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Bearbeiter:
Dr. Eckhard Meyer und Felicitas Gschwender
Abteilung/Referat:
Landwirtschaft/Tierhaltung
E-Mail:
eckhard.meyer@smul.sachsen.de
Telefon:
034222 46 2208
Redaktionsschluss:
07.11.2018
Internet:
www.smul.sachsen.de/lfulg
Zukunftsfähige Schweinefütterung
Die Fütterung der Schweine bietet die Möglichkeit, tagtäglich auf die Gesundheit und Leis-
tungsfähigkeit der Schweinebestände Einfluss zu nehmen. Sie ist nach den Ernteverlusten
2018 mehr denn je der wichtigste Kostenfaktor und wird heute zunehmend aufgrund ihrer
Umweltrelevanz wahrgenommen. Um zukünftig auch wirtschaftlich Schweine zu produzieren,
gilt es dem steigenden Bedarf hoch leistender Tiere gerecht zu werden und gleichzeitig den
Hauptkostenfaktor Futter zu reduzieren. Möglichkeiten und Grenzen wurden anlässlich des
sächsischen Schweinetages am 24.10.2018 in Groitzsch diskutiert. Dieser stand unter dem
Dach der Zukunftsinitiative simul
+
.
Fotos: Der Einladung zum Schweinetag nach Groitzsch waren etwa 100 Interessierte gefolgt
Bereits im Rahmen der Eröffnungsreden wurden die Herausforderungen und Perspektiven
der Zukunft definiert. Zum Stichtag 3. Mai 2017 wurden 27,1 Millionen Schweine in Deutsch-
land gehalten, damit war der Schweinebestand gegenüber November 2016 um 1 % oder
rund 276 000 Tiere gesunken. Im Laufe des Jahres 2017 haben sich die Bestände wieder
leicht erholt und die Zahl der Schweine in Sachsen betrug im November 2017 rund 680 Tau-
send Stück. Das wiederum ist der höchste Wert seit Mitte der 1990-er Jahre. Diese positive
Entwicklung ist in Relation zur Größe des Gesamtbestandes in Sachsen sogar besser als im
Rest der Republik (4,7 %
vs.
0,7 %). Darauf wies Präsident Norbert Eichkorn bei der Eröff-
nung des Schweinetages hin. Dem gestiegenen Angebot zur Folge sind die Erzeugerpreise
für Schweinefleisch 2018, gegenüber dem relativ hohen Niveau im Vorjahr, wieder rund
20 Cent/kg zurückgegangen. Die Auszahlungspreise in diesem Jahr mit durchschnittlich
1,43 € liegen aber bislang „nur“ 5 Cent unter dem Durchschnitt der vergangenen 18 Jahre
von 1,48 € (eigene Berechnungen). Eines der größten Probleme des Berufsstandes ist der
Arbeitskräftemangel in der Schweinehaltung, der dazu führt, dass in den größeren Betrieben

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die Arbeitsanweisungen nicht selten in mindestens drei verschiedenen Sprachen erfolgen
müssen. Leider ist das Interesse an der Schweinehaltung häufig geringer als in anderen Be-
reichen des Ausbildungsberufes Land- oder Tierwirt, was auch die rückläufigen Abschlüsse
im Beruf Tierwirt belegen. Es existieren aktuell in Sachsen 108 Ausbildungsplätze im Beruf
Tierwirt/in Fachrichtung Schweinehaltung. Davon sind nur 9 Ausbildungsplätze zum
22.10.2018 belegt (3 im 1. Ausbildungsjahr, 6 im 2. Ausbildungsjahr). Neben allen Proble-
men ist es aber wichtig, die Stärken des eigenen Standpunktes zu erkennen und auszubau-
en. Eine wesentliche Stärke der Betriebe ist die Innovationskraft. „Moderne Haltungssysteme
wie die Weiterentwicklung von Sensorfütterungen und Stallklima-Steuerungen, ein ausgefeil-
tes Energiemanagement oder Beschäftigungsmöglichkeiten für die Tiere erfordern Kreativi-
tät. Innovationen in der Schweinehaltung sind deshalb an der Tagesordnung“, sagte Land-
wirtschaftsminister Thomas Schmidt bei seiner Eröffnungsrede zu den „
Perspektiven für
eine wirtschaftliche Schweinehaltung“
in Sachsen. Dabei ist das Produktionsniveau in
Sachsen seit Jahren stabil und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Schweineprodukti-
