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Kurzfassung MaP 148 „Elligastbachniederung“
1.
GEBIETSCHARAKTERISTIK
Das FFH-Gebiet „Elligastbachniederung“ ist etwa 198,3 ha groß und besteht aus zwei
Teilgebieten. Das größere Teilgebiet 1 „Elligastbachniederung (Stroga)“ im Bereich des
Ortsteils Stroga umfasst 139,5 ha. Das etwa sieben Kilometer östlich von diesem
gelegene Teilgebiet 2 „Elligastbachniederung (Weißig a.R.)“ ist 59,4 ha groß und nahe
des Ortsteiles Weißig am Raschütz gelegen. Das Gebiet von gemeinschaftlicher
Bedeutung (engl.: Site of Community Interest, Abk. SCI) gehört dem innerhalb der
Naturräumlichen Haupteinheit „Sächsisches Hügelland und Erzgebirgsvorland“ gelegenen
Naturraum „Großenhainer Pflege“ an. Das ost-westwärts verlaufende niederungsartige
Bachtal durchschneidet ausgedehnte Altmoränenplatten, die sich nördlich und südlich
anschließen.
Die Biotoptypenanteile in den beiden Teilgebieten des SCI unterscheiden sich wesentlich.
Das östlich gelegene Teilgebiet 2 schließt den Quellbereich des Elligastbaches, das
Waldgebiet Raschütz sowie die Dreiberger Teichwiesen ein. Es wird von Wäldern
bestimmt, wovon Laubwälder den größten Flächenanteil aufweisen. Sämtliche
Waldflächen befinden sich in Privatbesitz. Grünländer haben hier einen vergleichsweise
geringen Anteil an der Gesamtfläche, sehr kleinflächig vertreten sind zudem
Stillgewässer, Röhrichte sowie Äcker. Der Elligastbach ist hier mit 2,8 km Länge das
einzige Fließgewässer.
Das im Westen gelegene größere Teilgebiet 1 zwischen Uebigau und der Mündung des
Elligastbaches in die Roeder umfasst einen großflächigen Niedermoorkomplex. Das
Teilgebiet wird von Grünland dominiert. Äcker und Wälder, insbesondere Laubwälder,
nehmen nur kleine Flächenanteile ein, ebenso Stillgewässer, Sümpfe und Niedermoore.
Der Elligastbach mit seinen Zuflüssen durchfließt das Teilgebiet auf einer Strecke von
etwa 8 km.
Der westliche Flügel des Teilgebietes 1 bis zur B 101 (54 % der SCI-Fläche) ist
Bestandteil des insgesamt 7.947 ha großen EU-Vogelschutzgebietes „Unteres Rödertal“
(DE 4546-451). Zudem wird der Westteil des Teilgebietes 1 (30 % der SCI-Fläche) von
dem insgesamt 8.738 ha umfassenden Landschaftsschutzgebiet „Mittlere Röderaue und
Kienheide“ eingeschlossen. Einen Flächenanteil von zusammen etwa 15 % haben acht
ganz oder anteilig im SCI gelegenen Flächennaturdenkmäler. Nach § 26 SächsNatSchG
geschützte Biotope kommen mit einem Flächenanteil von 55 ha (28 % der Gesamtfläche)
vor, zusätzlich stehen 460 m des Elligastbaches am westlichen Ende des Teilgebietes 1
unter Schutz.

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2.
ERFASSUNG UND BEWERTUNG
2.1. LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I DER FFH-RICHTLINIE
Als Ergebnis der Ersterfassung im Jahr 2009/2010 wurden sechs Lebensraumtypen (LRT)
mit einer Gesamtfläche von 17,5 ha und einem Anteil von knapp 9 % an der Fläche des
SCI kartiert (vgl. Tabelle 1). Hinzu kommen linienhafte LRT auf einer Länge von etwa fünf
Kilometern. Weitere 19,2 ha konnten als Entwicklungsflächen für die LRT 9160
(Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder)
und
6510
(Flachland-Mähwiesen)
erfasst
werden.
