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Steckbriefliche Zusammenfassung von
Projektergebnissen im Rahmen des
Projektes Vita-Min
Nutzung der Abprodukte aus
Wasserreinigungsanlagen als
Wertstoffe (Teilprojekt 2.1)
2020

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
Seite 1
Fällungsprozess:
Verfahren in der Wasserbehandlung, bei dem ein
gelöster Stoff aus einer Lösung ausgeschieden wird und als
schwerlöslicher Schlamm ausfällt, meist verursacht durch eine pH-
Änderung oder Überschreitung des Löslichkeitsprodukts.
Einführung, Hintergrund und Zielstellung
Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) sieht vor, dass verhältnismäßige
Maßnahmen zu treffen sind, um die Gewässer in einen guten chemischen sowie
ökologischen Zustand bzw. ein gutes ökologisches Potenzial zu überführen oder
zu halten. Dies betrifft auch Gewässer, die durch bergbaubedingte
Schadstoffeinträge beeinträchtigt sind. Einen wesentlichen Beitrag kann die
technische Wasserbehandlung durch Entfernung von Schadstoffen aus dem
Wasserpfad leisten. Zur Reinigung von bergbaulich beeinflussten Wässern in
Wasserreinigungsanlagen
(WRA)
kommen,
abhängig
von
Menge
und
Beschaffenheit der Wässer, unterschiedliche Verfahren zur Anwendung. Viele
Reinigungsverfahren beruhen auf Fällungsprozessen, die den Anfall beträchtlicher
Mengen von Fällungsschlämmen bedingen, welche meist aufwendig entsorgt
werden müssen. In Sachsen betrifft dies im besonderen Maße die Regionen des
Braunkohlenbergbaus, welche bedingt durch die Behandlung der eisenhaltigen
Bergbauwässer, mit beachtlichen Mengen an Eisenhydroxidschlamm als
Abprodukt umgehen müssen.
Das Ziel dieser Studie ist es, Lösungsmöglichkeiten für die Nachnutzung von
Abprodukten aus Wasserreinigungsanlagen zusammenzustellen sowie die
Mengen der anfallenden Abprodukte zu quantifizieren. Damit wird auf der einen
Seite ein Beitrag zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen
geliefert und auf der anderen Seite der Kenntnisstand zur Problematik
recherchiert und dokumentiert. Der Fokus liegt dabei auf der Situation in
Sachsen.
Methodik
Die Studie teilt sich in drei wesentliche Arbeitskomplexe, deren Bearbeitung sich
wiederum in verschiedene Teilleistungen gliederte und vorwiegend auf
Recherchearbeiteten zu Wasserreinigungsanlagen und deren Abprodukten
basiert. Von besonderem Interesse war die Prüfung, inwieweit die Verfüllung
alter Filterbrunnen in Braunkohlenbergbaugebieten mit Eisenhydroxidschlamm
(EHS) als alternative Nachnutzungsoption in Frage kommt. Die Vorgehensweise
zur Bearbeitung der Thematik ist Tabelle 1 zu entnehmen.
Mittels eines Fragebogens wurden die Kennwerte und Parameter von sächsischen
Wasserreinigungsanlagen und Filterbrunnen von deren Betreibern/Besitzern

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
Seite 2
angefragt. Folgende Betreiber unterstützten die Recherchearbeit und lieferten
damit eine zentrale Grundlage für diese Studie:
Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft mbH (MIBRAG),
Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG),
Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH
(LMBV),
Saxony Minerals & Exploration AG (SME),
Wismut GmbH.
Tabelle 1: Vorgehensweise zur Bearbeitung der drei Arbeitskomplexe
Ergebnisse und Diskussion
Zusammenfassung der in Sachsen betriebenen Wasserreinigungsanlagen
Der Bergbau in Sachsen kann nach Bergbausparte, unterteilt in aktiven Bergbau
und Sanierungsbergbau, sowie nach Rohstoff, unterteilt in Braunkohlenbergbau
und Erzbergbau, kategorisiert werden.
