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Klima und Umwelt
Abteilung Klima, Luft, Lärm, Strahlen
Abteilung Agrarmeteorologie, Dienstort Leipzig
Kärrnerstr. 68, 04288 Leipzig
Pillnitzer Platz 3, 01326 Dresden
www.dwd.de
www.smul.sachsen.de/lfulg
Kap. 1, 2.7.: F. Böttcher
Kap. 2, 3: Dr. J. Franke,
Kap. 4.1: Dr. A. Hausmann, A. Pausch,
Kap. 4.2: S. Martens, F. Matschulla (SBS),
Kap. 4.3: Dr. A. Philipp, P. Walther, S. Rohde,
K. Kuhn,
Kap. 4.4: M. Ulrich (LTV),
Kap. 4.5: Dr. P. Börke, T. Düskau, A. Kenner,
Kap. 4.6: Dr. A. Philipp, P. Walther, M. Ulrich
(LTV),
Kap. 4.7: Ch. Kröling,
Kap. 4.8: M. Böhme, M. Sacher, Dr. W. Ka-
ralus, Dr. M. Kraatz, E. Steffen, Dr. W.
Schmidt,
Bearbeiter:
Dr. Johannes Franke
Abteilung/Referat:
5/51
E-Mail:
johannes.franke
@smul.sachsen.de
Telefon:
0351 2612-5116
Redaktionsschluss:
22.01.2019
Internet:
www.smul.sachsen.de/lfulg
2018 - Wetter trifft auf Klima

2
Inhalt
Thesen
1. Einführung
1.1. Von der globalen auf die bundesweite Ebene
1.2 Agrar- und forstmeteorologische sowie weinbauspezifische Aspekte der Witterung in
Sachsen
2. Klimatologische Einordnung für Sachsen und seine Landkreise
2.1. Datengrundlage und Methodik
2.2. Langjährige Entwicklung der Lufttemperatur
2.3. Langjährige Entwicklung des Niederschlags
2.4. Langjährige Entwicklung eines Trockenheitsmaßes (
de Martonne
-Index)
2.5. Langjährige Entwicklung der Sonnenscheindauer
2.6. Zusammenfassende klimatologische Einordnung für Lufttemperatur, Niederschlag,
Sonnenscheindauer
2.7. Phänologie
3. Besonderheit im Witterungsverlauf – Anmerkungen zur Trockenheit 2018
4. Einflüsse/Auswirkungen ausgewählter Wetterereignisse bzw. Witterungsabschnitte
4.1. Einfluss der Witterung auf die Luftqualität
4.2. Auswirkungen der Witterung auf den Wald
4.3. Auswirkungen der Witterung auf die Fließgewässer
4.4. Auswirkungen der Witterung auf die Talsperrenbewirtschaftung
4.5. Auswirkungen der Witterung auf das Grundwasser und die Bodenfeuchte
4.6. Schlaglicht: Maihochwasser im Vogtland
4.7. Auswirkungen der Witterung auf den Garten- und Weinbau
4.8. Auswirkungen der Witterung auf landwirtschaftliche Kulturen
Anhang

3
Thesen
Mit seinen Besonderheiten im Witterungsverlauf war auch das Jahr 2018 ein Ausdruck für
den voranschreitenden Klimawandel und den damit verbundenen Herausforderungen in
Sachsen
1
. So wurden Auswirkungen des Klimawandels sowohl auf den unmittelbaren als
auch den mehrjährigen Witterungsverlauf sichtbar. Auch zeigte sich die von Wetterextremen
ausgehenden Gefahren/Risiken für das öffentliche Leben.
Das
Jahr 2018
war mit +2,2 K das
wärmste
und mit -33 Prozent eines der beiden
niederschlagärmste
n Jahre
seit 1881
(trotz des mit +54 Prozent «viel zu feuchten»
Dezembers). Ebenso zählt es mit +31 Prozent zu den beiden
sonnenreichste
n Jah-
ren
seit 1951
.
Für alle
Jahreszeiten 2018
waren insbesondere ein Niederschlagsdefizit, ein Son-
nenscheinüberschuss und ein Wärmeeintrag, meist in extremerer Ausprägung, cha-
rakteristisch.
Über die Monate
Februar 2018
(-87 Prozent = niederschlagärmster Februar seit
1881)
bis
einschließlich
November 2018
baute sich ein
45prozentiges Nieder-
schlagsdefizit
gegenüber 1961/90 in Sachsen auf.
Der
Spätwinter 2018
(Februar, März) war in zwei enorme
Temperatursprünge
ein-
gebettet:
-7 K
, von Januar (+4,5 K) auf Februar (-2,5 K) und
+7,4 K
, von März (-1,9
K) auf April (+5,5 K = wärmster April seit 1881).
In der
Vegetationszeit 2018
(April bis September) war es mit +3,4 K
seit 1881 noch
nie wärmer, ebenso
mit -43 Prozent
«extrem zu trocken»
und mit +36 Prozent
«extrem zu sonnenreich»
.
Die
22 Jahreszeiten von Sommer 2013 bis Herbst 2018
waren
durchgehend alle
wärmer
und sind damit der
längste zusammenhängende Abschnitt seit 1881
, der
das gegenwärtig allgemein sehr hohe, thermische Niveau dokumentiert.
Seit Herbst 2013 traten in den darauffolgenden Jahreszeiten (außer Herbst
2015/16/17)
vermehrt atmosphärische Bedingungen
auf, die eine
Ausbildung
von Trockenheit begünstigen
.
Der Witterungsverlauf 2018 steht stellvertretend für den
klimatologischen Trend:
"Trockenheit und Starkregen
(z.B. hochwasserauslösendes Starkregen-Ereignis
vom 24.05.2018 im Vogtland)
gehen einher!"
.
Auswirkungen des Witterungsverlaufs 2018 aus Sicht des Wasserhaushalts, der Forst-
und Landwirtschaft, des Obst- und Weinanbaus und der Luftqualität:
Die
Niedrigwassersituation
in den sächsischen Flüssen hat sich bereits im Februar
herausgebildet und dauert mindestens
seit Mai
an. Sie ist
extremer als 2003 und
1
Hinweis: Die Abweichungen für 2018 werden gegenüber dem 30jährigen Mittel 1961-1990 (Refe-
renzwert) dargestellt. Die Charakterisierung von Abweichungen erfolgt anhand der Perzentile 5/95
(„zu …“), 10/90 („viel zu …“), 20/80 („extrem zu …“).

4
2015
und
noch nicht beendet.
Ergiebige Niederschläge seit letzter Dezember-
Dekade brachten
nur regional
deutliche
Entspannung
. Niedrigwasser wird u. U.
auch im neuen (Abfluss-)Jahr noch ein Thema bleiben.
Zunächst müssen die teilweise
horrenden Bodenwasserdefizite
ausgeglichen wer-
den, bis es eine nachhaltige Erholung der Wasserführung geben kann. Dies gilt vor
allem für Nord- und Ostsachsen. Die sächsischen Böden haben Mitte Januar 2019
noch die folgenden Feuchtigkeitsdefizite im Wurzelraum. Das heißt es fehlen bis zum
Erreichen der Feldkapazität noch Niederschläge:
o
50 bis 150 mm in der Region der Mittelgebirgsböden (Südsachsen)
o
200 bis 400 mm in der Region der Lössböden
o
50 bis 150 mm in der Region der Sandböden (Nordsachsen).
Die
Grundwasserstände
waren und sind
seit 2013 überwiegend fallend
. Während
2017 durch ein nasses Frühjahr eine leichte Entspannung eintrat, fielen die Grund-
wasserstände, bedingt durch die extreme Trockenheit 2018, wieder unter die langjäh-
rigen mittleren niedrigen Werte. An einigen wenigen Messstellen wurden Niedrigst-
stände erreicht. Es unterschreiten derzeit (Januar 2019) 71 % der Messstellen den
monatstypischen Grundwasserstand, der Median liegt dabei bei 61 cm Unterschrei-
tung. In den Herbstmonaten 2018 lagen die Unterschreitungen noch bei 90 %. Aus-
wirkungen auf die zentrale Wasserversorgung waren nicht bzw. kaum zu beobachten.
Die Talsperren des Landes Sachsen konnten mit den Zuflüssen im Winter und Früh-
jahr 2018 gefüllt werden und die Betriebsräume standen zur Rohwasserbereitstellung
für Trinkwasser, Brauchwasser und zur Niedrigwasseraufhöhung der Oberflächen-
gewässer vollständig zur Verfügung (Ausnahme Lichtenberg durch Baumaßnahmen).
Durch ein sehr hohes Niederschlagsdefizit in Sachsen, beginnend im Februar 2018,
resultierten extrem niedrige Zuflüsse zu den Talsperren. Die Versorgung der Was-
serwerke mit Rohwasser für
Trinkwasser
konnte mit den zur Verfügung stehenden
Betriebsräumen und der bestehenden Vernetzung der Talsperren durch Überlei-
tungssysteme vollständig abgesichert werden. In einigen Stauanlageneinzugsgebie-
ten wurden historisch niedrige Zuflüsse beobachtet.
Das
Hochwasser vom 24.05.2018
war ein räumlich auf das
Obere Vogtland
(Obere
Weiße Elster und ihre Zuflüsse)
begrenzt
es, durch extremen lokalen Starkregen
ausgelöstes Ereignis. Die intensivsten Niederschläge betrafen dabei das Kopfgebiet
der Oberen Weißen Elster, was zu fulminanten Anstiegen der
Wasserführung bis in
den Extrembereich
hinein geführt hat. Die Verlagerungsrichtung der konvektiven
Zellen entsprach beständig in etwa dem des Flussverlaufs in Fließrichtung.
Die sächsische
Forstwirtschaft
betritt mit dem außerplanmäßigen
Holzernten in
dieser Größenordnung Neuland
. Seit Sturm "HERWART" im Oktober 2017 fielen
insgesamt 3,2 Mio. Kubikmeter Holz in der Folge von Sturmwürfen und Borkenkäfer-
befall an. Allein an Fichten wurden 2018 zwischen Juni und Dezember 575.000 Ku-
bikmeter Käferholz registriert. Bis Ende Mai diesen Jahres wird mit einem Anstieg um
weitere 200.000 Kubikmeter gerechnet. Bis in die höheren Berglagen hinein, entwi-
ckelten sich drei Generationen von Borkenkäfern und übertrafen damit sogar den
„Jahrhundertsommer 2003. Planmäßig wurden bisher jährlich ca. 2,3 Mio. Kubikmeter
Holz geerntet.

5
Für die meisten
landwirtschaftlichen Kulturen
entstanden – regional unterschied-
lich -
deutliche Ertragseinbußen
. Bei
Winterweizen
lagen die durchschnittlichen Er-
träge 13 %, bei
Wintergerste
12 % und bei
Winterraps
19 % unter dem jeweiligen
Durchschnitt der letzten 10 Jahre. In den Landessortenversuchen wurden für
Kör-
nermais
35 -40 % geringere Kornerträge und für
Silomais
20-30 % geringere Tro-
ckenmasseerträge als in den beiden letzten Jahren festgestellt.
Kartoffeln
brachten
24 % weniger Ertrag zum zehnjährigen Mittel,
Zuckerrüben
24 % weniger. Min-
dererträge im Vergleich zum zehnjährigen Mittel bei
Feldfutter
von 43% und bei
Grünland von 37% (auf leichten Standorten bis zu 65 % und mehr) führten
zusammen mit der schlechten Silomaisernte an den leichten Standorten zu massiven
Problemen bei der Futterversorgung in viehhaltenden Betrieben sowohl hinsichtlich
Futtermenge als auch Futterqualität. Nur die
Sommergerste
lieferte Erträge wie im
Vorjahr bzw. geringfügig über dem Mittel der letzten 10 Jahre.
Das Jahr 2018 kann für den sächsischen
Gartenbau
als
indifferent
eingestuft wer-
den. Im
Baumobstbau
konnten
durchschnittliche Erträge
erzielt werden. Proble-
matisch waren die Verschiebung der Erntezeiträume, verbunden mit hohen Erntespit-
zen und überfüllten Märkten, sowie die unterdurchschnittlichen Produktgrößen. Die
langanhaltend hohen Temperaturen führten zu einer Anpassung der Früchte an die
Witterungsbedingungen bei vielen Obstarten und somit zur Verringerung von sonst
üblichen Sonnenbrandschäden. Im
Gemüse
anbau waren
erhebliche Ernteausfälle
zu verzeichnen. Dies betraf besonders die für Sachsen wichtigen Verarbeitungsge-
müsearten
Markerbsen, Buschbohnen
und
Spinat
. Bei
Zwiebeln
kam es zu rund
50 % Ertragsausfällen auf Flächen, die nicht beregnet werden konnten, durch zu klei-
ne Zwiebeln, die die vorgeschriebene Vermarktungsgröße von 40 mm Durchmesser
verfehlten. Im
Weinanbau
lagen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr etwas niedri-
ger. Diesjähriger Rotwein wird aller Voraussicht nach eine gute Qualität erreichen.
Von April bis Mitte September 2018 lag die
Luftschadstoffbelastung
durch
Ozon
2018 auf
hohem Niveau
. Der Zielwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit
wurde nicht nur – wie sonst - auf dem Erzgebirgskamm sondern auch im Tiefland
(Luftgütemessstationen Schkeuditz, Collm, Chemnitz-Hans-Link-Straße) überschrit-
ten. 2018 wurde der zulässige Grenzwert für
Feinstaub PM10
das
vierte Jahr in
Folge
an allen sächsischen Luftmessstationen
eingehalten
. Er beträgt 50
Mikrogramm pro Kubikmeter im Tagesmittel und darf an maximal 35 Tagen im Jahr
überschritten werden.
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass das erhöhte Risiko im Auftreten von witterungs-
bedingten Extremen im Zuge des Klimawandels in der Öffentlichkeit angekommen ist. Aus
der jüngsten Vergangenheit sind die Stürme HERWART (10/2017) und FRIEDERIKE
(01/2018) sowie das Starkregen-Ereignis im Vogtland im Mai 2018 noch in guter Erinnerung
bzw. beschäftigen uns ihre Nachwirkungen noch heute.
Sturm- und Starkregen-Ereignisse haben im Vergleich zu Trockenheit vergleichsweise kurze
Ereignisandauern und die Betroffenheit wird hier unmittelbar sicht- und spürbar. Trockenpe-
rioden erstrecken sich über Monate ja bisweilen Jahre. Ihre Auswirkungen werden erst ver-
zögert sicht- bzw. spürbar. Die sich daraus ergebenden Folgen, auch volkswirtschaftlich,
können so leicht unterschätzt werden.

6
Bisher hinkt die Wahrnehmung für Trockenperioden vs. Sturm- bzw. Starkregen-Ereignissen
in der Öffentlichkeit weit hinterher.
Der Witterungsverlauf 2018 zeigt einmal mehr die gestiegenen Anforderungen für einen Um-
gang mit dem geänderten Wasserdargebot. Auf der einen Seite zu viel Niederschlag in kur-
zer Zeit und auf der anderen Seite zu wenig Niederschlag auf längere Zeit.
Das LfULG bereitet deshalb für den 4. April 2019 in Dresden eine Tagung zur Trocken-
heit vor. Zentrale Fragestellungen werden sein: Was kommt auf uns zu, wenn aus Wet-
ter Klima wird? Und: Sind wir für den Umgang mit den Auswirkungen eines veränder-
ten Wasserdargebots gewappnet?

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7
1. Einführung
1.1.
Von der globalen auf die bundesweite Ebene
Global war 2018 nach Daten der NASA (Goddard Institute for Space Studies) nach 2017 das
zweitwärmste Jahr seit der Verfügbarkeit des entsprechenden Datensatzes 1880. Bezogen
auf den langjährigen Mittelwert der Klimanormalperiode 1961-1990 wich die Oberflächen-
temperatur der Erde um 0,72 K ab. Diese Abweichung war in den verschiedenen Regionen
der Erde zeitlich unterschiedlich ausgeformt, aber unter anderem über Europa, speziell Mit-
teleuropa zeigte sie sich ganzjährig, wobei in Teilen des ausgehenden Winters und des be-
ginnenden Frühjahrs auch längere Abschnitte mit negativen Temperaturabweichungen fest-
zustellen waren.
Abbildung 1: Globale Temperaturanomalie 2018 (Quelle:
https://data.giss.nasa.gov/gistemp/maps/
)
Im Laufe des Monats April etablierte sich über Mitteleuropa eine Luftdruckverteilung mit ei-
nem stabilen Hoch über Skandinavien und Nordosteuropa, das zeitweilig eine Brücke bis zu
den Azoren ausprägte, so dass die vorherrschende Strömung in Mitteleuropa und damit
auch in Deutschland Südost war. Dadurch wurde vorwiegend warme und trockene Luft aus
Südosten nach Deutschland geführt. Die Mittelmeerregion wurde demgegenüber stärker
durch Tiefdruckeinfluss geprägt, was zur Ausbildung der wiederholten Unwetterlagen bei-
spielsweise in Italien beitrug.

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8
Abbildung 2: Anomalie des Luftdruckes 2018 über Europa und angrenzenden Regionen
(Quelle: DWD)
Infolge der beschriebenen Luftdruckverteilung stellte sich eine sehr warme Periode, in Teilen
sogar eine Hitzewelle ein, die spätestens im Mai einsetzte und bis in den Oktober hinein an-
hielt.
Neben dem hohen Temperaturniveau war es durch die weitgehend von Absinkbewegungen
in der Atmosphäre gekennzeichneten Verhältnisse oft nur geringe bewölkt oder gänzlich
wolkenlos. Dadurch wurden Sonnenscheindauern gemessen, die so bisher noch nicht dage-
wesen waren.

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9
Abbildung 3: Anomalie der Sonnenscheindauer im Herbst 2018 über Europa und angren-
zenden Regionen, dargestellt als Perzentile (Quelle: DWD)
Die dauerhaft hohen Temperaturanomalien brachten neue Monatsrekorde für den April
(4,9K) und den Mai 2018 (3,9K) sowie ausgesprochen hohe Temperaturanomalien für Juni
bis August 2018. Der Juni 2018 war mit einer Anomalie von 2,3 K der bisher siebtwärmste
Juni seit 1881, der diesjährige Juli weist eine positive Abweichung von 3,4 K auf und ist ge-
meinsam mit 2010 der viertwärmste Juli und der August 2018 war mit einer Temperaturano-
malie von 3,5 K nach 2003 und 2015 der drittwärmste . Betrachtet man den gesamten Zeit-
raum April bis August 2018, so ergibt sich eine positive Temperaturabweichung von 3,6 K.
Eine solch hohe positive Anomalie wurde für diesen Zeitraum in Deutschland seit 1881 noch
nie registriert. Selbst bei Betrachtung des gesamten Jahres 2018 kommt es für Deutschland

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10
zu einer seit 1881 noch nie registrierten Abweichung der Lufttemperatur von 2,3 K gegen-
über der Normalperiode 1961-1990. Das Besondere bei der Lufttemperatur waren nicht un-
bedingt neue absolute Spitzenwerte als vielmehr das hohe Gesamtniveau, was sich in der
Wärmesumme ausdrückt. Ergänzend kann man dazu auch noch die vergleichsweise häufi-
gen Tropennächte heranziehen.
Abbildung 4: Anomalie der Lufttemperatur in Deutschland 2018 (Quelle: DWD)
Durch die hohen Lufttemperaturen in Verbindung mit der langen Sonnenscheindauer war die
potentielle Verdunstung von April bis in den Oktober 2018 hinein deutlich erhöht, was zu
einer stärkeren Austrocknung der Böden geführt hat.
Das Jahr 2018 ist im Deutschlandmittel mit einer überdurchschnittlichen Niederschlagssum-
me gestartet, wobei es speziell in Sachsen auch im Januar Regionen gab, die etwas unter
dem Durchschnitt lagen. Seit Februar fielen bundesweit im Schnitt deutlich weniger Nieder-
schläge als im langjährigen Mittel. So konnte der erhöhte Wasserbedarf der Vegetation nicht
durch die Niederschlagsmengen ausgeglichen werden. Es kam allerdings auch immer wie-
der zu kleinräumigen schauerartigen Niederschlägen, so dass die räumliche Verteilung der
Niederschläge sehr heterogen war. Je nach Region summierten sich die Niederschlagsdefi-
zite im Jahresverlauf auf 70 bis stellenweise über 300 mm.

