image
image
image
image
image
Bericht
zur
Entwicklung eines grenzübergreifend anwendbaren Bewertungsschemas für Birk-
huhnhabitate in den deutsch-tschechischen Kammlagen auf Basis von weitgehend
automatisiert erfassbaren Fernerkundungsdaten im Rahmen des SNCZ 2020 Projek-
tes
TetraoVit
Stand 24.02.2021

2
Inhalt
1.
Anlass und Ziel der Untersuchung ..................................................................................... 3
1.1.
Wandel der Birkhuhnhabitate im Erzgebirge ..................................................................................... 3
1.2.
Das Projekt........................................................................................................................................ 3
1.3.
Das Projektgebiet .............................................................................................................................. 4
2.
Methodik............................................................................................................................. 6
2.1.
Auswahl der Habitatparameter .......................................................................................................... 6
2.2.
Getestete Fernerkundungsdaten ....................................................................................................... 6
2.3.
Auswahl der am besten geeigneten Fernerkundungsdaten .............................................................. 8
2.4.
Detektion der Habitatparameter ........................................................................................................ 9
2.4.1.
Baumarten und Bodenvegetation ...................................................................................................... 9
2.4.2.
Baumhöhe und Deckungsgrad der Baumschicht ............................................................................ 11
2.4.3.
Geländeform ................................................................................................................................... 12
2.4.4.
Rasterung der Fernerkundungs-Ergebnisse ................................................................................... 13
2.4.5.
Abschätzung der Daten-Validität ..................................................................................................... 14
2.5.
Bewertungsverfahren zur Abschätzung der Habitateignung für Birkhühner .................................... 14
2.5.1.
Grundlegende Annahmen und Ziele des Bewertungsverfahrens .................................................... 14
2.5.2.
Bewertung verschiedener Teilhabitate ............................................................................................ 14
2.5.3.
Definition von Eignungsschwellen und Bewertungsklassen für die Habitatparameter .................... 15
2.5.4.
Berechnung kumulativer Habitatwerte je Rasterzelle ...................................................................... 16
2.5.5.
Berücksichtigung von Störungen durch Wege und Gebäude .......................................................... 16
2.6.
Prognose der Habitat-Entwicklung .................................................................................................. 18
3.
Ergebnisse ....................................................................................................................... 19
3.1.
Deskriptive Darstellung der Fernerkundungsergebnisse ................................................................. 19
3.1.1.
Verteilung der Baumarten, Abschätzung Datenvalidität .................................................................. 19
3.1.2.
Verteilung der Baumhöhen, Abschätzung der Datenvalidität .......................................................... 22
3.1.3.
Verteilung der Deckungsgrade der Baumschicht, Abschätzung der Datenvalidität ......................... 24
3.1.4.
Verteilung der Bodenvegetationstypen, Abschätzung der Datenvalidität ........................................ 26
3.1.5.
Verteilung der Geländeformen ........................................................................................................ 28
3.2.
Ergebnisse der Habitatbewertung ................................................................................................... 29
3.2.1.
Habitattyp "Balzplätze" .................................................................................................................... 29
3.2.2.
Habitattyp "Brut- und Aufzuchthabitate" .......................................................................................... 31
3.2.3.
Habitattyp "Herbst-/Winterhabitate" ................................................................................................. 35
3.3.
Ergebnisse der Habitatprognosen ................................................................................................... 38
3.3.1.
Szenario ohne Waldumbau ............................................................................................................. 38
3.3.2.
Szenario mit Waldumbau ................................................................................................................ 43
4.
Diskussion ........................................................................................................................ 48
4.1.
Eignung des Fernerkungsverfahrens, Kosten für Daten und Auswertung ....................................... 48
4.2.
Evaluation der Habitatbewertung .................................................................................................... 49
4.3.
Evaluation der Habitatprognosen .................................................................................................... 52
4.4.
Stellungnahmen der Projektpartner ................................................................................................. 53
5.
Zusammenfassung ........................................................................................................... 53
6.
Quellenverzeichnis, Anlagen ............................................................................................ 56

 
3
1. Anlass und Ziel der Untersuchung
1.1. Wandel der Birkhuhnhabitate im Erzgebirge
Der Erhalt des Birkhuhns in waldgeprägten Mittelgebirgen ist eine Verpflichtung, aber auch eine
Herausforderung. Die natürlichen Vorkommen des Birkhuhns dürften von Natur aus auf offene
Moore und Moorwälder, auf lichte Waldbestände mit Heide und Beersträuchern im Bereich der
felsigen und blockreichen Kuppen sowie auf durch Sturm und Borkenkäfer vorübergehend
aufgelichtete Wälder beschränkt gewesen sein. Zeitweilige größere offene Flächen, die durch
Sturmschäden hin und wieder entstehen, sind in ihrer Eignung als Birkhuhnhabitat stets der
natürlichen Wiederbewaldung unterworfen.
Im bewirtschafteten Wald werden solche Flächen zudem in aller Regel gezielt wieder aufgeforstet.
Dies trifft auch für die ausgedehnten Kahlflächen im oberen Erzgebirge zu, die seit den siebziger
Jahren des letzten Jahrhunderts in Folge der Immissionsschäden entstanden waren und zu einer
deutlichen Ausweitung der Lebensräume für Birkhühner und zu einem starken Bestandeszuwachs
geführt haben. Noch in den achziger Jahren wurden die meisten Waldschadensflächen vor allem
mit sogenannten Interimsbaumarten wie Stechfichte (
Pinus pungens
), Murraykiefer (
Pinus contor-
ta
) und Hybridlärche (
Larix x eurolepis
) ausgepflanzt, die Zahl der Birkhühner sank bald wieder ab.
In den oft schlechtwüchsigen, sich teilweise wieder auflösenden Beständen dieser Interimsbaum-
arten konnte sich ein gewisser Bestand an Birkhühnern dennoch bis zum heutigen Zeitpunkt hal-
ten.
Aufgrund des schlechten Wachstums der Interimsbaumarten wurden und werden seit etwa Mitte
der neunziger Jahre deren Bestände zunehmend durch Anpflanzungen der dort ursprünglich vor-
kommenden standortsheimischen Fichte ersetzt. Die Fichtenkulturen sind sehr wüchsig und schlie-
ßen sich rasch, für die Birkhühner sind sie als Lebensräume dann nicht mehr nutzbar. Dieser Pro-
zess des Umbaus mehr oder weniger stark verlichteter Interimsbestände ist auf deutscher Seite
weiter vorangeschritten als in Tschechien, wird aber auch dort forciert.
1.2. Das Projekt
Es liegt auf der Hand, dass eine Schutzstrategie für Birkhühner am Erzgebirgskamm vor allem den
Erhalt und das Management der sich in einem raschen Wandel befindlichen Birkhuhnhabitate zum
Ziel haben muss. Für ein zielführendes Habitat-Management ist es nötig zu wissen, wo und in wel-
chem Umfang es derzeit noch für das Birkhuhn nutzbare Habitate gibt und wie sie sich absehbar
entwickeln.
Hinzu kommt, dass eine erfolgversprechende Schutzstrategie für die Birkhühner im Erzgebirge nur
grenzübergreifend geplant und umgesetzt werden kann. Dies gilt insbesondere für den Erhalt der
kleinen Teilpopulation auf deutscher Seite, die ohne eine Verbindung zu den Birkhühnern auf
tschechischer Seite nicht überlebensfähig ist.
Im Rahmen dieses Projektes soll deshalb erprobt werden, inwieweit sich auf Basis grenzüber-
greifend vorhandener Fernerkundungsdaten und anhand bestimmter Annahmen und Kriterien
quantifizierte Aussagen zur aktuellen Habitatausstattung und zur absehbaren Habitatentwicklung
ableiten lassen. Sofern solch ein Versuch zu verwertbaren Ergebnissen führt, könnten sie als
Grundlage für ein grenzübergreifendes Management von Birkhuhnhabitaten dienen.
Das Projekt ist ein wesentlicher Meilenstein des Staatsbetriebs Sachsenforst im SNCZ 2020-Pro-
jekt "Revitalisierung von Mooren und Habitatmanagement für das Birkhuhn im Osterzgebirge –

 
4
TetraoVit" (Fördernummer : 100323904, Laufzeit : 02.06.2017 – 31.12.2020). Sechs Projektpartner
(Technische Universität Dresden, Staatsbetrieb Sachsenforst, Landratsamt Sächsische Schweiz-
Osterzgebirge, Ústecký kraj, Spolek Ametyst, Lesy České republiky, s. p.) arbeiten in diesem
Projekt grenzübergreifend zusammen, um einen Beitrag zum Erhalt der heimischen Biodiversität
zu leisten. Insbesondere sollen die Ökosystemleistung der Hochmoore gesichert und damit gleich-
zeitig bessere Bedingungen für das Birkhuhn geschaffen werden. Im Rahmen des Kooperations-
programms zur Förderung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat
Sachsen und der Tschechischen Republik 2014-2020 werden die Ausgaben der Projektpartner mit
bis zu 85% der förderfähigen Gesamtausgaben durch Mittel aus dem Europäischen Fonds für
regionale Entwicklung über die Sächsische Aufbaubank - Förderbank - bezuschusst.
SBS hat mit Meilenstein Nr. 3 die Aufgabe, ein Verfahren zu entwickeln, das die (semi-) automati-
sierte Erfassung der Parametern ermöglicht, die für die Beurteilung und Prognose der Eignung von
Waldflächen als Birkhuhnhabitate maßgeblich sind. Dies soll unter Nutzung von länderübergrei-
fend verfügbaren Fernerkundungsdaten (Luftbildern, hochauflösenden Satellitendaten, Digitalen
Geländemodellen) erfolgen. Die Teilhabitate sind im Artenschutzprogramm Birkhuhn für den Frei-
staat Sachsen beschrieben (LfULG, 2019).
Das Verfahren soll gewährleisten, dass diese Bewertungsparameter mit geringem Aufwand, groß-
flächig und grenzüberschreitend (Erzgebirge) wiederholbar erfassbar sind.
1.3. Das Projektgebiet
Das ca. 860 Hektar große Projektgebiet liegt im Kammbereich des Osterzgebirges auf mehreren
Sätteln zwischen dem Kahleberg (905 m) im Norden und dem Pramenáč / Bornhauberg (909 m)
im Süden. 533 Hektar liegen in Tschechien, 327 Hektar in Sachsen.
Bis auf das NSG „Georgenfelder Hochmoor“, das sich in körperschaftlichem (Stadt Altenberg) und
teilweise auch in privatem Besitz befindet, gehört der Rest des sächsischen Teilgebietes dem Frei-
staat Sachsen (verwaltet durch den Staatsbetrieb Sachsenforst). Der größte Teil des tschechisch-
en Teilgebiets liegt ebenfalls in staatlicher Hand (verwaltet durch Lesy České republiky, sp). Im
Südosten gehört eine größere zusammenhängende Fläche einem privaten Eigentümer.
Das Grundgestein ist vulkanischen Ursprungs - Teplitzer Quarzporphyr (Rhyolith). Dieser tritt an
den signifikanten Erhebungen zutage (Kahleberg, Großer- und Kleiner Lugstein, Prámenač). Dabei
finden sich am Nordhang des Kahleberges großflächige offene Blockhalden. Die mineralische
Böden sind block- bzw. steinreich und nährstoffarm. Ihre hohe Durchlässigkeit bedingt eine nur
geringe bis mittlere nutzbare Wasserkapazität. An der nahen Station Zinnwald-Georgenfeld wur-
den eine Jahresmitteltemperatur von 4,3° C und ein mittlerer Jahresniederschlag von ca. 1000 mm
gemessen.
Ursprünglich bedeckten Moorkomplexe die Verebnungen und Senken zwischen Lugstein und
Pramenáč. Nach WENDEL (Wendel, 2018) existierten ursprünglich zwei unabhängige
Quellmuldenmoore, die durch einen Sattel getrennt waren. Im Laufe der Zeit entstand durch
Zusammenwachsen der Tofmoosdecken ein Wasserscheidenmoor, dessen deutscher Teil
(Georgenfelder Hochmoor) überwiegend nach NW zur Wilden Weißeritz entwässert, während der
tschechische Teil (Rašeliniště U jezera - Cínovecké rašeliniště) nach Südosten zur Bilina (Biela)
fließt. Teilweise haben die Moore ihr oberirdisches hydrologisches Einzugsgebiete jeweils auf dem
anderen Staatsgebiet. Die organische Böden bilden im NSG „Georgenfelder Hochmoor“ eine zu 3
m und im NSG „Rašeliniště U jezera - Cínovecké rašeliniště“ eine sogar über 4 m mächtige
Torfauflage aus (Hydro-Consult, 2018).
Torfabbau und weiträumige Entwässerungen in den letzten Jahrhunderten haben zu einem weit-
gehenden Verlust torfbildender Vegetation und zu einer Dominanz relativ trockener, bewaldeter
Moorbereiche geführt, die nur noch wenige moortypische Arten beherbergen. Die trotz Entwässe-

5
rung und Torfabbau am besten erhaltenen Moorgebiete sind heute sowohl auf der
sächsischen als
auch auf der tschechischen Seite als Naturschutzgebiete ausgewiesen (NSG „Georgenfelder
Hochmoor“ -13,5 ha, NSG „Rašeliniště U jezera – Cínovecké rašeliniště“– 60 ha).
Das Projektgebiet hat auf der Gesamtfläche den Status „Europäisches Vogelschutzgebiet“ (SPA)
und auf beiden Staatsgebieten jeweils teilweise auch den Status „FFH-Gebiet“ (SAC). Der säch-
sische Teil des Projektgebietes ist deckungsgleich mit dem SPA „Kahleberg und Lugstein-
gebiet“ (327 ha). Um den Kahleberg ist das 22 ha große SAC „Kahleberg bei Altenberg“ und an
der Staatsgrenze im Süden das 35,5 ha große SAC „Georgenfelder Hochmoor“ ausgewiesen. Der
tschechische Teil liegt vollständig im 16.369 ha großen SPA „Východní Krušné hory“. Das SAC ist
deckungsgleich mit dem gleichnamigen NSG „Rašeliniště U jezera - Cínovecké rašeliniště“.
Im Projektgebiet lebten zwischen 2013 und 2018 rund sechzig Birkhühner, davon etwa vier Fünftel
auf tschechischer und ein Fünftel auf deutscher Seite. Tabelle 1 zeigt für diesen Zeitraum die
Ergebnisse der Birkhahn-Zählungen während der Balzzeit. Für die Berechnung der Individuenzahl
insgesamt geht man davon aus, dass die Anzahl der (schwerer zu beobachtenden) weiblichen Tie-
re denen der Hähne entspricht, das Ergebnis der Birkhahnzählungen wird also verdoppelt.
Tab. 1: Ergebnisse der Zählung balzender Hähne im Projektgebiet von 2013 bis 2018
Teilgebiet
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Durchschnitt
Sachsen
7
7
6
8
6
5
6,5
Tschechien
29
34
24
19
22
30
26,3
Summe
36
41
30
27
28
35
32,8

 
6
2. Methodik
2.1. Auswahl der Habitatparameter
Im Rahmen des sogenannten „Gesamtwaldprojektes“ (Erfassung von Waldzustandsdaten mit
Methoden der Fernerkundung für den Gesamtwald Sachsens) wurden im Auftrag von Sachsen-
forst Methoden und Modelle zur semi-automatisierten Erfassung der Waldzustandsparameter
Waldflächenzu- und –abgänge
Wuchsklassen
Baumhöhenklassen
Bestandeshöhen
Überschirmungen
einzelne Bäume und Baumgruppen (Überhälter)
entwickelt und bereits großflächig - für ca. 1/3 der Landesfläche Sachsens - angewandt (Hoffmann,
2017).
Auf dieser Methodik aufbauend geht es beim TetraoVit-Projekt darum, zu testen, ob und in wie
weit die Parameter
Baumart
Baumhöhe
Deckungsgrad der Baumschicht
Strukturtypen der Bodenvegetation
Lage im Gelände (Geländeform)
im Zuge einer (semi-) automatisierten Erfassung der Beurteilung und Prognose der Eignung von
Waldflächen als Birkhuhn-Habitat dienen können.
Das zu entwickelnde Verfahren soll außerdem gewährleisten, dass die o.g. Parameter mit gering-
em Aufwand, großflächig und grenzüberschreitend (z.B. Erzgebirge) wiederholt erfassbar sind.
2.2. Getestete Fernerkundungsdaten
Um die Übertragbarkeit der in dem Pilotprojekt zu entwickelnden methodischen Vorgehensweise
auf andere Gebiete in Sachsen und Tschechien zu gewährleisten, sollten für die Untersuchungen
möglichst Fachinformationen und Geodaten genutzt werden, die länderübergreifend und flächen-
deckend zur Verfügung stehen. Dies betrifft insbesondere die Erprobung der Nutzbarkeit von
Satellitendaten.
Dem entsprechend wurden die in Tabelle 2 beschriebenen Ausgangsdaten verwendet. Die Daten
stammen vom Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen (GeoSN), Státní
správa zeměměřictví a katastru (CÚZK), Lesy České republiky, s. p. (Lesy ČR), der GAF AG Mün-
chen, als komerzieller Anbieter von Satellitendaten, Planet Labs Inc. sowie der ESA und wurden
unter Verwendung von Projektmitteln angekauft, sofern sie dem Staatsbetrieb Sachsenforst nicht
unentgeltlich zur Nutzung überlassen wurden.

