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Gesundheitsbericht
der Sächsischen Bildungsagentur 2016
Gesundheit von Lehrkräften unterschiedlicher Schularten
mit Berücksichtigung von Alter und Geschlecht
SÄCHSISCHE
BILDUNGSAGENTUR

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Gesundheitsbericht
der Sächsischen Bildungsagentur 2016
Gesundheit von Lehrkräften unterschiedlicher Schularten
mit Berücksichtigung von Alter und Geschlecht
Reingard Seibt, Katja Meyer, Diana Druschke,
Anne Steputat, Silvia Spitzer, Klaus Scheuch
Dresden 2016
Institut und Poliklinik für
Arbeits-und Sozialmedizin

AACE American Association of Clinical Endocrinologists
AU-Tage Arbeitsunfähigkeitstage
BMI
Body-Mass-Index
BSZ
Berufsschulzentren (Lehrkräfte an Berufsschulen)
CHD
koronare Herzerkrankung (coronary heart disease)
DBB
Deutscher Beamtenbund
DEGS1
Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland
(1. Erhebungswelle)
DHL
Deutsche Hochdruckliga e.V.
DSM
Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders
ES
Effektstärke, praktische Bedeutsamkeit
FÖS
Förderschule (Lehrkräfte an Förderschulen)
GEDA
Gesundheit in Deutschland aktuell
GS Grundschulen (Lehrkräfte an Grundschulen)
GSP
Gesamtstichprobe (alle untersuchten Lehrkräfte)
GYM Gymnasien (Lehrkräfte an Gymnasien)
HDL
High Density Lipoprotein
Abkürzungen
Tabellen- und Abbildungsverzeichnis
Tab. 1.1:
Lehrkräfte getrennt nach allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Schuljahr 2014/2015 im Schulartvergleich
(nach Angaben des StLA des Freistaates Sachsen [28]und des StBa [27])
10
Tab. 2.1:
Verteilung der Lehrer und Lehrerinnen im Schulartvergleich (Angaben in Prozent und Anzahl)
13
Tab. 2.2:
Alter der Lehrer und Lehrerinnen nach Schularten und Altersgruppen (Angaben in Jahren)
13
Tab. 2.3:
Übersicht der analysierten Merkmale (Variablen) und deren Erhebungs- bzw. Analysequellen
14
Abb. 3.1a:
Zufriedenheit [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 1.662) mit dem Lehrerberuf und der Arbeit an der Schule
im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förder-
schule; BS: Berufsschule)
16
Abb. 3.1b:
Zufriedenheit [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 279) und Lehrerinnen (n = 1.383) mit dem Lehrerberuf und der
Arbeit an der Schule im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
16
Abb. 3.1c:
TNS Infratest-Befragung zur Zufriedenheit im Beruf [37] (n = 1.145)
17
Abb. 3.2a:
Verausgabung (Range: 3–15 Punkte) und Belohnung (Range: 7–35 Punkte) der Lehrkräfte (n = 412) im Schulartvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
18
Abb. 3.2b:
ER-Ratio (Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis) und dessen Klassifikation [31] der Lehrkräfte (n = 412) im Schul-
artvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule;
BS: Berufsschule)
18
Abb. 3.2c:
ER-Ratio (Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis) und dessen Klassifikation [31] der Lehrer (n = 77) und Lehrerinnen
(n = 335) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
19
Abb. 3.2d:
Klassifikation des ER-Ratio (Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis) [31] nationaler Lehrkräfte-Stichproben (KG: Kon-
trollgruppe; IG: Interventionsgruppe)
20
Abb. 3.3a:
Arbeitsunfähigkeit [Ausfalltage gesamt pro Person] der Lehrkräfte in den Jahren 2007–2014 im Schulartvergleich [33]
(GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule;
BS: Berufsschule)
21
Abb. 3.3b:
Arbeitsunfähigkeit wegen eigener Krankheit [Ausfalltage gesamt pro Person] der Lehrkräfte in den Jahren 2007 und
2014 im Schulartvergleich [33] (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium;
FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
21
Abb. 3.3c:
Arbeitsunfähigkeit [Ausfalltage pro Person] der Lehrkräfte im Jahr 2013 im Vergleich zu Versicherten gesetzlicher
Krankenkassen [48–50]
22
Abb. 3.3d:
Abgänge der Lehrkräfte in Sachsen im Schuljahr 2014/2015 nach Gründen [26]
23
Abb. 3.4a:
Sportliche Aktivität [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe;
GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
24
Abb. 3.4b:
Sportliche Aktivität [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe)
25
Abb. 3.4c:
Sportarten [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstich-
probe) 25
Abb. 3.4d:
Sportliche Aktivität [Häufigkeiten in %] der Männer und Frauen der Allgemeinbevölkerung (n = 7.758) im Altersver-
ergleich [54] (GSP: Gesamtstichprobe)
26
Abb. 3.5a:
Rauchverhalten [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe;
GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
26
Abb. 3.5b:
Rauchverhalten [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Alters- und Geschlechts-
vergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
27
ICD
International Classification of Diseases
LDL
Low Density Lipoprotein
IfL
Mainzer Institut für Lehrergesundheit
MBI-GS Maslach-Burnout-Inventory – General Survey
MW Mittelwert
N
Anzahl
OS Oberschulen (Lehrkräfte an Oberschulen –
früher Mittelschulen)
p-Wert
Wahrscheinlichkeit, Signifikanzniveau
SD Standardabweichung
SMK
Sächsisches Staatsministerium für Kultus
StBa statistisches Bundesamt
StLA statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen
VJ Versicherungsjahr (365 Tage entsprechen einem VJ)
WHO
Weltgesundheitsorganisation
WS Wirbelsäule
ZAGS Zentrum für Arbeit und Gesundheit Sachsen
2 |

| 3
Abb. 3.5c:
Rauchverhalten [Häufigkeiten in %] der Allgemeinbevölkerung (n = 7.899) im Altersvergleich [55] (GSP: Gesamtstich-
probe) 27
Abb. 3.6a:
Body-Mass-Index (BMI) [kg/m²] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [58] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulart-
vergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule;
BS: Berufsschule)
28
Abb. 3.6b:
Body-Mass-Index (BMI) [kg/m²] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [58] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen
(n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
28
Abb. 3.6c:
Body-Mass-Index (BMI) [kg/m²] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [58] der Männer und Frauen der Allgemein-
bevölkerung im Altersvergleich (n = 7.116) [59] (GSP: Gesamtstichprobe)
29
Abb. 3.7a:
Blutdruck (BD) [mmHg] und dessen Klassifikation (einschließlich der Einnahme von Antihypertensiva in den letzten 7 Tagen)
[Häufigkeiten in %] [60] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule;
OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
30
Abb. 3.7b:
Blutdruck (BD) [mmHg] und dessen Klassifikation (einschließlich der Einnahme von Antihypertensiva in den letzten 7 Tagen)
[Häufigkeiten in %] [60] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
31
Abb. 3.7c:
Blutdruck (BD) [mmHg] und dessen Klassifikation (einschließlich der Einnahme von Antihypertensiva in den letzten 7 Tagen)
[Häufigkeiten in %] [60, 61] der Allgemeinbevölkerung im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
32
Abb. 3.8a:
Gesamtcholesterin-Konzentration [mmol/l] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] (AACE) [63] der Lehrkräfte
(n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium;
FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
33
Abb. 3.8b:
Gesamtcholesterin-Konzentration [mmol/l] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] (AACE) [63] der Lehrer (n = 381)
und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
34
Abb. 3.8c:
Gesamtcholesterin-Konzentration [mmol/l] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] der Männer und Frauen der
Allgemeinbevölkerung im Altersvergleich (n = 7.038) [64] (GSP: Gesamtstichprobe)
34
Abb. 3.9a:
LDL/HDL-Ratio und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [65] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
35
Abb. 3.9b:
LDL/HDL-Ratio und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [65] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980)
im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
36
Abb. 3.10a:
Nüchternglukosewerte [mmol/l] und deren Klassifikation [Häufigkeiten in %] [68] der Lehrkräfte (n = 1.662) im Schulart-
vergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule;
BS: Berufsschule)
37
Abb. 3.10b:
Nüchternglukosewerte [mmol/l] und deren Klassifikation [Häufigkeiten in %] [68] der Lehrer (n = 279) und Lehrerinnen
(n = 1.383) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
37
Abb. 3.10c:
Diagnostizierter Diabetes in der Allgemeinbevölkerung (n = 7.080) [69] im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
38
Abb. 3.11a:
PROCAM-Score [Weibull Modell: Punktwerte] und Herzinfarktrisiko für die nächsten 10 Jahre [Häufigkeiten in %] [70]
der Lehrkräfte (n = 1.662) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule;
GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
39
Abb. 3.11b:
PROCAM-Score [Weibull Modell: Punktwerte] und Herzinfarktrisiko für die nächsten 10 Jahre [Häufigkeiten in %] [70]
der Lehrer (n = 279) und Lehrerinnen (n = 1.383) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
39
Abb. 3.11c:
Herzinfarktrisiko für die nächsten 10 Jahre [Häufigkeiten in %] der Männer (n = 5.150) und Frauen (n = 2.145) der All-
gemeinbevölkerung im Geschlechtsvergleich [70] (GSP: Gesamtstichprobe)
40
Abb. 3.12a:
Hauptbeschwerden und Erkrankungen [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (geordnet
nach der Häufigkeit der GSP) (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium;
FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
41
Abb. 3.12b:
Hauptbeschwerden und Erkrankungen [Anzahl] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe)
42
Abb. 3.12c:
Hauptbeschwerden und Erkrankungen [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Alters-
vergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
43
Abb. 3.13a:
Burnout-Skalen (BU) [Punktwerte] und Klassifikation des Burnout-Gesamtscore [Häufigkeiten in %] [78] der Lehrkräfte
(n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium;
FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule); BU-Wertebereich (0–6 Punkte): Bei emotionaler Erschöpfung und Zynismus
sind niedrige Werte, bei Leistungsfähigkeit hohe Punktwerte günstig.
45
Abb. 3.13b:
Burnout-Skalen (BU) [Punktwerte] und Klassifikation des Burnout-Gesamtscore [Häufigkeiten in %] [78] der Lehrer
(n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe); BU-Wertebereich (0–6 Punkte):
Bei emotionaler Erschöpfung und Zynismus sind niedrige Werte, bei Leistungsfähigkeit hohe Punktwerte günstig.
46
Abb. 3.13c:
Burnout-Diagnosen [Häufigkeiten in %] in der Allgemeinbevölkerung im Altersvergleich [80] (GSP: Gesamtstichprobe)
47
Abb. 3.14a:
Erholungsfähigkeit [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 1.662) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe;
GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
48
Abb. 3.14b:
Erholungsfähigkeit [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 279) und Lehrerinnen (n = 1.383) im Altersvergleich (GSP: Gesamt-
stichprobe)
49
Abb. 3.15a:
Verausgabungsneigung (OC) [Punktwerte] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [82] der Lehrkräfte (n= 412) im
Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule;
BS: Berufsschule)
50
Abb. 3.15b:
Verausgabungsneigung (OC) [Punktwerte] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [82] der Lehrerinnen (n = 335)
im
Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe). Da die Stichprobe nur 30 Lehrer enthielt, wurden zur Vermeidung von
Verzerrungen nur Lehrerinnen in die Analyse einbezogen.
51
Abb. 3.15c:
Verausgabungsneigung (OC) der Männer und Frauen der Allgemeinbevölkerung (n = 6.305) [85] im Geschlechtsvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe)
51

Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Direktors der Sächsischen Bildungsagentur
5
Vorbemerkungen
7
1
Rahmenbedingungen des Gesundheitsberichtes
9
1.1 Situation der Lehrkräfte in Deutschland und im Freistaat Sachsen
10
1.2 Betriebsärztliche Betreuung der Lehrkräfte in Schulen Sachsens
10
1.2.1 Gefährdungsbeurteilungen
11
1.2.2 Individuelle Prävention und Gesundheitsförderung durch Betriebsärzte
11
2
Methodik
13
2.1 Untersuchte Lehrerpopulation
13
2.2 Eingesetzte Methoden
14
3
Ergebnisse
15
3.1 Arbeitsbezogene Merkmale
15
3.1.1 Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit
15
3.1.2 Verausgabung-Belohnungs-Verhältnis
17
3.2 Gesundheitsstatus
20
3.2.1 Krankheitsbedingte Arbeitsausfälle – Arbeitsunfähigkeit (AU)
20
3.2.2 Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
23
3.2.2.1 Sportliche Aktivität
24
3.2.2.2 Rauchverhalten
26
3.2.2.3 Body-Mass-Index
27
3.2.2.4 Blutdruck
29
3.2.2.5 Blutfette (Lipoproteine)
32
3.2.2.6 Glukose (Blutzucker)
36
3.2.2.7 Kardiovaskuläres Risiko – PROCAM-Score
38
3.2.3 Beschwerden und Erkrankungen
40
3.2.4 Burnout-Risiko
44
3.3 Personenbezogene Merkmale
47
3.3.1 Erholungsfähigkeit
47
3.3.2 Verausgabungsneigung
50
4
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen für die Praxis
53
4.1 Schulartvergleich
53
4.2 Alters- und Geschlechtsvergleich im Bezug zur Allgemeinbevölkerung
54
4.3 Schlussfolgerungen
56
5
Literatur
59

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| 5
Das sich rasant entwickelnde Leben in unserer Gesellschaft
mit allen seinen Veränderungen stellt an unsere Lehrerinnen
und Lehrer enorme Anforderungen. Das höchste Gut einer
Gesellschaft sind ihre Kinder. Die große Verantwortung der
Lehrerinnen und Lehrer, denen diese Kinder anvertraut wer-
den, gilt es zu unterstützen. Motivierte und gesunde Lehr-
kräfte leisten hochwertige Bildungs- und Erziehungsarbeit.
Ich sehe es als eine wichtige Aufgabe, sie dabei zu stärken.
Es soll der Blickwinkel sowohl auf die steigende psychische
Belastung und die Unterstützung beim Wiedereinstieg
nach einer Langzeiterkrankung gerichtet sein als auch auf
Prävention und Gesundheitsförderung.
Die Sächsische Bildungsagentur ist sich ihrer Fürsorge-
pflicht bewusst. Und Sachsen ist beispielgebend in der
Umsetzung der gesetzlich vorgeschriebenen
arbeitsmedi-
zinischen Betreuung seiner Lehrkräfte. In diesem Zusam-
menhang wurde 2016 der dritte Gesundheitsbericht für
sächsische Lehrkräfte veröffentlicht.
Durch die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und Be-
triebsärzten wird eine umfassende Bewertung der gesund-
heitlichen Situation der Lehrkräfte und die Ableitung von
gezielten Maßnahmen der Prävention und Gesundheitsför-
derung möglich. Im Gesundheitsbericht wird deutlich, wie
bedeutsam diese freiwillige Teilnahme unserer Lehrerinnen
und Lehrer an den Vorsorgeangeboten nicht nur für sie
selbst und ihre eigene Gesundheit, sondern auch für die
Gesamtbetrachtung des Lehrerberufs ist.
Im Zusammenhang mit dem demographischen Faktor spielt
Unterstützung beim Erhalt der Arbeits- und Leistungsfä-
higkeit eine immer größere Rolle. Deshalb legen wir
Wert
Vorwort des Direktors
der Sächsischen Bildungsagentur
Béla Bélafi
Direktor der Sächsischen Bildungsagentur
darauf, die Gesundheit im Lehrerberuf in jeder Altersstufe
gegenüber möglichen Fehlbelastungsrisiken zu stärken.
Einen wesentlichen Schwerpunkt stellt auch die Umsetzung
der gesetzlichen Vorgaben im Bereich des Mutterschutzes
dar. Es ist für uns selbstverständlich, auf die Gesundheit der
Lehrerinnen, insbesondere der werdenden Mütter, achtzu-
gegeben.
Die Unterstützung unserer Betriebsärzte bei der Beur-
teilung der Arbeitsplatzbedingungen und bei den Bera-
tungen zum betrieblichen Eingliederungsmanagement hat
sich an den Schulen weiter etabliert und wird geschätzt.
Seit einem Jahr steht die arbeitsmedizinisch-psycholo-
gische Betreuung an den Schulen besonders im Blickpunkt.
Die frühzeitige Erkennung von Krankheitssymptomen und
die daraufhin gegebenen Empfehlungen für gesundheits-
fördernde Maßnahmen gewinnen für jede einzelne Lehr-
kraft ebenso an Bedeutung wie für die Lehrerkollegien an
den Schulen.
Auch weiterhin arbeiten wir gemeinsam mit dem Zentrum
für Arbeit und Gesundheit Sachsen GmbH an einer konti-
nuierlichen arbeitsmedizinischen Gesundheitsvorsorge und
-fürsorge für unsere Lehrkräfte; wir wollen das erreichte
hohe Niveau stabilisieren und die Ergebnisse regelmäßig im
Arbeitsschutzausschuss auswerten.
Mein Dank gilt dem Zentrum für Arbeit und Gesundheit
Sachsen GmbH, besonders Herrn Prof. Dr. med. Klaus
Scheuch, und auch den beteiligten arbeitsmedizinischen
Diensten für die gute Zusammenarbeit der Betriebsärzte
mit unseren Lehrerinnen und Lehrern.

| 7
Sachsen ist nach wie vor beispielgebend in der Umset-
zung der gesetzlich vorgeschriebenen arbeitsmedizini-
schen Betreuung der Lehrkräfte, wodurch kontinuierlich
detaillierte Gesundheitsberichte für sächsische Lehrkräfte
vorgelegt werden können.
Aufgrund des föderalen Systems in Deutschland verfügen
die Bundesländer über unterschiedliche Bildungssysteme,
Bildungspläne und Schulformen sowie arbeitsmedizini-
sche Betreuungsangebote. Im Bereich der wissenschaft-
lichen Studien ist zudem die große Vielfalt eingesetzter
Verfahren zur Bewertung gesundheitlicher Risiken und
Ressourcen zu beachten. Die Rahmenbedingungen sind
beim Vergleich der statistischen Kennzahlen im Schul-
und Gesundheitsbereich zu berücksichtigen.
Dieser dritte Gesundheitsbericht wurde vom Institut
und Poliklinik für Arbeits- und Sozialmedizin (IPAS) der
TU Dresden (Forschungsbereich Psychophysiologische
Diagnostik) in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Arbeit
und Gesundheit Sachsen GmbH (ZAGS GmbH) erarbeitet
und stellt eine Fortschreibung der Gesundheitsberichte
von 2008 und 2011 dar. Er setzt sich aus Daten der
angebotenen arbeitsmedizinischen Untersuchungen an
den öffentlichen Schulen Sachsens zusammen, die im
Zeitraum von 2010 bis 2014 erhoben wurden. Daher
gilt unser besonderer Dank den Teilnehmern an diesen
Vorbemerkung
Untersuchungen. Ihre Bereitschaft und Verantwortung
für die eigene Gesundheit tragen nicht nur zur Wert-
schätzung der betriebsärztlichen Betreuung im Schulbe-
reich bei, sondern verdeutlichen vor allem die Notwendig-
keit der frühzeitigen Erkennung und Prävention von ge-
sundheitlichen Risikofaktoren.
Der Schwerpunkt des aktuellen Gesundheitsberichtes
be-
steht darin, die Ausprägung der erhobenen arbeits- und
personenbezogenen Merkmale, vor allem aber der aktuellen
Daten zum Gesundheitsstatus sächsischer Lehrkräfte im
Schulartvergleich
(1) sowie im
Alters-
und
Geschlechts-
vergleich
(2) zu betrachten und diese Ausprägungen mit
den Daten der
Allgemeinbevölkerung
bzw.
anderer Be-
rufsgruppen
(3) in Relation zu setzen. So bietet der Ge-
sundheitsbericht einen Überblick über die gesundheitliche
Situation der sächsischen Lehrkräfte, erlaubt deren Bewer-
tung und ermöglicht die Ableitung gezielter Präventions-
maßnahmen. Er richtet sich an die Verantwortungsträger
im sächsischen Schulbereich und an die Lehrkräfte an den
Schulen sowie an die interessierte Öffentlichkeit in den Be-
reichen Medizin, Politik und Wissenschaft.
Abschließend möchten wir betonen,
dass wir der Ar-
beit der Lehrkräfte in unseren Schulen eine hohe Wert-
schätzung entgegenbringen und uns ihre arbeitsmedizi-
nisch-psychologische Betreuung viel Freude bereitet.
Betriebsärzte und Kooperationspartner der ZAGS GmbH
Arbeitsgruppe Psychophysiologische Diagnostik des IPAS

| 9
Die
Gesundheit von Lehrkräften
war in den vergange-
nen Jahren immer wieder Gegenstand öffentlicher Dis-
kussionen – nicht zuletzt, weil vielfältige Befunde zu Ein-
schränkungen ihrer
psychischen Gesundheit
publiziert
wurden [1–5]. Sie dokumentieren eine vergleichsweise
hohe Betroffenheit von psychischen und/oder psychoso-
matischen Erkrankungen [3, 6]. Es ist wissenschaftlich be-
legt, dass bei Frühverrentungen bzw. -pensionierungen im
Lehrerberuf psychische und psychosomatische Diagnosen
dominieren [7–9]. Zugleich gelten psychische Störungen
auch als Ursache für das Auftreten körperlicher Erkran-
kungen, wobei die „Volkskrankheiten“ des Muskel-Skelett-
und Herz-Kreislauf-Systems zu den häufigsten körperli-
chen Erkrankungen der Lehrkräfte zählen [10–12].
Die meisten Untersuchungsergebnisse zur Lehrergesund-
heit
basieren auf
Sekundärdatenanalysen
oder
subjek-
tiven Selbsteinschätzungen
in Form von Befragungen
[1, 3–5, 13]. Im Vergleich dazu mangelt es an publizierten
Ergebnissen mit
objektiv gemessenen Daten
zur Ein-
schätzung der
physischen Gesundheitssituation
von
Lehrkräften [6, 11, 14–21]. Sogenannte „harte Daten“ feh-
len in den meisten Studien zur Lehrergesundheit. Ausnah-
men bilden das sächsische [6, 17] und rheinland-pfälzische
Modell zur Lehrerbetreuung (IfL Mainz) [22], die neben den
Fragebogenerhebungen auch körperliche Untersuchungen
durchführen und somit Vergleichswerte zur Allgemeinbe-
völkerung liefern.
Zusammenfassend ist die Datenlage zur Lehrerbelastung
und -gesundheit aufgrund langjähriger Forschungsbemü-
hungen einerseits breit und facettenreich, auf den zwei-
ten Blick allerdings – aufgrund unterschiedlicher
theo-
retischer und methodischer Herangehensweisen – eher
unübersichtlich und inkonsistent.
Die Kernfrage ist, ob bei sächsischen Lehrkräften eine
eingeschränktere Gesundheit als bei anderen Erwerbs-
tätigen oder Berufsgruppen vorliegt oder ob dieser
Eindruck durch das hohe öffentliche Interesse und
1
Rahmenbedingungen des
Gesundheitsberichtes
mangelnde Vergleiche mit der Allgemeinbevölkerung
entstanden ist. Um diese Frage zu beantworten, rei-
chen statistische Daten zur Arbeitsunfähigkeit nicht
aus, sondern es muss die Gesundheitssituation der
Lehrkräfte anhand von objektiv und subjektiv gemes-
senen Gesundheitsmerkmalen unter Einbeziehung von
Arbeits- und Personenmerkmalen analysiert und mit
der Allgemeinbevölkerung verglichen werden. Bei den
Gesundheitsmerkmalen liegt der Fokus auf krankheits-
bedingten Arbeitsausfällen
sowie dem kardiovaskulären
und psychischen Gesundheitsstatus. Als personenbezo-
gene Risiko- bzw. Schutzfaktoren sollen Overcommit-
ment (Verausgabungsneigung) und Erholungsfähigkeit
einbezogen werden.
Aus arbeitsmedizinischer und -psychologischer Sicht er-
geben sich an Grundschulen, Oberschulen, Gymnasien,
Förderschulen und Berufsschulen (nachfolgend Schular-
ten) unterschiedliche Arbeitsanforderungen, die sich auf
die Gesundheit der Lehrkräfte auswirken. Studienergeb-
nissen zufolge unterscheiden sich Lehrkräfte verschiede-
ner Schularten in ihren gesundheitsbezogenen Merkma-
len [21, 23]. Vorliegende Untersuchungsergebnisse sollen
zur weiteren Aufklärung psychischer und physischer
Merkmale der Lehrergesundheit in den
fünf sächsischen
Schularten
beitragen.
Da die meisten Erkrankungen mit zunehmendem Alter
gehäufter auftreten und die körperliche Leistungsfähig-
keit in der Regel abnimmt, gewinnen altersbezogene Be-
trachtungen vor dem Hintergrund der Überalterung der
Berufsgruppe zunehmend an Bedeutung [24, 25]. Des-
halb sollen im zweiten Schritt ausgewählte Merkmale der
Lehrergesundheit
geschlechtsabhängig
für drei
Alters-
gruppen
(< 40 Jahre, 40–49 Jahre,
<
50 Jahre) aufberei-
tet und mit Daten der
Allgemeinbevölkerung
verglichen
werden. Ausgehend von den Analyseergebnissen soll der
Bedarf an spezifischen Präventionsmaßnahmen abgelei-
tet und Hinweise zur Förderung sowie zum Management
der Gesundheit von Lehrkräften gegeben werden.