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11
Abbildung 5: Anomalie des Niederschlages in Deutschland 2018 (Quelle: DWD)
1.2.
Agrar- und forstmeteorologische sowie weinbauspezifische Aspekte der Witte-
rung in Sachsen
Für die
Forstwirtschaft
brachte die Jahreswitterung 2018 eine Bündelung von Herausforde-
rungen, die in dieser Form bisher nicht dagewesen war. So hatten zunächst die Herbst- und
Winterstürme 2017/18 in vielen Regionen verheerende Wirkungen durch Windwurf und
Windbruch. Die folgende trocken-warme Witterung ermöglichte eine rasche Entwicklung von
tierischen Schaderregern auf hohem Niveau, ließ aber auch viele Neuanpflanzungen leiden
oder es kam zum Ausfall, denn spätestens ab Juni waren die Bodenwasservorräte unter den
Waldflächen in weiten Teilen Sachsens unter die Bodendürregrenze gesunken und verblie-
ben dort bis in den Dezember hinein. Schließlich war das Waldbrandrisiko vorzugsweise in
den Regionen, die an sich ein geringeres Gefährdungspotenzial haben, besonders hoch.
Die Auswirkungen der Witterung auf die Forstwirtschaft werden in Kapitel 4.2. weitergehend
ausgeführt.

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12
Abbildung 6: Entwicklung der Waldbrandgefährdung 1961-2018 dargestellt als Summe aller
Waldbrandgefahrenstufen im Zeitraum 01.03. bis 30.09. eines Jahres am Beispiel der Wet-
terstationen Cottbus (hohes Waldbrandgefahrenpotenzial), Görlitz (mittleres Waldbrandge-
fahrenpotenzial) und Gera (geringes Waldbrandgefahrenpotenzial); (Quelle: DWD)
In der
Landwirtschaft
war nach einem normalen Start in die Vegetationsentwicklung ein
rasches Absinken der Bodenwasservorräte zu verzeichnen. Je nach Wasserspeicherfähig-
keit der Böden war zwischen Ende Mai und Ende Juni der Bereich der Bodendürre erreicht
und hatte Auswirkungen auf die Ertragsbildung der landwirtschaftlichen Hauptkulturen.
Neben der verbreiteten Trockenheit gab es aber auch Starkniederschlagsereignisse wie bei-
spielsweise Ende Mai im Vogtland, die dazu führten, dass Überschwemmungen auftraten
und in den betroffenen Regionen Bestände durch wasserbedingte Bodenerosion ausfielen.
Die auch zur Aussaat der Winterungen anhaltende Trockenheit löste nach der Bodenbear-
beitung vereinzelt windbedingte Erosionsereignisse aus und bereitete Schwierigkeiten in der
Bestandesetablierung insbesondere beim Winterraps. Hier waren Ausfälle vielerorts festzu-
stellen. Beim etwas später gesäten Wintergetreide überlebten die jungen Pflänzchen teilwei-
se nur durch optimale Ausnutzung der abgesetzten Niederschläge in Form von Tau.
Erst die im Dezember einsetzende Niederschlagstätigkeit lässt die Bodenwasservorräte ak-
tuell wieder etwas ansteigen.
Die Auswirkungen der Witterung auf landwirtschaftliche Kulturen werden in Kapitel 4.8. wei-
tergehend ausgeführt.

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13
Abbildung 7: Vergleich der Bodenwassergehalte unter Gras am Standort Leipzig-
Holzhausen zwischen dem Zeitpunkt der Messung mit den geringsten Werten am
26.09.2018 und dem aktuellen Zeitpunkt (Quelle: DWD)
Für den
Weinanbau
waren die meteorologischen Bedingungen im Jahr 2018 ideal. Aufgrund
der Möglichkeit der tiefgründigen Erschließung von Bodenwasserreserven durch die Rebstö-
cke, war kaum ein Wasserdefizit spürbar. Die Wärme und der Sonnenschein sorgten für eine
hervorragenden Entwicklungsprozess und die vergleichsweise geringen Luftfeuchtewerte
minimierten den Krankheitsdruck.
Die Auswirkungen der Witterung auf den Weinbau werden in Kapitel 4.7. weitergehend aus-
geführt.

14
2. Klimatologische Einordnung für Sachsen und seine Landkreise
2.1.
Datengrundlage und Methodik
Die hier vorgenommene Auswertung verschiedener Wetterelemente beruht überwiegend auf
Daten aus den Messnetzen des Deutschen Wetterdienstes.
Zur flächendifferenzierten Darstellung der Wetterelemente im Freistaat Sachsen wird hier die
Gebietsgliederung in Landkreise (ohne kreisfreie Städte) vorgenommen.
Als Referenzzeitraum wird hier die 30jährige Klima-Normalperiode 1961 bis 1990 verwendet,
die 2014 von der Klimakommission der WMO (Weltorganisation für Meteorologie) als Refe-
renz zur Bewertung des längerfristigen Klimawandels festgelegt wurde. Zur Einordnung in
aktuelle Klimabedingungen werden ebenfalls 30jährige Klima-Normalperioden herangezo-
gen, allerdings aktualisieren diese sich mit Abschluss eines Jahrzehnts. Gegenwärtig findet
noch die Periode 1981 bis 2010 Verwendung, die ab 2021 von der Periode 1991 bis 2020
abgelöst wird.
Nachstehend erfolgt eine Klärung der Begriffe Wetter, Witterung und Klima.
Das Wetter ist der momentane Zustand der Atmosphäre. Es beschreibt die gewöhn-
lich schnell ablaufenden Prozesse und variablen Zustände der Lufthülle der Erde an-
hand des Augenblickszustandes der meteorologischen Elemente wie Lufttemperatur,
Niederschlag, Sonnenscheindauer u.a.m.
Der Ablauf des Wetters über mehrere Tage, Wochen, Monate oder gar Jahreszeiten
wird durch den Begriff Witterung beschrieben. Die Witterung wird dabei durch charak-
teristische Abfolgen von Großwetterlagen bestimmt. Beispielsweise sagt man: In den
letzten Wochen herrschte eine trocke-
ne/feuchte/milde/kalte/niederschlagsreiche/niederschlagsarme/windige Witterung.
Die Zusammenfassung der Augenblickszustände des Wetters für einen Ort oder eine
Region führt zum Begriff des Klimas. Die WMO definiert den Begriff Klima als die
Synthese des Wetters über einen Zeitraum, der lang genug ist, um dessen statisti-
sche Eigenschaften festlegen zu können. Während Wetter eine aktuelle Zustandsbe-
schreibung der Atmosphäre darstellt, können die Begriffe Witterung und Klima als
Verallgemeinerungen betrachtet werden, die mit den Mitteln der mathematischen Sta-
tistik beschrieben und abgegrenzt werden können.
Die Vorgehensweise zur klimatologischen Einordnung erfolgt hier mittels Abweichungen von
einem Referenzwert. Diese Abweichungen können positive oder negative Werte annehmen.
Wie bereits erwähnt wird zur Bewertung des längerfristigen Klimawandels die 30jährige Kli-
ma-Normalperiode 1961 bis 1990 als Referenzperiode verwendet. Zum Sichtbarmachen wit-
terungsbedingter Extreme erfolgt eine Bewertung der Abweichungen durch Hervorheben der
jeweils kleinsten und größten 20 % der ermittelten Abweichungen. Die restlichen dazwischen
(um den Mittelwert) liegenden 60 % der ermittelten Abweichungen werden als Schwan-
kungsverhalten (z.B. von Jahr zu Jahr) betrachtet. Die Separierung der oberen und unteren
Verteilungsbereiche erfolgt hier mittels des Perzentil-Ansatzes. Dieser ist allgemein gültig
und somit auch auf originäre Datenreihen anwendbar. Abbildung 8 dient der Veranschauli-
chung der Schwellenwertbestimmung für Perzentile für den betrachteten Bereich. Hinsicht-
lich einem Sichtbarmachen witterungsbedingter Extreme werden die hier als Kriterien ver-
wendeten Perzentile und deren Eigenschaften (farblich, verbal) in Abbildung 9 dargestellt.

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15
a) Zeitreihe (°C)
b) Abweichungen (K) vs. 1961-1990
c) geordnete Abweichungen: zugeordnete
Perzentile (anteiliger Stichprobenumfang)
Abbildung 8: Veranschaulichung der Perzentil-Bestimmung für Abweichungen vs. der Refe-
renzperiode 1961-1990 am Bsp. des Jahresmittels der Lufttemperatur in Sachsen (Flächen-
mittel), 1881 bis 2015
Abbildung 9: Verwendete Perzentile und deren Eigenschaft für die Lufttemperatur (oben),
den Niederschlag (Mitte) und die Sonnenstunden (unten)

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16
2.2.
Langjährige Entwicklung der Lufttemperatur
In Abbildung 10 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) des Flächenmittels der Jah-
resmitteltemperatur gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen abgebildet.
2018 wurde mit +2,2 K als «extrem zu warm» eingestuft und ist das wärmste Jahr seit 1881.
Es fällt auf, dass in den letzten knapp 30 Jahren in Sachsen fast ausnahmslos überdurch-
schnittlich warme Jahre auftraten, was auch in der dekadischen Entwicklung der Lufttempe-
ratur in einem markanten Anstieg über die letzten drei Dekaden 1981-1990 bis 2001-2010
zum Ausdruck kommt (Abbildung 11).
Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion „WEREX-V-
Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich dieser Erwärmungstrend bis zum Ende des 21.
Jahrhunderts weiter fortsetzt. Unter Berücksichtigung des Unsicherheitsbereiches liegen 80
Prozent der Realisierungen (zwischen 10 % und 90 %) in einem Entwicklungsintervall zwi-
schen +2,5 K und +4 K, gegenüber 1961-1990, bis zum Ende des lfd. Jahrhunderts
(Abbildung 11).
In Abbildung 12 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) der Jahresmitteltemperatur
gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische Landkreise (oh-
ne kreisfreie Städte) abgebildet.
Abbildung 10: Abweichungen der Jahresmitteltemperatur (K) gegenüber 1961-1990 in Sach-
sen, 1881 bis 2018

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17
Abbildung 11: Abweichungen der mittleren Jahresmitteltemperatur (K) für Dekaden gegen-
über 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2018 gemessene Daten, 2021-2100 Pro-
jektionsdaten WEREX-V-Ensemble)
Abbildung 12: Abweichungen der Jahresmitteltemperatur [K] für 2018 vs. 1961-1990 in
sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)

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18
In Abbildung 13 sind die jährlichen Abweichungen (in Kelvin, K) der Temperaturen für die
Vegetationszeiten gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen und als Flä-
chenmittel für sächsische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet.
Für Sachsen sind die Abweichungen für Jahreszeiten in Abbildung 84, Abbildung 85, Abbil-
dung 86, Abbildung 87und Abbildung 27 dargestellt.
Abbildung 13: Abweichungen der Mitteltemperaturen [K] für 2018 vs. 1961-1990 in Sachsen
und sächsischen Landkreisen: Vegetationsperiode I (links), Vegetationsperiode II (rechts)
(Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
In Abbildung 14 ist die chronologische Abfolge wärmerer und kühlerer Jahreszeiten in Sach-
sen im Zeitraum 1881 bis 2018 dargestellt. Diese Abbildung dokumentiert das zunehmend
höhere thermische Niveau, auch vor dem Hintergrund der Kumulation. Seit 1881 ist der Ab-
schnitt von Sommer 2013 bis Herbst 2018 (22 Jahreszeiten) der längste in dem durchge-
hend alle Jahreszeiten über ihrem Referenzwert lagen.

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19
Abbildung 14: Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen der Lufttempe-
ratur für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Frühjahr 1881 bis Herbst 2018
2.3.
Langjährige Entwicklung des Niederschlags
In Abbildung 15 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels des Jah-
resniederschlages gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen abgebildet. Das
Jahr 2018 war mit -33 % ein «extrem zu trockenes» Jahr und seit 1881 eines der beiden nie-
derschlagärmsten Jahre. In Abbildung 15 fällt auf, dass im Vergleich zur Lufttemperatur kei-
ne klare Entwicklung in den Jahresniederschlagssummen sichtbar ist.
In Abbildung 16 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Jahresniederschlages
gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische Landkreise (oh-
ne kreisfreie Städte) abgebildet.
Generell ist der Niederschlag, im Vergleich zur Temperatur, eine raum-zeitlich sehr hetero-
gene Größe, was den Umgang mit diesem wichtigen Klimaelement schwierig macht.

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20
Abbildung 15: Abweichungen des Jahresniederschlages (%) gegenüber 1961-1990 in Sach-
sen, 1881 bis 2018
Abbildung 16: Abweichungen des Jahresniederschlags [%] für 2018 vs. 1961-1990 in säch-
sischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)

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21
Für Sachsen sind die Abweichungen für Jahreszeiten in Abbildung 84, Abbildung 85, Abbil-
dung 86, Abbildung 87und Abbildung 27 dargestellt.
In Abbildung 17 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Niederschlagssummen für
die Vegetationszeiten gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen und als Flä-
chenmittel für sächsische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet.
Der Niederschlag in der Vegetationsperiode I (April bis Juni) nimmt eine wichtige Stellung im
Jahresverlauf ein. Auf der Grundlage von Auswertungen der sächsischen Klimaprojektion
„WEREX-V-Ensemble“ ist davon auszugehen, dass sich die beobachtete Entwicklung konti-
nuierlich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts fortsetzt. Unter Berücksichtigung des Unsicher-
heitsbereiches liegen 80 Prozent der Realisierungen (zwischen 10 % und 90 %) in einem
Entwicklungsintervall zwischen -8 % und -25 %, gegenüber 1961-1990, bis zum Ende des
lfd. Jahrhunderts (Abbildung 18).
Abbildung 17: Abweichungen des Niederschlags [%] für 2018 vs. 1961-1990 in Sachsen und
sächsischen Landkreisen: Vegetationsperiode I (links), Vegetationsperiode II (rechts) (Daten:
DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)

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22
Abbildung 18: Abweichungen des mittleren Niederschlages in der Vegetationsperiode I (Ap-
ril-Juni) (%) für Dekaden gegenüber 1961-1990 in Sachsen, 1881 bis 2100 (1881-2018 ge-
messene Daten, 2021-2100 Projektionsdaten WEREX-V-Ensemble)
2.4.
Langjährige Entwicklung eines Trockenheitsmaßes (
de Martonne
-Index)
Der Index nach
de Martonne
zielt auf die pflanzenphysiologische Wirkung des Niederschlags
ab und liefert ein einfaches Maß für die Trockenheit eines Lebensraumes. Er ist definiert mit
dM = P/(T+10), wobei P der Niederschlag (mm) eines Bezugszeitraumes (z.B. Jahreszeit)
und T die Mitteltemperatur (°C) des Bezugszeitraums ist. Die Temperatur fungiert hier als
Proxy für die Verdunstung. Der
de Martonne
-Index harmoniert mit der klimatischen Wasser-
bilanz und kann als atmosphärische Rahmenbedingungen für Feuchte- und Trockenphasen
interpretiert werden. Aufgrund der geringen Datenanforderung lassen sich vergleichsweise
lange Zeitreihen für dM berechnen und hinsichtlich Klimawandel bewerten.
In Abbildung 19 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels für den
de
Martonne
-Index auf Jahresbasis gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen
abgebildet. Das Jahr 2018 hatte mit -40 % den kleinsten Wert seit 1881 angenommen, was
Ausdruck einer besonders trockenen und warmen bodennahen Luftschicht ist. Aus Abbil-
dung 19 geht hervor, dass hier bereits seit 5 Jahren eine Tendenz besteht.

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23
Abbildung 19: Abweichungen des de-Martonne-Index (%) gegenüber 1961-1990 in Sachsen,
1881 bis 2018, Jahr
Für Sachsen sind die Abweichungen für Jahreszeiten in Abbildung 84, Abbildung 85, Abbil-
dung 86 und Abbildung 87 dargestellt.
In Abbildung 20 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Niederschlagssummen für
die Vegetationszeiten gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen abgebildet.
Abbildung 20: Abweichungen des de-Martonne-Index (%) gegenüber 1961-1990 in Sachsen,
1881 bis 2018, Vegetationsperiode I (links), Vegetationsperiode II (rechts)
In Abbildung 21 ist die chronologische Abfolge trockener und feuchterer Jahreszeiten in
Sachsen im Zeitraum 2001 bis 2018 dargestellt. Diese Abbildung dokumentiert, dass seit

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24
Herbst 2013, mit wenigen Ausnahmen, vermehrt atmosphärische Bedingungen auftraten, die
eine Ausbildung von Trockenheit begünstigen.
Abbildung 21: Chronologische Abfolge positiver und negativer Abweichungen des de-
Martonne-Index für Jahreszeiten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Winter 2000/01 bis
Herbst 2018
2.5.
Langjährige Entwicklung der Sonnenscheindauer
In Abbildung 22 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) des Flächenmittels der Jah-
ressumme für Sonnenstunden gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen ab-
gebildet. Das Jahr 2018 war mit +31 % eines der beiden sonnenreichsten Jahre seit 1951
und wurde mit «extrem zu sonnenreich» eingestuft. In Abbildung 22 fällt auf, dass in Analo-
gie zur Lufttemperatur die letzten knapp 30 Jahre weitgehend überdurchschnittlich sonnen-
reich, mit Auftreten von extrem sonnenreichen Jahren, gewesen sind, was auch in der deka-
dischen Entwicklung sichtbar ist (Abbildung 23). Diese Zunahme ist auch vor dem Hinter-
grund einer verbesserten Luftqualität infolge eines verminderten Aerosolgehaltes zu sehen.
Das WEREX-V-Ensemble projiziert bis zum Ende des 21. Jahrhunderts eine Fortsetzung der
dekadischen Entwicklung für die seit 1951 vorliegenden Messungen innerhalb eines Unsi-
cherheitsbereiches in der Größenordnung +20 % bis +35 %, gegenüber 1961-1990
(Abbildung 23).