7
Tab. 2: Übersicht der verwendeten Fernerkundungsdaten
Der Aufwand für die Beschaffung der Daten beziffert sich wie folgt (Tab. 3):
Tab. 3: Kosten für Beschaffung Fernerkundungsdaten
Daten
Quelle
Kosten [Euro]
Luftbilder, Orthobilder, Gelände- und Oberflächen-
modelle für den tschechischen Gebietsteil
CÚZK
775
WorldView2 bzw. WorldView3 Satellitendaten für das
gesamte Projektgebiet
GAF AG
1102
Pleiades Satellitendaten für das gesamte Projektgebiet
GAF AG
298
Sentinel2B Satellitendaten für das gesamte Projektgebiet
ESA
-
PlanetScope Satellitendaten für das gesamte
Projektgebiet
Planet
Labs Inc.
- (FREE 14 DAY TRIAL)
Aus den digitalen Geländemodellen (DGM) und den digitalen Oberflächenmodellen (DOM) wurden
ein Vegetationshöhenmodell in Form eines normalisierten digitalen Oberflächenmodells (nDOM)
für den sächsischen und tschechischen Teil des Projektgebietes erzeugt. Dieses wurde für die Be-
rechnung der Baumhöhe und des Deckungsgrads der Baumschicht herangezogen.
1
DGM: Digitales Geländemodell, modelliert Geländeform ohne Berücksichtigung der Vegetationsschicht
2
Ein
unregelmäßiges Dreiecksnetz
(
englisch
Triangulated Irregular Network
,
TIN
) ist eine Möglichkeit
zur
Modellierung
von Oberflächen auf Grundlage einer 3D-Punktwolke
3
DOM: Digitales Oberflächenmodell, modelliert Geländeform unter Berücksichtigung der Vegetation, hier
Baumschicht
Luftbild- / Satellitendaten
/ Geländemodelle
Auflösung [m]
Bänder
Aufnahmedatum
DOP Sachsen
0,2
4 RGBI
24.06.2016
DOP Tschechien
0,2
4 RGBI
11.06.2017
WorldView2 (WV2)
0,52
8 MS
03.07.2015
0,46
1 PAN
03.07.2015
WorldView3 (WV3)
1,24
8 MS
13.08.2018
0,31
1 PAN
13.08.2018
Pleiades
2
4 RGBI
21.05.2018
0,5
1 PAN
21.05.2018
PlanetScope
3
4 RGBI
08.05., 07.06.,07.08.2018
Sentinel2B
10-60
10 MS
09.04., 04.05., 03.07., 07.08.,
11.10.2018
DGM
1
Sachsen
2
2017
DGM of the Czech Republic -
5th generation (DMR 5G)
(TIN
2
)
2010
DOM
3
Sachsen
2
2017
DOM of the Czech Republic
1st generation (DMP 1G)
(TIN)
2010

image
image
 
8
Da das tschechische nDOM von 2010/2011 den Stand 2017 mit den aktuellen DOP bzw. Satelli-
tendaten nur unzureichend darstellen konnte, wurde in einem Nachauftrag mittels Stereomatching
aus den digitalen Othophotos von 2017 ein neues nDOM erstellt. Damit konnte eine einheitliche
Qualität der Daten, die für das weitere Prozessing verwendet wurden, erzielt werden.
Abb. 1: Vergleichende Darstellung der räumlichen Auflösung der Daten (LUP 2019)
2.3. Auswahl der am besten geeigneten Fern-
erkundungsdaten
Bei der Verwendung und Analyse der Daten zeigte sich sowohl aus den Berechnungen als auch
aus probeweisen visuellen Darstellung, dass die PlanetScope Daten und die durch Texturen ver-
besserten Sentinel 2B Daten die besten Ergebnisse liefern (Luftbild, Umwelt Planung GmbH,
2019). Während die PlanetScope Daten eine höhere räumliche Variabilität der Baumarten
aufzeigen, sind die Genauigkeitswerte für die verbesserten Sentineldaten höher (vgl. Tab. 4).
Tab. 4: Genauigkeit der Datenquellen für die Bestimmung der Baumartgruppe (LUP 2019)
Die besten Ergebnisse für die Bestimmung der Baumarten insgesamt zeigten Sentinel2 Daten, die
durch Texturen aus WorldView 3bzw. DOP verbessert wurden.

 
9
Alle weiteren hier vorgestellten Auswertungen und Interpretationen beruhen auf den Fernerkun-
dungsergebnissen auf Basis der Datenkombination „Sentinel 2 und Texturen aus DOPNeu“, da
diese Daten die insgesamt die höchste Genauigkeit aufweisen. Ein weiterer Vorteil dieser Kombi-
nation ist die freie Verfügbarkeit von Sentinel2-Daten. Sofern das in dieser Studie erprobte Verfah-
ren auf andere und möglicherweise größere Gebiete übertragen werden soll, fallen zumindest für
die Beschaffung der Satellitendaten keine Kosten an.
2.4. Detektion der Habitatparameter
2.4.1. Baumarten und Bodenvegetation
Die Leistungen zur (semi-)automatisierten Klassifizierung und Bestimmung der Baumarten bzw. –
gruppen und der Strukturtypen der Bodenvegetation aus den Fernerkundungsdaten wurden nach
einer öffentlichen Vergabe durch das auf Fernerkundung spezialisierte Unternehmen "Luftbild –
Umwelt – Planung" (LUP) erbracht. Für die Datenverarbeitung ist Knowhow und spezielle Software
erforderlich (z.B. GlobalMapper, ERDAS) (vgl. Abb. 2).
Für die Optimierung der Rechenleistung und die Vergleichbarkeit der Ergebnisse wurde als ein-
heitlicher Betrachtungsmaßstab 1 m gewählt. Die DOPs wurden jedoch zusätzlich in der höheren
Auflösung 0,20 m klassifiziert. In einem ersten Schritt wurden die zu klassifizierenden Gebiete
maskiert. Als Wald (mit Gehölzen bestanden) wurden alle Gebiete bezeichnet, die einen Norma-
lised Difference Vegetation Index (NDVI) ≥ 0.5 und eine Höhe (nDOM) > 1 m aufweisen. Für die
Analyse der Bodenvegetation wurden die Gebiete extrahiert, die nicht überschirmt sind (nDOM < 1
m). Zusätzlich wurden Gebäude, Straßen, Wege und Plätze mittels Openstreetmap-Daten mit
einem 2 m Puffer ausmaskiert.
Zur Klassifikation der Luftbild- und Satellitendaten wurde in einem zweiten Schritt der Random-
Forest Algorithmus 2 (Breimann, 2001) verwendet. Die Anwendung des Algorithmus erfolgte
mittels der Programmiersprache R und der gestackten (Multi-) Spektralbänder der jeweiligen
Luftbild-/Satellitenaufnahme(n). Die hierfür benötigten Trainingspunkte der 9 Klassen für die
Baumarten / -mischung (siehe Abb. 6) bzw. 8 Klassen der Bodenvegetation (s. Abb. 8) wurden den
kartierten Referenzgebieten entnommen. Ein Schema des Workflows ist in der folgenden
Abbildung dargestellt.
An vier Geländetagen (27./28.08.2018, 15./16.11.2018) wurden 16,9 ha Referenzfläche im
Projektgebiet für die Baumarten und 1,6 ha Referenzfläche für die Bodenvegetation aufgenommen.
Für die Referenzfläche der Baumarten wurden dabei Reinbestände aus der Forstgrundkarte nach
visuellem Abgleich mit den DOPs einbezogen.

image
10
Abb. 2: Workflow anhand des Beispiels Sentinel2 unter Einbeziehung von Texturen aus DOP
oder VW3 (LUP 2019)
Die Klassifizierung der Baumarten erfolgte mit der Zielstellung, die Habitateigung der Baumarten
für das Birkhuhn unter dem gegebenen Stand der Datenanalysetechnik bestmöglich abbilden zu
können. So spielen Weichlaubbäume wie Ebersche (
Sorbus aucuparia
), Hänge-Birke (
Betula
pendula
), Moor-Birke (
Betula pubescens
) und Weidenarten (
Salix sp
.) eine herausragende Rolle
als Äsungspflanzen. Andererseits lassen sich diese Baumarten in der Anlasye der (Multi-) Spek-
tralbänder nicht mehr weiter sicher unterscheiden, weshalb sie unter der Baumartengruppe Weich-
laubbäume zusammengefasst wurden (Tab. 5).

 
11
Tab. 5: Klassifizierung der Baumarten / -gruppen
Baumart / -gruppe
Baumart
Fichte
Picea abies, P. omorika, P. sitchensis
Stechfichte
Picea pungens
Kiefer
Pinus contorta, Pinus sylvestris
Bergkiefer
Pinus mugo
Lärche
Larix spec.
Weichlaubbäume
Betula pendula, B. pubescens, Sorbus aucuparia, Salix spec.
Buche
Fagus sylvatica
sonst. Laubbäume
Acer pseudoplatanus, Alnus glutinosa, Populus tremula
keine Angabe
-
Wie bei den Baumarten erfolgte auch die Klassifizierung der Bodenvegetation mit der Zielstellung,
die Habitateigung der Bodenvegetation für das Birkhuhn unter dem gegebenen Stand der Analyse-
technik bestmöglich abbilden zu können. So spielen Zwergsträucher wie Heidelbeere (
Vaccinium
myrtillus
), Preiselbeere (
Vaccinium vitis-idaea
) oder Besenheide (
Salix sp
.) eine herausragende
Rolle als Äsungspflanzen. Andererseits lassen sich diese Arten bei der Anlasye der (Multi-) Spek-
tralbänder nicht mehr sicher weiter unterscheiden.
Tab. 6:
Klassifizierung der Strukturtypen der Bodenvegetation
Klasse
Bodenvegetations-Typ
1
Rohboden
2
Vaccinium/Calluna > 50% Flächenanteil
3
Vaccinium/Calluna > 50% Flächenanteil
4
Moor-/Sumpfvegetation (Moose, niedrige Carex-Arten)
5
niedrige Gräser (Eriophorum spec., Deschampsia spec, Carex spec.)
6
hohe Gräser (Calamagrostis spec., Molinia caerulea)
7
Stein
8
Sonstige Bodenvegetation
99
Keine Angabe
2.4.2. Baumhöhe und Deckungsgrad der Baumschicht
Aus den digitalen Geländemodellen (DGM) und den digitalen Oberflächenmodellen (DOM) wurden
ein Vegetationshöhenmodell in Form eines normalisierten digitalen Oberflächenmodells (nDOM)
für den sächsischen und tschechischen Teil des Projektgebietes erzeugt. Dieses wurde für die Be-
rechnung der Baumhöhe und des Deckungsgrads der Baumschicht herangezogen. Da das tsche-
chische nDOM von 2010/2011 den Stand 2017 mit den aktuellen DOP bzw. Satellitendaten nur
unzureichend darstellen konnte, wurde in einem Nachauftrag mittels Stereomatching aus den
digitalen Othophotos von 2017 ein neues nDOM erstellt. Damit konnte eine einheitliche Qualität
der Daten, die für das weitere Prozessing verwendet wurden, erzielt werden.

 
12
Zur Differenzierung von beschirmter und unbeschirmter Fläche wurde ebenfalls das normierte
Oberflächenmodell (nDOM) herangezogen. Höhen unter einem Meter wurden als unbeschirmt
kategorisiert. Die Berechnung des Deckungsrads der Baumkronen je Rasterelement wurde in die
Berechnung des Parameters „Baumhöhe“ implementiert. Die Berechnungen erfolgten mit der
freien Programmiersprache R.
Für jede Rasterzelle wurde zunächst die unbeschirmte Fläche aus der vorhergehenden Berech-
nung ausmaskiert. Innerhalb des Prozessierungsschrittes wurde der Anteil der beschirmten Fläche
gerundet auf 10% Stufen, erfasst. Zeitgleich erfolgten für jede Rasterzelle die Berechnungen der
Baumhöhe in Form des 80. Perzentils und des Mittelwerts über diesem Wert. Letzterer wurde auf
0,5 m Stufen gerundet.
Im Ergebnis dieser Berechnungen wurde für jede Rasterzelle
die Baumhöhe in 0,5m-Stufen
der Deckungsgrad der Baumschicht in 10%-Stufen
ermittelt. Die Ausgabe erfolgte direkt in das Ergebnisshape.
2.4.3. Geländeform
Die Geländeform spielt insofern eine Rolle, als dass von der Vegetationsstruktur prinzipiell geeig-
nete Habitattypen in bestimmten Geländeformen den Beobachtungen aus dem Monitoring zufolge
vom Birkhuhn bevorzugt oder nicht genutzt werden. Insbesondere steile Hänge und Taleinschnitte
werden von Birkhühnern gemieden.
Zur Bestimmung der Lage eines Punktes im Gelände wurde das Reliefgliederungsverfahren nach
JENNESS eingesetzt (JENNESS, 2006). Grundlage des Verfahrens ist der Topographic Position
Index (TPI). Er spiegelt den Unterschied der Höhe einer bestimmten DGM-Zelle zu der mittleren
Höhe der sie umgebenden DGM-Zellen wider. Über das SAGA-GIS-Tool „TPI Based Landform
Classification“ wurden die unten aufgeführten Landschaftsformen für die Eingabewerte TPI40 (40
m-Suchradius) und TPI100 (100 m-Suchradius) bestimmt.
Tab. 7:
Klassifizierung der Lage im Gelände (Geländeform)
Klasse
Landschaftsform
0
V-Täler
1
Einzugsgebiete am Mittelhang
2
Einzugsgebiete am Oberhang
3
U-Täler
4
Ebenen, Plateaus
5
offene, flach geneigte Hänge
6
Oberhänge
7
lokale Rücken, Kuppen in Tälern
8
Rücken an Mittelhängen, kleinere Kuppen in der Ebene
9
Bergkuppen, Bergrücken

image
image
 
13
2.4.4. Rasterung der Fernerkundungs-Ergebnisse
Das 861 ha große grenzübergreifende Projektgebiet wurde in rund 87.000 Quadratraster mit einer
jeweiligen Seitenlänge von 10 m x 10 m unterteilt, jede Rasterzelle repräsentiert somit eine Fläche
von 100 m². Die Fernerkundungsergebnisse für die fünf ausgewählten Habitatparameter wurden
mit diesem Raster verschnitten, so dass für jede Rasterzelle ein konkreter Wert für die dominieren-
de Baumart, die Höhe und den Deckungsgrad der Baumschicht, den Bodenvegetationstyp und die
Geländeform vorliegt. Alle nachfolgenden Auswertungen für das Projektgebiet erfolgen auf Basis
dieses Rasters.
Abb. 3: Rastereinteilung des Projektgebietes (Ausschnitt)
Abb. 4: Habitatparameter je Rasterzelle

 
14
2.4.5. Abschätzung der Daten-Validität
Mit Mitteln der Fernerkundung gewonnene Daten geben den tatsächlichen Waldzustand nicht an
jedem Punkt exakt wieder, sondern weisen immer in einem gewissen Umfang Fehler auf.
Um die Treffsicherheit der Fernerkundungsergebnisse nach dem hier gewählten Verfahren
zumindest grob abschätzen zu können, wurden sie am Luftbild global auf Plausibilität überprüft
und mit vorhandenen forstlichen Daten und den Ergebnissen der terrestrischen Habitatkartierung
durch den Projektpartner Ametyst (Volf, 2019) verglichen. Außerdem
wurde ein 300x300m-
Stichprobenraster über das Projektgebiet gelegt und an insgesamt 97 Rasterzellen an den Kreu-
zungspunkten des Rasters die Richtigkeit der Fernerkundungsergebnisse geprüft, so dass anhand
dieser (sehr kleinen) Stichprobe der Anteil korrekter und fehlerhafter Ergebnisse zumindest
abschätzbar ist.
Einige Punkte, insbesondere bei unplausiblen Fernerkundungsergebnissen, wurden darüber
hinaus im Gelände aufgesucht.
Die Ergebnisse dieser Plausibilitätsprüfung werden im Zusammenhang mit der deskriptiven Dar-
stellung der Fernerkundungsergebnisse präsentiert.
2.5. Bewertungsverfahren zur Abschätzung der
Habitateignung für Birkhühner
2.5.1. Grundlegende Annahmen und Ziele des Bewertungsverfahrens
Das hier erprobte Verfahren geht hinsichtlich der notwendigen Requisiten von Birkhuhnhabitaten
von folgenden Annahmen aus:
Optimale Birkhuhnhabitate am Erzgebirgskamm liegen in den Grenzbereichen des Waldwachs-
tums, also in standörtlich bedingten Verzahnungsbereichen von Wald und Offenland (z.B. Moo-
re und Moorränder) oder in Pionierstadien der Waldentwicklung. Lichte, niedrigwüchsige Wald-
bestände mit einem hohen Anteil an Pionierbaumarten und einer beerstrauchreichen Boden-
vegetation kennzeichnen diese Optimalhabitate.
Diese von Birkhühnern präferierten Habitatbedingungen lassen sich anhand der hier gewählten
Fernerkundungsdaten und Habitatparameter mit hinreichender Zuverlässigkeit beschreiben und
räumlich zuordnen.
Ziel des Verfahrensentwicklung ist, auf Basis der obigen Annahmen und Daten den Umfang zu-
mindest potenziell geeigneter Birkhuhn-Habitate innerhalb eines bestimmten Gebietes abschätzen
und lokalisieren zu können. Die Beurteilung der Lebensraumsituation für Birkhühner soll damit auf
eine möglichst objektive und nachvollziehbare Grundlage gestellt werden und gleichzeitig räum-
liche Ansatzpunkte für ein zielführendes Habitatmanagement aufzeigen.
2.5.2. Bewertung verschiedener Teilhabitate
Die Bewertung der Habitateignung eines konkreten Gebietes wird dadurch erschwert, dass Birk-
hühner im Jahresverlauf verschieden strukturierte Teilhabitate nutzen und damit unterschiedliche
Anforderungen an ihren Lebensraum stellen. Optimale Balzplätze für Hähne und Hennen im zeiti-
gen Frühjahr sehen anders aus als die im späteren Frühjahr und Sommer benötigten Brut- und

image
 
15
Aufzuchthabitate der Hennen und Küken. Wiederum andere Merkmale bzw. Habitatatrequisiten
kennzeichnen optimale Überwinterungshabitate (Abb. 5).
Abb. 5: Schema der vom Birkhuhn genutzten Habitattypen im Wald
Die flächendeckend ermittelten Habitatparameter wurden deshalb für jedes dieser drei Teilhabitate
(Balzplatz, Brut- und Aufzuchthabitat, Winterhabitat) separat bewertet, um die Strukturen im Gebiet
zu lokalisieren, die eine Eignung für jeweils eines der drei Teilhabitate erkennen lassen.
Eine Auftrennung in drei separate Bewertungsdurchläufe erfolgte auch deshalb, weil es zwischen
den für erforderlich erachteten Habitatstrukturen der drei Teilhabitaten Überschneidungsbereiche
gibt. Eine trennscharfe Zuordnung der Teilhabitate innerhalb eines Durchlaufs beispielsweise an-
hand von Baumhöhe und Deckungsgrad ist nicht möglich, vielmehr zeigen die Ergebnisse der drei
separaten Bewertungen in etlichen Fällen Bereiche auf, die den strukturellen Anforderungen meh-
rerer Teilhabitate genügen und die sich demzufolge auch räumlich überschneiden.
2.5.3. Definition von Eignungsschwellen und Bewertungsklassen für
die Habitatparameter
Um die Eignung einer Rasterzelle als Teil eines der drei Teilhabitate beurteilen zu können, wurden
für jedes der drei Teilhabitate spezielle Eignungsschwellen und/oder Bewertungsklassen der fünf
Habitatparameter je Rasterzelle definiert.
Eignungsschwellen und Bewertungsklassen wurden dabei für die beiden Habitatparameter "Baum-
höhe" und "Deckungsgrad Baumschicht" festgesetzt. Rasterzellen, bei denen die Baumhöhe oder
der Deckungsgrad der Baumschicht die gesetzte Schwelle überschritten, wurden aus dem Pool
der möglicherweise als Habitat geeigneten Zellen eliminiert. Höhen- und Deckungsgradwerte un-
terhalb der Schwelle wurden in drei Bewertungsklassen ("noch geeignet", "geeignet", "gut geeig-
net") untergliedert.
Für die beiden Habitatparameter "Baumartengruppe" und "Bodenvegetationstyp" wurden lediglich
drei Bewertungsklassen definiert. Auch schlechter bewertete Baumartenkombinationen oder
Bodenvegetationstypen können somit nicht dazu führen, dass bestimmte Rasterzellen von vorn-
herein als für das betreffende Teilhabitat ungeeignet aussortiert werden. Einzige Ausnahme ist der
Bodenvegetationstyp "Steine", bei dessen Detektion die Zuordnung der betreffenden Rasterzelle
zu den Habitattypen "Brut- und Aufzuchthabitat" oder "Nahrungs- und Überwinterungshabitat"
ausgeschlossen war.