Tabelle 1: Lebensraumtypen im SCI 148
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl der
Einzelflächen
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
3130
Oligo- bis mesotrophe Stillgewässer
2
0,67
0,3 %
3150
Eutrophe Stillgewässer
6
1,42
0,7 %
3260
Fließgewässer mit
Unterwasservegetation
1
5,06 km
k.A.
6510
Flachland-Mähwiesen
5
10,35
5,2 %
9160
Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
1
0,54
< 0,1 %
91E0*(2) Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
7
4,42
2,2 %
gesamt:
22
17,54
8,8 %
*prioritärer Lebensraumtyp
Im SCI flächenmäßig am bedeutendsten ist der LRT 6510 (Flachland-Mähwiesen),
dessen fünf Teilflächen sich allesamt in einem günstigen Erhaltungszustand befinden.
Das Arteninventar ist durchweg gut ausgebildet. Die Strukturen sind in einem Fall als
hervorragend bewertet. Die Vorkommen des LRT haben daher eine gebietsübergreifende
Bedeutung auf regionaler Ebene. Auf allen Flächen bestehen jedoch stärkere bis
erhebliche Beeinträchtigungen, die in erster Linie im Vorkommen von Nährstoff- und
Störungszeigern bestehen. Diese sind nicht nur Ausdruck von Nährstoffeinträgen und
einer ehemals intensiveren Nutzung, sie verweisen auch auf aktuelle Pflegedefizite.

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Auf einer Länge von gut fünf Kilometern ist der Elligastbach dem LRT 3260
(Fließgewässer mit Unterwasservegetation) zuzuordnen, welcher sich in einem günstigen
Erhaltungszustand befindet. Die Strukturen sind aufgrund der gut ausgeprägten
Gewässer- und Ufervegetation insgesamt als gut zu bewerten, wobei aber bei der
Gewässerstruktur erhebliche Defizite bestehen. Diese ist insbesondere hinsichtlich der
Parameter Laufentwicklung, Längs- und Querprofil anthropogen stark überzeichnet. Das
Arteninventar ist hervorragend ausgeprägt. Insbesondere die reichen Bestände der
Brunnenkresse (Nasturtium
officinale
agg., RL-SN 2/R) geben dem LRT 3260 eine
gebietsübergreifende Bedeutung. Beeinträchtigungen im Gewässerverbau ober- und
unterhalb angrenzender Fließgewässerabschnitte bzw. der sich daraus ergebenden
isolierenden Wirkung, der Eutrophierung der Bachaue sowie der auch infolge klimatischer
Veränderungen rückläufigen Wasserführung des Elligastbaches.
Fünf kleinere, in der Bachniederung liegende Abgrabungsgewässer („Torflöcher“) sowie
ein alter Teich repräsentieren den LRT 3150 (Eutrophe Stillgewässer) auf einer Fläche
von 1,4 ha. Vier der Gewässer weisen einen günstigen, zwei hingegen einen ungünstigen
Erhaltungszustand auf. Die lebensraumtypischen Strukturen aller Gewässer sind gut
ausgebildet. Allerdings weisen die Gewässer nur ein sehr eingeschränktes Spektrum an
lebensraumtypischen Arten auf. Der LRT 3150 ist ohne gebietsübergreifende Bedeutung.
Die wesentlichen Beeinträchtigungen bestehen in Nährstoffeinträgen, ablesbar an der
Häufigkeit bzw. Dominanz von Nährstoffzeigern sowie im Einzelfall in einer illegalen
Nutzung als Angelgewässer.