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25
Abbildung 22: Abweichungen der Jahressonnenstunden (%) gegenüber 1961-1990 in Sach-
sen, 1951 bis 2018
Abbildung 23: Abweichungen der mittleren Jahressonnenstunden (%) für Dekaden gegen-
über 1961-1990 in Sachsen, 1951 bis 2100 (1951-2018 gemessene Daten, 2021-2100 Pro-
jektionsdaten WEREX-V-Ensemble)

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26
In Abbildung 24 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Jahressumme für Son-
nenstunden gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 als Flächenmittel für sächsische
Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet.
Abbildung 24: Abweichungen der jährlichen Sonnenscheindauer [%] für 2018 vs. 1961-1990
in sächsischen Landkreisen (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
Für Sachsen sind die Abweichungen für Jahreszeiten in Abbildung 84, Abbildung 85, Abbil-
dung 86, Abbildung 87und Abbildung 27 dargestellt.
In Abbildung 25 sind die jährlichen Abweichungen (in Prozent) der Sonnenstundensummen
für die Vegetationszeiten gegenüber der Referenzperiode 1961-1990 für Sachsen und als
Flächenmittel für sächsische Landkreise (ohne kreisfreie Städte) abgebildet.

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27
Abbildung 25: Abweichungen der Sonnenscheindauer [%] für 2018 vs. 1961-1990 in Sach-
sen und sächsischen Landkreisen: Vegetationsperiode I (links), Vegetationsperiode II
(rechts) (Daten: DWD, Datenverarbeitung & Kartenerstellung: LfULG)
In Abbildung 26 ist die chronologische Abfolge der prozentualen Abweichungen sonnenrei-
cherer und sonnenärmerer Jahreszeiten in Sachsen im Zeitraum 1961 bis 2018 dargestellt.
In Analogie zur Lufttemperatur (Abbildung 14) ist auch bei den Sonnenstunden seit dem En-
de der 1980iger Jahre eine Entwicklung hin zu länger andauernden Zeitabschnitten mit son-
nenreicheren Jahreszeiten festzuhalten.

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28
Abbildung 26: Chronologische Abfolge von Abweichungen der Sonnenstunden für Jahreszei-
ten gegenüber 1961-1990 in Sachsen, Frühjahr 1951 bis Herbst 2018

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29
2.6.
Zusammenfassende klimatologische Einordnung für Lufttemperatur, Nieder-
schlag und Sonnenscheindauer
Abbildung 27 zeigt eine zusammenfassende klimatologische Einordnung (verbal, zahlenmä-
ßig) für die Elemente Lufttemperatur, Niederschlag und Sonnenstunden auf der Basis von
Jahres-, Jahreszeiten- und Monatswerten.
Die farblichen Hervorhebungen betreffen die Randbereiche der Verteilungen über die jewei-
ligen Abweichungen und zielen auf das Sichtbarmachen von Extremen in den unterschiedli-
chen Zeitskalen Monat, Jahreszeit und Jahr ab.
Abbildung 27: Zusammenfassende klimatologische Einordnung des Jahres 2018 in Sachsen
(Datenzeitraum: 1881 bis 2018; Hinweis zur mittigen Abbildung: scheinbare Inkonsistenzen
in den Zahlenangaben beruhen auf Rundungsungenauigkeiten, maßgebend sind die Grö-
ßenordnungen)
Eine Übersicht zu den langjährigen jährliche Abweichungen der Elemente Lufttemperatur,
Niederschlag (beide ab 1881), Sonnenstunden (ab 1951) für Jahreszeiten ist im Anhang zu
finden (in Abbildung 84, Abbildung 85, Abbildung 86, Abbildung 87).

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30
2.7.
Entwicklung der Phänologie
Die ersten Anzeichen der phänologischen Entwicklung des Jahres 2018 waren schon Ende
Januar mit dem Einsetzen des Vorfrühlings zu sehen. In den folgenden zwei Monaten stag-
nierte die Entwicklung und erst Ende März / Anfang April kam eine rasante Entwicklung in
Gang. Der Erstfrühling war 2018 nur halb so lang wie normalerweise. Dadurch überholten
auch alle folgenden phänologischen Jahreszeiten ihren normalen Starttermin. Erst der
Spätherbst (Blattverfärbung der Stieleiche) und der phänologische Winter (Blattfall der Stiel-
eiche) waren etwa zum gewohnten Zeitpunkt zu erkennen. Die Länge der Vegetationsperio-
de, die beschrieben wird mit dem Zeitraum zwischen dem Erblühen der Salweide (Gelbfär-
bung der Weidenkätzchen) und der Blattverfärbung der Stieleiche bewegte sich 2018 um
den Normalwert. Lediglich im äußersten Osten Sachsen, im Landkreis Görlitz war sie 7 bis
11 Tage kürzer als normal, während im Landkreis Bautzen sowie im Erzgebirge und Teilen
seines Vorlandes eine 9 bis 17 Tage längere Vegetationsperiode beobachtet wurde.
Die für 2018 beschriebene phänologische Entwicklung ergänzt die diesbezüglichen Verände-
rungen um einen weiteren Baustein, so dass im Vergleich der Normalperiode 1961-1990 mit
dem Folgeabschnitt 1991 bis 2018 eine deutliche Verkürzung des phänologischen Winters
zu erkennen ist. Die erfolgt zugunsten des zeitigeren Frühjahrsbeginns, wobei sich Vor- und
Erstfrühling etwas verlängern. Die angesprochene Verfrühung zieht sich aber auch durch alle
phänologischen Jahreszeiten mit Ausnahme des Winters und ebenso sehen wir Verände-
rungen in der Länge von Spätsommer (kürzer) und Früh- sowie Vollherbst (länger).
Abbildung 28: Phänologische Jahreszeiten in Sachsen im Vergleich zwischen der Normalpe-
riode 1961-1990 und dem Zeitraum 1991-2018 (Quelle: DWD)

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31
3. Besonderheit im Witterungsverlauf – Anmerkungen zur Trockenheit 2018
Das Jahr 2018 in Sachsen wurde insbesondere von den teilweise enormen Niederschlags-
defiziten in Kombination mit dem sehr hohen thermischen Niveau geprägt. Neben der Tro-
ckenheit, deren Folgen ausführlich im Kapitel 4 dargestellt sind, muss auch das hochwas-
serauslösende Starkregenereignis vom 24.05.2019 im Vogtland unbedingt erwähnt werden,
dem das Kapitel 4.6 gewidmet ist.
Trockenheit bzw. Dürre als deren stärkere Ausprägung sind sehr komplexe Zustände und
haben stets ein Wasserdefizit als Ursache, das sich aus Konstellationen von atmosphäri-
schen Parametern (Niederschlag, Temperatur, Sättigungsdefizit u.a.) in Kombination mit
Standortfaktoren (Boden, Vegetation, Bodenwasserhaushalt u.a.) ergibt. Die Länge der Ein-
wirkzeit, d.h. des Zeitraumes, in dem sich ein Wasserdefizit aufbaut (kumulatives Wasserde-
fizit), beeinflusst das System Boden-Pflanze-Atmosphäre entscheidend. Je nach Länge die-
ser Einwirkzeit spricht man von meteorologischer, landwirtschaftlicher, forstlicher, hydrologi-
scher oder Grundwasser-Trockenheit (Reihenfolge nach zunehmender Einwirkzeit).
Sachsenweite Untersuchungen des LfULG haben gezeigt, dass im Zuge des bereits stattfin-
denden Klimawandels ein erhöhtes Risiko für das Auftreten witterungsbedingter Extreme im
Freistaat Sachsen besteht. Neben der Hitzebelastung und Starkregen (verbunden mit Hoch-
wasserrisiko infolge Oberflächenabfluss und Erosionsrisiko) betrifft dies auch die atmosphä-
rischen Rahmenbedingungen für das Auftreten von Trockenheit.
Danach zeigen die aktuellen Erkenntnisse des LfULG die folgende Entwicklung in Sachsen:
Während der Vegetationszeit (d.h. im Sommerhalbjahr) ist der Freistaat Sachsen zuneh-
mend mit dem Problem Trockenheit konfrontiert, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung.
Während in der Vegetationsperiode I (Apr bis Jun) abnehmende Niederschlagssummen be-
obachtet werden (Abbildung 29), ist die Vegetationsperiode II (Jul bis Sep) durch zunehmen-
de Niederschlagssummen gekennzeichnet, die allerdings einen höheren Starkregenanteil
haben. Daraus lässt sich ableiten, dass trockene Perioden zunehmend von einzelnen, lokal
meist sehr begrenzten Starkregenereignissen unterbrochen werden, was mit einem erhöhten
Erosionsrisiko verbunden ist und großen Einfluss auf die Wasserverfügbarkeit hat.
Abbildung 29: Häufigkeit atmosphärischer Bedingungen, die eine Ausbildung «starker» &
«extremer» Trockenheits-Ereignisse in Sachsen begünstigen (Standardisierter Nieder-
schlags-Verdunstungs-Index SPEI(3) ≤ -1,5), Vegetationsperiode I: 1961-1990 (links), 1991-
2014 (rechts) (Quelle: LfULG)

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32
Das Auftreten von Trockenheitssituationen ist durch Vielseitigkeit geprägt und daher mit
Schwierigkeiten in der adäquaten Erfassung verbunden. Zur Erfassung werden
Trockenheitsmerkmale in Form von Indikatoren (Niederschlag, Bodenfeuchte, Abfluss u.a.)
bzw. Indizes (SPI, SMI, SSI, NDVI u.a.) verwendet, die je nach Definition unterschiedliche
Fachdaten (aus Meteorologie, Hydrologie, Fernerkundung u.a.) für Zeitskalen (z.B. 1, 3, 6,
12, 24 Monate) verwenden bzw. kombinieren und somit auf einen konkreten Bereich im
System Boden-Pflanze-Atmosphäre abzielen.
Abbildung 30 zeigt als Ergebnis des Dürremonitors (UFZ, Leipzig), dass ab Monat August
deutschlandweit ausgeprägte Trockenheit infolge des erheblichen Niederschlagdefizites mit
einer temperaturbedingten Verstärkung (Verdunstungsverluste: um 1 Kelvin erwärmte Luft
kann 7% mehr Wasserdampf aufnehmen) bestand. Mit hervorzuheben ist, dass bereits im
Winter Trockenheit im Bodenhorizont bis 1,80m Tiefe ausgewiesen ist, obwohl normaler-
weise während dieser Zeit eine Füllung des Bodenwasserspeichers erfolgt. Daraus ergeben
sich ungünstigere Startbedingungen für die Vegetationszeit.
Aus Abbildung 21 geht hervor, dass die atmosphärischen Bedingungen, die eine Ausbildung
von Trockenheit begünstigen, in den Jahreszeiten der letzten Jahre in Sachsen vermehrt
aufgetreten sind.
Oberboden (25cm)
gesamter Bodenhorizont (180cm)
Abbildung 30: Flächenhafte Betroffenheit (%) mit relativer Trockenheit in Deutschland: Ver-
lauf der Abweichungen des Bodenfeuchte-Index (SMI) vom 01.01.2018 bis 26.11.2018 vs.
1951-2015 (Quelle: UFZ-Dürremonitor)
Der Spätwinter im Februar/März 2018 und die sich anschließende Ausbildung der Trocken-
heit 2018 hatten einen quasi-stationären Zustand der Atmosphäre als Ursache, dessen Fol-
ge die längere Wirksamkeit desgleichen Wetters war.
Zur Veranschaulichen ist in Abbildung 31 Lage und Verlauf des Polar-Jets schematisch dar-
gestellt, einem Starkwindband in ca. 10km Höhe, der durch den Temperaturgegensatz zwi-
schen Arktis und Äquator angetrieben wird und der das Wetter und Klima in den mittleren
Breiten prägt. Im Zuge des bereits stattfindenden Klimawandels erwärmt sich die Arktis
schneller als niedrigere Breiten, was einen geringeren Temperaturgradienten zwischen der
Arktis und dem Äquator zur Folge hat (Abbildung 32). Daraus ergibt sich eine Abschwächung

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33
der Windgeschwindigkeit innerhalb des Jetstreams und die Mäander (Rossby-Wellen) des
Jetstreams lenken stärker aus. Je weiter die Mäander nach Norden bzw. nach Süden aus-
lenken (meridionale Strömung), umso langsamer erfolgt eine Verlagerung nach Osten. Somit
neigen die Mäander in einem quasi-stationären Zustand „stecken“ zu bleiben, was zu einer
Blockierung der zonalen Westströmung führt und somit das Wetter über einen langen Zeit-
raum in demselben Zustand wirksam ist. Welches Wetter (Hitze, Kälte, Trockenheit, Starkre-
gen) dann anhaltend wirksam ist entscheidet die Lage des Polar-Jets zur Landmaske und
die Jahreszeit.
Prinzipiell ist das Bestehenbleiben eines Zustands über längere Zeit (Persistenz)
kritisch, da
sich mit der Länge der „Einwirkzeit“ (Kumulation) extremere Auswirkungen der anhaltenden
Wettersituation einstellen.
Abbildung 31: Schematische Darstellung der Jetstreams (T … Höhentief, H … Höhenhoch)
(Quelle: RAOnline)
Abbildung 32: Abweichungen [K] der oberflächennahen (Land & Ozean) Lufttemperatur vs.
1961/90, 1880-2017 (Daten: Land-Ocean Temperature-Index LOTI (C) - Hadley/Reynolds,
Quelle:
www.giss.nasa.gov
)

34
In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass das erhöhte Risiko im Auftreten von witterungs-
bedingten Extremen im Zuge des Klimawandels in der Öffentlichkeit angekommen ist. Aus
der jüngsten Vergangenheit sind die Stürme HERWART (10/2017) und FRIEDERIKE
(01/2018) sowie das Starkregen-Ereignis im Vogtland im Mai 2018 noch in guter Erinnerung
bzw. beschäftigen uns ihre Nachwirkungen noch heute.
Sturm- und Starkregen-Ereignisse haben im Vergleich zu Trockenheit vergleichsweise kurze
Ereignisandauern und die Betroffenheit wird hier unmittelbar sicht- und spürbar. Trockenpe-
rioden erstrecken sich über Monate ja bisweilen Jahre. Ihre Auswirkungen werden erst ver-
zögert sicht- bzw. spürbar. Die sich daraus ergebenden Folgen, auch volkswirtschaftlich,
können so leicht unterschätzt werden.
Bisher hinkt die Wahrnehmung für Trockenperioden vs. Sturm- bzw. Starkregen-Ereignissen
in der Öffentlichkeit weit hinterher.
Der Witterungsverlauf 2018 zeigt einmal mehr die gestiegenen Anforderungen für einen Um-
gang mit dem geänderten Wasserdargebot. Auf der einen Seite zu viel Niederschlag in kur-
zer Zeit und auf der anderen Seite zu wenig Niederschlag auf längere Zeit.
4. Einflüsse/Auswirkungen ausgewählter Wetterereignisse bzw. Witterungsabschnitte
4.1.
Einfluss der Witterung auf die Luftqualität
PM10-Konzentration Winter | Ozonkonzentration Sommer
A) PM10-Konzentration im Winter
In der kalten Jahreszeit werden i. d. R. die meisten Überschreitungen des Grenzwertes für
das Tagesmittel von Feinstaub PM10
2
registriert. Ursachen sind der höhere Ausstoß von
Luftschadstoffen durch Energiebereitstellung, Raumheizung und Straßenverkehr, vermehrt
entstehende bodennahe Inversionsschichten, die den Luftaustausch einschränken und mehr
Eintrag von Luft aus Ost/Südost mit bereits höheren Konzentrationen von PM10.
Das Flächenmittel der Temperatur im Winter (Dezember bis Februar) kann als Maß für die
Charakterisierung dieser komplexen Zusammenhänge dienen (vgl. Abbildung 33). Je höher
die Temperatur, desto weniger Grenzwertüberschreitungen traten auf. Dieser Zusammen-
hang ist sehr deutlich (Bestimmtheitsmaß: 0,9, vgl. Abbildung 34). Sehr bzw. extrem milde
Winter unterstützen also die Wirkung der Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität. Die
Wintertemperatur 2017/18 lag im Mittelfeld der letzten 11 Winter. Im Verlauf des Jahres 2018
gab es dann nur noch wenige Tage mit durch die Witterung beeinflussten hohen PM10-
Konzentrationen (02. – 05.03., 18.10., 18.11.). So konnte der Grenzwert für diesen Parame-
ter auch 2018 – das vierte Mal in Folge – überall in Sachsen wieder eingehalten werden
(Beispiele für Ballungsräume und Ostsachsen: Abbildung 35).
Wegen des Klimawandels ist für die Zukunft von einem weiteren Anstieg der Wintertempera-
turen auszugehen. Allerdings kann es auch immer wieder zu einzelnen zu kalten Wintern mit
negativen Folgen für die Luftqualität kommen. Dann wird sich zeigen, ob der PM10- Grenz-
wert für das Tagesmittel auch bei ungünstiger Witterung im Winter eingehalten werden kann.
2
50 μg/m
3
, 35 Überschreitungen pro Kalenderjahr sind zulässig.