10 |
Im Schuljahr 2014/2015 waren nach Angaben des Statis-
tischen Bundesamtes [26, 27] 786.187 Lehrkräfte haupt-
beruflich an deutschen Schulen tätig – 664.140 von ihnen
an allgemeinbildenden und 122.047 an beruflichen Schu-
len. Davon arbeiteten 57 % in Vollzeit und 35 % in Teil-
zeit. Im gleichen Schuljahr nahmen insgesamt 10.872.705
Schüler am Unterricht teil: Unter den 8.366.666 Schülern,
die an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet wurden,
waren 2.708.752 Grundschüler, 2.304.546 Gymnasiasten
und 950.706 Realschüler [26].
Schularten:
Im
Freistaat Sachsen
werden die allgemein-
bildenden Schularten Grundschule, Oberschule, Gymnasi-
um und Förderschule von den Berufsschulen differenziert.
1.1
Situation der Lehrkräfte in Deutschland und
im Freistaat Sachsen
All diese Schularten unterscheiden sich nicht nur in ihren
Bildungszielen und in ihrer Schülerschaft, sondern auch in
ihren Strukturen und Rahmenbedingungen. Im Schuljahr
2014/2015 waren in Sachsen ca. 34.000 Lehrkräfte tätig
(Tab. 1.1) – 21.429 von ihnen in Vollzeit und 12.679 in Teil-
zeit. Davon ausgeschlossen sind stundenweise beschäf-
tigte Lehrkräfte. Unter den Teilzeitbeschäftigten befinden
sich 634 Lehrkräfte in Altersteilzeit; davon 505 Lehrkräfte
in der Freistellungsphase der Altersteilzeit [26, 27, 28]. Im
Gegensatz zu den meisten anderen Bundesländern stieg
in
Sachsen
die Anzahl der Schüler an allgemeinbildenden
Schulen gegenüber dem vorhergehenden Schuljahr um
2,3 % auf 346.113 an [26].
Tab. 1.1: Lehrkräfte getrennt nach allgemeinbildenden und beruflichen Schulen im Schuljahr 2014/2015 im Schulartvergleich (nach
Angaben des StLA des Freistaates Sachsen [28]
1
und des StBa [27]
2)
Allgemein-
Schulart
Lehrkräfte
bildende
Berufsschule
2
Schulen
1
Grundschule
1
Oberschule
1
Gymnasium
1
Förderschule
1
Voll- u. Teilzeit
28.108
8.279
8.688
7.981
3.160
5.900
- Vollzeit
16.964
4.852
4.903
4.594
2.615
4.365
- Teilzeit
11.144
3.427
3.785
3.387
545
1.535
Männer
[%] 19,4 6,5 25,1 28,7 13,9 37,2
Frauen
[%]
80,6
93,5
74,9
71,3
86,1
62,8
Auf die
Schularten
verteilt sich die Gesamtzahl der Lehr-
kräfte in Sachsen wie folgt:
24,3 % Grundschullehrkräfte,
25,6 % Oberschullehrkräfte,
23,5 % Gymnasialschullehrkräfte,
9,3 % Förderschullehrkräfte,
17,3 % Berufsschullehrkräfte.
Geschlecht:
Mit einem Anteil von 69 % ist der Lehrerbe-
ruf in Deutschland durch eine hohe Frauenquote gekenn-
zeichnet [26, 27]. In
Sachsen
liegt der Lehrerinnenanteil
durchschnittlich bei 77 % und damit etwas über dem Ge-
samtdurchschnitt (ebd.).
Alter:
Die Lehrerpopulation ist in Deutschland von einer
Überalterung betroffen. In Sachsen sind die Altersgruppen
noch ungünstiger verteilt als im Gesamtdurchschnitt: 58 %
der sächsischen Lehrkräfte waren 2014/2015 bereits über
50 Jahre alt, 26 % zwischen 40 und 50 Jahren und nur
3,5 % jünger als 30 Jahre [26, 27]. Damit liegt Sachsen
im
Bundesvergleich (44 %
>_
50 Jahre) an fünfter Stelle – das
heißt, in vier Bundesländern ist der Anteil der Lehrkräfte, die
älter als 50 Jahre sind, größer als in Sachsen [29].
Anzahl der Lehrkräfte

| 11
Die Gefährdungsbeurteilung ist gesetzlich vorgeschrieben
und vom Arbeitgeber (Schulleiter) zu realisieren. Der arbeits-
medizinische Teil dieser Beurteilung erfolgt überwiegend
durch die Betriebsärzte, zum Teil auch durch Psychologen.
Alle Schulen in Sachsen werden von Betriebsärzten und
Fachkräften für Arbeitssicherheit in regelmäßigen Abstän-
den begangen; es werden Gefährdungen eingeschätzt und
bei Bedarf konkrete Maßnahmen empfohlen. Bestandteil der
betriebsärztlichen Gefährdungsbeurteilung ist die Bewer-
tung der psychischen Belastung, die bei Lehrkräften im Vor-
dergrund steht. Dies erfolgt für jede Schule durch getrennte
Bewertung des Schulleiters und des Personalrats mit Hilfe
Individuelle arbeitsmedizinische Vorsorge und Bera-
tung:
Einmalig in der Bundesrepublik ist, dass jeder Lehr-
kraft alle drei Jahre eine allgemeine arbeitsmedizinische
Vorsorge zum Erhalt ihrer Arbeitsfähigkeit und Gesund-
heit und bei gesundheitlichen Problemen eine Beratung
angeboten wird, die eine frühzeitige Erkennung von ge-
sundheitlichen Risiken sowie zusätzliche Unterstützung
ermöglicht. Auch Referendaren und Lehramtsanwärtern
wird seit 2015 diese Vorsorge angeboten, die in den je-
weiligen betriebsärztlichen Zentren durchgeführt wird.
Das Vorsorgeprogramm besteht aus mehreren Teilun-
tersuchungen, die auch einzeln in Anspruch genommen
werden können. Im Jahr 2015 nahmen mehr als 3.000
Beschäftigte an dieser arbeitsmedizinischen Vorsorge teil:
1.2
Betriebsärztliche Betreuung der Lehrkräfte in Schulen Sachsens
1.2.1 Gefährdungsbeurteilungen
1.2.2 Individuelle Prävention und Gesundheitsförderung durch
Betriebsärzte
Aufbauend auf jahrzehntelanger Forschung zur Lehrer-
gesundheit setzt das Zentrum für Arbeit und Gesundheit
GmbH (ZAGS GmbH) im Auftrag der Sächsischen Bildungs-
agentur den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeits- und Ge-
sundheitsschutz für Lehrberufe in einer bundesweit einmali-
gen Art und Weise um. Die Mitarbeiter der ZAGS GmbH und
ihre Kooperationspartner realisieren Arbeits- und Gesund-
heitsschutz am Arbeitsplatz Schule und mit dem einzelnen
Beschäftigten in Einheit von Prävention und Gesundheits-
förderung.
Es sind 23 Fachärzte für Arbeitsmedizin/Betriebsärzte in
die Betreuung der Lehrkräfte in Sachsen einbezogen. Durch
eine kontinuierliche elektronische Datenerfassung lässt sich
der aktuelle Gesundheitszustand und langfristig die Ge-
sundheitsentwicklung der Lehrkräfte einschätzen. Die enge
Verbindung zur Forschung, besonders
zum Institut und Po-
liklinik für Arbeits- und Sozialmedizin (Forschungsbereich
Psychophysiologische Diagnostik) sowie zur Fachrichtung
Psychologie (Arbeitsgruppe Wissen, Denken, Handeln) der
Technischen Universität Dresden, hat sich bewährt und
wird fortgesetzt. Auf der Webseite der ZAGS GmbH
www.
zags-dresden.de ist das Betreuungskonzept ersichtlich und
es sind Informationen zu aktuellen Fragen und Forschungs-
ergebnissen der Lehrergesundheit enthalten.
Die Mitarbeiter der ZAGS GmbH und ihre Kooperationspart-
ner sind in ihrer fachlichen Arbeit weisungsfrei. Sie unter-
liegen uneingeschränkt der ärztlichen Schweigepflicht und
den datenschutzrechtlichen Bestimmungen.
eines wissenschaftlich begründeten Interviewleitfadens. Die
Ergebnisse werden für schulinterne Diskussionen genutzt.
Der Betriebsarzt unterstützt den Schulleiter. Er
berät ihn
in allen Fragen des Gesundheitsschutzes, zu arbeitsphy-
siologischen, arbeitspsychologischen, arbeitshygieni-
schen und ergonomischen Fragen, zur Ersten Hilfe, Ge-
sundheitsförderung und -erhaltung. Die Psychologen
beraten Schulleiter und Lehrkräfte zum Umgang mit
den Ergebnissen der psychischen Belastungs- und Ge-
fährdungsbeurteilungen. Die Kenntnis der Bedingungen
vor Ort ist dafür eine wesentliche Voraussetzung.
arbeitsbezogene Anamnese und körperliche Unter-
suchung,
Laboruntersuchung (Erfassung der Parameter des
Fettstoffwechsels und Blutzuckers) und Erstellung
eines Risikoprofils für Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
Bewertung des Burnout-Risikos sowie des Gesund-
heitsrisikos bei einem Missverhältnis zwischen be-
ruflicher Verausgabung und Anerkennung,
Einschätzung der Erholungsfähigkeit und arbeitsbe-
zogenen Ressourcen
für die Gesundheit.
Außerdem hat nach dem Arbeitsschutzgesetz jeder Be-
schäftigte das Recht, eine arbeitsmedizinische Wunsch-
vorsorge in Anspruch zu nehmen, wenn gesundheitli-

12 |
che Gefährdungen vorliegen. Es kann dafür der Kontakt
zum Betriebsarzt aufgenommen werden.
Spezielle individuelle arbeitsmedizinische Vorsor-
ge und Beratung:
Bei gefährdenden Tätigkeiten muss
der Arbeitgeber spezielle arbeitsmedizinische Vorsorge
anbieten: Alle Lehrkräfte, die Bildschirmgeräte nutzen,
erhalten das Angebot zu Untersuchungen des Sehver-
mögens (G37) mit arbeitsbezogener ärztlicher Beratung
zu allen Belastungen einer Bildschirmnutzung und ggf.
eine Beurteilung des Arbeitsplatzes. Im Jahr 2014 wur-
den 671 und im Jahr 2015 830 solcher Untersuchungen
realisiert und bei Erfordernis Bildschirmarbeitsplatzbril-
len empfohlen; 22 bzw. 30 Bildschirmarbeitsbrillen wur-
den durch den Arbeitgeber erstattet.
An Förderschulen ist aufgrund der Infektionsgefähr-
dung grundsätzlich eine spezielle arbeitsmedizinische
Vorsorge (G42) nach
Biostoffverordnung durchzufüh-
ren. Diese beinhaltet u. a. die Überprüfung des Impf-
schutzes einschließlich serologischer Bestimmungen im
Blut, Durchführung von Impfungen sowie Beratungen
dazu. An Berufsschulen können aufgrund der Spezi-
fik der Tätigkeit weitere spezielle arbeitsmedizinische
Vorsorgeanlässe notwendig werden. Zudem kann der
Betriebsarzt auf Wunsch des Arbeitnehmers/-gebers
in das betriebliche Wiedereingliederungsmanagement
(BEM) und zu Fragen des Mutterschutzes beratend ein-
bezogen werden.
Durchführung der individuellen Vorsorge:
Der Schul-
leiter ist gesetzlich dazu verpflichtet, den Beschäftig-
ten das Angebot für die arbeitsmedizinische Vorsorge
schriftlich zu unterbreiten. Er sichert zu, dass weder die
Annahme noch die Ablehnung des Angebots zu Nach-
teilen führt. Es entstehen für die Lehrkräfte keine Kos-
ten.
Die Untersuchungen
und Beratungen werden grund-
sätzlich an den Schulen vom Betriebsarzt mit arbeits-
medizinischer Assistenz durchgeführt. Er hat die Befun-
de schriftlich festzuhalten, die untersuchte Person zu
beraten und ihr persönlich die Ergebnisse zuzuschicken.
Der Arbeitgeber erhält keine inhaltliche Information.
Sollten Maßnahmen zu Wiederherstellung, Erhalt oder
Förderung von Gesundheit und Arbeitsfähigkeit not-
wendig sein, erfolgt dies nur nach Zustimmung und un-
ter Einbeziehung der Betroffenen.

| 13
Der Fokus des Gesundheitsberichtes ist – neben arbeits-
und personenbezogenen Merkmalen – auf den Gesund-
heitszustand der sächsischen Lehrkräfte in den verschie-
denen
Schularten
gerichtet (Tab. 2.1). Dies wird durch den
geschlechtsabhängigen Vergleich dreier Altersgrup-
pen
ergänzt (Tab. 2.2).
Es wurden im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge
2.592 Lehrkräfte aus 306 Schulen untersucht, die zwi-
schen 2010 und 2014 erstmals daran freiwillig teilnahmen.
Das Angebot dazu unterbreiteten die Schulleitungen. Die
Untersuchungen erfolgten durch zwei arbeitsmedizini-
sche Dienste mit Betreuung in Groß- und Kleinstädten
sowie auf dem Land.
2
Methodik
2.1
Untersuchte Lehrerpopulation
Die Geschlechts- und Altersverteilung der Stichprobe
entspricht annähernd der Lehrkräftepopulation in Sach-
sen sowie auch in den einzelnen Schularten [26, 27]. För-
derschullehrkräfte sind aufgrund der Verbindlichkeit der
arbeitsmedizinischen Untersuchungen überrepräsentiert.
Eine Analyse der Motivation zur Beteiligung bzw. Nicht-
beteiligung der Lehrkräfte an der vom Schulleiter vorge-
schlagenen Vorsorge war nicht möglich.
Die Geschlechtsverteilung in den Schularten ist unter-
schiedlich, das Durchschnittsalter der Lehrkräfte in den
Schularten sowie zwischen den Lehrern und Lehrerinnen
ist annähernd gleich (Tab. 2.2)
Tab. 2.1: Verteilung der Lehrer und Lehrerinnen im Schulartvergleich (Angaben in Prozent und Anzahl)
Tab. 2.2: Alter der Lehrer und Lehrerinnen nach Schularten und Altersgruppen (Angaben in Jahren)
GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule
GSP: Gesamtstichprobe; MW
±
SD: Mittelwert
±
Standardabweichung; Range: Minimum bis Maximum
Schulart
Lehrkräfte
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
[% (Anzahl)]
100 (2.592) 26,9 (696) 19,2 (497) 18,9 (489) 23,2 (602) 11,9 (308)
Männer
[% (Anzahl)]
16,5
(427)
5,3
(37)
16,7
(83)
22,9
(112)
14,1
(85)
35,7
(110)
Frauen
[% (Anzahl)]
83,5
(2.165)
94,7
(659)
83,3
(414)
77,1
(377)
85,9
(517)
64,3
(198)
Alter
GSP
(n = 2.592)
Männer
(n = 427)
Frauen
(n = 2.165)
Alter
[Jahre:
MW
±
SD, Range]
48,9
± 8,0 24–64
48,9
± 7,6 24–63
48,6
± 8,1 24–64
Schularten
- Grundschulen
48,1
± 9,0 24–64
49,5
± 8,0 29–62
48,1
± 9,1 24–64
- Oberschulen
50,4
± 6,0 28–63
49,8
± 5,9 33–62
50,5
± 6,0 28–63
- Gymnasien
49,2
± 6,7 26–61
49,3
± 6,4 28–61
49,1
± 6,7 26–61
- Förderschulen
47,6
± 8,9 24–64
47,9
± 8,7 27–61
47,6
± 8,9 24–64
- Berufsschulen
47,9
± 8,4 24–63
48,3
± 8,6 24–63
47,6
± 8,3 27–62
Altersgruppen
[Jahre]
- < 40 Jahre
11,7 %
32,7
± 4,1
34,1
± 4,2
32,4
± 4,0
- 40–49 Jahre 39,6 %
45,4
± 2,7
45,6
± 2,7
45,3
± 2,7
-
>_
50 Jahre
48,7 %
55,1
± 3,4
55,0
± 3,5
55,1
± 3,4

14 |
Die eingesetzten Verfahren lassen sich in die drei Berei-
che arbeits-, gesundheits- und personenbezogene Merk-
male unterteilen (Tab. 2.3). Der
Gesundheitsstatus
der
Lehrkräfte wurde anhand von objektiven Messwerten aus
körperlichen Untersuchungen und subjektiven Selbstein-
2.2
Eingesetzte Methoden
schätzungen (Fragebögen) beurteilt (Kap. 3.2). Die Erhe-
bung der
arbeits-
(Kap. 3.1) und
personenbezogenen
Merkmale
(Kap. 3.3) erfolgte in Form von subjektiven
Selbsteinschätzungen.
Tab. 2.3: Übersicht der analysierten Merkmale (Variablen) und deren Erhebungs- bzw. Analysequellen
Erhobenes Merkmal Erhebungsverfahren in den Vorsorgeuntersuchungen
Arbeitsbezogene Merkmale
(Arbeitsbedingungen und -anforderungen)
Zufriedenheit mit beruflicher Tätigkeit
Fragen zur Berufsanamnese [30]
Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis
Effort-Reward-Imbalance Questionnaire
(ERI-Q – Kurzversion) [31]
Gesundheitsbezogene Merkmale
(Gesundheitsstatus)
Krankheitsbedingte Arbeitsausfälle
Arbeitsunfähigkeit Sonderauswertung der SMK-Daten [32, 33]
Berufsunfähigkeit
StBa [26]
Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Gesundheitsverhalten
Anamnesefragebogen (sportliche Aktivität, Tabakkonsum) [30]
Kardiovaskuläre Kennwerte, Fettstoffwechsel- und
arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchung (Blutdruck, Anti-
Glukoseparameter
hypertensiva, Body-Mass-Index, Blutfette: Gesamtcholesterin,
LDL/HDL-Ratio; Triglyceride, Glukose, kardiovaskuläre
Risiko-Werte: PROCAM-Score)
Psychische und physische Beschwerden und Erkrankungen
Burnout
Maslach-Burnout-Inventory MBI-GS [34, 35]
Physische und psychische Beschwerden
Beschwerdefragen aus der Anamnese, Medikamente [30]
Personenbezogene Merkmale
(Personenmerkmale)
Erholungsfähigkeit
Fragen zur Erholungsfähigkeit aus Anamnese [30]
Verausgabungsneigung (Overcommitment)
Effort-Reward-Imbalance Questionnaire
(ERI-Q – Subskala Overcommitment) [31]
Einschränkung:
Da die Methodik der Datenerhebung
im Berichtszeitraum schrittweise an die Struktur der Ar-
beitsbedingungen in den Schulen und an den Gesund-
heitszustand der Lehrkräfte angepasst wurde, ist der
Stichprobenumfang für bestimmte Merkmale vermindert.
Hinweise darauf sind in den jeweiligen Abbildungen und
Tabellen vermerkt.

| 15
Die Unterschiedsprüfungen erfolgten mit entsprechenden
statistischen Verfahren [36]. Analysiert wurden die arbeits-
und personen- sowie gesundheitsbezogenen Merkmale zum
einen als
Schulartvergleich
(Grundschule, Oberschule,
Gymnasium, Förderschule, Berufsschule) (1), zum anderen
als
Geschlechts-
und
Altersvergleich
(Lehrer versus Leh-
rerinnen nach den Altersgruppen < 40 Jahre, 40–49 Jahre,
>_
50 Jahre) (2). Bei der statistischen Überprüfung der
Schulartunterschiede
(1) wurden das
Alter
und
Ge-
schlecht
als Einflussfaktoren (Kovariate) kontrolliert.
3
Ergebnisse
Um die Daten zur Lehrergesundheit einzuordnen, wurden
entsprechende Ergebnisse der Allgemeinbevölkerung heran-
gezogen, insbesondere die Daten der repräsentativen Studi-
en des
Robert Koch-Instituts (DEGS-Studien:
Studien
zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland,
GEDA-Stu-
die:
Gesundheit in Deutschland aktuell). Bei fehlenden
Bevölkerungs-Studien erfolgte alternativ der Vergleich mit
Berufsgruppen- bzw. nationalen Lehrkräfte-Stichproben.
Dieser Vergleich konnte nur anhand der veröffentlichten
Daten ohne statistische Analysen realisiert werden.
In diesem Kapitel werden folgende Einschätzungen der
sächsischen Lehrkräfte betrachtet:
3.1
Arbeitsbezogene Merkmale
berufsbezogene Zufriedenheit
arbeitsbezogene Verausgabung und Belohnung.
Die
Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit
(Lehrertätigkeit, berufliche Tätigkeit in der Schule)
wurde als Selbstaussage anhand der drei Kategorien
„nahezu immer“, „überwiegend“ und „teilweise“ er-
fasst.
3.1.1 Zufriedenheit mit der beruflichen Tätigkeit
Schulartvergleich:
Die Hälfte der Lehrkräfte ist mit ihrer
beruflichen Tätigkeit nahezu immer zufrieden (Abb. 3.1a).
Im Schulartvergleich zeigen sich die Berufsschullehrkräfte
am zufriedensten, gefolgt von den Förderschullehrkräf-
ten, während die Oberschullehrkräfte die geringste Zu-
friedenheit äußern.