 
16
Hinsichtlich des Habitatparameters "Geländeform" wurde lediglich eine Eignungsschwelle einge-
führt, die zur Eliminierung von Rasterzellen in Geländeeinschnitten und an steil geneigten Unter-
hängen führte. In den übrigen Bereichen des Untersuchungsgebiets war das Gelände so wenig
reliefiert, dass zusätzliche Klassen unterschiedlich bewerteter Geländeformen keinen Sinn mach-
ten.
Die je nach Teilhabitat gewählten Eignungsschwellen und Bewertungsklassen der Habitatparame-
ter werden zusammen mit den Ergebnissen der Habitatbewertung in Kapitel 3.2. dargestellt.
2.5.4. Berechnung kumulativer Habitatwerte je Rasterzelle
Die Habitatparameter einer Rasterzelle wurden, je nachdem in welchem Wertebereich bzw. in
welcher Bewertungsklasse sie lagen, mit einem Punkt (für "noch geeignet"), zwei Punkten (für
"geeignet") oder drei Punkten (für "gut geeignet") in Bezug auf das jeweilige Teilhabitat bewertet.
Bei vier Habitatparametern (Baumhöhe, Deckungsgrad Baumschicht, Baumartengruppe, Boden-
vegetationstyp) ergäbe dies eine maximale Summe von zwölf Punkten je Rasterzelle.
Da je nach Teilhabitat nicht alle vier obigen Habitatparameter als gleich wichtig für die Beurteilung
der Habitateignung erschienen, wurden jeweils zwei Parameter gegenüber den beiden anderen
doppelt gewichtet. Beispielsweise gingen für die Beurteilung des Teilhabitats "Balzplätze" die
Werte für die Parameter "Baumhöhe" und "Deckungsgrad Baumschicht" mit dem Faktor zwei in die
Punktesumme je Rasterzelle ein. Durch die Doppelzählung der Punkte von jeweils zwei Habitat-
parametern ergab sich somit ein maximal zu erreichender Habitatwert von achtzehn Punkten je
Rasterzelle und Teilhabitat.
Der Habitatparameter "Geländeform" wurde aufgrund seiner in diesem Gebiet geringen differen-
zierenden Wirkung nicht in dieses dreistufige Bepunktungssystem aufgenommen, sondern es
wurden, wie bereits oben beschrieben, lediglich die aufgrund der Geländeform als Birkhuhnhabitat
offensichtlich ungeeigneten Bereiche von vornherein aus diesem Bewertungsverfahren ausge-
schlossen.
2.5.5. Berücksichtigung von Störungen durch Wege und Gebäude
Wenn man den Umfang der für Birkhühner nutzbaren Habitate in einem Gebiet abschätzen will, ist
auch der störende Einfluss häufig frequentierter Wege und touristischer Einrichtungen zu berück-
sichtigen. Zumindest das unmittelbare Umfeld dieser Objekte kommt als Habitat von Birkhühnern
nicht in Frage und wurde in dieser Studie deshalb von der nach obigem Verfahren ermittelten
potenziellen Habitatfläche abgezogen.
Der Katalog und die Geodaten der hier als störend beurteilten Objekte stammt aus dem allgemein
zugänglichen und grenzübergreifend vorhandenen Datenbestand von OpenstreetMap. Ausgewählt
wurden größere Wege (nicht jedoch kleinere Pfade) und feste Gebäude wie die Kahleberg- und
Lugsteinbaude (nicht jedoch kleine Schutzhütten, Aussichtspunkte, Sitzbänke etc.). Entlang der
ausgewählten Wege wurde ein beiderseitiger Puffer von zwanzig Metern gelegt, um die ausge-
wählten Gebäude ein Puffer von fünfzig Metern. Für alle Bereiche bzw. Rasterzellen, die mehrheit-
lich innerhalb dieses Puffers lagen, wurde angenommen, dass der Störeinfluss zu groß ist, um als
Birkhuhnhabitat gelten zu können. In Summe umfassen diese Pufferbereiche eine Fläche von
170 Hektar (19% des Projektgebietes)
Eine Übersicht der auf diese Weise gepufferten Wege und Gebäude zeigt die nachfolgende Dar-
stellung (Abb. 6). Es wird deutlich, dass aufgrund der größeren Dichte störender Objekte der
anteilige Verlust potenzieller Habitatfläche auf deutscher Seite (25% des Projektgebietes) größer
ist als im tschechischen Teil des Betrachtungsgebietes (16% der Fläche).

image
17
Abb. 6: Aus der Habitatbewertung herausgenommene Bereiche im Umgriff größerer Wege,
Gebäude und sonstiger touristischer Infrastruktur

 
18
2.6. Prognose der Habitat-Entwicklung
Wie bereits in Kapitel 1.1. beschrieben unterliegen sowohl die Birkhuhnhabitate im Projektgebiet
als auch im Erzgebirge allgemein einem raschen Wandel. Inbesondere erst kürzlich getätigte An-
pflanzungen mit heimischer Fichte werden schnell in die Höhe wachsen und sich schließen, wäh-
rend Bereiche mit Weichlaubhölzern oder weniger vitale Bestände aus Interimsbaumarten sich
absehbar nicht so schnell verändern werden bzw. sogar zunehmenden Zerfallserscheinungen
unterworfen sind.
Szenario ohne Waldumbau:
Um die Folgen dieses Veränderungsprozesses im Betrachtungsgebiet zumindest grob abzuschät-
zen, wurde in einem ersten Szenario für Rasterzellen, in denen die heimische Fichte als dominie-
rende Baumart bestimmt wurde, die Entwicklung der Baumhöhen und der Deckungsgrade der
Baumschicht fortgeschrieben. Hierbei wurde davon ausgegangen, dass Fichtenkulturen und Fich-
tenjungbestande jährlich um dreißig Zentimeter in die Höhe wachsen und der Kronenschlußgrad
innerhalb von zehnJahren um mindestens fünf Zehntel zunimmt. Diese Fortschreibung der Baum-
höhen und Kronenschlussgrade erfolgte für einen Zeitraum von zehn und zwanzig Jahren. Die um
diese Raten fortgeschriebenen Werte für Rasterzellen mit dominierender Fichte wurden gemein-
sam mit allen anderen Zellen einer nochmaligen Habitatbewertung nach dem in Kapitel 2.5. be-
schriebenen Verfahren unterzogen.
Für allen übrigen das Projektgebiet prägenden Baumarten (Weichlaubbäume, Interimsbaumarten)
wurde in diesem ersten Szenario vereinfachend davon ausgegangen, dass es zu keiner klaren
Entwicklung in Richtung höherer und dichterer Bestände und einer damit verbundenen Verände-
rung der Habitate kommt. Für Freiflächen, auf denen zum Zeitpunkt der Datenerhebung keine Bäu-
me detektiert wurden, wird angenommen, dass sie in diesem nicht aufgeforsteten Zustand verblei-
ben.
Szenario mit Waldumbau:
Es wurde noch ein zweites Szenario durchgerechnet, bei dem die bereits jetzt von deutlichen Zer-
fallserscheinungen geprägten Bestände aus Stechfichte, Murraykiefer und Lärche innerhalb der
nächsten zehn Jahre durch Anpflanzungen standortsheimischer Fichten ersetzt werden. Die
Baumarten-, Baumhöhen- und Deckungsgrad-Angaben aller Rasterzellen, in denen zum Zeitpunkt
der Datenerhebung die drei oben genannten Interimsbaumarten dominierten, wurden in diesem
Szenario – wiederum stark vereinfachend – mit den Daten einer einen Meter hohen Fichtenkultur
und einem Deckungsgrad von 0,2 zum Ende des ersten Jahrzehnts überschrieben. Für das zweite
Jahrzehnt wurde für diese Zellen die bereits oben beschriebene Zunahme der Höhe um drei Meter
und ein Anwachsen des Deckungsgrades der Baumschicht um 0,5 auf dann 0,7 angenommen.
Das Gesamtgebiet wurde für diese beiden Zeiträume und unter diesen Annahmen dann wiederum
zwei Bewertungen hinsichtlich seiner Habitateignung unterzogen.

 
19
3. Ergebnisse
3.1. Deskriptive Darstellung der Fernerkundungs-
ergebnisse
Vor einer Bewertung der Fernerkundungsergebnisse hinsichtlich der Eignung des Projektgebietes
als Birkhuhnhabitat werden die je Rasterzelle ermittelten Habitatparameter rein deskriptiv in Form
von Karten, Tabellen und Diagrammen dargestellt.
Diese Darstellung erfolgt sowohl summarisch für das gesamte Projektgebiet als auch untergliedert
für den deutschen und tschechischen Teil des Gebietes. Auf diese Art und Weise soll möglichst
anschaulich ein Eindruck von dem mittels Fernerkundung gewonnenen Datenmaterial und den
unterschiedlichen Verhältnissen vor Ort vermittelt werden, bevor diese Daten weiteren Interpreta-
tionen unterzogen werden.
3.1.1. Verteilung der Baumarten, Abschätzung Datenvalidität
Tabelle 8 gibt die Fernerkungsergebnisse hinsichtlich des Habitatparameters Baumart wieder. Hier
ausgewertet und dargestellt ist die in den jeweiligen Rasterzellen dominierende Baumart. Soweit in
einzelnen Rasterzellen weitere beigemischte Baumarten detektiert wurden, bleiben sie hier unbe-
rücksichtigt.
Tab. 8: Baumartenverteilung im Untersuchungsgebiet insgesamt sowie untergliedert nach tsche-
chischem und deutschen Teilgebiet. Datenquelle: Sentinel2 (2018) und DOP (2016/2017)
Baumartengruppe
Fläche
[ha]
Anteil
[%]
Fläche CZ
[ha]
Anteil CZ
[%]
Fläche D
[ha]
Anteil D
[%]
Fichte
358
41
247
46
111
34
Stechfichte
162
19
136
25
26
8
(Murray-)Kiefer
100
11
45
8
55
17
Bergkiefer
58
7
43
8
15
5
Lärche
83
10
32
6
51
16
Weichlaubbäume
78
9
30
6
48
14
Buche
2
0
0
0
2
0
sonst. Laubbäume
4
0
0
0
4
1
keine Angabe
27
3
8
1
19
6
Summe
872
100
541
100
331
100
In nahezu neunzig Prozent der Rasterzellen dominieren Nadelbaumarten, knapp ein Zehntel der
Fläche wird von Weichlaubhölzern dominiert und nur auf einer sehr geringen Fläche von drei Pro-
zent wachsen gar keine oder so wenig Bäume, dass keine Baumart in der jeweiligen Rasterzelle
detektiert werden konnte.
Die mit deutlichem Abstand häufigste Baumart im Untersuchungsgebiet ist die Gemeine Fichte
(
Picea abies
), gefolgt von der Stechfichte (
Picea pungens
) mit einem etwa halb so großen Flä-
chenanteil wie die Gemeine Fichte. Kiefern (insbesondere Murray-Kiefer /
Pinus contorta
) und
Bergkiefer (
Pinus mugo
) haben zusammen etwa den gleichen Flächenanteil wie die Stechfichte,
Lärchen (
Larix spec.
) nehmen das verbleibende Zehntel der neun Zehntel Nadelbaumfläche ein.

20
In der hier nicht weiter untergliederten Gruppe der knapp zehn Prozent Weichlaubbäume dominie-
ren Sand-Birken (
Betula pendula
) und Ebereschen (
Sorbus aucuparia
).
Ein Vergleich zwischen dem tschechischen und deutschen Teil zeigt, dass die Anteile an Fichten
und Stechfichten im tschechischen Teil höher sind, im deutschen Teil wachsen dagegen prozen-
tual mehr Kiefern, Lärchen und auch mehr Weichlaubbäume.
Betrachtet man die sich mehr oder weniger stark auflösenden Bestände der Interimsbaumarten
Stechfichte, Murraykiefer und Lärche gemeinsam, so liegt ihr Anteil in jedem der beiden Teilge-
biete bei rund vierzig Prozent (Stand 2018).
Die nachfolgende Karte (Abb. 7) zeigt die räumliche Verteilung der Baumarten im Untersuchungs-
gebiet. Auffällig ist der Schwerpunkt an Weichlaubbäumen im Bereich des Lugsteins auf deutscher
Seite und des Zinnwalder Hochmoores auf tschechischer Seite. Außerdem deutet sich an, dass
insbesondere in den zentralen Teilen des Untersuchungsgebietes noch relativ viele Flächen mit
Interimsbaumarten existieren, während die Randbereiche stärker durch die meist noch relativ
jungen Wiederaufforstungen mit Fichte geprägt sind.
Abschätzung der Datenvalidität:
Die Bestimmung der Baumart per Fernerkundung ist von den hier gewählten Habitatparametern
derjenige, der mit den höchsten Unsicherheiten behaftet ist. Insbesondere die Trennung der ver-
schiedenen Nadelbaumarten gelingt nicht immer fehlerfrei. Bereits bei der überschlägigen Betrach-
tung der Baumarten-Verteilungskarte (Abb. 7) fällt auf, dass ein größerer Murraykiefernbestand im
Norden des Projektgebietes entlang der Rehefelder Straße fälschlich als Fichtenbestand detektiert
wurde. Auch ein größere zusammenhängende Bergkiefern-Fläche südlich des Kahleberg-Gipfels
wurde nicht korrekt erkannt und als Fichtenbestand ausgewiesen.
Von den stichprobenhaft überprüften Rasterzellen wiesen 28% unplausible Ergebnisse hinsichtlich
der automatisierten Baumartenbestimmung auf, wie bereits erwähnt vor allem hinsichtlich der ver-
schiedenen Nadelbaumarten. Lediglich die Abtrennung der Lärchenbestände von den Kiefern- und
Fichtenbeständen erfolgte nahezu fehlerfrei. Auch die Trennung zwischen Laubbaum- und Nadel-
baumarten erwies sich als treffsicher.

image
21
Abb. 7: Verteilung der Baumarten/Baumartengruppen im Untersuchungsgebiet, Datenquelle:
Sentinel2 (2018) und DOP (2016/2017)
Fichte
Stechfichte
Kiefer
Bergkiefer
Lärche
Weichlaubbäume
Buche
sonst. Laubbäume
keine Angabe
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020

 
22
3.1.2. Verteilung der Baumhöhen, Abschätzung der Datenvalidität
In zwei Dritteln des Untersuchungsgebietes sind die Bäume zwischen zwischen zwei und zehn
Metern hoch (Tab. 9). Zwischen dem tschechischen und dem deutschen Teil des Gebietes gibt es
jedoch deutliche Unterschiede in der Höhenverteilung.
Tab. 9: Baumhöhenverteilung im Gebiet insgesamt sowie untergliedert nach deutschem und
tschechischem Teilgebiet. Datenquelle: DGM Sachsen (2016), DRM 5G Czech Republic
(2017), DOM Sachsen (2017), nDOM 2017 (LUP 2019)
Baumhöhe
[m]
Fläche
[ha]
Anteil
[%]
Fläche CZ
[ha]
Anteil CZ
[%]
Fläche D
[ha]
Anteil D
[%]
< 0,5
68
8
21
4
47
14
0,5 – 2,0
78
9
75
17
3
1
2,5 – 4,0
221
25
200
37
21
6
4,5 – 6,0
153
18
114
21
39
12
6,5 – 8,0
110
13
57
11
53
16
8,5 – 10,0
89
10
33
6
56
17
10,5 – 12,0
67
8
19
4
48
15
12,5 – 14,0
42
5
13
2
29
9
> 14,0
44
5
9
2
35
10
Summe
872
100
541
100
331
100
Im deutschen Teil gibt es einen signifikanten Anteil an Rasterzellen, in denen eine Baumhöhe von
weniger als fünfzig Zentimeter detektiert wurde, zwei Drittel der Bäume sind jedoch höher als
sechs Meter (Abb. 8). Im tschechischen Teil waren 2017 dagegen achtzig Prozent der Bäume
maximal sechs Meter hoch.
Abb. 8:
Prozentuale Verteilung der Baumhöhen im tschechischen und deutschen Gebietsteil
Die höchsten Bäume auf deutscher Seite stehen im Bereich zwischen Kahleberg und Lugstein
sowie nördlich des Kahlebergs, in Tschechien im Umfeld des Schutzgebietes Zinnwalder Hoch-
0
5
10
15
20
25
30
35
[%]
40
CZ
D

image
23
moor (Abb. 9). Die niedrigwüchsigen Bereiche im deutschen Teil umfassen vor allem die Kuppen
des Kahlebergs und des Lugsteins.
Abb. 9: Räumliche Verteilung der Baumhöhen im Untersuchungsgebiet
Abschätzung der Datenvalidität:
Die Treffsicherheit der Baumhöhenbestimmung ist als hoch einzuschätzen. Sowohl ein Vergleich
mit den forstlichen Daten der Baumhöhen als auch die genauere Sichtung der stichprobenhaft
herangezogenen Rasterzellen zeigte nahezu keine Inplausibilitäten der Fernerkundungsergeb-
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020
< 0,5 m
0,5 – 2 m
2,5 – 4 m
4,5 – 6 m
6,5 – 8 m
> 8 m

 
24
nisse. Im Luftbild erkennbare Strukturen und Grenzlinien unterschiedlicher Baumhöhen werden
auch von den Fernerkundungsdaten zuverlässig wiedergegeben.
3.1.3. Verteilung der Deckungsgrade der Baumschicht, Abschätzung
der Datenvalidität
Knapp ein Viertel des gesamten Untersuchungsgebiets ist mit Deckungsgraden von maximal 40%
sehr locker mit Bäumen bewachsen oder baumfrei. Im deutschen Teil ist die Fläche der annähernd
oder völlig baumfreien Bereiche mit rund dreißig Hektar rund doppelt so groß wie im tschechischen
Teil (vgl. Tab. 10), ansonsten sind die Unterschiede hinsichtlich der Deckungsgradanteile eher ge-
ring.
Tab.10: Deckungsgrade der Baumschicht insgesamt sowie untergliedert nach deutschem und
tschechischem Teilgebiet. Datenquelle: DGM Sachsen (2016), DRM 5G Czech Republic
(2017), DOM Sachsen (2017), nDOM 2017 (LUP 2019)
Deckungsgrad
[%]
Fläche
[ha]
Anteil
[%]
Fläche CZ
[ha]
Anteil CZ
[%]
Fläche D
[ha]
Anteil D
[%]
< 0,1
44
5
15
3
29
9
0,1 – 0,2
67
8
37
7
31
9
0,3 – 0,4
87
10
52
10
35
11
0,5 – 0,6
103
12
65
12
38
11
0,7 – 0,8
129
15
82
15
47
14
0,9 – 1,0
442
51
291
54
152
46
Summe
872
100
541
100
331
100
Die dicht mit Bäumen bewachsenen Bereiche (Deckungsgrade 0,9 – 1,0) bilden den größten Block.
Sowohl auf deutscher als auch auf tschechischer Seite nehmen sie rund die Hälfte des Gebietes
ein (vgl. Abb. 10).
Abb. 10: Prozentuale Verteilung der Deckungsgrade der Baumschicht im tschechischen
und im deutschen Gebietsteil
Abbildung 11 zeigt die räumliche Verteilung der unterschiedlich dicht mit Bäumen bewachsenen
Bereiche im Untersuchungsgebiet. Auffällig sind die relativ großen Bereiche mit wenig Bäumen am
0
10
20
30
40
50
[%]
60
CZ
D

image
25
Lugstein, westlich vom Golfplatz Cinovec und nördlich des Pramenac. Auch die aktuellen Wald-
umbauflächen und dauerhaften Blößen am Kahleberg sind klar erkennbar.
Abb. 11: Räumliche Verteilung der Deckungsgrade der Baumschicht im Untersuchungsgebiet
Abschätzung der Datenvalidität:
Bereits ein okularer Vergleich der Fernerkundungsergebnisse mit den Luftbildern zeigt, dass die
automatisiert erfassten Deckungsgrade der Baumschicht plausibel sind und die Verteilung der
unterschiedlich dicht bestockten und baumfreien Bereiche offensichtlich weitgehend korrekt nach-
zeichnen. Anhand der genauer betrachteten, stichprobenhaft herangezogenen Rasterzellen lässt
sich der Anteil der zutreffend angeschätzten Deckungsgrade für die Baumschicht mit rund 95
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020
0 %
10 – 20%
30 – 40%
50 – 60%
70 – 80%
90 – 100%

