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Ländliche Neuordnung in Sachsen
Projekt des Monats Mai 2021
Hochwasserverfahren Großtreben, Landkreis Nordsachsen
Anpassung der Eigentumsgrenze der Bundeswasserstraße „Elbe“ an die tatsächliche Nutzung;
zum Vergleich im Norden mit und im Süden ohne Bodenordnung (außerhalb des Verfahrensgebietes);
© Landratsamt Nordsachsen
Ausgangslage
Das Elbehochwasser vom August 2002 ging
als eines der schwersten Hochwasserereignis-
se in die Geschichtsbücher ein. Ausgelöst
wurde es durch extreme Niederschläge, die
auf bereits überwiegend wassergesättigte Bö-
den trafen. So wurde in der Messstation Zinn-
wald-Georgenfeld mit 312 mm der bis dahin
höchste Tagesniederschlag seit Aufzeichnung
der Wetterdaten in Deutschland gemessen.
Innerhalb von 4 Tagen fiel dort bis zu 30 % des
durchschnittlichen jährlichen Niederschlags.
In der Folge stiegen auch die Pegel der großen
Flüsse auf Rekordhöhen. Zahlreiche Deichbrü-
che führten zu flächenmäßigen Überschwem-
mungen und erheblichen Schäden an Gebäu-
den, Straßen, Wegen, Dämmen, Brücken und
Landwirtschaftsflächen.
Bereits kurz nach den dringendsten Aufräum-
arbeiten gab es erste Überlegungen, wie durch
Flurbereinigungsverfahren die Hochwasser-
schutzstrategie der Sächsischen Staatsregie-
rung unterstützt werden kann. Die sächsische
Flurbereinigungsverwaltung
arbeitete
dabei
eng mit den Behörden der Wasserwirtschaft
zusammen. Schwerpunktmäßig ging es um die
Unterstützung bei der Bereitstellung von Flä-
chen für die Deichertüchtigung bzw. für ge-

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plante
Deichverbreiterungen
oder
-rückverlegungen. Im ehemaligen Amtsbezirk
des Staatlichen Amtes für Ländliche Entwick-
lung Wurzen wurden in den Jahren 2003 und
2004 drei vereinfachte Flurbereinigungsverfah-
ren nach § 86 Flurbereinigungsgesetz (FlurbG)
angeordnet.
Blick ins Verfahrensgebiet Großtreben
© Landkreis Nordsachsen
Das Elbehochwasser vom 13. August 2002
überflutete auch weite Bereiche des Verfah-
rensgebietes Großtreben in der Gemeinde
Beilrode im Landkreis Nordsachsen. Es ent-
standen dabei großflächige Schäden an Stra-
ßen, Wegen, Dämmen und Landwirtschaftsflä-
chen. Das Verfahren an der Landesgrenze zu
Sachsen-Anhalt wurde am 15. August 2003,
also ziemlich genau ein Jahr nach dem Hoch-
wasser, auf einer Fläche von 1.003 ha ange-
ordnet. Mit der Ausführungsanordnung zum
Flurbereinigungsplan zum 1. Januar 2020 ist
das erste große Verfahren zum Hochwasser-
schutz inzwischen technisch beendet worden.
Abgrenzung des Verfahrensgebiets der Flurbereinigung
Großtreben © Landkreis Nordsachsen
Maßnahmen / Planung
Vordringliches Ziel des Flurbereinigungsver-
fahrens Großtreben war die Unterstützung der
Landestalsperrenverwaltung durch Bereitstel-
lung von Tauschland für den Eigentumserwerb
an den instandgesetzten und verbreiterten
Deichanlagen.
Dazu stellte die Teilnehmergemeinschaft 1,5
ha Land über Landverzichtserklärungen nach
52 FlurbG zur Verfügung. Durch den weiteren
Verzicht einzelner Teilnehmer auf eine wert-
gleiche Landabfindung konnten zusätzlich 0,4
ha bereitgestellt werden. Der Vorteil der Land-
bereitstellung über Landverzichtserklärungen
liegt unter anderem darin, dass hierzu kein
notarieller Vertrag und keine Vermessung not-
wendig sind. Der Grundstückseigentümer er-
klärt lediglich unwiderruflich gegenüber der
Teilnehmergemeinschaft, dass er für sein in
das Verfahren eingebrachtes Land auf eine
Zuteilung neuer Flächen verzichtet. Im Gegen-
zug erhält er eine Geldentschädigung. Derarti-
ge Landabfindungsverzichte sind auch für
Teilflächen und zugunsten Dritter (hier also z.
B. zugunsten der Landestalsperrenverwaltung)
möglich. Mit der Neuordnung aller Flächen im
Flurbereinigungsplan können die so erworbe-
nen Ansprüche an der gewünschten Stelle -
also z. B. unter den Deichen - passgenau zu-
geteilt werden.
Im Zuge der Ländlichen Neuordnung sollten
neben der Umsetzung des Hochwasserschut-
zes aber auch Maßnahmen durchgeführt wer-
den, die im gemeinschaftlichen Interesse der
beteiligten
Grundstückseigentümer
liegen.
Dazu zählten insbesondere die Wiederherstel-
lung der teilweise zerstörten landwirtschaftli-
chen Wege und die Neuordnung der landwirt-
schaftlichen Flächen.
Zur besseren Anbindung eines Landwirt-
schaftsbetriebs wurde eine Wegeanbindung
auf 250m Länge grundhaft und frostsicher
ausgebaut. Weiterhin wurde zur Verbesserung
der Erschließung der Feldlage ein ehemals
überackerter 1.200 m langer Feldweg wieder-
hergestellt.

