image
image
image
image
image
 
Sächsisches Staatsministerium für
Umwelt und Landwirtschaft - SMUL
ZAFT - Zentrum
für angewandte
Forschung und Technologie e.V.
HTW Dresden
Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden
KORA e.V. - Kompetenzzentrum für
Forschung und Entwicklung zum
radonsicheren Bauen und Sanieren
5. SÄCHSISCHER
RADONTAG
7. TAGUNG
RADONSICHERES
BAUEN
20. SEPTEMBER 2011
HOCHSCHULE FÜR TECHNIK
UND WIRTSCHAFT DRESDEN
veranstaltet durch:
unterstützt durch:

 
Inhalt
Dresden, 20.Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 3
INHALT
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Grußwort des Vorstandsvorsitzenden von KORA e.V
................................................. 5
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Grußwort des Rektors der HTW Dresden
..................................................................... 7
Herbert Wolff
Grußwort des Staatssekretärs des Sächsischen Staatsministeriums für
Umwelt und Landwirtschaft
........................................................................................... 9
AUSWIRKUNGEN VON AKTUELLEN UND ZUKÜNFTIGEN
REGELUNGEN ZUM RADONSICHEREN BAUEN AUF DEN
NEUBAU UND DIE SANIERUNG VON GEBÄUDEN
Frank Leder
Die sächsische Umsetzungsstrategie zu Radon in Gebäuden
.................................. 11
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Umsetzung der neuen Radonschutzziele in der Baupraxis
....................................... 23
VORSTELLUNG VON REGELUNGEN UND UNTERSUCHUNGEN
AUS SACHSENS NACHBARLÄNDERN
Prof. Martin Jiranek
Radon protective and remedial measures according to the Czech building
standards
...................................................................................................................... 33
Dipl.-Ing. Michael Heidler
Die Auswirkung energetischer Sanierungen auf die Radonkonzentration in
öffentlichen Gebäuden in Bayern
................................................................................ 45
Dipl.-Ing. Christian Grimm, Dipl.-Ing. (FH) Christoph Wilhelm
Natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Baden-Württemberg
durch Erdwärmenutzung
............................................................................................. 57
PRAKTISCHE BEISPIELE
Dr. Marcus Hoffmann
Radonsanierung im Kanton Tessin (CH)
.................................................................... 63
Prof. Bernd Leißring
Praktische Aspekte und Erfahrungen bei der Realisierung und Überwachung
von Radonschutzmaßnahmen
..................................................................................... 75

Seite 4
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Dr. Hartmut Schulz
Bauablauf und Radonmessungen / Empfehlungen für Bauherren
........................... 81
Referentenverzeichnis
................................................................................................. 91

image
 
Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 5
Begrüßung
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
ich begrüße Sie ganz herzlich zum
fünften Sächsischen Radontag
. Die durch KORA e.V. im Jahre
2005 erstmalig als „Tagung Radonsicheres Bauen“ durchgeführte Veranstaltung wird seit 2007
gemeinsam mit dem SMUL veranstaltet und hat sich inzwischen als ein weit über Sachsen
hinauswirkender Erfahrungsaustausch zu Fragen des radonsicheren Bauens und Sanierens etabliert.
Im Februar 2010 wurde durch die EURATOM der Entwurf für eine Neufassung der EU-Basic Safety
Standards (EU-BSS) veröffentlicht, in denen erstmals Regelungen für die Begrenzung der
Radonkonzentration in Gebäuden aufgenommen worden sind. Läuft alles nach Plan, werden diese
Regelungen spätestens 2012 durch die EU-Gremien beschlossen und sind danach in nationales
Recht zu überführen. Zwar ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht klar, in welcher Form und in
welchem Zeitraum diese Übernahme in Deutschland realisiert wird, mit Sicherheit aber wird im
Ergebnis der bauliche Radonschutz an Bedeutung gewinnen. Im ersten Schwerpunkt des
diesjährigen Radontages möchten wir Sie deshalb über Inhalt sowie aktuellen Stand des hier kurz
skizzierten Prozesses informieren und Überlegungen anstellen, welche Anforderungen auf das
Bauwesen nach Einführung entsprechender nationaler Regelungen zum Radonschutz zukommen
werden. In diesem Zusammenhang wird auch ganz sicher der Blick auf unser Nachbarland
Tschechien interessant sein, da dort bereits seit vielen Jahren Regelungen im Radonschutz
gesetzlich verankert sind.
In einem zweiten Schwerpunkt der Tagung werden Untersuchungen aus den benachbarten
Bundesländern vorgestellt, die sich u.a. mit der Frage befassen, wie energetisches Bauen mit dem
Radonschutz in Einklang gebracht werden kann. Damit führen wir das Schwerpunktthema des
letztjährigen Radontages fort – auf Grund des zentralen Charakters dieser Fragestellung ganz sicher
gerechtfertigt.
Dem Anliegen des Sächsischen Radontages folgend wird die Veranstaltung wiederum mit der
Vorstellung unterschiedlichster Beispiele aus der Praxis des radonsicheren Bauens und Sanierens
abgeschlossen werden.
Wir hoffen, Ihnen mit dem Programm des 5. Sächsischen Radontages auch in diesem Jahr wiederum
ein interessantes Spektrum aus dem Themenkreis des radonsicheren Bauens offerieren zu können
und wünschen der Tagung einen guten Verlauf und Ihnen viele neue Erkenntnisse!
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender KORA e.V.
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Vorsitzender Kompetenzzentrum für
radonsicheres Bauen e.V.
und
Lehrgebiet Baukonstruktion an der
Hochschule für Technik und Wirtschaft
Dresden

Seite 6
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011

image
 
Roland Stenzel
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 7
Grußwort zum 5. SÄCHSISCHEN RADONTAG
In diesem Jahr veranstaltet das Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum
radonsicheren Bauen und Sanieren - KORA e.V. - bereits seine 7. TagungRadonsicheres Bauen“,
die seit 2007 gemeinsam mit dem Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft als
„Sächsischer Radontag“ durchgeführt wird. Der Sächsische Radontag hat sich inzwischen zu einem
fachübergreifenden Forum für viele Experten des radonsicheren Bauens über Sachsen hinaus in ganz
Deutschland sowie in den benachbarten Ländern entwickelt.
Ich freue mich sehr, alle Teilnehmer der Tagung hier an unserer Hochschule begrüßen zu können. Die
Pflege und Förderung des wissenschaftlichen Erfahrungsaustausches ist eine wesentliche Aufgabe
unseres Hochschullebens, die ich gern unterstütze. Die enge Verbindung zwischen KORA e.V. und
der HTW Dresden hat sich – neben der Gastgeberschaft für die alljährliche Tagung - in den letzten
Jahren sehr fruchtbar entwickelt, insbesondere durch die studentische Ausbildung in diesem
Fachgebiet.
Radonsicheres Bauen hat in Sachsen einen besonderen Stellenwert, da in unserem Bundesland
einige der höchstbelasteten Regionen Deutschlands liegen und hier deshalb die Reduzierung der
Radonkonzentration in der Raumluft von besonderer Bedeutung ist.
Durch den im Februar 2010 durch die EURATOM vorgelegten Entwurf für eine Neufassung der EU-
Basic Safety Standards (EU-BSS), in denen erstmals Regelungen für die Begrenzung der
Radonkonzentration in Gebäuden aufgenommen worden sind, werden sich die Anforderungen an das
radonsichere Bauen und Sanieren deutlich erhöhen. Zwar ist noch nicht endgültig entschieden, in
welcher Form die Regelungen dieser europäischen Strahlenschutzrichtlinie in nationales Recht
überführt werden, mit Sicherheit wird sich aber die Verbindlichkeit für die Maßnahmen zur Begrenzung
der Radonkonzentration in der Raumluft auch in Deutschland erhöhen und es werden sich erhöhte
Anforderungen an das radonsichere Bauen und Sanieren ergeben.
Somit liegt ein Schwerpunkt der diesjährigen Tagung auf der Vorstellung der neuen
Strahlenschutzrichtlinien der EURATOM und deren Auswirkungen auf das Bauen in Deutschland.
Darüber hinaus wird in mehreren Beiträgen die Umsetzung der Radonziele in Deutschland und in den
Europäischen Ländern vorgestellt. Insbesondere wird wiederum der Zusammenhang zum
energetischen Bauen thematisiert. Verschiedene Praxisbeispiele des radonsicheren Bauens und
Sanierens runden die Veranstaltung ab.
Mein Dank gilt den Organisatoren und den Referenten, die diese Tagung erfolgreich vorbereitet und
mit gestaltet haben. Ich wünsche der Tagung einen interessanten Verlauf und allen Teilnehmern einen
regen persönlichen Erfahrungsaustausch.
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Rektor der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden

Seite 8
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011

image
 
Herbert Wolff
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 9
Begrüßung
Sehr geehrte Damen und Herren,
der nunmehr fünfte Sächsische Radontag befasst sich einerseits noch einmal mit der nach wie vor
anstehenden EU-Regelung zu Radon in Gebäuden und den Umsetzungsmöglichkeiten dieser
Regelung, andererseits mit beispielhaften Fällen aus der Mess- und Sanierungspraxis.
Über den Entwurf der EU-Richtlinie wird voraussichtlich erst im Jahr 2012 entschieden. Dennoch
präsentieren sich Ihnen erste Vorstellungen von Seiten des Bundes, wie eine Umsetzung in
Deutschland aussehen kann. Wir sind der Auffassung, dass mit den sehr vielfältigen Aktivitäten im
Freistaat Sachsen die Zielsetzungen der Richtlinie bereits weitgehend erfüllt werden. Auch haben wir
im Vergleich mit den Mess- und Informationsprogrammen sowie den Umsetzungsmaßnahmen der
europäischen Länder, die bereits seit vielen Jahren Grenzwerte für Radon haben, einen sehr
fortgeschrittenen Stand vorzuweisen.
Unsere Handlungen und Planungen zielen auf eine hohe Effizienz beim Einsatz der uns verfügbaren
Mittel ab. Durch Netzwerkbildung soll einerseits das Bewusstsein für die Radonproblematik erhöht
werden, andererseits sollen Synergien aufgezeigt und genutzt werden. Dies ist besonders gut durch
eine enge Anbindung an den Baubereich möglich. Dort das Problembewusstsein stärker zu
verankern, bleibt eine unserer wesentlichen Zielstellungen. Deshalb sind wir für die gute und
fruchtbare Zusammenarbeit mit der HTW und KORA sehr dankbar.
Weitere wichtige Partner für uns sind berufliche Bildungsträger aus dem Baubereich sowie die
sächsische Architektenkammer und die sächsischen Hauseigentümerverbände. Durch diese
Institutionen kann auch ein Schwerpunkt unserer Informationsstrategie, nämlich bei der
energetischen Sanierung von Gebäuden die Radonproblemstellung zu berücksichtigen, am ehesten
vermittelt werden. Hier haben wir auch Partner und Unterstützung aus dem Gesundheitsressort,
welches sich mit Innenraumschadstoffen befasst. Die dortigen Zielsetzungen, die Luftwechselrate vor
allem in Schulgebäuden zu erhöhen, sind auch für den Radonschutz hilfreich. Dies sollte auch bei der
energetischen Sanierung von Schulgebäuden immer Berücksichtigung finden.
Um ein radonsicheres Bauen und Sanieren nicht nur qualitativ hochwertig und vergleichbar zu
machen, sondern auch nachhaltig zu etablieren, ist eine Zertifizierung der Bauausführenden und der
entsprechenden Baumaßnahmen unbedingt erforderlich. Wir begrüßen deshalb die Initiative von
KORA e. V., eine Projektgruppe zur RAL-Zertifizierung zu gründen und wünschen für diese nicht
einfache Aufgabe viel Durchhaltevermögen und Erfolg.
Dies
wünsche ich auch für Ihre Tagung. Die Vorträge, Diskussionen und Gespräche werden einen
weiteren wichtigen Beitrag zur Erweiterung unseres Kenntnisstandes zum Thema Radonschutz in
Gebäuden leisten.
Herbert Wolff
Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium
für Umwelt und Landwirtschaft
Herbert Wolff
Staatssekretär des Sächsischen
Staatsministeriums für Umwelt
und Landwirtschaft

Seite 10
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011

 
Frank Leder
Stephanie Hurst
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 11
DIE SÄCHSISCHE UMSETZUNGSSTRATEGIE ZU RADON IN GE-
BÄUDEN
THE SAXONIAN STRATEGY ON RADON IN DWELLINGS
Frank Leder
Stephanie Hurst
Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, Dresden
Zusammenfassung
Schon seit vielen Jahren wird auf internationaler und nationaler Ebene versucht geeignete Regelun-
gen zu finden, um die Radonkonzentration in Innenräumen flächendeckend zu minimieren. Es widme-
ten sich die nationale Strahlenschutzkommission (SSK) [1], [2], [3], [4], [5] diesem Thema und die
Internationale Strahlenschutzkommission (ICRP)[6], [7]. Auch die internationale Atomenergiebehörde
(IAEA) [8] und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) [9] positionierten sich zu diesem Problem-
kreis. Von der Europäischen Union (EU) liegt ein Entwurf zur Novelle der Europäischen Grundnorm
(EU-GN) im Strahlenschutz [10] vor. In diesem Kontext sind künftig auch nationale Regelungen zu
erwarten. Hier gilt es bereits jetzt, geeignete Strategien zu entwickeln, um auf nationale Regelungen
vorbereitet zu sein und diese mit zu gestalten.
Im Folgenden soll dargestellt werden, wie eine Umsetzung der vorliegenden Empfehlungen und des
Regelungsentwurfes der EU entsprechend den Vorstellungen des Freistaates Sachsen aussehen
könnten und welche Aktivitäten zum Radonschutz in Sachsen aktuell durchgeführt werden.
Summary
Since many years attempts have been made to find regulations for comprehensive minimization of
indoor radon on a national and an international scale. The national Radiation Protection Commission
(SSK) [1], [2], [3], [4], [5] was engaged in this topic as well as the International Commission on Radio-
logical Protection (ICRP) [6, [7]. Additionally the International Atomic Energy Agency (IAEA) [8] and
the World Health Organisation (WHO) [9] have positioned themselves in this issue. From the Europe-
an Union (EU) a draft for an amendment of the basic safety standards for radiation protection [10] is
on hand. In this context also future national regulations must be expected. It must be obliged already,
to develop suitable strategies to be prepared for national regulations und to formulate them
commonly.
In the following the perceptions of the State of Saxony for an implementation of the recommendations
and the draft of the EU-directive are described. Additionally the activities on Radon protection in Sax-
ony are presented.

Die sächsische Umsetzungsstrategie zu Radon in Gebäuden
Seite 12
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
1
Einführung
In Sachsen gibt es im bundesweiten Vergleich schon seit vielen Jahren die vielfältigsten Aktivitäten
zum Schutz vor Radon in Gebäuden. Dies ist auch dem Umstand geschuldet, dass mit dem ehemali-
gen Uranerz- und Altbergbau schon eine Sensibilisierung für das Edelgas Radon vorhanden war, die
durch das Auftreten von Lungenkrebs der Bergleute, der so genannten „Schneeberger Krankheit“,
begründet war.
Deshalb wurde bereits 1992 die Radonberatungsstelle in Bad Schlema eingerichtet und von 1994 bis
2000 wurden Radonsanierungsmaßnahmen finanziell unterstützt. Es gibt bei den seit zwei Jahrzehn-
ten in diesem Bereich tätigen Behörden, Ingenieurbüros, Firmen und Hochschulen gute Erfahrungen,
wie mit dem Thema Radon in Innenräumen umgegangen werden kann. All diese Institutionen ge-
währleisten bereits jetzt eine gute Information und Beratung der Betroffenen und bieten konkrete Un-
terstützungen bei den individuellen praktischen Problemen mit Radon in Innenräumen an. Vor diesem
Hintergrund würde die Umsetzung der geplanten EU-Regelung nach gegenwärtiger Sicht keine
grundsätzlich neuen Probleme im Freistaat Sachsen schaffen. Dennoch hängt es sehr stark von der
konkreten Art der Umsetzung der Novelle der EU-GN in Deutschland ab, ob die vorgesehenen Rege-
lungen gut angenommen werden oder ob größere Differenzen mit Verbänden und Interessensgrup-
pen daraus entstehen können. Auch der behördliche Aufwand darf im Zusammenhang mit den Dere-
gulierungsbestrebungen im Lande nicht unberücksichtigt bleiben.
2
Die Strategie
Die grundsätzlichen Leitmotive, welche die bisherige sächsische Strategie prägten und die auch für
die Zeit nach Einführung einer EU-Regelung gelten könnten heißen:
o
Information und Aufklärung vor Regelung und Kontrolle,
o
Empfehlung vor Vorschrift,
o
Kooperation vor Anweisung
Dieses Motiv ist auch Anliegen des Sächsischen Landtages, der sich bereits 2005 dieses Themas
angenommen hatte und der Sächsischen Staatsregierung den Auftrag erteilt hat, keine stringenten
Regelungen zuzulassen und stattdessen Informationen und Unterstützungen beim radongeschützten
Bauen und Sanieren zu verstetigen [11].
Zielsetzung ist die Förderung und Entwicklung von Randbedingungen, die flächendeckenden Radon-
schutz kostengünstig ermöglichen. Dazu wird der Bestand der vorhandenen Messdaten kontinuierlich
erweitert und der technische Kenntnisstand laufend ergänzt.
Die Weiterentwicklung von entsprechenden Bauvorgaben gestaltet sich nicht leicht, da hier einheitli-
che bundesweite Vorgaben fehlen. Dafür sind das Wissen und die Erfahrungen der Baubranche un-
abdingbar, weshalb das Ziel, diese stärker in die Verantwortung zu nehmen, intensiv verfolgt wird.
Schließlich besteht eine weitere Zielsetzung in der nachhaltigen Erhöhung der Breitenwirkung unse-
rer Aktivitäten.
Dieser Strategie bedient sich auch in weiten Teilen der aktuelle Regelungsentwurf der EU-GN durch
seinen Empfehlungscharakter.

Frank Leder
Stephanie Hurst
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 13
3
Die Bedeutung des EU-Regelungsentwurfs für den Freistaat
Sachsen
Im Folgenden sollen die wesentlichen Regelungen des Artikels 100 dieser Direktive diskutiert werden.
3.1 Referenzwerte
Es werden nationale Referenzwerte von
o
200 Bq/m³ für neue Wohngebäude und öffentliche Gebäude
o
300 Bq/m³ für bestehende Wohngebäude
o
300 Bq/m³ für bestehende öffentliche Gebäude, wobei dieser Wert je nach Aufenthaltsdauer
bis zu einem Maximalwert von 1000 Bq/m³ angehoben werden kann,
empfohlen.
Diese Referenzwerte sollen nach den Informationen von den zuständigen Mitarbeitern bei EURATOM
mit Empfehlungswerten vergleichbar sein.
Die o. g. Werte sind zwar etwas niedriger als die bisher in Sachsen empfohlenen Werte, liegen aber
auch in der Größenordnung der aktuellen Empfehlungswerte der ICRP, der IAEA und der WHO, de-
ren Empfehlungen in Sachsen bisher bereits übernommen worden sind.
3.2 Maßnahmen
Innerhalb dieses Rahmens sollen die Mitgliedstaaten
(a) feststellen in welchen existierenden Gebäuden der Referenzwert überschritten wird und dort Ra-
don-reduzierende Maßnahmen anregen und
(b) sicherstellen, dass in radongefährdeten Gebieten Radonmessungen in öffentlichen Gebäuden
durchgeführt werden.
Über die in Sachsen schon im Rahmen verschiedener Messprogramme durchgeführten Untersu-
chungen wurde in den Veranstaltungen der vergangen Sächsischen Radontage beispielhaft berichtet.
Wesentlich ist bei diesem Regelungspunkt, dass er keine umfassende Verpflichtung der Erhebung für
jedes Gebäude enthält, sondern den Umfang der Maßnahmen dem jeweiligen Mitgliedstaat überlässt.
3.3 Aktionsplan
Die Mitgliedstaaten sollen technische Regeln für Gebäude erstellen um den Zutritt von Radon aus
dem Boden zu verhindern und wie im nationalen Aktionsplan spezifiziert für Baumaterialien die Ein-
haltung von solchen Regeln verlangen, besonders in radongefährdeten Gebieten, um zu vermeiden,
dass die Radonkonzentrationen die Referenzwerte für neue Gebäude übersteigen.
Die Erstellung technischer Regeln wäre eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die auf Bundesebene zu
lösen wäre. Hier stellt sich aber die grundsätzliche Frage nach dem Umfang des administrativen Ein-
griffs. Entscheidend wird sein, ob man hier auf stringente nationale Regelungen mit einem hohen
Verwaltungsaufwand setzt, oder die eigene Verantwortung der Betroffenen fordert und fördert. Die

Die sächsische Umsetzungsstrategie zu Radon in Gebäuden
Seite 14
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
EU-Forderung lässt nach unserer Auffassung beide Varianten zu. Es gibt keine Verpflichtung jeden
Einzelfall zu überprüfen.
Die ausdrückliche Ausweisung von radongefährdeten Gebieten über die bestehenden Radonkarten
hinaus sehen wir nicht als sinnvoll an. Der Begriff einer „Gefahrenkarte“ würde zu einer Stigmatisie-
rung und möglicherweise zu einer wirtschaftlichen und sozialen Benachteiligung der „Gefahren“-
Regionen führen. Sie würde darüber hinaus ggf. in vielen Einzelfällen falsche Befürchtungen hervor-
rufen. Des Weiteren wäre eine solche Karte irreführend, da das Radonrisiko sich nicht nur aus der
geogenen Belastung ergibt, sondern in weit höherem Maßstab aus der Bauweise der betreffenden
Gebäude und deren Nutzung.
3.4 Informationen
Die Mitgliedstaaten sollen auf regionaler und nationaler Ebene Informationen über die üblichen Ra-
donkonzentrationen, über die Gesundheitsrisiken und über die verfügbaren technischen Mittel, um die
bestehenden Konzentrationen zu verringern, zur Verfügung stellen. Dies wird im Freistaat Sachsen
bereits seit vielen Jahren erfolgreich praktiziert. Damit ist diese Zielsetzung der bevorstehenden EU-
Regelung im Grundsatz in Sachsen bereits umgesetzt. Deshalb wollen wir die bisherige Strategie
fortsetzen und intensivieren.
Die Aktivitäten zum Radonschutz müssen im Falle der Umsetzung der EU Grundnorm aufgrund der
niedrigeren Empfehlungswerte angepasst werden. Defizite für eine Verbesserung des Strahlenschut-
zes sehen wir noch in der Darstellung klarer bautechnischer Leitlinien, kostengünstiger Bautechnolo-
gien und in der qualitätsgerechten Ausführung der jeweiligen Baumaßnahmen zum Radonschutz
sowie in einer sachgerechten Aus- und Weiterbildung der Bauausführenden. Hierbei wäre es äußerst
sinnvoll, wenn hierzu einheitliche nationale Leitlinien, Bauvorschriften sowie Ausbildungspläne erar-
beitet würden.
4
Aktuelle Aktivitäten zum Radonschutz in Gebäuden in Sachsen
4.1 Information und Öffentlichkeitsarbeit
4.1.1 Radonberatungsstelle
Die 1992 eingerichtete Radonberatungsstelle in Bad Schlema wird von der Staatlichen Betriebsge-
sellschaft für Umwelt und Landwirtschaft (BfUL) betrieben. Sie dient vorrangig als Anlaufstelle für
Betroffene aus dem Freistaat Sachen, um Informationen zum Thema zu erhalten. Zunehmend mel-
den sich aber auch Bürgerinnen und Bürger aus allen anderen Bundesländern. Die Radonberatungs-
stelle führt auch eigene Messprogramme durch.
Bei Veranstaltungen von Verbänden und Kammern werden im Rahmen von Vorträgen Wissen vermit-
telt. Auf den sächsischen Baumessen in Dresden, Chemnitz und Zwickau ist die Radonberatungsstel-
le jährlich mit Infoständen vertreten. Hier werden viele interessierte Bauherren und Hausbesitzer er-
reicht.
Daneben gibt es auch viele weitere kleinere Veranstaltungen, bei denen die kompetente Vermittlung
von Fragen zum Radonschutz gefragt ist.

image
Frank Leder
Stephanie Hurst
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 15
4.1.2 Radonkarten zu Überschreitungswahrscheinlichkeiten
Zur besseren Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit aber insbesondere für Kommunen und Planer
wurde die sächsische Radonprognosekarte erstellt, welche auf dem Sächsischen Radontag 2010
vorgestellt worden ist. Darauf aufbauend wurden von der BfUL die zu erwartenden Überschreitungs-
wahrscheinlichkeiten von Referenzwerten für die Radonkonzentration in Gebäuden im Freistaat
Sachsen im 1 x 1 km-Raster abgeschätzt und in Kartenform dargestellt. Diese Kartendarstellung soll
zur Information der Bürger dienen und die Baubehörden in den Gemeinden und Landkreisen bei de-
ren Entscheidungsfindung unterstützen.
Eine weitere Darstellung gibt die zu erwartende Überschreitungswahrscheinlichkeit der Radonkon-
zentration von 200 Bq/m³ in Aufenthaltsräumen im Erdgeschoß von Wohngebäuden an Hand der
Gemeindegrenzen an (Abb. 2). Hier wurden die zur Verfügung stehenden Daten auf Gemeindeebene
so zusammengefasst, dass sowohl die Überschreitungswahrscheinlichkeiten für die Gebäudebestän-
de der einzelnen Gemeinden als auch mit Hilfe der digitalen Liegenschaftskarten die absoluten An-
zahlen der betroffenen Gebäude summarisch abgeschätzt werden konnten. Gemeinden, in denen
sich die Prognose nur auf Flächen gestützt hätte, in denen weniger als 75 % der vorhandenen Wohn-
gebäude stehen, wurden nicht bewertet. Rasterelemente ohne Bodenluftprognose sind mit "keine
Bewertung" in der Karte gekennzeichnet. Rasterelemente (jeweils 1 km²) mit einer Bebauung von
weniger als 20 Wohngebäuden werden ebenfalls ohne Prognose der Überschreitungswahrscheinlich-
keit dargestellt.
Aus den Karten können keine Rückschlüsse auf einzelne Grundstücke und Wohnungen gezogen
werden. Weil die Radonkonzentration in Gebäuden von den jeweiligen Bedingungen im Bauunter-
grund, der Bauweise sowie den Gebäudeeigenschaften abhängt, kann sie kleinräumig variieren und
selbst zu benachbarten Gebäuden erhebliche Unterschiede aufweisen. Deshalb kann es durchaus
sinnvoll sein, auch in den Gebieten, die ein geringes Radonpotenzial aufweisen und auch die Über-
schreitungswahrscheinlichkeiten niedrig sind, Messungen der Radonkonzentration in der Bodenluft
vorzunehmen, um eine spezifische Standortsituation konkret bewerten zu können.
Weiterführende
Informationen
sind
auf
der
Internetseite
des
SMUL
unter
(http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlenschutz/3331.htm)
zu erhalten.
Abb. 1:
Überschreitungswahrscheinlichkeit der Radonkonzentration von 200 Bq/m³ in
Aufenthaltsräumen im Erdgeschoß von Wohngebäuden im 1 x 1 km-Raster

image
Die sächsische Umsetzungsstrategie zu Radon in Gebäuden
Seite 16
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Abb. 2:
Überschreitungswahrscheinlichkeit der Radonkonzentration von 200 Bq/m³ in
Aufenthaltsräumen im Erdgeschoß von Wohngebäuden nach Gemeindegebiet
4.1.3 Veröffentlichungen und Medienarbeit
Ein sehr großer Schwerpunkt der gesamten Arbeit auf dem Gebiet des Radonschutzes ist der gesam-
te Bereich der Informationsarbeit. Dazu zählen sowohl die gedruckten als auch die elektronischen
Veröffentlichungen. Im nachfolgenden sind die wichtigsten Veröffentlichungen aufgeführt.
o
„Radon: Vorkommen – Wirkung – Schutz“, SMUL, 2009 (Broschüre)
o
„RADON – Informationen über Eigenschaften, Vorkommen, Messverfahren, gesundheitliche
Aspekte und bauliche Maßnahmen“, SMUL 2009 (interaktive CD)
o
„Radioaktivität und Strahlenschutz, Normalität oder Risiko?“, SMUL 2005 (Broschüre)
o
„Umweltradioaktivität – Messung und Überwachung“ SMUL, 2009
Zunehmend wird der Internetauftritt des SMUL genutzt, um wichtige Informationen rasch zu veröffent-
lichen. Unter der Internetseite
(http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlenschutz/index.html)
sind umfangreiche weiterführende Informationen abrufbar. Sie wird ständig aktualisiert.
Neue Ergebnisse aus Untersuchungen zur Radonproblematik werden in der Regel durch Pressemit-
teilungen flankierend bekannt gegeben. Diese führen nicht selten zu Nachfragen interessierter oder
besorgter Bürger.
Einige Beiträge konnten im digitalen Newsletter des Sächsischen Staatsministerium des Innern veröf-
fentlicht werden. Dieser Newsletter wird im monatlichen bis zweimonatigen Abstand an alle Kommu-
nen im Freistaat Sachsen versandt.
Neben den Anfragen aus der regionalen Medienlandschaft (Presse, Rundfunk und Fernsehen) ist
zunehmend auch ein überregionales Interesse zu verzeichnen.