on sind gut. So werden in etwa 170 Betrieben rund drei Viertel der Tiere in Beständen mit
über 5.000 Tieren gehalten. Diese vorhandenen Betriebsstrukturen ermöglichen effiziente
Abläufe und ein erfolgreiches Agieren am Markt. Unterstützt wird dies durch die steigende
Nachfrage nach Produkten regionaler Herkunft und so gilt es selbstbewusst und ohne Angst
vor der Öffentlichkeit zu arbeiten. Ergebnisse einer aktuellen Verbraucher- und Marktstudie
zeigen, dass Schweinefleisch nach wie vor in der Gunst der Verbraucher an erster Stelle
steht. Der Minister versprach sich für eine dringend benötigte Rechtssicherheit zu den Fra-
gen der drei großen „
K“
(
K
upieren,
K
astrieren,
K
astenstände) einzusetzen. Wenn es nicht
gelingt die rechtlichen Rahmenbedingungen praktikabel zu gestalten, besteht offensichtlich
eine große Gefahr, dass die deutsche Ferkelerzeugung nach Dänemark oder in die Nieder-
lande abwandert. Wie ein Damoklesschwert schwebt die aktuelle Gefährdung durch die Afri-
kanische Schweinepest (ASP) über den Betrieben und so mahnte der Minister zur Vorsorge
den erforderlichen Seuchenschutz nicht zu vernachlässigen.
Die
„Herausforderungen in der Schweinefütterung“
sieht Prof. Dr. Georg Dusel von der
Technischen Hochschule Bingen in seinem fachlichen Einleitungsreferat vor allem in einer
bedarfs- und gleichermaßen umweltgerechten Fütterung. An dieser Stelle ergibt sich grund-
sätzlich kein Zielkonflikt, denn je näher am Bedarf der Schweine gefüttert wird, desto weniger
Nährstoffe werden in die Gülle verlagert. Gleichwohl ist der Aufwand an Nährstoffen zur Er-
zeugung eines tierischen Leistungsproduktes bei hohen Leistungen geringer als bei niedri-
gem Leistungsniveau. Ein großes Thema ist die N- und P-reduzierte Fütterung von Aufzucht-
ferkeln und Mastschweinen, auch gilt es bei den Sauen über eine Neudefinition der Faser-
und Energieversorgung die Körperkonditionierung und damit gleichzeitig die Darmgesundheit
und Milchleistung zu optimieren.
Eine N-reduzierte Fütterung durch weniger übertriebenen Einsatz von Rohprotein kann unter
Berücksichtigung der Ausstattung der Rationen mit (essentiellen) Aminosäuren zu weniger
gesundheitlichen Problemen (Durchfall) und eine stärkere Immunantwort der Ferkel führen.
Neben den erstlimitierenden Aminosäuren (Lysin Methionin/Cystin, Threonin und Tryp-
tophan) steht seit kurzem eine weitere essentielle Aminosäure – Valin – im Focus. Versuche
zeigen, dass Valin für einen effizienteren Eiweißansatz in maisbetonten und eiweißreduzier-
ten Rationen sorgen kann. Ein Verhältnis der präcecal verdaulichen Aminosäuren Valin zu
Lysin von 0,69 zu 1 führt zu den besten Zunahmeleistungen und dem geringsten Futterauf-
wand. Bei der Etablierung einer P-reduzierten Fütterung ist daran zu denken, dass die Be-
deutung von Phosphor weit über eine Beteiligung am Knochenaufbau hinausgeht. So ist
Phosphor auch am Energiestoffwechsel beteiligt (z. B. ATP), puffert Blut und Zellflüssigkeit
(Anionen Ladungsausgleich) und vermittelt Hormonwirkungen (z. B. in Form von AMP). Nach
gängiger Lehrmeinung sollte Ferkelfutter 0,4 % bis 0,6 % Phosphor enthalten. Nach DLG
Angaben (DLG-Merkblatt 418, Okt. 2018) liegt in der Ferkelaufzucht eine sehr stark N- und
P-reduzierte Fütterung vor, wenn das Ferkelaufzuchtfutter bis 15 kg Lebendmasse nicht
mehr als 17,5 % Rohprotein und 0,51 % Phosphor und das Ferkelaufzuchtfutter ab 15 kg

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Lebendmasse nicht mehr als 17,0 % Rohprotein und 0,48 % Phosphor aufweist. Ein Absen-
ken unter 0,4 % Phosphor ist in Rationen für Mastschweine nur bei Einsatz von Phytase
