abstand variiert von 50x50 cm bis 50x60 cm. Es stehen also 3 bis 4 Pflanzen/m². Gerin-
gere Abstände führen zu Qualitätsminderung bei der Röschenbildung.

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Abb.: Entwicklungsverlauf der Röschen zu erntereifen kleinen Kohlköpfen
Bilder: LATTAUSCHKE G., LfULG
Bis zum Bestandesschluss sind die Pflanzungen regelmäßig zu hacken und von Unkraut frei zu hal-
ten. Auf eine gleichmäßige und ausreichende Bewässerung ist vor allem in den Sommermonaten von
Anfang August bis Mitte September zu achten.
Um die Ausbildung der Röschen zu verbessern, können Pflanzen die für eine Ernte bis Mitte Novem-
ber vorgesehen sind, „geköpft" werden. Hierbei wird ab September und ca. 6 Wochen vor dem ge-
planten Erntetermin die Terminalknospe ausgebrochen. Ab der Dezemberernte ist vom „Köpfen“ aller-
dings abzuraten, da das Risiko für Frostschäden steigt und ein positiver Einfluss auf das Rosenwachs-
tum zu dieser Jahreszeit meist unterbleibt. Wer über längere Zeit kontinuierlich Rosenkohl ernten will,
sollte ebenfalls nicht „Köpfen“, weil die Erntereife in Folge dessen konzentriert auftritt.
Wie bei der Düngung sollten auch beim Pflanzenschutz naturnahe Maßnahmen zur Anwendung
kommen. Zum vorbeugenden Schutz gegen Vogelfraß und Schadinsekten sind die Pflanzungen mit
Insektenschutznetzen abzudecken. Die Netze verbleiben bis zur Ernte auf der Kultur. Somit werden
Schädlinge wie Kohlerdflöhe, Kohleule, Kohlfliege, Kohlmottenschildlaus, Kohlweißling, Mehliger
Kohlblattlaus, Rapsglanzkäfer sowie Rüsselkäfer abgehalten. Wird der Rosenkohl dennoch von den
Larven verschiedener Schmetterlingsarten oder auch von Blattläusen befallen, wirkt das Einsammeln
und Entfernen der Larven sowie von geschädigten Pflanzenteilen, den Schaden begrenzend. Im be-
sonderen Maße hat sich die Entwicklung von Artenvielfalt, durch eine abwechslungsreich gestaltete
Gartenstruktur, zur Förderung von natürlichen Gegenspielern bewährt.
In der Summe der Maßnahmen sollte ein Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel unterbleiben. Aus-
fälle durch Krankheiten sind noch durch einen Befall mit Kohlhernie möglich. Hier helfen aber sowohl
eine Anbaupause zu Kohlgewächsen über einen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren als auch ein Anbau ei-
ner resistenten Sorte sowie ein hoher pH-Wert (>7,0) des Bodens, der durch regelmäßiges Kalken
erreicht wird.
Ernte
Die Rosenkohlernte beginnt im September und kann sich bei günstigem Witterungsverlauf bis in den
März hineinziehen. Der Rosenkohl wird mehrmals durchgepflückt, wobei immer die größten Röschen
ausgebrochen werden. Bei schlechtem Wetter kann auch der gesamte Strunk abgeschnitten und im
Innenraum gepflückt werden. Durchfrorene Röschen sind nach dem Auftauen nicht mehr lange haltbar
und müssen umgehend verarbeitet werden.
Weiterführende Literatur für den Gartengebrauch
Eine Information der Pflanzenschutzdienste der Länder Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thürin-
gen [Hrsg.] (2014): Sachgerechter Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten. 4. Aufl., LfULG,
Dresden.
LABER, H. und G. LATTAUSCHKE [Hrsg.] (2014): Gemüsebau. 2. Aufl., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.