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Masterplan
„Digitale Verwaltung Sachsen“
Überblick

Einleitung
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Inhalt
1
Einleitung
......................................................................................................................................... 3
2
Leitlinien für die Digitalisierung
........................................................................................................ 4
3
Ziele des Masterplans
....................................................................................................................... 5
3.1
Digitalisierung aus Sicht der Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen
........................................ 5
3.2
Digitalisierung aus Perspektive der Verwaltung
........................................................................ 6
3.3
Weitere Ziele
............................................................................................................................ 7
4
Wo stehen wir?
................................................................................................................................. 8
5
Wie geht es weiter?
........................................................................................................................ 12
6
Was brauchen wir auf dem Weg in die digitale Verwaltung?
.......................................................... 13
6.1
Kooperationen und Zusammenarbeit
...................................................................................... 13
6.2
Effektive Steuerung
................................................................................................................ 14
6.3
Leistungsfähige IT-Dienstleister
.............................................................................................. 15
6.4
Der passende rechtliche Rahmen
............................................................................................ 15
6.5
Sicherung der notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen
..................................... 16
7
Fazit
............................................................................................................................................... 16

 
Einleitung
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1 Einleitung
Seit einigen Jahren verändert sich unser Lebensumfeld durch neue Technologien immer schneller und immer
mehr. Es ist für viele kaum mehr vorstellbar, dass Informationen und Dienstleistungen
nicht immer und
überall verfügbar sind. Dabei ist die Erfindung des World Wide Web gerade einmal 30 Jahre her. Ebenfalls
nur knapp über 30 Jahre ist es her, dass viele Menschen im Gebiet unseres heutigen Freistaates Sachsen
überhaupt kein Telefon hatten. Die digitalen Mobilfunknetze gingen 1992 an den Start, Smartphones in ihrer
heutigen Form sind vor gerade einmal knapp 11 Jahren auf den Markt gekommen. In der Zwischenzeit hat es
eine rasante Entwicklung gegeben, die immer neue Anwendungen ermöglicht. Auch die sonstige Computer-
technik hat sich seit den ersten funktionsfähigen Computern von Konrad Zuse in den 1940er Jahren bis heu-
te in einem atemberaubenden Tempo entwickelt, die jedermann Zugriff auf Technologien und Anwendungen
gibt, die vor wenigen Jahren noch als Science-Fiction galten.
Diese Veränderungen und Entwicklungen haben aber nicht nur Auswirkungen auf unser alltägliches Leben.
Sie verändern auch die gesamte Arbeitswelt, bringen neue Produkte und Dienstleistungen hervor, und bishe-
rige Arbeitsweisen und Produkte ändern sich entweder radikal oder verschwinden sogar ganz.
Dies alles wird unter vielen Schlagwörtern zusammengefasst. Ein übergreifender und weit reichender Begriff
ist der der Digitalisierung. Er beschreibt ursprünglich die Umwandlung analoger Informationen in digitale,
wird heute aber allgemein für die Abbildung unterschiedlichster Prozesse durch Elektronik verwendet.
Es gibt einen Bereich, der nach dem Eindruck vieler unbeeindruckt von all den Umbrüchen weiter arbeitet:
unsere Verwaltung. Das trifft natürlich nicht zu! In vielen Bereichen ist die Verwaltung sogar Vorreiter in der
Nutzung von Informationstechnik. Allerdings ist gerade aus Sicht von Bürgerinnen, Bürgern, Vereinen und
Unternehmen davon häufig nicht viel zu sehen. Sei es, dass Anträge immer noch auf Papier eingereicht wer-
den müssen, sei es, dass persönliche Vorsprachen notwendig sind oder Bescheide immer noch als Papier
versandt werden. Hier haben wir als Verwaltung tatsächlich – auch im europäischen Vergleich – noch ein
gutes Stück Weg zu gehen, um unser Leistungsangebot genauso modern und benutzerfreundlich zu präsen-
tieren, wie wir es von vielen Angeboten aus dem wirtschaftlichen Umfeld kennen.
Um für diesen Weg eine klare Richtung zu haben, wurde der Masterplan „Digitale Verwaltung Sachsen“ er-
arbeitet. Er ist der verbindende und verbindliche Leitfaden im Prozess der Stärkung und des Ausbaus der
elektronischen Verwaltung in Sachsen. Er setzt einen Auftrag aus dem „Zukunftspakt Sachsen“ um. Der Mas-
terplan setzt auf vielfältige Grundlagen auf, bündelt diese und führt diese zugleich fort. Dies sind insbeson-
dere die „Strategie für IT und E-Government des Freistaates Sachsen“
1
vom April 2014, die Digitalisierungs-
strategie des Freistaates Sachsen „Sachsen Digital“
2
und die Eckpunkte des „Digitalisierungsprogramms
Kommune 2025“
3
. Die in diesen Dokumenten vorgesehenen Ansätze und Maßnahmen zur digitalen Verwal-
1
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/24522
2
https://publikationen.sachsen.de/bdb/artikel/28672
3
https://www.sakd.de/fileadmin/egovernment/Strategie/170925_Digitalisierung_Kommune_2025_V101.pdf