möglich, ansonsten können die Leistungen erheblich (> 100 g MTZ) sinken. Eine Fütterung
von hochleistenden Sauen nach den Empfehlungen der GFE von 2006 ist heute häufig
überholt, weil sie dem Nährstoffbedarf der Sauen nicht mehr entspricht. Für die Bewertung
der Fütterung ist die Fütterungskondition am Ende der Tragezeit entscheidend. Das Ziel ist
es, die Sauen mit ausreichenden Fettreserven und auch Futteraufnahmevermögen in die
Säugephase zu entlassen nach dem Motto -„Fit aber nicht Fett“. Eine Überkondition ist nicht
nur ungesund und unwirtschaftlich, sie ist heute aufgrund der geringen Fettreserven moder-
ner, fleischreicher Sauen mit Hilfe des BCS (Body condition scoring, Skala 1 - 5) deutlich
schwieriger geworden. Nach eigenen Erfahrungen sollten Altsauen beim Einstallen in den
Abferkelbereich eine „starke 3“ und Jungsauen eine „schwache 4“ als Konditionsnote be-
kommen. Um das Futteraufnahmevermögen in der Tragezeit für die darauffolgende Säuge-
zeit zu entwickeln und gleichzeitig die so wichtige Darmgesundheit zu erhalten hilft eine op-
timale Ausstattung der Rationen mit Rohfaser. Sauen, die während der Tragezeit ein rohfa-
serreiches Futter (11 %) aufgenommen haben, konnten in Versuchen auch während der
Säugezeit mehr fressen. Das ist von größter Wichtigkeit, weil von modernen Hybridsauen
eine Milchleistung von über 14 kg täglich erwartet wird. Bei der Fütterung rund um die Geburt
wird nach wie vor darüber diskutiert, ob die Umstellung auf das Laktationsfutter mit dem Um-
stallen in den Abferkelstall (Standard) oder erst nach der Geburt stattfinden sollte. Die hohe
Calciumausstattung der Laktationsfutter ist vor der Geburt eher nachteilig. Der Einsatz spe-
zieller Geburtsfutter hat sich aufgrund technologischer Probleme nicht durchsetzen können.
Eine vollständige Nüchterung der Sauen vor der Geburt mit dem Ziel, einen möglichst unbe-
lasteten Verdauungstrakt zu erreichen, wird heute aufgrund der langen Geburten nicht mehr
empfohlen. Im Gegenteil, die letzte (reduzierte) Futteraufnahme sollte möglichst kurz vor der
Geburt erfolgen. Das verkürzt die Geburten, was nach eigenen Untersuchungen die Vitalität
der Saugferkel erhöht. Um den Blutzuckerspiegel nach der letzten Futteraufnahme vor der
Geburt möglichst lange auf einem hohen Niveau zu halten, helfen faserreiche Rationen, die
zu einem höheren Anteil nicht im Dünn- sondern im Dickdarm verdaut werden. Deshalb ist
Faser heute über ihren bakteriell verdaulichen Anteil, das Wasserhaltevermögen oder Quell-
vermögen genauer zu beschreiben. So enthält die Rohfaserfraktion aus Zuckerrüben Tro-
ckenschnitzeln einen relativ hohen Anteil an bakteriell fermentierbarer Substanz (Bakteriell
fermentierbare Substanz BFS= verd. N-freie Extraktstoffe + verd. Rohfaser – Stärke – Zu-
cker). Die Faser aus Lignocellulose oder auch aus Stroh dagegen ist größtenteils quasi un-
verdaulich und enthält auch relativ wenig bakteriell verdauliche Rohfaser. Von diesen Rohfa-
serträgern ist nur eine eher mechanische Wirkung auf die Darmmotilität und Darmfunktion zu
erwarten. Trotzdem sind die Lignocelluosen bei der Rationsoptimierung beliebt. Sie sind auf-
grund ihres geringen Rationsanteils (1 - 3 %) einfach zu handhaben und enthalten keine un-
erwünschten Stoffe wie z. B. Mykotoxine. Angesichts der engen Maisfruchtfolgen muss heu-
te im Weizen grundsätzlich von einem Fusarien verursachten „Grundrauschen“ mit Mykoto-
xinen ausgegangen werden, dass in den Mühlennebenprodukten häufig sogar verstärkt auf-
tritt. Im Sauenfutter sind Mykotoxingehalte in der Größenordnung der Hälfte der Orientie-
rungswerte (< 1 mg DON/kg Futter) schon zu viel.