 
26
Prozent angeben. Zu beachten ist jedoch, dass Bäume unter einem Meter Höhe grundsätzlich der
Bodenvegetation zugeordnet werden und diese Bereiche hinsichtlich der Deckungsgrade somit als
baumfrei gelten.
3.1.4. Verteilung der Bodenvegetationstypen, Abschätzung der
Datenvalidität
Für etwa die Hälfte des Untersuchungsgebietes konnte mit Mitteln der Fernerkundung gar keine
Angabe zur Bodenvegetation gemacht werden bzw. die Bodenvegetation keinem der spezielleren
Typen zugeordnet werden (Kategorie "sonstige Vegetation). Die andere Hälfte der Fläche ist in der
Bodenvegetationsschicht entweder von (meist hohen) Gräsern oder von Beersträuchern dominiert
(Tab. 11).
Tab.11: Verteilung der Bodenvegetationstypen insgesamt sowie untergliedert nach deutschem
und tschechischem Teilgebiet. Datenquelle: Sentinel2 (2018) und DOP (2016/2017)
Vegetationstyp
Fläche
[ha]
Anteil
[%]
Fläche CZ
[ha]
Anteil CZ
[%]
Fläche D
[ha]
Anteil D
[%]
Zwergsträucher > 50%
173
20
127
23
46
14
Zwergsträucher > 20%
8
1
7
1
1
0
Gräser hoch
211
24
130
24
81
24
Gräser niedrig
46
5
31
6
15
5
Moor-/Sumpfvegetation
11
1
6
1
5
1
Steine
3
0
0
0
3
1
Rohboden
4
0
1
0
3
1
sonstige Vegetation
153
18
56
10
97
29
keine Angabe
264
30
182
34
82
25
Summe
872
100
541
100
331
100
Insbesondere der Anteil der mit Beersträuchern bewachsenen Fläche ist auf tschechischer Seite
deutlich größer, die absolute Fläche der beerstrauchreichen Rasterzellen ist hier sogar fast dreimal
so groß wie deutscher Seite.
Abbildung 12 zeigt die räumliche Verteilung der Bodenvegetationstypen im Untersuchungsgebiet.
Klar zu sehen ist die deutlich größere Fläche an Beersträuchern auf tschechischer Seite und deren
räumlicher Schwerpunkt in den entwässerten Moorbereichen im mittleren und nördlichen Bereich
des tschechischen Gebietsteils. Auf deutscher Seite konzentrieren sich die Beerstrauchvorkom-
men auf die Randbereiche des Georgenfelder Hochmoors und um den Kahleberg.
Deutlich wird auch, dass die Kategorie "sonstige Vegetation" auf deutscher Seite deutlich höhere
Anteile hat. Ein besonderer Schwerpunkt ist hier der Lugstein. Das Ergebnis spiegelt wider, dass
es sich hier um ein Gemisch verschiedener Vegetationstypen handelt. Möglicherweise ist es auch
Ausdruck einer Sukzession beerkrautreicherer hin zu gras- und kräuterreicheren Bodenvegeta-
tionstypen infolge der wiederholten Bodenschutzkalkungen in diesem Bereich.

image
image
image
image
image
27
Abb.12: Räumliche Verteilung der Bodenvegetationstypen im Untersuchungsgebiet
Abschätzung der Datenvalidität:
Die Plausibilität der Fernerkundungsergebnisse zu den Bodenvegetationstypen wurde vor allem
anhand der Ergebnisse der terrestrischen Habitatkartierung und Vegetationsaufnahmen durch den
Projektpartner Ametyst (VOLF 2019) überprüft. Grundsätzlich waren keine größeren Inplausibilitä-
ten feststellbar, lediglich die Grenzziehung zwischen niedrigem und hohem Graswuchs erschien
nicht immer zutreffend (5 % der stichprobenhaft untersuchten Rasterzellen).
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH u. Co. KG, 2020
Rohboden
Zwergsträucher > 50%
Zwergsträucher >
20%
Moor-/Sumpf-Vegetation
Gräser niedrig
Gräser
hoch
Steine
sonstige Bodenvegetation
keine Angabe

image
 
28
3.1.5. Verteilung der Geländeformen
Wie bereits erwähnt ist die Reliefenergie im Projektgebiet gering. Es handelt sich um eine kuppige
Hochebene mit schwach geneigten Hängen und flachen Mulden. Dies zeigt auch die Auswertung
des digitalen Geländemodells (Abb. 13).
Abb.13: Auswertung der Geländeformen anhand einer zehnstufigen Klassifikation, Datenquelle:
DGM Sachsen (2016), DRM 5G Czech Republic (2017)
Eine Verringerung der potenziellen Habitatfläche aufgrund ungünstiger Geländeformen dürfte im
Projektgebiet keine größere Rolle spielen. Einen tieferen Geländeeinschnitt gibt es nur zwischen
Kahleberg und Lugstein, steilere Hangbereiche nur an der Nordseite des Kahlebergs.
Abbildung 13 zeigt aber auch, dass das Projektgebiet jenseits seiner Grenzen von zahlreichen
tiefen Geländeeinschnitten umgeben ist.

 
29
3.2. Ergebnisse der Habitatbewertung
Die Bewertung des Projektgebietes hinsichtlich seiner Habitateignung für Birkhühner folgt der in
Kapitel 2.5. beschriebenen Methodik. In die nachfolgend präsentierten Ergebnisse wurden nur
Rasterzellen einbezogen, die außerhalb des Störbereichs von Wegen und nicht in steileren Ge-
ländeeinschnitten lagen. Von den rund 87.200 Rasterzellen (872 ha) des Projektgebietes sind dies
rund achtzig Prozent (70.200 Zellen / 702 ha), knapp zwanzig Prozent (17.000 Zellen / 170 ha)
wurden aus den oben genannten Gründen von vornherein aus der Habitatbewertung ausgeschlos-
sen und als untauglich betrachtet.
3.2.1. Habitattyp "Balzplätze"
Optimale Balzplätze sind sehr lichte bis baumfreie Bereiche mit niedriger Bodenvegetation, die den
Birkhühnern eine gute Rundumsicht ermöglichen. Im Idealfall sind sie eingebettet in lichte Vorwäl-
der und an ihren Rändern verzahnt mit allmählich dichter werdenden, aber immer noch lichten,
niedrigwüchsigen Vegetationsstrukturen. Die Übergänge zu den sonstigen Teilhabitataten sind
fließend, abrupte Übergänge zu dichten und/oder hochwüchsigen Waldbeständen sind der Eig-
nung als Balzplatz abträglich.
Ausgehend von diesem Leitbild wurden die in Tabelle 12 aufgeführten Bewertungsklassen und
Eignungsschwellen für den Habitattyp Balzplätze definiert. Hinsichtlich des Parameters Baumart
wurden Rasterzellen mit Weichlaubbäumen und ohne oder mit nur sehr niedrigem Baumbewuchs
("keine Angabe") am günstigsten bewertet. Die weitere Abstufung folgt der Beobachtung, dass die
Interimsbaumarten lichtere, häufig auch durchbrochenere Bestandesstrukturen aufweisen als die
sehr vitalen Fichten und hinsichtlich der Habitateignung insofern günstiger zu beurteilen sind.
Hinsichtlich Deckungsgrad und Baumhöhe werden baumfreie und/oder sehr lichte Bereiche mit nur
kleinen Bäumen als besonders günstig bewertet, aber auch etwas höherwüchsige, nicht zu dichte
Bereiche können dem Habitattyp Balzplätze noch zugeordnet werden, wenn die betreffenden Ras-
terzellen nicht bei allen Einzelparametern nur die Stufe "noch geeignet" erreichen. Rasterzellen,
bei denen die Bäume einen Deckungsgrad von mehr als dreißig Prozent erreichten oder höher als
vier Meter waren, wurden für den Habitattyp "Balzplätze" als ungeeignet betrachtet.
Tab.12:
Bewertungsklassen und Eignungsschwellen für den Habitattyp "Balzplätze"
Bewertung
Baumartengruppe
Deckungsgrad
Baumschicht
Baumhöhe
Bodenvegetationstyp
sehr geeignet
(3 Punkte)
Weichlaubbäume,
keine Angabe
0 - 10 %
0 – 0,5 m
Zwergsträucher > 50%,
Gras niedrig, Rohboden
geeignet
(2 Punkte)
Kiefer, Bergkiefer,
Lärche, Stechfichte
20 %
1 – 1,5 m
Zwergsträucher < 50%,
Moor-/Sumpf-Vegetation
noch geeignet
(1 Punkt)
Fichte, Buche,
sonstige Laubbäume
30 %
2 – 4 m
Gras hoch, Steine, andere
Vegetation, keine Angabe
ungeeignet
(Ausschluss)
kein Ausschluss
> 30 %
> 4 m
kein Ausschluss
Gewichtung
einfach
doppelt
doppelt
einfach
Die Habitatparameter "Deckungsgrad Baumschicht" und "Baumhöhe" wurden bei der Berechnung
des Habitatwertes doppelt gewichtet, da eine nicht zu dichte, niedrigwüchsige Baumschicht für
diesen Habitattyp ausschlaggebend ist.

image
30
Abbildung 14 zeigt die räumliche Verteilung der Rasterzellen, die bei diesem Bewertungsverfahren
mindestens zehn Punkte hinsichtlich ihrer Eignung als Balzplatz erreicht haben. Wie nicht anders
zu erwarten, zeichnet das Ergebnis die Lage die sehr lichten oder völlig baumfreien Bereiche im
Projektgebiet nach und ist insofern plausibel.
Abb. 14: Räumliche Verteilung der Rasterzellen, die bei der Bewertung als Habitattyp "Balzplätze"
mindestens zehn Punkte erreicht haben, abgestuft nach der Punktzahl
Insgesamt wurden rund 7.100 Rasterzellen (71 ha) identifiziert, die gemäß den oben erläuterten
Bewertungskriterien mindestens zehn Punkte erreichen und als mindestens "noch geeignet" für
den Habitattyp "Balzplätze" gelten können (Tab. 13). Dies sind rund acht Prozent des Projektge-
bietes (872 ha). Größere Bereiche mit einer sehr guten Eignung als Balzplatz zeichnen sich in den
sehr geeignet
geeignet
noch geeignet
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020

 
31
Randbereichen des Georgenfelder Hochmoores, des Zinnwalder Hochmoores sowie am
Südosthang des Pramenáĉ / Bornhauberges ab. Außerdem wurden die Wiesen östlich des Geor-
genfelder Hochmoores aufgrund des fehlenden Baumbewuchses und der niedrigen Gräser nach
dem hier gewählten Schema und die kürzlich angelegten Waldumbauflächen am Kahleberg als
sehr guter Balzplatz errechnet.
Tab. 13: Flächensummen und Flächenanteile der als Balzplatz geeigneten Rasterzellen, gesamt
und untergliedert nach tschechischem und deutschen Teil des Projektgebietes
Bewertung
Fläche CZ [ha (%)]
Fläche D [ha (%)]
Fläche gesamt [ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
10 (2)
20 (6)
30 (3)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
17 (3)
9 (3)
25 (3)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
12 (2)
4 (1)
16 (2)
Summe
38 (7)
33 (10)
71 (8)
Die Fläche der als Balzplatz geeigneten Bereichen ist im tschechischen Teilgebiet (541 ha) etwas
größer als im deutschen Teilgebiet (331 ha), der prozentuale Anteil an Balzhabitate ist auf deut-
scher Seite jedoch höher als im tschechischen Teil.
Hinsichtlich der hier präsentierten Flächensummen ist zu beachten, dass sie auch isoliert liegende
Rasterzellen umfassen, die die obigen Bewertungskriterien zwar erfüllen, aufgrund ihrer für sich
genommen zu geringen Flächenausdehnung tatsächlich nicht als Balzplätze geeignet sind. Inso-
fern sind die obigen Flächenangaben tendenziell zu hoch angesetzt.
Eine nachgeordnete, automatisierte Eliminierung solcher isoliert liegender "geeigneter" Zellen wäre
möglich gewesen, wurde hier aber nicht vorgenommen, um die Bewertungsergebnisse transparent
darzustellen. Der Großteil der für einen Balzplatz als geeignet identifizierten Rasterzellen weist
Klumpungen auf und lässt räumliche Schwerpunkte potenzieller oder tatsächlicher Balzplätze klar
erkennen (siehe oben).
3.2.2. Habitattyp "Brut- und Aufzuchthabitate"
Die primären Lebensraumfunktionen von Brut- und Aufzuchthabitaten sind ausreichend Deckung
(für die Gelege und später für die Küken) sowie ein ausreichendes Nahrungsangebot vor allem für
die Küken. Im Gegensatz zu den Balzplätzen sollten diese Habitate deshalb nicht völlig baumfrei,
sondern zumindest licht bestockt sein und auch deckungsreichere Partien umfassen. Qualitativ
gute Brut- und Aufzuchthabitate haben zudem eine niedrigwüchsige Bodenvegetation, im Idealfall
mit einem hohen Anteil an Beersträuchern und einem reichlichen Angebot an Insekten vor allem in
den ersten Lebenswochen der Küken. Hohes, dichtes Gras mindert die Habitatqualität erheblich,
da die Küken hier bei nasser Witterung rasch verkühlen.
Tabelle 14 zeigt die Bewertungsmaßstäbe, die an die Rasterzellen angelegt wurden, um über ihre
Eignung als Brut- und Aufzuchthabitat zu entscheiden. Zellen ohne jegliche Baumbedeckung wur-
den als ungeeignet ausgesondert, ebenso Bereiche mit einem Deckungsgrad der Bäume von über
sechzig Prozent. Die maximal "zulässigen" Baumhöhen für Brut- und Aufzuchthabitate wurden (im
Vergleich zum aktuellen Artenschutzprogramm für das Birkhuhn in Sachsen (LfULG, 2019), mit
zehn Metern relativ hoch angesetzt, da ansonsten viele locker bewachsene Bereiche insbesonde-
re am Lugstein rein rechnerisch aus der Habitateignung herausgefallen wären.
Wie bereits erwähnt, spielt die Bodenvegetation für die Brut- und Aufzuchthabitate eine besondere
Rolle, sie wurde bei der Bewertung der Habitateignung daher doppelt gewichtet und Rasterzellen
mit felsigen Bereiche ohne Bodenbewuchs als für diesen Habitattyp ungeeignet eingestuft. Auf-

32
grund der Bedeutung eines insgesamt lichten Baumbewuchses wurde das Kriterium "Deckungs-
grad Baumschicht" ebenfalls doppelt gewichtet.
Tab. 14: Bewertungsklassen und Eignungsschwellen für den Habitattyp "Brut- und Aufzucht-
habitate"
Bewertung
Baumartengruppe
Deckungsgrad
Baumschicht
Baumhöhe
Bodenvegetationstyp
sehr geeignet
(3 Punkte)
Weichlaubbäume
10 - 20 %
0,5 – 2 m
Zwergsträucher > 50%,
Gras niedrig, Rohboden
geeignet
(2 Punkte)
Kiefer, Bergkiefer,
Lärche, Stechfichte
30 – 40 %
2,5 – 4 m
Zwergsträucher < 50%,
Moor-/Sumpf-Vegetation
noch geeignet
(1 Punkt)
Fichte, Buche,
sonstige Laubbäume,
keine Angabe
50 – 60 %
4,5 – 10 m
Gras hoch, andere Vegeta-
tion, keine Angabe
ungeeignet
(Ausschluss)
kein Ausschluss
< 10 %
> 60 %
< 0,5 m
> 10 m
Steine
Gewichtung
einfach
doppelt
einfach
doppelt
Abbildung 15 (folgende Seite) zeigt das Ergebnis der Rasterzellenbewertung in Bezug auf den Ha-
bitattyp "Brut- und Aufzuchthabitate" in Form einer Karte. Im tschechischen Teil des Projektgebie-
tes gibt es demnach wesentlich mehr Flächen, die Birkhühnern in dieser sensiblen Lebensphase
gute Überlebensbedingungen bieten, darunter etliche Flächen in den höher bewerteten Stufen
"geeignet" und "sehr geeignet". Die als besonders gut bewerteten Rasterzellen folgen neben
geeigneten Waldstrukturen insbesondere der Verteilung der Beersträucher, die auf tschechischer
Seite deutlich größere Flächen einnehmen als im deutschen Teil des Projektgebietes (vgl. Kapitel
3.1.4.).
Die obigen Unterschiede spiegeln sich auch in der tabellarischen Auswertung der Flächen und
Flächenanteile der für diesen Habitattyp als geeignet angesehenen Rasterzellen (Tab. 15). Der
Umfang an Brut- und Aufzuchthabitaten ist auf tschechischer Seite mehr als dreimal so groß wie
auf deutscher Seite, wo es zudem kaum Flächen in den besser bewerteten Kategorien gibt.
Tab. 15: Flächensummen und Flächenanteile der als Brut- und Aufzuchthabitate geeigneten
Rasterzellen, gesamt und untergliedert nach tschechischem und deutschen Teil des
Projektgebietes
Bewertung
Fläche CZ [ha (%)]
Fläche D [ha (%)]
Fläche gesamt [ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
10 (2)
1 (0)
10 (1)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
29 (5)
4 (1)
33 (4)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
36 (7)
17 (5)
53 (6)
Summe
74 (14)
22 (7)
96 (11)
Im Gegensatz zur Flächenbilanz der Balzplätze wird für diesen Habitattyp eingeschätzt, dass die
obigen Flächenangaben den tatsächlichen Umfang an Brut- und Aufzuchthabitaten im Gebiet eher
unterschätzen, da die als geeignet eingestuften Rasterzellen in vielen Fällen eng mit solchen ver-
zahnt sind, die aufgrund einer dichteren oder fehlenden Baumbedeckung und/oder einer nicht
identifizierbaren Bodenvegetation aussortiert wurden. Bei kleinräumiger Verzahnung mit überwie-
gend "geeigneten" Zellen werden sicherlich auch diese nicht den Kriterien entsprechenden Zellen,
und sei es nur aufgrund der Deckungsmöglichkeiten für die Küken, als Lebensraum genutzt. Grö-

image
33
ßere zusammenhängende Bereiche mit dichtem Baumbewuchs oder völlig ohne Bäume sind als
Brut- und Aufzuchthabitate aber in jedem Fall zu verwerfen. Auch für diesen Habitattyp gilt daher,
dass eine kartographische Darstellung der Bewertungsergebnisse die tatsächlich geeigneten
Bereiche nicht rasterzellenscharf abgrenzen kann, die räumlichen Schwerpunkte geeigneter Brut-
und Aufzuchthabitate aber erkennbar und plausibel beschrieben werden.
Abb. 15: Räumliche Verteilung der Rasterzellen, die bei der Bewertung als "Brut- und Auf-
zuchthabitate" mind. zehn Punkte erreicht haben, abgestuft nach der Punktzahl
Eine gemeinsame Darstellung der als "Balzplätze" oder "Brut- und Aufzuchthabitate" geeigneten
Rasterzellen zeigt die überwiegend enge Verzahnung der beiden Habitattypen im Projektgebiet
(Abb. 16). Hinsichtlich der Eignung des Gebietes als Lebensraum für Birkhühnern ist dies positiv
sehr geeignet
geeignet
noch geeignet
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020

image
image
34
zu bewerten. Die Fläche, die einem oder beiden Habitatypen zugeordnet werden konnte, summiert
sich auf 146 Hektar (17%), rund ein Sechstel des Projektgebiets. Dieser Flächenanteil ist auf
tschechischer und tschechischer Seite nahezu identisch (CZ: 93 ha / 17%; D: 53 ha / 16%).
Abb. 16: Räumliche Verteilung der Rasterzellen, die als "Balzplätze" oder "Brut- und Auf-
zuchthabitate" mindestens zehn Punkte erreicht haben, wobei zu beachten ist, dass
große Teile der als Balzplatz geeigneten Habitate zugleich Funktionen für die Brut und
Aufzucht erfüllen können.
Balz-Habitat
Brut-/Aufzuchthabitat
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020

