image
 
CCI-Nr.: 2007
DE 051 PO 004
20.07.2007
OPERATIONELLES
PROGRAMM
des Freistaates Sachsen
für den
Europäischen Sozialfonds (ESF)
im Ziel „Konvergenz“ in der Förderperiode
2007 bis 2013
in der Fassung des Änderungsantrages vom
26. Februar 2014

image
 
Operationelles Programm
des Freistaates Sachsen
für den
Europäischen Sozialfonds (ESF)
im Ziel „Konvergenz“
in der Förderperiode
2007 bis 2013
CCI-Nr.: 2007 DE 051 PO 004
Fassung vom 26.02.2014

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Fassung vom 26.02.2014
2

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
14
1
Sozioökonomische Analyse im makroökonomischen
Zusammenhang
15
1.1
Rahmenbedingungen
15
1.2
Anpassung und Wettbewerbsfähigkeit
17
1.3
Humankapital
22
1.4
Soziale Eingliederung
25
1.5
Chancengleichheit von Frauen und Männern
30
1.6
Demografie – die besonderen Herausforderungen in Sachsen
31
1.7
Zukünftige Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes
37
1.8
Quantifizierte Ziele der Europäischen Union – Übersicht
40
2
Rahmenbedingungen und Strategien auf europäischer, nationaler
und regionaler Ebene
41
2.1
Europäische Rahmenbedingungen
41
2.2
Entwicklung und Schwerpunkte der nationalen Arbeitsmarkt-
und Beschäftigungspolitik
44
2.3
Ergebnisse der ESF-Fördermaßnahmen in Sachsen 2000-2006 46
3
Stärken und Schwächen (SWOT-Analyse) in Sachsen
51
3.1
Einleitung zur SWOT-Analyse
51
3.2
SWOT-Analyse für den Freistaat Sachsen
53
3.2.1
Analyse der Prioritätsachse A: „Steigerung der Anpassungs-
und Wettbewerbsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen“
53
3.2.2
Analyse der Prioritätsachse B: „Verbesserung des
‚Humankapitals’“
55
3.2.3
Analyse der Prioritätsachse C: Verbesserung des Zugangs zu
Beschäftigung sowie der sozialen Eingliederung von
benachteiligten Personen
57
3.3
Empfehlungen und Ansatzpunkte der Strategie
58
4
Entwicklungsstrategie für den Programmzeitraum 2007-2013
60
4.1
Ansatzpunkte der künftigen Strategie für die arbeitsmarktliche
Entwicklung
60
4.1.1
Herausforderung des Freistaates Sachsen
60
4.1.1.1
Steigerung der Anpassungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit
der Beschäftigten und Unternehmen
60
4.1.1.2
Verbesserung des Humankapitals
64
Fassung vom 26.02.2014
3

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.1.1.3
Verbesserung des Zug
4.1.1.4
Chancengleichheit von Frauen und Männern
70
4.1.1.5
Zusammenfassung: Herausforderungen in Sachsen
71
4.1.2
Strategische Ziele des ESF in Sachsen
72
4.1.3
Kohärenz der Strategie mit den regionalen, nationalen und
Gemeinschaftspolitiken
74
4.1.4
Partnerschaftlicher Ansatz
76
4.1.5
Strategie für Innovationen, transnationale und interregionale
Kooperation
77
4.2
Prioritäten der ESF-Förderung 2007-2013
80
4.2.1
Übersicht über die Prioritätsachsen
80
4.2.2
Prioritätsachse A: Steigerung der Anpassungsfähigkeit und
Wettbewerbsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen
82
4.2.2.1
Einsatzfeld 1: Berufsbegleitende Qualifizierung; Steigerung der
Wettbewerbsfähigkeit
82
4.2.2.2
Einsatzfeld 2: Förderung von Unternehmergeist und
Arbeitsplatz schaffenden Existenzgründungen
86
4.2.2.3
Indikatoren für die Prioritätsachse A
88
4.2.3
Prioritätsachse B: Verbesserung des „Humankapitals“
90
4.2.3.1
Einsatzfeld 3: Förderung des Lebensbegleitenden Lernens und
Verbesserung der Berufswahlkompetenz
90
4.2.3.2
Einsatzfeld 4: Förderung der Berufsausbildung für Jugendliche
93
4.2.3.3
Einsatzfeld 5: Förderung des Humanpotenzials in Forschung
und Inno-vation sowie der Netzwerktätigkeit zwischen
Hochschul- und Forschungseinrichtungen, Technologiezentren
und Unternehmen
94
4.2.3.4
Indikatoren für die Prioritätsachse B
97
4.2.4
Prioritätsachse C: Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung
sowie der sozialen Eingliederung von benachteiligten Personen 99
4.2.4.1
Einsatzfeld 6: Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung
99
4.2.4.2
Einsatzfeld 7: Soziale Eingliederung von Benachteiligten durch
Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit
101
4.2.4.3
Indikatoren für die Prioritätsachse C
103
4.2.5
Prioritätsachse E: Transnationale Maßnahmen
105
4.2.5.1
Indikatoren für die Prioritätsachse E
108
4.2.6
Technische Hilfe
109
4.3
Berücksichtigung der Querschnittsziele
109
4.3.1
Förderung der Chancengleichheit von Frauen und Männern
109
4.3.2
Nachhaltigkeit
111
4.3.3
Demografischer Wandel
113
Fassung vom 26.02.2014
4

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.4
Herausforderungen und Handlungsoptionen
115
4.5
Quantifizierte Ziele, Earmarking (tabellarische Übersichten)
117
4.6
Indikatoren für die Begleitung und Bewertung
118
4.6.1
Art der Indikatoren
118
4.6.2
Prinzipien und Grundstruktur des Monitoring- bzw.
Indikatorensystems
119
4.6.3
Kontext- und Baseline-Indikatoren
120
4.6.4
EU-Benchmarks
123
4.6.5
Stammblätter
124
4.6.6
Kategorien der Lissabon-Strategie
133
4.6.7
Ergebnis- und Wirkungsindikatoren
135
5
Mechanismen der Kohärenz und Konsistenz
142
6
Durchführungssysteme, Partnerschaft
145
6.1
Durchführungssysteme
145
6.1.1
Benennung und Aufgaben der Verwaltungsbehörde für das OP 145
6.1.2
Benennung und Aufgaben der Bescheinigungsbehörde
147
6.1.3
Benennung und Aufgaben der Prüfbehörde
148
6.1.4
Zahlungsströme
150
6.1.5
Begleitausschuss und Partnerschaft im Rahmen der
Programmumsetzung
151
6.1.6
Zeitplan für die Berichterstattung – Monitoring und Evaluation
152
6.1.7
Verfahren zur Umsetzung (Beschreibung der Verfahren,
zwischengeschaltete Stellen)
154
6.2
Publizitätsmaßnahmen zum OP
156
6.3
EDV-System und Datenaustausch mit der Kommission
158
6.3.1
Elektronischer Datenaustausch mit der Kommission (SFC 2007) 158
6.3.2
EDV-System für die Abwicklung der Finanzierung und des
Monitoring (eigenes System)
159
7
Finanzierungspläne
160
7.1
Finanzierungsplan für die gesamte Förderperiode mit Inter-
ventionssätzen
160
7.2
Finanzierungsplan mit Jahrestranchen
161
8
Zusammenfassung der ex ante-Bewertung
163
Anhang
166
Fassung vom 26.02.2014
5

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1:
Beteiligung an beruflicher Weiterbildung in Sachsen nach
Qualifikation und Betriebsgröße (2003)
19
Abbildung 2:
Bevölkerungsprognose in Sachsen nach Kreisen 2005 bis
2020
35
Abbildung 3:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnort im
Freistaat Sachsen
36
Abbildung 4:
Ausbildungsstellenmarkt und Prognose
39
Abbildung 5:
Ausgaben und Pisa-Ergebnis im Bundesvergleich
64
Abbildung 6:
Ziele des ESF
74
Abbildung 7:
Herausforderungen und Ziele der ESF-Förderung
75
Abbildung 8:
Übersicht über die Ziele und Prioritätsachsen
80
Abbildung 9:
Herausforderungen und Handlungsoptionen
115
Abbildung A10: Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes im Zeitraum 2000 bis
2005 (preisbereinigt, verkettet)
167
Abbildung A11: Entwicklung der Erwerbstätigenzahl 2000 bis 2005
168
Abbildung A12: Entwicklung des Arbeitsvolumens je Erwerbstätigen 2000 bis
2005
169
Abbildung A13: Produktivitätsentwicklung 2000 bis 2005
170
Abbildung A14: Bevölkerungsentwicklung 2000 bis 2005
174
Abbildung A15: Altersbedingte Zu- und Abgänge aus der erwerbsfähigen
Bevölkerung in Sachsen*
177
Abbildung A16: Erwerbsquoten 2000 und 2005
179
Abbildung A17: Allgemeine Erwerbstätigenquote 2005
180
Abbildung A18: Allgemeine Erwerbstätigenquoten 2000 und 2005
180
Abbildung A19: Erwerbstätigenquote der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter
2005
181
Abbildung A20: Erwerbstätigenquoten 2000 und 2005 der Bevölkerung im
erwerbsfähigen Alter
181
Abbildung A21: Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung 183
Abbildung A22: Beteiligung an beruflicher Weiterbildung nach Erwerbs- und
Nichterwerbstätigen (2003)
189
Abbildung A23: Beteiligung an den Maßnahmearten beruflicher Weiterbildung
(19- bis 64-Jährige in 2003)
190
Abbildung A24: Reichweite der informellen beruflichen Weiterbildung im Jahr
2003 (bei Erwerbstätigen)
191
Abbildung A25: Beteiligung an beruflicher Weiterbildung nach ausgewählten
Merkmalen in Sachsen 2003
192
Abbildung A26: Anzahl von KMU in Sachsen
194
Abbildung A27: Qualifikationsanforderungen offener Stellen im IHK-Bereich
2003 und 2005 (Anteil der offenen Stellen in %)
195
Fassung vom 26.02.2014
6

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Abbildung A28: Qualifikationsanforderungen offener Stellen nach sechs
Monaten im IHK-Bereich 2005
196
Abbildung A29: Qualifikationsstruktur der Erwerbstätigen verschiedener
Altersklassen in Sachsen 1993-2003
200
Abbildung A30: Arbeitsangebot nach Qualifikation
201
Abbildung A31: Beschäftigungslücke
202
Abbildung A32: Studienanfänger nach Land der
Hochschulzugangsberechtigung (2000-2004) in %
203
Abbildung A33: Studierende insges. und in ingenieur-, mathematischen- und
naturwissenschaftl. Fächern
204
Abbildung A34: Jährliche Ausgaben pro Studierenden
205
Abbildung A35: Verteilung der Bevölkerung nach Bildungsabschluss in %
(2004)
206
Abbildung A36: Die Nachfrage nach Ausbildungsangeboten
209
Abbildung A37: Ausbildungsberechtigung und Ausbildungsbeteilung der
Betriebe in Sachsen 2005
212
Abbildung A38: ifo-Prognose Beschäftigungsüberhang und -lücke nach
Qualifikationen (S1)
226
Abbildung A39: Prognose der Bevölkerung im Alter von unter 25 Jahren sowie
der Schulabgänger bis zum Jahr 2020 im Freistaat Sachsen
(in 1.000)
234
Abbildung A40: Eckdaten zur Ausbildungsplatznachfrage und zum
Ausbildungsplatzangebot im Freistaat Sachsen bis zum Jahr
2020
236
Abbildung A41: Sektoraler Strukturwandel – Anteil der Sektoren an der
Gesamterwerbstätigkeit in % sowie Veränderung der
Erwerbstätigen 2015 gegenüber 2005 in % - Schätzungen des
ifo-Instituts
238
Abbildung A42: Sektoraler Strukturwandel – Anteil der Sektoren an der
Gesamterwerbstätigkeit in % sowie Veränderung der
Erwerbstätigen 2015 gegenüber 2005 in % - Schätzungen des
IAB
239
Abbildung A43: Schätzung der sektoralen Wirtschaftsstruktur im Jahr 2015 in
Sachsen – Erwerbstätige in 1.000
241
Abbildung A44: Entwicklung der Qualifikationsstruktur in Deutschland (in
Prozent)
241
Abbildung A45: Entwicklung des Arbeitsangebots nach Qualifikationen in
1.000
242
Fassung vom 26.02.2014
7

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1:
Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (preisbereinigt, verkettet) 15
Tabelle 2:
Veränderung der Erwerbstätigkeit nach Sektoren (2005 zu 2000) 16
Tabelle 3:
Entwicklung der Exportquote
16
Tabelle 4:
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Betriebsgröße
(Anteilswerte der Beschäftigten 2005)
17
Tabelle 5:
Anteil der FuE-Ausgaben am BIP
18
Tabelle 6:
Lebenslanges Lernen
18
Tabelle 7:
Gewerbean- und -abmeldungen in Sachsen
20
Tabelle 8:
Selbstständigenquoten
20
Tabelle 9:
Erwerbstätigenquote in Prozent
21
Tabelle 10: Erwerbstätigenquoten Älterer (55-65 Jahre) in Prozent
21
Tabelle 11: Qualifikation der Erwerbstätigen nach höchstem beruflichen
Ausbildungs- bzw. (Fach-)Hochschulabschluss (2005)
22
Tabelle 12: Schulabbrecher und Abiturientenquoten
23
Tabelle 13: Ergebnisse der mathematischen Kompetenz (PISA 2003)
23
Tabelle 14: Ausbildungssituation in Sachsen 2000-2005 (jeweils zum 30.09.) 24
Tabelle 15: Anteil der vorzeitig gelösten an den neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträgen 2000-2005 in Sachsen
24
Tabelle 16: Studierende in ingenieur-, mathematischen- und
naturwissenschaftlichen Fächern und insgesamt in Sachsen
25
Tabelle 17: Entwicklung der Arbeitslosigkeit
26
Tabelle 18: Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen
26
Tabelle 19: Langfristige Entwicklung der Armutsrisikoquote
27
Tabelle 20: Bedarfsgemeinschaften (BG)
28
Tabelle 21: Anzahl der arbeitslosen Ausländer in Sachsen
29
Tabelle 22: Arbeitslosenquote der Ausländer in Sachsen
30
Tabelle 23: Erwerbstätigenquote der Frauen in Sachsen
30
Tabelle 24: Arbeitslosigkeit von Frauen in Sachsen
31
Tabelle 25: Teilzeitbeschäftigte in Sachsen
31
Tabelle 26: Demografische Bilanz für Sachsen 1990 bis 2020
32
Tabelle 27: Bevölkerungsprognose
33
Tabelle 28: Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsprognose auf
Kreisebene
34
Tabelle 29: Prognose des BIP Wachstums in Prozent
37
Tabelle 30: Arbeitsmarktprognose
38
Tabelle 31: Prognose der Entwicklung der Schülerzahlen in Sachsen
38
Tabelle 32: EU-Benchmarks (Stand 2005)
40
Fassung vom 26.02.2014
8

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 33: Earmarking (in EUR)
117
Tabelle 34: Finanzierungsplan des Operationellen Programms 2007-2013 in
EUR, Prioritätsachsen, aufgeschlüsselt nach
Finanzierungsquellen (vorläufig: Stand 05.02.2007)
160
Tabelle 35: Finanzierungsplan des Operationellen Programms 2007-2013 in
EUR, Angabe der jährlichen Mittelbindungen
161
Tabelle A36: Anteile der Wirtschaftsbereiche an der Bruttowertschöpfung
(jeweilige Preise) in Prozent
171
Tabelle A37: Anteile der Erwerbstätigen in den einzelnen
Wirtschaftsbereichen in %
172
Tabelle A38: Beschäftigte nach Betriebsgrößenklassen (Anteile in %)
173
Tabelle A39: Wanderungsgeschehen in Sachsen seit 2000
174
Tabelle A40: Bevölkerung nach Altersgruppen
176
Tabelle A41: Entwicklung der allgemeinen Erwerbsquote im Freistaat Sachsen
(in %)
178
Tabelle A42: Zahl der Selbstständigen und Selbstständigenquote
182
Tabelle A43: Erwerbsneigung und Erwerbstätigenquote von Frauen
185
Tabelle A44: Erwerbsneigung von Älteren
186
Tabelle A45: Erwerbstätigenquote von Älteren
187
Tabelle A46: Betriebe mit Weiterbildungsmaßnahmen 1997-2005 (jeweils 1.
Halbjahr) in %
193
Tabelle A47: Gründe für das Scheitern von Einstellungen neuer Mitarbeiter in
Sachsen 2005
197
Tabelle A48: Qualifikation der Erwerbstätigen nach höchstem beruflichen
Ausbildungs- bzw. Fachhochschul-/Hochschulabschluss 2005
199
Tabelle A49: Bildungsbeteiligung nach Alter (2004)
207
Tabelle A50: Teilnahmequoten allgemeine Weiterbildung 1991-2003 in % der
19- bis 64-Jährigen
208
Tabelle A51: Ausbildungssituation in Sachsen 2000-2005 (jeweils zum 30.09.) 210
Tabelle A52: Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge am Ende des
Berufsberatungsjahres 2004-2005 (jeweils zum 30.09.)
211
Tabelle A53: Neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse 2000-2005 zum
31.12.
211
Tabelle A54: Anteil der vorzeitig gelösten an den neu abgeschlossenen
Ausbildungsverträgen 2000-2005
212
Tabelle A55: Ausbildungsbeteiligung und Ausbildungsberechtigung der
Betriebe in Sachsen nach Betriebsgrößenklassen 2005
213
Tabelle A56: Entwicklung der Quote der Unterbeschäftigung und
Arbeitslosenquote 2000-2005
215
Tabelle A57: Entwicklung der Arbeitslosenquote
nach Geschlecht 2000-2005 (%)
216
Fassung vom 26.02.2014
9

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle A58: Entwicklung der Arbeitslosenquote Jüngerer nach
Altersgruppen 2000-2005 (in Prozent)
217
Tabelle A59: Entwicklung nach der Qualifikation 2000-2005
219
Tabelle A60: Entwicklung nach der Dauer der Arbeitslosigkeit 2000-2005
220
Tabelle A61: Empfänger von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts
nach dem SGB II (Berichtsmonat Dezember 2005)
221
Tabelle A62:Projektionen des IAB zur wirtschaftlichen Entwicklung in
Deutschland bis 2020
224
Tabelle A63: ifo-Prognose der Erwerbstätigkeit bis zum Jahr 2030
225
Tabelle A64: ifo-Prognosen zu Unterbeschäftigung und Beschäftigungslücke
227
Tabelle A65: Prognosen zum BIP-Wachstum 2005 – 2015 in Prozent
228
Tabelle A66: Annahmen der Szenarien für Sachsen 2005–2015
229
Tabelle A67: Szenarien der Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung in
Sachsen bis 2015
230
Tabelle A68: Datenquellen und Annahmen der Ausbildungsprognose
233
Tabelle A69: Prognose der Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss in
Sachsen
236
Tabelle A70: Schätzung der sektoralen Wirtschaftsstruktur in Sachsen im Jahr
2015
240
Tabelle A71: Region mit / ohne Übergangsunterstützung in den
Prioritätsachsen (in EUR)
244
Tabelle A72: Earmarking nach Prioritätsachsen (in EUR)
245
Fassung vom 26.02.2014
10

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Abkürzungsverzeichnis
ABM
Arbeitsbeschaffungsmaßnahme
AfL
Arbeit für Langzeitarbeitslose
AGH
Arbeitsgelegenheiten
AL
Arbeitslose/r; Arbeitslosigkeit
ARGE
Arbeitsgemeinschaft
BA
Bundesagentur für Arbeit
BGJ
Berufsgrundbildungsjahr
BIBB
Bundesinstitut für Berufsbildung
BIP
Bruttoinlandsprodukt
BMBF
Bundesministerium für Bildung und Forschung
BSI
Beschäftigung schaffende Infrastrukturförderung
DL
Dienstleistungen
EFF
Europäischer Fischereifonds
EFRE
Europäischer Fonds für regionale Entwicklung
EG
Europäische Gemeinschaft
ELER
Europäischer Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raumes
ESF
Europäischer Sozialfonds
EU
Europäische Union
Eurostat
Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften
EVS
Einkommens- und Verbrauchsstichprobe der Amtlichen Statistik
FbW
Förderung beruflicher Weiterbildung
FF
Freie Förderung
FÖJ
Freiwilliges Ökologisches Jahr
FSJ
Freiwilliges Soziales Jahr
FuE
Forschung und Entwicklung
IAB
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
IKT
Informations- und Kommunikationstechnik
ILO
International Labour Organisation (Internationale Arbeitsorganisation)
ISG
Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik
KMU
Kleine und Mittelständische Unternehmen
KOM
Europäische Kommission
LZA
Langzeitarbeitslose/r; Langzeitarbeitslosigkeit
MZ
Mikrozensus
NBL
Neue Bundesländer
NRP
Nationales Reformprogramm
NSRP
Nationaler Strategischer Rahmenplan
Fassung vom 26.02.2014
11

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
OECD
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
OP
Operationelles Programm
PISA
Programm für weltweite Schülerbeurteilung
SAB
Sächsische Aufbaubank
SAM
Strukturanpassungsmaßnahme
SächsHG
Sächsisches Hochschulgesetz
SGB
Sozialgesetzbuch
SMWA
Sächsisches Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit
SMWK
Sächsisches Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst
SOEP
Sozio-oekonomisches Panel
SV-pflichtig sozialversicherungspflichtig
VGR
Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
VO
Verordnung
WB
Weiterbildung
WWU
Wirtschafts- und Währungsunion
ZEW
Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH
Fassung vom 26.02.2014
12

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Fassung vom 26.02.2014
13

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Einleitung
Die europäische Strukturfondspolitik wird über den Einsatz des Europäischen Sozialfonds
(ESF) in Sachsen auch in der Förderperiode 2007-2013 umgesetzt. Der ESF ist ein primär
beschäftigungspolitisches Instrument, das auf die Förderung der Anpassungsfähigkeit,
Wettbewerbsfähigkeit und Integration von Benachteiligten zielt.
Der ESF unterstützt bereits seit 1991 die sächsische Arbeits- und Beschäftigungspolitik. Im
Laufe der Zeit haben sich dabei nicht nur die Bedingungen der sächsischen Arbeits- und
Unternehmenswelt über die zunehmende Globalisierung, den voranschreitenden techni-
schen Wandel und die EU-Osterweiterung verändert. Ebenso haben sich auf europäischer
Ebene die mit dem ESF verbundenen Anforderungen und Ziele konkretisiert.
Sachsen gehört weiterhin zu den Ziel 1-Gebieten der europäischen Strukturfondspolitik.
Lediglich im Regierungsbezirk Leipzig hat sich aufgrund des statistischen Effekts die Situa-
tion in Relation zum EU-Durchschnitt verbessert. Mit dem vorliegenden Operationellen
Programm wird ein wichtiger Grundstein der nächsten Förderperiode gelegt. Beschrieben
werden die für die ESF-Förderung maßgebliche arbeitsmarktpolitische Situation, die wich-
tigsten Herausforderungen der kommenden Jahre und die daraus abgeleitete Strategie
Sachsens in Bezug auf die ESF-Förderung.
Der Freistaat Sachsen bekennt sich uneingeschränkt zur Verpflichtung, Chancengleichheit
von Frauen und Männern in allen Politikbereichen umzusetzen. Im folgenden Text werden
wegen der besseren Lesbarkeit Begriffe wie „Arbeitnehmer“, „Migranten“, „Ausländer“ usw.
geschlechtsneutral verwendet.
Fassung vom 26.02.2014
14

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
1
Sozioökonomische Analyse
1
im makroökonomischen Zusammen-
hang
1.1
Rahmenbedingungen
Der Freistaat Sachsen liegt im östlichen Teil der Bundesrepublik Deutschland. Er grenzt an
die Bundesländer Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Bayern und Thüringen sowie im Osten an
die Polnische Republik und im Süden an die Tschechische Republik. Auf der Fläche des
Freistaates Sachsen von 18.416 km
2
lebten im Jahr 2005 rund 4,3 Mio. Menschen.
Sachsen zählt zu den neuen Ländern mit einer besonders dynamischen Wirtschaftsent-
wicklung. Bei der Betrachtung der Entwicklung des BIP zeigt sich, dass Sachsen mit einem
Wachstum von annähernd 9 % zwischen 2000 und 2005 ein überdurchschnittliches
Wachstum erreicht hat. Dieses lag sowohl über dem Durchschnitt der neuen Länder als
auch der alten Bundesländer. Das in Sachsen erwirtschaftete BIP betrug im Jahr 2005
rund 85,8 Mrd. Euro.
Tabelle 1: Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (preisbereinigt, verkettet)
1995
2000
2005
Sachsen
93,7
100,0
108,8
Ostdeutschland
94,0
100,0
102,6
Deutschland (insgesamt)
90,5
100,0
103,7
Quelle: VGR d. L., Ergebnisse der Revision der VGR 2005, 2006.
Betrachtet man die Veränderung der Erwerbstätigkeit nach Sektoren, wird deutlich, dass
die Entwicklung Sachsens, abgesehen von geringfügigen Abweichungen, der ostdeutschen
Entwicklung entspricht. Eine Ausnahme bildet das Verarbeitende Gewerbe, in dem – im
Gegensatz zum ost- und gesamtdeutschen Durchschnitt – nur ein geringer Rückgang der
Erwerbstätigkeit zu verzeichnen war. Der Freistaat Sachsen konnte in den letzten Jahren
verstärkt an seine große industrielle Bedeutung für Deutschland vor dem 2. Weltkrieg an-
knüpfen.
1
Diese Kapitel ist eine Kurzversion über die wichtigsten sozioökonomischen Gegebenheiten. Eine Langversion befindet
sich im Anhang A.1.
Fassung vom 26.02.2014
15

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 2: Veränderung der Erwerbstätigkeit nach Sektoren (2005 zu 2000)
Sachsen
Ostdeutschland
Deutschland
(insgesamt)
Zahl Erwerbstätige (VGR), davon
-4,4%
-4,8%
-0,9%
Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Fischzucht
-19,1%
-17,7%
-8,9%
Produzierendes Gewerbe
-14,6%
-18,7%
-11,3%
...Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe
-1,3%
-5,4%
-7,6%
...Verarbeitendes Gewerbe
-0,2%
-4,7%
-7,5%
...Baugewerbe -34,1%
-36,7%
-22,5%
Dienstleistungsbereiche
0,8%
0,8%
3,7%
...Handel; Gastgewerbe und Verkehr
-5,2%
-4,1%
-0,9%
...Finanzierung; Vermietung u. Unternehmens-
dienstleister
7,6%
9,0%
10,5%
...Öffentliche und private Dienstleister
2,2%
0,9%
4,2%
Quelle: VGR d. L., Ergebnisse der Revision der VGR 2005, 2006.
Trotz der Erfolge im wirtschaftlichen Aufholprozess und überdurchschnittlichem Wachstum
ging in den letzten Jahren die Beschäftigung weiter zurück. Dies ist dem nach wie vor be-
stehenden Anpassungsbedarf bei der Produktivität der Erwerbstätigen geschuldet (nur rd.
71 % des Westniveaus).
Der Stand bei der Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft entspricht im Freistaat
Sachsen dem Niveau der gesamten Bundesrepublik. Der Anteil der Erwerbstätigen im
Dienstleistungssektor unterscheidet sich in Sachsen im Jahr 2005 mit 70,9 % kaum vom
gesamtdeutschen Wert von 71,9 %.
Im Vergleich der Bruttowertschöpfung mit Westdeutschland zeigt sich, dass das Verarbei-
tende Gewerbe (Industrie) und unternehmensnahe Dienstleistungen in Sachsen – trotz der
zu beobachtenden Erfolge – immer noch unterrepräsentiert sind. In Sachsen hatten diese
beiden Wirtschaftsbereiche im Jahr 2005 nur einen Anteil von insgesamt 46,8 %, in West-
deutschland hingegen 54,3 %. Dies verdeutlicht den noch bestehenden Nachholbedarf bei
hochwertigen Dienstleistungen.
Die Wirtschaft des Freistaates Sachsen konnte in den vergangen Jahren ihre Exporterfolge
deutlich steigern. Die Exportquote, gemessen als Anteil der Ausfuhren am BIP, ist in Sach-
sen vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2005 um 49,3 % gestiegen. Allerdings liegt die Exportquo-
te Sachsens sowie die der anderen ostdeutschen Länder noch immer deutlich unter dem
Wert Westdeutschlands. Eine Ursache für diesen Rückstand ist in der Betriebsgrößen-
struktur des Freistaats Sachsen zu sehen. Daneben stellt die – wie erläutert – immer noch
geringe industrielle Basis für diese Feststellung einen wichtigen Grund dar.
Tabelle 3: Entwicklung der Exportquote
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Veränderung
2005 zu 2000
Sachsen
13,8%
16,9%
17,1%
18,1%
18,9%
20,6%
49,3%
Deutschland
29,0%
30,2%
30,4%
30,7%
33,0%
35,0%
20,7%
Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Landesamt Sachsen, eigene Berechnungen.
Die Betriebsgrößenstruktur Sachsens entspricht der ostdeutschen Struktur, die im Ver-
gleich zu Westdeutschland einen höheren Anteil kleiner und Kleinst-Betriebe aufweist,
während der Anteil der größeren Betriebe erkennbar geringer ist.
Fassung vom 26.02.2014
16

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 4: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte nach Betriebsgröße (Anteilswerte der Beschäf-
tigten 2005)
Sachsen
Ost-
deutschland
West-
deutschland
Deutschland
(insgesamt)
1 – 5
13,2%
13,1%
11,2%
11,6%
6 – 9
7,3%
7,1%
6,5%
6,6%
10 – 19
10,8%
10,4%
9,4%
9,6%
20 – 49
16,8%
15,6%
13,4%
13,8%
50 – 99
14,0%
13,1%
11,4%
11,7%
100 – 199
12,1%
12,1%
11,5%
11,6%
200 – 249
3,5%
3,4%
3,6%
3,6%
250 – 499
8,4%
9,4%
10,4%
10,2%
500 und mehr
14,0%
15,9%
22,6%
21,4%
Durchschnittliche Be-
triebsgröße (Beschäftigte)
11,5
11,6
13,2
12,9
Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, 2006. Juniwerte.
1.2
Anpassung und Wettbewerbsfähigkeit
Forschung und Innovation
Der überdurchschnittliche Anteil von Klein- und Kleinst-Betrieben ist mit verschiedenen
Nachteilen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit Sachsens verbunden. Ein bedeutender
Nachteil ist die im Vergleich zu Großunternehmen fehlende Möglichkeit zur Nutzung von
Größenvorteilen („Skalenerträge“).
Die so bedingten negativen Auswirkungen zeigen sich u. a. in einer geringeren Weiterbil-
dungsbeteiligung und einer geringeren Forschungsintensität. Im Jahr 2004 waren 94 %
der FuE betreibenden Unternehmen in Sachsen KMU. Das entspricht einem Anteil von ca.
65 % am FuE-Personalbestand der Wirtschaft. In Großunternehmen mit über 500 Beschäf-
tigten arbeiteten dagegen lediglich 29 % des FuE-Personals, im Gegensatz zu Deutschland
(gesamt) mit 81 %. Dabei ist die Konzentration der FuE-Beschäftigten auf KMU in Sachsen
bereits weniger deutlich ausgeprägt als in den übrigen neuen Bundesländern (Durchschnitt
der neuen Länder: 71 %)
2
.
Wie ausgeführt, sind vor allem die kleineren Betriebsstrukturen als Ursache für eine nicht
optimale Nutzung der bestehenden Potenziale im Bereich der Forschung und Entwicklung
im Freistaat Sachsen anzusehen. Im Jahr 2004 kamen in Sachsen ca. 4,6 FuE-
Beschäftigte auf 1.000 Erwerbstätige (Ostdeutschland: 3,6). Der aktuellste verfügbare
westdeutsche Vergleichswert liegt bei rund 7,9 im Jahr 2001.
Betrachtet man den in der folgenden Tabelle dargestellten Anteil der FuE-Ausgaben am
BIP, zeigt sich, dass Sachsen sowie Deutschland insgesamt mit einem Anteil von 2,5 %
(Sachsen 2,2 %) das Lissabonziel von 3 % noch nicht erreicht haben. Eine Ursache hierfür
ist in dem im Vergleich mit Westdeutschland auffällig geringem Anteil der Wirtschaft an den
FuE Ausgaben zu sehen. Dies ist wiederum auf die zuvor beschriebene Betriebsgrößen-
und Wirtschaftsstruktur zurückzuführen. Es ist eine stärkere Vernetzung und Kooperation
2
EuroNorm GmbH, Entwicklung von FuE-Potenzialen im Wirtschaftssektor der neuen Bundesländer, Juli 2005; Euro-
Norm GmbH, Analyse der Forschungs- und Entwicklungspotenziale im Wirtschaftssektor des Freistaates Sachsen
2001 bis 2004, Plan 2005, 2005.
Fassung vom 26.02.2014
17

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
von Hochschulen und Unternehmen, insbesondere KMU notwendig, um die Innovations-
und damit die Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft zu erhöhen.
Tabelle 5: Anteil der FuE-Ausgaben am BIP
FuE Anteil am BIP
Anteil der Wirtschaft
2001
2003
2001
2003
EU-Ziel
3,0% (2010)
66,7% (2010)
Sachsen
2,4%
2,2%
50,3%
46,1%
Ostdeutschland
2,3%
2,2%
53,8%
53,5%
Westdeutschland
2,5%
2,5%
73,9%
73,8%
Deutschland
2,5%
2,5%
69,9%
69,7%
Quelle: Eurostat 2006.
Weiterbildung und Lebenslanges Lernen
Ständige Weiterbildung der Arbeitskräfte ist notwendig, um den Wandel zur Wissensge-
sellschaft erfolgreich zu bewältigen und um im zunehmenden Wettbewerb zu bestehen.
Zudem erfordert der demografische Wandel – zunehmende Alterung der Belegschaften -,
wenn Fachkräftemangel vermieden werden soll, eine weitere Forcierung des Lebenslangen
Lernens. Die Europäische Union hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, die Beteiligung am Le-
benslangen Lernen auf 12,5 % zu erhöhen. Dieser Indikator besagt, dass innerhalb eines
Zeitraumes von 4 Wochen (vor dem Befragungstermin) dieser Anteil der Bevölkerung im
Alter von 25 bis 65 Jahren an berufsbezogener Weiterbildung teilgenommen haben soll.
Hier besteht in Sachsen weiterhin großer Handlungsbedarf, da mit einer Beteiligungsquote
von 7,5 % im Jahr 2005 das Ziel der EU noch nicht erreicht wurde. Zwar konnte seit dem
Jahr 2000 die Beteiligung am Lebenslangen Lernen deutlich gesteigert werden, es wurde
jedoch trotzdem, im nationalen Vergleich, nur eine unterdurchschnittliche Beteiligungsquote
erreicht.
Tabelle 6: Lebenslanges Lernen
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Sachsen
5,4
5,3
5,9
6,0
8,1
7,5
Ostdeutschland
5,4
5,5
6,0
6,7
8,2
8,1
Westdeutschland
4,9
5,0
5,5
5,9
7,2
7,6
Deutschland
5,0
5,1
5,6
6,0
7,4
7,7
Quelle: Eurostat.
Zudem ist zu konstatieren, dass, bezogen auf diesen Indikator, Sachsen im Jahr 2005 eine
besonders ungünstige Entwicklung aufwies (vgl. Tab. 6), die dazu geführt hat, dass der
Freistaat hinter den Durchschnitt der anderen neuen Länder, aber auch der alten Länder,
zurückgefallen ist.
Neben den Daten von Eurostat zum EU-Indikator „Beteiligung am Lebenslangen Lernen“
liegen für Sachsen Informationen zur Weiterbildungsbeteiligung von Erwerbstätigen aus
dem Berichtssystem Weiterbildung vor. Dieses misst die Weiterbildungsbeteilung innerhalb
eines 12-Monatszeitraumes, die letzten Daten stammen allerdings aus dem Jahre 2003.
Fassung vom 26.02.2014
18