Frank Leder
Stephanie Hurst
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 17
4.2 Messprogramme
Die Messprogramme des Freistaates Sachsen konnten trotz der vergleichsweise bescheidenen zur
Verfügung stehenden Mittel fortgeführt werden. Sie dienen der kontinuierlichen Erweiterung und Un-
tersetzung des vorhandenen Kenntnisstandes. Dies betrifft z.B. ein bei der BfUL laufendes Messpro-
gramm für Gebäude in Gebieten mit erhöhten Radonkonzentrationen. Des Weiteren wurden von der
BfUL Messungen von Studenten der HTW unterstützt. Dazu soll im kommenden Jahr an dieser Stelle
berichtet werden.
Geplant sind noch Messungen in zu sanierenden öffentlichen Gebäuden. Diese werden in den kom-
menden Monaten vorbereitet.
4.3 Baumaßnahmen
Bei der Entwicklung der sächsischen Radonschutzstrategie wurde auf weitere markante Eckpfeiler
gesetzt, die sich im Baubereich ansiedeln.
4.3.1 Bauplanung
Den Kommunen ist es bereits jetzt schon möglich in ihren Planungsunterlagen gewisse Informationen
zum radongeschützten Bauen als Information für potentielle Bauherren aufzunehmen. Die entspre-
chenden Flächennutzungs-, Bauleit- und Bebauungspläne dürften dafür geeignet sein. Beispielhaft
wird dieses Instrument von der Landeshauptstadt Dresden genutzt. Flächendeckend wird jedoch
noch zu wenig davon Gebrauch gemacht. Aber gerade diese Planungsunterlagen stellen eine erste
Information an Bauwillige dar.
4.3.2 Bauausführung
Seit einigen Jahren bereits werden bei der Planung von neuen staatlichen Gebäuden bzw. bei der
Rekonstruktion von solchen Radonschutzmaßnahmen vorgesehen. Das Sächsische Immobilien- und
Baumanagement hat hierbei eine Vorreiterrolle übernommen. Beispielhaft sollen hier nur ein Schul-
neubau in Dresden-Loschwitz, einen Kindergartenneubau in Heidenau und der Laborneubau für die
BfUL in Nossen erwähnt werden. Alle sind als Passivhaus ausgeführt und haben entsprechende Ra-
donschutzmaßnahmen vorgesehen.
Bei dem gegenwärtigen Fördervorhaben „Schulhaussanierungen“ sollen Fördermittel zukünftig nur
dann ausgereicht werden, wenn in den Antragsunterlagen ein ausreichender Radonschutz nachge-
wiesen wird.
Die Qualität der Bauausführung ist einer der wesentlichsten Einflussfaktoren auf die Radoninnen-
raumkonzentration bei Neubauten und Sanierungsvorhaben. Grundlegende Fehler, die hierbei ge-
macht werden, haben große Auswirkungen auf die spätere Radoninnenraumkonzentration und kön-
nen – wenn überhaupt - später teilweise nur noch mit erheblichen Aufwendungen korrigiert werden
können.
Die Zertifizierungsvorgaben der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) beinhalten
bisher den Radonschutz nur als Option. Wir wollen hier zukünftig eine höhere Verbindlichkeit errei-
chen.

Die sächsische Umsetzungsstrategie zu Radon in Gebäuden
Seite 18
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
4.4 Aus- und Weiterbildung
4.4.1 Fachkräfte im Bauwesen
Effizienter Radonschutz kann nur erreicht werden, wenn die Gebäudeplanung und die Bauausführung
nach den aktuellen Regeln der Baukunst erfolgen und bei allen daran Beteiligten ein Grundverständ-
nis für das Radonproblem vorhanden ist. Deshalb müssen die Bemühungen darin liegen, den Radon-
schutz in die Ausbildung der künftigen Baufacharbeiter, der Bauingenieure und der Architekten ent-
sprechend der jeweiligen Anforderungen zu integrieren. Weiterbildungsmaßnahmen müssen das
Bildungsangebot dringend ergänzen. Beispielgebend sei hier die schon seit vielen Jahren durchge-
führte spezielle Ausbildung der Bauingenieure an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
(HTW) erwähnt.
Diesbezüglich arbeiten wir auch seit mehr als einem Jahr erfolgreich mit dem Berufsförderungswerk
Bau Dresden und der sächsischen Bauakademie zusammen. Gemeinsame Zielsetzung ist die Erar-
beitung von Ausbildungsgrundlagen für Radonsicheres Bauen und Sanieren. Aus dieser Zusammen-
arbeit ging im Wesentlichen die Initiative für die Gründung einer Projektgruppe für eine RAL Gütege-
meinsacht zum radonsicheren Bauen und Sanieren hervor. Auch die Zusammenarbeit mit der sächsi-
schen Architektenkammer hat im vergangenen Jahr Früchte getragen. Dort wird bei Weiterbildungs-
veranstaltungen nunmehr die Wechselwirkung zwischen energetischem Bauen und Sanieren und
dem Radonschutz für Gebäude vermittelt.
Auch solche Tagungen wie beispielsweise dieser 5. Sächsische Radontag, der eine Plattform zum
Wissens- und Gedankenaustausch sein soll, sind Bausteine zu Wissensvermittlung unter Fachleuten.
4.4.2 Schulischer Unterricht
Eine frühzeitige Wissensvermittlung zur Radioaktivität an Schulen kann auch über das Thema Radon
erfolgen, wobei hier auch gleichzeitig ein Baustein zum Radonverständnis gelegt werden kann. Zwei
Beispiele sollen des belegen.
Im Rahmen eines Pilotprojektes des LfULG, das bereits auf den vergangenen Radontagen vorgestellt
worden ist, wurde in den Jahren 2008 bis 2010 an zwei sächsischen Schulen besondere Aufklä-
rungsarbeit zum Thema Radon, zum Gesundheitsrisiko durch erhöhte Radonwerte und zu möglichen
Schutzmaßnahmen geleistet. Dabei wurde in einem Gymnasium und an einer Mittelschule Unterricht
erteilt. Die Schüler wurden angeleitet, eigenständig zu Hause die Radonkonzentration zu messen
sowie den Einfluss von Lüftungsmaßnahmen auf die Radonwerte zu erfassen. Mittels Fragebögen
wurde die Veränderung der Risikowahrnehmung im Verlauf des Projektes bei den Schülern, deren
Eltern und Lehrern erfasst. Es wurden Empfehlungen für die Unterrichtsgestaltung an Gymnasien und
Mittelschulen sowie zur Gestaltung von Projekttagen zum Thema Radon erarbeitet. Es ist vorgese-
hen, diese Empfehlungen auszubauen und komplette Unterrichtsmaterialien den daran interessierten
Schulen
bereit
zu
stellen.
Weitergehende
Informationen
sind
unter
(http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlenschutz/25144.htm)
erhältlich.
Seit 2009 kommen durch Unterstützung des SMUL 10 „Philion“ - Experimentierkoffer an ausgewähl-
ten Schulen zum Einsatz. Diese wurden von Herrn Prof. Henning von Philippsborn von der Universität
Regensburg entwickelt und sollen der Grundlage von Radonexperimenten der Wissensvermittlung
grundlegender Zusammenhänge der Kernphysik und der Radioaktivität dienen. Die radioaktiven
Quellen in diesen Philion-Experimentier-Sets liegen weit unter der Freigrenze der Strahlenschutzver-
ordnung. Sie sind daher anzeige- und genehmigungsfrei und können auch von Schülerinnen und
Schülern ohne Gefahr in Versuchen benutzt werden. Die Betreuung dieses Einsatzes wird von der
BfUL übernommen.

Frank Leder
Stephanie Hurst
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 19
4.5 Persönliches Engagement und Förderung der eigenen Verantwortung
Private Bauherren können sich schon in der Planungsphase ihrer Gebäude mit dem Thema Radon in
Innenräumen auseinandersetzen und durch Bau- bzw. Dienstleistungsverträge mit den Architekten
und Bauausführenden die Einhaltung von Radoninnenraumkonzentrationen fordern. Für Baubetriebe
sollte dies als ein Marketingvorteil angeboten werden. Qualität am Bau einschließlich der entspre-
chenden Garantieleistungen ist immer ein Wettbewerbsvorteil, zumal, wenn mit einfachen wirksamen
Mitteln ein dauernder Radonschutz gewährleistet werden kann.
Im Jahr 2009 wurden am Amtsgericht Aue zwei zivilrechtliche Verfahren durchgeführt, bei denen
erhöhte Radoninnenraumkonzentrationen beklagt und deshalb Mietzinsreduzierungen gefordert wur-
den. In einem Fall wies die Radonkonzentrationen durchschnittlich über 1300 Bq/m³ auf. Dieser Klä-
gerin wurde wegen dieser hohen Werte Recht gegeben. In einem zweiten Fall wurde aufgrund einer
durchschnittlichen Radonkonzentration von weniger als 300 Bq/m³ die Klage abgewiesen. Das Amts-
gericht führte in seinen Entscheidungen aus, dass eine Belastung von weniger als 400 Bq/m³ als
zumutbar einzuschätzen sei. Es schloss sich damit der Auffassung des Gutachters in diesen Fällen
an.
In einem weiteren Klagefall, für den Radonkonzentrationen oberhalb von 400 Bq/m³ die Ursache wa-
ren, wurde daraufhin frühzeitig eine Einigung im Rahmen eines Vergleichs angestrebt.
Damit wurde erstmalig deutlich, dass die Notwendigkeit des Radonschutzes direkt zwischen Mieter
und Vermieter geklärt werden kann. Dies hat weitreichende Folgen für die Nutzung von Wohnungen
insbesondere in den von der Radonproblematik am stärksten betroffenen Regionen. Mit nationalen
Empfehlungswerten wäre eine ausreichende Rechtsgrundlage geschaffen, um auch schwierige Ein-
zelfälle hinreichend zwischen den einzelnen Parteien zu klären.
4.6 Klärung offener Fragen
4.6.1 Bodenradonmessung
Im Rahmen und am Rande des letzten Radontages 2010 wurde eine intensive Diskussion über die
sachgerechte Durchführung von Bodenradonmessungen geführt. Die Notwendigkeit der Befassung
mit dieser Fragestellung wurde nicht nur von uns gesehen, weshalb das BfS einige ausgewählte Ex-
perten zu Gesprächen mit der Zielsetzung der Klärung einlud. Möglicherweise können die Ergebnisse
der Gespräche beim Radontag im kommenden Jahr vorgestellt werden.
4.6.2 Bau-Normen und Qualitätsmarken
Da viele Technologien zum bautechnischen Radonschutz im Rahmen anderer Sachverhalte geregelt
sind und die Einführung neuer Baunormen mit einem langwierigen Prozess verbunden ist, sollen an-
hand von vorliegenden Fallstudien die jeweiligen Radonschutzmaßnahmen betrachtet und bestehen-
de Normen in Bezug auf ihre Übertragbarkeit auf den Radonschutz geprüft werden.

Die sächsische Umsetzungsstrategie zu Radon in Gebäuden
Seite 20
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
4.7 Netzwerke (Synergien) schaffen
Unter der Ägide von KORA soll gemeinsam mit dem Berufsförderungswerk Bau Dresden und der
Bauakademie Sachsen eine Projektgruppe zur Gründung einer RAL-Gütegemeinschaft für radonsi-
cheres Bauen und Sanieren entstehen (s.o.). Dies wird von uns ideell unterstützt.
Die bestehende Zusammenarbeit mit ČR und anderen Nachbarländern soll im Rahmen von konkre-
ten gemeinsamen Projekten intensiviert und weiter ausgebaut werden.
Hilfreich ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Ressorts (SMS - Innenraumhygiene, SMI - Bau-
recht, SMK – Unterrichtsmaterialien Radon, SMWA - Schulhausbau) sowie mit der sächsischen Ar-
chitektenkammer und der Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
5
Schlussfolgerungen
Die von den verschiedenen nationalen und internationalen Organisationen für einen Radonschutz
vorgeschlagenen Empfehlungswerte differenzieren zwar, liegen aber in einer Größenordnung. Sie
beruhen auf umfangreichen epidemiologisch-toxikologischen Studien und sind gut begründet. Im
niedrigen Konzentrationsbereich kleiner 200 Bq/m³ Radoninnenraumkonzentration bestehen nach wie
vor noch große Unsicherheiten. Ein Empfehlungswert von 300 Bq/m³ Radoninnenraumkonzentration
für Maßnahmen könnte deshalb als allgemein konsensfähig angenommen werden. Die endgültige
Vorlage der EU-Kommission zur Novelle der EU-GN, nachdem sich die Mitgliedssaaten hierzu geäu-
ßert haben, bleibt abzuwarten.
Der empfehlende Charakter dieser Radonempfehlungswerte kann nur unterstrichen werden. Es sollte
möglich sein, dass Strahlen- und Gesundheitsschutz auch auf der Grundlage von Empfehlungswer-
ten gewährleistet werden kann. Es ist wichtig, dass die öffentliche Hand hierbei vorbildhaft ihre Neu-
bauten und Sanierungsvorhaben an den Anforderungen eines Radonschutzes ausrichtet. Dies sollte
gerade vor dem Hintergrund der energetischen Sanierung der vorhandenen Bausubstanz ein
Schwerpunkt sein. Bauen und Radonschutz sollte in der gesamten Baubranche stärker verankert
werden. Während sich bestimmte energetische Bauweisen (Passivhaus mit Luftwärmetauscher)
durchaus positiv auf den Radonschutz auswirken, können aber energetische Isolierungen von Außen-
wänden und Dächern ohne Fachkenntnisse zum Radonschutz gegenteilige Wirkung haben und die
Radonkonzentrationen in Gebäuden stark erhöhen.
Im Freistaat Sachsen werden wir wie bisher weiterhin auf Kommunikation, Aufklärung und Transpa-
renz setzen. Die Palette der zur Verfügung stehenden Möglichkeiten konnte sehr erweitert werden.
Sie reicht von dem wesentlichen Standbein der Beratungen durch die sächsische Radonbe-
ratungsstelle über die Aus- und Weiterbildung bis zur Berücksichtigung des Radonschutzes bei Neu-
und Sanierungsbauvorhaben der öffentlichen Hand.

Frank Leder
Stephanie Hurst
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 21
6
Literaturverzeichnis
[1]
Strahlenschutzgrundsätze zur Begrenzung der Strahlenexposition durch Radon und seine Zer-
fallsprodukte in Gebäuden - Empfehlung der Strahlenschutzkommission, Verabschiedet auf der
124. Sitzung der SSK am 21./22.04.1994; Veröffentlicht im BAnz Nr. 155 vom 18.08.1994
[2]
Epidemiologische Untersuchungen zum Lungenkrebsrisiko nach Exposition gegenüber Radon
- Stellungnahme der Strahlenschutzkommission; Verabschiedet auf der 169. Sitzung der SSK
am 31.10.2000; Veröffentlicht im BAnz Nr. 35 vom 20.02.2001
[3]
Auswertung der vorliegenden Gesundheitsstudien zum Radon - Stellungnahme der Strahlen-
schutzkommission; Verabschiedet auf der 192. Sitzung der SSK am 24./25.06.2004; Veröffent-
licht im BAnz Nr. 141 vom 30.07.2004
[4]
Attributives Lungenkrebsrisiko durch Radon-Expositionen in Wohnungen - Stellungnahme der
Strahlenschutzkommission; Verabschiedet auf der 208. Sitzung der SSK am 11./12.07.2006;
Veröffentlicht im BAnz Nr. 81 vom 28.04.2007
[5]
Lungenkrebsrisiko durch Radonexpositionen in Wohnungen - Empfehlung der Strahlenschutz-
kommission; Verabschiedet auf der 199. Sitzung der SSK am 21./22.04.2005
[6]
The 2007 Recommendations of the International Commission on Radiological Protection. ICRP
Publication 103. Ann. ICRP 37 (2-4)
[7]
International Commission on Radiological Protection – Statement on Radon, ICRP Ref
00/902/09; 2009
[8]
IAEA Safety Standards, Draft 4.0 International Basic Safety Standards for Protection Against
Ionizing Radiation and for the Safety of Radiation Sources. Draft Safety Requirements DS 379,
9 September 2010
[9]
WHO Handbook on Indoor Radon. A public health perspective. - Edited by Hajo Zeeb and Fe-
rid Shannoun, World Health Organisation 2009
[10]
Draft EURATOM Basic Safety Standards Directive – Version 24 February 2010, Article 100,
Radon in dwellings and buildings with public access)
[11]
Beschluss des Sächsischen Landtages vom 08.12.2005 (Drucksache 4/3546)

Die sächsische Umsetzungsstrategie zu Radon in Gebäuden
Seite 22
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011

 
Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 23
UMSETZUNG
DER
NEUEN
RADONSCHUTZZIELE
IN
DER
BAUPRAXIS
IMPLEM ENTATION OF THE NEW RADON PROTECTION GOALS IN
BUILDING PRACTICE
Walter-Reinhold Uhlig
HTW Dresden, Fakultät Bauingenieurwesen/Architektur
Zusammenfassung
Die Anforderungen an den baulichen Radonschutz werden sich im Zusammenhang mit dem
Beschluss der Europäischen Strahlenschutzverordnung (EU-Basic Safety Standards) auch in
Deutschland deutlich erhöhen.
Der Beitrag fasst zusammen, welche Fragen im Vorfeld der Einführung zu klären sind und schlägt
Schritte für einen Nationalen Maßnahmenplan vor.
Summary
The demands for the architectural radon protection will clearly increase in connection with the
decision of the European ray protection order (EU BASIC Safety standards) also in Germany.
The contribution summarises which questions are to be cleared in the approach of the introduction
and suggests steps for a national action plan.
1
Aktuelle Situation in Deutschland
Bisher sind in Deutschland keine verbindlich anzuwendenden Regelungen für das radonsichere
Bauen und Sanieren eingeführt worden. Lediglich (relativ unverbindliche) Empfehlungswerte für die
Begrenzung der Radonkonzentration in der Raumluft sind durch das Bundesamt für Strahlenschutz
im Radonhandbuch Deutschland [1] zusammengestellt worden (s. Tabelle 1). Aus diesen
Empfehlungswerten können i.A. keine öffentlich-rechtlichen Verantwortlichkeiten abgeleitet werden,
zivilrechtliche Haftungen sind nur in eng begrenzten Fällen denkbar bzw. bekannt. Für einige wenige
besonders exponierte Arbeitsplätze – so im Bergbau oder in Wasserwerken - sind in der
Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) [2] Grenzwerte festgelegt worden. Ausführlich ist die aktuelle
rechtliche Situation von L Giesbert und G. Kleve auf dem 3. Sächsischen Radontag dargestellt
worden [3].
Der planende und ausführende Architekt bzw. Bauingenieur legt seinem Handeln bauliche Verfahren
und Lösungen sowie Mess- und Prüfverfahren zugrunde, die entweder in Vorschriften (zum Beispiel
nach DIN) beschrieben oder aber als „allgemein anerkannten Regeln der Bautechnik“ bekannt sind.
Für das radonsichere Bauen dagegen sind in Deutschland bisher weder klare Verfahrensregeln,
eindeutige Prüf- und Messverfahren, noch genau beschriebene Ausführungsregeln festgelegt

Umsetzung der neuen Radonschutzziele in der Baupraxis
Seite 24
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
worden. Heute übliche Ausführungslösungen des radonsicheren Bauens und Sanierens beruhen zu
einem großen Teil auf Erfahrungswerten. Die nur sehr allgemeinen Beschreibungen baulicher
Lösungen im Radon-Handbuch Deutschland können dem planenden und bauausführenden
Architekten und Bauingenieur keine konkreten Hilfestellungen geben. Die Definition, welche Baustoffe
und Konstruktionslösungen als radondicht gelten, ist willkürlich festgelegt und kann einer strengen
wissenschaftlichen Begründung nicht standhalten.
Zusammenfassend ist zu konstatieren, das fehlende rechtliche Verpflichtung für radonsicheres Bauen
sowie nur in Ansätzen vorhandene standardisierte Prüf- und Ausführungsregeln dazu führen, dass
die Fragen des radonsicheren Bauens und Sanierens zumeist unbeachtet bleiben, häufig den
Baufachleuten überhaupt nicht bekannt sind.
2
Veränderungen des baulichen Radonschutzes im Ergebnis der
Umsetzung der Europäischen Strahlenschutzverordnung
Die Euratom – die Europäische Atomgemeinschaft – hat in ihrem im Februar dieses Jahres
vorgelegten Entwurf der neuen Europäischen Strahlenschutzverordnung (EU-Basic Safety
Standards),
erstmals im Article 100 Regelungen für Radon aufgenommen. Aktuell wird davon
ausgegangen, dass dieses Papier 2012 bzw. 2013 beschlossen wird. Danach sind alle
Mitgliedsstaaten der EU verpflichtet, die Festlegungen der Verordnung in nationales Recht zu
überführen und somit Richtwerte für die Radonkonzentration in Wohn- und Arbeitsräumen
einzuführen (sogenannter Aktionsplan). Hierfür werden den Ländern in der Regel Zeiträume von
maximal 5 Jahren eingeräumt, sodass spätestens 2019 mit einer nationalen Regelung zu rechnen ist.
In welcher Form die nationale Umsetzung erfolgt, ist den Mitgliedsländern der EU überlassen.
Weitere internationale Gremien, wie z.B. die WHO haben sich ebenfalls mit der Frage der
Begrenzung der Radonkonzentration in der Raumluft befasst. So ist u.a. das WHO-Radonhandbuch
[4] entstanden.
In der folgenden Übersicht (Tabelle 1) sind die Änderungen, die sich aus der Europäischen
Strahlenschutzverordnung ergeben, den Werten des Radonhandbuch Deutschland sowie des WHO-
Radonhandbuches gegenübergestellt.
Tabelle 1:
Überblick über die Änderungen im Radonschutz
bisher
zukünftig
Quelle
Radonhandbuch
Deutschland
(2000)
EU-Basic Safety Standards
(Entwurf 2010)
WHO-
Radonhandbuch
(2009)
Werte:
Neubau:
200 Bq/m³
Sanierung:
400 Bq/m³
Neubau:
200 Bq/m²
besteh. Geb.:
300 Bq/m³
bestimmte öffentl. Gebäude:
bis 1.000 Bq/m³
100 Bq/m³:
Vorsorgewert
≤ 300 Bq/m³:
Referenzwert
Verbindlichkeit der
Werte:
Richtwerte
Referenzwerte
(Grenzwerte?)
Weitere
(verbindliche)
Festlegungen
keine
Nationaler Aktionsplan
mit:
Identifizierung
belasteter
Gebäude
Radonmessungen in
öffentlichen Gebäuden
Erlassen besonderer
Bauvorschriften
Kontrolle der Maßnahmen
Information der
Bevölkerung