16 |
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Im Altersvergleich
wird ersichtlich, dass die Gruppe der nahezu immer Zu-
friedenen bei den unter vierzigjährigen Lehrern und Leh-
rerinnen am größten ist (Abb. 3.1b). Insgesamt geben Leh-
rer eine höhere Zufriedenheit mit dem Lehrerberuf und
der Arbeit an der Schule an als Lehrerinnen.
Abb. 3.1a: Zufriedenheit [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 1.662) mit dem Lehrerberuf und der Arbeit an der Schule im Schulartvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
60
40
80
100
20
0
Arbeit an der Schule
Häufigkeit
[%]
9
7
9
8
13
46
53
31
29
41
43
50
50
41
38
61
66
nahezu immer
nahezu immer
überwiegend
überwiegend
teilweise
teilweise
Abb. 3.1b: Zufriedenheit [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 279) und Lehrerinnen (n = 1.383) mit dem Lehrerberuf und der Arbeit an der Schule
im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
GSP < 40 40–49
> 49
GSP
< 40
60
40
80
100
20
0
9
9
9
9
35
33
43
31
23
33
58
65
56
58
48
63
47
45
43
47
8
10
40–49
> 49
Männer
Frauen
12
6
Arbeit an der Schule
Häufigkeit
[%]
nahezu immer
nahezu immer
überwiegend
überwiegend
teilweise
teilweise
Altersgruppe
[Jahre]
GSP < 40 40–49
> 49
GSP
< 40
60
40
80
100
20
0
6
10
6
7
40
35
44
35
31
37
57
65
54
58
46
68
44
46
48
41
10
11
40–49
> 49
Männer
Frauen
nahezu immer
nahezu immer
überwiegend
überwiegend
teilweise
teilweise
Altersgruppe
[Jahre]
Lehrerberuf
Häufigkeit
[%]
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
nahezu immer
nahezu immer
überwiegend
überwiegend
teilweise
teilweise
60
40
80
100
20
0
Lehrerberuf
Häufigkeit
[%]
9
8
9
6
18
49
47
36
30
43
46
48
46
33
44
58
68

| 17
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Eine bevölkerungs-
repräsentative Erhebung zur beruflichen Zufriedenheit aus
dem Jahr 2012 ergab, dass 40 % der Befragten (Berufstä-
tige > 18 Jahre, n = 1.145) angeben, „völlig zufrieden“ oder
„sehr zufrieden“ mit dem Beruf zu sein [37] (Abb. 3.1c). Die
Referenzkategorie der Lehrkräfte „nahezu immer zufrieden“
wurde etwas häufiger gewählt, so dass sich die Lehrkräfte
insgesamt etwas berufszufriedener darstellen (Abb. 3.1a).
Eine 2015 im Auftrag des sozialen Netzwerkes XING
durchgeführte repräsentative Forsa-Umfrage [38] unter
Fach- und Führungskräften zeigte, dass 83 % der Be-
fragten sehr zufrieden oder eher zufrieden sind, während
16 % eher unzufrieden oder sehr unzufrieden sind. Fasst
man für die Lehrkräfte-Stichprobe die Zufriedenheits-Ka-
tegorien nahezu immer und überwiegend zusammen,
so
machen sie einen Anteil von 91 % aus (Abb. 3.1a – Leh-
rerberuf). Auch hier scheinen die sächsischen Lehrkräfte
etwas zufriedener zu sein als andere Erwerbstätige.
Insgesamt erscheinen die
sächsischen Lehrkräfte et-
was berufszufriedener
als die auffindbaren Stichproben
der erwerbstätigen Allgemeinbevölkerung.
Das Verhältnis von beruflicher
Verausgabung (Ef-
fort)
und
Belohnung (Reward)
wurde mit der
Kurzform des Fragebogens zur Messung beruflicher
Gratifikationskrisen (ERI-Q) [31] erfasst. Nach dem
Modell der Gratifikationskrisen
kann es durch ein
bestehendes Ungleichgewicht zwischen geleisteter
Verausgabung und erfahrener Anerkennung infolge
von chronischem Stress zu gesundheitsschädigenden
Auswirkungen kommen[39].
Der Fragebogen setzt sich aus den Skalen Effort
und Reward zusammen, wobei ein hoher Punktwert
hohe Verausgabung bzw. hohe Belohnung repräsen-
tiert. Aus den Summenwerten der Skalen Effort und
Reward wird das ER-Ratio gebildet, das eine Aussage
zum Gesundheitsrisiko ermöglicht: Bei einem
ER-Ra-
tio > 1
geht hohe Verausgabung mit niedriger Be-
lohnung einher. Je größer dieses
Ungleichgewicht
(Effort-Reward-Imbalance)
ist, desto höher ist das
Risiko für Gesundheitsbeeinträchtigungen.
3.1.2 Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis
Schulartvergleich:
Die bei der Arbeit wahrgenomme-
ne Verausgabung (z. B. Zeitdruck, Arbeitsüberlastung)
liegt für die sächsischen Lehrkräfte im mittleren Bereich
(Abb. 3.2a). Hohe Verausgabung wird im Durchschnitt
bei den Lehrkräften keiner Schulart erreicht. Zwischen
den Schularten bestehen allerdings signifikante Unter-
schiede: Förderschullehrkräfte berichten die geringste,
Oberschullehrkräfte die höchste Verausgabung.
völlig oder
sehr zufrieden
ziemlich
zufrieden
weder zufrieden
noch unzufrieden
ziemlich, sehr oder
völlig unzufrieden
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
40
43
11
6
Abb. 3.1c: TNS Infratest-Befragung zur Zufriedenheit im Beruf [37] (n = 1.145)

18 |
Schulart
GSPGS
OS
GYM
FÖS
BS
28
21
35
14
7
28
27
26
28
29
29
Abb. 3.2a: Verausgabung (Range: 3–15 Punkte) und Belohnung (Range: 7–35 Punkte) der Lehrkräfte (n = 412) im Schulartvergleich (GSP: Ge-
samtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Abb. 3.2b: ER-Ratio (Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis) und dessen Klassifikation [31] der Lehrkräfte (n = 412) im Schulartvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Auf der Belohnungsskala liegen die Punktwerte der säch-
sischen Lehrkräfte im oberen Bereich (Abb. 3.2a). Hohe
berufliche Belohnung (z. B. durch die Anerkennung von
Kollegen/Vorgesetzten, ein angemessenes Gehalt) wird
von Gymnasial-, Förderschul- und Berufsschullehrkräften
berichtet, etwas ungünstigere Belohnungswerte geben
erneut die Oberschullehrkräfte an.
Der kritische Wert beim ER-Ratio > 1 (Ungleichgewicht von
Verausgabung und Belohnung) wird zwar durchschnittlich
nicht erreicht, allerdings liegt bei Oberschullehrkräften ein
ER-Ratio von 1,0 vor und deutet tendenziell auf Gesund-
heitsbeeinträchtigungen durch hohe Verausgabung bei
gleichzeitig geringer Belohnung hin (Abb. 3.2b). Zudem ist
dieses Verhältnis bei Förderschul- und Berufsschullehrkräf-
ten günstiger als bei Grundschul- und Gymnasiallehrkräften.
Dies spiegelt sich auch in der Klassifikation des ER-Ratios
wider (Abb. 3.2b).
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
0,6
0,4
0,8
1,0
1,2
0,2
0,0
Wertebereich
[ER-Ratio]
0,8
0,8
1,0
0,8
0,6
0,7
Schulart
GSPGS
OS
GYM
FÖS
BS
ER-Ratio
1
ER-Ratio
1
ER-Ratio > 1
60
ER-Ratio > 1
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
34
27
12
16
20
23
77
80
66
73
88
84
<
<
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
12
9
15
6
3
Verausgabung
Wertebereich
[Punkte]
Belohnung
Wertebereich
[Punkte]
9
9
10
9
7
8

| 19
Abb. 3.2c: ER-Ratio (Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis) und dessen Klassifikation [31] der Lehrer (n = 77) und Lehrerinnen (n = 335) im
Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
In Ermangelung
repräsentativer Bevölkerungs-Daten erfolgt der Vergleich
mit nationalen Lehrkräfte-Stichproben, denen allerdings
weder eine Auswertung der beiden ER-Einzelskalen noch
eine Auswertung nach Altersklassen zu entnehmen sind
(Abb. 3.2d).
Lediglich die Stichprobe von Unterbrink et al. [40] ist mit
den sächsischen Lehrkräften vergleichbar (Abb. 3.2c). Nur
bei den psychisch erkrankten Lehrkräften in stationärer Be-
handlung findet sich in der Studie von Lehr et al. [41] ein
höheres ER-Ratio, das mit einem ER-Wert über 1,0 im kri-
tischen Bereich liegt. Die Stichproben, in denen psychisch
erkrankte Personen explizit
ausgeschlossen wurden (Ge-
sunde bei Lehr et al. [41] sowie bei Bellingrath et al. [42]),
weisen mit 0,55 bzw. 0,64 deutlich niedrigere ER-Ratios auf
als die sächsische Lehrkräfte-Stichprobe und die Stichprobe
von Unterbrink et al. [40]. Somit scheint ein Zusammen-
hang zwischen dem Vorliegen psychischer Beschwerden
bzw. Erkrankungen und einem höheren ER-Ratio zu beste-
hen [vgl. 43–46].
Das vergleichsweise geringe ER-Ratio der gesunden Stich-
proben [41, 42] könnte durch den höheren Anteil an Lehrern
mitbedingt sein – zumal bei sächsischen Lehrern ein gerin-
geres ER-Ratio beobachtet wurde als bei Lehrerinnen (Abb.
3.2c). Dies weist auf Geschlechtseffekte bei der Einschät-
zung arbeitsbedingter Verausgabung und Belohnung hin.
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Bei den Lehrern un-
terscheidet sich das ER-Ratio zwischen den Altersgrup-
pen nicht (Abb.
3.2c). Insgesamt liegt bei Lehrerinnen ein
etwas ungünstigeres ER-Ratio vor als bei den Lehrern.
Lehrerinnen zwischen 40 und 49 Jahren berichten am
häufigsten ein Missverhältnis von Verausgabung und Be-
lohnung (Abb. 3.2c).
GSP < 40 40–49
> 49
GSP
< 40
0,9
0,6
1,2
0,3
0
Wertebereich
[ER-Ratio]
0,7
0,6
0,7
0,7
0,8
0,7
0,9
0,8
40–49
> 49
Männer
Frauen
GSP < 40 40–49
> 49
GSP
< 40
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
19
19
25
12
14
18
82
88
81
81
75
86
30
70
22
78
40–49
> 49
Männer
Frauen
ER-Ratio
1
ER-Ratio
1
ER-Ratio > 1
ER-Ratio > 1
<
<
Altersgruppe
[Jahre]
Altersgruppe
[Jahre]

20 |
Lehr et al. (2010),
Gesunde
Lehr et al. (2010),
Erkrankte
Unterbrink et al.
(2012), KG
Unterbrink et al.
(2012), IG
0,9
0,6
1,2
0,3
0,0
Wertebereich
[ER-Ratio]
0,6
1,0
0,9
0,8
Abb. 3.2d: Klassifikation des ER-Ratio (Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis) [31] nationaler Lehrkräfte-Stichproben (KG: Kontrollgruppe;
IG: Interventionsgruppe)
0,6
Bellingrath et al.
(2013)
Krankenstand (KS):
Prozentanteil der Beschäftigen,
die
durchschnittlich an einem Kalendertag des
Jahres arbeitsunfähig
waren [47] bzw. der Anteil der
erkrankungsbedingten Fehltage an allen Versicherungs-
tagen in Prozent (365 Tage entsprechen einem Versiche-
rungsjahr – VJ). Der Krankenstand lässt sich in folgender
Form aus der Angabe der AU-Tage je VJ mittels Division
durch 365 berechnen:
Krankenstand
[Prozent] =
AU-Tage je 100 VJ
365 Tage
Der durchschnittliche Krankenstand beträgt typischer-
weise ca. 4 %.
Arbeitsunfähigkeitstage (AU-Tage) je Fall (durch-
schnittliche Erkrankungsdauer):
Durchschnittliche
Dauer eines Krankheitsfalles mit Arbeitsunfähigkeitsbe-
scheinigung. Die Erkrankungsdauer wird wie folgt be-
rechnet:
Erkrankungsdauer
[Tage] =
Krankenstand*365 Tage
AU-Fälle je 100 VJ
Die durchschnittliche Erkrankungsdauer beträgt typi-
scherweise 12 AU-Tage je Fall. Sie variiert in Abhän-
gigkeit von Geschlecht, Alter, Beruf und Krankheitsart.
Das Sächsische Staatsministerium für Kultus stellte
die Daten zu den
Ausfalltagen
der Lehrkräfte für den
Zeitraum von 2007 bis 2014 zur Verfügung [33].
Es ist zu beachten, dass sich diese Daten auf 250
(± 3) Arbeitstage (abzüglich der Samstage, Sonntage
und Feiertage) beziehen; nicht wie bei den Krankenkas-
sen auf 365 Tage.
Arbeitsunfähigkeit (Ausfalltage)
Schulartvergleich:
Über den Zeitraum von 2007 bis zum
Jahr 2014 steigen die durchschnittlichen
Ausfalltage
der
Lehrkräfte in den Schularten kontinuierlich an (Abb. 3.3a).
Unabhängig von der Schulart (Ausnahme: Berufsschulen
2009) liegen die meisten Ausfalltage in den Jahren 2013
und 2014 vor. Die Entwicklung ist über die Jahre
hinweg
nicht gleichförmig, sondern lässt für alle Schularten einen
durchschnittlichen Anstieg um zwei AU-Tage von 2008 auf
2009 erkennen (Abb. 3.3a). Auffällig ist in diesem Zeitraum
die Zunahme an Fehltagen für die Lehrkräfte an Gymnasien
und Oberschulen – allerdings auf unterschiedlichem Niveau.
Im Schulartvergleich ergeben sich die höchsten Antei-
le an Ausfalltagen für Lehrkräfte an Förderschulen, die
geringsten Anteile für Lehrkräfte an Grundschulen und
Gymnasien. Bis zum Jahr 2013 sind für die Lehrkräfte an
Berufsschulen die zweithöchsten Anteile an Ausfallzeiten
zu verzeichnen, ab dem Jahr 2013 haben Lehrkräfte an
Oberschulen die zweithäufigsten Ausfalltage.
Gründe für Ausfalltage:
Der zentrale Grund für die Aus-
falltage der Lehrkräfte im Zeitraum von 2007 bis 2014 ist
die
eigene Erkrankung
der
Lehrkraft [33]. Nachgeordnete
Gründe sind Ausfalltage wegen der Inanspruchnahme einer
Kur sowie wegen Krankheit der Kinder. Das gilt unabhängig
von der Schulart. Auch die Lehrkräfte an Grundschulen ha-
ben – trotz des höchsten Anteils an Lehrerinnen in den Kol-
legien – gegenüber den Lehrkräften der anderen Schularten
keine erhöhten Ausfalltage durch Krankheit von eigenen
Kindern. Zu beachten ist, dass Kuren vorzugsweise in den
Ferien durchzuführen sind und somit nicht der tatsächliche
Umfang an Ausfalltagen erfasst wird.
3.2
Gesundheitsstatus
3.2.1 Krankheitsbedingte Arbeitsausfälle – Arbeitsunfähigkeit (AU)

| 21
Abb. 3.3a: Arbeitsunfähigkeit [Ausfalltage gesamt pro Person] der Lehrkräfte in den Jahren 2007–2014 im Schulartvergleich [33] (GSP: Gesamt-
stichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Jahr
Krankheitsdauer:
Im Vergleich der Jahre 2007 bis 2014
zeigt sich, dass der Anteil der Ausfalltage, die auf Krank-
heiten mit einer Dauer von maximal 3 Tagen zurückgehen,
relativ stabil geblieben ist und den geringsten Stellenwert
hat (Abb. 3.3.b).
12
8
16
20
4
0
Ausfalltage
[Anzahl/Person]
24
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
GSP
GYM
GS
FÖS
OS
BS
15,8
16,3
17,4
17,2
17,1
17,5
18,0
17,8
9,39,4
11,4
11,0
11,2
11,6
11,8
11,7
1,8
1,2
2,4
3
0,6
0
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
GSP
GYM
GS
FÖS
OS
BS
Jahr
Jahr
Jahr
1,3
1,41,4
1,5
1,5
1,61,6 1,6
0,7 0,8 0,9 0,9 0,9 1,0 1,01,2
6
4
8
10
2
0
4 Tage–6 Wochen
[Anzahl/Person]
>6 Wochen
[Anzahl/Person]
1–3 Tage
[Anzahl/Person]
GSP
GYM
GS
FÖS
OS
BS
8,4
8,1
9,4
9,0
8,8
8,9
9,2
8,5
4,7 4,7
5,8 5,2 4,95,2 5,5 5,0
Abb. 3.3b: Arbeitsunfähigkeit wegen eigener Krankheit [Ausfalltage gesamt pro Person] der Lehrkräfte in den Jahren 2007 und 2014 im Schul-
artvergleich [33] (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
6
4
8
10
2
0
GSP
GYM
GS
FÖS
OS
BS
4,5
5,3
5,0
5,3
5,4
5,6
5,8
5,8
2,4 2,6
3,5 3,9 4,3 4,5 4,2 4,6

22 |
Abb. 3.3c: Arbeitsunfähigkeit [Ausfalltage pro Person] der Lehrkräfte im Jahr 2013 im Vergleich zu Versicherten gesetzlicher Krankenkassen [48–50]
Der größte Anteil an Ausfalltagen entfällt auf die 4 Tage bis 6
Wochen. Für diese Kategorie an Ausfalltagen bestehen auch
die größten Schulartunterschiede. Vor allem Gymnasiallehr-
kräfte besitzen – gemessen an der Gesamtanzahl der Perso-
nen – an diesen Ausfalltagen über alle Jahre hinweg die größ-
te Zunahme (Abb. 3.3b). Auffällig ist außerdem die deutliche
Zunahme dieser Ausfalltage pro Person zwischen den Jahren
2008 und 2009, die in allen Schularten zu beobachten ist.
Der stärkste Zuwachs ist – unabhängig von der Schulart –
für Erkrankungen mit mehr als 6 Wochen Dauer (Langzeit-
erkrankungen) zu verzeichnen (Abb. 3.3b). Waren im Jahr
2007 durchschnittlich 3,1 % der Lehrkräfte langzeitkrank,
betraf dies im Jahr
2014 bereits 5,1 % der Gesamtstichprobe.
Über privat versicherte und verbeamtete Lehrkräfte (in
Sachsen nur ein sehr geringer Anteil) liegen keine AU-Ver-
gleichsdaten vor.
Dennoch wird aus einer Zusammenstellung von Kranken-
kassendaten und den sächsischen Daten der Lehrkräfte
(Abb. 3.3c) ersichtlich, dass angestellte, gesetzlich ver-
sicherte Lehrkräfte meist weniger Ausfalltage als der
Durchschnitt der in der jeweiligen Krankenkasse Versi-
cherten haben [48–50]. Eine Ausnahme bilden die Lehr-
kräfte in Förderschulen im Jahr 2013. Sie weisen mehr
Ausfalltage pro Person auf als der Durchschnitt der ge-
setzlich Versicherten.
Überdurchschnittlich häufig kommen Langzeiterkrankungen
in den letzten Jahren bei Förder- und Oberschullehrkräften
vor. Vor allem psychische Erkrankungen bedingen die langen
Krankheitsdauern [33].
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung
: Berufsspezifische
Angaben zur Arbeitsunfähigkeit (AU) werden von den Kran-
kenkassen und statistischen Landesämtern zur Verfügung
gestellt. Die Berufsgruppe der Lehrkräfte ist bei den gesetz-
lichen Krankenkassen in unterschiedlichen Branchen bzw.
Wirtschaftsgruppen gemeinsam mit Beschäftigten anderer
Berufsgruppen subsummiert. Das erschwert die Einordnung
und den Vergleich der Daten zur Arbeitsunfähigkeit (Kran-
kenstand).
Im Vergleich zu Gesundheitsberufen zeigt sich für 2012
und 2013 ebenfalls ein niedrigerer Krankenstand bei
den Berufsgruppen, die Lehrkräfte einschließen. Hinzu
kommt die geringere Dauer der aufgetretenen Erkran-
kungsfälle in den Lehrkräfte umfassenden Branchen
gegenüber den angeführten Vergleichsgruppen [48-50].
Die
AU-Fälle der Langzeiterkrankungen
werden
durch psychische Erkrankungen dominiert [33]. Von
2012 zu 2013 ist ein Anstieg von 1,6 auf 1,8 Fälle je 100
Mitglieder zu verzeichnen. Es folgen Muskel-Skelett-
Erkrankungen (1,2 Fälle), Verletzungen (0,8 Fälle) und
Herz-Kreislauf-Erkrankungen (0,6 Fälle). Das durch-
Ausfalltage
[Anzahl/Lehrkraft bzw. Versicherter %]
0 510 15
20
DAK-Vericherte Wirtschaftsgruppe
Bildung, Kultur, Medien
DAK-Versicherte insgesamt
TKK-Versicherte insgesamt
TKK-Versicherte Berufsfeld Sozial-
und Erziehungsberufe, Seelsorger
AOK-Versicherte Branche Erziehung
und Unterricht
AOK-Versicherte insgesamt
Förderschule
Gymnasium
Oberschule
Grundschule
Schulen gesamt
Berufsschule
14,3
14,7
11,2
14,6
16,3
18,5
13,5
11,8
13,7
12,9
18,0
13,7

| 23
Anzahl
befristet
Versetzung in ein anderes Bundesland
Berufsunfähigkeit
Ruhestand
Wechsel in eine andere Schule in Sachsen
Sonstige Abgänge (Vertragsaufhebungen)
Tod
0
200
4001
600 800 000
1200
742
443
843
1.056
29
25
23
Abb. 3.3d: Abgänge der Lehrkräfte in Sachsen im Schuljahr 2014/2015 nach Gründen [26]
schnittliche Alter der Langzeiterkrankten ist von 2012
zu 2013 für alle Diagnosegruppen etwas angestiegen.
Die von psychischen Langzeiterkrankungen Betroffenen
sind mit durchschnittlich 49 Jahren am jüngsten. Seit
der Einführung der
ICD 10-Zusatzdiagnose Z 73
im
Jahr 2004, die auch Burnout als „Diagnose“ aufnimmt,
haben sich die Z 73-AU-Tage bis 2013 verzehnfacht [49].
Der Anteil dieser AU-Fälle ist im Bereich Erziehung bei
den AOK-Versicherten 2013 etwa dreimal höher als der
Branchendurchschnitt. Das spiegelt wider, dass diese
Diagnose bei sozial tätigen Berufen häufiger verwendet
wird als in anderen Berufsgruppen.
Bei
Lehrkräften
treten
Atemwegserkrankungen
und
psychische Erkrankungen im Vergleich zum Kranken-
kassendurchschnitt
häufiger auf, Herz-Kreislauf-, Mus-
kel-Skelett-Erkrankungen sowie Verletzungen seltener [49].
Geschlechtsspezifische Angaben zu den AOK-versicherten
Lehrkräften belegen einen höheren Krankenstand für Frauen
gegenüber Männern bei vergleichbarer Falldauer. Gegenüber
den alten Bundesländern wird für die neuen Bundesländer
auch im Bereich der lehrerbezogenen Berufsgruppen ein
höherer Krankenstand berichtet [32].
Zusammenfassend weisen Lehrkräfte dennoch weni-
ger AU-Tage als der Durchschnitt der jeweiligen Kranken-
kassen-Versicherten auf. Der Fehlzeiten-Report [51] be-
stätigt bundesweit die Aussagen unserer Analysen zu den
AU-Tagen. Nicht bekannt ist, inwieweit Lehrkräfte während
der Ferienzeiten (ohne Krankschreibung) krank waren und/
oder Präsentismus (trotz Erkrankungen arbeiten) ihren nied-
rigeren Krankenstand mit
verursacht. Bedeutsam ist der
Anteil der
Langzeiterkrankungen
auch deshalb, weil fast
die Hälfte aller Ausfalltage für Lehrkräfte aller Schularten im
Jahr 2014 durch Langzeiterkrankungen verursacht wird.
Berufsunfähigkeit und Abgänge
Die Anzahl der Abgänge wegen Berufsunfähigkeit (= lang-
fristige Beeinträchtigung der Berufsausübung durch Krank-
heit, Unfall oder Invalidität) ist in
Sachsen
insgesamt im
Vergleich zu anderen Bundesländern gering. Es ist auch kein
Trend in den letzten Jahren zu beobachten. Zur Beurteilung
der Berufsunfähigkeitszahlen und der Abgänge bedarf es
jedoch weiterer Kriterien, die für diesen Bericht nicht vorlie-
gen. Auch ist für die Altersstruktur in den einzelnen Schul-
arten kein Entwicklungstrend erkennbar [26].
In Sachsen sind im Schuljahr 2014/2015 3.161 Abgänge zu ver-
zeichnen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich (Abb. 3.3d). Der
höchste Anteil an Abgängen betraf 1.056 befristet eingestellte
Lehrkräfte. Ruhestand und Berufsunfähigkeit als Ursache sind
häufiger bei Lehrerinnen, der Tod bei Lehrern zu erkennen.
Die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wur-
den in der Vorsorgeuntersuchung erfasst [12]. In die Er-
gebnisaufbereitung werden folgende Merkmale und de-
ren Klassifikation einbezogen:
Sport: regelmäßige sportliche Aktivität und Sportarten
Rauchverhalten
3.2.2 Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Body-Mass-Index (BMI): Übergewicht und Adipo-
sitas
Blutdruck (BD): systolischer, diastolischer BD, Hyper-
tonie (+ Antihypertensiva)
Blutfette: Gesamtcholesterin, LDL/HDL-Ratio
Nüchternglukose (Blutzucker)
kardiovaskuläres Risiko: PROCAM-Score.