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Abbildung 1: Beteiligung an beruflicher Weiterbildung in Sachsen nach Qualifikation und Be-
triebsgröße (2003)
15
19
35
49
23
33
39
50
Keine Berufsausbildung
Lehre / Berufsfachschule
Meister-, Fachschule
Hochschulabschluss
1 - 19 Beschäftige
20 - 99 Beschäftige
100 - 999 Beschäftige
1.000 und mehr Beschäftige
0
10
20
30
40
50
60
Quelle: TNS Infratest Sozialforschung, Weiterbildung in Sachsen - Ergebnisse der repräsentativen Erhebung
2004 im Rahmen des Berichtssystems Weiterbildung, 2004.
Diese zeigen, dass die Weiterbildungsbeteiligung sehr stark von der Unternehmensgröße
sowie dem Erwerbsstatus abhängt. Nur 23 % der in kleineren Betrieben (mit weniger als 20
Beschäftigen) Beschäftigten nahmen im Jahr 2003 an beruflicher Weiterbildung teil, wäh-
rend die Teilnahmequote bei Beschäftigten in Großunternehmen 50 % betrug. Neben der
Betriebsgröße hat die (berufliche) Qualifikation einen gewichtigen Einfluss auf die Weiter-
bildungsbeteiligung. Die niedrigste Weiterbildungsbeteiligung weisen Personen ohne Be-
rufsausbildung aus (15 %). Hochschulabsolventen weisen dagegen mit einer Quote von
49 % die höchste Weiterbildungsbeteiligung aus.
In den kommenden Jahren werden hohe Anforderungen an die Anpassungsfähigkeit der
Wirtschaft und der Arbeitskräfte im Freistaat Sachsen gestellt. Die Bewältigung der fort-
schreitenden Tertiärisierung und des erwarteten Fachkräftemangels sowie die Überwin-
dung des weiterhin vorhandenen Anpassungsbedarfs im Bereich der Forschung und Inno-
vation setzen eine hohe Qualifizierung der Bevölkerung voraus. Von besonderer Bedeu-
tung sind dabei die Erhöhung der Qualifikation der gering Qualifizierten und die Weiterbil-
dung Älterer zur Sicherung eines ausreichenden Bestandes an Fachkräften.
Die Förderung darf sich jedoch nicht nur auf diese Gruppen beschränken. Auch im Bereich
der Hochqualifizierten ist die Beteiligung am kontinuierlichen Lebenslangen Lernen weiter
zu erhöhen, um im Innovationswettbewerb bestehen zu können.
Entwicklung des Unternehmertums
Die Entwicklung der Unternehmensgründungen, gemessen an den Gewerbeanmeldungen,
verlief in Sachsen durchaus positiv. Es konnte ein Zuwachs der Gewerbeanmeldungen von
rund 15 % vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2005 verzeichnet werden. Zwar ist ein Teil des An-
stiegs ab dem Jahr 2004 auf die in Sachsen überdurchschnittlich häufig genutzte Förde-
rung durch den Existenzgründerzuschuss („Ich-AG“) und das Überbrückungsgeld zurückzu-
führen und daher zu relativieren, insgesamt kann jedoch ein insbesondere im Vergleich zu
Ostdeutschland gutes Gründungsklima im Freistaat Sachsen konstatiert werden. Der für
die Jahre 1999 bis 2005 kumulierte Saldo aus An- und Abmeldungen lag in Sachsen mit
106,8 Nettoneuanmeldungen je 10.000 Einwohner um mehr als 50 % über dem ostdeut-
schen Vergleichswert (1999 bis 2005: 68,8 %).
Fassung vom 26.02.2014
19

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 7: Gewerbean- und -abmeldungen in Sachsen
1999
2000
2003
2004
2005
Veränderung
2005 zu 2000
Anmeldungen
43.714
39.433
41.951
49.171
45.386
15,1%
Abmeldungen
37.968
36.981
32.600
32.630
35.776
-3,3%
Saldo
5.746
2.452
9.351
16.541
9.610
291,9%
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen.
In der Folge stieg die Selbstständigenquote
3
in Sachsen fast kontinuierlich seit dem Jahr
2000 und erreichte 2005 fast den westdeutschen Durchschnitt. Des Weiteren konnte
Sachsen bis zum Jahr 2004 erkennbar höhere Selbstständigenquoten als der ostdeutsche
Durchschnitt ausweisen.
4
Tabelle 8: Selbstständigenquoten
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Sachsen
9,4%
9,5%
9,5%
10,3%
11,3%
12,2%
Ostdeutschland
8,7%
9,1%
9,1%
9,7%
10,5%
12,1%
Westdeutschland
11,3%
11,5%
11,6%
11,8%
12,2%
12,4%
Deutschland (insgesamt)
10,8%
11,1%
11,1%
11,4%
11,9%
12,3%
Der Wert des Jahres 2005 (Jahresdurchschnitt) ist nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten (Monatswerte)
vergleichbar; Quelle: Mikrozensus.
Allerdings besteht Nachholbedarf im Bereich der wissens- und technologieorientierten
Gründungen. Hier ist das Gründungsgeschehen deutlich niedriger als in Westdeutschland,
wobei sich der Abstand in den letzten Jahren eher vergrößert hat.
5
Die Förderung sollte
sich daher nicht nur wie bisher hauptsächlich auf Bereiche konzentrieren, die eine eher
geringe Qualifikation erfordern
6
, sondern auch verstärkt Gründungen in wissens- und tech-
nologieintensiven Branchen berücksichtigen. Dazu muss bereits an den Hochschulen eine
umfassende Kultur der Selbstständigkeit gefördert werden.
Erwerbstätigkeit
Ein Ziel der Europäischen Union, im Rahmen der Europäischen Beschäftigungsstrategie,
besteht in der Erhöhung der Erwerbstätigenquote auf 70 % im Jahr 2010. Im Freistaat
Sachsen wurde dieses Ziel mit 62,8 % im Jahr 2005 noch nicht erreicht. Allerdings lag die
Erwerbstätigenquote in Sachsen mit Ausnahme des Jahres 2002 in den letzten fünf Jahren
stets über dem ostdeutschen Durchschnitt. Die Werte von Westdeutschland (69%) konnten
dagegen nicht erreicht werden. Auch zukünftig wird es, trotz des demografischen Wandels,
sehr schwierig werden, dieses EU-Ziel zu erreichen. Der nach wie vor bestehende Produk-
tivitätsrückstand führt überwiegend zu einem job-less-growth, da z. B. weitere Exporterfolge
das Vorhandensein einer wettbewerbsfähigen Exportwirtschaft voraussetzen (vgl. hierzu
auch Kap. 1.6).
3
Selbstständige und mithelfende Familienangehörige.
4
Der starke Anstieg der Selbstständigenquote in Ostdeutschland im Jahr 2005 ist auf die vollständige Einbeziehung
Berlins zu Ostdeutschland im Jahr 2005 (im Mikrozensus) zurückzuführen.
5
Quelle: ZEW, 2006, High-Tech-Gründungen in D: Trends und Entwicklungsperspektiven.
6
Vgl. Aktualisierung der Halbzeitbewertung des OP zur Strukturfondsförderung des Freistaates Sachsen 2000 bis 2006,
Schwerpunkte 1 bis 3 (Los 1), Materialband, S. 9 f.
Fassung vom 26.02.2014
20

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 9: Erwerbstätigenquote in Prozent
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Sachsen
62,8
62,3
61,2
61,4
60,8
62,8
Ostdeutschland
62,3
61,9
61,4
61,2
60,5
61,2
Westdeutschland
69,1
70,1
70,2
69,5
69,1
69,9
Deutschland (insgesamt)
63,9
65,8
65,4
64,9
64,3
65,4
Der Wert des Jahres 2005 (Jahresdurchschnitt) ist nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten (Monatswerte)
vergleichbar; Quelle: Mikrozensus.
Auch das beschäftigungspolitische Ziel der Erhöhung der Erwerbstätigkeit Älterer wurde
mit einer Erwerbstätigenquote der 55 bis 65-Jährigen von 40,2 % in Sachsen im Jahr 2005,
bei einem angestrebten Wert der EU von 50 %, nicht erreicht. Jedoch weist Sachsen auch
hier eine über die Jahre hinweg höhere Erwerbstätigkeit als der ostdeutsche Durchschnitt
auf. Bemerkenswert ist allerdings, dass es trotz eher ungünstiger Rahmenbedingungen für
die Beschäftigung Älterer in den letzten Jahren gelungen ist, hier Fortschritte zu erzielen.
Hier beinhaltet der demografische Wandel zukünftig durchaus Chancen, allerdings nur,
wenn es gelingt, ältere Arbeitskräfte durch verstärkte Weiterbildungsmaßnahmen für die
neuen Herausforderungen „fit“ zu machen. Um die Beschäftigung Älterer zu erhöhen, was
im Zuge der Alterung der Gesellschaft von noch größerer Bedeutung werden wird, müssen
Ältere in größerem Umfang als heute über aktuelles Fachwissen verfügen. Hierzu ist eine
Förderung der ständigen Weiterbildung Älterer unumgänglich.
Tabelle 10: Erwerbstätigenquoten Älterer (55-65 Jahre) in Prozent
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Sachsen
32,8
33,2
33,5
33,8
36,1
40,2
Ostdeutschland
31,6
31,8
32,4
32,9
35,2
39,5
Westdeutschland
38,9
39,3
38,7
40,9
42,6
46,9
Deutschland (insgesamt)
37,5
37,8
38,7
39,4
41,2
45,4
Der Wert des Jahres 2005 (Jahresdurchschnitt) ist nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten (Monatswerte)
vergleichbar; Quelle: Mikrozensus.
Fassung vom 26.02.2014
21

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
1.3
Humankapital
Qualifikationsstruktur der Erwerbstätigen
Eine Stärke Sachsens ist das vergleichsweise günstige Qualifikationsniveau der Erwerbstä-
tigen. Das Qualifikationsniveau der Beschäftigten in Sachsen liegt deutlich über dem west-
deutschen, aber auch über dem ostdeutschen Durchschnitt. Nur rund 10% der Erwerbstä-
tigen in Sachsen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung, während 17 % der Er-
werbstätigen einen (Fach-)Hochschulabschluss oder eine Promotion vorweisen können.
Tabelle 11: Qualifikation der Erwerbstätigen nach höchstem beruflichen Ausbildungs- bzw.
(Fach-)Hochschulabschluss (2005)
Sachsen
D-Ost
D-West
D-gesamt
Kein Abschluss
10,2%
12,9%
19,8%
18,5%
Lehre, Praktikum
(1)
54,9%
53,7%
55,2%
54,9%
Meister, Techniker Fachschulabschluss,
Fachschule der ehem. DDR
(2)
17,6%
15,1%
9,1%
10,3%
Fachhochschul-/ Hochschulabschluss,
Promotionen
(3)
17,0%
17,6%
15,3%
15,7%
ohne Angaben
0,3%
0,6%
0,6%
0,6%
(1) Einschließlich gleichwertiger Berufsfachschulabschluss, Berufsvorbereitungsjahr und Anlernausbildung; (2)
Einschließlich 2 oder 3 Jähriger Schule des Gesundheitswesens, Fach- oder Berufsakademie, Verwaltungs-
fachhochschule; (3) Einschließlich Ingenieurabschluss, ohne Abschluss an einer Verwaltungsfachhochschule;
Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Landesamt Sachsen, Mikrozensus, Berechnung der Langfas-
sung der Sozioökonomischen Analyse.
Allerdings ist der Freistaat Sachsen mit der Abwanderung von Fachkräften konfrontiert.
Dies ist besonders gravierend, da der Fachkräftemangel aufgrund des demografischen
Wandels im Freistaat Sachsen bedeutende Ausmaße annehmen und die Anwerbung von
Fachkräften aufgrund des im Vergleich zu Westdeutschland geringeren Lohnniveaus er-
schwert wird. Um den Fachkräftemangel zu verhindern bzw. zu begrenzen sind daher ne-
ben der Förderung des Lebenslangen Lernens auch die Sicherung und der Ausbau der
Leistungsfähigkeit des Bildungssystems zwingend notwendig.
Leistungsfähigkeit des Bildungssystems
In Sachsen, sowie in ganz Deutschland in schwächerer Form, ist es gelungen, die Schul-
abbrecherquote im Zeitverlauf auf 9,1 % zu senken, wie die folgende Tabelle verdeutlicht.
Zwar lag die Schulabbrecherquote im Schuljahr 2004/05 unter dem ostdeutschen Durch-
schnitt, in West- und Gesamtdeutschland konnten jedoch noch geringere Abbrecherquoten
erreicht werden.
Die Abiturientenquote lag in Sachsen im Schuljahr 2004/05 über dem west- und gesamt-
deutschen Durchschnitt. Um auch in Zukunft eine ausreichende Zahl Hochqualifizierter si-
cherzustellen, ist eine Erhöhung der Abiturientenquote anzustreben. Das größte Problem
stellt jedoch die zu hohe Schulabbrecherquote, d. h. der Anteil der Schulabgänger ohne
Hauptschulabschluss, dar. Gelingt es nicht, die Bildungserfolge zu erhöhen, wird es auch in
Zukunft, trotz des erwarteten Fachkräftebedarfs, weiterhin eine große Zahl von (Langzeit-)
Arbeitslosen geben.
Fassung vom 26.02.2014
22

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 12: Schulabbrecher und Abiturientenquoten
Sachsen
Ostdeutschland Westdeutschland
Deutschland
(insgesamt)
Schuljahr
1999/00 2004/05 1999/00 2004/05 1999/00 2004/05 1999/00 2004/05
Abbrecherquote
12,1%
9,1%
11,7%
9,7%
8,5%
7,7%
9,3%
8,2%
...männlich 15,7%
11,7%
15,3%
12,5%
10,7%
9,5%
11,9%
10,2%
...weiblich 8,3%
6,3%
7,9%
6,7%
6,3%
5,8%
6,7%
6,0%
Abiturientenquote
26,0%
26,1%
26,9%
28,2%
24,0%
23,0%
24,7%
24,1%
...männlich 20,9%
21,5%
21,6%
23,2%
21,3%
19,7%
21,4%
20,5%
...weiblich 31,3%
31,0%
32,3%
33,3%
26,8%
26,4%
28,2%
28,0%
Quelle: Statistisches Bundesamt, "Statistik der allgemeinbildenden Schulen", GENESIS online, 2006.
Eine detailliertere Beschreibung der Leistungsfähigkeit des Schulsystems sowie einen in-
ternationalen Vergleich bieten die Ergebnisse der PISA-Studie. Sachsen kann hier im Be-
reich der mathematischen Kompetenzen sowohl im deutschen als auch im internationalen
Vergleich überdurchschnittliche Leistungen aufweisen. Tabelle 13 stellt die für die Innova-
tionsfähigkeit der Wirtschaft wichtigen mathematischen Kompetenzen, als Indikator für die
naturwissenschaftlich-technische Leistungsfähigkeit, dar.
Trotz der im innerdeutschen Vergleich guten Leistungen des sächsischen Schulsystems
zeigt der internationale Vergleich doch einige Schwächen auf. Der Anteil der Schüler mit
einer verzögerten Schullaufbahn, gemäß Pisa 2003 2,4 % der 15-jährigen Schüler in Sach-
sen, ist erkennbar zu hoch. Der Zusammenhang von schulischer Leistungsfähigkeit und
sozialer Herkunft ist zwar im deutschen Ländervergleich gering, allerdings besteht auch
hier im internationalen Vergleich noch Verbesserungsbedarf.
Tabelle 13: Ergebnisse der mathematischen Kompetenz (PISA 2003)
Platz
Staat/Bundesland
Mittelwert
Standardabweichung
1
Finnland
544
1,9 %
2
Korea
542
3,2 %
3
Niederlande
538
3,1 %
4
Japan
534
4,0 %
11
Sachsen
523
2,4 %
20
Deutschland
503
2,4 %
23
OECD-Durchschnitt
500
0,6 %
Quelle: PISA-Konsortium Deutschland (2006), PISA 2003: Ergebnisse des zweiten Ländervergleichs, Zusam-
menfassung.
Ausbildung
Die Lage auf dem sächsischen Ausbildungsmarkt ist nach wie vor äußert angespannt. Im
Beratungsjahr 2005/2006 konnten weniger als die Hälfte (39,2 %) der bei den Agenturen
für Arbeit gemeldeten Bewerber in Sachsen einen betrieblichen Ausbildungsvertrag ab-
schließen. Der Großteil der Bewerber, die keinen betrieblichen Ausbildungsplatz finden,
erhält zwar außerbetriebliche Ausbildungsangebote, vollzeitschulische Ausbildungen und
berufsvorbereitende Maßnahmen, diesen „Ersatzmaßnahmen“ fehlt jedoch oftmals die Ak-
zeptanz der Unternehmen.
Fassung vom 26.02.2014
23

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 14: Ausbildungssituation in Sachsen 2000-2005 (jeweils zum 30.09.)
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Bei der BA gemeldete Bewerber
64.395
62.510
59.786
56.376
56.534
54.463
Gesamtangebot an Ausbildungsstellen
34.893
33.471
31.226
30.782
30.700
28.993
davon bei der BA gemeldete Berufsausbil-
dungsstellen
34.574
33.475
29.813
28.349
25.846
24.516
davon betriebliche
25.012
23.349
20.366
18.822
17.241
16.191
Unbesetzte Berufsausbildungsstellen
144
109
101
117
85
131
Neu abgeschlossene Ausbildungsverträge
34.749
33.362
31.125
30.665
30.615
28.862
davon betriebliche
-
22.901
22.022
22.054
22.508
21.781
Zum 30.09. nicht vermittelte Bewerber
2.683
1.837
1.504
1.907
2.614
2.195
Zum 30.12. nicht vermittelte Bewerber
929
727
628
881
1.095
866
Quelle: Statistik der BA und des BIBB.
Die unzureichende Versorgung mit Lehrstellen hat zu einer besonderen Problematik ge-
führt, die der so genannten Altbewerber. Im Jahr 2005 waren fast die Hälfte (47,5 %) der
bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Ausbildungsbewerber Altbewerber, d. h. Jugendli-
che, die im vorangegangenen oder sogar noch früheren Jahren die Schule abgeschlossen
haben.
Ein weiteres Problem auf dem sächsischen Ausbildungsmarkt ist die hohe Anzahl der vor-
zeitig gelösten Ausbildungsverträge. Es wurden zwar im Jahr 2005 mit rund 19 % deutlich
weniger Ausbildungsverträge vorzeitig gelöst als im Jahr 2000 mit rund 25 %, dennoch ist
der Anteil der vorzeitig gelösten Verträge, nicht nur aufgrund der angespannten Lage auf
dem Ausbildungsmarkt, zu hoch. Zur Verringerung der Ausbildungsabbrüche ist es not-
wendig, bereits vor Beginn der Ausbildungen durch Orientierungs- und Beratungsangebote
den Schülern ausreichende Kenntnisse über für sie geeignete Ausbildungsstellen zu ver-
mitteln.
Bis zum Ende der ESF-Interventionsperiode 2007-2013 wird trotz des demografisch be-
dingten Bewerberrückgangs anhaltend hoher Bedarf bestehen, mittels Ersatzmaßnahmen
sowie der Förderung der betrieblichen Ausbildung genügend Ausbildungsplätze für die jun-
ge Generation bereit zu stellen (vgl. auch Kap. 1.6).
Tabelle 15: Anteil der vorzeitig gelösten an den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen 2000-
2005 in Sachsen
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Anteil an allen Ausbildungsverträgen
25,2%
24,5%
27,2%
21,5%
21,6%
19,2%
Anzahl
8.936
8.335
8.383
6.751
6.793
5.834
Quelle: Bundesagentur für Arbeit.
Studierende
Aufgrund des Wandels zur Wissensgesellschaft ist eine ausreichende Zahl hochqualifizier-
ter Fachkräfte für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit notwendig. Die Anzahl der Studie-
renden in Sachsen konnte zwar von 84.516 im Jahr 2000 auf 107.792 im Jahr 2005 erhöht
werden, dennoch ist die Quote der Studienanfänger in Sachsen zu gering. Im Jahr 2004
haben im Freistaat Sachsen mit 28,8 % der altersspezifischen Bevölkerung deutlich weni-
ger Personen ein Studium aufgenommen als in Deutschland insgesamt mit 37,5 %.
Fassung vom 26.02.2014
24

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Der zuletzt starke Anstieg der Zahl der Studierenden in ingenieurwissenschaftlichen
(+ 42,9 %) und mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern (+ 156,7 %) ist zu begrü-
ßen, dennoch ist der Anteil der Studierenden in diesen Fächern angesichts deren Bedeu-
tung für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft zu gering.
Tabelle 16: Studierende in ingenieur-, mathematischen- und naturwissenschaftlichen Fächern und
insgesamt in Sachsen
1995/96
2000/01
2005/06
Veränderung
2005 zu 2000
Mathematik, Naturwissenschaften
7.431
12.786
19.072
156,7%
Ingenieurwissenschaften
17.793
19.491
25.421
42,9%
Insgesamt
67.231
84.516
107.792
60,3%
Studierende insgesamt im Wintersemester; Insgesamt einschl. "sonstige Fächer"; Quelle: Statistisches Lan-
desamt Sachsen.
Während die Absolventenquote
7
der Hochschulen im Freistaat Sachsen mit 20,4 % im
Bundesdurchschnitt liegt, lag die Quote der Promotionen im Freistaat Sachsen mit 1,9%
Promotionen pro Altersjahrgang im Jahr 2004 deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt von
2,1% zurück. Dabei wird der Anteil der Promotionen als ein wichtiger Indikator für die Inno-
vationsfähigkeit im Lande verstanden, insbesondere da Sachsen bei seiner Strategie für
die weitere wirtschaftliche Entwicklung darauf setzt, sich als Wissenschaftsstandort zu pro-
filieren, was Signalwirkung auch für ausländische Investoren hat.
Zur Begegnung des zu erwartenden und in Teilen schon bestehenden Fachkräftemangels
ist daher neben der Erhöhung der Zahl der Studierenden, insbesondere in naturwissen-
schaftlichen und technischen Bereichen, auch die Förderung von Graduierten notwendig,
um eine ausreichende Anzahl von Fachkräften auf allen Qualifikationsniveaus sicherzustel-
len.
1.4
Soziale Eingliederung
Arbeitslosigkeit und Langzeitarbeitslosigkeit
In Sachsen war - wie in Deutschland insgesamt - ein nahezu kontinuierlicher Anstieg der
Arbeitslosigkeit über die Jahre hinweg zu verzeichnen. Dabei ist ein Teil des Anstiegs der
registrierten Arbeitslosigkeit in Sachsen (und in ganz Deutschland) zwischen 2004 und
2005 auf die Einführung des Grundsicherungssystems im Rahmen der Hartz-Reformen
zurückzuführen, da mit Inkrafttreten des neuen Grundsicherungssystems die zuvor ver-
deckte Arbeitslosigkeit auch statistisch erfasst wurde.
Die Anzahl der Arbeitslosen erhöhte sich in Sachsen zwischen dem Jahr 2000 und dem
Jahr 2005 um rund 4 %. Der Anstieg der Zahl der Arbeitslosen ist dabei allein auf eine hö-
here Arbeitslosigkeit der Männer zurückzuführen (+12, %), während die Anzahl der arbeits-
losen Frauen um 4,5 % zurückging (vgl. Kap. 1.5).
7
Die Absolventenquote misst den Anteil der Absolventen an der jeweils alterstypischen Bevölkerung und gibt an, wie
hoch der Anteil eines Bevölkerungsjahrganges ist, der ein Hochschulstudium erfolgreich beendet hat.
Fassung vom 26.02.2014
25

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 17: Entwicklung der Arbeitslosigkeit
2000
2003
2004
2005
Veränderung
2005 zu 2000
Arbeitslose in Sachsen
(in 1.000), darunter
387.868
403.480
396.328
402.270
3,7%
...Männer 184.134
202.361
199.324
207.691
12,8%
...Frauen 203.734
201.119
197.004
194.570
-4,5%
...Langzeitarbeitslose 134.794
169.269
178.786
176.978
31,3%
Arbeitslosenquote
(zivile Erwerbspersonen)
Sachsen
17,0%
17,9%
17,8%
18,3%
7,6%
Ostdeutschland
17,1%
18,5%
18,4%
18,8%
9,9%
Westdeutschland
7,6%
8,4%
8,5%
9,9%
30,3%
Deutschland (insgesamt)
9,7%
10,5%
10,5%
11,7%
20,6%
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktstatistik: Eckwerte über die Entwicklung des Arbeitsmarktes -
Jahreszahlen.
Besonders problematisch ist die Zunahme der Zahl der Langzeitarbeitslosen zwischen
2000 und 2005 um mehr als 30 %. Der in der folgenden Tabelle dargestellte Anteil der
Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen erhöhte sich in Sachsen von 34,8 % im Jahr
2000 auf 44 % im Jahr 2005. Zwar stieg in diesem Zeitraum auch in den anderen Ländern
Ostdeutschlands der Anteil der Langzeitarbeitslosen, die Zunahme war jedoch in Sachsen
überdurchschnittlich.
Im Jahr 2005 hat sich zwar auch in Sachsen der Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen
Arbeitslosen etwas verringert. Das zu beobachtende Ausmaß erfordert jedoch weiterhin
konkrete Maßnahmen, um dieses Problem weiter schrittweise abzumildern. Da davon aus-
zugehen ist, dass ein Teil der Langzeitarbeitslosen nur sehr geringe Chancen am 1. Ar-
beitsmarkt hat, bedarf es flankierender Maßnahmen, um deren Beschäftigungsfähigkeit zu
erhalten und diesem Personenkreis Alternativen zu bieten sowie soziale Desintegration zu
vermeiden.
Tabelle 18: Anteil der Langzeitarbeitslosen an allen Arbeitslosen
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Sachsen
34,8%
36,3%
39,1%
42,0%
45,1%
44,0%
Ostdeutschland
34,3%
35,0%
36,8%
40,0%
43,6%
42,9%
Westdeutschland
39,3%
35,2%
31,8%
31,7%
35,4%
34,3%
Deutschland
37,4%
35,1%
33,7%
34,8%
38,4%
37,2%
Dauer der Arbeitslosigkeit: ein Jahr und länger; Septemberwerte; Quelle: Statistik der BA.
Armut
In den Mitgliedstaaten der Europäischen Union gilt jemand als armutsgefährdet, dessen
Äquivalenzeinkommen weniger als 60% des mittleren Äquivalenzeinkommens (Median)
des jeweiligen Mitgliedstaats beträgt. Von einem erhöhten Armutsrisiko sind in Deutschland
besonders Kinder und Jugendliche, Alleinerziehende, Arbeitslose und Migranten betroffen.
Die Armutsrisikoquote der Gesamtbevölkerung in Deutschland ist nach den Erhebungen
des 2. Armuts- und Reichtumsberichts im Berichtszeitraum zwischen 1998 und 2003 von
12,1% auf 13,5% gestiegen. Der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung
(2005) hebt hervor, dass die Möglichkeiten zu sozialer Teilhabe in erheblichem Umfang
von Erwerbsbeteiligung und Bildungschancen abhängig sind. Eine sozial gerechte Politik
Fassung vom 26.02.2014
26

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
hat deshalb vor allem für Wirtschaftswachstum zu sorgen, um Arbeitsplätze und damit
Chancen zur Teilhabe am gesellschaftlichen Wohlstand zu schaffen.
Nach den neuesten Zahlen der erstmals in 2005 durchgeführten Gemeinschaftsstatistik
über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) liegt die Armutsrisikoquote 2004 bei
13%
8
, in der EU-15 betrug der Vergleichswert 17%. Damit gehört Deutschland im europäi-
schen Vergleich zu den Ländern mit der niedrigsten Armutsrisikoquote und relativ geringer
Armut und sozialer Ausgrenzung. Im Hinblick auf das Armutsrisiko besteht zwischen dem
früheren Bundesgebiet und den neuen Ländern nach wie vor ein Gefälle: die Quote beträgt
in den alten Ländern 12 % und 17 % in den neuen Ländern (einschl. Berlin). Die Daten der
EU-SILC können nicht für die kleineren Bundesländer mit ausreichender statistischer Re-
präsentativität ausgewertet werden.
Im Zeitverlauf zeigt sich aber eine fortschreitende Angleichung von Ost und West bei der
Einkommensentwicklung. So hat sich im früheren Bundesgebiet das durchschnittliche mo-
natliche Haushaltsnettoeinkommen von 1998 bis 2003 real um 1,1% erhöht; in den neuen
Ländern stieg das Nettoeinkommen in diesem Zeitraum dagegen real um 3,5%. Entspre-
chend der Ergebnisse der EU-SILC unterscheiden sich die Armutsrisikoquoten wie folgt:
In den alten Ländern beträgt diese Quote bei Arbeitslosen 40 %, in den neuen Län-
dern hingegen 46 %.
11 % der Teilzeitbeschäftigten in den neuen Ländern und 7 % in den alten Ländern
gelten als armutsgefährdet.
Rd. 30 % der Alleinerziehenden in Deutschland gelten als armutsgefährdet.
Wer keine abgeschlossene Berufsausbildung hat, ist dem Armutsrisiko häufiger
ausgesetzt (24 %) als Personen mit Ausbildung (11 %) oder sogar Hochschulab-
schluss (8 %).
Kinder unter 15 Jahren sind in Deutschland zu rund 15% einem Armutsrisiko ausge-
setzt, dieser Anteil ist in den letzten Jahren gestiegen.
Tabelle 19: Langfristige Entwicklung der Armutsrisikoquote
Erhebungsjahr
Armutsrisikoquote
1), 2)
Früheres Bundesgebiet
1973
8,7%
1978
9,0%
1983
11,0%
1988
11,8%
1993
12,0%
1998
13,1%
Armutsrisikoquote
1), 3)
Alte Länder
Neue Länder
Deutschland
1998
4)
11,0%
17,1%
12,1%
2003
4)
12,2%
19,3%
13,5%
1) 60% des Medianeinkommens, gewichtet mit der neuen OECD-Skala.
2) Armutsrisikogrenze: 60% des westdeutschen Medians.
3) Armutsrisikogrenze: 60% des gesamtdeutschen Medians.
4) Jeweils Halbjahresergebnisse.
Quelle:
Lebenslagen in Deutschland. der 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung 2005; berechnet auf Basis der EVS,
Neue Länder einschl. Berlin-Ost, alte Länder einschl. Berlin-West
8
Die Daten dieser neuen Erhebung sind nur eingeschränkt vergleichbar mit Vorjahresergebnissen, die auf anderen
Datenquellen wie z.B. das Sozio-Ökonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)
oder die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) ermittelt wurden.
Fassung vom 26.02.2014
27

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Als Folge der hohen (Langzeit-)Arbeitslosigkeit ist die Gefahr, von Armut betroffen zu sein,
im Freistaat Sachsen erkennbar höher als in den alten Bundesländern. Zur Messung des
Ausmaßes von (relativer) Armut auf Länderebene dient hier die SGB II-Quote, d. h. der
Anteil der Personen in Bedarfsgemeinschaften an der Gesamtbevölkerung. In Sachsen
betrug die SGB II-Quote im März 2005 11,2 %. Damit liegt der Wert deutlich unter dem
ostdeutschen Durchschnitt von 15,1 %, allerdings auch deutlich über dem westdeutschen
Durchschnitt von 6,4 %. Bei der Betrachtung der Struktur der Bedarfsgemeinschaften zeigt
sich, dass die Situation in Sachsen sich nicht entscheidend von der Situation im Bundes-
durchschnitt unterscheidet.
Tabelle 20: Bedarfsgemeinschaften (BG)
Sachsen
Deutschland (insgesamt)
März 2005
März 2006
März 2005
März 2006
Bedarfsgemeinschaften insgesamt
269.348
344.343
3.336.004
3.918.661
dar. BG mit Kindern unter 15 Jahren
65.799
80.089
952.996
1.110.417
...Anteil an BG insgesamt
24,4
23,3
28,6
28,5
Personen in Bedarfsgemeinschaften
478.600
585.741
6.084.360
7.062.876
dav.: erwerbsfähige Hilfebedürftige
374.467
462.212
4.493.864
5.208.145
...nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige
104.133
123.529
1.590.496
1.854.731
Personen je Bedarfsgemeinschaft
1,8
1,7
1,8
1,8
...erwerbsfähige Hilfebedürftige je BG
1,4
1,3
1,3
1,3
...nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige je BG
0,4
0,4
0,5
0,5
Quelle: Bundesagentur für Arbeit: "Arbeitsmarkt in Zahlen. Arbeitslosigkeit und Grundsicherung für Arbeitsu-
chende", Juli 2006.
Das Armutsrisiko hat in Deutschland in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Ursa-
chen für die Armutsgefährdung sind relativ eindeutig: geringe Qualifikation, Arbeitslosigkeit
und insbesondere Langzeitarbeitslosigkeit. Hinzu kommt die Gruppe der Alleinerziehenden.
Armut, die früher häufig Altersarmut war, ist mittlerweile vor allem durch die mangelnde
Integration in den Arbeitsmarkt verursacht. Armut manifestiert sich darüber hinaus auch in
städtischen Problemregionen. Die Überwindung von Armut erfordert die Reintegration der
potenziellen Erwerbstätigen in den Arbeitsmarkt. Dazu ist zunächst der Erwerb von berufli-
cher Qualifikation notwendig, für Migranten sind ausreichende Sprachkenntnisse wichtig.
Bei den Alleinerziehenden bedarf es spezifischer Maßnahmen, wie z. B. Verbesserung der
Kinderbetreuungssituation, Erhöhung der Akzeptanz der Gleichstellungspolitik - vor allem
auch in Unternehmen -, neue flexible Arbeitszeitmodelle oder auch die Mobilisierung loka-
ler Potenziale zur sozialen Eingliederung.
Der Einkommensvorsprung von Paaren mit Kind(ern) gegenüber Alleinerziehenden ver-
schwindet auch dann nicht, wenn man die gewichteten Pro-Kopf-Einkommen betrachtet
(Äquivalenzeinkommen). Zwar sinkt das Äquivalenzeinkommen der Paare mit Kind(ern) im
Unterschied zum nominalen Einkommen mit zunehmender Kinderzahl. Mit durchschnittlich
nur wenig mehr als 1.100 Euro im Monat steht aber den Alleinerziehenden deutlich weniger
zur Verfügung. Folglich lebt mit 47 % fast jede/r zweite Alleinerziehende in Einkommens-
armut.
Die unterdurchschnittlichen Einkommen der Alleinerziehenden haben verschiedene Ursa-
chen: zum Teil befinden sie sich noch in der Ausbildung. Aber vor allem kann bei Alleiner-
ziehenden mit minderjährigen Kindern per Definition nur ein Haushaltsmitglied ein Er-
werbseinkommen erwirtschaften. Soweit keine Unterhaltszahlungen vom anderen Elternteil
geleistet werden, steht damit auch maximal ein Einkommen zur Verfügung. Und weil Al-
leinerziehende überwiegend Frauen sind, liegt deren Erwerbseinkommen zudem meist
Fassung vom 26.02.2014
28