In einem weiteren aus zwei Teilgewässern bestehenden Teich ist der LRT 3130 (Oligo-
bis mesotrophe Stillgewässer) in einem günstigen Erhaltungszustand vertreten. Der LRT
weist hervorragende lebensraumtypische Strukturen sowie ein gutes Arteninventar auf,
jedoch bestehen erheblich Beeinträchtigungen aufgrund fehlender Maßnahmen zur
Teichentlandung bzw. Entschlammung. Das Vorkommen des LRT 3130 im Kleinen Teich
bei Weißig am Raschütz ist durch das Vorkommen des Schwimmenden Froschkrautes
(Luronium natans, RL-SN 1, FFH-Anhang II) von großer gebietsübergreifender
Bedeutung.
Unter den Waldlebensraumtypen ist der LRT 91E0*, welcher im Gebiet in der Ausbildung
2 „Schwarzerlenwald bzw. Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald“ vorkommt, flächenmäßig
am bedeutendsten. Die sieben im SCI gelegenen Teilflächen nehmen eine Fläche von 4,4
ha ein und befinden sich überwiegend im günstigen Erhaltungszustand. Die Struktur der
Bestände ist auf den überwiegenden Flächen mittel-schlecht, auf einigen gut. Das
lebensraumtypische Arteninventar ist hingegen auf allen Flächen gut ausgeprägt.
Beeinträchtigungen
ergeben
sich
vor
allem
durch
Entwässerungsmaßnahmen.
Gebietsübergreifend sind die Vorkommen des LRT von regionaler Bedeutung.

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Mit lediglich einer kleinen Einzelfläche (0,5 ha) im günstigen Erhaltungszustand ist der
LRT 9160 (Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder) im SCI vertreten. Diese ist ohne
gebietsübergreifende Bedeutung.
Tabelle 2: Erhaltungszustand der Lebensraumtypen im SCI 148
Erhaltungszustand
A
B
C
Lebensraumtyp (LRT)
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
Anzahl
Fläche
[ha]
3130
Oligo- bis mesotrophe
Stillgewässer
0
0
2
0,67
0
0
3150
Eutrophe Stillgewässer
0
0
6
1,08
2
1,01
3260
Fließgewässer mit
Unterwasservegetation
0
0
1
5,1 km
0
0
6510
Flachland-Mähwiesen
0
0
5
10,35
0
0
9160
Sternmieren-Eichen-
Hainbuchenwälder
0
0
1
0,54
0
0
91E0*
(2)
Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder
0
0
6
3,38
1
1,04
*prioritärer Lebensraumtyp
2.2. ARTEN NACH ANHANG II DER FFH-RICHTLINIE
Im SCI "Elligastbachniederung" sind vier Arten nach Anhang II der FFH-Richtlinie
nachgewiesen worden (vgl. Tabelle 3). Entgegen ihrer Nennung im Standarddatenbogen
konnten die Vorkommen von Schlammpeitzger (Misgurnus
fossilis)
und Großer
Moosjungfer (Leucorrhinia
pectoralis)
aktuell nicht bestätigt werden. Für diese wie auch
für den Kammmolch (Triturus
cristatus)
wurden jedoch Habitat-Entwicklungsflächen
ausgewiesen.

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Tabelle 3: Habitatflächen der Anhang II - Arten im SCI 148
Anhang II - Art
Name
Wissenschaft-
licher Name
Anzahl der
Habitate im
Gebiet
Fläche
[ha]
Flächenanteil
im SCI
Froschkraut
Luronium natans
2
0,8
0,4 %
Schmale
Windelschnecke
Vertigo angustior
3
3,9
2,0 %
Biber
Castor fiber
1
106,9
53,9 %
Fischotter
Lutra lutra
2
173,3
87,4 %
Das Froschkraut (Luronium
natans)
besitzt zwei Vorkommen im SCI. Das relativ stabile
Hauptvorkommen befindet sich im Kleinen Teich bei Weißig a. R., der Zustand der
Population ist hier wie auch der des Habitates als „gut“ zu bewerten. Das wesentlich
kleinere Vorkommen in einem Bachabschnitt in Höhe der Teichwiesen – Dreiberg ist
hingegen unbeständig. Der Zustand der Population ist somit nur „mittel bis schlecht“, der
Habitatzustand jedoch „gut“. Starke Beeinträchtigungen bestehen im Falle beider
Habitatflächen v.a. durch das im weiteren Umfeld veränderte hydrologische Regime
Auf drei Habitatflächen im SCI, welche sich weitgehend auf den Bereich des
Niedermoorkörpers beschränken, kommt die Schmale Windelschnecke (Vertigo
angustior)
vor. Der Erhaltungszustand aller Flächen ist als günstig einzuschätzen, wobei
Einschränkungen hinsichtlich der Parameter „Habitat“ und „Beeinträchtigung“ durch die
südlich der Elligast teilweise auftretende Staunässe sowie nördlich derselben die
Eutrophierung und das punktuelle Auftreten von Gehölzjungwuchs bestehen.