Die
Wasserreinigungsanlagen im Braunkohlenbergbau
werden von den
Bergbaubetreibern MIBRAG im Mitteldeutschen Revier und von der LEAG im
Nr. Arbeitskomplexe
Teilleistungen
1
Grundlegende Recherche und
Darstellung der
Wasserreinigungsanlagen
(WRA) und ihrer Abprodukte
in Sachsen
Recherche der in Sachsen eingesetzten
Reinigungsverfahren und der entstehenden
Abprodukte (vertiefende Betrachtung von
Eisenhydroxidschlamm (EHS))
Charakterisierung der Abprodukte (u.a. hydro-
chemische und physikalische Eigenschaften) und
deren mögliche Nutzung
Aufbereitung der Recherche und
Systematisierung der Ergebnisse
2
Literaturrecherche möglicher
Nachnutzungsoptionen von
Abprodukten aus WRA
Recherche zur Nutzung von Abprodukten aus
WRA (international/national)
Darstellung der Nutzungsoptionen für die unter
Komplex 1 systematisierten Abprodukte und
Diskussion vor dem Hintergrund sächsischer
Gegebenheiten
Prüfung der Verfüllung von Abprodukten (u.a.
EHS) in alte Filterbrunnen in den Kippen der
Braunkohlebergbaugebiete als alternative
Nachnutzungsoption zum Rückbau von Brunnen
3
Beispielhafte
Dimensionierung von
Nachnutzungsoptionen der
Abprodukte aus WRA in
Sachsen
Fallbeispiel für die Verfüllung von EHS in einen
alten Filterbrunnen im Kippenbereich der
Braunkohlebergbaugebiete
Fallbeispiel für die konkrete Dimensionierung von
Nachnutzungsoptionen anfallender Abprodukte
einer WRA

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
Seite 3
Grubenwasserreinigungsanlage (GWRA):
Anlage, die einem
durch Bergbautätigkeit geprägten Wasserstrom die Eisenfracht
entzieht. Als technologisch kontrollierte Verfahrensschritte kommen
Neutralisation, Oxidation, Fällung und Sedimentation zumeist unter
Zuhilfenahme von Neutralisationsmitteln und Flockungshilfsmitteln
zur Anwendung (Bilek et al. 2013).
Lausitzer
Revier
sowie
von
der
LMBV,
als
Projektträgerin
der
Braunkohlensanierung, betrieben (Abbildung 1).
Abbildung 1: Wasserreinigungsanlagen in Sachsen und deren Betreiber (Stand 01/2020)
Die MIBRAG betreibt zwei Grubenwasserreinigungsanlagen (GWRA) in Sachsen,
Schleenhain und Peres. Die
GWRA Schleenhain
behandelt Sümpfungswässer
nach klassischem Kalkfällverfahren (Abbildung 2). Durch Zugabe von Kalkmilch
wird der pH-Wert der Wässer in den neutralen Bereich angehoben und die
Eisengehalte nach Fällung auf < 3 mg/L verringert. Die Restalkalinität
(Säurebindungsvermögen) des anfallenden (alkalischen) Eisenhydroxidwassers
wird zur Verminderung der Kippenwasserversauerung in die untere Kippe
eingebracht.

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
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Modulare Wasserbehandlungsanlagen (MWBA) der LMBV:
Weiterentwicklung stationärer Wasserbehandlungsanlagen, die die
Verfahrensschritte
Neutralisation,
Oxidation,
Flockung,
Sedimentation, EHS-Eindickung, EHS-Entwässerung nutzen. Die
Anlagen bestehen grundsätzlich aus Reaktions-, Flockungs- und
Sedimentationscontainern sowie einem Schlamm-Eindicker. Sie sind
durch den modularen Aufbau flexibel anpass- und einsetzbar.
Die
In-situ Konditionierungsanlage Peres
dient der Aufbereitung von saurem und
eisenhaltigem Kippenwasser mit Kalkmilch. Das konditionierte Kippenwasser wird
dem Filterbrunnenwasserstrom zugeführt. Die Sedimentation erfolgt im
Absetzbecken auf dem Tagebauliegenden.