Die Frage, ob sich durch die Stoffstrombilanzverordnung (StoffBilV) "
die Vorzeichen für die
Schweinefütterung ändern
" wurde von Dr. Stephan Schneider von der Bayerischen Lan-
desanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Grub beantwortet. Hintergrund der neuen StoffBilV ist –
neben dem Verstoß Deutschlands gegen die EG-Nitratrichtlinie und Problemen bei der Ein-
haltung der EU-Wasserrahmenrichtlinie – die Einhaltung der nationalen Klimaschutzziele.
Der Klimaschutzplan 2050 nennt beispielsweise die Verbesserung der Stickstoffeffizienz in
der Fütterung und den Abbau von N-Überschüssen in der Landwirtschaft als notwendige
Maßnahmen. Die Landwirtschaft wird für 8 % der Treibhausgasemissionen verantwortlich
gemacht. Das Ziel ist, im Zeitraum von 2028 bis 2032 einen Stickstoffüberschuss in der Ge-
samtbilanz von max. 70 kg N/ha zu erreichen. Um dieses Fernziel zu erreichen, wird heute

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schon von den schweinehaltenden Betrieben erwartet, dass sie entsprechend dem Vorgehen
bei einer Hoftor-Bilanz die Nährstoffzufuhr (z. B. über Mineraldünger, Futterzukauf, Saatgut,
Nutztierzukauf, biologische N-Fixierung über Leguminosen) und die Nährstoffabfuhr (z. B.
über pflanzliche und tierische Verkaufsprodukte, Gülle) des Betriebes bilanzieren. Die am
14.12.2017 in Kraft getretene Stoffstrombilanzverordnung enthält Vorschriften zur Ermittlung
und Aufzeichnung der Nährstoffmengen an Phosphor und Stickstoff. Zudem enthält sie für
Stickstoff Vorgaben zur Bewertung des Saldos. Betroffen von der StoffBilV sind:
1. Betriebe mit einer Tierbesatzdichte von mehr als 2,5 GV je Hektar und mehr als 50 GV je
Betrieb (ab 01.01.2023 alle Betriebe größer 20 ha oder mehr als 50 GV)
2. Viehhaltende Betriebe, die die Schwellenwerte (1) unterschreiten und die außerhalb des
Betriebs anfallende Wirtschaftsdünger aufnehmen.
3. Biogasanlagen, wenn ein funktionaler Zusammenhang zu einem viehhaltenden Betrieb
nach (1) oder (2) besteht und dem Betrieb von diesem oder sonst außerhalb des Betriebs
anfallender Wirtschaftsdünger zugeführt wird.
4. Betriebe mit mehr als 750 kg N-Anfall aus eigener Tierhaltung und Überschreitungen im
Rahmen des Nährstoffvergleichs nach DüV im Vorjahr (§ 3 Abs. 4 StoffBilV)
Bei der Ausgestaltung der Fütterung kommt es zu einer Abkehr vom „Komponenten-Denken“
hin zu einer viel stärkeren Beachtung des „Denkens in Inhaltsstoffen“, weil die N- und P-
Frachten bilanziert werden. Es gilt also einen möglichst hohen Anteil an Nährstoffen im Leis-
tungsprodukt zu binden und einen möglichst geringen Überschuss über die Gülle zu emittie-
ren. Bei flächenknappen Betrieben sind beispielsweise Futtermittel vorzüglich, die einen
möglichst geringen, stark am Bedarf orientierten Gehalt an Phosphor aufweisen.