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Leitlinien für die Digitalisierung
Seite 4
tung haben wir geprüft, fortgeschrieben und – sofern sie noch
nicht vollständig umgesetzt sind – mit dem aktuellen Kontext
in den Masterplan aufgenommen.
Der Masterplan ist in enger Abstimmung mit allen Ressorts, den
kommunalen Landesverbänden und weiteren Akteuren aus dem
kommunalen Raum erarbeitet worden und stellt somit die ge-
meinsame Strategie für den weiteren Ausbau der digitalen Ver-
waltung im Freistaat dar.
Eine erfolgreiche, effiziente und schnelle Digitalisierung der
Verwaltung - unabhängig ob aus Perspektive der Bürgerinnen,
Bürger und Unternehmen oder aus der Binnenperspektive der
Verwaltung - setzt übergreifende und verbindliche Rahmenbe-
dingungen und Leitlinien voraus. Diese bilden die Leitplanken
für die Formulierung verbindlicher Vorgaben sowie für die Ent-
scheidung, welche Maßnahmen wie konkret umzusetzen sind.
2 Leitlinien für die Digitalisierung
Die wichtigste Leitlinie für eine moderne elektronische Verwaltung:
Wir richten die Digitalisierung der
Verwaltung konsequent auf den Nutzer aus.
Zielstellung des Verwaltungshandelns ist die Umsetzung ge-
sellschaftlicher Erwartungen vor dem Hintergrund eines verantwortungsvollen und angemessenen Ressour-
ceneinsatzes. Folgendes gilt aus Sicht von Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen: (Online-)Anwendungen
müssen für sie zwingend einen Mehrwert gegenüber den bisherigen papiergebundenen Prozessen sowie
einen Zugang zur Verwaltung bieten. Sie müssen möglichst einfach zu benutzen sein, transparent abgebildet
werden, Hilfestellungen bieten, Komfortfunktionen vorhalten und dabei zugleich sicher und rechtsverbind-
lich sein. Nutzer sind dabei nicht immer Bürger, Bürgerinnen, Unternehmen und sonstige Organisationen.
Auch Verwaltungen können Nutzer von anderen Verwaltungsleistungen sein, so z. B. Gemeinden bei der
Beantragung von Fördermitteln.
Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Verwaltungen soll die Digitalisierung Vorteile bringen.
Die Anwendungen für die Verwaltung müssen skalierbar und gut anwendbar sein, eine effektive Unterstüt-
zung bei der Aufgabenerfüllung bieten und effiziente Arbeitsabläufe ermöglichen.
Das Spannungsfeld aus Nutzeranforderungen und -wünschen, Datenschutz und Informationssicherheit wer-
den wir stets unter dieser Perspektive beleuchten und zum Ausgleich bringen.
Erkannte Verbesserungspotentiale - auch im rechtlichen Rahmen - werden wir konsequent, einheitlich, all-
gemeingültig und vor allem zeitnah umsetzen.
Eine weitere wichtige Leitlinie:
Wir wollen effizient und schnell vorgehen.
Wir wollen nicht für jedes Prob-
lem eine eigene Lösung entwickeln. Gemeinsam mit Partnern in Bund und Ländern werden wir immer dann
bestehende Anwendungen und Lösungen übernehmen, wenn diese auch für uns anwendbar sind. Es ist unser
erklärtes Ziel, Doppelentwicklungen zu vermeiden. Bei der Entwicklung von Verfahren berücksichtigen wir
den wirtschaftlichen Betrieb in der produktiven Praxis von Anfang an mit. Zugleich wollen wir die digitale

 
Ziele des Masterplans
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Verwaltung dynamisch und unter Berücksichtigung geltender technischer Standards entwickeln. Wir wollen
schnell Anwendungen bereitstellen, auch wenn nicht sofort alle Sonderfälle durchgehend mit IT-Verfahren
bearbeitet werden können. Agile Methoden wie Design Thinking, Scrum und Kanban haben sich in der
schnellen und nutzerzentrierten Entwicklung neuer Lösungen in der Wirtschaft bewiesen. Wir wollen diese
Methoden bewusst – neben und zusammen mit bisherigen Vorgehensweisen - einsetzen, um schneller zu
lernen und Lösungen zu entwickeln.
Eine wichtige Rahmenbedingung, die große Auswirkungen hat, ist die
Ebenen übergreifende Zusammenar-
beit
. Verwaltung beruht auf verteilten Zuständigkeiten. Viele Leistungen und Angebote beruhen zum Beispiel
auf bundesrechtlichen Regelungen, werden aber auf kommunaler oder Landesebene vollzogen. Nur wenn
alle Ebenen zusammenarbeiten, werden wir insgesamt Erfolg haben. Die Zusammenarbeit mit der kommuna-
len Ebene ist für uns ein Schwerpunkt. Hier können wir auf eine langjährige gute und vertrauensvolle Zu-
sammenarbeit mit den Partnern in Städten, Gemeinden und Landkreisen aufsetzen.
Eine unverzichtbare Rahmenbedingung ist die
Gewährleistung der Informationssicherheit
. Mit der zuneh-
menden Bereitstellung elektronischer Verwaltungsdienstleistungen für Bürger und Wirtschaft vergrößert
sich die Angriffsfläche für Cyberangriffe auf die Verwaltung. Wir werden daher den Umfang der Schutzmaß-
nahmen gegen Hacker-Angriffe stark ausbauen und stetig weiterentwickeln. Dies wird mit dem Ausbau auch
der personellen Ressourcen im Bereich der Informationssicherheit verbunden sein.
Die Sicherheit von Daten allgemein muss bei allen Projekten, Maßnahmen und Verfahren, die der Digitalisie-
rung der Verwaltung dienen, von den handelnden Akteuren stets mitbedacht werden. Informationssicherheit
ist kein Selbstzweck und keine ergänzende Maßnahme, sondern muss Bestandteil eines jeden Prozesses sein.
Die Einhaltung der geltenden Bestimmungen des Datenschutzes ist ohne Informationssicherheit nicht mög-
lich.
Ergänzend dazu ist es im Bereich Cybersicherheit Anliegen des Freistaates Sachsen, die Bürger zu beraten,
z. B. durch Sensibilisierungs- und Fortbildungsmaßnahmen, und die hier beheimateten Unternehmen – ins-
besondere die KMU - zu unterstützen, z. B. durch Förderung von Schutzmaßnahmen, Zusammenarbeit in
Sicherheitsprojekten oder durch Beratungsleistungen.
3 Ziele des Masterplans
Kernziele des Masterplans, die von weiteren flankiert werden, sind die Digitalisierung aus der Perspektive der
Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen einerseits und die Digitalisierung der Prozesse in den Verwaltungen
andererseits. Diese Ziele stehen nicht einfach nebeneinander. Nur wenn wir beide Seiten, die Innen- und die
Außenperspektive, gleichermaßen in den Blick nehmen, können wir beide Kernziele erreichen.
3.1 Digitalisierung aus Sicht der Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen
Deutschland ist im europäischen Vergleich nicht unter den führenden Ländern in Bezug auf Online-
Dienstleistungen. Bund und Länder unternehmen erhebliche Anstrengungen, dieses Ranking zu verbessern.
Sachsen wird seinen Beitrag dazu leisten. Wir orientieren uns dabei konsequent an den Bedürfnissen von
Bürgerinnen, Bürgern und Unternehmen. Den rechtlichen Rahmen auf Bundesebene bildet dafür das Online-
Zugangsgesetz (OZG). Wir berücksichtigen auch europarechtliche Vorgaben. Dazu gehören u. a. die EU-DLR,

