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Eckwerte
Bildung für nachhaltige Entwicklung
Januar 2019

Wir sind die erste Generation, die die Armut abschaffen kann und sind die letzte Generation, die
den Klimawandel aufhalten kann.
1
Ban Ki-moon, 8. UN-Generalsekretär
1
“We are the first generation that can put an end to poverty and we are the last generation that can put an end to
climate change, […].” Ban Ki-moon, 28.05.2015 in Leuven, Belgien.
https://www.un.org/press/en/2015/sgsm16800.doc.htm
(aufgerufen am 01.02.2019)

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Inhalt
Vorbemerkung ..................................................................................................................... 4
1
Einführung .................................................................................................................. 4
2
Begriffsbestimmungen .............................................................................................. 5
3
Ziele und Inhalt einer Bildung für nachhaltige Entwicklung ................................... 5
4
Ebenen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule ......................... 7
4.1
Bildung für nachhaltige Entwicklung auf der Schulebene ............................................. 7
4.2
Bildung für nachhaltige Entwicklung auf der Ebene des Unterrichts ............................. 8
Hinweis: Unterstreichungen von Textpassagen weisen auf eine Verlinkung auf Webseiten hin.
Titelgrafik: STAWOWY, Kommunikation Medien Politik

 
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Vorbemerkung
Das vorliegende Eckwertepapier richtet sich an Lehrerinnen und Lehrer sowie Schulleiterinnen
und Schulleiter, an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Schulaufsicht und der mit der Lehrerbil-
dung betrauten Einrichtungen sowie der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Es
richtet sich darüber hinaus an außerschulische Bildungsakteure, die Bildung für nachhaltige
Entwicklung maßgeblich unterstützen können. Angesprochen werden auch Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter z. B.
des Schulträgers sowie pädagogische und nichtpädagogische Fachkräfte,
wie Schulassistenzen, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter. Das Eckwertepapier
setzt einen verbindlichen Handlungsrahmen für die Gestaltung der Bildung für nachhaltige Ent-
wicklung in der Schule, der von allen Beteiligten kreativ und verantwortungsvoll ausgestaltet
wird.
1 Einführung
Wirtschaftliche Globalisierungsprozesse, soziale Ungleichheiten und klimatische Veränderun-
gen kennzeichnen die Dringlichkeit eines
tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels. Die Bewäl-
tigung gesellschaftlicher Herausforderungen wie Extremismus, humanitäre Krisen, zunehmende
Umweltkatastrophen sowie die Erschöpfung natürlicher Ressourcen und der daraus resultieren-
de Strukturwandel sind zukunftsentscheidende Fragen, auf die Antworten gefunden werden
müssen. Lösungsansätze müssen eine nachhaltige Entwicklung auf unserem Planeten ermögli-
chen und dürfen sich nicht zu Lasten künftiger Generationen oder Menschen in anderen Regio-
nen auswirken.
Bildung für nachhaltige Entwicklung kommt damit eine Schlüsselrolle zu. Sie ermöglicht ein fun-
diertes Verständnis der Herausforderungen und eine kritische Diskussion über mögliche Lö-
sungswege sowie die Entwicklung eines Bewusstseins für nachhaltige Handlungsalternativen.
Diese zentrale Rolle spiegelt sich, ausgehend vom
UNESCO-Weltaktionsprogramm
Bildung
für
nachhaltige
Entwicklung
zur Umsetzung des Nachhaltigkeitszieles
2
„Hochwertige Bildung“ der
Agenda
2030,
im
Nationalen
Aktionsplan
Bildung
für
nachhaltige
Entwicklung
der Bundesrepub-
lik Deutschland wider. In der
Empfehlung
der
Ständigen
Konferenz
der
Kultusminister
der Län-
der in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK)
zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule“ werden konkrete Hinweise für die Um-
setzung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule und förderliche Rahmenbedin-
gungen gegeben. Darauf aufbauend gibt der
„Orientierungsrahmen
für
den
Lernbereich
Globale
Entwicklung“
3
der Kultusministerkonferenz (KMK) und des Bundesministeriums für wirtschaftli-
che Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Anregungen für die Umsetzung in Schule und
Unterricht.