Um die Stickstoffeffizienz in der Fütterung zu verbessern, sind moderne Fütterungskonzepte
notwendig. Grundsätzlich können die Futterkosten für den Betrieb sogar sinken, wenn die
Ration weniger Sojaextraktionsschrot und dafür mehr synthetische Aminosäuren aus dem
Mineralfutter enthält, da diese unter den aktuellen Preisrelationen günstigere Aminosäurelie-
feranten als die klassischen Proteinträger darstellen. Letztendlich haben Schweine keinen
Bedarf an Rohprotein, sondern an dünndarmverdaulichen Aminosäuren. Besonders ins Ge-
wicht fallen die P-Frachten aus den Mineralfuttermitteln, aber z. B. auch aus Proteinträgern
wie Rapsextraktionsschrot. Gleichwohl ist es nachteilig, wenn auf hohen Proteingehalt aus-
gedüngter Mahlweizen im Futtertrog landet, was eher die Regel als die Ausnahme ist. Es
gelangt auch heute noch alles in den Futtertrog, was in den Mühlen für die Mehlproduktion
nicht gebraucht wird. Mit dem Ziel einer geringeren Umweltbelastung sollten perspektivisch
die Verwertungsrichtungen in Back- und Futterweizen schon bei der Sortenentwicklung und
Sortenauswahl stärker beachtet und dementsprechend bei der Düngung auch behandelt
werden.
Leider geht es bei der Bilanzierung nur um die Brutto-Nähstoffmengen, unbeachtet bleibt die
Verdaulichkeit der Nährstoffe. So hat der Phosphor aus Nebenprodukten der Milchverarbei-
tung eine viel höhere Verdaulichkeit als aus Weizen oder Gerste. So bleiben mehr Nährstoffe
im Tier und es wird weniger Phosphor wieder ausgeschieden. Es wäre wünschenswert,
wenn die Bewertung in Zukunft realistischer würde.
Durch die Stoffstrombilanz haben sich die Grundsätze der Schweinefütterung nicht geändert,
aber die Rahmenbedingungen. Der Betrieb sollte schon beim Pflanzenbau (Anbauplanung,
Düngungsregime), beim Futterzukauf (Eiweißfuttermittel, Mineralfutter, Nebenprodukte) und
nicht erst bei der Rationsgestaltung an die Fütterung denken. Das Ziel ist ein kontinuierlicher
Verbesserungsprozess über ein systematisches Futtercontrolling nach dem Prinzip: Planen,
Durchführen, Überprüfen und Verbessern.

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Nach der Mittagspause wurde eine weitere Facette der Zukunft mit den
„Perspektiven und
Grenzen einer GVO-freien Fütterung“
von Dr. Manfred Weber vom LLG in Iden beschrie-
ben. Vor einiger Zeit haben die führenden Handelsunternehmen den Verzicht auf gentech-
nisch veränderte Pflanzen in der Milcherzeugung, allen voran Soja, quasi über Nacht umge-
setzt. Die Frage, ob so etwas auch in der Fütterung der Schweine möglich ist, hängt ab von
„postfaktischen“ Ängsten der Verbraucher vor gentechnisch veränderten Lebensmitteln, von
der Kritik an den mit Landnutzungsänderungen verbundenen Anbauverfahren in Übersee,
oder auch nur von der Frage ab, ob sich Marketingargumente für den LEH ergeben. Letzte-
res wird zurzeit noch bei der Vermarktung in Nischenprodukten (z. B. LIDL „ohne Gentechnik
Siegel) erprobt. Aus Sicht der Fütterung ist ein teilweiser oder sogar vollständiger Austausch
von Soja gegen einheimische Eiweißträger wie Rapsschrot, Futtererbsen oder Ackerbohnen
und Lupinen möglich. Teilweise ergeben sich sogar Synergieeffekte im Aminosäurenmuster
wie zum Beispiel bei der Kombination von Rapsschrot und Futtererbsen.