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Ziele des Masterplans
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die BAERL und die SDG-VO. Für eine Priorisierung der elektronisch
umzusetzenden Verwaltungsverfahren orientieren wir uns an den
Untersuchungen zu den TOP-100 Leistungen für Bürger
4
und TOP-
100 Leistungen für Unternehmen
5
und den rechtlichen Vorgaben
aus Bundes- und Europarecht.
Mit der Umsetzung der bestehenden Verwaltungsverfahren ist die
Digitalisierung allerdings nicht abgeschlossen. Durch technische
Weiterentwicklungen, rechtliche Änderungen und sonstige Ent-
wicklungen werden sich Verfahren ändern, hinzukommen aber
auch wegfallen. Wir werden diese Entwicklungen stets berücksich-
tigen und unsere Angebote entsprechend anpassen.
Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen erwarten, dass sie mit der
Verwaltung – neben den traditionellen Zugangs- und Kommunika-
tionswegen - nicht nur elektronisch kommunizieren, sondern ihre
Anliegen vollständig elektronisch abwickeln und verfolgen können.
Durch den Gesetzgeber wurde mit dem Online-Zugangsgesetz diese Erwartung aufgenommen und die Ver-
pflichtung eingeführt, alle geeigneten Verwaltungsleistungen bis zum 31.12.2022 elektronisch anzubieten.
Dies ist nicht nur für die Verwaltung in Sachsen eine gewaltige Herausforderung.
Wir stellen uns dieser Herausforderung und wollen sie gemeinsam mit unseren Partnern in Bund und Län-
dern bewältigen. Unser Ziel lautet daher:
Bis zum 31.12.2022 sind alle Verwaltungsleistungen gemäß OZG-Umsetzungskatalog elek-
tronisch verfügbar.
Dieses Ziel ist ein Kernziel des Masterplans. Wir - Land und Kommunen - wollen es in Übereinstimmung mit
allen anderen Ländern und dem Bund innerhalb des gesetzlich vorgegebenen Zeitrahmens erreichen. Wir
berücksichtigen dabei auch die Belange von Nutzern mit Behinderungen und streben barrierearme bzw. -
freie Lösungen an.
3.2 Digitalisierung aus Perspektive der Verwaltung
An die Verwaltung werden immer höhere Anforderungen gestellt. Bei gleichbleibenden oder zum Teil sogar
sinkenden Ressourcen müssen häufig mehr und anspruchsvollere Aufgaben bewältigt werden. Dies kann nur
durch eine effektive Unterstützung mit modernen IT-Systemen gelingen. Wir werden diese Systeme den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Verfügung stellen. Denn diese sind unerlässliche Voraussetzung und
Basis für die Schaffung von mehrwertigen Online-Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen.
4
https://www.init.de/sites/default/files/downloads/NEGZ-Studie-Top-100-Verwaltungsleistungen-Buerger.pdf
5
https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Studien/studie-top-100-wirtschaft.html

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Ziele des Masterplans
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Die Digitalisierung der Verwaltung darf nicht beim digitalen Interface zu Bürgern und Unternehmen stehen
bleiben. Wenn Verwaltungsleistungen aus Bürger- und Unternehmenssicht elektronisch bereitstehen, müs-
sen die entsprechende Bearbeitung in der Verwaltung elektronisch und die Kommunikation mit Bürgern und
Unternehmen medienbruchfrei erfolgen. Dies schließt die elektronische Archivierung mit ein. Nur so kann
eine sinnvolle Unterstützung durch IT in der Verwaltung gelingen. Wir stellen uns daher als Ziel:
Alle Verwaltungsverfahren sollen soweit als möglich innerhalb der Verwaltung durchgängig
elektronisch bearbeitet werden.
Dieses Ziel ist das zweite Kernziel des Masterplans. Es bildet das notwendige Pendant zu unserem ersten
Kernziel.
3.3 Weitere Ziele
Unsere beiden Kernziele allein schöpfen die Möglichkeiten, die heute uns allen durch die Digitalisierung zur
Verfügung stehen, nicht aus.
Ein weiteres Ziel richtet sich auf die
Erweiterung der elektronischen Kommunikation
. Bereits heute sind
alle sächsischen Verwaltungen auf elektronischem Weg zu erreichen. In aller Regel steht mindestens eine
E-Mail-Kontakt-Adresse bereit. Bei vielen Behörden, vor allem im kommunalen Bereich, stehen darüber hin-
aus Kontaktformulare bereit. Wir wollen diese Möglichkeiten ausbauen. Dazu gehören insbesondere Mög-
lichkeiten zur verschlüsselten und rechtssicheren Kommunikation mit der Verwaltung.
Mit
Open Government Data
(kurz Open Data) werden Daten, die in der Verwaltung vorliegen, Dritten ma-
schinenlesbar zur Weiterverwendung, Weiterverarbeitung und Weiterverbreitung bereitgestellt. Bürger und
Unternehmen können diese für eigene Zwecke und Anwendungen nutzen und so z. B. damit Geschäftsideen
entwickeln und umsetzen. Zugleich wird Verwaltungshandeln transparenter, eine bessere Teilhabe möglich
und die Zusammenarbeit sowohl der Öffentlichkeit mit der Verwaltung als auch zwischen den Verwaltungen
untereinander verbessert. Um diese Potentiale bestmöglich zu realisieren, werden wir den bereits einge-
schlagenen Weg zur möglichst breiten Bereitstellung aller geeigneten Daten konsequent weiter beschreiten.
Für eine moderne Zivilgesellschaft ist die
direkte Beteiligung von Bürgerinnen, Bürgern
und Unternehmen bei der Gestaltung von
Politik und Gesellschaft unerlässlich. Dies gilt
sowohl im Rahmen von formalen Verfahren,
wie z. B. der Planfeststellung, den Beschlüs-
sen von Gremien, als auch bei informellen
Diskussionen zu vielfältigen Themen z. B. im
Kulturbereich. Um eine breite Bürgerbeteili-

