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Das Einmaleins
der phänologischen
Beobachtung
Auszug aus der Anleitung für die phänologischen Beobachter
des Deutschen Wetterdienstes mit Anmerkungen
der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt

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02
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Mitmachen und ein echter
Phänologe werden!
Phänologie – was ist das eigentlich?
Die Phänologie befasst sich mit der Entwicklung der Pflanzen
während des Jahresverlaufs. Als Phänologe beobachtest
du die regelmäßig wiederkehrenden Wachstums- und
Entwicklungserscheinungen der Pflanzen. Das sind zum
Beispiel Blühbeginn, Fruchtreife oder Laubfall. Diese trägst du
dann in einen phänologischen Kalender mit zehn Jahreszeiten
ein. Der Kalender richtet sich nach den charakteristischen
Entwicklungsstadien typischer Zeigerpflanzen. Zu diesen
gehören etwa Schneeglöckchen, Holunder und Salweide.
Und wofür dient die Phänologie? Ganz einfach: Die Wachstums-
und Entwicklungserscheinungen der Pflanzen werden stark
vom vorherrschenden Klima beeinflusst. Dadurch eignen sie
sich ideal dazu, die Klimaentwicklung zu analysieren. Gerade
der sich seit Jahren fortschreitende Klimawandel lässt sich
so gut nachweisen. Darüber hinaus sind die Erkenntnisse aus
phänologischen Beobachtungen auch noch in anderer Hinsicht
wertvoll: So werden sie auch in den verschiedenen Warn-
und Beratungsdiensten der Landwirtschaft sowie für den
Pollenwarndienst in der Medizin genutzt.
Alles in allem also eine tolle Sache!
Mach deshalb mit bei
den phänologischen Beobachtungen in Sachsen! Unter
www.klima.sachsen.de
findest du einen eigens dafür
eingerichtete Website. Neben wichtigen Informationen und
praktischen Tips, gibt es dort auch den Meldebogen, in
welchen du deine Beobachtungen digital eintragen kannst.
Er enthält die entsprechenden Eintrittstermine der
pflanzlichen Entwicklungsstufen, die den Beginn der
phänologischen Jahreszeiten markieren. Wenn du den
Meldebogen ausgefüllt hast, kannst du deine Daten ganz
einfach an den Deutschen Wetterdienst (DWD) übermitteln.
Phänologische Beobachtung
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03
Folgende Aktivitäten sind für die
Beobachtung notwendig:
1. Erkundung:
Im Umfeld der Schule werden
geeignete Standorte für die
phänologische Beobachtung
gesucht (Gärten, Parkanlagen,
Schulgarten etc.).
2. Beobachtung:
Entsprechend dem phänologischen
Kalender werden die Eintrittstermine
der pflanzlichen Entwicklungsstufen
(Beginn der zehn phänologischen
Jahreszeiten) erfasst.
3. Verarbeitung:
Die erfassten Daten werden in den
für den jeweiligen Naturraum in
Sachsen spezifische Meldebogen
eingetragen. Der jeweilige Naturraum
kann der Naturraumkarte des DWD
entnommen werden.
4. Meldung:
Die ausgefüllten Meldebögen sollten
unmittelbar nach Erreichen eines
Eintrittstermins per E-Mail an den DWD
(LW.Leipzig@dwd.de) gesendet werden.

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Schneeglöckchen,
Kleines Schneeglöckchen
Galanthus nivalis
Allgemeine Beschreibung
Die kleine Gattung Schneeglöckchen gehört zur Familie
der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae) und umfasst
etwa 10 Arten. Die meisten davon kommen im östlichen
Mittelmeergebiet vor und besiedeln nur relativ kleine
Gebiete. Eine Art reicht bis Mitteleuropa. Es ist die im
phänologischen Beobachtungsprogramm enthaltene Art.
Die Schneeglöckchen blühen nach dem Ende des Winters,
wenn die ersten frostfreien Tage einsetzen. Das heißt, sie
sind typische Frühjahrsgeophyten. Den Rest des Jahres
überdauern sie als Zwiebeln im Boden. Jeder Trieb besitzt
zwei grasförmige Blätter und einen unverzweigten Stängel
mit einer nickenden Blüte an der Spitze. Die grasförmigen
Blätter sind am Grund von einer gemeinsamen Scheide
umgeben. Die Blütenblätter sehen unterschiedlich aus:
Die 3 äußeren sind länglich-eiförmig und stehen schräg
ab, die 3 inneren sind wesentlich kürzer, spatelförmig
und neigen zusammen. Die Pollenbehälter (Antheren)
der 6 Staubblätter öffnen sich nur an der Spitze. Der
Fruchtknoten ist unterständig. Das heißt, er steht in der
Blüte unterhalb der Blüten- und Staubblätter und wächst
zu einer Kapsel heran. Blätter und Fruchtstände verwelken
bereits zu Beginn des Sommers.
P
Die heimische Art Schneeglöckchen besitzt blaugrüne
Blätter, die kurz vor oder während der Blüte erscheinen.
Die Stängel werden 10-20 cm hoch, manchmal auch
höher. Typisch ist der gelblich-grüne Fleck an der Spitze
der inneren Blütenblätter, der zur Orientierung der
Nahrung suchenden Insekten dient.
P
Das Schneeglöckchen ist eine Pflanze feuchter
Laubmischwälder und Auenwälder. Besonders in den
Tälern größerer Flüsse tritt es oft zahlreich auf.
P
Das Schneeglöckchen kommt in Süd- und Westeuropa
sowie im südlichen Mitteleuropa vor. Die Nordgrenze der
Verbreitung verläuft durch Deutschland. Wild wächst es
im Oberrhein- und Donaugebiet. Allerdings ist die genaue
Grenze der ursprünglichen Vorkommen kaum mehr sicher
zu ermitteln. Die Art wird nämlich auch häufig weiter
nördlich kultiviert und gelegentlich aus Gärten und Parks
verwildert. Dadurch lassen sich dann spontane und
verwilderte Bestände kaum unterscheiden.