 
35
3.2.3. Habitattyp "Herbst-/Winterhabitate"
Die primären Lebensraumfunktionen von Herbst- und Winterhabitaten sind ausreichend Deckung
und Störungsfreiheit sowie ein ausreichendes Nahrungsangebot in der Bodenvegetation und in
den Baumkronen in Form von Knospen und Nadeln. Günstige Herbst- und Winterhabitate zeich-
nen sich durch einen lückigen Baumbewuchs mit nennenswerten Anteilen an Weichlaubbäumen
und bis zum Boden beasteten Nadelbäumen bzw. Nadelbaumgruppen aus, die Bodenvegetation
ist im Idealfall durch einen hohen Anteil an Zwergsträuchern geprägt.
Tabelle 16 zeigt die Bewertungsmaßstäbe, diean Rasterzellen bezüglich ihrer Zugehörigkeit zum
Habitattyp "Herbst-/Winterhabitate" angelegt wurden. Wie bei den Brut- und Aufzuchthabitaten
wurden Zellen ohne jegliche Baumbedeckung oder mit einem Deckungsgrad der Bäume von mehr
als sechzig Prozent als ungeeignet ausgesondert; eine Schwelle maximal zulässiger Baumhöhen
gab es jedoch nicht und auch die Abstufung der Höhen und Deckungsgrade wurde in den gut be-
werten Klassen "großzügiger" gewählt als bei den Brut- und Aufzuchthabitaten. Die Bewertung der
Bodenvegetation folgt exakt dem Schema der Brut- und Aufzuchthabitate. Den Habitatparametern
"Deckungsgrad Baumschicht" und "Bodenvegetationstyp" wurde ein höheres Gewicht beigemes-
sen als den Parametern "Baumartengruppe" und "Baumhöhe".
Tab. 16:
Bewertungsklassen und Eignungsschwellen für den Habitattyp "Herbst-/Winterhabitate"
Bewertung
Baumartengruppe
Deckungsgrad
Baumschicht
Baumhöhe
Bodenvegetationstyp
sehr geeignet
(3 Punkte)
Weichlaubbäume
10 - 40 %
0,5 – 3 m
Zwergsträucher > 50%,
Gras niedrig, Rohboden
geeignet
(2 Punkte)
Kiefer, Bergkiefer,
Lärche, Stechfichte
50 %
3,5 – 6 m
Zwergsträucher < 50%,
Moor-/Sumpf-Vegetation
noch geeignet
(1 Punkt)
Fichte, Buche,
sonstige Laubbäume,
keine Angabe
60 %
> 6 m
Gras hoch, andere Vegeta-
tion, keine Angabe
ungeeignet
(Ausschluss)
kein Ausschluss
< 10 %
> 60 %
< 0,5 m
Steine
Gewichtung
einfach
doppelt
einfach
doppelt
Die nach diesen weiter gefassten Kriterien ermittelte Fläche geeigneter Herbst- und Winterhabitate
ist wegen der überwiegend dicht geschlossenen Bestände dennoch nur um 30 Hektar größer als
die der Brut- und Aufzuchthabitate (vgl. Tab. 17). Auch hier wird eingeschätzt, dass die tatsäch-
liche Fläche geeigneter Herbst- und Winterhabitate aufgrund der kleinräumigen Verzahnung mit
"aussortierten" Zellen größer ist als hier errechnet.
Tab. 17: Flächensummen und Flächenanteile der als Herbst-/Winterhabitate geeigneten Raster-
zellen, gesamt und untergliedert nach tschechischem und deutschen Teil des Projekt-
gebietes
Bewertung
Fläche CZ [ha (%)]
Fläche D [ha (%)]
Fläche gesamt [ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
27 (5)
2 (1)
30 (3)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
30 (5)
11 (3)
41 (5)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
31 (6)
25 (8)
56 (6)
Summe
88 (16)
38 (12)
126 (14)

image
36
Diesen Eindruck vermittelt auch die kartographische Darstellung der Bewertungsergebnisse für
diesen Habitattyp (Abb. 17). Die Karte zeigt, dass nach den hier gewählten Kriterien der Bereich
zwischen Pramenáĉ und Lugstein eine hohe Eignung nicht nur für die Brut und Aufzucht, sondern
auch als Herbst- und Winterhabitat aufweist, derzeit aber auch zahlreiche andere Flächen im Pro-
jektgebiet den oben definierten Anforderungen dieses Habitattyps entsprechen.
Abb. 17: Räumliche Verteilung der Rasterzellen, die bei der Bewertung als "Herbst-/Winter-
habitat" mindestens zehn Punkte erreicht haben, abgestuft nach der Punktzahl
Stellt man die Bewertungsergebnisse für alle drei Habitattypen gemeinsam dar (Abb. 18), so er-
kennt man gegenüber Abbildung 16 insbesondere die hinzugekommenen Rasterzellen der hin-
sichtlich ihrer Kriterien weiter gefassten Herbst- und Winterhabitate. Im Gesamtgebiet ist mit
sehr geeignet
geeignet
noch geeignet
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020

image
37
176 Hektar exakt ein Fünftel der Fläche einem der drei Habitattypen zuzuordnen. Dieser Anteil ist
im tschechischen (107 ha / 20%) und im deutschen (69 ha / 21%) Gebietsteil nahezu identisch.
Abb. 18: Räumliche Verteilung der Rasterzellen, die als "Balzplätze", "Brut- und Aufzuchthabitate"
oder "Herbst-/Winterhabitate" mindestens zehn Punkte erreicht haben
Balz-Habitat
Brut-/Aufzuchthabitat
Herbst-/Winterhabitat
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020

 
38
3.3. Ergebnisse der Habitatprognosen
Wie bereits in Kapitel 2.6. beschrieben, wurde die weitere Habitatentwicklung im Projektgebiet in
zwei Szenarien für einen Zeitraum von jeweils zehn und zwanzig Jahren fortgeschrieben.
Im ersten Szenario (ohne Waldumbau) wurde lediglich das Höhenwachstum und der Deckungs-
grad der zum Zeitpunkt der Datenaufnahme (2018) festgestellten Fichtenbestände fortgeschrieben,
während Freiflächen, Interimsbaumarten und Weichlaubbäume hinsichtlich ihrer Habitateignung
und Verteilung im aktuellen Zustand verharren.
Im zweiten Szenario (mit Waldumbau) wurde zusätzlich davon ausgegangen, dass zum Ende des
ersten Jahrzehntes die sich auflösenden Bestände der Interimsbaumarten Stechfichte, Lärche und
Murray-Kiefer vollständig durch Fichtenkulturen ersetzt worden sind und im zweiten Jahrzehnt zu
Fichten-Jungbeständen heranwachsen. Für Freiflächen, Bergkiefer- und Weichlaubbaumbestände
wurde auch in diesem Szenario angenommen, dass sie von Waldumbaumaßnahmen
ausgenommen sind.
3.3.1. Szenario ohne Waldumbau
Die folgenden Tabellen und Karten stellen dar, wie sich die Habitatbewertung im Projektgebiet än-
dert, wenn alle im Jahr 2018 detektierten Fichtenbestände nach zehn Jahren drei Meter höher und
nach zwanzig Jahren sechs Meter höher sind und die Deckungsgrade der Fichten nach zehn Jah-
ren um 0,5 zugenommen bzw. sich nach zwanzig Jahren vollständig geschlossen haben.
Diese Fortschreibung der Höhen- und Deckungsgrade auf Rasterzellen mit dominierender Fichte
betrifft gemäß der Baumartenverteilung im Aufnahmejahr 358 Hektar (vgl. Kapitel 3.1.1.), das sind
41% des Projektgebietes. Für alle anderen Flächen wird von einer sich nicht ändernden Habitat-
eignung bzw. Habitatbewertung ausgegangen.
a) Prognose für die Entwicklung der Balzplatz-Habitate:
Tab. 18: Flächensummen und Flächenanteile der als Balzplätze geeigneten Rasterzellen aktuell
sowie für Prognosezeiträume 10 Jahre und 20 Jahre, hier Szenario ohne Waldumbau
Bewertung
Fläche aktuell
[ha (%)]
Prognose 10 Jahre
[ha (%)]
Prognose 20 Jahre
[ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
30 (3)
17 (2)
17 (2)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
25 (3)
30 (3)
30 (3)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
16 (2)
15 (2)
15 (2)
Summe
71 (8)
62 (7)
62 (7)
Zum Zeitpunkt der Datenerhebung (2018) waren rund neun Hektar der als Balzplatzhabitat tauglich
bewerteten Rasterzellen von Fichten dominiert. Aufgrund der hier getroffenen Annahmen über das
weitere Wachstum der Fichten in diesen Rasterzellen verlieren sie innerhalb eines Jahrzehnts ihre
Eignung für diesen Habitattyp. Dieser Wandel konzentriert sich auf jüngere Waldumbauflächen
rund um den Kahleberg, westlich der Straße zwischen Cínovec und Nové Město und den Nord-
und Südhang des Pramenáč (Abb. 19).

image
image
image
39
Abb. 19: Prognostizierte Entwicklung der Rasterzellenbewertung bezüglich ihrer Eignung als
"Balzplätze", hier Szenario ohne Waldumbau. Von links nach rechts: Zum Zeitpunkt der
Datenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Kartenlegende siehe Abb. 14).
Der weit überwiegende Teil der zum Zeitpunkt der Datenerhebung als balzplatz-tauglich bewerte-
ten Rasterzellen liegt außerhalb der von Fichten dominierten Bereiche und bleibt nach den Annah-
men dieses Szenarios auch in den beiden folgenden Jahrzehnten als Balzplatz geeignet, in Sum-
me 62 Hektar. Die – sich in der zweiten Hälfte des Prognosezeitraums nicht mehr verändernden –
räumlichen Schwerpunkte der als geeignet bewerteten Zellen sind Abbildung 19 zu entnehmen.
Einige frisch angelegte Waldumbauflächen östlich und westlich des Kahlebergs bleiben nach die-
ser Prognose dauerhaft als mögliche Balzplätze bestehen. Grund für diese – falsche – Prognose
ist, dass die noch sehr jungen Fichtenanpflanzungen mit Mitteln der Fernerkundung nicht zu erfas-
sen sind und als Freiflächen interpretiert werden.
b) Prognose für die Entwicklung der Brut- und Aufzuchthabitate:
Die Fläche der als Brut- und Aufzuchthabitate geeigneten Flächen nimmt im ersten Jahrzehnt um
15 Hektar, im zweiten Jahrzehnt um nur noch 2 Hektar ab (vgl. Tab. 19). Auch nach zwei Jahr-
zehnten bleiben mehr als vier Fünftel (82 %) der Brut-und Aufzuchtbereiche bestehen, da in die-
sem Szenario bei den schon zu Beginn als geeiget erachteten Flächen mit einer lichten Be-
stockung aus Weichlaub- und Interimsbaumarten sowie eine beerkrautreiche Bodenvegetation
auch nach zwanzig Jahren von keiner Zustandsänderung ausgegangen wird (vgl. Kap. 3.2.2.)
Die räumlichen Schwerpunkte der Flächenminderungen an Brut- und Aufzuchthabitaten liegen wie
bei den Balzplätzen in den Bereichen mit jüngeren, anfänglich noch lichten Waldumbauflächen
(Abb. 20).

image
image
image
40
Tabelle 19: Flächensummen und Flächenanteile der als Brut- und Aufzuchthabitate geeigneten
Rasterzellen aktuell sowie für die Prognosezeiträume 10 Jahre und 20 Jahre, hier
Szenario ohne Waldumbau
Bewertung
Fläche aktuell
[ha (%)]
Prognose 10 Jahre
[ha (%)]
Prognose 20 Jahre
[ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
10 (1)
9 (1)
9 (1)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
33 (4)
30 (3)
30 (3)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
53 (6)
42 (5)
42 (5)
Summe
96 (11)
81 (9)
79 (9)
Abb. 20: Prognostizierte Entwicklung der Rasterzellenbewertung bezüglich ihrer Eignung als
"Brut- und Aufzuchthabitate", hier Szenario ohne Waldumbau. Von links nach rechts:
Zum Zeitpunkt der Datenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Karten-
legende siehe Abb. 15).

image
image
image
image
41
c) Prognose für die Entwicklung der Herbst-/Winterhabitate
Die Fläche der Herbst-/Winterhabitate nimmt im hier gewählten Szenario in zwanzig Jahren um
knapp ein Viertel ab (Tab. 20). Auch hier treten fast alle Habitatverluste bereits im ersten Jahrzehnt
in den sich rasch schließenden jungen Fichtenbeständen ein. Über den gesamten Zeitraum als
Herbst-/Winterhabitat nutzbar bleiben die Bestände aus Weichlaubbäumen, Stechfichte, Lärche,
Berg- und Murray-Kiefer, sofern ihr Deckungsgrad zum Zeitpunkt der Erstaufnahme nicht über 0,6
liegt.
Tab. 20: Flächensummen und Flächenanteile der als Herbst-/Winterhabitate geeigneten Raster-
zellen aktuell sowie für die Prognosezeiträume 10 Jahre und 20 Jahre, hier Szenario
ohne Waldumbau
Bewertung
Fläche aktuell
[ha (%)]
Prognose 10 Jahre
[ha (%)]
Prognose 20 Jahre
[ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
30 (3)
26 (3)
26 (3)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
41 (5)
38 (4)
38 (4)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
56 (6)
37 (4)
34 (4)
Summe
126 (14)
100 (12)
97 (11)
Abb. 21: Prognostizierte Entwicklung der Rasterzellenbewertung bezüglich ihrer Eignung als
"Herbst-/Winterhabitate", hier Szenario ohne Waldumbau. Von links nach rechts: Zum
Zeitpunkt der Datenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Kartenlegende
siehe Abb. 17).

image
image
image
42
Tabelle 21 und Abbildung 22 zeigen die prognostizierte Habitatentwicklung in der Zusammen-
schau aller drei Habitattypen, wenn man davon ausgeht, dass die Baumartenverteilung im Projekt-
gebiet unverändert bleibt. Durch das Aufwachsen der bereits vorhandenen Fichtenbestände wird
sich die Habitatfläche um rund ein Fünftel (37 ha / 21%) verringern. Gemäß dieses Szenarios
verbleiben dennoch relativ große, zusammenhängende und über das gesamte Projektgebiet
verteilte Flächen, die für Birkhühner nutzbar sind.
Tab. 21: Prognostizierte Entwicklung der Fläche von Rasterzellen, die bei der Bewertung als
"Balzplätze", "Brut- und Aufzuchthabitate" oder "Herbst-/Winterhabitate" mindestens
zehn Punkte erreicht haben, hier Szenario ohne Waldumbau
Teilgebiet
Fläche aktuell [ha]
Prognose 10 Jahre [ha]
Prognose 20 Jahre [ha]
CZ
107
85
83
D
69
57
56
Summe
176
142
139
Abb. 22: Prognostizierte Verteilung der Rasterzellen, die bei der Bewertung als "Balzplätze" "Brut-
und Aufzuchthabitate" oder "Herbst-/Winterhabitate" mindestens zehn Punkte erreicht
haben, hier Szenario ohne Waldumbau. Von links nach rechts: Zum Zeitpunkt der Da-
tenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Kartenlegende siehe Abb. 18).

 
43
3.3.2. Szenario mit Waldumbau
Im Szenario mit Waldumbau wird nicht nur die Entwicklung der Höhen und Deckungsgrade der
bestehenden Fichtenbestände fortgeschrieben, sondern auch ein vollständiger Umbau der sich
bereits jetzt teilweise auflösenden Stechfichten-, Murraykiefern- und Lärchenbestände im ersten
Jahrzehnt des Prognosezeitraums angenommen. Dabei wird – stark vereinfachend – davon aus-
gegangen, dass alle noch vorhandenen Bestände dieser drei Baumarten am Ende des ersten
Jahrzehnts in Fichtenkulturen mit noch geringer Höhe (1 m) und geringem Deckungsgrad (0,2)
umgewandelt wurden, deren Entwicklung dann im zweiten Jahrzehnt wie bei den übrigen Fichten-
beständen fortgeschrieben wird (vgl. Kapitel 2.6.).
Diese Fortschreibung der Baumartenentwicklung, Baumhöhen und Deckungsgrade auf Rasterzel-
len mit dominierender Fichte, Stechfichte, Murraykiefer oder Lärche betrifft mit 703 ha rund vier
Fünftel (81%) des Projektgebietes und damit eine doppelt so große Fläche wie im Szenario ohne
Waldumbau.
Von einem Waldumbau ausgenommen sind auch in diesem Szenario die Bestände mit Weichlaub-
bäumen und Bergkiefer sowie die zum Zeitpunkt der Datenerhebung festgestellten Freiflächen. Für
diese Flächen wird davon ausgegangen, dass sie – auch aus Gründen des Habitatschutzes oder
weil sie in Schutzgebieten liegen – nicht mit einheimischer Fichte ausgepflanzt werden, sondern
hinsichtlich ihrer Habitateignung im Status quo verharren.
a) Prognose für die Entwicklung der Balzplatz-Habitate:
Tabelle 22 zeigt, dass in diesem Szenario im ersten Jahrzehnt die balzplatztaugliche Fläche in-
folge der Vielzahl noch niedriger und lichter Fichten-Jungwüchse deutlich zunimmt, an Ende des
zweiten Jahrzehnts jedoch auf nur noch rund vierzig Prozent der anfänglichen Fläche zurück-
gegangen ist.
Tabelle 22: Flächensummen und Flächenanteile der als Balzplätze geeigneten Rasterzellen aktuell
sowie für die Prognosezeiträume 10 Jahre und 20 Jahre, hier Szenario mit Waldumbau
Bewertung
Fläche aktuell
[ha (%)]
Prognose 10 Jahre
[ha (%)]
Prognose 20 Jahre
[ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
30 (3)
10 (1)
10 (1)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
25 (3)
124 (15)
16 (2)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
16 (2)
11 (2)
4 (0)
Summe
71 (8)
145 (18)
30 (3)
Größere für die Balz geeignete Bereiche gibt es in zwanzig Jahren demnach nur noch am Lugstein
und Georgenfelder Hochmoor (Abb. 23). Tatsächlich wären einige nach dieser Prognose als Balz-
platz verbleibende Waldumbauflächen am Kahleberg von der obigen Fläche zusätzlich abzu-
ziehen; die noch sehr niedrigen Fichtenpflanzen wurden im Zuge der automatisierten Baumarten-
detektion nicht als solche erkannt und in ihrem Höhenwachstum deshalb nicht fortgeschrieben.
Ebenfalls abzuziehen sind die Flächen etlicher als tauglich bewerteter Einzelzellen oder kleiner
Gruppen von Rasterzellen, bei denen aufgrund ihrer geringen Ausdehnung real keine Tauglichkeit
als Balzplatz gegeben ist. Insofern ist die verbleibende Restfläche von 30 Hektar eher noch zu
hoch angesetzt.