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
niedriger als bei Männern. Nicht zuletzt erlaubt die Doppelbelastung aus Erwerbstätigkeit
und Erziehungsarbeit nicht immer eine Ganztagsbeschäftigung.
Es bleibt festzuhalten, dass zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung vor al-
lem zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten notwendig sind. Diese können jedoch nur
geschaffen werden, wenn die Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft weiterhin
gesteigert wird.
Migranten
Unter dem Begriff Migranten versteht man Personen, die nicht auf dem Gebiet der heutigen
Bundesrepublik, sondern im Ausland geboren sind. Sie können je nach Staatsangehörig-
keit Deutsche (z. B. Spätaussiedler) oder Ausländer sein.
Der Bevölkerungsanteil der Ausländer in Sachsen ist insgesamt gering. Bei einer Zahl von
84.922 Ausländern im Jahr 2005 beträgt der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung
Sachsens nur rund 2 %
9
, im Vergleich zu rund 8,2 % in Deutschland insgesamt (Ost-
deutschland: 4 %, Westdeutschland: 9,3 %). Zwischen den Jahren 2002 und 2005 sind pro
Jahr rund 6 bis 7 Tausend Ausländer mit Daueraufenthaltsberechtigung nach Sachsen neu
zugewandert; pro Jahr also ca. 0,15 % der Gesamtbevölkerung Sachsens. Ähnlich wie in
anderen ostdeutschen Bundesländern ist die Zuwandererstruktur im Freistaat Sachsen his-
torisch geprägt durch einen hohen Anteil von Migranten, die sich in erster Generation im
Land aufhalten.
Seit 1991 bis Ende 2005 hat Sachsen ca. 115.000 Spätaussiedler aufgenommen, davon
seit Anfang 2003 bis Ende 2005 ca. 10.600 Spätaussiedler und deren Angehörige. Wie
viele dieser Menschen in andere Bundesländer umgezogen sind, ist nicht erfasst, da Spät-
aussiedler die deutsche Staatsangehörigkeit gem. § 7 Staatsangehörigkeitsgesetz (StAG)
kraft Gesetzes erwerben, sobald die Spätaussiedlereigenschaft durch die Bescheinigung
nach § 15 Abs. 1 des Gesetzes über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge
(BVFG) festgestellt worden ist und das statistische Merkmal „ehemalige Spätaussiedler“
nicht registriert wird.
Tabelle 21: Anzahl der arbeitslosen Ausländer in Sachsen
Arbeitslose Ausländer (in 1.000)
2000
2004
2005
Veränderung
2005 zu 2000
Insgesamt
6.838
9.255
11.215
64,0%
Männer
4.427
5.653
6.728
52,0%
Frauen
2.412
3.602
4.487
86,1%
Arbeitslosenquote Ausländer
(abh. Erwerbspersonen)
33,8%
42,6%
47,7%
41,4%
Arbeitslosenquote insgesamt
(abh. Erwerbspersonen)
18,5%
19,4%
20,0%
8,3%
Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Arbeitsmarktstatistik: Eckwerte über die Entwicklung des Arbeitsmarktes -
Jahreszahlen.
Ausländer sind sowohl in Sachsen als auch in Deutschland insgesamt überdurchschnittlich
von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Arbeitslosenquote der Ausländer lag in Sachsen mit 47,7
% im Jahr 2005 deutlich über der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit Sachsens (20 %). Al-
9
Ausländerzentralregister, Stand: 31.12.2005; darunter: 35.744 Frauen und 49.128 Männer. Hauptherkunfts-
länder sind: Vietnam 9.765, Russische Förderation 7.338, Ukraine 6.055, Polen 5.657, Türkei 4.130.
Fassung vom 26.02.2014
29

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
lerdings ist diese überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit auch in den anderen Bundeslän-
dern anzutreffen. Im Vergleich mit Ostdeutschland zeigt sich, dass die Arbeitslosigkeit der
Ausländer nur 2 Prozentpunkte über dem ostdeutschen Durchschnitt liegt. Quantitativ ist
das Problem (noch) gering, 2005 wurden in Sachsen nur rd. 11.000 arbeitslose Ausländer
gezählt.
Tabelle 22: Arbeitslosenquote der Ausländer in Sachsen
2000
2004
2005
Veränderung
2005 zu 2000
Sachsen
33,8%
42,6%
47,7%
41,4%
Ostdeutschland
34,8%
38,8%
45,5%
30,7%
Westdeutschland
11,2%
13,9%
16,7%
48,7%
Deutschland (insgesamt)
17,1%
20,3%
25,2%
47,4%
Arbeitslosenquote (abhängig beschäftigte Erwerbspersonen); Quelle: Ebenda.
Trotz der relativ geringen Zahl an Ausländern und auch arbeitslosen Ausländern im Frei-
staat Sachsen sind weitere Integrationsbemühungen notwendig. Eine erfolgreiche Integra-
tion erhöht nicht nur die Beschäftigungschancen der Ausländer, sondern trägt darüber hin-
aus zur Vermeidung von sozialen Konflikten bei.
1.5
Chancengleichheit von Frauen und Männern
Zur Bewältigung des demografischen Wandels muss die Integration der Frauen in den Ar-
beitsmarkt verstärkt werden. Die Europäische Union hat sich hierzu zum Ziel gesetzt, die
Erwerbstätigenquote der Frauen auf 60 % zu erhöhen. Sachsen konnte dieses Ziel bereits
im Jahr 2005 erreichen. Mit einer Quote von 60,5 % liegt Sachsen zudem sowohl über dem
west- als auch dem ostdeutschen Durchschnitt.
Tabelle 23: Erwerbstätigenquote der Frauen in Sachsen
Erwerbstätigenquote (Frauen)
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Sachsen
58,0
58,7
57,8
58,3
58,5
60,5
Ostdeutschland
57,6
57,9
58,1
58,2
58,1
58,9
Westdeutschland
57,7
59,0
58,9
58,9
58,5
59,7
Deutschland (insgesamt)
57,8
58,8
58,8
58,8
58,4
59,5
Der Wert des Jahres 2005 (Jahresdurchschnitt) ist nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten (Monatswerte)
vergleichbar; Quelle: Mikrozensus.
Die vergleichsweise hohe Frauenbeschäftigung darf jedoch den Blick nicht darauf verstel-
len, dass Frauen besonders häufig in Teilzeit oder in Mini-Jobs beschäftigt sind und auch
nach wie vor ein spürbares gender-pay-gap besteht.
Wie bereits im vorangegangenen Kapitel erwähnt, ist der Anstieg der Arbeitslosigkeit in den
letzten Jahren in erster Linie auf eine höhere Arbeitslosigkeit der Männer zurückzuführen.
Die Arbeitslosenquote der Frauen blieb über die Jahre hinweg konstant bei rund 20 %.
Obwohl die Entwicklung der Arbeitslosigkeit der Frauen auf den ersten Blick positiv er-
scheint, zeigen sich bei genauerer Betrachtung weiterhin Benachteiligungen für Frauen auf
dem Arbeitsmarkt. Frauen stellen den größten Teil der Langzeitarbeitslosen. Ihr Anteil an
den Langzeitarbeitslosen konnte zwar in den letzten Jahren deutlich gesenkt werden (vgl.
Tabelle 23), dennoch waren im Jahr 2005 rund 56 % der Langzeitarbeitslosen Frauen.
Fassung vom 26.02.2014
30

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 24: Arbeitslosigkeit von Frauen in Sachsen
Frauen
2000
2001
2002
2003
2004
2005
Arbeitslosenquote
19,8%
19,8%
19,7%
19,8%
19,7%
19,8%
Anteil an Langzeitarbeitslosen
64,9%
61,4%
58,9%
57,7%
57,7%
55,8%
Arbeitslosenquote der abhängig Beschäftigten; Quelle: Statistik der BA.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass Frauen mit 78,3 % im Jahr 2005 immer noch die über-
wiegende Zahl der Teilzeitbeschäftigten stellen. Als eine der Ursachen für den überpropor-
tionalen Anteil von Frauen an den Teilzeitbeschäftigten ist die immer noch unzureichende
Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu sehen. Obwohl in Sachsen sowie ganz Ostdeutsch-
land das entsprechende Betreuungsangebot deutlich besser ausgebaut ist als in West-
deutschland, sind hier weitere Bemühungen notwendig, um die Möglichkeiten der Frauen
zur Teilhabe am Erwerbsleben zu verbessern.
Auch im Bereich der „Minijobs“ sind Frauen mit rund 59 % (März 2006) deutlich häufiger
anzutreffen als Männer. Zudem sind Frauen weitaus häufiger in Branchen mit geringeren
Verdiensten beschäftigt, was die positiven Ergebnisse in der Entwicklung von Erwerbstätig-
keit und Arbeitslosigkeit weiter relativiert.
Tabelle 25: Teilzeitbeschäftigte in Sachsen
2000
2003
2004
2005
Veränderung
2005 zu 2000
Teilzeitbeschäftigte (in 1.000)
254
287,4
301,2
346,9
36,6%
Anteil Männer
17,9%
19,7%
20,1%
21,7%
21,3%
Anteil Frauen
82,1%
80,3%
79,9%
78,3%
-4,7%
Quelle: Mikrozensus.
Um durch die Steigerung der Erwerbsbeteiligung der Frauen dem demografisch bedingten
Fachkräftemangel erfolgreich entgegenzuwirken und ihre Situation auf dem Arbeitsmarkt
zu verbessern, ist auch die Änderung geschlechtsspezifischer Berufswahlmuster notwen-
dig. Hierzu ist neben der Erhöhung der Anzahl der Frauen in naturwissenschaftlichen und
technischen dualen Ausbildungen sowie insbesondere den entsprechenden tertiären Bil-
dungsgängen durch frühzeitige Sensibilisierung und Beratung auch ein umfassendes Kon-
zept notwendig, dass den beruflichen Erfolg der Frauen fördert.
1.6
Demografie – die besonderen Herausforderungen in Sachsen
Politische und planerische Entscheidungen werden in Europa nach wie vor auf Wachs-
tumsszenarien der Bevölkerungsentwicklung getroffen, obwohl die Bevölkerungsentwick-
lung in einigen Regionen seit Jahren und vereinzelt Jahrzehnten rückläufig ist. Grundsätz-
lich existieren in Europa noch zu wenige Erfahrungen, wie mit der Bevölkerungskontraktion
einzelner Regionen und deren langfristigen Folgen umgegangen werden kann. Mit dieser
Herausforderung setzt sich der Freistaat Sachsen offensiv auseinander, damit die guten
wirtschaftlichen und infrastrukturellen Standortvoraussetzungen für mehr Beschäftigung
und Wohlstand erhalten bzw. verbessert werden können. Strategische Leitlinien und Ent-
scheidungen müssen deshalb „ein sowohl als auch“ beinhalten, da Schrumpfungs- und
Wachstumsprozesse in Europa und in den Regionen parallel ablaufen und z. T. eng räum-
lich beieinander liegen.
Fassung vom 26.02.2014
31

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
In den besonders vom demografischen Wandel betroffenen Regionen sind eine frühzeitige
Auseinandersetzung und die Problemdefinition jedoch notwendig, damit Schrumpfungspro-
zesse eine weitere Abwärtsentwicklung einzelner Regionen nicht beschleunigen.
Bevölkerungsentwicklung in Sachsen
Die Bevölkerung sinkt seit 1967 in Sachsen. Hohe Abwanderungsraten während der DDR-
Zeit und ein Geburtendefizit ab 1967 ließen die Bevölkerungszahl von 5,7 Mio. Menschen
in 1950 auf 4,3 Mio. Menschen bis Ende 2005 schrumpfen. Tatsächlich lebten zum 31. De-
zember 2005 4.273.754 Einwohner im Freistaat Sachsen. Gegenüber 1999 nahm die Be-
völkerung Sachsens damit um rd. 186.000 Einwohner ab.
Tabelle 26: Demografische Bilanz für Sachsen 1990 bis 2020
Merkmal
1990–2005
(in 1000 Personen)
2006–2020
(in 1000 Personen)
Geburten
488,5
434,3
Sterbefälle
880,5
778,5
Saldo
-392,0
-344,3
Zuzüge aus dem Ausland
379,8
k. A.
Fortzüge in das Ausland
275,6
k. A.
Wanderungssaldo Ausland
104,2
185,7
Zuzüge aus anderen Bundesländern
680,7
k. A.
Fortzüge in andere Bundesländer
1.030,9
k. A.
Wanderungssaldo innerhalb Deutsch-
lands
-350,2
-297,8
Saldo aller Wanderungen
-246,0
-112,1
Bevölkerungsveränderung insgesamt
-639,0
-456,4
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, Kamenz 2006
Seit 1990 verlor der Freistaat Sachsen rund 640.000 Einwohner. In 2005 war die Hauptur-
sache des Bevölkerungsrückgangs der Sterbefallüberschuss. Die Geburtenrate (roh) lag
bei 7,6 während die Sterberate (roh) bei 11,4 lag (Defizit ca. –3,8 Personen je 1.000 Ein-
wohner). 14,6 Zuzügen je 1.000 Einwohner nach Sachsen standen 2005 16,1 Fortzüge je
1.000 Einwohner entgegen. Damit verringerte sich das negative Wanderungssaldo auf -1,5
Personen je 1.000 Einwohner. Im Jahr 2020 werden für den Freistaat Sachsen ca. 3,8 Mio.
Einwohner prognostiziert.
Von allen Nettoabwanderungen der Jahre 2000 bis 2004 entfielen nahezu zwei Drittel auf
die Gruppe der unter 30-Jährigen - hier besonders auf junge Frauen -, was sich tendenziell
negativ auf die künftige Geburtenentwicklung und auf das Angebot an qualifizierten Fach-
kräften auswirken wird.
Bevölkerungsprognosen gelten als relativ zuverlässig, da wesentliche Parameter für die
zukünftige Entwicklung bereits feststehen oder sich als ziemlich stabil erwiesen haben. Da
aber auch hier Annahmen (z. B. Geburtenziffer, Zuwanderungszahlen) zugrunde gelegt
werden, ergeben sich gewisse Unsicherheiten in der Vorhersage. Dennoch lassen sich die
wesentlichen Trends aus der bisherigen Entwicklung ableiten. Die Bevölkerung Sachsens
Fassung vom 26.02.2014
32

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
wie ganz Ostdeutschlands wird in den kommenden Jahren weiter abnehmen. Der regiona-
lisierten Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes Sachsen
10
zufolge wird die
Bevölkerung des Freistaates Sachsen bis zum Jahr 2020 auf 3.785.700 Einwohner zurück-
gehen; gegenüber dem Bevölkerungsstand zum 31. Dezember 2005 würde dies einem
weiteren Rückgang von 11,3 % entsprechen.
Parallel zum Bevölkerungsrückgang wird sich auch die Bevölkerungsstruktur erheblich ver-
ändern, wie die folgende Tabelle zeigt:
Tabelle 27: Bevölkerungsprognose
2005
1)
2010
2015
2020
10,2%
11,0%
11,3%
11,1%
67,5%
63,8%
62,5%
60,4%
22,3%
25,2%
26,3%
28,6%
2005
1)
2010
2015
2020
10,2%
11,1%
11,2%
10,9%
67,5%
64,0%
62,7%
60,5%
22,3%
24,9%
26,1%
28,6%
Quelle:
2020 nach 2 Varianten; Ergebnisse der 3. Regionalisierten Bevölkerungsprognose für den Freistaat Sachsen.
- Statistisches Landesamt Sachsen: Bevölkerungsstruktur des Freistaates Sachsen am 31. Dezember 2005
- Statistisches Landesamt Sachsen: Voraussichtliche Bevölkerungsstruktur 2010, 2015 und
1) Stand: 31.12.2005
1) Stand: 31.12.2005
Bevölkerung nach Altersgruppen
unter 15 Jahre
15 bis 65 Jahre
65 Jahre und mehr
Bevölkerungsprognose in der Variante 1
Bevölkerung nach Altersgruppen
unter 15 Jahre
15 bis 65 Jahre
65 Jahre und mehr
Bevölkerungsprognose in der Variante 2
Im Zuge eines anhaltenden Geburtendefizits wird sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung von
44,7 Jahren im Jahr 2005 auf knapp 49 Jahre im Jahr 2020 erhöhen. Dabei wird es zu deutlichen
Verschiebungen zwischen den Gruppen der 15- bis 65-Jährigen und der ab 65-Jährigen kommen.
Der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter an der Gesamtbevölkerung wird demnach suk-
zessive von 67,5 % in 2005 auf voraussichtlich 60,4 % im Jahr 2020 abnehmen.
Regional hat sich die Bevölkerung im Zeitraum 1999 bis 2005 sehr unterschiedlich entwi-
ckelt. Auch hinsichtlich der künftigen Bevölkerungsentwicklung werden auf Ebene der
Landkreise und kreisfreien Städte sehr deutliche Unterschiede erwartet. Für die einzelnen
Landkreise und kreisfreien Städte fasst die nachfolgende Tabelle die Bevölkerungsentwick-
lung im Zeitraum 1999 bis 2005 und die prognostizierte Bevölkerungsentwicklung bis zum
Jahr 2020 zusammen.
10
Das Statistische Landesamt Sachsen hat zwei Szenarien für die künftige Bevölkerungsentwicklung berechnet. Den
folgenden Ausführungen liegt Variante 1 zugrunde.
Fassung vom 26.02.2014
33

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Tabelle 28: Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsprognose auf Kreisebene
Bevölkerungsentwicklung
1999 bis 2005
Bevölkerungsprognose
2005 bis 2020
1)
in %
in %
-6,2
-13,9
-6,3
-13,1
-4,3
-7,8
-6,1
-12,0
-6,6
-13,4
-5,5
-15,8
-6,2
-11,0
-6,5
-13,6
-6,3
-13,4
-6,0
-13,7
-5,5
-15,9
-8,3
-16,9
-5,7
-17,8
-3,6
-11,4
3,9
-1,6
-8,3
-19,4
-18,5
-28,6
-5,7
-15,8
-2,5
-15,8
-10,5
-15,9
-7,3
-13,9
-8,9
-16,3
-5,9
-16,0
-2,5
-13,4
-4,2
-11,3
-2,0
-8,0
1,8
-0,9
-4,5
-14,2
-8,2
-13,9
-4,4
-14,3
-3,6
-14,4
-6,5
-13,7
Quelle:
1)
Berechnung auf Grundlage von Variante 1 der Bevölkerungsprognose des Statistischen Landesamtes Sachsen
Döbeln
Muldentalkreis
Torgau-Oschatz
Kamenz
Regierungsbezirk Leipzig
Leipzig, Stadt
Delitzsch
Leipziger Land
Bautzen
Meißen
Niederschlesischer Oberlausitzkreis
Riesa-Großenhain
Löbau-Zittau
Sächsische Schweiz
Mittweida
Stollberg
Aue-Schwarzenberg
Weißeritzkreis
Zwickauer Land
Regierungsbezirk Dresden
Dresden, Stadt
Görlitz, Stadt
Hoyerswerda, Stadt
Regierungsbezirk Chemnitz
Chemnitz, Stadt
Plauen, Stadt
Zwickau, Stadt
Annaberg
Chemnitzer Land
Freiberg
Vogtlandkreis
Mittlerer Erzgebigskreis
- Statistisches Landesamt Sachsen: Bevölkerung des Freistaates Sachsen am 31. Dezember 2005 nach
Kreisfreien Städten und Landkreisen sowie Bevölkerung des Freistaates Sachsen 2002 bis 2020 nach
Kreisen (Variante 1)
Tabelle 28 verdeutlicht, dass die Bevölkerung in den letzten Jahren mit Ausnahme der bei-
den großen Städte Dresden und Leipzig in sämtlichen Kreisen und kreisfreien Städten des
Freistaates zum Teil drastisch abgenommen hat. Am stärksten fielen die Bevölkerungsver-
luste in Hoyerswerda, dem Niederschlesischen Oberlausitzkreis und dem Kreis Löbau-
Zittau aus.
Fassung vom 26.02.2014
34

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Abbildung 2: Bevölkerungsprognose in Sachsen nach Kreisen 2005 bis 2020
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, eigene Berechnungen
Innerhalb Sachsens verläuft die Bevölkerungsentwicklung sehr unterschiedlich. Für die
Großstädte Dresden und Leipzig berechnen die Fachleute eine Beibehaltung der Einwoh-
nerzahl bis 2020, so dass in den beiden Städten jeweils um die 500.000 Einwohner leben
werden. Danach folgt Chemnitz mit voraussichtlich rund 200.000 Einwohnern und Zwickau
mit rund 80 000 Einwohnern. Weitere über Sachsen hinaus bekannte Städte, wie Freiberg,
Görlitz, Bautzen, werden in 2020 voraussichtlich 35.000 bis 45.000 Einwohner haben. Dif-
ferenziert nach Raumordnungskategorie gemäß Landesentwicklungsplan 2003 ist der
Ländliche Raum (ohne Verdichtungsraum) mit einem Bevölkerungsanteil von ca. 30 % be-
sonders von der demografischen Entwicklung bis zum Jahr 2020 betroffen. Dabei werden
Tragfähigkeitsgrenzen der sozialen und technischen Infrastruktur erreicht oder überschrit-
ten.
Parallel zu diesem Bevölkerungsrückgang steigt das Durchschnittsalter. Im Jahr 2020 wer-
den ca. 30 % aller Sachsen über 65 Jahre und ca. 10 % über 80 Jahre alt sein. 2020 wird
in Sachsen das Durchschnittsalter voraussichtlich 49 Jahre sein. Dieser Alterungsprozess
spiegelt sich in der Alterung der Arbeitnehmer von 1996 bis 2005 (vgl. nachfolgende Abbil-
dung) deutlich wider. Beim Alterungsprozess der Bevölkerung ist wiederum der Ländliche
Raum besonders betroffen.
-13,1
-7,8
-12,0
-13,4
-15,8
-11,0
-13,6
-13,4
-13,7
-15,9
-16,9
-17,8
-1,6
-19,4
-28,6
-15,8
-15,8
-15,9
-13,9
-16,3
-16,0
-13,4
-0,9
-11,3
-14,2
-13,9
-14,3
-14,4
-13,7
in Prozent
Sachsen gesamt
-11,4 %
bis unter -20 (1)
-20 bis unter -15 (10)
-15 bis unter -10 (15)
-10 bis unter -5 (1)
-5 bis unter 0 (2)
Fassung vom 26.02.2014
35

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Abbildung 3: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnort im Freistaat Sachsen
0
5
10
15
20
25
30
35
Chemnitz, Stadt
Plauen, Stadt
Zwickau, Stadt
Annaberg
Chemnitzer Land
Freiberg
Vogtlandkreis
Mittlerer Erzgebirgskreis
Mittweida
Stollberg
Aue-Schwarzenberg
Zwickauer Land
Dresden, Stadt
Görlitz, Stadt
Hoyerswerda, Stadt
Bautzen
Meißen
Niederschlesischer Oberlausitzkreis
Riesa-Großenhain
Löbau-Zittau
Sächsische Schweiz
Weißeritzkreis
Kamenz
Leipzig, Stadt
Delitzsch
Döbeln
Leipziger Land
Muldentalkreis
Torgau-Oschatz
Sachsen
Anteil in %
2005
1996
Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte mit Wohnort im Freistaat Sachsen
- darunter Beschäftigte im Alter von 50 bis unter 65 Jahren -
Betrachtung für die Landkreise und kreisfreien Städte
Quelle: Statistisches Landesamt Sachsen, eigene Berechnungen
Ein weiteres Problem z. B. für die Wettbewerbsfähigkeit sächsischer Unternehmen besteht
darin, dass die Bevölkerung im Alter von 15 bis 65 Jahren bis 2020 um 25 % zurückgehen
wird und somit den bereits heute bestehenden Fachkräftemangel verschärft. Infolge der
geringen Geburtenrate von 1991 bis 1996 und der Abwanderung halbiert sich die Schüler-
und Studentenzahl in drei bis vier Jahren gegenüber 1990.
Weitere Details und Lösungsansätze zum Umgang mit dem demografischen Wandel sind
im Bericht der Expertenkommission „Demografischer Wandel Sachsen“ vom November
2006 enthalten (s. auch
www.sachsen.de/de/bf/demograph).
Fassung vom 26.02.2014
36

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
1.7
Zukünftige Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes
Die Einsatzfelder des ESF im Freistaat Sachsen werden maßgeblich von der zukünftigen
wirtschaftlichen Entwicklung sowie dem sektoralen Strukturwandel und dem demografi-
schen Wandel bestimmt. Besonders das künftige Wirtschaftswachstum entscheidet über
die Nachfrage nach Arbeitskräften und das Angebot an Ausbildungsplätzen. Um einen
auch zukünftig problemadäquaten Einsatz des ESF zu gewährleisten, ist es erforderlich,
eine Abschätzung der zu erwartenden Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung vorzu-
nehmen.
Betrachtet man die Prognosen verschiedener Institute zu Wachstumsraten des BIP bis
2015, dann ergeben sich die in Tabelle 25 abgebildeten Werte. Die Wachstumserwartun-
gen für Sachsen bewegen sich zwischen etwa 1 % p. a., wenn die Werte einer IAB-
Prognose für Ostdeutschland insgesamt als untere Orientierungsgröße herangezogen wer-
den, rund 1,4 % und der sehr optimistischen Variante, einer Prognose des ifo-Instituts, mit
2,1 %. Dabei muss berücksichtigt werden, dass Sachsen bereits in der Periode 2000 bis
2005 mit einem durchschnittlichen BIP-Wachstum von 1,5 % p. a. über dem Schnitt Ost-
deutschlands und sogar auch Westdeutschlands gelegen hat.
Tabelle 29: Prognose des BIP Wachstums in Prozent
ifo 2003
Prognos
Deutschlandreport
IAB
Sachsen
2,1
ca. 1,4
-
Ostdeutschland
-
ca. 1,2 – 1,3
0,95
Westdeutschland
-
1,4
1,25
Deutschland
-
1,4
1,2
Quelle: IAB-Kurzberichte 12 und 24 aus dem Jahr 2005; ifo-Dresden (Hrsg.), Prognos Deutschland Report
2030, 2006; Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung Sachsens bis zum Jahr 2030, Dresden Juli 2003.
Arbeitsmarktprognose
In der folgenden Tabelle werden verschiedene Prognosen zur Entwicklung des Arbeits-
marktes im Freistaat Sachsen vorgestellt. Die wahrscheinlich zu erwartende Entwicklung
wird durch Szenario 3 beschrieben. Sachsen dürfte ein über dem Durchschnitt der alten
Bundesländer liegendes Wachstum aufweisen (1,7 % p.a.).
Dieses Wachstum dürfte wegen eines weiteren starken Produktivitätswachstums jedoch
nicht beschäftigungswirksam werden. In der wahrscheinlichen Prognosevariante wird da-
von ausgegangen, dass gegenüber dem Jahr 2005 im Jahr 2015 die Erwerbstätigkeit in
Sachsen um weitere 90.000 abnehmen wird. Gleichzeitig reduziert sich – wegen des Rück-
gangs der Erwerbspersonen – die Arbeitslosigkeit auf knapp 200.000 bzw. eine Quote von
rd. 10 %:
Dies setzt aber voraus, dass insbesondere für Langzeitarbeitslose weiterhin Ersatzmaß-
nahmen bereitgestellt werden. Ohne ein entsprechendes Angebot würde die Quote um rd.
4 Prozentpunkte höher ausfallen. D. h., der demografische Wandel führt zwar zu einer Ent-
lastung der Lage am Arbeitsmarkt, die Arbeitslosigkeit wird jedoch aller Wahrscheinlichkeit
nach (ohne Ersatzmaßnahmen) nach wie vor derart hoch sein, dass weiterhin hoher Hand-
lungsbedarf für die Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik besteht.
Der Abbau der Arbeitslosigkeit setzt allerdings eine ausreichende Qualifikation der Arbeits-
kräfte voraus. Andernfalls steht einem Fachkräftemangel im Bereich der Hochqualifizierten
Fassung vom 26.02.2014
37

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
eine weiterhin sehr hohe Arbeitslosigkeit, insbesondere der gering Qualifizierten, gegen-
über.
Tabelle 30: Arbeitsmarktprognose
Jahr
Szenario 1
Optimistische Variante
(ifo)
Szenario 2
Pessimistische Variante
(IAB)
Szenario 3
Wahrscheinliche Variante
(ISG)
Erwerbstätige in 1.000
2000
1.908,50
1.908,50
1.908,50
2005
1.838,70
1.838,70
1.838,70
2010
1.887,70
1.713,50
1.793,20
2015
1.896,70
1.654,40
1.748,80
Arbeitslose in 1.000
2000
413,6
413,6
413,6
2005
419,3
419,3
419,3
2010
87,3
261,5
226,8
2015
-41,7
200,6
196,2
Arbeitslosenquote (zivile Erwerbspersonen)
2000
17%
17%
17%
2005
18%
18%
18%
2010
4%
13%
11%
2015
-2%
11%
10%
Quelle: IAB-Kurzberichte 12 und 24 aus dem Jahr 2005; ifo-Dresden (Hrsg.), Wirtschafts- und Arbeitsmarkt-
entwicklung Sachsens bis zum Jahr 2030, Dresden Juli 2003, S. 18; eigene Berechnungen der ISG.
Ausbildungsmarktprognose
Die Zahl der Schulabgänger in Sachsen wird zwischen 2005 und 2013 von rd. 54.700 auf
27.300 zurückgehen. Da gleichzeitig jedoch ein hoher Nachfragedruck von Altbewerbern
besteht, wird die Nachfrage nach Lehrstellen zwar rückläufig sein, jedoch vor dem Hinter-
grund des unzureichenden betrieblichen Lehrstellenangebots weiterhin Handlungsbedarf
bestehen.
Tabelle 31: Prognose der Entwicklung der Schülerzahlen in Sachsen
Entwicklung Schülerzahlen
2005
2010
2015
2020
Veränderung
2015 zu 2005
Veränderung
2020 zu 2005
Schulanfänger
30.300 31.200 30.600 29.000
1,0%
-4,3%
Schüler insgesamt
500.740 396.290 405.790 408.490
-19,0%
-18,4%
mit Hochschulreife
17.600 10.800
8.400
9.500
-52,3%
-46,0%
Abgänger o. Hauptschulabschl.
6.100
3.400
3.900
4.000
-36,1%
-34,4%
Quelle: Prognose der Schulabgängerzahlen der Kultusministerkonferenz.
Das bisherige Ausbildungsplatzangebot im Freistaat Sachsen lag immer deutlich unter dem
Bedarf. Aus der folgenden Abbildung geht hervor, dass sowohl die Gesamtzahl der neu
abgeschlossenen Verträge als auch die der neuen betrieblichen Ausbildungsverhältnisse
seit Jahren trendmäßig sinken. 2005 wurden insgesamt rd. 28.700 neue Ausbildungsver-
träge abgeschlossen, darunter 21.800 betriebliche. Obwohl das BIP in Sachsen zwischen
2000 und 2005 deutlich stärker gewachsen ist als im Durchschnitt der alten aber auch der
neuen Länder (+1,5 % p. a.), war die Zahl der neu abgeschlossenen betrieblichen Ausbil-
dungsverhältnisse rückläufig (-4,9 %: 2005 gegenüber 2000). Es ist daher bestenfalls von
einem bis zum Jahr 2013 konstanten Angebot auszugehen. Bliebe das Angebot in den
kommenden Jahren tatsächlich konstant, würde erst ab dem Jahr 2013 aufgrund der stark
rückläufigen Bewerberzahlen eine Versorgungsquote entsprechend der der alten Bundes-
Fassung vom 26.02.2014
38

image
 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
länder erreicht. Bei Konstanz der außerbetrieblichen und betriebsnahen Angebote (wie
2005) würde diese Schwelle etwa im Jahr 2012 erreicht.
Abbildung 4: Ausbildungsstellenmarkt und Prognose
Quelle: Eigene Berechnungen der ISG; KMK, Prognose der Schulabgängerzahlen, S. 92; Statistik des BIBB,
Stat. Landesamt des Freistaates Sachsen, Absolventen/Abgänger an allgemeinbildenden Schulen; Regional-
direktion Sachsen, Arbeitsmarkt in Zahlen, Berufsberatung 2005/2006, Jahresbilanz, BMBF (Hrsg.), Berufsbil-
dungsbericht 2006.
Aus diesen Daten ist zu schließen, dass im Freistaat Sachsen bis kurz vor Ende der För-
derperiode 2007 – 2013 weiterhin massive Anstrengungen nötig sind, um einen Ausgleich
auf dem Ausbildungsstellenmarkt sicherzustellen und der jungen Generation zu einem er-
folgreichen Start ins Erwerbsleben zu verhelfen. Die beschriebene demografische Entwick-
lung, die mittelfristig zu einer spürbaren Entlastung auf der Nachfrageseite führt, hat jedoch
auch eine Kehrseite. Würde man nämlich auf Ausgleichsmaßnahmen verzichten bzw. die-
se deutlich abbauen, würden p. a. rd. 7.000 bis 8.000 junge Fachkräfte weniger ausgebil-
det, und es käme spätestens ab dem Jahr 2012 zu massiven Nachwuchsproblemen der
Wirtschaft. Auch aus diesem Grund ist ein pro-aktives Handeln des Freistaates Sachsen
notwendig. D. h., in der 2007 beginnenden neuen ESF-Förderperiode muss gewisserma-
ßen „auf Vorrat“ ausgebildet werden, um zu vermeiden, dass Nachwuchs- und Fachkräfte-
mangel den weiteren wirtschaftlichen Aufbauprozess behindern. Die Verringerung der Zahl
der Absolventen mit Hochschulreife um über 50 % bis zum Jahr 2015 verdeutlicht das
mögliche Ausmaß eines bevorstehenden Fachkräftemangels in Sachsen. Zur Sicherung
der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft sind daher Maßnah-
men zur Erhöhung bzw. zum Erhalt der Anzahl der Fachkräfte notwendig. Hierzu ist auch
ein ausreichendes Angebot an Ausbildungsplätzen notwendig.
Fassung vom 26.02.2014
39

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
1.8
Quantifizierte Ziele der Europäischen Union – Übersicht
Abschließend wird ein knapper Überblick über den Stand der Zielerreichung der Europäi-
schen Beschäftigungs- und der Lissabonstrategie anhand ausgewählter Indikatoren gege-
ben. Auf die Ursachen der Zielerreichung bzw. -verfehlung und den sich daraus ergeben-
den Handlungsbedarf wurde in den vorangegangenen Kapiteln näher eingegangen.
Tabelle 32: EU-Benchmarks (Stand 2005)
Nr.
Indikator
EU-
Ziel
D-
D-West
D-Ost
Sachsen
(2000)
Sachsen
(2005)
1
70 % Gesamtbeschäftigungsquote
70,0
65,4
66,5
61,2
62,8
62,8
2
Mindestquote von 60 % für die Beschäf-
tigung von Frauen
60,0
59,5
59,7
58,9
58,0
60,5
3
Mindestquote von 50 % für die Beschäf-
tigung älterer Arbeitskräfte (55—64
Jahre)
50,0
45,4
46,9
39,5
32,8
40,2
4
Jedem Arbeitslosen wird ein Neuanfang
ermöglicht, und zwar binnen sechs
Monaten nach Eintritt der AL im Fall
von Jugendlichen, binnen zwölf Mona-
ten im Fall von Erwachsenen
4
jeweils
100,0
Jugendl.
97,3
Erwachs.
98,3
-
-
-
-
5
Bis zum Jahr 2010 sollten 25 % der
LZA an einer aktiven Maßnahme in
Form einer Ausbildung, Umschulung,
Berufserfahrung oder einer anderen
Beschäftigungsmaßnahme teilnehmen
5
25,0
Jugendl.
32,4
Erwachs.
12,8
-
-
-
-
6
Das effektive Durchschnittsalter beim
Ausscheiden aus dem Erwerbsleben
auf EU-Ebene wird um fünf Jahre an-
gehoben
64,9
61,3
-
-
-
-
7
Die durchschnittliche Schulabbrecher-
quote für die Europäische Union wird
auf höchstens 10 % gesenkt
1
Da der EU-Benchmark „early school
leavers“ nicht auf Länderebene verfüg-
bar ist, wird als Ersatzindikator die
Quote der Absolventen ohne Haupt-
schulabschluss verwendet. Die ausge-
wiesenen Werte sind ca. 4-5 Prozent-
Punkte geringer als der EU-Benchmark
„early school leavers“.
10,0
8,4
7,9
10,2
12,1
9,4
8
Mindestens 85 % der 22-Jährigen in der
Europäischen Union sollen die Sekun-
darstufe II abgeschlossen haben
85,0
71,0
-
-
-
-
9
Der durchschnittliche Anteil der Er-
wachsenen im erwerbsfähigen Alter
(25-64 J,) in der EU, die am Lebensbe-
gleitenden Lernen teilnehmen, soll
mindestens 12,5 % betragen
12,5
7,7
7,6
8,1
5,4
7,5
10
Armutsquote
6
kein
12,6
12,5
12,6
-
11,2
Weitere wichtige Kennzahlen
3% des BIP sollen auf Forschung und Ent-
wicklung entfallen
3,0
2,5
2
2,5
2
2,2
2
2,4
3
2,2
2
Zwei Drittel der FuE-Ausgaben aus dem
Wirtschaftssektor
66,7
67,0
73,8
2
53,5
2
50,3
3
46,1
2
(1) Werte für 2004; (2) Werte für 2003; (3) Werte für 2001; (4) Diese Werte beziehen sich auf das Angebot einer Maß-
nahme im Rahmen eines konkreten Eingliederungsplans, und zwar für Jugendliche für den Zeitraum 7/2004 bis 6/2005
und für Erwachsene für den Zeitraum 1/2004 bis 12/2004. Betrachtet man lediglich die Inanspruchnahme einer aktiven
arbeitsmarktpolitischen Leistung im engeren Sinne (ohne Profiling und Eingliederungsvereinbarung), so beträgt die Quote
für Jugendliche 82,5 % und für Erwachsene 87,2 %; (5) Gesamtwert für alle Langzeitarbeitslosen liegt aktuell nicht vor.
(6) Armutsquoten (unter 60 % des Medianeinkommens) können auf Bundesebene sowie West- und Ost-Ebene mittels
des SOEP (jährlich) und der EVS (alle 5 Jahre) berechnet werden. Als Grundlage dient das regionale Medianeinkommen;
Werte Frühjahr 2004. Auf Länderebene wird als Ersatzindikator die SGB II-Quote (Personen in Bedarfsgemeinschaften
bezogen auf Bevölkerung insgesamt) vorgeschlagen; Werte für Sept. 2005; (SGB II-Quote für Deutschland insgesamt:
8,0).
Fassung vom 26.02.2014
40