P
Das Schneeglöckchen ist in der Bundesrepublik
geschützt. Es darf daher am natürlichen Standort weder
gepflückt noch ausgegraben werden!
Anleitung zur
phänologischen Beobachtung
Das Schneeglöckchen kannst du mit der nahverwandten,
ähnlich aussehenden Art Galanthus eiwesii
verwechseln. Diese Art findest du heute oft in Gärten.
Sie blüht früher und darf deshalb nicht beobachtet
werden. Die Heimat dieser Art ist die Türkei und die
südliche Balkanhalbinsel. Die Pflanze ist in allen Teilen
(Stängel, Blätter, Blüten) gewöhnlich etwas größer. Die
inneren Blütenblätter sind am Grund und in der Spitze
mit zwei grünen Flecken gezeichnet, die manchmal zu
einem einzigen langgestreckten Fleck vereinigt sein
können. Die Blätter sind in der Knospenlage einwärts
gerollt. Am besten siehst du das, wenn du den noch in
der Scheide steckenden Teil eines nicht voll entfalteten
Blattes betrachtest. Die Blätter der heimischen Art sind
in der Knospe flach.
Nur entfernte Ähnlichkeit mit dem kleinen
Schneeglöckchen hat die Frühlings-Knotenblume oder
der Märzenbecher (Leucojum vernum). Sie besitzt
wesentlich größere Blüten mit 6 gleich gestalteten,
glockig nach vorn geneigten Blütenblättern.
Um Verwechslungen auszuschließen, solltest du dich
stets versichern, dass die inneren Blütenblätter nur
einen gelblich-grünen, hufeisenförmigen Fleck an der
Spitze haben (Siehe Abbildung rechts oben).
04
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Beginn der Blüte (B)
Bereits in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen werden
die spitzen Blütenknospen, in denen die Blütenblätter
noch zusammengefaltet sind, aus den Blattscheiden
herausgeschoben. Dies geschieht oft schon unter der
Schneedecke.
Sobald die ersten Schneeglöckchen ihre
äußeren Blütenblätter abspreizen und
innerhalb der inneren Blütenblätter die
Staubgefäße zu sehen sind, melde den Termin.
Die Schneeglöckchenblüte ist eine Phase, die den Einzug des
Vorfrühlings anzeigt.
Sollte das Schneeglöckchen bereits im Dezember blühen, so
trage dieses Eintrittsdatum in den Meldebogen des neuen
Jahres ein.
Schneeglöckchen,
Beginn der Blüte
Schneeglöckchen auf
einer Wiese
Phänologische Beobachtung
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05

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Sal-Weide,
Palm-Weide
Salix caprea
Allgemeine Beschreibung
Die Weiden aus der Familie der Weidengewächse
(Salicaceae) sind eine der größten Gehölzgattungen.
Die annähernd 500 Arten kommen überwiegend in der
gemäßigten Zone der Nordhalbkugel vor. In der deutschen
Pflanzenwelt sind etwa 30 Arten heimisch. Dazu kommen
noch eine Reihe von Zuchtformen und Bastarden, die als
Korbweiden, Heckensträucher, Zierbäume und Bienenweide
angepflanzt werden.
P
Zu den Weiden gehören Bäume und Sträucher mit
ungeteilten, wechselständigen Blättern. Oft sind
beiderseits des Blattstiels auffällige Nebenblätter
ausgebildet. Die stark reduzierten Blüten, die keine
Blütenhülle aus Kelch und Krone besitzen, sind in
Kätzchen zusammengefasst. Männliche und weibliche
Blüten sind dabei auf verschiedene Sträucher verteilt
sind (Zweihäusigkeit). Die Kätzchen stehen aufrecht
und erscheinen oft vor den Blättern zeitig im Frühling.
Die männlichen Blüten besitzen 2-5 Staubblätter. Die
weiblichen Blüten haben einen Fruchtknoten, aus dem zur
Reife zahlreiche winzige und durch Haare flugfähige Samen
entlassen werden. Anders als die meisten anderen Gehölze
mit kätzchenförmigen Blütenständen sind die Weiden nicht
windblütig, sondern die Bestäubung erfolgt durch Insekten.
P
Die Merkmale der Art Sal-Weide findest du in der
untenstehenden Tabelle zusammengestellt. Bezeichnend
sind vor allem der hohe Wuchs, das ungestriemte glatte
Holz und die breiten kurz gestielten Blätter.
P
Die Sal-Weide wächst sehr rasch. Sie kann eine Höhe von
10 m und ein Alter von 60 Jahren erreichen. Die Art ist
als erste Bienenweide im Frühling wichtig, Zweige dürfen
daher nicht abgeschnitten werden.
P
Im Gegensatz zu vielen anderen Weiden ist die Sal-Weide
nicht an nasse Standorte gebunden. Sie bevorzugt mäßig
feuchte bis mäßig trockene Lehmböden. Als lichtliebende
Art wächst sie in Hecken, an Waldrändern und auf
Waldlichtungen. Der schnellwüchsige Pionierstrauch stellt
sich überall dort ein, wo der Mensch offene Bodenflächen
geschaffen hat.
P
Die Sal-Weide besiedelt ein ausgedehntes Areal in Eurasien.
In Deutschland ist sie weit verbreitet und
häufig, in den Alpen liegt ihre
Obergrenze bei 1700 m.
