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Abb.: Blume vom Kopfbrokkoli
Bild: LATTAUSCHKE G., LfULG
Abteilung Gartenbau, Gartenakademie
Söbrigener Str. 3a, 01326 Pillnitz
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/gartenakademie
Autor:
Dr. Gerald Lattauschke
aktualisierte Auflage von Thomas Rettschlag
E-Mail:
gartenakademie@smul.sachsen.de
Gartentelefon:
Donnerstag 14-17 Uhr, 0351 2612-8080; Fax: 0351 2612-8099
Redaktionsschluss:
02.02.2016
Anbau von Brokkoli im Haus- und Kleingarten
Bedeutung
Der verbreitete Kopfbrokkoli kennzeichnet sich durch stark ausgeprägten Strunk und einer großen,
grün bis blaugrünen, festen Blume sowie eine nur noch geringe Seitentriebbildung. Er geht durch
Zuchtarbeit auf die ursprünglich mehrtriebige Pflanze, den Sprossenbrokkoli zurück. Dieser wird selte-
ner angebaut und bildet dabei vielzählige dünne Triebe mit kleinen violett gefärbten Blumen aus.
Der Brokkoli (wissenschaftlicher Name:
Brassica oleracea
var.
italica
PLENCK) ist ein naher Verwand-
ter des Blumenkohls und gehört somit ebenfalls zu den Kohlgewächsen. Er stammt ursprünglich aus
Süditalien und wurde von dort im 18. Jahrhundert u.a. nach Deutschland eingeführt. In Italien, Süd-
frankreich und den USA liegen die Hauptanbau-
gebiete dieses Kreuzblütlers. Der Anbauerfolg
im Haus- und Kleingarten ist recht günstig, da er
im Vergleich zum Blumenkohl sicherer zu kulti-
vieren ist.
Brokkoli enthält mehr Vitamine als Blumenkohl
und zeichnet sich durch einen hohen Gehalt an
den Mineralstoffen Kalium, Kalzium, Phosphor
und Eisen aus. Bedeutungsvoll ist er unter ande-
rem durch seinen Inhaltsstoff Sulforaphan, der
als vorbeugend gegen verschiedene Krebser-
krankungen beschrieben ist. Sulforaphan kommt
auch in anderen Kreuzblütlergewächsen (z.B.
sämtliche Kohlsorten) vor. Die Konzentration ist
beim Brokkoli jedoch am höchsten. Eine Steige-
rung der Aufnahmemenge kann durch den Ver-
zehr von Brokkolisprossen erzielt werden. Hier ist der Anteil des Wirkstoffes wiederum um ein Vielfa-
ches höher. Sulforaphan ist äußerst hitzeempfindlich, weswegen Brokkoli möglichst roh oder scho-
nend gedämpft verzehrt werden sollte.
Brokkoli findet in der Küche vielfältig Verwendung und eignet sich auch bevorzugt zum Einfrosten. Die
Sprossen können wie Kresse in der Wohnung gezogen werden.

Standort
Der Anbau der Kultur erfordert tiefgründige, nährstoffreiche Böden mit einem guten Wasserhaltever-
mögen und einer stabilen Bodenstruktur. Ein hoher Humusgehalt und Grundwasserstand sind vorteil-
haft. Die Bodenreaktion sollte im neutralen bis leicht basischen Bereich (pH-Wert 6,8-7,5) liegen. Ins-
gesamt ist Brokkoli etwas weniger anspruchsvoll gegenüber dem Boden als Blumenkohl.
Bei der Auswahl des optimalen Standortes muss zwischen Frühanbau einerseits sowie Sommer- oder
Herbstanbau andererseits unterschieden werden. Im Gegensatz zu Sommerbrokkoli benötigt früher
Brokkoli leicht erwärmbare und gut abtrocknende lehmige Sande oder sandige Lehme (leichte Bö-
den). Für spätere Pflanztermine sind Lehm- und Lößstandorte (schwere Böden) zu bevorzugen.
Auch an das Klima stellt Brokkoli nicht so hohe Anforderungen wie Blumenkohl. Insbesondere beim
Sommeranbau hat die Temperatur einen weitaus geringeren Einfluss auf die sichere Kopfbildung,
wodurch die Anbausicherheit in diesem Zeitraum bedeutend größer ist. Als besonders ertragreich ist
die Brokkolikultur im Frühjahr und Herbst einzustufen. Hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit gegen-
über Frösten lässt sich feststellen, dass Brokkoli meist leichte Früh- oder Spätfröste toleriert. Zur Ab-
schwächung negativer Auswirkungen von Frösten sollten gefährdete Pflanzen mit Gartenvlies abge-
deckt werden. Für einen erfolgreichen Herbstanbau ist mildes Spätherbstwetter unerlässlich.
Brokkoli eignet sich gut für einen Anbau in Mischkultur und verträgt sich dabei mit, Bohnen, Dill, Erb-
sen, Kartoffeln, Rettich, Rote Beete, Salat, Salbei, Sellerie und Tomaten.
Sorten
Der vertraute Kopfbrokkoli bildet auf fleischigen Strunk einen lockeren, grün bis blaugrünen, in Blüten-
knospen mündenden, bis ca. 500 g schweren Kopf. Der Sprossenbrokkoli dagegen einen „Strauß“ aus
mehreren Trieben mit violetten Köpfen. Bei den meisten Brokkolisorten handelt es sich um Hybriden.