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 25
Die Erfahrung zeigt, dass die Verbindlichkeit der unterschiedlichen Wertebezeichnungen häufig nicht
eindeutig bekannt ist. Es ist deshalb im Folgenden eine Definition der Begriffe zusammengestellt
worden:
Richtwert:
-
ist ein Mess- oder Zahlenwert, den man einhalten und nach dem man sich richten
soll
, ohne
dass ein Zwang dazu besteht oder Strafen drohen;
-
er ist ein Empfehlungswert mit gewissem Nachdruck;
-
die Einhaltung ist erwünscht.
-
Wird ohne guten Grund oder grob fahrlässig gegen Richtwerte gehandelt, kann das zu
zivilrechtlichen
Klagen führen.
-
Nach DIN 820-2 entspricht ein Richtwert dem Verb „sollen“
Referenzwert:
-
allgemein:
Bezugswert, auf den sich andere Werte (z.B. Messungen) beziehen
-
Im Zusammenhang mit der Radonkonzentration in der Raumluft:
Referenzwert ist der
maximal akzeptierter Wert
für die Radonkonzentration in
Wohnräumen (Quelle: Pressemitteilung des BfS vom 22. September 2009 zum
Erscheinen des WHO-Radonhandbuches)
-
Eine vergleichbare Verbindlichkeit haben z.B. die sich aus der EnEV ergebenden
Anforderungen
Grenzwert:
-
Maximal zulässige Menge/Konzentration
eines Umwelt- oder gesundschädlichen Stoffes
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass sich die zu erwartenden Veränderungen der Radon-
Schutzziele vor allen Dingen aus der erhöhten Verbindlichkeit der Anforderungen ergeben. Die in den
EU Basic Safety Standards aufgenommenen Referenzwerte der Radonkonzentration verändern
dagegen nur unwesentlich die Höchstwerte der Radonkonzentration in den Räumen gegenüber dem
Radon-Handbuch Deutschland. Inwieweit dem mit 100 Bq/m³ deutlich höherem Zielwert des WHO-
Radonhandbuches gefolgt werden sollte, soll hier nicht weiter diskutiert werden.
Somit konzentrieren sich die Auswirkungen auf das (radonsichere) Bauen und Sanieren
dahingehend, dass Regelungen für die folgenden Aspekte geschaffen werden müssen:
Eindeutige Festlegungen zur Definition und Ermittlung der Ausgangswerte,
Schaffung von klaren Regelungen für Messungen
Beschreibung mehr oder weniger exakter, eindeutiger baulicher Lösungen
Eindeutige Definition von Baustoffeigenschaften sowie Festlegung von Regeln zum
Baustoffeinsatz
Ggf. Festlegung von Sonderregeln für Bestandsgebäude
Notwendig ist es zudem, im Vorfeld der Umsetzung der EU Safety Standards umfangreiche
Schulungen der Architekten und Bauingenieure sowie weiterer am Bau Beteiligten und eine deutlich
verbesserte Information der Öffentlichkeit zu initiieren und durchzuführen.

image
Umsetzung der neuen Radonschutzziele in der Baupraxis
Seite 26
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
3
Schlussfolgerungen für das radonsichere Bauen und Sanieren
3.1 Allgemeines
Aus dem in Abschnitt 1 und 2 gezogenen Vergleich zwischen den in Deutschland bestehenden (bzw.
fehlenden) Regelungen und der durch die EU geplanten Zielstellung ergibt sich hinsichtlich des
radonsicheren Bauens und Sanierens Handlungsbedarf in die folgenden Richtungen:
Ermittlung der Ausgangswerte
Definition von Referenzwerten und Festlegung zu deren Messung sowie Überwachung
Entwicklung von bautechnischen Lösungen für Neubau und Sanierung
Entwicklung standardisierter Prüfnormen für Baustoffe und Baukonstruktionen
3.2 Ermittlung der Ausgangswerte für Neubauten
Für Neubauten ist die Bodenradonkonzentration der wesentlichste Ausgangswert zur Festlegung
entsprechender baulicher Lösungen. Die Radonkarte Deutschland kann hierfür lediglich erste
Anhaltswerte liefern. Selbst genauere, auf einer größeren Anzahl von Messungen basierende
regionale Karten, wie sie z.B. für Sachsen vorliegen, sind als alleinige Entscheidungsgrundlage nicht
ausreichend. Um ortskonkrete Werte zu erhalten, sind Bodenradonmessungen unumgänglich. Diese
können im Zusammenhang mit einer geologischen Einschätzung des Baugrundes zu ausreichend
genauen Ausgangswerten führen.
Aktuell gibt es in Deutschland weder ausgereifte Verfahrensregeln für die Messung der
Bodenradonkonzentration, die geeignet wären, mit geringem finanziellen Aufwand eine sichere
Vorhersage zu treffen, noch Verfahren zur Bestimmung der Bodenradonkonzentration, die sich aus
den geologischen Gegebenheiten direkt ableiten lassen.
Bodenradonmessungen werden heutzutage zumeist als Einzelmessungen in ca. 1 m Tiefe
durchgeführt. Dabei zeigt es sich, dass selbst relativ nah beieinander liegende Messungen zu
außerordentlich verschiedenen Ergebnissen führen können (Abb. 1).
Abb. 1:
Ergebnisse von Bodenradonmessungen an einem Einfamilienhaus [5] (Abstand der
Messpunkte untereinander weniger als 20 m). Alle Messungen sind in einer Tiefe von ca. 1
m unter Geländeniveau durchgeführt worden.
MP1: 67 kBq
MP2: 27 kBq
MP3: 111 kBq
MP4: 88 kBq

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 27
Abb. 2
: zeitliche Schwankungen der Bodenradon-konzentration an einem
festen Messpunkt ( nach [6])
Alle Messungen des Beispiels in Abb. 1 sind an einem Tag ausgeführt worden, die Messungen
erfolgten durchgehend in einer Tiefe von ca. 1 m unter Geländeniveau. Bedenkt man, dass als
weitere wesentliche Varianzfaktoren noch die Abweichung der Gründungs- von der Messtiefe (i.a.
liegt die Baugrubensohle deutlich tiefer als 1 m unter Geländeoberkante) sowie die starken
jahreszeitlichen und wetterabhängigen Schwankungen (s. Bild 2) hinzukommen, können die
summierten Messabweichungen durchaus den Faktor 10 erreichen! Eine solche Streuung der
Messergebnisse kann als Grundlage für bauliche Entscheidungen nicht akzeptiert werden. Das
Argument, dass mit aufwändigeren Messungen deutlich bessere Ergebnisse erreicht werden können,
ist zwar richtig, aber für die baupraktische Umsetzung wenig hilfreich.
Um zum einen den Messaufwand zu begrenzen, zum anderen eine sichere Grundlage für das Bauen
zu erhalten, ist eine stufenweise Herangehensweise sinnvoll:
1. Schritt: Risikoabschätzung
Über die Definition von Radonvorsorgegebieten werden große Bereiche Deutschlands als nur
gering radonbelastet eingestuft. Für diese Gebiete kann bei Anwendung von baulichen
Regelungen, wie sie für die Abdichtung gegen Feuchte in DIN 18 195 beschrieben sind, ein
ausreichender Radonschutz gewährleistet werden. Messungen der Bodenradonkonzentration
wären danach nicht erforderlich.
2. Schritt: Orientierungsphase
Für alle weiteren Gebiete sind Bodenradonmessungen durchzuführen, wobei hierzu
standardisierte Verfahren zu entwickeln und einzuführen sind. Inwieweit hier geologische und
bodenmechanische Gegebenheiten zur Bewertung des Bodens mit herangezogen werden, ist
noch zu untersuchen und zu entscheiden.
3. Schritt: Detailphase
Festlegung konkreter Lösungen für die Bauausführung, die einen genügenden Radonschutz
erbringen.
Eine solche Herangehensweise könnte den Aufwand für die Ermittlung der Bodenradonkonzentration
auf ein vertretbares Maß reduzieren und gleichzeitig die Anforderungen an den baulichen
Radonschutz erfüllen. Wichtig wäre es, das Bewusstsein hinsichtlich einer hohen Ausführungsqualität
von Bauteilanschlüssen, Rohrdurchführungen usw. zu schärfen, um konvektive Lufteintrittswege in
der erdberührten Hülle weitestgehend auszuschließen (s. auch Punkt 3.5).
3.3 Ermittlung der Ausgangswerte für bestehende Gebäude
Es ist bekannt, dass die Radonkonzentration in der Raumluft in bestehenden Gebäuden neben der
Quelle Bodenradon maßgeblich durch die Ausführung der erdangrenzenden Baukonstruktionen und
weitere Faktoren bestimmt ist. Die Messung der Bodenradonkonzentration im Vorfeld von
Sanierungsmaßnahmen
ist
deshalb
wenig
zielführend.
Vielmehr
sind
Messungen
der
Radonkonzentration in der Raumluft erforderlich. Um den Aufwand auf ein verträgliches Maß zu
begrenzen, wird auch hier wiederum ein stufenweises Herangehen vorgeschlagen:
10
20
30
40
50
60
70
80
90
kBq/m-3
0
50
100
150
200
250
300
350
400
TIME

image
image
Umsetzung der neuen Radonschutzziele in der Baupraxis
Seite 28
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
1. Schritt: Risikoabschätzung
Die Einordnung in Radongebiete stellt auch hier den ersten Schritt dar, ist allerdings nicht
ausreichend. Inwieweit für alle Gebäude zur Risikoabschätzung eine kurzzeitige Messung
mittels Dosimeter vorgesehen wird, unabhängig davon, ob das Gebäude in einem
Radonvorsorgegebiete liegt oder nicht, ist noch abzustimmen.
2. Schritt: Orientierungsphase
Für alle Gebäude, in denen mit der Risikoabschätzung ein gewisser, noch festzulegender
Wert der Radonkonzentration in der Raumluft überschritten worden ist, sind detaillierte
Messungen und ggf. weitere Untersuchungen (Ortung von Eintrittspfaden usw.)
durchzuführen. Hierfür können entweder Langzeitmessungen mittels Dosimeter oder/und
zeitaufgelöste Messungen zur Anwendung kommen. Für diesen Schritt sind noch
standardisierte Messabläufe zu entwickeln und einzuführen. Zu berücksichtigen sind die
starken Schwankungen der Radonkonzentration in der Raumluft in Abhängigkeit von der
Jahreszeit sowie der Nutzung des Raumes.
3. Schritt: Detailphase
Sind die Radonkonzentrationen bestimmt und ggf. die Eintrittswege identifiziert, können
bauliche und lüftungstechnische Maßnahmen festgelegt und ausgeführt werden.
3.4 Schaffung eines Qualitätsmanagements für das radonsichere Bauen und
Sanieren
Für den Erfolg radonbegrenzender bzw. –senkender Maßnahmen ist die Einführung einer
Erfolgskontrolle zwingend erforderlich, die auch eine Nachkontrolle in regelmäßigen Zeitabständen
einbezieht (Abb.3). Dabei kann in Analogie zu den Radonmessungen der Ausgangswerte (s. Punkt
3.2 und 3.3) ein gestuftes Vorgehen dahingehend sinnvoll sein, dass bei niedrigen Ausgangswerten
auf die Erfolgskontrolle verzichtet werden kann oder diese in reduziertem Umfang durchgeführt wird.
Für das Qualitätsmanagement sind standardisierte Abläufe zu entwickeln und in die Baupraxis
einzuführen.
Abb. 3:
Prinzipieller
Aufbau
eines
Qualitätsmanagements
für
die
Überwachung
der
Radonkonzentration in der Raumluft
Ausgangswerte
Bodenradon / Radonkonzentration in Raumluft
Phase der
bauliche Umsetzung
Nutzungsphase
Erfolgskontrolle nach Bauabschluss
Radonkonzentration in Raumluft
Erfolgskontrolle in regelmäßigen Zeitabschnitten
(z.B. aller 5 Jahre)
Radonkonzentration in Raumluft

image
Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 29
Während die Ermittlung der Ausgangswerte sowie die Erfolgskontrolle nach Bauabschluss relativ
einfach realisierbar sind, da sie organisatorisch an den Bauprozess „angehängt“ werden können, ist
die Durchsetzung regelmäßiger Erfolgskontrollen während der Nutzungsphase nur schwer
durchsetzbar, da sie immer mit einem Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer zusammenhängen.
Sowohl rechtlich als auch praktisch wird zumindest für den privaten Nutzer der hier vorgeschlagene
dritte Schritt nur auf freiwilliger Basis realisierbar sein.
3.5 Bauliche Regelungen
Die Erfahrung, die der planende und ausführende Architekt bzw. Bauingenieur heute macht, wenn er
sich mit radonschützenden Maßnahmen befasst, ist die, dass er auf keinerlei standardisierte bzw.
über Vorschriften geregelte Lösungen und Abläufe zurückgreifen kann. Zwar sind durchaus für
nahezu alle Aufgaben des radonsicheren Bauens Lösungen bekannt und baupraktisch erprobt. Für
die zu erwartende Einführung von Referenzwerten der Radonkonzentration in der Raumluft (mit
entsprechend höherer Verbindlichkeit als die heute existierenden Richtwerte - s. Abschnitt 2) müssen
aber sowohl für die Baustoffprüfung als auch Bauausführung eindeutige und nachprüfbare
Regelungen entwickelt und eingeführt werden. Insbesondere betrifft das die folgenden Schwerpunkte:
Verhinderung konvektiver Luftströme durch die erdberührte Gebäudehülle durch eine hohe
Dichtheit der Bebäudehülle
Begrenzung der Diffusion durch die Baukonstruktionen
Regelungen für lüftungstechnische Maßnahmen (Radonbrunnen, Flächendränagen) in der
Sanierungspraxis
Regelung zur Baustoffprüfung
Es ist zweifelsfrei nachgewiesen, dass Undichtheiten in der Gebäudehülle der maßgebliche Faktor für
das Einströmen radonhaltiger Bodenluft ins Gebäude ist, die Diffusion durch die Baukonstruktion
dagegen nur einen sehr geringen Einfluss hat (s. u.a. [7]). Insofern verwundert es, dass in der
heutigen Baupraxis Baustoffe und –konstruktionen das Qualitätssiegel „radondicht“ in erster Linie von
ihrem Diffusionswiderstand ableiten. Konstruktionslösungen, die sich mit der Radondichtheit
befassen, sind bisher nur in wenigen Untersuchungen systematisch entwickelt und getestet worden.
Beispiele zeigen die Abbildungen 4 und 5.
Abb. 4:
Beispiel einer baulichen Detaillösung für eine Flächendränage in Altbauten (nach [8])

image
image
Umsetzung der neuen Radonschutzziele in der Baupraxis
Seite 30
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Abb. 5:
Beispiel für eine bauliche Detaillösung für eine Rohrdurchführung im Holzbau (nach [9])
Wichtig ist es, mit der Entwicklung von Detaillösungen Vorgaben zur Qualität der eingesetzten
Baumaterialien sowie der Baudurchführung zu verbinden.
Weiterhin sind zumindest in Deutschland Verbesserungen, die in der Altbausanierung durch
lufttechnische Maßnahmen erzielt worden sind, bisher nicht systematisch erfasst und ausgewertet
worden. Inwieweit hier belastbare Ergebnisse überhaupt möglich sind, ist im Rahmen weiterer
Grundlagenuntersuchungen zu ermitteln.
Die Prüfung von Baustoffen erfolgt derzeit durch spezialisierte Einrichtungen nach mehr oder weniger
individuell entwickelten Prüfverfahren (Abb. 6).
Abb. 6:
Beispiel für einen Prüfaufbau von Baustoffen (nach [10])
Hinsichtlich der Baustoffprüfung sind die folgenden Fragen zu klären:
Welche Baumaterialien sind zu klassifizieren, für welche ist keine Prüfung und Klassifizierung
erforderlich
Schaffung von einheitlichen, reproduzierbaren Prüfvorschriften
Einführung von Qualitätskriterien hinsichtlich der Radonexhalation aus Baustoffen (z.B. in
Form eines CE-Prüfzeichens) bzw. der Eignung für die Anwendung in radondichten
Konstruktionen.

Walter-Reinhold Uhlig
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 31
3.6 Besondere Regelungen für den Gebäudebestand
Auf den Zusammenhang zwischen energetischem Bauen und der Radonkonzentration in der
Raumluft soll hier nur kurz eingegangen werden. Die teilweise deutlich erhöhten Radonwerte nach
energetischen Maßnahmen sind in erster Linie auf reduzierte Luftwechselraten zurück zu führen.
Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass durch reduzierte Luftwechselraten neben der
Erhöhung der Radonkonzentration in der Raumluft weitere Parameter der Raumluft, wie Erhöhung
der Raumluftfeuchte und Erhöhung der Schadstoffkonzentration einhergehen. In diesem
Zusammenhang ist es anzustreben, dass eine übergreifende Lösung entwickelt und in die
Vorschriften zum energetischen Bauen übernommen wird, mit der Mindestwerte des Luftwechsels
definiert werden.
Mit der Einführung von Referenzwerten der Radonkonzentration in der Raumluft erhält die Frage, wie
mit vorhandenen erhöhten Radonkonzentrationen im Gebäudebestand zur verfahren ist, besondere
Bedeutung. Sind Referenzwerte eingeführt, wird dies zwangsläufig zu Forderungen zur Erfüllung
dieser Werte führen, unabhängig davon, ob eine Sanierung geplant ist oder nicht. Aktuell wird in
Deutschland ca. 1% des Gebäudebestandes/Jahr saniert. Die hier aufgeworfene Frage hat demnach
eine hohe Bedeutung. Es ist somit zu klären, ob für Gebäude mit sehr hohen Radonkonzentrationen
in der Raumluft gesetzliche Regelungen eingeführt werden sollen bzw. können, welche Hausbesitzer
zur Durchführung baulicher und/oder lüftungstechnischer Maßnahmen zur Reduzierung der
Radonwerte verpflichten. Diese Fragestellung behinhaltet eine mögliche allgemeine Verpflichtung zur
Radonmessung in Bestandsgebäuden und führt zur rechtlichen Fragestellung, inwieweit ein solcher
Eingriff vor allen Dingen im privaten Bereich grundsätzlich durchsetzbar ist. Auf analoge
Überlegungen zum Eingriff in den Gebäudebestand im Zusammenhang mit energetischen
Maßnahmen (s. EnEV 2009) soll hier verwiesen werden.
Eine weitere Fragestellung ist mit der bekannten Tatsache verbunden, dass vor allen Dingen im
Gebäudebestand zum Teil erhebliche bauliche und finanzielle Aufwendungen erforderlich werden, um
die Referenzwerte zu erreichen. Hier ist – auch wiederum in Analogie zu den Festlegungen aus der
EnEV – ein wirtschaftlicher Vorbehalt dahingehend erforderlich, dass ggf. durch einfache
Maßnahmen zwar eine Reduzierung, aber nicht das Niveau der Referenzwerte erreicht werden kann.
Der hier aufgeworfene Fragenkomplex erfordert die Einführung von Aktionsprogrammen, welche die
folgenden Schwerpunkte beinhalten:
Durchführung von Messkampagnen zur Identifizierung besonders hoch belasteter Gebäude
Auflegung von Programmen zur finanziellen Unterstützung von Maßnahmen des baulichen
Radonschutzes
Inwieweit ggf. Zwangsmaßnahmen zur Durchführung radonsenkender Maßnahmen
einbezogen werden, bedarf einer gründlichen, vor allen Dingen rechtlichen, Bewertung.
4
Maßnahmeplan
Wurde im Abschnitt 2 ein Zeitplan bis zur Einführung von Referenzwerten und weiteren sich aus den
EU-Basic Safety Standards ergebenden Festlegungen skizziert und erschien der mögliche Zeitraum
bis maximal 2019 relativ weit liegend, zeigen die hier kurz erläuterten noch offenen Fragestellungen,
dass bis zur Einführung noch viele, zum Teil komplizierte Klärungsprozesse anstehen.
Es ist deshalb dringend erforderlich, einen nationalen Maßnahmeplan aufzulegen, mit dem die
folgenden Schritte bearbeitet werden:
1. Umfassende Schulung und Information für
Architekten, Bauingenieure, Bauausführende
Auftraggeber, Immobilienbesitzer, Wohnungswirtschaft

Umsetzung der neuen Radonschutzziele in der Baupraxis
Seite 32
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Verwaltungen
Information einer breiten Öffentlichkeit
2. Regelungen zur Messung und Prüfung von
Bodenradon
Radonkonzentration in der Raumluft
Baustoffe
3. Entwicklung und Prüfung baulicher und lüftungstechnischer Lösungen
Entwicklung von Standards für das radonsicher Bauen und Sanieren einschl. der
Einführung von Gütestandards
Entwicklung standardisierter Prüfverfahren für Baustoffe und Baukonstruktionen
5
Literaturverzeichnis
[1]
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: Radon-Handbuch
Deutschland, Bonn 2001
[2]
Verordnung über den Schutz von Schäden durch ionisierende Strahlung vom 20.07. 2001,
BGBl. I 1714 (2002, 1459).
[3]
Giesbert, Ludger und Guido Kleve: Öffentlich-rechtliche Verantwortung und zivilrechtliche
Haftung für Radonbelastung; Tagungsband 3. Sächsischer Radontag; Dresden 2009
[4]
WHO handbook on indoor Radon; WHO 2009
[5]
Bergmann, Frank: Untersuchungen zur Radonsituation in Passivhäusern, Diplomarbeit HTW
Dresden, 2006
[6]
Conrady, Jürgen, Karel Turek, Andreas Guhr, Pavel Zarsky: Der Einfluss meteorologischer
Parameter auf die Radonkonzentration in der Bodenluft; Tagungsband 4. Sächsischer
Radontag, Dresden 2010
[7]
Uhlig, Walter-Reinhold: Bauliche Grundlagen des radonsicheren Bauens und Sanierens;
Tagungsband 1. Sächsischer Radontag, Dresden 2007
[8]
Marz, Dominik: Beitrag zur Konzeption radondichter Baukonstruktionen; HTW Dresden, 2007
[9]
Liebscher, Bernd: Entwicklung von radondichten Holzbauteilen; Tagungsband 2. Sächsischer
Radontag, Dresden 2008
[10]
Sell, Sebastian: Radonexhalation aus Wandbaustoffen, Diplomarbeit HTW Dresden, 2008

 
Martin Jiránek
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 33
MASSNAHMEN ZUM RADONSCHUTZ BEIM NEUBAU UND BEI DER
SANIERUNG NACH TSCHECHISCHEN BAUNORMEN
RADON PROTECTIVE AND REMEDIAL MEASURES ACCORDING
TO THE CZECH BUILDING STANDARDS
Martin Jiránek
Czech Technical University, Faculty of Civil Engineering, Praha (CZ)
Zusammenfassung
Die Grundsätze der konstruktiven Auslegung und der Ausführung von Maßnahmen des vor-
beugenden Radonschutzes und bei Sanierungen nach den nationalen tschechischen Normen ČSN
730601 "Schutz von Gebäuden gegen Radon aus dem Boden" und ČSN 730602 "Schutz von Ge-
bäuden gegen Radon und Gammastrahlung aus Baumaterialien" werden beschrieben. Die Anforde-
rungen an radondichte Membrane und andere Komponenten, die Teil von Systemen zur Radonreduk-
tion sind, werden vorgestellt.
Summary
Principles of designing and realization of radon preventive and remedial measures in accordance with
the Czech national standards ČSN 730601 Protection of buildings against radon from the soil and
ČSN 730602 Protection of buildings against radon and gamma radiation from building materials are
described. Requirements for radon-proof membranes and other components that are part of radon
reduction systems are presented.
1
Einführung
Die Planung und Ausführung von Maßnahmen
gegen Radon wurden in der Tschechischen
Republik im Jahr 1995 standardisiert. Seit
dieser Zeit sollen alle Arten von Radonschutz-
maßnahmen einschließlich solcher zur Sanie-
rung in Übereinstimmung mit den tschechi-
schen Normen ČSN 730601 "Schutz von Ge-
bäuden gegen Radon aus dem Boden" und
ČSN 730602 "Schutz von Gebäuden gegen
Radon und Gammastrahlung aus Baumateria-
lien" geplant und realisiert werden. Diese
Normen geben die Konstruktions- und Anwen-
dungsprinzipien verschiedener Methoden zur
Radon-reduktion wieder. Die Anforderungen
an Materialien und Systemkomponenten wer-
den ebenfalls in den Normen vorgestellt.
1
Introduction
Design and realization of radon countermeas-
ures was standardised in the Czech Republic
in 1995. Since that time all types of radon pro-
tective and remedial measures should be de-
signed and installed in accordance with the
Czech national standards ČSN 730601 Pro-
tection of buildings against radon from the soil
and ČSN 730602 Protection of buildings
against radon and gamma radiation from buil-
ding materials. These standards present the
principles of designing and application of vari-
ous types of radon reduction techniques. Re-
quirements for materials and components that
are part of radon reduction systems are also
introduced
by
these
standards.

Massnahmen zum Radonschutz beim Neubau und bei der Sanierung nach Tschechischen Baunormen
Radon protective and remedial measures according to the Czech building standards
Seite 34
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
2
Radonschutz bei Neubauten
Laut tschechischer Gesetzgebung muss je-
dermann, der ein neues Haus mit Wohnräu-
men bauen will, den
Radonindex des Bau-
grunds
messen. Seine Bestimmung basiert
auf der Erfassung der Gaspermeabilität des
Bodens und der Radonkonzentration in der
Bodenluft. Beide Parameter werden direkt auf
dem zu bebauenden Grundstück in einer Tiefe
von 0,8 m unter der Erdoberfläche gemessen
[1]. Die Radonkonzentration unter dem realen
Haus kann jedoch signifikant von derjenigen
abweichen, die im Baugrund gemessen wur-
de. Daher hängt die Art und Weise der Aus-
führung des Schutzes von Neubauten gegen
Radon aus dem Boden vom
Radonindex des
Hauses
ab. Diese Größe wird durch den Ra-
donindex des Baugrunds, den Typ des Ge-
bäudes und seine Position im Bodenprofil in
Bezug auf die Erdoberfläche sowie durch alle
baulichen Beeinflussungen der Permeabilität
des Baugrunds bestimmt.
Schutzprinzipien
Wenn der Radonindex des Gebäudes niedrig
ist, wird durch einen gewöhnlichen Feuchte-
schutz ein ausreichender Schutz gegen Radon
aus dem Boden erreicht. Im Falle eines mittle-
ren Radonindex wird der grundlegende Schutz
durch eine radondichte Folie, die über die
gesamte Fläche der erdberührenden Gebäu-
deteile verlegt werden muss, hergestellt. Alle
Fugen zwischen den Folienbahnen wie auch
zu den Leitungsdurchführungen müssen dabei
sorgfältig abgedichtet werden. Wenn der Ra-
donindex des Gebäudes hoch ist, dann genügt
eine radondichte Isolierung als Einzelmaß-
nahme nur, falls die abgeschätzte Radon-
konzentration unter dem Haus kleiner ist als:
60 kBq/m
3
in hochpermeablen Böden,
140 kBq/m
3
in Böden mit mittlerer
Permeabilität,
200 kBq/m
3
in Böden mit niedriger
Permeabilität.
Wenn die oben genannten Grenzen über-
schritten werden oder sich eine hochpermeab-
le Kiesschicht unter dem Haus befindet oder
die direkt an die Bodenplatte grenzenden
Räume beheizt sind, muss die radondichte
Folie mit anderen Maßnahmen kombiniert
werden, wie z.B.:
Unterdruckerzeugung unter der Boden-
platte gegenüber dem Gebäudeinneren
oder
2
Protection of new buildings
According to Czech legislation, anyone who
wants to build a new house with habitable
rooms must measure the radon index of the
foundation soils. Its determination is based on
the assessment of the soil permeability and
soil gas radon concentration. Both parameters
are measured directly on the particular build-
ing site at a depth of 0.8 m below the ground
level 1 . However, radon concentrations un-
der real houses can differ significantly from
concentrations measured on the building site.
Therefore the way in which protection of new
buildings against radon from the soil is carried
out depends on the
radon index of the build-
ing
. This quantity is determined by the radon
index of the foundation soils, type of building
and its position in the soil profile with respect
to the ground level and by all building activities
influencing the permeability of foundation soils.
Principles of protection
If the radon index of the building is low, a
common waterproofing creates a sufficient
protection against radon from the soil. In case
of a medium index the basic protection is pro-
vided by a radon-proof membrane, which has
to be applied over the entire surface of the
building substructure that is in contact with the
soil. All joints between membranes and all
pipe penetrations must be carefully sealed. If
the radon index of the building is high, radon-
proof insulation as a single measure is suffi-
cient only, if the estimated radon concentration
under the house is lower than:
60 kBq/m
3
in highly permeable soils,
140 kBq/m
3
in soils with a medium per-
meability,
200 kBq/m
3
in soils with a low
permeability.
If the above-mentioned limits are exceeded or
highly permeable gravel layer is placed under
the house or the ground/basement floor is
equipped with an underfloor heating, radon-
proof membrane must be provided in combina-
tion with other measures, such as:
sub-slab depressurization, or
floor air gap depressurization.