Anleitung zur
phänologischen Beobachtung
Der Sal-Weide ähnlich sehen die Grau- oder Asch-
Weide (Salix cinerea) und die Ohr- oder Salbei-Weide
(S.aurita). Beide sind ebenfalls in Deutschland weit
verbreitet. Du kannst sie ohne Mühe und sicher an der
Blattform und an dem gestriemten Holz von der Sal-
Weide unterscheiden. Die Striemen bestehen aus scharf
hervortretenden schmalen Längsleisten. Diese siehst
du, wenn du die Rinde eines älteren Zweiges abhebst.
Auch die Großblättrige Weide (S.appendiculata) ist
striemenlos, doch bleibt diese Art auf die süddeutschen
Gebirge beschränkt. Sie ist im Unterschied zur Sal-Weide
durch auffallend große Nebenblätter gekennzeichnet.
Die Kübler-Weide (S. x smithiana), ein Bastard zwischen
Sal- und Korb-Weide mit langgestreckten lanzettlichen
Blättern, darfst du ebenfalls nicht beobachten.
Insgesamt wird deine phänologische Beobachtung dadurch
erleichtert, dass die Sal-Weide als eine der ersten Weiden
schon am Ende des Vorfrühlings blüht. An den blattlosen
kräftigen Zweigen erkennst du leicht die zunächst
silbergrauen und kugeligen, später dann gelb und eiförmig
werdenden Kätzchen. Allerdings ähneln sich alle Kätzchen
der in der Tabelle aufgeführten Weidenarten. Deshalb
solltest du den Strauch schon im Vorjahr anhand der
Blätter eindeutig bestimmen und durch das Merkmal des
ungestriemten, glatten Holzes überprüfen.
Da die Sal-Weide zweihäusig ist, beobachte nur
männliche Sträucher oder Bäume.
06
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Beginn der Blüte (B)
Zu Beginn des Vorfrühlings, vereinzelt auch schon im Winter,
platzen die braunen, ledrigen Knospenschuppen auf. Dadurch
werden die kugeligen, eiförmigen oder ovalen, silberhaarigen
Kätzchen sichtbar. Dieses Entwicklungsstadium sollst du
jedoch noch nicht melden. Im Gegensatz zu den männlichen
sind die weiblichen Blüten walzenförmig und grün. Diese
musst du beobachten.
Die Phase ist erst dann eingetreten, wenn
sich die ersten Blütenkätzchen so weit
gestreckt haben, dass die geöffneten gelben
Staubbeutel zu sehen sind und bei Berührung
Pollen abgeben.
Salweide, Beginn der
(männlichen) Blüte
Phänologische Beobachtung
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07
Vergleich der wichtigsten Bestimmungsmerkmale:
Sal-Weide
Grau-Weide
Ohr-Weide
Großblättrige
Weide
Wuchs
Strauch oder Baum,
bis 10 m
Strauch (selten
Baum), bis 6 m
Strauch, selten über
2 m
Strauch (selten
Baum), bis 4 m
Holz Unter der Rinde
ohne Striemen
mit Striemen
mit Striemen
wie Sal-Weide
Zweige Im 2. Jahr
kahl, schmutzig
gelbgrün
behaart,
schwarzgrau
kahl, rotbraun
wie Sal-Weide
Blätter
groß, etwa in der
Mitte am breitesten
groß, in der vorderen
Hälfte am breitesten
klein, in der
vorderen Hälfte am
breitesten
wie Sal-Weide
Nebenblätter
klein
klein
klein, breit
groß, 1-2 cm

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Allgemeine Beschreibung
Die Stachelbeeren zählen wie die Johannisbeeren zur
Gattung Ribes in der Familie der Steinbrechgewächse
(Saxifragaceae) und gehören zur Art Ribes uva-crispa (= R.
grossularia). Wild wachsen sie in den gemäßigten Zonen
der nördlichen Halbkugel. Die Standorte sind Schlucht-
und Auwälder, aber auch andere Waldtypen und buschige
Hänge, wo die Art aus den Kulturen verwildert ist.
P
Der Pflanzenname gibt einen Hinweis auf das
Erscheinungsbild des bis etwa 1,20 m hohen Strauches
(Siehe Abbildung rechts). Er ist nämlich an seinen grauen,
rutenförmigen Zweigen mit ungeteilten oder 2- bis
3-spaltigen Stacheln „bewehrt“. Die 3- bis 5-lappigen
Blätter erscheinen sehr früh im Jahr. Unscheinbar sind die
kleinen grünlichgelben oder rötlichen, zwittrigen Blüten.
Sie besitzen 5 größere, zurückgeschlagene Kelchblätter
von grüner bis schmutzig roter Farbe und 5 kleinere, nach
vorn stehende, weißliche Kronblätter. Die Stachelbeere
ist meist selbstfruchtend, doch hat sich gezeigt, dass
Fremdbefruchtung den Ertrag fördert.
P
Die kugeligen bis eiförmigen Früchte, an deren Spitze
der verwelkte Kelch sitzt, sind vielsamige Beeren. Die
teils glatte, teils behaarte Frucht ist fleischig saftig. Die
Fruchtfarbe verändert sich während der Reife je nach
Sorte von grün bis gelblich oder rot. Bei Kulturpflanzen
werden die Beeren bis 4 cm groß, bei Wildformen nur
erbsengroß. Der Inhalt reifer Früchte ist säuerlich
gallertartig.
P
An den Standort und den Boden stellt die Stachelbeere
keine hohen Ansprüche. Eine ausreichende
Wasserversorgung während des Beerenwachstums
fördert jedoch den Ertrag. Der Wärmeanspruch der
Sträucher ist gering. Sogar kühle Gebirgslagen können
daher für den Anbau dieser Art genutzt werden. Da
die jungen Früchte spätfrostempfindlich sind, wird die
Pflanze allerdings nicht in ausgesprochenen Frostlagen
angebaut.