Für den Westteil des SCI liegen zahlreiche Nachweise des Bibers (Castor
fiber)
vor.
Seine Habitatfläche befindet sich im günstigen Erhaltungszustand. Die Ufer des
Gewässers sind nicht ausgebaut, jedoch weisen sie durch ehemalige Begradigungen des
Bachlaufes eine erhebliche Strukturarmut auf. Eine Ausbreitung der Art ist sowohl in
Richtung Röderaue als auch bachaufwärts möglich. Die Nahrungsverfügbarkeit ist
aufgrund des Mangels an Gehölzen jedoch unzureichend. Geringe Beeinträchtigungen
bestehen durch zwei das SCI schneidende Straßen sowie die strukturarme Morphologie
des Bachlaufs.
Mit Ausnahme größerer Waldflächen im Teilgebiet 2 ist das gesamte SCI Habitatfläche
des Fischotters (Lutra
lutra).
Beide Teilflächen befinden sich im günstigen
Erhaltungszustand, wobei durch die im Teilgebiet 1 teilweise unmittelbar an das
Gewässer angrenzenden Ackerflächen sowie die Insellage des Teilgebietes 2 innerhalb
der Agrarlandschaft dennoch Defizite bestehen. Die beiden das SCI schneidenden

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Straßen beeinträchtigen die Habitatflächen aufgrund der vorhandenen weitestgehend
otterschutzgerechen Kreuzungsbauwerke nur gering.
Tabelle 4: Erhaltungszustand der Habitatflächen im SCI 148
Erhaltungszustand
Anhang II – Art
A
B
C
Name
Wissenschaft-
licher Name
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
An-
zahl
Fläche
[ha]
Froschkraut
Luronium natans
-
-
1
0,7
1
0,06
Schmale
Windelschnecke
Vertigo angustior
-
-
3
3,9
-
Biber
Castor fiber
-
-
1
106,9
-
-
Fischotter
Lutra lutra
-
-
2
173,3
-
-
In der überwiegend durch Ackerbau geprägten Landschaft Nordsachsens mit
verhältnismäßig wenig naturnahen Rückzugsstrukturen stellen sowohl das SCI als auch
die benachbarten Schutzgebiete wichtige Trittsteine im gesamten Schutzgebietsnetz dar.
Für das SCI übernimmt das Fließgewässersystem aus Elligastbach, Großer und Kleiner
Röder und Geißlitz die zentrale Biotopverbundfunktion.
3.
MAßNAHMEN
3.1. MAßNAHMEN AUF GEBIETSEBENE
Bei der Forstwirtschaft sollte der Fokus auf einer naturnahen Entwicklung der
Waldbestände im Einzugsgebiet des Elligastbaches liegen. Dabei sollte auf die
Etablierung
eines
Baumbestandes
mit
günstigen
grundwasserspeisenden
und
wasserrückhaltenden Eigenschaften gelegt werden (geringe Anteile von produktiven
Wuchsklassen mit hohem Wasserverbrauch).