Die
Nachhaltigkeitsstrategie
für den Freistaat Sachsen und die
Sächsische
Landesstrategie
Bildung
für
nachhaltige
Entwicklung
geben die strategischen Ziele für die Schulpolitik vor.
Darüber hinaus orientiert sich das Eckwertepapier an grundlegenden fachdidaktischen Ansät-
zen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung. Es beinhaltet Bildungs- und Erziehungsziele für
die Gestaltung von Schule und Unterricht an allen sächsischen Schulen.
Ziel ist es, das Konzept der Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Schulen zu verankern,
so dass Schülerinnen und Schüler Kompetenzen für eine nachhaltige Entwicklung erwerben.
2
Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (engl.: Sustainable Development Goals, SDGs)
3
Langfassung des Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung unter
https://www.globaleslernen.de/sites/default/files/files/link-
elements/orientierungsrahmen_fuer_den_lernbereich_globale_entwicklung_barrierefrei.pdf
(aufgerufen am
04.12.2018).

 
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Begriffsbestimmungen
Den Ausgangspunkt für die Umsetzung einer Bildung für nachhaltige Entwicklung stellt die Be-
stimmung des Begriffes Nachhaltige Entwicklung dar.
Nachhaltige Entwicklung
ist ein Prozess, der weltweite Gerechtigkeit, zukunftsfähige wirt-
schaftliche Weiterentwicklung und den Erhalt der Natur zum Ziel hat. Alle Menschen sollen ein
würdiges und gleichberechtigtes Leben in Frieden und Wohlstand innerhalb eines dauerhaft
tragfähigen Ökosystems führen können. Entwicklung sollte somit nicht auf Kosten anderer
Menschen - weder jetziger noch zukünftiger Generationen - oder der Umwelt, sondern chan-
cengerecht und zukunftsfähig, erfolgen.
4
Gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritt für eine positive Entwicklung der Lebensquali-
tät aller kann es langfristig nur geben, wenn wir unsere natürliche Lebensgrundlage intakt hal-
ten. Doch auch ein effektiver Schutz unserer Umwelt wird nur dann gelingen, wenn Menschen
nicht um ihre Existenz kämpfen müssen.
5
Eine nachhaltige Entwicklung berücksichtigt demnach
die ökologische, die soziale und die ökonomische Dimension gleichermaßen und auf allen Ebe-
nen von lokal über regional bis global. Sie berücksichtigt damit auch eine demokratische Politik-
gestaltung sowie kulturelle Aspekte.
6
Herausforderungen wie Hunger und Armut oder die Folgen der globalen Erwärmung verdeutli-
chen die Dringlichkeit eines gesellschaftlichen Wandels hin zu einer nachhaltigen Entwicklung.
Eine Schlüsselrolle nimmt dabei
Bildung für nachhaltige Entwicklung
ein. Sie ermöglicht den
Erwerb von Wissen, Kompetenzen und Werten, um Menschen zu zukunftsfähigem Denken und
Handeln zu befähigen.
7
Die Auseinandersetzung mit globalen Themen, deren sozialen, ökono-
mischen und ökologischen Aspekten sowie Bezügen zur eigenen Lebenswelt, ist dabei grund-
legend. Probleme nicht-nachhaltiger Entwicklung können erkannt und bewertet sowie das Wis-
sen über nachhaltige Entwicklung angewendet werden.
8
Auch die eigenen Bedürfnisse und das
eigene Handeln müssen dahingehend reflektiert werden, so dass jede und jeder Einzelne die
Auswirkungen, nicht nur auf sich und das Umfeld, sondern auch auf die Welt verstehen und
verantwortungsvolle Entscheidungen treffen kann.