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35
Abbildung 33: Entwicklung der Anzahl der Überschreitungen des PM10-Tagesgrenzwertes
an 22 durchgängig betriebenen Luftgütemessstationen im Vergleich zur Mitteltemperatur im
Winter (Dezember bis Februar) in Sachsen
Abbildung 34: Zusammenhang zwischen Mitteltemperatur und der Anzahl der PM10-
Tagesgrenzwertüberschreitungen im Winter

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36
Abbildung 35: Anzahl der PM10-Tagesgrenzwertüberschreitungen, Beispiel für die Ballungs-
räume und Ostsachsen
B) Ozonkonzentration im Sommer
Hohe Ozonkonzentrationen entstehen bei länger anhaltenden Hochdruckwetterlagen mit
Temperaturen über 30 °C und intensiver Sonneneinstrahlung durch chemische Reaktionen
aus den Vorläufersubstanzen Stickstoffdioxid und flüchtigen Kohlenwasserstoffverbindun-
gen. Dabei ist die Ozonbelastung in ländlichen Gebieten und im Mittelgebirge aufgrund der
geringen Abbaurate des Ozons durch andere Schadstoffe und der Höhenlage am stärksten.
Die Ozonkonzentrationen in den bodennahen Schichten weisen einen ausgeprägten Jahres-
gang mit Höchstwerten im Sommerhalbjahr auf.
Der Sommer 2018 war mit einer Temperaturabweichung von + 3,1 K zur Klimareferenzperio-
de 1961 – 1990 einer der wärmsten seit Messbeginn. Auch in den Monaten April und Mai
lagen die Temperaturen und die Sonnenscheindauer deutlich über den Referenzwerten. An
den Stationen des Luftmessnetzes wurden von April bis September an 58 Tagen Höchst-
temperaturen über 30°C gemessen (2017: an 33 Tagen). Insgesamt war der Zeitraum April
bis August in Sachsen deutlich zu warm (+ 3,8 K) mit durchschnittlich 39 Prozent mehr Son-
nenschein und viel zu trocken.
Diese außergewöhnlichen meteorologischen Bedingungen führten zu einer hohen Ozonbe-
lastung in Sachsen. Es kam vereinzelt zu Überschreitungen der Ozoninformationsschwelle
(Kurzzeitbelastung). Die höchsten Ozonkonzentrationen traten im Juli und August auf (Bei-
spiel von der Station Radebeul-Wahnsdorf in Abbildung 36). Insgesamt herrschte von April
bis Mitte September eine hohe Dauerbelastung. Der Zielwert für den Schutz der menschli-
chen Gesundheit
3
wurde auch außerhalb des Erzgebirgskamms, d. h. an den Stationen Col-
lmberg, Schkeuditz und Chemnitz-Hans-Link-Straße, überschritten (Abbildung 37). Der Ziel-
wert für die Vegetation (AOT40) konnte wie in den Vorjahren auf dem Erzgebirgskamm nicht
eingehalten werden.
3
120 μg/m
3
als höchster 8-Stundenmittelwert der Ozonkonzentrationen eines Tages (Mittelwert über drei Jahre), 25 Über-
schreitungen zulässig

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37
Abbildung 38 zeigt die Überschreitungshäufigkeit der Informationsschwelle in den letzten 15
Jahren im Vergleich zu den heißen Tagen4. Die Überschreitungshäufigkeiten schwanken
zwischenjährlich sehr und werden von den Witterungsbedingungen stark beeinflusst. Trotz
Zunahme der heißen Tage in diesem Zeitraum, insbesondere 2018, sank im Mittel die An-
zahl der Stunden mit Ozonkonzentrationen über 180 μg/m³. Es wird angenommen, dass die
Verringerung der Überschreitungshäufigkeit der Informationsschwelle ein Indiz für die Ab-
nahme von Vorläufersubstanzen in der Luft im letzten Jahrzehnt ist.
Abbildung 36: Entwicklung des Jahresverlaufes der Ozon-Konzentration seit 1974 an der
Station Radebeul-Wahnsdorf
4
Maximale 1-Stundentemperatur am Tag > 30° C

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38
Abbildung 37: Anzahl der Tage mit Ozon-8-Stundenmittelwerten > 120 μg/m³ (Mittelwert
2016-2018; vorläufiges Ergebnis, Stand 10. Oktober 2018)
Abbildung 38: Anzahl der Überschreitungen
5
der Ozoninformationsschwelle in den
vergangenen 16 Jahren im Vergleich zu den Temperaturwerten
5
Summe der Einzelüberschreitungen von allen durchgehend seit 2003 gemessenen Stationen (12) in Sachsen

39
4.2.
Auswirkungen der Witterung auf den Wald
Neuland der Extreme
In den letzten 100 Jahren hat sich das Bild der sächsischen Wälder sehr verändert. Das be-
trifft weniger den Umfang und die Lage der Waldflächen, auch nicht die Anteile, welche die
einzelnen Baumarten einnehmen. Nein, die deutlichsten Veränderungen betreffen die Alters-
struktur, den Holzvorrat und die Nutzung der Wälder. Vergleicht man die landesweit vorlie-
genden Daten, so lieferte die Bundeswaldinventur 2012 mit etwa 312 Kubikmeter Holz pro
Hektar den historischen Spitzenwert. Absolut sind dies 156 Mio. Kubikmeter, was in etwa
einen Lastzug Holz für jeden der 4 Mio. Einwohner Sachsens gleichsteht.
Die Kehrseite der hohen Holzvorräte ist die mit den zunehmenden Baumdimensionen und -
altern verbundene Anfälligkeit für Schäden. Dieser Zusammenhang ist unabhängig von der
Baumart. Er trifft aber besonders für die in Sachsen dominierende Fichte und ihr Vorkommen
in größeren Reinbeständen zu. Die flächig einheitliche Gefährdung gegenüber Sturm und
Borkenkäfer ist in der Regel mit flächigen Schäden verbunden. Seit mehr als 25 Jahren ver-
suchen Waldbesitzer, diese Ursächlichkeit mittels eines Waldumbaus hin zu struktur- und
artenreichen Mischwäldern aufzuheben. Mit dem Wechsel der Waldgenerationen und mit der
Intensität der Holzernte gekoppelt, mindert der Waldumbau die Gefährdungen aber nur lang-
fristig, nicht abrupt.
Jährlich werden in Sachsen etwa 2,3 Mio. Kubikmeter Holz planmäßig geerntet. Demgegen-
über wachsen jedes Jahr durchschnittlich 5,3 Mio. Kubikmeter Holz zu. Bei dieser Relation
nimmt der Wald jährlich Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf und speichert es. Im Jahr
2018 fällt diese Bilanz negativ aus. Der Holzzuwachs fällt aufgrund der anhaltenden und alle
Landesteile erfassenden Dürre vergleichsweise niedrig aus. Gleichzeitig fielen seit dem
Sturm "Herwart" im Oktober 2017 insgesamt 3,2 Mio. Kubikmeter Holz in der Folge von
Sturmwürfen und Borkenkäferbefall an.
So wie in den meteorologischen Aufzeichnungen sich nur noch wenige Jahre finden, die
noch trockener und noch wärmer waren, betritt die sächsische Forstwirtschaft mit dem au-
ßerplanmäßigen Holzernten in dieser Größenordnung Neuland.
Der Sturm „Friederike“ im Januar und die extreme Dürre waren eine ideale Ausgangsposition
für die Entwicklung des Borkenkäfers. Die warme Frühjahrswitterung nutzend, schwärmten
die Käfer bereits im April. Bis in den November hinein herrschten für die Entwicklung der
Käfer günstige Temperaturen. Bis in die höheren Berglagen hinein, die Flächen des "Jahr-
hundertsommers" 2003 übertreffend, entwickelten sich drei Generationen von Käfern. Mit
jeder Generation nimmt ihre Population exponentiell zu. Damit steigt das Risiko, dass die
Zahl der Käfer eine Dimension erreicht, die auch Fichten, die nicht durch den Sturm gefallen
oder durch Wassermangel geschwächt sind, befallen und zum Abstreben gebracht werden.
Allein an der Baumart Fichte wurden zwischen Juni und Dezember 2018 575.000 Kubikme-
ter Käferholz in den sächsischen Wäldern (ohne den Ruhebereich des Nationalparks Säch-
sische Schweiz) registriert. Bis Ende Mai diesen Jahres wird mit einem Anstieg um weitere
200.000 Kubikmeter gerechnet. Das rechtzeitige Auffinden und Beseitigen vom Käfer befal-
lener Bäume ist die einzige Möglichkeit, die Zahl der Käfer zu begrenzen. Den Borkenkäfer,
der geschützt unter der Rinde lebt, rechtzeitig zu finden, erfordert Sach- und Ortskenntnis.
Rote Fichtenkronen und abgefallene Rinde sind Zeichen, dass es für eine rechtzeitige Ent-
nahme dieses Baumes zu spät ist. Nach dem Auffinden bleiben nur wenige Wochen oder

image
40
Tage, in denen der Baum aufgearbeitet und aus dem Wald abgefahren werden muss. Ist die
rechtzeitige Abfuhr nicht sichergestellt, muss aufwändig entrindet oder Pflanzenschutzmittel
eingesetzt werden. Bis zu diesem Punkt haben die Waldbesitzer und die Holzeinschlagsun-
ternehmen das Heft des Handelns in der Hand.
Auf dem Holzmarkt begegnen sich die gesellschaftliche Verwendung und Nachfrage nach
Holz und Holzprodukten einerseits und das Zusammenwirken aller Waldbesitzer anderer-
seits. Während die Kosten für die Holzernte aufgrund des aufwendigeren Holzeinschlages
angestiegen sind, hat sich der Holzpreis infolge des Überangebotes an trockenem, vom Bor-
kenkäfer befallenem Holz teilweise halbiert. In dieser Situation erscheint die Intensivierung
des Holzeinschlages zunächst grotesk. Diese ist für die Fortführung des notwendigen Wald-
umbaus aber geboten. Neben günstigen Witterungsverhältnissen kann nur die gezielte Re-
duzierung der Holzvorräte und die Verjüngung der zunehmend gefährdeten Fichtenaltbe-
stände das Ausmaß zukünftiger Schäden verringern und das Absterben ganzer Waldbestän-
de mit dem Verlust der Waldfunktionen verhindern.
Die Entwicklung der Borkenkäfer ist kein spezifisch sächsisches, auf die Fichte und den
Buchdrucker begrenztes Problem. Auf der gesamten nördlichen Hemisphäre – von Nord-
amerika über Europa bis Sibirien – registrieren Forstwissenschaftler und Biologen einen An-
stieg der Käferzahlen. Jesse Morris
6
, ein Geograf der Universität von Utah kommentiert
hierzu: "Die registrierte Sterblichkeit der Nadelbäume, die wir hier und in Europa beobachten,
ist historisch gesehen beispiellos." Weltweit sind die Borkenkäfer damit zum Bioindikator
eingetretener klimatischer Änderungen geworden, weil sie sensibel auf diese Veränderungen
reagieren.
Abbildung 39: Der Colditzer Forst ändert sein Aussehen: Die wenigen Fichten, die dem
Sturm "Friederike" widerstanden hatten, überlebten im trockenen Sommer den Befall durch
den Buchdrucker nicht. (Foto: T. Rother, SBS)
6
https://e360.yale.edu/features/small-pests-big-problems-the-global-spread-of-bark-beetles

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41
4.3.
Auswirkungen der Witterung auf die Fließgewässer
mengen- und gütemäßiger Einfluss der Trockenheit
A) Menge
Das sich seit dem Februar 2018 vergrößernde Niederschlagsdefizit (meteorologische Tro-
ckenheit) führte ab dem Mai zu einer sich stetig verschärfenden hydrologischen Trockenheit
(Niedrigwasser), welche sich erst gegen Ende Dezember nach über sechs Monaten aufzulö-
sen begann. Auf dem Höhepunkt der Niedrigwasserphase war an mehr als drei Vierteln der
sächsischen Pegel eine Wasserführung unterhalb des mittleren jährlichen Niedrigwasser-
durchflusses MNQ(Jahr) zu verzeichnen (siehe Abbildung 40).
Abbildung 40: Anteil sächsischer Pegel im Niedrigwasser (Wasserführung unterhalb
MNQ(Jahr) zum Stichtag Dienstag der dargestellten Wochen) von Mitte Mai 2018 bis Anfang
Januar 2019; zwischenzeitliche Rückgänge der Betroffenheit sind durch Niederschlagsereig-
nisse verursacht
Grundsätzlich begann das Jahr 2019 vor allem in Nord- und Ostsachsen allerdings noch mit
Bodenwasserdefiziten. Die seit Weihnachten 2018 aufgetretenen ergiebigen Niederschläge
konnten in den genannten Regionen die zuvor entstandenen Defizite noch nicht vollständig
ausgleichen. In Abhängigkeit des weiteren Witterungsverlaufs besteht die Möglichkeit, dass
zumindest in Nord- und Ostsachsen auch im neuen Jahr 2019 die Niedrigwassersituation
anhält.
Am 23.08. wurde am Pegel Dresden der niedrigste Tagesmittelwert des Wasserstandes und
des Durchflusses seit Inbetriebnahme der größeren tschechischen Stauanlagen 1964 mit W
= 45 cm und Q = 73,8 m³/s registriert (siehe Abbildung 41). Bis Anfang Dezember lagen die
Durchflüsse an den sächsischen Elbepegeln unter MNQ(Jahr) und stiegen dann bis zum
25.12. auf 80 bis 90 % MQ(Monat) an, was einem Durchfluss von ca. 250 m³/s entspricht.
Dieser Durchfluss wurde das letzte Mal im April 2018 erreicht. Das Jahr endete mit Durch-
flüssen, die wieder deutlich unter MQ(Monat) lagen.

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42
Das Abflussverhalten der Elbe in Sachsen wird in Niedrigwassersituationen maßgeblich
durch die Steuerung der Talsperren in der Moldau und in der Eger (Ohře) beeinflusst. Aus
den tschechischen Moldaukaskaden wurden trotz geringer Zuflüsse konstant 40 m³/s abge-
geben. Die tschechischen Talsperren haben während des Niedrigwassers die Abflüsse der
Elbe konstant gestützt und verhindert, dass sich die Situation in der Elbe noch weiter ver-
schärft. Die kurzzeitigen Schwankungen des Wasserstandes auf dem sächsischen Elbeab-
schnitt waren üblicherweise Folge der Steuerung des tschechischen Elbewehres/Staustufe
Střekov.
Abbildung 41: Tagesmittelwerte des Durchflusses am Pegel Dresden/Elbe vom 01.01.1965
bis 31.12.2018
Ein Blick auf die Durchflussganglinie des Jahres 2018 für den Pegel Dresden (siehe Abbil-
dung 42) zeigt, dass die Werte seit der zweiten Februardekade durchweg unterhalb der mo-
natstypischen Durchflüsse (50. Perzentil) liegen. Eine Unterschreitung des ersten Perzentils
erfolgte ca. von Beginn Juli bis Ende November (5 Monate). In diesem Zeitraum wurde eben-
falls der Niedrigwasserkennwert MNQ(Jahr) unterschritten. Damit war die Niedrigwassersitu-
ation 2018 an der sächsischen Elbe ausgeprägter als die der Trockenjahre 2003 oder 2015!

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43
Abbildung 42: Durchflussganglinie im Kalenderjahr 2018 und Durchflussverteilung aus den
Jahren 1965-2017 der Elbe am Pegel Dresden (logarithmisch skalierte Durchfluss-Achse)
Wie bereits 2015 waren bei den besonders niedrigen Wasserständen von unter 70 cm am
Pegel Dresden im Juli und August in der Elbe die sogenannten Hungersteine zu sehen. Die-
se sind angeschnittener Fels oder große, nicht durch das Wasser transportierbare Gerölle, in
denen Jahreszahlen als Verweis auf schwierige Lebensumstände infolge ausgeprägter Tro-
ckenheit eingraviert sind. Die ältesten bekannten Gravuren an der sächsischen Elbe finden
sich im Pirnaischen Stadtteil Oberposta (siehe Abbildung 43). Aufgrund der Vielzahl der dort
dokumentierten Niedrigwasserphasen sind sie nicht nur hydrologisch von überregionaler
Bedeutung.
In einem gemeinsamen Projekt der Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen in Dres-
den, dem sächsischen Landeshochwasserzentrum und der Archäologischen Gesellschaft in
Sachsen e. V. wurde die Trockenheit 2018 genutzt, um die Liste der bis dahin bekannten
Hungersteine in der Elbe zu aktualisieren und zu ergänzen. Bei der Aufnahme wurden auch
zahlreiche bisher nicht dokumentierte Hungersteine bei Dolní Žleb, Klopotský potok, Hřens-
ko, Prossen, Königstein, Pötzscha, Niedervogelgesang, Oberposta, Dresden-Blasewitz und
Leckwitz bei Nünchritz wiederentdeckt.
Abbildung 43: Oberpostaer Hungerstein an der Elbe bei Pirna mit seinen zahlreichen Gravu-
ren (reichen zurück bis 1707)

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44
Auch für andere Fließgewässer im Freistaat zeigte sich bezüglich der Trockenheit 2018 ein
ähnliches Bild, wobei vor allem kleinere, nicht durch Niedrigwasseraufhöhungen aus Talsper-
ren begünstigte Gewässer teilweise sogar trocken fielen. Aber auch größere Gewässer, wel-
che durch Talsperrenabgaben eine Niedrigwasseraufhöhung erfahren hatten, wiesen über
viele Monate eine Wasserführung unterhalb des zehnten bis ersten Perzentils auf (siehe
Abbildung 44).
Abbildung 44: Durchflussganglinie und Durchflussverteilung der angegebenen Jahresreihen
für ausgewählte Pegel: Zwickau-Pölbitz/Zwickauer Mulde, Bad Düben 1/Vereinigte Mulde
und Bautzen 1/Spree (im Uhrzeigersinn; die Durchfluss-Achsen sind jeweils logarithmisch
skaliert)
Am Beispiel der Zwickauer Mulde sind gut der Einfluss der Niedrigwasseraufhöhung, aber
auch die damit verbundenen Probleme bei einer statistischen und vergleichenden Einord-
nung von Niedrigwasserwerten zu sehen: Der absolut geringste beobachtete Durchfluss am
Pegel Zwickau-Pölbitz stammt aus dem Dezember 1950 (29.12.1950) und beträgt 0,390 m³/s
(NNQ). Der niedrigste Tagesmittelwert 2018 beträgt 2,91 m³/s (19.08.2018). In den 1980er
Jahren wurde die Talsperre Eibenstock in Betrieb genommen. Diese war also für die Was-
serführung im Jahr 1950 nicht wirksam, leistete im besagten Zeitraum 2018 aber eine Nied-
rigwasseraufhöhung von bis zu ca. 2 m³/s durch zusätzliche Abgabe von Wasser aus dem
Stauraum (siehe Abbildung 45). Ein direkter Vergleich des NQ(2018) mit dem NNQ-Wert der
Gesamtzeitreihe ist nicht nur aus diesem Grund unzulässig: Seit 1965 werden die NNQ-
Werte nicht mehr aus dem niedrigsten aufgetretenen Wasserstand berechnet, sondern aus
dem niedrigsten Tagesmittel der jeweiligen Jahresreihe. Damit liegen die NQ vor 1965 nied-

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45
riger als heute und sind oftmals durch Steuerungen von Wasserkraftanlagen beeinflusst und
müssen demnach auch nicht notwendigerweise dem natürlichen Abflussregime folgen!
Abbildung 45: Ganglinien des Zuflusses zur Talsperre Eibenstock (bilanziert aus der Summe
von Durchflusswerten der Pegel Schönheide 3 und Eibenstock 2), der Wildbettabgabe aus
der TS Eibenstock (bilanziert aus der Differenz von Durchflusswerten der Pegel Neidhardtst-
hal 1 und 2) sowie die Durchflussganglinie am Pegel Zwickau-Pölbitz/Zwickauer Mulde; gut
zu sehen ist die Niedrigwasseraufhöhung durch die TS Eibenstock ab Juli bis Anfang De-
zember 2018
Für die Vereinigte Mulde ist die Niedrigwasseraufhöhung aus der TS Eibenstock in der Regel
nicht mehr wirksam. Beispielsweise für den Pegel Bad Düben 1 bewegte sich die Wasserfüh-
rung 2018 abschnittsweise unterhalb des ersten Perzentils, bezogen auf den Zeitraum
1960/2017. Der NNQ-Wert für Bad Düben beträgt 5,40 m³/s (02.09.1976), der NQ(2018) be-
läuft sich auf 8,79 m³/s.
Der Pegel Bautzen 1 hingegen ist weitgehend unbeeinflusst durch Stauanlagen und andere
gravierende anthropogene Einflüsse. Hier bewegte sich die Wasserführung 2018 im Bereich
zwischen zehntem und erstem Perzentil. NNQ wird hier mit 0,100 m³/s angegeben (niedrigs-
ter Wert des 30.09.1934), der NNQ(2018) betrug 0,633 m³/s (Tagesmittelwert des
19.08.2018).
Die hierin gemachten Aussagen und Ergebnisse können also nur ein erstes Schlaglicht auf
die hydrologische Trockenheit 2018 werfen. Eine zuverlässige extremwertstatistische Ein-
ordnung (hinsichtlich Dauer, Defizit etc.) sowie Aussagen zur regionalen Ausprägung der
Trockenheit bedürfen weiterer, tiefergehender Analysen.