24 |
Abb. 3.4a: Sportliche Aktivität [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule;
OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Für Lehrer und Lehrerin-
nen zeigt sich kein Geschlechtsunterschied im Anteil der sport-
lich Aktiven (Abb. 3.4b). Allerdings ist der Anteil der nicht regel-
mäßig Sport treibenden Lehrerinnen bei den unter 40-Jährigen
höher als der Anteil der Lehrer in dieser Altersgruppe, während
in der höchsten Altersgruppe Lehrerinnen sportlich etwas akti-
ver sind als Lehrer.
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
ja
ja
nein
nein
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
28
32
23
27
29
71
77
73
71
68
72
29
Die Ausprägungen der Risikofaktoren für Herz-Kreis-
lauf-Erkrankungen der Lehrkräfte werden mit den Daten
der sogenannten
DEGS-Studien
verglichen, die die All-
gemeinbevölkerung repräsentieren [52]. Diese Studien
liefern mit der Erhebungswelle DEGS1 im Zeitraum von
2008 bis 2011 zum ersten Mal seit dem Bundes-Gesund-
heitssurvey 1998 bundesweite Daten zu einer Vielzahl von
Merkmalen, die für Erwachsene des Altersbereiches von
18 bis 79 Jahren gelten. Aus Gründen der Vergleichbar-
keit sind aus den DEGS-Studien nur die Daten der 30- bis
59-Jährigen verwendbar. Überdies sind die Altersgrup-
pen in den DEGS-Studien enger gefasst (Zehnjahres-
schritte) als in der Lehrkräfte-Stichprobe (< 40; 40–49;
> 49 Jahre) und müssen angepasst werden. So wurde die
jüngste (18–30 Jahre) und höchste Altersgruppe (65–79
Jahre) ausgeschlossen und für diese Stichprobe ein neuer
Durchschnittswert aus den verwendeten Altersgruppen
gebildet.
Die Begriffe
körperliche
Aktivität
und
Sport
sind
nicht gleichbedeutend. Körperliche Aktivität bezieht sich
auf jede körperliche Bewegung, die durch Skelettmusku-
latur erbracht wird und den Energieverbrauch über den
Grundumsatz anhebt. Sport gilt als (historisch-kulturell
definierte)
Untergruppe von körperlicher Aktivität;
er
ist durch körperliche Leistung, Wettkampf und Spaß an
der Bewegung geprägt.
Das
Konzept der „gesundheitsfördernden körper-
lichen Aktivität“
umfasst neben freizeitbezogenen
sportlichen Bewegungsaktivitäten auch alltägliche
körperliche Aktivitäten (z. B. Berufs- und Hausarbeit,
Bewegung zu Transportzwecken). Nach
Präventions-
empfehlungen
der
American College of Sports Me-
3.2.2.1 Sportliche Aktivität
dicine and American Heart Association
[53] sollten
Erwachsene (regelmäßig) an den meisten Tagen min-
destens 30 Minuten körperliche Aktivität in mittle-
rer (moderater) Intensität ausüben, um das Risiko für
Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken.
Die
Regelmäßigkeit der sportlichen Aktivität
wurde
von den Befragten selbst eingeschätzt, wobei Dauer und
Häufigkeit nicht erfasst wurden, sondern nur die Sportart.
Schulartvergleich:
Mehr als zwei Drittel der Lehrkräfte
geben an, regelmäßig sportlich aktiv zu sein (Abb. 3.4a).
Bei den Gymnasiallehrkräften ist der Anteil der regelmäßig
Sporttreibenden am höchsten, bei den Grundschullehrkräf-
ten am geringsten.

| 25
Abb. 3.4b: Sportliche Aktivität [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Abb. 3.4c: Sportarten [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Als häufigste Sportart wird von mehr als zwei Drittel der
Lehrkräfte Ausdauersport genannt (z. B. Joggen, Schwim-
men; Abb. 3.4c). Unterschiede zwischen Lehrern und Leh-
rerinnen zeigen sich vorrangig in den Angaben zu Ball-
sport und Gymnastik. Auch in den drei Altersgruppen wird
eine vergleichbare Beliebtheit des Ausdauersports berich-
tet. Gymnastik wird eher von den älteren, Ballsport von
den jüngeren Altersgruppen bevorzugt.
Altersgruppe
[Jahre]
GSP
<40
40–49 > 49
GSP
<40
ja
ja
nein
nein
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
28
21
28
33
26
74
67
72
62
79
72
38
40–49
>49
26
74
70
30
Männer
Frauen
Männer
Frauen
Ausdauersport
Entspannung
Kraftsport
Ballsport
Gymnastik
1004
80
60 0 20 0 06
20
40 0 80 100
Häufigkeit
[%]
Häufigkeit
[%]
65
59
70
74
16
23
30
20
4
3
4
4
2
1
1
5
6
6
56
4
7
7
5
17
14
8
15
67
73
64
69
4
5
4
4
6
5
6
40–49 Jahre
<40 Jahre
>49 Jahre
GSP
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Die bevöl-
kerungsrepräsentativen Daten zur sportlichen Aktivität
aus der DEGS-Studie [54] weisen zur Lehrkräftestichpro-
be eine etwas abweichende Aktivitätsklassifikation und
engere Altersgruppen auf. Für die Allgemeinbevölkerung
wurden drei Aktivitätskategorien gebildet (Abb. 3.4d).
Vergleicht man die Kategorie keine regelmäßige sportliche
Aktivität der Lehrer (Abb. 3.4b) mit keine sportliche Ak-
tivität der männlichen Allgemeinbevölkerung (Abb. 3.4d),
geben Lehrer häufiger an, regelmäßig Sport zu treiben,
auch wenn keine Informationen dazu vorliegen, ob ihre
sportlichen Aktivitäten weniger oder mehr als zwei Stun-
den wöchentlich einnehmen. Sowohl bei den Lehrern als
auch bei der männlichen Allgemeinbevölkerung besteht
ein Trend zur abnehmenden sportlichen Aktivität mit stei-
gendem Alter.

26 |
Abb. 3.4d: Sportliche Aktivität [Häufigkeiten in %] der Männer und Frauen der Allgemeinbevölkerung (n = 7.758) im Altersvergleich [54]
(GSP: Gesamtstichprobe)
Rauchen
ist in den Industrieländern „der für Gesund-
heitsschädigungen bedeutendste Einzelfaktor“ [55, 56]
und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Herzinfarkts
und Schlaganfalls, einer Arteriosklerose oder chroni-
schen Bronchitis sowie von bösartigen Neubildungen in
Lunge, Mundhöhle, Kehlkopf und Verdauungsorganen.
Rauchen
wurde mit der Frage erfasst „Sind Sie Rau-
cher?“ (JA/NEIN). Danach wird die Gruppe Raucher bzw.
Nichtraucher gebildet, wobei Gelegenheitsraucher in die
Gruppe der Raucher und ehemalige Raucher in die Grup-
pe der Nichtraucher eingeteilt werden.
Die
Intensität des Tabakkonsums
wird über die An-
zahl der täglich gerauchten Zigaretten erhoben. Dabei
werden leichte (<_ 10 Zigaretten), mittelstarke (11
bis 19
Zigaretten) und starke Raucher (>_ 20 Zigaretten) unter-
schieden [57].
Schulartvergleich:
Insgesamt gibt nur ein geringer Anteil
der Lehrkräfte an, Raucher (regelmäßige Raucher, Gele-
genheitsraucher) zu sein (Abb. 3.5a). Leicht erhöht ist die
Raucherquote unter den Förder- und Berufsschullehrkräf-
ten, während sich Oberschullehrkräfte seltener zu den Rau-
chern zählen.
Abb. 3.5a: Rauchverhalten [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule;
OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
34
28
39
36
38
39
40
43
26
29
26
22
mindestens 2h/Woche
mindestens 2h/Woche
bis zu 2h/Woche
bis zu 2h/Woche
keine sportliche Aktiviät
keine sportliche Aktiviät
36
40
33
33
46
44
44
44
20
16
21
23
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
12
12
12
14
8
92
88
88
88
86
85
15
Nichtraucher
Nichtraucher
Raucher
Raucher
Auch die Lehrerinnen geben – mit Ausnahme der jüngsten
Altersgruppe – etwas häufiger an, regelmäßig sportlich aktiv
zu sein als die weibliche Allgemeinbevölkerung (Abb. 3.4d).
Eine Aktivitätsabnahme mit steigendem Alter ist weder für
die Frauen in den Altersgruppen der DEGS-Studie noch bei
den sächsischen Lehrerinnen festzustellen (Abb. 3.4b).
GSP
30–39
40–49
50–59
GSP
30–39
60
40
80
100
20
0
40–49
50–59
Männer
Frauen
Altersgruppe
[Jahre]
Häufigkeit
[%]
3.2.2.2 Rauchverhalten

| 27
Abb. 3.5b: Rauchverhalten [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Alters- und Geschlechtsvergleich (GSP:
Gesamtstichprobe)
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Im Alters- und Ge-
schlechtsvergleich wird deutlich, dass mehr Lehrerinnen
als Lehrer angeben, Nichtraucher zu sein (Abb. 3.5b). Bei
den Lehrerinnen bildet sich eine Abnahme der Raucher-
quote mit zunehmendem Alter ab, während dieser Trend
bei den Männern nicht erkennbar ist.
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Analog zur Ka-
tegorisierung Raucher versus Nichtraucher wurden die
Daten zur Verbreitung des Rauchens aus der DEGS-Stu-
die [55] angepasst (Abb. 3.5c). Zum durchschnittlichen
Zigarettenkonsum pro Tag macht die DEGS-Studie keine
Angaben.
Auch bei der Intensität des Rauchens zeigen die Lehrer ein
ungünstigeres Gesundheitsverhalten.
Lehrer, die rauchen,
konsumieren durchschnittlich neun Zigaretten pro Tag,
die Raucherinnen dagegen nur sieben Zigaretten.
Gegenüber der Allgemeinbevölkerung weisen die sächsi-
schen Lehrkräfte ein deutlich günstigeres Gesundheits-
verhalten auf (Abb. 3.5c). Sowohl bei den Lehrkräften als
auch in der DEGS-Studie sind mehr Männer als Frauen
Raucher, wobei bei beiden Geschlechtern mit steigendem
Alter eine Tendenz zum Nichtrauchen zu verzeichnen ist.
Diese Tendenz ist bei Lehrkräften nur für die Lehrerinnen
erkennbar (Abb. 3.5b).
Altersgruppe
[Jahre]
GSP
<40
40–49 > 49
GSP
<40
Nichtraucher
Nichtraucher
Raucher
Raucher
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
15
15
11
17
15
83
85
85
89
86
14
40–49
>49
12
88
90
10
Männer
Frauen
85
Abb. 3.5c: Rauchverhalten [Häufigkeiten in %] der Allgemeinbevölkerung (n = 7.899) im Altersvergleich [55] (GSP: Gesamtstichprobe)
GSP30–44
45–64
GSP
30–44
45–64
Nichtraucher
Nichtraucher
Raucher
Raucher
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
39
40
30
33
31
70
67
69
72
61
60
28
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
3.2.2.3 Body-Mass-Index
Der
Body-Mass-Index
(BMI [kg/m²]) ist eine Maß-
zahl zur Bewertung des Körpergewichts in Relation zur
Körpergröße. Er ist aber nur ein grober Richtwert, da er
weder Statur und Geschlecht noch die individuelle Zu-
sammensetzung der Körpermaße aus Fett- und Muskel-
gewebe berücksichtigt. Jedoch kann er Hinweise auf eine
potentielle
Gesundheitsgefährdung
wie Untergewicht
oder Übergewicht bzw. Adipositas geben.
Übergewicht
zählt zu den wichtigsten Risikofaktoren
für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Es erhöht das Risiko für
Herzinfarkt und Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2
und für Erkrankungen des Bewegungsapparates. In den
letzten Jahrzehnten hat die Häufigkeit von Übergewicht
sowohl weltweit als auch in Deutschland stark zuge-
nommen.

28 |
Abb. 3.6a: Body-Mass-Index (BMI) [kg/m²] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [58] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule). Fehlende Prozentwerte zu
100 % entsprechen dem Anteil an Untergewicht.
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Der Body-Mass-In-
dex der Lehrer liegt im Mittel etwas über dem der Leh-
rerinnen, wobei sich nur die Anteile an Übergewichtigen
deutlich unterscheiden – nicht die Adipösen (Abb. 3.6b).
Der BMI steigt bei beiden Geschlechtern im Alter praktisch
bedeutsam an. Der Anteil an Übergewichtigen ist in der
Altersgruppe ab dem 50. Lebensjahr mehr als doppelt so
hoch wie bei den unter 40-Jährigen.
Schulart
GSP GSOSGYM FÖS BS
30
20
40
10
0
BMI
[kg/m
2
]
25
25
26
25
25
25
Schulart
GSP GSOS GYM FÖSBS
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
13
11
12
13
19
32
31
33
32
29
31
54
60
48
57
52
54
Normalgewicht
Normalgewicht
Übergewicht
Übergewicht
Adipositas
Adipositas
14
Altersgruppe
[Jahre]
GSP
<40
40–49> 49
GSP
<40
30
20
40
10
0
BMI
[kg/m
2
]
26
27
25
24
23
26
40–49
>49
25
26
Männer
Frauen
Deutlich
erhöhtes Übergewicht
wird als
Adipositas
(Fettleibigkeit) bezeichnet und gilt als behandlungsbe-
dürftige Krankheit.
Nach den
Richtlinien der WHO
[58] werden Personen
anhand des BMI als normalgewichtig (BMI 18,5–24,9
kg/m²), übergewichtig (BMI 25,0–29,9 kg/m²) und
adipös (BMI
>_
30 kg/m²) klassifiziert.
Schulartvergleich:
Die Lehrkräfte sind nach den Gewichts-
klassen der WHO [58] im Durchschnitt leicht übergewichtig
(Abb. 3.6a). Die ungünstigsten BMI-Werte weisen Lehrkräfte
der Oberschulen auf, während der BMI bei den Lehrkräften
der anderen vier Schularten vergleichbar ist.
Der Anteil an Normalgewichtigen ist folglich bei den Ober-
schullehrkräften vergleichsweise gering und bei den Grund-
schullehrkräften hoch. Umgekehrt weisen weniger Grund-
schullehrkräfte eine behandlungsbedürftige Fettleibigkei
t auf
als Oberschullehrkräfte (Abb. 3.6a).

| 29
Abb. 3.6b: Body-Mass-Index (BMI) [kg/m²] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [58] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980)
im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe). Fehlende Prozentwerte zu 100 % entsprechen dem Anteil an Untergewicht.
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Im Vergleich zu
Männern und Frauen der Allgemeinbevölkerung [59] weisen
sowohl Lehrer als auch Lehrerinnen durchschnittlich etwas
günstigere BMI-Werte auf (Abb. 3.6 c). Demzufolge fällt der
Anteil an Normalgewichtigen bei den Lehrkräften günstiger
aus als bei den Männern und Frauen der Allgemeinbevöl-
kerung. Die geschlechtsspezifischen Alterseffekte sind für
Lehrkräfte und Allgemeinbevölkerung vergleichbar.
GSP <40 40–49 >49 GSP<40
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
14
14
16
13
42
52
29
18
25
34
24
45
41
72
44
32
57
78
63
47
Normalgewicht
Normalgewicht
Übergewicht
Übergewicht
Adipositas
Adipositas
10
18
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
40–49
> 49
Abb. 3.6c: Body-Mass-Index (BMI) [kg/m²] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [58] der Männer und Frauen der Allgemeinbevölkerung
im Altersvergleich (n = 7.116) [59] (GSP: Gesamtstichprobe). Fehlende Prozentwerte zu 100 % entsprechen dem Anteil an Untergewicht.
30
20
40
10
0
BMI
[kg/m
2
]
28
28
26
25
26
28
27
28
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
GSP
GSP
<40
<40
40–49
40–49
50–69
50–69
GSP
GSP
<40
<40
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
25
23
30
23
47
51
28
28
35
40
46
29
37
30
19
48
57
52
34
19
31
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
50–69
50–69
40–49
40–49
22
23
20
Normalgewicht
Normalgewicht
Übergewicht
Übergewicht
Adipositas
Adipositas
3.2.2.4 Blutdruck
Blutdruck
ist der Druck des Blutes in den Blutgefäßen
bzw. der Druck, den eine Pulswelle auf die Innenwände
der Arterien und Venen ausübt; er wird in mmHg ange-
geben. In der Regel ist mit Blutdruck der Druck in den
großen Arterien (auf Herzhöhe) gemeint. Er ist bei ge-
sunden Menschen im Schlaf niedriger als tagsüber und
in Ruhe niedriger als bei körperlicher Anstrengung.
Bei der
Messung des Blutdruckes
werden zwei Werte
bestimmt: Der erste (höhere Wert) entspricht dem
sys-
tolischen Blutdruck (SBD),
der zweite (niedrigere)
Wert entspricht dem
diastolischen Blutdruck (DBD).
Der
SBD
entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht
und Blut in die Arterien pumpt (Anspannungsphase des
Herzens). Dabei steigt der Blutdruck in den Gefäßen kurz

30 |
Abb. 3.7a: Blutdruck (BD) [mmHg] und dessen Klassifikation (einschließlich der Einnahme von Antihypertensiva in den letzten 7 Tagen) [Häufig-
keiten in %] [60] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium;
FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Schulart
GSP GS
OS
GYM
GSP
90
60
120
150
30
0
BD
[mmHg]
128
127
131
127
130
130
83
83
84
82
84
82
SBD
DBD
FÖSBSGS
OS
GYM
FÖS
BS
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
normoton
normoton
hyperton
hyperton
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
50
50
51
44
55
45
56
50
50
49
51
49
an – der erreichte maximale Druck repräsentiert den SBD.
Danach erschlafft das Herz und der Druck sinkt langsam
bis zum niedrigsten Wert ab, dem
DBD
(Druck in der
Entspannungsphase). SBD und DBD und ihr Verhältnis
zueinander geben Aufschluss über normalen (gesunden)
oder zu niedrigen bzw. erhöhten (ungesunden) Blutdruck.
Der
Normalbereich
umfasst im Ruhezustand für den
SBD Werte von 110 bis 139 mmHg sowie für den DBD
Werte von 65 bis 89 mmHg [60]. Der
optimale Blut-
druck
eines erwachsenen Menschen liegt etwa bei
120/80 mmHg.
Bluthochdruck (Hypertonie)
ist eine dauerhafte Er-
höhung des Blutdrucks ab 140/90 mmHg und gilt auf-
grund verschiedener Risiko- und Begleitfaktoren als
komplexe Störung der Blutdruckregulation [60]. Zu den
Begleitfaktoren zählen vor allem Adipositas, Diabetes
mellitus und Fettstoffwechselstörungen. Folgeerkran-
kungen sind Arteriosklerose, Schlaganfall, Herzinfarkt,
Herz- und Niereninsuffizienz.
Ein einmalig gemessener erhöhter Blutdruck ist noch
keine Hypertonie.
Hier besteht zunächst der Verdacht
auf Bluthochdruck. Erst
mehrfach
– an verschiede-
nen Tagen und zu verschiedenen Uhrzeiten – gemes-
sene Blutdruckwerte
>_
140/90 mmHg
werden als
Bluthochdruck
angesehen [60]. Die Einnahme von
bluthochdrucksenkenden Medikamenten (Antihyper-
tensiva) wurde bei der Blutdruck-Klassifizierung mit
berücksichtigt, das heißt, Personen mit Antihyperten-
siva wurden unabhängig von den Blutdruckwerten der
Kategorie hyperton zugeordnet.
Schulartvergleich:
Im Mittel liegen die Blutdruckwerte
der sächsischen Lehrkräfte unter der „Hypertonie-Gren-
ze“ von 140/90 mmHg [60] und sind als „normal“ zu
klassifizieren (Abb.
3.7a). Zwischen den Schularten be-
stehen nur geringe Unterschiede im systolischen und
diastolischen Blutdruck. Die günstigsten Blutdruckwer-
te weisen die Gymnasiallehrkräfte, die ungünstigsten
Werte die Oberschullehrkräfte auf. Allerdings fallen
die durchschnittlichen systolischen Blutdruckwerte der
Lehrkräfte an den Oberschulen, Förderschulen und Be-
rufsschulen mit
>_
130 mmHg bereits in die Blutdruck-
klasse „hochnormal“, einer Vorstufe der hypertonen
Werte [61]. Bei der Hälfte der Lehrkräfte sind hypertone
Blutdruckwerte zu verzeichnen (Abb. 3.7a), wobei dieser
Anteil bei den Oberschullehrkräften etwas höher aus-
fällt.

| 31
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Im Alters- und Ge-
schlechtsvergleich bestätigt sich, dass Männer und höhere
Altersklassen beider Geschlechter höhere Blutdruckwerte
aufweisen (Abb. 3.7b). Die durchschnittlichen Blutdruck-
werte der Lehrer fallen in den „hochnormalen“ Bereich, die
der Lehrerinnen in den „normalen“ Bereich. Lehrer zäh-
len häufiger zu Hypertonikern als Lehrerinnen, wobei der
Anteil der Hypertoniker ab dem 40. Lebensjahr (mittlere
und hohe Altersgruppe) bei beiden Geschlechtern deut-
lich ansteigt (Abb. 3.7b). So treten in der Altersgruppe ab
50 Jahre bei fast zwei Drittel der Lehrkräfte hypertone
Blutdruckwerte auf. Zu beachten ist, dass bereits bei etwa
einem Drittel der jüngeren Lehrer (37 %) hypertone Blut-
druckwerte auffallen.
Altersgruppe
[Jahre]
90
60
120
150
30
0
BD
[mmHg]
132
124
130
135
85
81
85
87
128
115
125
132
83
78
82
84
Männer
Frauen
GSP<40 40–49 >49 GSP<40 40–49>49 GSP <40 40–49 >49 GSP<40 40–49 >49
Systole
Diastole
Systole
Diastole
Abb. 3.7b: Blutdruck (BD) [mmHg] und dessen Klassifikation (einschließlich der Einnahme von Antihypertensiva in den letzten 7 Tagen) [Häu-
figkeiten in %] [60] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Altersgruppe
[Jahre]
normoton
normoton
hyperton
hyperton
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
57
37
49
69
50
50
31
51
82
63
43
18
43
57
39
61
Männer
Frauen
GSP
<40 40–49 >49 GSP
<40 40–49 >49
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Auch die Männer
und Frauen der Allgemeinbevölkerung liegen im Mittel un-
ter dem kritischen Blutdruckwert von 140/90 mmHg, der
auf Hypertonie hinweist (Abb. 3.7c) [61]. Allerdings sind in
den vergleichbaren Altersgruppen für die Allgemeinbevöl-
kerung geringere Blutdruckwerte als für die Lehrkräfte zu
verzeichnen (Abb. 3.7b). Bei den meisten Frauen sind die
Blutdruckwerte sogar „optimal“. Zu beachten ist, dass be-
reits die jüngeren Lehrkräfte im Vergleich zur Allgemein-
bevölkerung deutlich häufiger hypertone Blutdruckwerte
aufweisen.
Übereinstimmend bestätigt sich für die Lehrkräfte und die
Allgemeinbevölkerung mit zunehmendem Alter eine Ten-
denz zu höheren Blutdruckwerten, die bei den Männern
deutlicher ausfällt als bei den Frauen (Abb. 3.7c).