Martin Jiránek
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 35
Entlüftung eines Hohlraums im Fußbo-
denaufbau
Radondichte Folien
Es dürfen nur Materialien als radondichte Foli-
en genutzt werden, die Barriereeigenschaften
aufweisen, welche durch die Messung des
Radondiffusionskoeffizienten
nachgewiesen
wurden, und die eine erwiesene Haltbarkeit
über die erwartete Lebensdauer des Gebäu-
des besitzen. Bitumenschichten mit Alumini-
umfolien können wegen ihrer geringen Reiß-
festigkeit nicht als radondichte Folien dienen.
Plastik-Noppenfolien sind ungeeignet, da es
sich erwiesen hat, dass es nahezu unmöglich
ist, mit ihnen gasdichte Fugen auszuführen.
Die Anwendbarkeit einer Folie für die jeweilige
Situation eines Wohnhauses wird aus der
Berechnung der erforderliche Materialdicke
abgeleitet. Die Berechnung berücksichtigt den
Radon-Diffusionskoeffizienten des Isolations-
materials,
Bodenparameter
(Radon-
konzentration
and
Gaspermeabilität)
und
Hauscharakteristika (Kontaktfläche der erd-
berührenden Bodenplatte/Wände, Luftwech-
selrate, Raumluftvolumen) [4, 6, 7].
Die erforderliche minimale Dicke der Radon-
schutzfolie wird für den konkreten Fall nach
der tschechischen Norm ČSN 730601 [2] aus
der folgenden Gleichung ermittelt:
Radon-proof membrane
The only materials that may be used as radon-
proof membranes are those with barrier prop-
erties that have been verified by measuring
the radon diffusion coefficient, and that have
proven durability corresponding to the ex-
pected lifetime of the building. Bitumen mem-
branes with Al foil cannot serve as a radon-
proof membrane due to their very low tear
resistance, and plastic membranes with dim-
ples are unsuitable due to evidence that it is
almost impossible to form airtight joints with
this material. Applicability of the particular
membrane for a specific dwelling is derived
from the calculation of its thickness. The calcu-
lation takes into account the radon diffusion
coefficient in the insulation, soil parameters
(radon concentration and permeability) and
house characteristics (area in contact with the
soil, air exchange rate, interior air volume) 4,
6, 7 .
The required minimum thickness of the radon-
proof membrane is in a particular case calcu-
lated according to the Czech Standard ČSN
730601 2 from the following equations:
dl
l
C
E
S
.arcsinh
...
lim
1
(m)
(1)
E
C
Vn
A
A
dif
f
w
lim
..
(Bq/m
2
h)
(2)
mit
C
S
Radonkonzentration in der Bo-
denluft unter dem Haus (in
Bq/m
3
)
Radonzerfallskonstante
(0,00756 h
-1
)
d
Materialdicke der Radonisolie-
rung (in m)
l
Radondiffusionslänge im Foli-
enmaterial,
l
= (
D
/ )
1/2
(in m),
D
Radondiffusionskoeffizient des
Folienmaterials (in m
2
/h)
1
Sicherheitsfaktor (für hochper-
meable Böden
1
= 7,0; für Bö-
den mit mittlerer Permeabilität
1
= 3,0; für Böden mit niedriger
Permeabilität
1
= 2,1)
where C
S
is the radon concentration in the
soil gas under the house (Bq/m3),
is the
radon decay constant (0,00756 h-1), d is the
thickness of the radon-proof insulation (m), l
is the radon diffusion length in the insulation l
= (D/ )1/2 (m), D is the radon diffusion coef-
ficient in the insulation (m2/h),
1
is the safe-
ty factor (for highly permeable soils
1
= 7,0,
for soils with medium permeability
1
= 3,0
and for low permeable soils
1
= 2,1), V is
the interior air volume (m3), n is the air ex-
change rate (h
-1
),
A
f
and
A
w
are the floor and
the basement walls areas in direct contact
with the soil (m
2
) and
C
dif
is a fraction of in-
door concentration caused by diffusion, i.e.
C
dif
is estimated to be 10% of the action level
for radon concentration indoors (in the Czech

image
Massnahmen zum Radonschutz beim Neubau und bei der Sanierung nach Tschechischen Baunormen
Radon protective and remedial measures according to the Czech building standards
Seite 36
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
V …
Raumluftvolumen (in m
3
)
n …
Luftwechselrate (in h
-1
)
A
.
Kontaktflächen des Hauses zum
Boden (Fußboden
A
f
, Wände
A
w
, in m
2
)
C
dif
Anteil
der
Innenraum-
Radonkonzentration, der durch
Diffusion in das Haus gelangt,
d.h.
C
dif
wird abgeschätzt als
10%
des
Eingreifwer-
tes/Referenzwertes für die In-
nenraum-Radonkonzentration
(in der Tschechischen Republik
ist
C
dif
mit 20 Bq/m
3
für Neubau-
ten und 40 Bq/m
3
für existieren-
de Gebäude festgesetzt).
V …
Raumluftvolumen (in m
3
)
n …
Luftwechselrate (in h
-1
)
A
.
Kontaktflächen des Hauses zum
Boden (Fußboden
A
f
, Wände
A
w
, in m
2
)
Die Werte für Radondiffusionskoeffizienten,
die von der Fakultät für Bauwesen der Tsche-
chischen Technischen Universität in Zusam-
menarbeit mit dem tschechischen Nationalen
Strahlenschutzinstitut in verschiedenen Foli-
enarten gemessen wurden, sind in Abb. 1
zusammengefasst [9]. Eine detaillierte Be-
schreibung des Messverfahrens befindet sich
in [5, 8].
Republic
C
dif
is equalled to 20 Bq/m
3
for new
buildings and 40 Bq/m
3
for existing buildings).
Values of the radon diffusion coefficient meas-
ured in various types of membranes by the
Faculty of Civil Engineering of the Czech
Technical University in cooperation with the
National Radiation Protection Institute are
summarized in Fig. 1 9 . Detailed description
of the measurement procedure can be found
in 5, 8 .
Abb. 1: Übersicht über Radondiffusionskoeffizienten gemessen in 360 wasserdichten Materi-
alien verschiedener chemischer Zusammensetzungen
("paint" - Anstrich; "coating" - Be-
schichtung; "Bentonite" - eine trockene Form von Natriumbentonit zwischen 2 Geotextilien
oder Kraftpapierplatten; "modified bitumen membranes" - SBS: eine Mischung aus Asphalt
Messungen durch
Faculty of Civil Engineering of the Czech Technical
University Prague
und
National Radiation Protection Institute Prague
Measured by: Faculty of Civil Engineering of the Czech Technical Universi-
ty in Prague National Radiation Protection Institute in Prague

image
Martin Jiránek
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 37
und Styren-Butadien-Styren oder - APP: eine Mischung aus Asphalt und ataktischem Polyp-
ropylen PP; "modified bitumen and HDPE film" - Kombination aus SBS-modifiziertem Bitu-
men und HDPE-Trägerfilm; "TPO" - thermoplastisches Polyolefin; "ECB" - Ethylen-
Mischpolymer-Bitumen; "PVB" - Polyvinylbutyral; "CPE" - chloriertes PE; "EVA" - Ethylenvi-
nylacetat)
Fig. 1:
Summary of radon diffusion coefficients measured in 360 waterproof materials of
different chemical composition
(Legend: Bentonite - a dry form of sodium bentonite
placed between two geotextiles or kraft boards; modified bitumen membranes - SBS modifi-
cation (a blend of asphalt and styrene-butadiene-styrene) or APP modification (a blend of
asphalt and atactic polypropylene); modified bitumen and HDPE film - membranes combin-
ing SBS modified bitumen and HDPE carrier film; HDPE - high-density polyethylene; PE -
polyethylene; recycled PVC - membranes made of recycled PVC; PP - polypropylene; TPO
- thermoplastic polyolefin; PU - polyurethane; ECB - ethylene copolymer bitumen; PVB -
polyvinyl butyral; CPE - chlorinated polyethylene; EVA - ethylene vinyl acetate)
Unterdruckerzeugung unter der Boden-
platte
Systeme zur Unterdruckerzeugung unter der
Bodenplatte bei Neubauten werden normaler-
weise durch mehrere, miteinander verbunde-
ne, perforierte Röhren realisiert, die in einer
Schicht aus grobem Kies verlegt sind (Flä-
chendrainage). Diese werden mit einem verti-
kalen Entlüftungsrohr verbunden, das ober-
halb des Gebäudedaches endet. Eine typische
Anordnung eines Entlüftungssystems, das
unterhalb der Bodenplatte eingesetzt wird, ist
in Abb. 2 dargestellt. Die Abb. 3 zeigt einen
Fußbodenaufbau mit Entlüftung der Kies-
schicht. Die Bodenluft wird am oberen Ende
des vertikalen Abluftrohres durch einen Venti-
lator oder eine rotierende Rohrhaube aus den
perforierten Leitungen abgesaugt.
Sub-slab depressurization
Sub-slab depressurization systems in new
buildings are usually provided by a network of
flexible perforated pipes placed in a sub-floor
layer of coarse gravel. Perforated pipes are
connected to a vertical exhaust pipe, which
terminates above the roof. A typical arrange-
ment of a sub-slab ventilation system is shown
in Fig. 2, and a floor structure with soil ventila-
tion is presented in Fig. 3. The soil air is
sucked from the perforated pipes by a fan or
rotating cowl that is installed at the top of the
vertical exhaust pipe.
Abb. 2:
System aus perforierten Röhren in der Drainageschicht bei Neubauten
Fig. 2:
Network of perforated pipes convenient for new buildings

image
image
Massnahmen zum Radonschutz beim Neubau und bei der Sanierung nach Tschechischen Baunormen
Radon protective and remedial measures according to the Czech building standards
Seite 38
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Abb. 3:
Fußbodenaufbau mit Bodenentlüftung
Fig. 3:
Floor structure with the soil ventilation
Abb. 4:
Fußbodenaufbau mit absichtlich geschaffe-
nem Hohlraum
Fig. 4:
Floor structure with an air gap
Hohlraumentlüftung im Fußbodenaufbau
Absichtlich zu schaffende Hohlräume im Fuß-
bodenaufbau werden normalerweise mit Nop-
penbahnen realisiert. In den meisten Fällen
werden sie unterhalb einer radondichten Folie
eingesetzt (Abb. 4). Die beste Lösung ist eine
Entlüftung des Hohlraums über Dach. Dabei
kann die natürliche oder eine technisch unter-
stützte Lüftung genutzt werden. Ein leichter
Unterdruck in dem Zwischenraum ist zu emp-
fehlen.
Floor air gap ventilation
Air gaps in floor structures are usually formed
by plastic membranes with dimples. In most
cases, the floor air gap is implemented under
a radon-proof membrane (Fig. 4). The best
solution is to ventilate the air gap above the
roof. Natural or forced ventilation can be used.
A slight underpressure within the gap is rec-
ommended.
-
Fußbodenschichten
(floor layers)
-
radondichte Folie
(radon-proof membrane)
-
Zementestrich
(cement screed)
-
Noppenfolie
(plastic membrane with dimples)
-
Ausgleichsbeton
(blinding concrete)
-
Unterboden
(subsoil)
-
Fußbodenschichten/
(floor layers)
-
(radondichte Folie
(radon-proof membrane)
-
Ausgleichsbeton
(blinding concrete)
-
Geotextil
(geotextile)
-
grober Kies mit perforierten Röhren
(coarse gravel with perforated pipes)
-
Unterboden
(subsoil)

Martin Jiránek
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 39
3
Sanierung existierender Ge-
bäude
In bestehenden Gebäuden müssen verschie-
dene diagnostische Messungen durchgeführt
werden, um die Radoneintrittspfade in das
Gebäude und die Ausbreitungswege im Ge-
bäude zu finden und die nötigen Informationen
für
die
Planung
wirksamer
Sanierungs-
maßnahmen bereitzustellen. Solche Messun-
gen umfassen normalerweise die Radonkon-
zentration in allen Räumen, die Radonkon-
zentration in der Bodenluft und die Gasperme-
abilität der Schichten im Unterboden sowie
andere sinnvolle und hilfreiche Messungen
gemäß tschechischer Norm ČSN 730601.
Prinzipien der Sanierung
Die Art und das Ausmaß der Sanierung hän-
gen von der Höhe der Überschreitung des
Eingreifwertes/Referenzwertes von 400 Bq/m
3
für die Radonkonzentration, von der Art des
Hauses und von der Anwendbarkeit von Maß-
nahmen in der existierenden Gebäudestruktur
ab.
Gebäude, in denen der Wert von 400 Bq/m
3
nicht deutlich überschritten wird (die Radon-
konzentration bleibt kleiner als 600 Bq/m
3
),
können in einfacher und kostengünstiger Wei-
se durch die Abdichtung der Radoneintritts-
pfade, die Verbesserung der Kellerlüftung, das
Unterbinden einer Luftströmung aus dem Kel-
ler in das Erdgeschoss, die Erhöhung der
Luftwechselrate, die Erzeugung eines leichten
Überdrucks innerhalb des Hauses saniert
werden.
Gebäude mit Radonkonzentrationen oberhalb
von 600 Bq/m
3
sollten mit stärker wirksamen
Methoden saniert werden. Die grundlegende
und effektivste Lösung ist eine Unterdruck-
erzeugung unterhalb der Bodenplatte. Hierbei
ist solchen Systemen der Vorzug zu geben,
die keine Rekonstruktion des Fußbodenauf-
baus erfordern und nicht die Nutzung des
Wohnraums behindern. Die Bodenluft kann
aus perforierten Röhren abgesaugt werden,
die in Bohrungen verlegt werden, die vom
Keller (Abb. 5) oder von einem Graben an
einer oder mehreren Seiten des Hauses (Abb.
6) in die Schicht unterhalb der Bodenplatte
einzubringen sind. Eine andere Möglichkeit
besteht darin, eine solche Installation von ei-
ner Vertiefung aus vorzunehmen, die in einem
Raum des Hauses ausgehoben und danach
3
Remediation
of
existing
buildings
In existing buildings a set of various diagnostic
measurements must be performed in order to
find radon entry routes into the building and
radon pathways inside the building and to
prepare information for the effective design of
the remedial measure. The set usually com-
prises measurements of the radon concentra-
tion in all rooms, assessment of radon concen-
tration and permeability of sub-floor layers and
other reasonable and helpful measurements
according to the standard ČSN 730601.
Principles of remediation
The type and the level of remediation depends
on the degree of exceeding the action level
400 Bq/m3 for indoor radon concentration,
type of the house and applicability of the
measure into the existing structure.
Buildings in which the level of 400 Bq/m3 is
not so much exceeded (indoor radon concen-
tration is below 600 Bq/m3) can be easily and
inexpensively mitigated by sealing of radon
entry routes, improving the cellar – outdoor
ventilation, preventing the air movement from
the cellar into the first floor, increasing the air
exchange rate, creating a slight overpressure
within the building.
Buildings with indoor radon concentration
above 600 Bq/m3 should be remediated by
more effective methods. The basic and the
most effective solution is the installation of a
sub-slab depressurization. The preference
should be given to systems that can be in-
stalled without the reconstruction of floors and
obstructions within the living space. The soil
air can be sucked from perforated tubes drilled
into the sub-floor layer from the cellar (Fig. 5)
or from an external trench excavated in the
ground along one or more sides of the house
(Fig. 6). Other possibility is to install the perfo-
rated tubes from the floor pit excavated in one
room, where afterwards a new floor with a
radon-proof membrane had to be placed (Fig.
7). Beneath each habitable room at least one
perforated pipe should be inserted.

image
image
image
Massnahmen zum Radonschutz beim Neubau und bei der Sanierung nach Tschechischen Baunormen
Radon protective and remedial measures according to the Czech building standards
Seite 40
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
mit einem neuen Fußbodenaufbau einschließ-
lich einer radondichten Folie versehen wird -
am besten natürlich, wenn die Erneuerung des
Fußbodens ohnehin geplant war (Fig. 7). Un-
ter jedem bewohnten Raum sollte mindestens
eine perforierte Röhre verlegt werden.
Abb. 5:
Perforierte Röhren in Bohrungen vom Keller unter die Bodenplatte
Fig. 5:
Perforated tubes drilled into the sub-floor layer from the cellar
Abb. 6:
Perforierte Röhren in Bohrungen von einem Graben außerhalb des Hauses unter die Bo-
denplatte
Fig. 6:
Perforated tubes drilled into the sub-floor layer from the external trench
Abb. 7:
Perforierte Röhren in Bohrungen von einer Fußbodenvertiefung unter die Bodenplatte
Fig. 7:
Perforated tubes installed from the floor pit excavated in one room

image
Martin Jiránek
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 41
In Häusern mit feuchten Wänden und Fußbö-
den kann die mögliche beste Lösung die Ent-
lüftung von (ggf. zu schaffenden) Hohlräumen
im Fußbodenaufbau oder die Ersetzung des
existierenden Fußbodenaufbaus durch einen
neuen sein, der eine radondichte Isolierung
und ein System zur Unterdruckerzeugung im
Boden kombiniert. Perforierte, in eine Schicht
aus grobem Kies unter dem Fußboden zu
verlegende Schläuche (Abb. 8), werden zur
Absaugung der Bodenluft verwendet. Entlang
der Wände lassen sich Rohre einbauen, um
das Eindringen von Radon in das Haus durch
die Fuge zwischen den Wänden und dem
Fußboden oder durch vertikale Löcher bzw.
durch Risse in der Wand zu verhindern.
In houses with damp walls and floors the pos-
sible best solution could be the installation of
ventilated floor air gaps or replacement of
existing floors by new ones in which the radon-
proof insulation and the soil depressurization
system will be combined. Flexible perforated
pipes placed in a sub-floor layer of coarse
gravel (Fig. 8) are usually used for soil air suc-
tion. Pipes are laid along walls in order to stop
radon from entering the dwelling through the
wall-floor joint or through vertical holes and
cracks within the wall.
Abb. 8:
Anordnung von perforierten Röhren in der Drainageschicht als geeignete Sanierungsmaß-
nahme
Fig. 8:
Network of perforated pipes in the drainage layer suitable for remediation
Die passive Entlüftung des Bodens oder eines
Hohlraumes ist oft nicht ausreichend, weshalb
eine technisch unterstützte Entlüftung zu emp-
fehlen ist. Normalerweise wird hierzu ein Ven-
tilator am oberen Ende des vertikalen Abluft-
rohres oder am Ende eines Abluftrohres, das
bis zu einer geeigneten Stelle im Garten ver-
legt ist, eingesetzt. Passive Systeme müssen
in einer Weise installiert werden, dass sie sehr
einfach in ein technisch unterstütztes Entlüf-
tungssystem umgebaut werden können.
In existierenden Häusern ist die radondichte
Isolierung als Einzelmaßnahme nicht so wirk-
sam, da sie normalerweise nicht unter den
Wänden
angewandt
und
somit
Radon
Passive ventilation of soil or air gaps is usually
not sufficient and therefore forced ventilation is
recommended. The fan is usually installed at
the top of a vertical exhaust pipe or in a suita-
ble place in the garden. Passive systems must
be installed in such a way that they can be
very easily changed to forced systems.
In existing houses radon-proof insulation, as a
single measure is not so effective, because it
usually cannot be applied under the walls and
thus radon can be still transported through
wall-floor joints. Therefore combination with a
soil ventilation system is recommended.
Effectiveness of various remedial measures is
presented on Fig. 9 demonstrating that the

image
image
image
image
image
Massnahmen zum Radonschutz beim Neubau und bei der Sanierung nach Tschechischen Baunormen
Radon protective and remedial measures according to the Czech building standards
Seite 42
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
weiterhin durch die Fuge am Anschluss der
Wand an den Fußboden transportiert werden
kann. Deshalb ist die Kombination mit einem
Bodenentlüftungssystem zu empfehlen.
Der
Wirkungsgrad
verschiedener
Sanie-
rungsmaßnahmen ist in Abb. 9 dargestellt. Sie
zeigt, dass die höchste Wirksamkeit für die
Systeme bestätigt wurde, die eine aktive (d.h.
technisch unterstützte) Unterdruckerzeugung
unter der Bodenplatte anwenden.
highest effectiveness was confirmed for active
sub-slab depressurization systems.
Abb. 9:
Wirkungsgrad verschiedener Sanierungsmaßnahmen (als mittlere prozentuale Reduktion
der Radonkonzentration)
Fig. 9:
Effectiveness of remedial measures (as mean percentage reduction of radon concentration)
4
Planung und Auslegung von
Radonschutzmaßnahmen
Nach der Norm ČSN 73 0601 muss die Pla-
nung von Radonschutzmaßnahmen gründlich
und unzweideutig die Lösung des Problems
sowohl bezüglich des Materials als auch aus
technologischer und bautechnischer Sicht
bestimmen. Dazu ist es notwendig, jede der
Komponenten zu beschreiben, die Parameter
der einzusetzenden Materialien (Diffusions-
koeffizient, Permeabilität, Dicke etc.), die An-
zahl, Geometrie und Durchmesser der perfo-
rierten Röhren oder "Radonbrunnen" sowie die
Leistung des Ventilators festzulegen. Charak-
teristische wie auch untypische Details sollten
in Form von technischen Zeichnungen darge-
stellt werden.
Die Auslegung sollte mit Bezug auf die Bau-
physik und Anforderungen an die Zuverlässig-
keit
und
Haltbarkeit
erfolgen.
4
Design of radon reduction
measures
According to ČSN 73 0601 the design of radon
reduction measures must thoroughly and un-
ambiguously determine the solution from ma-
terial, technological and structural point of
view. It is necessary to describe each compo-
nent, to determine parameters of applied ma-
terials
(diffusion
coefficient,
permeability,
thickness, etc.), number, geometry and diame-
ter of perforated pipes or sumps and sizing of
a fan. Characteristic as well as atypical details
should be plotted.
The design should be derived with respect to
building physics and requirements on reliability
and durability.

Martin Jiránek
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 43
5
Danksagung
Diese Arbeit wurde durch das Forschungspro-
jekt MSM 6840770005 unterstützt.
5
Acknowledgement
This paper has been supported by the Re-
search Project MSM 6840770005.
6
Literaturverzeichnis / References
[1]
Neznal M, Neznal M, Matolín M, Barnet I, Mikšová J.: The New Method for Assessing the Ra-
don Risk of Building Sites. Czech Geological Survey Special Papers No. 16, Prague 2004
[2]
ČSN 73 0601 Protection of houses against radon from the soil. Czech Standards Institute, Pra-
ha 2006
[3]
ČSN 73 0602 Protection of houses against radon and gamma radiation from building materials.
Czech Standards Institute, Praha 2006
[4]
Jiránek M.: Testing and Design of Radon Resisting Membranes Based on the Experience from
the Czech Republic. In: Proceedings from the 4th European Conference on Protection against
Radon at Home and at Work. Praha 28.6.-2.7.2004
[5]
Jiránek M, Fronka A.: New technique for the determination of radon diffusion coefficient in ra-
don-proof membranes. Radiation Protection Dosimetry 2008; 130(1): 22-25.
[6]
Jiránek M, Hůlka J.: Applicability of Various Insulating Materials for Radon Barriers. In: The
Science of the Total Environment 272 (2001), pp 79-84
[7]
Jiránek M, Hůlka J.: Radon Diffusion Coefficient in Radon-proof Membranes - Determination
and Applicability for the Design of Radon Barriers. In: International Journal on Architectural
Science, Vol 1, No. 4, pp 149-155, 2000
[8]
Jiránek M, Svoboda Z.: Transient radon diffusion through radon-proof membranes: A new
technique for more precise determination of the radon diffusion coefficient, Building and Envi-
ronment (2008), doi:10.1016/j.buildenv.2008.09.017
[9]
Jiránek M., Kotrbatá M.: Radon diffusion coefficients in 360 waterproof materials of different
chemical composition. In: Radiation Protection Dosimetry (2011), doi:10.1093/rpd/ncr043

Massnahmen zum Radonschutz beim Neubau und bei der Sanierung nach Tschechischen Baunormen
Radon protective and remedial measures according to the Czech building standards
Seite 44
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011

 
Michael Heidler
Simone Körner
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 45
DIE AUSWIRKUNG ENERGETISCHER SANIERUNGEN AUF DIE
RADONKONZENTRATION IN ÖFFENTLICHEN GEBÄUDEN IN
BAYERN
THE INFLUENCE OF ENERGY-CONSERVING RENOVATIONS ON
RADON CONCENTRATIONS IN PUBLIC BUILDINGS IN BAVARIA
Michael Heidler
Simone Körner
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Zusammenfassung
Im
Rahmen
der
Energieeinsparverordnung
(EnEV
2009)
werden
in
Bayern
verstärkt
Gebäudeabdichtungsmaßnahmen
durchgeführt.
In
Häusern,
die
im
Zuge
von
Energieeinsparmaßnahmen saniert werden, kann die Radonkonzentration der Innenraumluft steigen,
da z.B. Bauwerksabdichtungen (Einbau dichter Fenster und Türen, luftundurchlässige Abdichtung der
Außenfläche) zu einer Senkung des Luftaustausches im Gebäude führen können.
Einige ausgewählte öffentliche Gebäude in Bayern werden bei ihrer Sanierung messtechnisch
begleitet, um so Aussagen über die Auswirkungen von energetischen Maßnahmen auf die
Radonkonzentration in Innenräumen treffen zu können. Zielgruppen wie Baufachleute, Architekten,
Planer, Energieberater, kommunale und staatliche Bauverwaltungen sollen für das Thema Radon
sensibilisiert werden und Radon bei zukünftigen Sanierungsmaßnahmen oder Neubauvorhaben
berücksichtigen.
Summary
Within the framework of the German Energy Saving Regulations (Energieeinsparverordnung - EnEV
2009), many buildings in Bavaria are undergoing energy-conserving renovations. In these cases, the
radon concentration of the interior air may increase because new windows, doors and external
insulations seal buildings and reduce the air exchange.
To make more precise statements about the effect of energy-conserving measures, the radon
concentration inside a few chosen Bavarian public buildings is audited before and after the
renovation. Target groups, such as construction specialists, architects, building planers, energy
consultants and municipal and national building authorities should thereby become aware of radon as
a subject and potential problem to be recognised in future renovations and constructions.