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46
B) Güte
Insgesamt 92 Messstellen des Gewässergütemessprogramms 2018 sind z.T. über einen
längeren Zeitraum trocken gefallen. Besonders betroffen waren die kleinen Gewässer im
Leipziger Raum. Die Karte in Abbildung 46 veranschaulicht die Betroffenheit.
Abbildung 46: Trocken gefallene Messstellen des Gewässergütemessprogramms im Zeit-
raum Juli bis November 2018
Welche Auswirkungen dies genau auf die Beschaffenheit der Gewässer hat, lässt sich erst
nach Auswertung aller Messergebnisse sagen. Mögliche Langzeitauswirkungen werden erst
in den nächsten Jahren sichtbar sein.
Elbe – Zusammenfassung der Ergebnisse des Niedrigwasserbeschaffenheitsmess-
programms (Gewässergütemessstation Schmilka)
Aufgrund der langanhaltenden niedrigen Wasserstände in der Elbe wurde am 16. Juli 2018
im deutschen Teil der Elbe vorsorglich das „Niedrigwassermessprogramm“ der FGG Elbe
ausgelöst. Es dient der Untersuchung der Wasserbeschaffenheit in Extremsituationen.
Im 14-tägigen Rhythmus werden an insgesamt elf Sondermessstellen im nationalen Elbever-
lauf und wichtigen Nebenflüssen - von der deutsch-tschechischen Grenze bis Hamburg - an
ausgewählten Messstellen Proben entnommen. Auf sächsischem Gebiet wurde die Elbe-

47
messstelle an der deutsch-tschechischen Grenze in Schmilka ausgewählt. Hier ist gleichzei-
tig der Standort einer sächsischen Gewässergütemessstation. Untersucht werden allgemein-
physikalische, chemische und biologische Parameter. Die erhaltenen Messergebnisse wer-
den mit den elbetypischen Verhältnissen bei normalen Wasserständen und den Befunden
aus der extremen Niedrigwassersituation des Jahres 2015 verglichen und bewertet.
In Sachsen wurden die Untersuchungen durch das Umweltlabor der Staatlichen Betriebsge-
sellschaft für Umwelt und Landwirtschaft durchgeführt. Erst bei der Zehnten Probenahme am
10. Dezember 2018 hatten sich die Wasserstände wieder so normalisiert, dass das Mess-
programm für beendet erklärt werden konnte. Die detaillierten Ergebnisse sind in Tabelle 2
der Anlage beigefügt.
Zu den Ergebnissen ist folgendes anzumerken:
Von den zu untersuchenden Parametern befanden sich viele Ergebnisse über den
gesamten Untersuchungszeitraum im elbetypischen Bereich. Dies gilt auch für die
Nährstoffparameter und die bakteriologischen Kenngrößen (Intestinale Enterokokken
und E-coli). Schwer abbaubare organische Verbindungen, die z.T. noch in den Sedi-
menten lagern, wurden nicht freigesetzt (alle Werte kleiner Bestimmungsgrenze).
Auffällig waren die Gehalte für die Salzbildner Natrium /Kalium und Chlorid, die häufig
über den im Niedrigwasser 2015 beobachteten Konzentrationen lagen. Die Konzent-
rationen befanden sich jedoch auf einem niedrigen Niveau, so dass von keiner Schä-
digung auszugehen ist.
Bei den Metallen kam es des Öfteren für Nickel zu erhöhten Werten im Vergleich zu
den bei Normalwasserständen beobachteten Gehalten.
Bei den Arzneistoffen ist für das Schmerzmittel Diclofenac ein Anstieg der Konzentra-
tionen über den Untersuchungszeitraum nachweisbar bis hin zu Werten oberhalb der
Maximalwerte des letzten Niedrigwasserereignisses von 2015. Die Werte für das An-
tibiotikum Sulfamethoxazol lagen über den Werten bei normaler Wasserführung je-
doch nicht über denen des letzten Niedrigwasserereignisses. Für die häufig verwen-
deten Arzneistoffe Carbamazepin und Ibuprofen wurden nur vereinzelt erhöhte Werte
registriert.
In Sachsen werden darüber hinaus wöchentlich – in der so genannten Wochenmischprobe,
die in der Gewässergütemessstation in Schmilka gesammelt wird - eine Vielzahl weiterer
Parameter überwacht, wie z.B. die elbetypischen Haloetherverbindungen, die sich bei erhöh-
ten Konzentrationen negativ auf die Trinkwasseraufbereitung auswirken könnten. Es kam
während der gesamten Zeit zu keinen erhöhten Werten für diese Verbindungen.
Insgesamt kann eingeschätzt werden, dass sich die Gewässerbeschaffenheit nicht außer-
gewöhnlich verschlechtert hat und keinerlei Havarien oder Unfälle zu einer plötzlichen Ver-
schlechterung geführt haben. Dies ist jedoch in erster Linie auf die Zuführung des sehr ge-
ring belasteten Talsperrenwassers aus den Moldaukaskaden zurückzuführen.

48
Alle Ergebnisse werden der Öffentlichkeit zeitnah zur Verfügung gestellt:
Die Ergebnisse der Untersuchungen sind im Internet des LfULG unter
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/7105.htm
einsehbar.
Unter
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/3930.htm
können die im 10 Mi-
nuten-Takt erhobenen Messwerte der Gewässergütemessstation z.B. für die Wasser-
temperatur oder den Sauerstoffgehalt eingesehen werden. Die aktuelle Situation an
der Entnahmestelle der Gewässergütemessstation zeigen die Bilder der Webcam un-
ter
https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/wasser/13020.htm
.
Über das Niedrigwasser im Verlauf der Elbe informiert die UNDINE - Informations-
plattform der Bundesanstalt für Gewässerkunde,
http://undine.bafg.de/elbe/extremereignisse/elbe_mp_extremereignisse.html
.
Spree – extreme Probleme bei der Sulfatsteuerung aufgrund der Trockenheit
Aufgrund des Braunkohlenabbaus und des Grundwasserwiederanstieges in der Lausitz ist
neben den erhöhten Eisenfrachten (braune Spree) auch eine Zunahme der Sulfatwerte zu
verzeichnen. Diese wiederum führen zu Beeinträchtigungen im sensiblen Ökosystem
Spreewald und Erhöhung der Sulfatwerte in der Wasserversorgung in Berlin.
Es steht in der länder-übergreifenden Zusammenarbeit von Sachsen, Brandenburg und Ber-
lin eine Vielzahl von Bewirtschaftungsmöglichkeiten zur Niedrigwasserstabilisierung insbe-
sondere durch Überleiter, Speicher und Talsperren zur Verfügung. Dabei sind Mengenbe-
wirtschaftung und Sulfatlaststeuerung eng miteinander verbunden, da nur durch ausreichen-
de Verdünnungen aus den Speichersystemen die hohen Sulfatgehalte in der Spree reduziert
werden können.
Aufgrund der anhaltenden Trockenheit und der daraus resultierenden geringen Restspei-
chermengen in den Talsperren und Speicherseen wurde ab August 2018 deutlich, dass sich
die Niedrigwasserbewirtschaftung zu einer Extremsituation gewandelt hat, in der operativ
erweiterte Bewirtschaftungsoptionen festzulegen sind, um die grundsätzliche Funktionalität
der Flusssysteme Spree und Schwarze Elster und die damit verbundenen maßgeblichen
Nutzungen aufrecht zu erhalten. Dabei steht die Gefahrenabwehr wie Verhinderung des Tro-
ckenfallens oder eine relevante Beeinträchtigung der Trinkwasserversorgung insbesondere
Berlins im Vordergrund.
Das länderübergreifende Ausrufen einer Extremsituation mit der Festlegung von entspre-
chenden Maßnahmen erfolgte erstmalig. Die in die Sulfatlaststeuerung involvierten sächsi-
schen Talsperren hatten bereits am 30.09.2018 das Limit erreicht. Teilweise konnten die auf
sächsischer Seite liegenden Tagebaurestseen mit für die Flutung verwendet werden. Weite-
re Entnahmen würden zu irreversiblen Beschaffenheitsproblemen führen, für die Tagebau-
restseen wären Standsicherheitsprobleme zu erwarten. Selbst unter der Annahme nennens-
werter Niederschläge im Winterhalbjahr ist zu besorgen, dass für eine weitere Trockenperio-
de im Frühjahr/Sommer 2019 noch weniger Wasser zur Steuerung aus Talsperren und Spei-
chern zur Verfügung steht.
Damit wurden bis 24.09.2018 aus sächsischen Talsperren 20 Mio m³ und bis Dezember
2018 aus sächsischen Speichern 25,2 Mio m³ Wasser abgegeben.

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49
4.4.
Auswirkungen der Witterung auf die Talsperrenbewirtschaftung
mengen- und gütemäßiger Einfluss der Trockenheit
Die Talsperren des Freistaats konnten mit den Zuflüssen im Winter und Frühjahr 2018 gefüllt
werden und die Betriebsräume standen zur Rohwasserbereitstellung für Trinkwasser,
Brauchwasser und zur Niedrigwasseraufhöhung vollständig zur Verfügung (Ausnahme: Lich-
tenberg durch Baumaßnahmen). Durch ein sehr hohes Niederschlagsdefizit in Sachsen be-
ginnend im Februar 2018 resultierten extrem niedrige Zuflüsse zu den Talsperren. Die Ver-
sorgung der Wasserwerke mit Rohwasser für Trinkwasser konnte mit den zur Verfügung
stehenden Betriebsräumen und der bestehenden Vernetzung der Talsperren durch Überlei-
tungssysteme vollständig abgesichert werden. In einigen Stauanlageneinzugsgebieten wur-
den zudem historisch niedrige Zuflüsse beobachtet.
Beispiel Talsperre Eibenstock
Mit der Jahressumme von 623 mm lagen die Niederschläge im Jahr 2018 mit 66 % deutlich
unter dem vieljährigen Mittel. Die niedrigste Monatssumme des Niederschlags lag im No-
vember bei lediglich 6 mm. Die Jahreszuflüsse erreichten 2018 – bedingt durch das Nieder-
schlagsdefizit – mit durchschnittlich 1,96 m³/s lediglich rund 57 % des vieljährigen Mittels.
Abbildung 47: Zur Bewirtschaftung der Talsperre Eibenstock im Kalenderjahr 2018

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50
Beispiel Talsperre Gottleuba
Der mittlere Jahreszufluss 2018 zur Sperrstelle betrug 0,209 m³/s und entsprach damit 48 %
des vieljährigen Zuflussmittels (0,432 m³/s). Mit 451 mm Niederschlag lag das Defizit zur
vieljährig mittleren Niederschlagssumme bei 234 mm (Normalwert: 685 mm). Die Summe
des Niederschlags im Monat November 2018 entsprach mit 3,8 mm nur 8 % des Normalwer-
tes.
Abbildung 48: Zur Bewirtschaftung der Talsperre Gottleuba im Kalenderjahr 2018
Gottleuba oberhalb Pegel Gottleuba 1
Gottleuba unterhalb Pegel Gottleuba 1
Abbildung 49: Impressionen Gottleuba 2018

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51
Beispiel Talsperre Bautzen
Der mittlere Zufluss 2018 lag mit nur 1,74 m³/s ca. 40 % unter dem vieljährigen Zuflussmit-
telwert. Der an der Talsperre registrierte Niederschlag lag mit 377 mm 33 % unter dem viel-
jährig beobachteten Niederschlag von 562 mm. Die Talsperre Bautzen steht dem Flussge-
biet Spree auch grenzüberschreitend zur Niedrigwasseraufhöhung und Verdünnung des
durch Bergbaufolgen erhöhten Sulfatwertes zur Verfügung. Die dafür vertraglich gebundenen
Wassermengen in Höhe von 20 Mio. m³ wurden bis Mitte September 2018 vollständig aufge-
braucht. Die Abgaben wurden anschließend auf ein Mindestmaß für sächsische Nutzungen
(Binnenfischerei, festgelegte Mindestdurchflüsse) reduziert.
Abbildung 50: Zur Bewirtschaftung der Talsperre Bautzen im Kalenderjahr 2018
Abbildung 51: Impressionen Spree oberhalb Stauwurzel Talsperre Bautzen 2018

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52
Abbildung 52: Beispiel TS Bautzen; Niederschlagssumme 2018 in mm im Vergleich zur mitt-
leren Niederschlagssumme der langjährigen Beobachtung

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53
Beispiel Talsperre Pöhl
Im Jahr 2018 wurde an der Niederschlagstation TS Pöhl eine Jahresniederschlagssumme
von 409 mm gemessen. Dies entspricht nur rund 65 % des vieljährigen Niederschlagsmittels
von 631 mm. Entsprechend lag der mittlere Zufluss mit 0,94 m³/s ebenfalls bei niedrigen
66 % des Mittelwasserzuflusses von 1,43 m³/s. Das Jahr begann hingegen mit überdurch-
schnittlichen Zuflüssen. Anfang März fiel der Zufluss das erste Mal unter 0,6 m³/s und ab
Juni dauerhaft in den Bereich unter/um 0,6 m³/s. Dieser Zustand hielt bis auf wenig kurze
Ausnahmen bis zum Jahresende an. Ab Juli wirkte sich die Niedrigwasseraufhöhung auf den
Pegel Greiz merklich auf den Speicherinhalt aus, welcher gegen Jahresende seinen Tiefst-
stand für 2018 von rund 28,6 Mio. m³ erreichte.
Abbildung 53: Zur Bewirtschaftung der Talsperre Pöhl im Kalenderjahr 2018

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54
Beispiel Talsperre Lichtenberg
Der Jahresniederschlag lag mit 582,5 mm gegenüber den durchschnittlichen 865,4 mm bei
nur 67 %. Der mittlere Zufluss lag 2018 mit 0,237 m³/s bei 35 % (MQ = 0,675 m³/s). Der nied-
rigste je beobachtete Durchflusswert in Burkersdorf (Zufluss zur Talsperre Lichtenberg) lag
bisher bei 0,030 m³/s, 2018 wurde im September ein mittlerer Tagesdurchfluss von lediglich
0,005 m³/s (5 Liter pro Sekunde) registriert.
Abbildung 54: Zur Bewirtschaftung der Talsperre Lichtenberg im Kalenderjahr 2018
Zu Beginn des Jahres fanden bis Ende Februar Tauchereinsätze am Absperrbauwerk statt.
Um die Sicherheit der Taucher und die Hochwasserschutzfunktion der Stauanlage während
dieser Maßnahme zu gewährleisten, wurde eine Pufferlamelle von 0,6 Mio. m³ eingerichtet.
Deswegen konnte im Frühjahr das Stauziel nicht erreicht werden.
In allen Talsperreneinzugsgebieten Sachsens war das Jahr 2018 eines der trockensten bzw.
das trockenste seit Bestehen der Stauanlagen. Die Zweckmäßigkeit der Talsperren konnten
unter diesen Bedingungen eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden. Die bestehenden
Verbundsysteme und die vorausschauende Bewirtschaftung haben negative Auswirkungen
auf die Trinkwasserversorgung verhindert. Die stark in Anspruch genommenen Betriebsräu-
me werden in den folgenden Winter- und Frühjahrsmonaten weiter aufgefüllt um in der kom-
menden Bewirtschaftungsperiode die Versorgungssicherheit weiterhin zu gewährleisten.

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55
Abbildung 55: Vorläufiges Ende der Trockenheit im Dezember 2018
Die Qualitätsanforderungen in den Trink- und Brauchwassertalsperren konnten während des
Trockenjahres 2018 weitgehend eingehalten werden, es kam nur an wenigen Talsperren zu
qualitativen Einschränkungen:
Durch einen Start nahe dem Stauziel in den meisten Talsperren am Anfang der Vegetations-
periode konnte sich in den Trinkwassertalsperren ein ausreichend großes Hypolimnion aus-
bilden, welches die Rohwasserbereitstellung auch während der Trockenperiode absicherte.
In allen Talsperren kam es durch die hohen Oberflächenwassertemperaturen und hohen
Strahlungsintensitäten zu Algenentwicklungen sowie zu Sauerstoffzehrungen im Tiefenwas-
ser, was bei wenigen Trinkwassertalsperren zu vermehrten Steuerhandlungen und Untersu-
chungsbedarf sowie zeitweise zu erhöhten Aufwendungen in einigen Wasserwerken führte
(genannt seien hier die Wasserwerke Einsiedel und Großzöbern). Durch technische Maß-
nahmen, wie den Sauerstoffeintrag in das Tiefenwasser, konnte die LTV stärkeren Zeh-
rungserscheinungen im Tiefenwasser entgegenwirken.
Die geringen Zuflüsse im gesamten Jahresverlauf führten auch zu geringeren Nährstofffrach-
ten und trugen so zu einer moderaten Entwicklung der Wasserbeschaffenheit auch während
dieses extremen Trockenjahres bei. Starkregenereignisse in den Einzugsgebieten wären mit
deutlichen Nährstoffeinträgen verbunden gewesen. Insbesondere durch die Absenkung der
Talsperren frei liegende große Uferflächen hätten bei Niederschlägen außerdem zu hohen
Trübstofffrachten führen können.
In den Brauchwassertalsperren kam es zu keinen durch das Gesundheitsamt ausgespro-
chenen Badeverboten. In der Talsperre Bautzen wurden im August und in der TS Quitzdorf
im Juli durch das Gesundheitsamt Blaualgen vermerkt
(
https://www.gesunde.sachsen.de/badegewaesser.php
).
Kommt es bei stärkeren Algenent-
wicklungen zu einer Verringerung der Sichttiefe, wird eine Warnung durch das Gesundheits-
amt ausgesprochen (s. TS Quitzdorf). Auch in der Talsperre Malter kam es zu „Aufrahmun-