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
2
Rahmenbedingungen und Strategien auf europäischer, nationaler
und regionaler Ebene
2.1
Europäische Rahmenbedingungen
Lissabon-Prozess
Angesichts der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung und der Globalisierung
sieht sich der Wirtschaftsraum Europa einem intensiven Wettbewerb mit anderen Wirt-
schaftsregionen ausgesetzt. Eine lang anhaltende Wachstumsschwäche mit hohen Ar-
beitslosenzahlen zwang die Europäische Union zum Handeln. Die Antwort auf diese
Herausforderungen gab der Europäische Rat im Jahr 2000 beim Frühjahrsgipfel in Lissa-
bon. Die Union sollte zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten
Wirtschaftsraum der Welt werden, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit
mehr und besseren Arbeitsplätzen und einem großen sozialen Zusammenhalt zu erzielen.
Im Jahr 2005 erfolgte mit der Neuorientierung der Lissabon-Strategie eine Konzentration
auf zwei zentrale Aufgaben: verstärktes, dauerhaftes Wachstum und Schaffung von mehr
und besseren Arbeitsplätzen. Die Integrierten Leitlinien für Wachstum und Beschäftigung
bilden die Grundlage für die nationalen Programme der Mitgliedsstaaten für Wachstum und
Beschäftigung.
INTEGRIERTE LEITLINIEN FÜR WACHSTUM UND BESCHÄFTIGUNG
(2005-2008)
Makroökonomische Leitlinien
(1)
Sicherung wirtschaftlicher Stabilität im Hinblick auf nachhaltiges Wachstum.
(2)
Gewährleistung von wirtschaftlicher und finanzieller Nachhaltigkeit als Grundlage für
mehr Arbeitsplätze.
(3)
Förderung einer effizienten, auf Wachstum und Beschäftigung ausgerichteten Res-
sourcenallokation.
(4)
Gewährleistung eines Beitrags der Lohnentwicklung zur makroökonomischen Stabili-
tät und zum Wachstum.
(5)
Förderung größerer Kohärenz zwischen makroökonomischer Politik, Strukturpolitik
und Beschäftigungspolitik.
(6)
Verbesserung von Dynamik und Funktionieren der WWU.
Fassung vom 26.02.2014
41

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Mikroökonomische Leitlinien
(7)
Verstärkte und effizientere Investitionen in FuE, insbesondere im Privatsektor.
(8)
Förderung aller Formen der Innovation.
(9)
Förderung der Verbreitung und effizienten Nutzung der IKT und Aufbau einer Informa-
tionsgesellschaft, an der alle teilhaben.
(10) Stärkung der Wettbewerbsvorteile der industriellen Basis Europas.
(11) Förderung einer nachhaltigen Ressourcennutzung und Stärkung der Synergien zwi-
schen Umweltschutz und Wachstum.
(12) Ausbau und Vertiefung des Binnenmarktes.
(13) Offene und wettbewerbsorientierte Gestaltung der Märkte innerhalb und außerhalb
Europas und Nutzung der Vorteile der Globalisierung.
(14) Wettbewerbsfreundlichere Gestaltung des Unternehmensumfelds und Förderung von
Privatinitiativen durch Verbesserung des Regelungswerks.
(15) Förderung der unternehmerischen Kultur und KMU-freundlichere Gestaltung des
Wirtschaftsumfelds.
(16) Ausbau, Verbesserung und Vernetzung der europäischen Infrastrukturen sowie Voll-
endung der prioritären grenzüberschreitenden Projekte.
Beschäftigungspolitische Leitlinien
(17) Die Beschäftigungspolitik auf Vollbeschäftigung, Steigerung der Arbeitsplatzqualität
und Arbeitsproduktivität und Stärkung des sozialen und territorialen Zusammenhalts
ausrichten.
(18) Einen lebenszyklusorientierten Ansatz in der Beschäftigungspolitik fördern.
(19) Integrative Arbeitsmärkte schaffen, Arbeit attraktiver und für Arbeitsuchende - auch
für benachteiligte Menschen - und Nichterwerbstätige lohnend machen.
(20) Den Arbeitsmarkterfordernissen besser gerecht werden.
(21) Unter gebührender Berücksichtigung der Rolle der Sozialpartner Flexibilität und Be-
schäftigungssicherheit in ein ausgewogenes Verhältnis bringen und die Segmentie-
rung der Arbeitsmärkte verringern.
(22) Die Entwicklung der Arbeitskosten und die Tarifverhandlungssysteme beschäftigungs-
freundlicher gestalten.
(23) Die Investitionen in Humankapital steigern und optimieren.
(24) Die Aus- und Weiterbildungssysteme auf neue Qualifikationsanforderungen ausrich-
ten.
Als Gegenstück zu den nationalen Programmen hat die KOM ein "Lissabon-Programm der
Gemeinschaft" vorgelegt, das alle auf Gemeinschaftsebene zu treffenden Maßnahmen ab-
deckt. In folgenden Bereichen wird die Union mit Maßnahmen, Programmen und Gemein-
schaftspolitiken den Lissabon-Prozess der Mitgliedsländer unterstützen:
Wissen und Innovation für Wachstum,
Stärkung der Anziehungskraft Europas für Investoren und Arbeitskräfte,
Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen.
Fassung vom 26.02.2014
42

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Strategische Leitlinien der Kommission zur Kohäsionspolitik
Gemäß Artikel 158 des EG-Vertrags setzt sich die Gemeinschaft im Hinblick auf die Stär-
kung ihres wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts das Ziel, die Unterschiede im
Entwicklungsstand der verschiedenen Regionen und den Rückstand der am stärksten be-
nachteiligten Gebiete, einschließlich der ländlichen Gebiete, zu verringern. Unterstützt wer-
den diese Bemühungen gemäß Artikel 159 des Vertrags durch die Strukturfonds und damit
auch durch den ESF. Als Instrument der Kohäsionspolitik hat der ESF die Strategischen
Leitlinien (Strat. LL.) der Gemeinschaft 2007-2013 "Die Kohäsionspolitik im Dienste von
Wachstum und Beschäftigung" bei den zukünftigen Prioritäten der sächsischen ESF-
Förderung zu berücksichtigen.
In den Strategischen Leitlinien der Kommission zur Kohäsionspolitik werden drei Prioritäten
beschrieben, in denen die durch die Kohäsionspolitik kofinanzierten Programme eingesetzt
werden sollten:
Verbesserung der Attraktivität der Regionen und Städte der Mitgliedstaaten
durch Verbesserung der Anbindung, Gewährleistung einer angemessenen
Dienstleistungsqualität und eines angemessenen Dienstleistungsniveaus sowie
durch Erhaltung ihrer Umwelt;
Förderung von Innovation, Unternehmergeist und Wachstum der wissensbasier-
ten Wirtschaft durch Ausbau der Forschungs- und Innovationskapazitäten, auch
unter Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien; und
Schaffung von mehr und besseren Arbeitsplätzen, indem mehr Menschen in ein
Beschäftigungsverhältnis oder eine unternehmerische Tätigkeit geführt, die An-
passungsfähigkeit der Arbeitskräfte und der Unternehmen verbessert und die In-
vestitionen in das „Humankapital“ gesteigert werden.
Diese weit gefassten Prioritäten werden anhand folgender Leitlinien ausgestaltet. Die Leit-
linien bilden eine notwendige, aber nicht die einzige Voraussetzung dafür, dass der richtige
Grad an Konzentration auf die Hauptprioritäten der überarbeiteten Lissabon-Agenda er-
reicht wird. Die Leitlinien bilden einen einheitlichen Rahmen, auf den die Mitgliedstaaten
und Regionen bei der Ausarbeitung ihrer nationalen, regionalen und lokalen Programme
zurückgreifen sollen, um insbesondere ihren Beitrag zu den Zielen der Union in Bezug auf
Zusammenhalt, Wachstum und Beschäftigung abschätzen zu können.
Fassung vom 26.02.2014
43

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Stärkung der Anziehungskraft Europas für Investoren und Arbeitskräfte
-
Ausbau und Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur
-
Stärkung der Synergien zwischen Umweltschutz und Wachstum
-
Eine Lösung für Europas intensiven Einsatz traditioneller Energiequellen
Förderung von Wissen und Innovation für Wachstum
-
Mehr und gezieltere Investitionen in Forschung und technologische Entwicklung
-
Innovation erleichtern und unternehmerische Initiative fördern
-
Förderung der Informationsgesellschaft für alle
-
Besserer Zugang zu Finanzmitteln
Mehr und bessere Arbeitsplätze
- Mehr Menschen an das Erwerbsleben heranführen und die Sozialschutzsysteme
modernisieren
- Die Anpassungsfähigkeit der Arbeitskräfte und der Unternehmen verbessern und die
Flexibilität der Arbeitsmärkte steigern
- Steigerung der Investitionen in Humankapital durch bessere Ausbildung und Qualifi-
kation
-
Verwaltungskapazitäten
-
Schutz der Gesundheit der Arbeitskräfte
2.2
Entwicklung und Schwerpunkte der nationalen Arbeitsmarkt- und Be-
schäftigungspolitik
In Deutschland hat seit 2003 eine Arbeitsmarktreform stattgefunden, in deren Folge ab
dem 1. Januar 2005 eine Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe vorgenom-
men wurde. Seitdem gibt es nur noch ein Hilfesystem für erwerbsfähige Langzeitarbeitslo-
se und erwerbsfähige Arbeitslose ohne oder mit zu geringen Ansprüchen an die Arbeitslo-
senversicherung. Die Leistungen für erwerbsfähige Hilfebedürftige sind im SGB II festge-
legt. Anders als die Leistungen der Arbeitslosenversicherung, die im SGB III normiert sind
und aus Beiträgen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert werden, ist das SGB II
steuerfinanziert. Träger der Leistungen sind die Bundesagentur für Arbeit mit ihren örtli-
chen Arbeitsagenturen und die Kommunen.
Mit den so genannten Hartz-Gesetzen hat der Bund grundsätzlich die Verantwortung für
Arbeitsmarktpolitik und für die soziale Absicherung bei Arbeitslosigkeit an sich gezogen. Im
Rechtskreis des SGB III entfielen durch Abschaffung der Landesarbeitsämter und der da-
zugehörigen Verwaltungsausschüsse Mitwirkungsrechte der Länder.
Im Rechtskreis des SGB II erhielten die Landkreise und kreisfreien Städte mehr Rechte.
Bei direkter Finanzierung durch den Bund setzen 23 Arbeitsgemeinschaften (ARGE’n) und
sechs optierende Kommunen in Sachsen dezentral die arbeitsmarktpolitischen Vorgaben
des Gesetzgebers mit den unterschiedlichsten Strategien bzw. Vorgehensweisen um.
Die Länder nehmen hierbei vorwiegend eine moderierende Rolle ein. Diese stößt aber an
die durch die Selbstverwaltung der Kommunen sowie durch den Einfluss der BA-Zentrale in
den ARGE‘n gesetzten Grenzen. Weisungen der BA-Zentrale berücksichtigen nicht immer
Fassung vom 26.02.2014
44

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
die länderspezifische Situation oder den lokalen Arbeitsmarkt. Angesichts dessen und vor
dem Hintergrund der auch in Sachsen noch hohen Arbeitslosigkeit hat der Einsatz des ESF
für mehr und bessere Arbeitsplätze, mehr Selbstständigkeit und die Verbesserung der Be-
schäftigungsfähigkeit eine besondere Bedeutung.
Leistungen der Arbeitslosenversicherung und die Grundsicherung für Arbeitsuchen-
de
Die aktiven Leistungen der Arbeitslosenversicherung und der Grundsicherung für Arbeitsu-
chende sollen die Entstehung von Arbeitslosigkeit vermeiden oder die Arbeitslosigkeit be-
enden. Die aktiven Leistungen werden neben passiven Leistungen (Arbeitslosengeld, Ar-
beitslosengeld II) gewährt. Die Verhinderung von Arbeitslosigkeit oder, wenn diese bereits
eingetreten ist, deren schnellstmögliche Beendigung, sind die Hauptziele der Arbeitsförde-
rung. Der Verwirklichung dieser Zielsetzung dienen die Beratung und Vermittlung und auch
die Leistungen der aktiven Arbeitsförderung. Diese sind:
Eingliederungsleistungen für Arbeitsuchende;
Beratung, Orientierung und Vermittlung;
Beauftragung Dritter mit der Vermittlung (§ 37 SGB III);
Personal-Service-Agenturen (§ 37c SGB III);
Leistungen zur Unterstützung der Beratung und Vermittlung;
Mobilitätshilfen;
Trainingsmaßnahmen;
Förderung der beruflichen Weiterbildung;
Förderung der Existenzgründung;
Leistungen zur Förderung der Teilhabe am Arbeitsleben;
Leistungen an Arbeitgeber (Eingliederungszuschüsse);
Förderung der Berufsausbildung Benachteiligter / Beschäftigung begleitende
Eingliederungshilfen;
Förderung vom Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM);
Beschäftigung schaffende Infrastrukturförderung (BSI);
Förderung beschäftigter Arbeitnehmer (§ 417 SGB III);
Vermittlungsgutschein (§ 421g SGB III);
Beauftragung von Trägern mit Eingliederungsmaßnahmen (§ 421i SGB III);
Fassung vom 26.02.2014
45

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Übernahme der Beiträge zur Arbeitsförderung bei Beschäftigung Älterer (§ 421k
SGB III);
Sozialpädagogische Begleitung der Berufsausbildungsvorbereitung nach dem
Berufsbildungsgesetz (§ 421m SGB III).
Das vielfältige Angebot zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt, das bisher nur die Ar-
beitsagenturen anbieten konnten, steht nun allen erwerbsfähigen Hilfebedürftigen zur Ver-
fügung. In Landkreisen und kreisfreien Städten, in denen die Arbeitsvermittlung von Hilfe-
bedürftigen in der Hand der Kommune liegt (Optionskommunen), werden diese Förder-
maßnahmen ebenfalls angeboten. Für Bezieher von Arbeitslosengeld II kann zudem Ein-
stiegsgeld (§ 29 SGB II) gezahlt werden. Die Träger der Grundsicherung können als Ein-
gliederungsleistung auch eine Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung anbie-
ten (§ 16 Abs. 3 Satz 2 SGB II).
2.3
Ergebnisse der ESF-Fördermaßnahmen in Sachsen 2000-2006
Die ESF-Förderung 2000-2006 zielte darauf ab, Arbeitsplätze am ersten Arbeitsmarkt zu
schaffen. Die arbeitsmarktpolitischen Instrumente sollten sich dabei durch Wirtschaftsnähe
auszeichnen. Die mit ESF-Mitteln finanzierten Maßnahmen der Aus- und Weiterbildung der
Humanressourcen sollte zur Bildung eines für Unternehmen attraktiven „Humankapitals“
beitragen. Eingebunden in diese Zielstellung war die Bereitstellung eines ausreichenden
Angebots an Lehrstellen. Gleichzeitig sollte die Qualität der beruflichen Erstausbildung in
kleinen und mittleren Unternehmen verbessert und das Ausbildungspotenzial der bisher
noch nicht ausbildenden Betriebe erschlossen werden. Außerdem waren die Förderung
des Unternehmergeistes, die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen, die Hilfe für
Arbeitslose und für von Arbeitslosigkeit oder vom Ausschluss aus dem Arbeitsmarkt be-
drohte Personen und die sozialverträgliche Flankierung des wirtschaftlichen Strukturwan-
dels erklärte Ziele der arbeitsmarktpolitischen Förderung. Insbesondere sollte damit die
Anpassung der Arbeitskräfte an die industriellen Wandlungsprozesse und an Veränderun-
gen der Produktionssysteme erleichtert werden, in denen vor allem neue hochwertige Gü-
ter produziert, qualifizierte, aber auch einfache Dienstleistungen bereitgestellt und neue
effiziente Produktionsverfahren angewendet werden. Unter Berücksichtigung der beste-
henden Probleme am Arbeitsmarkt wurde für den Einsatz des ESF in der Strukturfondsför-
derperiode 2000 bis 2006 eine Doppelstrategie verfolgt:
Aktive Maßnahmen zur Erhöhung der Beschäftigung von Arbeitslosen und
Nutzung aller Möglichkeiten zur besseren Anpassung der Wirtschaft an den
Wettbewerb und damit der Arbeitsplatzschaffung.
Fassung vom 26.02.2014
46

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Die Umsetzung dieser Strategie erfolgte in fünf Politikfeldern und zehn Maßnahmen:
Politikfeld
Maß-
nahme
Beschreibung
Budget*
in %
A: Aktive und prä-
ventive Arbeits-
marktpolitik
4.1.1
Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bei
Jugendlichen und Verhinderung der Lang-
zeitarbeitslosigkeit bei Jugendlichen
32%
4.1.2
Aktive und präventive Maßnahmen zur Ver-
hinderung von Langzeitarbeitslosigkeit bei
Erwachsenen
4.1.3
Förderung der Beschäftigung
B: Gesellschaft ohne
Ausgrenzung
4.2.4
Bekämpfung der LZA, unter besonderer Be-
rücksichtigung älterer Arbeitsloser und von
Personen mit besonderen Integrationsprob-
lemen
25%
4.2.5
Förderung der Beschäftigung von LZA und
Personen mit besonderen Integrationsprob-
lemen
C: Berufliche und
allgemeine Bildung
4.3.6
Verbesserung der Systeme der beruflichen
Aus- und Weiterbildung und Modellversuche
zur Verringerung des Schulabbruchs
10%
D: Anpassungsfä-
higkeit und Unter-
nehmergeist
4.4.7
Erhöhung der Anpassungsfähigkeit von Un-
ternehmen und Beschäftigten
20%
4.4.8
Förderung des Unternehmergeistes
E: Chancengleich-
heit von Frauen und
Männern
4.5.9
Förderung spezifischer Projekte zur Verbes-
serung der Chancengleichheit
11%
F: Lokales Kapitel
für soziale Zwecke
4.6.10
Kleinprojekte zur Förderung der lokalen Be-
schäftigungsentwicklung
2%
* Stand: OP gemäß Entscheidung der KOM vom 15.11.2006
Die im Jahr 2003 durchgeführte Halbzeitbewertung der ESF-Förderung in Sachsen kam zu
dem zentralen Ergebnis, dass der im OP gesetzte strategische Rahmen für den Einsatz
des ESF weiterhin tragfähig ist. Gleichwohl wurden einige Änderungen empfohlen. Mit dem
Änderungsantrag erfolgte entsprechend den Empfehlungen der Evaluatoren:
eine Konzentration auf Zukunftsfelder wie die junge Generation, die Anpassungs-
fähigkeit von Unternehmen sowie die Existenzgründungen;
eine wirtschaftsnahe Ausrichtung bei allen Maßnahmen; verbesserte Abstim-
mung auf unternehmerische Bedürfnisse (Bedarfsorientierung);
eine stärkere Verzahnung von Fördermöglichkeiten zwischen den Fonds, insbe-
sondere bei der Existenzgründerförderung sowie
eine Intensivierung der Weiterbildungsberatung für KMU zur Verbesserung der
Wirksamkeit von berufsbegleitenden Qualifizierungen.
Der ESF hat damit ein klares eigenständiges arbeitsmarktpolitisches Profil erhalten, das
darauf verzichtet, alle Ziel- und Interessengruppen "bedienen" zu wollen. Insbesondere
Fassung vom 26.02.2014
47

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
sollen solche Maßnahmen, die nachweislich nur zu einer sehr geringen Verbleibsquote im
ersten Arbeitsmarkt führen, auf ein niedriges Niveau begrenzt werden. Verbunden mit der
inhaltlichen Neuausrichtung des ESF ist eine Qualitätsoffensive zur Erhöhung der Zielge-
nauigkeit und Effizienz der Förderung.
Die mit dem Änderungsantrag vorgenommenen Umschichtungen von ESF-Mitteln in den
EFRE gehen mit der Europäischen Beschäftigungsstrategie konform und folgen den Emp-
fehlungen des Rates zur Durchführung der Beschäftigungspolitik in Deutschland. Sie er-
folgten insbesondere unter Berücksichtigung des zum damaligen Zeitpunkt gegebenen
Umsetzungsstandes sowie des absehbaren Mittelbedarfes auf Maßnahmeebene bis zum
Ende des Förderzeitraumes. Auch die Aktualisierung der Halbzeitbewertung bestätigte den
von Sachsen beschrittenen Weg und schätzte die geplante Programmanpassung beim
ESF als folgerichtig ein.
In der Förderperiode war die Zuständigkeit für den ESF als Fondsbewirtschafter zentral im
Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit verankert, die Fachressorts waren
über die Gestaltung der Inhalte der Förderung einbezogen. Für den Förderzeitraum 2007–
2013 ist vorgesehen, den Ressorts stärkere Verantwortung für die Umsetzung des ESF
zukommen zu lassen. Das beinhaltet sowohl die fachlich – inhaltliche, als auch die haus-
halterische Zuständigkeit für die Umsetzung des ESF. Die Verwaltungsbehörde wird die
Fachressorts für diese Aufgaben schulen, den Prozess begleiten und kontrollieren. Konse-
quente Aufgabenabgrenzungen und Einvernehmen über Zuständigkeiten sind hierfür un-
abdingbar. Diese Veränderung zielt darauf ab, das Managementsystem so zu verbessern,
dass die ESF-Mittel möglichst noch effektiver, vollständiger und nachhaltiger zum Einsatz
kommen sowie n+2-Risiken frühzeitiger erkannt und somit vermieden werden können. Die
konkrete Herangehensweise wird sich im Verwaltungs- und Kontrollsystem wieder finden.
Die Aktualisierung der Halbzeitbewertung, die von isw Halle im Jahr 2005 durchgeführt
wurde, hat sich sehr intensiv mit der Bewertung einzelner Förderinstrumente und Umset-
zungsstruktur des ESF in Sachsens beschäftigt. Einer erneuten Evaluierung wurden die
Instrumente
Existenzgründerförderung
Einstellungszuschüsse
Kombinierte Qualifizierungs-/Beschäftigungsmaßnahmen für Sozialhilfeempfän-
ger / Chemnitzer Modell
Vollzeit-Qualifizierung für Arbeitslose / Nichterwerbstätige
unterzogen. Dabei hat sich wiederholt gezeigt, dass die ESF-Existenzgründerförderung ein
wirksames und effizientes Instrument der Wiedereingliederung Arbeitsloser bzw. Nichter-
werbstätiger in den Arbeitsmarkt ist. Die Einstellungszuschüsse zeigten einen relativ hohen
Verbleib geförderter Maßnahmeteilnehmer im Arbeitsmarkt. Auch nach Ende der Förde-
rung besteht hier ein beachtlicher positiver Effekt gegenüber vergleichbaren nicht geförder-
ten Arbeitslosen. Die Modelle zur Qualifizierung/Beschäftigung für Sozialhilfeempfänger
wiesen ebenfalls gute Ergebnisse auf. Als problematisch wurde allerdings die relativ hohe
Abbrecherquote der wirtschaftsnahen Varianten im Vergleich zur traditionellen Variante
eingestuft. Die Ergebnisse zu der Qualifizierung von Arbeitslosen bzw. Nichterwerbstätigen
fallen aufgrund der heterogenen Ansätze sehr unterschiedlich aus. So ist die Qualifizierung
von Hochschulabsolventen eine sehr effektive Maßnahme, während die Maßnahmen für
Fassung vom 26.02.2014
48

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Spätaussiedler und Frauen in zukunftsträchtigen Berufen eher unbefriedigende Integrati-
onsergebnisse aufweisen. Bei der Qualifizierung von Personen in Elternzeit ist die Rück-
kehrquote in den Beruf recht hoch, gleichwohl dürfte die Teilnahme an dieser ESF-
Maßnahme zu einer besseren Wiedereingliederung in den Beruf führen.
Die Umsetzungsstrukturen des ESF in Sachsen wurden nach der Halbzeitbewertung im
Jahr 2003 reformiert. Bei der Aktualisierung der Halbzeitbewertung sollte daher mittels ei-
ner Befragung von Maßnahmeträgern untersucht werden, wie sich diese veränderten Ver-
fahren auf die Qualität und Effizienz der ESF-Förderung ausgewirkt haben. Die Ergebnisse
zeigen, dass die Träger das Informations- und Beratungsangebot der verschiedenen Insti-
tutionen eher kritisch sehen. Die Antragsstellung, Berichterstattung und Projektabwicklung
wurde ebenfalls kritisch bewertet. Deutlich verbessert hat sich allerdings die Einschätzung
der Träger hinsichtlich des Qualitätsmanagements. So betreiben ca. 90% der Träger in der
Regel über Teilnehmerbefragungen systematische Qualitätskontrollen.
Der Evaluator isw hat für die Förderperiode 2007-2013 ein in strategische und spezifische
Ziele unterteiltes Zielsystem vorgeschlagen. Dieses Zielsystem wurde bei der Konzipierung
des OP berücksichtigt und findet sich in der Beschreibung der Handlungsoptionen wieder.
So soll insbesondere die Sicherung der Fachkräfte mit der beruflichen Weiterbildung und
Erstausbildung erfolgen; Maßnahmen zur Personal- und Organisationsentwicklung in KMU
sollen ebenfalls gestärkt werden. Die Arbeitsmigration wird mit Aktionen zur Förderung des
Verbleibs von Fachkräften als auch mit Projekten zur Attrahierung von Humankapital unter-
stützt. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfolgt über die Qualifizierung von Berufs-
rückkehrerinnen und über spezielle Betreuungsprojekte für Schüler der Klassen eins bis
sechs. Die soziale Exklusion soll über Maßnahmen, die auf die Förderung der Beschäfti-
gungsfähigkeit und nicht mehr nur auf die Integration in den ersten Arbeitsmarkt zielen,
begrenzt werden. Das strategische Ziel der Stärkung der unternehmerischen Potenziale
erfolgt wie empfohlen über die Gründungsförderung, Verbesserung der unternehmerischen
und FuE-Kompetenzen der Unternehmen. Die vom Evaluator vorgeschlagenen Maßnah-
men zur Erhöhung der Arbeitsmarkttransparenz/Verbesserung von Matching-Prozessen
werden allerdings eher sporadisch umgesetzt.
Fassung vom 26.02.2014
49

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Strategische Ziele
Spezifische Ziele
Langfristige Sicherung
der Verfügbarkeit von
Fachkräften
Ausbildungsfähigkeit sichern
Ausbildung sichern (quantitativ, qualitativ)
Berufliche Weiterbildung / Lebenslanges Lernen unterstützen
Personal- und Organisationsentwicklung in KMU etablieren
Längere Lebensarbeitszeit ermöglichen
Einflussnahme auf
Arbeitsmigration
Vermeidung Abwanderung von Leistungsträgern
Selektive Zuwanderung von Leistungsträgern
Vereinbarkeit von Beruf
und Familie
Familienfreundliche Arbeitsorganisation
Unterstützung von Berufsrückkehrer/innen
Flankierende Maßnahmen (z.B. Zugang zu Betreuungsdiensten sicherstel-
len)
Soziale
Exklusion
begrenzen
Beschäftigungsfähigkeit wiederherstellen
Arbeitsplätze für gering Qualifizierte
Angebote für Personen, die dauerhaft nicht in den 1. Arbeitsmarkt vermittelt
werden können
Regionale Disparitäten begrenzen
Unternehmerische
Potenziale entwickeln/
Innovationskraft stärken
Image beruflicher Selbständigkeit entwickeln (Schüler, Studenten...)
Neugründungen unterstützen
Betriebsnachfolge unterstützen
Stabilisierung von (jungen) Unternehmen
Management-Kompetenz von Führungskräften entwickeln
Entwicklung der Humanressourcen im Bereich FuE
Erhöhung der Arbeits-
markttransparenz/ Ver-
besserung von
Matching-Prozessen
Transparenz von Qualifikationen und Kompetenzen
Bedarfsprognosen für Berufe/ Qualifikationen
Beratungsangebote für Unternehmen, Arbeitsnehmer, Arbeitslose
Vermittlungshilfen
Fassung vom 26.02.2014
50

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
3
Stärken und Schwächen (SWOT-Analyse) in Sachsen
3.1
Einleitung zur SWOT-Analyse
Der Freistaat Sachsen hat in den vergangenen Jahren - wie aus der Sozioökonomischen
Analyse ersichtlich wird - ein im Vergleich zu den anderen Bundesländern überdurch-
schnittliches Wirtschaftswachstum realisiert. Trotz des hohen Wirtschaftswachstums war
zwischen 2000 und 2005 die Zahl der Erwerbstätigen rückläufig. Das bedeutet, dass die
Beschäftigungsschwelle im Freistaat Sachsen nach wie vor hoch ist. Entscheidend hierfür
ist insbesondere die anhaltend niedrige Arbeitsproduktivität: 2005 wurden gerade einmal
71,6 % des Niveaus der westdeutschen Bundesländer erreicht.
Positiv hat sich seit 2000 der industrielle Sektor entwickelt. Dieser bildet das Rückgrat des
wirtschaftlichen Aufholprozesses. Ohne eine wettbewerbsfähige und innovative Industrie
und ohne starke unternehmensbezogene Dienstleistungen wird der weiterhin erforderliche
Aufholprozess nicht zu bewerkstelligen sein.
Der demografische Wandel, der insbesondere in den neuen Bundesländern bereits in den
kommenden 10 Jahren massive Auswirkungen haben wird, stellt die Wirtschafts-, Arbeits-
markt-, aber auch die Bildungs- und Sozialpolitik vor enorme Herausforderungen:
Zwar wird sich die Zahl der Schulabgänger zwischen 2005 und 2010 nahezu hal-
bieren (von 54.700 auf 27.900) und danach bis 2015 nur wieder gering ansteigen
(29.400). Die Situation am Lehrstellenmarkt wird jedoch aller Voraussicht nach
angespannt bleiben, da das betriebliche Lehrstellenangebot weiterhin unzu-
reichend bleiben wird (vgl. Projektion des Lehrstellenmarktes in der ex ante-
Evaluation zu diesem OP).
Die Belegschaften und das Erwerbspersonenpotenzial werden in den kommen-
den Jahren drastisch altern. Gepaart mit einer geringen Weiterbildungsquote der
Beschäftigten führt dies zu einem Verlust an „Humankapital“.
Die sächsischen Unternehmen stehen in einem scharfen Wettbewerb mit den
anderen (westlichen) Bundesländern um Hochqualifizierte und Fachkräfte. Ins-
besondere Unternehmen aus den westdeutschen Bundesländern können attrak-
tivere Bedingungen bieten, so dass die Gefahr einer zunehmenden Abwande-
rung von Leistungsträgern steigt.
Diesem "brain-drift" muss durch gezielte Maßnahmen zur Ausbildung und zur
Vermeidung weiterer Abwanderung begegnet werden. Das heißt einerseits die
Erhöhung der Studierendenquoten und andererseits die Schaffung attraktiver Ar-
beitsplätze für im Freistaat ausgebildete Hochqualifizierte und Fachkräfte.
Schließlich ist zu konstatieren, dass in den kommenden Jahren am Arbeitsmarkt im Frei-
staat Sachsen die Mismatch-Probleme zunehmen werden. D. h. auf der einen Seite hohe
(Langzeit-)Arbeitslosigkeit und auf der anderen Seite Fachkräftemangel, der dazu beitra-
gen kann - wenn dem nicht energisch entgegengesteuert wird -, dass der weitere wirt-
schaftliche Aufholprozess ins Stocken gerät.
Fassung vom 26.02.2014
51

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Die im Folgenden dargestellte SWOT-Analyse gliedert sich nach den Politikbereichen, die
in Art. 3 der ESF-Verordnung definiert sind, und verdeutlicht in komprimierter Form, welche
Stärken im Freistaat gegeben sind, welche Schwächen zu überwinden sind und welche
Chancen aber auch Risiken bestehen:
Zunächst wird für die Prioritätsachse A:
"Steigerung der Anpassungsfähigkeit
und Wettbewerbsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen"
die SWOT-
Analyse durchgeführt. Aufgrund der sich abzeichnenden Überalterung der Be-
legschaften auf der einen und Nachwuchsmangel auf der anderen Seite werden
die Betriebe in Sachsen verstärkt unter Druck geraten. Daher ist die Forcierung
des Lebenslangen Lernens für Beschäftigte eine der wesentlichen Zukunftsauf-
gaben. Neben der weiteren Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des industriellen
Sektors, der immer noch das Rückgrat des wirtschaftlichen Aufholprozesses dar-
stellt, wird es nötig sein, auch den Dienstleistungssektor weiter zu entwickeln, da
hier in erster Linie auch Beschäftigungschancen für geringer Qualifizierte beste-
hen. Entwicklungsbedarf wird auch im Agrarsektor gesehen. Insgesamt ist Sach-
sen als Standort von Innovation sowie FuE weiter zu entwickeln.
Die Prioritätsachse B "
Verbesserung des ‚Humankapitals’"
stellt eine zentrale
Handlungsachse der zukünftigen Strategie dar. Hier wird herausgearbeitet, dass
einerseits im Handlungsfeld "Schüler und Jugendliche" Schwächen aber auch
Chancen bestehen, durch präventive Aktionen nachhaltige Wirkungen zu erzie-
len, und zwar sowohl im Sinne der Erhöhung der Chancen der nachfolgenden
Generation als auch hinsichtlich der Notwendigkeit, dem sich abzeichnenden
Fachkräftemangel mittels pro-aktiver Maßnahmen präventiv entgegenzutreten.
Andererseits werden der wirtschaftliche Aufholprozess und die Herausforderun-
gen der Globalisierung nur bewältigt werden können, wenn der Freistaat Sach-
sen - im Sinne der Lissabon-Strategie - konsequent auf technisch-
wissenschaftlichen Fortschritt setzt, d.h. die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft
weiter nachhaltig erhöht. Hierzu ist in erster Linie der rasche Transfer von tech-
nisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen in den Unternehmenssektor erforderlich.
In der Prioritätsachse C "
Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung sowie der
sozialen Eingliederung von benachteiligten Personen"
haben sich mit den Ar-
beitsmarktreformen des Bundes (Stichwort: "Hartz-Reformen") die Rahmenbe-
dingungen erheblich geändert. Hier ergeben sich neue Chancen, da eine Kon-
zentration auf solche Instrumente erfolgen kann, die wichtige Impulse für die so-
ziale Integration dieser Zielgruppen geben können. Von den im Jahresdurch-
schnitt 2005 insgesamt rd. 402.000 Arbeitslosen waren ca. 175.000 (rd. 43 %)
bereits länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Der Freistaat Sachsen muss sich
darauf einstellen, dass ein großer Teil dieser Langzeitarbeitslosen entweder nicht
oder nur mittels sehr großer Anstrengungen wieder in den ersten Arbeitsmarkt in-
tegriert werden kann. Hier ist eine Doppelstrategie nötig: Qualifikation und Erhö-
hung der Beschäftigungsfähigkeit einerseits und Entwicklung von Alternativen für
Langzeitarbeitslose andererseits, für die realistischerweise am ersten Arbeits-
markt keine Chancen mehr bestehen.
Fassung vom 26.02.2014
52