image
image
image
44
Abb. 23: Prognostizierte Entwicklung der Rasterzellenbewertung bezüglich ihrer Eignung als
"Balzplätze", hier Szenario mit Waldumbau. Von links nach rechts: Zum Zeitpunkt der
Datenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Kartenlegende siehe Abb. 14).
b) Prognose für die Entwicklung der Brut- und Aufzuchthabitate:
Noch stärker als in der Prognose der Balzplatzentwicklung schwankt die Fläche der Brut- und Auf-
zuchthabitate (Tab. 23), Das große Angebot an niedrigwüchsigen, sehr lichten Fichtenbeständen
am Ende des ersten Jahrzehnts führt zu einer Zunahme als geeignet bewerteter Zellen auf das
Dreifache, sinkt nach weiteren zehn Jahren aber auf nur noch ein Fünftel des Ausgangszustands
ab.
Tab. 23: Flächensummen und Flächenanteile der als Brut- und Aufzuchthabitate geeigneten
Rasterzellen aktuell sowie für die Prognosezeiträume 10 Jahre und 20 Jahre, hier
Szenario mit Waldumbau
Bewertung
Fläche aktuell
[ha (%)]
Prognose 10 Jahre
[ha (%)]
Prognose 20 Jahre
[ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
10 (1)
110 (13)
2 (0)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
33 (4)
11 (1)
5 (1)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
53 (6)
160 (18)
14 (2)
Summe
96 (11)
281 (32)
20 (2)

image
image
image
45
Abbildung 24 zeigt, dass nicht nur die Fläche, sondern auch die Qualität der Brut- und Aufzucht-
bereiche vorübergehend höher ist als zu Beginn, da im Zuge der Waldumbaumaßnahmen auch
beerstrauchreiche Flächen stärker aufgelichtet werden. Letztlich verbleiben nach zwanzig Jahren
aber nur die Bereiche, die vom Waldumbau ausgenommen werden. Nach den hier getroffenen An-
nahmen sind das nur jene Flächen, die von Anfang an mit Weichlaubbäumen oder Bergkiefern be-
stockt waren.
Abb. 24: Prognostizierte Entwicklung der Rasterzellenbewertung bezüglich ihrer Eignung als
"Brut- und Aufzuchthabitate", hier Szenario mit Waldumbau. Von links nach rechts: Zum
Zeitpunkt der Datenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Kartenlegende
siehe Abb. 15).
c) Prognose für die Entwicklung der Herbst-/Winterhabitate
Eine ähnliche Entwicklung zeigt die Entwicklungsprognose der Herbst-Winterhabitate (Tab. 24,
Abb. 25). Die Abnahme an Fläche durch das Aufwachsen die bereits umgebauten Fichtenbestän-
de wird im ersten Jahrzehnt durch die hier angenommenen, flächigen Auflichtungen weitaus über-
kompensiert, nach weiteren zehn Jahren verbleibt jedoch nur noch rund ein Fünftel der ursprüng-
lichen Fläche dieses Habitattyps.

image
image
image
image
46
Tab. 24: Flächensummen und Flächenanteile der als Herbst-/Winterhabitate geeigneten Raster-
zellen aktuell sowie für die Prognosezeiträume 10 Jahre und 20 Jahre, hier Szenario mit
Waldumbau
Bewertung
Fläche aktuell
[ha (%)]
Prognose 10 Jahre
[ha (%)]
Prognose 20 Jahre
[ha (%)]
sehr geeignet
(18 – 16 Punkte)
30 (3)
112 (13)
4 (0)
geeignet
(15 – 13 Punkte)
41 (5)
17 (2)
10 (1)
noch geeignet
(12 – 10 Punkte)
56 (6)
158 (18)
11 (1)
Summe
126 (14)
288 (33)
25 (3)
Abb. 25: Prognostizierte Entwicklung der Rasterzellenbewertung bezüglich ihrer Eignung als
"Herbst-/Winterhabitate", hier Szenario mit Waldumbau. Von links nach rechts: Zum Zeit-
punkt der Datenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Kartenlegende
siehe Abb. 17).
Tabelle 25 und Abbildung 26 zeigen die Ergebnisse dieser Prognose noch einmal in einer zusam-
mengefassten Darstellung aller drei Habitattypen. Während im Szenario ohne Waldumbau nach
zwanzig Jahren noch vier Fünftel der 2018 vorhandenen Habitatfläche über das gesamte Gebiet
verteilt vorhanden sind, verbleiben im Szenario mit Waldumbau nach zwanzig Jahren nur noch
rund dreißig Prozent der für 2018 errechneten Habitatfläche. Sie konzentriert sich auf das von
Bergkiefern bewachsene Georgenfelder Hochmoor und die Weichlaubbaum- und Freiflächen am

image
image
image
47
Lugstein und westlich und östlich des Georgenfelder Hochmoores, die nach den Annahmen dieses
Szenarios von Waldumbaumaßnahmen bzw. Aufforstungen ausgenommen sind. Im Rest des
Gebietes dürften die verbleibenden Zellen so klein sein, dass nicht mehr von einer Eignung als
Birkhuhnhabitat auszugehen ist. Insofern überschätzt die in Tabelle 25 angegebene Fläche geeig-
neter Rasterzellen die verbleibende Habitatfläche sogar noch.
Tab. 25: Prognostizierte Entwicklung der Fläche von Rasterzellen, die bei der Bewertung als
"Balzplätze", "Brut- und Aufzuchthabitate" oder "Herbst-/Winterhabitate" mindestens
zehn Punkte erreicht haben, hier Szenario mit Waldumbau
Teilgebiet
Fläche aktuell [ha]
Prognose 10 Jahre [ha]
Prognose 20 Jahre [ha]
CZ
107
187
14
D
69
127
38
Summe
176
314
52
Abb. 26: Prognostizierte Entwicklung der Rasterzellen, die bei der Bewertung als "Balzplätze",
"Brut- und Aufzuchthabitate" oder "Herbst-/Winterhabitate" mindestens zehn Punkte er-
reicht haben, hier Szenario mit Waldumbau. Von links nach rechts: Zum Zeitpunkt der
Datenerhebung, nach zehn Jahren, nach zwanzig Jahren (Kartenlegende siehe Abb. 18).

 
48
4. Diskussion
4.1. Eignung des Fernerkungsverfahrens, Kosten
für Daten und Auswertung
Ziel dieser Untersuchung war – neben einer Charakterisierung der Habitate im Projektgebiet – zu
ermitteln, inwieweit solche Habitatanalysen unter Nutzung grenzübergreifend vorhandener Satel-
litendaten und mit Hilfe weitgehend automatisierter Auswertungen möglich sind (vgl. Kapitel 2). So-
fern sich das Verfahren als tauglich und hinreichend effizient erweist, könnte es für die Beurteilung
von Birkhuhnhabitaten über das hiesige Projektgebiet hinaus Anwendung finden.
Die Verfahrensentwicklung und Testung verschiedener Fernerkundungsdaten wurde per Werkver-
trag an ein auf Fernerkundung spezialisiertes Ingenieurbüro vergeben. Der Abschlussbericht des
Büros LUP (Luftbild, Umwelt Planung GmbH, 2019) zu diesem Werkvertrag liegt diesem Bericht
als Anlage bei.
Brauchbarkeit der Ergebnisse:
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die hier als optimal ermittelte Kombination aus Satelliten- und
Luftbilddaten in Verbindung mit digitalen Gelände- und Oberflächenmodellen (vgl. Kapitel 2.3) und
die Nutzung weitgehend automatisierter Auswertungsalgorithmen brauchbare und zumindest auf
Gebietsebene hinreichend genaue Ergebnisse hinsichtlich der zu ermittelnden Habitatparameter
(Baumhöhe, Deckungsgrad Baumschicht, Baumartengruppe, Bodenvegetationstypen) und ihrer
räumlichen Verteilung liefert. Auch die für den tschechischen Teil des Projektgebietes erfolgte
Nachberechnung eines digitalen Oberflächenmodells auf Basis neuerer Luftbilder (vgl. Kapitel 2.2)
hat sich bewährt, um Daten für Baumhöhen und Deckungsgrade der Baumschicht mit grenzüber-
greifend ähnlicher Aktualität zu gewinnen.
An Grenzen gerät die Methodik insbesondere bei der automatisierten Unterscheidung der Baum-
artengruppen, vor allem zwischen den Nadelbaumartengruppen (vgl. Kapitel 3.1.1). Auch die auto-
matisiert ermittelten Deckungsgrade sehr junger Bäume sind nicht immer zutreffend; Bäume mit
einer Höhe von unter einem Meter werden nach den hier verwendeten Algorithmen der Boden-
vegetation zugeordnet, so dass die zugehörigen Flächen als unbestockt gelten (vgl. Kapitel 3.1.3).
Kosten für Datenbeschaffung und Auswertung:
Die Beschaffung der Datengrundlagen für das rund 860 Hektar große Projektgebiet war für den
Staatsbetrieb Sachsenforst mit vergleichsweise geringen Kosten verbunden (vgl. Kapitel 2.2).
Betrachtet man nur die Daten, die sich letztendlich als besonderes geeignet erwiesen haben (LUP
2019), so waren für Luftbilder und digitale Gelände- und Oberflächenmodelle des tschechischen
Teilgebietes 775,- Euro Nutzungsgebühren zu entrichten, alle anderen Daten (Luftbilder und digi-
tale Gelände- und Oberflächenmodelle auf deutscher Seite, Sentinel2B-Satellitendaten, grenz-
übergreifende Daten zu Wegen und Gebäuden) waren für Sachsenforst kostenfrei verfügbar.
Bezogen auf das gesamte Projektgebiet kostete die Beschaffung dieser Daten somit rund einen
Euro pro Hektar.
Die Kosten für die Verfahrensentwicklung und Auswertung der Daten durch die Firma LUP beliefen
sich auf 40.460 Euro, bezogen auf die Projektfläche sind das rund 47,- Euro pro Hektar. Nicht ein-
bezogen sind hierbei die Personalkosten von Sachsenforst. Sollte das hier entwickelte Fernerkun-
dungsverfahren künftig auf andere Gebiete übertragen werden, ist mit deutlich sinkenden
Auswertungskosten je Hektar zu rechnen, da der Entwicklungsaufwand entfällt und das (nach wie

 
49
vor notwendige) Aufsuchen von Referenzflächen im Gelände vor allem bei größeren Flächen mit
degressiven Kosten verbunden ist.
Nimmt man als Vergleich ein parallel laufendes Projekt von Sachsenforst, bei dem mit ähnlichen
Methoden über die gesamte Waldfläche Sachsens (520.000 ha) Waldzustandsdaten ermittelt wer-
den, so liegen die Kosten in diesem Projekt bei etwa 2,- Euro pro Hektar. Zumindest die Größen-
ordnung dieser Kostensätze zeigt, dass mit der hier gewählten Methode die Parameter von Birk-
huhnhabitaten mit vertretbarem Aufwand erfassbar sind und das Verfahren hinsichtlich seiner Kos-
ten auf andere, auch größere Gebiete übertragbar sein sollte.
4.2. Evaluation der Habitatbewertung
In dieser Studie wurde der Versuch gemacht, die Habitateignung eines Gebietes für Birkhühner
nicht jeweils separat anhand einzelner Habitatparameter (wie Baumhöhe oder Deckungsgrad der
Baumschicht) zu bemessen, sondern nach einem nachvollziehbaren Verfahren Habitatwerte und
deren räumliche Verteilung aus der Kombination von mehreren per Fernerkundung erhobenen
Habitatparametern zu ermitteln. Details zur Berechnung dieser Habitatwerte sind den Kapiteln 2.5
und 3.2 zu entnehmen.
In dieses Bewertungsverfahren gehen etliche vorab getroffene Annahmen hinsichtlich günstiger,
weniger günstiger und ungeeigneter Ausprägungen der hier erhobenen Habitatparameter ein. Die
Beurteilung des Ergebnisses fängt daher schon bei der Frage an, ob die Klassengrenzen bei der
Beurteilung der einzelnen Parameter – und das für drei verschiedene Habittatypen – sinnvoll bzw.
plausibel gewählt wurden. Die hier getroffenen Annahmen hinsichtlich der notwendigen Eigen-
schaften von Birkhuhnhabitaten folgen im Wesentlichen der Beschreibung von Habitatzieltypen im
"Artenschutzprogramm Birkhuhn für den Freistaat Sachsen" (LfULG 2019).
Wie bereits erwähnt ist mit dem hier gewählten Bewertungsverfahren eine strikte Trennung der
verschiedenen Teilhabitate (Balzplätze, Brut- und Aufzuchthabitate, Herbst-/Winterhabitate) an-
hand der Ausprägung ihrer Habitatparameter nicht möglich und auch nicht gerechtfertigt. Lückige,
niedrigwüchsige Bestände, die sich für die Brut- und Aufzucht eignen, können gleichzeitig gute
Überwinterungshabitate sein. Ergebnis ist ein breiter sachlicher und nach Anwendung dieser Kri-
terien auf die vorhandenen Daten auch breiter räumlicher Überschneidungsbereich der obigen drei
Teilhabitate.
Dennoch ist im Ergebnis des Bewertungsverfahrens zumindest zwischen Balzpätzen sowie Brut-
und Aufzuchthabitaten eine gewisse räumliche Differenzierung festzustellen, auch wenn diese
beiden Teilhabitate eng miteinander verzahnt sind – was den tatsächlichen Verhältnissen im
Untersuchungsgebiet entsprechen dürfte. Während reine Balzhabitate nach dem hier gewählten
Bewertungsverfahren rund siebzig Hektar im Untersuchungsgebiet einnehmen, sind es in der
Zusammenschau mit den Brut- und Aufzuchthabitaten mehr als doppelt so viel. Die hier gewählten
Bewertungsschwellen scheinen also zumindest geeignet zu sein, Unterschiede in der räumlichen
Verteilung dieser beiden Habitattypen abzubilden.
Bei Anwendung der hier gewählten Kriterien für Herbst-/Winterhabitate wächst die kumulierte Habi-
tatfläche dagegen nur noch geringfügig um rund dreißig Hektar; dass heißt, als Herbst-/Winterhabi-
tate geeignete Flächen in diesem Gebiet sind weitgehend deckungsgleich mit den Brut- und Auf-
zuchthabitaten. Grund für diesen nur geringen Zuwachs an speziell für die Überwinterung geeigne-
ter Habitatfläche ist die per Definition gegebene Obergrenze des Deckungsgrades bei 60 Prozent
für diesen Habitattyp. Es gibt in diesem Gebiet nur wenige Flächen, deren Bäume zwar höher als
zehn Meter sind (hier Obergrenze für Brut- und Aufzuchthabitate), aber deren Deckungsgrad
gleichzeitig nicht höher als sechzig Prozent ist. Die Bestände über zehn Meter Höhe sind in der
Regel dichter geschlossen.
Die hier gewählte Definition von Herbst-/Winterhabitaten leistet für zumindest für dieses Gebiet
keinen großen Beitrag, neben den Balzplätzen sowie Brut- und Aufzuchthabitaten weitere als

50
Birkhuhnhabitate geeignete Flächen zu identifizieren. Möglicherweise entspricht dies aufgrund des
Dichtschlusses vieler Bestände auch den tatsächlichen Gegebenheiten.
Eine grundsätzliche methodische Selbstbeschränkung des hier gewählten Bewertungsverfahrens
liegt darin, dass Nachbarschaftsbeziehungen zwischen den Rasterzellen für die Bewertung der
jeweiligen einzelnen Zelle unbeachtet blieben und das Gesamtergebnis sich aus dem "Mosaik" der
Einzelbewertungen ergibt und auch entsprechend zu bewerten ist.
So sind beispielsweise einzelne, isoliert liegende Zellen, denen per Bewertungsverfahren eine
bestimmte Habitateignung zugeschrieben wurde, diesem Habitattyp faktisch nicht zuzuorden,
wenn sie an eine größere Ansammlung ähnlich zugeordneter Zellen keinen Anschluss haben. Eine
gesonderte statistische Betrachtung und ein automatisiertes Herausrechnen dieser isoliert liegen-
den Zellen ist aus Gründen des damit verbundenen Aufwands unterblieben. Umgekehrt lassen
sich aber Bereiche, in denen sich Zellen mit Zuordnung zum gleichen Habitattyp "verdichten", in
der Regel klar erkennen.
Auch eine Berücksichtigung der Baumhöhen auf Nachbarzellen, die keinem Habitattyp zugeordnet
wurden, ist in die Bewertung der "Habitat-Zellen" nicht eingegangen. Es ist bekannt, dass Birkhüh-
ner Steilränder zu hohen, geschlossenen Beständen meiden (STRAUß et al. 2017). Im Untersuch-
ungsgebiet werden diese Effekte zumindest zum jetzigen Zeitpunkt als nachrangig beurteilt, da
auch die geschlossenen Bestände bisher relativ geringe Höhen aufweisen (vgl. Tab. 9). In Gebie-
ten mit höherwüchsigen Waldbeständen sind solche Aspekte bei der Abgrenzung potenzieller Ha-
bitatflächen (ähnlich wie bei der hier erfolgten Ausgrenzung straßen- und gebäudenaher Bereiche)
gegebenenfalls zu integrieren.
Im Rahmen dieser Studie kann und soll kein wissenschaftlicher Nachweis geführt werden, dass die
unter den obigen Annahmen als geeignet identifizierten Habitate auch tatsächlich von Birkhühnern
genutzt werden. Dafür reichen die Daten zur ganzjährigen Raumnutzung der Birkhühner in diesem
Untersuchungsgebiet nicht aus.
Umfangreichere Vorkommensdaten gibt es nur für den Zeitpunkt der Balz und auch diese sind
nicht immer lagegetreu, da balzende Birkhähne bei Zählungen häufig nur gehört und nicht ge-
sehen werden. Spielt man die Beobachtungen balzender Hähne in den Jahren 2013 bis 2018 mit
der Lage der als geeignet bewerteten Balzplätze und der damit eng verzahnten Brut- und Auf-
zuchthabitate zusammen (Abb. 27), so zeigt sich zwar eine Korrelation zwischen Habitatbewertung
und Beobachtungspunkten, aber keine absolute Übereinstimmung. Etliche Beobachtungen balzen-
der Hähne wurden (mit teilweise begrenzter Genauigkeit) auch außerhalb als geeignet bewerteter
Bereiche verortet. Auch hieran zeigt sich, dass mit diesem Verfahren potenzielle Habitate ermittelt
werden, die tatsächliche Lebensraumnutzung der Birkhühner mit dieser Abschätzung aber nicht
immer identisch ist.
Zusammenfassend ist dennoch festzuhalten, dass mit dem hier gewählten Verfahren für Birkhüh-
ner günstige und ungünstige Lebensraumstrukturen mit einer hohen räumlichen Auflösung ermittelt
und dargestellt werden können. Insbesondere diese sehr hohe räumliche Auflösung bei der Habi-
tatbewertung geht über bisherige Ansätze, Birkhuhnhabitate mit Mitteln der Fernerkundung zu eva-
lieren, hinaus (REIMOSER et al. 2000, STRAUß und SODEIKAT 2000, DÜSTERHÖFT 2006, WERTH und
KRAFT 2015).
Insofern können diese Daten und die daraus resultierenden Karten als Grundlage zielführender,
und dabei auch kleinräumig differenzierter Managementmaßnahmen in Birkhuhnhabitaten dienen.
Bei Wiederholungsaufnahmen sollte das Verfahren geeignet sein, zwischenzeitliche Veränderun-
gen der Lebensräume sehr fein nachzuzeichnen.