56
gen“ von Algen, letztere waren aber eher ein ästhetisches und kein gesundheitliches Prob-
lem.
In einigen Talsperren kam es 2018 zu einer leichten Verschlechterung der Trophie. Dies be-
trifft v. a. kleinere und flachere Talsperren. Die Trophie in anderen Talsperren war hingegen
2018 besser als im Vorjahr (z. B. Talsperre Bautzen).
Ein nennenswertes Ereignis war ein Fischsterben in Lohsa im August 2018. Durch die stabi-
le, warme und trockene Witterung erhöhten sich die Wassertemperatur und der pH-Wert und
es entstand ein Sauerstoffdefizit am Grunde des Sees. Damit war der bewohnbare Lebens-
raum für die Fische stark eingeschränkt.
„Beim Versuch, den hohen Wassertemperaturen zu
entkommen, wichen die Fische in tiefere Schichten aus und gelangten in die sauerstofffreie
Zone“
Quelle:
(
https://www.medienservice.sachsen.de/medien/news/219914?page=1
).
4.5.
Auswirkungen der Witterung auf das Grundwasser und die Bodenfeuchte
Grundwasserstände, Quellschüttungen | Bodenfeuchte
A) Grundwasserstände, Quellschüttungen
Das Landesamt überwacht Grundwasserstände und Quellschüttungen in Sachsen an über
1600 Messstellen. Alle Daten (einschließlich historische) sind online abrufbar. Auf der Web-
seite
www.grundwasser.sachsen.de
bzw. auf
https://twitter.com/lfulg
wird über die aktuelle
Situation informiert.
Die Grundwasserstände waren und sind seit 2013 überwiegend fallend. Während 2017
durch ein nasses Frühjahr eine leichte Entspannung eintrat, fielen die Grundwasserstände,
bedingt durch die extreme Trockenheit 2018 wieder auf das Niveau von 2015/16 unter die
langjährigen mittleren niedrigen Werte.
Im hydrologischen Jahr 2018 wurden an einigen wenigen Messstellen Niedrigststände er-
reicht. In der ausgeprägten Trockenperiode 1987-1992 waren dies mehr Messstellen.
Es unterschreiten derzeit 71 % der Messstellen den monatstypischen Grundwasserstand
(Januar), der Median liegt dabei bei 61 cm Unterschreitung. In den Herbstmonaten 2018
lagen die Unterschreitungen bei 90 %.
Einordnung der aktuellen Situation anhand von Beispielen (Grundwasserstand, Quellschüt-
tung):

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57
Abbildung 56: Ganglinie des Grundwasserstandes am Messstandort Röllingshain bei Chem-
nitz
Nach dem Hochwasser 2013 höchster Messwert der Messreihe seit 1926, danach
quasi-kontinuierlicher Rückgang
Abbildung 57: Ganglinie der Quellschüttung an der Hugo-Ament-Quelle bei Aue
niedrige Quellschüttung September 2017 bis Juli 2018; danach vollständig trocken
bis Dezember 2018; ab 04. Januar starker Anstieg auf 1 Liter / Sekunde

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58
Das Trockenjahr 2018 war geprägt durch dauerhaft niedrige Grundwasserstände. Folgende
Abbildung 58 veranschaulicht den Vergleich des hydrologischen Jahres 2018 mit dem Jahr
2003 und dem langjährigen Mittel der Jahre 1991 bis 2017.
Abbildung 58: Abweichungen (cm) des Grundwasserstandes für 2003 und 2018 vs. 1991-
2017
Durch die lang andauernden trockenen Verhältnisse ist die Grundwasserneubildung herab-
gesetzt. Abbildung 59 verdeutlicht dies in Kombination mit der Verdunstung.

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59
Abbildung 59: Darstellung der Bodenwasserhaushaltsgrößen und Grundwasserneubildung
für Lysimeter (Bodenart: Geschiebelehm) im Zeitraum 2016-2018; vergleichend aufgetragen
der Zeitraum 1981-2010
Auswirkungen auf die zentrale Wasserversorgung waren nicht bzw. kaum zu beobachten.
Bei Einzelwasserversorgungen und sogenannten „Brunnendörfern“ (nicht an die zentrale
Wasserversorgung angeschlossene Grundstücke) kam es zu Versorgungsengpässen, die
teilweise durch die Aufgabenträger in freiwilliger Leistung abgefangen wurden (z.B. Tankwa-
gen).
Zur 1. Wasserwirtschaftlichen Tagung des Freistaates Sachsen am 19. November 2018 in
Leipzig wurde zur Entwicklung der Dargebotssituation ein ausführlicher Vortrag gehalten, der
auf der LfULG-Website zur Verfügung steht:
Börke
et
al.
(2018):
„Die
Trockenwetterperiode
2018
im
Spiegel
der
gewässerkundlichen
Monatsberichte
des
LfULG
-
Entwicklung
der
Dar-
gebotssituation“
.
B) Bodenfeuchte
Die Aussagen zur Entwicklung der Bodenfeuchte werden beispielhaft anhand von zwei Bo-
den-Dauerbeobachtungsflächen (BDF) des LfULG getroffen:
BDF Köllitsch (Nordsachsen, Elbaue), mit pseudovergleyter, vergleyter Normvega
aus Auenschluff über Auenlehm;

image
60
BDF Hilbersdorf (Südsachsen, östlicher Erzgebirgsnordrand), mit erodierter Pseu-
dogley-Braunerde aus flachem Grus führendem Fließsandlehm (aus Lösslehm und
Gneis) über Grus führendem Fließnormallehm (aus Gneis und Lösslehm) über Fließ-
gruslehmsand aus Gneis.
Abbildung 60: Verortung der Boden-Dauerbeobachtungsflächen (BDF) des LfULG Köllitsch
und Hilbersdorf
Aussagen:
1. Die Bodenfeuchten im oberen Bodenbereich reagieren (natürlich) direkt auf die Nie-
derschläge.
2. Die Bodenfeuchten erreichen in 2018 durch die lang anhaltende Trockenheit ein (ab-
solutes) Minimum, abhängig von Bodentyp und Randbedingungen wie Lage bzw.
Grundwasserabstand.
Bei der BDF Hilbersdorf liegt das Minimum des gemessenen Bodenwassergehalts
(von 2018, aber auch von allen bisher gemessenen 20 Jahren) bei ca. 20 Vol% in der
oberen gemessenen Bodenschicht (Sensor 40 cm Tiefe). Ein vergleichbar geringer
Bodenwassergehalt bei 40 cm lag im Jahr 2003 bei ca. 24 Vol%. Bei der BDF Köl-
litsch liegt das Minimum des gemessenen Bodenwassergehalts bei ca. 15 Vol% in
der oberen gemessenen Bodenschicht (Sensor 40 cm Tiefe).

image
61
An beiden Standorten wurde der kritische Bodenwassergehalt- Permanenter Welke-
punkt PWP- von 13 Vol% bzw. 8,3 Vol% zwar nicht erreicht, aber das Wasserdefizit
ist gravierend (siehe Punkt 5).
3. Die unteren Bodenschichten folgenden dieser Bodenfeuchteabsenkung mit mehr o-
der weniger großer Trägheit.
4. Durch die Niederschläge der letzten Tage in 2018 stiegen die Bodenfeuchten wieder
an, erreichten aber noch nicht die normalen Auffüllungswerte.
5. Nach dem Trockenjahr 2018 haben die sächsischen Böden Mitte Januar 2019 noch
die folgenden Feuchtigkeitsdefizite im Wurzelraum. Das heißt es fehlen bis zum Er-
reichen der Feldkapazität noch:
a. 50 bis 150 mm in der Region der Mittelgebirgsböden (Südsachsen)
b. 200 bis 400 mm in der Region der Lössböden
c. 50 bis 150 mm in der Region der Sandböden (Nordsachsen)
Abbildung 61: BDFII-Hilbersdorf – Verlauf 2016 bis 2018, Monatsdurchschnitte der Boden-
feuchten [Vol%] (rot), Monatssummen der Niederschläge [mm/m²] (blau)

image
image
62
Abbildung 62: BDFII-Hilbersdorf – Verlauf 2018, Stundenwerte der Bodenfeuchten [Vol%]
(rot), Stundensummen der Niederschläge [mm/m²] (blau)
Abbildung 63: BDFII-Köllitsch – Verlauf 2016 bis 2018, Monatsdurchschnitte der Boden-
feuchten [Vol%] (rot), Monatssummen der Niederschläge [mm/m²] (blau)

image
63
Abbildung 64: BDFII-Köllitsch – BDFII-Köllitsch – Verlauf 2018, Stundenwerte der Boden-
feuchten [Vol%] (rot), Stundensummen der Niederschläge [mm/m²] (blau)
4.6.
Schlaglicht: Maihochwasser im Vogtland
Einleitung | Meteorologie | Betrieb der Talsperre Pirk (Vogtland)
A) Einleitung
Das Hochwasser vom 24.05.2018 war ein räumlich auf das Obere Vogtland (Obere Weiße
Elster und ihre Zuflüsse) begrenztes, durch extremen lokalen Starkregen ausgelöstes Ereig-
nis (regionales Hochwasser). Zu einem überregionalen Hochwassergeschehen kam es nicht.
Die benachbarten Einzugsgebiete von Göltzsch und Pleiße waren nicht betroffen. Schäden
traten nicht nur durch Überschwemmungen infolge der Ausuferung von Gewässern auf, son-
dern auch in Folge von wild abfließendem Wasser. Es gab keine Schäden an Leib oder Le-
ben Betroffener. Die Sachschäden belaufen sich nach ersten Schätzungen im zweistelligen
Millionenbereich. Auf die Schadprozesse und ihrer konkreten Auswirkungen kann hier nicht
eingegangen werden.
B) Meteorologie
Synoptik
Am 24.05.2018 lag Deutschland bereits einige Zeit im Einflussbereich eines starken und
ausgedehnten, blockierenden Hochdruckgebietes (Höhenhoch „TEWS“), mit Kern über Süd-
Skandinavien.
[1]
Dieses Hoch blockierte jedweden maritimen Westwindeinfluss auf Mitteleu-
[1]
Großwetterlage „Hoch Nordmeer-Fennoskandien zyklonal“; Klassifikation nach Hess & Brezwosky

64
ropa (sog. Blocking). Auf Grund einer generell sehr gradientenarmen Lage verlagerte sich
das eingangs erwähnte Hoch zum einen kaum, zum anderen gab es keinen nennenswerten
Höhenwind über Mitteleuropa mit bedeutsamen Auswirkungen z. B. auf die Verlagerungsge-
schwindigkeit konvektiver Zellen (siehe unten).
Im Bereich des Ärmelkanals existierte ein nicht besonders stark ausgeprägtes Höhentief,
welches sich aber ebenfalls auf Grund der geringen Potentialunterschiede kaum verlagerte.
Von diesem Höhentief aus ging ein Höhentrog Richtung Alpen, ebenfalls mit relativ persis-
tenter Lage. Die Hebung wenig labiler Luftmassen an der Vorderseite des Trogs hielt sich
zunächst in Grenzen; auch die CAPE-[2] und PPW-Werte[3] waren mit 300 bis 800 J/kg bzw.
25 bis 35 mm eher moderat.
Bei Auslösetemperaturen von 20 bis 24 °C waren (gewittrige) Schauer jedoch nicht ausge-
schlossen. Gegen Mittag entwickelte sich dann eine „Schauerstraße“ vom Kaiserwald (CZ) in
Richtung Vogtland. Durch Anströmung aus Südsüdwest gegen den Kaiserwald kam es zu-
sätzlich zu orographischer Hebung, sodass sich im Gebiet des Kaiserwaldes immer wieder
konvektive Zellen bildeten. Die enge Begrenzung der Schauerstraße könnte außerdem durch
eine Kanalisierung der Strömung aufgrund der topographischen Bedingungen mit den stark
abfallenden Westflanken des Kaiserwaldes und des Erzgebirges auf der einen und von Fich-
telgebirge und Frankenwald auf der anderen Seite begünstigt worden sein (Abbildung 65). In
Folge dessen und in Kombination mit langsamen Verlagerungsgeschwindigkeiten kam es im
Vogtland in einem engen Streifen zu extremen Regenmengen bis weit über 100 mm in 6 h
(Bad-Elster-Sohl: ca. 130 mm in 6 h). Es handelte sich dabei allerdings um sehr lokale Effek-
te; einige Kilometer weiter fielen die Regenmenge deutlich geringer aus!
[2]
CAPE – Convective Available Potential Energy, ein Maß für die zur Konvektion zur Verfügung ste-
hende Energie (siehe
http://glossary.ametsoc.org/wiki/Cape
).
[3]
PPW – Potentially Precipitable Water, das potentiell niederschlagsfähige Wasser innerhalb einer
Atmosphärensäule.

image
65
Abbildung 65: Vierländerregion Bayern – Thüringen – Sachsen – Böhmen (Quelle: Wikipe-
dia; Map data © OpenStreetMap & contributors, CC-BY-SA)
Niederschlagsbeobachtung
Die im Oberen Vogtland aufgetretenen Regenmengen bewegten sich
lokal
um 150 Liter pro
Quadratmeter, wobei der Großteil des Niederschlages zwischen 13:00 und 18:00 Uhr (alle
Angaben in MESZ) mit einem Intensitätsmaximum gegen 15:00 Uhr fiel. Vorbehaltlich einer
tiefergehenden fachlichen Analyse kann davon ausgegangen werden, dass ein solches Re-
genereignis statistisch seltener als einmal in einhundert Jahren auftritt (Häufigkeit < 1/100;
siehe dazu Abschnitt C) Betrieb der Talsperre Pirk).
Bezüglich der Bodenmessungen wies die Station Bad Elster-Sohl (DWD) die größten Nie-
derschläge auf; hier waren in den sechs Stunden (zwischen 12:00 und 18:00 Uhr) 128,5 mm
und in 12 h 150,2 mm Regen zu verzeichnen. Die höchste Stundenintensität lieferte dabei
der 15:00-Uhr-Wert mit 36,7 mm. Der Vergleich von Stationswerten legt allerdings bereits die
große raum-zeitliche Variabilität des Niederschlagsfeldes nahe, die sich auch im Radarbild
widerspiegelt, in dem ein hoher Gradient der Niederschlagsintensität von West nach Ost gut
zu erkennen ist (siehe Abbildung 66). Die intensivsten Niederschläge betrafen dabei das
Kopfgebiet der Oberen Weißen Elster, woraus ein fulminanter Anstieg der Wasserführung
bis in den Extrembereich hinein resultierte. Außerdem entsprach die Verlagerungsrichtung
der konvektiven Zellen beständig in etwa dem des Verlaufs der Weißen Elster in Fließrich-
tung (siehe Abbildung 67).

image
image
66
Abbildung 66: Niederschlagsanalyse für Deutschland für die Dauerstufe von 24 h am
25.05.2018 um 08:00 Uhr MESZ
Abbildung 67: Niederschlagsanalyse für die betroffene Region für die Dauerstufe von 24 h
am 25.05.2018 um 08:00 Uhr MESZ

67
Aus der Historie ist ein ähnliches Ereignis im Gebiet bekannt. So dokumentierte beispiels-
weise das Sächsische Amt für Gewässerkunde im heute abermals betroffenen Gebiet des
Rauner Baches (im Kopfgebiet der Weißen Elster) am 23.05.1934 (man beachte das Da-
tum!) Niederschlagsmengen von 200 bis 300 Litern pro Quadratmeter in drei bis vier Stun-
den.
Genauere extremwertstatistische Einordnung
Legt man die (durchaus plausible) Annahme zu Grunde, dass die Messwerte der Station Bad
Elster-Sohl repräsentativ für den extremen Charakter des Niederschlagsereignisses sind, so
ergibt eine punktbezogene extremwertstatistische Einordnung nach KOSTRA-DWD-
2010R
[4]
für diverse Dauerstufen die folgenden Wiederkehrintervalle:
Tabelle 1:
Extremwertstatistische Einordnung von Messwerten der Niederschlagshöhe
verschiedener Dauern der Station Bad Elster-Sohl vom 24.05.2018 anhand KOSTRA-2010R.
Dauer (h)
Höchste Niederschlagshö-
he (mm)
Jährlichkeit nach KOSTRA-
2010R (a)
1
36,7
≈10
2
68,5
≈100
3
91,2
>100
6
128,5
>>100
12
150,2
>>100
24
151,8
>100
Beispielsweise beträgt der statistische Niederschlaghöhe nach KOSTRA-DWD-2010R für die
Dauerstufe von 6 h und für ein Wiederkehrintervall von 100 a für die betreffende Rasterzelle
etwa 69 mm, die beim hier beschriebenen Ereignis, bezogen auf die beobachte maximale 6-
h-Summe, fast um den Faktor zwei überschritten wurde!
Angemerkt sei, dass die Auswertung auf Basis von Stundensummen beruht. Eine Analyse
zeitlich hochaufgelöster Werte könnte zu tendenziell etwas größeren Summen führen und
damit auch zu noch selteneren Wiederkehrintervallen. Weiterhin ist zu beachten, dass auf
Grund der gemeinhin limitierten Reihenlängen bei der Niederschlagsbeobachtung eine Ein-
ordnung hinsichtlich noch seltenerer Wiederkehrintervalle (jenseits T = 100 a) nicht statis-
tisch fundiert erfolgen kann. Außerdem ist festzustellen, dass die oben stehenden Jährlich-
keiten zwar lokal sehr hoch ausfallen, für kleinräumige Starkregen allerdings auch typisch
sind und bezogen auf die Fläche des gesamten Freistaates vergleichsweise häufig auftreten!
[4]
KOSTRA-2010R: Koordinierte Starkregenauswertung, revidierte Version 2010

image
68
Niederschlagsvorhersagen
Die Wetterprognosen am 24.05.2018 unterschätzten bis zum Mittag die tatsächlich aufgetre-
tenen Regenmengen, sodass erst kurzfristig einschlägige Warnungen des Deutschen Wet-
terdienstes vor extremem Starkregen in der aufgetretenen Höhe und Intensität erfolgten.
Im konkreten Fall enthielten erst die gegen 15:00 Uhr vorliegenden Niederschlagsvorhersa-
gen
[5]
belastbare Informationen bezüglich Höhe und Verortung der Niederschläge, wobei
sich das Niederschlagsgeschehen zu diesem Zeitpunkt bereits dem Intensitätsmaximum
näherte und am Hochwassermeldepegel Adorf 1/Weiße Elster der Richtwert der Alarmstufe
1 bereits überschritten war (ca. 14:00 Uhr). Ungeachtet dessen bestand jedoch für die be-
troffene Region bereits ab ca. 11:30 Uhr eine Unwetterwarnung vor Starkregen. Die Hoch-
stufung auf die höchste Starkregen-Warnstufe (extremes Unwetter) erfolgte durch den DWD
um ca. 14:45 Uhr.
C) Betrieb der Talsperre Pirk (Vogtland)
Beim Starkregenereignis vom 24.05.2018 wurde das Einzugsgebiet der Talsperre Pirk groß-
flächig und intensiv überregnet. Dies zeigen einerseits die hohen Niederschläge vom Quell-
gebiet der Weißen Elster bis zur Sperrstelle der TS Pirk und weiterhin die Darstellung der
Tageswerte des Niederschlages aus Radarwerten des DWD. Hierbei ist deutlich zu erken-
nen, dass große Einzugsgebietsanteile der Talsperre Pirk mit Niederschlägen von 100 mm
oder noch darüber überregnet wurden.
Die Flächensumme des Niederschlages im Einzugsgebiet der Weißen Elster bis zur Sperr-
stelle der Talsperre Pirk kann für 24 Stunden am 24. Mai 2018 mit rund 29 Mio. m³ (77 mm)
angegeben werden.
Abbildung 68: Tageswerte des Niederschlages am 24. Mai 2018 im Einzugsgebiet der Tal-
sperre Pirk
[5]
12-UTC-Läufe der einschlägigen Wettermodelle (Vorhersagezeitpunkt = 14:00 Uhr MESZ); diese
Läufe liegen technisch – je nach Modell – in der Regel zwischen 15:00 und 16:00 MESZ vor.