Abbildung
Vergleich Rohprotein- und Energie Gehalt sowie Proteinqualität von
einheimischen Körnerleguminosen im Vergleich zu Sojaextraktionsschrot (SES)
Mastversuche mit den hinsichtlich des Futterwertes am Markt deutlich unterbewerteten Fut-
tererbsen führen gegenüber Sojamischungen zu einem geringeren Futteraufwand. Das kann
möglicherweise mit einem höheren Anteil an Stärke in der Ration erklärt werden, die erst in
hinteren Darmabschnitten verdaut wird und so die Darmgesundheit verbessert. Diese spielt
bei den hohen Zunahmen (<900 g MTZ) heute eine größere Rolle als früher. Bei den aktuel-
len Preisen von etwa 20 € je dt Weizen und 30 € je dt Soja wären die genannten Körnerle-
guminosen (Erbsen, Bohnen, Lupinen) etwa 25 € je dt im Schweinefutter wert. Die Ernteprei-
se lagen 2018 grob überschlagen etwa 30 % niedriger. Eine realistischere Bewertung des
Marktpreises am Futterwert würde möglicherweise die Anbaumengen erhöhen. Denn das
Problem ist nicht die im Rahmen des Monitorings herausgearbeitete größere Sorten- und
Jahres abhängige Schwankung der Eiweißgehalte, sondern die geringe Verfügbarkeit der
einheimischen Proteinträger. Um auch die Schweine zum großen Teil GVO frei zu füttern,
wären knapp 7 Millionen Tonnen Rapsextraktionsschrot (RES) erforderlich. Die verfügbaren
4 Millionen Tonnen landen aufgrund ihrer besseren Verwertbarkeit überwiegend im Trog für
die Milchkühe. Auch bei Verwendung von non-GVO-Soja (zum großen Teil aus dem Donau
Bereich) kann der mögliche Bedarf bei Weitem nicht gedeckt werden. Dabei ist der Anbau
einheimischer Leguminosen mit unter 1 % der Anbaufläche je Leguminosenart sogar eher
rückläufig. Der Gesamtverbrauch an Sojaschrot in der EU-28 übersteigt die weltweit verfüg-
bare Menge an non-GV-Sojaschrot um mehr als das Vierfache. Somit bleibt festzustellen,
dass Schweine ganz (Mastschweine, tragende Sauen) oder teilweise (Ferkel) ohne So-
jaschrot gefüttert werden können. Alternativen bestehen in Rapsschrot, Körnerleguminosen,
GVO-freien Sojaschroten und einigen anderen Proteinfuttermitteln. Diese sind aber nicht in
ausreichenden Mengen verfügbar. Der Einsatz kann durch weitere Maßnahmen wie Protein-
reduzierung unter Einsatz größerer Mengen an kristallinen Aminosäuren reduziert werden.

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GVO-freie Sojaschrote sind bis zu 15 €/dt teurer und verteuern so die Futterkosten erheblich
(4 - 8 €/Schwein).
Im LfULG eigenen Vortrag wurde das
„Konzept einer zweiten Futterstrecke im Stall der
Zukunft“
vorgestellt. Schweinen in intensiven Haltungssystemen wird ein grundsätzliches
Beschäftigungsdefizit unterstellt, was häufig als der wichtigste Auslöser für Verhaltensstö-
rungen gesehen wird. Das Beschäftigungsdefizit entsteht, weil die auf Futteraufnahme ge-
züchteten Schweine eine hohe Affinität zum Futter haben, gleichzeitig aber nur wenig Zeit für
die Futteraufnahme benötigen. Wenn das nach EU-Vorgaben zukünftig verstärkt anzubie-
tende Beschäftigungsmaterial (EU 2016/336 vom 8. März 2016) nicht nur kau- und fressbar,
sondern von „ernährungsphysiologischem Nutzen“ sein soll, dann spricht viel für den Einsatz
von schüttfähigem „Beschäftigungsfutter“. Dieses verbessert die hygienischen Vorausset-
zungen für einen Einsatz in Betrieben mit hohem Gesundheitsstatus und schafft die techni-
schen Voraussetzungen für eine mechanisierte Futtervorlage sowie die Grundlage für aus-
reichende Beschäftigungszeiten. In eigenen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden,
dass faserreiche pelletierte Ergänzungsfuttermittel sowie torfartige Wühlerden die Faserver-
sorgung in einem Maße verbessern, wie sie im Hauptfutter fehlt (+ 0,7 %). Auch andere Fut-
terbestandteile (Mg, Na, Tryptophan), die im Hauptfutter schwer unterzubringen sind, könn-
ten Bestandteile des 2. Futters werden. Alle eingesetzten Beschäftigungsfutter (Verarbei-
tungsprodukte aus Luzerne, Gras, Torf) wirkten sich vor allem bei unkupierten Ferkeln ten-
denziell positiv auf unerwünschte Verhaltensweisen oder Nekrosen aus. Mykotoxin belaste-
tes Stroh bewirkte eher das Gegenteil. Der (erwünschte) Gesamtverzehr, bzw. die Beschäf-
tigungszeit wird vom Produkt (z. B. Zuckergehalt), aber auch stark von der Vorlagefrequenz
bestimmt. Um mit diesem Konzept auch arbeitswirtschaftlich günstig zu arbeiten spricht viel
für das Prinzip einer 2. Futterkette, die kleine Mengen Beschäftigungsfutter über den Tag
verteilt in hoher Frequenz vorlegt.