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
3.2
SWOT-Analyse für den Freistaat Sachsen
3.2.1
Analyse der Prioritätsachse A: „Steigerung der Anpassungs- und Wettbe-
werbsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen“
Stärken
Schwächen
Chancen
Risiken
Prioritätsach-
se A:
Anpassungs-
fähigkeit und
Wettbewerbs-
fähigkeit von
Beschäftigten
und Unter-
nehmen
Einsatzfeld 1:
Berufsbeglei-
tende Qualifi-
zierung, Stei-
gerung der
Wettbewerbs-
fähigkeit
1. Lt. sozioökonomi-
scher Analyse liegt
seit 2002 BIP-Ent-
wicklung über dem
Durchschnitt von D
2. Geringe Staatsver-
schuldung
3. Expandierendes Ver-
arbeitendes Gewer-
be und steigende
Exportquote, inter-
national wettbe-
werbsfähige Lohn-
stückkosten
4. Herausbildung leis-
tungsstarker indust-
riellen Bereiche
5. Innovative und pro-
duktive Cluster
6. Zunahme der Ar-
beitskräftenachfrage
im expandierenden
industriellen Bereich
7. Expandierender
Dienstleistungssek-
tor
8. Hohe Beschäftigten-
anteile der Frauen
im Dienstleistungs-
sektor
9. Erwerbstätigenquote
von Frauen über
60%
10. Erwerbsquote der
Frauen deutlich hö-
her als in West-
deutschland
11. Hohe Attraktivität
des Standortes
12. Hohe Identifikation
der Bevölkerung
mit
dem Land
13. Zentrale Lage im
Raum der EU-27
14. Hoher Anteil an
hochqualifizierten
Arbeitskräften
15. Geringer Anteil an
Unqualifizierten
16. Überdurchschnittli-
ches formales Bil-
dungs- und Qualifi-
kationsniveau der
Beschäftigten
1. Wachstum reicht
nicht aus, um mittel-
fristig Lücke zu D-
West zu schließen
2. Erwerbstätigenquote
mit 61 % deutlich un-
ter EU-Benchmark
(D-West: 67%)
3. Abwanderung von
Hochqualifizierten und
jungen Familien
4. Zunehmende Überal-
terung der Beleg-
schaften wg. demo-
grafischer Entwick-
lung
5. Unternehmen sind nur
unzureichend auf de-
mografischen Wandel
vorbereitet, Überalte-
rung der Belegschaf-
ten und Nachwuchs-
mangel werden nicht
antizipiert, Risiko von
Fachkräftemangel
6. Die Analyse zeigt
einen deutlichen
Rückstand bei der
Produktivität (70 %
des Westniveaus)
7. Unausgewogene
Unternehmensgrö-
ßenstruktur – geringe
Bestand an Großun-
ternehmen
8. Geringe finanzielle
und konzeptionelle
Ressourcen in KMU
für eine vorausschau-
ende Personalent-
wicklung einschl. un-
gesicherter Unter-
nehmensnachfolge.
Defizite von KMU im
strategisch-unterneh-
merischen Bereich
9. Qualitätsdefizite beim
Weiterbildungsange-
bot, zu geringer Be-
triebsbezug
10. Geringere Beteiligung
der Frauen an berufli-
cher Weiterbildung
11. Geringes Lohnniveau
erschwert Suche nach
Fachkräften, insbe-
sondere Hochqualifi-
zierten
1. Weiterentwicklung des
industriellen Sektors
2. Entwicklung der wirt-
schaftsnahen DL
3. Ausbau der wirtschafts-
bezogenen Infrastruktur
v. a. Verkehr
4. Hohe prognostizierte
Zuwächse im Bereich
der unternehmensna-
hen Dienstleistungen
5. Perspektiven im Dienst-
leistungssektor für
Frauen – können Ab-
wanderungen entge-
genwirken
6. Forcierung von Netz-
werken von Unterneh-
men und Bildungsein-
richtungen zur Fach-
kräftesicherung und -
entwicklung
7. Sicherung des Fach-
kräftebedarfs durch
Steigerung der Frauen-
erwerbstätigkeit
8. Fachkräftezuwanderung
aus Mittel- und Osteu-
ropa einschl. Ausbau
grenzübergreifender
WB-Angebote
9. Steigerung der Kompe-
tenzen von KMU, deren
Management und deren
Beschäftigten in den
Bereichen Personal-
entwicklung, Bildungs-
management sowie
Bewältigung der Globa-
lisierung und Nutzung
der Exportchancen so-
wie Erhöhung der Über-
lebensfähigkeit von
(jungen) Unternehmen
durch Qualifikation im
Bereich Unternehmens-
führung
10. Erhöhung der berufli-
chen Chancen der
Frauen durch mehr
Weiterbildungsbeteili-
gung
11. Anpassungsqualifizie-
rung von gering Qualifi-
zierten und Älteren zur
Überwindung der de-
mografischen Lücke
1. Subventionsmentalität
der Unternehmen,
weil Aus- und Weiter-
bildung als Staatsauf-
gabe begriffen wer-
den, führt zu abneh-
mender betrieblicher
Ausbildungsbereit-
schaft und -fähigkeit
2. Abwanderung von
weiterqualifizierten
Fachkräften
3. Qualitative Fachkräf-
telücke wegen demo-
grafischer Entwick-
lung
4. Rückzug von Frauen
in stille Reserve we-
gen sinkender Chan-
cen am Arbeitsmarkt
5. Mangelnde Bereit-
schaft und Ressour-
cen von KMU zur An-
tizipation der Perso-
nalentwicklungserfor-
dernisse
6. Unzureichende Ver-
zahnung des WB-
Angebots mit Unter-
nehmensbedarfen
Fassung vom 26.02.2014
53

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Stärken
Schwächen
Chancen
Risiken
Einsatzfeld 2:
Förderung
von Unter-
nehmergeist
und arbeits-
platzschaf-
fenden Exis-
tenzgründun-
gen
17. Ausdifferenzierte
Struktur von Bil-
dungsdienstleister
18. Qualitätswettbe-
werb unter den Bil-
dungsdienstleistern
durch Qualitätsof-
fenisve
19. Hoher Unterneh-
mensbestand (je
1.000 EW), höher
als in D-West
20. Selbstständigen-
quote fast auf
Westniveau
21. Steigender Frauen-
anteil bei Selbst-
ständigen
22. Hoher positiver
Gründungssaldo,
aber zuletzt deutli-
che Zunahme von
Kleinstgründungen
(Ich-AG)
12. Abwanderung von
Fachkräften wird in
der sozioökonomi-
schen Analyse als
bedeutsame Schwä-
che Sachsens identi-
fiziert
13. Noch zu geringe
Dienstleistungsdyna-
mik
14. Gründungen wurden
aus dem ESF v. a. in
Bereichen gefördert,
die geringe Qualifika-
tion erfordern
15. Lt. Analyse besteht
Gründerlücke im Be-
reich wissens- und
technologieorientierte
Gründungen
16. Hohe Drop-out-
Quoten bei Gründern
der Jahre 2004 und
2005
12. Positive Unterneh-
mensentwicklung im
tertiären Sektor, insbe-
sondere in den unter-
nehmensnahen und
personenbezogenen DL
sowie im Tourismus.
13. Qualitätssicherung und
-entwicklung im WB-
Sektor und konsequen-
te Ausrichtung der WB-
Angebote auf Bedarfe
der KMU
14. Mehr Unternehmens-
gründungen aus Hoch-
schulen und For-
schungseinr. sowie
mehr wissens- und
technologiebasierte
Gründungen - Unter-
stützung des schrittwei-
sen Übergangs in
Selbstständigkeit
15. Konzentration auf be-
schäftigungsschaffende
Gründungen
7. Weithin hohe Drop-
out-Quoten bei Grün-
dern der Jahre 2004
und 2005
8. Hochqualifizierte
wandern ab und feh-
len als Gründer
Fassung vom 26.02.2014
54

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
3.2.2
Analyse der Prioritätsachse B: „Verbesserung des ‚Humankapitals’“
Stärken
Schwächen
Chancen
Risiken
Prioritätsach-
se B:
Verbesserung
des „Human-
kapitals“
Chancen der
jungen Gene-
ration
Einsatzfeld 3:
Förderung des
Lebensbeglei-
tenden Ler-
nens und
Verbesserung
der Berufs-
wahlkompe-
tenz
Einsatzfeld 4:
Förderung der
Berufs-
ausbildung für
Jugendliche
1. Geringe Schulabb-
recherquote der
Frauen und über-
durchschnittliches
Qualifikationsniveau
von jungen Frauen
2. Breit gefächertes
Angebot zur Beruf-
wahlinformation und
-beratung
3. Gute Zusammenar-
beit der Akteure im
Bereich der Förde-
rung benachteiligter
Ausbildungsstellen-
suchender
4. Ausbildungsförde-
rung des Freistaa-
tes konzentriert sich
nicht nur auf das
Schließen von „Lü-
cken“, sondern be-
inhaltet auch In-
strumente der Er-
höhung der Ausbil-
dungsqualität (z. B.
Zusatzqualifikation)
5. Unternehmensnähe
der GISA-
Ausbildung sowie
praxisorientierte
Kooperation von
Unternehmen und
Bildungsdienst-
leistern, z.B. bei
Verbundausbildung
6. Überdurchschnittli-
che Ergebnisse von
Schüler/innen in all-
gemein bildenden
Schulen bei PISA in
Mathematik/ Natur-
wissenschaften/
Problemlösungs-
kompetenz
7. Große Auswahl für
Betriebe an Ausbil-
dungsbewer-
ber/innen
8. Vergleichsweise
hohe Qualität des
Schulsystems
1. Geringe betriebliche
Ausbildungsquote
2. Unzureichende Be-
rufsfrühorientierung
3. Nicht konsequent
miteinander verzahnte
Angebote unter-
schiedlicher Akteure
zu Berufsorientierung
und -beratung. Bishe-
rige Unterstützungs-
angebote sind nicht in
der Lage, ge-
schlechtsspezifische
Berufswahlmuster
zu
verändern
4. Hoher Anteil von
Schulabgängern ohne
Abschluss (8,6 %)
wird in der Analyse
aufgeführt
5. Teilweise schlechte
schulische Vorkennt-
nisse von Azubis
6. Anhaltend hohe
Nachfrage trifft auf zu
niedriges und stagnie-
rendes Angebot an
betrieblichen Ausbil-
dungsplätzen sowie
Beschäftigungsange-
bot an der 2. Schwel-
le. Der Anteil von Alt-
bewerber/innen (ca.
50 %) nimmt weiter
zu
7. Ersatzmaßnahmen
und teilweise auch
vollzeitschulische
Ausbildungen stellen
nur „second best“-
Lösungen dar, da
- geringe Praxisnähe
und damit verbunden
fehlende Akzeptanz
bei Unternehmen
- diese über kein aus-
reichendes Profil ver-
fügen und inhaltliche
Überschneidunge
aufweisen
- die Vermittlung in
diese sich nicht an in-
dividuellen Stär-
ken/Schwächen, son-
dern an freien Kapazi-
täten orientiert
1. Verbesserung des
Systems der Dualen
Berufsausbildung
2. Die Analyse lässt eine
leichte Entspannung am
Ausbildungsstellen-
markt durch demografi-
sche Entwicklung er-
warten
3. Erhöhung der Effizienz
von Berufsorientierung,
Berufsberatung, Ver-
mittlung und Unterstüt-
zung durch Optimierung
der Schnittstellen sowie
Profilierung der Ange-
bote. Effizienzsteige-
rung durch elternge-
rechtere und lehreradä-
quate Information sowie
durch flächendeckende
Zusammenarbeit von
Schule und Wirtschaft
4. Vermeidung von Fehl-
allokationen beim Über-
gang von Schule in den
Beruf durch einheitliche
und kriteriengestützte
Kompetenzbewertung
von Jugendlichen
5. Ausbau grenzüber-
schreitender und be-
triebsnaher Ausbil-
dungsgänge
6. Verbesserung der
Qualität geförderter
Ausbildung durch Pilot-
projekte und Modellver-
suche sowie deren
Transfer in die Regel-
förderung
1. Fehlende Sensibilität
der Unternehmen für
konsequente Investiti-
onen in Ausbildung
2. Steigende Zahl Ju-
gendlicher ohne Ab-
schluss sowie hohe
Schulabbrecherzahlen
führen zum langfristi-
gen Drop-out
3. Abwanderung hoch
motivierter Schü-
ler/innen und gut quali-
fizierter Azubis
4. Verfestigung beste-
hender geschlechts-
spezifischer Beruf-
wahlmuster
5. Regionale Disparitäten
in der Ausbildungsinf-
rastruktur (schulisch/
betrieblich) / Stadt-
Land-Gefälle
6. Zu wenig Angebote,
die v. a. Kleinst- und
Kleinunternehmen zur
Beteiligung an Ausbil-
dung befähigen
7. Abnehmende betriebli-
che Ausbildungsbe-
reitschaft und -
fähigkeit
8. Außerbetriebliche
Ausbildung geht am
Bedarf der Unterneh-
men vorbei
Fassung vom 26.02.2014
55

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Stärken
Schwächen
Chancen
Risiken
Prioritätsach-
se B:
Verbesserung
des „Human-
kapitals“
Einsatzfeld 5:
Förderung des
Humanpoten-
zials in For-
schung und
Innovation
sowie Netz-
werktätigkei-
ten zwischen
Hochschul-,
Forschungs-
einrichtungen,
Technologie-
zentren und
Unternehmen
9. Hohes Bildungsni-
veau der Frauen
10. Abiturientenquote
der Frauen, laut
Analyse, deutlich
über West-
/Gesamt-deutschen
Durchschnitt
11. Steigende Studie-
rendenzahl
12. Studienanfänger-
und Absolventen-
quote der Frauen
über Quoten der
Männer
13. Zunehmende FuE-
Ausgaben der Un-
ternehmen
14. Solide Grundstruk-
turen der Bildungs-
und Forschungs-
landschaft
15. Bestehende Unter-
nehmensnetzwerke
sowie Kooperation
von Unternehmen
mit Hochschulen
und Forschung
16. Zunehmende Po-
tenziale und Be-
schäftigtenzahlen in
Forschungseinrich-
tungen außerhalb
von Hochschulen
und Unternehmen
17. Attraktivität für
Investoren aus
dem Ausland und
D-West
18. Hohes Wachstum in
innovativen/techno-
logieintensiven
Branchen, aber
noch geringes
Ausgangsniveau
8. 3 %-Marge für den
Anteil von FuE am
BIP der Lissabonstra-
tegie in Sachsen noch
nicht erreicht
9. Geringe Anteile von
Studierenden in
techn.-naturwissen-
schaftl. Fächern
10. Geringe Frauenantei-
le in naturwissen-
schaftlichen und
technischen Studien-
bereichen sowie in
der Wissenschaft
werden in der Analyse
als Schwäche Sach-
sens identifiziert
11. Geringes finanzielles
FuE-Potenzial in Un-
ternehmen
12. Verhaltene Entwick-
lung in den unter-
nehmensbezogenen
Dienstleistungen
13. Rückläufige Beschäf-
tigung von FuE-
Personal in Unter-
nehmen
14. Rückläufiges FuE-
Personal an Hoch-
schulen (- 12,5 %
2003 gegen1999)
15. Unzureichende
Transfermechanis-
men aus Wissen-
schaft und Forschung
in Wirtschaft
16. Zu geringes Fachkräf-
tepotenzial, insbe-
sondere im mathema-
tisch-naturwissen-
schaftl., technischen
Bereich
17. Defizite im Bereich
Aufstiegsfortbildung
18. Geringer Frauenanteil
an Führungskräften
7. Entwicklung als Wis-
senschaftsstandort und
Verbesserung des Bil-
dungssystems sowohl
im naturw.-techn. als
auch im geisteswissen-
schaftl. Bereich
8. Entwicklung einer Stra-
tegie zum Ausbau des
Dienstleistungssektors
auch zur Erhöhung der
Beschäftigungschancen
von Frauen
9. Transfer von Ergebnis-
sen aus Forschung und
Wissenschaft in Unter-
nehmen und Kooperati-
on vor allem von KMU
und Fachhochschulen
10. Ausbau praxisnaher
Aufstiegsqualifizierun-
gen für Fachkräfte (z.B.
BA)
11. Existenzgründungen
aus Hochschulen und
Forschungseinrichtun-
gen
12. Förderung von berufs-
begleitender Qualifizie-
rung zur Stabilisierung
des Fachkräftepotenzi-
als und somit zur Siche-
rung der Unterneh-
mensstruktur sowie des
erforderlichen Perso-
nalaufbaus bei Ansied-
lungs- und Erweite-
rungsvorhaben von Un-
ternehmen
13. Ausbau der Manage-
mentfähigkeiten von
KMU im FuE-Bereich
14. FuE-Unternehmens-
netzwerke
15. Berufs- und Karriere-
beratung für Studienin-
teressierte und Studie-
rende sowie Förderung
von Studierenden, Dok-
toranten, Graduierten-
schulen etc. und Aus-
bau grenzüberschrei-
tender und betriebsna-
her Studiengänge -
Vermeidung von Ab-
wanderung
9. Budgetrestriktionen
führen zu rückläufigen
Ausgaben für FuE-
Aktivitäten
10. Die Analyse weist auf
die Gefahr einer nicht
ausreichenden Stu-
dierendenzahl in
techn.-naturwiss.-
schaftl. Fächern hin
11. Abwanderung von
techn.-naturwiss.
Nachwuchs u. a. we-
gen Lohndifferenzen
zu D-West
12. Unzureichende Ko-
operation Wirtschaft-
Wissenschaft, unzu-
reichende Transferak-
tivitäten
13. Unzureichende Kon-
zentration auf Poten-
zialfaktoren
Fassung vom 26.02.2014
56

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
3.2.3
Analyse der Prioritätsachse C: Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung
sowie der sozialen Eingliederung von benachteiligten Personen
Stärken
Schwächen
Chancen
Risiken
Prioritätsach-
se C:
Bekämpfung
der Arbeitslo-
sigkeit / Lang-
zeitarbeitslo-
sigkeit
Einsatzfeld 6:
Verbesserung
des Zugangs
zu Beschäfti-
gung
Einsatzfeld 7:
Soziale Ein-
gliederung
von Benachtei-
ligten durch
Erhöhung der
Beschäfti-
gungsfähigkeit
Förderung der
Existenzgrün-
dung aus
Arbeitslosig-
keit
1. Hohe Mobilität von
Arbeitslosen und
Arbeitssuchenden
2. Aus der Analyse
geht hervor: Keine
Erhöhung der Ar-
beitslosigkeit der
Frauen, trotz stei-
gender AL der
Männer
3. Bislang hohe (fi-
nanzielle) Unab-
hängigkeit der ESF-
Förderung des
Landes von Bund
und BA
4. Ausdifferenzierte
Struktur von Bil-
dungsdienstleistern
5. Qualitätswettbe-
werb unter den Bil-
dungsdienstleistern
6. Hohe Relevanz des
Partnerschaftlich-
keitsprinzips
7. Hohe Akzeptanz
von Projekten zur
Förderung des bür-
gerschaftlichen En-
gagements seitens
Verbänden und ge-
förderten Personen
8. Erfahrungen mit
wirksamen Instru-
menten der nach-
haltig ausgerichte-
ten Förderung von
Existenzgründung
aus der Arbeitslo-
sigkeit
1. Verfestigung der LZA
vor allem von Frauen
und Älteren und damit
sozialer Desintegrati-
onsprozesse
2. Hoher Frauenanteil
an LZA lt. Analyse
3. Beschäftigungs-
wachstum im DL-
Bereich bisher unter-
durchschnittlich
4. Z.T. fehlende Verein-
barkeit von Familie
und Beruf vor allem
im ländl. Raum
5. Hoher Frauenanteil
an Teilzeit- und ge-
ringfügiger Beschäfti-
gung
6. Steigende Bedeutung
von „working poor“
7. Zunehmende Entwer-
tung der vielfach vor-
handenen guten for-
malen beruflichen
Qualifikationen von
Arbeitslosen, vor al-
lem bei Älteren
8. z.T. geringe Effektivi-
tät / Effizienz der bis-
herigen ESF-
Förderung
9. z.T. Qualitätsdefizite
beim WB-Angebot:
Zu wenig unterneh-
mensnah, zu geringer
Praxisbezug
10. Effektivitäts- und Effi-
zienzverluste durch
ineffiziente Allokation
von Teilnehmern zu
Förderinstrumenten
und fehlende inte-
grierte Förderkonzep-
te. Gefahr von „Dreh-
türeffekten“
11. Teilweise fehlende
von Unternehmen ak-
zeptierte Zertifizierung
v. Abschlüssen
12. Keine Strukturen zum
best practice-Transfer
in die Regelförderung
13. Unzureichendes „Pro-
filing“ bei der Grün-
derförderung führt zu
Mitnahmeeffekten u.
geringen Erfolgen, v.
a. Gründerzuschüs-
sen und beinhaltet die
Gefahr des Schei-
terns vieler Gründer
1. Chancen zum Abbau
der AL durch den de-
mografisch bedingten
Rückgang der Erwerb-
stätigen
2. Anhaltend hohe Er-
werbsneigung, v. a. von
Frauen
3. Bessere berufliche
Chancen der Frauen
durch bessere Verein-
barkeit von Familie und
Beruf
4. Anpassungsqualifizie-
rung in zukunftsträchti-
gen Bereichen von ge-
ring Qualifizierten und
Älteren zur Überwin-
dung der demografi-
schen Lücke
5. Zunehmende Tertiäri-
sierung erfordert ent-
sprechend qualifiziertes
Personal, sowohl bei
unternehmensbezoge-
nen als auch haus-
haltsbezogenen Dienst-
leistungen
6. Beschäftigungspotenzi-
ale im Dienstleistungs-
sektor auch für geringer
Qualifizierte
7. Zusätzliche Beschäfti-
gungsmöglichkeiten in
privaten / haushalts-
nahen Dienstleistungen
durch demogr. Wandel
(auch für gering Qualifi-
zierte)
8. Qualitätssicherung und
-entwicklung im WB-
Sektor
9. Innovative Ansätze zur
Ergänzung von SGB II
10. Verzahnung von "klas-
sischer“ Arbeitsmarkt-
förderung und Förde-
rung des bürgerschaftli-
chen Engagements
1. BIP-Wachstum geht
nicht mit Beschäfti-
gungswachstum ein-
her (jobless growth)
2. Zunehmender Wett-
bewerb durch MOL
und Arbeitskräftemig-
ration aus Osteuropa
ab 2011 verringert
Beschäftigungschan-
cen von gering Quali-
fizierten
3. Anhaltender Abbau
sozialvers.-pflichtiger
Beschäftigung
4. Weiterhin einge-
schränkte Vereinbar-
keit von Familie und
Beruf
5. Weitere Verfestigung
der LZA, insbes. für
Frauen und Ältere
sowie Personen ohne
berufliche Qualifikati-
on / Perspektivlosig-
keit und Marginalisie-
rung
6. Soziale Destabilisie-
rung durch steigen-
den Anteil junger
Langzeitarbeitsloser
7. Weiterer Rückzug der
BA aus der Förde-
rung/ „Creaming-
Effekte“ wg. Konzent-
ration auf leicht ver-
mittelbare AL
8. Nicht aufeinander
abgestimmte Förder-
strategien im SGB II
durch Dezentralisie-
rung
9. Nicht vorhersehbare
Entwicklungen im Be-
reich des SGB II kön-
nen erhebliche An-
passungen des OP
erfordern
10. Weitere Benachteili-
gung von Frauen auf
dem Arbeitsmarkt
11. Bestehende Lang-
zeitarbeitslosigkeit
der Frauen kann nicht
abgebaut werden
12. Verfestigung regiona-
ler Disparitäten
13. Auswirkungen auf den
Arbeitsmarkt aufgrund
von Veränderungen
auch im Öffentlichen
Dienst
Fassung vom 26.02.2014
57

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
3.3
Empfehlungen und Ansatzpunkte der Strategie
Ausgehend von der Sozioökonomischen Analyse, der SWOT-Analyse sowie den Ergebnis-
sen der Evaluation der ESF-Förderung in den Jahren 2000 - 2006 lassen sich für die künf-
tige Strategie folgende zentrale Empfehlungen und Ansatzpunkte herausarbeiten:
Der Freistaat Sachsen sollte bei seiner Strategie für die Jahre 2007 - 2013 besonderen
Wert auf den Ausbau der Stärken und die konsequente Nutzung der sich bietenden Chan-
cen legen, ohne dabei die offenkundigen Schwächen aus dem Auge zu verlieren. Aller-
dings muss die Beseitigung von Schwächen vor allem unter dem Gesichtspunkt der Prä-
vention verfolgt werden, d. h., es sollten nicht in erster Linie die Auswirkungen der Schwä-
chen kuriert, sondern deren Ursachen bekämpft werden.
Aus der Sozioökonomischen sowie der SWOT-Analyse ergeben sich insbesondere folgen-
de Handlungserfordernisse:
Die Herausforderungen des demografischen Wandels müssen konsequent an-
gegangen werden. Nachwuchsmangel und Fachkräftemangel - trotz hoher Ar-
beitslosigkeit - sowie Abwanderung sind hier die Stichworte.
Obwohl Sachsen als "Bildungsstandort" im deutschen und auch internationalen
Vergleich eine relativ günstige Position einnimmt, sind Schwächen unüberseh-
bar. Es zeichnet sich ab, dass jüngere - nachrückende Arbeitskräfte - teilweise
weniger gut qualifiziert sind als ältere. Versäumnisse im Bereich der Schul- und
Bildungspolitik sind auf Dauer nur mit sehr hohem finanziellen Aufwand zu besei-
tigen. Daher kann hier die Empfehlung nur lauten, im Sinne einer präventiven
Strategie in der ESF-Förderperiode 2007 - 2013 sollte das Ziel, die Chancen der
nachwachsenden Generation zu verbessern, mit im Zentrum der geplanten
Maßnahmen stehen. Eine solche Strategie zahlt sich langfristig sowohl durch ge-
ringere Aufwendungen für "Reparaturmaßnahmen" als auch durch eine generelle
Verbesserung des „Humankapitals“ aus.
Die Gesellschaft in Deutschland - vor allem auch in den neuen Ländern - ist nicht
zuletzt wegen der anhaltend hohen (Langzeit-)Arbeitslosigkeit von Erosionspro-
zessen bedroht. Die aktuelle Debatte über eine neue "Unterschicht" unterstreicht
dies nachdrücklich. Besonders bedenklich stimmt dabei die Tatsache, dass sozi-
ale Destabilisierung von Haushalten vielfach auch zu einer Chancenreduktion der
dort lebenden Kinder führt. Es ist daher - neben Maßnahmen zur sozialen In-
tegration von Langzeitarbeitslosen - dringend erforderlich, durch präventive
Maßnahmen Kinder und Jugendliche aus solchen Familien aus diesem Teufels-
kreis herauszuholen. Vor allem Ganztagsbetreuungsangebote und eine gute be-
rufliche Ausbildung sind hier nötig.
Der Freistaat Sachsen hat in den letzten Jahren beim Aufbau einer tragfähigen
und wettbewerbsfähigen Wirtschaft - insbesondere des industriellen Sektors - mit
seiner Clusterpolitik beachtliche Erfolge erzielt. Dieser Weg muss konsequent
weiterverfolgt werden. Dabei sind auch die Wirtschaftskräfte der großen und
kleinen regionalen Wirtschaftszentren gleichermaßen zu stärken, um die Chan-
cengleichheit unabhängig vom Wohnort zu ermöglichen. Erforderlich ist der ra-
Fassung vom 26.02.2014
58

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
sche Transfer von Ergebnissen von Wissenschaft und Forschung in Produkte,
Verfahren und Dienstleistungen. Der ESF sollte diesen Prozess durch Investitio-
nen in „Humankapital“ unterstützen. Es geht vor allem um den Transfer von Wis-
sen und Personal in die Wirtschaft, einschließlich Agrarsektor.
Fassung vom 26.02.2014
59

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4
Entwicklungsstrategie für den Programmzeitraum 2007-2013
4.1
Ansatzpunkte der künftigen Strategie für die arbeitsmarktliche Entwick-
lung
4.1.1
Herausforderung des Freistaates Sachsen
Die im Kapitel 1 vorgenommene sozioökonomische Analyse gibt einen guten Überblick
über die in Sachsen relevanten Gegebenheiten hinsichtlich Unternehmen, Arbeitsmarkt,
„Humankapital“ und soziale Eingliederung. Die SWOT-Analyse, die vom ex ante-Evaluator
erstellt wurde, stellt die in Sachsen vorliegenden Stärken, Schwächen, Chancen und Risi-
ken heraus. Allerdings erlauben die bisher analysierten Datenquellen der amtlichen Statis-
tik (Mikrozensus, Statistik der BA, Arbeitskreis Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung) nur
allgemeine Aussagen. Im folgenden Abschnitt werden die für die sächsische ESF-Strategie
maßgeblichen Herausforderungen vorgestellt, die fachspezifische Fragestellungen be-
schreiben, ohne ausschließlich auf statistische Daten abstellen zu können. Die aufgrund
dieser Herausforderungen einzuleitenden ESF-Aktionen werden anschließend in Kapitel
4.2 ausführlich dargestellt.
Der Freistaat Sachsen verfolgt weiterhin das Ziel, bis zum Jahr 2020 eine eigene tragfähige
Wirtschaft zu errichten. Die kommende Strukturfondsperiode hat einen entscheidenden
Einfluss auf diese Zielerreichung. Die Ausrichtung der Förderung auf den Aufbau einer ei-
genen wirtschaftlichen Basis bleibt daher weiterhin die grundlegende Herausforderung für
die auszugestaltende Strukturfondsperiode. Regionale Differenzierungen sollten bei der
Umsetzung des Operationellen Programms berücksichtigt werden.
4.1.1.1 Steigerung der Anpassungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Beschäf-
tigten und Unternehmen
Die eher kleinteilige Struktur der sächsischen Wirtschaft stellt einen der wesentlichen Un-
terschiede zu den anderen (west-)deutschen Bundesländern (vgl. Kapitel 1.1.4) dar. Kleine
Betriebe sehen sich einer Vielzahl von Nachteilen gegenüber. So ist ihre Finanzkraft in der
Regel weniger stark und der Zugang zu Fremd- und Eigenkapital erschwert. Neben diesen
finanziellen Restriktionen werden Investitionen in kleinen Unternehmen erschwert, da diese
erst ab einer bestimmten Mindestgröße bzw. -auslastung (Größennachteile) sinnvoll sind.
Dies trifft auch auf für die ESF-Förderung maßgebliche Investitionen ins „Humankapital“ zu.
Viele Unternehmen unterschätzen die Bedeutung des Humanpotenzials oder verfügen
nicht über die Strukturen, um eine vorausschauende Personalentwicklung zu betreiben.
Aus der Sicht der Fachkräfte wiederum sind die sächsischen Unternehmen aufgrund des
wesentlich niedrigeren Gehaltsgefüges weniger attraktiv, was die Suche vieler sächsischer
Unternehmen nach geeigneten Fachkräften erschwert.
Umfragen zeigen, dass exportierende Unternehmen im Durchschnitt mehr und sichere Ar-
beitsplätze bereitstellen, nicht exportierende Unternehmen hingegen durchschnittlich einen
Arbeitsplatzabbau aufweisen. Auf internationalen Märkten stehen sächsische Unternehmen
im
internationalen Wettbewerb
, d.h. sie müssen sich in der Konkurrenz mit anderen Un-
Fassung vom 26.02.2014
60

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
ternehmen aus dem In- und Ausland bewähren. Die durchschnittliche Exportquote sächsi-
scher Industriebetriebe (Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe) lag im Jahr 2004 bei rd.
30 %, während sie z. B. in Baden-Württemberg 45 % und in Rheinland-Pfalz rd. 46 % be-
trug. Ursächlich hierfür ist ein strukturelles Defizit im Unternehmensbesatz in Sachsen, d.
h. es sind hier anteilig mehr kleinere Unternehmen tätig als in den westlichen Bundeslän-
dern. Mit zunehmender Betriebsgröße steigt in der Regel auch die Exportaktivität. Erst
wenn ein Unternehmen die personellen Ressourcen für das erforderliche Know-how vorhal-
ten kann, wird es neue Märkte erschließen können.
Herausforderung 1
Qualifizierte Fachkräfte sind der wichtigste Faktor für den Erhalt und den Ausbau der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Sachsens. Nur mit einer ausreichenden Zahl an
gut qualifizierten Fachkräften können die Innovationsfähigkeit der Unternehmen ge-
steigert, die Wettbewerbsfähigkeit gesichert, das wirtschaftliche Wachstum angeregt
und mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.
Die Konkurrenz der hoch entwickelten Länder ist im Wesentlichen Innovationskonkurrenz.
Im Wettbewerb mit Anbietern aus Niedriglohnländern bieten innovative Fortschritte die bes-
ten Chancen, den Wettbewerbsnachteil "höhere Standortkosten" zu kompensieren und mit
neuen Gütern und effizienteren Produktionsverfahren am Markt zu bestehen. Das Potenzi-
al Sachsens im Bereich
Forschung und Entwicklung
(FuE) hat herausragendes Gewicht
in den neuen Ländern: 2005 kamen 35 % der Patentanmeldungen der ostdeutschen Flä-
chenländer aus Sachsen
11
. In 2004 arbeiteten mehr als 45 % aller FuE-Beschäftigten des
Wirtschaftssektors der neuen Länder (ohne Berlin) in Sachsen
12
. Das begünstigt auf Dauer
die Zukunftschancen Sachsens. Die bisherigen Potenziale in diesem Bereich sind dennoch
insgesamt unzureichend. So entfielen im Jahr 2004 in den neuen Bundesländern ca. 3,6
FuE-Beschäftigte auf 1.000 Erwerbstätige (Sachsen: 4,9). Der aktuellste verfügbare ge-
samtdeutsche Vergleichswert liegt mit ca. 7,9 mehr als doppelt so hoch
13
und macht die
nach wie vor erheblichen Potenzialdefizite deutlich. Zwar liegt der Anteil der regelmäßig
forschenden Unternehmen in den neuen Ländern über dem westdeutschen Durchschnitt,
doch erweist sich insbesondere die kleinbetriebliche Struktur in Sachsen als eine wesentli-
che Beschränkung bei der Gewinnung und Umsetzung neuer Forschungsergebnisse. Der-
zeit sind 94 % der FuE betreibenden Unternehmen in Sachsen KMU
14
. Das entspricht ei-
nem Anteil von ca. 65 % am FuE-Personalbestand der Wirtschaft. In Großunternehmen mit
über 500 Beschäftigten arbeiten dagegen lediglich 29 % des FuE-Personals (vgl. aber
Deutschland gesamt: 81 %). Dabei ist die Konzentration der FuE-Beschäftigten auf KMU in
Sachsen bereits weniger deutlich ausgeprägt als in den übrigen neuen Bundesländern
(Durchschnitt NBL: 71 %)
15
11
Deutsches Patent- und Markenamt: „Jahresbericht 2005".
12
EuroNorm GmbH, Entwicklung von FuE-Potenzialen im Wirtschaftssektor der neuen Bundesländer, Juli 2005, S. 5.
13
EuroNorm GmbH, Analyse der Forschungs- und Entwicklungspotenziale im Wirtschaftssektor des Freistaates Sachsen
2001 bis 2004, Plan 2005“, 2005, S. 7.
14
EuroNorm, ebd., S. 6.
15
EuroNorm, ebd, S. 8.
Fassung vom 26.02.2014
61