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Wo stehen wir?
Seite 8
gung zu ermöglichen, sind im Sinne einer Multikanalstrategie neben Präsenzveranstaltungen, Meinungsum-
fragen und anderen Instrumenten auch
Online-Beteiligungen
ein geeigneter Weg. Der Freistaat Sachsen
stellt dazu bereits das Online-Beteiligungsportal
6
zur Verfügung. Wir werden die Nutzung dieses Portals
durch die Behörden im Freistaat konsequent weiter ausbauen.
Die
Optimierung der Verwaltungsprozesse
ist der erste Schritt für deren erfolgreiche Digitalisierung. Die
bloße Umsetzung bestehender Verwaltungsverfahren 1:1 in elektronische Verwaltungsverfahren nutzt nur
einen Teil des Potentials der digitalen Verwaltung. Wir wollen daher auch die neuen rechtlichen und techni-
schen Möglichkeiten nutzen. Dazu gehören z. B. der automatisierte Erlass von Verwaltungsakten, die elekt-
ronische Bekanntgabe, aber auch die optimierte Kommunikation zwischen Verwaltungen.
4 Wo stehen wir?
Die sächsische Verwaltung fängt mit der Digitalisierung nicht auf der berühmten „grünen Wiese“ an. Es gibt
bereits heute eine Vielzahl an Verwaltungsleistungen, die, zumindest in Teilen, bereits digital angeboten
werden. Die Bandbreite reicht dabei von der Bereitstellung von Informationen über Verwaltungsleistungen,
Formulare, die elektronisch ausgefüllt werden können bis hin zu vollelektronisch bereit stehenden Antrags-
verfahren. Aber auch innerhalb der Verwaltung ist eine Vielzahl an Fachverfahren im Einsatz. Bereits sehr
weit fortgeschritten ist die Einführung der elektronischen Vorgangsbearbeitung. Zusammen bildet dies die
Basis für den Ausbau der digitalen Verwaltung und für die Umsetzung unserer Ziele.
Um dieses breite Spektrum zu vergegenwärtigen, sollen hier einige wenige
Beispiele aus den Ressorts
der
sächsischen Landesverwaltung genannt werden.
Beginnen wir mit der
Sächsischen Staatskanzlei
. Die hier angesiedelte Abteilung für IT und E-Government in
der Staatsverwaltung bietet in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls zur Staatskanzlei gehörenden IT-
Dienstleister Sächsische Informatikdienste eine breite Palette an digitalen Lösungen vor allem für andere
Verwaltungen als Grundlage für deren Verwaltungsverfahren an. Hierzu gehören u. a. der eID-Service Sach-
sen zur Nutzung der Ausweisfunktion des elekt-
ronischen Personalausweises, das Beteiligungs-
portal mit seinen vielfältigen Nutzungsmöglich-
keiten für formelle und informelle (Bürger-
)Beteiligungen, die Bereitstellung der elektroni-
schen Vorgangsbearbeitung für die Staatsver-
waltung („eva.Sax“), die Basiskomponente Zah-
lungsverkehr, bei der Sachsen sogar bundesweit
die Führungsrolle für die Zahlungskomponente
ePayBL hat, die Plattform Amt24 mit dem Ver-
fahrensmanagement und dem Zuständigkeitsfin-
6
https://buergerbeteiligung.sachsen.de/portal/egov/startseite

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Wo stehen wir?
Seite 9
der oder auch das sächsische CERT zur Gewährleistung der Informationssicherheit in der Landesverwaltung.
Daneben stehen aber auch konkrete Angebote für Bürgerinnen, Bürger, Organisationen und Unternehmen.
So bietet die Staatskanzlei mit der Datenbank REVOSax einen einfachen und vollständigen Zugriff auf das
sächsische Landesrecht. Über die von allen Vergabestellen nutzbare zentrale Vergabeplattform können Un-
ternehmen ihre Angebote online einreichen.
Dem breiten Zuständigkeitsprofil des
Staatsministeriums des Innern
entsprechend ist dort eine große An-
zahl und Vielfalt an elektronischen Verwaltungsverfahren im Einsatz. Einige Beispiele sollen dies verdeutli-
chen:
So bietet die
Polizei
mit der Onlinewache eine Möglichkeit, auf elektronischem Weg Anzeige zu erstatten.
Weiterhin liefert die Polizei rund um die Uhr aktuelle Informationen zur Verkehrslage auf unseren Straßen.
Natürlich stehen der Polizei auch spezielle Fachverfahren für ihre Arbeit zur Verfügung.
Das
Statistische Landesamt
(StaLa) hat im
Verbund mit den Statistischen Ämtern der
anderen Bundesländer und dem Statistischen
Bundesamt bereits das Ziel erreicht, alle
Erhebungen vollelektronisch anzubieten und
durchzuführen. Die Auswertung der Erhe-
bungsdaten erfolgt ebenso softwareunter-
stützt und elektronisch. Soweit rechtlich
zulässig, werden alle statistischen Ergebnisse
den Bürgern, Bürgerinnen und Unternehmen
online elektronisch zur Verfügung gestellt.
Das
Staatsarchiv
archiviert die im Rahmen des
E-Government entstehenden Unterlagen der Behörden, Gerichte und sonstigen öffentlichen Stellen des Frei-
staates. Es entscheidet über deren bleibenden Wert, übernimmt den archivwürdigen Teil in das von SID be-
triebene „elektronische Staatsarchiv“ (el_sta) und stellt sie unter Beachtung der archivgesetzlichen Schutz-
fristen zur Benutzung bereit. Darüber hinaus macht das Staatsarchiv das von ihm verwahrte, nicht-
elektronische Archivgut online zugänglich. Inzwischen sind ca. 2,5 Mio. Erschließungsdatensätze für jeder-
mann im Internet recherchierbar. Darüber hinaus können ca. 630.000 Bild-Digitalisate von Archivgut direkt
online benutzt werden.
Der
Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen
(GeoSN) hat sich in den vergangenen
Jahren von einer klassischen Vermessungsbehörde zu einem hochtechnisierten Dienstleister für Geodaten
gewandelt.
Ein Bereich, in dem die Digitalisierung auch für
Bürger, Bürgerinnen, Organisationen und Unter-
nehmen in Sachsen und bundesweit schon weit
fortgeschritten ist, ist der Bereich der
Steuerver-
waltung
. Die Verwaltungsverfahren der Steuer-
verwaltung laufen bereits heute fast vollständig