P
Die Stachelbeere ist relativ anfällig für Mehltau. Daher
werden neuerdings in einige Kultursorten gegen
Mehltau widerstandsfähige Wildarten aus Nordamerika
eingekreuzt. In Haus- und Kleingärten wird die leicht zu
kultivierende Stachelbeere wegen ihres Vitaminreichtums
häufig angepflanzt. Aus dem Erwerbsobstbau wurde die
Stachelbeere nahezu verdrängt, da das Pflücken per Hand
zu zeitaufwendig ist.
Stachelbeere
Ribes uva-crispa, R. grossularia
Stachelbeere,
Habitus
08
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Beginn der Blattentfaltung (BO)
Mit dem Eintritt dieser Phase beginnt der phänologische
Erstfrühling.
Der Termin ist erreicht, wenn sich die
ersten Blätter vollständig aus der Knospe
herausgeschoben und bis zum Blattstiel oder
Blattansatz entfaltet haben (Siehe Abbildung
oben.)
Das einzelne Blatt hat dann zwar seine endgültige Form, aber
noch nicht die endgültige Größe erreicht.
Stachelbeere, Beginn der
Blattentfaltung
Phänologische Beobachtung
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09

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Apfel
Malus domestica
Allgemeine Beschreibung
Der Apfel gehört wie Birne und Kirsche zur Familie der
Rosengewächse (Rosaceae). Die heutigen Kultursorten
gehen auf den Zwergapfel (Malus pumila) und den
Holzapfel (Malus sylvestris) zurück.
P
Der Apfel ist im gemäßigten Klima die am weitesten
verbreitete Obstart. Schon seit vielen Jahrhunderten
sind in Deutschland zahlreiche Apfelsorten bekannt.
Obwohl die planmäßige Züchtung erst mit Beginn dieses
Jahrhunderts begann, gibt es weltweit ca. 20 000
verschiedene Apfelsorten.
P
In der äußeren Form unterscheiden sich die bis zu
10 m hohen Apfelbäume von anderen Obstbäumen
durch breite, tief angesetzte, sperrige Kronen und eine
rötlich-graue Rinde. Im Gegensatz zur Wildform sind die
Zweige dornenlos. Hochstämmige Baumformen findest
du nur noch in Gärten und Streuobstbeständen. In
Apfelplantagen hingegen werden Sorten mit niedriger
Krone auf schwachwüchsigen Unterlagen (z. B. M9 oder
M27) angebaut. Sie entwickeln schmale, gut belichtete
Kronen, sind problemlos zu schneiden und liefern
frühzeitig sowie regelmäßig qualitativ gute Früchte.
P
Die breiten, eiförmigen oder elliptischen Blätter
sind kurzgestielt und gesägt. Die Blüten haben eine
markante rötlich-weiße Farbe. Sie sitzen doldenartig
an kurzen Stielen. Nach dem Aufblühen zeigen sie ihre
gelben Staubgefäße inmitten der 5 zurückgeklappten,
rundlichen Blütenblätter. Der Apfel ist eine Scheinfrucht.
Er entwickelt sich aus dem Blütenboden, der das aus 5
Fruchtblättern hervorgehende Kerngehäuse umschließt.
P
Fast alle Apfelsorten sind selbstunfruchtbar (selbststeril).
Das bedeutet, dass der eigene Pollen auf der Narbe nur
ungenügend keimt und somit keine Befruchtung erfolgt.
Zur ausreichenden Befruchtung und Ertragsbildung
ist Fremdbestäubung erforderlich. Das heißt, in
einer Obstanlage finden sich immer mehrere Sorten
nebeneinander. Als Pollenspender sind die meisten
Apfelsorten mit doppeltem Chromosomensatz geeignet,
wie z. B. „Weißer Klarapfel“. Zur ausreichenden
gegenseitigen Befruchtung müssen aber auch die
Blütezeiten von Pollenspender und zu befruchtender
Sorte übereinstimmen.
P
Dank einer Vielzahl von Sorten und Unterlagen gedeihen
Apfelbäume an unterschiedlichsten Standorten. Ein
ertragreicher Anbau mit guter Fruchtqualität ist im
Allgemeinen unter folgenden Voraussetzungen möglich:
. Jahresmitteltemperaturen von mehr als 7,5 °C
. mäßig warme Sommer
. geringe Spätfrostgefahr
. regelmäßige Wasserversorgung (bei weniger als 500-
600 mm Niederschlag im Jahr ist im Erwerbsapfelbau
Beregnung notwendig)
. tiefgründige, lehmige, gut durchlüftete und humose
Böden
Tallagen mit Kaltluftstau oder extrem frühe Lagen sind infolge
der Spätfrostgefahr für den Apfelanbau ungeeignet. Während
geschlossene Blütenknospen Frost bis -4,0 °C vertragen und
geöffnete Blüten noch bis -2,3 °C, werden junge Früchte
schon bei Temperaturen unter -1,7 °C geschädigt. Im Herbst
können die weitgehend ausgereiften Früchte noch etwa -6 °C
überstehen.
In tiefer Winterruhe liegt die Frosthärte des Holzes zwischen
-30 und -40 °C.
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Apfel, Habitus
und Vollblüte

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Beginn der Blüte (B)
Dies ist eine der ältesten Phasen in den phänologischen
Beobachtungsprogrammen, zu der von vielen Orten
verhältnismäßig lange Zeitreihen vorliegen. Mit der Apfelblüte
beginnt der phänologische Vollfrühling.
Notiere den Tag, an dem die ersten Blüten voll-
ständig geöffnet sind. Bezogen auf den Blüten-
stand öffnet sich zuerst die Mittelblüte (Siehe
Abbildung oben).