32 |
Abb. 3.7c: Blutdruck (BD) [mmHg] und dessen Klassifikation (einschließlich der Einnahme von Antihypertensiva in den letzten 7 Tagen) [Häu-
figkeiten in %] [60, 61] der Allgemeinbevölkerung im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
3.2.2.5 Blutfette (Lipoproteine)
Lipoproteine
bestehen aus
Proteinen
und
Lipiden
(Cho-
lesterin und Triglyceride). Der äußere Transportteil setzt
sich aus Proteinen zusammen, der innere Teil aus Lipiden.
Je nach Anteil an Lipiden variieren Größe und Dichte der
Lipoproteine. Die äußere Proteinhülle der Lipoproteine
dient der Lösung der nicht wasserlöslichen Lipide im Blut.
Als Fettstoffwechselparameter wurden neben dem Ge-
samtcholesterin das High Density Lipoprotein (HDL-Cho-
lesterin) und das Low Density Lipoprotein (LDL-Choles-
terin) sowie deren Verhältnis (LDL/HDL-Ratio) aus dem
Serum bestimmt;
in diesem Bericht werden nur die Er-
gebnisse für Gesamtcholesterin und LDL/HDL-Ratio dar-
gestellt.
Zur Ermittlung der Fettstoffwechselparameter erfolgte
eine Blutabnahme in der Armbeuge. Die Blutproben wur-
den im Labor analysiert. Die Fettstoffwechselparameter
werden in Millimol pro Liter (mmol/l) oder Milligramm pro
Deziliter (mg/dl) angegeben – beides sind Maßeinheiten
für die Konzentration eines „Stoffes“ (hier: Cholesterin-
spiegel).
Gesamtcholesterin
Cholesterin
ist ein lebenswichtiges Lipid und wird im
Blut – an Lipoproteine gebunden – transportiert. Es wird
sowohl mit der
Nahrung
(tierische Produkte) aufge-
nommen als auch
im Körper
selbst synthetisiert und
ist ein unabkömmlicher Bestandteil von Zellmembranen
und bestimmten Eiweißen. Außerdem ist es ein Vorpro-
dukt bei der Synthese von Gallensäuren und Hormonen.
Erhöhte Cholesterin-Werte
im Blut sind keine
Krankheit und sagen zunächst wenig aus; es gibt ver-
schiedene Auffassungen, ab wann ein Cholesterinwert
als „zu hoch“ gilt. Daher werden häufig statistische De-
finitionen angewendet, die auf den oberen 5 bis 10 %
der Verteilung der Blutfettwerte innerhalb einer Bevöl-
kerungsgruppe basieren.
Unabhängig davon gilt
zu hohes Cholesterin
als wich-
tiger
Risikofaktor
für Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
insbesondere für Arteriosklerose. Allerdings ist erhöhtes
Cholesterin nur ein Risikofaktor! Erst wenn mehrere Ein-
Altersgruppe
[Jahre]
90
60
120
150
30
0
BD
[mmHg]
127
125
127
130
77
74
78
80
118
113
118
124
72
70
72
75
Männer
Frauen
Systole
Diastole
Systole
Diastole
GSP 30–39 40–49 50–59 GSP
30–39
40–4950–59 GSP 30–39 40–4950–59 GSP
30–39
40–4950–59
Altersgruppe
[Jahre]
normoton
normoton
hyperton
hyperton
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
26
11
19
42
26
74
58
81
95
89
74
GSP 30–39 40–49 50–59 GSP 30–39 40–4950–59
17
83
65
35
Männer
Frauen

| 33
Schulart
GSP GS OSGYM FÖS BS
6
4
8
2
0
Gesamtcholesterin
[mmol/l]
5,6
5,5
5,8
5,6
5,5
5,5
flussfaktoren zusammen betrachtet werden, ist das Ri-
siko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen abschätzbar [62].
Entsprechend der
Klassifikation der American As-
sociation of Clinical Endocrinologists
(AACE) [63]
sind Werte < 5,2 mmol/l „wünschenswert“, Werte zwi-
schen 5,2 und 6,2 mmol/l „grenzwertig erhöht“ und
Werte > 6,2 mmol/l „hoch“.
Schulartvergleich:
Sächsische Lehrkräfte weisen ent-
sprechend der Klassifikation der AACE [63] grenzwer-
tige Gesamtcholesterin-Konzentrationen im Blut auf
(Abb. 3.8a). Im Schulartvergleich zeigen Lehrkräfte in
Oberschulen deutlich höhere Gesamtcholesterin-Kon-
zentrationen als die Lehrkräfte der anderen Schularten.
Die Schulartunterschiede ergeben sich vor allem durch
die Alters- und Geschlechtseffekte. Dementsprechend
fällt der Anteil ungünstiger Gesamtcholesterin-Werte
(grenzwertig,
erhöht) bei Lehrkräften der Förderschulen
am geringsten und bei Lehrkräften der Oberschulen am
höchsten aus. Nur bei gut einem Drittel der Lehrkräfte
wurden wünschenswerte Gesamtcholesterin-Konzen-
trationen festgestellt (Abb. 3.8a).
Abb. 3.8a: Gesamtcholesterin-Konzentration [mmol/l] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] (AACE) [63] der Lehrkräfte (n = 2.361) im
Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Die Gesamtcholes-
terin-Konzentration ist für Lehrer und Lehrerinnen ver-
gleichbar und nimmt erwartungsgemäß mit dem Alter zu
(Abb. 3.8b). Diese Alterseffekte sind bei den Lehrerinnen
deutlicher ausgeprägt als bei den Lehrern und auch prak-
tisch bedeutsamer. Für das Gesamtcholesterin kann
von
Alterseffekten ausgegangen werden.
Schulart
GSP
GS
OS
GYM
FÖS
BS
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
25
23
23
30
27
43
40
36
40
42
42
35
35
27
33
41
36
wünschenswert
wünschenswert
grenzwertig
grenzwertig
erhöht
erhöht
22

34 |
Abb. 3.8b: Gesamtcholesterin-Konzentration [mmol/l] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] (AACE) [63] der Lehrer (n = 381) und Leh-
rerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Abb. 3.8c: Gesamtcholesterin-Konzentration [mmol/l] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] der Männer und Frauen der Allgemeinbe-
völkerung im Altersvergleich (n = 7.038) [64] (GSP: Gesamtstichprobe)
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Die Lehrkräfte
weisen ungünstigere Gesamtcholesterin-Werte auf als der
Bevölkerungsdurchschnitt (Abb. 3.8c) [64]. In der Alters-
gruppe von 45 bis 64 Jahren haben rund ein Viertel der
Männer und Frauen in der Allgemeinbevölkerung erhöhtes
Gesamtcholesterin (> 6,2 mmol/l). Dieser Anteil liegt in
der Altersgruppe der über 50-jährigen Lehrkräfte etwas
höher. Allerdings haben Lehrerinnen zwischen 40 und 49
Jahren seltener erhöhte Werte. Insgesamt
erscheint die
Verteilung des Gesamtcholesterins in den Frauenstich-
proben vergleichbar.
60
40
80
20
0
erhöhtes Gesamtcholesterin
Häufigkeit
[%]
18
9
27
19
21
100
23
Altersgruppe
[Jahre]
6
4
8
2
0
Gesamtcholesterin
[mmol/l]
5,7 5,7
5,6
5,0
4,9
5,7
GSP<40 40–49 >49 GSP <40 40–49 >49
5,3
6,0
Männer
Frauen
10
GSP
<40
40–49 > 49
GSP<40
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
28
27
25
31
43
49
40
25
38
45
28
44
28
54
26
24
35
70
48
18
wünschenswert
wünschenswert
grenzwertig
grenzwertig
erhöht
erhöht
14
37
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
40–49
>49
18
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
GSP 30–443
45–64 GSP 0–44
6
4
8
2
0
Gesamtcholesterin
[mmol/l]
5,2
4,9
5,6
5,3
5,2
10
5,4
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
GSP 30–44 45–644
GSP 30–44 5–64
45–64

| 35
LDL/HDL-Ratio
High Density Lipoprotein (HDL)
ist das kleinste und
schwerste Lipoprotein im Blut. Es wird in der Leber, der
Darmwand und beim Abbau leichterer Lipoproteine gebil-
det. Als Maß der
HDL-Konzentration
wird allgemein der
Cholesteringehalt des HDL
verwendet.
HDL-Choleste-
rin-Mangel
ist ein
Risikofaktor, HDL-Cholesterin-Er-
höhung
ein
Schutzfaktor
für die koronare Herzkrank-
heit. Beeinflusst wird der
HDL-Cholesterin-Spiegel
im
Blut durch
Faktoren
wie Genetik, Geschlecht, körperliche
Aktivität und Gewicht.
Low Density Lipoprotein (LDL)
besteht zu 6 % aus
Triglyceriden
und zu 50 % aus
Cholesterin
und ist der
Haupttransporteur
des Cholesterins im Blut. An das
LDL-Cholesterin sind ca. 80 % des gesamten Blutcholes-
terins gebunden.
Hohe LDL-Cholesterin-Blutspiegel
sind ein
Risikofaktor für koronare
Herzkrankheit.
Zur
Abschätzung des kardiovaskulären Risikos wird
LDL-Cho-
lesterin
gegenüber
Gesamtcholesterin
bevorzugt.
Risikoverhältnisse
zwischen
LDL
und
HDL
gelten im
Vergleich zu einfachen Blutfettparametern als verlässli-
chere
Indikatoren zur Vorhersage kardiovaskulärer
Erkrankungen.
Dazu zählt das
LDL/HDL-Ratio
– auch
als atherogener Index bezeichnet. Es beschreibt das
Ver-
hältnis von LDL- zu HDL-Cholesterin
und ergibt sich
aus folgender Formel:
LDL/HDL-Quotient =
(LDL-Cholesterin [mmol/l]
(HDL-Cholesterin [mmol/l])
Entsprechend der
Klassifikation von Bioscientia
[65]
liegt der Zielwert bei < 3,0. Ein „erhöhtes Risiko“ besteht
bei einem Quotienten zwischen 3,0 und 5,0 und ein „ho-
hes Risiko“ für kardiovaskuläre Ereignisse liegt bei > 5,0
vor.
Schulartvergleich:
Sächsische Lehrkräfte verfügen nach
der Klassifikation von Bioscientia [65] im Durchschnitt
über ein wünschenswertes LDL/HDL-Ratio (2,0) (Abb.
3.9a). Ein grenzwertig erhöhtes LDL/HDL-Ratio ist bei
11 % der Lehrkräfte vorhanden. Das günstigste LDL/
HDL-Ratio kann bei den Lehrkräften der Grundschule, das
ungünstigste bei den Lehrkräften der Oberschule beob-
achtet werden. Die Schulartunterschiede sind statistisch
nur von geringer Relevanz.
Abb. 3.9a: LDL/HDL-Ratio und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [65] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstich-
probe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Schulart
GSP GS OS GYM FÖS BS
3
2
4
5
1
0
LDL/HDL-Ratio
2,0
2,0
2,0
2,1
2,0
1,9
Schulart
GSP GSOSGYM FÖS BS
grenzwertig
grenzwertig
erhöht
erhöht
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
9
10
11
84
90
89
86
91
14
wünschenswert
wünschenswert
11
15
88

36 |
Abb. 3.9b: LDL/HDL-Ratio und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [65] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe)
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Das LDL/HDL-Ratio
fällt bei Lehrerinnen günstiger aus als bei Lehrern (Abb.
3.9b). Beide Durchschnittswerte liegen im wünschens-
werten Bereich (< 3,0), wobei für Lehrer im Alter ein Trend
zu einem erhöhtem Risiko zu beobachten ist. Der Groß-
teil der Lehrerinnen verfügt unabhängig vom Alter über
ein wünschenswertes LDL/HDL-Verhältnis. Dieser Anteil
sinkt bei den Männern bereits nach dem 40. Lebensjahr
sehr deutlich. Die Alterseffekte sind aber nur von geringer
praktischer Bedeutung.
3.2.2.6 Glukose (Blutzucker)
Der
Glukosewert (Blutzuckerwert)
gibt den Zu-
ckergehalt des Blutes (= Konzentration an gelöstem
Traubenzucker im Blut) an. Er wird in Millimol pro Liter
(mmol/l) bzw. Milligramm pro Deziliter (mg/dl) ange-
geben und beträgt bei Gesunden 3,3 bis 6,1 mmol/l.
Durch den
Blutzucker
wird die Energieversorgung der
Zellen sichergestellt. Er gelangt unter Einwirkung von
Insulin
aus der Blutbahn in die Zelle, die daraus durch
eine Kette von chemischen Reaktionen Energie gewin-
nen kann. Ohne Insulin kann Blutzucker nicht in die
Zellen eindringen und verbleibt deshalb im Blut.
Bei
Diabetes mellitus
ist der Zuckerstoffwechsel ge-
stört – durch
Insulinmangel
ist der Blutzucker zu hoch,
während gleichzeitig in den Zellen die Glukose dringend
gebraucht wird – es liegt
Hyperglykämie
(= Überzu-
cker bzw. krankhaft erhöhter Anteil an Glukose im Blut)
vor. Umgekehrt kann es durch zu viel Insulin oder bei
Stoffwechselfehlfunktionen zur
Hypoglykämie
(Unter-
zucker) kommen. Ein auf normale Blutzuckerwerte ein-
gestellter
Diabetes
verringert das Risiko von weiteren
diabetischen Komplikationen. Das
Risiko
an
Diabetes
Typ II
zu erkranken, steigt
mit erhöhtem Körperge-
wicht
und
zunehmendem Alter
[66]. Zudem scheint
schlechte Schlafqualität
das Risiko zu erhöhen [67].
Während sich
akute Hyperglykämie im Glukose-
spiegel
zeigt, wird langfristige Hyperglykämie im
HbA1c-Spiegel
im Blut sichtbar. Normalerweise
verän-
dert sich der Blutzuckerwert
am Tag nur wenig. Am
Morgen nach dem Aufstehen ist er am niedrigsten, nach
dem Essen steigt er an. Zur Bewertung ist der Zeitpunkt,
zu dem der Blutzuckerspiegel gemessen wird, maßgeb-
lich (Nüchternblutzucker, prä- und postprandialer Blut-
zucker). Nach Klassifikation der
Bundesärztekammer
(BÄK), der
Kassenärztlichen
Bundesvereinigung
(KBV)
und der
Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaft-
lichen Medizinischen Fachgesellschaften
(AWMF)
[68] gelten
Nüchternglukosewerte
< 5,6 mmol/l als
„wünschenswert“, 5,6–6,9 mmol/l als „grenzwertig“ (Prä-
diabetes) und
>_
7,0 mmol/l als „Diabetes“.
Schulartvergleich:
Die Lehrkräfte besitzen entspre-
chend der Klassifikation der BÄK, KBV und AWMF [68]
einen Nüchternglukosespiegel, der noch im wünschens-
werten bzw. normalen Bereich liegt (Abb. 3.10a).
Altersgruppe
[Jahre]
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
31
10
8
34
34
66
64
90
92
95
68
5
5
95
90
10
Männer
Frauen
GSP
<40 40–49 >49GSP
<40 40–49 >49
wünschenswert
wünschenswert
grenzwertig
grenzwertig
erhöht
erhöht
LDL/HDL-Ratio
2,6
2,7
1,9
1,7
2,2
2,6
1,8
2,0
Altersgruppe
[Jahre]
3
2
4
1
0
GSP<40 40–49 >49 GSP <40 40–49 >49
Männer
Frauen
5

| 37
Schulart
GSP GS OSGYM FÖS BS
6
4
8
2
0
Glukose
[mmol/l]
5,4
5,2
5,3
5,2
5,4
5,1
Abb. 3.10a: Nüchternglukosewerte [mmol/l] und deren Klassifikation [Häufigkeiten in %] [68] der Lehrkräfte (n = 1.662) im Schulartvergleich
(GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Bei etwa einem Viertel der Lehrkräfte sind risikohaltige
(grenzwertige, erhöhte) Glukosewerte festzustellen. Lehr-
kräfte der Berufsschulen weisen die günstigsten Gluko-
sewerte, Lehrkräfte der Oberschulen die ungünstigsten
Glukosewerte auf. Diese Schulartunterschiede sind aber
nur von geringer praktischer Relevanz.
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Der Nüchterngluko-
sespiegel der Lehrer ist mit dem der Lehrerinnen vergleich-
bar. Auffällig ist die deutliche Zunahme der Glukosewerte
bei Lehrern ab dem 50. Lebensjahr. Diese Altersunter-
schiede sind praktisch bedeutsam.
Die Alterseffekte der
Lehrerinnen sind von geringerer Relevanz (Abb. 3.10b).
Dementsprechend weisen etwas mehr Lehrer als Lehre-
rinnen erhöhte Glukosewerte auf. Während bei den über
40-Jährigen kaum eine Lehrkraft an Diabetes erkrankt ist,
sind in der Altersgruppe
>_
50 Jahre 8 % der Lehrer und
6 % der Lehrerinnen davon betroffen (ohne Abb.).
Abb. 3.10b: Nüchternglukosewerte [mmol/l] und deren Klassifikation [Häufigkeiten in %] [68] der Lehrer (n = 279) und Lehrerinnen (n = 1.383)
im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
5,1
5,7
5,3
5,4
5,0
4,9
5,2
5,4
Altersgruppe
[Jahre]
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
23
23
22
30
17
83
63
72
89
77
73
GSP <40 40–49 >49 GSP <40 40–49 >49
80
72
22
Männer
Frauen
16
10
6
grenzwertig
grenzwertig
erhöht
erhöht
wünschens-
wert
wünschens-
wert
7
6
Schulart
GSP GSOS GYM FÖSBS
grenzwertig
grenzwertig
erhöht
erhöht
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
19
19
21
19
20
73
78
75
81
76
77
wünschenswert
wünschenswert
5
6
6
5
15
Altersgruppe
[Jahre]
GSP
<40
40–49 > 49
GSP
<40
6
4
8
2
0
Glukose
[mmol/l]
40–49
>49
Männer
Frauen

38 |
Abb. 3.10c: Diagnostizierter Diabetes in der Allgemeinbevölkerung (n = 7.080) [69] im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung
: Obwohl in der
DEGS-Studie die Nüchternglukose bestimmt wurde, ste-
hen keine direkten Vergleichsdaten zur Verfügung. Al-
ternativ wird für die Allgemeinbevölkerung der ärztlich
Bezüglich der Diagnose Diabetes schneiden Lehrkräfte in
den Altersgruppen unter dem 50. Lebensjahr tendenziell
besser ab. Ab dem 50. Lebensjahr werden gegensätzliche
Geschlechtseffekte deutlich: 4 % der Lehrer und 6 % der
Lehrerinnen zwischen 50 und 65 Jahren erhalten die Dia-
gnose Diabetes; in der Allgemeinbevölkerung ist es genau
umgekehrt [69].
diagnostizierte Diabetes für die relevanten Altersgruppen
herangezogen (Abb. 3.10c) [69] und mit dem der Lehr-
kräfte (Abb. 3.10c – nur Befragungsdaten) verglichen.
Insgesamt, über alle Altersgruppen hinweg, ist das Vor-
kommen von Diabetes bei den Lehrkräften mit dem in der
Allgemeinbevölkerung vergleichbar (3 %).
Der
PROCAM-Score
(Weibull-Modell) [70] bezieht
sich auf das Risiko, innerhalb der nächsten
10 Jahre
an
einem
akuten Herzinfarkt
zu erkranken (Herzinfarkt-
risiko in Prozent). Manifestationen der koronaren Herz-
erkrankung, die noch nicht zum Herzinfarkt geführt ha-
ben, sind ausgeschlossen.
Bei der Bestimmung des
PROCAM-Scores
werden fol-
gende fünf Merkmale berücksichtigt: Blut-Konzentrati-
on des HDL- und LDL-Cholesterins sowie der Triglyceri-
de, systolischer Blutdruck und anamnestische Daten zu
Raucherstatus, Diabetes und Vorkommen eines Herzin-
farktes in der Familie (Verwandte 1. Grades). Dazu wer-
den den Werten der Risikofaktoren Punktzahlen
zuge-
ordnet, die in ihrer Summe den
PROCAM-Score
bilden.
Das
Risiko
wird dann in einem zweiten Schritt in Ab-
hängigkeit von Alter und Geschlecht in einer Normta-
belle des sogenannten Weibull-Modells abgelesen [70];
bei diesem Modell stehen auch Normwerte für Frauen
zur Verfügung.
Ein Drittel der Männer und Frauen mit einem ermittel-
ten
Risiko über 20 %
erlitten in den folgenden 10 Jah-
ren tatsächlich einen akuten Herzinfarkt [70].
Der
Wertebereich
des
PROCAM-Scores
liegt zwischen
0 und 71 Punkten und wird – je nach Geschlecht und
Alter – folgenden fünf Risikokategorien zugeordnet:
Risikokategorien
[%]
Risiko-Bewertung
tatsächlich beobachtete Fälle
0–4 % niedrig Männer: 3 %
5–9 %
moderat
Frauen:
1 %
10–19 %
intermediär
Männer:
15 % , Frauen 6 %
20–29 % hoch Männer: 33 %
= 30 %
sehr hoch
Frauen:
32 %
}
}
Altersgruppe
[Jahre]
30
20
40
10
0
Häufigkeit
[%]
7
3
4
4
GSP30–39 40–4950–59 GSP30–39 40–49 50–59
5
4
Männer
Frauen
50
3.2.2.7 Kardiovaskuläres Risiko – PROCAM-Score

| 39
Schulartvergleich:
Bei einem Großteil der Lehrkräfte
liegt das Herzinfarktrisiko für die nächsten 10 Jahre bei
weniger als 10 % (Abb. 3.11a). Obwohl Lehrkräfte der
Oberschulen den höchsten Punktwert erreichen, weisen
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Bei Lehrern wurde
im Durchschnitt ein höherer PROCAM-Score bestimmt als
bei Lehrerinnen. In der Altersgruppe ab dem 50. Lebens-
jahr hat knapp ein Viertel der Lehrer ein Herzinfarktrisiko,
das über 10 % liegt (Abb. 3.11b). Dieser Anteil fällt bei Leh-
Lehrkräfte der Berufsschulen das größte Risiko auf. Die
Unterschiede entstehen durch die differenzierte Risi-
koschätzung für Alter und Geschlecht. Die schulartspezi-
fischen Unterschiede sind unbedeutsam.
rerinnen deutlich geringer aus. Die Zunahme des Risikos
mit dem Alter ist vor allem bei den Lehrern von Bedeut-
samkeit. Einschränkend muss angeführt werden, dass das
Alter selbst einen Risikofaktor bei der Bestimmung des
PROCAM-Scores darstellt.
Abb. 3.11a: PROCAM-Score [Weibull Modell: Punktwerte] und Herzinfarktrisiko für die nächsten 10 Jahre [Häufigkeiten in %] [70] der Lehrkräfte (n
= 1.662) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Procam-Score
[Punktwerte]
20
22
15
9
12
17
18
20
Schulart
GSP GSOSGYM FÖSBS
10–20
%
10–20
%
>
_ 20 %
>
_ 20 %
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
96
96
96
93
96
99
<10
%
<10
%
Schulart
GSP GS OSGYM FÖS BS
60
40
80
20
0
Procam-Score
[Punktwerte]
16
14
17
15
16
16
Abb. 3.11b: PROCAM-Score [Weibull Modell: Punktwerte] und Herzinfarktrisiko für die nächsten 10 Jahre [Häufigkeiten in %] [70] der Lehrer
(n = 279) und Lehrerinnen (n = 1.383) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Altersgruppe
[Jahre]
Altersgruppe
[Jahre]
60
60
40
40
80
80
100
20
20
0
0
Häufigkeit
[%]
12
23
96
74
100
99
100
86
GSP <40 40–49>49 GSP<40 40–49>49
GSP <40 40–49 >49 GSP <40 40–49 >49
96
Männer
Männer
Frauen
Frauen
10–20
%
10–20
%
>
_ 20 %
>
_ 20 %
<10
%
100
<10
%