Die LEAG ist Betreiber der drei sächsischen GWRA Tzschelln, Kringelsdorf und
Schwarze Pumpe. Die
GWRA Tzschelln
und die
GWRA Kringelsdorf
bereiten
Sümpfungswässer mittels Kalkfällverfahren auf. Seit 2019 werden mehr als 90 %
des alkalischen Eisenhydroxidwassers beider Anlagen durch eine Fremdfirma
(P.U.S. GmbH) entwässert und weiterverarbeitet. Auch die
GWRA Schwarze
Pumpe
bereitet Sümpfungswässer durch Kalkfällverfahren auf. Zusätzlich wird
durch eine Vorbelüftung Hydrogencarbonat physikalisch ausgetrieben, um so
Neutralisationsmittel
einzusparen.
Das
Abprodukt,
alkalisches
Eisenhydroxidwasser, wird in Tagebaurestgewässer eingeleitet und teilweise
durch eine Fremdfirma weiterverarbeitet.
Zur Vermeidung der bekannten Verockerungserscheinungen der Fließgewässer
und Verschlammung der Gewässersohle betreibt die LMBV als Bergbausanierer
vier Wasserreinigungsanlagen in Sachsen. Drei der vier Anlagen werden als
sogenannte modulare Wasserbehandlungsanlagen (MWBA) betrieben (
MWBA
Burgneudorf, MWBA Neustadt/Spree, MWBA Ruhlmühle
).
Sie dienen der Aufbereitung zuströmenden und gehobenen Grundwassers zur
Minimierung der Eisengehalte, bevor diese in den Vorfluter gelangen. Die
Anlagen befanden sich zu Beginn des Jahres 2020 z. T. noch im Probebetrieb.
Eine weitere
Wasseraufbereitungsanlage
(WAA) ist
Borna West
, welche ein
Mischwasser (Grund- und Niederschlagswasser) mit hohen Eisenghalten
aufbereitet, bevor es in den Vorfluter gepumpt wird.
Auch im
Erzbergbau
kommen sowohl im aktiven Bergbau als auch im
Sanierungsbergbau Wasserreinigungsanlagen zum Einsatz. Insgesamt befinden
sich fünf Anlagen in Sachsen im Betrieb (Abbildung 1).
Die SME AG betreibt im Rahmen ihrer Erkundungsarbeiten zu einer
polymetallischen Lagerstätte eine Wasserbehandlungsanlage (
WBA Pöhla
) zur
Elimination von Schwebstoffen, Eisen und Metallen (u. a. Arsen und Mangan) aus

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
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den Grund- und Grubenwässer. Danach werden die Wässer in die Vorflut
eingeleitet. Die Abprodukte (Fällschlamm) werden deponiert.
Abbildung 2: Verfahrensschema zur Fällung mit Kalkhydrat (Kalkfällverfahren)
Die WISMUT GmbH ist u. a. mit der Sanierung der Hinterlassenschaften des
Uranerzbergbaus betraut und betreibt in Sachsen vier Anlagen zur Behandlung
von kontaminierten Bergbauwässern. Typische Schadstoffe im zu behandelnden
Wasser im Uranerzbergbau sind Uran, Radium, Arsen, Eisen und eine Reihe
anderer Schwermetalle. Die
WBA Helmsdorf
behandelt kontaminierte Wässer von
industriellen
Absetzanlagen
mittels
modifiziertem
Kalkfällverfahren
zur
Uranentfernung und einer selektiven Abtrennung von Radium und Arsen. Der
eingedickte Uran-Radium-Eisenarsenatschlamm wird mit Kraftwerksasche und
Zement immobilisiert und auf dafür vorgesehen Flächen verbracht. In der
WBA
Schlema-Alberoda
werden aufsteigende Grubenwässer analog wie in der WBA
Helmsdorf behandelt. Die Immobilisation erfolgt jedoch ohne Kraftwerksasche.
Auch die
WBA Pöhla
reinigt austretende Grubenwässer. Die Abtrennung der
Schadstoffe Uran, Radium, Arsen, Eisen und Mangan erfolgte zu Betriebsbeginn
durch selektive Fällverfahren. Im Jahr 1997 sank die Urankonzentration unter
den genehmigten Einleitwert, so dass die Uranabtrennung eingestellt wurde. Die
Entfernung von Radium und Arsen erfolgt durch Fällung mit Bariumchlorid
(BaCl
2
) und Eisenchloridsulfat (FeClSO
4
). Zusätzlich findet eine Oxidation mittels
Wasserstoffperoxid (H
2
O
2
) statt, da die Wässer stark reduzierend sind. In
Königstein
werden belastete Grubenwässer gehoben und in einer Anlage zur
Aufbereitung
von
Flutungswasser
(
AAF
Königstein
)
behandelt.