Bei der Landwirtschaft sollten innerhalb des Einzugsgebietes des Elligastbaches
Nährstoffeinträge soweit wie möglich minimiert werden. Vor allem aber in den
Gewässerrandstreifen ist auf die strikte Einhaltung des gesetzlichen Bestimmungen, wie
§50SächsWG, zu achten.

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Mit Blick auf den Biber und Fischotter ist auf eine Jagd mit Fallen gänzlich zu verzichten.
Des Weiteren sollten in sensiblen Bereichen keine Kirrungen angelegt werden.
3.2. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF LEBENSRAUMTYPEN NACH ANHANG I
Für den LRT 6510 (Flachland-Mähwiesen) ist der wichtigste Behandlungsgrundsatz die
Nutzung vorrangig durch zweischürige Mahd bei möglichst zeitiger Erstmahd. Die Zweit-
nutzung sollte frühestens 6-8 Wochen nach der Erstnutzung erfolgen. Die Schnitthöhe ist
dabei möglichst hoch anzusetzen, vorzugsweise 7-8 cm oder höher (nicht unter 5 cm). Bei
der Düngung sollte die ausgebrachte Menge an Stickstoff höchstens dem Nährstoffentzug
entsprechen. Auf die Einbringung von Fremdsaatgut ist möglichst zu verzichten.
Die
wichtigste
Erhaltungsmaßnahme
für
den
LRT
3260
(Fließgewässer
mit
Unterwasservegetation) besteht im Erhalt naturnaher Strukturen. In erster Linie betrifft
dies Vegetationsstrukturen wie die flutende Vegetation oder die abschnittsweise
hervorragend ausgebildeten Bachröhrichte, darüber hinaus aber auch Reste bzw.
Ansätze naturnaher Gewässerstrukturen wie sandige und kiesige Sohlensubstrate. Die
allgemeinen Behandlungsgrundsätze für den LRT umfassen den Schutz vor
Beeinträchtigungen, wie sie beispielsweise Einträge von Nähr- und Schadstoffen oder die
Verschlechterung der Wasserqualität darstellen. Für Abschnitte mit stark anthropogen
veränderter Gewässerstruktur sind der Rückbau von Sohl- und Uferbefestigungen und die
Minimierung von Nähr- und Schadstoffeinträgen anzustreben. Gewässerrandstreifen sind
einzuhalten und die Gewässerunterhaltung soll naturschutzgerecht erfolgen.
An den dem LRT 3130 (Oligo- bis mesotrophe Stillgewässer) zuzuordnenden Gewässern,
welche zugleich Habitatfläche des Schwimmendem Froschkrautes (Luronium
natans)
sind, ist zur Verhinderung bzw. Verringerung von Nährstoffeinträgen in größeren
Zeitabständen (ca. alle 10 Jahre) eine Entlandung (insbes. Entfernen des eingespülten
bzw. eingetragenen Falllaubes, Zurückdrängen konkurrierender Wasserpflanzen usw.)
erforderlich. Im Hinblick auf die in beiden Teilgewässern vergleichsweise individuenreich
entwickelte Population des Schwimmenden Froschkrautes sollten im Rahmen einer
Entlandung bzw. Entschlammung von
Luronium
besiedelte Bereiche ausgespart werden.
Durch
Stauhaltung
sollen
hinreichende
Wasserstände
gesichert
werden.
Im
Einzugsbereich ist zur Minimierung etwaiger Einträge an Nähr- und Schadstoffen
konsequent auf die Einhaltung des Gewässerrandstreifens zu achten.
Während die kleineren Gewässer des LRT 3150 (Eutrophe Stillgewässer) unberührt
bleiben sollen und erst mittel- bis langfristig einer Entschlammung bedürfen, ist die
wichtigste Maßnahme zum Erhalt des LRT-Status der beiden größeren Gewässer eine
möglichst kurzfristig umzusetzende Entschlammung. Dabei sollte die Verlandungs-
vegetation zumindest saumartig erhalten bleiben.