40 |
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Das Herzinfarkt-
risiko der Lehrkräfte (Abb. 3.11b) und der Teilnehmer der
PROCAM-Studie ist nahezu identisch [70]. Nur die Leh-
rer haben ein tendenziell geringeres Risiko im Vergleich
zu den Männern der Allgemeinbevölkerung (Abb. 3.11c).
Es bestehen vergleichbare Geschlechtseffekte zwischen
beiden Stichproben.
Abb. 3.11c: Herzinfarktrisiko für die nächsten 10 Jahre [Häufigkeiten in %] der Männer (n = 5.150) und Frauen (n = 2.145) der Allgemeinbevöl-
kerung im Geschlechtsvergleich [70] (GSP: Gesamtstichprobe)
Zu den
Gesundheitsmerkmalen
zählen auch
sub-
jektive Beschwerden, körperliche
und
psychische
Befindensstörungen
und
diagnostizierte Erkran-
kungen.
Diese wurden anhand von Selbstauskünften
erfasst und zu 14 Beschwerde- bzw. Krankheitskatego-
rien zusammengefasst. Anhand dieser Kategorien wird
sowohl die Gesamtanzahl an Beschwerden als auch die
jeweilige Häufigkeit der Nennung bestimmt.
Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden nur die neun
häufigsten
Beschwerde-
bzw.
Krankheitskategorien
(geordnet nach der Häufigkeit ihrer Nennung in der
Gesamtstichprobe) dargestellt.
Die
Beschwerde-
bzw.
Krankheitskategorien
setzen
sich wie folgt zusammen:
Bewegungsapparat:
Nacken-, Schulter-, Brust-
wirbelsäulen- und Lendenwirbelsäulenschmerzen,
Ischialgie, Gelenkerkrankungen
Sinnesorgane:
Augenkrankheiten, Schwerhörig-
keit, Gleichgewichtsstörungen, Schwindel
Allergien:
Allergien, Hauterkrankungen
Schlaf:
Einschlaf- und Durchschlafstörungen
Herz-Kreislauf-System:
Herzerkrankungen, Herz-
stolpern, Herzrasen, Hypertonie
Kopfschmerzen:
Migräne, Spannungskopfschmer-
zen
, Kopschmerz allgemein
Psyche:
Depressionen, Angststörungen, Burnout
und andere psychische Beeinträchtigungen
Stimme:
Stimmschwierigkeiten bilden aufgrund
der besonderen Belastung im Lehrerberuf eine ei-
gene Kategorie
Atemwege:
Lungenkrankheiten, Bronchitis, Hus-
ten, Reizhusten
3.2.3 Beschwerden und Erkrankungen
Folgende
Beschwerden-
bzw.
Krankheitskategorien
sind aufgrund ihres geringeren Vorkommens und aus
Platzgründen nicht grafisch dargestellt:
Unfälle/Behinderungen:
Knapp 15 % der Lehrkräfte
geben Unfälle und daraus resultierende Beeinträchti-
gungen an. Diese werden vor allem der Kategorie des
Bewegungsapparates zugeordnet.
Verdauung:
11 % der Lehrkräfte berichten von Stö-
rungen im Verdauungstrakt. Zu den häufigsten Diag-
nosen zählen der Reizdarm, Sodbrennen und En
tzün-
dungen in diesem Bereich.
Harnwegserkrankungen:
7 % der Lehrkräfte geben
Beschwerden oder Erkrankungen dieser Kategorie an.
Lehrerinnen (8 %) berichten häufiger davon als Lehrer
(3 %).
Tumor:
Tumorerkrankungen wurden von 2 % der Leh-
rer und 6 % der Lehrerinnen genannt. Am häufigsten
wurde Brustkrebs berichtet.
Hormone, Stoffwechsel:
Bei 3 % der Lehrkräfte
wurde Diabetes diagnostiziert.
Schulartvergleich:
Im Mittel berichten sächsische Lehr-
kräfte vier Beschwerden bzw. Erkrankungen. Schulartspe-
zifische Unterschiede sind diesbezüglich von unterge-
ordneter Bedeutung. Schularteffekte im Hinblick auf die
Häufigkeit der einzelnen Beschwerden betreffen den Be-
wegungsapparat, die Sinnesorgane, das Schlafverhalten
und Stimmschwierigkeiten. Diese sind ebenfalls von ge-
ringer Bedeutsamkeit (Abb.3.12a).
Häufigkeit
[%]
97
12
2
82
6
60
40
80
20
0
100
Altersgruppe
[Jahre]
Männer
Frauen
<10 10–20 >20 <10 10–20 >20

| 41
Abb. 3.12a: Hauptbeschwerden und Erkrankungen [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 2.361) im Schulartvergleich (geordnet nach der Häu-
figkeit der GSP) (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Allergien
Schlaf
Sinnesorgane
Bewegungsapparat
Herz-Kreislauf
Kopfschmerz
Atemwege
Stimme
Psyche
Häufigkeit
[%]
0 20 40 60 80 100
OS
GS
GYM
GSP
BS
FÖS
76
67
34
35
40
44
15
17
18

42 |
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Im Mittel berichten
Lehrer von Problemen in drei und Lehrerinnen in vier Be-
reichen (Abb. 3.12b). Diese Geschlechtsunterschiede wer-
den mit zunehmendem Alter deutlicher. Die Zunahme der
durchschnittlichen Beschwerdeanzahl im Alter ist vor allem
für Lehrerinnen von Bedeutsamkeit. Geringfügige Altersef-
fekte – meistens durch eine Zunahme im Alter – bei der
Nennung einzelner Beschwerdekategorien konnte bei bei-
den Geschlechtern für die Sinnesorgane, das Schlafverhal-
ten und Kopfschmerzen beobachtet werden (Abb. 3.12c).
Abb. 3.12b: Hauptbeschwerden und Erkrankungen [Anzahl] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamt-
stichprobe)
Bewegungsapparat:
Zwei Drittel der Lehrer emp-
finden Schmerzen in einem Bereich des Mus-
kel-Skelett-Systems. Von Lehrerinnen wird dies häufi-
ger berichtet und auch die Alterseffekte sind bei ihnen
(geringfügig) bedeutsam.
Sinnesorgane:
Obwohl Lehrer durchschnittlich etwas
weniger Schwierigkeiten mit den Sinnesorganen ange-
ben als Lehrerinnen, sind die Alterseffekte bei ihnen
bedeutsamer (ausgeprägte Zunahme im Alter).
Allergien:
Durchschnittlich sind 38 % der Lehrer und
45 % der Lehrerinnen von Allergien oder Hauterkran-
kungen betroffen. Die Alterseffekte sind unbedeut-
sam.
Schlafstörungen:
Unter Schlafstörungen leiden
knapp ein Drittel der Lehrer und knapp die Hälfte der
Lehrerinnen. Besonders bei Lehrerinnen sind die Al-
terseffekte relevant (deutliche Zunahme über die drei
Altersgruppen).
Herz-Kreislauf-System:
Für die Häufigkeit und die
Zunahme der Beschwerden im Alter zeigen sich kaum
G
eschlechtsunterschiede. Ab dem 50-sten Lebensjahr
haben etwa die Hälfte der Lehrkräfte diesbezüglich
Einschränkungen.
Kopfschmerzen:
Kopfschmerzen werden von den
Lehrerinnen fast doppelt so häufig genannt wie von
den Lehrern. Geringe Alterseffekte zeigen sich inso-
fern, dass zwischen den ersten beiden Altersgruppen
eine Zunahme und in der höchsten Altersgruppe eine
Abnahme der Schmerzzustände zu verzeichnen ist.
Psyche:
Psychische Störungen werden von Lehrerin-
nen doppelt so häufig angeben wie von Lehrern. Diese
ungleiche Verteilung wird vor allem in den höheren Al-
tersgruppen deutlich und führt bei den Lehrerinnen zu
geringen Alterseffekten.
Stimme:
Die Nennung von Stimmschwierigkeiten
bleibt bei beiden Geschlechtern in allen Altersgruppen
relativ konstant; doppelt so viele Lehrerinnen sind be-
troffen.
Atemwege:
Lehrerinnen geben auch hier doppelt so
häufig Erkrankungen an wie Lehrer.
Beschwerden
[Anzahl]
3,0
3,3
4,0
2,9
3,8
4,4
2,5
3,1
Altersgruppe
[Jahre]
6
4
8
2
0
GSP <40 40–49 >49 GSP<40 40–49 >49
Männer
Frauen
10

| 43
Abb. 3.12c: Hauptbeschwerden und Erkrankungen [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 381) und Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP:
Gesamtstichprobe)
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
Sowohl die Be-
schwerdekategorien als auch die Altersgruppen der
DEGS-Studien stimmen nicht mit denen der Lehrkräfte
überein. Für die Bereiche
Bewegungsapparat, Sinnesor-
gane, Psyche, Stimme
und
Atemwege
kann aufgrund
großer methodischer Unterschiede kein Vergleich herge-
stellt werden.
Allergien:
39 % der weiblichen und 26 % der männli-
chen Allgemeinbevölkerung zwischen 30 und 60 Jahren
leiden unter allergischen Erkrankungen [71]. Das Vor-
kommen in der Lehrerstichprobe ist mit den Ergebnissen
der Allgemeinbevölkerung vergleichbar bis tendenziell
etwas höher. Lehrerinnen sind etwas häufiger betroffen
als Lehrer (Abb. 3.12c).
Schlafstörungen:
In der Allgemeinbevölkerung geben
54 % der Frauen und 47 % der Männer (40–59 Jahre) an,
in den letzten vier Wochen Probleme beim Einschlafen
gehabt zu haben [72]. Noch häufiger berichten sie von
Durchschlafstörungen (Frauen: 69 %, Männer: 64 %).
Schlafstörungen scheinen bei den Lehrkräften weniger
häufig vorzukommen als in der Allgemeinbevölkerung
(Abb. 3.12c).
Herz-Kreislauf-System:
1,7 % der Frauen und 5 % der
Männer zwischen 40 und 60 Jahren hatten jemals einen
Herzinfarkt oder Durchblutungsstörungen am Herzen
[73]. Bluthochdruck wurde bei rund einem Viertel der
Männer und knapp einem Fünftel der Frauen zwischen
30 und 60 Jahren festgestellt [61]. Allein dadurch, dass
Männer
Frauen
Bewegungsapparat
Herz-Kreislauf
Schlaf
Allergien
Sinnesorgane
1004
80
60 0 20 0 06
20
40 0 80 100
Häufigkeit
[%]
Häufigkeit
[%]
64
62
38
30
37
23
10
9
8
78
68
45
42
35
41
20
19
17
Atemwege
Stimme
Psyche
Kopfschmerz
40–49 Jahre
<40 Jahre
>49 Jahre
GSP

44 |
etwa die Hälfte der Lehrkräfte hypertone Blutdruck-
werte hat und ein Drittel Beschwerden im Bereich des
Herz-Kreislauf-Systems angibt, ist davon auszugehen,
dass Lehrkräfte häufiger Einschränkungen in diesem
Bereich aufzeigen (Abb. 3.12c).
Kopfschmerzen:
Die Studie des Deutschen Kopf-
schmerzkonsortiums (36–66 Jahre) ergab, dass zwei
Drittel der Frauen und knapp die Hälfte der Männer
in den vergangenen zwölf Monaten von Kopfschmer-
zen betroffen waren [74]. Deutliche Geschlechtsun-
terschiede zeigten sich auch in der Stichprobe der
Lehrkräfte, jedoch berichten Lehrkräfte seltener von
Kopfmerzen als die herangezogenen Stichprobe der
Allgemeinbevölkerung (Abb. 3.12c).
Burnout
gilt als Folge einer psychischen Fehlbeanspru-
chung und ist nicht nur als Zustand, sondern auch als
Prozess zu verstehen, der mit einem Verlust
von Res-
sourcen einhergeht. Das Ursachenspektrum für Burnout
reicht von externen belastenden Faktoren aus dem Ar-
beitsumfeld (z. B. mangelnde soziale Unterstützung) bis
hin zu individuellen Personeneigenschaften (z. B. emoti-
onale Instabilität).
Aus
medizinischer Sicht
stellt
Burnout keine Krank-
heit
dar, doch wird häufig eine entsprechende „Diagno-
se“ gestellt. Diese
„Diagnose“
und deren Abgrenzung zu
anderen Gesundheitsstörungen (z. B. Depression) wird
durch das unspezifische und vielfältige Symptombild,
aber auch zahlreiche Kontroversen zu potentiellen Ursa-
chen erschwert.
Es gibt bis heute keine einheitliche Definition und eine
Vielzahl unterschiedlicher Messinstrumente (die nicht
die klassischen Testgütekriterien erfüllen) [75, 76]. Das
ermöglicht, persönliche Missempfindungen zur eigenen
Arbeit
als Burnout zu interpretieren [75].
In der Praxis hat sich dennoch das Burnout-Konzept nach
Maslach und Jackson [34] etabliert – mit den Skalen:
emotionale Erschöpfung,
Zynismus (Depersonalisierung) und
Leistungsfähigkeit.
Ein
Burnout-Syndrom
ist dann anzunehmen, wenn emo-
tionale Erschöpfung und Zynismus (Depersonalisation)
hoch und Leistungsfähigkeit gering ausgeprägt sind.
Die undifferenzierte Beschreibung und Verwendung des
Begriffes Burnout hat in der Vergangenheit zu seiner infla-
tionären Ausdehnung und einer Überschätzung der Häu-
figkeiten – besonders im Lehrerberuf – geführt, vor allem,
weil bereits
einzelne Symptome
als Burnout klassifiziert
wurden [6, 11, 76]. Nach bevölkerungsrepräsentativen Er-
hebungen wird pro Jahr bei etwa 4 % der deutschen Bevöl-
kerung eine „Burnout-Diagnose“
gestellt. Beschäftigte im
Bildungswesen sollen besonders häufig betroffen sein [77].
3.2.4 Burnout-Risiko
Das
Burnout-Risiko
wurde mit der deutschen Fassung
des
Maslach Burnout Inventory MBI-GS
[35] ermittelt.
Dieser besteht aus 16 Items, die auf einer 7-stufigen Ant-
wortskala („nie“ bis „täglich“; Wertebereich: 0–6) beant-
wortet werden.
Neben der Betrachtung der drei
Burnout-Skalen
kann –
nach den Konventionen von Kalimo et al. [78] – aus diesen
Skalen ein Gesamtwert gebildet werden, bei dem die Burn-
out-Ausprägung anhand der drei Risikoklassen „kein Burn-
out“ (0–1,49 Punkte: ein paar Mal im Jahr), „einige
Burnout-Symptome“ (1,5–3,49 Punkte: ein paar Mal im
Monat) und „Burnout“ (3,5–6,0 Punkte: mehrmals pro
Woche oder täglich) bewertet wird.
Schulartvergleich:
Für die drei Burnout-Skalen zeigen sich
im Schulartvergleich keine kritischen Werte (Abb. 3.13a). Nach
Maslach und Jackson [79] liegen die Mittelwerte der Gesamt-
stichprobe für die Skalen emotionale Erschöpfung und Zynis-
mus an der Grenze zwischen geringer und durchschnittlicher
Ausprägung. Danach ist eine gefühlsmäßige Überforderung
bzw. ein Ausgebranntsein (emotionale Erschöpfung) sowie
eine Distanzierung bzw. Gleichgültigkeit (Zynismus) gegen-
über anderen Personen (Schüler, Kollegen, Vorgesetzte) bei
den Lehrkräften eher niedrig ausgeprägt. Die persönliche
Leistungsfähigkeit, das heißt das Gefühl, den beruflichen An-
forderungen entsprechen zu können, ist in der Gesamtstich-
probe hoch ausgeprägt. Die günstigsten Punktwerte werden
von Grund- und Förderschullehrkräften berichtet (Abb. 3.13a).
Nach den Konventionen von Kalimo et al. [78] sind rund
zwei Drittel aller Lehrkräfte der Kategorie kein Burnout zu-
zuordnen, ein Drittel berichtet einige Burnout-Symptome
und bei 3 % ist ein Burnout mit hoher Symptomhäufigkeit
festzustellen (Abb. 3.13a). Für Oberschullehrkräfte ergeben
sich tendenziell ungünstigere Einschätzungen: Emotiona-
le Erschöpfung und Zynismus werden höher, persönliche
Leistungsfähigkeit wird niedriger bewertet. Sie berichten
ebenfalls etwas häufiger einige Burnout-Symptome und ein
Burnout als in den anderen Schularten (Abb. 3.13a).

| 45
Abb. 3.13a: Burnout-Skalen (BU) [Punktwerte] und Klassifikation des Burnout-Gesamtscores [Häufigkeiten in %] [78] der Lehrkräfte (n = 2.361) im
Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule); BU-Werte-
bereich (0–6 Punkte): Bei emotionaler Erschöpfung und Zynismus sind niedrige Werte, bei Leistungsfähigkeit hohe Punktwerte günstig.
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Die Lehrer schät-
zen ihre emotionale Erschöpfung im Vergleich zu Leh-
rerinnen (Abb. 3.13b) etwas günstiger ein; diese liegt im
geringen Bereich. Der Zynismuswert bewegt sich an der
Grenze zwischen geringer und durchschnittlicher Aus-
prägung, die Leistungsfähigkeit im hohen Bereich (Abb.
3.13b). Signifikante Altersgruppenunterschiede zwischen
den drei Burnout-Skalen zeigen sich für die Lehrer nicht.
Es lässt sich allenfalls eine geringe Zunahme der emotio-
nalen Erschöpfung mit steigendem Alter erkennen.
Bei den Lehrerinnen können ebenfalls keine auffälli-
gen Punktwerte in den drei Burnout-Skalen festgestellt
werden (Abb. 3.13b). Emotionale Erschöpfung wird von
den Lehrerinnen etwas höher eingeschätzt als von den
Lehrern. Bei ihnen bestehen signifikante Unterschie-
de (mit geringer praktischer Bedeutsamkeit) zwischen
den Altersgruppen: Emotionale Erschöpfung und Zynis-
mus nehmen mit steigendem Alter etwas zu, während
die persönliche Leistungsfähigkeit etwas abnimmt. Al-
lerdings sind auch die durchschnittlichen Punktwerte
der höchsten Altersgruppe fern des kritischen Bereichs
nach Maslach und Jackson [79]. Auch erreichen Leh-
rerinnen häufiger die Punktwerte der Kategorie einige
Burnout-Symptome
als Lehrer. Für beide Geschlechter
wird mit steigendem Alter eine Zunahme der Kategorien
einige Burnout-Symptome und Burnout deutlich (Abb.
3.13b).
Schulart
Schulart
GSP
GSP
GSP
GSP
GS
GS
GS
GS
OS
OS
OS
OS
GYM
GYM
GYM
GYM
FÖS
FÖS
FÖS
FÖS
BS
BS
BS
BS
einige Symptome
einige Symptome
Burnout
Burnout
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
32
29
29
34
41
53
63
69
69
65
kein Burnout
kein Burnout
6
29
69
3
2
4
1
0
BU-Wertebereich
[Punkte]
2,3
1,4
4,9
2,0
1,0
5,0
1,8
0,9
5,2
1,7
1,0
5,1
2,0
0,8
5,3
2,0
1,0
5,1
5
6
emotionale Erschöpfung
Zynismus
Leistungsfähigkeit