Die
Uranabtrennung erfolgt im ersten Schritt mittels Ionenaustausch. Im zweiten
Schritt werden durch Kalkfällverfahren die restlichen Schadstoffe, wie Radium,

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
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Rest-Uran und Schwermetalle ausgefällt. Die entwässerten Rückstände werden in
eine Halde eingebaut. Aktuell wird die Anlage im laufenden Betrieb auf das
konventionelle Kalk-Fällungsverfahren mit teilweiser Schlammrückführung
umgebaut, weil die Urangehalte im Wasser rückläufig waren.
Entsprechend der recherchierten und oben beschriebenen WRA kommen aktuell
in Sachsen folgende Reinigungsverfahren für bergbaubeeinflusste Wässer zu
Einsatz:
konventionelles
Kalkfällverfahren
(erzeugt
dünne
Schlämme;
Verfahrensschema siehe Abbildung 2)
HDS-Verfahren
(High
Density
Sludge;
Kalkfällverfahren
mit
Schlammrückführung zur Eindickung der Schlämme)
Bariumchloridfällung (Entfernung von Radium und Arsen)
Ionenaustauschverfahren (Uranentfernung).
Ausgehend von den verschiedenen Reinigungsverfahren, der Zusammensetzung
der Wässer sowie dem Anlagenort entstehen in Sachsen unterschiedliche
Abprodukttypen
(vorwiegend
alkalische
Eisenhydroxidwässer
und
Eisenhydroxidschlämme) mit standortspezifischen Eigenschaften (Abbildung 3).
Abbildung 3: Abprodukttypen der sächsischen Wasserreinigungsanlagen
Neben
der
Charakterisierung
der
Abprodukte
der
recherchierten
Wasserreinigungsanlagen wurden auch die anfallenden Mengen der Abprodukte
in den sächsischen Anlagen bilanziert. Die Mengenbilanzierung ergab, dass die

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
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größten
Mengen
alkalischer
Eisenhydroxidwässer
in
den
GWRA
des
Braunkohlenbergbaus mit 2,96 Mio m³/a anfallen. Weitere 2.585 m³/a EHS mit
Fällprodukten von Uran, Radium, Arsen und Schwermetallen entstehen im
Erzbergbau.
Nachnutzungsoptionen von Abprodukten aus Wasserreinigungsanlagen
Grundsätzlich
ist
der
Umgang
mit
anfallenden
Rückständen
aus
Wasserreinigungsanlagen in folgender Reihenfolge zu priorisieren: (1)
Vermeidung, (2) Verwertung, (3) Verspülung, (4) Deponierung. Maßnahmen zur
Verbringung
oder
Nachnutzung
von
EHS
sind
grundsätzlich
genehmigungspflichtig, wobei die geplanten Maßnahmen einzeln geprüft und
entschieden werden müssen.
Rückstände können nicht vermieden, jedoch durch Planung und Optimierung des
Betriebs der Aufbereitungsanlagen verringert werden. Im Sanierungsgebiet der
Lausitz können Maßnahmen, die beispielsweise direkt im Grundwasser wirken,
wie hydraulische Barrieren zur Minderung des Grundwasserzustroms,
Untergrundwasserbehandlung (Fällung) oder hydraulische Abfangmaßnahmen
und Überleitung in einen Bergbaufolgesee, die Eisenfracht in Fließgewässern
vermindern.