image
image
51
Abb. 27: Beobachtungen balzender Hähne in den Jahren 2013 – 2018 und Rasterzellen, die als
"Balzplätze" oder "Brut- und Aufzuchthabitate" mindestens zehn Punkte erreicht haben
Balz-Habitat
Brut-/Aufzuchthabitat
Balzende Hähne
(2013 - 2018)
© OpenStreetMap contributors, terrestris GmbH und Co. KG, 2020

 
52
4.3. Evaluation der Habitatprognosen
Beide Szenarien gehen von stark vereinfachten und nicht unbedingt realistischen Grundannahmen
hinsichtlich der Entwicklung des Waldes und der Habitate im Untersuchungsgebiet aus. Ein voll-
ständiges Unterlassen weiterer Fichtenanpflanzungen im Gebiet (Szenario 1) wird ebenso wenig
eintreten wie ein vollständiger Umbau aller Stechfichten-, Lärchen- und Murraykiefernbestände in
Fichtenbestände innerhalb eines Jahrzehnts (Szenario 2). Insofern handelt es sich bei diesen Sze-
narien auch nicht um Vorhersagen der tatsächlich zu erwartenden weiteren Habitatentwicklung in
diesem Gebiet, sondern es soll untersucht werden, welche Folgen unterschiedliche Bewirtschaf-
tungsstrategien für die mittelfristige Entwicklung der Birkhuhnhabitate im Gebiet haben können.
In der Realität wird sich künftig vermutlich irgendein Zwischenszenario einstellen, das sich aber
nur schlecht vorhersagen lässt und von individuellen Management-Entscheidungen an den jeweili-
gen Einzelflächen abhängt. Ebenfalls nicht vorhersehbar und in den obigen Szenarien deshalb
nicht enthalten sind Maßnahmen, die in diesem Gebiet möglicherweise gezielt zum Erhalt und zur
Optimierung von Birkhuhnhabitaten ergriffen werden, wie zum Beispiel das Auflichten der Bestän-
de im Umgriff von Balzplätzen und Brut- und Aufzuchthabitaten.
Ein weiterer Schwachpunkt der hier getroffenen Prognosen besteht darin, dass schon gepflanzte,
aber noch sehr kleine Fichten mit Mitteln der Fernerkundung oft nicht erkannt werden und die
Ausgangsdaten für die Fortschreibung der Bestandesentwicklung nicht überall der tatsächlichen
Situation entsprechen.
Als letzter methodischer Kritikpunkt an der Prognose soll hier noch einmal ein Aspekt aufgeführt
werden, der bereits in Kapitel 4.2 erwähnt wurde, nämlich die Nicht-Berücksichtigung von Nach-
barschaftsbeziehungen insbesondere im Fall angrenzender hoher, geschlossener Waldbestände.
Für die Bewertung des Status quo im Jahr 2018 konnte dieser Aspekt aufgrund der allgemein
niedrigen Bestockung im Untersuchungsgebiet vernachlässigt werden. In den nächsten zwanzig
Jahren werden jedoch vor allem die jetzt schon vorhandenen Fichtenjungbestände an Höhe ge-
winnen, so dass die Einbeziehung solcher Nachbarschaftsbeziehungen in die Habitatbewertung an
Bedeutung gewinnt und den Umfang potenziell geeigneter Habitate möglicherweise nochmals
mindert. Allerdings lässt bereits die jetzige Prognose gemäß Szenario 2 für große Teile des Unter-
suchungsgebietes eine so starke Vereinzelung der noch verbleibenden "Habitat-Zellen" erkennen,
dass dort nach zwanzig Jahren keine zusammmenhängenden, für Birkhühner geeigneten Lebens-
räume mehr vorhanden sein werden (vgl. Kap. 3.3.2).
Trotz der obigen Einschränkungen lassen sich aus den – wenn auch theoretischen – Ergebnissen
der Habitatprognosen einige Schlussfolgerungen ziehen:
- Ein großer Teil der 2018 als habitattauglich identifizierten Bereiche würde wohl auch mittelfristig
seine Eignung als Birkhuhnhabitat behalten, wenn in diesen Bereichen weitere Umbaumaßnah-
men in standortsheimische Fichtenwälder unterblieben. Von den als habitattauglich bewerteten
Bereichen war 2018 nur rund ein Fünftel bereits mit Fichten ausgepflanzt.
- Ein intensiver, großflächiger Waldumbau hin zu standortsheimischen Fichtenwäldern kann die
Lebensbedingungen für Birkhühner vorübergehend sogar verbessern, mittelfristig gehen diese
Flächen jedoch als Habitate verloren. Die nach den Annahmen dieser Prognosen verbleibenden
Habitatflächen wären dann so klein, dass ein Überleben der örtlichen Teilpopulation zumindest
fraglich ist.
- In den Bewirtschaftungskonzepten für dieses Gebiet sollten deshalb möglichst frühzeitig ausrei-
chend große Flächen indentifiziert werden, die längerfristig als Birkhuhnhabitate erhalten bleiben
sollen und in denen die Art und Weise des Waldumbaus und der Waldpflege vorrangig an die
Lebensraumansprüche der Birkhühner angepasst ist.

 
53
4.4. Stellungnahmen der Projektpartner
Der vorliegende Bericht wurde im Oktober 2020 mit der Bitte um Stellungnahme an das Sächsi-
sche Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), die untere Naturschutzbehörde
des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und die Mitglieder der örtlichen Arbeitsgruppe
zur Umsetzung des Artenschutzprogramms Birkhuhn im SPA Kahleberg und Lugsteingebiet ver-
sendet. Nach Übersetzung des Berichtes ins Tschechische wurde im Dezember 2020 auch den
tschechischen Projektpartnern (Ústecký kraj, Spolek Ametyst, Lesy České republiky) eine vollstän-
dige Fassung des Berichtes übermittelt und um Abgabe einer Stellungnahme gebeten. Die
ursprünglich vorgesehene zweisprachige Abschlussberatung und –diskussion von Methodik und
Ergebnissen mit allen Projektpartnern musste aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie leider ent-
fallen und soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. Die Inhalte der nachfolgend aufge-
führten Stellungnahmen werden hier daher nur zusammengefasst wiedergegeben, nicht aber
inhaltlich diskutiert. Dies ist der noch ausstehenden Abschlussberatung und sich ggf.
anschließenden Überarbeitungen der Methodik vorbehalten. Die vollständigen Stellungnahmen
sind diesem Bericht als Anlage beigefügt.
Bis Mitte Februar 2021 waren Stellungnahmen von LfULG, Landkreis Sächsische Schweiz-Osterz-
gebirge und Herrn Dr. Steffens (als Vertreter der ehrenamtlichen Ornithologen in der örtlichen
Arbeitsgruppe im Kahleberg-Lugsteingebiet) eingegangen.
Stellungnahme LfULG:
Die hier angewandte Methode zur Identifizierung und Bewertung potenzieller Birkhuhnhabitate
wird grundsätzlich als brauchbar erachtet, wenngleich einige Unschärfen und Fehlzuordnungen
nicht zu vermeiden sind. Es wird empfohlen, die Methode durch Übertragung auf weitere Vorkom-
mensgebiete des Birkhuhns zu eichen und weiterzuentwickeln. Hierbei sollte klar zwischen den
Ergebnissen der Zustandserfassung und der nachfolgenden Interpretation dieser Daten unter-
schieden werden, um bei allen Akteuren des Birkhuhnschutzes Transparenz und Vertrauen in die
Ergebnisse zu erzielen. Es wird angeregt, dabei verschiedene Bewertungsvarianten durchzuspie-
len und die daraus resultierenden Kartenbilder darzustellen.
Betont wird, neben einer möglichst korrekten Bewertung der einzelnen Rasterzelle, die Bedeutung
und Aussagekraft der räumlichen Verteilung als geeignet bewerteter Rasterzellen – sowohl für die
Beurteilung der Habitateignung als auch für ein zielführendes Habitatmanagement. Ziel des
Managements sollten nicht homogene Habitatzieltypen sein, sondern eine kleinflächige Mischung
verschiedener als geeignet bewerteter Strukturen.
Die im Bericht enthaltenen Habitatprognosen werden dahingehend interpretiert, dass selbst im
Szenario ohne Waldumbau weitere Auflichtungen zum Erhalt ausreichend großer Birkhuhnhabitate
notwendig sind und auf Anpflanzungen von Fichten gänzlich verzichtet werden sollte.
Stellungnahme untere Naturschutzbehörde Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge:
Die Ergebnisse der Habitatanalyse werden als geeignet erachtet, die verschiedenen Teilhabitate
im Projektgebiet in zutreffender Weise zu bewerten. Auf einige Unstimmigkeiten der Bodenvegeta-
tionsansprache am Lugstein und die Problematik der nach dieser Methode nicht bewertbaren
Störeinflüsse durch ungünstige benachbarte Strukturen (höhere Baumbestände, Wege ohne Sicht-
schutz) wird hingewiesen.
Hinsichtlich der Habitatprognosen wird ein drittes Szenario mit gezieltem Habitatmanagement für
wünschenswert erachtet. Der Landkreis plädiert dafür, die Methode nach Projektablauf in diesem
Sinne weiterzuentwickeln und auf die Birkhuhnhabitate beiderseits der Grenze anzuwenden.

54
Stellungnahme Herr Dr. Steffens:
Das Projekt und seine Ergebnisse werden grundsätzlich positiv bewertet, da nur mittels Fernerkun-
dungstechniken auch für größere räumliche Einheiten relativ hoch aufgelöste Daten maßgeblicher
Habitatparameter zu erlangen sind, die wiederum wichtige Informationen für das kurz- und mittel-
fristige Habitatmanagement darstellen. Hinsichtlich der Habitatprognosen wird das Fehlen eines
Szenarios mit aktiven habitatgestaltenden Maßnahmen bemängelt. Auch auf die methodisch
bedingte Nichtberücksichtigung von Nachbarschaftsbeziehungen und Vernetzungen der Habitat-
parameter wird bereits einleitend hingewiesen, wobei die räumlichen Schwerpunkte der verschie-
denen Habitattypen dennoch erkennbar sind.
Hinsichtlich der Datengewinnung wird angeregt, die Baumarten Vogelbeere und Birke aufgrund
ihrer unterschiedlichen Bedeutung als Nahrungspflanzen separat aus den Fernerkundungsdaten
herauszufiltern, statt sie in der Baumartengruppe "Weichlaubbäume" zusammenzufassen.
Hinsichtlich der Datenvalidität wird darauf hingewiesen, dass sich neben den in Kapitel 3.1.1.
genannten Fällen auch die Trennung der Baumarten Murraykiefer und Bergkiefer als fehlerbehaftet
erwiesen hat.
Umfangreiche Hinweise wurden zum Verfahren der Habitatbewertung gegeben:
- Ein inhaltlicher Widerspruch bei der Bewertung des Habitattyps "Balzplätze" wurde dahin-
gehend korrigiert, dass der Faktor Bodenvegetation einfach gewichtet wird, die Faktoren
Baumhöhe und Deckungsgrad doppelt. Die anderslautende Angabe in Tabelle 12 stammte aus
einer älteren Textversion und wurde versehentlich nicht überarbeitet. Die im Bericht enthaltenen
Ergebnisse (u.a. Abbildung 14, Tabelle 13) entsprachen dagegen schon in der zur Stellung-
nahme versendeten Fassung dieser korrigierten Variante, so dass keine weitergehenden Ände-
rungen notwendig sind. Auch der inhaltlichen Kritik an der zu hohen Gewichtung der Boden-
vegetation bei der Bewertung des Habitattyps "Balzplätze" wurde damit entsprochen.
- Bei der Bewertung der "Brut- und Aufzuchthabitate" wird die zulässige Obergrenze von zehn
Metern bei der Baumhöhe als zu hoch beurteilt, während die Deckung der Baumschicht von
mindestens zwanzig Prozent nach Auffassung von Herrn Dr. Steffens bei diesem Habitattyp
auch niedriger angesetzt werden könnte.
- Bei der Bewertung der Baumarten wird darauf hingewiesen, dass ein Mosaik verschiedener
Baumarten, auch mit einem gewissen Anteil an Nadelbäumen, grundsätzlich positiver zu
bewerten ist als ein Reinbestand von Weichlaubbäumen, die Bewertung dieses Aspektes bei
dem hier gewählten Verfahren aber an methodische Grenze stößt (da diese Mischungsformen
innerhalb der kleinen einzelbewerteten Rasterzellen kaum darstellbar sind).
- Die Herausnahme auch wenig begangener vergraster Wege aus der Habitatfläche wird als zu
restriktiv angesehen.
- Die Bewertung der Geländeform wird dagegen als nicht hinreichend streng angesehen. Stärker
eingesenkte Bereiche mit nördlicher Exposition wie im Bereich der Biathlonanlage würden von
Birkhühnern allein schon aufgrund der Topographie gemieden.
Hinsichtlich der Habitatprognosen wird dem in diesem Bericht gewählten Szenario widersprochen,
wonach die Bestände aus Weichlaubbäumen in ihrer Habitateignung in den nächsten zwanzig
Jahren weitgehend stabil bleiben. Statt dessen seien über diesen Zeitraum auch in diesen
Beständen habitaterhaltende Auflichtungen notwendig, auch wenn die Veränderungen weniger
schnell voran schritten als in den nadelbaumdominierten Bereichen.

 
55
5. Zusammenfassung
Im Rahmen dieser Studie wurde versucht, am Beispiel eines 860 Hektar großen, tschechisch-
deutschen Untersuchungsgebietes im Osterzgebirge, die Situation eines Birkhuhnhabitates mit
Mitteln der Fernerkundung zu charakterisieren und zu bewerten. Die Auswertung der Fernerkun-
dungsdaten sollte dabei möglichst weitgehend automatisiert werden, um das Verfahren effizient
und auch auf andere, größere Gebiete übertragbar zu machen.
Eine Kombination aus kostenfrei verfügbaren Satellitendaten (Sentinel 2B), möglichst aktuellen
Luftbildern und digitalen Gelände- und Oberflächenmodellen hat sich als brauchbare Grundlage
erwiesen, um die für die Beschreibung und Bewertung der Birkhuhnhabitate notwendigen Daten zu
erheben.
In einem Raster von 10 x 10 m (insgesamt rund 87.200 Rasterzellen) wurden die jeweils dominie-
rende Baumart, die Baumhöhe, der Deckungsgrad der Baumschicht und soweit möglich ein Bo-
denvegetationstyp ermittelt. Die automatisierte Erfassung dieser Daten lieferte hinreichend
zuverlässige Ergebnisse. Die Resultate sind in Form von Tabellen und Rasterkarten dargestellt.
Anhand dieser vier Parameter wurde jede Rasterzelle nach ihrer Eignungs als Balzplatz, als Brut-
und Aufzuchthabitat sowie als Herbst-/Winterhabitat bewertet. Die Methodik der Bewertung und
deren Ergebnisse sind wiederum als Tabellen und Rasterkarten dargestellt.
Letztlich wurde noch versucht, die weitere Entwicklung des Waldes und damit der Habitate im Un-
tersuchungsgebiet anhand von zwei Szenarien (ohne weiteren Waldumbau, mit vollständigem
Waldumbau innerhalb von zehn Jahren) fortzuschreiben.
Die Ergebnisse des automatisierten Fernerkundungsverfahrens, der Habitatbewertung und der
Habitatprognose werden diskutiert.

 
56
6. Quellenverzeichnis, Anlagen
Breimann, L. (2001):
"
Random Forests". Machine Learning. 45 (1): 5–32.
Český úřad zeměměřický a katastrální ČÚZK Geoportal
https://geoportal.cuzk.cz
Coppes, J., Suchant, R., Ganz, S., Kohling, M., & Adler, P. (2019): Auerhuhn-relevante Strukturen aus der
Luft erkennen. AFZ-DerWald, (03), 38–41.
Düsterhöft, H. (2006): Analyse von Satelliten-Fernerkundungsdaten zur Habitatbewertung für Birkhuhn-
populationen in einer integrierten GIS-Umgebung. Hochschule Vechta.
ESA European Space Agency
https://www.esa.int/Space_in_Member_States/Germany/Copernicus
Frick, A. (2011): Vegetationsmonitoring in der Döberitzer Heide auf Basis von Fernerkundungsdaten. Work-
shop Monitoring Döberitzer Heide. Fachbeiträge des LUGV, Heft Nr. 123 (pp. 14-19).
GAF AG,
https://www.gaf.de
Geofabrik GmbH,
https://www.geofabrik.de/
© OpenStreetMap contributors. Abgerufen: 2019.
Heurich, M. (2006): Evaluierung und Entwicklung von Methoden zur automatisierten Erfassung von Wald-
strukturen aus Daten flugzeuggetragener Fernerkundungssensoren; Forstl. Forschungsber. Mün-
chen, Nr. 202, 331 S.
Hoffmann, K. et al. (2017): Sachsenforst setzt auf Fernerkundung. LWF aktuell 2017 Heft 4, S. 26-29.
Hydro-Consult, Dr. Dittrich & Partner (2018): Hydrologische Analyse und Revitalisierungsplanung für den
Bereich des Grenzgrabens im Ziel 3-Projekt „TetraoVit – Revitalisierung von Mooren und Habitat-
management für das Birkhuhn“ Dresden, 16.11.2018. 60S.
ltzerott, S. (2011): Fernerkundungsdaten - Basis für das flächenhafte Monitoring der Döberitzer Heide.
Workshop Monitoring Döberitzer Heide. Fachbeiträge des LUGV, Heft Nr. 123 (pp. 6-13).
Jenness, J. (2006):
Topographic Position Index (TPI) v.1.3a. TPI_Documentation.pdf.
. Von
http://www.jennessent.com/arcview/tpi.htm
abgerufen
Krüger, T. (2004): Die Auswirkungen des Waldsterbens und der Einfluß weiterer Faktoren auf die Popula-
tionsschwankungen des Birkhuhns (Tretrao tetrix L.) im sächsischen Erzgebirge auf Grundlage einer
Luftbildanalyse. Diss. TU Dresden, 235 S.
Krüger, T., & Herzog, S. (2004): Ein Modell zur Entwicklung der Birkhuhnlebensräume im sächsischen
Erzgebirge. In Birkhuhnschutz heute, Band 2 (pp. 69–76).
LfULG (2019): Artenschutzprogramm Birkhuhn für den Freistaat Sachsen. 92 S.,
www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/ArtenschutzprogrammBirkhuhn_LfULG-SBS-
SMUL_Endfassung_Versi.pdf
Luftbild, Umwelt Planung GmbH. (2019): (Semi-) automatisierte Differenzierung von Vegetationsstrukturen
mit Methoden der Fernerkundung zum Zwecke der Strukturanalyse und -prognose von Birkhuhn-
habitatgebieten. Endbericht 10/2019. Unveröffentlicht.
Planet Labs Inc.
https://www.planet.com/products/planet-imagery/
Reimoser, F., Erber, J., Leitner, H. (2000): Biotopeignung für Raufusshühner im Nationalpark OÖ Kalkalpen.
Endbericht. Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie, Wien. 76 S.
Šímová, P.; Bejček, V.; Málková, P.; Štasný, K. (2004): Ökologische Ansprüche und Management von
Standorten des Birkhuhns (Tetrao tetrix) im Erzgebirge. In Birkhuhnschutz heute, Bd. 2, S. 16-24