Die Auswirkung energetischer Sanierungen auf die Radonkonzentration in öffentlichen Gebäuden in Bayern
Seite 46
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
1
Einführung
„Radon in Innenräumen - Auswirkungen von Gebäudeabdichtungen in Bayern“ ist ein Projekt des
Bayerischen Landesamtes für Umwelt mit dem Ziel, durch Untersuchungen Aussagen über die
Auswirkungen von Gebäudeabdichtungsmaßnahmen auf die Radonkonzentration in Innenräumen zu
erhalten.
Hintergrund zahlreicher momentaner energetischer Sanierungen öffentlicher Gebäude ist einerseits
die Energieeinsparverordnung (EnEV 2009), andererseits die aus dem Konjunkturpaket II zur
Verfügung stehenden Mittel des Bundes und der Länder.
Die Erkenntnis, dass der Einbau dichter Fenster und Türen, und eventuell die luftundurchlässige
Abdichtung der Gebäudehülle einen Anstieg der Radonkonzentration in Innenräumen verursacht,
sowie die derzeit verstärkten Gebäudeabdichtungsmaßnahmen, führte zur Initiierung des Projektes
und zur Kontaktaufnahme des Bayerischen Landesamtes für Umwelt mit vielen Gemeinden, bei
denen 30 öffentliche Gebäude (hauptsächlich Rathäuser) für eine Untersuchung ausgewählt wurden.
Ziel des Projektes sind die
messtechnische Begleitung der energetischen Sanierung einiger ausgewählter öffentlicher
Gebäude
Aussagen über die Wirkung energetischer Maßnahmen im Hinblick auf die
Radonkonzentration in Innenräumen
Sensibilisierung der Zielgruppe - Baufachleute, Architekten, Planer, Energieberater &
Bauverwaltungen - für das Thema Radon
Berücksichtigung von Radon bei energetischen Sanierungen!
Initiierung von Weiterbildungsangeboten und Kommunikationsnetzwerken
2
Auswahl der Gebäude
Die Auswahl der Gebäude basiert auf folgenden Kriterien:
1. Die Auswahl der einzelnen zur Sanierung vorgesehenen Rathäuser war durch deren
Teilnahme am Konjunkturpaket recht einfach.
2. Gebäude von gleicher Größe und Funktion wurden gesucht, um nicht noch mehr Variablen
bei ohnehin nur 30 Gebäuden zu erzeugen.
3. Öffentliche Gebäude sollten relativ oft frequentiert werden und eine gewisse Prominenz im
Leben der Gemeinde haben, um dem Thema mehr Gewicht zu geben.
4. Die Gemeinden mussten Interesse zeigen.
5. Schulen, Kindergärten und andere Heime sollten ausgeschlossen werden, da die
Öffentlichkeit sehr sensibel mit der Gesundheitsgefährdung der Jugend ist.
6. Die Sanierung musste innerhalb des Jahres 2010 stattfinden, um im Rahmen der
Projektlaufzeit Messungen vor der Sanierung Anfang 2010 und nach der Sanierung Anfang
2011 zu ermöglichen
7. Die Auswahl sollte flächendeckend und daher repräsentativ für Bayern sein, aber dennoch
den Schwerpunkt auf Gebiete mit höheren Radonkonzentrationen in der Bodenluft setzen
(siehe Graphik nächste Seite)

image
Michael Heidler
Simone Körner
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 47
Abb.1:
Die geologische Karte von Bayern des Bayerischen Landesamtes für Umwelt zeigt die
Standorte der 30 öffentlichen Gebäude. Schwerpunkte sind das Bayerische Grundgebirge
von Hof bis Passau aufgrund des Urangehalts im Gestein und das Voralpenland aufgrund
örtlich hoher Radonkonzentrationen dank der vielfältigen hydrologischen Bedingungen.

image
image
Die Auswirkung energetischer Sanierungen auf die Radonkonzentration in öffentlichen Gebäuden in Bayern
Seite 48
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
3
Projektablauf
Das Projekt umfasste im Wesentlichen vier Stufen:
1. Die Gebäudeauswahl erfolgte auf Grundlage von Standort, Sanierungszeitraum und
Zustimmung der betroffenen Gemeinden.
2. Vor der Sanierung erfolgte eine Messung der Radonkonzentration im Gebäude (Exposimeter,
ggf. Alpha-Guard oder Radon-Scout zur näheren Kontrolle).
3. Eine Ortseinsicht mit Protokollierung der Gebäudeeigenschaften und Sanierungsmaßnahmen
4. Messung der Radonkonzentrationen nach der Sanierung.
Abb.2:
Während der Sanierung
Abb.3:
Messung nach der Sanierung
Da die Sanierungsmaßnahmen unterschiedlich schnell vorangingen, erfolgte die Ortseinsicht
während oder nach der Sanierung, manchmal sogar noch vor der Sanierung. Die bei den
ausgewählten Gebäuden durchgeführten Sanierungsmaßnahmen setzen sich wie folgt zusammen
(unvollständige Tabelle):

Michael Heidler
Simone Körner
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 49
Tab. 1:
Beispiele von Sanierungsmaßnahmen
Fensterwechsel zu Holzfenster
2
Fensterwechsel zu Holz-Alu
7
Fensterwechsel zu Holz
1
Fensterwechsel zu Kunststoff
10
Fensterwechsel zu Alu
1
Partieller Fensterwechsel
3
Reiner Scheibentausch (mit altem Rahmen)
1
Polystyrol (Außendämmung)
13
Polystyrol mit Graphit (Außendämmung)
1
Polyurethan (Außendämmung)
1
Ziegel mit Perlite gefüllt (als Außendämmung)
1
Mineralwolle (als Außendämmung)
2
Holzfaserplatten (Außendämmung)
1
Partielle Außendämmung
2
Wärmeputz
2
Innenwanddämmung
2
Innen neu abgedichtet und gestrichen
Dämmung bis 14 cm
7
Dämmung bis 18 cm
8
Dämmung über 18 cm
1
Außentüren ausgetauscht (oder zugemauert)
15
Innentüren ausgetauscht
3
Neue Innenwände gezogen
1
Innenwände entfernt
2
Belüftungsanlage eingebaut
1
neue Leitungen gelegt
10
Dachdämmung
14
davon Aufdachdämmung
6
Dachbodensanierung
12
Ganze Kellerwand gedämmt
1
Kellerboden neu
1
Heizungsanlage getauscht
12
Die erste Radonmessung in den Gebäuden erfolgte durchgehend im Winter. Die zweite Messung
erfolgte dagegen überwiegend im Frühling und im Frühsommer. Nach Umfragen wurde während der
zweiten Messung viel mehr gelüftet. Jedoch mussten auch die wenigen Rathäuser, die im Winter ihre
zweite Messung hatten, ebenfalls mehr lüften, da die Abdichtung der Gebäude im Sommer sowie im
Winter „stehende“ Luft bewirkt. Damit wurde der vor der Sanierung bestehende Unterschied zwischen
den Lüftgewohnheiten im Sommer und im Winter geringer.
Die unterschiedlichen Sanierungsmaßnahmen reichen vom einfachen Fenstertausch bis zum
Heizungstausch. Bei manchen Gebäuden wurde die Innenstruktur geändert, die Nutzung der Räume
geändert, Windfänge eingebaut, Treppenhäuser abgeschlossen oder geöffnet, bei anderen änderte
sich im Innenbereich nichts. Damit sind 30 Gebäude bei so vielen Variablen, wie die Ergebnisse der
Vor- und Nachmessungen zeigen, nicht repräsentativ genug. Letztendlich müssen die dreißig
Gebäude im Einzelnen ausgewertet werden, um Aussagen treffen zu können.

Die Auswirkung energetischer Sanierungen auf die Radonkonzentration in öffentlichen Gebäuden in Bayern
Seite 50
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
4
Bisherige Ergebnisse, erste Ansatzpunkte
Bisher ist knapp die Hälfte der dreißig Messergebnisse vorhanden. Die weiteren Ergebnisse werden
bis Anfang November vorliegen.
Tab. 2:
Ausgewählte sanierte Gebäude
Zimmer
Ergebnis alt (Bq/m³) Ergebnis neu (Bq/m³)
Gebäude 1
EG Schulungsraum
15
15
Alpenvorland
EG Foyer
23
15
(Tertiär-Hügelland)
1. OG, Zi. 103
16
15
1. OG, Zi. 104
15
23
Gebäude 2
R01-02 KG
98
69
Alpenvorland
R01 EG
64
13
(Moosgebiet)
R13 OG
71
34
R02 (04)
66
13
Gebäude 3
BKR Aufenthaltsraum KG
121
14
Alpenvorland
02 Bürgerbüro EG
16
39
(Iller-Lech-Schotterplatten) Sitzungssaal EG
40
35
Ruheraum KG
40
15
Aufenthaltsraum Bauhof KG
79
86
Gebäude 4
Keller
43
14
Fränkischer Wald
Kasse
23
28
VZ Bürgermeister EG
16
46
AZ Bürgermeister
9
42
Sitzungssaal
18
41
Gebäude 5
EG Zi.1
690
980
Oberpfälzer Wald
OG Zi.1
660
660
EG Zi.3
720
1000
EG Zi.2
740
1000
Keller Kassenarchiv
2500
2000
Gebäude 6
1 EG (nicht unterkellert)
190
120
Oberpfälzer Wald
3 EG (nicht unterkellert)
300
150
01 Keller
250
1200
101 1. EG
115
120
202 2. OG
180
90
104 1. OG
180
Keller Heizungsraum
45
Gebäude 7
Kopierraum
48
42
Bayerischer Wald
Verkehrsamt
23
58
Elektrozentrale Keller
250
540
Archiv Keller
41
220
Serverraum
31
86
Gebäude 8
Nr. 04 EG
153
48
Bayerischer Wald
Nr. 05 EG
147
52
Nr. 07 EG
86
81

Michael Heidler
Simone Körner
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 51
OG Massage
69
13
OG Fitness (Theke)
84
13
Gebäude 9
Büro EG
265
25
Bayerischer Wald
Bürgermeister Zi. 1.OG
30
40
Keller/Technikraum
360
340
Verkehrsamt EG
35
65
Technik/Kopierraum
20
90
Gebäude 5, 6 und 7 verzeichnen einen Anstieg der Radonkonzentration. Bei den restlichen
Gebäuden ist ein geringer tendenzieller Anstieg in jenen Räumen zu bemerken, in denen die
Belüftung aufgrund der Sanierung nicht geändert wurde.
Angaben über alleinstehende Variablen (z.B. Fenster) sind durch die vielen anderen Variablen bei
den dreißig Gebäuden nicht sehr aussagekräftig, lassen jedoch Tendenzen erkennen.
Tab. 3:
Vergleich Fensterwechsel
Holz (alt) zu Kunststoff
Holz/Alu (alt) zu Holz
Bq/m³ (alt) Bq/m³ (neu) Bq/m³ (alt)
Bq/m³ (neu)
690
980
43
14
660
660
23
28
720
1000
16
46
740
1000
9
42
2500
2000
18
41
460
15
15
520
23
15
48
42
16
15
23
58
15
23
250
540
98
69
41
220
64
13
31
86
71
34
188
120
66
13
296
150
121
14
250
1200
16
39
113
120
40
35
181
91
40
15
180
79
86
46
26
25
29
42
357
340
36
62
22
89
Die Messwerte zeigen, dass Fenster mit Kunststoffrahmen luftdichter sind als Fenster mit
Holzrahmen. Dieses Ergebnis ist grundsätzlich zu erwarten, da Kunststoffrahmen nicht diffusionsoffen
sind, Holzrahmen dagegen schon. Dennoch beeinflussen zu viele Faktoren die wenigen Messungen
um dies auch zu belegen. Auch bei modernen Holzfenstern ist der Luftaustausch eingeschränkt. Die
Aufnahme und Abgabe von Feuchtigkeit verzieht jedoch mit der Zeit den Rahmen und schafft
dadurch Eintrittspfade für Außenluft.

image
Die Auswirkung energetischer Sanierungen auf die Radonkonzentration in öffentlichen Gebäuden in Bayern
Seite 52
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Die Messwerte bei verschiedenen Außendämmungen sind noch weniger aussagekräftig. Mineralwolle
z. B. ist viel diffusionsoffener als Polystyrol (EPS). Dies ist durch die vorliegenden Messergebnisse
noch nicht ansatzweise erkennbar. Letztendlich könnte die Aussage sein, dass die Stärke oder das
Material der Außendämmung keine Auswirkungen haben auf die Radonkonzentration. Dagegen
könnten die Außen- oder Innendämmung durch die zusätzliche Abdichtung der Fensterlaibungen und
die Überdeckung feiner Risse im Gemäuer doch eine Rolle spielen. Möglicherweise ergeben sich
dazu Anhaltspunkte bis zum Projektende.
Der allgemeine Rückgang der ohnehin niedrigen Radonkonzentration der Obergeschosse ist nur auf
die Belüftung zurückzuführen. In den Obergeschossen überwiegen die Büroräume und die
Temperaturen sind generell höher.
5
Auswertung der Messergebnisse ausgewählter Gebäude
Gebäude 1:
Vollständige Außendämmung, Fensterwechsel, im Foyer Erhalt der alten Fenster
durch Scheibenaustausch. Die extrem niedrige Radonkonzentration erklärt sich durch
die sehr mächtige rissfreie Betonbodenplatte. Diese Platte steht auf Betonpfählen im
nachgiebigen Untergrund. Die Luft ist seit der Sanierung am Morgen „verbrauchter“
und feuchter. Deswegen ist die Belüftung intensiver. Die Radonmesswerte sind
gleich. Die intensivere Belüftung gleicht die Sanierungsmaßnahmen aus.
Gebäude 2:
Die Fenster, das Dach und die Außenwand wurden saniert/gedämmt. Das
Treppenhaus wurde im Zuge der Sanierung von den oberen Stockwerken getrennt.
Nur der Keller ist offen an das Treppenhaus angeschlossen und erhält durch die
dortigen Fenster einen Luftaustausch.
Die Radonkonzentrationen sind durchwegs gesunken. Die Luft war nach der
Sanierung nicht verbrauchter als zuvor, deswegen findet keine intensivere Lüftung
statt. Die Messung nach der Sanierung fand im Frühling statt. Es wurde in zwei
Räumen intensiver gelüftet als bei der ersten Messung. Trotzdem ist die Lüftung nicht
der einzige Grund: Die luftdichte Schließung des Treppenhauses trägt maßgeblich zu
den geringen Radonkonzentrationen bei.
Abb.4:
Neues geschlossenes Treppenhaus

image
image
image
image
Michael Heidler
Simone Körner
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 53
Gebäude 3:
Die Fenster, der Dachboden und die Außenwand wurden saniert/gedämmt. Die
zweite Radonmessung erfolgte im Frühsommer. Zwei Radonwerte sind durch offene
Fenster und Außentüren (Luftzug) auf Außenluftniveau abgefallen. Die Büroräume
halten ihr Niveau durch intensivere Lüftung aufgrund der stehenden Luft.
Gebäude 4:
Das einzige Beispiel, bei dem nicht Fenster, sondern nur Fensterscheiben (und die
Dichtungen) ausgetauscht wurden. Des Weiteren wurde der Dachboden mit Cellulose
gedämmt. Die Radonkonzentrationen sind durchwegs angestiegen, trotz leicht
intensiverer Lüftung während der zweiten Messung. Nur im Keller ist die
Konzentration auf Außenluftniveau aufgrund von offenen Fenstern (grundsätzlich
Mitte des Jahres wegen der Luftfeuchtigkeit nicht empfehlenswert). Das zeigt, dass
allein ein Fensterscheibentausch und das Erneuern der Dichtungen einen Einfluss auf
den Radongehalt der Innenräume haben.
Abb. 4 und 5:
Dachbodendämmung mit Celulose und dichte Stahlkellertür
Gebäude 5:
Das präziseste Beispiel einer Vor- und Nachmessung, die bei gleicher
Außentemperatur und gleichen Belüftungseigenschaften stattfand. Die Luft „stand“
zwar geringfügig mehr nach der Sanierung, aber in der sehr kalten Zeit Ende 2010
wurde wenig gelüftet. Eine vollkommene Polystyrol-Außenwanddämmung, eine
ziemlich gute Abdichtung des Dachbodens und neue Kunststofffenster lassen die
Radonkonzentration in allen vier gemessenen Büroräumen um etwa 300 Bq/m³
ansteigen. Die Konzentration im Keller ist von 2500 auf 2000 Bq/m³ gesunken. Dies
könnte an neu verlegten EDV-Kabeln im Keller legen und wird noch untersucht.
Abb. 5 und 6:
Undichte EDV-Kabel-Durchführung und luftdichte Dachdämmung

image
image
Die Auswirkung energetischer Sanierungen auf die Radonkonzentration in öffentlichen Gebäuden in Bayern
Seite 54
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Gebäude 6:
Die Radonkonzentration ist nach der Sanierung gesunken. In einen Kellerraum und
den Raum darüber ist sie jedoch angestiegen bzw. gleichgeblieben. Im Rahmen der
Sanierung wurden im Keller zwei Fluchtwegtüren eingebaut. Die Luft „steht“ dort und
wird nicht mehr in andere Zimmer transportiert. Die Leitungen, die durch den Raum in
obere Räume führen, wurden abgedichtet. Der Heizkeller hat eine niedrige
Konzentration durch eine neue Pelletheizung, die ein durchgehend offenes Fenster
voraussetzt. Im 2. Stock wurde während der zweiten Messung verstärkt gelüftet, da
sich die Wärme oben staut. Im Erdgeschoss des nichtunterkellerten Bereichs wurde
schlecht dämmende Wandfläche durch Fensterfläche ersetzt. Das Ergebnis ist eine
häufigere Lüftung über das ganze Jahr.
Abb. 7 und 8:
Abgedichtete Rohrleitungen (im Hintergrund nicht abgedichtet) und
neue Außenwand
Gebäude 7:
Kunststofffenster, Polystyroldämmung und eine dichte PU-Aufdachdämmung sind die
wesentlichen Sanierungsmaßnahmen. Die Radonkonzentration ist durchgehend
angestiegen. Nur das sehr gut gelüftete Durchgangszimmer (Kopierraum) ist
gleichgeblieben. Der eher moderate Anstieg im Verkehrsamt erklärt sich durch den
regen Parteiverkehr und die Stoßlüftung. Die restlichen Räume werden dagegen nicht
täglich betreten.
Gebäude 8:
Ein Beispiel eines Rathauses, in dem über den Sommer die Fenster sehr oft geöffnet
waren, auch bis spät abends oder durch die Nacht (Fitness- und Massageraum). Die
Konzentrationen sind gesunken. Die ohnehin niedrigen Konzentrationen resultieren
aus einem ursprünglich ausgehobenen Keller, der dann mit Erdreich verfüllt wurde.
Gebäude 9:
Die
Sanierung
war
umfangreich:
Dachbodendämmung
mit
Cellulose,
Außendämmung mit Steinwolle und neue Kunststofffenster, die zusätzlich nach
außen versetzt wurden zur Vermeidung der Dämmung um die Fensternische herum.
Das Treppenhaus ist abgeschlossen und die Außentüren wurden erneuert.
Verkehrsamt und Kopierraum hatten während der ersten und zweiten Messung die
gleichen Nutzungs- und Lüftungseigenschaften. Die Radonkonzentration ist in beiden
Räumen angestiegen.

image
image
Michael Heidler
Simone Körner
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 55
Abb. 9 und 10:
Neue, nach außen versetzte Kunststofffenster und bei der zweiten
Messung öfters geöffnete Treppenhaus- und Eingangstüren

Die Auswirkung energetischer Sanierungen auf die Radonkonzentration in öffentlichen Gebäuden in Bayern
Seite 56
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011

 
Danica Melzer, Christoph Wilhelm
Christian Grimm
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 57
NATÜRLICHE STRAHLENEXPOSITION DER BEVÖLKERUNG IN
BADEN-WÜRTTEMBERG DURCH ERDWÄRMENUTZUNG
EXPOSURE OF THE PUBLIC TO NATURAL RADIATION THROUGH
THE USE OF GEOTHERMAL ENERGY IN BADEN-WÜRTTEMBERG
Danica. Melzer
1)
, Christoph Wilhelm
1)
Christian Grimm
2)
1)
Sicherheitsmanagement, Karlsruher Institut für Technologie, Deutschland
2)
Ministerium für Umwelt, Klima und Naturschutz Baden-Württemberg, Deutschland
Zusammenfassung
In Baden-Württemberg wurden zehn private Geothermie-Bohrvorhaben in geologisch interessanten
Gebieten messtechnisch begleitet. Während den Bohrungen wurden Proben des Bohrlochaushubs
entnommen, um den Gehalt der natürlichen Nuklide in den durchbohrten Gesteinschichten zu be-
stimmen. Vor und nach Beendigung der Baumaßnahmen wurde die Radonkonzentration in der Luft im
Wohnhaus bestimmt. Basierend auf den gewonnenen Messdaten wurden die maximal zu erwartenden
zusätzlichen effektiven Dosen für Einzelpersonen im Kalenderjahr infolge von Geothermiebohrungen
ermittelt. Betrachtet wurden die Expositionspfade: Luft, Wasser, Boden-Pflanze-Mensch und Gamma-
Bodenstrahlung. Trotz der jeweils konservativen Annahmen, die als Worst-Case-Betrachtung zu
sehen sind, konnte keine relevante Erhöhung der Strahlenexposition ermittelt werden. Die Summen
der sehr konservativ abgeschätzten Expositionen betragen 0,79 mSv/a für die Personengruppe kleiner
1 Jahr und 0,57 mSv/a für die Personengruppe größer 17 Jahre und sind verglichen mit der
natürlichen Strahlenexposition in Deutschland von 2,1 mSv/a vernachlässigbar. Die tatsächliche
Exposition durch geothermische Bohrungen ist wesentlich niedriger, als die hier sehr konservativ
abgeschätzten Werte.
Summary
In Baden-Württemberg ten private geothermal drilling projects in geologically interesting areas have
been accompanied by measurements. During the drillings samples of the excavated earth were taken
to determine the concentration of natural nuclides in the bored strata. Before and after finishing the
geothermal construction works the airborne radon concentration of surrounding dwellings was
measured. On the basis of the obtained measuring data the maximum expected additional effective
annual doses received by individuals as a result of geothermal drilling were calculated. The exposure
pathways were observed, i.e. air, water, soil-plant-human and terrestrial gamma radiation. In spite of
conservative accounts in each case that should be considered as worst case scenario no relevant
increase of radiation exposure could be detected. The summations of the highly conservatively
estimated exposures amount to 0,79 mSv/a for persons under 1 year of age and 0,57 mSv/a for
persons over 17 years of age which is insignificant compared to the exposure to natural radiation in
Germany that is 2,1 mSv/a on average. The actual exposure through geothermal drilling is
considerably lower than the extremely conservative data estimated here.

image
image
Natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Baden-Württemberg durch Erdwärmenutzung
Seite 58
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
1
Einleitung
Bei der Gewinnung geothermischer Energie für Wohnhäuser werden für das Einbringen eines
Wärmetauschers in unmittelbarer Nähe oder direkt unter der Bodenplatte von Häusern Bohrungen in
Tiefen bis zu 200 m niedergebracht. Da es in bestimmten Gebieten Baden-Württembergs auf Grund
des geologischen Untergrunds erhöhte Konzentrationen an natürlich vorkommenden Radionukliden
gibt, besteht die Möglichkeit, dass somit radioaktive Anteile von Uran, Thorium, Radium, Radon,
Polonium und Blei aus „tieferen“ Schichten lokal eng begrenzt an die Oberfläche gebracht werden. Als
eines der Folgeprodukte in den natürlichen Zerfallsreihen von Uran und Thorium gelangt dann auch
vermehrt Radon an die Oberfläche, welches sich auf Grund seines gasförmigen Charakters leichter
ausbreitet. Die Inhalation von kurzlebigem gasförmigem Radon und seiner Folgeprodukte gilt als
wesentliche Quelle für die natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung.
2
Bestimmung möglicher Expositionspfade
Basierend auf dem Verhalten der natürlichen Radionuklide im Erdboden und in Gesteinen sind in
Abb. 1 Pfade der natürlichen Radionuklide dargestellt, die zu einer erhöhten Strahlenexposition für
Mensch und Umwelt durch Geothermiebohrungen führen können. Über den Bohrlochaushub ist zum
Einen eine Exposition über den
Boden-Pflanze-Mensch-Pfad
durch die natürlichen Isotope des
Uran, Thorium, Radium und Blei,
sowie über den Wasser-Pfad
durch die Isotope des Uran,
Radium
und
Radon
nicht
auszuschließen. Des Weiteren ist
eine erhöhte Exposition durch
Gamma-Bodenstrahlung
beim
Verbleib des Aushubs am Ort der
Bohrung
denkbar.
Eine
Exposition über den Luftpfad
durch Radon ist über viele Wege
vorstellbar. Radon könnte aus
tieferen
Schichten
in
die
Erdwärmesonde diffundieren und
über das Heizsystem im Haus
verteilt werden. Alternativ wäre
auch eine allgemeine Erhöhung
der
Radon-Aktivitätskonzen-
tration in der oberflächennahen
Bodenluft
um
das
Bohrloch
vorstellbar, die durch allgemein
bekannte
Diffusionswege
ins
Wohnhaus gelangt.
3
Standorte und Bohrvorhaben
Basierend auf geologischen Gesichtspunkten, den Radonkonzentrationen in Bodenluft, den
Radionuklidkonzentrationen im Trinkwasser und der Ortsdosisleistung wurde die Auswahl von fünf für
Abb. 1:
Pfade von natürlichen Radionukliden die zu einer
erhöhten Strahlenexposition für Mensch und Umwelt
durch Geothermiebohrungen führen können