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Wo stehen wir?
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IT-gestützt ab. Viele kennen und nutzen z. B. das ELSTER-Portal für die elektronische Lohnsteuererklärung
oder haben entsprechende Module in ihrer Steuersoftware. Auch die Anmeldung der Umsatzsteuer erfolgt
nur noch elektronisch.
Mit der neuen Bewerberplattform für Lehrer wird die Bewerbung für den
Schuldienst
im Freistaat Sachsen
für die Interessenten deutlich vereinfacht und deren Bearbeitung in der Verwaltung beschleunigt.
Mit Hilfe des Online-Gewerbedienstes (OGW) kann bei immer mehr
Gewerbeämtern
die Anmeldung von
Gewerben mittels Gewerbeanzeigen medienbruchfrei elektronisch erfolgen. Die flächendeckende Einführung
steht bevor.
Im Geschäftsbereich des
Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz
stellt das Thema E-
Government eine große Herausforderung dar. Hierbei spielen insbesondere der Datenschutz und die sichere
Kommunikation aufgrund der sensiblen Daten, die im Rahmen der Tätigkeiten elektronisch verarbeitet wer-
den, eine große Rolle. Nichtsdestotrotz wird das Angebot an elektronischen Verwaltungsleistungen, gerade
auch im Bereich Information, z. B. über Schutzimpfungen aber auch für die Beantragung von Sozialleistun-
gen stetig ausgebaut. Hier sei insbesondere das
Antragsverfahren für Elterngeld, das in einem
bundesweiten Projekt entwickelt wird, ge-
nannt.
Im Geschäftsbereich des
Staatsministeriums
für Umwelt und Landwirtschaft
(SMUL) hat
die elektronische Verwaltung insbesondere in
den Bereichen der EU-Agrarförderung und im
Umweltbereich eine lange Tradition und eine
gute Bilanz. Nachdem im Bereich der Förde-
rung zunächst Verfahren zur Unterstützung
der internen Verwaltungsarbeit eingeführt
worden waren, sind die Prozesse dort inzwi-
schen bis auf vorgeschriebene Zeichnungsrege-
lungen vollständig digitalisiert. Einige Verfahren bieten schon die Möglichkeit der vollelektronischen Bear-
beitung von der Antragstellung bis hin zum Bescheid. Wo möglich wurden länderübergreifende Verfahren
angestrebt.
In Richtung der Bürger und Unternehmen werden eine Vielzahl von Informationen, vorrangig im Umweltbe-
reich elektronisch zur Verfügung gestellt, z. B. Hochwasserinformationen und Luftmessdaten. Maßgeblich
hierbei ist das Umweltinformationsgesetz. Eine Erfolgsgeschichte, zudem über verschiedene Ressorts und
Ebenen hinweg, ist die elektronische Bohranzeige elba.sax.
Schwerpunkte im Geschäftsbereich des
Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
werden durch die
spezifischen Anforderungen von Forschung und Lehre in den Hochschulen und Forschungseinrichtungen
sowie des großen Bereichs Kunst und Kultur gesetzt.
Daraus leitet sich bereits heute ein vielfältiges Angebot an online Angeboten auch und gerade für Bürger
und Bürgerinnen ab. Die Digitalisierung im
Hochschulbereich
bezeichnet einen fundamentalen Wandlungs-

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Wo stehen wir?
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prozess, der etwa bestehende Konzepte der Wissensver- und -ermittlung sowie des Kompetenzerwerbs sowie
Strukturen der Organisation und Zusammenarbeit in und um Hochschulen verändert.
Für Kultureinrichtungen ist es essenziell, mit Informationen zu ihren Beständen und über ihre Bestände im
Internet präsent zu sein und sich mit der Digitalisierung ihrer Kulturgüter auseinander zu setzen. Die Be-
wahrung, Vermittlung, öffentliche Erschließung, Vernetzung sowie die möglichst uneingeschränkte Zugäng-
lichkeit des kulturellen Erbes in der digitalen Welt ist dabei eine der zentralsten Aufgaben.
Die durch die Digitalisierung exponentiell ver-
größerten Möglichkeiten, Informationen zu spei-
chern, zu übertragen, zu bearbeiten und wieder-
zugeben, erfasst sämtliche Bereiche der Wissen-
schaft; sie schafft neue Formen des Erkenntnis-
gewinns. Forschungsdaten können übergreifend
genutzt und nachgenutzt werden, ihre maschi-
nelle Auswertung verändert die Generierung des
Wissens und das Wissen selbst.
Daneben stehen aber auch „klassische“ Verwal-
tungsleistungen, wie die Gewährung von BaföG,
ein Verfahren, das bereits vollelektronisch abge-
wickelt werden kann.
Eine besondere Rolle hat die
Justiz
. Aus ihrer
unabhängigen Stellung heraus, die das Wesen
unseres Rechtsstaates wesentlich prägt, ergeben
sich zum Teil besondere Anforderungen. Die Jus-
tizverwaltungen der Länder arbeiten an der Digitalisierung der Justiz unter dem Leitwort e-Justice.
Im Bereich des Elektronischen Rechtsverkehrs (ERV) als einem der Kernelemente von E-Justice ist der Frei-
staat Sachsen ein Vorreiterland. Bereits zum 1. Dezember 2012 wurde der elektronische Zugang zu sämtli-
chen sächsischen Gerichten eröffnet. Seit dem 1. Januar 2018 ist der ERV auch zu sämtlichen sächsischen
Staatsanwaltschaften eröffnet. Darüber hinaus sind seit dem 1. Januar 2018 sämtliche Gerichte per De-Mail
erreichbar. Derzeit gehen monatlich zwischen 45.000 und 55.000 elektronische Nachrichten ein.
Der Umsetzungsplan des OZG enthält Leistungen, die zweifelsfrei dem Bereich der Rechtspflege zuzuordnen
und damit gerade keine „Verwaltungsleistungen“ (§ 1 Abs. 1 OZG) sind. Das Staatsministerium der Justiz
sieht die Verwaltungsportale i. S. d. OZG indes als eine Möglichkeit, dem Bürger einen einfachen und gleich-
ermaßen sicheren einheitlichen Zugang sowohl zu Leistungen der Verwaltung als auch der Justiz zu eröffnen
und hat deshalb ein großes Interesse daran, neben den hier verantworteten E-Government-Leistungen auch
die hiesigen E-Justice-Leistungen perspektivisch in diese Portale einzubinden.