Die Abprodukte aus sächsischen Wasserreinigungsanlagen werden entweder
kostenintensiv entsorgt (deponiert) oder einer Nachnutzung zugeführt. Eine
Nachnutzung
der
Schlämme
richtet
sich
nach
deren
chemischen
Zusammensetzung, der physikalischen Beschaffenheit, der Regelmäßigkeit der
Entstehung, der Art der Lagerung, der Lagerungszeit sowie den Möglichkeiten für
Verladung und Transport. Für eine stoffliche Verwertung muss der EHS in hoher
Reinheit vorliegen, was normalerweise nur bei der Abtrennung in technischen
Anlagen realisierbar ist. Folgende Verwertungsmöglichkeiten wurden für die
Nutzung in Sachsen recherchiert:
Verwendung als Adsorptionsmittel
o
in Form von pumpfähigem Schlamm zur Sanierung von Gewässern
(Nährstoffelimination)
o
für
Schwefelwasserstoff
(Geruchsbelästigung)
in
Kanalisationssystemen
o
in
Form
von
Granulaten
z.
B.
in
Turmentschweflern
(Faulgasreinigung), zur Regenwasserbehandlung, zur Reinigung von
Abläufen
aus
Kleinkläranlagen,
als
Absorptionsmasse
in
Festbettfiltern oder als Filtermaterial in Pflanzenkläranlagen
Verwendung in der Ziegel- und Keramikherstellung
Verwendung als Neutralisationsmittel (Verspülung in Bergbaufolgeseen)
Verwendung zur Abdeckung und Rekultivierung von Flächen
Verwendung als Flockungshilfsmittel

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
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Eine weitere Möglichkeit der Nachnutzung ist die Verbringung von EHS.
Beispielsweise können bei der Rohstoffgewinnung entstehende Hohlräume mit
EHS verfüllt werden. Allerdings muss nach dem Verfüllen von Hohlräumen die
bergrechtliche Verpflichtung zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit
dauerhaft gegeben sein. Zudem können auf Kippenoberflächen des Sanierungs-
und des Aktivbergbaus die EHS als Halde oder Tailing verbracht werden oder in
den Kippenkörper des Aktivbergbaus eingebaut werden.
Zusätzlich zu den bereits aufgeführten Nachnutzungsmöglichkeiten wurde
geprüft, inwiefern die
Verfüllung alter Filterbrunnen in den Kippen der
Braunkohlegebiete mit Abprodukten
als weitere Verwertungsoption herangezogen
werden kann. Derzeit existieren 13.000 bekannte Filterbrunnen in Sachsen.
Diese ergeben ein Gesamtvolumen von ca. 130.000 m³, welches für die
beabsichtigte Verfüllung mit EHS zur Verfügung stünde. Im Allgemeinen wird
unter Zuhilfenahme von Zuschlagsstoffen durchaus die technische Umsetzbarkeit
der Verfüllung von Filterbrunnen gesehen. Gegenüber den jährlich anfallenden
Volumina an EHS handelt es sich jedoch um vernachlässigbare Beträge, gerade
auch im Hinblick auf den jährlichen Materialbedarf zu verfüllender Filterbrunnen.
Den möglichem Verfüllvolumen von 7.750 m³/a steht dabei ein Anfall von
Abprodukten in Höhe von 150.000 m³/a gegenüber, was einem Anteil von etwa
5 %entspricht. Zudem reduziert die Inanspruchnahme von Zuschlagsstoffen zur
Stabilisierung die verfügbaren Volumina geringfügig. Durch die weiträumige
Anordnung der Filterbrunnen ist eine zentrale Aufbereitung nicht zielführend,
sodass mobile Anlagen zum Anmischen der Suspensionen zum Einsatz gebracht
werden
müssten.
Stellt
man
die
bisherige
Verfahrensweise
mittels
Braunkohlenfilterasche von 51 €/m³ der Deponierung mit 70 €/m³ gegenüber, so
ergibt sich ohne Berücksichtigung weiterer rechtlicher, baulicher und planerischer
Maßnahmen eine Einsparung von 19 €/m³. Auch wenn sich, bezogen auf die
ermittelten 130.000 m³ für sämtliche noch vorhandenen Filterbrunnen somit
theoretisch bestenfalls 2,47 Mio. € einsparen ließen, wird dieser Betrag sich in
der Praxis durch die Veränderung der logistischen Abläufe, Transport und ggf.