Danica Melzer, Christoph Wilhelm
Christian Grimm
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 59
das Forschungsvorhaben repräsentativen Gebieten in Baden-Württemberg getroffen. In diesen
Gebieten wurden zehn Bohrvorhaben gefunden, messtechnisch begleitet und ausgewertet.
4
Probennahme und begleitende Messungen
Die Probennahme wurde parallel der bei geothermischen Bohrungen stets durchgeführten Proben-
entnahmen zur Bestimmung der Schichtenfolge vorgenommen. Die Probenentnahme erfolgte am
Einlauf des Auffangcontainers. Alle Proben wurden jeweils beim vollständigen Versenken jedes Zwei-
Meter-Bohrgestänges entnommen. Aufgrund der Bohrtechnik handelt es sich bei allen entnommenen
Proben um Mischproben über eine nicht ganz klar definierte Meterzahl. Innerhalb einer Gesteins-
schicht wurde mit einer weitestgehend konstanten Nuklidzusammensetzung gerechnet. Daher wurden
die begleiteten Bohrvorhaben mittels ihrer Farbschichten nach Abgleich mit den geologischen
Schichtverzeichnissen auf ihre deutlichen Schichtwechsel reduziert. Je Schichtwechsel sind dann
jeweils mindestens zwei Proben messtechnisch analysiert worden. Insgesamt wurden 548 Proben
genommen, davon 177 gammaspektrometrisch analysiert; an 86 wurde die Gesamt-Alphaaktivität im
Bohrwasser bestimmt. Bei zwei Bohrwasserproben wurde ein Alphaspektrum mittels GIK-
Spektrometrie aufgenommen.
5
Untersuchung des Bodenaushubs
Für die Analyse des Bohrlochaushubs wurde das Verfahren zur „Bestimmung von Radionukliden
mittels Gammaspektrometrie“ gemäß der internen Methodenbeschreibung des Physikalischen Mess-
labors (KIT) MB ISF 001 [1], welches nach DIN EN ISO/IEC 17025:2005 akkreditiert ist, durchgeführt.
5.1 Grenzwerte für die Verwertung und Beseitigung des Bohrlochaushubs
In Kapitel 3 der StrlSchV [2] „Schutz der Bevölkerung bei natürlich vorkommenden radioaktiven
Stoffen“ wird in Anlage XII Teil A die Verwertung und Beseitigung überwachungsbedürftiger Rück-
stände geregelt und die zu berücksichtigenden Rückstände aufgelistet. Hierunter fallen laut §§97 bis
102 keine Rückstände aus geothermischen Bohrungen. Folglich unterliegt der Bohrlochaushub nicht
dem Geltungsbereich der StrlSchV. Dennoch erschien es zweckmäßig den Aushub anhand dieser
Grenzwerte zu bewerten.
5.2 Gammaspektrometrische Analyse und deren Ergebnisse
Die Proben wurden im getrockneten Zustand gammaspektrometrisch analysiert. Streng genommen
hätte für jede beprobte Bodenschicht eine Bestimmung der elementaren Zusammensetzung durch-
geführt werden müssen, um eine exakte Wirkungsgrad-Kalibrierung für diesen Boden erstellen zu
können. Gewählt wurden Kalibrierungen aus einer Matrix, die ähnliche elementare Zusammensetzung
und Prozentanteile an SiO2 und Calciumcarbonat wie die Gesteinsarten der Proben hatten. Die
dadurch entstandenen Abweichungen in den Wirkungsgraden sind in Tab. 1 wiedergegeben.

image
Natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Baden-Württemberg durch Erdwärmenutzung
Seite 60
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Tab. 1
:
Abweichungen der Wirkungsgrade für verschiedene Gesteine zur gewählten Matrix bei
ausgewählten Energien. Ausschnitt aus [3]
46,5
keV
59,5
keV
81,0
keV
105,3
keV
122,1
keV
136,5
keV
165,9
keV
Kalkstein
-4,4%
-2,7%
-1,2%
-0,5%
-0,2%
-0,1%
0,1%
Sandstein
15,7%
10,1%
5,1%
2,7%
1,9%
1,5%
0,9%
Granit
18,6%
12,1%
6,3%
3,4%
2,4%
1,9%
1,3%
238,6
keV
364,5
keV
583,2
keV
661,7
keV
911,1
keV
1173,2
keV
1460,8
keV
Kalkstein
0,2%
0,2%
0,2%
0,2%
0,2%
0,2%
0,2%
Sandstein
0,5%
0,3%
0,2%
0,2%
0,2%
0,2%
0,2%
Granit
0,7%
0,5%
0,4%
0,3%
0,3%
0,3%
0,3%
Insgesamt wurden nur wenige Schichten mit leicht erhöhten Radionuklidkonzentrationen gefunden.
Die Höchstwerte der spezifischen Aktivitäten liegen bei 0,133 Bq/g Th-232, bei 0,096 Bq/g U-238 und
bei 1,85 Bq/g K-40. Somit wurde gezeigt, dass für alle Proben unter Annahme radioaktiver
Gleichgewichte für alle Nuklide der Zerfallsketten Th-232sec und U-238sec der in Anlage XII Teil A
der StrlSchV [2] angegebene Wert von 0,2 Bq/g unterschritten wurde.
6
Betrachtung des Expositionspfades Luft
6.1 Messung mittels Kernspurdetektoren in Diffusionskammern
Um nachzuweisen ob der Anschluss einer Erdwärmesonde die Radon-Aktivitätskonzentration im
Wohnhaus erhöhen kann, wurden insgesamt 250 Kernspurdetektoren eingesetzt. Die Auswertung
erfolgte
im
„Radon
Messlabor“ des KIT,
welches als sachverstän-
dige Stelle zur Überwa-
chung der Radonexposi-
tion nach §95 StrlSchV
anerkannt ist. Drei bis
vier Wochen vor dem
geplanten
Bohrbeginn
wurde an den Standorten
die erste Charge Kern-
spurdetektoren
ausge-
legt, um den Ist-Stand vor
Anschluss der Erdwärme-
sonde an das Wohnhaus
zu dokumentieren. Nach
Abschluss der Anschluss-
arbeiten wurde die erste
Charge
Exposimeter
durch eine zweite ersetzt.
35 Kirchheim am Ries (Altbau)
0
100
200
300
400
Garten
K Heizraum
K Hauswirschaftsraum
K Hobbyraum
K Flur
K 5.Raum
EG Esszimmer
EG Gästezimmer
EG Schlafzimmer
EG Flur
Treppenhaus
Expositionsort
Rn-222 Aktivitätskonzentration [Bq/m
3
]
Rn-222 Aktivitätskonzentration vor dem Anschluss
Rn-222 Aktivitätskonzentration nach dem Anschluss Messreihe1
Rn-222 Aktivitätskonzentration nach dem Anschluss Messreihe2
Abb. 2:
Rn-222 Aktivitätskonzentration vor und nach Anschluss
der Erdwärmesonde

Danica Melzer, Christoph Wilhelm
Christian Grimm
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 61
6.2 Ergebnisse der Radonmessungen
Es wurden nur bei einem Bohrvorhaben nach Abschluss der Arbeiten signifikante Erhöhungen der
Radonkonzentration gemessen (Abb. 2). Bei diesem Bohrvorhaben wurde eine zweite Messreihe
nach Abschluss der Arbeiten durchgeführt um nachzuprüfen ob diese Erhöhung längerfristig ist. Dies
hat sich nicht bestätigt.
6.3 Strahlenexposition durch Rn-222 bei privater Erdwärmenutzung
Da nur bei einem Bohrvorhaben eine kurzfristige Erhöhung der Radonkonzentration im Wohnhaus
gemessen wurde, ist dieses für die Berechnung der Strahlenexposition herangezogen worden. Die
Ermittlung der effektiven Dosis erfolgte unter Anlehnung an die AVV Bergbau [4] mit einer Exposi-
tionszeit von 1167 Stunden, da die erhöhte Rn-222 Konzentration nach 2 Monaten nicht mehr
nachweisbar war.
Tab. 2
:
Zusammenfassung der möglichen zusätzlichen effektiven Dosis für Kleinkinder und
Erwachsene durch eine Geothermiebohrung, sowie die natürliche Strahlenexposition.
Expositionspfad
ΔH [mSv/a]
Natürliche
Strahlen-
exposition
[5]
Getroffene Annahmen
<1a
>17a
Luft Hausbesitzer
0,34
0,34
1,1
Expositionszeit 1167 h/a
Aufenthaltszeit
in
den
Wohnräumen
konservativ
gewichtet
bezogen
auf
die
gefundenen Höchstwerte
Luft Bohrpersonal
--
(0,47)
--
Einzelner gemessener Radonhöchstwert aller
Bohrungen bezogen auf 2000 h/a
Wasser
<<1*
<<1*
0,3
Maximal-Probe ist repräsentativ für das
gesamte Bohrwasser; Keine Verdünnung in
Kanalisation
Boden-Pflanze-
Mensch
0,19
0,04
25% der verzehrten Lebensmittel stammen
von der mit Bohrwasser lokal kontaminierten
Fläche; Verzehrsgewohnheiten nach AVV zu
§47; Oberflächenkontamination angenommen
für 30 cm Bodentiefe
Gamma-
Bodenstrahlung
0,26
0,19
0,4
Aufenthaltszeit im Freien 2000 h/a
In allen Proben gefundene max. Werte für U-
238,
Th-232,
K-40
in
einer
Probe
angenommen. Diese bedeckt homogen eine
unendliche Fläche bis in 30 cm Tiefe
Gesamtexposition
0,79
0,57
2,1**
Unter der Annahme, dass Hauseigentümer
kein Bohrpersonal sind
* nicht kalkulierbar
** hinzugerechnet wurde auch die äußere Exposition durch kosmische Strahlung mit 0,3 mSv/a [5]

Natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Baden-Württemberg durch Erdwärmenutzung
Seite 62
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
7
Ergebnisse
Neben den hier bereits aufgeführten Messungen, wurde das Bohrspülwasser auf alphastrahlende
Radionuklide hin analysiert und die Dosisleistung sowie die Radonkonzentration während der Bohrung
online gemessen. Die aus diesen Ergebnissen resultierenden möglichen effektiven Dosen sind in
Tabelle 2 mit aufgeführt.
Für die Ermittlung der Werte wurden konservative Annahmen getroffen in Form von Worst-Case-
Betrachtungen. Diese Vorgehensweise war notwendig, da bei einer so geringen Anzahl an Projekten
nicht sichergestellt ist, dass evtl. auftretende Maximalwerte dem Forschungsvorhaben entgangen
sind. Auch durch sehr konservative Annahmen ergaben die denkbaren Expositionspfade einen
unerheblichen Beitrag, bezogen auf die mittlere natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung von 2,1
mSv/a.
Weitere Ergebnisse dieses vom Land Baden-Württemberg geförderten Projektes sind im
Abschlussbericht [6] und in [7], [8] zu finden.
8
Literaturverzeichnis
[1]
Methodenbeschreibung Physikalisches Messlabor MB ISF 001, Bestimmung von Radionukliden
mittels Gammaspektrometrie
[2]
Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen (StrlSchV) vom 20. Juli
2001, BGBl. III 751-1-8
[3]
Annika
Jakobi
September
2009,
Duale
Hochschule
Baden-Württemberg,
Karlsruhe
Bachelor Thesis: Estimation of Uncertainties with the Creation of Mathematical Efficiency
Calibrations in Gamma-Ray Spectrometry
[4]
Bundesamt für Strahlenschutz: Berechnungsgrundlage Bergbau – Teil I Berechnungsgrundlage
zur
Ermittlung
der
Strahlenexposition
infolge
Bergbaubedingter
Umweltradioaktivität
(Berechnungsgrundlage Bergbau), Stand 30. Juli 1999
[5]
Parlamentsbericht: Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung im Jahr 2007
http://www.bfs.de/de/bfs/druck/uus/parlamentsbericht07.pdf,
gelesen am 29. Juli 2009
[6]
Danica Melzer, Natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Baden-Württemberg: Hat die
Nutzung
von
Erdwärme
für
Wohnhäuser
einen
Einfluss
auf
diese
Exposition?,
Abschlussbericht, KIT Scientific Publishing, ISBN 978-3-86644-659-5, 2011
[7]
Danica Melzer, Bachelorarbeit 15. September 2009, Duale Hochschule Baden-Württemberg
Karlsruhe,
Natürliche Strahlenexposition durch Sondeneinbringung für die private
Erdwärmenutzung
[8]
Brigitte Hahn, Masterarbeit 03. August 2009, Universität Rostock , Betrachtung der Strahlen-
exposition von Mensch und Umwelt durch geothermische Energienutzung für Wohnhäuser in
Baden Württemberg

 
Marcus Hoffmann
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 63
RADONSANIERUNGEN IM KANTON TESSIN (SCHWEIZ)
RADON REHABILITATION IN THE CANTON TICINO (SWITZERLAND)
Marcus Hoffmann
Centro di Competenza Radon CCR, SUPSI, Canobbio-Lugano (CH)
Zusammenfassung
Der Kanton Tessin in der Südschweiz ist aufgrund seiner geologischen Situation besonders vom
Radonproblem betroffen. Aus diesem Grund wurde, im Rahmen einer großangelegten
Messkampagne zwischen 2005 und 2010, ein Grossteil der Einfamilienhäuser des gesamten
Territoriums auf Radon untersucht (ca. 60.000 Gebäude). Im Fall einer Überschreitung des gesetzlich
zulässigen Grenzwertes von 1000 Bq/m
3
ist der Hauseigentümer verpflichtet, geeignete
Sanierungsmassnahmen durchzuführen. Das Radon-Kompetenzzentrum (CCR) der Fachhochschule
des Kantons (SUPSI) führt im Auftrag des Eigentümers detaillierte Messungen im betreffenden Objekt
durch
und
schlägt
aufgrund
der
Ergebnisse
dieser
Messungen
verschiedene
Sanierungsmassnahmen vor. Einige Fallbeispiele dieser Maßnahmen werden in diesem Artikel
genauer beschrieben.
Summary
The canton Ticino in the South of Switzerland is concerned on account of his geologic situation
particularly by the radon problem. That's why a large part of the single-family dwellings of the whole
territory was examined, within the scope of a full-scale measuring campaign between 2005 and 2010,
for radon (approx. 60,000 buildings). In the case of an excess of the legally allowed limit value of 1000
Bq / m
3
the house owner is obliged to carry out suitable redevelopment measures. The radon-
competence centre (CCR) of the advanced technical college of the canton (SUPSI) carries out by
order of the owner detailed measurements in the concerning object and suggests on account of the
results of these measurements different redevelopment measures. Some case studies of these
measures are more exactly described in this article.

image
Radonsanierung im Kanton Tessin (CH)
Seite 64
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
1
Einleitung
Das Gebiet südlich des Alpenhauptkamms ist aufgrund seiner geologischen Gegebenheiten
besonders radonhaltig. Alle betroffenen Länder (Schweiz, Italien, Frankreich, Österreich) versuchen
seit geraumer Zeit, dem Problem der radonkontaminierten Häuser Herr zu werden. Der Schweizer
Kanton Tessin, ein besonders betroffenes Gebiet (Abb. 1), hat in den letzten 5 Jahren etwa 60.000
private Einfamilienhäuser auf eine Radonkontamination untersucht. Hierbei wurde ein passives
Dosimeter während der Wintermonate (Heizperiode) für ca. 3 Monate an einem festen Ort innerhalb
des Gebäudes platziert. Eine Verteilung der gemessenen Radonkonzentration ist in Abbildung 2
ersichtlich. Die relativ geringe Zahl von Gebäuden oberhalb des gesetzlich zulässigen Grenzwertes
von 1000 Bq/m
3
hinterlässt auf den ersten Blick einen positiven Eindruck, welcher durch die
Tatsache, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2010 einen Richtwert von nur 300
Bq/m3 empfohlen hat, relativiert wird.
Das Radon-Kompetenzzentrum CCR im Kanton Tessin, welches integrierter Bestandteil der
Fachhochschule der italienischen Schweiz (SUPSI – Scuola Universitaria della Svizzera Italiana) ist,
berät seit 2006 Hauseigentümer im Bereich Sanierung von radonbelasteten Gebäuden.
Voraussetzung für eine effiziente Beratung und Erstellung eines Gutachtens ist eine genaue Analyse
des betreffenden Objektes, insbesondere der Struktur des Hauses (insbesondere der Kelleretage
bzw. an den Erdboden oder Felsen angelegene Räume), den vermutlichen Eintrittsort des Radons
sowie die Bodenbeschaffenheit der unmittelbaren Umgebung. Zur Messung und Identifizierung des
Eintrittsortes wird nach einem Standardprotokoll Orientierende Messungen OM, das von einem
internationalen Konsortium von Radonexperten (DACHI [1]) definiert worden ist, verfahren.
Abb. 1:
geografische Radonverteilung der Schweiz

image
image
Marcus Hoffmann
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 65
Abb. 2:
Verteilung der gemessenen Radonkonzentration im Kanton Tessin (ca. 60.000 Häuser).
2
Fallbeispiele
In diesem Artikel werden diverse Fallbeispiele unter Verwendung von OM beschrieben. Als
Messgeräte wurden Radon Scouts der Firma SARAD GmbH (Dresden) verwendet. Ein typisches
Messergebnis ist in Abbildung 3 ersichtlich.
Abb. 3:
typisches Messergebnis von OM mit Erhöhter Radonkonzentration in der Waschküche.
0
200
400
600
800
1'000
1'200
24.11.09
25.11.09
26.11.09
27.11.09
28.11.09
29.11.09
30.11.09
01.12.09
02.12.09
radon [Bq/m
3
]
data
Wohnzimmer
Büro
Zimmer
Waschküche

image
image
Radonsanierung im Kanton Tessin (CH)
Seite 66
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
2.1 Fallbeispiel 1
Ergebnis der Passivmessung im
Wohnzimmer
(mit Dosimeter, Messzeit: 3 Monate im Winter):
2527 Bq/m
3
Radonkonzentration im Wohnzimmer überschreitet gesetzlichen Grenzwert von 1000 Bq/m3
Eigentümer ist gesetzlich verpflichtet zu sanieren
Gebäudebeschreibung
:
Einfamilienhaus, in den 60er Jahren gebaut
Keller (teilweise unterhalb des Bodenniveaus):
o
Bewohnte Räume: Büro, Hobbyraum, Bad
o
Unbewohnte Räume: Garage, Heizungsanlage, Kellerraum
Erdgeschoss:
o
Bewohnte Räume Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer
o
Beide Etagen durch offene Treppe verbunden.
Der Kellerboden besteht teilweise nur aus losem Kies (wahrscheinliche Radonquelle).
Ergebnisse der OM
(mit 2 Radon Scouts)
:
Abb. 4:
Messergebnisse des Fallbeispiels, aufgrund der hohen Anzahl von Räumen wurden
ausnahmsweise 2 Radon Scouts gleichzeitig verwendet (PT = Erdgeschoss, 1
0
P = erster
Stock).

image
image
image
Marcus Hoffmann
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 67
Vorschläge für eine Sanierung:
1)
Kellerventilation: Kiesboden ist
wahrscheinlich der Eintrittspunkt des
Radons. Die Installation eines
Ventilators im Keller verursacht ein
Druckgefälle unterhalb des Gebäudes
und entzieht diesem das Radongas.
2)
Externen/Internen Radonbrunnen.
Konstruktion eines Radonbrunnens mit
gleichem Effekt (Unterdruck).
Vorgeschlagener Ventilatortyp:
Ventilator:
Name:
Elicent Vitro 9/230 A
Typ:
Axial Fan
Leistung:
24 Watt
Luftfluss:
200 m
3
/h
Sanierung
: Kellerventilation, Kosten der Installation einer Testanlage zur Entlüftung: ca. 400 € (CCR
Messungen und Gutachten nicht enthalten):

image
image
image
Radonsanierung im Kanton Tessin (CH)
Seite 68
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Abb. 5:
Installation einer Testanlage zur Entlüftung des Kellerraumes und Messergebnisse (Office
PT Abb.4) bei maximaler, minimaler Ventilatorleistung sowie im ausgeschalteten Zustand.
2.2 Fallbeispiel 2
Ergebnis der Passivmessung in der
Küche
(mit Dosimeter, Messzeit: 3 Monate im Winter):
822 Bq/m
3
Wert liegt unterhalb des gesetzlichen Grenzwertes (
1000 Bq/m
3
), Bewohner jedoch besorgt.
niedrige Konzentrationen in den Nachbarhäusern gemessen.
Gebäudebeschreibung
Haus mit Terrasse, gebaut in den 90ern.
Kelleretage (teilweise unterhalb des Bodenniveaus):
o
Bewohnte Räume: Hobbyraum
o
Unbewohnte Räume : Speicher, Heizungsraum, Waschküche, Kellerraum
Erdgeschoss:
o
Bewohnte Räume: Wohnzimmer, Küche(pass. dos), Bad
Erste Etage:
o
Bewohnte Räume: 2 Schlafzimmer, Bad

image
image
Marcus Hoffmann
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 69
Alle Etagen sind mittels einer Treppe miteinander verbunden. Zwischen Kelleretage und Erdgeschoss
existiert eine Tür.
Der Kellerboden ist eine Betonplatte (8 cm) auf Kiesboden (keine Garantie auf Dichtigkeit !!!).
Ergebnisse der OM
Abb. 6:
Plan des Kellergeschosses und Messergebnisse, die Pfeile zeigen die Lage der
Kellerräume

image
Radonsanierung im Kanton Tessin (CH)
Seite 70
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Vorschläge für eine Sanierung:
Wahrscheinlich dringt das Radon durch undichte Stellen des Bodenbetons ein, eine genauere
Lokalisierung
ist
jedoch
nicht
möglich.
Aus
diesem
Grund
schlagen
wir
folgende
Sanierungsmassnahmen vor:
Interner Radonbrunnen
: Erzeugung eines Unterdrucks im Boden unterhalb des Hauses
durch ein Ventilationssystem in der Abstellkammer (kleiner Raum mit Fenster)
Externer Radonbrunnen
. Das gleiche Ergebnis kann mittels eines externen Radonbrunnens
erzeugt werden. Das Ventilationsrohr sollte relativ zentral enden.
Die Entscheidung fiel aus Kostengründen auf einen internen Radonbrunnen, die entstandenen
Kosten wurden auf ca. 2300 Euro beziffert. Das Ergebniss der anschliessend erfolgten Messungen ist
in folgender Abbildung ersichtlich.
Abb. 7:
Messergebnisse nach Installation eines internen Radonbrunnens bei maximaler, minimaler
Ventilatorleistung sowie im ausgeschalteten Zustand.

image
Marcus Hoffmann
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 71
2.3 Fallbeispiel 3
Ergebniss der Passivmessung im
Schlafzimmer
(mit Dosimeter, Messzeit: 3 Monate im Winter):
983 Bq/m
3
.
Gebäudebeschreibung:
Einfamilienhaus, gebaut in den 60ern.
Kelleretage (teilweise unterhalb des Bodenniveaus):
bewohnte Räume: Hobbraum, Bad
unbewohnte Räume Heizungsraum, Kellerraum, Waschküche
Erdgeschoss:
bewohnte Räume : Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafzimmer
Alle Etagen sind mittels einer Treppe miteinander verbunden
Vorschläge für eine Sanierung:
Abbildung 8 zeigt den Grundriss des Kellergeschosses mit dem Hinweis auf den Kriechkeller, der für
den ersten Sanierungsvorschlag von Bedeutung ist.
Kriechkeller
Abstellkammer
Abb. 8:
Grundriss des Kellergeschosses

image
image
Radonsanierung im Kanton Tessin (CH)
Seite 72
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Erster Versuch:
Kellerventilation; ein Ventilator wurde im Kriechkeller installiert um in diesem ein
Unterdruck zu erzeugen.
Abb. 9:
Installation eines Ventilators zur Evakuation des Kriechkellers und Messergebniss
Wie aus Abbildung 9 ersichtlich, ist ein positiver Effekt der Evakuation durch den Ventilators,
insbesonders bei maximaler Leistung zu beobachten. Die Radonkonzentration überschreitet jedoch
bei weitem noch die Toleranzschwelle. Wahrscheinlich wird ein Teil der abgesaugten Luft durch
undichte Stellen der Rohrleitungen kompensiert.

image
image
Marcus Hoffmann
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 73
Demzufolge wurde ein zweiter Sanierungsversuch unternommen: ein interner Radonbrunnen in einer
Abstellkammer (s. Abb. 8), dessen Fussboden relativ zum Gesamtniveau des Kellers um ca. 15 cm
abgesenkt ist (Grund unbekannt). Mit relativ geringen Kosten wurde ein Loch möglichst zentral relativ
zum Hausgrundriss in den Betonboden gebohrt und ein provisorisches Absaugsystem mit einem
Helios Ventilator installiert (s. Abb.10). Die anschliessend vorgenommene Messreihe zeigt eine
erhebliche Reduktion der Radonkonzentration im Korridor.
Abb. 10:
Testinstallation eines Radonbrunnens in der Abstellkammer und Messergebnisse bei
maximaler(5), mittlerer(3), minimaler(1) Ventilatorleistung und im ausgeschalteten Zustand
.