Beispiele für Brokkolisorten für den Anbau im Haus- u. Kleingarten
Typ
Sorte
Frühanbau
Calabrese Natalino, Fellow F
1
, Ironman F
1
Sommer und Herbst
Marathon F
1
, Belstar F
1
, Monterey F
1
, Ironman F
1
, Santee F
1
(Sprossen-
Brokkoli)
Kohlhernieresistente Sorten befinden sich aktuell in Erprobung und Markteinführung. Im Allgemeinen
sind im Gartenfachhandel oder direkt bei einem Pflanzenzüchter starke Jungpflanzen mit hoher Er-
tragsleistung zu erhalten. Diese Sorten sind vom Handel bereits nach spezifischen Qualitätsmerkma-
len ausgewählt.
Anbau
Vor dem Anbau sollte der Boden durch Einarbeiten von Kompost und/oder weiterem organischen
Düngematerial im Herbst vorbereitet werden. Somit ist ein ausreichender Humusanteil für das folgen-
de Frühjahr gewährleistet. Der Bedarf an Grundnährstoffen (Stickstoff, Phosphor, Kalium) ist mit
„hoch“ einzustufen. Besonders wichtig ist die Stickstoffversorgung. In Abhängigkeit zum Stickstoffan-
gebot des Bodens sind bis zu 2 Gaben Stickstoffdünger zu verabreichen. Die 1. Gabe erfolgt zur
Pflanzung und die 2. Gabe als Kopfdüngung nach ca. 4 Wochen.
Die Kultur beginnt mit der Anzucht ab Februar im Gewächshaus. Zumindest für den Frühanbau sind
vorgezogene Jungpflanzen aus dem Handel zu empfehlen. Brokkoli kann ab Ende März direkt ins
Freiland gepflanzt werden. Für spätere Sätze (ab Mai) können Jungpflanzen im Frühbeetkasten oder
im Freiland selbst gezogen werden. Die Anzucht beträgt hier ca. 4 Wochen.
Jungpflanzen werden im Handel als 4er Erdpresstöpfe angeboten. Diese sind mit 1-2 cm Erdbede-
ckung in den Boden zu bringen, da Brokkoli etwas tiefer gepflanzt wird. Der optimale Pflanzabstand
beträgt 40x50 cm. Es stehen also 5 Pflanzen/m². Geringere Abstände führen zu erheblichen Quali-
tätsminderungen. Brokkoli benötigt ein offenes Umfeld und sollte auch regelmäßig gehackt werden.
Bei größeren Pflanzen ist ein leichtes Anhäufeln zweckmäßig. Besonders wichtig ist eine gleichmäßi-

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Abb.: Brokkoli unter Vlies; Geernteter Brokkoli
Bilder: LATTAUSCHKE G., LfULG
ge und ausreichende Wasserversorgung. Zur Pflanzung muss durchdringend gewässert werden, in
den folgenden 3 Wochen nur bei Trockenheit. Mit Einsetzen des starken vegetativen Wachstums sind
die Pflanzen immer gleichmäßig feucht zu halten. Auch während der Erntephase muss regelmäßig
gewässert werden.
Frühe Pflanzungen (bis Ende April) sollten mit Gartenvlies abgedeckt werden. Das Vlies verbleibt bis
ca. Mitte Mai auf den Pflanzen. Neben der Schutzwirkung gegen Frost, werden auch Schädlinge wie
Kohlfliege, Kohlerdflöhe und Rüsselkäfer abgehalten. Bei späteren Sätzen empfiehlt sich zur Schäd-
lingsabwehr das Auflegen von Insektenschutznetzen. Die Netze bleiben bis zur Ernte auf der Kultur.
Neben den genannten Schädlingen schützen die Netze zusätzlich vor Tauben sowie insbesondere vor
Kohlweißling, Kohleule, Mehliger Kohlblattlaus und Rapsglanzkäfer. Ein Einsatz chemischer Pflanzen-
schutzmittel kann somit unterbleiben. Gegen Kohlhernie helfen einzig ein regelmäßiger Fruchtwechsel
mit Anbaupausen von 4 Jahren zwischen Kohlgewächsen sowie ein hoher pH-Wert (>7,0) des Bo-
dens, der durch regelmäßiges Kalken erreicht wird.
Ernte
Die Hauptblumen werden, sobald sie ausgewachsen sind, mit einem Messer abgeschnitten. Auch die
dickfleischigen, zarten Stängel sowie zarte Blätter sind zu verwenden. Die Erntereife wird je nach Jah-
reszeit in 6-8 Wochen nach dem Pflanzen erreicht. Da das Blumenwachstum ab einem bestimmten
Zeitpunkt sehr schnell vonstattengeht, sind die Pflanzen möglichst täglich auf Erntereife zu kontrollie-
ren. Das Mindestgewicht der Hauptblume sollte bei ca. 300 g liegen. Bei ausreichender Düngung und
guter Wasserversorgung sind allerdings auch Blumengewichte von über 500 g erreichbar. Beim
Sprossenbrokkoli wird eine größere Anzahl der kleineren Blumen an den verschiedenen Trieben ge-
erntet. Bei zu hohen Temperaturen im Sommer ist eine zügige Ernte anzuraten, da die Blütenknospen
jetzt sehr schnell aufblühen. Die geschnittenen Blumen sollten umgehend verarbeitet oder eingefrostet
werden. Sie sind selbst im Kühlschrank nur sehr begrenzt lagerfähig und blühen dort bei Temperatu-
ren um 6-8 °C noch auf.
Weiterführende Literatur für den Gartengebrauch
BÖHMIG, F. [Hrsg.] (1995): Rat für jeden Gartentag. 24. Aufl., Neumann Verlag, Radebeul.
Eine Information der Pflanzenschutzdienste der Länder Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thürin-
gen [Hrsg.] (2014): Sachgerechter Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten. 4. Aufl., LfULG,
Dresden.
LABER, H. und G. LATTAUSCHKE [Hrsg.] (2014): Gemüsebau. 2. Aufl., Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.