Im Durchschnitt beginnt die Apfelblüte etwa eine Woche nach
der Birnenblüte, die noch zum phänologischen Erstfrühling
gerechnet wird.
Beginn der Pflückreife (F)
Die Beobachtung dieser Phase ist schwierig und Bedarf
einiger Erfahrung. Berücksichtige dabei sowohl die
Fruchtfarbe als auch die Ausbildung einer Trennschicht
zwischen Fruchtstiel und Fruchtholz.
Melde den Termin, wenn sich ein erstes Durch-
pflücken lohnt. Die Äpfel haben ihre charak-
teristische Färbung angenommen und lassen
sich durch leichtes Anheben oder Drehen vom
Fruchtholz lösen (Siehe Abbildung oben rechts)
Die Fruchtwachstumszeit und damit die Zeit der Reife sind
stark sortenabhängig. Während der „Weiße Klarapfel“ nur
ca. 80 Tage von der Blüte bis Reife benötigt, sind es beim
„Granny Smith“ etwa 175 Tage. Das heißt, dieser Apfel gedeiht
nur in klimatisch begünstigten Lagen.
Anleitung zur
phänologischen Beobachtung
Der zeitliche Ablauf der Entwicklung vom Aufbruch
der Knospen bis zur Ernte und darüber hinaus auch
die Lagerfähigkeit der Äpfel sind stark von der
Sorte geprägt. Führe deshalb deine phänologischen
Beobachtungen sowohl für eine früh reifende als auch
für eine spät reifende Apfelsorte durch. Beobachte dabei
möglichst Jahr für Jahr die gleichen Bäume.
Im Hinblick auf die Anwendungen in der agrar-
meteorologischen Beratung und auf die Vergleichbarkeit
der Eintrittsdaten nimm die Beobachtung möglichst nur
an früh blühenden Apfelsorten vor. Dazu gehören z.
B.
„Weißer Klarapfel“ oder „Boskoop“. Lassen sich keine
Bäume aus dieser Sortenliste finden, so solltest du
andere möglichst früh blühende Objekte beobachten.
Trage in diesem Fall im Meldebogen
P
bei früh reifenden Sorten die Kennzahl „49“
P
bei spät reifenden Sorten die Kennzahl „99“
ein. Ist dir die Sorte nicht bekannt, so notiere im
Meldebogen die Kennung „00“.
Apfel, Beginn der
Pflückreife
Apfel, Beginn der Blüte
Phänologische Beobachtung
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Schwarzer Holunder,
Holler, Deutscher Flieder
Sambucus nigra
Allgemeine Beschreibung
Die annähernd 40 Arten der Gattung Holunder sind fast
über die ganze Erde verbreitet. Allerdings konzentrieren
sie sich auf die gemäßigte Zone der Nordhalbkugel. In
Deutschland kommen 3 Arten wild vor, von denen der
zu beobachtende Schwarze Holunder die häufigste ist.
Die Gattung zählt zur Familie der Geißblattgewächse
(Caprifoliaceae).
P
Strauch- und baumförmiger Wuchs herrschen in dieser
Gattung vor. Daneben gibt es auch einige Stauden, die mit
unterirdischen Wurzelstöcken (Rhizomen) überwintern. Die
Blätter sind stets gefiedert und gegenständig am Stängel
angeordnet. Die zahlreichen kleinen Blüten stehen in Rispen.
Es sind meist 5 Kelch-, Kron- und Staubblätter vorhanden.
Die Staubblätter weisen die Besonderheit auf, dass ihre
Pollenfächer (Antheren) nach außen gerichtet sind. Die
Frucht ist keine Beere, wie der Volksmund sagt, sondern
eine beerenartige Steinfrucht mit 3-5 Steinkernen im Innern.
P
Die Exemplare der Art Schwarzer Holunder haben meist
strauchförmige Gestalt. Sie können aber unter günstigen
Bedingungen auch baumförmig wachsen, bis über 7m
hoch und 100 Jahre alt werden. Die hellen, runden
Äste sind mit einem lockeren, weißen Mark erfüllt.
Charakteristisch sind die flachen, doldenförmigen Rispen
(Trugdolden) mit den weißen Blüten. Sie stehen während
der Blüte aufrecht, um dann später, wenn die schwarzen
Steinfrüchte gereift sind, überzuhängen.
P
Der schwarze Holunder ist eine wertvolle Heil- und Nutz-
pflanze. Blüten und Früchte werden sowohl in der Volks-
medizin als auch bei der Zubereitung von Speisen auf
vielfache Art verwertet. In rohem Zustand sind die Früchte
(häufig auch „Fliederbeeren“ genannt) allerdings ungenießbar.
P
Der Schwarze Holunder hat eine Vorliebe für
nährstoffreiche und besonders stickstoffhaltige Böden.
Deshalb ist er überall dort anzutreffen, wo der Mensch
zu einer Überdüngung des Bodens beigetragen hat.
Ansonsten findest du ihn als Bestandteil von Hecken
und Gebüschen oder als Unterwuchs in lichten bis mäßig
schattigen Wäldern.
P
In Europa fehlt die Art nur im kühlen Norden. In Deutschland
ist der Schwarze Holunder allgemein verbreitet; in den Alpen
wächst er noch in Höhen bis etwa 1600 m.
Anleitung zur
phänologischen Beobachtung
Für den phänologischen Beobachter ist diese
Art problemlos, da sie von den beiden anderen
einheimischen Arten gut zu unterscheiden ist. Der Rote,
Berg- oder Traubenholunder (Sambucus racemosa) ist
vornehmlich in Mittelgebirgslagen verbreitet. Er wächst
ebenfalls strauchförmig und hat ähnlich aussehende
Blätter. Das Mark seiner Äste ist allerdings nicht weiß
wie beim Schwarzen Holunder, sondern zimtfarben.