46 |
Abb. 3.13b: Burnout-Skalen (BU) [Punktwerte] und Klassifikation des Burnout-Gesamtscores [Häufigkeiten in %] [78] der Lehrer (n = 381) und
Lehrerinnen (n = 1.980) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe); BU-Wertebereich (0–6 Punkte): Bei emotionaler Erschöpfung und Zynis-
mus sind niedrige Werte, bei Leistungsfähigkeit hohe Punktwerte günstig.
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
In der DEGS-Stu-
die wurde das Burnout-Syndrom nicht mit dem Maslach
Burnout Inventory MBI-GS [34, 35] erfasst. Stattdessen
wurde erfragt, ob bei ihnen jemals von einem Arzt oder
Psychotherapeuten ein Burnout-Syndrom oder Ausge-
brannt-Sein festgestellt wurde. Überdies wurde bei den
Bejahenden erhoben, ob das Burnout-Syndrom oder Aus-
gebrannt-Sein auch in den letzten zwölf Monaten vorlag
[80]. Da sich der MBI-GS bei den Lehrkräften auf das Erle-
ben in den zurückliegenden Monaten bezieht, wird für die
Allgemeinbevölkerung das Vorliegen eines Burnout-Syn-
droms oder Ausgebrannt-Seins in den letzten zwölf Mo-
naten dargestellt.
In den entsprechenden Altersgruppen berichten bis zu 2 %
der Männer und bis zu 3 % der Frauen der Allgemeinbe-
völkerung, in den letzten zwölf Monaten von einem ärzt-
lich diagnostizierten Burnout-Syndrom betroffen gewe-
sen zu sein (Abb. 3.13c). Diese Form des Burnout scheint
mit mehrmals pro Woche oder täglich auftretenden Sym-
ptomen, die bei rund 3 % der Lehrkräfte vorliegen, ver-
gleichbar zu sein.
3
3
2
2
4
4
5
5
6
6
1
1
0
0
Männer
BU-Wertebereich
[Punkte]
Frauen
BU-Wertebereich
[Punkte]
emotionale Erschöpfung
emotionale Erschöpfung
Zynismus
Zynismus
Leistungsfähigkeit
Leistungsfähigkeit
1,3
1,5
0,9
0,6
5,1
5,2
1,5
2,0
0,9
1,0
5,2
5,1
1,7
2,2
1,1
1,1
5,1
5,1
1,6
2,0
1,0
1,0
5,1
5,1
Altersgruppe
[Jahre]
GSP
GSP
GSP
GSP
GSP
GSP
GSP
< 40
GSP
< 40
< 40
< 40
< 40
< 40
< 40
40–49
< 40
40–49
40–49
40–49
40–49
40–49
40–49
> 49
40–49
> 49
> 49
> 49
> 49
> 49
> 49
> 49
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
75
63
Männer
Frauen
einige Symptome
einige Symptome
kein Burnout
kein Burnout
Burnout
Burnout
39
39
16
34
22
17
25
38
22
34
82
64
77
82
71
58
Altersgruppe
[Jahre]
Altersgruppe
[Jahre]

| 47
Für die Allgemeinbevölkerung liegt ein Geschlechtsunter-
schied in der Burnout-Prävalenz vor [80]. Dieser Unter-
schied wird bei der Lehrkräfte-Stichprobe in der Häufigkeit
des Auftretens der Kategorie einige Burnout-Symptome
Abb. 3.13c: Burnout-Diagnosen [Häufigkeiten in %] in der Allgemeinbevölkerung im Altersvergleich [80] (GSP: Gesamtstichprobe)
auch sichtbar (Abb. 3.13b). Sowohl in der Allgemeinbe-
völkerung als auch unter den Lehrkräften scheinen mehr
Männer als Frauen der Kategorie kein Burnout zuzuord-
nen zu sein.
3.3
Personenbezogene Merkmale
3.3.1 Erholungsfähigkeit
Als
personenbezogene Merkmale
wurden in die Analy-
sen diese Merkmale einbezogen:
Erholungsfähigkeit
hat sich als eigener Gesundheits-
faktor etabliert [81]. Durch Erholung werden psychi-
sche und physische Beanspruchungen eines Organis-
mus wieder rückgängig
gemacht. Bei
fehlender
oder
ineffektiver Nutzung von Erholungsphasen
kommt
es u. a. zu physiologischen Stressreaktionen, Erschöp-
fungszuständen, Einschränkungen der Leistungsfähig-
keit und Beeinträchtigungen des Schlafverhaltens.
Die
Erholungsfähigkeit
– in der
Nacht,
am
Wochen-
ende
und im
Urlaub
– schätzten die Lehrkräfte an-
hand von drei Fragen selbst ein. Dazu mussten sie sich
zwischen den drei Antwortkategorien „nahezu immer“,
„überwiegend“ und „fast nie“ entscheiden. Hier handelt
es sich um eine
subjektive Bewertung der Erho-
lungsfähigkeit.
Schulartvergleich:
Ein Großteil der Lehrkräfte kann
überwiegend oder nahezu immer die Nacht, das Wochen-
Erholungsfähigkeit
und
Verausgabungsneigung (Overcommitment).
ende oder den Urlaub als Erholungsphase nutzen. Bedeut-
same Schulartunterschiede sind vorrangig bei der Erho-
lungsfähigkeit in der Nacht und an den Wochenenden zu
beobachten (Abb. 3.14a).
Die deutlichsten Schwierigkeiten bei der nächtlichen Erho-
lung fallen bei den Lehrkräften der Grund- und Oberschulen
auf, die geringsten Erholungsdefizite geben die Lehrkräfte
der Berufsschulen an. Erholung an den Wochenenden ge-
lingt (überwiegend, nahezu immer) fast allen Lehrkräften.
Deutliche Unterschiede lassen sich diesbezüglich zwischen
Berufs- und Grundschul- bzw. Gymnasiallehrkräften erken-
nen, da der Anteil an nahezu immer erfolgter Erholung bei
Berufsschullehrern fast doppelt so hoch ausfällt. Schulart-
unterschiede sind dennoch statistisch unbedeutend.
Die meisten Lehrkräfte nutzen ihren Urlaub, um sich zu er-
holen, wobei auch hier die deutlichsten Erholungseffekte für
die Lehrkräfte aus den Berufsschulen zu verzeichnen
sind.
Altersgruppe
[Jahre]
GSP 30–39 40–49
50–59
GSP 30–39 40–49
50–59
60
40
80
100
20
0
Häufigkeit
[%]
Männer
Frauen
99
99
98
98
98
98
97
97
kein Burnout-Syndrom
kein Burnout-Syndrom
Burnout-Syndrom (letzte 12 Monate)
Burnout-Syndrom (letzte 12 Monate)

48 |
11
Abb. 3.14a: Erholungsfähigkeit [Häufigkeiten in %] der Lehrkräfte (n = 1.662) im Schulartvergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule;
OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Zwischen Lehrern
und Lehrerinnen zeigen sich Unterschiede in der Erho-
lungsfähigkeit (nachts, am Wochenende), vor allem mit
zunehmenden Alter (Abb. 3.14b). Mehr als die Hälfte der
Lehrer ab dem 50. Lebensjahr können sich nahezu immer
in der Nacht und am Wochenende erholen. Den Leh-
rerinnen fällt das schwerer. Zudem verbessert sich im
höheren Alter die Erholungsfähigkeit der Lehrer an den
Wochenenden, die der Lehrerinnen verschlechtert sich
hingegen etwas.
Schulart
Schulart
Schulart
GSP
GSP
GSP
GS
GS
GS
OS
OS
OS
GYM
GYM
GYM
FÖS
FÖS
FÖS
BS
BS
BS
60
60
60
40
40
40
80
80
80
100
100
100
20
20
20
0
0
0
41
80
32
44
76
38
54
79
33
42
77
54
63
82
56
78
93
überwiegend
überwiegend
überwiegend
überwiegend
überwiegend
überwiegend
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
fast nie
fast nie
fast nie
fast nie
fast nie
fast nie
50
57
23
9
11
10
10
8
8
8
52
41
18
59
50
21
38
32
16
40
18
54
6
40
7
18
nachts
Häufigkeit
[%]
am Wochenende
Häufigkeit
[%]
im Urlaub
Häufigkeit
[%]
6
49

| 49
nachts
Häufigkeit
[%]
am Wochenende
Häufigkeit
[%]
im Urlaub
Häufigkeit
[%]
Abb. 3.14b: Erholungsfähigkeit [Häufigkeiten in %] der Lehrer (n = 279) und Lehrerinnen (n = 1.383) im Altersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe)
Altersgruppenunterschiede (geringe Bedeutsamkeit) kön-
nen nur bei den Lehrerinnen für die nächtliche Erholung
festgestellt werden. Für Erholungsfähigkeit im Urlaub zei-
gen sich keine eindeutigen Geschlechts- oder Altersef-
fekte. Dem Großteil der Lehrkräfte gelingt nach eigenen
Angaben die Erholung in den Ferienzeiten.
Altersgruppe
[Jahre]
Altersgruppe
[Jahre]
Altersgruppe
[Jahre]
GSP
GSP
GSP
GSP
GSP
GSP
< 40
< 40
< 40
< 40
< 40
< 40
40–49
40–49
40–49
40–49
40–49
40–49
> 49
> 49
> 49
> 49
> 49
> 49
60
60
60
40
40
40
80
80
80
100
100
100
20
20
20
0
0
0
53
68
85
39
51
Männer
Männer
Männer
Frauen
Frauen
Frauen
überwiegend
überwiegend
überwiegend
überwiegend
überwiegend
überwiegend
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
nahezu immer
fast nie
fast nie
fast nie
fast nie
fast nie
fast nie
6
8
9
10
39
39
15
40
34
40
53
43
42
28
16
41
29
52
42
55
58
56
59
86
54
68
88
54
85
38
50
80
52
70
83
79
35
49
76
669
7776
27
12
45
21
19
13
18
14

50 |
Das Konzept des
Overcommitments,
d.h. die überstei-
gerte berufliche Verausgabungsneigung einer Person, ist
Bestandteil des Modells beruflicher Gratifikationskrisen
(ERI-Modell) [82]. Dieses Personenmerkmal verstärkt die
Wahrnehmung des Ungleichgewichts von Verausgabung
und Belohnung und erhöht somit auch das Gesundheits-
risiko (siehe 3.1.2 Effort-Reward-Imbalance). Zusam-
menhänge von Overcommitment mit kardiovaskulären
Risikofaktoren und Erkrankungen [82, 83], aber auch mit
psychischen Symptomen (Depression, Burnout) und wei-
teren Gesundheitsbeschwerden konnten bislang beob-
achtet werden (Übersicht bei Schirmer) [84].
Anhand von sechs Fragen werden Verhaltensmerka-
le der
Verausgabungsneigung
auf einer vierstufigen
Skala erhoben (stimme nicht zu bis stimme voll zu). Der
Summenwert liegt zwischen 6 und 24 Punkten,
wobei ab
einer Punktzahl
>_
18 (oberes Tertil) eine kritische Veraus-
gabungsneigung vorliegt [82].
Schulartvergleich:
Im Mittel erzielen Lehrkräfte einen
Verausgabungswert, der noch nicht im auffälligen Bereich
liegt (Abb. 3.15a).
Abb. 3.15a: Verausgabungsneigung (OC) [Punktwerte] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [82] der Lehrkräfte (n= 412) im Schulart-
vergleich (GSP: Gesamtstichprobe; GS: Grundschule; OS: Oberschule; GYM: Gymnasium; FÖS: Förderschule; BS: Berufsschule)
15
60
12
40
18
80
21
100
24
9
20
6
0
Häufigkeit
[%]
OC-Wertebereich
[Punkte]
16
15
16
16
12
16
65
35
71
58
62
85
64
29
42
38
15
36
OC < 18
OC
>
_ 18
OC < 18
OC
>
_ 18
GSP
GSP
GS
GS
OS
OS
GYM
GYM
FÖS
FÖS
BS
BS
Schulart
Schulart
3.3.2 Verausgabungsneigung
Im Vergleich zu den anderen Schularten fällt die Veraus-
gabungsneigung der Lehrkräfte an den Förderschulen
deutlich günstiger aus. Umgekehrt ist folglich der Anteil
an auffälligen Verausgabungswerten (>_ 18 Punkte) bei
den Förderschullehrkräften am geringsten – gefolgt von
den Grundschullehrkräften. Bei den Lehrkräften der an-
deren Schularten sind keine nennenswerten Unterschiede
vorhanden. Insgesamt sind die Schulartunterschiede aber
bedeutsam.
Alters- und Geschlechtsvergleich:
Über alle drei Al-
tersgruppen hinweg zeigen Lehrerinnen tendenziell eine
Zunahme der Verausgabungsneigung (Abb. 3.15b). Dieser
Alterseffekt ist jedoch von geringer praktischer Bedeu-
tung. Ein kritischer Overcommitmentwert (>_ 18 Punkte)
ist
bei über einem Drittel der Lehrerinnen zu beobachten,
wobei sich dieser Anteil nur zwischen den ersten beiden
Altersgruppen erhöht.

| 51
Abb. 3.15b: Verausgabungsneigung (OC) [Punktwerte] und dessen Klassifikation [Häufigkeiten in %] [82] der Lehrerinnen (n = 335) im Al-
tersvergleich (GSP: Gesamtstichprobe). Da die Stichprobe nur 30 Lehrer enthielt, wurden zur Vermeidung von Verzerrungen nur Lehrerinnen in
die Analyse einbezogen.
Abb. 3.15c: Verausgabungsneigung (OC) der Männer und Frauen der Allgemeinbevölkerung (n = 6.305) [85] im Geschlechtsvergleich (GSP:
Gesamtstichprobe)
Vergleich zur Allgemeinbevölkerung:
In der „lidA“-Studie
[85] liegt die Verausgabungsneigung der 46- bzw. 52-jähri-
gen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen drei
Punkte unterhalb des Summenwertes der Lehrerinnen (Abb.
3.15b). Obwohl beide Ausprägungen nach Siegrist [82]
noch im unauffälligen Bereich liegen, zeigen Lehrerinnen
eine deutlichere Tendenz zu übersteigerter Verausgabungs-
neigung und somit ein höheres Gesundheitsrisiko. In der
Vergleichsstichprobe waren die Geschlechtsunterschiede
für die Voll- und Teilzeitbeschäftigten gering [85].
15
15
60
12
12
40
18
18
80
21
21
100
24
24
9
9
20
6
6
0
OC-Wertebereich
[Punkte]
Häufigkeit
[%]
OC-Wertebereich
[Punkte]
13
16
64
36
13
14
14
80
20
13
14
16
61
39
16
60
40
13
Männer
Frauen
OC < 18
Vollzeit
Teilzeit
Vollzeit
Teilzeit
OC
>
_
18
GSP GSP
OC < 18
OC
>
_
18
GSP
GSP
< 40
< 40
40–49
40–49
> 49
> 49
Altersgruppe
[Jahre]
Altersgruppe
[Jahre]

| 53
Wissenschaftlich begründete Aussagen zu gesundheitli-
chen Beeinträchtigungen bei Lehrkräften sind die Basis für
präventive Maßnahmen zum Erhalt von Arbeitsfähigkeit
und Gesundheit. Ziel dieses Gesundheitsberichtes war es,
neben der Ausprägung arbeits- und personenbezogener
Merkmale aktuelle Daten zum Gesundheitsstatus sächsi-
scher Lehrkräfte im
Schulartvergleich
sowie im
Alters-
und
Geschlechtsvergleich
vorzulegen und diese Ergeb-
nisse mit Daten der
Allgemeinbevölkerung
bzw.
anderer
Für die untersuchten
arbeitsbezogenen Merkmale
be-
standen geringe bis deutliche Unterschiede zwischen den
Lehrkräften der verschiedenen Schularten. Die größten Ab-
weichungen und damit auch praktisch bedeutsamsten Un-
terschiede zwischen den Schularten konnten für das Ver-
ausgabungs-Belohnungs-Verhältnis (ER-Ratio) festgestellt
werden. Das günstigste
ER-Ratio zeigten Lehrkräfte der
Förderschulen, das ungünstigste Lehrkräfte der Oberschu-
len. Insgesamt bestanden aufgrund des Ungleichgewichtes
von beruflicher Verausgabung und Belohnung bei einem
Viertel aller Lehrkräfte Hinweise für ein Gesundheitsrisiko,
wobei deutlich mehr Oberschullehrkräfte betroffen waren.
Für die Merkmale zur berufsbezogenen Zufriedenheit
ergaben sich geringe schulartspezifische Unterschiede,
wobei ebenfalls die Oberschullehrkräfte gegenüber den
Lehrkräften anderer Schularten durch ungünstigere Werte
auffielen. Doppelt so viele Oberschullehrkräfte berichte-
ten, nur „teilweise“ mit der beruflichen Tätigkeit zufrieden
zu sein. Berufs- und Förderschullehrkräfte waren mit ihrer
beruflichen Situation am zufriedensten.
Bei den
Merkmalen des Gesundheitsstatus
waren gerin-
ge Unterschiede
zwischen den Schularten für einzelne Ri-
sikofaktoren des Herz-Kreislauf-Systems (BMI, Blutdruck,
Gesamtcholesterin, Glukose), für einzelne Beschwerden
(Bewegungsapparat, Schlaf, Stimme, Sinnesorgane) und
das Burnout-Risiko zu verzeichnen. Insgesamt erschließt
sich anhand dieser Schulartunterschiede, dass Oberschul-
lehrkräfte durchgehend die ungünstigsten Ausprägungen
4
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
für die Praxis
4.1
Schulartvergleich
Berufsgruppen
zu vergleichen. Da es sich um eine quer-
schnittliche Bestandsaufnahme handelt, können keine
Aussagen zum kausalen Zusammenhang der
arbeitsbe-
zogenen Merkmale
mit der
Gesundheit
der Lehrkräfte
getroffen werden. Die Gegenüberstellung zur Allgemeinbe-
völkerung muss zurückhaltend betrachtet werden, da un-
terschiedliche Fragestellungen und Kategorisierungen
auch
zu unterschiedlichen Ergebnissen führen.
aufzeigten. Sie fielen im Mittel durch den höchsten BMI
und Blutdruck sowie die höchste Gesamtcholesterin-Kon-
zentration im Blut auf. Ebenfalls berichteten Oberschul-
lehrkräfte etwas häufiger Beschwerden im Bewegungsap-
parat, Probleme mit den Sinnesorganen, Schlafstörungen
und Stimmschwierigkeiten. Für 6 % der Oberschullehr-
kräfte bestanden Hinweise auf ein Burnout-Syndrom und
weitere 41 % gaben einige Burnout-Symptome an. In den
vier anderen Schularten lagen Hinweise auf ein Burn-
out-Syndrom bei nur 2 bis 3 % der Lehrkräfte vor und
weitere 32 % von ihnen gaben einige Burnout-Symptome
an. Positiv ist, dass es unter den Oberschullehrkräften die
wenigsten Raucher gab, während sich unter den Förder-
und Berufsschullehrkräften die meisten Raucher befan-
den. Insgesamt zeigten Grundschullehrkräfte günstigere
Ausprägungen bei den kardiovaskulären Risikofaktoren,
Förderschullehrkräfte bei einzelnen Beschwerden.
Das
Krankheitsgeschehen
stellt sich konträr zur Aus-
prägung der kardiovaskulären Risikofaktoren dar, wonach
insbesondere die Lehrkräfte an Förderschulen auffal-
len. Von 2007 bis 2014 ergaben sich für sie die meisten
Ausfalltage (ø 16–18 Tage/Lehrkraft) und die geringsten
Ausfalltage für die Lehrkräfte an Grundschulen (ø 10–12
Tage/Lehrkraft) und Gymnasien (ø 9–13 Tage/Lehrkraft).
Allerdings haben seit 2013 Oberschullehrkräfte die zweit-
häufigsten Ausfalltage (ø 14 Tage/Lehrkraft).
Bei den Langzeiterkrankungen traten ebenfalls die För-
derschullehrkräfte hervor, da sie gegenüber den anderen

54 |
Lehrkräften systematisch häufiger langzeitkrank geschrie-
ben waren. Erklärend ist zu ergänzen, dass sich unter den
Förderschullehrkräften ein hoher Anteil schwerbehinder-
ter Lehrkräfte befindet. Unabhängig davon wurden in
unseren Untersuchungen bei den Förderschullehrkräften
häufiger das Rauchen und Diabetes (4,2 %) sowie erhöh-
te Glukose-Konzentrationen und demzufolge auch ein
erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (PROCAM-Score) fest-
gestellt. Allerdings sind die Unterschiede zu den anderen
Lehrkräften statistisch eher unbedeutend.
Mit den Gesundheitsmerkmalen einhergehend stellten
sich die Oberschullehrkräfte auch durch ungünstige Aus-
prägungen der
personenbezogenen Merkmale
heraus
(geringe Effektstärke). So gaben knapp die Hälfte der
Lehrerinnen an den Oberschulen übersteigerte Veraus-
gabungsneigung (Overcommitment)
an; insbesondere
an Förderschulen betraf dies einen geringeren Anteil. Bei
der selbst eingeschätzten Erholungsfähigkeit (nachts,
am Wochenende) wiesen Lehrkräfte der Grundschulen
und Gymnasien die ungünstigsten Werte auf. Es ist da-
von auszugehen und auch hervorzuheben, dass bei 9 %
aller Lehrkräfte die tägliche Erholungsphase zur Kom-
pensation der beruflichen Belastung nicht ausreichte
und bei 6 % von ihnen selbst die Wochenenden nicht
genügten.
Für die repräsentativen Daten der Allgemeinbevölke-
rung wurden nach Möglichkeit die Untersuchungen des
Robert Koch-Instituts (DEGS – „Studie zur Gesundheit
Erwachsener in Deutschland“) [73] herangezogen. Die
Gegenüberstellung dieser oder alternativer Ergebnisse
mit denen der Lehrkräfte ist durch unterschiedliche me-
thodische Herangehensweisen eingeschränkt. Zum einen
wurden nicht immer die gleichen Erhebungsinstrumente
eingesetzt, zum anderen weichen die Altersbereiche bzw.
-gruppen voneinander ab. Da in der Lehrkräfte-Stichprobe
nur 4 % unter 30 Jahre alt waren und das Höchstalter
bei 63 Jahren lag, wurde in den Vergleichsstichproben der
Allgemeinbevölkerung nur der relevante Altersbereich von
30 bis 65 Jahren betrachtet.
Bei den
arbeitsbezogenen Merkmalen
konnten – nur für
Lehrerinnen – geringe Altersunterschiede bei der berufs-
bezogenen Zufriedenheit (Abnahme im Alter) beobachtet
werden. Im Vergleich zur erwerbstätigen Allgemeinbevöl-
kerung [37, 38] zeigten Lehrkräfte insgesamt eine etwas
höhere berufliche Zufriedenheit.
Beim Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis (ER-Ratio)
waren Alterseffekte ebenfalls nur bei den Lehrerinnen zu
beobachten, wobei hier die mittlere
Altersgruppe (40–49
Jahre) das größte Gesundheitsrisiko besaß. Daher wiesen
Lehrerinnen auch häufiger ein riskantes ER-Ratio (> 1)
auf als Lehrer. Bereits in anderen Lehrkräfte-Stichproben
berichteten Lehrerinnen ein höheres ER-Ratio als Lehrer
[40–42].
Erwartungsgemäß konzentrierten sich im Bereich der
Merkmale des Gesundheitsstatus
die Alters- und Ge-
schlechtsunterschiede der Lehrkräfte auf kardiovaskuläre
Risikofaktoren und Herz-Kreislauf-Beschwerden.
4.2
Alters- und Geschlechtsvergleich im Bezug
zur Allgemeinbevölkerung
Die größten Alterseffekte – unabhängig vom Geschlecht
– betrafen den PROCAM-Score. Er stieg mit zunehmender
Altersgruppe der Lehrkräfte deutlich an. Allerdings ist die-
se Beobachtung nicht überraschend, da das Alter selbst
Bestandteil PROCAM-Scores ist und grundsätzlich zu
einer Risikozunahme führt. Von einem erhöhten kardio-
vaskulären Risiko (PROCAM-Score) sind Männer generell
häufiger betroffen als Frauen.
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung zeigte sich für
Lehrkräfte kein größeres Herzinfarktrisiko in den nächs-
ten fünf Jahren [70]. Weiterhin nahmen sowohl bei Leh-
rern als auch bei Lehrerinnen der Body-Mass-Index und
die Einnahme von Antihypertensiva im Alter deutlich zu.
Nach dem 50. Lebensjahr waren ein Drittel der Lehrer und
die Hälfte der Lehrerinnen übergewichtig oder adipös.
Ebenfalls ein Drittel nahm blutdrucksenkende Medika-
mente ein. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung fallen
Lehrkräfte durch einen günstigeren Body-Mass-Index auf
[59].
Die größten Alterseffekte – speziell für Lehrerinnen – stell-
ten sich bei der Gesamtcholesterin-Konzentration (hoher
Effekt) heraus. So war von der niedrigsten (< 40 Jahre)
zur
höchsten Altersgruppe (>_ 50 Jahre) der Anteil an erhöh-
ten Cholesterinwerten bei den Lehrern um 9 %, bei den
Lehrerinnen sogar um 32 % angestiegen. Im Mittel waren
die Gesamtcholesterin-Werte der Lehrkräfte im grenzwer-
tigen Bereich und somit etwas ungünstiger als im Bevöl-
kerungsdurchschnitt [64]. Die deutlichere Zunahme des
Gesamtcholesterins bei Frauen im Alter konnte ebenfalls
in der DEGS-Studie beobachtet werden (ebd.). Auch nahm
mit dem Alter der Blutdruck der Lehrerinnen deutlicher zu
als bei den Lehrern, so dass sich die Anteile an hypertonen
Blutdruckwerten zwischen Lehrern und Lehrerinnen (< 40

