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Autor, Fotos:
Dr. Gerald Lattauschke
aktualisiert:
Thomas Rettschlag
Abteilung/Referat:
Gartenbau/Gartenakademie
E-Mail:
gartenakademie@smul.sachsen.de
Gartentelefon:
Donnerstag 14-17 Uhr, 0351 2612-8080
Fax:
0351 2612-8099
Internet:
www.gartenakademie.sachsen.de
Redaktionsschluss:
11.03.2016
Grünkohl im November
Anbau von Grünkohl im Haus- und Kleingarten
Winterhart und kräftig im Geschmack
Bedeutung
Der Grünkohl, auch Braunkohl genannt (
Brassica oleracea
L. var.
sabellica
L.) gehört zu den
in Sachsen weniger verbreiteten Kohlarten. Größerer Beliebtheit erfreut er sich als typisches
Wintergemüse vor allem in den nördlichen Bundesländern. Die zweijährige Pflanze weist
charakteristisch gekrauste Blätter auf und zeichnet sich durch eine hohe Frost- und Winter-
härte aus.
Grünkohl hat einen ausgeprägten sowie kräftigen Kohlgeschmack und findet in der Küche
hauptsächlich zu fetten und deftigen Fleischgerichten Verwendung. Der typische Geschmack
wird durch Senföle und den Gehalt an Mono-
und Disacchariden bestimmt. Sein ernäh-
rungsphysiologischer Wert ist recht hoch, da
er über wichtige Mineralien wie Kalzium, Ka-
lium, Phosphor und Eisen verfügt. Nicht die
Frosteinwirkung, sondern das längerfristige
Einwirken niedriger Temperaturen erhöht den
Zuckergehalt des Grünkohls und beeinflusst
den Geschmack positiv.
Standort
Grünkohl ist in seinen Standortanforderungen weniger anspruchsvoll als die übrigen Kohlar-
ten. Auf tiefgründigen, nährstoffreichen Böden (Lehm- und Lößstandorte) mit einem guten
Wasserhaltevermögen und einer stabilen Bodenstruktur liefert er gute Erträge. Ein hoher
Humusgehalt ist von Vorteil. Mittlere Böden sind ebenfalls noch geeignet. Auf Sandböden
sinken die Erträge erheblich. Die Bodenreaktion sollte im neutralen bis leicht basischen Be-
reich (pH-Wert 6,8-7,5) liegen.
Grünkohl stellt an klimatische Einflussfaktoren keine besonderen Anforderungen. In Sachsen
ist er überall problemlos zu kultivieren. Nach milden Wintern können die Pflanzen bis zum
März beerntet werden. Obwohl der Grünkohl vergleichsweise niedrige Temperaturen gut
verträgt, reagiert er auf Kahlfröste mit dem Absterben bzw. Vergilben der Blätter. Eine
Schneedecke verbessert die Winterfestigkeit deutlich.
Bei einem Wasserdefizit sind gelbe Blätter vermehrt zu beobachten. Die besten Erträge las-
sen sich naturgemäß in Gebieten mit hohen Niederschlägen erzielen.

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Rotfarbige Varietäten
Sorten
Bei der Sortenwahl sind spezifische Qualitätsmerkmale zu beachten. Neben einem hohen
bzw. dichten Anteil von Blättern am Stängel, steht die Frost- und Winterhärte im Vorder-
grund. Während z.B. ´Halbhoher Grüner Krauser` nicht ganz winterhart ist, kommt ´Niedriger
Grüner Krauser` sehr gut mit den Bedingungen der kalten Jahreszeit zurecht.
Die Blätter des Grünkohls
sind meist stark gekraust und
von gelb- bis dunkelgrüner
Farbe. Varietäten mit violett
oder bräunlich-rot gefärbten
Blättern können den gestalte-
rischen Wert des ohnehin
schon
attraktiven
Habitus,
noch um einen farblichen As-
pekt bereichern.
Grünkohlsorten sind weniger in verschiedene Reifegruppen eingeordnet. Vielmehr richtet
sich die Ernte an Pflanztermin und Witterungseinflüssen aus. Im Angebot stehen sowohl sa-
menechte Sorten sowie zunehmend auch F
1
-Hybriden.
Beispiele für Grünkohlsorten für den Anbau im Haus- und Kleingarten
Sorten
Altmärker Braunkohl (teilweise violett gefärbte Blattstiele), Halbhoher Grüner Krauser,
Kadett, Lage Fijngekrulde, Lerchenzungen, Niedriger Grüner Krauser, Redbor F
1
(rotlau-
big), Reflex F
1
, Ripbor F
1
, Vitessa, Winnetou F
1
, Winterbor F
1
Im Habitus unterscheiden sich die Sorten in erster Linie nach der Länge des Strunkes. Es
gibt Sorten mit niedrigem, halbhohem und hohem Strunk. Bei niedrigen Formen (25-30 cm
hoch) fehlt der Strunk ganz und die Blätter liegen als Blattrosette unmittelbar auf dem Boden,
wodurch sie häufig verschmutzen bzw. bei nassem Wetter auch faulen. Halbhohe Sorten
haben einen 40-60 cm hohen Strunk und die hohen Formen erreichen eine Höhe zwischen
70 und 100 cm. Die Varietäten mit niedrigem Strunk sind als besonders winterhart einzustu-
fen, da die Blätter leicht durch aufliegenden Schnee vor Frost geschützt werden. Im Kleingar-
tensortiment werden überwiegend halbhohe Sorten (z.B. ´Vitessa`, ´Halbhoher Grüner Krau-
ser`) angeboten.