7
Schülerinnen und Schüler sollen befähigt
werden, das eigene Handeln entsprechend auszurichten und darüber hinaus gemeinsam ge-
sellschaftliche Veränderungen anzuregen und zu gestalten.
3 Ziele und Inhalt einer Bildung für nachhaltige Entwicklung
Das sächsische Schulgesetz formuliert Bildung für nachhaltige Entwicklung als einen Bestand-
teil des Erziehungs- und Bildungsauftrags der Schule. „Die Schule ermutigt die Schülerinnen
und Schüler, sich mit Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, mit Politik, Wirtschaft,
Umwelt und Kultur auseinanderzusetzen, befähigt sie zu zukunftsfähigem Denken und weckt
ihre Bereitschaft zu sozialem und nachhaltigem Handeln.“
9
Um diesem Anspruch gerecht zu
werden, wird nachhaltiges Handeln bzw. Nachhaltigkeit als überfachliches Ziel des Unterrichts
etabliert und darüber hinaus auf allen Ebenen von Schule umgesetzt.
4
UN Sustainable Development Goals Knowledge Platform,
https://sustainabledevelopment.un.org/
(aufgerufen am
19.11.2018).
5
UNESCO-Weltaktionsprogramm Bildung für nachhaltige Entwicklung,
https://www.bne-portal.de/de/einstieg/was-
ist-bne
(aufgerufen am 19.11.2018).
6
KMK, DUK (2007): Empfehlung der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik
Deutschland (KMK) und der Deutschen UNESCO-Kommission (DUK) zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung in
der Schule“, S. 4.
7
Nationale Plattform Bildung für nachhaltige Entwicklung (2017): Nationaler Aktionsplan Bildung für nachhaltige
Entwicklung 2017, S. 7 f.
8
de Haan, G. (2002): Die Kernthemen der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Zeitschrift für internationale
Bildungsforschung und Entwicklungspädagogik 25 (2002) 1, S. 13–20.
9
SächsSchulG § 1 Abs. 6

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Die Schülerinnen und Schüler setzen sich, ausgehend von den eigenen Lebensweltbezügen,
mit lokalen, regionalen und globalen Entwicklungen auseinander. Sie lernen, Auswirkungen von
Entscheidungen auf das Leben der Menschen, auf die Umwelt und die Wirtschaft abzuschät-
zen. Sie setzen sich bewusst für eine ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltige Entwick-
lung ein und wirken gestaltend daran mit. Dabei kennen und nutzen sie Partizipationsmöglich-
keiten.
Bildung für nachhaltige Entwicklung trägt hinsichtlich des Wissenserwerbs, der Kompetenzent-
wicklung und der Werteorientierung in besonderem Maße zur Persönlichkeitsentwicklung bei.
Die Schule legt die Grundlagen für Bildung für nachhaltige Entwicklung als einen lebenslangen
Lernprozess.
Die Schülerinnen und Schüler
erwerben Wissen über gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Sachverhalte in
ihrer globalen Komplexität und Interdependenz.
erkennen die soziokulturelle und natürliche Vielfalt in der Einen Welt an.
machen sich eigene und fremde Wertorientierungen in ihrer Bedeutung für die Lebensge-
staltung bewusst, würdigen diese und reflektieren sie in Hinblick auf eine nachhaltige Ent-
wicklung.
analysieren Globalisierungsprozesse und reflektieren dabei unterschiedliche Handlungs-
ebenen und Verantwortlichkeiten.
positionieren sich zu lokalen, regionalen und globalen Entwicklungsprozessen unter Be-
rücksichtigung unterschiedlicher Interessen und Rahmenbedingungen.
gestalten Kommunikationsprozesse, um soziokulturelle und interessenbestimmte Barrieren
in der Zusammenarbeit und bei Konfliktlösungen zu überwinden.
entwickeln die Fähigkeit und Bereitschaft, persönliche Mitverantwortung für Mensch und
Umwelt zu übernehmen.
gestalten ihr privates, schulisches und künftiges berufliches Leben nachhaltig. Sie beteiligen
sich an der Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsprozesse auf gesellschaftlicher und politi-
scher Ebene.