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Herausforderung 2
Vor dem Hintergrund der Verschärfung des internationalen Wettbewerbs mit immer
kürzeren Produktionszyklen sind höhere Forschungsintensitäten wesentliche Vo-
raussetzung für Wertschöpfung, Beschäftigung und Beschleunigung des sächsi-
schen Wirtschaftswachstums.
Die Entwicklung zur fortgeschrittenen Industriegesellschaft hat Deutschland in den 50er
Jahren geprägt. In Sachsen wurde nach der Wende ebenfalls an industrielle Traditionen
angeknüpft. Eine nur industriell dominierte Gesellschaft ist jedoch nicht der Endpunkt der
wirtschaftlichen Entwicklung. Die Tertiarisierung, also der Übergang von der Agrargesell-
schaft über die Industriegesellschaft bis hin zur Dienstleistungswirtschaft ist, auch in Sach-
sen, in vollem Gange. Dies heißt nicht, dass zukünftig Primär- und industrielle Produktion
verzichtbar sind. Innovationen, die Neuordnung von Wertschöpfungsketten und die zu-
nehmende internationale Arbeitsteilung eröffnen aber auch neue Wachstumschancen ge-
rade im Bereich
unternehmensnaher Dienstleistungen
. Für die
haushalts- und perso-
nennahen Dienstleistungen
ergeben sich ebenfalls gute Wachstumschancen, da hiermit
die Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Probleme der altern-
den Gesellschaft abgefedert werden können.
In Sachsen sind bereits rund 71 % der Erwerbstätigen, d. h. in 2005 über 1,3 Millionen
Menschen, in den verschiedenen Zweigen der Dienstleistungsbranche beschäftigt. Der An-
teil des Dienstleistungssektors an der Wertschöpfung beträgt rund 70 %. Die Branchen der
Dienstleistungswirtschaft sind nicht homogen, sondern äußerst vielfältig. Für die sächsi-
sche Dienstleistungswirtschaft sind folgende Aussagen von zentraler Bedeutung:
Verarbeitendes Gewerbe (Industrie) und unternehmensnahe Dienstleistungen
sind unterrepräsentiert. In Sachsen haben diese beiden Wirtschaftsbereiche nur
einen Anteil von insgesamt 46 % (Westdeutschland 54 %; in anderen Industrie-
nationen zum Teil weit über 50 %).
Ebenso konzentriert sich die Förderung von Innovationen in der Regel auf die
Forschung und Entwicklung (FuE) in Produkte. Andere Innovationsfelder wie Un-
ternehmensorganisationen, Prozessoptimierung und Dienstleistungsangebote im
Verbund mit Produkten werden vernachlässigt.
Eine Gesellschaft, die zunehmend altert, entwickelt neue Bedürfnisse. Für die
Dienstleistungswirtschaft ergeben sich dadurch neue Tätigkeitsfelder. Ebenso
bietet dies auch produzierenden Unternehmen neue Chancen, wenn sie ihre
Produkte mit Dienstleistungen kombinieren. Hier liegen somit Chancen für Ko-
operationen zwischen produzierenden Unternehmen und Dienstleistern.
60 % der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Dienstleistungssektor sind
Frauen. Die Dienstleistungswirtschaft bietet daher Frauen Perspektiven und kann
Abwanderung entgegenwirken.
Fassung vom 26.02.2014
62

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Herausforderung 3
Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der sächsischen Wirtschaft ist es not-
wendig, die Unternehmen des Dienstleistungssektors zu unterstützen. Die Dienst-
leistungswirtschaft bietet Beschäftigung sowohl für hoch qualifizierte (z.B. IT-
Bereich) als auch für weniger qualifizierte Personen (z.B. haushaltsnahe Dienstleis-
tungen).
Unternehmensgründungen
sind Ausdruck der Anpassung der Wirtschaft an den struktu-
rellen Wandel. Neue Unternehmen agieren in neuen Märkten und Technologiebereichen
und besetzen Marktnischen. Die Entwicklung des Gründungsgeschehens lässt damit auch
Rückschlüsse über die Innovationskraft einer Region zu. Zudem gleichen Neugründungen
das Ausscheiden alter Unternehmen aus dem Markt aus.
Nach einem Rückgang der Gewerbeanmeldungen im Freistaat Sachsen von 43.714 im
Jahr 1999 bis auf 35.681 im Jahr 2002 stieg die Zahl der Neugründungen in den Jahren
2003 bis 2005 deutlich an. In 2005 wurden in Sachsen mit 45.386 über 20 % mehr Gewer-
be angemeldet als noch im Jahr 1999. Diese positive Entwicklung des Gründungsgesche-
hens ist insbesondere auf den Einsatz neuer arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen ("Ich-
AG", "Überbrückungsgeld") zurückzuführen, die in Sachsen überdurchschnittlich in An-
spruch genommen wurden, und auf die Reform des Handwerksrechts. Allerdings sind
dadurch vor allem Gründungen speziell in Bereichen gefördert worden, die eine eher gerin-
ge Qualifikation erfordern.
16
Per Saldo wurden im Freistaat zwischen 1999 und 2005 insgesamt rd. 46.000 Gewerbe
mehr an- als abgemeldet. Im Vergleich zu den neuen Ländern entwickelte sich das Grün-
dungsgeschehen in Sachsen durchweg positiver. Der für die Jahre 1999 bis 2005 kumulier-
te Saldo aus An- und Abmeldungen lag in Sachsen mit 106,8 Nettoneuanmeldungen je
10.000 Einwohner um mehr als 50 % über dem ostdeutschen Vergleichswert (1999 bis
2005: 68,8). Die Selbstständigenquote in Sachsen erreichte damit 2005 fast den westdeut-
schen Durchschnitt.
Für den Bereich der wissens- und technologieorientierten Gründungen ergibt sich aller-
dings ein anderes Bild. Eine aktuelle Studie des ZEW belegt, dass das Gründungsgesche-
hen in diesem Bereich in Sachsen noch immer geringer als in Westdeutschland ist, wobei
sich die Gründerlücke in den vergangenen Jahren eher vergrößert hat
17
.
Herausforderung 4
Mithilfe von wissens- und technologieorientierten Unternehmensgründungen kann
die wirtschaftliche Dynamik Sachsens weiter ausgebaut werden.
16
Vgl. Aktualisierung der Halbzeitbewertung des OP zur Strukturfondsförderung des Freistaates Sachsen 2000 bis 2006,
Schwerpunkte 1 bis 3 (Los 1), Materialband, S. 9 f.
17
Quelle: ZEW, 2006, High-Tech-Gründungen in D: Trends und Entwicklungsperspektiven.
Fassung vom 26.02.2014
63

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.1.1.2 Verbesserung des Humankapitals
Im Zuge von Pisa ist in der deutschlandweit geführten Diskussion die Bedeutung schuli-
scher Bildung neu gewichtet worden. Durch Pisa ist deutlich geworden, dass die Grundla-
gen für erfolgreiches Lernen und damit auch für das Lebenslange Lernen in der individuel-
len Bildungsbiografie frühzeitig und konsequent gelegt werden müssen.
Die Ergebnisse sächsischer Schüler (dazu zählen auch die in Sachsen unterrichteten
Schüler aus dem übrigen Europa und aus anderen Ländern der Welt) bei den bisherigen
Pisa-Untersuchungen waren mit dem dritten Platz hinter Bayern und Baden-Württemberg
(Pisa 2000) und mit einem zweiten Platz (Pisa 2003) im nationalen Vergleich beachtlich.
Bei Pisa 2003 war zuletzt in allen untersuchten Bereichen eine deutliche Steigerung zu
verzeichnen, und im Ergebnis lag Sachsen weit über dem internationalen Durchschnitt.
Dabei wurde besonders positiv registriert, dass in Sachsen im Vergleich zu den anderen
deutschen Ländern die Leistungen der Schüler weniger stark von der sozialen Schichtzu-
gehörigkeit abhängen. Mit einem Anteil von 93 % der Durchschnittsaufwendungen pro
Schüler und einem Vergleichswert von 104,4 % der Schülerleistungen bei Pisa hat Sach-
sen eines der effizientesten Schulsysteme Deutschlands (siehe nachfolgende Abbildung).
Das Schulsystem in Sachsen hat in den zurückliegenden 15 Jahren inhaltlich mit dem An-
spruch der Leistungsorientierung und organisatorisch mit der in Deutschland lange Zeit
einmalig kurzen Zeit zum Erwerb des Abiturs Maßstäbe gesetzt. Die von sächsischen
Schülern in den zurückliegenden internationalen Leistungstests erzielten Ergebnisse haben
insgesamt bewiesen, dass Sachsen auf dem richtigen Weg ist.
Abbildung 5: Ausgaben und Pisa-Ergebnis im Bundesvergleich
80
90
100
110
BW
BY
BB
HB
HE
MV
NI
NW
RP
SL
SN
ST
SH
TH
Ausgaben
PISA-
Ergebnis
(Bildungsausgaben 2002 in % des Bundesdurchschnitts. Pisa-Ergebnisse in Naturwissenschaften 2003 in %
des OECD-Mittelwerts)
Einiges deutet jedoch vor allem im internationalen Vergleich darauf hin, dass in der Ent-
wicklung des „Humankapitals“ noch ungenutzte Ressourcen liegen, die mit Blick auf
Wachstum und Beschäftigung sowie auf die Gewährleistung des sozialen Zusammenhalts
der Gesellschaft ausgeschöpft werden müssen. Vor allem folgende Sachverhalte wirken
sich auf die weitere Entwicklung erschwerend aus:
Fassung vom 26.02.2014
64

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Die Zahl von 7.600 Wiederholern an allgemein bildenden Schulen allein im
Schuljahr 2005/06 ist zu hoch. Gemäß Pisa 2003 haben bereits 24 % der 15-
jährigen Schüler in Sachsen eine verzögerte Schullaufbahn.
Auch wenn sich in den vergangenen Jahren ein positiver Trend abzeichnet, ver-
lassen mit einem Anteil von 8,6 % noch immer zu viele Schüler das Schulsystem
ohne einen Abschluss (Bundesdurchschnitt 8,4 %), außerdem wird bis 2013 ein
erneutes Ansteigen dieser Quote auf 13 % prognostiziert.
Der Zusammenhang von sächsischen Schülerleistungen mit sozialer Herkunft ist
nach den Analysen von Pisa 2003 im deutschen Ländervergleich gering, aber vor
dem Hintergrund der von Ländern wie Japan, Kanada und Finnland erreichten
Ergebnisse insgesamt optimierbar.
Ungefähr 22 % der Beschäftigten verfügen nicht über eine abgeschlossene Be-
rufsausbildung.
Um die Ersatzquote Hochqualifizierter zu sichern, ist der derzeitige Anteil von
Absolventen mit Hochschul- bzw. Fachhochschulreife von 34 % deutlich zu ge-
ring.
Herausforderung 5
Um die Menschen auf die sich permanent ändernde Berufs- und Arbeitswelt vorbe-
reiten zu können, ist es notwendig, den Schulerfolg zu verbessern und dadurch ins-
besondere die Quote der Schüler ohne Abschluss zu senken und mehr Schüler zum
Abitur zu führen.
Die Situation der beruflichen Erstausbildung ist im Freistaat Sachsen durch die grundle-
gende Herausforderung gekennzeichnet, dass es am Lehrstellenmarkt weitaus mehr Be-
werber als betriebliche Ausbildungsplätze gibt. Dies wird durch einen sehr hohen Bestand
an Altbewerbern verschärft, die aufgrund schulischer und sozialer Defizite am Ausbil-
dungsmarkt benachteiligt sind. Die Tatsache, dass im Freistaat Sachsen derzeit mehr als
die Hälfte aller Erwerbspersonen ohne Berufsabschluss, arbeitslos und in den meisten Fäl-
len ohne Perspektive auf eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt ist, unterstreicht die
Bedeutung der beruflichen Erstausbildung. Eine abgeschlossene Berufsausbildung ist ent-
scheidend für Berufs- und Lebenschancen junger Menschen.
Darüber hinaus müssen angesichts des bestehenden Ausbildungspotenzials Maßnahmen
ergriffen werden, die dieses erschließen und zusätzliche betriebliche Ausbildungsplätze
schaffen. Dabei sind die besonderen Schwierigkeiten zu beachten, denen sich kleine Be-
triebe bei der Ausbildung gegenübersehen (z. B. hoher Aufwand für die Ausbildung). Mit
der Verbesserung der Qualität der Ausbildung soll ein Beitrag zur Modernisierung der
sächsischen Wirtschaft geleistet werden. Dies umfasst die Stärkung der Ausbildungskapa-
zitäten der Unternehmen, damit diese der zunehmenden Spezialisierung von Produkten
und Dienstleistungen Rechnung tragen können. Durch eine stärker spezialisierte Ausbil-
dung kann zugleich ein Beitrag zur Erhöhung der Zugangschancen der Auszubildenden
zum Arbeitsmarkt geleistet werden. Jugendlichen mit Ausbildungshemmnissen sollen dar-
über hinaus Auslandserfahrungen vermittelt werden, die ihre Integrationschancen auf dem
Arbeitsmarkt erhöhen. Weiterhin ist aufgrund des medizinischen Fortschritts und des de-
Fassung vom 26.02.2014
65

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
mografischen Wandels mit einem stetig wachsenden Gesundheits- und Sozialmarkt zu
rechnen, der auch erhöhte Anforderungen an die Qualifizierung des Personals erfordert.
Die Förderung einer praxis- bzw. betriebsnahen Berufsorientierung ist ein weiteres Ziel,
das sich aus der hohen Anzahl von Ausbildungsabbrüchen ableitet. Jugendliche orientieren
sich mehrheitlich anstatt an den Anforderungen des Berufs und dem wirtschaftlichen Be-
darf noch immer z.B. am Bekanntheitsgrad, dem sozialen Status, der vermuteten Arbeits-
platzsicherheit oder es werden geschlechtsspezifische Berufe ausgewählt. Ausbildungsab-
brüche sowie längere Orientierungsphasen bis zum Beginn einer Ausbildung sind die Fol-
ge. Durch die Förderung soll bereits frühzeitig eine Orientierungshilfe geschaffen werden.
Herausforderung 6
Die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen und die Verbesserung der Qualität der
beruflichen Erstausbildung sowie der Berufsorientierung bilden die Grundlage für
den erfolgreichen Start ins Berufsleben und zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit.
Die Hochschulen im Freistaat Sachsen haben neben ihren zentralen Aufgaben in der Pfle-
ge von Wissenschaft und Forschung auch den Auftrag, auf berufliche Tätigkeiten vorzube-
reiten, die die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse und Methoden fordern (vgl. § 4.
Abs. 1 SächsHG). Im Kontext des ESF tragen die Hochschulen im Rahmen ihrer Aufgaben
dazu bei, das Humankapital zu steigern und eröffnen damit die Chance, neue Beschäfti-
gungsoptionen in der wissensbasierten Wirtschaft zu generieren. Höheres Humankapital
führt zu einer stärkeren Innovationskraft in Sachsen, die damit ihrerseits Arbeitsplatzchan-
cen auch für den nicht-akademischen Bereich dauerhaft zu entwickeln vermag. Entspre-
chend bedeutsam ist es, angesichts der demografischen Entwicklung den Fachkräftebedarf
auf hochqualifiziertem, tertiärem Niveau konsequent in der strategischen Ausrichtung des
ESF zu berücksichtigen.
Ein Schlüssel zur Verminderung des drohenden Fachkräftemangels besteht darin, das bis-
her unzureichend entwickelte Angebot der tertiären Bildungseinrichtungen in der akademi-
schen Weiterbildung systematisch auszubauen und konkret auf ein Konzept zum Lebens-
langen Lernen auszurichten. Dabei sind Angebote der Hochschulen in der postgradualen
Bildung an der steigenden Nachfrage zu orientieren und zu nutzen, um vorhandene tertiäre
oder gleichwertige Qualifikationen den neuen Anforderungen entsprechend zu erweitern.
Aufgrund wirtschaftlicher Anforderungen wie inhaltliche Flexibilität, dezentrale und zeitliche
uneingeschränkte Verfügbarkeit etc. kommt insbesondere dem Einsatz der Informations-
und Kommunikationstechnologien eine enorme Bedeutung zu. So werden die von den Un-
ternehmen geforderten berufsbegleitenden Formen der Kompetenzerweiterung ermöglicht,
aber auch das Interesse der Fachkräfte an einer mit der Berufstätigkeit zu vereinbarenden
mediengestützten Qualifikation vor Ort unterstützt, was 80 Prozent der Fachkräfte wün-
schen.
Von der Stärkung der Kooperationen zwischen Hochschulen und den Unternehmen, als
auch der Berufsakademie mit ihren Praxispartnern, müssen deutlichere Impulse zur Ver-
besserung des Humankapitals und der Innovationskraft ausgehen. Dabei gilt es auch, un-
ternehmerisches Denken und Forschergeist insbesondere in postgradualen Studiengängen
stärker zu verankern.
Fassung vom 26.02.2014
66

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Herausforderung 7
Zur Sicherung der Lissabon- und Barcelona-Ziele sowie vor dem Hintergrund des
demografisch bedingten Fachkräftebedarfs kommt der Förderung postgradualer
Hochschulbildung, Stärkung der tertiären Bildungseinrichtungen und des Wissens-
transfers zwischen Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen eine besondere
Bedeutung zu.
4.1.1.3 Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung sowie der sozialen Eingliede-
rung von benachteiligten Personen
Durch die Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe haben in Deutschland
zusätzlich 700.000 Menschen den Arbeitslosenstatus bekommen. Neben bislang nicht als
arbeitslos registrierten Sozialhilfeempfängern wurden auch die "erwerbsfähigen" Partner
von ALG-II-Beziehern in die Arbeitslosenstatistik aufgenommen. Damit ist der Personen-
kreis, der in den Arbeitsmarkt einzugliedern ist, größer geworden. Größer ist aber auch der
Kreis derer geworden, die eine geringe Arbeitsmarktnähe aufweisen. Dabei geht es nicht
nur um das Problem der Erhöhung der Zahl der formal gering Qualifizierten. Hinzu kommt
eine große Zahl von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern mit einem beruflichen Ab-
schluss, der aufgrund ihrer Langzeitarbeitslosigkeit aber weitgehend entwertet wird. Hier
sind die bisher im Rahmen der Grundsicherung für Arbeitslose eingeführten Grundsätze
des Förderns und Forderns bisher weitgehend wirkungslos geblieben.
Die Agenturen für Arbeit, ARGE’n und Optionskommunen stehen nicht nur aufgrund der
seit Einführung der Arbeitsmarktreformen stark gestiegenen Zahl von Hilfeempfängern vor
großen Herausforderungen. Vielmehr haben die Arbeitsmarktreformen in Deutschland da-
zu geführt, dass in Deutschland ein höherer Anteil an Personen als erwerbsfähig und inte-
grierbar gilt als in vergleichbaren anderen europäischen Ländern, wie z. B. den Niederlan-
den, Großbritannien, Dänemark oder Schweden. Nach Schätzungen von sächsischen
ARGE’n gibt es mittlerweile eine große Zahl von Menschen, die zwar formal als erwerbsfä-
hig dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, aber aufgrund von Qualifikationsdefiziten (feh-
lender Schulabschluss, mangelnde Grundkenntnisse, keine verwertbare berufliche Qualifi-
zierung etc.) und persönlichen Einschränkungen (keine Tagesstruktur, mangelhafte soziale
Integration) selbst bei durchgreifender Verbesserung der Arbeitsmarktsituation äußerst ge-
ringe Chancen haben, einen ungeförderten Arbeitsplatz zu finden. Aufgrund der hohen Ar-
beitslosigkeit und den geringen Vermittlungsaussichten wird dieser Personenkreis häufig
nur unzureichend aktiviert, was die Vermittlungsaussichten wiederum weiter verschlechtert.
Die Arbeitsmarktsituation in Sachsen weist im Unterschied zu den klassischen Arbeits-
marktentwicklungen in den alten Ländern auch mehr als 15 Jahre nach der Wende im Ver-
gleich zu den alten Ländern noch strukturelle Unterschiede auf, die bei politischen Ent-
scheidungen, besonders auch für den Einsatz des ESF zu beachten sind:
Die Arbeitslosenquote beschreibt unverändert nur die offene Arbeitslosigkeit,
nicht das Gesamtproblem. Die so genannte Unterbeschäftigungsquote
18
war trotz
18
Hierbei handelt es sich um Arbeitslose, Arbeitsbeschaffungs- und Strukturanpassungsmaßnahmen, Qualifizierung,
Beschäftigung schaffende Infrastrukturmaßnahmen, Arbeit für Langzeitarbeitslose, Arbeitsgelegenheiten, spezielle
Maßnahmen für Jüngere, Freie Förderung, Regelungen für Ältere (§ 438 SGB II) in Prozent aller Erwerbspersonen.
Fassung vom 26.02.2014
67

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
der starken Reduzierungen bei arbeitsmarktentlastenden Maßnahmen in den
letzten Jahren noch gut sechs Prozentpunkte höher als die für 2005 ausgewie-
sene Arbeitslosenquote
19
von 18,3 %. Entscheidungen zum Einsatz von Förder-
mitteln verlangen die Offenlegung der Entwicklungen bei den Instrumenten der
aktiven und passiven Arbeitsmarktpolitik, einschließlich des Wanderungs- und
Pendlerverhaltens. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse sind mit Tendenzen ei-
ner sich vergrößernden stillen Reserve i. e. S.
20
abzugleichen. Über die Daten zur
Entwicklung des Arbeitslosengeldes II hinaus dokumentieren sich hierin zum ei-
nen besonders die Tendenzen zur Verstärkung der Langzeitarbeitslosigkeit, die
es zu bekämpfen gilt. Zum anderen werden dadurch Potenziale sichtbar, die an-
gesichts der demografischen Entwicklung nach 2015 zusätzliche Anstrengungen
für die Aktivierung von Erwerbspersonenpotential erfordern.
Nach Prognosen des Statistischen Landesamtes Sachsen werden sich in den
nächsten Jahrzehnten bedeutende Veränderungen in der altersmäßigen Zu-
sammensetzung einer sich verringernden Bevölkerung in Sachsen ergeben. Da-
bei gibt es in den ländlichen und städtischen Regionen unterschiedliche Entwick-
lungen, auch zwischen den ostdeutschen Ländern. Bei einer weiteren Abnahme
der Bevölkerung wird diese immer älter. Bereits ab 2007 verringert sich die Zahl
der Schulabgänger stark.
Der Transformationsprozess in Ostdeutschland ist noch nicht abgeschlossen.
Die Nachwirkungen der in einer Beschäftigungsgesellschaft erfahrenen Soziali-
sation vergrößern unverändert das Erwerbspersonenangebot auf dem Arbeits-
markt. Etwa 40 % des heutigen Erwerbspersonenpotenzials war 1990 bereits 30
Jahre und älter und hat somit in der Beschäftigungsgesellschaft DDR eine ande-
re Sozialisation erfahren, als das für die alten Länder bekannte Erwerbsperso-
nenpotenzial. Gleichzeitig beeinflussen die Prozesse der Individualisierung und
der verstärkten Bildungsbeteiligung von Frauen sowie ein in Ostdeutschland ins
Stocken geratener Angleichungsprozess das Erwerbsverhalten. Knapp ein Fünf-
tel der in Ostdeutschland vorhandenen Arbeitslosigkeit ist aufgrund der höheren
Erwerbsneigung von Frauen der so genannten Transformationsarbeitslosigkeit
zuzurechnen, die unabhängig von wirtschaftlichen Entwicklungen existiert. Dies
birgt die besondere Gefahr der sozialen Ausgrenzung in sich. Vergleicht man die
Entwicklungen bei der Erwerbstätigenquote und bei der Erwerbspersonenquote
nach Altersgruppen, zeigen sich die Auswirkungen der unterschiedlich erfahre-
nen Sozialisationen. Für Westdeutschland wirkt sich das dort stärker anzutref-
fende Modell der Versorgungsehe aus, in Ostdeutschland wirken besonders die
Folgen der früheren Beschäftigungsgesellschaft. Das gilt besonders für die Al-
tersgruppen derer, die 1990 über 30 Jahre alt waren und damit vollständig in der
DDR sozialisiert wurden (Abschluss der beruflichen Ausbildung und Aufnahme
einer Beschäftigung).
In Sachsen gibt es nach der amtlichen Statistik im Vergleich zu den alten Län-
dern noch vergleichsweise wenig Arbeitslose ohne schulischen oder fachlichen
Abschluss. Dies ist eine Folgewirkung des früheren DDR-Bildungssystems, das
19
Arbeitslose in Prozent aller zivilen Erwerbspersonen.
20
Dabei handelt es sich nach IAB-Definition um nichterwerbstätige Personen, die nicht arbeitslos gemeldet und nicht in
arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen aufgefangen sind, die aber unter den gegebenen oder günstigeren Bedingungen
arbeiten möchten.
Fassung vom 26.02.2014
68

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
vor allem auf formale Abschlüsse zielte, die teilweise auch in Anerkennungsver-
fahren erworben werden konnten. Diese Feststellung darf jedoch nicht verdrän-
gen, dass inzwischen durch das hohe Ausmaß von Langzeitarbeitslosigkeit viele
frühere berufliche Abschlüsse entwertet sind.
Bei den nach 1990 sozialisierten Jahrgängen existieren inzwischen fast gleiche
Verhältnisse wie in den alten Ländern, wenn man von den dortigen Sonderein-
flüssen durch Arbeitslose mit Migrationshintergrund absieht.
Mit der Zusammenführung von Sozial- und Arbeitslosenhilfe traten in den neuen
Ländern für mehr Personen Verschlechterungen ein als in den alten Ländern, da
in Ostdeutschland die Zahl der Sozialhilfeempfänger vergleichsweise gering war.
Dafür gab es hier mehr Empfänger von Arbeitslosenhilfe, für die die Bedürftig-
keitsprüfung verschärft wurde. Angesichts der Tatsache, dass in Sachsen die
Erwerbsneigung besonders hoch ist und bisher nur wenig freie Arbeitsplätze zu
besetzen sind, nimmt der Anteil der unteren Einkommensgruppen stärker zu. Für
die Arbeitslosenversicherung gilt seit Jahren, dass die Ausgaben der Bunde-
sagentur für Arbeit in Sachsen im Rechtskreis des SGB III nur zu einem Drittel
durch Beitragsleistungen von in Sachsen tätigen Arbeitnehmern und Arbeitge-
bern gedeckt sind.
Herausforderung 8
In Sachsen ist zur Aktivierung von Langzeitarbeitslosen und damit auch zur Stär-
kung des sozialen Zusammenhalts ein differenziertes Integrationsangebot zur Verfü-
gung zu stellen.
Die demografische Entwicklung stellt mit einer bisher nie da gewesenen Komplexität eine
der wesentlichen Herausforderungen unserer Gesellschaft dar. Bei einem zu erwartenden
Bevölkerungsrückgang bis 2020 um ca. 15 % wird der Anteil der erwerbstätigen Bevölke-
rung um 25 % sinken. Einem Fachkräftemangel wird gleichzeitig eine hohe Arbeitslosigkeit
im niedrigqualifizierten Bereich gegenüberstehen. Hinzu kommt eine territorial differenzierte
demografische Entwicklung zwischen Verdichtungsgebieten und ländlichen Räumen. Die
demografische Entwicklung wird gravierende Veränderungen in den weitestgehend an den
Arbeitslohn gekoppelten Sozialsystemen mit sich bringen. Die Rolle des vor allem regulie-
renden und umverteilenden Staates wird sich verändern. Sozialpolitik hat vor diesem Hin-
tergrund die Aufgabe, sowohl die soziale Integration aller Menschen zu gewährleisten –
dies umfasst auch die ehrenamtliche Arbeit - als auch den Sozialschutz - definiert als die
Gesamtheit der bestehenden kollektiven Transfersysteme - zu modernisieren, um vor sozi-
alen Risiken
21
zu schützen.
Auch wenn der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund derzeit im Freistaat Sach-
sen relativ gering ist, sind Maßnahmen durchzuführen, die die soziale Integration dieser
Personengruppe verstärkt. Durch sie kann ihr Integrationsprozess in unsere Gesellschaft
verbessert und zeitnah abgeschlossen werden. Die ein Mehrfaches der hierfür erforderli-
chen Aufwendungen betragenden gesellschaftlichen Folgekosten einer fehlgeschlagenen
oder unzureichenden Integration werden dadurch vermieden.
21
Z. B. Alter, Ruhestand und altersbedingte Abhängigkeit, Tod des Ernährers, Erwerbsunfähigkeit, Krankheit, Mutter-
schaft, Versorgung unterhaltsberechtigter Kinder, Arbeitslosigkeit, Betreuung gebrechlicher älterer, behinderter oder
kranker Angehöriger.
Fassung vom 26.02.2014
69

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Zunehmender wirtschaftlicher Druck sowie tief greifende ökonomische, soziale und techni-
sche Veränderungen kennzeichnen die derzeitige Situation des Arbeitsmarktes. Die stei-
gende Konkurrenz der Erwerbslosen um die vorhandenen Arbeitsplätze im niedrig qualifi-
zierten Bereich trifft insbesondere Langzeitarbeitslose und Menschen, deren Lebensläufe
"Brüche", wie beispielsweise Haftzeiten, aufweisen. Zwei Drittel der Erwachsenen und fast
neun von zehn jugendlichen Gefangenen haben keine berufliche Qualifikation, wenn sie
ihre Haft antreten. Viele waren vor der Inhaftierung beschäftigungslos. Haftentlassene, die
einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen, sind selten ausreichend auf die Anforderun-
gen des Arbeitslebens vorbereitet. Andauernde negative Erfahrungen bei der Arbeitssuche
bzw. Ängste aufgrund des Fehlverhaltens in der Vergangenheit führen zu Rückzugsten-
denzen. Folgeerscheinungen wie Überschuldung, Abhängigkeiten und eine instabile sozia-
le Gesamtsituation lähmen die Betroffenen in ihren beruflichen Integrationsbemühungen
zusätzlich.
Herausforderung 9
Die soziale Integration aller Menschen erfolgt über verbesserten Chancen des Zu-
gangs zu Beschäftigung.
4.1.1.4 Chancengleichheit von Frauen und Männern
Die Bemühungen um die Schaffung von Voraussetzungen für einen gleichberechtigten Zu-
gang von Frauen und Männern zum Arbeitsmarkt werden intensiviert. Frauen sind im Frei-
staat Sachsen insbesondere von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen
22
. Frauen, aber auch
Männer, müssen bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf unterstützt werden. Für die
erleichterte Vereinbarkeit von Familie und Beruf (im Sinne von Aufnahme und Ausweitung
von Berufstätigkeit sowie von Erhaltung der Arbeitsfähigkeit durch Flexibilität und Motivati-
on im Beruf) ist die Möglichkeit, pädagogisch wertvolle Betreuung für Kinder im betreu-
ungsbedürftigen Alter über den Unterricht hinaus in Anspruch nehmen zu können, erforder-
lich. Der Anteil von Frauen in zukunftsorientierten technischen Berufen soll gesteigert wer-
den. Das besondere Potenzial von Frauen muss auch vor dem Hintergrund des drohenden
Fachkräftemangels mit speziellen Maßnahmen gefördert werden. Es wird auch angestrebt,
die Beschäftigungsfähigkeit von Frauen mit besonderen Vermittlungshemmnissen zu erhö-
hen. Die Chancengleichheit von Frau und Mann ist als Querschnittsziel verankert. Darüber
hinaus sind spezielle Maßnahmen zum Abbau geschlechter(gender)bezogener Benachtei-
ligungen am Arbeitsmarkt in allen Prioritätsachsen vorgesehen.
Herausforderung 10
Um die EU-Vorgaben zur angestrebten Frauenerwerbsquote zu erreichen und den
vereinbarten frauenpolitischen Eckpunkten im Freistaat Sachsen zu entsprechen, ist
geschlechter(gender)bedingten Benachteiligungen durch zusätzliche gezielte Maß-
nahmen entgegenzuwirken.
22
Quelle: Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung, Arbeitsmarkt im September 2006.
Fassung vom 26.02.2014
70

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Die Chancengleichheit von Frauen und Männern ist die wichtigste Dimension der Chan-
cengleichheit und wird in der nächsten Förderperiode besonders unterstützt. Die weiteren
Bereiche der Chancengleichheit wie Abbau der Benachteiligung aufgrund des Alters, der
Beschäftigungshemmnisse von Migranten und Behinderten werden ebenfalls punktuell
über den ESF gefördert (s. Kap. 4.2.4.1 und 4.2.4.2). Aufbauend auf das für Behinderte
und Migranten vorhandene Basisangebot z.B. für Behinderte nach SGB IX, wird der ESF –
unter Beachtung der Zusätzlichkeit – weiterführende Maßnahmen im Rahmen der zur Ver-
fügung stehenden Mittel ermöglichen.
4.1.1.5 Zusammenfassung: Herausforderungen in Sachsen
Chancengleichheit von Frauen und Männern
Herausforderungen
in Sachsen
Verbesserung
des
Humankapitals
Anpassungs-
und
Wettbewerbsfä-
higkeit
Beschäftigung
und soziale
Eingliederung
Qualifizierte
Fachkräfte
Bildungsbiografie
erfolgreich
gestalten
Integrations-
Angebote für
Arbeitslose
Höhere
Forschungs-
intensität
Berufliche
Erstausbildung
Soziale Integration
und Zugang zu
Beschäftigung
Dienstleistungs-
wirtschaft
aufbauen
Stärkung der
Hochschulen
und des
Wissenstransfers
Wissens- und
technologieorien-
tierte Gründungen
steigern
Prioritäts-
achse A
Prioritäts-
achse B
Prioritäts-
achse C
Fassung vom 26.02.2014
71

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.1.2
Strategische Ziele des ESF in Sachsen
Die strategischen (übergreifenden) Ziele der zukünftigen ESF-Förderung ergeben sich aus
der bereits vorgestellten sozioökonomischen Analyse und den sächsischen Rahmenbedin-
gungen und Herausforderungen. Gleichzeitig müssen die Ziele im Einklang mit den ein-
schlägigen Verordnungen (ESF-VO, Allgemeine Strukturfonds-VO) und den politischen
Leitlinien der Europäischen Beschäftigungsstrategie stehen. Der Freistaat Sachsen hat
sich zur Ausgestaltung der neuen Förderperiode auf folgende Ziele verständigt:
1.) Bewältigung des demografischen und wirtschaftlichen Wandels
Die ESF-Förderung soll darauf ausgerichtet sein, den wirtschaftlichen und demografischen
Wandel zu bewältigen. Dazu dienen insbesondere Maßnahmen, die darauf ausgerichtet
sind, die Erwerbsbeteiligung - vor allem der älteren Arbeitnehmer und Frauen - zu erhöhen.
Von entscheidender Bedeutung wird es dabei auch sein, die Abwanderung von jungen, gut
ausgebildeten Arbeitskräften und jungen Frauen zu verhindern. Allerdings muss dabei be-
rücksichtigt werden, dass die Abwanderung ganz maßgeblich vom Arbeitsplatzangebot und
dem Gehaltsgefüge abhängt. Über ESF-unterstützte Weiterbildung- und Beschäftigungs-
möglichkeiten können die Nachteile des sächsischen Arbeitsmarktes lediglich vermindert,
aber die Wanderungsbewegungen nicht gänzlich verhindert werden. Der Unternehmens-
sektor erlebt in der nächsten Förderperiode aufgrund der anstehenden Wechsel in der
Führungs- und Eigentümerstruktur tief greifende Veränderungen.
2.) Arbeitnehmer und Unternehmen auf neue Bedingungen einstellen
Der wirtschaftliche und soziale Wandel sowie der technische Fortschritt verlangen eine
permanente Anpassungsfähigkeit der Wirtschaftsteilnehmer. Der Schlüssel zur Steigerung
der Anpassungsfähigkeit und der Wettbewerbsfähigkeit ist dabei das Lernen. Die Steige-
rung der Anpassungsfähigkeit ist das Ziel, um den wirtschaftlichen und sozialen Wandel zu
antizipieren und zu bewältigen.
3.) Bildung, Ausbildung und Forschung zukunftsfähig gestalten
Eine nachhaltige Gestaltung der ESF-Förderung liegt in einer Verbesserung der Bildung
und Ausbildung des „Humankapitals“. Die Maßnahmen im Bildungswesen setzen in einer
frühen Phase der Erwerbsbiografie an, um den Eintritt in die Berufsausbildung zu erleich-
tern bzw. eine Benachteiligung im späteren Erwerbsleben zu verhindern und um aufwändi-
ge Ausgleichsmaßnahmen zu vermeiden. Die Bereitstellung eines Ausbildungsplatzes für
jeden ausbildungswilligen Jugendlichen bleibt wie auch bisher eine wichtige Aufgabe.
Zu dieser Nachhaltigkeit gehört es auch, die zentrale Aufgabe der Entwicklung des Hu-
mankapitals im Bereich der hochqualifizierten Arbeitnehmer sicherzustellen. Um die Ziele
der Lissabon-Strategie zu realisieren, gilt es, das für eine nachhaltige Entwicklung der
sächsischen Wirtschaft notwendige Humankapital zu entwickeln und weiterzubilden. Dazu
gehört die Förderung des Wissens- und Know-how-Transfers sowie der Ausbau der Leis-
tungsfähigkeit tertiärer Bildungseinrichtungen, aus denen die Grundlagen für eine wis-
sensbasierte Wirtschaft sowie entsprechende Innovationspotenziale durch Humankapital
und Forschungsergebnisse erwachsen. Diese Komponenten sichern wesentlich die Be-
Fassung vom 26.02.2014
72

