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Gartentipp
Eisenmangel bei Balkonpflanzen: Vermeiden und Beheben
Gartentipp August 2014
Wenn Balkonpflanzen nicht mehr richtig wachsen
und blühen, lohnt es sich, etwas genauer hinzusehen.
Neben Pflanzenkrankheiten sind häufig
Düngungsfehler die Ursache.
Allgemeinen Nährstoffmangel, besonders an
Stickstoff, erkennt man an gleichmäßigen
Aufhellungen zuerst an den älteren Blättern. Sind die
älteren Blätter grün und nur die jüngeren Blätter
vergilben, besteht Verdacht auf Eisenmangel.
Typisch ist dabei, dass die Blattadern grün bleiben.
Ganz selten ist dabei wirklich zu wenig Eisen im
Substrat. Dieser Fall tritt nur bei sehr stark
wachsenden Pflanzen in kleinen Gefäßen auf, wenn
diese andauernd mit Düngern versorgt werden, die
keine Mikronährstoffe enthalten. Die Hauptnährstoffe
Stickstoff, Phosphor und Kalium (NPK) verursachen
dann zunächst ein starkes Wachstum, bis die
Mikronährstoffe, wie eben Eisen, verarmen und
Mangel auftritt.
Viel häufiger ist Eisen im Substrat zwar vorhanden,
kann jedoch nicht in ausreichendem Maße von der
Pflanze aufgenommen werden. Die Pflanzenverfüg-
barkeit des Eisens hängt sehr stark vom pH-Wert im
Substrat in der unmittelbaren Wurzelumgebung ab.
Bei vielen Pflanzenarten ist die Eisenaufnahme bei
pH-Werten höher als 6,0 oder 6,5 stark beeinträchtigt.
Besonders empfindlich sind beispielsweise Petunien,
Minipetunien (
Calibrachoa
Cv.), die Blaue
Fächerblume (
Scaevola aemula
) oder auch die
Primeln. Das Risiko für eine Blockade der
Eisenaufnahme durch zu hohen pH-Wert wächst,
wenn ausschließlich mit sehr hartem Wasser
gegossen wird, ammoniumfreie Dünger eingesetzt
werden oder das Substrat stark aufgekalkt wurde.
Unverdünnte Komposte weisen ebenfalls oft einen
hohen pH-Wert auf. Vorbeugend sollte bei
empfindlichen Pflanzenarten deshalb auf ein Substrat
mit niedrigerem pH-Wert (z. B. 5,0 bis 6,0) und
ammoniumhaltige Dünger geachtet werden. Steht
nur ganz hartes Brunnen- oder Trinkwasser zur
Verfügung, ist auch ein gelegentliches Gießen mit
Regenwasser hilfreich.
Für eine gute Eisenaufnahme benötigt die Pflanze
ein aktives Wurzelwachstum. Ist dies zum Beispiel
durch Staunässe nicht möglich oder tritt gar
Wurzelfäulnis ein, ist auch Eisenmangel möglich.
Staunässe ist deshalb unbedingt zu vermeiden.
Balkonkästen, Ampeln und Pflanzenkübel müssen
über ausreichend große und freie
Wasserabzugslöcher verfügen. Gefäße mit
integriertem Wasservorrat sind hier von den
Herstellern her häufig zu schwach ausgestattet.
Zusätzliche seitliche Bohrungen in Höhe des oberen
„Wasserspiegels“ vermindern das Staunässerisiko
ohne die Wasserbevorratung wesentlich zu
beeinträchtigen. Zwischen den Gießvorgängen
dürfen die Wurzelballen gern auch einmal antrocknen.
Die oben genannten Maßnahmen dienen zur
Vorbeuge, zur Vermeidung des Auftretens von
Eisenmangel. Sind die Symptome erst einmal
sichtbar, reichen ein Gießen mit Regenwasser oder
eine trockenere Kulturführung für die gewünschte
schnelle Behebung nicht aus. Jetzt sollten
Eisendünger angewendet werden, die das Eisen in
speziellen Verbindungen (sogenannten Chelaten)
enthalten, die eine Aufnahme durch die Pflanze
weitgehend unabhängig vom pH-Wert ermöglichen.
Diese speziellen Dünger werden für eine rasche
Wirkung am besten über Kopf gegossen. Durch die
Benetzung des Laubes erfolgt auch auf diesem Weg
eine Aufnahme, die insbesondere bei
Wurzelproblemen von Vorteil ist. Dabei sind die
Herstellerangaben zu Konzentration unbedingt
einzuhalten. Viel hilft bei Mikronährstoffen nicht viel,
sondern führt rasch zu Blattverbrennungen. Mögliche
Präparate sind Fetrilon, Ferramin, Optifer,
Sequestren oder Substral Eisendünger - um nur
einige zu nennen.
Sächsische Gartenakademie
Stephan Wartenberg
Gartentelefon donnerstags 14-17 Uhr: 0351 2612-8080
LfULG, Abteilung Gartenbau, Referat Zierpflanzenbau
http://www.landwirtschaft.sachsen.de/gartenakademie
E-Mail: gartenakademie@smul.sachsen.de