Als integratives Bildungskonzept verbindet Bildung für nachhaltige Entwicklung Umweltbildung,
Globales Lernen und weitere, sich am Ziel einer nachhaltigen Entwicklung orientierende, Bil-
dungsansätze.
10
Damit bietet sie sich wie kaum ein anderes Thema für die Verknüpfung mit
bildungspolitischen Schwerpunkten wie politischer Bildung, Medienbildung und Interkulturalität
an.
10
BMZ, KMK (2016): Orientierungsrahmen für den Lernbereich Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für
nachhaltige Entwicklung. Bonn: Engagement Global gGmbH, 2. Auflage, S. 31.

 
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4 Ebenen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule
Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Schule folgt einem gesamtinstitutionellen Ansatz.
11
Sie wird auf der Schulebene und auf der Unterrichtsebene als Querschnittsaufgabe umgesetzt.
4.1
Bildung für nachhaltige Entwicklung auf der Schulebene
Lernen, und damit auch Bildung für nachhaltige Entwicklung, erfolgt weit über den Unterricht
hinaus und beeinflusst alle (Qualitäts-)Bereiche. Schulkultur, Führung und Management der
Schule, die Professionalität der Akteure und die Kooperationen prägen das Lehren und Lernen
und definieren die Schule als einen Lernort. Wird Schule zu einem nachhaltigen Lernort, ermög-
licht sie Schülerinnen und Schülern Lernerfahrungen, die sie zur Mitgestaltung der Gesellschaft
befähigen. Bildungsprozesse so zu gestalten, dass Kinder und Jugendliche zukunftsfähig den-
ken und handeln, ist eine Herausforderung, die als langfristige Entwicklungsperspektive ange-
legt wird. Hier geht es um eine zukunftsweisende Ausrichtung der schulischen Entwicklung.
In einem von der Schulleitung getragenen und verantworteten Prozess, in den die schulischen
Gremien der Schülerschaft, Elternschaft und Lehrerschaft eingebunden sind, werden Entschei-
dungen über die Ausrichtung der Schule an einem Leitbild für nachhaltige Entwicklung getroffen
und im Schulprogramm verankert. Die grundsätzliche Entscheidung, sich als nachhaltig agie-
rende Schule zu profilieren, ist ein konsequenter Schritt, wenn Nachhaltigkeitsprojekte oder
-initiativen etabliert sind, die den Schulalltag in immer stärkerem Maße prägen. Fach- und Klas-
senkonferenzen beschreiben für ihren Bereich, wie nachhaltige Entwicklung kurz-, mittel- und
langfristig aussehen und welchen Qualitätskriterien sie genügen soll. Das setzt ein hohes Maß
an Professionalität der Lehrerinnen und Lehrer voraus. Sie zeigt sich neben der didaktisch-
methodischen Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsziele im Unterricht vor allem in der Vor-
bildwirkung bei der Entwicklung der Schule zu einem nachhaltigen Lernort. Einen wesentlichen
Beitrag dazu leistet Fortbildung, die durch die Schulleitung mit Unterstützung der Schulaufsicht
geplant und umgesetzt wird. Professionalität spiegelt sich auch in der Bereitschaft wider, in ei-
nen diskursiven Prozess um einen von allen Beteiligten getragenen Konsens zu den Entwick-
lungszielen und -wegen zu treten. Partizipation als ein zentraler Erfolgsfaktor für Entwicklungs-
prozesse ist gleichzeitig ein Bildungsziel, denn sie ermöglicht es sowohl
den Schülerinnen und
Schülern
als
auch Lehrkräften und Eltern, sich in gesellschaftliche Prozesse aktiv einzubringen.