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
schäftigungsmöglichkeiten geringer qualifizierter Arbeitnehmer aus den dualen Ausbil-
dungssystemen.
4.) Mehr Menschen an Beschäftigung heranführen
Die Maßnahmen sollen geeignet sein, die soziale Eingliederung zu stärken, die Ausgren-
zung aus dem Arbeitsmarkt (und damit der Gesellschaft) zu verhindern und die Integration
benachteiligter Menschen zu unterstützen. Benachteiligte (im Sinne der ESF-VO) sind
Langzeitarbeitslose, Schulabbrecher, sozial Ausgegrenzte, Minderheiten sowie Behinderte.
Die Integration in den ersten Arbeitsmarkt und die Ausrichtung am unternehmerischen Be-
darf sind dabei vorrangig zu beachten. Gleichzeitig wird aber anerkannt, dass für viele
Menschen in Sachsen aufgrund ihrer Langzeitarbeitslosigkeit eine dramatische Arbeits-
marktferne entstanden ist. Die Integration dieser Arbeitslosen bedarf besonderer Anstren-
gungen.
Eine Folge der Langzeitarbeitslosigkeit ist das höhere Armutsrisiko (vgl. Kapitel 1.4) der
Betroffenen und ihrer Familienangehörigen. Gerade in den ostdeutschen Bundesländern ist
aufgrund der höheren Arbeitslosigkeit die Armutsrisikoquote besonders hoch. Die Möglich-
keiten des ESF sind hierbei allerdings begrenzt. Der ESF kann hier über die bereits von
den Trägern der Grundsicherung bereitgestellten Angebote (Zusätzlichkeit) hinaus, für ei-
nige Langzeitarbeitslose Integrationsprojekte anbieten. Eine direkte Beeinflussung der Ein-
kommensverteilung ist über den ESF nicht möglich.
5.) Nachhaltigkeit (ökologisch, ökonomisch und sozial)
Mit der Förderung der Nachhaltigkeit wird ein zentrales Anliegen der EU aufgegriffen. Die
Maßnahmen der künftigen ESF-Förderung untersetzen die Ziele der Göteborg-Strategie
und unterstützen alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Durch die grundsätzliche Aus-
richtung des ESF stehen dabei die sozialen Aspekte der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Die
ökonomische Nachhaltigkeit wird vor allem durch die Investitionen in das „Humankapital“
gefördert, weil dadurch eine wesentliche Grundlage für Innovation und dauerhaftes Wirt-
schaftswachstum geschaffen wird. Die ökologische Nachhaltigkeit kommt beim ESF vor
allem in den Bereichen der Bildung zum Tragen. Im Bildungsbereich soll nicht nur das
Umweltbewusstsein als Voraussetzung für ökologisch nachhaltiges Handeln, sondern auch
die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung im Arbeitsleben vermittelt werden.
6.) Chancengleichheit von Frauen und Männern
Chancengleichheit von Frauen und Männern knüpft aus dem Blickwinkel der EU-
Strukturfonds an der Teilhabe beider Geschlechter im Arbeitsprozess an. Die Erwerbs-
chancen von Frauen sind schlechter als die der Männer. Damit ist auch die Teilhabe an
gesellschaftlichen Prozessen zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt. Der ESF wird
einen Beitrag dazu leisten, einen Ausgleich herzustellen. Gleichzeitig erfordert der demo-
grafische Wandel gerade eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen; daher ist ein be-
sonderes Augenmerk auf eine verstärkte Integration von Frauen in den Erwerbsprozess zu
richten.
Diese Ziele stehen nicht unverbunden nebeneinander, vielmehr handelt es sich bei den
Zielen 1), 5) und 6) um Querschnittsziele, die gleichzeitig mit den drei speziellen Zielen be-
achtet werden. Folgende Abbildung soll den Zusammenhang verdeutlichen:
Fassung vom 26.02.2014
73

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Abbildung 6: Ziele des ESF
Arbeitnehmer und
Unternehmen auf
neue Bedingungen
einstellen
Bildung,
Ausbildung und
Forschung
zukunftsfähig
gestalten
Mehr Menschen
an Beschäftigung
heranführen
Querschnittsziele
Bewältigung des
demografischen
und
wirtschaftlichen Wandels
Chancengleichheit
für Frauen und Männer
Nachhaltigkeit
(ökologisch, ökonomisch und sozial)
4.1.3
Kohärenz der Strategie mit den regionalen, nationalen und Gemeinschaftspo-
litiken
Deutschland hat mit dem im Dezember 2005 vorgelegten Nationalen Reformprogramm
(NRP) seinen Beitrag zur Umsetzung der Integrierten und damit auch Beschäftigungspoliti-
schen Leitlinien erbracht. Die Handlungsfelder des NRP skizzieren die Bereiche, in denen
die Bundesregierung besondere Aktionen anstrebt. Für den Interventionsbereich des ESF
sind das die Felder "Wissensgesellschaft ausbauen" und "Arbeitsmarkt auf neue Heraus-
forderungen ausrichten - demografischen Veränderungen begegnen."
Der Nationale Strategische Rahmenplan (NSRP) der Mitgliedstaaten orientiert sich an den
Strategischen Leitlinien der Kohäsionspolitik. Das für den Einsatz des ESF relevante Ent-
wicklungsziel des NSRP lautet "Arbeitsmarkt auf neue Herausforderungen ausrichten -
mehr und bessere Arbeitsplätze". Zu diesem Ziel wurden im NSRP thematische Prioritäten
und strategische Ansatzpunkte festgelegt.
Die Förderungen im Rahmen des OP werden einen Beitrag zu den vom Europäischen Rat
formulierten übergeordneten Zielen der Europäischen Beschäftigungsstrategie sowie den
Prioritäten und Leitlinien der Kohäsionspolitik leisten. Wieder Vollbeschäftigung zu errei-
chen und die hohe Arbeitslosigkeit mit ihren vielfältigen negativen Auswirkungen auf die
sozialen Sicherungssysteme abzubauen, ist das wichtigste wirtschafts- und arbeitsmarktpo-
litische Ziel des Freistaates Sachsen wie der Bundesrepublik Deutschland.
Die Abstimmung der aus dem OP unterstützten Maßnahmen mit anderen nationalen För-
derprogrammen erfolgt im nationalen Rahmen durch Leitlinien, Förderkonzepte und Richt-
linien. Dadurch wird deren Kohärenz sowohl hinsichtlich der regionalen Ausrichtung, als
auch der Förderinhalte gewährleistet. Durch die hinreichend bestimmte Fassung der För-
dertatbestände, insbesondere durch die Verwendung möglichst einheitlicher Begriffe und
einem ähnlichen Grad an Abstraktion, wird die Transparenz erhöht. Vergleichbar den Vor-
gaben, wie sie für die Erarbeitung der Operationellen Programme gelten, sollen für alle
Förderbereiche auf der Grundlage sozioökonomischer Eckpunkte auf die einzelnen Ein-
Fassung vom 26.02.2014
74

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
satzfelder bezogene Ziele und Instrumente definiert und geeignete Ergebnis und Wirkungs-
indikatoren festgelegt werden. Dabei ist die jeweils gewählte Strategie insbesondere in
Hinblick auf die zentralen Prioritäten im Freistaat Sachsen und der Gemeinschaft zu prü-
fen.
Die folgende Übersicht setzt die aus den sächsischen Herausforderungen abgeleiteten Zie-
le des ESF (s. Abschnitt 4.1.1) mit den nationalen Handlungsfeldern, thematischen Prioritä-
ten und strategischen Ansatzpunkten in Verbindung.
Abbildung 7: Herausforderungen und Ziele der ESF-Förderung
Strategische
Leitlinien
Strategisches Ziel der deutschen
Entwicklungsstrategie:
Arbeitsmarkt auf neue Herausforderungen ausrichten -
mehr und bessere Arbeitsplätze
Ziele der ESF-Förderung
in
Sachsen
Handlungsfelder
des
NRP
in D
Thematische Prioritäten im deutschen
NSRP
für das Ziel
Konvergenz
Steigerung der
Anpassungsfä-
higkeit und Wett-
bewerbsfähigkeit
von Unternehmen
und Beschäftig-
ten
Verbesserung
des Humankapi-
tals
Verbesserung
der Arbeits-
marktchancen
und Integration
benachteiligter
Personen
Strategische Ansatzpunkte
Wissensgesell-
schaft ausbauen
-
Bildungssysteme
stärken
-
Durch Lebenslan-
ges Lernen Wett-
bewerbsfähigkeit
stärken
Arbeitsmarkt auf
neue Herausforde-
rungen ausrichten -
demografischen
Veränderungen
begegnen
-
Strukturreformen
am Arbeitsmarkt
umsetzen
-
Arbeitsmarktpolitik
demografiefest
gestalten
-
Anpassungs- und
Beschäftigungs-
fähigkeit am Ar-
beits-markt stär-
ken
-
Vereinbarkeit von
Familie und Beruf
verbessern
-
Verstärkung
des Lebenslan-
gen Lernens
-
Erhöhung der
Weiterbil-
dungsbeteili-
gung von Be-
schäftigten in
KMU
-
Förderung von
Existenzgrün-
dern und Ver-
breitung des
Unternehmer-
geistes
-
Gezielte bil-
dungspolitische
Bemühungen
im Kontext des
demografischen
Wandels
-
Erweiterung
des Ausbil-
dungsangebo-
tes auch au-
ßerhalb des be-
trieblichen Kon-
textes
-
Verbesserung
der allgemeinen
und beruflichen
Aus- und Wei-
terbildung zu-
gunsten der
Beschäftigungs-
fähigkeit
-
Förderung der
beruflichen In-
tegration von
noch nicht Er-
werbstätigen
und Erwerbslo-
sen
-
Stärkung der
Einrichtung zur
schulischen,
beruflichen und
der Hochschul-
bildung
-
Weiterent-
wicklung des
Gender
Mainstreamin
g
-
Schaffung
integrierter
Arbeitsmärkte
-
Verhinderung
sozialer Aus-
grenzung
-
Erhalt der
Beschäfti-
gungsfähig-
keit
-
Abfedern
individueller
Risiken in
Übergangs-
phasen
-
Verbesse-
rung der Ver-
einbarung
von Familie
und Beruf
-
Bewältigung des
demografischen
und wirtschaftli-
chen Wandels
-
Arbeitnehmer
und Unterneh-
men auf neue
Bedingungen
einstellen
-
Bildung, Ausbil-
dung und For-
schung zu-
kunftsfähig ge-
stalten
-
Mehr Menschen
an Beschäfti-
gung heranfüh-
ren
-
Chancengleich-
heit von Frauen
und Männern
-
Nachhaltigkeit
(ökologisch,
ökonomisch und
sozial)
Beschäftigungspolitische Leitlinien (integrierte Leitlinien)
Fassung vom 26.02.2014
75

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.1.4
Partnerschaftlicher Ansatz
Phase der Programmerarbeitung
Das OP wurde in Sachsen in einem partnerschaftlichen Prozess erarbeitet. Bereits im
April
2005
wurden die Wirtschafts- und Sozialpartner in einer Auftaktveranstaltung über die in
der neuen Strukturfondsperiode voraussichtlich zu erwartenden Regelungen informiert.
Gleichzeitig wurden sie gebeten, ihre Vorstellungen für den kommenden Förderzeitraum
darzulegen. Während des gesamten Planungszeitraumes fanden mehrere Gespräche
statt, um über den Fortgang der Programmierung zu informieren. In einem informellen Ge-
spräch mit ausgewählten Vertretern der Wirtschafts- und Sozialpartner, dem Evaluator der
Aktualisierung der Halbzeitbewertung aus dem Jahr 2005 und einem Vertreter der DG
EMPL wurden im Februar 2006 die Erkenntnisse aus dem laufenden Förderzeitraum erör-
tert.
Im Rahmen der ex ante-Evaluierung zum Operationellen Programm des ESF für die För-
derperiode 2007-2013 fanden im August/September 2006 im Auftrag des SMWA unter Lei-
tung des Evaluators - Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik Dresden – neben
einer Auftaktveranstaltung auch vier themenbezogene Workshops bzw. Fachkonferenzen
statt. Zwei wurden in Dresden, je einer in Chemnitz und Leipzig durchgeführt. Sie bezogen
sich auf die Themenschwerpunkte des zukünftigen OP. Die Fachkonferenzen hatten zum
Ziel, Wirtschafts- und Sozialpartner, Verbände und Organisationen über den Stand der
Programmierung der neuen Förderperiode zu informieren und in die weitere Gestaltung
einzubeziehen. Insgesamt sind die vorgestellten Strategien der Fachebene auf große Ak-
zeptanz der Wirtschafts- und Sozialpartner gestoßen, und sie sahen ihren Bedarf an mögli-
chen Themenfeldern und Prioritäten abgedeckt.
So wurde im ersten Workshop die Strategie für den Bereich Innovation, Transfer und Hu-
mankapitalentwicklung durch das Wissenschaftsressort vorgestellt. In dieser Präsentation
wurde u. a. klar herausgestellt, dass sich die Vernetzung und die Aktivitäten im Bereich
Transfer nicht nur auf die sächsischen Institutionen konzentrieren, sondern auch andere
Einrichtungen aus dem Wissenschaftssektor (Institute, Technologiezentren) bei der Strate-
gie berücksichtigt werden sollten. Der zweite Workshop hatte das Thema Wettbewerbsfä-
higkeit der Wirtschaft, in dem die berufliche Weiterbildung aus Sicht von Unternehmen und
Beschäftigten betrachtet wurde, zum Inhalt. Dabei ging es auch um Existenzgründungen,
unter anderem aus dem Hochschulbereich. Die dritte Fachkonferenz beschäftigte sich mit
dem Thema der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit/Langzeitarbeitslosigkeit. Diese Thematik
ist natürlich ein sensibles Feld, welches auch, dargestellt in vielen Präsentationen, unter-
schiedliche Anknüpfungspunkte bietet. Das Thema Jugend und ihre Chancen auf dem Ar-
beitsmarkt wurde im letzten Workshop zum Gegenstand der Veranstaltung. Die Vielfalt der
Chancen wurde in den Präsentationen des Kultusministeriums und des Fachreferats für
Berufsbildung des Wirtschaftsministeriums sehr detailliert dargestellt.
Nach der Veröffentlichung des OP-Entwurfs im November 2006 hatten die Wirtschafts- und
Sozialpartner die Möglichkeit, sich einen Gesamtüberblick über die zukünftige ESF-
Förderung zu verschaffen. Die dazu im Dezember 2006 durchgeführte Veranstaltung of-
fenbarte allerdings die unterschiedliche Haltung der Wirtschafts- und Sozialpartner. Wäh-
rend einige Partner den strategischen Ansatz des ESF-OP-Entwurfs lobten, hatten andere
Schwierigkeiten, der flexiblen Gestaltung des OP zu folgen. Die Verwaltungsbehörde sieht
es daher als ihre Aufgabe an, den begonnenen Kommunikationsprozess weiter fortzuset-
zen, um die Basis der Zusammenarbeit im ESF in Sachsen zu stärken.
Fassung vom 26.02.2014
76

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Mit den Wirtschafts- und Sozialpartnern findet bereits auf Arbeitsebene in unterschiedlicher
Intensität ein Austausch statt, der auch Auswirkungen auf die Programme und Konzepte
der beteiligten Fachebene hat. So sind beispielsweise ein Langfrist-Qualifizierungsprojekt
für Arbeitslose und die Konzeption zur Förderung der Berufsausbildung von Jugendlichen
in enger Abstimmung zwischen den Wirtschafts- und Sozialpartnern und den Ressorts ent-
standen. Aber auch auf der Leitungsebene fanden Gespräche mit den Vertretern der Liga
der freien Wohlfahrtsverbände statt. Die Idee der Unterstützung von Betriebsrätenetzwer-
ken, die von Seiten der Arbeitnehmervertretungen formuliert wurden, fand Berücksichti-
gung bei der Förderung von Kooperationen (Prioritätsachse 1).
Die Gestaltung der künftigen Partnerschaft
Während der Umsetzung der ESF-Programme soll dieser äußerst konstruktive Prozess
weiter fortgesetzt werden. Die Partnerschaft wird dabei in erster Linie über den Begleitaus-
schuss (siehe Kapitel 6.1.5) vollzogen. Die Wirtschafts- und Sozialpartner haben gemein-
sam die Möglichkeit, über den Begleitausschuss, als zentrales Instrument der Beteiligung,
Projekte zu initiieren und zur Förderung im Rahmen des ESF vorzustellen. Darüber hinaus
ist geplant, die Wirtschafts- und Sozialpartner – wie bereits in der Förderperiode 2000-2006
– zu bestimmten Themenbereichen wie Evaluierungen, einzelne Förderbereiche über
Workshops u. ä. besonders intensiv zu informieren.
Im Ziel Konvergenz kommt der Partnerschaft eine besondere Bedeutung zu. In der Förder-
periode 2007-2013 vollzieht sich eine zweigeteilte Partnerschaft. Zu unterscheiden ist da-
nach in Sozialpartner, die die Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertreter repräsentieren, und
in Nichtregierungsorganisationen, die sich aus den übrigen Teilnehmern der Partnerschaf-
ten zusammensetzen. Die Sozialpartner können im Rahmen der bestehenden Förderpro-
gramme und -verfahren gemeinsame Aktionen zur Steigerung der Anpassungsfähigkeit
und Wettbewerbsfähigkeit von Beschäftigten und Unternehmen durchführen. Zu diesem
Zweck wird ein Betrag von bis zu 1% der ESF-Mittel für gemeinsame Aktionen, insbeson-
dere im Hinblick auf die Anpassungsfähigkeit der Arbeitnehmer und Unternehmen, für So-
zialpartner angestrebt. Der Betrag soll im Rahmen der bestehenden Förderprogramme so-
wie –voraussetzungen eingesetzt werden können. Nicht vorgesehen ist dagegen die Be-
reitstellung von Mitteln für den Kapazitätsaufbau der Partner.
4.1.5
Strategie für Innovationen, transnationale und interregionale Kooperation
Der Freistaat Sachsen verfolgt im Rahmen seiner Wirtschaftspolitik bereits seit der deut-
schen Wiedervereinigung die Strategie, an seine Vorkriegsposition anzuknüpfen, die von
einem hohen Potenzial an innovativen industriellen Branchen gekennzeichnet war. Diese
Strategie hat bisher bereits große Erfolge gezeigt. Die Förderung von Produkt- und Prozes-
sinnovationen wird daher auch in der Strukturfondsperiode 2007 – 2013 konsequent fort-
gesetzt. Der ESF wird insbesondere dazu eingesetzt werden, das Humankapital weiter zu
entwickeln und die für wirtschaftliche Innovationen benötigten Humanressourcen zu stär-
ken.
Im Rahmen der Prioritätsachse B wird das OP des Freistaates Sachsen eine bedeutsame
Innovation erfahren, und zwar wird die bisherige Ausrichtung des ESF auf mittlere Qualifi-
kationen – z.B. Facharbeiter -, die Sicherung der Ausbildung des Nachwuchses, die vor
allem vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung erforderlich ist, und die Förde-
rung von Arbeitslosen, durch eine gezielte Humankapitalentwicklung von Hochqualifizierten
Fassung vom 26.02.2014
77

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
sowie einen intensiven Wissens- und Personaltransfer mittels der Vernetzung von KMU mit
Wissenschaft und Forschung im Einsatzfeld 5 aufgewertet. Die verstärkte (wissenschaftli-
che) Weiterbildung und die Vernetzung des Unternehmens- und des Forschungssektors
erhöhen einerseits die Innovationsfähigkeit der sächsischen Unternehmen, andererseits
stellen sie eine Innovation der ESF-Förderung im Freistaat Sachsen dar. Diese Anstren-
gungen sollen zusätzlich durch interregionale und transnationale Aktivitäten verstärkt wer-
den, z. B. durch die Ausreichung von Stipendien an Nachwuchskräfte aus den MOE-
Ländern und Hochschulkooperationen.
Neben diesen Maßnahmen, die darauf abzielen, die Entwicklung der wirtschaftlichen Inno-
vationsfähigkeit voranzubringen, d. h. der Fähigkeit, neue Produkte/Dienstleistungen zu
entwickeln und marktfähig umzusetzen, bedarf es bezüglich der weiteren Prioritätsachsen
des ESF – vor allem soziale Eingliederung als auch Nachwuchsförderung – Innovationen
im Bereich der sozialen Innovationsfähigkeit. Dabei geht es in erster Linie um die Entwick-
lung neuer innovativer Förderinstrumente, aber auch um die Veränderung der Abläufe, von
Strukturen, der Kooperation der Akteure, was verstärkte Netzwerkbildung voraussetzt.
Soziale Innovationen sind insbesondere im Bereich der Sozialen Stabilisierung und des
Erhaltes der Beschäftigungsfähigkeit, aber auch auf dem Feld der Reintegration von Ar-
beitslosen in den ersten Arbeitsmarkt nötig. Dieser Bedarf an Innovationen ergibt sich nicht
zuletzt aus den Veränderungen im Bereich des SGB III und vor allem des SBG II. Der Frei-
staat Sachsen wird hier für Langzeitarbeitslose, deren Reintegrationschancen in den ersten
Arbeitsmarkt sehr gering sind, neue Instrumente erproben. Dies bedeutet für die Betroffe-
nen eine wirkliche Herausforderung, da es sich nicht nur um vorübergehende Beschäfti-
gung (z. B. Arbeitsgelegenheiten) handelt, sondern den Betroffenen vermittelt wird, dass
sie benötigt werden und einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Hier sind vor
allem die geplanten Konzepte zur Förderung ehrenamtlicher Tätigkeiten zu erwähnen. In-
novativ ist auch das Vorhaben, präventiv die gesundheitlichen Folgen von Arbeitslosigkeit
zu vermeiden. Soziale Innovationen lassen sich vielfach nicht von oben herab verordnen
oder planen. Dies gilt verstärkt, wenn auch best practice-Verfahren aus anderen EU-
Mitgliedsstaaten mit berücksichtigt werden sollen. Die Innovationsstrategie des Freistaates
Sachsen sieht hierbei vor, dass die relevanten Akteure, z. B. die Sozialpartner, die mit der
Umsetzung des ESF befassten Stellen und die Verwaltungsbehörde Ziele für innovative
Projekte entwickeln. Diese Vorgehensweise bietet für den Freistaat Sachsen den Vorteil,
dass damit zielgenau agiert und auch auf sich neu ergebende Probleme geantwortet wer-
den kann.
Ansatzpunkte für transnationale und interregionale Maßnahmen ergeben sich insbesonde-
re für die Bereiche der Aus- und beruflichen Weiterbildung, der Qualifizierung von Lehrper-
sonal und im Rahmen von Projekten zur Stärkung der Leistungsfähigkeit von Hochschulen.
Die transnationale bzw. interregionale Ausrichtung der Kooperation kann einen wesentli-
chen Beitrag zur Steigerung der Mobilität leisten und fördert u. a. den Erwerb von interkul-
turellen Erfahrungen und Fremdsprachenkenntnissen. Weiterhin werden dabei auch die
Erfahrungen aus EQUAL zu berücksichtigen sein. Gerade bei sozial Benachteiligten ist es
häufig nötig, Förderketten zu konstruieren. Dies erfordert sowohl eine umfassende Be-
standsaufnahme der Ursachen der Benachteiligung als auch die Vernetzung der jeweiligen
Akteure. Die EQUAL-Projekte haben auf diesem Gebiet wichtige Vorarbeiten geleistet, die
es in die Regelförderung zu transformieren gilt.
Die Förderung innovativer Projekte, die dazu beitragen sollen, die Ziele von Lissabon und
Laaken, d. h. Förderung von Wachstum, Beschäftigung sowie sozialer Integration und von
Fassung vom 26.02.2014
78

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Reformen in Bezug auf Strategie, Analyse, Konzepte, Umsetzung sowie Vernetzung von
arbeitsmarkbezogenen Konzepten und Methoden, zu erreichen, wird daher einen wichtigen
Bestandteil des OP des Freistaates Sachsen bilden.
Die Ergebnisse der EQUAL-Maßnahmen in Deutschland sowie im Freistaat Sachsen ha-
ben ergeben, dass Innovationen im Bereich der Integration von Benachteiligten, sozial
Ausgegrenzten und Langzeitarbeitslosen einen nicht zu unterschätzenden Beitrag leisten
können. Die Evaluation von EQUAL wird in Deutschland für das Gesamtprogramm, d.h.
länderübergreifend von einer Arbeitsgemeinschaft verschiedener Institute durchgeführt,
und zwar: ICON-INSTITUTE, COMPASS und PIW.
Die vorliegende Aktualisierung der Halbzeitbewertung aus dem Jahre 2005 nennt folgende
wichtige Aspekte, die für das Mainstreaming in die Regelförderung berücksichtigt werden
sollten:
Effiziente Maßnahmen zur Bekämpfung von Fehlentwicklungen am Arbeitsmarkt
sowohl in übergreifender als auch regionaler Hinsicht erfordern eine präzise Analyse
der Ursachen. Es muss herausgearbeitet werden, wie sich die Ursachen-Wirkungs-
Kette darstellt, um zu vermeiden, dass vor allem an den Wirkungen kuriert wird. Nur
so lassen sich die mit der Strategie verfolgten Ziele auch wirklich erreichen.
Es sind unbedingt geeignete Verfahren zum Mainstreaming in die Regelförderung zu
entwickeln. Die ist sowohl Aufgabe der Projekte als auch der Programmverantwortli-
chen.
Mainstreaming erfordert in erster Linie Kompetenztransfer. Es gibt Anhaltspunkte
dafür, dass mit den Arbeitsmarktreformen bei Trägern, aber auch den Agenturen,
ARGE’n und Optierenden Kommunen (da hier vor allem Kosteneffizienz im Vorder-
grund steht), Kompetenz verloren gegangen ist. Durch geeignete Mainstreaming-
Maßnahmen, die auch interregionale und transnationale Erfahrungen einschließen,
können innovative ESF-Projekte in die ESF-Regelförderung und die SGB II und
SGB III-Förderung integriert werden und somit die Effizienz des Förderspektrums für
Benachteiligte erhöht werden. Vor dem Hintergrund der vermutlich noch andauern-
den hohen Arbeitslosigkeit in Sachsen stellt sich der Erhalt der Beschäftigungsfähig-
keit als Schwerpunktaufgabe dar.
Fassung vom 26.02.2014
79

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.2
Prioritäten der ESF-Förderung 2007-2013
4.2.1
Übersicht über die Prioritätsachsen
Ausgehend von den Zielen der ESF-Förderung in Sachsen leiten sich folgende Prioritäts-
achsen ab:
Abbildung 8: Übersicht über die Ziele und Prioritätsachsen
Die Prioritätsachse A
"Steigerung der Anpassungsfähigkeit und Wettbewerbsfähigkeit
der Beschäftigten und Unternehmen"
zielt auf wirtschaftsnahe Förderbereiche ein-
schließlich Dienstleistungen. Bei der vorrangig zu bedienenden Zielgruppe handelt es sich
um Personen, die bereits in einem Beschäftigungsverhältnis stehen bzw. um Selbstständi-
ge sowie um Unternehmen, die ihre Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit stei-
gern wollen. Darüber hinaus können auch Maßnahmen gefördert werden, die der Qualifi-
zierung von Fachkräften und (Fach-)Hochschulabsolventen dienen, für die bei sächsischen
Unternehmen vor dem Hintergrund einer zunehmend globalisierten Wirtschaft ein besonde-
rer Bedarf besteht. Dieser Bereich ist besonders geeignet, einem drohenden Fachkräfte-
mangel zu begegnen und die in den Unternehmen gebündelten Kompetenzen zu steigern.
Die Prioritätsachse B
"Verbesserung des ‚Humankapitals’"
deckt die Bereiche Schule,
Bildung und Hochschule ab. Die klassische Beschäftigungspolitik wird hier erweitert. Die
Ursachen der heutigen Beschäftigungsprobleme liegen sowohl auf der individuellen als
auch auf der Ebene der Bildungsträger, die dem erforderlichen Erneuerungs- und Reform-
bedarf noch nicht in vollem Umfang nachgekommen sind. Potenzielle Förderbereiche sind
u. a. die Verbesserung der Berufs- und Studienorientierung oder die Bereitstellung von
Ausbildungsplätzen. Ein Ziel dieser Prioritätsachse besteht auch darin, durch präventives
Handeln die Zahl der Schulabgänger mit schlechten beruflichen Perspektiven, wie etwa
Schulabgänger ohne Schulabschluss, maßgeblich zu verringern.
Prioritäts-
achse A
Prioritäts-
achse B
Prioritäts-
achse C
Chancengleichheit für Frauen und Männer
Nachhaltigkeit (ökologisch,
ökonomisch und sozial)
Bildung, Ausbil-
dung und For-
schung zukunfts-
fähig gestalten
Mehr Menschen
an Beschäftigung
heranführen
Arbeitnehmer und
Unternehmen auf
neue Bedingungen
einstellen
Bewältigung des demografischen und
wirtschaftlichen Wandels
Prioritätsachse E
Fassung vom 26.02.2014
80

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Die Prioritätsachse C
"Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung sowie der sozia-
len Eingliederung von benachteiligten Personen"
enthält vor allem aktive und präventi-
ve Maßnahmen, die Arbeitslosen und von Arbeitslosigkeit bedrohten Personen den Zugang
zur Beschäftigung erleichtern sollen. Dies beinhaltet auch die Unterstützung ehrenamtlicher
Tätigkeiten im Sinne der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit. Angesichts einer sich
verfestigenden Langzeitarbeitslosigkeit in Sachsen kommt diesem Bereich eine wichtige
Bedeutung zu. Gleichzeitig ist hier aber zu berücksichtigen, dass die Bundesagentur für
Arbeit und die Träger des SGB II bereits viele Maßnahmen anbieten, bzw. das SGB II und
SGB III für verschiedene Personenkreise Regel- und Ermessensleistungen vorsieht. Der
ESF muss deshalb in diesem Bereich in enger Abstimmung und Kooperation mit den Ar-
beitsagenturen, den ARGE’n und den Optionskommunen eingesetzt werden.
Die Prioritätsachse E
"Transnationale Maßnahmen"
stellt gemäß Art. 8 der ESF-
Verordnung einen neuen Schwerpunkt der zukünftigen Förderung dar. Die jeweiligen Maß-
nahmen sind an einer der o. g. Prioritätsachsen angelehnt, werden aber separat verwaltet,
da hier ein um zehn Prozentpunkte höherer Interventionssatz möglich ist, der nicht in die
Berechnung des Gesamt-Interventionssatzes des Operationellen Programms einfließt. Die-
ser Schwerpunktbereich bietet zudem nicht nur den grenznahen Regionen Möglichkeiten
zu grenzübergreifenden Kooperationen, sondern dem gesamten Freistaat.
Die finanzielle Ausgestaltung der Prioritätsachsen zeigt die folgende Übersicht. Auf die Pri-
oritätsachse B entfallen die meisten ESF-Mittel. Dies zeigt, dass der Verbesserung des
Humankapitals als Spiegelbild des frühen Starts des Lebenslangen Lernens eine beson-
ders hohe Bedeutung zukommt (vgl. Kap. 4.1.5.).
In den folgenden vier Kapiteln werden - bezogen auf die Prioritätsachsen A bis E - die aus
den Herausforderungen des Freistaates Sachsen für die ESF-Förderung abgeleiteten Ein-
satzfelder und Handlungsoptionen dargestellt. Es wird darauf hingewiesen, dass die aufge-
führten Maßnahmen nur vorläufigen Charakter haben. Im Laufe der Förderperiode könnten
durchaus noch weitere Förderinstrumente aufgenommen werden.
Prioritätsachsen
ESF-
Mittelverteilung
A: Steigerung der Anpassungsfähigkeit und Wettbewerbsfähig-
keit von Beschäftigten und Unternehmen
19%
B: Verbesserung des Humankapitals
44%
C: Verbesserung des Zugangs zu Beschäftigung sowie der sozi-
alen Eingliederung von benachteiligten Personen
31%
E: Transnationale Maßnahmen
4%
Technische Hilfe
2%
Fassung vom 26.02.2014
81

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.2.2
Prioritätsachse A: Steigerung der Anpassungsfähigkeit und Wettbewerbsfä-
higkeit von Beschäftigten und Unternehmen
Der ESF kann in Höhe von bis zu 10% der Gemeinschaftsbeteiligung dieser Prioritätsachse
für bestimmte Teile der ESF-Vorhaben verwendet werden, die in den Interventionsbereich
des EFRE fallen. Hierfür sind folgende Voraussetzungen zu erfüllen (Art. 34, Abs. 2 VO
(EG) Nr. 1083/2006): die zu finanzierenden Teile der Vorhaben sind für deren ordnungs-
gemäßen Ablauf notwendig, stehen mit diesen in direktem Zusammenhang. Für eine ord-
nungsgemäße Erfüllung der Maßnahme kann es erforderlich sein, dass in diesem Zusam-
menhang Ausstattungsinvestitionen, Renovierungen und kleinere Umbauten notwendig
werden.
4.2.2.1 Einsatzfeld 1: Berufsbegleitende Qualifizierung; Steigerung der Wettbewerbs-
fähigkeit
Das Einsatzfeld 1 umfasst Programme, die die berufliche Qualifizierung der Beschäftigten
und Selbstständigen fördern und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stei-
gern. Dieses Einsatzfeld ist wirtschaftsnah ausgerichtet und soll den Beschäftigten und Un-
ternehmern die Möglichkeit geben, ihre beruflichen Fähigkeiten und Kompetenzen zu ver-
bessern, sodass letztlich die Wettbewerbs- und auch Innovationsfähigkeit der Unterneh-
men steigt. Damit soll ein Beitrag zum Erhalt bestehender und zur Schaffung neuer Ar-
beitsplätze geleistet werden.
Aufgrund des sich ständig verändernden Unternehmensumfelds liegt der Schlüssel zur
Wettbewerbsfähigkeit in der Verbesserung der unternehmerischen Innovationstätigkeit. Der
technologische und wirtschaftliche Wandel zwingt die Unternehmen, permanent Neues
auszuprobieren, zu lernen, sich neuen rechtlichen Rahmenbedingungen anzupassen und
sich weiterzuentwickeln. Der Bereich der beruflichen Weiterbildung trägt wesentlich zur
Entwicklung einer innovationsorientierten Wirtschaft bei, indem die Beschäftigten im Hin-
blick auf innovative Verfahren in der Produktion und Organisation ausgebildet werden. Die
berufsbegleitende Weiterbildung ist ein wichtiges und sehr flexibles Instrument zur Erhal-
tung und Steigerung der Entwicklungsfähigkeit von Unternehmen, zur Sicherung und Er-
weiterung der Beschäftigungsfähigkeit von Arbeitnehmern. Die Qualität der berufsbeglei-
tenden Weiterbildung spiegelt sich u. a. in der Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung wi-
der.
Die Förderung der beruflichen Bildung orientiert sich am Konzept des
Lebenslangen Ler-
nens:
Im
Schulalter
werden grundlegende Kompetenzen für den Berufsalltag erworben
und es bildet sich eine berufliche Orientierung aus. Im Rahmen der
Berufsausbildung
bzw. eines berufsqualifizierenden Studiums werden grundlegende berufliche Kompetenzen
erworben. Der Abschluss einer Berufsausbildung ermöglicht den qualifizierten Einstieg in
den Arbeitsmarkt. Allerdings reichen diese Kenntnisse nicht mehr für ein ganzes Erwerbs-
leben aus. Die wissenschaftliche, rechtliche, technologische und wirtschaftliche Entwick-
lung und sich verändernde Geschäftsprozesse machen eine ständige Weiterbildung der
Mitarbeiter in Unternehmen auf allen Ebenen notwendig. Aber auch zur Entwicklung inno-
vativer Produkte kann
Weiterbildung
beitragen. Daher werden im Rahmen von Weiterbil-
dung (formell und informell) Kompetenzen stetig ausgebaut und den sich ändernden An-
forderungen der Arbeitswelt angepasst.
Fassung vom 26.02.2014
82