Zukauf von Zuschlagstoffen sowie ausstehende Genehmigungsverfahren auf ein
nicht mehr lohnenswertes Niveau senken. Die rechtliche Genehmigungsfähigkeit
gestaltet sich derweil komplex. Für das Langzeitverhalten von EHS nach dem
Verbringen liegen keine verlässlichen Daten vor. Hierzu sind weitere
Untersuchungen nötig. Hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung muss
insbesondere auf § 4 Abs. 1 Satz 1 VersatzV verwiesen werden. Bei
Überschreitungen der Feststoffgehalte, wäre eine Vereinbarkeit des Einbringens
unter Umständen nicht gegeben.

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
(Teilprojekt 2.1)
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Defizitanalyse und Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
Für eine mögliche Nutzung der EHS müssen wirtschaftliche und ökologische
Aspekte
gegenübergestellt
werden.
Die
Nutzung
hängt
von
den
Qualitätsanforderungen der jeweiligen Nachnutzung ab. Meist werden relativ
reine Schlämme benötigt oder Schlämme mit einem relevanten Kalkanteil. Es
gibt keine einheitliche Lösung für alle Schlammtypen und Entstehungsorte.
Zudem erfüllen die anfallenden Schlämme oft nicht die rechtlichen
Anforderungen für eine Nachnutzung (siehe Abfallrecht). Für alle anderen
anfallenden Schlämme, außer EHS, rechnet sich eine separate Aufarbeitung
kaum, da die erzeugten Mengen und/oder die enthaltenen Wertstoffanteile oft zu
gering sind, um spezielle Sonderverfahren zu entwickeln bzw. zu betreiben.
Problematisch für die Nutzbarkeit von Schlämmen aus WRA ist es, wenn diese
nicht kontinuierlich anfallen. Im Winter besteht infolge des hohen Wasseranteils
der Schlämme Frostgefahr. Zudem muss die Wirtschaftlichkeit einer
Nachnutzung hinsichtlich der Transportkosten geprüft werden, falls in direkter
Umgebung für die Weiterverarbeitung keine Nachfrage besteht.
Beim Kalkfällverfahren fallen erhebliche Kosten für Neutralisationsmittel an, die
entfallen würden, wenn Eisen im sauren Milieu gefällt würde. In der GWRA
Tzschelln wird deshalb eine Pilotanlage zur mikrobiellen Oxidation von Sulfat und
Eisen aus Bergbauwässern im sauren Milieu betrieben. Es entsteht das
Biomineralisationsprodukt Eisenhydroxysulfat (Schwertmannit) mit hohem
Feststoffgehalt und höherer Reinheit im Vergleich zum mit Kalk gefälltem
Schlamm. Der Schwertmannit dient als Rohstoff für weitere Untersuchungen in
verschiedenen (Forschungs-)Projekten unter anderem:
für die Herstellung von Grundbeschichtungen, Lackfarben, Keramiken oder
für den Hochofenprozess,
für die Entwicklung eines Verfahrenskonzeptes zur Veredlung von
Schwertmannit mittels Mikrowellenenergie (Entstehung sulfatreduzierter/-
freier Produkte),
zur
Biosynthese
reaktiver
Eisenmineraloberflächen
für
die
Wasseraufbereitung (z. B. zur Entfernung von Arsenat, Antimonat,
Chromat H2CrO4, Vanadat sowie Phosphat).
Insgesamt gesehen, ist für die jeweilige Nachnutzung/Verwertung der jeweilige
Markt entscheidend für die mögliche Verwertungsmenge. In Sachsen existiert
einzig die P.U.S. GmbH als großtechnischer Verwerter von EHS-Schlamm. Diese
erhöht zwar jährlich die Abnahmemenge, wird aber trotzdem durch den Markt an
sich und entsprechende Marktmitbegleiter ihre Abnahmemenge nicht beliebig
steigern können. Zudem sind die Verwertungsoptionen immer durch die
spezifische Zusammensetzung/Qualitäten des EHS an den einzelnen Standorten
eingeschränkt. Die in Sachsen anfallenden Mengen können mit den derzeit
kommerziell existierenden Verwertungsoptionen nicht komplett abgenommen
werden.