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Wichtige Behandlungsgrundsätze und Erhaltungsmaßnahmen für den LRT 9160
(Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder) sind die Förderung eines mehrschichtigen
Bestandesaufbaus und einer mosaikartigen Nebeneinanders verschiedener Wald-
entwicklungsphasen, die Ausdehnung der Erntenutzung über mehrere Jahrzehnte zum
Erhalt eines Anteils der Reifephase von mind. 20 %. Eine Naturverjüngung der
lebensraumtypischen Baumarten ist anzustreben. In jedem Fall ist ein ausreichender
Eichenanteil (mind. 10%) in der Nachfolgegeneration zu gewährleisten. Biotopbäume
sowie starkes stehendes und liegendes Totholz sind in ausreichender Zahl in den
Beständen zu belassen.
Wichtige Behandlungsgrundsätze und Erhaltungsmaßnahmen für den LRT 91E0* (Erlen-
Eschen- und Weichholzauenwälder) sind der Erhalt bzw. die Förderung eines
lebensraumtypischen Wasserregimes, die Unterlassung von Entwässerungsmaßnahmen,
die Erhaltung und Förderung einer lebensraumtypischen Bestandsstruktur und die
Ausdehnung von Erntenutzungen auf lange Zeiträume (einzelstammweise oder
kleinflächige Nutzung). Die Bestandesverjüngung soll möglichst über Naturverjüngung/
Stockausschlag erfolgen, Biotopbäume sowie starkes stehendes und liegendes Totholz
sind in ausreichender Zahl in den Beständen zu belassen. Für eine LRT-Fläche wurden
zugunsten des Wasserhaushaltes Kammerungen bzw. Sohlerhöhungen geplant.
Entwässerungsgräben sollen geschlossen sowie kleinere Gräben nicht wieder
instandgesetzt werden.
3.3. MAßNAHMEN IN BEZUG AUF ARTEN NACH ANHANG II
Grundsätzlich gehen die Maßnahmen für die Bestände des Froschkrautes (Luronium
natans)
mit den Maßnahmen für den LRT 3130 einher (siehe 3.2). Über die Maßnahmen
innerhalb des Teichkörpers hinaus sollen zudem die Nährstoffeinträge in dem
zuströmenden Bachwasser so weit wie möglich minimiert werden. Daher sollte im
Quellgebiet des Elligastbaches knapp 2 km oberhalb des Kleinen Teiches der gesamte
Bachlauf einschließlich seiner Uferbereiche zum Schutz vor etwaigen Nährstoffeinträgen
ausgekoppelt werden. Für die
Luronium-Population
im Elligastbach auf Höhe der
Teichwiesen Dreiberg soll eine ganzjährig ausreichende Wasserversorgung durch eine
geeignete Stauregulierung gesichert werden.
Für den Erhalt der Habitate der Schmalen Windelschnecke (Vertigo
angustior)
stehen die
Sicherung des derzeitigen Wasserhaushalts, die Vermeidung von Nährstoffeinträgen und
eine regelmäßige Mahd und Abräumung des Mahdgutes in mindestens mehrjährigem
Turnus im Vordergrund.

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Innerhalb des Habitatflächen des Fischotters (Lutra
lutra)
und des Bibers (Castor
fiber)
sollen vorhandene naturnahe Fließgewässerstrukturen sowie die Unzerschnittenheit und
weitgehende Ungestörtheit der Niederung erhalten werden. Die Gewässer sind vor
Abwasser- und Nährstoffeinträgen sowie vor Einträgen von Pflanzenschutzmitteln zu
schützen. Bei der Jagdausübung sollten keine Fallen verwendet werden, um ungewollte
Fänge des Fischotters oder des Bibers zu vermeiden. Für den Biber sollen zudem
Weichhölzer
(auch
von
Einzelgehölzen,
Weidengebüschen)
und
Auwälder
in
Gewässernähe
als
wichtige
Nahrungshabitate
der
Art
und
störungsarme
Rückzugsbereiche erhalten werden.