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist als bildungspolitischer Schwerpunkt richtungsweisend
für die Etablierung einer nachhaltigen Schulkultur und damit für Schulentwicklungsprozesse.
Eine kompetente Unterstützung bieten dabei externe Partnerinnen und Partner, die einerseits
den Entwicklungsprozess begleiten (Unterstützung der Prozessgestaltung) und andererseits
ihre Expertise im Bereich Nachhaltigkeit einbringen. Netzwerke, Kooperationen und Partner-
schaften können unterstützend eingebunden werden. Schulen können dabei auf eine große
Vielfalt an Möglichkeiten zurückgreifen, exemplarisch seien hier Schulnetzwerke wie
UNESCO-
Projektschulen
und
Klimaschulen
in
Sachsen,
Kooperationen mit Akteuren der lokalen Bil-
dungslandschaft wie Nicht-Regierungsorganisationen und Partnerschaften mit Schulen im Glo-
balen Süden genannt.
Bildung für nachhaltige Entwicklung zielt auch auf die Schule als Teil der Kommune. Koopera-
tionen mit lokalen Partnerinnen und Partnern wie der Gemeindeverwaltung, Vereinen, Kultur-
und Jugendzentren, Seniorenheimen, aber auch nachhaltig agierenden Unternehmen stehen
exemplarisch für die Möglichkeiten in der Region. Der offene Austausch und die Kommunikation
über Bildung für nachhaltige Entwicklung trägt zur Verankerung in der lokalen Bildungsland-
schaft und Verbreitung des Nachhaltigkeitsgedankens vor Ort bei. Außerschulische Lernorte
bieten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, lebensnah zu lernen und Verantwortung für
die Gemeinschaft zu übernehmen.
11
auch engl. whole school approach

 
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Eine entscheidende Rolle bei der Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in der
Schule kommt den Schulträgern zu. In enger Zusammenarbeit mit der Schulleitung, die die Inte-
ressen der gesamten Schulgemeinschaft vertritt, kann der Träger im hohen Maße zur Entwick-
lung zu einem nachhaltigen Lernort beitragen. Dabei gilt es, den Aspekt der Nachhaltigkeit bei
baulichen Maßnahmen sowie bei der Ausstattung der Schule zu berücksichtigen. Die Beschaf-
fung von Lernmitteln, Einrichtungsgegenständen und Materialien orientiert sich an ökonomi-
schen sowie sozialen und ökologischen Kriterien. Im Zuge von Neu-, Aus- und Umbauten misst
sich, inwieweit der Schulträger die Leitbildentwicklung Bildung für nachhaltige Entwicklung mit-
trägt.
Die Schulkultur wird sich durch die o. g. Entwicklungen verändern. Nicht nur die in einem parti-
zipativen Prozess entwickelten unterrichtsergänzenden Angebote tragen dazu bei und lassen
die Veränderungen bewusst werden. Werte und gelebte Normen in ihrer Auswirkung auf das
Schulklima werden im Alltag sichtbar und kennzeichnen den Weg zu einem nachhaltigen Lern-
ort.
Alle an Schule Beteiligten sind sich ihrer Vorbildwirkung bewusst und tragen diese Verantwor-
tung als gelebte Praxis. Diese umfasst neben dem eigenen nachhaltigen Handeln auch die För-
derung von Prozessen und Rahmenbedingungen, die nachhaltiges Handeln erst ermöglichen.
4.2
Bildung für nachhaltige Entwicklung auf der Ebene des Unterrichts
Bildung für nachhaltige Entwicklung ist keinem spezifischen Unterrichtsfach zuzuordnen. Sie
wird fachübergreifend und fächerverbindend umgesetzt. Als Querschnittsaufgabe mit eigenem,
überfachlichem Bildungsziel ist sie in allen Schularten und den Lehrplänen aller Unterrichts-
fächer verankert.