An den gelben Blüten, die in länglichen, kegelförmigen
Blütenständen stehen, und an den roten Früchten ist
diese Art leicht zu erkennen.
Der Attich oder Zwerg-Holunder (S. ebulus) weicht
durch den Wuchs stark ab. Er ist eine Staude mit jährlich
sich erneuernden, 1-2 m hohen Trieben. Oft stehen sie
in großen Herden dicht nebeneinander. Seine Blüten
und Früchte gleichen in der Farbe denen des Schwarzen
Holunders (Achtung: Früchte des Attichs sind giftig!).
Die Blätter besitzen jedoch 7-9 Fiederblättchen (beim
Schwarzen Holunder sind es meistens nur 5) und die
Staubbeutel sind rot bzw. schwarz (statt gelb).
Mit dem Gewöhnlichen und dem Wolligen Schneeball
(Vibumum opulus und V. lantana) kannst du ihn
aufgrund der völlig anders geformten, ungeteilten
Blätter nicht verwechseln. Von weitem betrachtet
weisen höchstens die Blütenstände wegen der
Farbübereinstimmung entfernte Ähnlichkeit auf.
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Beginn der Blüte (B)
Die Holunderblüte ist das Zeichen für den Beginn des
Frühsommers.
Die Phase ist erreicht, wenn an der am
weitesten entwickelten Trugdolde etwa die
Hälfte der Einzelblüten völlig geöffnet sind
(Siehe Abbildung oben).
Erste reife Früchte (F)
Die Beobachtung dieser zu Beginn des Frühherbstes
einsetzenden Entwicklung ist schwierig. Denn die Reife
erstreckt sich ähnlich wie die Blüte über eine längere Zeit.
Der Farbumschlag bei den Früchten, mit denen sich auch die
Stiele allmählich rot färben, ist das wichtigste Merkmal für
diese Phase.
Notiere den Zeitpunkt, an dem alle Früchte
der am weitesten ausgereiften Trugdolde
endgültig blauschwarz geworden sind (Siehe
Abbildung oben).
An dieser Dolde dürfen keine roten oder grünen „Beeren“
mehr zu sehen sein. Drückst du die Früchte zusammen, so
spritzt blutroter Saft heraus.
Phänologische Beobachtung
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Schwarzer Holunder,
Beginn der Blüte
Schwarzer Holunder,
Erste reife Früchte

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Sommer-Linde,
Großblättrige Linde
Tilia platyphyllos, T. grandifolia
Allgemeine Beschreibung
Die Gattung Linde aus der Familie der Lindengewächse
(Tiliaceae) ist mit etwa 50 Arten über die gemäßigte Zone
der Nordhalbkugel verbreitet. In Deutschland kommen
2 Arten wild vor. Zudem werden einige weitere, in Asien
oder Nordamerika beheimatete Arten oft in Parks und als
Alleebäume angepflanzt.
P
Die meisten Arten wachsen mit einer tief angesetzten
Krone. Das heißt, sie erscheinen baumförmig, wenige
sind strauchförmig. Auffällig ist die Anordnung der
ungeteilten, oft etwas asymmetrischen Blätter: Sie stehen
zweizeilig, das heißt in zwei Reihen entlang der Äste.
Dadurch kann das Licht optimal ausgenutzt werden.
Die zwittrigen Blütenstände sind gabelig verzweigt und
sehen doldenähnlich aus. Am Grund besitzen sie ein
großes zungenförmiges Tragblatt, das mit dem Stiel des
Blütenstandes verwachsen ist. Nach der Reife fällt es
mit diesem zusammen ab und dient dabei als Flugorgan.
Die Blüte hat 5 Kelch- und Kronblätter. Die zahlreichen
Staubblätter stehen in 5 Bündeln vereint. Obwohl der
Fruchtknoten fünffächrig ist, entwickelt sich bei der Reife
der Nuss nur eine Samenanlage. Die übrigen 4 verkümmern.
P
Die bis 40 m hohen Bäume zeichnen sich durch eine mächtige
Krone aus. Sie sind an der schwarzbraunen, längsrissigen
Borke und den tief ansetzenden, weit ausladenden, kräftigen
Ästen auch unbelaubt gut zu erkennen.
P
Einzelexemplare können bis 1000 Jahre alt werden und
einen Stammumfang von 15 m erreichen. Die Blätter sind
ähnlich wie die der anderen Arten schief herzförmig, aber
heller im Grün und auch größer. Der Name Großblättrige
Linde nimmt darauf Bezug.
P
Die Blüten der Sommer-Linde sind im Allgemeinen sehr
nektarreich. Und der Lindenblütenhonig ist wegen seines
würzigen Aromas beliebt.
P
Die natürlichen Vorkommen liegen in luft- und boden-
feuchten Edellaubholz-Mischwäldern in wintermilden
bergigen Regionen Mittel- und Südeuropas. Angepflanzt
vermag der Baum auch in der Ebene gut zu wachsen,
stellt aber höhere Ansprüche an Boden und Licht als
andere Lindenarten.
P
Die Wildvorkommen in Deutschland sind nicht häufig
und konzentrieren sich auf die mittleren Gebirgslagen
unterhalb 1000 m. Die Nordgrenze der natürlichen
Verbreitung fällt mit dem Nordrand der Mittelgebirge
zusammen. Angepflanzt wird der Baum aber in allen
Landesteilen. Auch die meisten Dorflinden gehören zu
dieser Art.
Anleitung zur
phänologischen Beobachtung
Die Sommerlinde kannst du leicht mit der in Wuchs, Blatt,
Blütenstand und Frucht kleineren Winter-Linde (Tilia
cordata), oftmals auch Kleinblättrige Linde genannt,
verwechseln. Auch einige fremdländische Zierarten,
die in Parkanlagen oder an Alleen angepflanzt werden,
sind der Sommerlinde sehr ähnlich. Eine von diesen ist
die Krim-Linde (T. x euchlora), die widerstandsfähiger
ist und durch ihre glänzenden Blattoberseiten auffällt.