| 55
Jahre: 37 % vs. 18 %) über die Altersgruppen hinweg im-
mer mehr anglichen (>_ 50 Jahre: 69 % vs. 60 %).
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung (Männer: 127/77
mmHg; Frauen: 118/72 mmHg) [61] zeigten Lehrer
(123/85 mmHg) und noch deutlicher Lehrerinnen (128/83
mmHg) – ohne Berücksichtigung der blutdrucksenkenden
Medikamente – im Mittel höhere Blutdruckwerte. Hinzu
kommt, dass bereits in der jüngsten Altersgruppe (< 40
Jahre) dreimal häufiger hypertone Blutdruckwerte bei den
Lehrkräften beobachtet wurden. Dieser gesundheitliche
Bereich ist bei Lehrkräften besonders zu beachten.
Bei den Lehrern fielen im Vergleich zu den Lehrerinnen
nur die Altersgruppenunterschiede für die Nüchternglu-
kose und die Anzahl der gerauchten Zigaretten prägnan-
ter aus (mittlerer Effekt). So besaßen mehr als ein Drittel
der ab fünfzigjährigen Lehrer grenzwertige
oder erhöhte
Glukosewerte; bei den Lehrerinnen betraf das nur rund ein
Viertel. Die Diagnosehäufigkeit von Diabetes ist allerdings
bei den Lehrkräften gegenüber der Allgemeinbevölkerung
nicht erhöht; etwa 3 % weisen Diabetes auf [69].
Insgesamt berichteten die Lehrkräfte im Vergleich zur
Allgemeinbevölkerung – mit wenigen Ausnahmen – et-
was häufiger gesundheitsförderliche Verhaltensweisen
(sportliche Aktivität: 72 % vs. 65 %, Nichtraucherstatus:
80 % vs. 64 %) [54, 55]. In beiden Stichproben (Lehrkräfte,
DEGS) ist die sportliche Aktivität zwischen den Männern
und Frauen vergleichbar, das Rauchen ist dagegen bei
den Männern mehr verbreitet. Bedeutsame Alterseffekte
wurden für das Gesundheitsverhalten nicht beobachtet.
Schon in vergangenen Untersuchungen traten sächsische
Lehrkräfte
durch ihr positives Gesundheitsverhalten her-
vor [6, 17].
Für das Vorkommen von Herz-Kreislauf-Beschwerden
konnten – geschlechtsunabhängig – Alterseffekte doku-
mentiert werden. Rund die Hälfte aller Lehrer und Leh-
rerinnen beschrieben Beschwerden in diesem Bereich.
Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung scheint bei Lehr-
kräften ein tendenziell ungünstigeres Beschwerdebild für
Herz-Kreislauf-Beschwerden, Bewegungsapparat, Allergi-
en und Atemwegserkrankungen vorzuliegen. Andererseits
litten Lehrkräfte seltener an Schlafstörungen und Kopf-
schmerzen als die Allgemeinbevölkerung [72, 74].
Der durchschnittliche Krankenstand der gesetzlich ver-
sicherten Lehrkräfte war meist geringer als der Kran-
kenstand aller in den Krankenkasse Versicherten [48–50].
Geschlechtsspezifisch ergab sich für Lehrerinnen ein
höherer Krankenstand als für Lehrer bei vergleichba-
rer Falldauer [49]. Gegenüber
den alten Bundesländern
(4,4 %) wurde für die neuen Bundesländer (4,9 %) im
Bereich der lehrerbezogenen Berufsgruppen ein höhe-
rer Krankenstand berichtet [49]. Bei Lehrkräften traten
Atemwegserkrankungen und psychische Erkrankungen im
Vergleich zum Krankenkassendurchschnitt häufiger auf;
Herz-Kreislauf- und Muskel-Skelett-Erkrankungen sowie
Verletzungen lagen unter diesem Durchschnitt (ebd.).
Ein etwas anderes Bild ging aus den Beschwerdeanga-
ben der Lehrkräfte hervor: Probleme im Herz-Kreislauf-,
Atemwegs- und Muskel-Skelett-Systems wurden von
den Lehrkräften häufiger berichtet. Bedeutsam war wei-
terhin der Anteil der Langzeiterkrankungen, denn fast
die Hälfte aller Ausfalltage für Lehrkräfte war im Jahr
2014 durch Langzeiterkrankungen verursacht. Hier stellt
sich die Frage, ob sich der vermutete Präsentismus
bei
den Lehrkräften sowohl in den Ursachen der Ausfallta-
ge als auch bei den Langzeiterkrankungen widerspiegelt.
Antworten darauf können nur weiterführende Untersu-
chungen geben.
Das Vorliegen eines diagnostizierten Burnout-Syndroms
scheint mit 2 bis 3 % aller Fälle unter den Lehrkräften
und der Allgemeinbevölkerung [80] vergleichbar zu sein,
d.h. bei diesen Personen traten Burnout-Symptome mehr-
mals pro Woche oder sogar täglich auf. In Ermangelung
entsprechender Daten war der Anteil der Lehrkräfte, die
einige Burnout-Symptome berichteten (32 %), nicht ver-
gleichbar mit der Bevölkerung. Vor allem in dieser Gruppe
wurden Geschlechtseffekte beobachtet, die für das Bur-
nout-Syndrom generell auch in der Allgemeinbevölkerung
ermittelt wurden [80]. Bei Lehrkräften scheinen sowohl
das Burnout-Syndrom als auch die Burnout-Symptome im
Alter nur unwesentlich zuzunehmen.
Für die
personenbezogenen
Merkmale
wurden kleine,
jedoch trotzdem relevante Altersgruppenunterschiede
– nur bei den Lehrerinnen – beobachtet, d.h. bei ihnen
verschlechterte sich in den höheren Altersgruppen die
nächtliche Erholung (fast nie: 5 % auf 10 %) und die
Verausgabungsneigung nahm zu (auffällige Punktwerte:
20 % auf 40 %). Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung
zeigten Lehrerinnen eine deutlichere Tendenz zur über-
steigerten Verausgabung als die untersuchten Frauen [85]
und somit ein höheres Gesundheitsrisiko.

56 |
Die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Lehrkräfte ist
nicht nur ein individuelles und wirtschaftliches Ziel, son-
dern erfährt im aktuellen Wandel der Arbeitswelt einen
immer höheren Stellenwert und wird zunehmend ein
gesellschaftliches Ziel. Lehrkräfte haben zentrale Qualifi-
kations-, Bildungs- und Erziehungsaufgaben und tragen
sowohl zur Stabilität der Gesellschaft als auch zur Weiter-
entwicklung zukünftiger Generationen bei [11].
Die Ergebnisse dieses Gesundheitsberichtes liefern eine
solide Grundlage zur Ableitung von arbeitsbezogenen
und individuellen Präventionsmaßnahmen. Entscheidend
ist, sowohl Fehlbelastungen und Gesundheitsgefahren als
auch Ressourcen der Arbeit und Gesundheit frühzeitig zu
identifizieren und zu beeinflussen.
Zwar sind die
Unterschiede zwischen den Schularten
nur von geringer praktischer
Bedeutung, signalisieren
aber dennoch schulartspezifischen Handlungsbedarf. So
sprechen die auffallend ungünstigeren Ausprägungen der
Oberschullehrkräfte in mehreren arbeits-, gesundheits-
und personenbezogenen Merkmalen dafür, dass für sie
die höchste gesundheitliche Gefährdung vorliegt. Bei ih-
nen wurde auch die kontinuierliche Zunahme der Fehltage
anhand der kassenärztlichen Daten bestätigt. Diskutiert
werden muss hier der Zusammenhang zwischen der be-
ruflichen Belastungssituation, insbesondere im psycho-
sozialen Bereich (Schüler, Elternschaft), und den auffal-
lenden Gesundheitsproblemen. Da verlässliche Aussagen
zu den Ursachen im Rahmen dieser Untersuchungen nicht
getroffen werden können, wird auf zusätzlichen Untersu-
chungsbedarf im Hinblick auf die sächsischen Oberschul-
lehrkräfte verwiesen.
Die krankheitsbedingten
Ausfallzeiten
bei den Lehrkräften
der Förderschulen sind seit Jahren am höchsten. Dennoch
fielen sie interessanterweise in unseren Untersuchungen
durch ihre hohe berufliche Zufriedenheit, ein günstiges
arbeitsbezogenes Verausgabungs-Belohnungs-Verhältnis,
einen geringen Anteil an Beschwerden und ein geringes
Burnout-Risiko positiv auf. Andererseits war im Vergleich
zu den Lehrkräften anderer Schularten bei ihnen ein hö-
herer Anteil an Rauchern und an erhöhten Glukosewerten
(5 % Diabetiker) und somit auch ein auffälliges kardio-
vaskuläres Risiko (PROCAM-Score) zu verzeichnen. Ob in
diesem Bereich auch Ursachen für das markante Krank-
heitsgeschehen liegen, kann an dieser Stelle nicht geklärt
werden. Es ist aber zu beachten, dass der Anteil schwerbe-
hinderter
Lehrkräfte an den Förderschulen höher ist als an
anderen allgemeinbildenden Schularten. Sollten sich unsere
Ergebnisse in weiteren Untersuchungen bestätigen, so liegt
4.3
Schlussfolgerungen
für die Förderschullehrkräfte der Fokus präventiver Maß-
nahmen auf dem Gesundheitsverhalten mit dem Ziel, das
kardiovaskuläre und metabolische Risiko zu senken.
Langzeiterkrankungen
haben bei Lehrkräften in den
letzten Jahren stetig zugenommen [33, 86], was vermehrt
organisatorische und sozio-ökonomische Probleme nach
sich zieht. Für die Beschäftigten, die wegen einer Krank-
heit längere Fehlzeiten haben, ist das betriebliche Einglie-
derungsmanagement (BEM) ein wichtiges Instrument zur
Wiederherstellung und Erhaltung ihrer Arbeitsfähigkeit.
Seit dem Jahr 2004 ist BEM nach § 84 Abs. 2 SGB IX ge-
setzlich vorgeschrieben. Zur Umsetzung
dieser gesetzli-
chen Vorschrift im Schuldienst liegt für Sachsen seit Ap-
ril 2007 eine Dienstvereinbarung vor, die zwischen dem
Lehrer-Hauptpersonalrat und dem Sächsischem Staats-
ministerium für Kultus abgeschlossen wurde. Danach
sind die Schulleiter verpflichtet, wenn es die Betroffenen
wünschen, Unterstützungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Die Betriebsärzte werden zunehmend mehr in den Bera-
tungsprozess einbezogen.
Die Jahresberichte der Krankenkassen [49, 50] verdeutli-
chen, dass Lehrkräfte im Vergleich zu anderen Berufsgrup-
pen bzw. Branchen einen geringeren Krankenstand auf-
wiesen. Die Ausfalltage der sächsischen Lehrkräfte waren
im Zeitraum von 2007 bis 2014 stetig angestiegen und fast
vollständig durch eigene Erkrankungen verursacht, was
die Bemühungen zur Verbesserung der Lehrergesundheit
unterstreicht. Nicht bekannt ist,
ob Lehrkräfte teilweise
während der Ferienzeiten (ohne Krankschreibung) krank
waren und/oder Präsentismus ihren niedrigeren Kran-
kenstand mit verursacht. Nach Untersuchungen am Ins-
titut für Lehrergesundheit in Mainz gaben über die Hälfte
der Lehrkräfte an, trotz Krankheit arbeiten zu gehen [7].
Hinzu kommen Unstimmigkeiten zwischen den häufigsten
Ursachen von Krankheitstagen bei Lehrkräften (Atemwe-
ge, Psyche) und den gegenüber der Allgemeinbevölke-
rung häufiger auftretenden Beschwerden der Lehrkräfte
(Herz-Kreislauf-, Atemwegs-, Muskel-Skelett-System). In-
wieweit die Abweichungen zwischen Gesundheitszustand
und Krankenstand bzw. Ursachen für Krankschreibungen
der Lehrkräfte als Auswirkung des Präsentismus zu wer-
ten sind, muss für sächsische Lehrkräfte weiterführend
abgeklärt werden. Daraus ergeben sich neuartige Zugänge
zu präventiven Maßnahmen, die langfristig den Gesund-
heitszustand der Lehrkräfte stabilisieren und dem früh-
zeitigen Ausfall aus dem Berufsleben vorbeugen können.
Im
kardiovaskulären Gesundheitsbereich
dominierten
Alters- und Geschlechtseffekte, wonach Lehrer häufi-

| 57
ger ungünstigere Ausprägungen in den kardiovaskulären
Gesundheitsmerkmalen aufwiesen als Lehrerinnen. Die
Zunahme ungünstiger Gesundheitsmerkmale über die Al-
tersgruppen hinweg war bei den Lehrerinnen deutlicher
als bei den Lehrern. Das betraf in besonderem Maße die
Gesamtcholesterin-Konzentration. Obwohl auch bei den
Frauen der Allgemeinbevölkerung eine deutliche Zunahme
der Gesamtcholesterin-Konzentration mit zunehmendem
Alter zu beobachten war, wiesen die Lehrerinnen noch
ungünstigere Werte auf [64]. Dieser Effekt bedarf auch
unabhängig von der beruflichen Tätigkeit der Abklärung.
Mit wenigen Ausnahmen gaben Lehrkräfte etwas häufi-
ger gesundheitsförderliche Verhaltensweisen als die All-
gemeinbevölkerung an (u.a. sportliche Aktivität, Nicht-
raucherstatus). Wiederholt aufgefallen waren die deutlich
erhöhten Blutdruckwerte der Lehrkräfte [6, 17]:
Die Leh-
rer und noch deutlicher die Lehrerinnen wiesen – ohne
Berücksichtigung der blutdrucksenkenden Medikamente
– im Mittel deutlich
höhere Blutdruckwerte
auf als die
Allgemeinbevölkerung. Dieser Effekt wurde nicht nur bei
den älteren Lehrkräften sichtbar, sondern zeigte sich sehr
deutlich bereits bei den jüngeren Lehrkräften. Hier liegt
ein ernst zu nehmendes gesundheitliches Risiko vor – und
das trotz der gesundheitsförderlichen Verhaltensweisen
der Lehrkräfte, die bereits zur Reduzierung des kardiovas-
kulären Risikos beitragen. Dieses gesundheitliche Problem
muss im Zusammenhang mit den Arbeitsbedingungen
diskutiert und auch ärztlich abgeklärt werden.
Aufgrund der Ausprägungen der
Burnout-Symptomatik
lässt sich für die untersuchten Lehrkräfte kein bedenkli-
cher psychischer
Gesundheitszustand ableiten; dieser ist
mit dem der Allgemeinbevölkerung vergleichbar [18, 80].
Ein Burnout-Syndrom ist sowohl für 2 bis 3 % der Lehr-
kräfte als auch der Allgemeinbevölkerung anzunehmen.
Unabhängig davon berichteten Lehrkräfte häufig Bur-
nout-Symptome. Etwa ein Drittel von ihnen gab einige
Burnout-Symptome an, zwei Drittel der Lehrkräfte wiesen
keine Burnout-Anzeichen auf.
Zur Bewältigung der hohen Anforderungen im Lehrerberuf
sind ein Gleichwicht zwischen Arbeit und Erholung bzw.
ausreichende Regenerations-Phasen entscheidend. Diese
Phasen reichen bei etwa 10 % der sächsischen Lehrkräfte
nicht aus, um die beruflichen Belastungen zu kompensie-
ren. Manche Belastungen sind unausweichlich und kaum
veränderbar. So gehört der Lehrerberuf zu den Berufen, in
denen sich Phasen der Arbeit
und Erholung nicht deutlich
voneinander trennen lassen, d.h. die Grenzen zwischen
Arbeit und Freizeit „verschwimmen“. Gelingt es nicht, die
Balance zwischen Arbeit und Erholung herzustellen, kann
es zu Befindensstörungen und Krankheiten kommen.
Dysbalancen äußern sich im Gefühl der Überlastung und
in körperlichen Veränderungen (z.B. erhöhter Blutdruck).
Um solche Auswirkungen zu vermeiden, sind Techniken
und Strategien zur Regeneration zu erlernen, die sich in
den beruflichen und privaten Alltag integrieren lassen.
Zusammenfassend kann – mit Ausnahme des Blutdrucks
und Cholesterins – bei den untersuchten sächsischen
Lehrkräften
im Durchschnitt
von einem mit der Allge-
meinbevölkerung vergleichbaren Gesundheitszustand
ausgegangen werden. Die Unterschiede zwischen jünge-
ren und älteren Lehrkräften entsprechen auch denen in
der Allgemeinbevölkerung, wobei die älteren Lehrkräfte
tendenziell sogar besser abschneiden als die altersgleiche
Allgemeinbevölkerung. Die Varianz der Durchschnittswer-
te der
arbeits-, gesundheits-
und
personenbezogenen
Merkmale
verstärkt sich zwar mit zunehmendem Alter,
jedoch sind die individuellen Unterschiede innerhalb ei-
ner Altersgruppe deutlich größer. Das heißt auch, dass es
nicht
„die älteren Lehrkräfte“
gibt und diese Gruppe
nicht vereinheitlicht werden kann. Der Gesundheitszu-
stand, der von „gesund“ bis „gesundheitlich stark beein-
trächtigt“ reicht, ist – unabhängig vom Alter – individuell
sehr unterschiedlich. Das Potenzial der älteren Lehrkräfte
wurde zu lange unterschätzt, da sie zusätzlich über um-
fangreiche Erfahrungen verfügen und ebenso leistungs-
fähig sein können wie ihre jüngeren Kollegen.
Dennoch sollte der Arbeitsplatz Schule in Zukunft stär-
ker als bisher an die Möglichkeiten und Bedürfnisse der
Lehrkräfte in den unterschiedlichen Lebens- bzw. Alter-
sphasen angepasst werden. Insbesondere sollten schuli-
sche Rahmenbedingungen in den verschiedenen Phasen
eine Work-Life-Balance mit ausreichender „Erholung“ im
Schulalltag gewährleisten. Zudem wird gegenseitige kol-
legiale Unterstützung als Ressource der Anforderungsbe-
wältigung gesehen, die sich nicht zuletzt durch steigende
Zufriedenheit im Arbeitsleben gesundheitsförderlich aus-
wirkt.
Moderner
Arbeits-
und
Gesundheitsschutz
in Schulen
umfasst nicht nur Unfallverhütung und Arbeitssicherheit,
sondern auch medizinische
Gesundheitsvorsorge
und
Gesundheitsförderung
und muss als inter- bzw. mul-
tidisziplinäre Aufgabe verstanden werden. Dies erfordert
ein
ganzheitliches
Gesundheits-
und
Arbeitsschutz-
verständnis
und bedeutet für Schulen eine Kombination
verhältnis- (technische, organisatorische, ergonomische
Arbeitsbedingungen) und verhaltensbezogener Maßnah-
men, wobei verstärkt auf psychische und psychosoziale
Belastungen Einfluss genommen werden muss.
Die Schule ist die Struktureinheit, in der arbeits- und ge-
sundheitsbezogene Risiken und Ressourcen wirken. Es er-
scheint deshalb notwendig, den bisherigen Arbeits- und
Gesundheitsschutz durch
schulspezifische
Maßnahmen
zur
Gesundheitsförderung
zu verstärken, d.h.
gesund-

58 |
heitsförderliche Maßnahmen
müssen stärker als
bisher in die Schulkonzepte und -strukturen integriert
werden. Die Maßnahmen müssen bei lehrerspezifischen
Risikokonstellationen ansetzen, über individuelle Verhal-
tensänderungen hinausgehen und die gesamte Organi-
sationsstruktur einbeziehen. Das heißt, um die berufliche
Zufriedenheit zu verbessern, dürfen Präventions- und
Gesundheitsförderungsmaßnahmen sich nicht mehr
nur auf die Themen Bewegung, Ernährung, Rauchen
oder Genussmittelkonsum beschränken, sondern müs-
sen besonders Themen wie soziale Kommunikation und
gegenseitige soziale Unterstützung, Transparenz und
Feedback, gemeinsam getragene Leistungserwartungen
oder salutogene Führung aufgreifen [87]. Denn sowohl
die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit der Lehrkräfte als
auch die Leistungsfähigkeit der Schüler wird maßgeblich
durch die Schulqualität und die Führungstätigkeit der
Schulleitung beeinflusst.
Ein Schwerpunkt muss die
individuelle Vorsorge und
Beratung
der Lehrkraft sein, in der die mit dem Alter zu-
nehmenden gesundheitlichen Unterschiede angemessen
berücksichtigt werden. Die
arbeitsmedizinisch-psycho-
logische Betreuung
der Lehrkräfte in Sachsen, insbe-
sondere die Angebotsuntersuchungen nach dem Dresd-
ner Modell sind als „Frühwarnsystem“ für den Erhalt und
die Förderung von Arbeitsfähigkeit und Gesundheit von
zentraler Bedeutung. Allein die Befunde der jüngeren
Lehrkräfte unterstreichen, dass frühzeitige arbeitsmedi-
zinisch-psychologische Vorsorge alternativlos ist, aber
darüber hinaus weiterer Handlungsbedarf in Form von
Präventions- und Interventionsmaßnahmen besteht – vor
allem damit sich spezifische gesundheitliche
Einschrän-
kungen nicht zu manifesten Krankheitsbildern entwickeln.
Daher muss
Gesundheitsförderung
– die demografische
Entwicklung beachtend – frühzeitig, d.h. schon bei den
Lehramtsanwärtern und den Referendaren beginnen. Nur
so kann ein „Aufsummieren“ von Folgen der Fehlbelas-
tung und vorzeitiger Verschleiß mit Verlust der Arbeitsfä-
higkeit verhindert werden.
Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Lehrkräfte sich
der Eigenverantwortung für ihre Gesundheit bewusst sind
und eine Bereitschaft zum Investieren eines zeitlichen
und auch finanziellen Eigenanteils entwickelt haben. Jede
Lehrkraft ist für ihre Gesundheit selbst mitverantwortlich
und muss aktiv mitwirken, ihre Gesundheit zu erhalten.
Ausblick:
Für die gesetzliche Umsetzung der betriebs-
ärztlichen und sicherheitstechnischen Betreuung und
Beratung müssten einheitliche
Qualitätskriterien für alle
Bundesländer erarbeitet werden. Die Zusammenarbeit
zwischen Arbeitsmedizinern und Hausärzten, aber auch
mit Schulpsychologen und externen präventiven Exper-
tenangeboten (z.B. von Krankenkassen) muss vertieft
werden. Zur Aufklärung der Zusammenhänge schulischer
Arbeitsbelastungen als arbeits- und gesundheitsbezogene
Risiken und Ressourcen und gesundheitlicher Folgen so-
wie der Erhaltung der Arbeitsfähigkeit sind Längsschnitt-
betrachtungen notwendig. Aufgrund der Altersstruktur
der Lehrkräfte und des Lehrermangels ist eine zukunfts-
orientierte „Einstellungspolitik“ umzusetzen. Die wach-
senden und erweiterten Anforderungen an schulische
Bildung offerieren vielfältige und flexible Veränderungs-
und Anpassungsprozesse der Organisations- und Perso-
nalentwicklung.
Es fehlen für den Lehrerberuf fundierte
und praxiserprobte Personalentwicklungsstrategien und
Karrieremodelle, die die Arbeitsfähigkeit und Gesundheit
bis zum Renteneintritt erhalten und fördern oder alterna-
tive Lösungen zur Fortführung der Erwerbsbiografie bieten.

| 59
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