 
Wie geht es weiter?
Seite 12
5 Wie geht es weiter?
Der Fahrplan für die Umsetzung der Kernziele in Sachsen wird maßgeblich auch durch die Ergebnisse der
bundesweiten Koordinierungsbemühungen zur Umsetzung des OZG bestimmt werden. Der Bund hat in Ab-
stimmung mit den Ländern ein komplexes Programmmanagement aufgesetzt, das die länderübergreifende
arbeitsteilige Umsetzung unterstützen wird. Auch wenn die Ergebnisse im Einzelnen noch nicht vorliegen,
wird Sachsen die Arbeit an der Umsetzung der Ziele in konkreten Projekten fortsetzen. Die bundesweiten
Aktivitäten mit denen im Land zu verzahnen und zusammenzuführen wird die Herausforderung der nächsten
Zukunft sein. Sowohl die kommunale als auch die staatliche Ebene treiben die Digitalisierung von Verwal-
tungsleistungen nach innen und außen verstärkt voran. Dies soll anhand einiger Beispiele beleuchtet wer-
den.
So hat die SAKD zusammen mit der KISA im Auftrag der Staatskanzlei ein Vorgehensmodell entwickelt, wie
unter Nutzung moderner Arbeits- und Entwicklungsformen Verwaltungsleistungen der kommunalen Ebene
unter Berücksichtigung der oben genannten Leitlinien entwickelt werden können. Als Prototyp wurde dafür
die Anmeldung eines Hundes mit dem Verfahrensmanagement des Amt24 umgesetzt. Die dabei gewonnen
Kenntnisse und Erfahrungen fließen nun in die Digitalisierung weiterer Verwaltungsleistungen, wie zum
Beispiel die Abrechnung des Feuerwehrverdienstausfalls, ein und stehen allen Kommunen und Landkreisen
zur Verfügung. Die Planungen für die nächsten Projekte sind weit vorangetrieben und haben den klaren Fo-
kus auf Leistungen, die auf kommunaler Ebene stark nachgefragt sind. Hierzu gehören auf den ersten Blick
unspektakuläre Verfahren wie zum Beispiel die Sondernutzung von Straßen, die aber eine hohe Fallzahl und
praktische Bedeutung haben.
In enger Zusammenarbeit zwischen staatlicher und kommunaler Ebene wird in naher Zukunft eine breitere
Palette an online-Diensten für Bürgerinnen, Bürger, Organisationen und Unternehmen bereitgestellt werden.
Dazu gehören die Online-Antragstellung für
Wohngeld
, die bis Ende 2020 vollumfänglich ermöglicht wer-
den soll. Besonders wichtig: online gestellte Anträge auf Wohngeld sollen medienbruchfrei im Wohngeldver-
fahren durch die Wohngeldbehörde weiterbearbeitet werden können. Schrittweise umgesetzt wird die Digi-
talisierung der
Bauverwaltung
, hier mit dem besonders wichtigen Verfahren Baugenehmigung. Derzeit lau-
fen die Prüfungen zur Machbarkeit und die Klärung der konkreten Anforderungen an das Vorhaben.
Auch die
Steuerverwaltung
schreitet auf dem eingeschlagenen Weg weiter voran: Ab dem Jahr 2019 sollen
im Freistaat Sachsen alle eingehenden Papiersteuererklärungen gescannt werden. Die Freigabe des flächen-
deckenden Einsatzes in den Finanzämtern ist hierzu bereits erteilt. Beim Scannen werden die Erklärungsin-
halte ausgelesen und grafische Abbilder erstellt. Damit können die Papiererklärungen so aufbereitet werden,
dass die Verarbeitung durch weitere Verfahren (wie z. B. Abgleich Grundinformationen, Risikomanagement-
system, Festsetzung) ermöglicht wird.
Das
Staatsarchiv
wird sein online-Angebot an Digitalisaten massiv ausbauen: Allein für die Jahre 2019 und
2020 ist die Online-Stellung von je 10 Millionen Bild-Digitalisaten geplant.
Ein mehr nach innen gerichtetes, aber trotzdem mit erheblichen Fallzahlen versehenes Fachverfahren ist die
Digitalisierung des
Beihilfeverfahrens
und Einführung der elektronischen Beihilfebearbeitung und Aktenfüh-
rung bis 2021 im Landesamt für Steuern und Finanzen.

 
Was brauchen wir auf dem Weg in die digitale Verwaltung?
Seite 13
Nachdem das Gesetz zur Förderung des elektronischen Rechtsverkehrs mit den Gerichten vom 10. Oktober
2013 im Geschäftsbereich des Staatsministeriums der Justiz nahezu vollständig umgesetzt wurde, steht die
Einführung der elektronischen Verfahrensaktenführung
im Mittelpunkt der mittelfristigen Planung. Das
Gesetz zur Einführung der elektronischen Akte in der Justiz und zur weiteren Förderung des elektronischen
Rechtsverkehrs vom 5. Juli 2017 verpflichtet die Landesjustizverwaltungen, die elektronische Verfahrensakte
bis zum 1. Januar 2026 flächendeckend einzuführen. Das Staatsministerium beabsichtigt, die
E-Verfahrensakte gestaffelt bei mehreren Gerichten der ordentlichen sowie der Sozial- und Arbeitsgerichts-
barkeit ab 2019 zu pilotieren. Der Elektronische Rechtsverkehr soll in den kommenden Jahren weiter ausge-
baut werden, insbesondere durch Erweiterung der Möglichkeiten des elektronischen Versandes von Nach-
richten durch die Justiz. Daneben sollen auch die Register weiter ausgebaut werden. So soll bis Ende 2019
das bestehende Handelsregisterverfahren im Verbund aller Bundesländer zu einem gemeinsamen Register-
fachverfahren (AuRegis) weiterentwickelt werden.
Eine Erleichterung durch online-Verfahren wird auch der weitere Ausbau der Antragstellung für das
Bundes-
elterngeld
und die Bereitstellung einer Terminvergabe gekoppelt mit den notwendigen Belehrungen und der
Einbindung der Bezahlfunktionen für die Beantragung eines Gesundheitszeugnisses bringen. Auch die Be-
reitstellung einer Onlineberatung für Impfungen bzw. Impfempfehlung werden vielen Bürgerinnen und Bür-
gern die Planung z. B. von Auslandsreisen erleichtern.
Ebenfalls in der konkreten Umsetzungsplanung sind Verwaltungsverfahren zur Umlegung von Grundstücken,
der Umweltsiegelverleihung und zur Agrarförderung.
Ein bundesweit koordiniertes Vorhaben steht im Bereich des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst
an, das zudem ein ausgewiesenes Massenverfahren darstellt: die
Koordinierung von Bewerbungen für
grundständige Studiengänge und der zentralen Vergabe
von bundesweit zulassungsbeschränkten Studien-
plätzen. Daneben stehen Vorarbeiten zur elektronischen Abwicklung von Verfahren zur Kulturförderung, zum
Kulturgutschutzgesetz, zur Gleichwertigkeit von Zeugnissen von Spätaussiedlern nach BVFG, zu Zeugnissen
ausländischer Hochschulqualifikationen und zur Anerkennung akademischer Abschlüsse (hier: Nachdiplo-
mierung).
Neben der Digitalisierung dieser und weiterer Verwaltungsleistungen wird auch das zentrale Angebot an
Basiskomponenten weiter ausgebaut. Neben der Bereitstellung von weiteren Funktionen im Beteiligungspor-
tal sei hier exemplarisch der weitere Ausbau des Funktionsumfangs des Serviceportals Amt24, zum Beispiel
durch die Bereitstellung von Behördenkonten, genannt.
6 Was brauchen wir auf dem Weg in die digitale Verwaltung?
Wir können unsere Ziele nur erreichen, wenn wir die für ein erfolgreiches Vorgehen unerlässlichen Voraus-
setzungen schaffen.
6.1 Kooperationen und Zusammenarbeit
Die Pflege und der Ausbau von Kooperationen und andere Formen der Zusammenarbeit gehören zu diesen
Voraussetzungen.