Im Rahmen des ersten Praktikervortrages berichtete Mark Reinken vom Ferkelzuchtbetrieb
Reichenbach GmbH & Co. KG über
„Tier- und leistungsgerechte Sauenfütterung“.
Der
Betrieb wirtschaftet mittlerweile an drei verschiedenen Standorten. Am Standort Reichen-
bach erzeugen 3.300 Sauen aus dem Bundeshybridzuchtprogramm (BHZP) Mastferkel (Vik-
toria x DB 77) und F1-Jungsauen (Viktoria = Edelschwein BHZP x Landrasse). Die Fer-
kelaufzucht erfolgt in Ehrenberg auf 14.400 Ferkelaufzuchtplätzen. Die Jungsauen werden in
Seifersdorf (1.440 Plätze) aufgezogen. An allen Standorten werden die Tiere über eine Flüs-
sigfütterungsanlage (Restlosfütterung oder Stichleitungsprinzip) versorgt. Dort werden die für
die Fütterung vorgesehenen Getreide (Weizen, Gerste) gelagert und es erfolgt vor Ort eine
Silierung von Mais und Zuckerrübenschnitzeln in Schläuchen und Siloballen. Das Ziel ist die
Aufwertung der Futterrationen mit preiswerter Rohfaser (ca. 24 €/Tonne) und damit die Nut-
zung der oben genannten Zusammenhänge. Diese enthält in der Trockensubstanz 350 g
NDF und 230 g ADF. Nach den praktischen Erfahrungen des Betriebes sollte der Mais auf
3 bis 4 mm Schnittlänge gehäckselt und in einem Mischungsverhältnis zu den Rübenschnit-
zeln von 1:1 bezogen auf das Gewicht und von 2:1 bezogen auf die Trockenmasse unter
Einsatz von Siliermitteln siliert werden. Die Silage wird mit einem Teleskoplader in eine CCM
Annahmestationen gefüllt und mit Wasser aufgemischt. Danach erfolgt eine intensive Zer-
kleinerung des Gemisches („Rotocut“), die nach wissenschaftlichen Erfahrungen zu einem
mechanischen Aufschluss führt und so nicht nur die Pumpfähigkeit, sondern auch die Ver-
daulichkeit der Faser erhöht. Der Betrieb verspricht sich von dem relativ aufwändigen Ver-
fahren eine bessere Sättigung und Verdauung (Dickdarmaktivität) der Schweine und über die
hohen und zugleich preiswerten Gehalte der Ration an bakteriell fermentierbarer Substanz
eine Prophylaxe gegen Aggressivität und Kannibalismus. So hat der Betrieb für sich (Flüssig-
fütterung) ein praktikables Verfahren entwickelt, um die Rohfaserversorgung und das Tier-
wohl zu verbessern und gleichzeitig Kosten zu sparen.