image
image
image
69
Abbildung 69: Niederschlagssummen 24.05.2018 für zwei ausgewählte Regenschreiber
Durch ihren geringen Ausbaugrad war der zur Verfügung stehende Hochwasserrückhalte-
raum der Talsperre Pirk sehr schnell gefüllt. Die Wassermassen der Weißen Elster konnten
nicht mehr zurückgehalten werden und die Hochwasserentlastungsanlage ging in Betrieb.
Abbildung 70: Hochwasserentlastung TS Pirk 24.05.2018 (Hinweis: Bildfreigabe nur mit Be-
stätigung durch LTV!)
4.7.
Auswirkungen der Witterung auf den Garten- und Weinbau
Allgemeines | Gartenbau | Weinbau
A) Allgemeines
Der Garten- und Weinbau belegt in Sachsen zurzeit eine Fläche von rund 8.000 ha. Neben
Apfel zählen derzeit noch Sauerkirschen und Erdbeeren zu den wichtigsten Obstarten. Der
Anbau konzentriert sich auf den Raum um Borthen und Dürrweitzschen. Markerbsen, Spei-

70
sezwiebeln, Buschbohnen und Spinat dominieren das Anbauspektrum im Gemüsebau, der
vor allem in der Lommatzscher Pflege und im Raum Leipzig beheimatet ist. Das sächsische
Weinanbaugebiet im Elbtal um Dresden und Meißen umfasst eine Fläche von rund 490 ha.
In den letzten Jahren lassen sich folgende allgemeine Tendenzen für den Garten- und Wein-
bau ableiten:
Die Ausdehnung der Vegetationsperiode begünstigt schrittweise den Anbau von Sor-
ten, die bislang in unserer Region nicht anbauwürdigt waren. Die Zahl von Anbausät-
zen im Gemüsebau steigt.
Milde Winter führen zu einem frühen Knospenaufbruch und einer immer früheren
Obstblüte. Dies kann die Gefahr von Spätfrostschäden bei allen Obstarten, insbe-
sondere aber bei den früh blühenden Süßkirschen und Birnen erhöhen. In milden
Wintern können kurze Phasen mit Starkfrösten bei Weinreben zu erheblichen Ausfäl-
len führen.
Niederschlagsarme Winter, Wärme- und Trockenperioden im April und Mai führen
z.B. bei Markerbsen immer häufiger zu Trockenschäden infolge zu geringer Wasser-
verfügbarkeit aus dem Boden.
Sommerliche Hitzeperioden mit extrem hohen Temperaturen und Trockenheit führen
zu erheblichen Qualitätseinbußen durch Sonnenbrandschäden im Obst- und Wein-
bau, bei Speisezwiebeln oder auch zu Ozonschäden bei Buschbohnen. Wasserman-
gel reduziert signifikant die Produktqualität. Ein sicherer Anbau der meisten garten-
baulichen Kulturen wird nur noch mit Zusatzbewässerung möglich ein.
Stark wechselnde Witterungsabläufe während der Vegetation führen zu Stress und
zu Problemen in der Kulturführung und -terminierung, zu krankheitsanfälligen Be-
ständen und nicht selten zu Ertragseinbußen.
Extreme Wetterereignisse (Starkregen, Hagel, Sturm) führen teilweise zum vollstän-
digen Verlust der Ernte und erfordern sehr kostenintensive Schutzmaßnahmen (z.B.
Hagelschutznetze, Regenschutz bei Süßkirschen).
Die schrittweise Klimaerwärmung führt zum verstärkten Auftreten von schwer be-
kämpfbaren Krankheiten und Schädlingen. Besonders bei Apfelschorf und -mehltau,
Falschem Mehltau und Fusariosen bei verschiedenen Gemüsearten sowie Viruser-
krankungen ist eine starke Zunahme zu beobachten. Mit dem Auftreten der Kirsches-
sigfliege werden der Weinbau sowie der Anbau von Weichobst vor neue Herausfor-
derungen gestellt. Ähnlich verhält es sich beim Apfel mit der marmorierten Baum-
wanze.
B) Gartenbau
Das Jahr 2018 kann für den sächsischen Gartenbau als indifferent eingestuft werden. Im
Gegensatz zu anderen Anbaujahren, die insbesondere durch Spätfrostereignisse im Frühjahr
oder häufige Hagelereignisse im Sommer größere Ertrags- und Qualitätseinbußen mit sich
brachten, spielten in diesem Jahr die langanhaltende Trockenheit und die hohen Temperatu-
ren über einen langen Zeitraum eine wesentliche Rolle.

image
71
Im
Baumobstbau
konnten durchschnittliche Erträge erzielt werden (vgl. Abbildung 71). Vor
allem Kirschen profitierten von der Trockenheit. Verluste durch nässebedingtes Aufplatzen
der Früchte blieben in diesem Jahr praktisch aus. Problematisch war der sehr frühe Ernte-
termin vieler Sorten. Dies führte zu einer Konkurrenz auf den Märkten mit Früchten südlicher
Herkunft und somit zu einem starken Preisverfall.
Abbildung 71: Erträge für Baumobst 2018 im Vergleich mit dem fünfjährigen Mittel (Quelle:
Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen)
Äpfel verzeichneten besonders Einbußen in der Fruchtgröße, was sich negativ auf den Preis
auswirkt. Auch physiologische Schäden wie Stippe spielten bei Problemsorten, wie ‘Jona-
gold‘ eine Rolle. Zudem kam es zu UV-Schäden an einzelnen Sorten. Starke Sonnenbrand-
symptome, mit nekrotischen Flecken blieben in diesem Jahr aus. Ursache war die lange An-
passungszeit der Früchte an die hohen Temperaturen.
Das Hauptproblem bei Erdbeeren stellte das sehr kurze Erntefenster der einzelnen Sorten
dar. Hierdurch kam es, verbunden mit einem Engpass an Arbeitskräften zu Ernteausfällen,
auf Grund von nicht geernteten Früchten. Auch in dieser Kultur waren viele Früchte, bedingt
durch die Trockenheit sehr klein.
Im
Gemüseanbau
waren erhebliche Ernteausfälle zu verzeichnen. Dies betraf besonders
die für Sachsen wichtigen Verarbeitungsgemüsearten Markerbsen, Buschbohnen und Spi-
nat. Im Anbaugebiet in der Lommatzscher Pflege waren neben Wassermangel und Hitze
auch Hagelschäden als Ursache für die Ertragsminderung zu nennen. Bei Zwiebeln kam es
zu rund 50 % Ertragsausfälle auf Flächen, die nicht beregnet werden konnten durch zu klei-
ne Zwiebeln, die die vorgeschriebene Vermarktungsgröße von 40 mm Durchmesser verfehl-

72
ten und deshalb nicht vermarktet werden konnten. Problematisch war in diesem Jahr allge-
mein ein starkes Auftreten von Blattläusen und Thripsen in allen Gemüsearten.
C) Weinbau
Im Weinanbau lagen die Erträge im Vergleich zum Vorjahr etwas niedriger. Dies resultierte
aus trockenheitsbedingten Ertragsausfällen vor allem in Junganlagen aber guten Erträgen in
Altanlagen, die wegen ausbleibender Schäden durch Fäulniserreger und Sonnenbrand keine
Ertragseinbußen verzeichneten.
Diesjähriger Rotwein wird aller Voraussicht nach eine gute Qualität erreichen.
Thesen:
Die Trockenheit und extreme Hitze führte bei Gemüse verbreitet zu starken Ertrags-
ausfällen, die zu hohen Anteilen nicht durch Bewässerung abgefangen werden konn-
ten.
Die Trockenheit und Hitze führte in vielen Obst- und Gemüsekulturen zu einer unter-
durchschnittlichen Produktgröße mit verminderter Vermarktungseignung.
Die hohen Temperaturen führten zu einer Verschiebung der Erntezeiträume, verbun-
den mit hohen Erntespitzen und überfüllten Märkten.
Langanhaltend hohe Temperaturen führten zu einer Anpassung der Früchte an die
Witterungsbedingungen bei vielen Obstarten und somit zur Verringerung von sonst
üblichen Sonnenbrandschäden.
Die hohe Strahlungsintensität führte zu UV-Schäden bei einigen Apfelsorten.
Die Trockenheit bewirkte eine Verringerung des Schaderregerdrucks in vielen Obst-
kulturen.
Ausbleibender Regen führte zu weniger Ausfällen bei Kirschen.
4.8.
Auswirkungen der Witterung auf landwirtschaftliche Kulturen
Winterweizen, Gerste | Winterraps | Mais | Kartoffeln und Zuckerrüben |
Feldfutter, Grünland
A) Winterweizen, Winter- und Sommergerste
In Sachsen boten die kühlen Bedingungen mit begrenzten Niederschlagsmengen bis Ende
der ersten Oktoberdekade 2017 überwiegend optimale Voraussetzungen für die Aussaat des
Winterweizens. Die Bestände liefen gleichmäßig auf und gingen normal entwickelt in den
Winter. Im Dezember 2017 und Januar 2018 gab es kaum Bodenfröste. Niederschläge traten
in ausreichenden, teilweise auch zu hohen Mengen, meist in Form von Regen, auf. Es stellte
sich kaum Vegetationsruhe in dieser Zeit ein, die Pflanzen entwickelten sich langsam weiter.
Ab Ende Februar bis Mitte März 2018 traten verbreitet Kahlfröste auf, wobei Temperaturen
bis minus 18 °C erreicht wurden. Die Folge waren sortenabhängige Blatterfrierungen.
Nennenswerte frostbedingte Pflanzenverluste waren jedoch nicht festzustellen. Nach Ostern
kam es zu einem rasanten Temperaturanstieg. In Kombination mit der in diesem Zeitraum
noch ausreichenden Bodenfeuchtigkeit entwickelten sich die Bestände vorerst zügig. Der bis

image
73
dahin vorhandene Entwicklungsrückstand wurde innerhalb kürzester Zeit aufgeholt. Der
Winterweizen wies nun verbreitet gut bestockte, gleichmäßige Bestände auf. Der
Krankheitsdruck blieb verhalten. Ab April gab es nur noch vereinzelte und in der Menge
ungenügende Niederschläge. Im Mai beginnende Gelbrost- und Blattseptoriainfektionen
konnten sich durch die anhaltende Trockenheit und Temperaturen bis 30°C nicht weiter
ausbreiten. Gegen Ende des Monats kam es auf mehreren Standorten bereits zu starkem
Braunrostbefall. Trockenstress war nun v. a. auf leichten Böden deutlich erkennbar.
Verbreitet kam es zur Reduktion der Triebzahl und Ährenanlagen. Bestände in Regionen, in
denen es zwischen Ende Mai und Mitte Juni regnete, entwickelten sich vorerst positiv weiter.
In anfälligen Sorten war zu diesem Zeitpunkt stärkerer Mehltau festzustellen. Hauptsächlich
nahm nun der Braunrostfall auf vielen Standorten zu, erreichte häufig ein starkes
Befallsniveau, teilweise auch in Sorten, die zuvor noch als geringer anfällig eingestuft
wurden. Die punktuellen Niederschlagsereignisse änderten die Grundsituation nicht. Seit
April wurden jeden Monat deutlich über dem langjährigen Mittel liegende Temperaturen
verzeichnet und auf den meisten Standorten summierte sich das Niederschlagsdefizit von
Februar bis Juli auf 100 bis teilweise über 200 Liter pro m². Deshalb fehlte häufig das
Wasser auch während der Kornfüllung. Die hohen Temperaturen ließen den Weizen
vorzeitig absterben bzw. trat Notreife ein (Abbildung 72). So wurde die Gelbreife 10 bis 20
Tage eher als in den Vorjahren festgestellt und auch die Ernte der häufig notreifen Bestände
erfolgte 2018 meist zwei Wochen früher als im Jahresvergleich. Vereinzelt zerstörte Hagel
stehenden Weizen kurz vor der Beerntung (s. Abbildung 76). Die Trockenheit führte
verbreitet zu kurzen, dünnen Beständen in denen die Standfestigkeit kaum gefordert wurde.
Abbildung 72: Notreife 2018 auf Getreideschlag infolge Trockenheit (Foto: M. Grunert,
LfULG)
Die Winterweizenerträge 2018 verfehlten die Vorjahreswerte meist deutlich. Besonders auf
den leichten Diluvialstandorten mit geringem Wasserhaltevermögen, aber auch auf Löß-
Standorten mit extremem Niederschlagsdefizit, waren die Ertragseinbußen enorm.
Insgesamt lag der Durchschnittsertrag in Sachsen bei 65,4 dt/ha, das sind rund 10 dt/ha

74
Weizenertrag bzw. rund 13 % weniger als 2017 mit 75,1 dt/ha7 (Abbildung 73; Datenquelle:
Statistisches Landesamt). Auffällig ist auf den durch Trockenheit besonders stark
beeinträchtigten Standorten die sehr geringe Tausendkornmasse. Erkennbar ist diese an
den in Abbildung 74 dargestellten Schmachtkörnern. An Standorten mit ergiebigen
Starkregenereignissen bzw. Gewitterniederschlägen wurden jedoch mit dem Jahr 2017
vergleichbare Weizenerträge erreicht.
Abbildung 73: Anbaufläche und Kornertrag von Winterweizen (Angaben gerundet),
Datenquelle: Statistisches Landesamt
7
10-Jahresmittel: 74,8 dt/ha
175
184
189
196
195
158
192
193
194
193
185
190
69
77
72
69
66
69
70
88
80
81
75
65
50
55
60
65
70
75
80
85
90
95
100
110
120
130
140
150
160
170
180
190
200
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2015
2016
2017
2018
Kornertrag in [dt/ha]
Anbaufläche in [1000 ha]
Anbaufläche
Kornertrag

image
75
Abbildung 74: Folge der Trockenheit 2019: Schmachtkörner bei Weizen (links) im Vergleich
zu normal entwickelten Weizenkörnern (rechts) (Foto: M. Sacher, LfULG)
Die durchschnittlichen
Wintergerstenerträge
lagen 2018 in Sachsen mit 61,0 dt/ha rund 12
dt/ha bzw. rund 16 % unter den Durchschnittserträgen von 2017 mit 73,2 dt/ha
8
(Quelle:
Statistisches Landesamt). Auch in den Landessortenversuchen fielen die Ertragsleistungen
bei Wintergerste auf den Löß- und D-Standorten unterdurchschnittlich im Vergleich zum
Vorjahr und im Vergleich zum Vorjahr und zum 5- und 10-Jahresmittel aus.
Die durchschnittlichen
Sommergerstenerträge
lagen 2018 in Sachsen mit 54,0 dt/ha auf
gleicher Höhe wie die Erträge von 2017 mit ebenfalls 54,0 dt/ha (Quelle: Statistisches
Landesamt)
9
. Allerdings stellten sich die Sommergerstenerträge 2018 als Folge der
extremen Trockenheit und lokaler Starkregenereignisse auf Grundlage der
Landessortenversuche sehr differenziert dar: Während die Sommergerstenerträge der drei
wertbaren Verwitterungsstandorte noch ein geringfügig über dem 5-jährigen Mittel liegendes
Niveau erreichten, fehlten auf den Löß-Standorten bereits 13 dt im Vergleich zum 5-
Jahreszeitraum 2013 bis 2017. Auf den D-Standorten wurden lediglich 20,9 dt im Mittel von
zwei wertbaren Versuchen (in Stufe I) eingebracht.
Insgesamt erfolgte 2018 als Folge der Trockenheit die Getreideernte häufig bis zu drei
Wochen früher als in den Vorjahren. Die regional begrenzt im Juni bzw. Juli auftretenden
Starkniederschlagsereignisse waren z. T. mit Hagel verbunden. Dies führte lokal zu Ertrags-
einbußen als Folge einer erheblichen Schädigung von Getreidebeständen durch Hagel (s.
Abbildung 75 und Abbildung 76).
8
10-Jahresmittel: 69,2 dt/ha
9
10-jahresmittel: 53,1 dt/ha

image
image
76
Abbildung 75: Hagelschaden bei Dinkel (Foto: M. Sacher, LfULG)
Abbildung 76: Ausgeschlagener Weizen nach Hagelereignis 2018 (Foto: M. Sacher, LfULG)
B) Winterraps
Winterraps zeigte im Herbst 2017 eine weitgehend normale Entwicklung. Über den Winter
2017/18 traten keine Auswinterungsverluste auf. Niedrige Temperaturen mit Spätfrösten im
März 2018 führten jedoch zu deutlichen Wachstumsverzögerungen. Die hohen Temperatu-
ren im April 2018 bewirkten einen Wachstumsschub. Damit verbunden war eine kurze Stre-
ckungsphase, wodurch die Bestände relativ kurz blieben. Zudem gab es einen raschen
Übergang in die generative Phase. Stellenweise trat physiologische Knospenwelke auf. Die-
se führte zu unzureichender Schotenausbildung. Im April und Mai trat starker Schädlings-
druck auf. Zum einen in Form eines starken Zuflugs des Rapsglanzkäfers; zum anderen
zeigte sich später auch ein starker Befall durch Stängelschädlinge. Die ab Mai herrschende
Trockenheit beeinträchtigte sehr stark die Ertragsbildung beim Raps. Als Folge davon war

image
77
2018 in Sachsen mit durchschnittlich 30,4 dt/ha nur ein sehr niedriges Ertragsniveau zu ver-
zeichnen. Dies entspricht einem Ertragsminus von 8 % zum Vorjahr bzw. einem Ertragsmi-
nus von 19 % zum zehnjährigen Mittel (37,7 dt/ha).
Abbildung 77: Sehr trockene Bodenbedingungen im Spätsommer 2018 auf Grund anhalten-
der Trockenheit mit der Folge schlechter Aussaatbedingungen für Folgefrüchte wie Raps und
Wintergerste (Foto: M. Grunert, LfULG)
Im August 2018 herrschten auf Grund der fortgesetzten Trockenheit (Abbildung 77) sehr
schwierige Aussaatbedingungen; vielerorts wurde das Rapssaatgut in staubtrockenen Boden
gedrillt. Dies führte zu einem verzögerten Auflaufen und in Folge davon teilweise lückigen
Beständen (Abbildung 78), wovon einige im Herbst 2018 umgebrochen und mit anderen
Winterfrüchten bestellt wurden. Die milden Temperaturen im Herbst 2018 förderten die Ent-
wicklung von Raps, wodurch das späte Auflaufen kompensiert wurde. In Abhängigkeit von
den anhaltend sehr geringen Niederschlagsmengen im Herbst 2018 (im September 2018
wiesen einige Regionen in Sachsen weiterhin mit rund 30 Prozent nutzbarer Feldkapazität
(% nFK) sehr geringe Bodenfeuchten auf (DWD, Januar 2019)) zeigen sich die Rapsbestän-
de aktuell in der Praxis sehr unterschiedlich von gut bzw. gleichmäßig bis lückig und hetero-
gen.