10
Tabelle 5: Erhaltungsmaßnahmen im SCI 148
Maßnahme-Beschreibung
Flächengröße
[ha]
Maßnahmeziel
LRT / Habitat
Naturnahe Waldbewirtschaftung
(insb. Totholz, Biotopbäume, Erhalt
der Mehrschichtigkeit)
5,0
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes der LRT
Sternmieren-Eichen-Hainbuchen-
wälder (9160), Erlen-Eschen- und
Weichholzauenwälder (91E0*)
Extensive Grünlandnutzung
6,3
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes des LRT
Flachland-Mähwiesen (6510)
Röhrichtmahd
3,9
Sicherung der Habitate der Schmalen Windelschnecke
Schmale Windelschnecke
Entlandungsmaßnahmen
2,1
Erhalt des günstigen Erhaltungszustandes durch eine
schonende Entschlammung / Entkrautung an stärker
verschlammten / verlandeten Stillgewässern
Oligo- bis mesotrophe Stillgewässer
(3130), Eutrophe Stillgewässer (3150),
Froschkraut (Luronium
natans)
Naturschutzgerechte
Gewässerunterhaltung
2,5
Sicherung des günstigen Erhaltungszustandes des LRT,
Erhaltung der Nahrungshabitate von Biber und Fischotter
Fließgewässer mit Unterwasser-
vegetation (3260), Biber, Fischotter
*prioritärer Lebensraumtyp

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4.
FAZIT
Abstimmungen der im MaP geplanten Maßnahmen erfolgten mit Nutzungsberechtigten
und Flächeneigentümern im SCI.
Der Großteil der vorgeschlagenen Maßnahmen auf Grünlandflächen ist umsetzbar. Die
als LRT 6510 (Flachlandmähwiesen) kartierten Grünländer unterliegen in der Regel
einer
zweischürigen
Mahdnutzung,
jedoch
ohne
Inanspruchnahme
eines
Förderprogramms. Die Maßnahmen wurden auch ohne Inanspruchnahme von
Förderprogrammen der umweltgerechten Landwirtschaft als umsetzbar gewertet, da
von den Nutzern/Betrieben zumeist die Absicht bekundet wurde, die Flächen auch
zukünftig und langfristig zweischürig zu mähen. Einzelne Nutzer behielten sich jedoch
auch weiterhin eine gelegentliche Beweidung oder dreischürige Nutzung vor.
Maßnahmen an Teichen wurden für zwei Gewässer abgestimmt. Die Maßnahmen für
den LRT 3130 (Oligo- bis mesotrophe Stillgewässer) und das dortige Vorkommen des
Froschkrautes wurden vom Nutzer abgelehnt und sind somit nicht umsetzbar. Der
Nutzer der Torflöcher südöstlich von Zabeltitz erklärte sich mit den vorgeschlagenen
Maßnahmen weitestgehend einverstanden.
Die geplanten Maßnahmen im Wald sind nicht umsetzbar. Der überwiegende Teil der
Waldeigentümer stand für eine Abstimmung der Maßnahmen nicht zur Verfügung, der
Haupteigentümer lehnte alle Maßnahmen ab. Alle beteiligten Eigentümer sind jedoch
durch den SBS über die Planung informiert und aufgefordert, sich bei Fragen zur FFH-
Managementplanung an den SBS oder zuständigen Revierleiter zu wenden.
5.
QUELLE
Der Managementplan für das Gebiet Nr. 148 wurde im Original von dem Büro RANA -
Büro für Ökologie und Naturschutz Frank Meyer (Halle/Saale) erstellt und kann bei
Interesse beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
eingesehen werden.
ANHANG
Karte 1: Übersichtskarte Lebensraumtypen und Arten