 
Was brauchen wir auf dem Weg in die digitale Verwaltung?
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Die Ebenen übergreifende Zusammenarbeit ist nicht nur eine Leitlinie. Sie ist auch praktisches Handeln in
verschiedenen Richtungen.
So greifen wir die bundesweit organisierten und implementierten Formate zur Zusammenarbeit bei der Um-
setzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) auf. Wir haben uns von Anfang an in die Arbeit und Organisation
eingebracht und konnten viele Impulse setzen. Dies erleichtert uns nun die Nutzung der gewählten Formen,
wie zum Beispiel den Digitalisierungslaboren für die Erarbeitung von Musterlösungen. Besonders zum Tragen
kommt dieser Ansatz im OZG-Themenfeld „Recht & Ordnung“, für das Sachsen die bundesweite Federfüh-
rung übernommen hat. Hier erarbeiten wir, zusammen mit dem BMI und dem BMJV, Lösungen und Muster
für die Digitalisierung von Verwaltungsleistungen, z. B. im Bereich Bußgeld. Diese stellen wir den anderen
Ländern zur (Nach-)Nutzung zur Verfügung.
Im Gegenzug erhalten wir die Lösungen anderer Bundesländer, die wir dann - mit den notwendigen Anpas-
sungen zur Regionalisierung auf die Verhältnisse bei uns im Freistaat Sachsen- übernehmen und einsetzen
können.
Neben den Möglichkeiten aus der Umsetzung des OZG bestehen noch viele weitere bundesweite Kooperati-
onen, deren Potential wir für Sachsen erschließen. Ein Beispiel ist die Kooperation bei der Weiterentwicklung
der Steuersoftware mit dem Produkt Elster. Ein weiteres ist der elektronische Rechtsverkehr. Im Bereich
e-Justice gibt es ebenfalls eine bundesweite Abstimmung und Zusammenarbeit, um Entwicklungsaufwände
zu minimieren.
Auch bilateral nutzen wir die Möglichkeiten, mit anderen Ländern gemeinsam Lösungen zur Digitalisierung
zu erarbeiten. So haben wir eine Kooperation mit Baden-Württemberg abgeschlossen, die die Serviceportale
beider Länder, unser Amt24 und myServiceBW, auf eine gemeinsame technische Basis stellt und eine we-
sentliche Grundlage für eine effiziente Digitalisierung von Verwaltungsleistungen bildet.
Innerhalb unseres Freistaates gibt es eine weitreichende und gute Zusammenarbeit mit der kommunalen
Familie. So stellen wir nachnutzbare Lösungen für alle staatlichen und kommunalen Behörden bereit (soge-
nannte Basiskomponenten) und ermöglichen damit, für wiederkehrende Aufgaben auf vorhandene Bausteine
zurück zu greifen. Beispiele sind hier die Bereitstellung von Angeboten für die sichere elektronische Kommu-
nikation oder den eID-Service Sachsen zur einfachen Nutzung des elektronischen Personalausweises. Dane-
ben steht die gemeinsame Abstimmung der Weiterentwicklung des sächsischen E-Governments, z. B. im
Rahmen des IT-Kooperationsrates. Auch mit der Bereitstellung von Fördermitteln zur zentralen Entwicklung
von OZG-Verfahren für die kommunale Familie leisten wir einen Beitrag zur Zusammenarbeit von staatlichen
und kommunalen Verwaltungen. Wichtig ist auch die direkte Übernahme von Verantwortung für die Ent-
wicklung grundlegender Verwaltungsverfahren, die auf kommunaler Ebene benötigt werden. Beispiele sind
hier die Arbeiten an Verfahren zur elektronischen Beantragung von Wohngeld oder Baugenehmigungen.
6.2 Effektive Steuerung
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor – insbesondere vor dem Hintergrund der vielen beteiligten Akteure auf allen
Ebenen – ist eine effektive Steuerung. Aufgrund der zentralen Bedeutung für eine moderne Verwaltung liegt
die zentrale Steuerung von IT und E-Government bei der SK. Dies bildet die stetig zunehmende Wichtigkeit
von IT-Themen als Querschnittsthemen für die gesamte Landesverwaltung angemessen ab und erhöht zu-