Radonsanierung im Kanton Tessin (CH)
Seite 74
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
3
Zusammenfassung und Schlussfolgerungen
Die Sanierung von radonverseuchten Gebäuden ist äußerst komplex und beinhaltet viele Parameter
die oft schwierig einzuschätzen sind, wie z.B. die Bodendichte unterhalb des betreffenden Objektes,
Eintrittsort des Radons etc. Oft wird die Bestimmung der Parameter durch den Ordnungszustand des
Hauses (meist Keller) zusätzlich erschwert.
Jeder Sanierungsvorschlag sollte mit einer provisorischen Installation getestet werden, es gibt keine
Garantie auf eine erfolgreiche Sanierung aufgrund von Beobachtungen.
Im Folgenden werden die wichtigsten Schlussfolgerungen der 5-Jährigen Erfahrungen des CCRs
zusammengefasst:
Die Art der Radonsanierung muss speziell auf die Geometrie des betreffenden Gebäudes,
dessen Lage und dessen Umgebung angepasst werden
Eine Einschätzung der Lage des Eindringpunktes ist von entscheidendem Vorteil
Eine Einschätzung der Bodendichte ist wichtig (Rundgang um das Objekt)
Das CCR installiert lediglich Pilotanlagen zum testen deren Effizienz
CCR benutzt Systeme die mit Unterdruck arbeiten, Kollegen in der Deutschschweiz arbeiten
auch mit Überdruckanlagen (schwer zu kontrollieren)
Eine luftdichte Isolierung der Eindringzone wird als Sanierungsmassnahme vom CCR
grundsätzlich abgelehnt (teuer und schwer zu realisieren)
Die Installation von Flächendränagen werden ebenfalls aus Kostengründen nicht in Betracht
gezogen
4
Literaturverzeichnis
Impressum: Gemeinsame Veröffentlichung von Radon-Fachstellen aus Österreich, Schweiz,
Süddeutschland, Südtirol. Bearbeitung:
[1]
Gräser Joachim (AGES, Österreich), Grimm Christian (Ministerium für Umwelt, Naturschutz
und Verkehr, Baden-Württemberg),
[2]
Kaineder Heribert (Amt der Oö. Landesregierung), Körner Simone und Loch Michael (beide
Bayerisches Landesamt für Umwelt),
[3]
Minach Luigi (Landesagentur für Umwelt, Südtirol), Ringer Wolfgang (AGES, Österreich),
[4]
Roserens Georges-André (Bundesamt für Gesundheit, Schweiz),
[5]
Valsangiacomo Claudio (SUPSI, Schweiz)E. Frenk, R. Panizzon, Stellungnahme zum Thema
künstliche UV-Quellen/Solarien, Schweizerische Ärztezeitung, 76(40), p. 1619, 1995

 
Bernd Leißring
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 75
PRAKTISCHE
ASPEKTE
UND
ERFAHRUNGEN
BEI
DER
REALISIERUNG UND ÜBERWACHUNG VON RADONSCHUTZ-
MAßNAHMEN.
PRACTICAL
ASPECTS
AND
EXPERIENCES
DURING
THE
REALISATION AND SUPERVISING OF RADON PROTECTION
MEASURES.
Bernd Leißring
Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX, Chemnitz
Zusammenfassung
An Beispielen werden auftretende Fragen der Realisierung von Radonschutzmaßnahmen und der
Überwachung von baulichen Leistungen zur Senkung der Radonbelastung erörtert.
Ausgangspunkt ist die Festlegung des zu erreichenden Zielwertes, der nach Beendigung der
Bauleistungen vorliegen soll, der zwischen Bauherrn und dem Bauausführenden abgestimmt werden
muss.
Fragen einer effektiven Bauüberwachung zur Sicherung des Radonschutzes und praktische Beispiele
von Fehlern im Bauablauf werden diskutiert. Es wird vorgeschlagen, in einem speziellen Hausbuch
die nach dem Bauabschluss notwendigen Kontroll- und Überwachungsnotwendigkeiten festzulegen,
damit ein perspektivisch sicherer Radonschutz gesichert werden kann.
Summary
Present problems of the realization of radon protection measures and the supervision of construction
outputs for the lowering of the radon pollution will be shown by examples.
Starting point is the fixing of the target measurement which must be reached after the end of the
constructing outputs and which must be agreed between the building owner and the constructor.
Problems of effective construction supervision for the safeguarding of the radon protection and
practical examples of mistakes during the construction are discussed.
It is suggested to fix the required control and supervision necessities in a special house book in order
to ensure a prospectively safe radon protection.

image
Praktische Aspekte und Erfahrungen bei der Realisierung und Überwachung von Radonschutzmaßnahmen
Seite 76
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
1
Einführung
Unabhängig von der Problematik der Festlegung des Zielwertes für die Radonkonzentration ist die
Notwendigkeit des radonsicheren Bauens oder einer zielgeführten Sanierung an vielen Standorten
unumstritten.
Die eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiet sind seit über 20 Jahren vorhanden.
Nach wie vor gibt es in der BRD keinen gesetzlichen Grenzwert für Radon in Gebäuden.
Nur für bestimmte Beschäftigtengruppen liegen mit der geltenden Strahlenschutzverordnung
gesetzliche Bestimmungen vor.
Betrachte man die Entwicklung der Zielvorgaben auf der Basis der Empfehlungswerte
verschiedenster Institutionen sowohl national als auch international ist eine eindeutige Tendenz zur
Herabsetzung der Konzentrationsobergrenze festzustellen. Waren zum Beispiel in Sachsen
Radonsanierungen auf Werte < 1.000 Bq/m³ lange Zeit Sanierungsziel, stellt man fest, dass
gegenwärtig die Zielwerte auf < 400 Bq/m³ relevant sind. Bei Neubauten wird auf
Radonkonzentrationen kleiner gleich 100 Bq/m³ orientiert.
Aus diesen Ausgangsbedingungen leiten sich zusätzliche Notwendigkeiten ab, die bei der baulichen
Realisierung, Kontrolle und Überwachung zu neuen, anspruchsvollen Aufgabenstellungen führen [1],
die nach wie vor von grundlegendem Interesse für Besitzer und Nutzer von Gebäuden sind.
2
Wege für die Radonsanierung und den Neubau von radonsicheren
Gebäuden
Die Wege zur Radonsanierung eines Hauses sind in Abbildung eins und zwei prinzipiell dargestellt
[2].
Abb. 1:
Prinzipdarstellung Radonbelastung

Bernd Leißring
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 77
Wege zur Senkung der Radonkonzentration in Gebäuden
erhöhte natürliche Belüftung des Gebäudes
erhöhte mechanische Belüftung des Gebäudes
Unterbindung des konvektiven Luftstromes zwischen einem Keller und den darüber liegenden
Räumen
Verfugung von Öffnungen, Rissen und Spalten bzw. Versiegelung von Flächen durch Anstriche
oder Beschichtungen
erhöhte mechanische Bodenluftabsaugung unterhalb der Bodenplatte
erhöhte natürliche Bodenluftabsaugung unterhalb der Bodenplatte
Reduktion des (infolge des Kamineffektes) herrschenden Unterdrucks im Gebäude
Erzeugung von Überdruck im Gebäude
Abb. 2:
Wege zur Senkung der Radonkonzentration in Gebäuden
Man kann also zwei Hauptwege der Sanierung erkennen.
1.) bauliche Maßnahmen zur Abdichtung des Gebäudes gegenüber den Radoneintritt aus den
vorhandenen Baugrund
2.) technische Einrichtungen zur Senkung der Radonkonzentration in Innenräumen zum Beispiel
durch Belüftung oder zur Verringerung des potentiellen Radondargebotes im Bereich des
Gebäudes, wie zum Beispiel das Anlegen von Radonbrunnen oder Absaugung.
Bei Neubauten ist grundsätzlich ein kostengünstiger Radonschutz möglich, wenn dies schon in der
Planungsphase beachtet wird und die Realisierung sorgfältig überwacht wird.
Hier spielen die Prüfung der verwendeten Baumaterialien insgesamt und insbesondere die
verwendeten Folien mit dem „kritischen“ Bereich der Durchdringung der Folie, zum Beispiel durch
Medienzuführungen, wichtig. Bei Lüftungslösungen muss die langfristige Funktionstüchtigkeit
gesichert sein.
3
Zielwertdiskussion
Im Brennpunkt der Planung zum Radonschutz stehen die Beratung zum radonsicheren und Bauen
und die Festlegung des Zielwertes. Da dazu keine letztlich relevante Vorgabe existiert, gibt es
dadurch einen Freiraum und mögliche Ansätze für Rechtsstreitfälle bei den vertraglichen
Vereinbarungen, in Abbildung drei ist dies schematisch dargestellt.
In der Praxis kann man feststellen, dass nur in Einzelfällen entsprechende Festlegungen zum Zielwert
und zum Prozedere der Überprüfung vorliegen.

image
Praktische Aspekte und Erfahrungen bei der Realisierung und Überwachung von Radonschutzmaßnahmen
Seite 78
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Abb. 3:
Schema Zielwertdiskussion
Nach wie vor gibt es bei vielen Neubauprojekten, wo aus den Standortbedingungen ein Radonschutz
notwendig und sinnvoll ist, keine geplanten Lösungen für den Radonschutz. Hier ist ein Wertverlust
vorprogrammiert. Diese Objekte sind spätestens bei zukünftig verbindlich gesetzlichen Vorgaben
perspektivisch Sanierungsobjekte.
4
Probleme bei der baulichen Realisierung des Radonschutzes und
der Überwachung erreichter Verhältnisse und Schlussfolgerungen
An Beispielen wird auf Ausführungsfehler beginnend von profanen Eingriffen auf den Radonschutz
bis hin zum Ausfall technischer Lösungen hingewiesen.
Folgende Schwerpunkte werden diskutiert.
1.) Zerstörung des Radonschutzes durch Eingriffe auf die Radonschutzfolie
2.) bauliche
Veränderung
an
Gebäuden
mit
Wirkung
auf
die
vorhandenen
Radonschutzmaßnahmen
3.) Erhöhung der Innenraumkonzentration durch Unterlassung der Wartung technischer Anlagen
4.) Verbesserung des Radonschutzes durch Veränderung der vorhandenen Absaugung
5.) Langzeitkontrolle vorhandener Radonschutzlösungen
Die Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen sind in nachfolgender Abbildung zusammengestellt.

image
Bernd Leißring
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 79
Abb. 4:
Notwendigkeiten für dauerhaften Radonschutz
Die
Problematik
einer
geeigneten
Abschlussmessung
nach
Realisierung
der
Radonschutzmaßnahmen ist auch zwischen dem Bauherrn und den mit der Messung beauftragten
Institution abzustimmen. Sinngemäß trifft dies auch auf Problemfälle bei Nutzungsüberlassung von
„nicht befriedigten“ Radonkonzentrationsverhältnissen in Gebäuden zu [6].
Hier sollte darauf geachtet werden, von der wirklichen Verweilzeit der Bewohner oder Beschäftigten in
dem jeweiligen Gebäude auszugehen.
Ein praktischer Ansatz ist bei [5] vorgeschlagen worden, da somit die tatsächlichen Belastungen auf
Personen als Kriterium der Zielwertfestlegung dienen kann und nicht eine meistens erhöhte
Radonkonzentration in den Zeiträumen der Nichtnutzung, einen Einfluss auf das Erreichen des,
eventuell auch gerichtlich relevanten Tatbestand ausübt.
Der tendenzielle Anstieg von Gerichtsverfahren zu diesen Streitfällen ist vom Autor bei seiner
Tätigkeit als öffentlich bestellter Sachverständiger zu beobachten.
5 Literaturverzeichnis
[1] Leißring, B.: Erfahrungen beim Radonschutz in Gebäuden mit bergbaulicher Beeinflussung.-
1. Sächsischer Radontag, Tagungsband, 2007
[2] Baudocu Österreich:
www.bau-docu.at,
2011
[3] Grundmann, G., Leißring, B.: Langzeitkontrolle der Radonkonzentration im Einkaufszentrum
Schlema.- 3. Sächsischer Radontag, Tagungsband, 2009
[4] Leißring, B.: Erfahrungen bei der Sanierung einer Schule.- 2. Sächsischer Radontag,
Tagungsband, 2008
[5] Flesch, Hermann, Jobski, Leißring, Löbner, Schulz: Neue Aspekte der Radonmessung in
Gebäuden.- 2. Sächsischer Radontag, Tagungsband, 2008
[6] Leißring, B.: Radonsanierung im Blickfeld der Öffentlichkeit und der Rechtsprechung.- 35. Sitzung
des Arbeitskreises Natürliche Radioaktivität, Bremerhaven, 2008

Praktische Aspekte und Erfahrungen bei der Realisierung und Überwachung von Radonschutzmaßnahmen
Seite 80
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011

 
Hartmut Schulz
René Baumert
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 81
BAUABLAUF UND RADONMESSUNGEN / EMPFEHLUNGEN FÜR
BAUHERRN
CONSTRUCTION
EXPIRY
AND
RADON
MEASUREMENTS
/
RECOMMENDATIONS FOR CONSTRUCTORS
Hartmut Schulz
René Baumert
IAF - Radioökologie GmbH, Radeberg
Zusammenfassung
Für eine belastbare Bewertung des Radonrisikos eines Baugrundstücks ist neben der Bestimmung
der Radonkonzentration in der Bodenluft, die Messung der Gaspermeabilität des Bodens zwingend
notwendig. Auch bei einem niedrigen Radonkonzentrationsniveau im Baugrund kann bei einer
entsprechend hohen Gaspermeabilität des Bodens ein erhöhtes Radonrisiko auf dem Grundstück
bestehen, das erweiterte bauliche Radonschutzmaßnahmen bedingen kann, um das Eindringen von
radonhaltiger Bodenluft in das Gebäude zu unterminieren. Letztlich legt aber die Qualität der
baulichen Ausführung, insbesondere die Dichtheit der Mediendurchführungen und die der
Schnittflächen von Bausegmenten fest, wie viel Radon in ein Gebäude eindringen kann. Das
bedeutet im Umkehrschluss, dass neben der Beurteilung der Baugrundsituation, die Überprüfung der
Qualität der Bauausführung durch Dichtheitsmessungen eine wichtige Voraussetzung für einen
umfassenden Radonschutz darstellt.
Summary
For a loadable assessment of the radon risk of a building plot is beside the regulation of the radon
concentration in the ground air, the measurement of the gas-permeability of the ground compelling
inevitably. Also with a low radon concentration level in the development site a raised radon risk on the
property can exist with an accordingly high gas-permeability of the ground, the enlarged architectural
radon preventive measures can cause to undermine the penetration of radon-containing ground air in
the building. However, in the end, fixes the quality of the architectural implementation, in particular the
density of the media-bushing and those of the cut surfaces of construction segments how much radon
can penetrate into a building. This means in the reverse that beside the judgement of the
development site situation, the examination of the quality of the execution of construction with density
measurements shows an important condition for a comprehensive radon protection.

Bauablauf und Radonmessungen / Empfehlungen für Bauherrn
Seite 82
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
1
Vorbemerkung zum Sach- und Kenntnisstand
Die "Bauqualität" eines neu errichteten Hauses übt den größten Einfluss darauf aus, ob letztlich ein
erhöhtes Radonrisiko für die Hausbewohner zu besorgen ist oder nicht. Ist das Haus praktisch
radondicht gebaut, spielt die Radonverfügbarkeit des Baugrunds keine Rolle. Baumängel
begünstigen im starken Maße das Eindringen von radonhaltiger Bodenluft in das Wohngebäude und
können zu nicht tolerierbaren Radonbelastungen führen, ohne dass dabei die Radonkonzentrationen
in der Bodenluft besonders hohe Werte erreichen müssen [1], [2].
Wichtig ist auch festzustellen, dass vor allem in Abhängigkeit von der Temperaturdifferenz
T
zwischen einzelnen Hausräumen oder zwischen der Innenraumluft und der Außenatmosphäre
konvektive Luftströmungen induziert werden, die jahres- und tageszeitliche Charakteristika aufweisen
und auch für das Verständnis der Infiltration von radonhaltiger Bodenluft aus dem Baugrund in ein
Haus von signifikanter Bedeutung sind. Das Haus selbst übt aufgrund seiner vergleichsweise hohen
mittleren Innentemperatur von
20
0
C den größten Einfluss auf das Radontransportverhalten
zwischen dem Haus und den umgebenden Baugrund aus.
In Wohngebäuden, die in den letzten 20 - 30 Jahren gebauten wurden, werden oft die Keller auch als
Wohn- oder Arbeitsräume genutzt bzw. beim Bau als solche konzipiert, so dass aufgrund der
bestehenden Temperaturdifferenzen praktisch in jeder Jahreszeit das Haus auf die umgebende
Bodenluft des Baugrunds einen permanenten Unterdruck ausübt. Beim Vorhandensein von Leckagen
leistet der damit verknüpfte Saugeffekt dem Eindringen von radonhaltiger Bodenluft in das Haus
Vorschub. Die Situation ist völlig analog bei Häusern ohne Keller, da immer ein starkes
Temperaturgefälle zwischen dem Hausinnenraum und der Bodenluft unterhalb der Bodenplatte
besteht.
Vor allem bei öffentlichen Gebäuden, wie z.B. Schulen und Kindergärten, ist das Nutzen von
Kellerräumen als Werkräume, Klassenräume, Speiseräumen üblich, so dass in vielen Fällen wegen
des Saugeffekts die nicht radondichten Medieneinbindungen die Hauptursache für erhöhte
Radoninnenraumkonzentrationen sind [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
].
Die Höhe der Radonkonzentration in Innenräumen wird durch die Höhe des Luftwechsels
entscheidend mitbestimmt. Eine Mindestlüftung verfolgt das Ziel der Abwehr von Risiken für Mensch
und Bausubstanz, so dass sowohl gesundheitsschädigende Raumluftzustände als auch Tauwasser-
beziehungsweise Schimmelpilzbildung verhindert werden können. Aus den Recherchen folgte, dass
von einer verhältnismäßig geringen Luftwechselrate von etwa 0,2 h
-1
für ca. 50% des
Altbaubestandes sowie von noch geringeren Luftwechselzahlen für Niedrigenergiehäuser und
Passivhäuser auszugehen ist [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
]. Dieser Tatbestand impliziert,
dass sowohl der Radonfreisetzung aus den Baumaterialien als auch der Radondichtheit des
Gebäudes zur Vermeidung einer Ankopplung an das "Radonreservoir" Bodenluft im Baugrund
besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.
Der Kenntnis über den in einem Gebäude herrschenden Luftwechsel kommt somit eine
herausragende Bedeutung zu, um die mögliche Radonkonzentrationserhöhung bei Verringerung des
Luftwechsels im Zuge von Energiesparmaßnahmen eingrenzen zu können (s. z.B. [3], [4], [5]).
2
Zu den Kenngrößen radiologischer Untersuchungen des Baugrunds
Bevor ein Haus geplant wird, steht oftmals erst die Auswahl des Grundstücks und die anschließende
Bewertung der Baugrundsituation im Vordergrund. Bei den Baugrunduntersuchungen hinsichtlich der
Beurteilung eines möglichen Radonrisikos muss generell berücksichtigt werden, ob das Haus mit
oder ohne Keller errichtet wird. Im Vorschlag der Landeshauptstadt Dresden wird deshalb empfohlen,
entsprechende radiologische Messungen für Häuser mit Keller nur nach Errichtung der Baugrube
durchzuführen.

Hartmut Schulz
René Baumert
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 83
Die Messung der Radonkonzentration in der Bodenluft allein genügt nicht, um das
Gefährdungspotential eines Baugrundstücks hinsichtlich der durch Radon und seine Folgeprodukte
bedingten Strahlenexposition der Bewohner abschätzen zu können. Wichtiger ist die Kenntnis der
Eigenschaften des Baugrunds bezüglich des Radontransports bzw. der Radonverfügbarkeit. Neben
den Lüftungsbedingungen sind die zeitlichen Variationen der Radonkonzentrationen in Bauwerken
auf den am Interface Gründungsschicht-Bauwerk herrschenden Unterdruck zurückzuführen [6], [7].
Bei solchen konvektiven Prozessen spielt die Darcy-Geschwindigkeit des Bodengases
p
k
v
,
(1)
die dem Produkt von Gaspermeabilität des Bodens k [m²] und Druckgradienten
p
am Interface
Gründungsschicht-Bauwerk direkt proportional ist, die entscheidende Rolle für den Radontransport.
Der Proportionalitätsfaktor in (1) ist durch die dynamische Viskosität der Luft
=1,8 10
-5
Pa s
gegeben. Die Radoninfiltrationsrate in das Gebäude ist durch
Q
vC
Rn
,
(2)
bestimmt, wobei C
Rn
die Radonkonzentration in der Bodenluft bezeichnet.
In der Tab
.
1
sind für ausgewählte Bodenarten die Gaspermeabilitäten zusammengestellt. Sie
vermitteln, dass die Variationsbreite von k mindestens je nach Baugrund 2 - 3 Größenordnungen
überstreichen kann.
Tab.
1: Gaspermeabilität einiger wichtiger Bodentypen [8]
Bodentyp
Gaspermeabilität k [m
2
]
Ton, nass
10
-16
schluffiger Ton, feucht
10
-15
schluffiger Sand
10
-13
Schluff
2 10
-13
kiesiger, sandiger Lehm,
4
Gew. Proz. Wasser
10
-12
gleichförmiger feiner Sand,
17
Gew.-proz. Wasser
10
-11
gleichförmiger, mittlerer Sand
2 10
-9
reiner Kies
10
-9
- 10
-7
Die effektive Gaspermeabilität k hängt im starken Maße von der Porosität und der Wassersättigung
des Bodens ab. Aus diesem Grund ist eine Parametrisierung des Gefährdungspotentials, das durch
die Migration von Radon in die Häuser bedingt ist, hauptsächlich in Abhängigkeit von
der Gaspermeabilität k,
der Radonkonzentration in der Bodenkluft C
Rn
,
des durch das Haus verursachten Unterdrucks
p
und der
Luftwechselrate L
W
zu erfassen.
Die Abb.
1
illustriert dies für die am häufigsten vorkommenden Bodenarten. Die Zeit für das
Ansaugen von 1 m³ Bodenluft vergrößert sich jeweils um eine Größenordnung bei entsprechender
Verringerung der Gaspermeabilität. Somit wird bei konvektiven Transportprozessen, induziert durch
das Druckgefälle am Übergang Haus-Baugrund, die Größe k selbst zum bestimmenden Element für
die Höhe der konvektiven Radoninfiltrationsrate in das Haus.

Bauablauf und Radonmessungen / Empfehlungen für Bauherrn
Seite 84
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Abb. 1:
Relative Saugzeit für 1 m³ Bodenluft,
normiert auf die für gleichförmigen feinen
Sand mit einer Gaspermeabilität von
k=10
-11
Aus der gleichzeitigen Messung von Gaspermeabilität k und der Radonkonzentration in der Bodenluft
C
Rn
wird die Radonverfügbarkeit bzw. der Radonverfügbarkeitsindex (RVI) [9] des Baugrunds durch
das Produkt von
k C
Rn
bestimmt. Die Radoneintrittsrate in ein Haus wird dann nachhaltig vom
Druckgefälle
p
zwischen Haus und Bodenluft im Baugrund beeinflusst und kann sehr genau durch
entsprechende Messungen im Keller direkt erfasst werden [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
],
[
Fehler! Textmarke nicht definiert.
], [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
].
In der Abb.
2
ist dieser Sachverhalt anhand eines vereinfachten Beispiels untersetzt. Es illustriert,
dass
ein
Baugrund
aus
gleichförmig
feinem
Sand
(k=10
-11
m²)
und
einer
Radonbodenluftkonzentration von nur 10 kBq/m³ aufgrund seiner vergleichsweise hohen
Gaspermeabilität ebenso viel Radonaktivität in ein Haus liefern könnte wie ein Baugrund, bestehend
aus
einem
kiesigen
sandigen
Lehm
(k=10
-12
m²)
mit
einer
deutlich
höherer
Radonbodenluftkonzentration von 100 kBq/m³. Dieses Beispiel veranschaulicht, dass nicht die
Radonkonzentration in der Bodenluft, sondern die Radoneintrittsrate in das Haus die entscheidende
Größe ist, um das Radonrisiko belastbar abzuschätzen.
Abb. 2:
Radonkonzentration
in
der
Bodenluft
in
Abhängigkeit von der Gaspermeabilität k bei
konstanter Radonverfügbarkeit
k C
Rn
1E-17
1E-16
1E-15
1E-14
1E-13
1E-12
1E-11
1E-10
1
10
100
1000
10000
100000
relative Saugzeit für 1 m³ Bodenluft, bezogen auf k=10
-11
k [m
2
]
nasser
Ton
schluffiger Sand
gleichförmiger
feiner Sand
schluffiger
Ton, feucht
kiesiger sandiger
Lehm
0
100
200
300
400
500
600
700
800
900
1000
1E-13
1E-12
1E-11
k [m²]
Radonkonzentration in der Bodenluft [kBq/m³]
schluffiger Sand
kiesiger sandiger Lehm
gleichförmiger
feiner Sand
C
Rn
x k = const. = 10
-7
Bq/m