Anbau
Die Jungpflanzen werden am besten im warmen Frühbeet vorgezogen oder direkt im Frei-
land durch Aussaat kultiviert. Die Anzuchtdauer beträgt 3-4 Wochen. Je nach Sorte stehen
letztendlich, bei einem Abstand von 40x40 bis zu 40x60 cm, zwischen 5 und 6 Pflanzen/m².
Die Aussaat liegt nach dem gewünschtem Erntetermin zwischen Ende Mai und Ende Juli.
Als Vorkultur bieten sich noch eine Reihe früh räumender Gemüsearten wie z.B. Erbsen,
Frühe Möhren, Frühkartoffeln, Salat und Spinat an. Im Anschluss bevorzugt der Grünkohl
diejenigen Beetparzellen, welche im Herbst oder mit der Vorfrucht im Frühling organischen
Dünger erhalten haben. Der Bedarf an im Boden verfügbaren Nährstoffen ist hoch, was zu-

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Erntereifer Grünkohl
mindest bei sandigen Böden eine reichliche Humusakkumulation durch gute Bodenvorberei-
tung erforderlich macht.
Während der Kultur sind die Pflanzen bis zum Bestandesschluss von Unkraut frei zu halten
und es ist auf eine ausreichende Bewässerung, vor allem in den Sommermonaten zwischen
Anfang August bis Mitte September zu achten.
Krankheiten sowie im Speziellen auch Schädlinge befallen den Grünkohl weitaus weniger als
die übrigen Kohlarten. Zu vermehrten Ausfällen kann allerdings sowohl ein Befall durch die
Kohlmottenschildlaus (Weiße Fliege) als auch ein gerade während der Wintermonate ver-
stärkt auftretender Vogelfraß führen. Zur Sicherheit eignet sich das Abdecken mit Kultur-
schutznetzen, bei einer Maschenweite von 0,8x0,8 mm, bis zur Ernte.
Gegen eine Massenvermehrung der Mehligen Kohlblattlaus wirkt eine regelmäßige Kontrolle
der Kultur sowie das Einsammeln und Entfernen befallener Pflanzenteile den Schaden be-
grenzend. Im besonderen Maße hat sich auch die Entwicklung von Artenvielfalt, durch eine
abwechslungsreich gestaltete Gartenstruktur zur Förderung von natürlichen Gegenspielern
bewährt.
Bei der Einordnung in die gärtnerische Fruchtfolge ist zu bedenken, dass Grünkohl nicht
nach anderen Kohlgewächsen angebaut wird. Gegen einen Befall mit Kohlhernie helfen so-
wohl eine Anbaupause zu Kohlgewächsen über einen Zeitraum von 3 bis 4 Jahren als auch
ein hoher pH-Wert (>7,0) des Bodens, der durch regelmäßiges Kalken erreicht wird.
Ernte
Die Grünkohlernte beginnt frühestens Ende Oktober,
nachdem die Pflanzen über einen längeren Zeitraum küh-
len Temperaturen ausgesetzt waren. Die Haupternte liegt
im Dezember. In Abhängigkeit von der Witterung kann sich
die Ernteperiode bis zum März erstrecken.
Die Pflanzen werden beim Anbau im Garten mehrmals
beerntet. Bei der ersten Ernte belässt man mindestens die
5 bis 6 jüngsten Blätter am Strunk. Zu den folgenden Ern-
tedurchgängen sollte man die jüngeren Blätter bevorzugen.
Zu alte und bereits vergilbte Blätter werden nicht mehr
verwertet. Gewöhnlich werden die Blätter mit Stiel abgebrochen und die Blattspreiten erst
später abgerupft. Da Grünkohl wegen der großen Blattoberfläche sehr schnell welkt, sollte
immer nur die für eine Verarbeitung in der Küche vorgesehene Menge geerntet werden. Eine
zwischenzeitliche Lagerung erfolgt bei Temperaturen um 0 °C. Bereits zerkleinerter oder
küchenfertig zubereiteter Grünkohl lässt sich durch Einfrieren hervorragend konservieren.
Weiterführende Literatur für den Gartengebrauch
Eine Information der Pflanzenschutzdienste der Länder Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt
und Thüringen [Hrsg.] (2014): Sachgerechter Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten.
4. Aufl.
LABER, H. und G. LATTAUSCHKE [Hrsg.] (2014): Gemüsebau. 2. Aufl., Verlag Eugen Ulmer,
Stuttgart.