Um die Ziele einer Bildung für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, sind folgende spezifische
didaktische Prinzipien von zentraler Bedeutung
12
:
Visionsorientierung
Die Unterrichtsplanung und -durchführung orientieren sich am Entwurf einer erwünschten Zu-
kunft und gewähren einen konstruktiven Zugang zu gesellschaftlichen Entwicklungen. Das Be-
wusstmachen der Vielfalt der Zukunftsvisionen ist dabei Ausgangspunkt für das Entwerfen ge-
meinsamer Visionen im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung. Eine kritische Analyse aktu-
eller Herausforderungen bildet die Grundlage einer kreativen Visionsentwicklung, deren Um-
setzbarkeit auch beurteilt wird.
Vernetzendes Lernen
Das Prinzip des Vernetzenden Lernens umfasst zwei Aspekte, die für eine gelingende Bildung
für nachhaltige Entwicklung elementar sind. Zum einen ist Unterricht mehrperspektivisch, das
heißt, verschiedene Fach- und Akteursperspektiven werden aufgezeigt. Zum anderen führt Un-
terricht die Schülerinnen und Schüler hin zur Vernetzung. Die verschiedenen Perspektiven wer-
den zueinander in Beziehung gesetzt, Zusammenhänge werden erkannt und so eine Vernet-
zung ermöglicht. Dabei geht es um Beziehungen zwischen lokalen und globalen Gegebenhei-
ten, zwischen heutigen Geschehnissen und Entscheidungen und deren kurz-, mittel- und lang-
fristigen Auswirkungen sowie zwischen der ökologischen, der ökonomischen und der sozialen
Dimension.
12
Nachfolgende Ausführungen zu den BNE-spezifischen Prinzipien in Anlehnung an:
Künzli, C. & Bertschy, F. (2008): Didaktisches Konzept Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Bern: Interfakul-
täre Koordinationsstelle für Allgemeine Ökologie (IKAÖ), 3., überarbeitete Fassung, Typoskript.
http://www.ikaoe.unibe.ch/forschung/bineu
(aufgerufen am 07.02.2019)
Künzli David, C.,Bertschy, F. & Di Giulio, A. (2010): Bildung für eine Nachhaltige Entwicklung im Vergleich mit
Globalem Lernen und Umweltbildung. Schweizerische Zeitschrift für Bildungswissenschaften, 32 (2), 213–231.

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Partizipation
Partizipation bezeichnet eine Form der Beteiligung, die das Einflussnehmen auf Entscheidun-
gen, das Mittragen der Folgen dieser Entscheidungen und auch die Interaktion sowie den In-
formationsaustausch unter den Beteiligten beinhaltet. Schülerinnen und Schüler werden in Ent-
scheidungen einbezogen, sie bestimmen und gestalten mit. Dies gilt sowohl für Entscheidun-
gen, die einzelne Schülerinnen bzw. Schüler betreffen, als auch für Entscheidungen, die für die
Belange der Klasse als Gesamtheit bedeutsam sind. So erworbene Partizipations- und Selbst-
wirksamkeitserfahrungen sowie die Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Eingebun-
densein tragen zur Befähigung bei, an gesellschaftlichen Prozessen aktiv teilhaben zu können
und motivieren, dies auch umzusetzen.
Wie für die politische Bildung sind für die Bildung für nachhaltige Entwicklung die Prinzipien des
Beutelsbacher Konsens leitende didaktische Grundsätze. Überwältigungsverbot, Kontroversi-
tätsgebot sowie die Befähigung der Schülerinnen und Schüler, Situationen zu analysieren und
interessenbezogen zu beeinflussen, sind Grundsätze pädagogischer Arbeit.