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78
Abbildung 78: Schlechter Rapsaufgang infolge Trockenheit im Herbst 2018 (Foto: M. Sacher,
LfULG)
C) Mais
In der dritten Aprildekade 2018 gab es günstige Bedingungen für die Aussaat von Mais hin-
sichtlich Bodentemperaturen (11-12 °C) und Bodenfeuchte. Bei weiterhin überdurchschnittli-
chen Temperaturen lief der Mais zügig auf. Trotz geringer Niederschläge verlief die Jugend-
entwicklung gut.
Im Juni verzeichneten die meisten Standorte bei hohen Temperaturen verstärkt Nieder-
schlagsdefizite. Niederschlagsereignisse waren vorwiegend örtlich begrenzt, d. h. es fehlte
flächendeckender Regen. Insgesamt verlief die weitere Entwicklung des Maises zügig, was
besonders auf den Verwitterungsstandorten positiv auffiel. Auf den leichten, sandigen Böden
in Nordsachsen (Diluvial-Standorte) führte jedoch die weiter anhaltende Trockenheit zu ver-
stärkten Trockenschäden. Stärker von der Trockenheit betroffene Standorte in dieser Region
zeigten bald ein sehr inhomogenes Bild in der Wuchshöhe. Während des Längenwachstums
trat vereinzelt bei Starkniederschlag in Verbindung mit starkem Wind früher Stängelbruch
auf, der aber kaum Ursache für spätere Ertragsdefizite war.
Die starke Trockenheit und die hohen Temperaturen hielten bis Mitte August 2018 an und
beim Mais zeigten sich Spuren des Wassermangels mehr oder weniger ausgeprägt an allen
Standorten in Sachsen (Abbildung 79). Untere Blattetagen des Maises vertrockneten, teil-
weise bis über Kolbenhöhe. Die Befruchtung und Kolbenentwicklung war auch auf den Löss-
und Verwitterungsstandorten beeinträchtigt. Auf stark von den Wasserdefiziten betroffenen
Diluvialstandorten blieb die Wuchshöhe vielfach unter 100 cm und die Pflanzen entwickelten
keine Blüten und eine Kolbenentwicklung blieb aus. Die Reife wurde stark beschleunigt und
musste eher als Notreife angesehen werden. Silomais hatte bei Ernteterminen in der ersten
AugusthäIfte 2018 oft schon den optimalen Bereich der Trockensubstanzgehalte von 32-35
% überschritten. Vereinzelt verursachten kurz vor der Ernte starke Windböen Lager und
auch Hagelschäden waren zu verzeichnen. Die Ertragsleistungen und die Futterqualität von
Silomais blieben 2018 deutlich unterdurchschnittlich. Die Trockenmasseerträge lagen im
Mittel der Versuchsserien 2018 20-30 % unter den beiden Vorjahren. Einzelne Orte zeigten
noch stärkere Ertragseinbußen, die bei bis zu 80 % eines Normaljahres lagen. Bei den Quali-

image
image
image
79
tätsmerkmalen waren vielfach im Stärkegehalt sowie in der Energiedichte und Verdaulichkeit
Defizite zu beobachten.
Die Druschfähigkeit von Körnermais wurde sehr früh erreicht. Die Landessortenversuche
wurden bereits in der ersten Septemberdekade gedroschen mit hohen Trockensubstanzge-
halten (> 75 %). Die Kornerträge lagen im Mittel der Versuchsserien 2018 rund 35-40 % un-
ter den beiden Vorjahren.
Zusätzlich konnte im August 2018 im Vergleich zu den Vorjahren in den Regionen Sebnitz,
Niesky und Löbau in mehr Fällen der Maiswurzelbohrer nachgewiesen werden.
Abbildung 79: Trockenschäden 2018 bei Mais (Fotos: M. Grunert (Fotos 1 & 2) & E. Steffen
(Foto 3), LfULG)
D) Kartoffeln und Zuckerrüben
Die überdurchschnittlichen Temperaturen im April sorgten für ein zügiges Auflaufen und eine
rasche Anfangsentwicklung der
Kartoffeln
. Die anhaltend hohen Temperaturen und die
ausgeprägte Trockenheit ab Mai 2018 führten zu einem frühen Absterben des Kartoffelkrau-
tes und beeinträchtigten insgesamt die Ertragsbildung. Krautfäule trat auf Grund der Tro-
ckenheit nur in geringem Umfang auf. Der durch die Trockenheit trockene und klutige Boden
erschwerte in starkem Maße das Roden der Kartoffeln. Dadurch war die Ernte im September
nur eingeschränkt bzw. teilweise nur nach vorheriger Beregnung möglich. Insgesamt verzö-

image
image
80
gerten sich dadurch die Rodearbeiten bis Oktober bzw. teilweise bis November 2018. Die
Trockenheit führte zu starken Ertragseinbußen. So lag der durchschnittliche Kartoffelertrag in
Sachsen bei 315 dt/ha, das sind 31 % weniger Ertrag zum Vorjahr und 24 % weniger Ertrag
zum zehnjährigen Mittel (415,3 dt/ha). Die Sortierung der Ernteknollen bestand aus weniger
Übergrößen und mehr Untergrößen; die Stärkegehalte waren teilweise deutlich erhöht. Die
Ernteknollen zeigten sich sehr keimfreudig (ein Zeichen für ein hohes physiologisches Alter).
Dadurch ist die Lagerfähigkeit der in diesem Jahr 2018 geernteten Kartoffeln sehr einge-
schränkt. Festzustellen ist auch eine erhöhte Neigung zur Schwarzfleckigkeit.
Bei
Zuckerrüben
traten 2018 z. T. ebenfalls erhebliche Ertragseinbußen als Folge der Tro-
ckenheit auf. Dies gilt insbesondere für die leichten Standorte Sachsens mit geringer Was-
serhaltefähigkeit. Hier zeigten die Rübenbestände sehr deutliche Trockenheitssymptome (s.
Abbildung 80), verbunden mit massivsten Ertragseinbußen. Begleitet war dies mit einem im
Vergleich zu den Vorjahren starken Auftreten der Rübenmotte. An Standorten mit besserer
Wasserhaltefähigkeit wurden noch zufriedenstellende Rübenerträge erzielt. Insgesamt lagen
die durchschnittlichen
Zuckerrübenerträge
2018 in Sachsen mit 534,5 dt/ha rund 275 dt/ha
bzw. ca. 34 % unter den Durchschnittserträgen von 2017 mit 809,3 dt/ha (Quelle:
Statistisches Landesamt).
Abbildung 80: Trockenschäden 2018 bei Zuckerrüben (Fotos: M. Grunert, LfULG)

image
image
81
E) Feldfutter und Grünland
Auf Feldfutterflächen (z. B. Kleegras) und Grünlandflächen machte sich die Trockenheit 2018
ebenfalls sehr stark bemerkbar. Auf leichteren Standorten mit geringer Wasserhaltefähigkeit
konnte im Frühjahr 2018 noch ein zufriedenstellender 1. Aufwuchs geerntet werden. Bei den
nachfolgenden Schnitten waren jedoch nur noch geringe Aufwuchsmengen vorhanden (s.
Abbildung 81
und Abbildung 82) bzw. fand überhaupt kein Wachstum mehr statt. In Folge
davon traten 2018 z. B. auf leichten Standorten sowohl beim Feldfutter als auch beim
Grünland bis zu 65 % und mehr Minderertrag auf. Dies führte 2018, zusammen mit der
schlechten Silomaisernte, an den leichten Standorten zu massiven Problemen bei der
Futterversorgung in viehhaltenden Betrieben sowohl hinsichtlich Futtermenge als auch
Futterqualität.
Abbildung 81: Infolge Trockenheit 2018 stark ausgedünnter Kleegrasbestand (Foto: E.
Steffen, LfULG)
Abbildung 82: Extremer Trockenschaden auf Grünland 2018 (Foto: E. Steffen, LfULG)

82
In Abbildung 83 sind die Erträge einiger landwirtschaftlicher Kulturen 2018 im Vergleich zum
10-jährigen Mittel zusammengefasst.
Abbildung 83: Erträge 2018 im Vergleich zum 10-jährigen Mittel
87
88
102
81
57
63
76
76
0
20
40
60
80
100
120
Winter-
weizen
Winter-
gerste
Sommer-
gerste
Winter-
raps
Acker-
futter
Wiesen/
Weiden
Kartoffeln
Zucker-
rüben
[%l
Erträge 2018 im Vergleich zum 10-jährigen Mittel
2008 bis 2017 = 100 %

image
image
image
image
Anhang
Winter
Lufttemperatur
Niederschlag
Trockenheits-Index n.
de Martonne
Sonnenscheindauer
Abbildung 84: Jährliche Abweichungen der Lufttemperatur [K], des Niederschlags [%], des
Trockenheits-Index n. de Martonne [%] und der Sonnenstunden [%] im Winter 1881/1951 bis
2018 vs. 1961-1990 in Sachsen (Datenquelle: DWD, Abbildungen: LfULG)

image
image
image
image
84
Frühjahr
Lufttemperatur
Niederschlag
Trockenheits-Index n.
de Martonne
Sonnenscheindauer
Abbildung 85: Jährliche Abweichungen der Lufttemperatur [K], des Niederschlags [%], des
Trockenheits-Index n. de Martonne [%] und der Sonnenstunden [%] im Frühjahr 1881/1951
bis 2018 vs. 1961-1990 in Sachsen (Datenquelle: DWD, Abbildungen: LfULG)

image
image
image
image
image
85
Sommer
Lufttemperatur
Niederschlag
Trockenheits-Index n.
de Martonne
Sonnenscheindauer
Abbildung 86: Jährliche Abweichungen der Lufttemperatur [K], des Niederschlags [%], des
Trockenheits-Index n. de Martonne [%] und der Sonnenstunden [%] im Sommer 1881/1951
bis 2018 vs. 1961-1990 in Sachsen (Datenquelle: DWD, Abbildungen: LfULG)

image
image
image
image
86
Herbst
Lufttemperatur
Niederschlag
Trockenheits-Index n.
de Martonne
Sonnenscheindauer
Abbildung 87: Jährliche Abweichungen der Lufttemperatur [K], des Niederschlags [%], des
Trockenheits-Index n. de Martonne [%] und der Sonnenstunden [%] im Herbst 1881/1951 bis
2018 vs. 1961-1990 in Sachsen (Datenquelle: DWD, Abbildungen: LfULG)

Tabelle 2:
Ergebnisse des Niedrigwassermessprogramms
Gewässer
Elbe
Elbe
Elbe
Elbe
Elbe
Elbe
Elbe
Elbe
Elbe
Elbe
Messort
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Schmilka
Datum
[tt.mm.jjjj]
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
Zeit [hh:mm]
11:15
08:20
12:00
08:55
10:00
08:55
08:45
09:00
11:45
09:15
Proben ID
18ZN1030
18ZN1070
18ZN1194
18ZN1260
18ZN1360
18ZN1468 18ZN1556 18ZN1638
18ZN1712
18ZN1806
Institution
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
LfULG/
BfUL
Vor-Ort
Parameter
(Feldmessung)
Ein-
heit
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
Wasser-
temperatur
°C
21,7
24,1
23,1
19,1
18,1
12,4
11,8
10,7
6,4
5,2
Trübung
TE/F
<5
9,8
<5
5,9
<5
<5
<5
5,1
<5
5,5
pH-Wert
7,6
7,4
7,6
7,4
7,5
7,6
7,7
7,6
7,4
7,9
Elektrische
Leitfähigkeit
bei 25°C
μS/c
m
476
460
452
464
474
496
500
509
422
538
Sauerstoff-
konzentration
mg/l
6,9
6,2
7,2
6,9
7,4
9,7
8,7
9,4
11
11,3
Allgemeine
Kenngrößen
Ein-
heit
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
Abfiltrierbare
Stoffe (Ge-
samtprobe)
mg/l
<10
10
<10
<10
19
<10
<10
<10
<10
<10
gesamter orga-
nisch gebunde-
ner Kohlenstoff
(TOC)
mg/l
6,3
7,3
6,9
6,0
5,6
6,2
6,6
6,9
4,9
6,9

88
Allgemeine
Kenngrößen
Ein-
heit
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
gelöster orga-
nisch gebunde-
ner Kohlenstoff
(DOC)
mg/l
5,7
6,0
6,2
5,8
5,2
5,7
6,2
6,0
4,4
5,7
Calcium
(filtriert)
mg/l
44
39
38
44
40
46
41
46
40
51
Magnesium
(filtriert)
mg/l
9,7
9,3
9,4
9,6
10
9,8
8,9
10
8,2
9,8
Kalium
(filtriert)
mg/l
5,7
6,5
6,6
6,6
6,1
6,9
6,1
7,2
6,5
7,0
Natrium
(filtriert)
mg/l
32
32
33
32
35
35
31
35
28
35
Chlorid
(filtriert)
mg/l
47
43
44
41
46
46
49
47
37
51
Sulfat
(filtriert)
mg/l
62
60
98
64
60
66
62
65
58
71
Ammonium-
Stickstoff
(filtriert)
mg/l
0,03
0,06
0,04
0,10
0,04
0,085
0,054
0,072
0,095
0,62
Nitrat-Stickstoff
(filtriert)
mg/l
2,4
2,1
2,3
2,5
2,5
2,4
2,6
2,6
2,5
2,6
Nitrit-Stickstoff
(filtriert)
mg/l
0,02
0,013
0,014
0,022
0,016
0,021
0,02
0,027
0,024
0,048
Gesamt-
Stickstoff
(Gesamtprobe)
mg/l
2,7
2,7
2,8
3,0
3,1
3,1
3,3
2,9
2,7
3,6
ortho-Phosphat-
Phosphor
(filtriert)
mg/l
0,10
0,09
0,10
0,10
0,09
0,061
0,057
0,076
0,058
0,09
Gesamt-
Phosphor
(Gesamtprobe)
mg/l
0,16
0,17
0,16
0,17
0,14
0,11
0,14
0,13
0,10
0,2

89
Schwermetalle
und Arsen
Ein-
heit
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
Blei
(Gesamtprobe)*
μg/l
0,3
0,9
0,6
0,9
0,5
0,3
0,4
0,4
0,2
0,6
Blei (filtriert)
μg/l
<0,2
<0,2
<0,2
<0,2
<0,2
<0,2
<0,2
<0,2
<0,2
<0,2
Cadmium
(Gesamtprobe)*
μg/l
0,08
<0,03
<0,03
<0,03
0,04
<0,03
0,03
<0,03
<0,03
<0,03
Cadmium
(filtriert)
μg/l
0,06
<0,03
<0,03
<0,03
<0,03
<0,03
<0,03
<0,03
<0,03
<0,03
Chrom
(Gesamtprobe)*
μg/l
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
Chrom
(filtriert)
μg/l
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
<1
Kupfer
(Gesamtprobe)*
μg/l
<2
4,3
3,7
4,2
3,5
<2
2,8
<2
2,3
3,0
Kupfer
(filtriert)
μg/l
<2
3,7
3,7
4,2
2,7
<2
<2
<2
<2
3,0
Nickel
(Gesamtprobe)*
μg/l
3
3
2,5
2,8
2,6
2,9
2,3
2,9
<0,5
1,2
Nickel
(filtriert)
μg/l
2,7
2,9
2,5
2,8
2,5
2,8
2,3
2,8
<0,5
1,2
Quecksilber
(Gesamtprobe
nach Auf-
schluss)
μg/l
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
0,02
Quecksilber
(filtriert)
μg/l
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
<0,02
Uran
(Gesamtprobe)*
μg/l
0,8
0,7
0,7
0,8
0,7
1,1
0,9
1,5
0,9
1,2
Uran (filtriert)
μg/l
0,8
0,7
0,7
0,8
0,7
1,1
0,9
1,0
0,8
1,1
Zink
(Gesamtprobe)*
μg/l
19
13
14
17
11
8,7
7,1
4,2
10
20
Zink
(filtriert)
μg/l
17
13
13
12
8,3
8,7
3,5
4,2
8,4
12
Arsen
(Gesamtprobe)*
μg/l
2,3
2,5
2,3
2,4
2.0
1,8
2,0
1,9
1,4
1,9
Arsen (filtriert)
μg/l
2,3
2,2
2,3
2,4
1,9
1,8
1,7
1,6
1,4
1,8

90
Organische
Spurenstoffe
(Gesamtprobe)
Ein-
heit
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
HCH, alpha
ng/l
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
HCH, beta
ng/l
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
HCH, gamma
[Lindan]
ng/l
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
HCH, delta
ng/l
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
<2
o,p'-DDT
ng/l
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
p,p'-DDT
ng/l
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
o,p'-DDE
ng/l
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
p,p'-DDE
ng/l
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
o,p'-DDD
ng/l
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
p,p'-DDD
ng/l
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
<3
Arzneimittel-
wirkstoff -
Diclofenac
ng/l
23
21
29
33
32
52
49
81
72
130
Arzneimittel-
wirkstoff -
Carbamazepin
ng/l
61
52
100
79
120
69
85
72
50
81
Antibiotikum -
Sulfa-
methoxazol
ng/l
71
100
52
75
69
94
95
91
56
110
Arzneimittel-
wirkstoff -
Ibuprofen
ng/l
13
<10
16
21
19
24
24
20
21
100

91
Biologische
Kenngrößen
(Gesamtprobe)
Ein-
heit
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
Chlorophyll-a
μg/l
12,2
15,3
7,3
5,6
3,6
5,1
3,8
2,5
4,0
4,1
Phaeopigmente
μg/l
8,5
11,6
9,1
7,5
4,9
6,6
6,8
5,3
4,1
4,4
Bakteriologi-
sche Kenn-
größen
(Gesamtprobe)
Ein-
heit
18.07.18
30.07.18
15.08.18
03.09.18
17.09.18
08.10.18
22.10.18
12.11.18
26.11.18
10.12.18
Intestinale
Enterokokken
KBE/
100ml
30
140
20
200
100
80
120
130
200
700
Escherichia coli
MPN/
100ml
290
700
550
110
640
680
730
810
1300
3300
Legende
Farbe
Klassifizierung
Erläuterung
Messwert ≤ MAX_2012
weiß
unauffällig
Messwert ist nicht größer als der Maximalwert des Normaljahrs 2012
Messwert > MAX_2012 & ≤ MAX_NW_2015
gelb
erhöht
Messwert ist größer als der Maximalwert des Normaljahrs 2012,
aber nicht größer als der Maximalwert des Niedrigwasserjahres 2015
Messwert > MAX_2012 & > MAX_NW_2015
orange
deutlich erhöht
Messwert ist größer als die Maximalwerte des Normaljahrs 2012 und
des Niedrigwassers 2015
hellgrau
in Bearbeitung
grau
keine Messung
Die Klassifizierung des Sauerstoffgehalts erfolgt anhand der Minima
*Sachsen: Bezeichnung "säuregelöst"