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
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Die Wirtschaftlichkeit einer Aufbereitung der anfallenden EHS-Schlämme hängt
von vielfältigen Faktoren ab:
a) Der immer knapper werdende Deponieraum und die damit
steigenden Deponierungskosten spielen dabei eine entscheidende
Rolle.
b) Die Frage nach einer zentralen oder dezentralen Verwertung und
damit verbundene zusätzliche Transportkosten sind ebenfalls
entscheidend.
c) Die Verwertung an sich wird nur in den seltensten Fällen rentabel
sein. Ein Gewinn durch den Verkauf der direkten Abprodukte aus der
GWRA/WBA wird kaum zu erzielen sein. Rentabel wird die
Nachnutzung für den Betreiber einer WBA durch die Einsparung der
Entsorgungskosten und für den Verwerter durch den Wegfall oder
die Minimierung der Einkaufskosten für den „Rohstoff“, sofern ihm
dieser kostenfrei, kostengünstig oder sogar mit einer gewissen
Kostenbeteiligung überlassen wird.
Zusammenfassung und Ausblick
Aus der Auswertung der durch die Betreiber der GWRA/WBA zur Verfügung
gestellten Daten sowie der durchgeführten Recherche lassen sich folgende
Schlussfolgerungen festhalten:
Nutzungsoptionen der in Sachsen anfallenden Abprodukte aus GWRA/WBA
sind derzeit nur für Eisenhydroxidschlämme gegeben.
Die Schlammzusammensetzungen des EHS sind von Anfallsort zu
Anfallsort verschieden und stark von den Wasserinhaltsstoffen abhängig.
Daraus resultierend sind die Nutzungsoptionen lokal stark variierend.
Es wird keine allgemeingültige Nutzungsoption für alle EHS geben.
Derzeit existiert neben den bestehenden und bekannten Nutzungsoptionen
eine vielfältige und intensive Forschung zur Thematik.
Daraus resultierend kann ein Konglomerat an Lösungen für verschiedene
Verwertungsoptionen entwickelt werden.
Eine Co-Finanzierung der Verwertung durch teilweise wegfallende
Entsorgungskosten ist vorstellbar.
Nicht alle Schlämme werden verwertet werden können.
Mit dem Braunkohleausstieg und dem damit einhergehenden Strukturwandel in
den Braunkohleregionen Sachsens werden sich auch die Mengen an anfallendem

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Nutzung der Abprodukte aus Wasserreinigungsanlagen als Wertstoffe
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EHS zukünftig verändern. Damit werden sich auch die Nachnutzungsoptionen
anpassen und mit Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten wandeln. Die
Situation muss zu gegebenem Zeitpunkt entsprechend neu bewertet werden.
Literatur
Bilek, F.; Koch, Ch.; Bücker, J.; Luckner, l. (2013): Bergrechtlich bestimmter
Umgang mit den in den folgegebieten des Braunkohlebergbaus anfallenden
Eisenhxdroxidschlämmen in Süd-Brandenburg. Studie. Auftraggeber: LMBV.

Impressum
Herausgabe:
Dieser Steckbrief wurde im Rahmen des Projekts Vita-Min erstellt.
Das Projekt Vita-Min wurde aus Mitteln des europäischen Fonds für
regionale Entwicklung im Kooperationsprogramms SN-CZ 2014-2020
finanziert. Die Projektpartner sind das sächsische Landesamt für
Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (Leadpartner), die
Stadtverwaltung Oelsnitz/Erzgeb. und die Verwaltungsbehörde des
Bezirks Ústecký kraj.
Alle Teilprojekte des LfULG tragen zum Leitprojekt „Für saubere
Gewässer in Sachsen“ bei.
Für Fragen und weitere Informationen zu diesem Teilprojekt
kontaktieren Sie:
Ansprechpartner
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Ansprechpartner: Kathleen Lünich
Telefon: + 49 351 88928 4420
E-Mail: Kathleen.Luenich@smul.sachsen.de
Bearbeitung:
Die Ergebnisse dieses Teilprojekts wurden im Rahmen einer Vergabe
vom LfULG durch die Firma G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH,
Niederlassung Freiberg erarbeitet.
Titelfoto:
G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH (2007): Produzierter
Schwertmannit an Aufwuchsträgern (EU-Projekt ProMine)
Redaktionsschluss:
24.04.2020
Weitere Informationen finden Sie unter
www.vitamin-projekt.eu