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links: Verlängerung Mühlenweg; wiederhergestellter Feld-
weg; rechts: Feldzufahrt vom höher gelegenen Weg
© TG Großtreben
Ein Feldweg, der gleichzeitig der Unterhaltung
der Deichanlagen dient, wies eine starke
Überhöhung zu den anliegenden Bewirtschaf-
tungsflächen auf. Dies machte es notwendig,
zwei speziell konstruierte Feldzufahrten zu
errichten. Diese ermöglichen einerseits eine
ordnungsgemäße Bewirtschaftung und mini-
mieren andererseits den notwendigen Flä-
chenbedarf.
Schwerpunkt der naturschutzfachlichen Ausgleichsmaß-
nahmen war eine Grabenbegleitpflanzung auf 1.600 m
Länge. © TG Großtreben
Endzustand / Wirkung / Ausführung
Das
Flurbereinigungsverfahren
Großtreben
und das damit verbundene Bodenmanagement
ermöglichte, von den rein passiven Hochwas-
serschutzmaßnahmen (Deiche) an der Elbe in
die flächenhafte Umsetzung eines Hochwas-
serschutzkonzeptes in den Einzugsgebieten
einzusteigen. Damit wurde eine Neukonzeption
des Hochwasserschutzes abgestimmt auf die
Belange der Grundstückseigentümer und der
Landwirtschaft auf über 1.000 ha Fläche ge-
schaffen. Durch eine Flächenbereitstellung von
insgesamt ca. 1,9 ha für die LTV konnte die
Eigentumsregelung am Deich erfolgen.
Anpassung der Eigentumsgrenze der Bundeswasserstra-
ße „Elbe“ an die tatsächliche Nutzung; zum Vergleich im
Norden mit und im Süden ohne Bodenordnung (außerhalb
des Verfahrensgebietes); © Landratsamt Nordsachsen
Um die Widmung der »Deichüberfahrten« zu
ermöglich, wurden im Zuge der Bodenordnung
spezielle Flurstücke gebildet. Damit konnte
eine Vereinbarung der Gemeinde Beilrode mit
der LTV umgesetzt werden.
Neu gebildetes Flurstück und Ansicht der Deichüberfahrt;
© TG Großtreben
Mit der Begleitpflanzung entlang eines Fließgewässers
wird die ansonsten weitgehend ausgeräumte Landschaft
wieder belebt. © TG Großtreben
Ansicht des Deichs mit Überfahrt; © Landratsamt Nord-
sachsen

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Besondere Herausforderungen
Windkraftanlagen
Im Rahmen der Regionalplanung starteten
Untersuchungen zur Ausweisung von Windvor-
ranggebieten im Verfahrensgebiet. Dies führte
in der Folge zum Abschluss von Vorverträgen
zwischen Windenergiebetreibern und Grund-
stückseigentümern zur Nutzung einzelner Flur-
stücke. Diese Vorverträge standen oftmals im
Widerspruch zur geplanten Neuzuteilung der
Flächen im Flurbereinigungsverfahren. Die
sehr geringe Transparenz dieser Vorgänge
und die mit der Windenergienutzung verbun-
dene Aussicht auf erhebliche Erlöse führten
dazu, dass die Neuzuteilung nicht vorangetrie-
ben werden konnte. Faktisch stand die Bear-
beitung des Verfahrens daher von 2011 bis
2015 still.
Allgemeine Informationen
1 Widerspruch zum Flurbereinigungs-
plan (Rücknahme im Widerspruchs-
ausschuss)
2 Nachträge zum Flurbereinigungsplan
aufgrund von Eigentumswechseln
Berichtigung der öffentlichen Bücher
im Januar 2020
Beitragseinhebung (August 2020) und
Schlussfeststellung im Anschluss, so-
bald alle Beiträge erhoben wurden.
Finanzierung
Die auf die Teilnehmergemeinschaft entfallen-
den Gesamtausführungskosten des Verfah-
rens in Höhe von ca. 230.000 € wurden zu
90 % aus der Bund-Länder Gemeinschaftsauf-
gabe »Verbesserung der Agrarstruktur und des
Küstenschutzes« (GAK) durch den Bund und
den Freistaat Sachsen gefördert. Der verblei-
bende
Eigenleistungsanteil
wird
teilweise
durch Einnahmen der Teilnehmergemeinschaft
aus Grundstücksverkäufen (ca. 3.800 €) und
durch Beiträge der Grundstückseigentümer
(ca. 19.300 €) gedeckt.
Ansprechpartner für weitere Informationen
Teilnehmergemeinschaft Großtreben
beim Landratsamt Nordsachsen
Dr.-Belian-Str. 4-5
04838 Eilenburg