Hartmut Schulz
René Baumert
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 85
Würde eine Bodenluftradonkonzentration von C
Rn
= 100 kBq/m³ allein ins Kalkül gezogen, um das
Radonrisiko abzuschätzen, könnte im Sinne einer konservativen Bewertung ein hohes Radonrisiko
abgeleitet
werden.
Die
Berücksichtigung
der
Gaspermeabilität
relativiert
jedoch
solche
Pauschalaussagen und führt zu einer realistischeren Beschreibung, die auch letztlich zu einer
Reproduktion der komplexen und zeitlich variierenden Innenraumradonkonzentrationen eines Hauses
führt [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
], [10].
Unterdrücke von ca. -5 bis -20 Pa am Interface Gründungsschicht-Bauwerk sind dabei als eine
realistische Größenordnung anzusehen. Die Ergebnisse in der
Fehler! Verweisquelle konnte nicht
gefunden werden.
veranschaulichen den Einfluss des Unterdrucks am Interface Gründungsschicht-
Bauwerk auf die mittlere Radonmigrationslänge im Baugrund (s.a. [11], [12]).
Es ist offensichtlich, dass bei Böden, charakterisiert durch Gaspermeabilitäten von k
10
-12
m², die
Gaspermeabilität der entscheidende Zustandsparameter ist, der die Radontransporteigenschaften
des Mediums Boden bestimmt. Bei weniger gaspermeablen Böden im Bereich von 10
-13
m² < k < 10
-12
m² bestimmt ein Zusammenwirken von diffusiven und konvektiven Radontransportprozessen die
Radoneintrittsrate in ein Gebäude. Bei gering gaspermeablen Böden mit k < 10
-13
m² ist die
Radoneintrittsrate Q proportional zu
D C
Rn
und wird durch diffusive Transportprozesse bestimmt,
wobei neben der Radonkonzentration in der Bodenluft die Größe der Diffusionskonstante D eine
entscheidende Rolle spielt. Sehr gering gaspermeable Böden sind durch sehr kleine
Radonmigrationslängen (< 10 cm) charakterisiert und stellen somit einen guten Radonschutz dar.
3
Auswahl eines Grundstücks bzw. Abschätzung des Radonrisikos
bei einem Hausbau
Bei der Auswahl eines Grundstücks bzw. bei der Abschätzung des Radonrisikos für die Bewohner
eines zu errichtenden Hauses ohne Keller sind gemäß den oben dargestellten Ergebnissen die
nachfolgend aufgelisteten radiologischen Messungen von Bedeutung:
(1) Messung
der
Radonkonzentration
C
Rn
in
der
Bodenluft
in
ca.
1
m
Tiefe
(ca. 5 Messpunkte auf der Hausauftandsfläche)
(2) Messung der Gaspermeabilität k in ca. 1 m Tiefe (an den gleichen Messpunkten wie (1))
(3) Messung der Ortsdosisleistung der Gammastrahlung in ca. 1 m Höhe über der Baufläche (im
Raster 3 m x 3 m)
(4) Entnahme von Bodenproben und Bestimmung der Aktivität relevanter Radionuklide (Ra-226,
Rn-222, Pb-210) (an 1 - 2 Messpunkten in unterschiedlichen Tiefen, z.B. 0,1 - 0,3 cm, 0,7 -
1,0 m)
0
2
4
6
8
10
-14
-13
-12
-11
-10
-9
lg k
Migrationslänge M [m]
M (Dp=-20 Pa/m)
M (-10 Pa/m)
M (-5 Pa/m)
Diffusion
Konvektion
p=-20 Pa
p=-5 Pa
p=-10 Pa
Abb. 3:
Infiltrationsraten Q in Abhängigkeit
von
der
Gaspermeabilität
bei
Berücksichtigung
verschiedener
Unterdrücke
am
Interface
Gründungsschicht-Bauwerk

Bauablauf und Radonmessungen / Empfehlungen für Bauherrn
Seite 86
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
(5) Messung der Radonexhalation an der Oberfläche der Baugrubensohle (optionale Messung)
Die Messungen der Radonkonzentrationen in der Bodenluft und der Gaspermeabilität des Bodens
dienen der Bestimmung der Radonverfügbarkeit des Bodens und erlauben, das Radonrisiko
belastbar abzuschätzen. Ein Bewertungsschema ist z.B. in [13] und. [14] gegeben, wobei das
Radonrisiko für den Baugrund bei bindigen Böden mit Permeabilitätswerten von k < 10
-12
m
2
über die
Radonaktivitätszahl R
na
nach [15] und bei Böden mit Permeabilitätswerten von k > 10
-12
m
2
über den
Radonverfügbarkeitsindex RVI nach [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
] bewertet werden kann.
Zusätzliche Informationen über die radiologische Situation werden über die Messung der
Ortsdosisleistung der Gammastrahlung in ca. 1 m Höhe über der Baufläche und die
Radionuklidanalyse von Bodenproben gewonnen. Die Messung der Gammastrahlung dient
hauptsächlich der Feststellung und Konturierung von Arealen erhöhter Aktivität und Lokalisierung von
Aufschüttungen
mit
unterschiedlichem
Aktivitätsniveau.
Anhand
der
Ergebnisse
der
Radionuklidanalyse von Bodenproben kann über die Bestimmung der Ra-226-Aktivität und des
Emanationskoeffizienten die gemessene Radonkonzentration in der Bodenluft validiert und über das
Aktivitätsverhältnis von Pb-210/Ra-226 die potenzielle Langzeitradonfreisetzung im Baugrund
prognostiziert werden [16], [17].
Die direkte Messung der Radonexhalation an der Oberfläche kann auch optional durchgeführt werden
und liefert zusätzliche Information darüber, ob erhöhte Radonfreisetzungen zu besorgen sind.
Insbesondere ist diese Methode zu favorisieren, wenn z.B. bei Gebäuden mit Keller die
Gründungsschicht so beschaffen ist, dass z.B. wegen des anstehenden Felsgesteins eine
Bodenluftnahme nur eingeschränkt möglich ist. Besonders wichtig ist auch, die Radonverfügbarkeit
der senkrechten Wände der Baugrube zu bestimmen, da deren Gesamtfläche die der
Baugrubensohle deutlich übertreffen kann. Die bei IAF - Radioökologie GmbH vorliegenden
Erfahrungen belegen, dass oftmals nicht Leckagen in der Bodenplatte, sondern Baumängel und/oder
nicht radondichte Medieneinbindungen in den Kellerwänden die Ursachen für erhöhte
Radonkonzentrationen in den Kellerräumen sind.
4
Verifizierung der Radonschutzmaßnahmen
4.1 Häufig auftretende Baumängel
Radonschutzmaßnahmen sind z.B. im Radonhandbuch [18] beschrieben und werden nicht näher
erläutert. Im Vordergrund steht hier die Verifizierung des Erfolgs von Radonschutzmaßnahmen. Es ist
eingangs bemerkt worden, dass die Bauqualität eines neu errichteten Hauses den größten Einfluss
darauf ausübt, ob letztlich ein erhöhtes Radonrisiko für die Hausbewohner zu besorgen ist oder nicht.
Die etwa in 20-jähriger Tätigkeit gesammelten Erfahrungen der Firma IAF - Radioökologie GmbH auf
diesem Gebiet zeigen, dass nicht eine unzutreffende Einschätzung der Radonsituation vor
Baubeginn, sondern vor allem Baumängel und zu geringe Luftwechselraten die Ursachen von hohen
Radonbelastungen in einem neu errichteten Haus sind. Das gilt insbesondere auch für Häuser in
Gebieten mit einem vernachlässigbaren Radonrisiko. Bei gravierenden Baumängeln können nicht
tolerierbare
Radonkonzentrationen
in
jedem
Haus
auftreten,
ohne
dass
dabei
die
Radonkonzentrationen in der Bodenluft besonders hohe Werte annehmen müssen.
In der Abb 4 ist dies anhand eine Beispiels untersetzt, wobei die maximal erreichbare
Radonkonzentrationen in einem Kellerraum von 100 m³ Luftvolumen in Abhängigkeit von der
Gaspermeabilität und verschieden großer Leckageflächen, bezogen auf die Gesamtfläche von
Grundplatte und der der Kellerseitenflächen, dargestellt sind. Für den Unterdruck am Interface
Baugrund-Keller und die Radonkonzentration in der Bodenluft sind -10 Pa bzw. 20 kBq/m³ gewählt
worden. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass bei Permeabilitäten k > 10
-12
m² je nach Leckagegröße
die Radonkonzentrationen stark ansteigen, so dass der wichtigste Radonschutz in der
Unterminierung von Leckagen besteht, die ein Eindringen von Bodenluft begünstigen.

Hartmut Schulz
René Baumert
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 87
Abb 4:
Maximal erreichbare Radonkonzentrationen in einem Keller ohne Luftwechsel in
Abhängigkeit von der Gaspermeabilität und der Größe der Leckageflächen, bezogen auf die
Gesamtfläche in %. Der Unterdruck am Interface Gründungsschicht-Bauwerk ist -10 Pa/m,
die Radonkonzentration in der Bodenluft beträgt 20 kBq/m³.
Die nachfolgend aufgelisteten Feststellungen beziehen sich ausschließlich auf neugebaute oder
grunderneuerte Häuser und beruhen auf den Erfahrungen, die bei der IAF - Radioökologie GmbH in
den letzten 20 Jahren im Bereich des Radonschutzes gesammelt wurden.
Als eine Hauptursache für erhöhte Radoninnenraumradonkonzentrationen erwiesen sich:
"radonundichte" Durchörterungen für Abwasser (Toiletten, Bad, Küche, etc.) der
Grundplatte bei Häusern ohne Keller und
bei Häusern mit Keller zusätzlich diese Art von funktionalen Durchörterungen in
senkrechten Kellerwänden.
Ein weiteres Problem stellen Leerrohre für Zuführungen von Telekommunikations-, Elektro-,
Gas- und Stromleitungen dar, wenn diese nicht radondicht durchgeführt und die in den
Leerrohren verbleibenden teils großen Zwischenräume nicht abgedichtet bzw. verfüllt
werden.
Auch trockene Siphons (Geruchsverschlüsse) können als zusätzliche Radoneintrittspfade
fungieren, da z.B. in Abwasserkanälen je nach geologischer Situation und der Ankopplung an
das Radonreservoir zum teils beträchtliche Radonkonzentrationen bilden können. Dies gilt
auch für andere Medienkanäle.
Die Grundplatten sind nach Erfahrung der IAF - Radioökologie GmbH als ausreichend
radondicht zu bezeichnen, zumal die oft zusätzlich als Feuchtigkeitsschutz aufgebrachten
Bitumenbahnen mit Radondichtheitszertifikat das Restrisiko durch das Auftreten von kleinsten
Rissen bzw. Luftwegsamkeiten weiter reduziert und überdies zu keinen nennenswerten
Mehrkosten im Vergleich zu Dichtungsbahnen ohne Radonzertifikat führen.
Probleme hinsichtlich des wirksamen Radonschutzes können jedoch im Gegensatz zu den
gegossenen Grundplatten nicht fachgerecht errichtete senkrechte Kellerwände bereiten. Hier
sind z.B. die Übergänge zur Grundplatte und die Fugen zwischen vorgefertigten
Wandsegmenten zu nennen.
Werden Häuser mit weißer Wanne gebaut, so ist dies nach Erfahrungen der IAF -
Radioökologie GmbH ein ausreichender Radonschutz, wenn, wie oben beschrieben, die
Medieneinbindungen etc. radondicht ausgeführt worden sind.
Ein Keller, der dauerhaft von Boden mit hohen Wassergehalten umgeben ist, ist zumindest
für den Bereich der gesättigten Bodenzone als total radondicht zu bezeichnen, da die
Radondiffusionskonstante im Wasser etwa 4 - 5 Größenordnungen niedriger als die für den
Bodenlufttransport
ist.
Auch
hier ist für die
Medieneinbindungen
oberhalb
der
Grundwasserlinie die Radondichtheit nachzuweisen und die Funktionstüchtigkeit der Siphons
zu garantieren. Anderenfalls kann, wie Beispiele gezeigt haben, auch ein Haus mit Keller als
0
200
400
600
800
1000
1200
1400
1600
1800
2000
-14
-13
-12
-11
-10
lg k
[Bq/m³]
Leckagen 3%
Leckagen 1%
Leckagen 0,3%
Diffusion
Konvektion

Bauablauf und Radonmessungen / Empfehlungen für Bauherrn
Seite 88
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
weiße Wanne, umgeben von Bodenwasser, erhöhte Innenraumradonkonzentrationen
aufweisen.
4.2 Kontrollmessungen während der Bauphase
Die radiologischen Messungen zum Nachweis der Radondichtheit der Gebäudehülle sollten
schrittweise während der Bauphase und nicht erst nach Fertigstellung des Hauses erfolgen. Die
Lokalisierung und Beseitigung von Leckagen ist nach Beendigung des Hausbaus oder nach Bezug
des neuen Hauses immer mit teils unverhältnismäßig hohen Kosten verbunden.
Es hat sich als günstig erwiesen, zunächst in einem 1. Schritt die Radondichtheit von allen
Durchörterungen und diversen anderen Durchführungen zu prüfen, bevor der weitere Aufbau des
Fußbodens, d.h. das Verkleben der Bitumenschweißbahnen zum Feuchtigkeitsschutz, des Einbaus
der Fußbodendämmung und Aufbringung der Estrichböden realisiert wird. Bereits aufgetragener
Estrich und Feuchtigkeitsschutz erweisen sich als sehr hinderlich und kostentreibend, wenn erhöhte
Radoninnenraumkonzentrationen bestimmt wurden und Leckagen zu lokalisieren sind. Als
Erfahrungswert liegt bei IAF - Radioökologie GmbH vor, dass ca. 3 von 10 Durchörterungen
nachgearbeitet werden müssen. Die Radondichtheitsprüfung von fertiggestellten Durchörterungen
kann während des weiteren Bauablaufs erfolgen. Werden so viele Radonmonitore eingesetzt, wie
Durchörterungen in einem Einfamilienhaus vorhanden sind, entstehen praktisch nur geringe
Mehrkosten.
Ist die Radondichtheit nachgewiesen, sollte in einem 2. Schritt durch entsprechende Messungen
geprüft werden, ob Radon durch noch nicht identifizierte Leckagen in das Haus bzw. in den Keller
eindringt. Zweckmäßig und kostengünstig ist auch hier so viele Radonmonitore einzusetzen, wie das
Einfamilienhaus Räume hat [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
]. Letztere Messungen sind
idealerweise über ein Wochenende durchzuführen, um einen durch Begehung und Bauarbeiten
induzierten Luftwechsel möglichst völlig auszuschließen. Sind keine Leckagen zu besorgen,
quantifizieren die charakteristischen zeitlichen Anstiege der Radonkonzentrationen in den einzelnen
Räumen die Radonfreisetzung der Baumaterialien und liefern somit den wichtigsten Hinweis darauf,
wie hoch ein Luftwechsel in dem neuen Haus sein muss, damit die Radoninnenraumkonzentration
den vorgegebenen Zielwert nicht übersteigt [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
], [19].
Da Radon nicht nur vorrangig von unterhalb der Bodenplatte, sondern ebenso von der "Seite" in den
Keller eindringen kann, ist dies ist unbedingt bei den Dichtigkeitsprüfungen zu beachten. Das gilt
insbesondere, wenn wie oben ausgeführt, senkrechte Kellerwände aus Fertigelementen aufgebaut
und auf die Grundplatte aufgesetzt werden und überdies kein besonderer Feuchtigkeitsschutz
aufgebracht wird.
Es ist auch günstig, nach der Installation der Heizung bei hohen Innenraumtemperaturen die
Messungen über mindestens 2 Tage zu wiederholen. Damit kann überprüft werden, ob durch den
durch Temperaturerhöhung induzierten Unterdruck die Radondichtheit gegeben ist (s. Abb 4). Auch
bei dieser einfachen Überprüfung ist vorteilhaft und kostengünstig, so viele Radonmonitore
einzusetzen, wie das Einfamilienhaus Räume hat [
Fehler! Textmarke nicht definiert.
].
Ist die Radondichtheit der Gebäudehülle nachgewiesen, kann der weitere lagenweise Aufbau der
Fußböden erfolgen. Je nach Baufortschritt können die vorgenannten Radonmessungen auch in
Etappen für einzelne Räume durchgeführt werden.
4.3 Messungen nach Fertigstellung des Hauses
Ob Kurzzeitmessungen der Radoninnenraumkonzentrationen nach der Fertigstellung eines Hauses
im Zuge der Übergabe des Hauses durchgeführt werden sollen, hängt von den Vereinbarungen
zwischen Baufirma und Bauherrn ab. Sollte dies gefordert werden, so sind die Messungen bestenfalls
in allen Räumen über ca. 1 Woche auszudehnen. Dabei ist jedoch unbedingt darauf hinzuweisen,
dass wegen der möglicherweise stark eingeschränkten Nutzung des Hauses und des damit

Hartmut Schulz
René Baumert
Dresden, 20. Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 89
verknüpften niedrigen Luftwechsels höhere Radonkonzentrationen gemessen werden als bei
normaler Hausnutzung.
Zur Überprüfung der Radonkonzentrationen in einem bewohnten Haus ist es üblich, die
Radonkonzentrationen durch integrierende Langzeitmessungen zu bestimmen. Dabei wird jedoch die
Radonkonzentration in den Räumen unabhängig von der Nutzung ermittelt, so dass diese Mittelwerte
nur bedingt Rückschlüsse auf die tatsächliche Exposition liefern können. Man kann deshalb Lang-
und zeitaufgelöste Kurzeitmessungen miteinander kombinieren. Im Ergebnis der Untersuchungen in
[
Fehler! Textmarke nicht definiert.
] wurde nachgewiesen, dass die zeitaufgelösten Messungen den
entscheidenden Vorteil besitzen, Informationen über das Systemverhalten des gesamten Hauses und
die Ursachen von erhöhten Radonkonzentrationen zu gewinnen.
Abschließend sollte bemerkt werden, dass über die Luftwechselzahlen in neu gebauten Häusern in
Zusammenhang mit Innenraumradonkonzentrationen praktisch keine Informationen vorliegen. Es
sollte deshalb in Zusammenhang von Überprüfungsmessungen diesem Problem besondere
Aufmerksamkeit geschenkt werden, d.h. entweder durch direkte Luftwechselmessungen oder indirekt
durch Modellierung von Ergebnissen zeitaufgelöster Kurzzeitmessungen. In jedem Fall ist es wichtig
zu ergründen, ob eventuell erhöhte Radonkonzentrationen nur eine Folge einer zu geringen Lüftung
sind.
5 Quellenverzeichnis
[1]
"Radon in öffentlichen Gebäuden", IAF, WISMUT, GEOPRAX, BPS im Auftrag des
Sächsischen Landesamt für Umwelt und Geologie, 2005/2006.
[2]
Erarbeitung fachlicher Grundlagen für die Entwicklung zeit- und kosteneffektiver Verfahren zur
Bestimmung von Strahlenexpositionen durch Radon in Wohnungen (StSch 4534), IAF -
Radioökologie GmbH und B.P.S. Engineering GmbH im Auftrag des BfS, Januar 2010
[3]
H. Schulz, "Aktueller Kenntnisstand zu Radon in Gebäuden", Sächsischer Radontag 2007
[4]
W. Löbner, Luftaustausch in Gebäuden – Bestimmung der Luftwechselraten in Räumen,
Vortrag SMUL Dresden, KORA Dresden, September 2006 und Referenzen in diesem Vortrag
[5]
W. Löbner, H. Schulz, Ermittlung des Quellterms durch Kombination von Messungen der Rn-
Konzentration und Tracergasmessungen, Radon Workshop des BfS, November 2006, Berlin
und Referenzen darin
[6]
H. Schulz, Untersuchung zum Interface Untergrund / Gebäude, IAF - Radioökologie GmbH
Dresden unter Mitwirkung des Bergtechnischen Ingenieurbüros GEOPRAX
[7]
B. Leißring, H. Schulz, Erfahrungen aus Sanierungsmaßnahmen mit komplizierten Un-
tergrundverhältnissen, 2. Tagung zum "Radonsicheren Bauen" KORA e.V. September 2006,
Dresden
[8]
W. Roßbander, F. Ohlendorf, B. Ullrich, Grundlagen zur Radonrisikobewertung im Stadtgebiet
von Dresden mit Kartierung der Verdachtsflächen für Radonklassen VERNACHLÄSSIGBAR
bis SEHR HOCH und Handlungsempfehlungen (im Auftrag des Amtes für Umweltschutz der
Stadt Dresden), BAUGRUND DRESDEN, Ing. mbH, Dresden 1993
[9]
H. Surbeck, Überlegungen zum Radonrisiko eines Baugrundes, 1993
[10]
H. Schulz, Modellierung der Radonkonzentrationsentwicklung in einem Haus als Multi-
Kompartiment-Problem, IAF - Radioökologie GmbH, Interne Berichte
[11]
A. B. Tanner, The Role of Diffusion in Radon Entry into Houses, Proc. of the International
Symposium on Radon and Radon Reduction, Atlanta, Georgia 19 - 23 February 1990
[12]
G. M. Reimer, A. B. Tanner, in Nierenberg, W.A. ed., Encyclopedia of Science, Vol 3, San
Diego, California, Academic Press, Inc. 705 - 712

Bauablauf und Radonmessungen / Empfehlungen für Bauherrn
Seite 90
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
[13]
W. Roßbander, F. Ohlendorf, B. Ullrich, L. Fuhrmann: Bewertung des Radonrisikos eines
Baugrundes, Bauingenieur 70 (1995) 41
[14]
H. Schulz, W. Horn, F. Ohlendorf, W. Roßbander, K. Schönefeld: Bewertung des Radonrisikos
eines Baugrundes, Bericht auf der 18. Sitzung des Arbeitskreises “Uranbergbau und
radioaktive Altlasten” (AKURA), Johanngeorgenstadt, Oktober 1999
[15]
E. Slunga: Radon Classification of Building Ground. Radiation Protection Dosimetry 24 (1988)
39
[16]
Förderprojekt des BfS "Methode zur parameterfreien Bestimmung der Radonexhalation und
Dimensionierung von Abdeckschichten bei der Sanierung bergbaulicher Altlasten", IAF -
Radioökologie GmbH, September 1999 - Oktober 2000; Schriftenreihe Reaktorsicherheit und
Strahlenschutz, Der Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit BMU-
2002-597
[17]
H. Schulz, L. Funke, A. Schellenberger, Study of Long Term Radon Transport by Measuring
the Difference of the 210-Pb and 226-Ra Activity in Soil as a Function of the Depth, Health
Physics. Vol. 84,2003, 236
[18]
R. Lehmann & H. Landfermann & A. Junkers & U. Schöppler (September 2001) Radon-
handbuch Deutschland, Braunschweigdruck GmbH Druck Verlag Medien 38112 Braunschweig
[19] R. Gellermann, H. Schulz, “Erhöhte natürliche Radioaktivität in Baugrund und Baustoffen -
neue Anforderungen an die Ingenieurplanung Planen und Bauen“, Beratende Ingenieure,
September 2004, Springer-VDI-Verlag, 26 - 31

 
Referentenverzeichnis
Dresden, 20.Sept. 2011
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Seite 91
Referentenverzeichnis
Prof. Dr.-Ing. habil. Roland Stenzel
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 - 3101, Telefax: 0351 / 462 - 2185
www.htw-dresden.de
email: stenzel@htw-dresden.de
Herbert Wolff
Staatssekretär
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
D-01097 Dresden, Archivstraße 1
www.smul.sachsen.de
email: poststelle@smul.sachsen.de
Prof. Dr.-Ing. Walter-Reinhold Uhlig
Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden
und Vorstandsvorsitzender KORA e.V.
D-01069 Dresden, Friedrich-List-Platz 1
Telefon: 0351 / 462 - 2440, Telefax: 0351 / 462 - 2172
www.bau.htw-dresden.de
email: dresden@koraev.de
Frank Leder
Ministerialrat
Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft
D-01097 Dresden, Archivstraße 1
Telefon: 0351 / 56465 - 40, Telefax: 0351 / 56465 - 49
www.smul.sachsen.de
email: poststelle@smul.sachsen.de
Martin Jiránek
Czech Technical University, Faculty of Civil Engineering
CZ-16629 Praha 6, Thákurova 7
Telefon: +42 / 22435 - 4806
www.fsv.cvut.cz
email: jiranek@fsv.cvut.cz
Dipl.-Ing. Michael Heidler
Bayerisches Landesamt für Umwelt
Referat 41 - Radioökologie
D-86179 Augsburg, Bürgermeister-Ulrich-str. 160
Telefon: 0821 / 9071 - 5333
www.lfu.bayern.de
email: michael.heidler@lfu.bayern.de
Dipl.-Ing. (BA) Isabella Löschinger
Karlsruher Institut für Technologie KIT
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen, Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
Telefon: 0721 / 608 – 22092
www.kit.edu
email:
Isabella.Loeschinger@kit.edu
Dipl.-Ing. (FH) Christoph Wilhelm
Karlsruher Institut für Technologie KIT
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen, Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
Telefon: 0721 / 608 – 22784, Telefax: 0721 / 608 - 922784
www.ksm.kit.edu
email: christoph.wilhelm@kit.edu
B.SC. Danica Melzer
Karlsruher Institut für Technologie KIT
D-76344 Eggenstein-Leopoldshafen, Hermann-von-Helmholtz-Platz 1
www.ksm.kit.edu
email: danika.melzer@kit.edu

Referentenverzeichnis
Seite 92
5. Sächsischer Radontag - 7. Tagung Radonsicheres Bauen
Dresden, 20. Sept. 2011
Dipl.–Ing. Christian Grimm
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg (UM)
D-70182 Stuttgart, Kernerplatz 9
Telefon: 0711 / 126 – 0, Telefax: 0711 / 126 - 2881
www.um.baden-wuerttemberg.de
email: christian.grimm@um.bwl.de
Dr. rer. nat. Marcus Hoffmann
Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana
Dipartimento ambiente costruzioni e design
Centro competenza radon
CH-6952 Canobbio, Campus Trevano
www.radon.supsi.ch
email: marcus.hoffmann@supsi.ch
Prof. h.c. Dr. rer.nat. habil Bernd Leißring
Bergtechnisches Ingenieurbüro GEOPRAX
D-09114 Chemnitz, Max-Planck-Str. 18
Telefon: 0371 / 336 – 2788 Telefax: 0371 / 336 - 2789
www.geoprax-leissring.de
email: bernd@leissring.de
Dr. rer. nat. habil. Hartmut Schulz
IAF - Radioökologie GmbH
D-01454 Radeberg Wilhelm-Rönsch-Straße 9
Telefon: 03528 / 48730 - 20, Telefax: 03528 / 48730 - 22
www.iaf-dresden.de
email: schulz@iaf-dresden.de

image
 
Herausgeber KORA e.V.
Kompetenzzentrum für Forschung und Entwicklung zum Radonsicheren Bauen und Sanieren
c/o HTW Dresden, Friedrich-List-Platz 1, 01069 Dresden
Telefon: 0351/4622400, Telefax: 0351/4622172
www.koraev.de,
email:
dresden@koraev.de
Dresden 2011
Redaktionelle Bearbeitung: M.Sc. Ronny Sachse
Alle Rechte, auch das der Übersetzung, vorbehalten.
Ohne ausdrückliche Genehmigung von KORA e.V. ist es nicht gestattet, dieses Werk
oder Teile daraus auf fotomechanischem Wege (Fotokopie, Mikrokopie) zu vervielfältigen
sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen vorzunehmen.
Angaben ohne Gewähr.
Für die Inhalte sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich.
Druck und Bindung:
Lichtpaus- und Kopierstudio Dresden