 
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gleich die Verbindlichkeit der Arbeit des CIO für alle Behörden im Freistaat Sachsen. Es verleiht Sachsen
Gewicht im IT-Planungsrat, dem wichtigsten Bund-Länder-Gremium zum E-Government in Deutschland.
Auf Grund der schlanken Struktur der SK ist eine enge Verzahnung der Arbeit von Abteilung 4 und CIO ge-
währleistet. Damit können Entscheidungen effektiv vorbereitet und effiziente Arbeitsabläufe sichergestellt
werden.
Die von der SK gesteuerte Gremienarbeit ist ein wesentliches Instrument zur Koordinierung der Aktivitäten
im Bereich E-Government im Freistaat. Dazu gehört die Organisation und Leitung der Arbeits- und Len-
kungsgremien im Land, wie dem AK ITEG, der AG IS, dem LA ITEG und dem IT-KoopR sowie die Vertretung in
Gremien wie dem SAKD-Koordinierungsausschuss. Die Gremien sowohl auf Landes- als auch kommunaler
Ebene müssen sich der Themen und der Koordinierung aller Aktivitäten und Maßnahmen konsequent an-
nehmen. Dies gilt insbesondere für die Koordinierung der OZG-Umsetzung. Einen wichtigen Part spielt hier
das OZG-Team, das mit Vertretern aus allen Ressorts und der kommunalen Spitzenverbände besetzt ist. Es
dient der Bündelung und Abstimmung aller aufkommenden Fragen zur konkreten Umsetzung des OZG und
der damit verbundenen Verwaltungsleistungen.
6.3 Leistungsfähige IT-Dienstleister
Die fortschreitende Digitalisierung der Verwaltung durch IT-gestützte, elektronische Verwaltungsverfahren
und -prozesse braucht eine leistungsfähige Basis für die technische Konzeption, die Entwicklung und den
Betrieb der Infrastruktur und elektronischen Verfahren. Wir entwickeln den Staatsbetrieb Sächsische Infor-
matik Dienste deshalb zum zentralen, innovativen und leistungsfähigen IT-Dienstleister der Staatsverwal-
tung. Im Fokus stehen dabei die Schaffung sowie Bereitstellung von leistungsfähigen und sicheren IT-
Infrastrukturen, eine starke Ausrichtung am IT-Servicemanagement, die Stärkung durch Flexibilisierung in
den Bereichen Finanzierung und Personalmanagement sowie die Steigerung der Attraktivität zur Fachkräfte-
gewinnung.
Auch die Kommunen im Freistaat haben sich angesichts der neuen Herausforderungen und Anforderungen
sowie knapper werdender (auch personeller) Ressourcen auf den Weg gemacht, die Kooperation der kommu-
nalen IT-Dienstleister zu vertiefen und der Zusammenarbeit einen festen organisatorischen Rahmen zu ge-
ben.
6.4 Der passende rechtliche Rahmen
Die Stärke der deutschen Verwaltung beruht nicht zuletzt auf ihrem rechtlichen Fundament. Gesetze, Ver-
ordnungen und die darauf beruhenden Verwaltungsvorschriften geben der Verwaltung ihren Rahmen und
sichern die Verlässlichkeit und Vorhersehbarkeit des Verwaltungshandelns. Dieser Rahmen wird durch euro-
parechtliche, bundesrechtliche, landesrechtliche bis hin zu kommunalen Regelungen gebildet. Es handelt
sich dabei aber um kein statisches Gebilde. Immer wieder waren und sind Anpassungen an sich verändernde
technische und gesellschaftliche Gegebenheiten notwendig.
Die Digitalisierung der Verwaltung ist ein maßgeblicher Treiber für solche Anpassungen. Daraus leiten sich
vielfältige Anforderungen ab, den rechtlichen Rahmen anzupassen und fortzuentwickeln.

 
Fazit
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Dieser Aufgabe haben wir uns gestellt. So befindet sich die Novellierung des sächsischen E-Government-
Gesetzes, basierend auf einer umfangreichen Evaluierung, im parlamentarischen Verfahren. Darauf aufbau-
end wird auch die dazu gehörige Durchführungsverordnung angepasst. Ein weiteres wichtiges Gesetzge-
bungsvorhaben betrifft das Sächsische IT-Sicherheitsgesetz, das dem Parlament ebenfalls zur Abstimmung
vorliegt. Auch mit der Novellierung von Verwaltungsvorschriften, wie z. B. die VwV ITEG, werden wir den
landesrechtlichen Rahmen wo notwendig anpassen und fortentwickeln.
6.5 Sicherung der notwendigen personellen und finanziellen Ressourcen
Die Umsetzung des Masterplans setzt neben dem Engagement aller Beteiligten auf allen Ebenen auch aus-
reichende Ressourcen voraus. Dies sind nicht nur die notwendigen finanziellen Mittel, die für einzelne Maß-
nahmen benötigt werden. Daneben steht im Einzelfall auch ein Bedarf an personeller Verstärkung. Der Fach-
kräftemangel und die zunehmende Konkurrenz mit der Wirtschaft und unter den Behörden stellen dabei
höhere Anforderungen an die Gewinnung und Bindung qualifizierter Fachkräfte.
Darüber hinaus ist es wichtig, auch die bereits in den Verwaltungen tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbei-
ter weiter zu qualifizieren. Ihnen muss das Wissen und Können vermittelt werden, den Transformationspro-
zess hin zur elektronischen Verwaltung erfolgreich umzusetzen.
Mit dem Leitfaden des IT-Planungsrats „IT-Personal für die öffentliche Verwaltung gewinnen, binden und
entwickeln“ ist unter Federführung des Freistaates Sachsen ein Rahmenwerk geschaffen worden, welches
Orientierung und Anhaltspunkte für die Ableitung konkreter Maßnahmen gibt.
Mit der Einrichtung des Bachelor Studiengangs „Fachrichtung Verwaltungsinformatik“ an der HSF Meißen
wird ein wichtiger konkreter Beitrag zur Sicherstellung der personellen Ressourcen für die Verwaltungen im
Freistaat Sachsen geleistet.
7 Fazit
Unsere ambitionierten Ziele werden wir erreichen. Durch die Zusammenarbeit mit unseren Partnern auf allen
Ebenen, die Nutzung von schon Vorhandenem und dem gemeinsamen Willen, die Herausforderungen der
(weiteren) Digitalisierung der Verwaltung erfolgreich zu meistern, ist der Weg in die digitale Verwaltung klar
vorgezeichnet. Wir werden die Planungen stetig überprüfen und aktualisieren.
Wir haben in Sachsen immer wieder bewiesen, dass wir mit neuen Situationen und Herausforderungen – zu
denen der digitale Wandel unzweifelhaft gehört - umgehen können und damit unseren Freistaat zu dem
lebenswerten Platz gemacht haben, der er heute ist und auch in Zukunft sein wird.

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Herausgeber:
Sächsische Staatskanzlei
Redaktion:
Sächsische Staatskanzlei
Gestaltung und Satz:
Sächsische Staatskanzlei
Druck:
Sächsische Staatskanzlei
Redaktionsschluss:
14. März 2019
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