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Die Förderung der beruflichen Weiterbildung aus Mitteln des ESF soll sich im Freistaat
Sachsen auch in der kommenden Förderperiode eindeutig am unternehmerischen Bedarf
orientieren. Die Inhalte und Zielstellungen der Weiterbildungsprojekte werden von den Un-
ternehmen definiert. Die Vermittlung von Kompetenzen zur Anpassung des Unternehmens
an wirtschaftliche, rechtliche, wissenschaftliche und technologische Entwicklungen und zur
Steigerung der Innovationskraft sind dabei notwendige Voraussetzungen. Dabei liegt das
zu fördernde Potenzial in den Fachkräften der Unternehmen und Betriebe, denn das Ler-
nen findet als individueller Prozess statt.
Handlungsoption: Weiterbildung und Beratung
Verbesserung des unternehmerischen Denkens und Handelns
von Mitarbei-
tern in KMU
23
zum Erhalt und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unter-
nehmen und zur Sicherung und Erweiterung der Beschäftigungsfähigkeit von Ar-
beitnehmern: Komplexer werdende Arbeits- und Produktionsprozesse erfordern
von Arbeitnehmern in immer stärkerem Maße unternehmerische Handlungskom-
petenz, und zwar nicht nur in Führungspositionen, sondern auf allen Ebenen.
Neben dem Aufbau des Wissens und der Beratung zu den verschiedenen be-
triebswirtschaftlichen Funktionen (Personal, Organisation, Produktion, Finanzwe-
sen und Vertrieb und Marketing) soll dabei auch die Fähigkeit gefördert werden,
die erworbenen Kompetenzen im Arbeitsalltag anzuwenden. Zur Verbesserung
des unternehmerischen Denkens und Handelns werden dabei bestimmte Phasen
der Entwicklung eines Unternehmens beachtet, wie Gründung, Ansiedlung bzw.
Unternehmensnachfolge, Marktbearbeitung sowie Wachstumskrisen. So wird
auch der Aufbau von Kompetenzen zum Umgang mit Unternehmensinsolvenzen
unterstützt. Zur Steigerung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit sächsischer
Unternehmen werden sächsische Arbeitnehmerinnen und -nehmer wie auch
qualifizierte Fachkräfte und (Fach-)Hochschulabsolventen durch ein
Qualifizie-
rungsprogramm Ausland
auf die Anforderungen einer zunehmend globaler
agierenden Wirtschaft vorbereitet. Zum Tragen kommt auch der Netzwerkansatz.
Die Maßnahme
strategische Unternehmensnetzwerke
von KMU zur
Fachkräf-
tesicherung und -entwicklung
hilft den Unternehmen Netzwerke zu gründen,
zu entwickeln und zu gestalten (Netzwerkebene). Die kooperierenden Unterneh-
men identifizieren gemeinsame Probleme bei der Fachkräftesicherung und -
entwicklung, leiten daraus Strategien ab und setzen Lösungsansätze um. Um
den Ansprüchen von Unternehmen bei der Gewinnung und Entwicklung von
Fachkräften zu entsprechen, werden Maßnahmen zu einer bedarfsgerechten
Anpassung des Bildungssystems erprobt mit dem Ziel, eine frühzeitige Bereitstel-
lung von Fachpersonal und Bindung von Unternehmensnachwuchs bereits wäh-
rende der Ausbildung bzw. des Studiums zu erreichen. Bei der Aus- und Weiter-
bildung von Beschäftigten wird zu diesem Zweck ein erweiteter Beschäftigtenbe-
griff zu Grunde gelegt, der im Zusammenhang mit der frühzeitigen Bindung und
Bereitstellung von Fach- und Führungskräftenachwuchs z.B. auch Werksstuden-
ten, Praktikanten und Auszubildende umfassen kann.
Unterstützung von Personalaufbau und -qualifizierung bei
Unternehmensan-
siedlungen
und
Unternehmenserweiterungen
zur Sicherung und Entwicklung
der Humanressourcen und Stärkung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes:
23
Der Begriff KMU beinhaltet Unternehmen aller Branchen einschließlich Unternehmen auf den Gebieten der Land-,
Forst- und Fischereiwirtschaft und Dienstleistungen.
Fassung vom 26.02.2014
83

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Bei Unternehmensansiedlungen und -erweiterungen besteht in der Regel ein
großer Bedarf an Fachkräften. Der Arbeitsplatzaufbau in Unternehmen, die sich
im Freistaat Sachsen ansiedeln oder ihr Unternehmen erweitern, soll durch die
Förderung der Qualifizierung wirksam unterstützt werden.
Unterstützung von Prozess- und Produktinnovationen
durch Qualifizierungs-
angebote für Beschäftigte und Selbstständige: Sich ständig verändernde Anfor-
derungen an Produkte und Prozesse stellen Unternehmen vor hohe Herausfor-
derungen in Bezug auf den Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit. Durch die Förde-
rung soll ein Beitrag zur Erhöhung der Anpassungsfähigkeit der Unternehmen
geleistet werden.
Erwerb
interkultureller Kompetenzen
von Beschäftigten: Zum Erhalt der wirt-
schaftlichen Wettbewerbsfähigkeit von KMU und der Beschäftigungsfähigkeit von
Arbeitnehmern werden interkulturelle Kompetenzen immer wichtiger. Im Rahmen
von Weiterbildungen im In- und Ausland sollen Beschäftigte interkulturelle Kom-
petenzen erwerben, ausbauen und in die berufliche Praxis nachhaltig transferie-
ren.
Im Bereich der Dienstleistungen bestehen für Sachsen zusätzliche Beschäfti-
gungspotenziale. Durch
innovative Dienstleistungskooperationen und Netz-
werke
sollen mithilfe von Kooperationen innovative Dienstleistungen am Markt
entwickelt und etabliert werden. Um neue Märkte zu erschließen und so Beschäf-
tigungschancen zu verbessern, soll die Durchführung von Seminaren zur Qualifi-
zierung in wichtigen Dienstleistungsfeldern, zur Verbreitung der Dienstleistungs-
mentalität und zur Unterstützung der Dienstleistungsunternehmen gefördert wer-
den. Auf Kompetenzentwicklung und Netzwerkaktivitäten der Kulturwirtschaft
wird dabei ein besonderes Gewicht gelegt.
Erhöhung der Weiterbildungsbeteiligung
von älteren Mitarbeitern und Nied-
rigqualifizierten: Durch an das Alter und Bildungsniveau angepasste Lern- und
Qualifizierungsformen soll die Weiterbildungsbeteiligung älterer Arbeitnehmer
und Niedrigqualifizierter signifikant erhöht werden.
Qualifizierung im Rahmen prekärer Erwerbsformen
(z. B. geringfügige Be-
schäftigung, Teilzeit und Leiharbeit): Mit der Qualifizierung von Arbeitnehmern
außerhalb einer regulären Vollzeitbeschäftigung soll der Übergang in normale
Beschäftigungsverhältnisse erleichtert und die Beschäftigungsfähigkeit gesichert
werden.
Outplacementberatung
sowie Beratung zur beruflichen Neuorientierung von
Beschäftigten und für berufliche Wiedereinsteiger: Dies umfasst eine Beratung
für Beschäftigte mit verschiedenen Beratungsinhalten und kann durchgeführt
werden, sofern kein Anspruch einer solchen Leistung bei der Arbeitsverwaltung
besteht.
Weiterbildung von
Aus- und Weiterbildern
zum Erhalt und Steigerung der Qua-
lität von Bildungsangeboten, der Qualifikation der Lehrkräfte und Beschäftigungs-
fähigkeit von Ausbildern: Für die Gewährleistung hoher Qualität im Aus- und
Weiterbildungssystem ist die ständige Weiterbildung der Ausbilder, Trainer und
Lehrkräfte selbst unverzichtbar. Im Rahmen dieser Weiterbildungen sollen Lehr-
Fassung vom 26.02.2014
84

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
kräfte Kompetenzen zur Anpassung an wirtschaftliche und technologische Ent-
wicklungen zur Steigerung der Innovationskraft erwerben. Ebenso sollen die pä-
dagogischen Kompetenzen ausgebaut werden (insbesondere Einbezug neuer
Lehr- und Lernmethoden in die Aus- und Weiterbildung auf der Grundlage neu-
ester wissenschaftlicher Erkenntnisse).
Weiterbildungsinformation und -beratung
: Auf der Basis bereits bestehender
Strukturen der Weiterbildungsberatung (Agenturen für Arbeit, Kammern, Lernen-
de Regionen, Volkshochschulen, frauenspezifische Angebote etc.) ist ein für
Nutzer transparentes Weiterbildungsberatungssystem der allgemeinen und be-
ruflichen Erwachsenenbildung zu implementieren. Die Bedürfnisse der unter-
schiedlichen Nutzergruppen (von KMU bis zur Einzelperson) sind dabei zu be-
rücksichtigen. Eine flankierende Online-Angebots-Beratung ist zu gewährleisten.
Handlungsoption: Innovationsassistent
Forschung und Entwicklung bzw. hohe FuE-Intensitäten bilden eine wesentliche
Grundlage zur Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit. Das ei-
nem FuE-Projekt innewohnende technische Risiko stellt jedoch gerade für kleine
und mittlere Unternehmen ein hohes finanzielles und wirtschaftliches Risiko dar.
Sachsen misst daher auch weiterhin der Förderung von Projekten im Bereich der
Forschung und Entwicklung in mittelständischen Unternehmen eine wichtige Be-
deutung zu. Neben der EFRE-finanzierten Unterstützung einzelbetrieblicher FuE-
Projekte sowie von FuE-Verbundprojekten wird daher über den ESF in der Struk-
turfondsperiode 2007 - 2013 der Aufbau personeller FuE-Potenziale in der mit-
telständischen Wirtschaft über die Handlungsoption Innovationsassistent unter-
stützt. Diese Maßnahme wurde bislang EFRE-kofinanziert. Im Rahmen der
EFRE-Halbzeitbewertung wurde diese sog. Innovationsassistentenförderung po-
sitiv beurteilt. Nicht zuletzt aufgrund der in der Evaluierung genannten Ziele der
Stabilisierung und des Ausbaus der FuE-Beschäftigung in Sachsen sollen derar-
tige Maßnahmen fortgesetzt und ausgebaut und aufgrund ihrer personalorientier-
ten Ausrichtung nunmehr in den ESF eingeordnet werden.
Handlungsoption: Chancengleichheit – Berufsbegleitende Qualifizierung
Zur Herstellung der Chancengleichheit von Frauen und Männern am Arbeits-
markt werden Voraussetzungen geschaffen, die auf den Abbau geschlech-
ter(gender)spezifischer Benachteiligungen ausgerichtet sind. Insbesondere
Frauen sehen sich mit dem Erfordernis der Vereinbarkeit von Familie und Beruf
konfrontiert. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kann z. B. durch die Schaf-
fung familienfreundlicher Unternehmensstrukturen unterstützt werden. Frauen
sind häufiger als Männer in Teilzeitarbeitsverhältnissen und geringfügigen Be-
schäftigungsverhältnissen mit geringerem Verdienstniveau tätig. Darüber hinaus
bieten klassische Frauenberufe in der Regel geringere Entwicklungschancen als
Berufe in männerdominierten Branchen und sind durch ein größeres Arbeitslo-
sigkeitsrisiko gekennzeichnet. Mit
spezifischen berufsbegleitenden Qualifizie-
rungen
sollen gezielt Frauen die Möglichkeit der Ausübung höherwertiger Tätig-
keiten oder der Übernahme von Führungsverantwortung erhalten. Unter be-
stimmten Voraussetzungen und in besonderen Fällen kann aber auch Männern
eine berufsbegleitende Qualifizierung ermöglicht werden.
Fassung vom 26.02.2014
85

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Über die oben dargestellten Maßnahmen hinaus kommen alle beihilferechtlich unbedenkli-
chen Maßnahmen (Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten sowie sonstige Maßnah-
men) in Betracht, die Personen und Unternehmen in die Lage versetzen, auf die Anforde-
rungen einer globalisierten Wirtschaft erfolgreich zu reagieren und dadurch vorhandenes
Beschäftigungspotential zu sichern und auszubauen.
4.2.2.2 Einsatzfeld 2: Förderung von Unternehmergeist und Arbeitsplatz schaffenden
Existenzgründungen
Wissens- und technologiebasierte
Unternehmensgründungen
haben in der Regel beson-
ders positive Effekte auf die wirtschaftliche Entwicklung und das Arbeitsplatzangebot einer
Region. Das Gründungsgeschehen in diesem Bereich ist in Sachsen jedoch noch immer
geringer als in Westdeutschland, wobei sich die Gründerlücke in den vergangenen Jahren
eher vergrößert hat, wie die jüngste Untersuchung des ZEW erneut belegt
24
. Um dem ent-
gegenzusteuern, ist es erforderlich, besonders die Unterstützung der Entstehung neuer
Unternehmen aus dem Hochschul- und Forschungsbereich weiter zu verbessern. Die viel-
fältige Hochschul- und Forschungslandschaft in Sachsen bietet gute Voraussetzungen, um
die Zahl der Spin-offs zu erhöhen.
Handlungsoption: Unternehmensgründungen aus dem Hochschul- und Forschungsbereich
Im Rahmen der ESF-Förderung werden zukünftig verstärkt solche Unterneh-
mensgründungen initiiert und unterstützt, die nachhaltig die wirtschaftliche Ent-
wicklung in Sachsen verbessern. Dabei kommt es besonders darauf an, dass die
zu gründenden Unternehmen weitere Arbeitsplätze schaffen. Der Gruppe der
Hochschulabsolventen kommt daher als Existenzgründer eine besondere Bedeu-
tung zu. Die Förderung von solchen stärker
wissens- und technologiebasier-
ten Gründungen
aus den Hochschulen ist vor allem darauf angelegt, die Kultur
der Selbstständigkeit, der Eigeninitiative und des unternehmerischen Denkens zu
etablieren bzw. weiterzuentwickeln und verstärkt in die Hochschulen und For-
schungseinrichtungen zu tragen. Damit soll ein Beitrag geleistet werden zur Ver-
besserung des Gründungsklimas in Sachsen und zur Entstehung neuer, innova-
tiver Unternehmen und Arbeitsplätze. Dies schließt die Möglichkeit ein, Existenz-
gründungsberatung einschließlich einer konkreten Einzelberatung von vor allem
technologieorientierten und wissensbasierten Gründungswilligen, insbesondere
in der Vorgründungsphase, zu fördern. Mit dem ESF-Projekttyp "Unternehmens-
gründungen aus dem Hochschulbereich" hat der Freistaat Sachsen bereits in der
Förderperiode 2000-2006 begonnen, die sächsischen Universitäten und Fach-
hochschulen bei ihren Bemühungen zu unterstützen, das Potenzial an grün-
dungswilligen Studierenden, Hochschulangehörigen, Absolventen und Forschern
durch praxisorientierte Betreuungsangebote stärker auszuschöpfen. Zukünftig
sollen die begonnenen Maßnahmen fortgesetzt und modifiziert werden, z. B.
durch eine stärkere Einbeziehung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen in
die ESF-Förderung, um insgesamt das Profil Sachsens als führenden Standort
für innovative Unternehmensgründungen in Ostdeutschland zu schärfen. Gleich-
zeitig ist diese Handlungsoption in Zusammenhang mit einem im Rahmen des
Operationellen Programms des Freistaates Sachsen für den Europäischen
Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in der Förderperiode 2007 bis 2013 ge-
24
Vgl. ZEW: High-Tech-Gründungen in Deutschland: Trends und Entwicklungsperspektiven (2006).
Fassung vom 26.02.2014
86

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
planten neuen Risikokapitalfonds für die Frühphasenfinanzierungen technologie-
orientierter und wissensbasierter Unternehmensgründungen zu sehen.
Ein Anliegen der Förderung von Existenzgründungen ist es ebenfalls, Finanzie-
rungslücken und Finanzierungshemmnisse durch geeignete
Finanzierungsin-
strumente
abzubauen. Damit sollen Arbeitsplätze geschaffen werden. Der Frei-
staat Sachsen beabsichtigt daher, verstärkt innovative Finanzierungsinstrumente
und -formen, wie z. B. revolvierende Fonds, Nachrangdarlehen und Zinszu-
schüsse einzusetzen. Im Laufe der Förderperiode werden geeignete Programme
aufgenommen, soweit sie geeignet sind, diese Zielstellung zu unterstützen. In
Betracht kommt auch der Einsatz von ESF-Mitteln im Rahmen bereits in der
Durchführung befindlicher Programme. Über die Aufnahme in die Vorhaben des
ESF im Förderzeitraum wird nach Vorliegen schlüssiger Konzeptionen oder einer
erfolgreichen Erprobungsphase entschieden.
Fassung vom 26.02.2014
87

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
4.2.2.3 Indikatoren für die Prioritätsachse A
Strategisches Ziel für die Prioritätsachse A: Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit durch
Weiterbildung von Erwerbstätigen, Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen
und Existenzgründung
Strategischer Indikator
: Erhöhung der erfolgreichen Weiterbildungsbeteiligung
Ausgangswert:
80%
Zielwert:
90% der Teilnehmer durchlaufen erfolgreich eine Weiterbildung
Strategischer Indikator:
Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze
Ausgangswert:
0
Zielwert:
2.000 zusätzliche Arbeitsplätze bis 2013
Spezifische
Ziele
Ergebnis-
Indikator
Ziel
Typische Förderak-
tivitäten
Output-Indikator
Ziel
Zielgruppe: Um-
fang / Abde-
ckungsquote
A1:
Steigerung der
Anpassungsfä-
higkeit der Un-
ternehmen und
Beschäftigten
Zahl der erfolg-
reich abge-
schlossenen
Weiterbildun-
gen
(Erfassung
durch Monito-
ring bzw.
Stammblatt)
52.340
Verstärkte Weiterbil-
dung der Erwerbstä-
tigen und Weiterbil-
dungsberatung
Instrumente:
Weiterbildung
Erwerbstätige die
an Weiterbildung /
Beratung teilneh-
men
64.521
Beschäftigte in
KMU
Umfang: rd. 1
Mio. (2005)
Abdeckungsquo-
te (kumuliert): 8
%
Erhöhung der Wett-
bewerbsfähigkeit von
Unternehmen durch
Beratung
Instrumente:
Beratung,
Outplacementbera-
tung, Unterneh-
mensnetzwerke,
Innovationsassisten-
ten
(An Netzwerken
beteiligte Unterneh-
men werden eben-
falls i. R. der Unter-
nehmensbefragung
von der Evaluation
erfasst, in Abhängig-
keit von den jeweili-
gen Netzwerkzielen
werden von der
Evaluation ergän-
zende Ergebnisindi-
katoren entwickelt
werden)
Beratene Unter-
nehmen
Beschäftigte Inno-
vationsassistenten
(2011-2013)
16.213
270
KMU,
Netzwerke von
KMU
Zahl KMU:
116.000 (2005)
Abdeckungsquo-
te (kumuliert):12
%
Fassung vom 26.02.2014
88

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
A2:
Stärkung des Un-
ternehmergeistes
und Schaffung von
Arbeitsplätzen
durch Förderung
von Gründungen
aus dem Hoch-
schul- und For-
schungsbereich
Zahl neuer Arbeits-
plätze bei den mit
Mikrodarlehen ge-
förderten Gründern
1.000
Steigerung der
Gründungsdynamik
aus dem Hoch-
schulbereich durch
Beratung, Coaching
Instrumente:
Sensibilisierung,
Beratung,
Coaching,
Projektförderung für
junge Gründer
Beratene und
gecoachte
angehende
Gründer
Anzahl der
ESF-Mikrodar-
lehen
29.913
1.900
Studierende,
Gründer aus
Hochschulen und
dem Forschungs-
bereich
Hochschul-
Absolventen:
11.000 (2005)
Abdeckungsquote
(p.a.): 13,6 %
Fassung vom 26.02.2014
89

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
Prioritätsachse B: Verbesserung des „Humankapitals“
Der ESF kann in Höhe von bis zu 10% der Gemeinschaftsbeteiligung dieser Prioritätsachse
für bestimmte Teile der ESF-Vorhaben verwendet werden, die in den Interventionsbereich
des EFRE fallen. Hierfür sind folgende Voraussetzungen zu erfüllen (Art. 34, Abs. 2 VO
(EG) Nr. 1083/2006): die zu finanzierenden Teile der Vorhaben sind für deren ordnungs-
gemäßen Ablauf notwendig, stehen mit diesen in direktem Zusammenhang. Für eine ord-
nungsgemäße Erfüllung der Maßnahme kann es erforderlich sein, dass in diesem Zusam-
menhang Ausstattungsinvestitionen, Renovierungen und kleinere Umbauten notwendig
werden.
4.2.2.4 Einsatzfeld 3: Förderung des Lebensbegleitenden Lernens und Verbesserung
der Berufswahlkompetenz
Für langfristige Verbesserungen bei der Entwicklung des „Humankapitals“ zur Sicherung
der Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit sind nachfolgende Handlungsoptionen vor-
gesehen.
Handlungsoption: Verbesserung des Schulerfolgs
Bei gleich bleibend hohen Qualitätsstandards sollen möglichst alle Schüler unter
zielgerichteter Förderung individueller Begabungen zu einem ihrem Leistungspo-
tenzial entsprechenden Bildungsabschluss geführt werden (Anhebung des all-
gemeinen Bildungsniveaus, insbesondere Verringerung der Quote der Schüler
ohne Abschluss und Erhöhung der Quote der Schüler mit allgemeiner Hoch-
schulreife). Dies ist insbesondere durch die Schaffung von zusätzlichen
Bil-
dungsangeboten
an den Schulen (z. B. durch qualitativ weiterentwickelte ganz-
tägige Bildungsangebote mit der Zielrichtung, die Ausbildungsfähigkeit zu erhö-
hen, die leistungsgerechte Integration zu fördern und besondere Potentiale zu
erschließen) und durch eine
verstärkte individuelle Förderung
des einzelnen
Schülers zur Verringerung seiner Bildungs- und Leistungsdefizite (z. B. durch
adäquate Unterstützungsmaßnahmen nach einem Kompetenzcheck) sowie
durch Stärkung der Persönlichkeit und Motivation der Schüler zu erreichen. Mit
der möglichst frühzeitigen Behebung von individuellen sowie von genderspezifi-
schen Defiziten sollen individuelle und genderspezifische Bildungsnachteile ver-
hindert werden. Diese präventiven Eingriffe werden sich positiv auf das allgemei-
ne Bildungsniveau auswirken und gegenüber reaktiven Maßnahmen, die zeitlich
später in der Bildungsbiographie des einzelnen Schülers angesiedelt sind, erfolg-
reicher, effizienter und wesentlich nachhaltiger sein. Des Weiteren wird eine
stärkere interna-tionale und interkulturelle Öffnung der Schulen
gefördert,
die die Mobilität der Schüler unterstützt und zu einer inhaltlichen Erweiterung des
Bildungsspektrums führt. Aufgrund der erhöhten Arbeitnehmermobilität innerhalb
der Europäischen Gemeinschaft in der Folge des Ausbaus des Binnenmarktes
und der Globalisierung, sowie des absehbaren Fachkräftebedarfs im Freistaat
Sachsen ist es notwendig, auch der erhöhten Mobilität dieser Familien Rechnung
zu tragen und für deren Kinder beispielsweise weitere international anerkannte
Abschlüsse besonders an öffentlichen Schulen zu ermöglichen bzw. entspre-
chende Module anzubieten. Deren Erwerb kann sowohl alternativ zu den deut-
Fassung vom 26.02.2014
90

Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
schen Abschlüssen als auch im Rahmen der Förderung besonderer Begabungen
zusätzlich zu den deutschen Abschlüssen ermöglicht werden. Durch ein breiteres
Angebot von an den Anforderungen der anschließenden Qualifikations- und Ar-
beitsbereiche ausgerichteten Ganztagsprojekten kann nicht nur die Ausbildungs-
reife der Absolventen maßgeblich optimiert, sondern daneben auch der besseren
Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern und insbesondere Alleinerziehen-
den Rechnung getragen werden.
Mit der
Unterstützung im Spitzenbereich
– auch z. B. durch Exzellenzförde-
rung von Schülern bzw. an Schulen, zur Stärkung einer speziellen Begabung
(Domänenbegabung) oder Mehrsprachigkeit, oder durch eine effiziente schuli-
sche Studienvorbereitung – und mit der gezielten Förderung jener Schüler, die
besonderen
Risikofaktoren
ausgesetzt sind, werden einerseits mit Blick auf die
künftige Innovationskraft des Landes Spitzenleistungen ausgebaut. Andererseits
wird es leistungsschwächeren oder abschlussgefährdeten Schülern ermöglicht,
ein höheres Bildungsniveau und einen ihren Möglichkeiten entsprechenden Ab-
schluss zu erreichen, um damit ihre Ausgangsposition auf dem Arbeits- und
Ausbildungsmarkt zu verbessern. Durch die gezielte individuelle Förderung von
Benachteiligten, die dem Abbau von Defiziten und dem Aufbau von Motivation
dient, wird dem Abbruch der Schullaufbahn möglichst umfassend vorgebeugt.
Diese Erweiterung der eigenen beruflichen und persönlichen Entwicklungsper-
spektiven führt zudem dazu, die Jugendlichen weniger anfällig für rechtsextre-
mes Gedankengut zu machen. Die angestrebte internationale und interkulturelle
Öffnung der Schulen wird zum einen die Förderung von Spitzenleistungen zu-
sätzlich unterstützen. Zum anderen wird sie zum Aufbau von Resistenzen gegen
den Einfluss durch politischen Extremismus beitragen. In beiden Bereichen wer-
den sich durch den positiven Einfluss auf die Schüler deren Chancen, auch über
den nationalen Vergleich hinaus, verbessern.
Die frühzeitige und lebensnahe
Orientierung
an den Anforderungen des
Berufs-
lebens
und des Lebenslangen Lernens und die Vorbereitung auf die Möglichkei-
ten und Anforderungen, die die Arbeitnehmerfreizügigkeit bietet, beginnt in ers-
ten Ansätzen zum Anfang der Sekundarstufe I, nimmt bis zum Ende dieser Stufe
an Intensität zu und wirkt auch in der Sekundarstufe II fort. Die geplanten Maß-
nahmen (wie z. B. zur Berufs- und Studienorientierung, zur Vermittlung berufli-
cher Basisqualifikationen und Grundkompetenzen, zur Studienvorbereitung auch
hinsichtlich der Systemänderungen bei den konsekutiven Studiengängen sowie
zur Erhöhung der Flexibilität und Mobilität im Erwerbsleben und in der individuel-
len lebenslangen Qualifizierung) gewährleisten eine nachhaltige Wirkung der
eingesetzten Mittel. Darüber hinaus sollen die Maßnahmen, die in enger Zu-
sammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft und den Hochschulen sowie aus-
ländischen Partnern durchgeführt werden sollen, den Aufbau von Kompetenzen
ermöglichen, die zu einer nachhaltigen Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit in
Sachsen führen und über die gesamte Lebensspanne anhalten. Dazu tragen
auch die Verbesserung der Kenntnisse in den Nachbarsprachen Polnisch und
Tschechisch und die Stärkung des interkulturellen Denkens bei.
Der Abschluss einer Bildungsphase und der Eintritt in die nächste Phase bedeu-
ten für Schüler und Schulabsolventen eine wichtige Weichenstellung. Erfah-
rungsgemäß ist dieser Übergang in vielen Fällen mit Schwierigkeiten verbunden.
Das kann an den höheren Anforderungen der sich anschließenden Bildungspha-
Fassung vom 26.02.2014
91

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
se, aber auch an Defiziten in der Person des Schülers bzw. seiner ungenügen-
den Vorbereitung auf die neuen Herausforderungen liegen. Der leichteren
Be-
wältigung der Übergänge
durch präventive Maßnahmen zum Ausgleich von
Defiziten bzw. zur besseren Vorbereitung ist zukünftig mehr Aufmerksamkeit zu
widmen. Dieses Vorgehen wird sich auch auf die weitere Bildungslaufbahn bis
hin zum Eintritt in die Berufsausübung positiv auswirken und die Ausbildungsfä-
higkeit maßgeblich steigern. Durch die damit optimierte Bildungslaufbahn und die
Vermeidung von Fehlorientierungen wird neben der effizienten Nutzung der indi-
viduellen Lebenszeit auch eine effiziente Nutzung der Bildungseinrichtungen
möglich.
Handlungsoption: Verbesserung der Berufsorientierung
Die Berufsorientierung soll durch geeignete Maßnahmen systematisiert und in-
tensiviert werden. Dazu sind insbesondere auch nachhaltige neue
Kooperatio-
nen zwischen Schulen und Unternehmen
zu etablieren. Darüber hinaus soll
die Arbeit bestehender Kooperationen durch einen best practice-Transfer und ei-
ne Verbesserung der Kooperationsstrukturen professionalisiert werden. Die Bün-
delung von Aktivitäten soll Transparenz im Bereich Schule-Wirtschaft und Syner-
gieeffekte schaffen. Durch eine auf diesem Weg möglichst praxisnahe Berufsori-
entierung soll ein Beitrag zur Verringerung der Anzahl der Ausbildungsabbrüche
geleistet werden. Damit trägt die Förderung sowohl zu einem schnelleren qualifi-
zierten Berufseinstieg wie auch zu einer Kosteneffektivierung im beruflichen Bil-
dungssystem bei.
Darüber hinaus sind Maßnahmen geplant, die in geeigneter Weise abschlussge-
fährdeten Schülern im Sinne eines stärkeren Lernens an
Praxislernorten
die
Möglichkeit geben, für sich eine berufliche Perspektive zu erkennen und sie auf
diesem Wege motivieren, einen Schulabschluss anzustreben. Dies ist vielfach
nur in Kooperation mit externen Partnern möglich, jedoch von erheblicher Rele-
vanz, um die Quote der Schüler ohne Abschluss zu senken.
In dieser Lebensphase kann das Angebot von Freiwilligendiensten eine wertvolle
Orientierung bieten (FSJ, FÖJ, ...). Neben der Heranführung an einen geregelten
beruflichen Tagesablauf werden Teamfähigkeit und das Wissen über nachhaltige
Prozesse und deren Bedeutung für die Umwelt gefördert.
Die demografischen Veränderungen und die wirtschaftliche Entwicklung führen
im Freistaat Sachsen zu einem Mangel an Fachkräften und Akademikern im na-
turwissenschaftlichen-technischen Bereich. Daher sind praxisorientierte Maß-
nahmen vorgesehen, die bereits in Mittelschulen und Gymnasien die Hinwen-
dung der Schüler zu mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Ausbil-
dungsberufen und Studienrichtungen befördern.
Handlungsoption: Chancengleichheit - Berufsorientierung
Derzeit ergreifen Mädchen und junge Frauen nur selten technische und natur-
wissenschaftliche Berufe, die - gemessen an den klassischen Frauenberufen -
von besseren Aufstiegschancen und einem höheren Verdienstniveau geprägt
sind. Ziel des Koalitionsvertrages im Freistaat Sachsen ist die Erhöhung des An-
teils von Frauen in zukunftsorientierten technischen Berufen und in der Wissen-
Fassung vom 26.02.2014
92

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
schaft. Wesentliche Grundsteine der späteren beruflichen Tätigkeit werden mit
der Berufswahl gelegt. Mädchen und jungen Frauen soll deshalb im Rahmen der
Berufsorientierung ein Einblick in technische und naturwissenschaftliche Berufe
ermöglicht und damit ggf. die Entscheidung zur Ergreifung eines solchen Berufes
erleichtert werden. Auch die Berufswahl von Jungen erfolgt in einem engen
Spektrum, Berufe im sozialen oder pflegerischen Bereich werden nur selten in
Betracht gezogen. Das Interesse von Jungen an der Ergreifung eines solchen
Berufes soll geweckt werden.
Soweit für die fachgerechte und zielgerichtete Entwicklung und Durchführung der Maß-
nahmen innerhalb der genannten Handlungsoptionen an Schulen oder für notwendige An-
passungen der Schulprogramme Fortbildungen erforderlich sind, sollen diese durchgeführt
werden. Es ist sicherzustellen, dass die Schüler die Möglichkeit haben, an den Maßnah-
men teilzunehmen.
4.2.2.5 Einsatzfeld 4: Förderung der Berufsausbildung für Jugendliche
Um die Herausforderungen, denen sich der Freistaat Sachsen in der beruflichen Erstaus-
bildung gegenübersieht, zu begegnen, stehen die folgenden Handlungsoptionen offen:
Handlungsoption: Förderung der beruflichen Erstausbildung
Der hohe Bestand an Altbewerbern erfordert angesichts der geringen Zahl be-
trieblicher Ausbildungsplätze in den nächsten Jahren die
Bereitstellung be-
triebsnaher Ausbildungsplätze
. Mit Hilfe der Förderung von betriebsnahen
Ausbildungsplätzen können insbesondere Jugendliche mit Bildungs- und Kompe-
tenzdefiziten ausgebildet werden. Gleichzeitig bieten sie auch Jugendlichen, die
in wirtschaftlich weniger stark entwickelten Regionen Sachsens leben, bessere
Chancen auf eine berufliche Erstausbildung.
Durch gezielte Zuschüsse soll das
betriebliche Ausbildungsstellenangebot für
benachteiligte Jugendliche
erhöht werden. Zu diesem Zweck kann z. B. die
Einstellung von Absolventen des Berufsgrundbildungsjahres, berufsvorbereiten-
der Maßnahmen sowie von Ausbildungsabbrechern und jungen Müttern und Vä-
tern gefördert werden. Die Förderung kann auch sozialpädagogische Betreuung
einschließen, um die Integration der geförderten Auszubildenden in das Berufs-
leben zu unterstützen.
Angebot von
zusätzlichen und ergänzenden beruflichen Praxisphasen in Be-
rufsausbildungsgängen
, z. B. im Rahmen des Berufsvorbereitungsjahres
(BVJ). Die geringe Praxisnähe der bislang durchgeführten BVJ führte zu einer
geringen Bereitschaft der Wirtschaft, die betroffenen Jugendlichen in Ausbildung
zu übernehmen.
Insbesondere kleine Unternehmen stehen häufig vor der Schwierigkeit, aufgrund
ihrer Größe und Spezialisierung nicht die gesamte Breite der durch die Ausbil-
dungsordnung vorgeschriebenen Ausbildungsinhalte anbieten zu können. Daher
soll die
Kooperation der Unternehmen untereinander und mit externen Trä-
gern zur Verbesserung der Ausbildungsleistung
gestärkt werden, um das
Ausbildungspotenzial zu erschließen. So wird z. B. vielen Unternehmen erst
Fassung vom 26.02.2014
93

 
Operationelles Programm des Freistaates Sachsen für den ESF in der Förderperiode 2007 bis 2013
durch die Verbundausbildung die Möglichkeit gegeben, Ausbildungsplätze anzu-
bieten. Zudem kann über solche Unternehmenskooperationen eine Verbreiterung
der Grundausbildung und eine Vertiefung der Fachkenntnisse erzielt werden. Die
Erschließung des Ausbildungspotenzials geht daher mit einer Qualitätssteigerung
in der beruflichen Erstausbildung einher, von der die Auszubildenden beim Zu-
gang zum Arbeitsmarkt profitieren werden.
Durch die Vermittlung von
Zusatzqualifikationen für Auszubildende
soll die
Berufsausbildung an die spezifischen Anforderungen der Unternehmen ange-
passt werden. Zusatzqualifikationen sollen bereits während der beruflichen
Erstausbildung Voraussetzungen für Lebenslanges Lernen schaffen. Gleichzeitig
werden die beruflichen Kompetenzen der Jugendlichen und ihre Chancen am
Arbeitsmarkt erhöht. Darin ordnen sich auch die Leistungsvergleiche in der beruf-
lichen Ausbildung ein.
Der
Übergang von der Ausbildung in Beschäftigung
soll bestimmten Ziel-
gruppen durch die Förderung erleichtert werden. So werden z. B. Absolventen
einer Berufsfachschule zum Teil von der Wirtschaft nur zögerlich oder gar nicht
eingestellt. Der Grund hierfür ist die bestehende Praxisferne mancher Ausbil-
dungsgänge. Die Folge ist, dass Absolventen häufig eine zweite Berufsausbil-
dung aufnehmen und dadurch die Nachfrage nach knappen Ausbildungsplätzen
erhöhen. Die Weiterqualifizierung von Berufsfachschülern zu einem anerkannten
Ausbildungsberuf mit Kammerabschluss verbessert die Chancen auf dem Ar-