Gelegentlich findest du auch einen Bastard zwischen
den einheimischen Linden, die Holländische Linde (T. x
vulgaris, T. x europaea). Deren Erkennungsmerkmale sind
denen der Winter-Linde sehr ähnlich.
Der phänologische Beobachter wird im Allgemeinen in
seiner näheren Umgebung leicht eine Sommer-Linde
finden. Auf jeden Fall musst du an diesem Baum alle
Unterscheidungsmerkmale, die in der folgenden Tabelle
aufgeführt sind, sorgfältig überprüfen. Wenn auch nur
eines der Kriterien nicht zutrifft, scheidet der Baum
als Beobachtungsobjekt aus. Die Exaktheit bei der
Pflanzenbestimmung ist notwendig, weil die anderen
Linden-Arten zu verschiedenen Zeiten, zum Teil sogar
mehrere Wochen nach der Sommer-Linde blühen.
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Vergleich der wichtigsten Bestimmungsmerkmale:
*Anmerkung: Die Farbe der Haarbüschel auf der Blattunterseite wird in vielen Büchern als sicheres Unterscheidungsmerkmal zwischen Sommer- und Winter-Linde
genannt. Die Farbe kann aber irreführend sein. Die rötliche Färbung der Haare bei der Winter-Linde ist erst an alten Bäumen ausgebildet. Junge Blätter weisen hingegen
noch weiße Haare auf!
Melde den Tag, an dem sich die ersten
Einzelblüten an den Trugdolden vollständig
geöffnet haben (Siehe Abbildung oben) und einen
starken Duft ausströmen.
Beginn der Blüte (B)
Mit dieser Phase beginnt der phänologische Hochsommer.
Außer der Sommerlindenblüte gibt es zu dieser Zeit
bei den wild wachsenden Pflanzen kaum markante
Entwicklungsstadien zu beobachten.
Phänologische Beobachtung
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Sommerlinde,
Beginn der Blüte
Sommerlinde,
Früchte
Sommer-Linde
andere Linden-Arten
Junge Zweige
deutlich behaart
kahl, glänzend
Blattoberseite
wenigstens auf den Nerven locker
behaart (gegen das Licht halten)
kahl
Blattunterseite
Auf den Nerven und der Fläche locker
behaart (nicht filzig!)
kahl oder dicht behaart, filzig
Haarbüschel in den Nervenwinkeln
der Blattunterseite
weiß
rötlich *
Blütenstand
wenige, meist nur 3 (-5) Blüten
reichblütig, meist mehr als 5 Blüten
Früchte (Nüsse)
mit 4-5 deutlichen Längsrippen
mit 2-3 undeutlichen oder ohne
Längsrippen

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Stiel-Eiche,
Sommer-Eiche
Quercus robur, Qu. Pedinculata
Allgemeine Beschreibung
Die Gattung Eiche gehört zur Familie der Buchengewächse
(Fagaceae). Sie ist eine ebenso große wie weit
verbreitete Pflanzengruppe, die im Wesentlichen auf der
Nordhalbkugel beheimatet ist. Die Arten sind oft schwer
zu unterscheiden und nicht selten kommen Bastarde
zwischen ihnen vor. Dadurch kann ihre Anzahl nur
ungefähr mit 600-700 angegeben werden. In Deutschland
gibt es nur 3 wild vorkommende Arten. In Parkanlagen
lassen sich gelegentlich weitere Arten finden. Von diesen
hat jedoch nur die nordamerikanische Rot-Eiche als
Forstbaum eine größere Verbreitung.
P
Eichen sind sommer- oder wintergrüne Bäume oder
Sträucher mit wechselständigen, gelappten, manchmal
auch nur gezähnten Blättern. Die stark reduzierten
Blüten mit unscheinbaren Hüllblättern belegen die
Anpassung der Bäume an Windbestäubung. Die Blüten
sind einhäusig verteilt, männliche und weibliche befinden
sich auf demselben Baum. Die männlichen Blüten mit
6-12 Staubblättern sind lange hängende Kätzchen. Die
unscheinbaren weiblichen Blüten sind zu wenigen in
kurzen Blütenständen angeordnet und enthalten einen
Fruchtknoten, der von meist 3 Narben gekrönt ist. Am
Grund umgibt ihn eine becherförmige, während der
Blüte noch kleine Hülle. Diese wächst später zu dem
charakteristischen Fruchtbecher heran, in dem die Frucht,
die als Eichel bezeichnete Nuss, steckt.
P
Die ausgewachsenen Bäume der Art Stiel-Eiche sind auch
unbelaubt durch ihren markant knorrigen Wuchs gut zu
erkennen. Der Stamm setzt sich nicht bis in die Krone
gerade fort, sondern teilt sich in mehrere gleichwertige
Äste auf (Abb.). Typisch ist ferner die tiefrissige Borke. Bis
45 m hohe und 800 Jahre alte Bäume sind keine Seltenheit,
doch sind auch mehr als tausendjährige Eichen bekannt.
P
Heute wird die Stiel-Eiche meist nur noch als Bauholz und
für die Möbelherstellung genutzt. Früher war sie jedoch
auch in anderen Lebensbereichen von wirtschaftlicher
Bedeutung. Die gerbstoffhaltige Rinde lieferte die
Gerberlohe (daher die Bezeichnung Lohwälder für
Eichenbestände). Und mit den Eicheln wurden die Schweine
gemästet oder sie wurden zu Eichelkaffee verarbeitet.