Darüber hinaus gelten u. a. folgende allgemeine didaktische Prinzipien:
Handlungsorientierung
Lebensweltbezug
Wirklichkeitsnahe Situationen und Themen
Reflexions- und Diskursfähigkeit
Zusammenarbeit und Kooperation
fachübergreifendes und fächerverbindendes Denken und Lernen
Empathie und Perspektivwechsel
Die genannten Prinzipien sind für die Gestaltung der Lernprozesse handlungsleitend.
Lernarrangements werden so gestaltet, dass anschlussfähiges, lebenspraktisches, interdiszipli-
näres Wissen sowie Kompetenzen und Werteorientierungen im Sinne einer Bildung für nachhal-
tige Entwicklung erworben werden. Das bedeutet, sich mit sozialen und kulturellen Hintergrün-
den sowie ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen und
dabei deren wechselseitige Abhängigkeiten und Einflüsse zu erkennen, zu reflektieren und ent-
sprechend zu handeln. Lerninhalte eines jeden Unterrichtsfaches bieten den Schülerinnen und
Schülern dazu die Möglichkeit.
Die in den Lehrplänen verankerten Bildungs- und Erziehungsziele sowie Inhalte gilt es mit den
Kerngedanken einer nachhaltigen Entwicklung zu verknüpfen. An aktuellen Fragestellungen
oder Alltagserfahrungen der Lernenden orientierend, tragen dazu
folgende Leitfragen
13
bei:
Zeigt das Unterrichtsthema Beziehungen zwischen lokalen und globalen Gegebenheiten
und Prozessen auf?
Können Auswirkungen der Vergangenheit und Gegenwart auf zukünftige Generationen
thematisiert werden?
Kann an diesem Unterrichtsthema die Komplexität und das Zusammenwirken der sozialen,
ökonomischen und ökologischen Dimension aufgezeigt werden?
Können konkurrierende Interessen von Beteiligten aufgezeigt werden?
Ermöglicht das Unterrichtsthema eine kritische Auseinandersetzung mit Werteorientierun-
gen?
Können eigene Handlungsoptionen für eine nachhaltige Entwicklung erarbeitet werden?
13
Deutschschweizer Erziehungsdirektoren-Konferenz D-EDK (2016): Lehrplan 21. Gesamtausgabe, S. 41.

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Wichtig für eine Unterrichtsgestaltung im Sinne einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung
ist der Einsatz von vielfältigen, aktivierenden Methoden, die neben kognitiv-intellektuellen, auch
emotionale und körperliche Aspekte ansprechen. Um die Komplexität und Vielschichtigkeit des
Themas sichtbar und die Zusammenhänge und Wechselwirkungen fasslich und verständlich zu
machen, ist fachübergreifendes und fächerverbindendes Lernen unerlässlich. Projekttage, Ex-
kursionen, Klassenfahrten und Wettbewerbe sind Möglichkeiten, die schulspezifisch ausgestal-
tet werden können. Außerschulische Bildungsakteure und Lernorte bieten ergänzende Bil-
dungsangebote mit hohem Praxisbezug.
Zur Entwicklung einer hohen Professionalität bei der Behandlung von Nachhaltigkeitsthemen im
Unterricht sollen die Lehrerinnen und Lehrer aller Fächer die bereitgestellten Fortbil-
dungsangebote nutzen und die gewonnenen Erkenntnisse und Kompetenzen im Kollegium als
Multiplikatorinnen und Multiplikatoren weitergeben. Bildung für nachhaltige Entwicklung und
deren Umsetzung auf Unterrichtsebene müssen Eingang in die Curricula für die universitäre
Ausbildung und den Vorbereitungsdienst der einzelnen Lehrämter finden.
Damit wird deutlich, dass die Verantwortung für eine gelingende Bildung für nachhaltige Ent-
wicklung in Schule gemeinsam von allen am Bildungsprozess Beteiligten getragen wird und alle
institutionellen Ebenen einschließt.