57
Strauß, E., & Sodeikat, G. (2000): Erfassung und Bewertung von Birkwildlebensräumen mittels Fernerkun-
dung. Erste Ergebnisse einer Pilotstudie. In Birkhuhnschutz heute, Band 1 (pp. 122–124).
Strauß, E.; Sodeikat,G.; Tost, D.; Neubauer, D. (2017): Birkhuhn-Management in der Lüneburger Heide.
Vortrag bei Auftakt-Symposium zum Artenhilfsprogramm für Birkhühner in Sachsen,
www.sbs.sachsen.de/download/sbs/6_Birkhuehner_in_Sachsen_DrStrauss.pdf
Svobodová, J.; Bejček, V.; Málková, P.; Štasný, K. (2011): Low survival rate of Black Grouse (Tetrao tetrix)
in maturating forest growths in the Krušné hory Mts. Sylvia 11, S. 77-89
Terrestris GmbH und Co. KG,
https://www.terrestris.de/
© OpenStreetMap contributors. Abgerufen: 2020
Tomsová, H.; Bejček, V.; Málková, P.; Štasný, K. (2004): Radio-telemetrische Untersuchung der Raumakti-
vitäten des Birkhuhns (Tetrao tetrix) in Immissionsgebieten des Erzgebirges. In Birkhuhnschutz
heute, Bd. 2, S. 12-15
Volf, O. (2019): Terrestrische Kartierung des TetraoVit-Projektgebietes. Methodik und Ergebnisse. Unver-
öffentlicht.
Wendel, D. (2018): Exkursion NSG Georgenfelder Hochmoor am 25.08.2018.
Tafelsilber der Natur
, (S. 2).
Werth, H. & B. Kraft (2015): Studies of Black Grouse (Tetrao tetrix) at the Riedberger Horn. Ber.Vogelschutz
52
Anlagen:
1. Stellungnahme des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG), Referat
Artenschutz, vom 04.12.2020 zum Berichts-Entwurf "TetraoVit"
2. Stellungnahme des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Referat Naturschutz, vom
04.12.2020 zum Berichts-Entwurf "TetraoVit"
3. Stellungnahme von Herrn Dr. Steffens vom 07.12.2020 zum Berichts-Entwurf "TetraoVit"

58
Herausgeber:
Staatsbetrieb Sachsenforst (SBS)
Bonnewitzer Straße 34, 01796 Pirna OT Graupa
Telefon: +49 3501 542-0
Telefax: +49 3501 542-213
E-Mail: poststelle.sbs@smul.sachsen.de
Internet:
www.sachsenforst.de
Der SBS ist eine nachgeordnete Behörde des Sächsischen Staatsministeriums für Energie, Klimaschutz,
Umwelt und Landwirtschaft.
Redaktion:
Dr. Michael Homann
Hermann Metzler
Markus Weise
Staatsbetrieb Sachsenforst
Referat 53 Naturschutz im Wald
Bildautoren:
SBS - Titelbild
Redaktionsschluss:
24.02.2021

Stellungnahme zum Bericht "Entwicklung eines grenzübergreifend anwendbaren Bewer-
tungsschemas für Birkhuhnhabitate in den deutsch-tschechischen Kammlagen auf Basis
von weitgehend automatisiert erfassbaren Fernerkundungsdaten im Rahmen des SNCZ
2020 Projektes „
TetraoVit
“, Stand 06.10.2020"
Ziel des Projektes ist die Entwicklung eines Instruments (Bewertungsroutine) für die automa-
tisierte und damit schnelle und unaufwändige Identifikation und Bilanzierung der für das
Birkhuhn wichtigen Habitat-Flächen. Dabei sollte eine möglichst hohe Übereinstimmung
identifizierter Flächen mit den durch die Birkhühner tatsächlich genutzten Flächen erreicht
werden.
Aufgrund der begrenzten Informationsgehalte und der Unschärfen der zugrundeliegenden
Satellitendaten ist zu erwarten, dass ein gewisser Anteil falsch zugeordneter Flächen nicht zu
vermeiden ist. Der von Staatsbetrieb Sachsenforst in Liebethal nach mehrmonatiger Entwick-
lungsarbeit vorgelegte Bewertungsvorschlag scheint brauchbar zu sein. Gleichwohl werden
verschiedentlich Flächen ausgewiesen, die kaum oder nicht vom Birkhuhn genutzt werden.
Das LfULG empfiehlt daher, die vorgeschlagene Bewertungsroutine zwecks Testung auch auf
die anderen Birkhuhnvorkommensgebiete zu übertragen. Diese Vorkommensgebiete haben
teilweise eine sehr individuelle Ausstattung an Birkhuhnlebensräumen. Dies wird wahr-
scheinlich weitere wichtige Hinweise auf Anpassungsnotwendigkeiten in der Bewertungsrou-
tine bringen.
Neben der Justierung der einzelnen Bewertungsparameter könnte auch die Größe von An-
sammlungen ähnlicher Raster sowie die Kombination von Rasteransammlungen, die unter-
schiedlichen Habiatzieltypen zugeordnet wurden, entscheidende Hinweise auf eine beson-
dere Birkhuhneignung und tatsächliche Nutzung durch Birkhühner liefern. Neben der Analy-
se und Bewertung einzelner Raster sollte also auch das Rasterbild (Größe, Verteilung und
Kombination der Raster unterschiedlicher Habitatzieltypen) betrachtet werden. Auffällig ist
beispielsweise, dass das feingranulare Rasterbild im Lugsteingebiet östlich des Weckebrot-
weges (kleinflächige Rastermischung Habitatzieltyp Balzplatz und Habitatzieltyp Brut- und
Aufzucht) ein deutlicher Hinweis auf eine Lebensraumeignung ist, dagegen die Grünlandflä-
chen östlich des Georgenfelder Hochmoors oder die kleinen Lichtungen westlich des Wecke-
brotweges mit homogenen und großflächigen Rasterbildern für das Birkhuhn ungeeignet
sind. Dies ist ein deutlicher Hinweis, dass Auflichtungsmaßnahmen möglichst kleinflächig,
grenzlinienreich und mit unterschiedlichem Umfang geplant und umgesetzt werden sollten.
Außerdem ist eine heterogene Mischung der Flächen unterschiedlicher Habitatzieltypen an-
zustreben. Damit dies möglich ist, darf die Auswahl der laut Artenschutzprogramm zur Ver-
fügung stehenden Maßnahmentypen nicht noch durch eine feste Zuordnung zu bestimmten
Habitatzieltypen eingeengt werden.
Für die Anpassung der Bewertungsroutine ist es entscheidend, dass sauber zwischen den
objektiv gemessenen Parametern und den durchgeführten Bewertungsschritten differenziert
wird und diese im Detail und verständlich offengelegt werden. Zusätzlich sollten nach der
Testung in anderen Birkhuhnvorkommensgebieten Bewertungsvarianten durchgespielt wer-
den und die resultierenden Kartenbilder vorgestellt werden. Dies fördert die Transparenz
und bei allen Akteuren im Birkhuhnschutz auch die Akzeptanz der Bewertungsroutine.
Anlage 1

Der Titel des Projektes weckt die Erwartung, dass im Bericht auch Aussagen zu notwendigen
Maßnahmen für das langfristige Überleben der Birkhuhnpopulation im Erzgebirge enthalten
sind. Es wird zumindest deutlich, dass weder durch Umsetzung von „Szenario ohne Wald-
umbau (Kap. 3.3.1)“ noch durch Umsetzung von „Szenario mit Waldumbau (Kap. 3.3.2)“
Birkhuhnlebensräume langfristig und in ausreichendem Umfang vorgehalten werden kön-
nen. Außerdem wird deutlich, dass durch die Pflanzung von Fichte nur anfänglich und für
wenige Jahre geeignete Birkhuhnlebensräume geschaffen werden können, die Flächen aber
nach vollständigem Kronenschluss umso schneller als Birkhuhnlebensraum wegfallen. Da im
„Szenario ohne Waldumbau“ (= Nichtstun bzw. kein Aufwand) ebenfalls für einige Jahre ge-
eignete Birkhuhnlebensräume entstehen und vorübergehend erhalten bleiben, ist der Auf-
wand für die Pflanzung von Fichte nur schwer zu rechtfertigen.
Für das Überleben des Birkhuhns ist daher die Realisierung eines Szenarios mit hochwirksa-
men Auflichtungsmaßnahmen ohne Fichtenanpflanzungen erforderlich. In der aktuellen und
mitunter emotional und unsachlich geführten Diskussion um den erforderlichen Umfang
solcher Auflichtungsmaßnahmen hätte das Projekt wertvolle Hinweise zur objektiven Quan-
tifizierung solcher Auflichtungsflächen liefern können.
Heiner Blischke
_______________________________________________________________________
SÄCHSISCHES LANDESAMT FÜR UMWELT, LANDWIRTSCHAFT UND GEOLOGIE
SAXON STATE AGENCY FOR ENVIRONMENT, AGRICULTURE AND GEOLOGY
Referat 62 | Artenschutz

image
image
image
image

image
image
image
image

Stellungnahme zum Projekt
Entwicklung eines grenzübergreifend anwendbaren Bewertungsschemas für Birkhuhnhabitate in
den deutsch-tschechischen Kammlagen auf Basis von weitgehend automatisiert erfassbaren
Fernerkundungsdaten im Rahmen des SNCZ 2020 Projektes „TetraoVit“
Die Entwicklung und Anwendung des Projektes für eine grenzübergreifende Erfassung und
Bewertung von Birkhuhnlebensräumen wird grundsätzlich positiv bewertet. Zumindest für das
sächsische Erzgebirge gibt es zwar gute Kenntnisse über die wichtigsten Lebensraumbereich des
Birkhuhns und ihre regionalen Vorkommensschwerpunkte. Auf 10x10 m genaue Angaben über
einzelne Habitatparameter und ihre Anteile an größeren räumlichen Einheiten sowie entsprechende
Aggregationen zu Habitattypen in mehreren Ausprägungsstufen sind z. Zt. nur durch im Projekt
praktizierte Luftbildauswertungen mit vertretbarem Aufwand realisierbar. Eine an den aktuellen
Zustand angeschlossene Fortschreibung für 10 und 20 Jahre liefert außerdem wichtige Informationen
für die kurz- und mittelfristige Planung. Hier vermisst man aber unmittelbar davon abgeleitete
Planungsszenarios. Grundsätzlich einschränkend ist auch darauf hinzuweisen, dass die Studie die für
eine erfolgreiche Ansiedlung und Populationsentwicklung notwendige Vernetzungen (Mosaike) der
Habitatparameter sowie ggf. maßgeblicher einzelner Requisiten nur sehr bedingt widerspiegeln kann.
Gut sichtbar werden aber Schwerpunktvorkommen für die einzelnen Habitattypen, an denen dann
weitergehende Untersuchungen und Planungen ansetzen können.
Nachfolgend einige Einzelanmerkungen:
Zu 1.1 Wandel der Birkhuhnhabitate im Erzgebirge
Hier fehlt ein Hinweis auf die nahezu flächendeckenden Vorkommen in den weit verbreiteten
Vorwäldern und Heiden des 17. Und 18. Jahrhunderts und dem nachfolgend rasanten Rückgang seit
Übergang zur geregelten Forstwirtschaft mit überwiegend dicht geschlossenen Fichtenforsten.
Zu 2.4.1 Baumarten und Bodenvegetation
S. 11: Dass sich Birke und Eberesche nicht unterscheiden lassen, wird bezweifelt. Wurde wohl, da für
andere (forstliche) Zwecke nicht so wichtig, bisher nur nicht ausgetestet. Wäre hier aber wichtig,
auch wegen Verfügbarkeit von Beerennahrung.
Zu 2.5.4 kumulativer Habitatwert
Widerspruch zwischen S. 16: für Balzplatz Baumhöhe und Deckungsgrad Faktor 2 und Tabelle S. 29:
für Balzplatz Deckungsgrad Baumschicht und Bodenvegetationstyp Faktor 2.
Dass Bodenvegetationstyp auf S. 29 doppelt bewertet wird, ist sachlich nicht schlüssig, da er auf dem
Balzplatz untergeordnete Bedeutung hat, denn ggf. störende höhere vorjährige Bodenvegetation (z.
B. Calamagrostis) ist vom Winterschnee noch niedergedrückt und hat normalerweis zur Hauptbalz
noch nicht wieder ausgetrieben.
Zu 2.5.5 Berücksichtigung von Störungen
S. 16: sollte restriktiver angewendet werden (z. B. Weckebrotweg, und der diesen kreuzende Flügel),
da wenig begangene Wege(z. T. auch vergraste Erdwege) wichtige Teillebensräume sind.
2.6 Prognose Habitatentwicklung
In beiden Szenarien ist die Unterstellung, dass sich Bestände der Weichlaubhölzer und der
Interimsbaumarten (auch Aufforstungen mit Bergkiefer) für einen Zeitraum von 20 Jahren in ihrer
Eignung als Birkhuhnhabitate nur wenig verändern nicht zutreffend. Sie verändern sich grundsätzlich
(und abgesehen von Bestockungsauflösungen bei Blaufichte und Murraykiefer) nur langsamer als
Aufforstungen mit Fichte. Denn die fortschreitende Sukzession dieser Lebensräume hat im
Kahleberg-Lugsteingebiet zumindest bis ca. 2010 zu entsprechenden Lebensraumentwertungen
Anlage 3

geführt bzw. entsprechende (lenkende) Eingriffe erforderlich gemacht. Die Zukunftsprognosen sind
so gesehen deshalb sowohl ohne als auch mit Waldumbau langfristig (20 Jahre) noch negativer als
auf S. 39 bis 47 dargestellt, am generellen Trend ändert sich dadurch aber nur wenig.
3.1.1 Verteilung der Baumarten, Abschätzung der Datenvalidität
S. 20: nicht nur Trennung Fichte/Murraykiefer und Fichte/Bergkiefer ist fehlerhaft. Gilt nicht selten
auch für Murraykiefer und Bergkiefer (z. B. auf dem Kahleberg und nördlich Georgenfeld (Abt. 188).
3.1.4 Verteilung der Bodenvegetationstypen
S 26 Zitat:
„Klar zu sehen ist die deutlich größere Fläche an Beersträuchern auf tschechischer Seite und
deren räumlicher Schwerpunkt in den entwässerten Moorbereichen im mittleren und nördlichen
Bereich des tschechischen Gebietsteils.“
Das stützt die aus langjährigen Beobachtungen und Literaturrecherchen vertretene Auffassung der
„Initiative Birkhuhnschutz“ dass im Erzgebirge
-
vor allem Wasserscheidenmoore für das Birkhuhn relevant sind und unter diesen
-
devastierte (entwässerte) Moore mit Birkenvorwald.
Um aber nicht missverstanden zu werden. Die Revitalisierung (Wiedervernässung) erzgebirgischer
Moore ist eine in vielerlei Hinsicht hochrangige Aufgabe. Für den Birkhuhnschutz sollten wir daran
aber nur begrenzte Erwartungen knüpfen.
3.1.5 Verteilung der Geländeformen
Die Bewertung ist nicht hinreichend. Zum Beispiel ist die Ausschlussfläche entlang des Tiefenbaches
viel größer, denn der gesamte stark eingesenkte Bereich nordwestlich des Kohlweges wird von
Birkhühnern gemieden. Allerdings fällt das nicht ins Gewicht, da große Teile dieses Bereiches
außerdem Ausschlussflächen wegen Störungen (Biathlonanlage) sind. Neben den für die Balz
bevorzugten Kuppen (Kahleberg, Lugsteine) werden für die Brut/Aufzucht der Jungen
wärmebegünstigte (leicht nach Süd und Südwest geneigte) Hänge nach bisherigen Erfahrungen
bevorzugt. Das wird aber stark von der aktuellen Vegetation überlagert und wäre dann erst bei
weitergehenden Untersuchungen und Planungen wieder aufzugreifen.
3.2 Ergebnisse der Habitatbewertung
Hier gibt es generell bei der Bewertung der Baumarten methodische Grenzen, da z. B.
-
Reine Weichlaubholzbestände nicht das Optimum darstellen sondern zumindest bei Brut-
und Aufzuchthabtaten einzel- und gruppenweise beigemischte Fichten, Kiefern, Bergkiefern
wichtige Deckungsschutzfunktionen haben.
-
Reine Birkenbestockungen zumindest als Herbst- und Winterhabitate weniger günstig sind
als solche gemischt mit Eberesche, Saalweide (Nahrungsangebot) und wiederum Fichte und
Kiefer (Nahrung, Schlafplätze).
3.2.1 Habitattyp Balzplatz
Bewertung nicht immer schlüssig. Neben bereits im Text genannten methodischen Problemen z. B.
auch, wenn in Nachbarrastern hochgewachsene Bestockungsriegel angrenzen (z. B. zwischen
Schneise 31 und Kahleberg, Ecke Schneise 31/I-Flügel). Solche Bestockungsreste bzw.
Bestockungsriegel entwerten den Habitattyp und begünstigen zugleich Prädatoren (z. B. gedeckter
Anflug/überraschender Anflug durch Habicht).
3.2.2 Brut-und Aufzuchthabitate
S. 31: Einzelne Bäume bzw. kleine Baumgruppen bis 10 m Höhe sind bei geringer Bestockungsdichte
tolerierbar. Bis 10 m Höhe aber als Bewertungskriterium für diesen Habitattyp zuzulassen, führt zu
einer Überbewertung. Laut Tabelle 14 könnten dann bei einem B° von Zwergsträucher > 50 % und

image
einem B° der Baumschicht von 50-60 % bei Weichlaubholz noch 12 Punkte, bei Interimsbaumarten
noch 11 Punkte und bei Fichte noch 10 Punkte erreicht werden. Ganz sicher sind
Nadelbaumbestockungen > 6 m Höhe bei einem Bestockungsgrad von 50-60 % als Bruthabitat nicht
mehr geeignet. Möglicherweise gilt das sogar auch für Weichlaubholzbestockungen dieser
Ausprägung.
Umgekehrt sind Bestockungsdichten < 20 % kein Ausschlusskriterium für Brut- und Aufzuchthabitate,
denn auch solche Flächen werden im arttypischen Lebensraummosaik regelmäßig von Junge
führenden Weibchen aufgesucht.
Insgesamt wäre hier deshalb der zu erfassende Lebensraumbereich bezüglich Baumhöhe und –dichte
besser etwas zum offenen hin zu verschieben.
Auch in der Gesamtbilanz Potenzial Balzhabitate/Brut und Aufzuchthabitate, lt. Tabellen 13 und 15
von 71 ha/96 ha sollte der Überschneidungsbereich der Flächen mit Potenzial für Brut- und Aufzucht
mit denen für Balz entsprechend sichtbar gemacht werden, zumal der Flächenbedarf für Brut- und
Aufzucht viel höher ist als der für Balzplätze. Zumindest für die Unterschrift zu Abb. 16 wird
erläuternd empfohlen:
Abb. 16: Räumliche Verteilung der Rasterzellen, die als "Balzplätze" oder "Brut- und
Aufzuchthabitate" mindestens zehn Punkte erreicht haben, wobei zu beachten ist, dass große Teile
der als Balzplatz geeigneten Habitate zugleich Funktionen für Brut- und Aufzucht erfüllen können.
Dresden, 07.12.2020
Dr. habil. Rolf Steffens