P
Die Art gedeiht gut bei relativ warmem Klima in den
Ebenen und unteren Mittelgebirgslagen. Sie stellt dort
keine speziellen Ansprüche, wächst aber am besten auf
frischen, tiefgründigen Böden. Besonders in Auen tritt
sie waldbildend auf, wo sie als lichtbedürftige Art dann
lockere Reinbestände bildet. Zusammen mit anderen
Laubbäumen ist sie am Aufbau der Mischwälder beteiligt.
P
Die Stiel-Eiche kommt in ganz Europa, außer dem
nördlichen Skandinavien, vor. In Deutschland ist sie
von der Ebene bis in Lagen um 1000 m häufig.
Anleitung zur
phänologischen Beobachtung
Die Stiel-Eiche kannst du mit der ähnlich aussehenden
Trauben-, Stein- oder Winter-Eiche (Qu. Petraea)
verwechseln. Bei dieser zweiten einheimischen Art
setzen jedoch Austrieb, Blattentfaltung und Blüte etwa
14 Tage später ein. Gut zu unterscheiden sind die beiden
Arten zur Zeit der Fruchtreife. Die Eicheln der Stiel-
Eiche weisen dann im Gegensatz zur Trauben-Eiche
Längsstreifen auf (Abb.). Weitere Merkmale findest du
in der Tabelle zusammengestellt.
Der Trauben-Eiche ähnlich ist die Flaum-Eiche (Qu.
pubescens). Sie ist allerdings in Deutschland selten
und kommt nur in den wärmsten Landesteilen vor. Sie
hat stärker behaarte Blätter. Nicht zu verwechseln
ist die nordamerikanische Rot-Eiche (Qu. rubra) mit
spitzlappigen Blättern. Dieser Baum wird wegen seiner
auffallenden Herbstfärbung (orange bis rot) oft in
Parkanlagen, wegen seiner Raschwüchsigkeit aber auch
in Forsten angepflanzt.
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Vergleich der wichtigsten Bestimmungsmerkmale:
Stiel-Eiche
Trauben-Eiche
Blätter
kurz gestielt, mit bis zu 7 mm langem
Stiel, am Grund geöhrt
15 mm lang gestielt, am Grund
abgerundet oder verschmälert in den
Stiel auslaufend, ohne Öhrchen
Fruchtstand
3-8 cm lang gestielt (hierauf bezieht
sich der Name)
Sitzend oder kurz gestielt, Stiel
höchstens 1 cm lang
Eicheln
mit grünlich-braunen Längsstreifen
(trockene Früchte anfeuchten)
ohne Längsstreifen
Wuchs
Stamm teilt sich in mehrere
gleichwertige Äste auf
Stamm setzt sich bis in die Krone
gerade fort
Erste reife Früchte (F)
Im Vollherbst reifen die Früchte der Stiel-Eiche.
Wenn die ausgereiften Eicheln mit den
charakteristischen Längsstreifen (Abb.) vom
Baum fallen, notiere den Zeitpunkt.
Blattfärbung (BV)
Die Phase ist erreicht, wenn sich das Laub des
Beobachtungsbaumes etwa zur Hälfte herbstlich
verfärbt hat (Abb.).
Blattfall (BF)
Im Spätherbst, wenn alle anderen Laubbäume ihre Blätter
bereits verloren haben, setzt bei der Stieleiche der Blattfall ein.
Ermittele den Zeitpunkt, wenn etwa die
Hälfte der gesamten Blätter abgefallen ist.
In Jahren mit frühem Winter bleibt das Laub oft noch lange
an den Ästen hängen, da sich die Trennschicht zwischen
Blatt und Zweig noch nicht voll ausgebildet hat. Sollten diese
„überwinternden“ Blätter mehr als die Hälfte der Blattmasse
ausmachen, so melde für den Blattfall kein Eintrittsdatum.
Trage aber bitte einen entsprechenden Hinweis unter
„Mitteilungen“ ein.
Phänologische Beobachtung
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Stieleiche, Habitus und
Blattverfärbung
Stieleiche, Erste
reife Früchte

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Beispielmeldebogen
Phänologische
Jahreszeit
Zeigerpflanze
Phase
frühester
Beginn
mittlerer
Beginn
(Basis
1961-
1990)
spätester
Beginn
Zeitpunkt
im
aktuellen
Jahr
Vorfrühling
Schneeglöckchen
Beginn Blüte
10.02.
12.03.
05.04.
Salweide
Beginn Blüte
08.03.
04.04.
27.04.
Erstfrühling
Stachelbeere
Blatt-
entfaltung
20.03.
16.04.
10.05.
Vollfrühling
Apfel früh reifend
Beginn Blüte
26.04.
15.05.
30.05.
Sorte:
Frühsommer
Schwarzer Holunder
Beginn Blüte
28.05.
16.06.
04.07.
Hochsommer
Sommerlinde
Beginn Blüte
14.06.
05.07.
28.07.
Spätsommer
Apfel früh reifend
Beginn
Pflückreife
25.07.
18.08.
12.09.
Sorte:
Frühherbst
Schwarzer Holunder
Erste reife
Früchte
22.08.
14.09.
08.10.
Vollherbst
Stieleiche
Erste reife
Früchte
10.09.
30.09.
20.10.
Spätherbst
Stieleiche
Beginn Blatt-
verfärbung
24.09.
14.10.
31.10.
Winter
Stieleiche
Beginn Blattfall
08.10.
28.10.
14.11.
Der Meldebogen sollte jeweils unmittelbar nach dem Erreichen der nächsten Phase an
LW.Leipzig@dwd.de
geschickt werden!
Name und Ort der Schule:
18
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Weitere Informationen
zum Thema unter
www.klima.sachsen.de
Phänologische Beobachtung
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Herausgeber:
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL)
Postfach 10 05 10, 01076 Dresden
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