Eine
„Neubewertung von Futterkomponenten in der Schweinemast“
versuchte Lothar
Schlegel von der Schlegel GbR Ackerbau und Schweinemast in Kühren. Auch in diesem

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Betrieb machen die Futterkosten mit etwa 70 € pro Mastschwein zurzeit mehr als die Hälfte
der Gesamtkosten von 137 € pro Mastschwein aus. Bislang waren hohe biologische Leistun-
gen (963 g MTZ, FA = 1:2,71) und geringe Tierverluste 1,43 %) ein Garant für die Wirtschaft-
lichkeit der Schweinemast. Aufgrund der schlechten Auszahlungspreise von 1,36 €/kg
Schlachtgewicht liegen die Erlöse aber jetzt deutlich niedriger als die Kosten, so dass die
Schweinemast zurzeit nicht rentabel ist. Das war in der Vergangenheit anders. Noch im ver-
gangenen Wirtschaftsjahr lagen die Kosten pro dt Futter bzw. pro kg Zuwachs ca. 25 % nied-
riger. Dabei setzt der Betrieb nicht nur wirtschaftseigenes Getreide, sondern auch relativ
preiswerte Nebenprodukte (Getreide oder Kartoffelschlempe) ein. Diese haben gegenüber
dem Getreide (+ 30 %) eine geringere Preisentwicklung (+ 10 %) und sind somit attraktiver
als früher und sind obendrein GVO-frei. Gleichwohl ist die Gerste in der Schweinemast mit
Preisen von z. T. über 200 €/Tonne auf dem Papier noch etwas unattraktiver als Weizen.
Trotzdem kann die Futtergerste aufgrund ihrer besonderen Rohfaser- und Kohlenhydratfrak-
tion und ihrer Bedeutung für die Darmgesundheit der Schweine nur schwer ersetzt werden.
Das belegen nicht zuletzt die Marktpreise. Eine zunehmende Rolle wird in Zukunft der Futter-
roggen einnehmen, dessen besondere Kohlenhydratfraktion (Fruktane) ebenfalls zu einer
stärkeren Dickdarmverdauung und Buttersäurebildung führt und sogar eine gewisse Entlas-
tung bei Problemen mit Ebergeruch und Salmonellen bringen soll. Um wieder wirtschaftlich
Schweine zu mästen müssen die Futterkosten sinken oder die Auszahlungspreise steigen.
Fazit und Ausblick
Die Fütterung der Schweine wird zukunftsfähig, wenn es gelingt sie nicht nur als Kostenfak-
tor, sondern auch unter dem Gesichtspunkt gestiegener Ansprüche für Leistung und Ge-
sundheit der Tiere, sowie als umweltrelevanten Faktor zu verstehen und zu verbessern. Dar-
über hinaus werden über die Fütterung zukünftig Ansprüche an die Prozessqualität (Tier-
wohl, GVO bzw. non GVO Fütterung) gestellt. Dabei müssen grundsätzlich keine Zielkonflik-
te entstehen. Im Gegenteil führt eine möglichst bedarfsgerechte Fütterung dazu, dass mehr
Nährstoffe im Leistungsprodukt gebunden und weniger klimarelevante Emissionen in die
Gülle bzw. in die Umwelt gelangen. Gleichzeitig wird der Stoffwechsel der hochleistenden
Tiere entlastet und die Gesundheit verbessert. Dabei spielt vor allem die Beeinflussung der
Darmgesundheit, die in vielen Facetten von der Geburt (Dauer, MMA) bis hin zur Haltung
und Beschäftigung von unkupierten Tieren (Ohr- und Schwanznekrosen) möglich ist, die
größte Rolle. Denn „Schweinegesundheit ist Darmgesundheit“ und Tiergesundheit ist die
Grundvoraussetzung für das von allen Seiten gewünschte Tierwohl. Um hier weitere Fort-
schritte zu erzielen müssen die dafür relevanten Futterbestandteile, allen voran die Rohfa-
ser- aber auch die Kohlenhydratfraktion zukünftig genauer bewertet werden als das heute
der Fall ist. Auch zeigt die landwirtschaftliche Praxis, dass hier Innovationskraft angelegt und
Bereitschaft vorhanden ist eingefahrene Wege zu verlassen nicht nur um Kosten zu senken,
sondern um ernährungsphysiologische Ansprüche der zunehmend hoch leistenden Tiere zu
erfüllen. Damit diese Stärken der in Sachsen ansonsten gut aufgestellten Betriebe zum Tra-
gen kommen bedarf es aber kostendeckender Auszahlungspreise und verlässlicher politi-
scher Rahmenbedingungen.